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Google Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter|http: //books . google .corül durchsuchen. W|«22 '16 ^eitfdirift für bic i|(famt( Bttaft(i|it$iiitff(iifi|iiift herausgegeben Den Dr. ö"S^^^>'^^""Ö *" ^^^^ prop^9[oftif(^cn öcbeutun^. SSon Dr. Subtüig ?YuIb, ?le(^td.inroaft in 3Rain,^ 114 4. Sitteraturbcri(^t. (§)efc^ic^tc bed ©traf rechts unb bed ©trafprojcffcö. ©crid)tcrftattcr: ^rii)atbo.^ent Dr. Günther 126 3trafrcc^t. ungemeiner 2:eil. Seric^terftattcr: u. Silicat f)ar . 227 @trafpro;e6. *eri(^terftatter: o. fiilienttjar 2G8 5. Bibliograp^ifc^e S^otijcn. Jlcbigiert uon ^rof. o. X'ilicnttial 803 f>. ^btianblungen. Serbrec^en unb Sergeticn gegen ?{eIigton unb 3tttli(i^fcit in Cfterreic^s Ungarn. 35on Cbcrlanbedgeridjtörat 5- ©. ©ernertt) : .815 7. eclbflbUfe. SBon «mWridjtcr 3B. Äulemann 829 8. Straf berufungdfammem , ein gefe|geberiid)er 35orf(^lag. il^on Ctto Scftmibt, Sanbgeric^törat ju 35erlin 855 9. 2/Cr SWunbraub. 3krfuc^ ber 3)arfteUung ber gef(^tc^tlid)cn irntroirflung unb bcö t)eutigen Sleic^örec^W. S3on Dr. Slbolp^ Si*»cblänbcr, aicfercTibar 809 10- onternationale (S^ronif. Stebigicrt oon Dr. % .Öcv^og . . . 419 11. 39ib(iograp^ifc^e ^toti^en. 9lebigiert oon Dr. 91. Si>cr;og unb V. Silicnl^al 452 12. 3lbf»anblungcn. Über 3^"Ö^'*beiDei6anträgc im ©trafocrfaljren. (^eacötrag.) i^on Sanbric^ter 25i^en in 8cutl)en C.=8ct)1 4()1 13. ^ie Sdcfonn ber Jrei^eitdftrafe nac^ beutft^em 9le(^te. 9.^on 8trafanftalt6; btrcftor ;3i(^art in Subroigdburg 478 14. (rinijjc (Jrgebniffe ber neueren Ärtminalftutiftif. il^on U.^^rof. Dr. 53. ^ölbed in »ubapeft 515 15. tCudlänbifc^e 9lunbfc^au. 1. ginnlanb. ^a« finnifc^ ©trafgei'e^ oom 19. S^c^cmbcr 1889 im )8erglei(^ mit bet altem ©trafgefe^gebung ginnlanbö. 35on Dr. 9lr. celto 3aa!fo 5orSman, ^rofcffor bcS Straf rcd^t§ an bcr Uniocr fität fpclfmöfor« 578 2. öefänflniSfroßcn in ben SJcrcmigtcu ©taatcn. (S5erfammlimg bcr «National Prison Association** ju Gincinnati.) 95on Dr. 9loIanb ^. goüncr in ^^ilabcrp^ia 591 16. Sitteraturbcrt(^t. ©trafrcc^t. Slttgcmciner "Xcxl. S3crid^tcrftattcr : ^rofcffor Dr. ^eintiarb gran! in ©te^en 599 17. öibrio0rapl)ifc^e S^oti^en. 5Jcric^tcrftatter Dr. o. i&ippcl . . . 623 18. 31 b^anb hingen. (Sinige ©rgebntffe ber neuem ÄHminalftatiftit S8on U..^rof. Dr. 83. gölbe« in »ubapcft (od^luf;) 629 19. ®aö 3luö(ieferunööücrfa^ren in ^rcu^en, inöbcfonbcre bic SJlitroirfung ber 0eri(^te bei bemfelben. 2)argefteUt i>on Dr. jur. 2)eriu«, (^cric^tös SlMor in »ierefelb 677 20. 2)a« Objef t ber ©träfe. S5on 6. ©lioöberg, 2lbpo!at in ©t. Petersburg 701 21. ^e Sagabonbage unb i^re Se^anblung. (rine pfpc^ologifd^e unb fo^io- (ogifcbe ©tubie pon ^rof. 9Kori^ »cnebüt in 3Bien 710 22. !2itteraturberic^t. ©trafrec^t. Slflgcmeiner 2:eil. I. 93er ic^terftatter: Dr. t». Hippel . . 718 „ „ „ II. öeric^terftattcr: Sennede u. 5>*u^J^ 741 1. SJJiUctnfngen bcr gntemationalen friminaliftifc^cn SSereinigung. Sunb II. -^ '.t^eft 3 unb SBanb III. öcft 1. 2. 2)a« ©trafgefej für X>a^ ©ro^fürftentum ginnlanb. Stiftetnatifdiea llegifter. tit 5?«iombrofo (Tic neuen (rntberfungcn auf bem (Gebiete bcr friminalcn 9lntf)ropologie) 009*. Sc^ärer u. Spci)r (Crin Jall erioorbencr Ül^errü(ftl)cit) 010*. 2. .sUiminalftatiftif: Jyölbcö (Das friminaliftifd)c ^OJiaterial, bic Statiftif bcr 'iUTbrec^en, bic gcograp^ifc^c 33crtcilung bcr 'i^erbred)cn, bcr (rinfluf? bcr matcrieUcn ^^cr()ältniffe, ber iHilbung, uon ^^cruf, ^Hclii^on, ^?uitionalitöt u. politi|d)cm J^cben auf bic kriminalität, bie ^e^ibioitiit) olö bis 577. ((iinftu^ bcö ^efd)led)tö, beö 5llterö, bcö ^i^^ilftanbeö auf bic Mriminalität, bic ^cprcffion, bic Äriminalitöt in bcr '^^ergangenfteit u. Wcgcnuuirt) 629 bis 676. iUer^auö (Crrgebniffe bcr ncucftcn ftatiftifdjcn '^Veröffentlichungen be^ .^üglid) ber Strafred)töpflegc) 010*. v. Sdjccl (S^v Crinfübrung in Die iltriminalftatiftif: Sufti^*, C^Jefängniöftatiftif u. Statiftif bor Mriniinaruät) 741*. 2:ic rHeid)Sfriminalftatiftif für ha^ ^aijx IHS-S, 742». X\c .Mriminah u. (^Jefiingniöftatiftif i8ai)cnis im 3al)rc 1889, 746*. C^rgebniffc ber ^^oli^ciucnoaltung äl^iens im iai)vc 1889, 747*. Die fonfcffioneUe ilriminalftatiftif 747*. Julb (Weograpljic ber ^^*rbrcd)en in ^^talicn ls79 bis 188;^; 748*. @9f*c"wtif(^eö ©ac^rcgifter. VII 8. Ariminalpolitü: SKc^cr (SJcbingtc SJcrurtcUuug) 602*. Älcinfcttcr öcsgl. 610*. SobcU besigl. 618*. geuffcrt bcSgl. 748*. eimonfon bcSgl. ToO*. Öauticr bcSgl. 75*2*. «Rcrfcbcn (©in «orblirf auf baS 3a^r 2000 ober ein ^ag in einer etrofanftatt be§ XXI. ga^r^unbertS) 737*. 5(rnolbt (Über Strafen u. Strafarten) 752*. Si^Ö^J^ (3"^^ 5tage ber Umgeftaltung bcs Mutigen Strofcnft)fteniS) 753*. 2Bac^ (Sleform ber grci^eitöftrafen) 7ö:i*. Jtofenfelb (ßrfc^ung ber furjjeitigen grcil^citöftrofe bun^ anbre Btrafmittel) 755*. 5lppeliu§ (3)ic bcbingtc 5}crurteilung u. bic nnbcrn &:fa^mittel für furj^^eitigc grei^eitSftrafen) 758*. o. Äirc^enl^cim bcSgl. 761*. ma\}(iicw5f\ be§gl. 763*. gulb {7)\c furaacitigcn grct^citöftrafen u. iör ^fa^) 763*. ü. 3agemann (Über bic internationale friminaliftift^c 'i^crcinigung) 764*. o. Hippel (3)ic 3Jorfc^läge j^ur (Sinfü^rung ber bebing« teil 3?erurteilung in 3)eut)d^Ianb) 765*. 3ÄitteiIungen ber internationalen friminaliftifc^cn ^Bereinigung 2. go^rgang 5?cft 3 (^Beilage). 4. i!anbftreid)crei: SJcnebict (!Die ^agebonbage u. i^rc S3el^anblung) 710 bis 717. 5. i^roftitution: 5:arronjÖft) (Über '^roftitution unb ^tbolitioniöniuö) 456**. ^icumann (3^ie Siegelung ber ^roftitution oom juriftifrfien u. mcbijinifc^en ctanöpunfte) 626**. ö. '^Ifoöolismuö: gulb (3o(t bic ^runfcu^cit ftrafred)tlic^ ocrfolgt njcrbcn?) 215^. (VJutac^tcn erftattet oon ber babifc^cn (5ic)cüfrf)aft gegen ben 3Ri§s brau(6 geiftiger ©ctränte für ben IV. internationalen ®efängniä«Ä'ongre6 in at. '30ictcrsiburg liS90, 246*. «ör (Xiie :rrunffud)t unb i^rc ^llbroc^r) 252*. 7. Öcfänguiörocfen: syerl^anblung über bic Jvrage ber iBeI)anblung ber Untcrfudiungögefangcncn im 3?crcin ber beutfc^cn Strafanftttltsbcamtcn, 2nO* bis 2S4*. S8crid)t über baä O^cfängniörocfen in Jinnlanb im Sa^rc 1KS8, 428\ Spanifc^cS ^a^rbuc^ für Öcfängniömcfcn, 447*. öcfängniö« roefen in ben bereinigten Staaten 3^orbamerifa^, 455**. galfner bcögl. 591*. "iBagner (CSefängniöiocfen u. gürforge fürcntlaffenc Strafgefangene) Uli', öürbin (Xisjiplin ber Wcf angeneu) 612*. Streng ((Scfc^ic^te ber ©cfängnisoenoaltung im Hamburg uon 1622 bis 1872), SKaaöburg (2)ic 3trafc bes Schiff ■^ieftcnö in Oftcrrcic^) 771*. öürbin (3ioangöarbeit u. ^roangöarbcitSanftaltcn) 772*. 2öulff (^ic ©efängniffc ber ^uftisocnooltung in ll^rcufien, i^re (Einrichtung u. ißcripaltung) 773*. SEßicfjncr (I)ic Unter« ^altungslitteratur für ©efangene) 773*. .tJcinjclmann (Statiftifcf)c eingaben über bie StrafanftaltSbibliot^efen) 773*. JHcgi^ (l^ic 3)iS3iplin in ben Strafanftaltcn) 773*. o. 53ülom (3)er iHüdfeU u. micbcrljolter >KücffaU in hen ^eftimmungcn beä StrafooU,^ugce) 774*. ^eitmaicr (®ic öftcrreid)i|c^c (i^efdngniöfunbc) 774*. Öräbcr (Über ben 4. internationalen Wcfängniös fongrcB in St. Petersburg) 775*. JBintcr (Über bic ftttatlid)c i^cffcrungö* anftalt ^u (Slmira) 776*. 3ud)S (Über bic iBcbcutung u. ben praftifdjen "öert beö ?kftel)en§ einer Gcntralftellc für bic 3d)uOocrcinstl)ätigfcit, "^(uf^ %ahen u. Crganifation berfclbcn) 777*. ilraufj (Xic befangenen u. bic ^crbrec^cr unter bem GinfluH bes (Sf)riftcntumö) 778*. il^erl)aublungcn beö ^Icrcins beutfc^cr Strafanftaltsbcamtcn ju g^ciburg 1880, 779*. SRa^n u. S(^err (Xer Sonntag im Okfängnis) 782*. aj^öbiuö (.\?aftfi)ftcm für 3ugcnbli(^e) 782*. Streng (Xifferenjicmng oon 3wrf)tl)auö* u. ©e* VIII Sgftciiiatifdics «cad^rc^iftcr. fängnisftrafc) 782*. Qdext (Xic 9?orbiIbung für bcu (jö^crcn GJcfängniss bicnft) 782*, bcrfclbc {Tas SMuftcrforniuIor cincö ßinlieferungsboöcns) 782*. 0. Äird^cnöcim (Sopanifc^c ^cfonöniöorbnung auö bcm uorigcn 3al^r^unbcrt) 782*. o. Sagcmann (5^cricf)t über bic ©utioicflunc^ u. bcn 3uftanb bc§ ©cfängniSmcfcnS im ©rofeftcrjogtum 93abcn 1885—1878) 78'4i*. Sid^art (Über bic (Sterblic^fcit unter ben befangenen beö loürttems bcrgifc^en 3w^t6Qwffö Submig^^burg in bcn 3al)ren 1872 bis 1887; 782*. 8. ®räie^ungö* unb JÖefferungöroefen: 'Jtitömann (Xie ^"'""flös crjiefiung jugenblic^cr Sl^erbrecf)er in ^rcujen) 89 big 113. gulb (Tic Sroongserjiel^ung in i^rer propfinlaftifc^cn JBcbcutung) 114 bis 125. 9. ©trafenfi)ftem: Sichert (Siefonn bcr grciJöcitöftrofc nadi bcutfcl)cm 9lcd)t, 478 bis 514. 10. ^olijci: ffiengler (9ci.\) 627**. ©crlanb (SÖcgriff bcr ^oli.^i, insbcfonbcre bic 3id)crI)citspoli\ci md) prcu6ifd)em 9ie(^t) 736*. Sflofin (5lUgcmeineg '^Joli.^ciftrafrcdit) 737* IV. (Brr!d)nid)e Jtrbijin. 1. (SJcri(^töär5tlid)c SWebijin: Jeppmann (Sacftocrftänbigcntfiatigfcit bei Seclcnftörungen) 305**. v. £'»ofmann (5c^rbucfi bcr gcrid)tlid)cn SDiebi^in) 306**. Älcinroäc^ter (Äünftlic^c Unterbrechung bcr ed)roaugericf)aft) 306**. 2. ^f^d)iatrie: $rci)er ($i)pnotiömus) 310**. V. Strnfrrdjt. a. ^llgcmcier 2eiL 1. Scörbüc^cr unb fpftematifd^c DarfteUungen: CJc^cr (9KcrfcO (XarftcQung bcö 8trafred)t£l in ^ufl. 5 bcr GncDflopäbic bcr 3icd)tsioiffcn* fc^ften) 228*. SKcrfcl ($?c6rbud) bes beutfc^cn 3trnfrcdits) 607"^. i^crncr (bcögl. 16. ^ufl.) 718*. SHinbing (Tic ^Jormcn u. il&rc Übertretung) 718*. SBinbing (©runbrifj be§ gemeinen beutfc^cn 3trafrerf)t£l) 722*. Si^irfmciicr ((S^runbrif; jur 5. 734*. Ärofcftct (Straf lofigfcit bc§ 35erfurf)ö am untauglichen Cbjeft) 7:^*. 17. Scriä^rung: lautier 619*. 18. »cgnabigung: ßlfaä 297*. Sabanb 299*. Scuffcrt 299*. 19. ?lustonbifc^cö 9lcc^t: Jriebric^ö (^ic ^Icc^tsocrl^ältniffe bcr Ginge* borenen in bcn beutfc^cn Scf)u^igcbictcn. — Xk Sflaocrci) 738*. .^-»ancfc {Xas fran,^öfifcf)e Spionagcgefe^) 739*. Warraub Ci&corie u. "IJirariö beö fran^öfifcficn Strafrccfjtä, 5^cröcl)cn gegen ^Hcligion u. oitttic^feit) 315 biö 328. 10. SittIi(^fcitSDergcf)en: o. CicrncrtI) (li^erbrcc^cn u. i^erge^en gegen Sittad)fcit u. JHeligion) 315 bis 323. 11. Seleibigung: Stenglcin (TaS 'ülntrnggrecftt bcö iiiorgcfctten) 232*. ^eifel (Über bie ^^crfennung ber '^^ubUfationsbefugnis nad) bem ^obe be§ Slierle^tcn) 2;i4*. 3)«ttelftäbt (Über G&rc u. gcrid)tlid)c Gl)rcnr)änbel) 234*. Öcrlanb (Tic berufsmäßige .Hrcbitcrhmbigung in Teutfdilanb) 234*. 12. 5ölfd)e 'ilnfc^ulbigung: 2eid)mann (Die fal|d)c 5(n|d)ulbigung nad) ben neueren 3trafgefc^bü(^cm) 232*. 13. 2icftcd)ung: ^l(calat) (%fi\vc u. paffioe 5. Tierquälerei: 5ange (?icrfd)utbcnjegung u. § 360 {\. 13 3tr.C>^."i*. 245*). 17. )i\erfauf oon (^el)eimmittc(n: il^eift (Ter CJc[)cimmittclunfug im 55?id)tc rterid)tlid)cr Urteile) SiW. ('. neben Qrfe^r. 1. Tcutfdjcs rUcidj: Ticli (^^ertragsbrud) im ^Irbcitö^ u. Ticnftocrbältnis) 241*. ?Hintclcn (.Vlonfursftrafrcd)t) 254*. v. 5l'ilmon)sfi besgl. 254*. ^U'tcrfcn besgl. 254*. MlcinfcIIer (Ter 5:^anfcrott) 255^. Talfe (Mann nad) g 211 M.D. neben bem 3dnilbncr audi bcr bcgünftigte l^iläubiger megen Teitnaftme (JHeifiilfe ober "iJtnftif tung ) an bem Tcliftc bes 3d)ulbj nere bcftraft mcrben?) 256*. vilfc ((ycTPcrbcftrafrcd)t, 'iierlctjung uon ij 14^ Siff. 10 u. §119 >^iff. 8 (^cm.C.) 2r>(r. Tcrfelbe (Ter >liatbcftanb ^cr. § 153 Wem.C) 257*. Terfclbc Öicdn bes ^Jtrbeitcrö auf 'Jfusftellung einer. "Jlrbeit^Kugniffcö, aber nid)t Widu ba^u) 257*. ^Hucffcr (oft eine ^Poli^ciocrfügung rcc^tsgiltig, tpcldie gcuierblid)c, j^um '^icfud) bcr gcmerb^ lid)cn /"yortbilöungsfc^ulcn i>erpflid)tctc '^irbcitcr im Italic bes 'l^crfäumniffcs ober Der 3türung bes Untcrriditö mit 3trafc bebrobt?) 2r)S*. ;Yulb (TaS 3trafrcd)t bcr UnfaUt)erfid)ernng5iieici\gebung,) 2^8*. 'Jllbert (Tic bcut|d)e oagbgcfctjgebuug nadi ifjrcm bamaligcn 3tanbe) 2()0*. 3eelig (ivifdierei? u. iiiafferrcdjt nad) 5ici(§s« u. l»anbesrcd)tj 260*. X^öbc (3oUftrafred)t) 261*. 3ijftcmatifc^cö 8iic§reöifter. XI 5iiciil (Xic militärifc^en XcUftc) 261*. x>. «orcft (aRilitarftrafrcc^t) 202*. 3too& (Über bic ^rcfefrcil^cit bcr ©c^iocij) 621*. ©ammlung ber Wcfe^c über öQs Urf)cbcrrct^t im 3n« u. tluSlanbc ncbft ben internationalen Sitte« ranirocrträgen u. bcn Seftimmungen über baS ^ücrlagörec^t, 625**. 1 i^reußen: IBarre (Über bic Steucrpflic^tiöfcit beö fog. %'irotofoUenljanbcl — Sriftcnfauf bei ^Jcrfteigerunö oon Grbmaffen) 257*. S^crbart^ (5orft« u. .Vgbrec^t) 2ö0*. SBogncr (Sagbgcfctfgcbunö) 259*. ,^üroeiji: 3Rci(i (2)ie (Mrunbi^üge beö fiatentgefe^e§, ba§ ftrafrec^tli(^c .Hlagefi)ftcm u. baö gorum bcr Strafflagen) 258*. SWeili (3)ie fd)njeijerifcf)e r^crid)tsproris über baö litterarifc^e, fünftlcrifc^c u. inbuftricUe ©igentum) VI. dtrafprD|e|. A. Sc^rbücftcr unb Äommentare. v^cUrocg (Xod)oro) 263*. »ennecfc 264*. ^obn 265*. Söroc (6. 5(ufl.) •2i)6*. ,'">of)n (Äommcntar iBanb III öeft 1) 266*. B; 9)2onograp^iccn unb ^(b()anblungcn. 1. 3trafgerid)t§oerfaffung: ÜHintclcn 271*. .^^ut^cr (©cftören bic ccbul^cn in bcn mecflenburgsf(ftn)crinfcf)en 5)omanialbörfern j\u bcn iWolls ftrccfungöbcamten nac^ §84 3iff. 6 ö.'^.®.?) 273*. d. Stengel (Crbnung Der ^ecf)tspflcge in bcn Sd)u^gcbicten) 273*. Sabanb (Werid)tsn)cfcn) 273*. 2. (Geltungsgebiet beö C^cfctjcs: gulb (Jinmunität bcr 9)Utglicbcr gcfc^: gcbcnber ^^erfammlungen) 274*. p. Äricö (^as pcrfönlid)c .^vrrfrf)aftö'. (gebiet ber Strafpro^cftgcfc^e) 274*. .t)einjcrling (!Daö lanbcögcfc^lic^c 5icc^t auf austrage) 275*. •'» i'^erid)t9ftanb: 3(^ncibler (Ort bcr begangenen i;^at) 276*. o. Silicnt^al Desgl. 277*. 4 iiartcien: 9}ieDer 277*. ö. ^oruerfafjrcn be?|ie^ungen)ci|c 'l^ 8. i^eroeiö, Jöcrociärec^t: Stenglein C^crociö beö ^)ied)to) 28r>^. 2)itjcn (^cugenberoeisanträge) 462—477. 0. :Jtotorität: ^nont)mus (Über ben 5^cgriff ber ^Jiotorität) 286^. lu. Urteil: iBrcttncr (5öirfung bcr ,^ii)iU u. ftrafgcrid)tlicl)en Urteile.) 288*. 0. Munoroöfi (9lic^tigfeit ber Sd)öffcngcrid)t9urtcilc bei (fintritt beö 2obeö bes 9(mt5rid)terÖ, bet)or berfelbe bic Urteile vcrabfafjt unb iiolljogcn Iiat) 289*. XII ©pft^inatifcftce Sücf)rc(\iftcr. 11. Strafocrfüguug: öut^cr (Serfo^rcn bei 9(norbnung ber Unc^ültigfcit ber pol^cilid)cn Straf ocrfügung ) 289*. Stcnglcin, beöAl- -89*. 12. ^rioatflagc: Öinfenbartt) (,3urücfnal)mc bcö Straf antragcö nac§ ber Qv- Öffnung beä .iDauptoerfa^renS, aber oor ber Sac^oerljanbliing) 279*. Simon« fon (Stiibium jum ^rioatftageDerfaI)ren) 279*. 18. 9lebenftage: Stenglein 280*. 14. Stec^tsmittcl: a) im allgemeinen: Crtloff (3)ie äurücfnoömc eincö 9iccl)tö= mittclö) 290*. b) 33erufung: Sobcmann (SBiebercinfü^rwng berfelben) 25)0*. 9Jlun!cl, beSgl. 292*. 9lnoni)mu3 (grage ber ^Berufung in Straffad)cn mittlerer Drbnung) 291*. Äronecfer (Se^re oon ber Berufung) 292*. Sc^mibt (Strafberufungöfammern, ein gefe^geberi|d)er 3}orf(^lag) 855— 3()8. c) ^-Hcoifion: öorre (3uftellung ber ^eoifionöfc^rift) 294*. 15. 9Biebereinfe^\ung in ben oorigen Stanb: Siegel (^cn SKon* tenegrinern) 225*. gulb (Xaö ^fplrec^t ber T^sraelitcn, ."oellcnen, JHömer unb fviermanen) 186*. "^loft ( (r»tuncfelungögcfri)irf)tc beö Jamilicnredits auf etljnologifdier S^afis) 189*. Äägi CüÜter unb .l>crfunft bes gcrmanifc^cn O^otteöurteilö) 141*. 2eift (^lltarifdjeö jus ireutimn) 142*. iUnUippö ((rrläuterung ber angloinbifd)eu .Uriminalgefe^gebung — Strafredit unb Strafpro^cn - burc^ bie forrefponbierenbcn '^^cftimmungcn ber fontinen* talen :Wed)tc) 4.>l**. Jorsmanu i. Jas finnifd)e Strafgefe^ »om 19. Te^ember 18!S9 im iWergleic^c mit ber altern Strafgefe^gebuug Jinnlanbsi 578*. ©i)ftcmatifc^ce Sad^wgiftcr. XIII IX. fbt(t%n^hnuq. ^ustDÖrtige. 1. Xdncmarl: l. otrafredjt u. 3trof proje^ betr.: Oicj. o. 5. ^Ipril 1888 bcir. (rntididbigung für unfdjulbiö erlittene Untcrfu(^ungöf)aft ober Strafe, ioroic bie Crntrirfitung ber Äoften in öffentli(i^en 3trof|ac^cn in gemiffen TvaUcn, 419*. C^efeft o. 5. ^prit 1888 betr. bie ^^InftcUung eines 3traf. ridncrs in bcm ber öauptftabt nnl^eliegenben 2^c)\irfc Jrcberifsbcrg, 422*. CkMc^ 0. 20. ^pril 1888 betr. SJergütung an 3c"0^" i" öffcntlid^cn oac&cn, 42*2*. II. :jnterntttionaIe »e.^ie^ungen: ©efe$ o. 23. Tläv^ 1888 uuD 'Jlnorbnung v. -i, 20la\ 1888 betr. 2ags unb '3Jac^tfignale bänifdjcr 3(^iffe in ccenot, foioie betr. ÜJlaferegeln im '^alic bes 3"fontmenftoBeö oon Scbiffen; C^Jefe^ o. 28. aWärj 1888 betr Verbot beö ^^crfonfes fpirituöfer ©ctränfe an gifc^er in ber 'Jlorbfec aufterfjalb bes 3ceterritoriumö; 5^ef. 0. '26. 'Mpril 18*^8 betr. bie internationale Äonoention loegen bcö 3cf)uteö öcr unterfeeifc^en 'Jelegrapöfabel (,^ont)ention .^u %^ariö o. I. ^oi\ember 1886 unb für iSeutfcöIanb o. 2:^. ^Wärj 1887; ^Inorbnung oom2. ;5uni 1H88 betr. Die (rrlangung beö Sdju^eö oon 5öarenmarfen auf ^n* unb 5iu5tänber. OicK*6 für oslanb v. 19. ^xm\ 18SS betr. bie öeringsfiidjerci; beögl. oom i». Tcjcmber 1889 betr. bie 5?crmeibung von 3"lö»nmenftöfjen auf bem üKcore, 42«:»*— 121*. lU. OJemerblic^e i^erl^ältni|fe: i8.C. für 3t. iboinas unb 3t. ^an t). 12. S^nuar 1^8 betr. Jvelb* unb 'Begfriebc; ©efe^i 'ür ^slanb o. 10. Jcbruar 188S betr. bie 5lusf(I)en!ung unb bcn il^erfauf von fpirituofen öetränfen; Wcfe^ o. 1. 3Rär,^ 1888 betr. bie ^lyerlängerung bc5 internationalen Jagbgefeöeö o. 17. "Jlpril 1885; Wefe^ o. 5. ^ilprit 1888 betr. bie Jabrifation unb bcn i^erfauf üon 9)iargarine ; Ciefc^ o ö. 5(pri( ISNS betr. bie Stempelung oon golbenen ober filberncn 'Jlrbeiten; OJefe^ ü. 5. "ilpril 1888 betr. bie Jifdjerei in !2^änemarf; (^iefetj für ^^Ölanb oom IJ». ;>uni 18SS betr. bie iöootfifdjerei in ben ^yöörben; OJefe^ o. 1. Wäv}^ 1^S9 betr. .^anbelsregifter, firmen unb 'ifrofura; Wefe^ o. .M). ?J{ärj 1889 betr. bas 2?erl)ättnis ber £obeöf allen, 421*. V. Jiö* falift^e 'i gemeinem Bietet) 3f4**. 2)er (Sntrourf bcö bürgerlidien ®cfe^bud)s; für baS 5)eutf(^e 9ieic^ u. ber r^einifd^c !Öauernoerein, 304**. Siegel (2^cutfc^c »lc(§tägef(§i(§tc) 311**. 2öaruatfc^ (Über Die iöoUftrecfbar* feit beö oom ^auptoermicter gegen bcn .^auptmictcr crftrittencn Släumungsi Urteils in ^^cjug auf bcn Vermieter) 311**. Xvad)c (^Hcligiöfc Crr^ic^ung bcr Äinber naä^ bcm Csntrourf bcö 3^.^58.) 311**. «Kcili (Äobififation bcö internationalen QmU unb öanbclörcdits) 458**. SJJcngcr (^a§ bürgere li(^c ^et^t u. bic bcfi^lofcn Solfsflaffen) 624**. 2. ^^ioilprojcfe: ^lintclcn ( Si)ftcmatifd)c 5knrbcitung für bic orbontlid)cn l^cric^tc bes ^reufeifc^cn Stoatä u. für baö :^tcid)5gcrid)t auf Wrunb bcr ^cirfjss unb "^rcuftifc^cn Öanbcögcfc^gcbuug, foroic bcr 'i^orfdiriftcn bcr ^reufeifc^cn Suftijocrroaltung) 625*. 3. Äonfursorbnung: 3tintclen 254*. o. SLUlmoioöfi beögl. 254*. ^Jctcrfcn beögl. 254*. 4. Öffentliches »tec^t: iHioier (Sclirbuc^ bcr ^:ßölfcrrc(^t5) 303**. ü'abaub (Xcutfci^cs Stoatsrec^t) 455**. g-ranf (Ter 3tc(^töd)araftcr bcr burd) bic beutidjc Sojialgcfc^gcbung gcfc^affcncn Untcrftü^ungsanfpriic^c) ()24**. 5. Sonftigeö: (^oppclsröber (Über Jscucrbcftnttung) 309**. ClsOaufcu (©runbrife ju rec^tsroiffcni(i^aftlid)cn '^orlcfuugcn; 312**. Sccficlb (^ur Verbreitung ber ^Hec^töfenntuis) 624**. i^orfdjriftcn über "JUisbilbung bcr Surtftcn in ^^rcußcn 625**. 1. SBon ^rof. Dr. Salob SBeiÄmann in OreifÄroaO). 3TDifd^cn beit Säften bcr 3ioilprojc6orbnunfl, rocld^c bic Scrocis^ troft Der Urtunbc normieren, unb ben 33eftimmunflen beö ©trafgefefti hwi^t^, roeldbe i^re S^JO^'^läffigteit fidlem foHen, beftefit ein innerer 3ufammenf)an9, ber roo^I ben ©efeftedoerfaffern unberoufet geblieben, aber um fo bebeutungSooHer ifl. 3)en §§ 380 unb 383 3.?p.D. entfpred^en bie §§ 348 unb 271 (bis 273) St.®.». Soö in ber öffentlidien Urtunbe entfiattene Seugniö liefert üotten »eroei« (3.^.D. § 380, § 383 Sbf. 1): boö roare nic^t ntöglid^ o^ne bie — oud^ ftrafred^tlid^ fonftionierte — Pid^t }u roabr^aftiger Seurfunbung, roeld^e ben Beamten unb Notaren (St.®.». § 359) obliegt (St.®.». § 348). ») 3n gen)if)en §atten ift aber bie öffentlid^e Urfunbe beroeiölräftig, roicmol^l fie nid^t auf eigner SQBafirne^mung bes 3luöftellerö beruht (3.^.D. §383 äbf. 2); für biefe gäUe galt e«, eine ©arantie aud^ für bie Sit^tigleit i^rer Unterlagen ju befd&affen; bal)er bie ©trafbro^ung bc4 § 271 (ogt. 272, 273) ©t.®.». gegen benjenigen, rocldiicr burd^ unioa^re Slngabcn eine falfd^e Seurfunbung ficrbeifübrt. ^tn Slngelpuntt bed Ur(unbenben)eifed aber bilbet bie @d^tf)eit ber Urfunbe; fie ju pd&ern, ifl ber 3"^^^ bcr ©trafbeftimmungcn über Die Urfunöcnfälfd^ung (§§ 267-270, 277, 279, 363); ber i^nen gemcinfd&aftlid^e 2;^atbeftanb foH im folgcnben erörtert roerben. ») gilur § 278 (Dgr. 279) »iU bic ffia^rfiöftiöfeit au(§ von ^rioat-. urfunben, ärjtCid^en B^gniffen u. bergl. fiebern. SSenn aud^ ein foIc^eS feine öffentliche Urfunbe ift, fo fommt i^m boc^ mit 9{ü(ffi(^t auf bie ifjm ju (^ntnbe iiegenbc — gerabe ^iet ftrafrec^tKc^ fanftionierte — öerufSpflic^t jur Sßa^ts W%ttit eist gan) befonberet (^rab ber ^eweidfraft gu. 3(itf^ft f. b. gef. etrafrcf^tiip. XL 1 2 ?rof. Dr. 3a!ob aBeiömann I. Segriff ber Urfunbc. 2tud bcm oielumfaffcnbcn Segriff bcö Falsum f)at \i(S) bie Urfunbcnfälfd^ung als befonbcreö 3)cltft entiüidfelt. 2) ßö ift Ilar, bafe unter Urfunbe ein fod^Iid^eö Seroeismittel ju ocrfte^en, unb geroife a\\^, bog md)t jebeö fad^Iid^e Seroeiömittel, nid^it jebed Slugen^ fd^einöobjeft eine Urfunbe ift. @d gilt alfo, hen Segriff ber Urtunbe abjugrenjen. 6§ fott bieö-l^ier nur mit befonberer Sejie^ung auf bie Urfunbenfälfd^ung üerfud^t werben; benn bie 3Röglid^feit ift oon oornfierein offen ju l^alten, ba§ er in anbrer Sejieliung weiter — laum, ba§ er enger — ju faffen wäre. 3luf ©d^rifturfunben ^atte baö preufeifd^e ©trafgefefcbud) (roie baö franjöfifd^e Siecht) ^ bie Urfunbenfälfcfiung befd^rdnft in feinem § 247, loeld^er bie Sorlage unfrei § 267 bildete. Sd^rifturfunben finb eö, toeld&e bie Seroeiöregeln ber 3i^ilpwje6orbnung im 3luge ^aben. ©d^rifturfunben im ©inne biefer Siegeln finb unjroeifel^aft aud(i Urtunöen im ©inne ber Urfunbenfälfd^ung. SBad finö nun alfo i^re roefcntlidfeen ßigenfd^aften, roeld^ie bie befonbere gürforge beö ©trafgefefceö auf fie gejogen l^aben?*) Urlunben finb eine befonbere 3trt oon Seroeiömittcln;'^) unb jebe befonbere 3lrt oon Seroeismitteln bebingt eine befonbere 3trt ber Sen)eisfiil)rung: bie Urfunbe bebingt ben Urfunbenberoeis. ©in 3Kittel fann man aber nid^t anbers befinieren als nad^ feinem Sned unb feiner SBirffamfeit für biefen S^td, ©ö ift alfo nic^t juerft ^) !DieS ift gioeifeUoS für bie toiffenfc^aftlic^e 6ntn)i(fe(ung unb für bie ntobeme ®efe^gebung — roenn au($ befanntlic^ fc^on mitteloCterlic^e beutfc^e $ec^te bie Urfunbenfälfc^ung alS befonbereS ^eütt be^anbeln. Sgl. namentlich unten ben ^ilbfc^nitt III. ') „Faux en 6cr iture* ! 2)aran ^ält bie Surieprubeng aufS ftrengfte feft. *) Xit cinjige guoerläfftge aRetl^obe gur Seftimmung be^ UrfunbeubcgriffeS f(^eint mir bie gu fein, von groeifeUofen ^äUen ber Urfunbe audjugel^en unb beren roefentlic^e ^genfc^aften gu unterfuc^en. ^) 3)aB bie 00m 9ieic^dgeri(^t anfänglich aufgefteHte !Definttion: ^Ur- lunben fmb folc^e förperlic^e von SRenfc^enbanb gefertigte ®egenftänbe, roelc^e geeignet fmb, ^m^ I^otfad^e gu erroeifen." a- 53. (Sntfc^. 33b. 1 3tv.SS, ob. 6 9lr. 99, unzulänglich, ba^ fte namentlich oiel gu roeit ift, ^at jutreffenb meinet (Srac^tenS bereits 3o^n, Z IV 10 ff. barget^an; befonberS fräftig bagegen auc^ SRittelftäbt im Oeric^tSfaal 33b. 4;^ (1890) @. 10 f., 19 ff.; freiließ (SKittel» ftäbt a. O. @. 9) ift ouSbel^nenbe Interpretation leichter alS .Determination. — «uc^ M neuerbingS baS Sleic^Sgerid^t felbft (Gntfc^. S3b. 17 Sir. 30, 37) anbere 33egriffSbeftimmungen oerfuc^t, roorüber fpäter. SDer ^atbeftanb Der Utihinbenf&lfd^ung. 3 ba§ 33etDciSmittcI ju bcftimmcn unb bonad^ bie SBetoeidart;®) fonbcrn umgete^Tt juerft bie äSetoeidart unb banad^ bag äSeiDeidmittel: Ur^: funbe ift ein ©cgenfianb, fofern er SKittel em% Urfunbenberoeifeö iji. SBorin alfo — bas ift bie ^^roge — bcftel^en bie befonbem SBertmale beö Urfunbenberoeif eö , beö Seioeifcö burd^ ©d^rift? urfunben ? Sie tonnen feine anbem fein innerl^alb wie außerhalb bes ^irojeffe§. ') ©ine Urlunbe lann auf bcn SÄid^ter nid&t onbcr« Töirfen wie auf jeben SBemünftigen im aufeerprojeffualcn 8Serfcl)r. äöcnn aber ba§ ^rojefered^t ben Urluubenberocid — ber ©id^erlieit ;uliebc — befd^rdnft, fo bceinftufet cö bantit aud& ben augerpro^ jejfualen SSerfe^r. 3)enn im Sled^tsoerfel^r fonn eine Urlunbe nid^tö I^elfen, Die ni^t im 9lotfatt oud^ t)or bem SRid^iter beroeift. ^) 2>a^ ift bie aUgemein befolgte 9)2et4obe, toeld^e mit bie CueUe mancher Unftar^eiten ^u fein fc^eint. 3)a6 übrigen^ bie Urfunbe eine befonbere felbftön« bige %xt Don Semei^mitteCn, namentlich bem Slugenfc^eine gegenüber, bi(be, ift iDieber^oIt beftritten »orben; og(. bie Einführungen bei $eud(er, im Strc^io für lioüiftifc^e ^ra^i« ob. 62 (1879) ©. 210, 239; femer: S3ac§, Vorträge über bie 3ici(^äioitpro5e6orbnung (1879) ©.153; Sßenbt, Slrc^io für jioiliftifc^e ^raji« «b. 63 (1880) ©. 307. ') 2}a% ber ^iDtCprojeffuale 9)egriff ber Urfunbe unbrauchbar fei, meint »iebet im @eric^t«faal 93b. 38 (1886) ©.540. SSgC. auc^ SRommfen, baf. «b. .S6 ©.52. — ©eUgentlicb ift auc^ einmal oom 9leic^« gerieft ((Sntfc^. Sb. 4 9lr. 3) au^gefproc^en roorben, ed !äme für bie ^eftimmung bed ftraf^ rec^tlid^en ^egriffd ber Urfunbe barauf, ob ^^n ©efe^, beifpietöioeife bie 3i^i^' proje^orbnung, einem ©egenftanb bie @igenfc^aft a(d Urfunbe audbrücfUc^ b^is gelegt ^abe, nic^t^ an, — 3"^ Slec^tfertigung be« ^ier eingenommenen ©tanb« punfted bienen aud^ bie Erörterungen ber fotgenben SCbfc^nitte. S3g(. auc§ IRerfel in von ^ottjenborff« $anbbuc§ 93b. 3 (1874) ©.790 9^8. Bau- mann, des conditions g^nerales du crime de faux en ecriture (Thdse 1887) ©. 147. — Ungenügenb erfc^einen allerbingd bie l^ergebrac^ten 2)efini« tionen; treffenb bagegen, indbefonbere gegen bie Se^eüfc^e (Formulierung §eu«I er 0.0. ©.280 ff., 291 ff. - 3ntereffant ift, wie bie ©traf barfeit ber Urfunbenfälfc^ng auc^ lieber auf bad ^roje^rec^t Einfluß gehabt f^at; ben (eigentlich beutfc^ rechtlichen) ^iffeffiondetb rechtfertigt bie ®(offe nämHd^ in folgenber äBeife: gl. invenerit] ad Aathent. Coli. üb. VI tit. 3 (Nov. 73) c 4: „Vel die yerins, qnod loquitur de inreiarando a indice delato; haec enim scriptura licet privata indacit aliquam coniectaram — quae est semiplena probatio, et sie deferri potest sacramentum et debet. — Nee Tideator hoc durom quasi quilibet posset aliquam scripturam confiugere Qt sie ei deferatur sacramentum, propter timorem falsi quem in- correref". 2)ie Strafbarfeit bed falsum begrünbet l^iernac^ eine ä^ermutung für bie (^i^eit ber Urfunbe. %(. ^ierju SBe^eK, ©^ftem beS orbentlic^en 3i»Uprogeffe« (3. Slufl. 1878) ©. 241 ff. 1* 4 $rof. Dr. gafob SBeiiSmann. S)as 93ebürfnid nad^ 9lbgren}ung einer befoiiDerit SJetoeisart tonn aber nur barin gelefleu fein, bafe befonbere Siegeln für fte ©eltnua I)aben, ob biefc nun gefefelid^ feftgefiedt ober blofee ßr^ fal)rung«fd6c finb. S)iefen befonbern Siegeln muffen natürlid^ be^ fonbcre 3;^atbeftänbe, Da« finb: befonbere ®genf d^aften ber öeioeid^ mittel, entfpred^en. S)ie ©d&riftjeid&en Rnb bleibenbe 3«i^c»/ bie alö fold^e einer lörperlid^en Unterlage bebürfen, mit roeld^er jufammen^) Re bie Ur^ lunbe bilbcn. SBorin biefe Unterlage befte^t, ifi gleid^gültig. 2)ie Urlunbe ift ein ^mtdbeixi^. &n @egenftanb ift Urlunbc, fofern er 3KitteI eines Urfunbenberoeifeö ift; im übrigen fann er ber atter« mannigfad^ften Särt fein unb bleibt, roaö er fonft ift, aud^ menn er jur Urfunbe wirb.") a)ie Urtunbe ift alfo ein fad^lid^eö Öeroeiömittel;'^) aber fie beiueift nid^t burd^ i^re äußere ßrfd^einung, fie beroeift burd^ xf)xcn 3n^alt. ") S)ieö allein aber fennjeic^net nocö nid^t ben Urtunbem beroeiö. ©ine SKafd^ine in einem ^^Jatentprojcfe , ein SÖerf ber biU benben Äunft in einem ^^Jrojejfe megen äJerlefeung be« Ur^eberrcd^td, fie beroeifen auc^ burd^ il^ren geiftigen 3»)^ölt, burd^ einen 3nl;alt, ben i^nen ber @eift il^red Urhebers gegeben ^at, unb finb bodS) nid)t Urlunbcn. ©benforoenig ift eö ein Urfunbenberoeiö, roenn in einem 9Jad^:: brudöprojefe ein ©d^riftroert auf feine roiffcnfd^aftlid^e ober fünfte Icrifd^e Selbftänbigfcit geprüft, oDer rocnn ein 3^itungöartifel unter- fuc^t roirb, ob er gegen Da« '^rc^gefcfi oerftoge ober einen unjüc^^ ^ SKand^e oerftc^en unter Urfunbe nur bie 3^*^^«" («ö^- 8- *• 5itting, Se!|rbu(5 bc« 3ioiIproücffe«, 7. Hufl. (1890) 3. 412): „oljne Snbeöriff ber för-- perlid^en Unterlage" ; SQBcnbungen ber öefe^edfprad^e rote Untcrfc^rift ober ^anb^ jeic^en .unter ber Urfunbe" 3.*.D. § 404, 405 (worauf Jitting baf. Jl, 2 fic^ beruft) fönnen hierfür fc^roerlic^ etroa« beroeifen, — ba jur Urfunbe jebens falld boc^ auc^ bie Unterfc^rift gel^Ört. — iDie {yrage ift aUerbingd untergeorbnet, aber nic^t oöUig gleichgültig, roie fic^ in anberm 3ufammenbang ergeben roirb. «) SSgL ©(^uppe, erfenntni^tbcoretifd^e fiogif 3. 596 ff., 576. - 2)ie 9(udfü^rungen jobnd in Z VI 50 f. berufen auf ä^erfennung einer (ogifc^en äBa^rbeit; bagegen au^ fc^on oon Suri im (^erid^tefaal :8b. 39 (1887) 3. 40 f. *o) 9Benn 3o^n in Z VI 81 ff. meint, in ber Urfunbe beroeife bie ^er? fon bee StuefteUere, fo fann bad nur in bilbüd^cm 3inne gelten. ^>) darauf fteUen bae 9)}efen ber Urfunbe ab: u. a. 9)2ommfen, im&tf ric^t^faal ob. 86 3. iUff., Sliebel bafelbft 35b. 38 3. 544 ff. (roaS !|ei6t aber: ^^in oon 9Menf(^en^anb gefertigter Sn^o^t" (3. 549)?), Don Äried in Z 144. ^r Xf^atbt^cnC^ ber Udunbenfölfc^ung. 5 tigen 3nl^alt l^abc; bcnn bo ^anbelt cS fid^ um bie ^eflfteHunfl einer — üUerbinfl« geiftigen — Sefdbaffeuljeit ber ©d^rift, unb biefc gcffe ftellung fällt unter ben Segriff beö StugenfdöeindberoeifcöJ^) 3>aö nacftfte 3^^^ be§ Urfunbenberoeifeä ift eine »ergangene J^atfaie; eö ifi aßemal unb notroenbig biefes: bafe eine beftimmte ßrfldrung üon einer beftimmten ^erfon abgegeben loorben fci.'^ 35iefc ©rltdrung ift in ben ©d&riftjeid^en ber Urlaube enthalten unb roirD aus i^nen entnommen; nämlid^ fo: bag fie in berfelben Sebeutung cerfianben werben, in meld^er fie niebergcfd^rieben finb. ßö mufe alfo bie ©d^rift einen Derftänblid^en ©inn ^aben. auf rocld^e SBeife i^r 3Serftänbniö erfd^Ioffen wirb, ift gleid^glUtig. ©iner 3nterpretation bebarf eine jebe ©d&rift", unb wenn eö aud^ nur eine reine SBortinterpretation nad^ allgemeinem unb jroeifeU lofem ©prad^gebraud^ wäre. 6d muß nur eine Interpretation mög^ Kd^ fein; glei^üiel mit meldten SWitteln. ©ie fann fid^ indbefonbere aud^ auf einen befonbern 33raud> ober eine befonberc 5Bercinbarung ber beteiligten grünben. 3" ber Siegel l^anbelt es fid^ babei nur um bie Seutung einer abgelürjten SReberoeifeJ*) 12) mt gutem Omnbc fagt ^tV-O, §248: „Urfunbcn unb anbete al« öeroeiömittet bienenbe ©c^ftftürfe". ©ie !ennt alfo ali SJcroeiömittel bicnenbe Bifyc'i^tüdt, iDel(^e feine Urfunben fmb. 25ie (gntfc^. be« 5Rei(§«geri(§t« 8b. 8 9lhr. 38 (S. 129) meint inbe« von öüd^em, bie — auf ©runb eben be« § 248 ©t.^.0. — jum öeroeiS iftre« unjüd^tigen Sn^alt« in ber ^ouptoer^anbs bmg oerlefen morben roaren: „^ie ^üc^et f)attzn babei bie rec^tüc^e 9latur urfunblidjer öeroeiömittel." **) ^cu^Ier a. 0. S. 242 pnbet einen Unterf(§ieb ber Urfunbe oom Xugenf(i^ein barin, ba6 ed ftc^ h^i ifat „um ben Seroei^ einer ber ä^ergangem beit ange^örigen Xl^tfad^e ^anbete, ber St^atfac^e, ba6 $o[6ein bad 93ilb gemaU, hai ber Serfaffer ba$ Suc^ bem A gefc^enft, ba^ bad $aud benen von ^üttm feU gehört f^at". 3Bie bie JBeifpiele beroeifen, meint er mit ber vergangenen t^adft alfo niä^t bie beurfunbete 6rf(ärung, fonbern bie burc^ fie )u be: »eifenbe -21)atfo(^c; eS ^ängt bie« mit feiner 2(uffaffung bc« ^iftorifc^en öe^ iDeife« (S. 217 ff.) gufammen. SBßie unten no(5 au^jufüftrcn, ft^eint mir biefe Anficht nic^t richtig. — 3ßenbt im Strd^io für jioUifHfd^e ^rari« 33b. 03 S.318 meint im Gegenteil, ba6 bie (Srflärung burc^ bie Urfunbe ber Vergangenheit entrficft fei. ein bi(b(ic^er Sludbrucf, burc^ roelc^en er ben tiefge^enben Unters f(|teb ixoi\d)m Slugenfd^ein unb Urfunbenbemei« oermifc^t. ") 3- ^- 2)ie blo^e 9lamendunterfc§rift unter einem 8c§riftftü(f foU Des f(i^einigen, ba^ badfeCbe vorgelegt morben fei: @ntf(^. be« 9Ieic^dgeri(^t$ «b. 6 3^.99; — ein 3ettcL ber nict|t« al« 3a^Ien. and) feine Unterf(§rift ent^ Wt, hthtuttt bie von einem Slrbeiter beim Serfmeifter eingelieferten Slrbeiten : @ntf4. M Sieic^Sgeric^td 9b. 11 92r. 52; — bie Eingabe txm^ O^elbbetrage« 6 ^rof. Dr. Safob Weidmann. SBenn bie Urfunbc aber ein Serociömittcl ift, unb rocnu uc junäc^ft immer eine ©rllärung beroeift, fo miig notmenbifl biefe Gr^: flärung als beioeiderl^cblicl^e, b. \). für beu Serociö einer 2:i)al- fad^e er^eblid^e ©rflärnng gebadSjt fein. 9iun unterfdEieiöet ba§ ©cfeft — baö ©trafgefefebnd^ roie bic 3ioitproje6orbnung — prioate Urlaube unb öffentlid^e; bie beibeu füllen beu SSegriff ber Urlaube ootttommen an^, fo bafe jebe Urfuube eine prioate fein mu§, roeld^e feine öffentlid^e ift. 6ine öffentlid^e Urlaube ift eim folcfie, '^) bie traft einer ftaat= liefe oerliefienen Urtuuböbefugniö auögeftcllt ift; baruuter ift oer= ftauben bie Grmäd^tigang^ ^^atfacfeeu mit öffeutlid^em @(aubeu^ b. ^. mit Seioeidlraft gegen jebermaun burd^ bie ©dSjrift ja be^ jeugeu. 35iefe 33efagnid tritt eutroeber auf aU bie Segleiteriu aubrer aimtöbefugniffe ober fie ift befonberö oerliefeeu. 9Sou felbft ftet)t einer jeben Sel^örbe bie Sefugniö ja, il^re amtlid^ieu 2llte^^) unb i^re amtlidSjen SBa^rue^mungen (genauer: bie 2^I)atfacfeeu iferer amt= lid^en SBa^rnel^mung) ju beurtunben. 2ta§erbem aber ift beftimmten öefeöröen unb !ißerfouen, „Urlunböperfouen", baö befoubere 2lmt übertragen, geroiffe S^^atfad^eu auf ©raub eigner 2i5af)ruel;maug, juToeilen fogar frember SJJitteilung ju beurlauben. ^^) 3)ie öffeutlid^e Urtaube ift alfo notroeubig — il)rem S3egriffe mit Unterfc^rift auf einer (^e(broQe befaßt, bag ber Benannte für biefen ^n^ f)alt haftbar fein rooUe: @ntfd^. bed 9{eid^d(teri4td 93b. IS 3lt. 25. iS^nlid^e )Beifpie(e mc^rfad^ in ber Sled^tfpret^unQ be§ Dbertribunald (Cppen^off) »b. 3 e. 402, äöb. 8 e. 635. — Öeroift ift alfo auf bie Umftänbe be§ gatte« 9lü(ffid^t 3U nehmen: 9{e($tfpre(^ung bed Obertribunald 93b. 2 e. 404, 93b. 3 e. 183, 09I. 93b. 7 S. 652, 93b. 9 ©. 368. ") öenauer foU auf bie ©rforberniffe ber öffentlid^cn Urfunbe unb ibrc Hafuiftif um bedroiUen nic^t eingegangen toerbcn, roeil barauf für ben S^at^ beftanb ber Urlunbenfä(fd^ung im allgemeinen nid^td an!ommt. ^injel^eiten f. übrigen« bei Bliebet, im ©crid^tSfaal ob. 39 (1887) S. 162 ff. ^^) 9(uc^ für bie eigne 9[$erfügung roirb bie befonbere Beroeiefraft ber öffentlid^en 93eur!unbung infofern oon 93ebeutung, ali ed nic^t b(o6 barauf ans (ommt, ba6 fie überhaupt, — mzUti^t eben erft je^t — fonbcrn bafe fie ju einer beftimmten ^clt ergangen ift. ") ©elbftuerftänblid^ ift alfo, baft bie Urfunbe in ber oorgefc^ricbenen gorm au^gefteUt fein mufi, foroie bag ein nur auf ben innern ^ienft ber Be^ l)örbe besüglic^e« ec^riftftüd Uim öffentliche Urfunbe ift. ^ied ift aUgemein anerfannt; ogl. Jiiebel a. 0., beffen 3(u«f Urningen jcbot^ im einzelnen m. ©. nic^t burc^roeg gutreffenb ftnb. 2)cr X^atbcftanD b€r Urfunbenfälfc^unö. 7 nod^ — eine betoeiöer^eblid^e Urtunbe;*®) ifire Seroeiöfraft ift uom 9Jc(^t i^t Derlie^en imb ift fpejieH aud& für ben Si^itproje^ gefe^ li(l[) anerfannt. SlnDerö ücr^ält eö fid^ mit ber ^priüoturfunbe. aWan fann ben Segriff beö SHitteU unb fo inöbefonbere bed Seroeismittelö in oerfd&iebenem ©inne faffen. Tlan lann aU aWittel perfte^en, toas ju einem geioiffen S^ede bmniit ober baju befiimmt ober baju geeignet ifiJ^) ein aWeffer bleibt unö ein aKeffer, xomn eö axid) fo fiumpf geiDorbcn ijt, bafe eö nidfit me^r fd^neibet. ©ine ^ßerfon, bie ai% 3euge oemommen wirb, ift iin^ ein 3^wg^/ ^"^ ^^^^" Pß 'li^ä^tö jur Sad^e roeife. 2)er § 267 be§ ©t.®.33. ober verlangt eine bcroeiöer^eblid&e ^riooturfunbe, boö fieijst: eine fold^e, bie jum Se^ loeiö aud^ mirfUd^ geeignet, ein tauglid^eä Seioeiömittel ift; ge* nauer: eine Urtunbe, bie oon 6r^eblid;fcit fein roürbe, roenn fie cc^t wäre. 3)a§ in biefem Sinn baö ©rforbemid ber Seroeiöer^eb^ Kc^fcit JU oerfte^en fei, foll in fpäterm 3wföiniwc»f|öng, inöbefonbere ouö ber Jlebaltiondgefd^id^te beö § 247 bes preufeifd^en ©t.@.33. barget^an werben. ©egenftanb eine« projeffualen Seroeifeö ift notroenbig eine rec^tser^eblici^e 2^^atfad^e — eine 2!f|atfad^e, roeld^e, allein ober in Serbinbung mit anbem S^^atfod^en, eine Sied^töroirlung erzeugt ober bie Sled^tsroirfung onbrer S^J^otfadben fiinbert. Unb aud^ ber § 267 ©t.@.S. üerlongt eine ^ßriDaturlimbe, roeld^e jum Seroeiö pon SRed^ten ober SRed^töoer^ältniffen oon ©r^eblidfeleit ift. 3l\in roirb aber burd^ eine Urhmbe junäd^ft immer eine ©r^ tlärung beroiefen. älfo ift jroeierlei möglid&. ©ntroeber biefe ©r^ Ildrung ift felbft bie ju beroeifenbe red^töerl^eblid^e 2^l^atfad&e — oDer fie trägt jum Seroeiö einer red^tserfieblid^en 2^^atfac^e bei. ©ö fann fein, ba& bie urlunblid^e ©rtlärung felbft bie ju be? Toeifenbe red&töer^eblid&e 2:^atfacl)e ift. ©ie fann red^töroirffame Sßiflenöerflarung, 2)i§pofition, fie fann 3)elift, fie fann aud^ eine blofee änjeige ober 33enad^rid^tigung, furj irgenb welche Äunbgebung 1^) Sgl. audf 3Rttttl, in o. ^ol^enborffd ^anbbud^ bed beutfd^en ©traf« teti« ob. 3 (1874) ©. 790. ") ^ux ben ©cbraud^ jic^t alS cntfd^cibcnb an r>, ÄticS a. O. (Z VI) 153 ff., ogl. e. 148 ff.; bagcgcn d. öuri im ©crid^tßfaar ob. 39 ©.49. — V. 2\^t, Sc^rbucft be« bcutfc^cn ©trafrcd^t« (3. 3lufl. 1888) ©. 504 ftc^t in ber Senieider^eblic^feit ein }u ben SegriffSmerfmaten ber Urfunbe Ijin^uttt* tmM SRerfmal; sufHmmenb DtiS^aufen, J^ommentar (3. S(ufl.) ju § 267 9hr.4. 10 «Prof. Dr. Safob SQßcigmann. eine (Srflärung tonn felbft ein 3nbiä für eine anbre Xf)at^aä)e bilben. 3- 33. and einer bricflidjen äluJBcrung ift ja fd&Iiefecn, bafe ber Sd&reiber uom eintritt ber 3ö^lungdunfä^i9feit eine« ©emeim fd&ulbnerd Äenntniö gehabt l^abe; ein Srief beö Stngef legten üerrät fein ©^ulbberoufetfein, o^ne gerabe ein offenes ©eftänbniö jn enU i)alitn ; ein fiiebeöbrief bient in einem efiefd^eibungöprojefe ald 3nbi} eineö e^ebred&erifc^en Ser^ältniffeS; ein Sd^reiben, in roeld^em ein ^prinjipal feinen SReifenben wegen feiner guten ©efd^äfte belobt unb i^m eine ©e^altöer^ö^ung in Sluöfid^t [teilt, roirb ald 3nbi} Dafür benu^t, bag eine frühere Mnbigung injioifd^en jurndtgenommen roorben fei; A biüzt brieflid^ ben B um ein 2)arlet)n: ein 3nbij bafür, ba§ B bem A ein Sarlel^n, roeld^es er feiner S^it von biefem empfangen, fd^on n)ieber }urüdtbe}al^lt ^abe ufn). S)ie 2ludfage über eine 2!^atfad()e ift nun freilid^ felbft aud^ eine Xf)ai]aä)t, aber fein Snbij. ein Snbij ift eine 2:^atfad^e, loeld&e auf eine anbre l&inroeift, Re „anjeigt", unb jroar nad^ i^rem laufalen 33erl^ältnid. einen Snbijienberoeiö nelimen wir bann ald geführt an, xocnn und bie }u beroeifenbe 2^l)atfad^e notrcenbig erfd^eint, um ben Äaufaljufammenljang^^) ber Umftänbe eines SBorfaüs — bad finb eben bie inbijierenben 2^t)atfad(jen — ju be^ greifen, roenn o^ne bie ju beroeifenbe X\)at^a6)t in ber .RaufaU Dertettung ber Umftänoe tim Südfe bleiben roürbe, welche auf onbre 2Beife auöjufütten nn% unmöglid^ fd^eint. (ein ©egenberoeiö burd^ 3nbijien ift folglid^ bann gefülirt, roenn bie ju beroeifenbe 2:^at: fod^e in ben Äaufaljufammenl^ang ber betannten Umftänbe nid^t Vc^^Q 2)aS SSerl^ältnis einer inbijierenben ju ber ju beroeifenben I^^atfad^e ift alfo biefeö: bafe bie ju beroeifenbe S^ljatfactie }u ben Sebingungen ber inbijierenben gel^ört, ober bie inbijiercnbe ju ben Sebingungen ber ju beroeifenben, ober ba& fie gemeinfc^aftlid() eine britte 2:l)atfad^e bebingen ober gemeinfd^aftlid^ burd^ eine britte be- bingt werben. 2^) bujiert bie ^oftfarte eineS Selannten vom 29. ^cinuar beSfelben Sa^reS mit ^cftftctnpel t)on gleichem S^atum, in welcher er mitteilt, ber Ärjt, ber ben öe« treffcnbcn be^anbeltc, fjabt if)m focben Qcfagt, bafe bcrfclbe gcftorbcn fei. ^*) 2)er 3wfö»"*"^n&öng fann ein p^pfifc^er ober pfpc^ologifc^er fein. *ö) 2)ic ^erfömmlid>c ^Definition ber Snbijien ift meines ©rac^tenS unyu^ länglich unb fd^ulb an manchen Unüar^eiten in ber ^eroeiSIe^re. 3!flan pflegt fie iVL befinieren a(S it^atfac^en, von roeld^en auf bie ju beroeifenbe it^atfac^e gefcf) (offen roerben !ann; im einzelnen fuc^t man fobann fie auf baS ^aufo* ^r Xt)atb€\iatH> Ut Urlunbenföifc^ung. 1 1 So ifl aber nid^t bad 33erl^ältm8 einer aiuöfage ju bcr bc= fimbcten S^atfod^e. Siefe ift n\d)t Sebingung bcr Sliidfagc, Da bie Xu^fage fo gut loal^r wie falfd^ fein tonn, ©ie 2ludfage bcroeift aber nur, fofeni fie xoaf)X ift; road baüon abfängt, ob bcr ^\x^ fagcnbc rid^tig roa^rgenommcn unb feine SBa^mctimung rid&tig roieöergegcbeii ^at, ob er ja bcibcm roidenö xinD im ftanbc roar. ein Urteil ift alfo freilid^ aud^ jur SBürbigung einer urlunb« liefen Sudfagc erf orbcrlid^ ; aber ein Urteil gehört aud^ jur SBür^ bigung eineö oor ©crici^t abgelegten 3^»9»MTcö/ roeld^ed barum bod^ gcroiß fein 3«bij ifl. ättgemeine Jioruicn laffcn für baöfclbe fid& nidit aufteilen; cd foinnit alled auf bie forgfältigc ©rroägung bcr Umftdnbe bed einzelnen g^aUeö an. 6in befonbereö ©eroid^t f)at man oon alters ^er auf bie in ber menfd^licben ^atur begrünbete (Srfal^rung gelegt^ t>ai ju feinem Sdiaben feiner bie Unroa^rlieit fage, — roobei jcbod^ }u beben ten Ihdt§^ ba$ itoeriftential' unb tuo^l auc^ nod^ bad Sebingung^Der^ältni^ intüd- ^fübren; fte^e bie 92a(^n)eifungen bei ©lafer, ^anbbud^ bed ©trafprojeffed »b. 1 § 61 unb öeiträfle jur Se^re t)om »eroei« im etrafprojefe (1888) 6. 104 ff. 92a(4 biefer S)eftnition !ann man cOerbingd au4 bad au^ergeric^ts Ii(^ S^ud'ti^ atd Snbi) bejetc^nen, toie bted $eud(er tf^ut; f. a.D. @. 226, 228, 2:^J, 254, 280, 306. i)ann mu6 man aber auc^ bad au6ergeri(^tli(j^e Seugnid unter bie ^nbijien fteUen, eine itonfequen}, bie aud^ von SBenbt a. 0. @. 2&1 gebogen mirb. Unb fd^lieglid^ ift bo(^ auc^ bie gerid/tlid^e 3^ugenau$s fage eine X^atfac^, Don loelc^er auf bie ju bemeifenbe gefc^Ioffen roirb. Q^tafer ^ richtig ttlannt, baf; nic^t von ben Snbi^ien, fonbern von bem Snbijiem beisei^ audjuge^en ift. 6r fetbft befiniert (a.D.): „Qin ^nbi^ienberoeid ift bann geführt, roenn entroeber 1. bie SBa^r^eit ber ju beroeifenben S^atfac^e au$ einer anbem, nid^t in i^rer perfönli(^en fßa^rnef)mung be? fte^enben Z^at^ad^t ober au^ einer Serbinbung fotd^er 2:^atfa(^en notroenbig folgt; ober 2. menn auf bie }u beroeifenbe ^^^atfac^e au^ anbern S^atfac^en ber bezeichneten 9(rt mit SS^a^rfd^einlic^Ieit gefc^toffen werben lann unb ftd^ btefetbe }ugUi(^ alS bie einzige barfteKt, metd^e ju alten )ur ©emi^^eit er^o? benen Umftänben bed gaUed fo pa^t bag fte fxd) gegenfeitig in befriebigenber Seife erftären." Xai ti bem SBerfaffer notroenbig erfc^icn, bie perfönlidje Sabmebmung au^brüdtticb audgune^men, weit fte an unb für ftc^ unter bie 2)efinition falten mürbe, für meiere $(udnaf)me anberfeitd ein innerer ®runb nit^t angegeben unb nid^t erficf^ttic^ ift, beroeift fcbiagenb, bag bie Definition mc^ gutreffenb ift. Dat au^ergeric^tlid^ed 3eugmd ober C)eftänbnid ni^t Sn- bisten fmb, hai seigt fu^ befonberd beutlic^, menn man bamit bie mir fliege Sinbi^ien enti^attenben Urfunben vergleicht, meldte Kategorie freiließ allgemein — Die fd fc^etnt, gerabe auc^ Don ipeudler, überfe^en mirb; menigftend fü^rt Melbe lein Seifpiel einer nac^ meiner ^uffaffung mirflid^ inbi^ierenben Ur< ftrabe an. 10 «ßrof. Dr. Safob 9ßci«mann. eine Grflärung tarn fclbft ein 3nbii für eine anbre 2:^atfa(i&e bilben. 3- 35- o»ö einer bricflidjen Sufeerung ift ju fd&Uefecn, bafe ber Schreiber uom ©ntritt ber ä^fllungöunfä^igfeit eines 65emein= fd^ulbnerö Äenntnis gefiabt ^abt; ein 35rief beö Stngeflagten üerrät fein ©^ulbberonfetfein, o^ne gerabe ein offenes ©eftänbniö jn ent^ Italien; ein Liebesbrief bient in einem ©(jefd^eibungöprojefe als Snbij eines e^ebred&erifd^en SerljältniffeS; ein ©d^reiben, in roeld^ein ein ^prinjipal feinen SWeifenben wegen feiner guten ©efd^äfte belobt unti it)m eine ©e^altSer^ö^ung in Slusfid^t fteflt, roirb als 3nbi} bafür benufet, ba§ eine frütiere Äünbigung injroifd^en jurüdEgenommen loorben fei; A bittet brieflid^ ben B um ein S)arlet)n: ein ^nbij bafür, ba§ B bem A ein 2)arlef|n, roeld^es er feiner 3cit oon biefem empfangen, fd^on n)ieber jurädtbeja^lt t)abe ufm. S)ie 2lusfage über eine 2^^atfad()e ift nun freilidö felbft aud^ eine 2!^atfad^e, aber fein Snbij. ©in Snbij ift eine 2:^atfad^e, loeld&e auf eine anbre l&inroeift, Re „anjeigt", unb jroar nad^ i()rem laufalen SSer^ältniS. ©inen 3"^i}iß"^^roeis ne()men wir bann als gefü()rt an, roenn uns bie }u beroeifenbe Xf)ai^aä)e notrcenbig erfd^eint, um ben ftauf a Ij u f am men^ an g 2'*) ber Umftänbe eines SBorfatts — bas finb eben bie inbijierenben SCtiatfadljen — ju be- greifen, roenn o\)m bie ju beroeifenbe X^at^aä)^ in ber Äaufal= Dertettung ber Umftanoe eine Surfe bleiben roürbe, welche auf anbre SBeife auSjufäQen uns unmöglid^ fd^eint. (@in @egenben)eis burd^ 3nbijien ift folglid^ bann gefüljrt, roenn bie ju beroeifenbe XffaU fad^e in ben jlaufaljufammen^ang ber befannten Umftänbe ntd^t VCiit.) 3)aS SSer^öItnis einer inbijierenben ju ber ju beroeifenben 2^^atfad^e ift alfo biefes: bafe bie ju beroeifenbe S^^atfac^ie }u ben Sebingungen ber inbijierenben gel^ört, ober bie inbijierenbe ju ben S3ebtngungen ber ju beroeifenben, ober bag fie gemeinfc^aftlidf) eine britte 2^l^atfad^e bebingen ober gemeinfd^aftUd^ burc^ eine britte be- bingt werben.^®) busiert bie $oft!arte eineS Selannten Dom 29. Januar beSfelben ^a^reS mit ^cftftempcr von gleicfjcm 3^atum, in welcher er mitteilt, ber Ärjt, ber ben öe» treffenben be^anbelte, ^abe if)m foeben gefagt, bafe bcrfelbe geftorben fei. **) 3Jer 3wfö^"»"«"^fl'^9 'ß"" ^^" p^9ftf(^er ober pfpcfjologifc^er fein. ■") 2)ie ^erfömmlid>e ^Definition ber 3nbijien ift meines ©rac^tenS unju« I&nglicf) unb fc^ulb an manchen Unüar^eiten in ber ^emeiSte^re. 9Ran pflegt fie JU befinieren aU a:^atfacien, von welchen auf bie ju beroeifenbe Xbatfac^e gefd^ (offen roerben !ann; im einzelnen fuc^t man fobann fte auf baS ^aufo» ^er S^atbejlanb ber Urfunbenfölfc^ung. 1 1 3o ift aber nid^t bad SSerJ^ättnid einer Sludfage ju ber be? lunbctcn X^atfad^e. SDicfc ift nic^t Scbingung ber Sludfagc, bo bie auöjaftc fo gut loal^r toie falfd^ fein fann. ©ie Sluöfage berocift aber nur, fofem fie XDaf)X ift; road baüon abfängt, ob ber aiud? jagenbe rid^tig wahrgenommen unb feine SBaljme^mung rid&tig iDieDergegebeu l^at^ ob er ju beibem roxfltn^ unb im fianbe roar. ein Urteil ift alfo freilid^ aud^ jur 2Bürbigung einer urfunb^^ liefen Sluöfage erforberlidfi ; aber ein Urteil get)ört aud& jur SBür? bigung eined por @erid^t abgelegten B^^^di^iff^d/ toeld^ed barum bod^ gcroiti fein 3nbi} ifl. 2lIIgemeine Jiormen laffen für baöfelbe fid^ miit auffteQen; ed fommt alles auf bie forgfältigc Srmägung ber Umftdnbe bed einjelneu g^aUeö an. ein befonbereö ©eroid^t ^at man oon alters ()er auf bie in ber menfd^lic^en Statur begrünbete @rfa^rung gelegt^ ba§ ju feinem Schaben feiner bie Unroal^r^eit fage, — wobei jeboc^ ju beben ten Iitdt§'% ba§ Itoe^ftentia^ unb tuo^l auc^ nod^ ba^ SebtngungdDer^ältnU iuvMi jufü^ren; fte^e bie ^lad^toetfungen bei ®la\ev, ^anbbud^ bed Straf progeffeS «b. 1 § 61 unb öciträae a«r Se^rc Dom »eroeiS im ©trafprojefe (isas) 8. 104 ff. 9ladi biefer Definition lann man aOerbingd au4 baS augergeric^ts lic^e 3^ugni^ a(S ^nbi) bejeid^nen, roie bieS $eud(er t^ut; f. a. 0. @. 226, 228, 230, 254, 280, 306. 2)ann mufe man aber aud^ bad außergerichtliche 3cugni^ unter bie Sn^ijic« ftetten, eine Äonfequenj, bie ouc§ von Sßenbt a. 0. 6. 294 gebogen mirb. Unb fc^lieglid^ ift boc^ auc^ bie gerid^tlic^e 3^ugenauSs läge eine X^atfac^, von welcher auf bie gu ben)eifenbe gefc^Ioffen wirb. ©lafer iHit richtig erfannt, baß nic^t uon ben ^nbigien, fonbern von bem ^nbi^iem betDei§ au^guge^en ift. 6r felbft befiniert {a.D.): „(&xn ^nbi^ienberoeid ift bann geführt, totnn enttoeber 1. bie SBa^r^eit ber }u beroeifenben S^atfac^e au§ einer anbem, nic^t in i^rer perfönlic^en SBa^rne^mung be? ftebenben X^atfac^e ober auS einer Serbinbung fold^er 2:^atfac^en notroenbig folgt; ober 2. roenn auf bie }u beroeifenbe 2:^atfac^e aud anbem X^atfac^en ber be^eicbneten 9(rt mit S^a^rfd^einlic^feit gefd^Ioffen roerben !ann unb ftd^ biefelbe gugleic^ alS bie einzige barfteUt, roeld^e gu aUtn )ur (SJemiß^eit er^o^ bcnen Umftdnben beS gatte^ fo pa^t, bafe fte fi(i> gegenfeitig in bcfriebigenber *Jetfe erflären." 35af; eS bem 35erfaffer notroenbig erfc^ien, bie perfönlic^e Sööme^mung au^brücf (id^ audjune^men, weil fie an unb für fic§ unter bie 2)efimtion fallen roürbe, für welche 5(u«na^me anberfeit« ein innerer örunb niäft angegeben unb nic^t erfi(i>tnc^ ift, beroeift fcblagenb, baß bie 2)efinition iii^t jutreffenb ift. Xai außergeri(i>tlic^e« 3«"9"i^ ober ®eftänbni§ nid>t 3«* btjien flnb, bad S^gt ftc^ befonberd beutlid^, mnn man bamit bie n)ir fliege Snbisien entl^altenben Ur!unben oergleicfjt, welche Äategorie freiließ attgemein — ©ie f^ fd^eint, gerabe auc§ von §eu«ler, überfe^en wirb; roenigftend fü^rt berfe(be fein »eifpiel einer nac^ meiner 3luffaffung roirWid^ inbijierenben Ur* funbe an. 12 ^tof. Dr. Safob Söeiömann. biribt, bafe stuften uiib ©dftabcn üom ©tanbpunlt bc§ 3'^biDibuumö, nad^ feinen aiuffaffungen unb SBfmfci^en fid^ beftiminen, foroie ferner, bQ§, roaö fci^einbor fd^abet, nad^ einer verborgenen ©eite ^in nüften tann. SSeroeiöer^eblid^feit, nnb oft fef)r bebentenbe, fann aber auc^ bem fdbriftlid^en Sendete einer gjrioatperfon julommen, rotli^t felbfl an ber befunbeten S^^atfa^e ein eignes materielle^ ^ntereffe nic^t f)at; befonbcrd roenn {)in}utonimt, bafe ein ^ntereffe anbrer SKrt, fo namentlidö ein Seruföintereffe, i^re SBafirne^mnng fd^ärfte, unb bie 9lnfieid^ming unter bem unmittelbaren @inbrud ber "iZ^atfad^e er^^ folgte. Seifpiele bierfür bieten |id^ in %üüt. 3Kon benfe an bie 2lufjeid&nungen bcö bauleitenben 2lrd&iteften über feine 9)Jeffungen — in ben nic^t feltenen gäUen, roo eine 3la6)i meffung ol^ne ä(bbrud^ bed 93aue$, ol^ne äludgrabung bed §unba^ mented unmöglid) ift; an ben SßJiegefd^ein einer prioaten äBage^ an|lalt;2^) an drstlicbe 3ioti}en unb 35ef d^einigungen ; 2^) Slufjeid^ nungen eines 9led^tdanroaltö über bie oor i^m gepflogenen SBer« ^anblungen; 35cmertungen eineö SBermittlerö über ©injell^eiten be« ©efd^aftöabfd^luffeö. ©in 35ilberlieb^aber notiert fid& ben 5ßreid eines Silbeö, über roelcbeö in feiner ©egenroart ein Äauf jroifd^en anbern abgefd^loffcn roorben ijl. 6in Äaufmann fd^reibt bem anbern Don bem glänjenben ©efd^äft, roaö in feinem Seifein ein gemeim fd^aftlidber ??reunb gemad^t \)abt ufro.^^) ©eroife roirb unb mu§ man oerfud^en, bad gerid^tlid&e 3^»9>^iö bes Sd^reiberd ju erlangen. 3Benn badfelbe aber nid^t }u ^aben ift, weil er oerfiorben ober nidlit aufjufinben ober \i6) ber ©ad^e nid^t mel^r genau erinnert, fo ift man auf bie fd^riftlid^e äluöfage angeioiefen. 6d fonn Seroeiöfraft enblid^ fogar bie bem Sd&reiber felbji günftige 2lufäeid^nung liaben, fofern nur ben Umftänben nad^ am june^men ift, ba§ fie auf 3Ba{)rf)eit beru{)e. ©0 ift fietö Seweift? fraft bem in orbnungömäfeiger Sßeife geführten ^anbelöbud^e^) bed 27) Slcc^tfptccl^ung bc§ Obcrtribunar« (Oppcn^off) «b. 1 ©.331. '-») 3fled>tfprc(§ung bc«Obcrtribunar« (Oppcn^off) 33b. 7 e. 416: Xobe«* befc^einic^ung eineS %xiM. 29) eic^c au(^ bie Öcifpicic §cu«rcr8 a, O. 6. 280ff. 30) Sic^c ©ntfc^. bc« 9lci(§«gcrt(^t« »b. 2 9ir. 12, »b. 4 ^t.S, ob. 5 Sflr. 152. ^er X^atbeftanb ber Urfunbenfälfc^ung. 13 Äaujmann^ beigelegt TOorben.^O 3)a6 bic äufjcid^nungcn bcö Sud^es fi^ in i^rer ©efamtl^cit ju einem Dollftänbigen in fid6 über- cinftimmeubeu ^ilbc beö @efdS>aftftanbe§ Dereinigen, baö ift eö, roaö jeber einselnen i^re Seroeiöfraft Derleil^t. Xa\)cx tann aud^ einem Sud^e ntd^t bes^alb fd^led^t{)in bie SSemeiSfraft abgefprod^en n)erben, weil ed nur baju beftimmt geroefen fei, bem ©efd^äftöin^aber felbft eine Überfid^t über feinen ©efd&äftöftanb ju geiüä^ren. ^^) (So tann jemer bie ©elbftaufjcici^nung eine« beteiligten boburc^ befonbere Scroeisfraft erl^alten, bafe babei ein anbrer, ein Unbeteiligter ober ein in entgegengefeßtem Sinne ^nteref fierter, f ontroHierenb mitroirfte. CO üer^alt e§ fid^ j. S. mit einem örauregifter, beffen ©inträge einjetn oon bem ©teuerbeamten geprüft werben;^') fo mit einet cclbjiquittung über eine a\\ ben Äaffenboten geleiftete 3^^lii"9-^*) äud bem @efagten erl^etlt, bog ed nic^t notroenbig eine anger^ ^(dh hex Urfunbe liegenbe, aud^ ni4)t notn)enbig eine vergangene Jjiatfad^e ift, roeld&e burd^ bie Urfunbe beroiefen werben fott.^*) Xlerbingö ben)eift bie Urfunbe junäd^ft immer in geroiffem Sinne eine aufeer i^r Uegenbe unb üergangene X^atfad^e, infofern fie eben, olö Urfunbe, il^re 2ludftcIIung beroeift. 2)ie 2luöftettung ber Urfunbe ift allerbingö nid^t bie Urfunbe, aber fie ifl aud& nid^t ju beiifen o^ne bie Urfunbe, unb roenn atfo bie in ber Urfunbe entfialtene ßrflärung gerabe bie ju bcroeifenbe red^täerlieblid^e Xf)a^a^c ift, fo tann man bod^ mo^l nid^t fagen, bag bie Urfunbe eine auger i^r liegenbe 2^^atfad^e bemeife. Unb roenn ed babei aud^ nid^t auf bie Srtlarung fc^led^t^in, fonbern auf bie Srflärung ald äludbrudf eines BiQend antommt, fo roirb bod^ biefer äBiUe eben anö) nic^t burd^ bie Urfunbe beroiefen. Sie ©rflärung, roeld^e junäd^ft bur^ bie '*) 3nbet franjöfifc^enSittctatur öfter jiticrt: Farinacius, quaest. 150 Dr. 353: «Attamen qaando eadem scriptura facit pro scribente aliquam fidem Tel probationem, panitnr poena falsi.*" S3gl. Chanvean Adolphe etFaustin H61ie, th^orie du code p6nal (5. 9lup. 1873) m. 2 ^v. 675. Garrand, trait^ th^orique et pratique du droit p4nal frangais, 33b. 3 (1889) ^, 137. ") Sgl. oud^ ipcudler a. 0. ©.311. ») ©. entfc^. bcS aictd^dgcricl^t« ob. 10 «Rr. 6. •*) ®in folc^er %atl in ber S'lcdjtfprcd^unö be« ObertribunaTö: üpptn-- ^off 8b. 7 @. 140; Dom ©tanbpunft bc§ preufeifd^cn ^rojc^rec^t« ift bic Ur« lunbenfälfd^ung ^ier verneint. ») So $eu«rer a. 0. ©. 241 f.; ebcnfo (gntfd^. be« Slcic^ggcrid^td ob. 17 ^. 72 iL 9lr. 37 (©. 107). — 3)agegen auc^ 9Benbt, a. D. 3. 309. 14 ^tof. Dr. Safob Söeiömann. Urlunbc beroiefen roerbcu foH, ift frcUid^ eine »ergangene 2;i^atfad^e, aber fte fann, wenn |te felbft 3nbij ober 2lu§fage über ein ^nbij ift, a\i6) gum Seroeis einer i^r nad^folgenben, aud^ einer gegen? roärtigen 2!^atfad&e benufit roerben. SWan bcnfe jum Seifpiel, um ein ganj einfad^ed ju roä^len, an bad 2ltteft bed älrjted, burd^ roeld^ed boc^ bie gegenwärtige 93er(|inberung bed Patienten be^ roiefen roerben fott. SWan ^at ben 2)iöpofitiüurfunben bie ©eftänbnid^ unb S^ugniö^ urlunben gegenübergeftellt unb neuerbingö i^ncn ald eine befonDere Slrt bie ein ©utaci^ten entl^altenben Urfunben ^injugefügt. ^) Siefe Segriffe fd^einen mir fo roenig audreid^enb unb jutreffenb, roie ber Segriff ber 3)idpofitit)urfunben. 1. ^Jefilen babei ganj bie inbis jierenben Urfunben. 2. ^n einem ©eftänbniö im eigentlid&en ©inne gel^ört eine ^Projefepartei; von einer bem 2ludfteIIer naä)^ teiligen Urfunbe fann man aber aud^ auger^atb eined ^ro^effed unb gegenüber einer britten ^crfon ©ebrauc^ mad^en, o^ue bafe i^r Seroeiöroert barum ein anbrer roäre. 3. ©in S^n^t ift notro:nbig eine x>on ber ^Partei Derfd^iebene ^ßerfon; ed fann alfo eine x>on ber ^Partei felbft ^errül^renbe i^r günftige Urfunbe nid^t 3ßwsni«urfunbe genannt roerben. Slud^ roirb, roenn man gerid^tlid^es unb aufeer^ gerid&tlid^ed 3^"9"i^ unterfd^eibet, baöfelbe SBort in boppeltem ©iime gebrandet; ba§ gerid^tlid^e 3^"9"i^ bebeutet eine befonbere Slrt ber Seroeiöfü^rung unb i^m fielet alö gleid^georbneter, an^- fd^liefeenber Segriff bie Urfunbe jur ©eitc. Segei^net man aber ben Sn^alt einer Urfunbe als aufeergerid^tlid&ed 3-"9"iö/ fo ji^tt man bamit auf ben Seroeiägrunb, ben ©runb ber ridbterlid&en Überzeugung; aber aud^ biefer ift l^ier ein anbrer ald bei ber 3eugenauöfage, infofern beren SBürbigung burd^ il^re ©erid&tlicbfeit, Unmittelbarfeit, Seeibigung bebingt ift. 4. S)er fd^riftlid^e Seric^t eines ©ad&üerftänbigen über eine t)on i^m roa^rgenommene üer^ gangene 2:i^atfad^e fann nid^t ein felbftänbiges (Sinteilungsglieb biboen. 2)enn bas fad^uerftänbige 3^wö"iö ^ft ""^ ^i" %^^ ^^3 3eugniffes. 2)as ©utad^ten eines 3lrbitratorS aber ift felbft eine red^tserf)eblid^e 2:^otfad^c. Unb eine red&tser^eblid^e 2:f)atfadbe ift aud^ baS ©utad^ten, roeld^es im ^ßrojefe ber beftettte ©ad^üerftänbige abgibt; es ift eine projeferedbtlid^ erlieblid^e 2:^atfad^e nur als fold^e. w) eo — im rocfentrid^cn übcrcinftimmcnb — 3o^n Z VI 38 ff., ». ÄricS baf. @. 169 ff.; ©ntfc^. bc« Slcic^Sgetid^tS ob. 17 9h. 30 u. 9lr. 37. 5Der X^atbt^ant) ber Urhinbenfätfc^ung. 15 aU bie Sudfage bed befletUen @ad^Derftänbigen !ann ed ffir bad Uneil in 93etrad^t fommen. SlSe SSorgöuge etneö ^^rojeffed föimen in bcmfclbcn ^rojcfe immer nur als red&töerl^cblid&e I^^atfad^cn — eben qU -projcfet^atfadb^n — ©egcnftonb eincd Urlunbcnbcrocifcö fein. Äud^ ber 3^wgeuben)eid wirb nid^t baburd^ jum Urlunbem beiDeid^ bag er burc^ bad girotofoS eine^ beauftragten ober er- fuc^ten Äid^tcrd vermittelt roirb. @egenitanb bed 93en)eifed, SSemeidtl^ema ifl^ xoit gefagt, im $ro}eB notn)enbig eine red^tder^eblid^e S^atfad^e; unb aud^ § 267 @t.@.9. oerlangt fold^e ^rioaturtunben^ n)eld^e }um SBemeid von Steckten ober 9tec^tdt)ert)altniffen oon @r^eb(id^!eit finb. 3>iefeö ©rforbeniiö — ber Sejie^ung auf ein SRed^t ober SRed&tös wr^dltniö — fteUt er nid&t auf für öffentlid^e Urfunben. ®d ift fein felbfberftänbUc^eö (grforberniö; wenn ber ©taat Sel^örben ober eiiu jelne ^erfonen mit ber Seurfunbung beftimmter 2;^atfad^en betraut, fo t^ut er CS in ber SJoraudfefeung, ba§ biefe 2:i^atfad^en, roenn nic^t an unb für fid^ fd&on red^tder^eblic^, bod^ red^töerl^eblid^ werben tonnen; baraud folgt jebod^ nid^t, bag fie aud^ loirflid^ in jebem gaUe red&töer^eblid^ fein müfeten. aber aud& bie 6r!lärung, roeld&e im ^ßrojefe oermittelft ber Ur^ hmbe junäc^ft enoiefen werben foU, ift nid^t notroenbig felbft eine rec^tder^eblic^e Xf)at)ad)c; e« fann fein, bafe fie aU 3nbij ober glaubwürbige 3tudfage erfl eine anbre S^^atfad^e er weifen foQ; biefe anbre 2:^atfad^e ift gleichfalls nod^ nid^t immer eine rcd^töer^ebltd^e, jonbem !ann roieberum eine nur inbijierenbe 2!^atfad^e fein. 2)ie Xl^atfad^e femer, weld^e bad 93en)eidtl)ema bilbet, ift aud^ nid^t not^ loenbig eine an unb für fidE) rec^tderl^eblic^e S^^atfac^e, es fann fein, ba§ fie erfl in 5Berbinbung mit anbern %\)at^aä)m red^tser^eblid^ wirb; es ifl möglid^, bafe Re jur 3^ i^^^^ SSeurtunbung nod^ gar mi^t red^tserl^cblid^ war. @s gibt anberfeits feine 2!^atiad^e, weld^e ni(^t unter Umftänben (als 93ebingung eines 9led^tsgefd^äftes, }u^ folge einer SBettc u. bergl.) red^tserl^eblid^ werben tonnte. ^0 ein in feiigen ©rinnerungen fd^welgenber ßiebesbrief ift an unb für fid^ bod^ nid^ts weniger als eine ^rioaturtunbe, weld^e }um Setoeis oon Siedeten ober ^led^tsoerl^ältniffen oon (Sr^eblid^feit ift; aber wer wollte be}weifeln, bag bie fälfd^lid^e 3(nfertigung eines foldden Briefes unb feine SSenu^ung in einem @^efd^eiDungSpro}e^ tinc Urfunbenfälfd^ung barflellen würbe? *^ So au4 oon Jtried in Z VI 165. 16 $rof. Dr. 3alob Söetdtnann. Unb wenn eine urfunblid^ enoiefene 2!^atfad&e in ber 9icmfion§5 inftanj für uner^eblid^ erad^tet tDürbe^ luäre barum weniger ein tlrfunbenberoeiö gefütirt? @d fann alfo aud^ nid^t }um ^efen ber ^riuaturfunbe ge^ l^ören, bafe bie S^^atfad^e, ju beren öeroeid fie bient, eine an unb ffir ftc^ red^tder^eblid^e^ noc!^ tDeniger^ bag i^re Sied^tser^eblid^feit of)ne roeitered au§ ifjr felbft erfennbar fein muffe. ^®) Gin Srief, in iDeldl^em ein jtaufmann „ha^ gefällige 9lnerbieten Dom @eftrigen banfenb acceptiert", ift bod^ jroeifellod eine red^tder^eblid^e Urfunbe, loenn baö Slnerbieten in einer SJerlaufdofferte beftet)t; ober roer fie^t bem Briefe an, ob er fid& nid()t auf etroad rcdfitlid^ ©leid&gültiged be}iel^t? @ttDa auf bad Erbieten in einem gemeinf4)afttid^en Sludflug? @d fann Dielme^r bad Grforberniö ber Seroeiöer^eblid^feit für ein SRed^t ober SWed^täoerl^ältniö nur ben Sinn \)abm, hai bie Ur« lunbe jum 93en)eid eines 9ie4)ted ober Sled^tdoer^ältnijfed benu^t bejie^ungdrocife ju biefem ^roede fälfd^lidlj ^ergeftettt ober oerfälfd^t fein muffe: ob aber biefeö (Srforbernid auc^ für öffentlidbe Urfunben gelte, ift eine in anberm 3ufttw^"i^»()^»9 i" erörternöe ^i^age.^^) SWed^töerfieblid) ift nun nid^t eine ©rflärung fd^ledfit^in, fonbern bie Grflärung einer beftimmten ^erfon; unb aud^ fonft fann einer Urfunbe Scroeiöcr^eblidfiteit nur infofern jutouimen, aU fie bie ©r- flärung einer beftimmten ^^ierfon überliefert; benn ber Seroeiöroert einer ©rflärung alö eineö ^nbijeß ober glaubroürbiger 3luöfage be^ '*) Xki forbcrt — von ber rcd^tScr^cbric^cn Urfunbe (i>gl. 9i. 36) — »on Öuri im 0cri*t«faar 33b. 28 3. 25 ff., «b. 86 3. ISo.ff., »b. 39 S. 41; Dgl. auc^ SWotnmfen, bafelbft :Bb. 36 ©. 41 f., 52, 57. 2)agegcn namentlich ^älfd^ner, baö gemeine beutfc^e etrafrec^t «b. 2 2tbt. 2 (1887) 0.528. ^) üb überhaupt jum begriffe ber Urfunbe im ftrafred^tlid^en Sinne i^re ISejie^ung ju einem Siecht ober Biec^teDerI)ä(tnid gehöre, ift eine oielums ftrittene 5rage; bafür namentlid^ aRerfel, a. 0. S. 7«8, 790, 33b. 4 3. 443 ff. S^e^tdgutad^ten lum ^ro^effe bed (trafen 'ilrnim (fierau^geg. oon o. ^ol^enborff ) 6.40; 3o^n a. C. (Z IV unb VI); ^älfd^ner, a. C. 3.526, Dld^aufen, Äommentar ju §267 3(1.30, bagegen befonberd o. 5^uri (für einen fogcn. ^gcs meinen Urfunbenbegriff ") im öerid^tefaal «b. 28 3. 25 ff., SBb. 36 3. 173 ff. unb fonft; ogt. aud^ SJommfen baf. 3. 42, 3iiebel baf. 33b. 39 3. 163; 3Reper, Sef)rbuc^ be« beutfc^en Strafred^t« (4. 3lufl. im^) §133 3.931; bie le^tere ^uffaffung ift auc^ bicjenige be$ 9)eic^^geric^t$, og(. namentlich bie oben 91. 4 ongefübrtcn Gntf (Reibungen. — 35on bem unitn in 9Cbfc^. III barju« legenben 3tanbpun!te aud erfc^eint für bie Urfunbenfölfc^ung ber Streit ali gegenftanbeloö. 3^g(. auc^ oon Sixiti a,D, (Z VI 165 ff.). ^r 2:^atbeftanb ber Urlunbenfäd'c^ung. 17 jtimmt ti(^ aUemal itnb roefentUd^ nad^ ber ^erfon^ von iDeld^er fte Gbcn barinn ift bic Scroeiöfraft ber Urfunbe üor allem anbern burd^ ihre ^©c^t^eit" bebingt. eine Urfunbe ift ed^t, loenn ber angeblid&e StudfteHer aiid^ roirfli(ft ju i^r in einer fold^en Sejie^ung fte^t, bafe il^r ^n\)alt üor beut Stecht aU feine (Srflärung gilt. ge^It ed an einer fold^en ^e^ jie^ung, fo ift bie Urfunbe falfd^; fe{)lt ed baran nur für einen Zeil ber Urfunbe, fo ifl bie Urfunbe uerfälf d^t. *^) Siefc 33ejie^ung fann bie faufale fein (fo 5. 33. wenn bie Ur^ hmbe Don bem äludfteder felbft gefd^rieben ift), fie fann aber aud^ eiuc anbre fein. ^f)X SRad^roeiö ift ber 33eioeiö ber ©d^t^eit ber Urfunbe. Sßenn bie Gd&t^eit ber Urfunbe feftftel^t, fo ifi enoiefen, baß bie in i^r enthaltene Srflärung oon il^rem äludfteller abgegeben ift. Vorauf bafieren alle Stegein, loeld^e bem Urfunbenberoeiö eigene tämlid) finb. 2Jie menfdblitftc 5tebe unb il^re gijiening burd^ bie ©d^rift*') ^at auf ber ^^elt nid^t il)redgleicben ; unb fo ift einzigartig ber 9eiDei§, ber xf)x burc^ bie Urfunbe ju teil roirb. 3)ie Urfunbe be^ iDeift bie vergangene Srflärung imb ftellt fie bod^ fo i\n^ vox äugen, ald ob n)tr babei gegenwärtig roären. @d fiubet fid^ benn üuc^ ber Segriff ber ß^tfieit in gleid^em Sinne bei feiner anbern Scioeidart roieber,*^ 3n xf)m gipfelt bie ©igentümlidSifeit beä Ur^ tunbenbeiDeifed. 'iBtnn bie S^tfieit ber Urfunbe feftfte^t, fo ifl erroiefen, baß bie in i^r enthaltene @rflörung von it)rem 3lu§fteller abgegeben ift — biefer Seioeiö ift über allem S^^^ifcl erljaben; aber befto me^r ijt bem 3rocU^l ^i^ ßd^t^eit ber Urfunbe felber unterroorfen. 2)ie Sd^rift firiert bie in i^r enthaltene ©rflärung unb löft wn ber^;ßerfon i^reö Url)eberö fie oöllig loö;*^ fie überminbet 3ett **) ^ie nähere Grortcrunß im folgcnbcn Slbfd^mtt. **) §ter natürlich in rocitcrm Sinne oerftanbcn, fo bafe fic aud^ bic — witen jM befprec^enben — f(§riftäf)nUc^cn Seiten umfaßt. *') &^enn man oon 6c^tf|eit unb Unoerfä(fd)U)eit ber S(ugenf(^ein$obje!te ttbet, fo gebraucht man bamit bic Söortc offenbar in einer anbern — einer fiBertrogenen — Sebeutung; man meint bamit i^re ^bentität be$n). Unoerän^ bertfteit. «) Sgl. aud^ ba§ Sob ber ©c^rift bei §. 2öuttfc, @ef(§ic§tc ber Schrift anb befif ec^fttumd, 9b. 1. bie entfte^ung ber Schrift, bie oerf^iebenen Schrift« 3citf4rift f. b. gef. etrafrc(^U». XL 2 18 ^rof. Dr. 3afob 2öei«mann. unb 9laum, bic Sd^raufen beö perfönlic^cn SJafcinö. 2ßir rebcn burd& bic ©d&rift — unb bicö aud^ o^nc eö jii roünfd&cu — ©er- nc{)mbar für eine unbegrenjte Stnja^l üon ^IJcrfoncn, fo Diele t>a^ ©efd^riebene lefen mögen; wir reben burd^ fie }u ßntferntcn; mir loirfen burd^ fie nod& über ben 2:ob ()inaud: ed ift bcmerfcndroert, bafe bad ©efefe, an roeld^cö burd^ bie röniifdje unD gemeinred^tlidie 3uridpruben} bie ganje ©ntroidflung unfrer 5älfd()ungöbelifte an^ Inüpft, bie lex Cornelia testamentaria nuniniaria, fpcjieU bie 2!enbenj l)at, bem — in Sdjriftfomi geäußerten — legten SBillen feine SiJirffanifeit ju fidöern.**) 3lber gerabe ber Uniftanb, bafe fie fo üöüig von if)rem Urfieber fid& loölöft, mad&t audij bie 2:Qufd^ung über feine ^erfon fo leidet. Sie (SefQl;r biefer J^äufd^ung fann aud; burd; bie forgfältigfte ^^Jrü^ fung nid^t oöttig anögefd^loffen werben; fie befte^t oud^ für ben ^^rojefe; Diel größer noc^ ift fie für Den außerproseffuQlen SRed^tö- Derfe^r, ber aller Prüfung )id) ju cntfc^lagen oft genug genötigt ift; fie ift fo groß, baß fie bie 3Sraud&barteit ber Sd&rift für ben tHedjtö* Derfe^r in grage ju fteHen bro^t. Sie ju ininbern, greift ba^ ©trafred^t ein. SBie roäre ein 3led^tdoerfe{)r benfbar ol^ne ©rflärung? ©ic ift gerabeju „baö" ÜKittet beö 3?ed^töoerfel)rd. 3)ic ©d^rift nun aber oerlei^t i^r, ber flüd)tigen, fcfte ©eftalt unb trägt fie burd^i ferne aiäumc unb 3^i^^"- ^^^^^ ^^^" ^i^ eigenfd)aft, bie i^ren unermeB- lid^en 3iufeen begrünbet, fie birgt aud& eine fd^roere ©efaljr. hierin liegt baö Scbürfniö ftrafred(jtlid)en Sd^ufteö begrünbet. ©ö gilt, bem 3ted^tdoerfel)r bie S^^^i^'öffigfeit, ja Srau^barfeit eined unfd^ögbaren SJerfjeuged }u fid^ern. 2)ie Sd^rift ift ba« ÜKittel ber 33erförperung rcd^töeri^eblid&cr @rflärungen — barin befielt i^re Sebeutung für ben Urtunben= beroeiö mie für beffen ftrafred&tlid^e Sid^erung. aöeil nun aber badfelbe aud^ anbre ate oc^riftjeid^en (im gebräud^lid^en Sinne fpfteme ufio. (1872), in ben „einleitenben Betrachtungen". SluffäUigerroeife n)irb ^ter — rote in d^nlic^en 9(rbeiten, foroeit meine aüerbingd befc^ränfte üenntnid reicht — bie ungeheuere Bebeutung, meiere bie 3(^rift für bae die^tds leben f^at, gar nid^t erwähnt. ^) Befannttic^ roenbet fte ftc^ nicf^t blog gegen Jälfc^ung, fonbern auc^ gegen Unterbrütfung tinti Xeftamentd. 5S)cr S^atbefknb ber Urhinbenfälfc^ung. 19 Die|c§ Sortcö) Dermößen, fo borf in beiberlei ^infid&t bcr Seflriff bn Urlunbc nid^t auf Sd^riftftüde befd&ränft bleiben. auf bcu ©inn ber (Srtlärung fommt eö an, nid^t auf il^ren Saut. 2)arum finb ßautjeic^en ber Urlunbe nid)t luefentlid^. *^) 6§ m jum Urfunbenberoeid nid&t minber fold^e 3^^^^" geeignet, bic eine l^orftcllung ober eine ganje 3iei^e t)on SJorftellungen, roelc^e bie Sprad)e nur burd^ einen Safe ober burd^ eine Steige oon Sä^en iDicbergeben fann, ju unmittelbarem 3luöbnidE bringen. 3^^'^" i- ®- finb ja nic^t £antjei4)en, nnb bod^ \)at nod) niemanb bejmeifelt, ba^ ein Sd^ulbfd^ein, in roeld^em bie Sd^ulbfumme nur in 3^'()'^'^ ^^' jeiinet ift, eine Urtunbe fei. ®« fennt ber SJerfel^r mannigfad^e ~ figürliche — 3?orftettungd}eid^en, meldte ber Sprad^gebraud^ unter ben Segriff ber Bi}x\]t nxä)i mebr bringt. 2)ie Urfunbenfälfd^ung erforbert eine ganj ober teitioeife um ed^te UrtunDe.**^) 2)er Segriff ber (Scbt^eit ^at aber beim Urfunbem beroeife einen ganj beftimmten, biefein eigenttimlid&en ©inn, unb e§ ift nid^t glaublid^, bafe bei ber Urtunbenfälfc^ung baö ©efefe i^n mi) noc^ in einem roefentUd^ anbern ©inn oerftel^e. Urfunben fönncn alfo nur fold^e ©egenftänbe fein, auf roeld^e ber Segriff ber &i^t^eit im ©inne bed Urfunbenberoeifes anroenbbar ift. 2)iefer Segriff aber fegt bleibenbe 3^^^^" oorauö, roeld&e eine erflärung in fid^ enthalten. 2)ie erflärung mu^ aus ben 3^^^^» entnommen werben fönnen öon jebem, roeld^er i^re Sebeutnng oerfte^t. ®d mu^ i^nen alfo eine Sebeutung burd^ irgenb roeld^e objeftioe Jlorm oerlieI)en fein. 3^nn wenn nad;geroiefen werben müfete, Mi i^r Urheber fie in einem ganj befonbern ©inne gebrandet ^abe, fo mdre mit biefem Jlad&ioeiQ o^ne roeitereö bie (Srflärung felber, fie märe nid^t burd^ bie Seiten erroiefen. 2)ie 3florm fann übrigens ©efefe fein ober »ette^rsfitte, fie fann aud^ eine blofe unter ben 5Kä(!^ftbeteiligten DerQbrebete*0 f^^"- «) ecIbftoeTftänblicl^ fommt alfo ouc^ barauf nid^t« an, ob bic Seichen tinjelnc Soutc barftctten ober ganjc SWortc, roic j. 33. ftcnograpI)ifcl^e Sigcl. *«) Unechte, falfc^c Urfunbe bebeutet ^icr ebcnfowo^I bie fälfc^lic^ angc« fertigte, rote bie »erfälfc^te. »gl. auc§ j. ö. 3.*.0. § 231: 3ef*ft«""«Ö ^«»^ &^t ober Uned^t^eit einer Urhtnbe. *') 2)ieS ift befkritten; namentlich SWerfel, a. D. ®. 791 «erlangt eine »ofeicftio begrünbete, an bcr gorm be« ©egenftanbeS nad^ allgemeinen 9iormcn Wtenbe «nb bo^er für aUe erfennbar oor^onbene öeroeiSfraft". ©ie^e auc^ 20 ^rof. Dr. Safob SBciömann. aiud^ finb bie 3^i^c" "i^ä^^ notiocnbig Tüillfürlid^ geroäl^lte; bic 3^id)^"/ bic bcr ^ßfiouograp^ auf feine Unterlage riftt, finb leine roittfürlid^en 3^i^)^"/ ""^ ^oc!^ lönnen pe eine Urfunbe bar- ftetten; benu auc^ barauf fonimt offenbar nici^td an, n)ie aM ber Urfunbe bie ©rllärung reprobujiert wirb; wenn fie nur bauernb in i^r fixiert ift. SDie gälfd^ung befielt nad^ § 267 St.®.». in fälfd^Iid^er »n^ fertigung ober 3[}erfälfcl&nng. Slngefertigt lonn man aber nur einen ©egenftanb nennen, ber burd^ jroedberou^te menfd^lid^e 2!^ätigleit i^eroorgebrad^t ift, bem jroedtberon^te menfci^lid^e J^^ätigfeit feine eigentümlid^e ©eftalt ober ftofflid^e 3iifow^wi^"f^6i"^9 gegeben \)at Unb aud^ eine SBerfälfdljung ift nid^t anberö benibar aU burd^ eine änberung ber ©eftalt ober beö ©toffeö einer ©ad^e. 2)ie blofee Drtöoeränberung j. 35. eines ®egenftanbe§ fann man rocber aU eine Slnfertigung nod^ aU eine aSerfälfd^ung bejeid^nen. @d mu^ folglid^ gerabe badjenige, ma& einen @egenftanb jur Urfunbe, roaö it)n jum »eroeiömittel mad^t, etroaö in il^m fclbft ©elegcneö fein. S)ie %f)ai\a^e aber, meldte burd^ i^n beroiefen werben foll, fann nid^t feine Gfiftenj fein ober eine feiner ©igen^ fd^aften. S)enn fein SJafcin unb feine ©igenfd^aften bemeift jebeö älugenfd^eindobjeft, unb bod^ ift nid^t jebes älugenfd^einSobjett eine Urfunbe. 6ö gibt ober nur eine 2lrt oon S)ingen, loclc^e i^re Seroeid^ traft in fid^ felber tragen unb bod^ etroaö anbreö beroeifen alö i^re Gjiftenj unb 33ef d^affen^eit : baö finb bleibenbe 3^^^^". roeld^e eine beroeiöerl^eblid^e ©rfldrung in fid) ent{)alten. SDlommfcn, im @cric^t«faar ob. 36 ©. 38ff., r>on »uri, im öcrid^töfaal »b. 39 ©. 41 ff.; Dgr. ^räjubij bc« Dbcrtribunatä oom 7. 3uli 1855 (a. O. ©. 101) 9ir. 163. — 2)ic SBef(^ränfung flicht jcbcnfaU« nid^t au^ bcm SJcgriff ber Urfunbe, fonbern liefie ft(^ nur auf anberroeitige (^roägungen grünben. @ine ©renge toürbe ftc^ in praxi !aum jie^en laffen. 8on)te bad (Gebiet ber eigentlichen Scf^rift verlaffen roirb, fianbelt es fic^ immer um Qeid^en, roelc^e nur einem me^r ober weniger befc^rftnften Greife r>on öingeroei^ten »erftänblic^ fmb. 2)a6 ein ftenograpI)ierter ^Brief mit re(§t^erf)ebli(§em 3n^alt eint Urfunbe fei, roirb nid^t beftritten roerben; n^ie nun, tuenn bae angeroanbte Softem ein gan} neued, nod) roenig befannted ift? SBenn bie beteiligten fic^ felber eined jurec^t gemacht f^ahen^ Sßenn bie geioö^nlic^en Sc^riftjeic^en angemanbt unb nur nadf einer Derabrebeten 9)2et^obe umgefteKt finb? 9(uc^ fann oon ben S^^^n offenbar nic^td anbre^ gelten aU von ber ^ebeutung ber Sorte, worüber oben % 14. Xti S§atbeftanb ber Urlunbenfälfc^ung. 21 3n bcr Urfunbc niufe bie bcrociöcrl^cblid^e (Srtlänmg cntl^altcn feiii, b. ^. in bcn auf einer förperlid&en Unterlage fixierten 3^^^^"- 6in Serocis, ber auä i^rer SSerfnüpfung nüt äußern Umfiduben ge* führt wirb, ift fein Urlunbenberoeiö. 2)aö gilt allgemein, eö gilt öon ber Schrift, wie oon aiien anbern urfunblid^en 3^^^^"-*'') 6ö ift ni^t bie Seftimmung jum öeroeiö, roeld^e baö äßefen ber Urfunbc ausmad^t. ©in beliebiger inbijierenber Umftanb fann au(^ obfidbtlid^ ^erüorgebrad^t fein, }u bem 3"^^*^/ ^^6 ^"^ anbrer einen bcftinunten Sd^lufe baran fnüpfe. 3)aburd& roirb er nid^t jur Urfunbe.*^) 6ä befielt ein tiefgreifenber Unterfd^ieb jroifd^en einem roenn a\\(^ fünftlid^ gefd^affenen 3nbij unb einem S^iä)m. 2)aä 3eid^en ifl ber äudbrud einer SBorftellung unb erfüllt feinen 3^^*/ inbem eö bie gleid&e SSorfteBung lüieberum berüorruft.*^) 35ad 3nbij aber forbert eine nid&t bloß aufnel^menbe, fonbern eine felb^ {tanDige Senft^ätigfeit; eö überliefert feine 6rfenntni§, fonbern ift nur bie Unterlage einer fold^en. ®ö forbert ©rflärung, aber gibt fie nid^t. auf ber anbern Seite t^ut e§ ber Sebeutung ber Urfunbe feinen ©intrag, bafe fie nid^t jum S^tdt beö SBeroelfeö verfertigt **) Xamit ift bie unten folgcnbc Äafuiftif ju Dergleichen. SWic^t in SGBibers ipru4 bantit fte^t t^, ba6 bei ber Interpretation ber Ur!unbe aud^ auf bie äußern Umftänbe ju fe^en ift. *9) Q^ roürbe bamit jeber Unterfc^ieb jroifc^en ber Urfunbe unb bem im bigierenben 9(ugenf(^eindo6je!te aufgehoben; ein unb berfelbe (^egenftanb toäre Urfunbe ober ^nbij, je nad^bem er abfic^ttic^ gum $en)eife benu^t roäre ober nicji — Aber wenn ber 2)lörber abfic^tlic^ ba^ mit feinem Flamen oerfe^ene ÜQeffer hti ber Seiche gurüdlägt, um bie Xf)at aii %li feiner diad^t gu fenm yn^nen, roirb eS baburc^ gur Urfunbe? ^) (Sd bient in bicfem Sinne ber „Erinnerung"; wie jo au(^ baS ges fproc^ene fSort, benn auc^ biefed ift Stiä)tn, ^örbared S^^^^^* ^i^ bad 9^^ f^riebene fic^tbareiS. (^eiftootte Semerfungen hierüber bei £. 'J{oir6, £ogo§, (1885) S. 25 ff . 9luc^ bie italienifc^e 2)oftrin M ben trabitionetten ©a^, bej bie Urfunbe fei eine scriptura ad memoriam alicuius rei confecta. — &xit 3ei($nung fann für fic^ allein nic^t Urfunbe, moi)i aber ^eftanbteit einer Urfunbe fein; j. 33. bie g^i^nunö «n«r SWafc^ine Seftanbteir eineö ^a« tentoertrageS, ein @runbftü(fdp(an ^eftanbteil eined Jtaufoertraged ober äicr« 9lei«§e^ u. f. ro. — SRic^t o^ne ^ntereffe ift auc^ folgenber gaü. (Sin gobrifant W bafür gorantiert, ba^ mit einem ^eijapparat bei einem geroiffen üuantum Brennmaterial ein geroiffer $eijeffeft ergielt werbe; jur (Erprobung h^hitnt man ^ eine« felbftrefliftrierenben2:öermometerö; ift bad5)Iatt mit ber in bieSfaCa ^ngejeic^neten SBörmefuroe eine Urfunbe? ^ad ift )u Derneinen. 22 ^rof. Dr. Safob SBeiSmann. ifi.^*) ätHcrbingö miife fic notrocubig, il^rem 2öe|cn nad^, ax\^ mcnfd^Iid^cm SBiHcn l^croorgcfieu, ax\^ einem SBiHen, ber auf Cr- Ilärung gerid^tet ift. 3lber biefer SBiHe ift nod) nid^t ber SBitte }u beiueifeu. ^^) 3)ad 9Beien ber Urfunbe bernfit in iljrer Seroeistraft, in i^rer gäfiigteit, jnm Urfunbenberoeife jn bienen, unb biefe ift unabfiängig von ber 9(bfidbt beö Sln^fteHerö wie von ber Slbfid^t bed 33enu6erö, unabfiängig üon irgenb roeld^er SJcftinimnng. *^) 35as 2)eli!t ber Urfnnbenfätfd^nng forbert üor aflem bic fd^ärfjie Segrenjung beö SJegriffs ber Ur!nnbc. 3>on i^m fiängt eö ab, ob eine J0öni>lw"9 ötd Urfnnbenfälfd^ung ftrafbar ober überf)aupt nid^t ftrafbar, ob fie alö Setrng nur nüt Öefängni^ ober aU fd^roere Urfunbenfälfd()ung mit 3"^^()öwö ä" beftrafen fei. S5on einem „feflftef)enben" Segriff ber Urfunbe gef)t (toie ja befanntlid^ bie 3)?otiüe be§ ©ntiourfö fieroorfieben) unfer ©trafgefe(jbud() aus. ©d gibt aud& einen, unb eö gibt nur einen feftftel;enben Segriff ber Urfunbe: baö ift bie Urfunbe aU 9)JitteI be§ UrfunbenbemeifeS; cö ift bic Urfunbe im projeffualen, im eigentlid^en ©inn beö SßJortö. '*) 3ebe aubre Segrifföbeftimnuuig oermif d)t notmenbig bie ©renjc, meldte baö Slugcufd^einsobjeft oon ber Urfunbe fd^eibet. ") ©. aud) oon öuri, im ®ertc^t§faal 33b. 28 3.32. oonÄric^, Z VI 148 ff. — - Xie fc^dftlic^c Diotij ctnc^ OJc^cimbuc^e« ift barum nic^t roenit^cr eine Urfunbe, weil fic für !ein 2(ugc o(ö bod bc« Sc^rcibcnbcn felbft beftimmt war. 6in :örief, um beffen 3Jcrni(§tung ber 3tbreff at gebeten wirb, ein ÖeftcUfc^reibcn, welc^e^ roieber mitzubringen bem Soten eingefc^ärft roirb, ift geroig nid^t gum 3werfe be8 S3en)eife3 gefc^rieben. 3öenn ber 6c§ulbner ober wenn ber SJer« Brecher ft(§ roiöer feinen 2Bitten in einem ©riefe üerrät, fo ^at er roiber feinen SBillen eine Urfunbe gegen fi(§ gefc^affen. »2) dla(f) SWerfcr (a D. ©. 78vSf.) finb „Urfunben «egraubigungSmittel für recbtUc^ erbeblic^e ^^atfac^en, b. i. leblofe @egenftönbe, roeld^e auf einen rechtlichen X^atbeftanb (prioatrec^tlic^er ober öffentlich rechtlicher ^JMtur) ober roenigften^ auf einsefnc roefentlic^c ©eftanbteile beSfclben fc^Uegen laffen unb burc^ einen maggebenben SöiUen bie Seftimmung erbarten ftaben, in ber frog« liefen §infic§t gum ©eroeife ju bienen"; eine ^Definition, welche joftlreic^c 9lm f)änger gefunben f)at ©inen „objeftioierten SEiUen" oerlangt auc^ o. SBuri 0. D. (öcric^tgfaal 33b. 28, 36, 39); f. jeboc§ o. 9J. 51. 2)agegen namentlich aud^ 3o^n unb von Arie«, in Z VI 28 ff., 38 ff., 148 ff. *') S. inbee Code p6iial art. 147: ^addition ou alt6ration de clanses, de d6clarations ou de faits, que ces actes avaient pour objet de recevoir et de constater**. '■**) G§ ift thzn aud^ ber projeffuale Urfunbcnbegriff — nad^ bem 9luSge« führten — feinceroeg« auf ©c^rifturfunbcn befd^rönft. — ©clbftocrftänblic^ bin SDer SC^tbcflonb bet Urfunbenfälf(5ung. 23 Soll alfo ein ©egcnftanb alö Urlunbc angcfprod^en rocrbcn, fo ift vox aUcm notroeubig, bafe bie bcroeiScrficblid^c ßrftärung aufs geroiefen rocrbc, bic er in fid^ ücriörpcrt. SÖenn er nid^t erft eine Grtldrung faeroeift uub boburd^ eine er(;eblid&e 2^f)atfQd)e, fonbcrn nienu er unmittelbar — bas roiH fagen: o^ne t)a^ 9)Jittel einer Grflärung — einen Seitrag liefert ju einem 3"^iiic»^f^cn)eiö für bicfe 2:^atfad^e, fo ift er feine Urfunbe, unb wenn in biefer ^in-- n$t aud^ nur ein S^^if^l bleibt, fo mufe berfelbe bem Sefd^utbigten ju gute fommen. ©leid^gültig ift l^ierbei, ob ber Snbijienbeioeiö ein abfid^tlidb t)erauftaltetcr, glciddgültig aud^, ob ber ©egenftanb mit einem tünftlid^en SRerfjeid^en üerfef)en ifl; unb eö fommt aud^ inöbefonbere barauf nid^tä an, ob bas 9Wer!}eid^en eine Sd^rift ift. 6in aKerfjeid^en ift feine Urfunbe. ßö ift ein Sd6)m, woran man einen ©egenftanb roiebercrfennt, aU benfelben ober ju einem geroiffen Rreife von Sad^en gel^örig; ed erfefet ba§ natürliche Äennseid^en unb leiftet nid^tö anbreö roie biefcö. 6§ ift ©egenftanb bes äugenfdbeinö, eö ift nid^t beroeifenb oermöge einer in if)m ent^ öaltenen ßrfläruug. @ä fann aud^ nid^t baburd^ jur Urfunbe roerDen, bafe in einer Urfunbe barauf Sejug genommen ift. 3)ierfjeic^en unb Urfunbe finb einanber auöfd^iliefeenbe Se^ griffe;"**) e^ fann nur im einjelnen galle jroeifel^aft fein, ob ein 3eid)en blojgcö ÜKerfjeic^en ift ober Urfunbe. ©in ©igentumöjeid^en, eine ^ofmarfe, ber rote gaben im S^aus toerf ber englifd^en 2)Jarine finb feine Urfunben. 3)ie äwwjcifwng üon ^oljbaufen burd^ eine gorftoerroaltung erfolgt nadb 3^^'^"/ ^^^^^ öuf if)nm angebrad^t finb. 3)iefc 3al)lenbeäeicönungen finb feine Urfunben.'^) üj mir htiou^t, ba( ber ^ier aufgefteQte 93egriff nxd)t ber je^t geltenbe ift; ober t(^ ^ege bie Hoffnung, ba^, toenn anftatt, roie feit^er audfc^rieglic^, ber Segriff ber Urfunbe, fo ber be§ Urfunbenbeioeife« erörtert werben wirb, \xd) feine tiefge^enben S^tiUi unb 9Weinung§oerfd^ieben^eiten ergeben werben. «) «nbcr« entf*. be« Äei(§«geri«t« ob. 17 9flr. 94 ©.354. «) entfc^. bcS 9lci(^S geriet t« 93b. 14 9flr. 44; bie ©ntf (Reibung gelangt JU bemf erben ©rgebnid, ober au^ einem oöUig onbern ©runbe: roeir nämlid^ bie S^f)lbziei(S)nunQm nic^t bie öeftimmung gehabt Ratten, al« SJeroeiS* mittel JU bienen; ober xotnn fie, roie weiterhin bemerft wirb, bie 33eftimmung ^en, bic ^olj^aufen «on onbern ju unterfc^eiben, fo Rotten ftc bo(§ thm bie »eftimmung, beten 3bentitftt ju erroeifen; unb biefe ift au(§ m(5) 2age ber Me tin fe^r rec^t^er^eblic^er Umftonb. 2)o6 bie gbentität einer ©ac^e @es genftanb tinti red^t«et^eba(5en »emeife« unb ein 3eicl^en bo$u beftimmt fein 24 $tof. Dr. 3a!ob aCBeigmann. 6tn SBarcn jctd^cn (eine ©d^ufemarfe) ift feine Urlunbe. *^ ®« bejeid^net ben Urfprung ber SBare, aber gibt fic^ nid^t qU bie 6r^ flärung einer beftinmiten 5ßerfon unb beroeift nid&tö aU fold&e.**^) 5leinc Urfunbe ift aud) baß 9KaIer jeid^en ; ^^) eö ift nur eines ber SUlertmale, anö roeld^en man auf bie ßd^t^eit beö Silbeß fd^Iiejgt; eß beweift nid^t barum, weil man in i^m bie SJerfid^erung bed 5IWaIerß finbet, bafe baß Silb von i^m gemalt fei unb man biefer SBerfid^erung ©lauben fd&entt; man benfe an bie SBerfftatt- bilber älterer 3)Jeifter, bie in ber ^auptfad^e von ©d^ülern ober ©e^ilfen gemalt finb oDer an bie fd^roung^aft mit ©efeHen be^ triebene Silberfabrif eineß neueren belgifd^en aWalerß; man benfe an bie verbreitete Sitte, bie Silber ganjer Sd^ulen auf ben 9iamen ilireß ^aupteß ju taufen ; roeld^er 3Serftänbige wirb fid^ ba auf baß SJonogramm oerlnffen? lonne, biefen SetDetd lu erbringen, f^at auc^ baß ^{etc^ßgertc^t in anberm 3u« fammenftang roieberfiolt onerfannt; f. g. 33. ®ntf(^. ©b. 15 9ir. 67: „^ur(§ ben IBIeioerfc^lug beurfunbete baß 3<>U(tmt 5U 92. bie ^bentität beß bort oerlabenen Salgeß mit bemjenigen, welc^eß in 9. gur goUamtlid^en @(^{u^abfertigung ge« langen foUte". ") ®ntf(§. beg3lei(^Sgeri(§tß ob. 17 9lr. 72; auc^ f)ier wirb bie gleiche ®ntf (Reibung in anbrer SBeife begrünbct; nämlic^ 'üamit: roeil „nic^t feftge* fteUt fei, bafe eine fonfretc ©ebanfenäufeerung burc^ bie 3nf(^rift" (eine girma unb Ortebenennung auf bem IBoben einer ^ering^tonne) „^abe gum Sluebrucfe gebraut werben foQen" (@. 2&i); aber ba( bie äBare oon einem be{Hmmten Lieferanten ^errü^re, maß burc^ bie 3nf(^rift unjmeifel^aft, mie au(^ baß Sleic^ß- gerieft anerfennt, 5um 9(udbru(f gebracht merben \oU, ift boc^ mobl auc^ txn .©ebanfe". Übrigenß liegt bie 5lnfi(^t, bafe bie §anbelßmarfe md)t Urfunbe fei, gmeifedoß ber befonbem ©efe^gebung über ben 2)2ar!enf(^u^ ju (^runbe ^) 2)ie gälfc^ung oon 33riefmarfen, ©tempelmarfen ufro., meiere ia baß @efe^ in § 275, 276 befonberß be^anbelt, ftebt, menn auc^ biefetben Urfunben fein mögen, boc^ ber äRüngfätfc^ung i»ä^er alß ber eigentlichen Urfunbenfäljc^ung; auc^ 9){ün3fö(fc^ung ift ja menigftenß gum Seil begriffßmägig au(^ Urfunbenfälfc^ung, aber außgegeic^net burc^ bie befonbere Beftimmung ber Urfunbe, bie befonbere ^bftc^t beß G^ebrauc^eß, unter befonberm ftrafrec^t« liefen ©efic^tSpunft be^anbelt, bem gegenüber berjenige ber eigentlichen Urfum benfölfc^ung überhaupt nic^t gur (Geltung fommt: eß fonfurriert nic^t Urfum benfälfc^ung mit SWiinjfälfc^ung, jene ge^t vielmehr in ber le^tern auf. — greimarfen u. bergl. finb eben au(§ 3tt Urhinbenfälfc^ung. 25 „&n ©utöbcfißer ^ai bcn Arbeitern auf feinem @utc bei ber Hopfenernte für jjcbcö Simri abgelieferten ^opfen« eine von xf)m am fommcnbcn B^^ltage mit 10 5ßf. einjulöfenbc Slcd^marfe, auf mli^t bie 3^^l 1 eingeprägt mar, eingel^änbigt."®^) 6iue folcbe Sled^niarfe ift leine Urfunbe. 2Bad fott eä für eine Grflarung fein, bie in ber ajJarfe enthalten märe? ©n 3«^^- lungSoerf preisen? (Sine ©mpfangöbelenntniö? ©in biöpofitit)cd ober ein blofe beroeifenbeö? 9BaS fottte ein bloB bemeifenbeö? SBirb nid)t ber 33eroeU oietme^r fo gefäf)rt, bafe aus bem Sefifi ber SKarfe auf bie 3Iud^änbigung unb oon biefer o^ne meitered auf bie älb- lieferung eines Simris ^opfen gefd^Ioffen unb fo burd^ bie 3ö^ lung ber 9Jlarfen bie 3^^! ber abgelieferten ©imri gefunben mirb? Sürbe ber Semeid, bajg eine SKarfe geftof)len fei, ©egenbemeid jein gegen ein ©eftanbniä unb nid^t oielme^r ©cgenbemeis gegen eine inbijiercnbe S^l^atfad&e? 3)ad ^aH)litiä)m auf ber 3WarIe be- Deutet nic^tö, eö ift nid^tö meiter alö ein Äenn5eid^en. 6s tonnte als ftennjeid^en aud^ bie äußere ©eftalt, bie garbe, ja blo§ ber Stoff oermenbet, eö fönnten j. S. fo gut mie bejeid^nete Warfen Qu4 eine befonbere SÄrt oon Slüffen ober oon Steinen ober oon Scherben benuftt morben fein. ©in ©iegel, rocld^er öen ©punbjopfen eines jum S^ranSport gegebenen paffes üerf daliegt, ift feine Urfunbe;^') benn es bemeift nid^t oermöge einer in i^m enthaltenen ©rflärung, es bemeift burd& feine Unoerfel^rt^eit : oon biefer fotl gefd^loffen merben auf bie Un= wrfe^rt^eit bes gafeinbaltes. SWit bemfelben 3ledbt mürbe and) ein fünftlid^ gefd^ürjter 5lnoten als Urfunbe angefe^en merben lonnen. 3lus ganj bem gleid^en @ninbe fann aud^ ein {oUamtlid^er ") Xie @ntf(§. beS Wcic^Sgcrid^tS 33b. 4 9lr. 2 betrachtet biefe Tlaxfen aö Urfunben; biefelbc ift me^rfac^ in ber Sitterotur befproc^en. 3«f^"n"«»^ 3o6n, Z VI 54, auö) Giebel, Öeric^tSfool »b. 38 ©.552. ^Dagegen na« menttit^ xjon »uri, öeric^tSfaal ob. 36 ©. 194ff., 33b. 39 ©. 41, aber oon ^em anbem, oben fc^on ermähnten @eft(^tSpun!te auS, ba6 eS „allgemein auS ^ Cbiefte fetbft möffe erfannt roerben fönnen, weld^er fixierte SBiUe in Milben enthalten fei"; roenigftenS bann „roenn ber ©c^Iüffel gur (Srfiärung bed Qrfunbenin^attS gegeben roerbe" ; bieS aber fei ^ier nic^t ber ^\i. "j entf^. beS Jleid^Sgeric^tS (II. ©en. o. 4./1. 89) in ©oltbammerS änJiB 8b. 37 <5. 48 finbet eine Urfunbenfölfc^ung barin, baft ber S^vU^p n^c^s bm bad "Sdi teilweife gebeert war, roieber mit einem oor^er genommenen ^iegelabbrutf oerfiegett würbe. 24 $tof. Dr. 3a!ob Söeidmann. Gin SBarcnjcid^en (eine ©d^ufemarfc) ift feine Urfunbe.*^) gd bejeid&net ben Ürfprung ber SBare, aber gibt fic^ nid)t aH bie &c^ flärung einer beftimmten 5ßerfon unb beroeift niditö alö fold^e.^**) 5leine Urfunbe ift aud) baß 9KaIerjeid^en;^^) ed ift nur einci» ber SUlertmale, aM meldten man auf bie Gd^t^eit beö Silbed fd^Iiefet; eß beweift nid^t barum, weil man in i^m bie 3Serfid^erung bed 3RakxQ finbet, bafe ba« Silb von i^m gemalt fei unb man biefer SBerfid^erung ©lauben fd^enft; man benfe an bie SBerfftatt^ bilber älterer 3)?eifter, bie in ber ^auptfad^e von ©d^ülern ober ©e^ilfen genmit Rnb oDer an bie fd^roung^aft mit ©efeDen be^ triebene Silberfabrif cint^ neueren belgifd^en 9Kalerö; man benfe an bie verbreitete ©itte, bie Silber ganjer ©d^ulen auf ben Flamen i^reö ^aupteß ju taufen ; loeld&er 3Serftänbige wirb fid^ ba auf baß Sonogramm oerlaffen? !önne, biefen ^eiDeiS 5u erbringen, fjat au(5) bad 9{ei(^SQeri(^t in anberm 3"' fontmen^ong roieberboU ancrfannt; f. g. 33. ©ntfd^. ©b. 15 9ir. 67: „2)ur(§ ben IBIeioerfc^lug beur!unbete bad ßoUamt 5U 92. bie ^bentität bed bort oerlabenen ^algeS mit bemjenigen, welc^ed in S9. gut goUamtlic^en @(^Iu^abfertigung ge« langen fottte". ") ®ntf(§. be«3lei(6«gericl^t« ob. 17 ««r. 72; auc^ ^ier wirb bie gleiche ®ntf (Reibung in anbrer Seife begrün bet; nttmlid^ bamit: weil „nic^t feftge^ fteUt fei, ba6 eine fonfrete G(eban!enäu6erung bur(^ bie 3n't^rift" (eine girma unb Ortdbenennung auf bem Soben einer ^ering^tonne) „^abe gum SCuSbrucPe gebracht werben foQen" (6. 2&i); aber ba( bie äBare oon einem beftimmten Lieferanten fierrü^re, roa^ burc^ bie Snfd^rift unjroeifelfjaft, wie auc^ ba^ ditiö)^- gerieft anerfennt, jum Sludbrucf gebrad^t werben foU, ift boc^ wof)l aud^ dn .©ebanfe". Übrigenß liegt bie Slnftc^t, baft bie ^anbeldmarfe nic^t Urfunbe fei, jweifelloß ber befonbem ©efe^gebung über ben 2)2ar!enf(^u4 ju (^runbe w) SDie gälfc^ung von 33riefmarfen, ©tempelmarfen ufw., welche ja baß @efe4 in § 275, 276 befonberß be^anbelt. ftebt, wenn auc^ biefelben Urfunben fein mögen, boc^ ber äJ^ünjfälfc^ung i»ä^er alä ber eigentlichen Urfunbenfälf (^ng ; au(^ äRünjfälfd^ung ift jja wenigftenß jum Seil begripmägig au(^ Urfunbenfälfc^ung, aber außgegeid^net burc^ bie befonbere ^eftimmung ber Urfunbe, bie befonbere Slbfid^t beß Ü^ebrauc^eß, unter befonberm ftrafrec^t- liefen (Sefic^tßpunft be^anbelt, bem gegenüber berjenige ber eigentlichen Urfuns benfälfc^ung überhaupt nid^t gur Geltung fommt: eß fonfurriert nic^t Urfum benfälfc^ung mit SMilnjfälfc^ung, jene gc^t oielme^r in ber le^tern auf. — greimarfen u. bergl. finb eben auc^ 3Ä^'^""9^'witteI („Sßertjeic^en") — ä^nlic^ bem Öelb — im amtlichen 95er!e^r mit ber betrcffenben öebörbe. «») 3o^n, Z VI 51 (9J. 11) begrünbet bie gleid^e 9Rcinung bamit: „Senn tin IRaler baß von i^m gefertigte ^iU> mit feinem 92amen ober mit feiner (E^iffre bejeic^net, fo bleibt baß 9i(b tin ^i(b unb wirb feine Urfunbe." IDei; ^§at6eftanb Ut Urhinbenfälfc^ung. 25 „(Sin ©utöbcfißcr ^at bcu Arbeitern auf feinem ©ute bei ber Hopfenernte für jjebeö Simri abgelieferten ^opfen^ eine von i^m am fommenben B^^ttage mit 10 5pf. einjulöfenbc Slcd^marfe, auf ©eld^e bie 3^^^ 1 eingeprägt mar. einge^änbigt."®^) Qxnt folc^e Sled^marfe ift feine Urhinbe. 2Baö fott eö für eine ©rfldnmg fein, bie in ber ajJarfe entl^alten märe? @in S^^- tungöüerfpred^en? ©ine ©mpfangöbelenntniö? ©in biöpofitiücs ober ein blofe beroeifenbeö? 2Baß follte ein blo6 bemeifenbes? SBirb nid^t ber Seroeiö üietmel^r fo gefüf)rt, ba^ auö bem Sefi^ ber fflJarfe auf bie 3tuö^dnbigung unb oon biefer o^ne meitereä auf bie "äU lieferung eineö Simriö ^opfen gefd^loffcn unb fo burd^ bie ^äf)^ lung ber 3)Jar!en bie 3ö^l ber abgelieferten ©imri gef unben mirb ? 33ürbe ber Semeiö, bajg eine aJiarfe geflo^len fei, ©egenbemei« fein gegen ein ©eftänbniä unb nid^t üielme^r ©egenbemeid gegen eine inbijiercnbe J^l^atfad&e? 3)ad S^^Iseid^en auf ber aJiar!e be- beutet nid^td, ed ift niä)t^ meiter al§ ein Jteun5eid^en. ©d !önnte al§ ftennjeid^eu aud^ bie äußere ©cflalt, bie garbe, ja blo§ ber Stoff oerroenbet, eö fönnten j. S. fo gut mie bejeid^nete aWarfen ttud^ eine befonbere Sttrt oon Slüffen ober von Steinen ober von ©(gerben benußt morben fein. ©in ©iegel, meld^er Den ©punbjapfen eines jum 2^ranöport gegebenen J^ffeö oerfd^liefet, ifi leine Urfunbe;^') benn es bemeift nid^t üennöge einer in if|m entljaltenen ©rllärung, eö bemeift burd^ feine Unoerf e^rt^eit : von biefer fotl gefd&loffen merben auf bie Un^ Derfe^rt^eit beö ^ö^i^^^^H^ö- 3Wit bemfelben SRed^t mürbe aud^ ein tünftlic^ gefd^ürjter 5lnoten alä Urfunbe angefe^en merben fönnen. 3lud gan} bem gleid^en ©runbe !ann aud^ ein {oDamtlid^er ^) :Dte Gntfc^. bed 9let(^dgeri(^td m. 4 92r. 2 betrachtet biefe 3navUn aH Urfunben; btefelbe ift me^rfad^ in ber Sitteratur befproc^en. 3uf^i^^^>^b 3o6n, ZVI54, oud^Slieber, <^md)t^\aai »b. 38 ©.552. ^Dagegen na* mentric^ Don »uri, @eri(^t«faal ob. 36 ©.194 ff., 33b. 39 ©.41, aber oon bem anbern, oben fd^on erwähnten ©eftc^tdpunfte aud, ba^ ed „allgemein aud bem Cbjefte fetbft muffe erfannt merben fönnen, melc^er fi^erte IBiUe in bemfelben enthalten fei"; menigftend bann „menn ber ©c^lüffel )ur @r!(ärung bed Urfunbenin^altd gegeben merbe"; bied aber fei ^ier ntc^t ber $aK. ^^) ©ntfc^. bed 9{eic^dgeri(^t^ (II. ©en. o. 4./1. 89) in Ü^oltbammerd Sln^to 9b. 37 ©. 48 finbet eine Urfunbenfölfc^ung barin, ba^ ber QaipUn, nad^? bem ba^ ($af( teilmeife geleert mar, roieber mit einem oor^er genommenen 8iegelabbru(f oerftegelt mürbe. 2ö $rof. Dr. 3afob 9Bciömann. SBcrfd^Iufe nid&t eine eiflcntlid&e Urfuube fein. SBirb mittele ^äl- fd^ung cined fold^en eine 5lonterbanbc ober Sefraubation begangen, fo — t)erfügt ber § 159 beö SBereinöjoHgefefie« — „tritt neben ber ©träfe beö t)erübten äJergel^en« bie burd^ bie Sanbesgefefie für bie gälfd&nng öffentlid^er Urfnnben feftgefefete Strafe ein". Sabei (ift bod^ m\)l oorauögefefet, bafe an nnb für ^xä) bie gälfd^nng be§ aSerfd^Iuffeö feine Urfunbenfälfd^nng fei.^^j 2)ie 65renjfälfd^ung ift feine Urfnnbenfälfd^nng; mit SHec^l be^ l^anbelt ani) fie baö ©efefi (§ 274) atö ein befonbereä 2)elift. S)aö ©renjmal bejeid)net burd^ feine Sage ben Crt ber Cirenje, aber benrfnnbet nid&t bas ©efd^äft, bnrd^ roeld^eö an biefen Drt bie @renje gelegt ift. 2lud& baö ©renjmal ift ein blofee« "3)^x1 mal. «3) Gbenfomenig begebt berjenige eine Urfnnbenfälfd^nng, ber eine S^afel mit einem polijeilid^en SSerbote, j. ö. einem SBegeoerbot ober ein anbreä ^ü(S)in üerfefet, baß in ortöübtid^er Sh?eife ein foldöeö aSerbot anöbrüdft, wie j. S. ein ©tro^roifd), alfo and& nic^t, wer ein foldi^ee 3^'^^» fälfd^lid; anfertigt.**) 2)enn, ba§ i^crbot mag in Söorten anögebrüdft fein ober nid;t, immer wirb bod& nur bnr^ bie ^Anbringung ber J^afel ober beö 3^^^^"^ ber SBeg aU ein oerbotener gefennseid^net, nid^t ift baö 33erbot gerabe biefed be^ ftimmten SBegeö, baö fonfrete SJerbot — worauf allein eö am fommt — in bem 3^'^^" entf)atten.*"^) 3n aü biefen grauen trägt ber ©egenftanb, um bejfen Seroeiö- mitteleigcnfd^aft es fid^ l^anbelt, nid^t in fid^ feine Scmeiöfraft; ift ««) (int\d). bc# 3lci(^«geri(6tö »b. 13 9ir. 6:J. SBb. ir, ?«r. 67 für eiflcnt^ lic^e Urfunbenfä(f(^un(). ^er joUamtlic^e ^erfc^Iug tann nac^ bem citierten ©efe^ aud^ burc^ Hunftfc^Iöffer beiDtrft rocrben; fonfequenteriDeife müBtcn aud) fic Urfunbcn fein. Siicbcl im öcric^tefaal «b. :JH S. 540 roiU al« Ur» funben nic^t betrachtet roiffen folc^c Äunftfc^IÖffer unb !ö(cie, welche einen iDcitern 3"fto^t bur(§ Siet^cl, 3^^«"/ Söappcn ober fonftit^c o"f^i^iftcn nic^t erhalten, unb billigt atfo (in ber 9{ote) bie 6ntf(^. bed 9}ei(^egeric^td. *^) 2?a§ Öleic^c gilt felbftoerftänblic^ oon ben bafelbft genannten Söaffers ftanbdgeid^en. •*) SJgl. aud^ Sied^tfprec^ung beS CbertribunaU (Dppcnhoff) 33b. 2 6. 291: „2)ie Xafeln (ffiabmungctafeln) ftnb feine Urfunben, fic fallen lebi^Iic^ in ben Sereic^ polijeilic^er S^agna^men, um etroaige 3un)iberf)anblungen gegen crlaffenc Slnorbnungen ju ftinbern." 3oftn bogcgen in Z VI 57 91. 14 fübrt berortigc tafeln M JBeifpiele an von 3tntnobilien. bie gugleicb Urfunben feien. •**) 9tu(§ f)kx greifen befonbere Öefe^e ein ; f o 3t.(3.5J. S l'^r preufeifc^e^ gelb.- unb Jorftpoliseigefe^ oom l.,4. 1880 § 30 9lr. 3. SDet 2:^atbcPanb ber Urfunbenfälfc^unö. 27 M§ TOomcnt, Don iDetd&cm bicfclbe abl^ängt, nid^t ©d&tficit im ©inne beä Utfambcnbcroeifeä, bcr ©eflcnbcrocid nid^t Scrocid bcr Uncdjt- ^eit; iil nid^t am ©cgcnftanb baö 3^'^^»/ roeld^c« baucrnb bic be- TDcUetl)cbUcl^e ©rffärunfl in fid^ bcroal^rt, fonbcrn ift mit bcm Öcgenftanb ein 3^i^^n gcmadE^t. ©in 3^^^^"/ baö mit einem ©egenftanb gemad^t wirb, ift fein fd^riftä^nlid&eö 3^^*^«/ fein blei:: bcnbe« ^ei^^n im ©innc beß Urfunbcnberoeifcö; gleid^oicl, ob eö (wie }. 93. ein gtaggenfignal) fltid&tig üorübergefit, gleid^ einer ©e^ berbe, ober ob eö längere ober fürjere 3cit bel^arrt; baö finb nid^t wefentlid^c, fonbent rein quoiititatioe Unterfd^iebe. 2Bo^l aber ift eine Urfunbe ber 2ßalbf)ammerfd&lQg an einem Saum }um 3^^^^" ^^^ 6igentum«tibergangö/^) bie ©ebingftufe iur Seieid&nung ber Stelle, wo ber Sergmann feine Slrbeit be^ gönnen ;^^ ber Stempel an einer SBarenlieferung, burd^ roetd^en, ber Vereinbarung gcrnä^, ein Unparteiifd^er ober ein SJertreter beö Äauferß fic — enbgiittig ober oorläufig — für abnehmbar er^ tlärt.^**) Xk Siegel, mit benen eine ©elbroHe oerfd^loffen ift, finb leine Urfunben, aber Ur!unbe ift bie auf bem Umfd^tog ftcfienbe Grllärung, bur^ loeld^e Rd^ jemanb für ben angegebenen '^ni)alt T)erbinbli4> mad^t, wenn aud; freili(^ roieber biefe ©rflärung an bie felbftoerftäublid&e Sebingung gefnüpft ift, bafe bie Siegel nn- oerfe^rt geblieben feien. *'^) §ier ift bod& in ber Urfunbe bie ben)ei«erl;eblid^e ©rtlärung enthalten, ba bie ©rflärungöjeid^en auf itjre eigne Unterlage beuten.'^) (Ss erl^eHt übrigens an biefen Seifpielen, roaö and) id)on aud bem Segriff ber Urtunbe fid() oon felbft ergibt, bafe fie mit malten beroeglid^ ju fein brandet, bafe e§ leincöioegd djarafte^ riftif^ für fie ift, bafe i^re S^(i)tn allerroärtö baöfelbe fagen. ««) Gbenfo 9lc(^tfpred^ung bc8 Dbcrtribunol« (Dppcn^off) 33b. 13 S. 661, bagcgcn baö brounfc^rocigifc^e 0.(3., ©oltbammcrö Slrc^io S3b. 21 e. 303. «') Jiec^tfprec^ung bcÄ DbcrtribunaU (Dppcn^off) 93b. 15 S. 551. ««) entfd^. be« Äci(^«gcri(^t« 93b. 17 9h. 94. •«) Qni^d). be« 3lci(§«öcric^t« 93b. 13 3lx, 25. '") ^ier wirb alfo oon 93cbcutwnö, n)a§ oben ^etüorgc^oben rourbc, baft jur Urfunbe il)rc Unterlage wefcntnc^ mitgehört. ^^) ll^ied ift je^t ido^I aUgemein anerfannt. @. auc^ @ntf(^. bedSteic^d? 0cti(§t« «b. 15 9^r.2. ") ©in folc^cr Jott in ber Slcd^tfprcc^unö bcd ObcrtribunaU (Cppcm ^off) ob. 1(5 ©. 657. 2)ic cd^tc Urfunbc war nic^t jur §onb. ^^) 2)a6 bic ^crfömmlic^c 2)arftcIIung bcr Scftrc oon bcr „(&d)tf)tit" um jureid^enb ift, l^at rid^tig bereite ®tetn, ber Urlunben^ unb ^ec^felproiefe (1887) ©. 116 ff. crfannt; feine eigne 8eöriff§beftimmung (©. 117) aber: ^ec^t fei jebe Urfunbe, für beren ^erfteHung ber ääiUe bed ^udfteUerd !aufa( fei", fann ic^, nad^ ben ^ier folgenben SCudfü^rungen nid^t für ^utreffenb galten. 28 $rof. Dr. Salob SEßcidmann. IL 35ie falfc^c Urfunbc. 3)ie Urfunbcnfälfd&ung ifl bic ^crflcHuiicj einer falfd^en Ur^ tunbc; § 267 ©t.^.S. untcrfd&eibet fätf^Ii^e Sflnfcrtigung unb SBcrfälfd&ung. S)ic falfd^e bilbct bcn ©cgcnfa^ bcr ed)ten Urfunbc. „^aiiä)" ift etroas im ©cgenfa^ ju „cd)t", romn e§ in SBirflid^feit ba« nid^t ifi, roaö es fd^cint; „falfd^" bejeid^net bcn ©d^cin im ©cgeii^ fafi jum SBefcn einer ©acftc; baö Sßcfen ber Urfunbc beftcfit aber barin, Durd^ bic in i^r enthaltene ©rfidrung be« 3tuöfteIIcrö ju bemeifen. ©ine Urfunbc ifi alfo falfd^, infofern aU i^r 2luöfteDer jemanb erfd^eint, ber es in SBirflidöfeit nid^t ift. S)ic ©d^t^eit einer Urfunbc ift unabhängig üon ber 3Baf)r^eit il^re^ Snfialteö. ^0 S)ic ^^^^ Urfunbc tann Uniüa^rcä beridbten; bic falfd^c Urfunbc 2Bat)reö. 2)ic Urfunbc ift nur bann ed)t, wenn bic in il^r ücrförpcrtc ©rflärung (bie urfunbticbe Grflärung aU fold^e, oon bem fd^einbarcn StuöftcIIer anä) roirüid^ Ijcrrü^rt ober bod& bem Siedete nad^ als feine ©rflärung gilt. Sie ift f^lfd^, roenn bieö nid&t bcr %afl ift, foflte aud^ bcr angcblid^e 3tuöfteDer eine inl^altlidb glcid^e ©rflärung unb foHte er fie aud^ urfunblid^ — jcbod^ eben in einer anbern Urfunbc ^^ — abgegeben l^aben. ©oU eine Urfunbc cd&t fein, fo mu^ berjcnigc, roeld^cr aU ibr 2luSfteUcr erfd^eint — ju il^r in einer geroiffen Scjicl^ung (teilen; ber 3iad(|ioeiö biefer Scjie^ung ift ber Seroeiß ber ©d^t^eit bcr Urfunbc") ©ofern biefc Sejic^ung fefjlt, ift bie Ur^ funbc falfd^. 5)iefc Sesic^ung fann crftlid& bie faufale, im pbpRf^cn ©inne beö SBorleö fein: ber aiuöftcllcr l^at felbft, perfönlic^ bic Urfunbc l^ergeftcflt, genauer: bic urfunblid^en 3^i^^^i deroorgebrad^t. 3luf 5Dtnn in einem frühem Urteil eine abroeicbenbe Sleinung }u ^age trete, biefer ^lu^fpruc^ nic^t aufrecht erbalten roerben fönne (ogl. 91iebel, in C^oUbammerd Slrc^io 93b. 34 @. 160); bagegen freiließ auc^ wieber bie oben in 9{. 56 citierte Gntfd^eibung. *5>et ^t)atbcflanb bcr UrfunDenfälfc^ung. 33 Uiiterfcörift flel^enbc ©c^rift bie aScrmutung bcr (Sd)t^eit für fid& Sic SScrmutung laim trügen, cö fann trofe bc3 burd^ bic cd^le Unterf(^rift f)crT)or9crufcnen Sd&cinö bic Scjiel^ung xw SBirllid^feit fe{)Ien, xoAi^t bic Urfunbc jur cd&tcn mad^t. 3tDerbingö ift fic barum nid^t roeniger cd^t, bic Untcrfdörift barum ni^t rociiigcr bin- Dent), weil bcm Unterjeidjncr bcr Sn^alt beö ©d^riftftüdtcö nid^t be^ iriufet gciuefen ift. 2Öcr ein Sd^riftftüdE untcrjci(^nct, o^nc um feinen Jn^dt Ud| ju fümmern, bcr bcfcnnt fid& thtn baburd^ unbebingt ju i^m, toaö immer aud^ fein '^\\\)(x{\ fei, nnb bie oid^erficit beö SRed^tö- wrtclire^ forDcrt, baß er babei feftgcI)Qltcn werbe — felbftocrftänbi li(^ foroeit öieö nidbt ctma in anbrer $infid)t bcm 2Bitten be§ Slcd^tcd roiuerfpri^t. ßö !ommt aud^ barauf nid^t« an, ob bic Unterfd^rift unter beu bereite üorl^anbenen %zi\ ober ob umgefef)rt bcr %tict erft über bic bereite Dor^anbene Untcrfdörift gefegt rourbc — loenu nur legterc^ mit bcm Söiücn beö Untcrfc^ricbencn gefd^a{). Uned^t ift alfo bie Urfunbe, unb eö ift eine Urfunbcnfälfd^ung, wenn auf einen sufallig über einer Jlamcnöfd^rift befinblidöen leeren 3laum ber S^ert einer Urtunbe o^ne ben SBitten beö Unterfd^riebenen gefetjt iDorben ift. (ginc Urfunbenfälfd^ung ift alfo aud^ inöbefonbere ber StünfcttmiBbraucö. Unb überflüffig^^) ift bie Qn§brüdElid()e 33e= ftimmnng beö § 269 ©t.@.S., ujonai^ ber fälfd^lid^en 9Infei1igung einer Urfunbe cö glcidjgcQdötct wirb, roenn jemanb einem mit ber Unterf^rift cincö anbern oerfebenen Rapiere ot)nc beffcn 2Siüen oöer beffeii SÄnorbnungen juioiber burd) 3luöfüllung einen urfunbe lieben 3n^alt gibt, ßd entfd^eibet alfo anc^ f)icr bcr Üöille be§ äusftetlcrö ; er entf treibet, foroeit er rcd^tlidb roirffam ift; f)at ber Slanlettauöfteller einmal in für if)n binbenber SBcifc über bie 3lu§= jüllung bi^poniert, fo ift nunmcf)r feine abroeidjcnbc Slnorbnung un= '^) ©ö bebarf faum ber ©cmcrfung, bafe, wenn bic Untcrfc^rift falf(§ ift, bie (|anje Urfunbe ed ift, foUte auc^ ber Xe^t uon bem Untergeic^neten ge: ^rieben fein; bie^ felbftoerftönblic^ unter ber 35oraudfe^ung, ba^ bic Unter« i^rift }ur Urfunbe geprte, ofjne fie bic Urfunbe unooüftänbig roäre. *^ Überflüfftg ift ber § 269 gerabe um bc^roiden, weil er ben 93[anfett= miBbraud^ alS Urfunbenfälfd^ung bezaubert; anberö Code penal art. 407, roel^er i^n al§ felbftänbige« 3)elift unter bem öefic^t^punft be§ ^abus de confiance" beftroft unb bann nur f)ingufügt, baft in bem galle, roo ba$ Ölanfctt bem 2:5äter nic^t anoertraut toorben fei, er ol^ faussaire oerfolgt oerben foUe. Seitfc^rift f. b. gef. etrafre^t»». XI. o 34 $rof. Dr. 3a!ob aßeiSmann. bcac^tUd^. 35ic grage bcr ®d^tf)eit faiui fo ju einer Sied^töfrage fid^ geftalten. SBenn ber Irrtum be§ Untcrjeid^nerö über bcu ^ni)alt ber Urtunbe beren ^c^tl^eit uid^t auäfc^liefet, fo üermag er eö ancS) nid^t in bem galle, ba§ er burd^ abfidf^tlid^e S^äufdE^ung, burdb einen Se^ trug fierDorgerufen ift.'**) Slnber« aber üer^alt cä fid^, wenn bie SlQufd^ung nid^t auf ben ^n^att bed Sd^riftftüdfeö, fonbern auf baft Sd^riftftttdt felbjTt (feinen Äörper fojufagen) fid^ bejog. ^nbern j. 9. fid^ jemanb anfddidtt, unter ein ©d^riftftüdf, nad6 forgfältigfter ^^iriU fung, feinen SRamen ju fefeen, roirb, im legten 3tugenblidf, i^m Durcb einen gefd^idften 2^afd^enfpielerftreid& ein anbreö Sd^riftftüdt untergefd)oben, baö bem äufeern 3lnfel^en nad^ unb inöbefonbcre im ©d^Iuffe jenem gteid)t; unb fo unterjeidbnet er baöfelbe. 5)a« ©d^rift^ flüdt ift feine ed^te, e§ ift eine falfdEie Urlunbe unb, ber eö unter? fd^ob, ber eJätfd^er. ^^) ^tnw l^ier l^at ber Unterjeid^ner bie urlunb^ lid^e ©rflärung nid^t etwa irrtümlid^ gerooHt, fonbern überl^aupt nid^t gewollt; er l^at pe nid^t burd& feine Unterfd^rift fid& jugeeignet, bie er auf eine ganj anbre Urfunbe bejog. @enau fo oerpit ed fid^, roenn bem Unterjeidftner ber Xtict ber Urtunbe ganj ober teiU roeife, j. 33. burd() Umfalten beö ^Papiers, üerborgen mar. 3)agegen ift nid^t einjumenben, bafe ^ier bod^ bie ^onn ber Urfunbe ed^t fei, baö SBefen ber Urfunbenfälfd&ung aber im 9)JiB' braud^ bcr urfunblid&en gorm befleiße. Sie uned^te Urtunbe unter= fd^eiöet fic^ nid^t notioenbig burd^ i^re gorm oon ber ed^ten. Sic gorm ber Duittung ift biefelbe, ob ju il^rer ^erftellung ber Qan\)' tungögel;i(fe ben Öuittungöftempel ber girma befugter- ober un- befugterioeife benuftt l^at; baö faffimiüerte ^^^^^^rpapier, baä ber Srudfer red^töroiorig über bie bcftellte Sai)l abgesogen mxt> jurüdf- behalten l;at, unterfd&eibet fid^ in nid^tö oon ben rcd^tmäftigen, bem 83efteD[er abgelieferten ©remplaren. Sie UrfunbenfäIfdE)ung ift nid^t „SUliBbraud^ ber urtunbtid^en «*) (Sntf4 be« 9lci(5«8crt(^t« »b. 5 SRt. 14;i. ^) SBicl roeiter gc^t ber franjöfifd^e Äaffationöf)of, bcr in jebcr Grfd)lci(§ung einer Unterfc^ift eine «fabricatioii de Conventions etc.** finbet; Öarraub a. 0. 9lr. 138 insbef. 9i. (55; bagegen 55 ou mann a.D. S. 19*2. — Äaum bcr Öcmertung bcbarf e«, bafe, wenn jemanb einem anbern reib er feinen 3lUUcn bie öanb jur Unterfc^rift fü^rt, er JöIMer ber Urfunbe ift. SlnöenJ natürlich, loenn ein @(^reibun!nnbiger fi(^ bie $anb führen lögt: Chauvcau H^lie nr. G42. Stnberd auc^ im S<^Ue ber !2)ro^ung. ^er ^^teeftonb Der Ur!unbenfdlf(^ung. 35 ^m", fonbcm einfach 2:äufd^un9 über ben audftedcr bcr Urfunbc.**®) leu ©cgcnfo^ 3ur 3&a^vf)ät beö SuJ^alted bitbet niddt bic ©dSit^eit öet jyortn, jonbcrii bic ©d&t^cit beö Uriprunßd. *'^) 2)ie ©dtitl^cit bcr llthmt>c ift lüc^t bic (Sd)tf)ext bcr gorm, nidtit bie ©d^t^eit bcr nx- funDlid)cu 3ci4icn. SJic (Sö)tl)tit ift überhaupt feine lörpcrlid^c ßigeufd^aft bcr Urlimbc, fonbcm eine ibecflc Scjicfiung, fein fat= tij^cr, fonbcm ein SRcc^td begriff.^**) 3)aö jeigt fid^ oud) in ben gällcn bcr Stcflücrtrctung. 9Bcnn bcr l^crtrcter feinen eignen 9lamen mit einem baö äJertrctnnßäocrs Idltnid audbrücfcnbcn S^f^fi^ i^ic^net^ fo ift bie Urfunbc aQcmal eine edbtc; fie ift cö aucb bann^ n)cnn baö SScrtrctungdocrl^ältnid in Siki^r^cit nid^t beftc^t; fo loenn j. 8. jemonb „alö ^Cormunb" unter jcid^nct, of^nc cd }u fein;**®) ba ift bie Urlunbc ec^t, nur il^r 3it^alt nnroa^r. anberö, wenn nur bcr Jlamc beö äJcrtrctcncn gcjcidinct wirb, o^ne änDcntung bc§ aScrtrctungöücr^ältniffcd. 3"^^^ ift/ toenn bad i>ertretungöocrl)ältnid befielt, bie Urtunbe cc^t, raicioo^I fie (im p^^fifdbcn ©innc) nid)t oon bem bcjcic|)netcn 91u«ftcllcr l)errül)rt; aber fie ift nur barum cdfit, weil bic erflürung beö ^^ertretcrö xti)tli6) als bic bed äJcrtrctcncn gilt, ©ic ift alfo falfd^, tocnn baö aScrtrctungSücr^ältni« nid)t ju ^Icd^t bcftcljt. ©ic ift falfd^, aud) tocnn bemjenigen^ mcld^cm bie Urtunbe junädift audgeftcUt mirbc^ befonnt wax, bog fie nid^t oon bem bcicicbnetcn äluöftcUcr felbft, fonbcm von bem ongcblid^cn SBcrtrctcr l^crrü^re.^) **) !Da6 boS SBcfen bcr Urfunbcnfälf(^ung in einem SWifibraut^ ber ur? !unb(i(^ ^omi befte^e, ift tin oft gehörter ©a^» ber namentlid^ aud) in ben @Tünben ber SDeic^^geric^tdentf (Reibungen eint gro^e 9ioUe fpie(t; T)g(. 5. !9. entfd^. «b. 3 9lr. 131; »b. 5 9lr. 90, 9ir. 143; SBb. 8 9lr. 56; »b. 14 3lv. 61 unb fonft oielfac^. *") 3n biefem 6inne wirb ja ber öegriff ber (&d)tf^zit an^ fonft ange^ loanbt: .ec^te« »ilb", ^tt klaffe"! 2)em urfprüngli^en SBortfinne nacb ift et^t nid^td anbred aii gefe^^Uc^ (®^e = Gma = Q(efe4); ber Übergangdbegriff ift: •orbnung^mä^ig". «) ^tnn man alfo bie geftfteaung ber (gc^tl^eit einer Urfunbe (3.^.0. § ÄJl) 0(8 »eifpiel urteiWmäftiger geftftettung einer Xbatfad^e anführt, fo ift bad nur m bem Sinne richtig, ba^ tn(^n bie rec^tlic^e X^atfac^e bem ^ied^tc^oerl^ttltniS gegenüberfteSt. <») (^tfc^. bed Siei^dgerid^td »b. 5 9{r. 00. *o) 9(uf biefen SaU ift no4 einmal in fpäterm 3ufammenbang $urücf$U' fommen. 3* 36 ^rof. Dr. Safob SBctSmann. ©ntfdEieibct bie ©jiftcnj bcä SBcrtretungäüertiQltnifteö über bic 6d)tl^cit bcr Urfunbc, fo fann a\id) bic anfänglidb falfdtie Urfmibe jiir ed^tcn rocrbcn; tocnn nämlid^ ber Jyertrctcue nod^träglidf) feine @eue^migung erteilt. 3lud& l)ier alfo geftaltet iid) bic g^roflc ber Gci)t\)tii ju einer SRec^töfrage. GS wirb für fie beifpielötücife x>o\\ Sebeutung, ob eine S^ertretimg überliaiipt ftattl^oft, ob bie SJoHmad^t gültig erteilt, ob fdbriftlid^e SBolImad^t erforberlid^ mar ufio.^') Gö ift l)ier nid&t ber Grllärungöiritle beö bc5cid^netcu 3lu§ftellerd, ooii ireld^em bie Gcbtl;cit ber Urfunbe abfängt, ©ie berul^t auf feinem SöiHeu in^ fofern, olö bie SBertretung auf feinem SSiUen berubt. 3lber bie iirfunblid^e Grflärung felbft fann möglidtierioeife fogar feinem auö- brfldlid)en SffiiHen roiberfpred^en. 9Senn 5. ©. ber 5profurift, aller- bingö ber ^nftruftion beö 9trt. 48 ^.@.S. 3un)iber, im ^anbelö- betrieb eine Urfunbe blofe mit ber girma obne ^ingiifügung beö Siamenä unb Slnbeutung beö ^^.^rofuraoer^ältniffeö 5eid)net/**^) fo ift bie Urfunbe aud) bann eine ed^te, wenn fie über ein ®efd)äft er- rid^tet ift, rotlä)t^ il^m oom ^IJrinjipal auöbrüdlid) oerboten mar, aber mit SBirffamfeit gegen 2)ritte nid)t oerboten toerben fonnte. Unb umgefel^rt fann bie üertretungörocife auögefteHte Urfunbe falfd^ fein, roierool^l ber benannte 3luöfteller allen SBillen l)atte, fie aU feine Grflärung gelten ju laffen — wenn nämlid) bie erteilte SBoIl- mad^t ungültig mar. Sie rcgelred^te Sejeid)nung beö 9luöfteUer§ ift fein bürgerlidtier 9lame. Gö fann aber auc^ — j. 33. bei einer ftorrefponbenj unter SBerioanbten — ber blofee S?ornamen auöreid^en; eö fann ein Spife- name eine ooHfommen beutlid^e Sejeid^nung bilDcn. Gö fommt überl^aupt für bie Gd^tl^eit ber Urfunbe ber 9lame beö 3luöftellerö nur infofern in öetradtit, alö er eben jur öeseidjnung beö 3luö= ftellerö bient. 3)at)er fann bie Urfunbe ed)t fein, n)ien)ot)l ber Sluö- fteller fid^ einen falfd^cn Flamen beilegt, unö fie fann falfd) fein, n)ieiüol;l er fid^ mit feinem rid[)tigen 9iamen unterjeid^net. SBenn jemanb unter einem falfd)en 9lamcn an einem Crte lebt unb er fteHt nun eine Urfunbe unter biefem feinem ange^ nommenen Flamen au^, in ber 3lbfid^t, bamit eben fid^ nnt> feinen anbern ju bcjeid^nen, fo begel^t er jmeifelloö feine Urfunöen- ^M «gr. Gntf*. bc» Sicit^ggcrid^tS SBb. 5 9?r. 47, »b. 6 9Jr. 89. «■-) ^ai bic «crbinblid^fcit bce QJcfd^äftcö nid^t baruntcr Icibct, ift ja aU'- gemein anerfannt. ^er X^atbcflanb bec Urfunbciifälfc^ung. 37 fült^ung. ^3) ©bcnfo ücrl^ält es iid^, locim ber 3luäftcßer ber Ur^ funöc mit bcmjciügcn, für roeld^en fic bcftiinint ift, oerabrcbct l^ot, eüien falfd&en 9?amen ju ßcbraiid^en, bamit er britten 5)ierfo]ien üer^ borgen bleibe, feuern gegenüber ift bie Urtunbe feine falfd^e; benn fülfc^ ift nur, was einen folfd^en ©d^ein liernorbringt. 2Ba§ aber bei bem einen eine falf^c SSorfielInng erroedt, boö fonn bei einem onbern, bei bem ©ingeroeil^ten, gerabe bie ridE)tige tjerüorjnbringen geeignet fein. So fe^lt es Denn aiid) an ber gälfd)ungSabfid;t iiifofern, als ber auSfteHer, jwar of)nc SBorroiffen beffen, für roetd^en bie Urhinbe beftimmt ift, fid^ einen falfdf)en 9lamen beilegt, aber bamit boc^ eben nur ^id) nnb feinen anbern bejeidinen roiU; wenn }. ?). jemanb eine Dnittung nnter falfc^em 9iamen einjig nnb allein ju bem 3^^^^^ auSfteHt, ba6 ein 3)ritter feinen wahren 9iamen nidit erfahre, fo begebt er bem Duittnngsempfänger gegenüber feine Urfnnbenfalfd)un9. ^*) Segelet er fie gegenüber bem 35ritten? 35as bangt 'Davon ab, ob i^m gegenüber oon ber Urfunbe @ebraud^ ge- macht ift; eine grage, bie in anberm 3"fo»nnenl)ang jn erörtern fein wirb. 3tnberfeits ifl bie Urfnnbeufälfd^ung nid^t aus bem ©rnnbe ju ocrneinen, bafe ber Stusftetter fid) \)en falfd^en 9Jamen fd)on Dorfier beigelegt i}at.^^) 2)ie Urfunbe ift nur bann falfd^, wenn ber falfc^e 9lame auf eine anbre ^erfon als ben mirflid)en Slus^ fteller tiinbeuten fott: bann aber aud^ immer, ßs gibt fid^ j. 3J. jemanb für ben G^ef eines Sanfl)aufeS ans unb unterjeic^net mit Dem 9lamen besfelbcn eine Urfunbe; wenn anä) ber ©mpfänger ber Urfunbe roeife: biefe ^erfon. Die er oor 2lugen fie^t, ift Der ^) S. aud) Chauveau-H61ie nr. 645, Stephen, Digest of the Criminal Law (3. 9(ufl. 1883) art. 356 nr. 14: r„A personating B draws a cheqne in bis assumed name of B on a bank with which in his assumed Dume he had opened a genuine account by the actual paymcnt of money to his credit. A does not make a false dociunent**. Ober: jemanb beponiert unter angenommenem ^armn unb befcf)einigt unter bemf elben ^{amen ben ^üd- empfang. ") (sntf*. beS Slcid^Söei^ic^tö ©b. 3 9ir. 131; ^icr ift Urfunbenfälfd^ung angenommen. >^) (gittfc^. be« Äeid^e geritzt« «b. 13 3Jr. 77; unjutrcffenb aber fc^eint mir Der hier angeführte Örunb: aud^ in ber Unterhaltung einer Xäufc^ung ^önne eine Xäufc^ung gefunben roerben; benn eS hanbelt fic^ ja nic^t um bie ittuft^ung über ben 9iamen al^ foI(^e, fonbern nur um bie Xäufc^ung über Im au^ftcllcr. 38 ^rof. Dr. 3a!ob SBciSmann. StuöfJcUer, fo ift bod& bic Urlunbc eine falfd^c, weil bärtig bie Ur^ fuubc bcr ©c^cin l^eroorgcrufcn werben fofl, als fei fie wn einer onbern 5perfon auögeftellt @d tontmt awd) nid^td barauf an, ob ber falfd^e Tianien ber einer wirflid^en 5perfon ober ob er rein erbid^tet ift.®*^) 3Iud^ nid^t bad ©inoerftänbnid bes 9{amendträgerd ift an ficb imftanbe, bie Urfunbenfälfd)unfl auöjufc^lieSen. SWidbt unter bem ©efid^töpunft ber SSerlefeung beö 9lamenred^teö ift bic UrtuubcU' fälfd^ung ftrafbar. ßd würbe bereits benterft, wie es möglid) fei, bafe ber Slamendträßer fetbft gerabe ber 9Inftifter ber Urfunben^ fälfd^ung fei. So oerljält eö fid^ au6) in folgenbem galle.'^O ^) Xai ift aKgcmcin angenommen; f. j. ö. 9le(^tfprcc^ung bcS Ohtv- tribunaU (Cppcn^off) ob. 3 8.64, 33b. 9 ©.752, «b. 17 e.28; ogl. auc^ ©ntf(^. be«3leid^Sgcri(^t« ob. 8 9lr. 56; ebenfo in ber franjöfifc^en 3uri«« prubcnj (Chauveau-H61ie a. 0. nr. 649) unb in ber eng(if(^en (Stepben a. 0. 9lrt. 356); bagcgen 3)lcr!cl a.D. ©.795 (binfic^tHc^ ber ^riüaturfunbe): auc^ ®arraub a. D. 92r. 143 og(. 176; aber eine Xäufc^ung über ben ^uö^ fteUer Hegt boc^ auc^ bi^i^ ^ov. »^) (^nt\iSi, be« 5leic^«geri(^t« »b. 16 dlv. 101. 92i(^t frit^fialtig ^cint mir bie 8egrünbung bed dieicb^geric^td; ed roirb nämlic^ gefagt: bie ©traffoftg- Uit bee 2lnfertigerd einer unechten ^rioaturfunbe auf @runb ber Grmöcbtigung beffen, oon bem errid^tet fie eine cc^te roöre, hcibt i^ren ©i§ im fubjeftioen Xf)atbt^anh; ed fe^Ie an ber rec^tdroibrigen ^bfic^t; im Dorliegenben ^U ober l'önm ber Später fic^ nic^t auf feinen Glauben rec^tlic^e ^efugniffe au^juüben berufen, roeil ber ^nftifter, ber in bad (Engagement nic^t eingetreten, nid^t t>a^ Siecht 5ur 2lu$fteUung ber Quittungen unb ^(ttefte gehabt ffaU. folglid^ auc^ auf ben Xbäter n\d)t babe übertragen fönnen, baber, mtnn er auc^ felbft, obne na^ §267 St.0.53. ftrafbar ju werben, bie Urfunben falft^en 3nbalt« l^ätte ber: unb bem ^bäter gur ^enu^ung hti bem 33etruge 3ur SSerfügung fteUen fönnen, er eben boc^ benXb^ter nic^t 3U einer gioiliftifd^en Slec^t^banb: (ung, fonbern ju einer rec^töroibrigen £>anblung, gu einem ftrafrec^tlic^en 9ieat Deranlafit ^abe. — ^ber roenn berjenige, roelt^er auf Örunb einer ©rmäd^tis gung eine Urfunbe unter frembem 92amen audfteüt, feine Urfunbenfälfc^ung begebt, fo ffat bied nic^t barin feinen @runb, baf; feine rec^tdroibrige Slbfid^t, fonbern bag feine falfd^e Urfunbe vorliegt; bie Urfunbe ift eine ecbte. Unb ob berjenige, roelc^er bie Ermächtigung erteilte, bie urfunblic^e Grflärung ab^n'- geben berechtigt mar, ift bod^ für bic Urfunbenfälfcbung üöUig irrcicoant ; roinn id^ einen anberen ermächtige, nn^ Qaf)lunQ für micf) in CSmpfang ju nebmen, iDorauf ic^ feinen SCnfprucb Ifabt, unb barüber in meinem Dramen ju quittieren, fo ftifte icb ibn boc^ barum nic^t gu einer Urfunbenfälfc^ung an; unb n>enn 5u< gegeben roirb, ba^ feine Urfunbenfälfc^ung t^orläge, roenn ber ^nftifter felbft bic Urfunben au^gefteUt bätte, fo ift ber Konfequenj abfolut nic^t audguroeic^en, ba6 aud^ im gegebenen JaQe eine Urfunbenfälfdjiung nic^t begangen ift, benn ^er 2:^atbcj^anb bcr Urfunbenfäljd^ung. 39 ©in gelbmcffcr, loeld^er bie oon einem ©ifenbal^nbctriebdamte ilim übertragenen 2trbeiten roegeu anberroeiter Scfd^äftianng nid&t cuSjufü^ren imftanbe ifi, beftimmt feinen ©e^ilfcn, unter feinem, bed '^prinjipaU Skmen fie }n DoQiie^en unb bie bafür gebül^renöen 35iätcn unb 9teifefoften in ©mpfang ju nelimcn unb mit ü)m ju teilen. 3[n§ 3lnlag biefer ^^ätigfeit f)at ai\6) ber @el^i(fe mel^r- fac^ Urfunben, Quittungen, Slrbeitäanroeifungen auf ben SRamen bcd ^rinjipald audgeflellt unb bem 93etriebiSamt überreid^t. 3)er ©cljilfe ifi ber Urfunbenfälfd^ung, ber ^rinjipal ber 3ln- ftiftung baju fc^ulbig. 3^^^ ()öt ber ^ßringipal ben ®el)ilfen er^ mäd^tigt, mit feinem 9{amen ju jeid)nen unb roäre an \iä) biefe Ermächtigung nid)t ungültig. @d märe aud^ gemig mögüd^ ge- loefen, bafe Der ^prinjipal bie Urfunben felbft ausgcfteHt, ber ©e« ^ilfe fie blofe uorgejeigt \)ixttt, 2lber im SBege ber ©teHoertrctung fonnten bie ©d^ulbigen i^ren S^td gar nid^t erreid&en. 2ßenn ol^ne ©inroiHigung beö Setrieb^amteö ber ?ßrinjipal bie 2lrbeiten nid^t burd^ ben @ef)ilfen Dorne^men laffen fonnte, fo mußte ber ©e^ilfe für ben 5ßrinjipal ]iii an^ebm. Gr mußte bie Urfunben felbft, für feine eigne $crfon auöftellen, unb bod^ mußten fie ben ©d)ein erregen, aU feien fie von bem ^rinjipal auögeftellt. ^atte aber ber ^rinjipal felbft bie Urfunben audgefteUt unb ber @et)i(fe nur fie benu^t, bann roaren beibe 9Rittl^äter ber Urfunbenfälfd^ung. 5)ie Urfunben iDaren beunod^ falfd^e. @ie maren von bem ^ringipal audgefteUt unb mußten boc^ ben ©c^ein erregen, als feien fie von bem ©e^ ^ilfen au^eftellt. 3)er ^Prinjipal burfte fie nic^t auöfteHen, benn er mar eö nid&t, n)eld[)er bie arbeiten ausführte; ber ©e^ilfe mußte fie auöflellen, aber fonnte fie nid^t unter feinem Slamen auöfteßen, benn er burfte bie arbeiten nid^t auöfül^ren. 3)er ©el^ilfe mußte fie auöftellcn unb mußte fie bod^ aU ber 5ßrinjipal felbft — nid^t oU fein Vertreter — auöftellen; bas mar o^ne Urfunbenfälfd^ung unmöglid^. Umgefel^rt fann aber auc^ einer, mie gefagt, mit bem eignen 92amen eine Urfunbenfälfd^ung begeben, menn nämlid^ berfelbe ben ttmftänben nad^ auf eine anbre 5ßerfönlic^feit l^inmeift. 3- 33. je? manb, ber jroei SBornamen fü^rt (31. 6. aWütler), traffiert mit bem ed tonnte bann boc^ ^meifeHod ber 9(nflifter bie Urfunben aud) burdji einen be< IteMgen anbem nieberf (^reiben laffen; unb warum alfo nic^t burc^ ben X^äter? 40 $rof. Dr. Salob Söci^mann. einen aSomamen (31. 3Räfler) unb acceptiert mit bem anbern (6. 3JH'iD[er), fo bafe es ben änfddein ^at, nlö lianblc eä fid) um jToei ücrfd^iebene ^perfoiien. ^^) ©in SBed^fcl, ber auf einen &\M' befiö^r SB. 9Küttcr gcjogen ift, roirD oon einem Arbeiter beö gleid^en 3lamenö mit 3lccept oerfelien. ^^) (£d ift aber ber 9lamc beö Slnsftellerö, inöbefonbere feine Untere fdbrift fein unbebingted ©rforberniö ber Urfunbe. (£§ genügt, wenn nur irgenbioie ber SttuöfteHer erteilt. '*^) So finb ja j. 93. bie ©inträge im ^aubelöbud^ beroeifenb, obioo^l fie nid^t unterfd^riebeu finb. ©ie finb fogar beroeifenb, wmn and) ba§ ig^nbelöbud^ nic^t einmal mit einer 3Jamenöbejeid^nung üerf cf)en fein follte; nur borauf fommt eö an, bafe irgenbroic feine 3"g^()örigleit feftftet)t. — ©ine SRed^nung ift einfad) mit bem SBort „©mpfangen" ol^ne Unterfd^rift quittiert.'^') ©in 2trbcitS3ettel entl^ält weiter nid^tä als bie 3luf:: ftellung ber gelieferten arbeiten. '^^j __ ^^^ ^^i^^ Urhmben finb namentlich fflr eine SSerfälfc^ung feineöroegö ungeeignet. 2)ie aSejeid^nung beö 2luäftellerä ift gerabe fo wie bie 3lrt ber 3lnfertigung von Sebeutung nur für ben Seroeiö ber ©d[)t^eit, nidbt für ben Segriff ber Urfunbe. 3Bic ber Seroeiö ber ©d)tl^eit bejro. Der Uned^t^eit gefül^rt mirb unb ob er fd^ioerer ober leidster 3u füf)ren ift, '^^) ift für t^tn Segriff ber Urfunbe unroefentlidö. ijarum ftet)t aud^ nid^tö im SBege, baö ÄerbJ^oIj aU Urfunbe ju be^an= beln;'benn feine einjige ©igentümlid()fcit ift bie befonbere 2lrt unb SBeife, roie ber ©d^tl^eitsberoeiö geführt lüirb. 3Son Sebeutung mirb ber ©d^t^eitöbcmeiö für ben Segriff ber Urfunbe nur bann, menn er — unmöglid) wirb. 3ft bie eJeftftellung ber ©d)t^cit auägefd^Ioffen, fo gibt eö feinen Urfunbenberoeis, fo gibt eö feine Urfunbe im Jled^tdfinn. ©o oerliielt eö fidf) mit ben fogen. irre^ fognoöciblen Urfunben beö früliern Siedet«; ed gab feine gdlfd^ung. 98) (gntfc^. bc« 9lci(^«8cri(^tS 23b. 13 ««r. 55. «9) ©. 9lccl^tfprc(^ung bc« Dbcrtribunal« (Cppcn^off) S8b. 17 6.453. loo) a)a« ift bie aUgcmeinc SKcinung. SSgL aud) 0a r raub a. 0. 5lr. 138, ©aumonn a. 0. ©.214. i<>i) @oItbammcr§2(rdS|io ob. 22 8. 6 (3)re«bcn); bagcgen SKommfcn a. 0. @. 59. ^^) e. 0. 9i. 14. SSgr. au(^ Slcd^tfpred^ung be« Dbcrtribunal^ (Cppcm Soff) ©b. 5 6. 305, e. 478, ob. 8 3. 785. ^^'*) 3luf bie gröfiere ober geringere Öefc^icflit^feit ber Sälfc^ung fommt a(fo fe(bftt>erft(lnbIicS nidjitd an. Xa nad) gettenbem iJied()t bem 'öeioeiö feiner (Sd)t= ^eit nid^tö entgegenfte^t. '^0 3)cr Seroeiö ber ©dfit^eit ift ber Semeiä il)rer äJorouSfeljungen. *"*) 3n bicfem Sinne ^at ba« preu6ifc§c Dbertribunal fonftant ent^ Wieben; fo ©oltbammer« SCrt^io «b. 8 3. 286; Cppenl^off, Sicd^tfprcc^ung «b. 2 S. 340, f. auc5 0. 3^1. 34; f. aud) u. SR. 106. — §icr geigt f4 ber oon manchen geleugnete äufommenftang mit bem ^rojefiret^t ^anbgreiflic§. i<ß) ü^egen biefe — allgemeine — SWeinung ftreitet bie S(^rift Andreoli^ il perito calligrafo, 2. 5lufl , Tlilano, o. 3- Suj^Ö^^^« ^ft^ baft aUerbingS oiel auf bie ^erfon be^ Sat^üerftänbigen anfommt. 1'^; So auc^ ©ntfc^. be^ 9leid^«geric§tg, Sen. II o. 24./9. 1889; 3urift. SSo^enfc^rift, 1889, ©. 419 5lr. 13. Slnber« oom ©tanbpunft ber preuftifc^en ä.@.0. unb be^ franjoftfd^en ^rojeftrec^t« ba« DbertribunaT: Dppen^off, Se^tfprec^ung 8b. 2 3.319, »b. 5 ©.89, 33b. 12 ©. 179 unb bie franjö. fif(^e Ouriöprubeng: Ohauveau-H61ie nr. 674 (fiefie bagegen oom ©tanb« punft bed gemeinen Slec^td: ^iec^tfprec^ung bed Obertribunald 9b. 10 6 551;. io7j eeibftocrftänblic^ genügt eine SRamen«cf)iffre, f. g. 33. 9iec^tfprecf)ung be§ CbertribunoU (Dppen^off) 33b. 6 ©. 435; (Sntfd^. be« 9iei(^«geri(^t« in Öoltbammcr« ^trd^io 93b. 37 ©. 190. 42 ^rof. Dr. 3a!ob 3Bct«mann. 3)te[c aber finb, toic gejeißt, fo mannigfad^cr 3lrt, bafe fic in eine einJ^eüHd^e ^oxmtl fic^ nid&t bringen laffen. 5Jur eine gormaU befinition ift möglid^. ed&t ift bie Urfunbe, wenn ber fd^einbare SttuöfteHer aud^ roirHid^ ju il^r in einer fold^en 33ejiel^unfl ftebt, bafe bie in il^r entl^altene ©rftärung bem Siedete nad^ als feine ©r^ Ilärung gilt. S)er (gc^t^eitöberoeiö ift nid&t felbft Urfunbenberoeiö. 2)ie ©d^t- l^eit einer Urfunbe fann burd^ afle Seroeismittel erroiefen werben: burd^ 3lugenfd^ein unb Sod^ücrftanbige — für bie ©d^riftoergleid&ung ift bie Seroeiöurfunbe ebenforool^l roie bie aSergleid^ungöfd&rift äugenfd^einöobjeft — , burd^ 3^"9^"/ ^i^ i- ^- ^^"^4 mitnnter- jeid^nete Sperfonen, roeld^e i^re Unterfd^rift ref ognoöcieren ; bnrdfe Urfnnbe, roie namentlid^ burd^ bie notarielle ober gerid^tlid^e Se^ glaubigung; burd^ @ib. aber bie geftftellung ber Gd^tl^eit bitbet ein roefentlic^eö ©tüdt beö Urlunbenberoeifeö. 2)afe mit ber geftftellung ber ed()tl)eit ber Urhmbe bie in i^r entl^altene ©rflänmg beä äuöftellerd erroiefen ift, ba§ gerabe ift baß dfiarafteriftifc^e beö tlrfunbenberoeifed; barin liegt fein bebeutfamer SBorjug t)or jeber anbem 2lrt beö Seroeifeö einer ßrflärung. (£ben barum ift jum Urfunbenberoeife baö Original ber Ur- lunbe roef entließ ; '*^^) benn nur an i^m ifl ber Seroeiö ber Gd()t^eit möglid^. 2)ie Äopie ift nid^t Urfunbe — in ioi"fi4lt auf bie S^J^at- fad^e, roeld^e ben ©egenftanb beö S)eroeife§ bilbet. S)ie fälfdtilid^e Anfertigung roie bie S5erfälfd)ung ber Äopie ift in biefer ioi^Rd^t nid^t Urfunbenfälfd^ung. *"®) 2)ie Äopie lann nur it)rerfeitd alö öeroeiömittel für Die Urfunbe, fie fann als Ur- funbe über bie Urfunbe bienen. Sie fann fid^ als glaubroürbiger Seric^t beö Slbfd^reiberd barftettcn barüber, ba6 il^m eine Original- urfunbe biefeö 3")^öltö vorgelegen ^abe; audd l^ier liefert bie öffcnt^ lid^e Urfunbe ooUen Seroeis, unb bie beglaubigte 3lbfdj)rift einer öffentlid^en Urfunbe (3.^.0. § 400) oermag alfo t>a^ Original ju erfefien; Die 2lbfd^rift fann ferner unter Den Sorausfefeungen ber §§ 392. 409 3.5p.O. Seroeisfraft erlangen; es fann ein 3lbflatfd& ein gerabesu jroingenbeö Snbij für bie Originalurfunbc bilben. "^) *^) S^agcgcn o. ÄricS a. D. 6. 185 ff. 109^ 2)aö ift aUfjcmein angenommen. "°) o^ erinnere m\6) einc^ Ö^ef(§cibung«pro$cffeS, in toeld^em ein ^auptbelaftungemomcnt in einem ^bftatfc^ beftanb, welchen ein oom @^es 2)ct 2:^atbcflanb bcr Urfunbenfälfc^ung. 43 3n bicfcr ^infid^t ifi aud^ mit einer Äopie geroig eine Urfunben- fäl|(i^nng möglid^. Äcineöroeg« wirb aber nottoenbig burd& bic Urfunbe felbft iljre Gc^t^cit ober galfd^^eit, fie toirb notroenbig nur an ber Urfunbe crroiefcn. 55aö jetgt fid& am Marften bann, roenn bie falfd^e Ur^ tunbe bic ed&tc gorm trägt, mittels ed^ter Urform l^ergeftellt ift. auf biefcn ^punft ift no(^ in anberm 3"fonimen^ang jurüdtjus lommcn. ^ 3)ie SJerfälfd^ung fefit eine ed^te Urfunbe oorauö; eine oer^ fäljc^te Urfunbe fann roeiter oerfälfd^t, eine falfc^e Urfunbe fann nid^t im eigentlid^en ©inn oerfälf d^t rocrben. • ' ') Sie 35erfälf d^ung ift eine partielle gälfc^ung, bie gälfd^ung einer fonft ed^ten Ur^ funbe in einem für ben ju fü^renbcn 33eroei§ er^eblid^en ©tüdte. &iuc edöte Urfunbe ift oerfälfd^t, roenn il^r urfpri'mglid^er 3nl)alt rocfenttid^ oeränbert unb fo ber falfd^e ©d^ein erjeugt ift, aU fei bicjer x^v ueränberter i^r urfprünglid^er, b. 1^. ber i^r burdti bie Suäfieilung gegebene 3n^alt. $ier jeigt e§ fid^ nun au^^ htxiU lid^fte, roie baö äßefen ber Urfunbe nid^t Darin beftel)t, etroad ©egcnroartigeö, fonbern bie vergangene 2ll^atfad^e ber ©rflärung ju beroeifcn. 33enn nur fo erftärt es fid^, bag aud^ ber aiudfteller einer Urfunbe felbft fie oerfälfd^en fann — roenn er nämlid) burd^ eine nachträgliche Snberung ben ©d^ein erroedft, atd fei x\)v jefeiger i^r urfprünglid^er 3»()ölt. '^2) 3)ie änberung audb burd^ ben 2luö2 mann auf bem &)mptoir in größter @i(e gefc^riebened StUet auf ber nod^ Siemlic^ neuen Unterlage oon Söfd^papier ^urücfgelaffen ^otte; bcr 2lbt(atfcl^ iDor, gegen ben Spiegel gehalten, fe^r gut )u tefen. 9Bar bad fein Urfunbem bnoeid? 1") Sgl. ^ierju 9t. 104. "') & liegt felbftDerftänblid^ Urfunbenfälfd^ung nit^t Dor, wenn burd^ bie nachträgliche ^Snberung feine 2:(iufc^ung über ben urfprünglid^en Inhalt ber Urfunbe bejroecft ift; wenn eine SertrogSurfunbe im ®inoerftänbni« ottcr ©es teiligten unb o^ne bie ^bfic^t, einen 2)ritten rec^t^roibrig g" täufc^cn, obge* önbert wirb; f. auc^ entfd^. be« 9Jeic6Sgeric^t« «b. ö 9lr. 90. — ©ierin liegt nicit zinmal eine »erfälfd^ung, fonbern 9lcu^crftcUung einer cd^tcn Urfunbe unter »enu^ung einer alten; bic SJerfälfc^ung fc^t fd^on bcgrifflid^ bie 2lbfid^t, tinen falfcften ©c^ein ^ersufteUen, oorau«. §älfc§ner, ©trafrcd^t Ob. 2 ©. 542 ». 2 will in foWcm jjall tina gälfc^ung um be«roiUcn md)i annehmen, tocil c« an ber rcc^tdroibrigen Slbfic^t mangeln werbe. 2lber gunäd^ft ift bic Xäiifc^ungöabfic^t in Srage. 3lnbre, fo namentlich auc^ ba« Sieid^ggeric^t (0. 0. S. 261) ftetten bie (Sntfc^eibung barauf ah, „oh bie in ber 2lbönberung liegenbe 2)i«pofttion über bie Urfunbe tim beredjtigte mar"; l^icroon noc^ 44 ^rof. 25r. 3a!ob aSctömann. flcHer felbft ift unflatt^oft, fobalb bic Urfunbc obgcftfiloiTcu ift. 2)ic ^roge aber, roann fic bied fei, läfet firf) nid^t burd) eine alt gemeine gormel beautroorten, fic ift grage beö eitiäelnen Jolleö, SJBemi inbeö bie Urfimbe für anbre beftinunt unb mir infofevn doii red^tli^er Sebeutung ift, lucnn fic nnnieutlidd eine erft burd) ibre 3Ritteihing red^töroirffamc ©rflärung entt)ält, fo tann fic jebcnfalld nid^t aU abgcfc^Ioffen gelten, folangc iud)t ber 3ludfteller in mU fd^eibenöer SBeife fid^ il)rer entäufeert l^at. ©leid^güUig ift bie 3lrt ber SBerfälfd^ung; fie fann burd^ einen 3nfa6"^) ober eine Stbanberung urfunblid^er S^^^^^^ begangen werben; fie lanii aud) in einer 23crnid()tung urfunblic^er 3^^^^" (gleidjmel ob mit ober of)ne Sefdjäbigung ber Unterlage) befte^en, fofern baburd) bie Urfunbc einen rocfentlid^ anbern ^nl)alt be- fommt, "*) inöbefonbere tann audj) bie SBernidjtung eine^ 3"f«^l5^^ ate i>erfälfd)ung fid^ barftcllen, fofern ber 3"fötJ ^^^^ ^nl)ali ber Urfunbc mobifiiicrtc unb ein ©anjcö mit iljm bilöete. "'*) Übrigen« ift ber Unterfdjicb ber fälfd^lidjen Anfertigung unb ber äJerfälfd^ung ein fliefecnber unb aud^ bebeutungölofcr. Da rcc^t- lid^ beibe cinanber t)öUig glcid^ gelten. gälfd)lid)c ainfertigung unb l>erfälfd^ung finb \n6)t ooneinanber ücrfd^ieDene Xf)atbeftänt)e, fonbern nur oerfcbicbenc ©eftaltungcn eineö unb beöfelben 2^t)at' beftanbeö: ber gälfd^ung.'"*) 2ßefcntlid^er Xt)atbeftanb ift bie gäU weitere^ im III. ^bfd^nitt. 3^^^nfeife(f)aft fein; im (entern fie^t eine Serfälfd^ung Cle^aufen 5U § 267 9lr. 28 c. S^em erftern ift aber offenbar nabc Derroanbt ber weitere iJall, ba^ tux^ bie 9)erfa(f(^ung bie Urfunbe einen t^öUig anbern 2^f}alt be« fommt. 3- ^- ^"^ einem 3Rietoertrag wirb ein Äaufücrtrag gemad^t über ein 9an) anbrte Cbjeft. Cber man nel^me folgenben "S^U: ein ^auer f)at ein oon einem Jruc^tfaufer Dorgefc^riebened Cuittung^formular unterjeid^net, in melc^em er ^belennt, oon bem N. X. bic unb bie Summe erl^alten gu baben"; burc^ timjufe^ung bcr 2Bortc „alö 2)arleben*' mad^t ber Ääufer barauS einen S(^ulbs fdb«in. 5i?orin läge ber roef entließe Unterfc^ieb oon bcr „förfc^Iic^en .t)erfteUung*' eine* 3(^ulbf d^eind? — ipierber gehört auc^ bic gragc, ob eine falfd^c Urfunbe wer» föl^t werben fönne? ^lafS) Oppenftof f , 5tomm. § 267 «W. 9 ift aud^ eine fälf(bli(^ angefertigte Urfunbe i^rer objeftioen (Srfc^einung nad^ eine Urfunbe unb fann weiter oerfälfc^t roerben. §. SWe^er, Äebrb. § 1.33 9lr. 5 a S. 984 (ber 4. Slufl.) fleht bie 35erfalfd^ung einer fälfc^Iid^ bergefteUten Urfunbe al^ §erftettung einer talf(^n Urfunbe an, 3Werfcl hingegen a. C. ©. 792, beftreitet, ba6 eine SSer^ fdlf(i^ng on einer falfc^en, b. b- bIo6 fiftiocn Urfunbe begangen roerben fönne, (er fragt: „fommt au(^ ber fölfcblic^ angefertigten Urfunbe gefe^Iicbe ^eroeid: fraft ju, ift fie ein anerfannte« ©egraubigungmittel?") 35erfelben SReinung finb §olf(^ner, Strafred^t, 33b. 2 6.536, iBerner (14. 5lufr. iaS6) e. 541, CUbaufen lu § 267 9lr. 25, (Sntfc^. bc§ JHei(bdgcricf)t§ Ob. 4 Dir. 26. — l^at ber ^bäter ^enntnie t)on ber Unec^tbeit ber Urfunbe unb macbt er bat^on red^t^roibrigen C^ebraucb, fo würbe, wenn nid^t § 267, fo bo(§ jebenfaüö § 270 yax Slnroenbung fommen. (8o bie oben citierte (Sntfc^. bed 9(eicbe geriebt 9.) Son materieller Sebeutung wäre ^ier alfo nur bie (im aUgemeinen fpöter gu berübrenbe) Jrage, ob in ber „^Serfälfc^ung" bereite ein 2(nfang ber 5lu^füb- ning ju finben fei; bieö ift m @. ju bejaben. Xenn burcf) bie „35erfälf(^ung" M bie Urfunbe bod) erft bie @eftalt befommen, in roe((^cr fie benu^t roorbcn ift; unb e§ ift möglicb, bag fie erft burd^ bie Serfäifcbung für ben (iJebraucf)^: imtd tauglich geworben ift, bag fie t^orber einen wefentlicb anbern ^n^att ijattt, Xa^ Serbältnid ber S3eränberung ber falfc^en Urfunbe }um (^ebraud^, ift alfo baefelbe wie bae ber S^erfälfc^ung einer ed^ten; mmn man jja wo^I auc^ im eigentUd^en Sinne von ber Serfälfc^ung bcffen, waS fcbon falfc^ ift, nic^t reben fann. ^a% tint cerfälfd^tc e(^te Urfunbe weiter uerfälfc^t werben fann, oirb gang aOgemein angenommen; mit aber mcnn bie äßeiterDcrfölfc^ung fic^ gerabe auf ben oerfälfc^ten %tH ber Urfunbe begog? Xa^ mü^te fonfequenters oeife aud) feine Serfdlfc^ung fein, ^ie Dcrfälfc^tc Urfunbe f)at boc^ a(d foI(be ouc^ „Uinc gefe^Iic^e Seweidfraft" uno ift auc^ fein „anerfannted $e: gloubigungdmitter. Unb foUte e$ wirf(t(^ üncn fo großen Unterfcf)ieb machen, ob ein fälfc^Iic^ angefertigte^ Sd^riftftücf burcf) tintn notwenbigen 3ufa^ ev- gänjt unb baburc^ erft eine Urfunbe bergefteUt, j. ö. in einen falf(^en ©c^ulbs f(bfin bte Sc^Ibfumme eingetragen, ober ob bie 8c^ulbfumme nac^tröglic^ oer» fobert ober ob fonft ein 3ufat gemacht wirb? 46 ?rof. Dr. 3a!ob 3Bci«mann. entfallen ifi, bie ßrflärung bcö oorflcblid^cu Sluöficttcrö toare; fie ift bieö in feinem gaUe ber Jälfd&ung, ob nun bie Urfuube oer- fälfc^t ober ob fie fälfd^lid^ angefertigt iftJ") III. Senufeung ber falfd^en Urfunbe unb SBorfa^. 3ur üottenbeten Urfunbenfälfd&ung gel^ört, waö) bem beutfd&eit ©trafgefefibud^, bo^ dou ber Urfunbe jum ^mtdt ber S^äufd^ung ©ebraud^ gemacht fei. ®ö mu§ oon ber Urfunbe als foId[)er, alfo jum ^^ede eines Urf unbenberoeifes "^ ©ebraudfi gentad^t fein. 35enn baß ä^efeu ber Urfunbe beftel^t eben barin, bafe fie 3Kittel beö Urfunben^ beroeifeö ifi. SBäre alfo nid^t jum Qmtdt eines Urfunbenberoeifes eine Urfunbe gefälfd^t unb benuftt, fo würbe gerabe baöjenige 3Roment ermangeln, roeld^eö bie Urfunbenfälfc^ung ju einem 2^elitte eigner 3lrt ergebt; bie Xt)at mürbe fic^ nid^t roefentlidb oon Xm- fd^ungen anbrer 2lrt unterfd^eiben. 6d liegt alfo beifpieUroeife feine UrfunbenfätfdE)ung oor, menn ein gefölfd^ter Sd^ulbfd^ein als ein äutograpl^ ' ^^) SHembranbtS oerf auft wirb. 2)ie Urfunbe mufe benugt fein jur 2^äufd^ung barüber, ba§ Wi^Qnn ber X^äter bei ber Seränberung ber fatfc^en Urfunbe biefe(be für tim ec^te ^iett, fo tonnte eS gunäd^ft fc^einen, al9i ob er ftc^ in einem jrrtum über ein n)efentIi(^eS X^atbeftanbemoment befänbe; aber ob bie Urfunbe eine ec^e war ober tint falf(^e, in jebem gatt ift fie — na^ i^rer 95eränberung — eine falfc^e Urfunbe; jroifc^en einer oerfälf^ten unb einer fälfcfilic^ angefertigten ift, rote oben bemerft, fein roefentHc^er Unterfdjiieb : ber 3<^^ni bejie^t ftti^ olfo nur auf bie 3lrt, wie bie folfc^e Urfunbe — in i^rer jejigen ©eftalt, auf welche aücin eS ja onfommt — ju ftanbe gefommen, n)ic im Xz^t bemerft, auf zim iufäUige @efta(tung beS S^atbeftanbS, ift alfo ein unroefentlic^er S^^rtum. 3c§ fomme alfo gu bem Sierauf wirb bereits oon ©oltbammer ^ingeroiefen, 3Raterialien ium preufeifc^en ©trafgefe^buc^ 2eil II (1852) 3. 569. Xtx X^atUftarib ber Urhinbcnfalf(^ung. 47 bie in i^r enthaltene @rfl&rung bte ©rllärung bed fd^ieinbaren JtudjlcIIerd — roirflid^ ober bcm Siedete nad^ — feiJ^) 2)cun bad ift ber Scroeiö, ber junäd^ft unb rocfentlid^ burd^ bie Urfunbe jefü^rt roirb. Cb aud^ eine X^äufd^ung bejroedft wirb über bie J^tfadje, roeld^e oermöge biefer (SrWärimg beroiefen werben [od, iji flleid^gültig. 3)ie ©d^tl^eit ober Uned^t^eit einer Urfunbe \)at mit Ux 2Ba^r^eit ober Unn^al^r^eit t^red ^n^alted nid^tö ju t^un. 2He 2:aufd^ung burd^ bie Urlunbe ald folc^e ifl biefe(be^ ob bie ju erroeiieube 2^^atfad^e roai)x ober nidE)t roa^x ift. Xt^ fernem uerlangt ba5 ©cfefi eine red^töroibrige äbfid^t; e^ verlangt fie im § 267 foroo^I bei ber 5älf^"»fl n)ie beim ©e^ braud^ ber falfd^en Urfunbe. 3)ic 2Borte „in red^töroibriger 2lb= fic^i'' finb grammatifalifd^ roie bem Sinne nad^ auf t>a^ ©ebraud^^ machen mitjubejie^en/'*^) gerabe fo wie bie fd^äbigenbe ober ge^ iDinnfüc^lige abfielt beö § 247 bed preufeifd^en unb beö § 241 bed crften 6ntrourfc§ unfreö ©trafgefefcbudjd, an bcrcn Stelle fie ge^ treten finb. 3?ie red[)tön)ibrige 3lbfid^t ift atfo nic^t gleic^bebeutenb mit ber Xäufd^ungdabfid^t. Sie beftinmtt biefelbe nä^er. @d lägt aber burc^ ben ©ebraud^ ber falfd^en Urfunbe aU fold^er fein ^md fidb anDerö alö üermittelft ber 2^äufc^ung, wie fie oben ndber bejeic^nct würbe, errcid^en; unb eä ift anberfeitd bei ber gälfd^ung feine red^tdwibrige älbfid^t benfbar, weld^e nid^t }unäd^ft auf ben @ebraud^ ber Urfunbe ginge. ßö nuife fomit bie red^töroibrige Stbild^t auf einen 6rfoIg ge^ riditet fein, roetd^er burc^ bie 2^äuf(|ung herbeigeführt werben foll, iwld^er ben 3^^* ^^ 2^äufd&ung, ben roeitergelienben ^voed ber Jalft^ung unb bed ©ebraud()eö ber Urfunbe bilbet. X'ie red^tdroibrige 2lbfid^t fann nid^t fein bie 3lbfid^t, einen anbern ju fc^äbigen; benn biefe erfd^eint im § 268 ald erfd^roeren« ber Umftanb. Sie fann alfo aud^ nid^t in bem Sinne aufgefaßt 120) <^ie SBetibung: „2:äuf(^ung über bie (&^tf^txt ber Urfunbe" ift mit Sotbebac^t oermieben, mtxl fie )u aJh^Derftänbniffen Seranlaffung ^xht; vgl. unten, '") e. 3?cc^tfpre(^ung be« DbertribunalS (Oppenftoff) «b. 13 ©.597. «glttut^Ord^oufen su §267 91. 46b. SCtterbinj;« fmb bie ©orte: „in rec^t«« iDtbriger SCbfic^t" nic^t in § 270 roiebergolt, aber auc^ nic^t in § 268, fie ftnb aui § 267 iu ergangen. — Xa^ ed im %aUt bed § 268 oudbrüdlic^er ^\U fteUungber rec^tdioibrigen Slbfu^t bebürfe, t^at bad 9ieid)dgericl^t inberGntfd^. «b. 3 Kr. 64 au«0efpro4en. 48 ^rof. Dr. Safob 2öci§mann. rocrbcn, bafe fie auf SJerIcfcung frcnibcr Jicd^tc, gegen frcmbe 9Jcd^te, auf roiberred^tlid^e Snberung eiueö S^P^^^bcö geridtitet fein tnfiffe. '") ©trafbar ift aud^ bie SBcnuftuug einer falfdE)en Urfunöc ju einem an fid) red^tlidb erlaubten 3^ßöe. 3tud^ berjenige mad^t fid& ber Urfunbenfätfd^ung fd^ulbig, roeld^er fid^ einer falfd^en Urfunbc jum 3lad)mx^ eines begrünbeten ober jur 2lbit)el)r eines unbegrünbeten Slnfprud^eä bebient. '■^) 3tud^ baburd^ roirb baö 5l>ertrauen auf bie ^noerläffigfeit bcs Urtunbenbemeifeö erfd^üttert unb bie Sid^erf;cit bes 3?ed;t§üerfc()r§ geftört. ^'^^) 1") 3n biefcm einnc aKcrfcI, in ^olftcnborff« .^yatibbuc^ 23b. 3 e. 797 iinb Scfjr6u(^ ©. 359fv Scöü^c, Scftrbuc^ e. 490, Oppcn^off, Kommentar 3U § 267 ^t. 1 u. a. — Solcher äücnbungcn bebient fic^ me^rfad^ audf ba^ 9Jcic^«geric§t. cgi. 5. 23. Gntfcf). 23b. 1 ')lv. lU, 23b. 3 9ir. 131 unb fonft; ba» gegen ügl. bie unten 91. 180 angeführte ©ntfcf). — 25on bicfem Stanbpunfte auS gelangt auc^ bae ^ieic^Sgeric^t ba}u, einen Unterfc^icb in ber ^bfic^t jroifc^en § 267 unb § 363 babin on}uneF)men, baft ber (entere fid^ auf bie gättc bejiebe, „in benen bie 3(bfic^t be$ ^bätere, n^enn auc^ an fic^ recbt^ioibrig, bod^ nic^t gegen beftimmte fonfrcte 3ie(§tc ^Dritter, prioate ober öffentlicbe gerichtet ift"; fo Gntfc^. 23b. 13 9k. 22, ogf. 23b. 8 9k. 13, 23b. 10 9Zr. 51. 9iac^ ber nnUn bar$u(egenben ^uffaffung fann ic^ ba$ nic^t für richtig balten, bin t^ielmebr ber 3)leinung, ba^ § 363 bcn ^f)atbeftanb ber einfachen Urfunbenfälf(§ung genau fo öorauSfe^e, wie ber S 268; tann bo(§ fogor, wie bie Gntfc^. Ob. 8 9ir. 13 ^ers »orbebt, au^ im "S^lic bee § ^363 bie 5lbfi(§t gugleic^ auf einen ret^tSroibrigen 9SermögenSt7ortei( gerichtet fein; unb ift ber 9)2eifter, roelc^er anstatt exnti ge* fcf)ictten öefeUen, ben er gu befommen meint, einen gan$ untüd^tigen befommt, ber if)m nic^td nü^t, fonbern i^m gerabeju fc^abet, nid)t in bemfelben 3inne in feinen „fonfreten Stetsten" üerle^t, wie rotnn er einen üerfälfd^ten 2öe(§fcl gefauft liätM Sßenn bie bier ocrtretene Stuffaffung ber „red^t^ioibrigen 5lbficf)t" richtig ift, fo ift oielmebr ju fügen: feblt eS an i^r, fo !ann Don ber SCnroens bung bee § 363 erft rct^t nxdft bie 3lebe fein. 2)a6 burcf) § 363 bie §§ 267 - 270 au^gefc^Ioffcn werben, uerftebt fi(§ oon felbft. "3) gsgi. Gntfcb. be§ 9i ei d^ö gerieft « 23b. 17 9lr. 49. ^*) 2)aS italienifc^e Strafgefe^buc^ fteUt biefen JJall unter eine bes fonbere milbere Strafe. 3CUerbinge rebet ber 3Crt. 271 oon „roabren Xbotfat^en" („mezzo probatorio di fatti veri"), fo bafe er bem Sßortlaute nac^ aucb an: loenbbar fein n^ürbe, menn einer einen 3(^u(bfcf)ein fölfc^te über ein roirflic^ gegebene^, aber längft gurüdbegablteS ^arleben. Xa^ bieS aber nid^t ber Sinn be§ Öefe^c?, ergibt bie Relazione ministcriaie §271: Accade tal- volta che alcuno commetta nna falsita per procurare a se 0 ad altri nn mczzo probatorio di fatti veri. Gertameute i'adoperare iin mezzo erinii- noso iion puö trovare giustificazione nel fine cui 6 rivolto; ma poiche qaesto fine non e inginsto ed 11 colpcvole intende non gik a cagio- nare un danno altrui, bensi evitare an daiiiio a se medesimo la impatabilitä del falso ^ assai minore. — 3e^r intereffant ift, wie fc^on ^Der X^atbeftanb bcr Urfunbenfälfd^ung. 49 Soü nun aber bic abfid^t eine red^töroibrißc imb bo($ ber bc= abiiditigtc (Srforg nid(|t notroenbig eine JWed^töüerlcfeung [ein, fo Wcibt nur baö eine übrig, bafe er überl^aupt ein red()täerl^ebU($er lei. aiccfitöroibrige äbfid^t ift bie Slbfid^t, oerinittetft bcr bur($ ben Öebraud) ber falf($en Urfunbe beroirlten SCäufd^ung einen red^tös erbeblid^en ©rfolg ju erreid^en. 9lid)t fann bic red)töit)ibrige 2lbfid[)t gleid^bebeutenb fein mit bcm Seroufetfein bcr aied&töroibrigfeit »") in beni ©innc, bafe fid) ber Später bewußt fein muffe, bafe 5äIfdE)uiig unb Senuftung ber Urfunbe jum ä^ede bcr 2^äufd^ung üom 9led[)t ücrbotcn fei. S^cnn Hiebt jebe Xänfd^ung ift eine red^töroibrige — bie S^äufdfiung fann aucb eine red^tlid^ gleid^gültige fein. 5lid^t fnnn bie Xäufd^ung fdfiled^tl^in, um i^rer felbft roitten, fitrafbar, nid^t fann ber Urfunbenberoeiö fdbled&tl^in, um feiner felbft roiUen, ©egenftauD beö ftrafred^tlid^en ©d^ufeeö fein. ®« gibt fein Siecbt auf 2ßal^r^eit fd^leddt^in, e§ fann nidbt bie aufgäbe bes Jled^ted fein, cor jcber 2^äufd^ung, alfo auc^ vox jeber l^armlofen \irit> vox jeber t^eoretifd^en 2Cäufd)ung ju bewahren. Unb eö ifl nid^t einjufe^en, wie blofe barum eine 2:äufd^ung ftrafbar fein foUte, weit fie jufäßig üermittelft einer Urfunbe begangen ift. Co ift jroeifettod feine firafbare Urfunbenfälfd^ung, xotnn ein 2)ofument, §. 33. eine Sd^enfungöurfunbc, blo§ ju bem 3roedEe ge= fdlfc^t wirb, eine biftorifc^e 2ll)atfad^e barjutf)un ober einen pl^ilo^ logifd^ intereffanten Seroeid ju erbringen. ein Äaufmann jcigt auf ben 9lamen eineä befannten io^nfed gefätfd)te SEBed^fel, blofe um ftd() feiner feinen ©efd^äftSücrbinbungen JU rül^men. Ober cd weift jemanb gefälfd[)te Gigentumöbofumcnte ober ^ppot^eteninftrumente oor, o^ne roeitern 3"^^*/ ^lö um mit feinem Steid^tum ju pral^Ien. GS fälfc^t ein junger 9)iann Duits tungcn, um ben 3[}orn)ürfen ber ©einigen über unbcja^Ite Sd)ulbcn }u entgefien. ^^^lönb, ber mit einem anbern über ben Slbfdjlufe eines ©efd^äfteö oer^anbelt, l^ält il^m eine gcfälfd^te Offerte eines «otöcr bic italicnifc^c 3"riSprubcn3 bagu gelangt war, toenigftcnö bei öffentlichen Urfunben baS @rforbetniS bro^cnben Schaben« aufzugeben ; inbcm fie nämlic^ groar tlieoretifd^ baSfelbe feftf)ie(t, bie Scf^äbigung aber fc^on in ^erSerle^ung ber publica fides erblitfte; bad einfd^Iägige äKaterial finbet man in extengo jufammengefieUt bei Alfonso Milan o, del falso documen- tde (1887) § 18. ^^) »gt. ^ierju unten 91. 196. BntftMft f. b. HCl- eiratKd^tt». XL 4 50 $rof. Dr.Safob äBcidtnann. Äonfurrenten Dor, um i^n ju günftigcrn Sebingungcn ju be^ roegen. '2*) 3n allen biefcn gällen^^O iftr roierool^l von einer Ur^ lunbe aU fold&er, einer öffentlid^en Urfunbe ober einer ^riDat- urfunbe mit red^tderl^eblid^em ^nl^alt @ebraud^ gemad^t i)\ eine Urfunbenfälfd^ung bennod^ nid^t begangen^ roeil havon nid^t ju einem red^tderl^eblid^en S^tde @ebraud^ gemad^t ift. S)ie 3w^^^läffifl^^i^ ^^^ Urfunbenberoeifes ju fidlem, baö ift bad 3i^l ^^^ @efe^ed. 3lber an bem Urfunbenbetoeid alö fold^em fann eö lein ^ntereffe nel)men. 2)a§ 3led^t fann er nur infofern intereffieren unb nur infofent ©egenftanb feiner gürforge fein, aU er bem 3ted^te bient, als er für ben SRed^töoerfe^r Don Sebeutung ift. 9iur inforoeit fann für baö 3ted^t eine Urfunbe, aud^ eine Urtunbe mit red^tder^eblid^em ^^^alt in SBetrad^t {ommen, aU fie SDHttel beö JRed^töüerfe^rß ift, alfo i^re Senufeung felbft einen red^tserl^eblid^en 3^^* »erfolgt. SBon einer Urfunbe fann aber im Sted^töoerfe^r @ebraud& ge^ mad^t, eine Urtunbe fann ju einem red^töer^eblid^en 3n>ede benuftt werben auf jroeierlei 2ßeife: entroeber ber ©ebraud^ ber Urfunbe bient baju, eine Sted^tdfolge gelten b }u mad^en, einen älnfprud^ JU realifleren ober abjuroe^ren ; ober aber er bient baju, eine 3led^tö- folge erft ^eroorjubringen. 3)er ©egenfafc ift infofem fein ganj fd^arfer, aU aud^ burd^ bie @eltenbmad^ung einer 9led^tdfolge felbft roieberum 3ted^tdn)irfungen l^ert)orgerufen werben fönnen, wie bied namentlid^ im ^rojeffe ber §all ift. S)a§ im ^rojejs ber Urfunbenberoeiö einem red^tßerl^ebUd^en 3n)ede bient, ift ol^ne weiteres einleud^tenb. 2lber ber ^projefe ift ja auf bem ©ebiete bed reinen ^imlxtcl^t^ ^^^) nid^t ber einjige, nid^t einmal ber reguläre 2öeg, eine SJed&töfolge geltenb ju ma^en. 6d ift aud^ eine ©eltenbmad^ung ber gorberung, roenn außer- gerid^tUd^ ber ©laubiger auf ©runb bed Sd^ulbfd^eind 3^t)lung "«) «gl. ^icrju mttn dl 145. "') «nbrc »on ©oltbammcr a. D. ©.568, 569 gcbraudjte öeifpiele — ! bei iDelc^en e$ aber fd^on an ber Urfunbenqualität ber fraglichen @(^ftftü(te /n mangelt, fmb: falfc^e (ginlabung ju einem Jeft, falfc^er ©mpfc^Iung^brief, ge« r^fälfc^te Unterf elften unter einer allgemeinen Petition. -i: lii) 2)a^ auf bemöebiete be« 8trafre(bt« ber^rogefeba« einjige SRittel ber Slec^tdDerroirMtc^ung ift, ift nic^t« bem ©trafrec^t unb ©trafprojefe oIS folc^em @igentümlic^ee; bie ^rfc^einung u)ieberl()oIt fic^ beifpieldroeife htim @^e< prosefe. i ^er ^^atbfflanb ber Urhinbenfälfd^ung. 51 Dtrloiigt/^^ unD er ma^t, tocnn bcr ©d^ulbfd^cin flcfälfd&t ift, wn einer falfd^en Urfunbe ju red^täcrj^eblid^em S^^^^ ©cbraud^. ttnb xotnn ber ©d^ulbner fid^ aufeergcrid^tlic^ gegenüber bem 3«^' hing forbernben ©laubiger auf eine gefälfd^te Quittung beruft, fo iDill er bamit, wie im ^rojefe, bie SHealificrung ber gorberung oer^ ^inöem. a)er Unterfd^ieb bcr projeffualen üon ber au^ergerid^t^ lic^n @eltenbmac^ung eined 9lnfprud^d ober einer @inrebe ift eben nur ber, ba6 bie erftere mit ^ilfe ber gerid&tlid^en 3lutorität, burd^ Me Äraft beö geri^tlid^en Urteils i^ren S^td erreid^en roitt — ein Unterfd^ieb, ber natürli^ in anbrer ^infid^t von tiefgreifenbfter Sebeutung ift. , Die anbre SJJöglidfifeit ift bie, ba§ ber (Sebraud^ ber Urlunbe baju bienen foH, eine SRed^töroirlung erft l^eroorjubringcn : entroeber ift er felbft eine 9ied&tö^anblung ober fte^t ju einer fold^en in iDcfentli^er — red^tlid^er — Sejie^ung. ©nt^alt bie Urtunbe eine (Srflärung, meldte erfi burd^ ben @e- brauch ber Urfunbe i^re SRedfitäroirffamfeit erlangt, ein SRed^tögefd&äft ober ein SBortbelitt j. ö., roeld^eö erft burd^ bie Überfenbung bes Sriefeö jur (Sntfte^ung lommt, fo ift biefer Oebraud^ jroeifeltod dn folt^er, roie er jur Scgetjung ber Urfunbenfälfd^ung ooraudgcfeftt iDirb. aUerbingS ift oon ber Urlunbe ba nid^t ju einem Urfunben^ beroeiö im engern, projeffualen Sinne be§ SBortes ©ebraud) ge^ mod^t; benn roenn bie ©rflärung erft burc^ ben Oebraud^ ber Urs funbc §u einer red^töroirffamen 2^^atfad&e roirb, fo lann fie erft na<^^r ©egenftanb eineö eigentlidfien Seroeifeö fein, unb wirb erft notb^er burc^ bie Urfunbe, im engern ©inne beö 2Borte§, ,,be= lüiefen". aber eö ift bod& von ber Urfunbe alö fold^er, alfo jum Urfunbenberoeiä im weitem ©inne beö SDJortes, @ebraud& gemad^t, locil bodji auc^ ^ier bie Urfunbe in ganj ber gleid^en 2ßeife roie bei einem projeffualen Seroeife fungiert, inbem nämlid^ aus i^r bie ab= gegebene ©rflarung entnommen loirb, roa«, roie oben bemertt, aud^ für i^re ftrafred^tlid^e Se^anblung ha^ 3Befentlid^e ift. 3roeifelloö begebt eine Urfunbenfälfc^ung, roer fi^ auf einen gefälfd^ten SefteHjettel, aU oorgebli^er 33ote, SBaren ju erfd^roinbeln fud^t; ober roer einen gefälf^ten SKed^fel begibt, ©enau fo oerl^ält es jid^ aber auc^, wenn bie Urfunbe einen beliftifd^en S^^^lt Ijat, 12*) SBte ft(^ ja benn auc^ mit i^r 9{ec^tSfo(gen — bie JJoIgen beS SSer- SttgeS — oerfnüpfen. 4* 50 $rof. Dr.Safob äBcidmann. Äonlurrcntcn Dor, um i^u ju günftigern öcbingungcn ju bc- roegen. '^®) 3n atten biefen glätten *^0 ift/ wierool^I von einer Ur= lunbe alö fold&er, einer öffentlid^en Urfunbe ober einer ^rioat- urfunbe mit red^tder^eblid^em Snl^alt ©ebraud^ gemad^t ift, eine Urfunbenfälfd^ung bennod^ nid^t begangen, weil baDon nid^t ju einem red^tderl^eblid^en 3^^^^ @ebrauc^ gemad^t ift. S)ie 3"^^^läffigleit beö Urfunbenberoeifes ju fid^ern, baö ift bad 3^^^ ^^^ @efe^ed. 3lber au bem Urfunbenberoeid atö fold^em fann eö fein ^ntereffe net)men. 2)a§ Siedet fann er nur infofern intereffieren unb nur infofern ©egenfianb feiner gürforge fein, aU er bem Siedete bient, alö er für ben SRed^töoerfe^r oon Sebeutung ift. 9iur inforoeit fann für bad SRed^t eine Urfunbe, aud& eine Urfunbe mit red^töer^eblid^em 3n^att in 33etrad6t fommen, alö fie SDHttet beö SRed^töDerfe^rö ift, alfo i^re Senufeung felbft einen red^täerl^eblid;en 3^^* »erfolgt. aJon einer Urfunbe fann aber im Sted^töoerfefir ©ebraud^ ge- mad^t, eine Urfunbe fann 5u einem red^töer^eblid^en 3roedEe benu|t werben auf jroeierlei äöeife: entroeber ber Oebraud^ ber Urfunbe bient baju, eine 9ted)tSfolge gelten b ju mad^en, einen Slnfprud^ JU realifieren ober abjuroe^ren ; ober aber er bient baju, eine SRed^td^ folge erft l^eroorjubringen. ®er ©egenfafc ift infofern fein ganj fd^arfer, als aud^ burd^ bie @eltenbmad^ung einer SRed^töfolge fetbft roieberum Sted^tsroirfungen l^ert)orgerufen werben fönnen, wie bieö namentlid^ im 5projeffe ber gall ift. 2)a6 im ^rojejs ber Urfunbenberoeiö einem red^töcrl^eblid^en 3n)edEe bient, ift ol^ne weiteres einleud^tenb. 2lber ber ^rojefe ift ja auf bem ©ebiete bed reinen ^imlxtcl^i^ ^^^) nid^t ber einjige, nid^t einmal ber reguläre 2öeg, eine 9ied&töfolge geltenb ju ma^en. 6ö ift auc^ eine ©eltenbmad^ung ber gorberung, wenn aufeer- gerid^tlid^ ber ©laubiger auf ©runb beö ©d^ulbfd^einö Stillung '^«) «gl. ^icrgu unten 31. 145. "^) «nbrc »on ©oltbammcr 0. D. ©. 568, 569 gebrauste öeifpicie — : bei iDelc^n ed aber fc^on an ber Urlunbenqualitat ber fraglichen Sd^riftftäde n 'mangelt, ftnb: falfc^e (Sinlabung ju einem geft, falfc^er ©mpfel()lung«brief, ges r^fälfc^te Unterfc^riften unter einer allgemeinen Petition. 1«) 2)a^ auf bemöebiete be« @trafre(§td ber^rojefebad einjige SRittel ber ?lec^teDerroir!It4ung ift, ift nichts bem @trafre(§t unb ©trafprojefe afö folc^em @igentümU(^ed; bie @rf(^einung imeberl()olt fic^ beifpieldroeife htim Qf^t* pro5e6. ^ ^er ^^tbefknb ber Udunbenfälf^ung. 51 erlangt/^^) unD er ma^t, tocnn bcr ©d^ulbfd^eiu gefälfd&t tfi, lon einer falfd^en Urfunbc ju rcd^töcrl^cblid^em S^^^^ ©ebraud^. Inb Tüeuu ber ©d&ulbner Rd^ aufeergcrid^tlid^ gegenüber bem 3«^' ung forbemben ©laubiger auf eine gefälfd^te Quittung beruft, fo mtt er bamit, roie im ^rojefe, bie SHealifierung ber ^forberung Der^ ^inbem. 2)er Unterfd^ieb bcr projeffualen von ber aujsergerid^t- liefen @eltenbmac^ung etned 9lnfprud^d ober einer @inrebe ift eben nur ber^ bafe bie erftere mit ^ilfe ber gerid^tlid^en 3lutorität, burd^ bie Äraft bcs geri^tlid^en Urteils i^ren ^mtd erreid^en will — ein Umerfd^ieb, ber natürli^ in anbrer ^infid^t von tiefgreifcnbfter Sebeutung ift. , 3)ic anbre SJJöglidfifeit ift bie, bafe ber ©ebraud^ ber Urfunbe baju bienen foQ, eine 9ied^t(Sn)irfung erft J^eroor^ubringen : entroeber ift er felbft eine SJed^tö^anblung ober fielet ju einer fold^en in roefentli^er — red^tlid^er — Sejie^ung. enthalt bie Urfunbe eine ©rflärung, roeld^e erft burd^ ben ©e^ braud^ ber Urfunbe ifire SRe^täroirffamfeit erlangt, ein SRed&tögefd&äft ober ein SBortbelift j. SJ., n)eld()eä erft burd^ bie Überfenbung bed SriefeS jur emftel^ung fommt, fo ift biefer ©ebraud^ jroeifeltoö ein fold^er, roie er jur Sege^ung ber Urfunbenfälfd^ung oorauögcfe^t löirb. Sltterbingö ift üon ber Urfunbe ba nid^t ju einem Urfunben- beweis im engern, projeffualen Sinne bes SBorteö ©ebraud^ ge^ mac^t; benn wenn bie ©rflärung erft bur^ ben @zbxau6) ber Ur^ tunbc §u einer red)tsroirffamen Xi)at^ad)t roirb, fo fann fie erft nad^^er ©egenftanb eines eigentlidfien Seroeifes fein, unb roirb erft naA^er burc^ bie Urfunbe, im engern ©inne bes SöorteS, ^^be^: nriefen". 2lber es ift bo6) von ber Urfunbe als fold^er, alfo jum Urfunbenberoeis im roeitern ©inne beS SBortes, ©ebraud& gemad^t, weil boc^ auc^ Ijier bie Urfunbe in ganj ber gleid^en Sßeife roie bei einem projeffualen 35eroeife fungiert, inbem nämlid^ aus i^r bie ab= gegebene ©rflärung entnommen roirb, roaS, roie oben bemertt, aud^ für i^re ftrafred^tlid^e Se^anblung bas SBefentlid^e ift. 3roeifellos begebt eine Urfunbenfälfc^ung, roer ftd^ auf einen gefdlfd^ten SefteHjettel, als oorgeblid^cr 33ote, SBaren ju erfd^roinbeln fud^t; ober roer einen gefälfdf)ten SWed^fel begibt, ©enau fo t)crl)ält es ftd^ aber aii6), roenn bie Urfunbe einen beliftifd^en S^^ölt ^at. 12^ ®ic fK^ ja bcnn ou(§ mit i^r Slcc^t^folgen — bie Jolgcn bcS SSers juged — oerenüpfen. 4* 52 $rof. Dr. 3a!ob SBcidmann. toenu }. S. einer unter falfd^em Flamen einen Derteumberifc^eu SBrief fd^reibt unb Derfenbet: wie bort bad SRed^tögefd^äft, fo fommt l^ier burc^ ben ©ebrauc^ ber Ur!unbe baö 2)elift jur (£ntftel;ung. (£d fann enblic^ ber ©ebraud^ ber Urfunbe barum Don red^t^ lid^er ^cbeutung fein, roeil fie einen Umftonb beroeift, roeld&er für eine Sied^tdfianbluna, fo insbefonbere für ein SRed^töflefd^äft, Don 6rl^eblid)feit ift, fo baß ber ®ebraud^ ber Urhnibe, loenn er aud^ für fid& allein fein Sied^tSaft ift, fo bod& ben roefentlid^en Öeftanb^ teil eineö Sted^töoorgangeö bilbet. So ift eö namentlid^ bann, xotnn baö benrfunbete Stecht ben ©egenftanb eine« 9ied6tögefd^äfte§ bilbet; j. 33. ber Gebent bebient fid^ eineö falfc^en 2)ofnments jum Slad^- weiö Der angeblid&en gorberung. Dber bie Urfunbe bilbet bie n)efentlid;e SJorauäfeftung eincä 9ledE|tdaf teö ; }. 33. eä roirb auf ®ninb einer gefälfd^ten Urfunbe eine Eintragung in t^a^ Öninb^ unb ^^potbefenbud^ begehrt. (So fann ferner fein, büß bie be^ urfunbete förflärung unter bem ©efid^töpunft beö dictum et pro- missum — ber auöbrüdlid^en ober ftiUfd^roeigenben 3"foge einer ©igenfd&aft bes SSertragöobjefteö oon S3elang roirb. ©o ift beifpieU- toeife für ben äJerfauf eineö 5).Nfanbfd)einö bie Xa^t ber fieiljanftalt Don @r()eblid)feit, n)eil nad; i^nt ber Sierfe^röroert beö Sd^eineö fid^ beniijst. ^a, eö genügt, wenn ber ©ebraud) ber Urfunbe einen wefentlic^en Öeftimmungögrunb für ben ätbfd^luß beö ©efd^äfteö ab- gegeben f)at, fo bafe, xomn bie benrfunbete Xt)ai)aä)t unioal^r ift, baö ©efd)äft auf einem 33etruge beruht, ©o oerplt eö fid^ wamtnU 1x6) anä), loenn ein Kontrabent burd^ ^Borjeigung falfd^er äl^ed^fel ober ©igentuniöbofumente ober .otjpot^efeninftruniente, roeld^e il^n alö Derniögenben 3Wann crfd)einen laffen, fid^ Ärebit r)erfdf)afft l)at 3luö bem öefagten folgt, bafe bie 2:batfad^c, roeld^e mit ^ilfc ber falfd&en Urfunbe beroiefen loerben foU, notioenbig eine redjtö* erI)ebUd)e Jl;atfad&e ift, unb ha\i ju ber Sted^töfolge, für roelcbe fie erfjeblidE) ift, ber ©ebraudj) ber Urfunbe in einer wefentlid^en 83ejiel)ung ftebt. CSntroeber bie m ©ebraucb ber Urfunbe jur ©ettung gebrad^t. Dber bie 2^l)atfad;e erhält erft burd^ t>m ©ebraud) ber Urfunbe i^re 3ied)tö- loirffamfeit. Unb eö ift gerabe bie burd; hm ©ebraud; ber Urfunbe jur ©eltung gebrad^te ober erft l;en)orgebrüd)te 9led;tön)irtung, n)eld;c allein für bie Urfunbcnfälfd;ung oon ^ieleoanj ift. Ob bie Xi)at]ad)c in anbrer ^infidEjt red)töerl)eblicb ift, baö ift an fid^ ^er X^atbejlanb ber Urfunbenfölfc^ung. 53 DoJig bebeiitiingdlod. 2Jlö(ilid& ifl nur, fcIbftüerftänbUd^, bafe bic MtSToirf iing, roeld^c für bie Urfunbcnfälf(f)ung in Sctradfit lommt, ielbft roicbcriim baburd^ bebingt roirb, ba§ bie S^^atfad^e auä) in anbrer ^innd)t rcd)töcrl)eblid^ ift. 6§ folgt Toeücr, bafe bic Urlunbc gcbraudit fein muß entroeber ygenübet einer ^erfon, gegen roelci^e, ober gegenüber einer ?^erfon, Dcrmittelft welcher bie releoante 5Red^töroirIung I)eroor- gebrad)! ober jur ©eltung gebrad^t werben foD, fie mufe gebrandet jein gegenüber einer ^ßerfon, ^^) gegen welche ber beabfidf)tigte red^ts^ cr^eblid^e ©rfolg eintreten, ober gegenüber einer ^erfon, mit beren §ilfe er l^erbeigefü^rt werben f ott ; benn wie anberö f önnte er burd^ ben ©ebraud^ ber Urlunbe, i^re Senufcung jum „Seroeiö", er- reicht werben? ©leid&gültig ift, weld&em ©ebiete bie releoante Sied^töwirlung angehört; ob e§ fid^ l^anbelt um ein SBeri^altnis beö $rioatred^tä ober beö öffentlid^en SRedfits:^^') Straf red^ts ober ^Projefered^tö, Äird^enred^tö "0 ober ©taatörec^tö ober SUölferred^töJ^^) 3n biefem Sinne Derftanben, mufe baö ©rforberniä ber JRed^ts^ cr^cblic^feit ebenfo gut für öffentlidEie, wie für prioate Urlunben aufgeftetlt werben. Unb wenn alfo biefer atuffaffung ber § 267 St.@.S. }u wiberfpred&en f^eint, ha er nur oon 5prioaturIunben verlangt, bafe fie }um Seweiö von SWed^ten ober 5Red^töoerl)ältniffen Don ©r^eblid^Ieit fein müßten, fo wirb biefelbe bod^ gerabe beftätigt burdö bie Jlebaftionögefdtiid^te biefeö ^ßaragrapl^en, wenn man jle jurüdfoerfolgt in bie (Entwürfe jum § 247 beö preufeifd^en St.@.S3., locld^er ihm jnr SSorlage gebleut l^at. "*) 2)er Entwurf oon 1843 fagte im § 462: 2Ber in betrügerif^er äbfidEit '3*) (§ 448) eine falfd^e Urfunbe anfertigt ober eine ed^te Urfunbe rerfälfd^t, begebt eine Urhinbenfälfd^ung. ***) Ober — fclbftücrftänbH(^ — einem SSert reter! *") aRannigfadJe 93elege !)ierfür weiter unUn. "3) ©. j. SB. ^tec^tfprec^ung be« Obertribunal« (Dppcnboff): S3b. 15 e. 450 (Sef(^einigun0 über «rc^Iic^e« Aufgebot), Söb. 10 ©. 555 («efc^einiöung über ben %o^ be^ gefd^iebenen ©Regatten, um eine lat^oHfc^e Trauung ju er^ iDtrfen). »») 9lec^tfpre(^ung be« Dbertribunal« (Oppcnl()off) 3Jb. 16 S. 667. ^) S^tn 5?oIgenben uergl. ©oltbammer a. O. 3. 565 ff. >») § 448: Söer jum Sladjteir ber Siebte eine« anbem, e« mag babei ein Vorteil beabfic^gt fein ober itic^t, jemanben argliftigerroeife in einen 3rrtum Derfe^t unb baburc^ in @(^en bringt, begebt einen betrug. 54 $rof. Dr. Salob äBctdmann. 3)aö SScrbrcd^cn ifl DoIIenbet, fobalb Don bcr falfd^eu ober üerfälfd^ten Urfunbe @ebraud^ gemad^t tüorben^ anä^ xotnn nod^ feine £aufcf)un9 baburd^ bewirft ift. a)er Segriff ber Urfunbe aber roax im britten Slbfaft bal^in beftimmt: Unter Urfunbe ift jebe ©d^rift ju üerftel^en, roeld^e jum Seroeife einer S^^atfac^e bienen fann. SDiefe Definition fe^lt im § 310 beö (gntrourfö von 1847. Q^ i^eigt l^ier: SBer in ber 3lbftd^t, fid& ober anbem ®eroinn ju mx- fd^affen ober anbem ©d^aben jujufügen, eine ©d^rift ober fonftige Urfunbe oerfälfd^t ober fälfc^Iid^ anfertigt unb oon berfelben jum ^rocda einer 2;äufd^ung ©ebraud^ mac^t, begebt eine Urfunbenfälfd^ung. 3ur SBoHenbung beß SSerbred^enö ifl nid^t erforberlid^, ba^ burd^ ben gemad^ten @ebraud^ bie beabfid()tigte S^äu? fd^ung bewirft ift. 2Die motm bcmerfen baju (©. 81 SRr. 2): SDie (Srflärung be« Sluöbrudfö Urfunbe (§ 462) ift aU unnötig gefirid^en unb burd^ eine oeränberte J^ffung ent- be^rlid^ gemad^t roorben. 2lber in bem jur Beratung bed ©utrourfö jufammenberufenen ©tänbifd^en 2lusfd^u§ würbe bodf) roieberum ein erläutcrnber S^)^i für notroenbig erad^tet. ®egen bie 2)efinition nun beß ßntrourfd Don 1843 rourbe oon ben rl^einifd^en ^uriften geltenb gemad^t, fie fei ju roeit, infofern fie nid^t forbcre, bafe bie S^^atfad^e in irgenb einer SBeife er^eblid^ fein muffe, fte fei ju eng, weil fie fid^ nic^t an bie ©runbfäfce beä r^einifd^en 3it)Ured&tö über ben Anfang eiued Sdöriftenbetoeifeö aufd^liefee. Sie gälfd^ung muffe aud& mirflid^ geeignet fein, einen beftimmten Siadbteil l^erbcijufü^ren, es muffe bie SJIöglid^feit, baburd^ ju fd^aben, oorlianben fein. 3)emgema& rourbe oorgefd)lagen, ben Segriff ber Urfunbe fo ju erlautem: Unter Urfunbe roirb jebe ©c^rift oerftanben, roelcfte für ben Seroeiö oon Verträgen, Verfügungen, SBerpflid^tungen ober Befreiungen oon ©r^eblid^feit fein ober in irgenb einer fonftigen Sejie^ung bie Siechte anbrer oerlefcen fann; unb in gleichem ©inne foHte einer Slufjä^lung ber ^Jormen ber gälfd^ung im erfien 3lbfaft l^injugefügt werben: Xtt ^^otbefionb ber Urhinbenfälfc^ung. 55 ,,obcr auf anbre Slrt bergcftalt ocränbert roirb, baß baxaM eine aSetlefeung ber 9ied^te anbrer ^etüorgel^en fann". Gin im toefentlid^en glcid^er SSorfd^lag roax fd[)on bei ber SSor* beratung bes ©ntrourfö in ber Äommiffion beö ©taatörateö um bes^ lüiKcn tjerroorfen roorben, weil burd^ bie E^arafterifierung beö 35olu« eö unbebentlid^, ja notroenbig geroorben fei, eine objeftit)e Se^ f4ranhing beö Segriffö ber Urfunbe nid^t eintreten ju laffen; einer folgen \)aht eö im franjöRfd^en SRed^t nur barum beburft, weil bicfeö ben 3)otuö nid^t nä^er befiimme. Unb aud^ je^t befd&lofe ber ctönbifd^e 3tuöfd6ufe, einfadf) bie Segriff öbeftimmung beö ©ntrourfd wn 1843 roieberaufjune^men. aber in bem ©ntrourf t)on 1850 f)at fid&, wie ja fonfl melfad^, fo aud^ l|ier ber r^einifd^e ©nflufe ©eltung »erfd^afft. au3 jenem SBorfd^lag ber r^einifd^en 3uriften ift ber jroeite äbfaft be§ § 223 be§ ©ntrourfes von 1850 lierüorgegangen, roeld^er wörtlich in ben § 247 beö preufeifd^en ©t.@.8. von 1851 über- nommen roorben ift: 9Ber in ber Slbfid^t, \\ä) ober anbern ©eroinn }u vex- fd^affen ober anbern ©d^aben jujufügen, eine Urfunbe oer^ falfd^t ober fätfc^li^ anfertigt unb oon berfelben jum 3n)edEe ber 2:aufd^ung @ebrau^ mad^t, begel^t eine Urfunbem fälfd^ung. Unter Urfunbe ift jebe Sd^rift ju oerftel^en, roetd^e jum Seroeife oon ^Beiträgen, aJerfügungen, 33erpflid[)tungen, Se^ freiungen ober überhaupt oon 3ted^teu ober 9led^töoerl)älts nijfen von ©r^eblid^Ieit ift. 2>iefc ertlärung bed Segriffö ber Urlunbe, roeld^e }n)ifd)en öffentlidjjer unb ^ßrioaturfunbe nid^t unterfd^eibet, liegt aud^ ber eJaffung unfreö § 267 ju ®runbe. a)urd^ bie SBorfc^läge ber r^ev^ nifci^en ^u^ften füfirt fie jurüdE auf bas franjöfifdbe SRed^t unb bie franjöfifd^e ^wriöprubenj ; Untere aber ^at felbft aud ber mittelalterli4ien italienifd^en ^uriöprubcnj gefd&öpft, unb biefe. fnüpft roieberum an baö romif d)e SHed^t an, an ©ntfc^eibungen jur lex Clornelia de falsis. 3)rei ©rforDerniffe bed crimen falsi ^atte barauö bie communis opinio doctorum abgeleitet: veri- tatis mutatio — dolus — unb enblid^ bie SKöglid^Ieit einc^3 Sd^abenä, tim falsitas apta nocere; eö fei erforberlicb, aber au6) gcnügenb, ba§ bie gälfd^ung roenigftenö l^abe fd^aben fön neu. 2iefe fie^re ift wie in ©oftrin unb ^prajiö bes gemeinen beutfdi)en 56 ^rof. Dr. Sofob 3Bci8mann. Slcd^tö, fo and) in bic franjöfifd^c Suriöprubeu} übergegangen.*^*) 3lucl^ bie leitete ftatuierl — unter fd^ärferer Seflimmung beö 3)o= lud — ,,brei ©temente" beö faux en öcritures:***^) „ralteration de la verite, *^^) l'iuteiition de nuire et le prdjudice possible rösultant de Texecution de l'öcriture falsiti^e." 6ö genügt nid^t bie 2lbfid^t ju fd^aben, eö mu§ aud) objeftio bie gälfd&ung ju fd)aben geeignet fein. 2)iefeö te^te ©rforberniö unb nidbtö onbreö I^Qt man — roie bie oben angeführte g^affung bes SBorfdfilagö unb feine Segrünbung ergibt — burd) bie einf^ränlenbe ©ritärung bed Urfunbenbegriffed jum 3ludbrudf bringen n)oUen; unb barunt nur xoax anfänglid^ biefclbe abgelehnt roorben, weit man fie neben ber ^^) öefonbcrS häufig cxütvi werben bic 3[u§fprü(§e be§ Farinacius (qnaest. 150 nr. 1 ff., iir. 14, nr. 20) : «Falsitas est yeritatis mutatio dolose et in alterius praeiudiciom facta*". — «Non pnnitur falsitus in scriptnra, quae non solum non nocuit, sed nee erat apta nocere.** ^n biefem 3tnne Don öUem beutfc^cn Sc^riftftcttem j. 33. Carpzov, Practica, pars II, quaest. 93 n. 5ff.; »gl. 9B achter, Scftrbuc^ bcS römifc^=beutf(^en Straftest«, %l II (1826) § 179 unb bic von biefen (Siticrtcn; bo(§ wichen neuere gemeins rec^tric^c ©c^rtftfteUer von ber hergebrachten Segriffdbeftimmung vielfach ab. «^) (g« ift bcfonber« ein Urteil be« ÄaftationS^ofeg — uom 17. Suli 18:35 — auf loctc^eS ^ier regelmäßig Öejug genommen wirb; »gl. Chauveau et H61ie, Theorie du code pönal, tome II, 5. 3lufl., ^ari^S 187,% nr. 641, ©.330; Garraud, Traite th6orique et pratique du droit p6nal fran^ais, torao III, (1889) nr. 108 S. 132 dl 7; baf. e. 131 9i. 8 au(§ ältere franjo-- rij4c 6c^riftftcUer. '**) 2)ie Formulierung biefe^ crften ©rforberniffe« fc^cint jebenfall« feine glücflic^e; fann man bie fälfc^lic^e Slnfertigung einer Urfunbe im eigentlichen ©inn eine Jöeränbcrung ber Söaftr^eit nennen? 3ie crflärt fic^ folgenbers mafeen. „Alteration'* ift bie Überfe^ung ber „mutatio" in ber 2)efinis tion ber italienifc^en guriftcn; biefc le^nt fic^ aber, wie ba« in ber altem fiitteratur regelmäfeig wieberfe^renbc Gitat geigt, an bie Novella 73, Authen- ticorum Collatio VI tit. 3; im griec^ifd^cn Xe^tc ber Praefatio {^d^t c^: „firjöip hsgöv lari TraguTToCrjai^g, el firj twv dXyi&uiv fj^Cfiria&g'^. 2^a^ überfe^t bie versio vulgata gan} richtig mit vcritatis imitatio, roa^ auc^ einen unoergleidilic^ beffern ©inn gibt, ald mutatio. 9lber ältere ^anbfc^riftcn lafen, wie in ben gloffierten 5lu^gaben angemerft wirb, mutatio, unb al^ man bie richtige Sedart erlannte, toav ber ©a<^ „nihil est aliud falsitas nisi veritatis mutatio"* fc^on eine trabitioncUe ©c^ulbefinition geworben; unb bo^ bei blieb cS. 3(lfo bie noc^ ^tni^uta^e in ber franjöfifc^en ^uridpru^ beng gcbräucblic^c — feinedroeg« glücflic^e — 2)efinition eine^ ber praftifc^ bebeutfamften 3>eli!te berulit — auf einer fel^ler^aften alten Sedart ber SSulgatüberfe^ung einer ^^ooelle ^uftiniand. Xai ift bie ^ac^ ber Xrabition! ^>tx 2:§atbcftant) ber Urfunbenfälfc^ung. 57 genauem Seftimmung bed S)oIud für überflüffig l^ielt, meil man ed aU felbitperftcinblici^ anfa^, bag ber Slbfid^t a\id) eine ju i^rer ä^er^ iDirflici^uitg geeignete ^anbtuiig eutfpred^en muffe. 2o üiel ftetjt fiiernad^ feft, bafe mau pd^ ba« ßrforberniö ber 6t^ebti(t)feit jum Semeife ooit Siedeten uiib 9led)töDerl^äItmffen in TDefentlidbet ä3e}iel)ung gebadet i)at }n ber 3lbfid^t^ burd^ ben (3e^ broud^ Der Urfunbe ju fd^aben: wenn ber ^xozd ber gälfd^ung ünt Slec^tsüerlefeung unb wenn }u biefem ^\md bie Urfunbe objeftix) geeignet fein foü^ fo mufe fie notroenbig eine für ben Seroeid üon Steckten ober SWed^tdüer^ältniffen er^eblid^e Urfunbe fein; barum founte aud^ ein Unterfd^ieb }roifd^en öffeutlid^en unb privaten Ur^^ funDen nid^t gemad^t roerben. a)er erfte — griebbergifd^e — ©ntrourf be§ ©t.®.ö. von 1869 ^atte nun im § 241 burd^auö bie S^ifung be§ prcufeifd&en St.@.93. - § 247 — beibehalten, ©rft im (gntrourf II oon 1869 — § 262 — finbet fid^ bie S^ffung, roeld^e burcb ben bem Sleicbötag vorgelegten (rntiourf oon 1870 l^inburd^ unoeränbert in baö geltenbe beutfd^e Strafgefeftbuc^ übergegangen ift. Gö roirb einmal bie äbfid^t in abroeic^enber SBeife beftimmt. Saju bemerfen bie SDfotioe (oon 1870): (6d) lag fein ©runb oor, bie Urfunbenfälfd^ung, roie me^rfeitig oerlangt roorben^ lebiglid^ ald einen audgeseid^- neten ^^all beö 93etruged }u be^anbeln unb iaf)tx fie nur^ wenn fie in ber Slbfid^t auf einen red^töroibrigen aSermögenös vorteil begangen roirb, mit ben fd^roeren ©trafen ber Ur^ funbenfälfd&ung ju bebrol^en. SBielme^r liegt bereits in ber JJälfd&ung einer Urfunbe überfjaupt bie iperftellung eines gefährlichen aJJittelS jur 2:äufd^ung anbrer unb in ber 31^ roenbung besfelben eine in ber 3?egel fd^roerere SBerfd^ulbung als in ber einfad&en Unroafirl^eit, roie fie in bem 2^^atbes ftanbe beö Setrugö fid^ barfteHt. 3)aju fommt, ba§ baö öffentlidbe Sntereffe bei ber Urfunbenfälfd^ung, aucb roenn Re nur eine ^Jirioaturfunbe betrifft, bei ber SBid^tigfeit ber Urfunoe unb bes urfnnblid^en Seroeifes oiet leb()after be^ teiligt ift, als bei ben einfad^en 2^äufd^ungen unb Be- trügereien. 3)er entrourf f)at bafjer bie 3lbfid^t beö 2:^äterS in bem 2^^atbeftanbe ber Urfunbenfälf^ung auf bie „red^ts^ loibrige 2lbfid^t" befd^ränft unb bie geroinnfüd&tige 2lbfid^t nur als einen befonbern Straferl^ö^ungSgrunb bel^anbelt. 58 $rof. Dr. Salob äBcidmann. 3Ba§ ober bie cinfd&ränfenbc Scfiimmunfl bcd Urfunbcnbcgriffe« angelet, fo roirb baju bcmcrft: (©. 131): e§ l^errfd^t barübcr in ber SBiffcnfd&aft wie in bcr ©cfcfcflcbung jicmlid^ ©inoerfiänbniö , ba§ fcincö^ roegö iebc Urfunbc, in ber rocitcficn Sebcutung beö SBortö^ ©Cflcnflanb einer ftrafbaren Urfunbenfälfd^ung fein fann, unb eö ifl ba^er aud& nid^t gerechtfertigt, roenn man jebe Sefd&ränfung beö SBerbre^end ber Urfunbenfälfd&ung, roeld^e auf ben 3n^alt ber Urfunbe Rdö ftüfet, als unrid^tig be» jeid^net f)at (©. 132): 3)er ©ntrourf f)at bie öffentlid&e Urlunbe ber ^rioaturfunbe gegenübergefieDt unb bei erfterer bie Se- fd^ränfung auf eine Urlunbe, roeld&c jum Seroeife üon JRed^tcn ober SRed^tsoer^ältniffen von Cr^eblic^Ieit ifl, nid^t aufgenommen. 2)iefe Sßerfd^iebenl^eit roirb burd^ ben ß^a* rafter, inöbefonbere bie Doüe Seroeiöfraft ber öffentlid&en Urfunbe unb bie ü)x baburd^ oerliel^ene böfiere Sebeutung für ben allgemeinen SSerlel^r gered^tfertigt. 3)iefe S3cmer!ungen jeigen, bafe man über bie urfprüngli^e Sebeutung beö erläutcrnben Bwfofe^ö zottig im unllaren war. 3Ran fafete ü)n alö bie Seftimmung einer ©igenfc^aft, meldte ber Urlunbe ofine SRüdEfid^t auf i^ren ©ebraud^ julomme. 3)ieS ift aber burd^- an^ unmöglid^, benn, mie fd^on auögefül^rt, ed gibt feine 2^^atfad^e, bie nid^t unter Umftanben red)tserl^eblid^ werben fönnte; unb anber- feitö, obgteidb iJ^rem^nl^alt nad^ bie falfd^e Urfunbe jum SBeroei« eines JRe^töoerl^ältniffeö er^eblid& roäre, fo liegt bod^ feine Urfunben- fälfc^ung oor, roenn fie }u einem red^tlid& gleid^gültigen ^xotdt benufet wirb. 3)er mefentlid^e 3wf<^^wic"'^öng aber jioifd^en ber abfielt unb ber näl^ern Sieftimmung ber Urfunbe ift Don ben Slebaftoren be§ ©ntmurfö oon 1870, wenn aud& t)erfannt, fo bod^ feinedroegd auf= gehoben morben: fie befielt — ber Stuffaffung ber SRebaftoren jum Xxo^ — im ©efefee felber. SRid^t me^r eine fd^äbigenbe ober ge= winnfüc^tige, fonbern eine re^tßroibrige 2tbfic^t oerlangt baö ©efeft, unb tben barum mufe eö aud^ ocrlangen „eine ^ßrioaturfunbe, meldte jum Seroeife t)on SRed^ten ober 5Red^t9t)erl^äItniffcn oon ©rl^eblid^feit ift". S)enn nur burd) eine fold^e ift eö möglid^, bie red^töroiDrigc Slbfid^t ju oerroirflid&en. S)a§ ©rforbemid ber red^tdmibrigen 3lbfid^t gilt aber ebenfo ^er ^^tbeftanb bcr Urhinbenf&Ifc^ung. 59 gut fär öffentUd^e iDie für ^rtDaturlunben, unb baraiid folgt i^^^ eine 3le(]^töbe}ic^un9 in bemfelbcn ©inne wie bei ^prioaturlunbcn auä) bei ben öffentlid^en nid^t fel^Ien barf. Doö Grforberniö ber Seroeiöer^cblid^fcit braud^te allerbingö — roie bereits J^eroor* gehoben — für Ic^tere nid&t auöbrüdlid) aufgeftellt ju roerben. 6ö ^ ^ier felbflüerfiänblid&. 35enn jiDeifeUoS ift ber Segriff ber öffent= lii)tn Urlunbe — fo wie berjenige ber Seroeider^eblid^feit — in objeltiDem ©inne gu nel^men. 3)ie Urlunbe muß toirfticb bie roefents lid^en SRerfmale einer öffeutUd^en an fid^ tragen^ uid^t blojs nad^ ber 3Keinung beö S^l^aterö. ®ine öffeutlid^ie Urlunbe ift aber atd fold^e notmenbig eine bemeiderl^eblid^e; unb wenn eine Urfunbe nid^t bcroeider^eblid^ ift, fo ifl pe fid)erlid) leine öffentlid^e. Übrigen« lann eine Urfunbe, wetd^e ben an eine öffentlid^e Urfunbe ju ftettenben 2lnforbeningen nid^t gentigt, felbftoerftänbtid) bod^ als ^rioaturfunbe Don öeroeiöer^eblidjifeit fein. Xa bie l^ier Dertretenen 2lnfd&Quungen im 9Biberfprud^ ju hcn jeit^er auöfd&liefelid^ l^errfd^enben fte^en, fo foUen fie nod^ burd^ bie nad^folgenbe Äofuiftif erläutert unb erprobt werben, ©ie erhalten baburd> vor attem eine -geroid^tige Scfiätigung, bafe oielfad^, wo bie 6utfc^eibung§grtinbe i^nen toiberftreitcn, gerabe bod^ bie QnU fdieibung felbft mit i^nen im @inflang fielet. ®ö ift ein fcl^r häufiger %aü, bai fd&riftlid^e SefteHungen ge= fälfc^t unb oon ongeblid^ien 33oten ju 2Barenerf($n)inbelungen be$ nußt werben. 3)aö ift Urtunbenfälfd^ung unb bleibt ed natürlich aud^ bann, roenn bie SefteHung abgelehnt roirb. 'Slai) Der ab- le^nung ift ber SefteÜbrief aber feine Urfunbe me^r, meiere jum Seroei« eineö SRed^töoer^ältniffed geeignet roäre. "^) 6r roar eö nur in bem ©inne, ba§ er ju einem 33ertrag§fd^tu§ führen fonnte. J!ur in feiner SBenufeung jur SBertragdofferte fommt er alfo für bie Urfunbenfalfd^nng in 95etrad^t. ©3 ^at ein Kaufmann unter bem 9iamen britter — nid[|t **^) 8cnierfcn«rocrt ift bie ®ntf(5. be^ Dbcrtribunar^, bei Dppen^off, 9ie(^prec$ung, 9b. 2 6. 206: ba loirb von einem ^efteUbrief gefagt er fei eine Urfunbe, n>enn aud) ein unoodftänbiged Seroeidmittel, ba er nur burd^ »eitere Umftänbe Don Sebeutung werbe. — Um eine Offerte ^onbelt e« fidj aud^ bei ber brieflichen Sitte um ein ^arleljen, ober um eine (^elbunterftü^ung von fetten ber Altern, meldte im (SrbteilungSfaU ju lonferieren ift: JiedfU ipredfun^ be« DbertribunaU (Oppen^off) Sb. 8 3.281, (Sntfc^. beö ^iexdfis geritzt« ob. S 91t. 51. <)0 ^tol Dr. 3 af ob SßeiSmann. ejifticrcubcr — ^Pcrfoncn au ücrfd^iebcnc ginnen, in bercn 3)icnfi fein frül^erer 9ieifenber getreten roar, Sriefe gefdbrieben unb burd^ bie ^^oft gefanbt, in meldten er — unwahr errocife — mitteilte, bafe jener einen unfittlid^en Sebenöroanbel fül)re, eine Unterfd^lagung begangen l^abe, baö SJcrtranen feiner 5ßrinjipale mifebraudie; bie 3lbfid)t beö Stngcflagten ging bal)in, baö jroifd^en beni SWeifenben unb feinen ^rinsipalen befte^enbe 3?er^ältnis ju beeinträd^tigen unb baburd^ il;m ©d^aben jujufügen. 3)aö JReid^ögerid^t f)at in biefem gall**^) — entgegen ber erften ^nftanj — Urfunbenfälfc^ung nid^t angenommen, ^n ^ejug auf bie betunbeten X^at^aä)tn feien bie Briefe nur fd)riftlid[) unbefd^roorne ^rivatjeugniffe unb barum nid^t beiüeiöerljeblidS) ; fie feien aDerbingö, aud^ im ©innc beö § 267 ©t.S.33., bemeiöerl^eblid&e Urlunben in SlüdEfid^t auf i^ren be^ leibigenben 3nf)alt unb feine l)ierauö l^eroorgelienbe ftrafredjjtlid^e ©rl^eblid)fcit; aber in biefer 9Iidbtnng ^abe eine 3lbfidf)t beö Singe- Wagten, oon ben Ur!unben täufc^enben ®ebraud& ju mad^en, nic^t t)orgelegen. „3lllerbingö l^at als feftgeftellt ju gelten, baß ©., roeldier burd) ben Urfunbenin^alt beteibigt würbe, burc^ bie Sd^rift^ ftiicfe, mären fie ec^t geroefen, einen 33eroeiöbel)elf für ben DoBen 2^l;atbeftanb ber burd) bie Unterjeid^ner begangenen 33eleibigungen unb für fein Strafantragöredtjt gegen biefe Unterjeid^ner erlangt gehabt l^aben mürbe. 3)ie 3lbfid)t beö 2tngcflagten bei bem in ber älbfenbung ber 5|ioftfarten ufro. liegenben ©ebraud^e berfelben l^at aber l)ier}u in feiner Sejie^ung geftanbcn. !Durd) biefe 3lbfenbnng an bie aibreffaten ift bie Seleibigung beö ©. felbft begangen; fomeit aber 2tngcflagter fid^ bemüht gemefen, bafe bie ©döriftftüde eine 33e= leibigung beö ©. entl^alten, unb fofern er ben ©. mit benfelben l^at beleibigen moUen, \)at aud& bie oon if)m bei beren Slbfenbung verfolgte 3lbfid^t fid^ mit ber 3lbfid)t, l)ierburd^ bie Seleibigung 5u oerüben, erfdjöpft. 3)aB bagegen oon i^m mit biefer Slbfenbung an ©. eine Senufeung ber Urfunben atö 3)eroeiömittel in ber JRidjjtung auf ein etroaigeö oon ®. gegen ben Urheber ber SJelcibigung anjuftrengenbes ©trafx)erfal)ren beabfid^tigt morben fei, bafür liegt nid^ts Dor." äßurbe aber burc^ bie Überfenbung ber 33riefe eine Öeleibigung begangen, fo ift eben bamit oon i^nen ©ebraud^ gemad^t; gauj ebenfo roie von bem öeftellbrief ©ebraud^ gemad^t ift, wenn er an ben 2löreffaten abgegeben rourbe. SBie burdt) bie Abgabe beö öe^ "0) ©ntfc^. bce 9ici(^«gcri(§t« ob. 8 9lr. 56. SDer 2:^at5eftanb ber Urfunbenfälfc^ung. 61 jteDbricfcö bic SScrtragäoffcrtc, fo ifl burd) biejcnigc bcä t)erleumbc= rifcjicn Sricfeö baö S)clift bewirft. ©tcDt jene fic^i qIö eine Se* nu^ung ber Uthmbc bar, fo tnufe e§ notroenbig aud^ biefe fein benn ob bic Sßirfung eine jioilred^tlid^e ift ober ftrafred^ttid)e, ift offenbar gleichgültig."') 3n einem Strafproje^ bernft fid^ ber 3tngeflagte ju feiner Sßer- teibignng auf eine gefälfd)te Urfunbe, er legt j. S. eine Äaufnrfunbe üor über bie Sad^e, beren 2)iebfta^l ü)m jur ßaft gelegt wirb. **^) £er Äauf ift Ijier ftrafred^ttid^ relevant, infofern, alß er einen ;?iebftal)l beö Ääuferö an ber Sad^e unb bamit bie ©trafflage gegen i^n ansfd^liefet. 5Wur in biefer ^infii^t fommt er in Setrad^t; bafe er nod^ anbre Sied^töfolgen ^at, wie etwa \)it 3Serpf[id[)tung jur 3a^lung bcö Äanfpreifeö, ift t)öUig unwefentlid^. ®anj bie gleiche Sebentung fann and^ eine Urfunbe geroinnen, roeld^e einen fonft na$ feiner 9lidt|tung f)in red^töerf|eblid)en 3nf)alt l^at; ev foll 5. 33. eine gefälfc^te (Sinlabung ju einem öefuc^e gegen ben 33orrourf bed ^Oauöfricbenöbrnd^ö fd{)ü6en; ober ber Scroeiö ber 2Bal^rl;eit einer Übeln ^Jlad)rebe fotl burc^ ein gefälfd^teö ©d^riftftüd erbrad^t löeröen. '*-'0 „S^ed% ©rlangung eines 2)artel)nö roirb eine 2^äufd)nng burd^ eine Urfunbe barüber f)erbeigefü^rt, ba^ bein Sarlefjnöfu^cr ein Sc^ulbbefenntniö abgegeben roorben fei." '**) 35ie ^orberung, roorauf fid^ bie Urfunbe bejie^t, erfd^eint ^ier nur infofern er[;eb^ lidb, als fi^ ber 2:^äter auf fie, alö auf einen Seftanbteil f eineö Vermögens unb alfo eoentuelleö (Sjefutionöobjeft, gage coinmun des creanciers, berufen l^at, um ben anbern 2^eil jum 3lbfd^lu§ Des 2)arlel^nöpertrag§ ju beftimmen, ber alfo auf einem 23etruge ^*^) on einem roefentUc^ ganj g(eic^ liegenben JaUe ^at fic^ benn auc^ neuerbing^ ba§ Sieic^dgeric^t für UrfunbenfcUfc^ung entfc^teben, f. C^ntfd^. Db. 19 *Rr. 33; wenn §ier OJcroic^t borauf gelegt roirb, baft „burcö ben ©rief bct (glaube etroecft werben foflte, ba6 bie öanblung^roeifc oon juriftifd^ ge» bilbcter ^zite alS ^ö(t>ft oerroerfUc^ unb gefe^Uc^ ftraffäUig betrachtet werbe", fo oermag iä) in ber X^ot nic^t ein^ufe^en, roa^ hierauf für bie Jrage ber Ur^ funbenfälfc^ung anfommen foü; benn roefentlic^ ift bo(§ immer nur bie Xäu* f<§ung über ben 2(uöftcUer, nic^t über feine @igenfc^aften. "-') entfc^. be^ Sieic^^geric^tö ob. 9 92r. 117. i«) «gl. anberfeit« auc^ (Sntfc^. be^ Bieic^^geri^t^ 93b. 7 9tr. 13: QJe* fälf(^c« Öeftän^niä um bie ©r^ebung einer ©trafflage (bie SSerfoIgung einer anbem iJcrfon) ^erbeijufü^ren. "*) entf4 beS ?erl)ältniö beö 3tbref|aten jur ^^^oft fommt junädj^ft dier gar n\ä)t in Setrac^t, fonbem nur baä SJer^ältniö bed Soten jum 3luftraggcber. g^ür biefeö aber ift ber ^ortoüermerf aHerbing* t)on (Srl)eblid^feit. 35enn ba bie ^oft nur gegen Grlegung be« ge« forberten ^^Jortod bie ©enbung auö^änbioit, fo beroieö bur^ Den ^ortoücrmerf ber SDiener feine Jluölage ; er grünbete barauf feinen änfprud^ auf (Srftattung berfelben. '**) iw) Xu Gitterte ©ntfc^eibung finbet bie 9le(§t^erf)ebli(ftfeit ber 92ainen^ unterfc^rift barin, unb nur barin, bag mit ifjr „bie ^orjeigung ber quittierten SJec^nung unter Jötberung ber S^^w^Ö/ ^U» eine für ben 3«nfcn(auf öemäfe 2(rt. 288 ^^.^, in ^Betrac^t fonimenbe Warnung bem i^unben gegenüber bargctfjan rourbe". 9J3ie aber, wenn — roa« bo(5 fefir n>oM möglich ift — eine SWabnung gar nic^t bcabfic^tigt, ber^rei« oielme^r eoentueS auc^ frebitiert war? Unb roic, mnn — roa« feftr wafirfc^einlicj ift — ber ^oit fic^ biefer Sebeutung ber Vorlage gar nicftt beroufit roar? ^^) Gntfc^. be« 9lcid^«geri(^t« ^b. 12 dir. 98; übrigen« ift bcrSermerf auc^ ber '^Joft gegenüber nic^t ohne rec^tlic^c 33ebcutung; benn ba fie feine 50cr S^tbeflanb ber Urfunbenfälfc^ung. 65 6in geucriDcrtsfabrifant \)at mcl^rcrc g^ucrrocrfötörpcr tnU ^aüenbe ^^atctc bei bcr ^fJoft aufgegeben, roeld^e biefelben and) be^ jörberte, ^at aber, bamtt nid^t aM ber 92ennung feined eignen Ramend SJerbad^t auf ben — t)on ber ^oftbeförberung auö- gei^lolfcnen — 3n^alt gefd^öpft roerbe, auf bem 3lbfd^nitt ber ^^oftpoletbcgleitabreffc unter ben i>orbru(f ,,9iame unb SBo^nort bc« abfenbcrö" frembe Slamen gefefet. 3)aä ÜReid^ögerid^t ift ber 3ln= ftc^t, bafe bie Sejcid^nung beö 2lbfenberä — roel^e bie ?poft nid)t für fic^ verlange — biefer gegenüber feine Urfunbe, fonbem nur anjeigcnbe Zl)at]ad)t unb als folc^e 3lugenfd)cinöobjeft fei. "*) 3)ie Scgtünbung biefer (gntfd^eibung ift eine aufeerorbentlid^ eingef)enbe unb QUöfü^rlid^e; i^ tann mid^ jebod^ Don i^rcr SRid^tigfeit nid^t überjeiigen. 'Bmn bie ^oft bie Stngabe beö 3lbfenberö nid^t für fid^ vtx- langt, roznn bie Slngabe beö äbfenberö ber 5Püft gegenüber fid^ niit qIö eine oerpflid^tenbe Crftärung barftellt, wenn [xt für baö jnnld^eu ber ^oft unb bem 3lbfenber beftel)enbe 3}er()ältniö an unb für ni) bebeutungöloä ift, fo fd^eint mir barauö nid&t ju folgen. Daß, TDenn fic gemad&t unb jum Seroeife eineö SRed^töuer^ältniffe« - I)ier alfo ber ^oftlontraoention — benufet roirb, 'fie teine Ur- funöe roare. 2Benn fic rid^tig ift unb roenn barauf jum Seroeiö beö äbfcnberö Sejug genommen mirb, roaö ift ber Seioeiögrunb? Jodb !ein anbrcr, roie mir fdfieint, aU ber: bafe ber Setreffenbe fdbft — roenn audj nid^t gegenüber ber $oft, baö ift ja für ben Segriff ber Urtunbc glei^gültig — aber baß er jebenfall« unb jroar fdbriftlid^ erflärt \)at, baß er ber 2lbfenber fei. Sollte ba§ roirfli^ fein Urfunbcnbcroeiö fein? 2öenn ber 3lbfenber feine ^nbfc^rift leugnete unb cö roürbe burd^ ©d^riftenüergleid^ung be^ uriefcn, bafe er in ber 2^l^at felbfi, eigenl)änbig ben i^ermerf ge- fd^ricben, roärc baö nic^t Seroeiö ber 6^tl)eit einer Urfunbe? 3)a6 berfelbc Seroci« audb burd^ 3nbigien gefül)rt merben fönnte, roie huxd) bie äußere Sefdbaffenf)eit beö ^JJafeteä u. bergl. — baö ergibt bod^ m. 6. nidbtö für bie 9iatur beö n)irflid() geführten SJeroeifeö. Cöcr gibt ed feine anbem als t)erpflid^tcnbe Seroeiöurtunben? Ober bcroeift eine ©rflärung nur für ben, an roeld^en fie gerid^tet Quittung über bie ^ortosa^lung audfteUt, unb anberfeitd nur gegen bie ^orto^ ^^lung bie Senbung aud^änbigt, fo n)ürbe ber ^ottooetmerf auc^ alö 93afid für bie ^tücfforbening 3U oie( beja^lten ^ortod bienen !Önnen. 1^*) entt(i. be« Slei(i«geri(Jitö »b. 17 3tx, 37. 3eitf<^Tift f. b. (jef. etrofrti^t«». XL 5 66 ^rof. Dr. Safob aöeigmann. Toar? 3J"wißt^i" wiög bic gegenüber bcm 3lbreffaten gcmad^tc ®t^ flärung ber ^ßoft gegenüber eine blofe inbijierenbe 2:^atfad^e fein — id^ mufe es nad) frühem 3luöfü^rungen beftrciten — aber ba« fetbft jugegeben, bennod^ würbe bie fd^riftlid^ fixierte ©rflarung, bie erflärung: „id^ N. N. bin ber Slbfenbcr" eine Urhmbe unb nichts anbreö fein. ®ibt eö nid^t Urtunben, roeld^e blofe inbi? jierenbe ßrflärnngen entfialten? Unb wenn bicfe Grtlarungen }nm Seioeiö oon 9leci^töüerl)ältniffen er^eblid^ find, finb eö nid^t eben barum aud^ bie Urtunben? 3)ie ©ntfd^eibung felbfi l^alte id^ aUerbingö für rid^tig, aber an« einem anbern ©runbe. @ine Urfunbenfölfd^nng ift ber ^^o[l gegenüber barum nid^t begangen, loeil i^r gegenüber üon ber Urs !unbe nid^t in reteDanter 3Beife ©ebraud^ gemad^t ift. 6ä war bttju teine SJeranlaffung, weil bie ^ßofi jur Übernal^me ber Se? förberung, roeil fie für \\6) bic 2lngabe beö 3lbfenberd nid^t Der^ langt. 6ä ift ber ^oft gegenüber burd^ bie falfd^e 9famen«angabe Icinerlei SRed^töroirtung bejwedft; aud^ fott im 23er^ältniö ju i^r ein älnfprud^ n)eber geltenb gemad^t nod^ abgewehrt merben. @d benußt ber 3lbfenber nid^t bie falfd^e SWamenöangabe, um ber ^ofl gegenüber irgenb roeld^en red^töer^eblid^en 3"^^* S" erreid^en, au^ bem einfa^en @runbe, weil fie gar nic^t banad^ fragt. @d mügte fonfi Urfunbenfälfcf)ung au^ in bem glatte vorliegen, bafe ein 3lb^ fenber aus irgenb roeld^er SRüdffic^t — etroa, um bie ©efd^aftö« Derbinbung Dor Äonturrenten ju Der^eimlid^en — mit bem 2lbreffatcn einen falfd^en Flamen Derabrebet ^ätte; benn aud^ bann würbe bod^ bie 5poft über bie ^^erfon beö 3lbfenberö, wenn fie jufällig fid^ barum befümmern follte, getäufd^t werben. 3m n)efentlid)en ganj gleid^ aber bem eben betrad^teten galle, in roeld^em ba« 5ieid^ögeri(^t bie Urtunbenfälfd^ung verneint, liegt ber folgenbe e^att/*®) in roeldbem eö biefelbe bejaht. 2)er 2lnge!lagte ^atte an einen fieljrer 31. Äofjlen t)erlauft, bie er felbft t)on einem Äol^lenl^änbler S(^. getauft ^attt; SR. ^atte au ben 3lngetlagten ben Äaufprei« gleid^ bei ber ßieferung ber Äol^Ien JU bejahten; ber 3lngetlagte aber l^atte bem @d^. üerfprod^en, baö @elb fofort an ben bie Äo^Ien anfa^renben Äned^t beöfelben ^erauöjugeben. 2)er 3lngettagte war bem 31. fomoi^l wie bem ©c^. unb feinen fieuten t)on ^^Jerfon nur wenig, bem 9lamen nad^ gar ^ ®ntf(§. bc8 Sleid^Söeric^t« ob. 3 9lr. 131. ^cr 2^^tbefianb ber Urhinbenfölfd^ung. 67 bcfannt. 2)cr ängctlagtc gab nun bcm ©mpfanger bcr Jlo^lcn eine mit falfcj^em 9lamcn untcrjcic^netc Quittung unb raupte fid^ mit bem @clb jii entfernen, ol^ne bofe ber g^u^rmann e« merfte. So ^anbelte ber Slngeflagte, um ben 31. unb ben Bä). über feinen Samen ju täufd^en unb lefetem ju t)er^inbern, feinen 2lnfprud5 auf ben Äaufprei« gegen i^n gettenb ju mad^en. „2)ie J^äufd^ung" - fo Reifet cd roörtlid^ in ben ©ntfd^eibungögrtinben — „foUte iiid^t baö SJHttel fein, rooburd^ er bQ§ ©elb oon 3?. erlangte, fonbern öa§ SJittel, ftd^ im SeRfee bedfelben gegen ©d^. ju erhalten." Saö SSer^ältnid beö 9lngeflagten ju bem ^o()(en^änbler er^ l^eint, t)om ©tanbpunft ber Urfunbenfdlfd^ung au«, offenbar als ba$ gleid^e, mk im Dorigen §alle bad SSer^ältnid bed 9lbfenberd jur ^ofi. 25ie Quittung lourbe lebiglid^ bem 31. aU bem ©d^ulbner audgejieDt unb betraf lebiglid^ bad SSer^ältnid bed 9Ingef[agten ju biefem; ber jlol^len^änbler !)atte auf SIudfteQung ber Quittung feinen anfpruc^, er l^atte nidt^t einmal einen 3lnfprud^ auf SSor^ iDfifung berfelben gegen ben 9?.; i^n ging fie red^tlid^ nid^t« an. 3)ie Quittung roar er^eblid^ für bie S^'&lw^ö; ^^^ Sd^ulbner brandete nur gegen Quittung ju jaulen; fie war bas 3Rittel, bie S^^^mg }u erlangen — aber „bie S^äufd^ung foHte nidbt baö Mittel fein, looburd^ ber 2lngetlagte baö ®elb Don 3?. erlangte" — wie kad Urteil f eiber feftfteHt. ©ine red^tlid^e Sebeutung l^atte bie Quittung bem dritten gegenüber nid^t, i^m gegenüber ift alfo von üfx ni^t — in bem oben bargelegten Sinne — ©ebraud^ gemad^t. Sie tonnte nur tl^atfdd^lid^ für i^n oon Sebeutung werben, im fofem fxe i^m ermöglichte, bie ^fJerfon feine« Sd^ulbnerö ju ermit* teln. aSenn jemanb mit einem falfd^en 9iamen unterzeichnet unb md)t mit feinem eignen, bamit nicbt, n3enn er bie« tl^äte, alfo eine ec^te Urtunbe ^erfiellte, biefc gegen i^n von einem 3)ritten benuftt ©erbe, fo benuftt ni^t barum er gegen ben 2)ritten bie falfd^e ttrfunbe. SRan fefee nur ben ^all, bafe ber ©d^ulbner im (Sin- oerftänbni« mit bem QuittungöauöfteHer geroefen wäre, bafe biefer in bie falfd^e aiamenöjei^nung gewilligt, ober bafe er, auf ben SBunfd^ be« »ngetlagten, bem 3)ritten — wie er burfte — bie Änfid^t ber Quittung oerweigert unb lefeterer fie nur burd^ üift ober @eroalt erlangt l^ötte, rodre aud^ bann eine Urfunbenfälfc^ung begangen? Sin bem Ser^ältni« §um ©ritten rodre bamit öoc^ nid)t^ gednbert. Db bem ©d^ulbner — bem 91. — gegenüber eine Urfunben^: 68 $rof. Dr. Safob äßeidmann. fälfc^ung begangen fei, ifl eine g^age für fid^, bie oben erörtert unb uerneint roorben ift. SebenfttHö: ift bie ^afetabreffe ber ^fjoft gegenüber 3nbij unb nid^t Urhinbe, fo fann anä) bem 3)ritten gegenüber bie Quittung nid^t Urlunbe, fonbern lann nur ^nhxi fein. 3)aö forbert bie logifd^e Äonfequenj. Unb e« ift alfo jebenfalld ein 2Biberfprud^ ju ber Dörfer referierten ©ntfc^eibung, wenn ^ier baö SReid^ögerid^t )n bem @d^(uffe tommt: „2)er aingeflogte ^at Don ber angefertigten falfd^en Ur- lunbe a[d Don einer Urfunbe @ebraud^ gemad^t unb jroar, n3ie fefigefteHt ift, jur 2^aufd^ung beö ©d^.; benn ©db. follte, romn auc^ nur mittelbar, fo bafe ber erfte ©e^ täuf(^te 91. mar, junäd^ft über ben 9iamen, bann burd^ ben Slamen über bie ^erfon beö S^^'^^Ö^^w^Pfö^S^^^ ^^ Srrtum t)erfefet unb burd^ biefen ^rrtum ge^inbert werben, im 2lngetlagten ben 3ö^lungöempfänger ju entbedten" ufro. SBenn für bie beabfid^tigte 9led&töroirfung ber Urheber ber ©r^ flärung gleid^gültig ift, fo fe^It eä an ber redbtöroibrigen äbfid^t, menn auc^ in anbrer 93e}ie^ung bie Ur!unbe }um Setoeid oon SWed^töoer^ältniffen erl^eblid^ fein follte. 6« wirb j. 33. rool)! nie^ manb bejmeifeln, baft berjenige feine Urfunbenfdlfd^ung begel)t, meld^er einem 93ebürftigen burd^ ^ofteinjalilung ein ©elbgefd^ent mad^t unb, um imbefannt ju bleiben, einen fingierten 9tamen unterseid^net. Unb bodft ift bie ©(^enfung eine red^täer()ebUd^e Xf)aU fadtie unb fann aud^ bie ^crfon beä ©d^enferö — j. 8. für bad SBiberruföred^t — oon 33ebeutung werben. 2lud^ t|ier jeigt e« fid& beutUd^, bag baö ßrforbernid ber 9ted^töert)eb(i($teit nid^t (odgelöfl Don bem @ebraud^d}n)ed gebadbt merben fann. S)afe eä auf bie ^erfon, gegenüber meld^er oon ber Urfunbe ©ebraudö gemadöt toirb, auf bie ^crfon, roeld^e getdufd^t werben foQ, nic^t anfomme, ift bie allgemeine, oft aud^ in Sntfd^eibungd^ grünben audgefprod^ene ü){einung. S)ag fie feinediuegd gleid^gültig fei unb aud^ nid^t gleid^gültig fein fönne, mürbe oben bereits ge^ folgert. greilid^ ift es nid^t notmenbig, bafe bie ju täufd^enbe 5}Jerfon in bem 9ied^töDer^ältniä fte^e, für roeld^ed bie Urfunbe er^eblid^ ift. @ö ift feine grage, baß DoUenbete Urfunbenfälfd^ung vorliegt, roenn im ^jJrojefe bie falfd^e Urfunbe benu^t roirb, um ben 9ii(^ter }u täufd^en. ^tnn mit feiner ^ilfe, burd^ feinen ©prud^ foQ ber ^ Xtv Zf^aibt^axtib ber Urfunbenfälfc^ung. 69 Srfolg eneid^t loerben^ auf meldten bie ^älfc^ung abjielt. Db bie SemeiMaft bem Xf^attx oblog^ ift irrelemnt. SUucf) berjenige begel^t eine Urfunbenfälfc^ung^ tpeld^er mit einer gefälfcf)ten Urtuitbe bad Segenteil einer iBe^auptuitg barjut^uu unternimmt^ meldte junäd^ft ber Segner ju beroeifen ^atte. ^iernad^ ift anä) nid^t jroeifell^aft ber JjaU, bafe eine ^ßartei, burd|) ben ©bitionöantrag beä ©egnerä genötigt/^') eine Urfunbe üorsulegen, biefelbe ju i^ren ©unften öerfdlfd^t l^at. fiier mirb von ber Urfunbe burd^ i^re äJortegung Sebrauc^ gemad^t; benn baburc() xoxxh fie in ben ^rojeg eingefül^rt unD gemetnfd^aftlid)ed S3eiDeiömittel. Unter beni gleid^en ©efid^tdpuntte erfd^eint es ald releoanter Sebrouc^ ber Urfunbe, n3enn fie baju benujt mirb, ben ©runb^ bu(i)6eamteu }u täufc^en unb fo einen Eintrag in bod @runbbud^ JU crroirfen. ü^agegen genügt ed nxä)i }ur äSoQenbung bed ^etiftö, n)enn bie Urfunbe jum 3"^^*^ ^^^ fönregiftrementö bem juftanbigen Seamten üorgelegt roirb. *^^) Saburd^ wirb nur ber fünftige ©ebraud^ ber Urfunbe Dor« bereitet, nicj^t aber fdSjon von ber Urfunbe alä fold^er roirflid^ @e? brauch gemacht. Sie gegenteilige @ntfd^eibung begrünbet bad 9{eid^dgeridE)t bamit, ha^ baö ©nregiftrement üorauäfeße, ,,bafe bie Urfunbe in Ba^r^eit bcfte^e.'' aber bie SRegiftrierung bat Dod& nur t>zn S^^^f ber Urfunbe ein geroifjeS 35atum ju fid^ern (Code civil a. 1328); — Dafe auch baö ©efefe fie bei ©träfe gebietet, ift \)kx gleid^gültig. 63 befunbet burcb bie Slegiftrierung ber Seamte nur, bafe it)m ju beftimmter S^xt bie Urfunbe oorgelegen böbe. (Sd fommt alfo frei^ lic^ aucb auf ben Sn^alt ber Urfunbe an, aber nic^t, weil bamit etroos beioiefen werben foll. Sie Urfunbe erfd^eint nid^t aU Se^ roeismittel, fonbern alö Dbjeft beö SBorgangeä, ald ©egenftanb ber ätegiftrierung ; fie ift mithin nid^t aU Urfunbe gebraudE)t. @d mag fein, baft ber Seamte fie nur in ber SBorauöfe^ung i^rer ®d)t^eit regiftriert; aber bann fommt bod^ bie @d[)tt)eit nur aU eine (Sigeii- ^"') e«tf(^. bc3 3leic§döeri*t§ 93b. 3 «Rr. 65. ^) entfc^. bc8 Sleit^ggeric^td «b. 2 i«r. i:^. 3clbfh)crftänbli(5 ift c3 a(fo audi fein Ü^cbrauc^mac^en, roenn bie Urfunbe nur jum S^edt ber Stem- pelung Dorgelegt roirb; fo auc^ bie @ntfc§. bed ObertribunaU bei Cppenöoff, 9icc^tfpre(§ung 93b. 9 3.74. SJgt. bagegcn bie (Sntfd^eibung beö 9iei($^geri^tö in (Soltbammerd Strc^io üBb. 37 3.209. 70 ^rof. Dr. 3aIob ® ciSmann. fd^oft in 93etrad^t^ von \vzl6)tx bie Stegiftrierung abl)angt^ nid^t aber ttlö ©Icmcnt bcä Urf imbenbcnjcif cö ; bic g^ragc ifl nur, ob fic cä)t i% nx^t, ob unb roaö fic beiocift, mal^rcnö cä ja beim Urhinbem beroeiö auf bie @d^tl)eit ber Urfunbe nur antommt, infofern fie etroaö beroeift. Unter bemfelben ©efici^tdpunft ifl aud^ meines @rad^tend bie 6rn)ägun() unjutreffenb, auf @runb beren bad 9teid^Sgerid^t einen ©ebraud^ falfd^er äBed^fel fd^on barin gefunben ^at, bafe fic einem SWed^töanmaÜ jur ©intlagung übergeben maren. "®) Sud^ l;ier ift ju erroibern: ®d foll burd^ bie 2Bed()feI nid^t bem Sled^tdanroalt be= miefen merben ; er f oH oiclme^r burd^ fie — für feinen 3Ranbantcn — beioeifen, unb eö ift fclbftocrftänblid^ ein — bem a)fanbanten ju- jured^ncnber — ®ebraud6 ber SBed^fel, roenn fie oon bem JRed^t^ anmalt bem angcblid^en Slcccptantcn mit ber 3lufforberung ju jaulen Dorgcicgt roerben; aber für bic Übernaf)me beö SKanbatö !ommt eö nur barauf an, t>ai bie Urlunben cd^t finb, nid^t barauf, roaö fie t)crmögc il)rer (Sd^t^cit beroeifen. Gö ift alfo oon ben Urlunben nic^t alö folc^cn, nid^t jum ^m^dt bed Urtunbenberoeifcö (Sebraud) gemacht 6ö ift f)kv wie in bem oorigen ^aH bie Urfunbenfälfdjung nod^ nidf)t jur aSoIIenbung gefommen. ©clbfioerftänblidl) ift eö, bafe im gaUc ber a?erfälfdbung bic 9lecf)t«er^eblid|)fcit in bem bcjcidönctcn ©inne gerabe für t>cn oer^ fälfd^ten^n^alt ber Urfunbe ju ocriangen ift. So^»^') fann moljl beifpieteroeifc baö 2)atum, an mcld^cm ein nodb unauögcfüUteö ajott- mac^täformular unterjeid)net rourbe, rcd()töcrt|cblid^ fein; cö ift aber nid^t roefcntlidb für bic Stempclpflid^t, ba biefe fid& erft an bie ^erfeftion ber Urfunbe fnüpft; e« liegt bal)er Urfunbcnfälfc^ung mdf)t t)or, roenn ein anroaltöfdbreiber baö Satum ber Unterjcidbnung in baö ber 3ludfüIIung beö gormulard umgeänbcrt ^at, um einer oermeintlid^ ocrmirften Stempelftrafc ju cntgcljcn. S)ie Urfunbe mufe 5U einem red)töer(jeblid^en ^roedte benuftt unb i^n ]m errcidjcn geciiinct, bic beurfunbete Xi)atia6)t in bicfcm ©inne rc^töerl)eblid) fein; bie X^atfadjc mu§ aber nur an )x^ red^töerl)cblid), bic Urfunbe nur an fid^ ju i^rem 3roedtc tauglid^ fein; ift eö gleid)gültig, ob fic iljn mirftid^ erreid&t, ober ob äuBcre ^inberniffe fic^ iljr entgcgcnftcllen, fo fann auc^ iuöbefonberc barauf »») Gntf«. bcd 9iei(§«fieri*t« 93b. 5 Slv. 155. »««) Gntfc^. be« «cic^dgcric^t« ob. 17 9lr. 51. Xer ^^atbeftonb ber Urfunbenfölfd^ung. 71 iridis anlommen^ ob bicfc äußern ^inbcrniffc glcic^falld rcd^töer^cbs lii^e Z^atfad^cn ftnb, ob, tücim aud^ bic Urtunbc cd^t, unb tocnn üu(^ bie bcurtunbcte Xf)a^a^t roa^r roärc, bod^ il^rc SBirffamtcit bur(§ anbrc, dufecrc, Uinftänbc auößcfd&lofycn, gef)cmmt ober aufgc^ ^oben, Toürbc. 35anad& bcantroortct fid^ bie %xaQt, iuroieroeit bic Äecbtsjültigfeit bct Urfunbe, naä) gorm imb 3n^alt, für bie Ur« funbenfalf^ung in Setrad^t fotnme. @ö (iegt nätnlid^ Urhinben- fält(^ung jioar bann nid^t oor, n^enn fd^on aud ber falfd^en Ur? lunbc felbfl fidj^ bie Ungültigfeit bcä 2l!te6 ergibt, roeld^er iura) fie erroicjen roerbeit foH; fie ift Dagegen nid^t auSgefd^loffen, roenn äußere, felbftänbige, eoentuell alfo au6) befonbern Seroeifed bebürf- % Umjianbe feine Ungültigleit bebingenJ®') 35iefe Unterfd^eibung ift feine blofe auf fonnale 3nterpretalion gegrünbete, fonbern folgt aus bem SBefen ber Urfunbenfälfd^ung. 3)enn ber ©ebraucf) einer faljd^en Urfunbe, bie fid^ oon felber fd^on aU roirfungöloä erroeifi, !aim bie Sicberf)eit beö 3led^töoerfel)rö nic^it beeinträd^tigen, ifi oieU me^r eine für i^n bebeutungölofe ^anblung: ob ber 3"^alt ber Urtunbe red^tlid^ gleid^güUig ober an fid^ fd^on red^tlid^ ungültig ift, mat^t feinen roefentlid^en Unterfd^ieb. *^2) 3lber ein anbred ift es, roenn, um bie oon ber falfd^en Urfunbe bro()enbe SBirfung auö^ }u|(^lie6en, eö befonberer äbioe^r, einer eignen ©egenaftion bebarf, bie (eicbt aud^ unterbleiben ober fel)lf (plagen fann; ber @ebraud^ einer fold^en Urfunbe bleibt gefäl^rlid^, xoenn er aud^ in 2Birfli($feit feinen ©rfolg ^at. ©ö ift feine ftrafbare Urfunbenfälfd&ung, wenn ein Sd^ein ge^ fälfdfft roirb, ber ein ocrboteneö ober unfittlid^eä ©efd^äft entl^dlt ober einen unmöglid^en Snbalt l^at; j. S. baä Sefenntniö, au« — Derbotenem — ©piel eine ©umme ju oerfd^ulben, ober bie fd^rift^ ^^) 3n TOcfentlit^ bcmfclbcn ©inne cntfc^eibet aud^ bic franjöfifc^c 3«rt8s ^bcnj; Chauveau-Helie a. 0. nr. 673, 677—679; Garraud a. D. nr. 153f. 3o^n in Z VI 57 ff. meint — oon feinem ©tanbpunft aui fonfe^ (juent — e§ liege leine Urfunbe im SJec^tSftnne oor, wenn bie in i^r fixierte ^öpofttion — gletc^oiel avA roelc^em 6runbe — ungültig fei; bagegen o. 8uri im Geri^t^faal Sb. d9 6. 44. ^«) $ier ift baran )u erinnern, baj, totnn tin @ef(§äft fic§ in ber einen i^mfi^t al^ unooUftdnbig unb barum roirfungdlod barfteUt, ed boc^ unter arii berm (Sefic^tdpunft eine gültige äOiaenderflärung enthalten fann; 5. ^. tin Stonfoaccept fft nod) f ein Sßec^fel, aber boc^ eint gültige äOiaenderflärung; vgl. |.8. entfcj. be« Keic§«gerid^tö »b. 7 9lr. 57; Slec^tfpred^ung be« Dbertri« hunali (Oppen^off; »b. 6 6. 80 (äBe^fel M Sa^lungdoerfpred^en). 72 ¥rof. Dr.Salob SBeidmann. lid^c ScficIIung cincd fiicbcötranfcä. ^^^) JCagegcn ift bic Urfunbcm fälfd^ung nid&t aud bcm ©ruubc }u verneinen, rocU bcr 3luöficücr minbcrjäfirig *^*) iinb bariim bad ©cfc^äft bod^ nid^t für i^u vtx^ binblid^ märe. 9{ocl^ weniger alfo ifl ein 93ebenten baroud }u entne^men^ bQ§ bcr Xljätcr feinen 3"^^* ^udb ol^ne bie Urfunbenfälfd^ung l^ätte er- reid^en fönnen, fie für feinen 3"^^* fl^r nidbt notroenbig geroefen n3äre. SBenn }. ö. jemanb eine Urhinbe fälfd^t, n3onad^ ein andrer in bie 3tuf^ebung eines jmfd^en i^nen befte()enben Jled^töoer^ält- niffeö roilligt, fo ift eine Urfnnbenfälfd^ung barum nid^t weniger be^ gangen, n3eil ber 2:^ater baö SJer^dttniä and^ einfeitig l^ätte auf^ ^eben lönnen. *<*^) ^^) entfc^. beg 9lci(§^gcri(Jit« öb.8 9lr.99; f. auc§ bie entfd^cibung bc3 Dbcrtribunalg in ©oltbammerd 2lrd^io 5Bb. 2 e. 261 9fir. 10: «ürij- fc^aft einer S^auen^petfon o^ne bie oom- ^.2.9i. oorgefd^riebene ^ele^ning; bagegen vql. aber bie @ntf (Reibung bei (Dppen()off (dtec^tfpred^ung) ^b. 7 '@. 62: ^efteUung of)ne ^niuiUigung be$ @^emanne$; fte ift nicbt fd^lcc^tbin ungültig, ba nid^t unter allen Umftänben bie @^efrau ber ©inrotUigung bed äRannei$ bebarf. 1««) Dbertribunal in OJortbammer« 2lr(§io ob. 7 3.845; ogl. bie oben citierte franjefift^e Sittcratur. ^<**) Unter biefem Öeftc^t^punJt ift m. S. auc^ ber 5att ju beurteilen, welcher in ben Gntfc^. bed dteic^dgeric^tig 8b. 2 9^r. 65 mitgeteilt ift. ^er nac^ babifc^em ^anbrec^tfa^ 513 oerbeiftänbete SCngeflagte ^atte hti ber ä^erpac^tung feiner @üter feine 3uf^i^> So V. 2i«8t, Se^rbuc^ S. 506; §. aWe^er, Se^rbuc^ S. 938; erfterer »erlangt ftnnlici^e SBa^rne^mung, (enteret „J!enntni$'' oon ber Urlunbe. 74 $rof. Dr. ^aloh 2Bci«mann. bag ber ju Xaufd^enbe bie Urluube in äSirtlid^feit fd^on ftnnltd^ TPal^rgenommen ober jtenntniö bat)on erlangt f)aben müffe^ f)at ha% 9leici()ögerid^t ben @rimbfa^ aufgefteUt: ed fege bod ©ebraiid^mac^en nidbt iiotroenbig ein unmittelbare« SJorlegen ober 3Jorn3eifen ber Ur!unbc t)orauö; „jenes 3Ker!mal fönne üielme^r aud^ bann ju« treffen, wenn ber SC^ätcr in anbrer SBeife eine falfd^e Urtunbe aU ein angebUd)ed Setoeidmittel bem ju Säufd^enben jugänglid^ madjt, bem lefetcm bie ©infid^t ber Urfnnbe ermöglic^t".*^) SBenn fd^on bie bloge ^älfd^ung eine gefäl^rlid[)e ^anblung x% nnb n3enn barum überroiegcnö bie mittelalterlid^e njie bie gemein- red^tlid^e 3)oftrin imb ^rajid, ebenfo ber Ode pönal unb anbre moberne ®efegbüd()er in i^r fd^on ein ooQenbeted 2)elift fel)en, fo ift bie Steigung loo^Ibegreiflid^ nnb loo^Ibered^tigt, an baö ^.©ebraud^s mad^en" nid^t allju firenge Stnforbernngen ju ftetten. Snbeffen fann baju bod^ nidbt jebe ^anblung genügen, rceld^e, roenu aud^ nur mittelbar, barauf gerid^tet ift, bie 2:äufd^ung ^erbeijufü^ren; benn mittelbar ift auf bicfen 3"^^* J^ ^"4 ^i^ Jälfd&ung gerid^tet, unb es märe bann alfo nic^t einjufe^en, marum neben i^r nod^ eine weitere ^anblung oerlangt werben foHte. 3la^ ber anbern ©cite ge^t 5U meit bie JJorberung, bafe ber ju 2:äufd^enbe bie Urfunbe bereits ftnnlid^ muffe mal^rgenomnien l^aben. Of)m bie finnlid^e 3Ba^rnet)mung mürbe freilid^ bie Säufd^ung nid^t mögli^, es mürbe aber aud^ bie bloge finnlid^e 9Ba^rne^mung nic^t ba}u ausreid^enb fein; es mügte nod^ bie Kenntnisnahme Dom Urfunbenin^alt ^in}U' treten. Sollte alfo bas ©ebraud^nmd^en oon ber Ur!unbe i^re (Sin^ mirlung auf ben }u 2;äufd^enben mitumfaffen, fo mürbe and) bie ÄenntniSnal^me von il^rem 3n^atte erforbert merben müf[en; bie blojse finnlid^e SBa^rnel^mung bejeid^net meber ben 3lbfd^lug ber ganjen 93emeisaufna^me no($ einen älbfd^nitt berfelben. 2Benn aber bie roirtlic^e S^äufc^ung nid^t verlangt mirb, marum bie Kenntnisnahme oon ber Ur!unbe, auf bie es nur als auf bie SSorbebingung jener anfommen fann? !Denn bie Äenntnisnal^me i)! unter allen Umftänben eine Xl)ätigteit bes }u Säufd^euben, bas &t: braud^mad^cn aber beutet auf bie 2^^ätig!eit bef[en, roeld^er bie X&n^ fd^ung ^eroorrufen miQ. <£ie^t man auf bie Xäuf($ung als auf 16«) So entfc§. bc« Sleid^Sgeric^tS »b. 19 9lr. 60, ocrgl. bie unten an geführten @ntfc^eibungen ; in toefenilid^ bemfelben Binm bie ^errfd^enbe 3Rtu nnnc^, dc^I bie Einführungen hzi OCS Raufen, Jlommentar (3. SCuft. 1890) ©. 113(5 9ir. 35. 5Der 2:§at6fftanb ber Urhtnbenfälfdiung. 75 ben 3»ed bcr ^anblung, fo würbe naä) jener SWeinung nur eine bejümmte ©eflaltung bed SSerfud^d jn töufd^en a[^ ein @ebraud^:: ina(6en Don ber Urhinbe gelten^ n)ofär ein @runb nid^t erild^t- lid) ijl. @s tann aber freilidd aud^ nid^t aQein auf bie perfönlid^e £^tg!eit bed bie Urtunbe ©ebraudj^enben anfommen. 9Iud^ rotnn berfelbe aQeö tioQbrad^t \)at^ loaö Don feiner @eite jur ^erbei^ fu^ning ber SäufdS^ung erforberlid^ xoav, ift nod^ nid^t immer Don ber Urhinbe ©ebraud^ gemad^t. ©o \)at baö SReid^ftgerid^t '**) ein Sebrou^macben nid^t gcfunben in ber Übergabe ber falfd^en Up hinbe an einen oom ©ad^oerI)alt unterrid&teten Soten. Unb njenn ber Jalfd^er bad fd^on }ur 5pofi gegebene g^alfififat fid^ roieber ju^ rä(f geben lagt unb jerreigt, fo ift jtoeifeUod nod^ nid^t bat)on ©e- brauch gemadj^t roorben. @d tann anberfeitd aud^ nid^t bie @rmög(id^ung ber @infid^t^ bie SugangUd^mad^ung ber Urfunbe baö @ntfd^eibenbe fein. 3lad) 3?5.D. § 397 erfolgt bie Seroeiöantrctung, roenn fid^ na(^ ber Se^auptung bed Semeidfiil^rerd bie Urfunbe in ben ^änben einer öffentlid^en Sef)örbe befindet, burd^ ben 3lntrag, biefelbe um SRitteilung ju erfud^en. 3n bem ,,$inroeid", bafe fid) bie falfd^e Urtunbe bei ben Unterfud^ungdalten ober bei ben 2lften ber Staat«- anioaltfdSiaft befinbe, ^at benn aud^ mit SRed^t ba« Sleid^ögerid^t "°) ein ©ebraud^mad^en oon ber Urfunbe gefunben. 3lber ift ber ^in^ loeid ober ber Slntrag auf ©rfud^en eine ©rmöglid^ung ber ©infid^t, eine 3uganglid^mad^ung ber Urtunbe? 2)iefe foD bod^ erfl burd^ bie Se^örbe gemalert rocrben, loeld^e ja eben um pe erfud^t wirb. 3ft nic^t minbeftend in bemfelben @rabe bie Urtunbe fd^on jugängHd^ gemadjit, rotnn fie einem Soten beö }u 2^äufcf)enben übergeben ift, er mag oon ber galfd^ung unterrid^tet fein ober nid^t? 2ßenn ber J^äter ben ju 2^äufd^enben an einen ©ritten oerroeift, in beffen Sefift iid^ bie falfdf)e Urfunbe befinbet, unb njenn nun biefer — ne^en mir an, freiroiHig unb o^ne baju oerpflid^tet ju fein — bie Urfunbe oorjeigt, beren Uned^tljeit er tennt, ift er eä, roetd^er baoon @ebraud^ mad^t? 9Benn burd^ irgenb meldten Umftanb ber }u Jdufd^enbe fic^ bereit« im Sefifee bcr falfd()eu Urtunbe befinbet, fo tonn nun meber me^r oon einem S?orlegen bie SRebe fein nodb oon I*») eittfc^. bed 9iei4dgeti4t« Sb. 1 9lt. 118. ^^^) @itif($- bed Slei^dgetic^t« Sb. 14 ^x. 61. 76 ^rof. Dr. galob äßeidmann. einem 3u9äu8[id^maci^en. älber tonnte barum nid^t Don i^r &t^ bxawd) gemad^t roerben? es )o(I aU tppifd^er JJall bie Senufeung ber Urfunbe im ^ro^ jeffe unterfud^t roerben. 3)ic Scmciöaufnaf)me erforbert unbebingt eine 2:i^atigfcit be« SWid^terfi. 3ludj) wenn bie Urtunbe unmittelbar it)m üorgelegt wirb, bie ©infid^tno^me ift feine Sad^e. 2llled, roaö bie ^Partei tf)\in tarn, ift bieö: bafe fie ben Slid^ter üeranlofet, ©infid^t oon ber Urfunbe ju nel^men. 3)arin allein befielt il^re S^^ätigteit, baö ift i^re SJe^ nufeung ber Urfunbe; biefe ift bann — fd^on bann unb nur bann — jum abf^tufe gefommen, wenn bie 2:^ätigfeit beö SKd^terö ju beginnen ^at. Sonad^ ift unter bem @e6raud^mad^en ber 33organg ju Der- fte()en, roeld^er baju beflimmt unt> geeignet ift, ben anbern, Deip ienigen, welcher getäufd^t roerben foQ, ju ueranlaffen, Jlenntnid üon ber Urfunbe ju nefjmen. :3)arum alfo ift mit ber älufgabe jur ^oft nod^ nict)t oon Der Urfunbe ©ebraud^ gemad^t, benn roaö ben ülbreffaten oeranlafet, ©infid^t oon ber Urfunbe ju nel^men, ift ber Umflanö, baß fie in feinen Sefife gelangt; eö ift alfo nid^t notmenbig, bajj er fie fc^on felbft unmittelbar ju @efid^t befommen t)abe; aud^ roenn fie in feiner 2lbioefenl)eit an einen gamilienangcl)örigen übergeben roorben ift, fo ift bennodS) fd^on oon il)r ©ebraud) gemadbt; bie Xl^ätigfeil beö 3lbfenber§ ift bamit }um älbfd^lug gelangt, ^araud aber folgt mit jioingenber Jiotroenbigfeit, bafe in ber Übergabe an einen öoten ein ©ebraud^mad^en allerbingd bann gelegen ift, romn er ein Sote nid^t beö 3lbfenberd, fonbern beä ju 2:äufd^enben, loenn er oon biefem felbft gefanbt ift, um bie Urfunbe abju^olen;''*) mit bet Übergabe an ben Soteu ift fie bereits in ben Sefife beö äbrcffateii gelangt unb ber freien SBerfügung bed 2lbfenberö entjogen; ed tann hierbei auä) nid^tö barauf anfommen, ob ber )8ote bie Uned^tbcil ber Urfunbe fennt. Dber foUte eö loirflid^ einen Unterfd^ieb mad)en, ob ber oerfd^loffene 93rief bem 3lbreffaten felbft ober ob er einem JU feinem ©mpfang ©rmäd^tigten übergeben ift? 3n beiben gäflcn ift ber S3rief im öefifc beS 9lbreffaten unb in beiben fennt er nodj nid^t feinen 3nf)alt. !^arum ferner liegt ein ©ebraud^mad()en oon ber Urfunbe in ^^^) älnberd entfc^eibet bad in 3t. 1G9 cttierte Urteil bed dieic^dgeric^td $D«r 2:^t5(ft(mb ber Utfunbenfälfc^ung. 77 bew ^inrociö, bafe fic ftd^ bei einer anbern Sel^örbe beftnbe, in bcm Sntrag, biefe um SDMtteilunß ber Urtunbe ju erfud^en; bcnn cö tDirb babur tragen, bafe an^ i^r felbfl bie Uned^t^eit erfennbar fein mfijfe. 3m aßefen ber Urfunbenfälfd^ung ifi biefe g^orberung nid^t begrünbet; nur barauf fommt eö an, bag Don bcr Urfunbe @ebraud^ gemad^t unb bafe bamit 2:äufd&ung bciioedt ift; bie 2lrt unb SBeife ber S^äufd^ung aber ifi glcid&gültig. ®d ifl möglid^, roie früher bereit* l^crt)orge()obcn rourbe, bafe fid^ öufeerlid^ bie uncdEite oon ber ed^tcn Urfunbe in nidEitö unterfd^eibet, rotnn fie nomlid^ mittels einer ed^tcn gorm — oon einem Unbefugten — ^ergefleHt ifl. ®d ifl aber n\u benfbar, bafe gerabe für bie gcfä^irli^flen gäHe ber 2:äufd^ung ber ftrafrcd^tlid^e Sd^u^ oerfagen foHte. ©ö l^at baö 9leidöögcrid^t''^) in einem gaUe bie Urtunbem fälfd^ung Dcrneint, in roeld^em auö ber g^ffung bed falfd{>en Sriefcö fd^on \id) ergab, ba^ er nid^t oon bem Unterjeid^neten felbft ge^ fd^rieben fei; es l^iefe nämlid^ barin: „ba id^ ©ud) ^abe fd^reibcn loffen". aßie aber, wenn biefe Semerfung iwar fehlte, ed ^ätte 1^^) XM ift ber @tanbpun!t, oon bem auc^ bie @ntf(^. beS 9ieic^dge< ric^t j 9b. 7 yix. 16, »b. 16 Sit. 35 audge^en. 3u einer nö^ern (Srörternng ber i^rage ift ^ier feine Seranlaffung; eint Überfielt aber bie Sitterotur bei DlSljaufen, Äommentar ju §268 Sit. 7. "^ (gntfc^. beS Jleic^Sgeric^t« ob. 16 Sit. 71. ^ @ntfc§. beS 9iet(^Sgeri4td »b. 8 9lr. 51. 7>tt ^atbeftanb ber Urfunbenfälfc^ung. 79 jebo(i bcr gälfd^ct tDirtlid^ oorl^cr bemjcnigen, mit bcjfcn SRamcn er unterieid^net, e unb fubjeftiue @eite ()ier nic^t }u trennen. 35ad ©efefe ©erlangt, bafe von ber Urfunbe — wie fd^on oben Jeroorge^oben , oon ber Urfunbe alfi fold^er — jum ä^edfe ber itäufd^ung, unb bag Don i^r in red^töwibriger 3lbfid()t @ebraud& ge^ mac^t fei. Sd genügt nidtit, bag fid^ ber ^^öter berougt fei, ed f5nne möglid^eriDeife fein 33erl^alten einen anbern in einen l^rrtum oerfe^en, an roeld^en fid^ red^töer^eblid^e ftonfequensen fnüpfen. @d mu^ Dielme^r burd^ ben &tbxaud) ber Urfunbe eine 2;äufd^ung be^ 1^^ entf4. bed Sietc^dgetic^td Sb. 6 9^r. 74. ^^) 3n ber in ber oortgen 9lote cttierten @ntf(^. oermigt bad Sieid^eric^t bte ^tfttüun^, ba^ «Slngeüagter ber möglichen SBeiterbegebung unb bamtt ber möglu^ Xäu^^un% fünfttger SBec^felne^mer über bie Une^tl^ett ber Unter« Vftifi fi($ btmuit geioefen fei unb biefe Xäufc^ung dritter bei ber Eingabe ber Se^fel an @4. »enigftend eoentueU beabft^tigt gehabt ^abe''. 80 $rof. Dr. 3a!ob aßetömann. jrocdt, burd^ bicfc tücitcr^in ein rcd^töerl^cblid^er ©rfolfl bcabfid^ tigt fein. 2Ber nun bie @d)iilb rein ate 93ejiel^img beö SSorfteUungd^ lebenö beö 2^^äterö auf ben eingetretenen 6rfolg, ben SBorfaft nur qIö SBorl^erfel^en beä ©rfolgeö ber ^anblung, qI« SBorfteHung oon ber Äaufnlität be§ 2:^und ober Unterlaffenö auffaßt, bcr muß in fold^er S^^atbeftanbäbilbung eine 3luönal^nieer|ci^einung erblidtenJ**') äßer bagegen unter $orfa^ überl^aupt nic^td anbred oerfte^t, aU jroedberoufetes 2BolIen, ber finbet in i^r nur bie beutUd^e Formu- lierung beö Seliftsoorfafieö. SBorfafc ift jroedberoufeteö , ooin 3w^^<äfberou6tfcin geleitetem SBoIIen. '*^''') 3"^" S^^^^l^^w^u^tfein gebort foroo^l ba§ Seroufetfein beö S^ede^ wie bes eignen SBerl)altenS als beö 3)littelö jum S^^^^f ober, objettio auögebrüdt, als ber Uriad)e ju bem bejroedten ©r^ folg. 3)er SSorfafc ift red^töroibriger SBorfa^, toenn ber S^ed ein ooin SRec^t nuBbilligter ift. Witid unb ^rotd niüjfen nad& i\)xtn ftrafred^llid^ roefentli^en aWer!malen oorgeftellt fein, ©d fe^lt felbffc oerftänblid) ber SDeliftöoorfaft, wenn ber 2:f)äter bie Urfunbe für ed^t ge()alten, inöbefonbere alfo j. 8. geglaubt l)at, ba§ er ju i^rer SKuöfteOiung, in frembem 9knien, befugt fei; glcic^oiel übrigens, ob infolge eines tbatfäd^lid^en ober eines SRed^tSirrtuinS. ©r fe^lt felbftoerftänblid^, wenn ber 2^l;äter fidf) nid)t bcroufet ift, bafe mit ber 2:äufc^ung fid) ein red&tserl)eblid^er ©rfolg oerbinbet. SBas l)icrbei aber unter 3"^^*/ ^öS unter SffioHen oerftanben ifl, foDl möglid^ft furj'^^) im folgenben bargelegt werben. äl^oUen ift ber eigentümlid^e ©eelenoorgang , aus roeld&em um mittelbar unfer ^anbeln entfpringt; SffioHen ift 9iegung bes SBillens, ber Äraft in unferm Innern, ber pft)dt)ifd^en Äraft, meldte bie Duelle 1«) t). St^jt, Se^rbuc^ bcS beutfc^en Strafrccftt« (3. «ufT. 188vS) § 37 IV , § 38. 34 eitlere benfelben im folgenben au^fc^Iie^ltc^ alS Sieprafentanten ber SorfteUungdt^eorte. @im Überfielt bcr Sitteratur gibt 9t 3 ran!, in Z X 169 ff. ^^^) 3c^ neunte alfo auc^ ein unberou^teS SoQen an; nä^er auf biefe Sftage einjuge^en f^ahe xd) feine 9$eran(affung; ic^ mochte nur bemerfen, bafi id) baS unberou^te Si^oUen überhaupt für ftrafrec^Ilic^ irrcleuant l^alU, indbe« fonbere eS auc^ nic^t — wie öinbing t^ut — für ben SJegriff ber JJaftrlafftgs Uit oerroerte. ^*') 9iur foroeit, alS mir crforberlic^ fc^eint, meine 9(uffaffung bc^ Jäl« fc^ungSoorfa^eS ju erflären; für tim einge^enbere Erörterung ift natürlich ^ier, in ber ^arfteQung eineS einzelnen ^eliftSt^atbeftanbeS nic^t ber geeignete Ort ^cr ^^atbcftanb ber Urfunbenfälfd^ung. 81 wnjrcr ^anblungcn ift. 2Baö i\)n anregt, jum .ö^'^belii treibt, ba§ finb jeinc Segicrben '*^*) (— loomtt felbftüerftänblic^ lüd^t blo^ bie nmiliicn Stiebe, fouberii anä) altruiftifd^e 3)iotiüe — baö SBers langen, anbern, ber ©efamtbeit ju nüfcen, — gemeint finb). iTcr le^te 3^^^^ """ ^^^^ ^Regungen beä SBillcnö liegt (bieö jclbjtüerftdnblid^ aber nur üom ©tanbpunfte beö ©ubjefteö auö) nii^t in Der atufeentoelt, fonbern in i^m fclber; ^'*^) eö ift bic Se> friebigung feiner felbft, bie ©tillung ber 23egierbe, bie if)n jum fianDeln trieb. '^) icDer Grfolg, ber in ber Slufeenroelt erftrebt roirb, erfc^eint unter biefem ©efid^tspunft nic^t alö SelbftjroedE, fonbern als Wittel ;um 3roei. .©icrna^ ift lein Srunb t)orl)anDen, bcn Segriff beö 3roede<> auf ben Grfolg ju befd^ränfen ober auf bie ^crbeifülirung be§ ßrfolgeö, ber unmittelbar bem ^anbclnben 33efriebigung ge^ wahren foU, ober beffen „SJorftcUung baö .^anbeln motioierte". '"'O derjenige, roeld^er aus Gifcrfuc^t ben -ßebenbu^ter ermorbet, fiubet unmittelbar burdö ben 2^oD beö SBer^aßten feine Sefriebigung. 2Ber aber einen U)\n fremben ajJenfcben tötet, um feines ©elbeö fid^ ju bcmäd^tigen, ber finbet feine 33efriebigung erft burd^ bie 3}ollfül)rung '**) 3* fflff« ö^fo bic 33egterben ald SillenSjaftänbc, Spannungeju^ ttonbe fojufagcn, au^ njclc^cn bic öanblung ^eri)orgel)t, rote au§ ber gefpanntcn ce^ne ber ^fetl. 34 glaube mic^ f)icrmtt im (^inflang mit bem Öemcinbcroufets fein, luie e6 fit^ in ber «Sprache au^brücft, roelc^e bad S9}ort rooUen ebenforoo^l für öQS öegcbrcn gebraucht, roie für bie im ipanbeln fic§ offenbarcnbe üraft, Ddi^c Dcn einem böfen unb guten, einem ftarfen unb fc^roac^cn 3i>iUcn rcbct ufro. — Sluf anbrc fo mannigfach bioergierenbe 9(uffaffungen ein^ugcfien, ift hitt nic^t ber Ort; eine Überfielt bei 3ran! a. D. 3. 194 ff., nad^ 0. Stülpe, bie Sebre vom ^ßiHen in ber neuern ^f^c^orogic. ^^) (?)an3 anberS natürlich oom objeftiuen, bie Sejic^ungen bci^ cinjclnen |ur Öefamt^eit iiberfc^auenben '3tanbpun!t. ^'*) ot^ ^)a^« n'o^I 'tium ftier notroenbig, mic^ gegen ba^ 9}Htiüerftänbni^ ^ oerroabren, ald ob ic^ jener auf einem p(umpen 8opbi^mud berubcnben &e!)re bulbigtc, bafe e^ in 3Q3af)r^eit nur egciftifcf)e a)Jotiüe gebe, ^mn roa§ wm Ggoiftcn ben Uneigennü^igen fc^eibet, ift im Ui^Un Örunbe iben bie Jä^ig* Uit, in freinbem Ölücf 3)«;friebigung ju finben. 2lber auf ber anbcrn 3citc fAcint mir geroife, \>ai, wer biefe Jäbigfeit nid^t befi^t, niemals uneigennü^ig ^inbeln roirb — roeil er eben feinen Xrieb baju emppnbct, unb baf; uncigens nü^ig nur berjenige ^anbeln roirb, roelc^er eben — feine iBefriebigung in frembem Ölüde fuc^t. '**') t). £i03t a. C. § 27 II; biefe gormulierung fc^cint mir jcbcnfallö nicbt bem Spracf^gebrauc^e gu entfpred^en, roetrfier im Gegenteil baö 3)iotiü in« 3nncre oerlegt — 3)iotiü ber (Siferfuc^t, ber ^'^öbgier ufro. 3eitfernünftigen Selbftjroed, fonberii SKittet jn Öennft nnb ^J)Jacbt; ift ©elberrocrb barnm fein ^^mtd'^^ (Sr ift für bie '*})kt)Xia\)l ber 9Kenfcben ber ^anvtjroed il;rer 5}e^ rufötbätigfeit. S3cäiüedt ift alfo nicbt bloß ber ©rfolg, roeld^er nnmittelbar bi»r erfeljnte Öefriebignng Derfpricbt, fonbern a\[6) ade 3»üifd)enerfolgeyr Don benen ber ^anbelnbe ficb oorftellt, t>a\] fie jn jenem Gnb erfolgt? {)infül)ren, bie er aU 9)iittel erfennt, jenen Gnberfolg jn erreichen j fie finb bejroedt, and^ wenn fie an fid^ unerroünfcbt finb. Sann muffen aber and) ade anbern (Srfolge aU bejitJedt gelten,. von meld)t\\ ber Später gleid;fall$ einfielet, \)ab o^ne fie ber er- ftrebte Grfolg nid^t ju erreid^en wäre, alle 'Jiebcncrfolge, voMjc er berouBterroeife mit in Äauf ninnnt, meil fie nnlööbar mit jenem, roeiui aucb nid^t im 33er^ältniö üon 3)tittel nnb ^rotd, üerfnüpft finb. äßer ©rj fdjmiljt, ber begehrt baö (SolD nnb nid)t bie Sd)laden; aber weil er t>a^ @olD begehrt, will er eö oon ttn (£d}laden fd^eiben. 3)a3 ift ber CSrfolg, ben er jnnäd^ft besmedt; er besmedt alfo bie ^erftellnng nidjjt bloß beö ©olbeö, fonbern auci) ber Sd^laden, obiüol;l er nur jene« begehrt. '****) 2)aöfelbe iscr^^ l;ältniö tann fidj) and) bei allen 3roifd;enerfolgen mieberbolen. :ii>er einen (Srfolg besipcdt, ber bejioedt notioenbig bamit and) alle an- bern CJrfolge, üon meldjen er fid; beronfet ift, ha^ fie jnr ßrrcid^nng "*) S^ic ^Tcutlic^feit ber 3wccfoorfteUun(; pflegt barunter ju leiben, ban fie t)on einfettigen SerturteÜen beeinflußt imrb. 3Kan fträubt ftd) aB bi- jroecft anjufebcn, xüa-$, für firfi betrachtet, Untuft erregt. 'Sl'enn j. Jö. ein jiranfor jum ^roctfe feiner ."oenung eine bittcvi 9lr5enei mit 9i>ibcrn)iUen uerfcbluctt fo ift ber fcf)Icct)tc öcfd^mact an unb für fid^, um feiner felbft willen, allerbing*? nid)t be3n)etft; aber bejroectt ift boc^ ba§ 3Jerfc^ru(!en ber SCrjnei, rocil nur ba: burd^ ber ^loccf ber Teilung erreirfit werben fann, unb ba 5um '^erfc^tuctcn ber Slrjenei eben and) gcl)ört, bafe fie ben Öaumcn paffiert unb fo auf bie Wc= fc^madeneruen wirft, fo ift mit bem S?erfd)Iucfon notwenbig auc^ bie 3lffeftion ber Öefc^niarftinerDcn bejwedt, obgleich fie unangenc f)m ift. Xa% wenn bie Slrjcnci in cirup genommen wirb, ber S^vcd ber ift, ben 6efc^matf angc^ netjmer ju madjen, bae wirb boc^ wicberum oon feiner Seite bejroeifelt. 2)cr 2:§atbeflanb bcr Urfuubcnfälfc^ung. 83 jenes grfolgcd initgcljörcn. (Sr bejiücdEi, in bcmfelbcn Sinne lüte Die ald notrocnDig üorgeftelltcn 3^iW^>^ßi^fol9^/ ^nd) alle bie be^ glcitenben (Srfolge, tk ^Jebencrfolge, bie er fid) als notroenbig benft. Jenft er fie fid^ blofe olö möglich, '^°) fo !onnnt eö barauf an, ob er i^ren loirKidjeu (Sintritt fid^ (alö ,,eüentueUen") uergegenroärtigt, unö fidi avd) auf biefen JyaU I)in jur Xl)at entfcbloffen \)at; bann W nt („eücntuett") in feinen 3«^^* '«it eingefd)loffen, t)on feinem Sroedberoufetfein mit unifafet. Df)ne bie §erbei}ief)ung beö 3iüecfeö'^) fd&eint mir bie 3)es finition Deö ä>orfa^}eö nidfet möglid^; — er felbft fieilid) läßt ficb ^'*) ^cnn oom Stanbpunft ber SJorftcUungetfteoric ouS gefagt wirb (jranf a. C. 3. 211, im SCnfc^Iufe an örcibcnbac^), bie «orauSfic^t bc« (Sr^ folget als tine^ möglichen erfülle ben :Öcgriff bcd SJorfa^ed bann, mnn bie ^orausfic^t bevfctben at^ eine^ geroiffcn, ben ^anbclnben nic^t abgehalten, nic^t tie Sebcutung eineS auefc^taggcbenben fontraftiercnöen 3)Jotiüi5 gefjabt f)ätte, 10 Weint e6 mir, alÄ ob bamit in SBaftrfjeit ber 8tanbpun(t ber 33orfteIIung§= töeoric aufgegeben toürbe; benn bie ^erbeijie^ung bc§ 3KotiüeS ocrträgt fic^ m. Q. fcblec^erbingd niddt mit ber !3(uffaffung bed Sorfa^ee ald reiner $ors ftcUung. Übrigens fann tc^ auc^ an unb für fic^ biefe Formulierung nic^t für jutreffenb galten. 2?enn e^ tommt nic^t barauf an, roie ber X^äter fi(§ enU [d^Ioffen ^aben würbe, fonbern wie er fic§ entfc^loffen tjat. is^ fann fein, baf; ber Xbätcr fit^ einen ©rfolg atS möglich geba(^t f)at, unb baft, auc^ wenn er ibn a(0 notwenbig gebac^t f)ätte, er tro^bem ge^anbeU fjaben würbe: bcnnocf) hat er nid^t mit eoentuellem ^orfa^'gefjanbett, wenn er in bem Vertrauen ge- hantelt f^at, bajs er ihn oermeiben werbe, tbatfäc^üc^ a(fo nict)t baran gebac^t iiat, üüB er notioenbig eintreten würbe. 2(nberfcit^, wenn bcr 2^f)äter nur öen eocntueüen Srfolg, unb feinen ^auptjwecf gar nic^t ober nur unoollfommen erreicht bat, fo mag ed gewi^ fein, ba^ er nic^t gebanbelt baben würbe, voitin er bies al^ notwenbig oorau^gcfe^en \)ättt; barum fann er boc^ mit eüentucUem iTolu^ gebanbelt f)aben. ^^') 3Jon bemfelben Stanbpunft ge^en in ibren iicbrbüc^crn §. SJJepcr %'16 31X.4: (4. %ufl. 1888) ©.205 f., SJ^erfel, §20 Dir. 1 S. 78 f. auö, mk-- vooiji fte wicberum unter ftc^ unb Don ber bier ge>]cbenen ^arfteUung abweichen. 'iL^enn 3Rc9er (^l. 16) bemerft, ed brauche nic^t ber (Srfolg fetbft bejwecft ju fein, ee genüge oielme^r, wenn fic^ ber bctreffenbe (Srfolg alö 'Begleiter bejw. 3teÜoertreter be« bejwecften (Srfolgeö barfteUe, ober (mc eö im Xert audgebrücft wirb), wenn er oon bem, waS ber 2:bctter bejwecfte, tbatfäcf)(ic^ unb naä) bem öewufetfcin be§ Xbätere mit umfafet war, fo fc^cint mir bie Xifferenj weniger im Öebanfen atö in feiner JormuUerung ju liegen. — SWerfet ftcüt ein boppelteS SScrbältni^ bcö liJiUen^ ju ben porgeftcUten XljaU mcrf malen al^ mÖgli(b f)xn: entweber i^re 35erwirf liebung bilbc ben ^wccf ber Söillensbetbötigung ober fie liege aufeerbalb biefe^ 3">c^^'^/ f^i ^^"^ ^^öjjc be-- wufet oom ^anbelnben in J^auf genommene Alonfcqucnj, erfolge nic^t, wcil^ 6» 84 $rof. Dr. 3a!ob SfficiÄmann. md6t bcfiuicrcn ' — fo rocuig roic ber SBittc; l&öd&ftcnö läfet er fid^ uinfd^rcibcn. 3n)C(f ift nidjt ber üorgeflellte ©rfolg; aSorfafi ift nid^t Dü§ 5ßor{)erfeljcn bed ßrfolgeä ber ^anblung, nid^t ha^ SBeroufetfein, bafe bie ^anbüing btefe J^lgeu nacf) fid^ jief)eu roerbc. ©ofcni biefeö Seroufetfein ein Urteil über bie Äaufalität bebeuten fottte, würbe cö ein nid^t üöHig beftimmtcö Urteil fein. SJenn ba$ Urteil über einen fünftigen (Srfolg fann nur iai)in lauten, bafe er cnt- lueöer notroenbigers ober bafe er möglicher- (maljrfd^einlid^er^) roeife eintreten werbe. Sie SSorftettung, bafe er eintreten werbe, weld&e feines biefer beiben Urteile einfd^liefeen, mit feinem ibentifd^, fonbern etwas S)ritte§ fein foll, fann alfo nid;t als ein objeftioes Urteil, fonbern fann nur als bie fubjeftioe Erwartung aufgefaßt werben, bafe er eintreten werbe. Siefer erwartete fann aber wieber nid^ts anbres fein, als ber bejwedEte ©rfolg. SBeld^er fonft foll es fein? 3)er wirflidf) eingetretene? 2lber beim 5ßerfud^ ift ein (grfolg nic^t eingetreten, unb bod^ ber SJorfafc fein anbrer, als wenn bas 3)elift üollbrad^t wäre. 33eim S8erfud^ foll es „ber oorgeftelltc ©rfolg" ''•*') fein. 3llfo wäre l)ier bie ©d^ulb ju benfen als 23ejiel;ung bes 3SorftellungSlebenS ju bem oorgeftellten ßrfolg? 2)er 3>oriaß als bas SSewufetfein, ba^ ber oorgeftcHte Grfolg eintreten weröe? 2)aS fd{)eint mir eine S^autologie ju fein. 2)enn ber üorgeftellte (Srfolg meiner ^anblung ift fein anbrer als ber ©rfolg, üon bem id^ mir bewußt bin, „bafe er eintreten werbe". 2i5eld|)eS alfo ift ber üor= geftetlte ©rfolg? darauf fann bie 2lnt wort nur lauten: ber Grfolg, weld^en id^ burd^ meine ^anblung l)erbeifül)rcn wollte, -— ber be^ jwedEte ©rfolg. fonbern obcjlcic^ bie bctrcffcnbc Jotge oorauSgefe^en roerbe. ü^ fc^eint mir jc^ boc§ bie le^terc Slltematioe auf nic^t erfc^öpfcnber 2lnal^ficrung bcS 3roccfbes roufetfeinS ju berufen. Slnd^ wirb nic^t flar, roiefo bie betreffcnbe Solge uors fä^ric^ ßeroont ift, obgleich fie üorau^gefefjen rourbe. 2irs 33eifpier wirb am gefüfjrt, baf; ber jum 3i'J^ifö'"Pf ^erauöforbernbe roiffe. bafe bie Jolge biefer ipanblung ber eigne %o\> fein fönne. Slber ber 3^oeifampf ift nic^t ^elbft« groecf; \)at j. 93. ber §eraueforbernbe bejroetft, einer iöeUibigung gegenüberfeine (Sbre 3u roabrcn, unb ift ftc^ beroufet, baft bie Jvolge beö äi^^ifQ^^Pf^S fein Xob fein werbe, fo ift i^m fein Xob nad^i Sage ber Sac^e eben baS 9)?ittel, feine (r^re ju roabrcn. 1»») 0. 2i^it a.O. §37 lY 2 (6. 108): „Ge banbelt fic^ immer nur um bie 3u^ec^"W"(^ be^ eingetretenen (beim SSerfuc^ be^ DorgeftelUen) (rrfoTge^ 5ur ecf)ulb be§ Xbäterö". IDcr X^atbcfianb bcr Urlunbenfälfc^imd. 83 ber $or)a|; SJorfa^ ift baö jroedbcrou^tc 2ÖoIIcu, baö t)oin 3^^^- berouBtieiu geleitete SBoHen. ÜDcnu eö foH mit Dem Segriffe beä Sorfüfec^ ber innere ^iJorgang umfaßt werben, a\i^ welchem baö oorjä{lid&e ^anDeln entfpringt. ©ö ift aber — unter ben Äri^ minaliftcn roenigftenä — unbeftritten iinb unbeftreitbar, bafe juni teelit bas ^oDlen ge()ört, bQ§ bod ^anbeln 5nnäd)ft aM bem äSolIeii ^croor9ef)t;*^2) ^„it) gg jj-j anberfeitö unbeftreitbar, ba§ ba§ 3rocdEben)u6tfcin juiiäd^ft baö 2BolIen beftimnit, unb nur fofern es baö 2Botten beftimmt, für baö ^anbeln von Sebeutung loirb; üii(^ wenn man ben SJorfafc bloß in baö SJeiPufitfcin, in bie SBor- ftettung oerlegte, fo fönnte er hoä) nid^t aufgefafet roerben alö bie Sroecfüorftellung fd)Iecöt^in, aU baö Stt'^rf'^^w^uM^i» ö" wnb für h4 fonbern nur nU ba§ 3"^^^^^^^"6tK"^ fofern eö baä 2ßolIen befümmt. Cb man i^n nun aber in biefer ShJeife bejeic^net: aU i>aö Sroecfberoufetfein, fofern eö baö SBoflen beftimmt, ober ob man i^n bc}eid)net alö baö SiNoUen, fofern cö com 3^u^^'^ß^"6tfein be^ ftiinmt wirb — baö fd^eint mir ein rein terminologifc^er Unter- fd)ieb. '^^ SerooIIt aber ift nidfit blofe bie Äörperberoegung, fonbern ge= BJoDt fmb Qiiii bie fernem 2ßirfungen, meld&e fubjettio burdf) bad Broectbcroufetfein, objeftio burd) ben Äaufal}ufammeut)ang mit it)r ucrfnüpft finb. '^*) 3>enn ba aucb bie Äörperbemegung nur in bem Sinne geioottt ift, ba§ fie burdb ben 3iUUcn Iieroorgebrac^t Airb, fo börfen and) bie t)on i^r auögcf)enben äiUrfungen auf ben 2Bi(Ien jurficf geführt roerben, meldte oon bem 3^üc^f'^^ü"f5tf^iu mitumfafU füiD; ja fie finb es meiftenö, n)eld)e ber ^anbluug i^r diarafterifti- l(6c§ Öepräge üerlcil)en. g^^^'^^ ift 'f^i'i aftioeö Gingreifen in bie ädiBemoelt möglidd ot)ne Äörperbeioeguug, unb märe es aud^ nur bie leife Semegung ber iiippen, fie ift ber erfte 3tft unfreö 2i5irfcnö, i'*-) So natürli* ouc^ o. Sie^t, a.£. §27. •'**) 3. audi inöbcfonbere 35inbinö, 3iormeu ^b. 2 (1^77) 3. 151 ff. unb »er fei, v^efirbuc^ §29 3lt.± 1**) :öenn o. Sisjt a. 0. § 27 (f. bcf. 9?. 5) ljerüorf)e6t, bafe nur bie ÄÖrperberoegung, niemal« ber örfolg gcrooUt fei, unb borfi (3. 117) ba^ 'iBoUen al» motioicrtee Öegc^ren beftimmt, fo fc^eint mir ba'S ein innerer 3Bibcrj fpnicft, ba ber (Begcnftanb unfrei 53egc^rcnd notrocnbig etioa^ aufecr xim ©es legene« fein mufe. 3. auc^ o. 2i(tcntt)al, ber Crt ber bei^an^enen öanbrung SOü) 3. 8. 86 ^rof. Dr. 3a!ob SöctSmann. aber feiten bcr einjifle. 3Kan üerfud&e t)om Stanbpnnft jener 2'f)eorie, roelcöe auöfd^licfelidb bie Äörperberocgung al§ eigentUdb ge- wollt anfielet, einfad)e i^orgänge beö Scbenö sn analpfiercn, wie Gffen ober 2^rinfen ober ?litt>m. JJid^t leicbt wirb jemanb, wenn er triaft, baran jiDeifeln, bafe er aiid^ trinfen wolle. 9lber bad ift nadj jener S^ljeorie unrid)tig ober minbeftens ungenau. 2)cnn ge^ wollt ift allerbingö bie Körperbewegung, burd^ weld^e id^ meinen 9)Junb mit bem 2^ranfe in 8enit)rung bringe unb gewollt ift bie Sdjlucfbewegung, aber baß mir bie glüffigfeit in ben 3Runb unb burc^ bie Äelile läuft — \>a^ ift ein Grfolg, öer jweifelloö feine 33eit»egung meinem Äörpers ift; wie er oenn ja auc^ t)erfel)lt werben fann, inbem iä) j. S. M^ @etränf oerfc^ütte ober mid^ üerfdjlude. (£r fd^eint mir bie ^auptfad^e beim 2^rinfen ju fein; ober er ift nid^t gewollt, fann, nadb jener S:i)eorie, nid^t gewollt fein, weil er nid^t meine Äörperbewegung ift. 3llfo wäre öaö Sprinten ein 3?organg, weld^er nur 5um Jeil Ciw^ SKillensaften bcftef)t, in ber ^auptfad^e aber nie gerootlt, fonbern nur oorgefteüt werben fann. ©§ fdbeint mir aber nicbt wol)l benfbar, baf? ein isorgang, welcber ba5u notroenbig ift, ben äi>iUen felbft in feiner leiblid)en (Sriftenj ju erljalten, nid)t gewollt fein foUtc. (Sine falfdbe Urfunbe gebraueben jum ^votäe ber 2^äufd)ung, lieifet al)o nid&tö anbres aU: fie gebraudf)en mit bem Sßorfats ju täu)d)en. Unb fie gebraud)en in red)töiüir)riger Ülbfid&t beißt nid(?tö anbreö: alö fie gebraud^en mit bem äJorfa^, burc^ bie S'äufdjung einen rcd)töerl)eblid)en Grfolg ju erjielen; bie rec^töwibrige 3lbfid)t nerljält fidf) jum 2^äufdt)ungöoorfa^ wie fid) ber entferntere ju bem näbern 3"^cd üer^ält. S)er SJorfa^ ber Urfunbenfälfd^ung ift ber SJorfaß, burd) t^en öebraud^ ber falfd)en Urfunbe alö foldier ju täufd^en unb burd^ biefe Säufdöung einen red;töerl;eblic^en Grfolg l;erbei}ufül)ren. '-'^j Xcv üom diedji mißbilligte 3^"cd ift bie 2'äu' fdjung, Durd) bie falfdje Urfunbe, 5 u einem red)töerl;eblid^en 3»t)erf. ©ö fann alfo Der ä}or)a(5 nid^t befiniert werben aU baö aßiffen unb äi>olIen ber 2)elittömerfmale — fofern barunter bie objettiüen üerftanben fein follen. Xmn bie — wirflidt)e — Xäxu ^^^) ^)d) fann alfo felbftoerftänblirfi (ugr. ba« oben <5. 47 Öefagte) nidjt mit i). Sii^st a. C 3. 5()7 bie 3lb)lc^t bd bcr Jälfc^ung „greic^ SJ^otio" »cn ftcbcn. ^cr 2:^atbeftanb ber Urfunbenfälfc^img. 87 fäung gehört nid)t jum — objeftiocn — 2^fiatbcftanb bcr Urlunbcn» fälWimg, fo löcntg wie bcr ©intritt beä red^täcrfjcbltd&cn ©rfolgcö, loeldier ocrmittclft bcr S^äufdjung crftrcbt wirb. ^'^^') SRan locnbc nid^t ein, bafe bamit bcr Segriff bcö i^orfa^cö mtannt fei, bafe md)t jiim SBorfa^ bcr 3n)ed bcr S^äiifd^uug unb iiidit bie recfetötoiDrigc abfielt geljörtcn, biefe üielnic^r aU befouberc iubjettiDC ©rforberniffc bcm 33orfa6 fiinäuträteu ; ber ^Norfaft felbft über nur fei t>a^ Scrou&tfein ber §anblung, burd^ roeld^e t)on ber fal|(^en Urfuubc Qebrniid^ gemacbt roerbc. Seiut rom Scroufttfein öeö Sebraud&mad^cuö ift ganj unjcrtrcnulidb baö öeroufetfcin t)om 6«brau(6§äroecf, ba ein Öebrau($en ol)ne einen 3^^^^^ etiuas Un= öentbarcö ift. 2)üfe aber t»er äJorfaß, ju einem red)tlicf) gleid&s gfiltigen ^xotde j\u tänfd&cn, fein red&täwibriger 9?orfatJ fein fönne, wirD iüd)t jju beftreiten fein; alfo ift and) bie „red;tön)ibrigc 3lb= lid)t" jum Selittöoorfaß erforbcrlic^. 3)fan nebntc nur bcifpiclSs '■^i C(«f)aufcn, Äommcntar ju § 267 9Jr. 45: „ 2* er ^o lud erforbcrt ^^i ber Urfunbcnfälfc^ung wie bei jebem uorfä^Iicöcn SJerge^cn, loenn nicöt PofiHo ein anbreö angcorbnet ift, baö 3öiffen unb 2ßoUcn fämtlic^er ^»cliftös Wi-rfmöle, ocrbunben mit bcm öeroufetfein ber Sicc^tötoibrigfcit, al« bcm gcnc^ teUcn SKerfmal bc§ 2>oru«". 93(^1. bamit 9lr. 4« unter b. Slud^ fonft roirb tidiadl bie rcc^t^ioibrigc Slbfic^t al^ ßleid^bebeutcnb mit bcm 2)c(ift$üorfa^, Salfäumieoorfa^, ftrafrcc§tlicf)en 2)oIud bejcicönet, otjne baj bicfer jcboc^ — i^^ic C5 mir uncrläHlic^ fc^cint — uäfter beftimmt :oürbc. 6o namentlich 33 in- *ing ^Jiormen iBb. 1 3. 117 f. (in bcr 2. 2(ufl. 3. 215 ff.), ^b. 2 3. 597. «f>älf(^ncr, etrafred&t iöb. 2 3. ^)ff, vc^l, aber 3. 517 u. a. Sßol. auc§ l'ntf(^. be« 3?ci(^egcri£^t^ 33b. 2 iRr. 157. 3cf)n)ar3e, Alommentar ift n)or)l bcr^ falben SKeinunß, xo^nn er „jcbc rerfit^mibrige Slbfic^t" im Oec^cnfa^ 5U broftem ct^frj für (\enügcnb crflärt. 3n bem c^Icid^en 3inne 33crncr, iicbrbud^, 3..>42iDer 14. 9(ufl.): «3ebe rcd)t§roil>ri(^e auf einen crnften 3J2ifebrau(^ bcr Urfimbenform cjcrit^tetc Slbfic^t". 2(uc^ ö. aJiepcrS Jormulicrunß, Seljrbuc^ 3.i):>7: bie reci^teroibric^e 3lbfic^t fei „erfüllt mit bcr 3(bficf)t, bie Urfunbe ju irgenb roclc^cn rechtlichen 3'''ccfcn alg Scglaubigung^mittcl ju gebrauchen", ftet auf basfelbe ^inauejufommen. o. Siäjt, Üelirbuc^ 3.507 ocrftct)t bie rec^tsroibrige 3lbfic!6t beim Öcbrauc^cn alS „baS 33en)ufetfein rec^teroibrigcn Öe» brauc^eß, ben auf bie 9iec§teroibrigfeit au^naf)merocife fid^ erftrecfenben 3.^ors W' üu biefcm 3c§Iuffc fann ic^ von meiner 9(uffaffung auö fcrbftocrftänblic^ ni(^t gelongen; auc^ fe^c ic^ feinen GJrunb, roeölialb in bicfer .»pinfic^t gcrabc ^ie Urfunbenfälfc^ung eine Slußnafjme machen foUte. Sluf bie Jragc, ob jum ^elütecorfa^ bo« 33en)u6tfcin ber iWcc^töroibrigfcit gehöre, fjabe ic^ feine 3Jcr- onlaffung näber einjugefjcn; bafe ic^ fic ücmeine (in bcmfelbcn Binn^, loie »erfcl, ^ebrbuc^ §29, 31, 3Ke9er, Äefjrbuc^ §25, für bie Siegel au(§ p. l'isjt, £ebrbuc§ § 37, 'SS, ogl. auc^ 33 cm er § 122 u. a. m.), ergibt fic§ auS ben oorangegangenen 9(udfü^rungen Don felbft. 88 ^rof. Dr. 3a!ob SBßeiömann. tücife an, bafe — roic ja ntöglid^ roärc — jum 2^^atbefianb bc$ üoUcnbcteu SJcIiftcö bie gelungene Si^äufd^ung üerlangt mürbe. 2)amit rofirbe geroife am 3Sorfa6 nid^tö geänbert, \irit> t)od) roürbe man if)n nur ald S^äufd&ung^oorfaft beuten fönnen. 3ft biefe 2luffaffung bes 33orfa6eö rt^tig unb ift weiter rid}tig bie 2)eutuug, roeld&e oben bem ©rforbernis Der 6r^eblidE)feit ge: geben rourDe, fo bietet fid^ l^ier eine nid^t unbebeutfame Stü^e für bie Se^re oon ber ©traftoftgfeit beö SBerfud^eö mit abfolut untaug- UdE)em 9Rittel. '^0 S)enn e« i)at bann an biefer ©teile ha^ @efe§ ed pofitio auögefprod^en, bafe al§ 3)elift9^anblung nid^t jebe be= liebige, bie 2luöfü{)rung beö 2)elift§ bejroedfenbe, nid^t jebe mit bem ©eliftöDorfafe vorgenommene ipaublung, fonbern nur eine fold^e be^ trad^tet werben foU, roetd^e ben Selittöoorfafe ju oerioirflid[)eu aud) il^rer JJatur nad^ geeignet ift. "^) 9SgI. ouc^ Öoltbammcr a. D. ©. 569. 2Jaju aKerfcr, Sc^rbuc^ S. 132. 2. QU 3tiiattg5tr|irt|ttttg iugtttbliilier Vitthttditt in ^reu|etu Sugteid^ ein SBort sunt Gntiüurfc beö bcutfd^cn bürgcrlic^cu ©cfcßbudiä. 23on SCmtöric^tet SlltSmann in ©erlm. itaö $Rcid&^ftraf9efcfebucl& cnl()ält in älnfcl^iing bcr iugenblid^cu $erbre(!^er befanntlid) bic nac^ftc^cnbcn Sieftimmungcn : 1. äöcr ju bcr 3^it/ «^ö er eine ftrafbarc ^anblung beging, öa5 12. ßebensjafir nod) nid^t üollenbet \)attt, tanw nidftt ftrafred^t- lici üerfolgt werben (§ 55 ©t.@.S., fogenannte abfotute ©traf- unmüiiMgfcit). 2. 2ßcr ju ber S^it, aU er eine ftrafbare .^anblnng beging, jroar m 12., aber nod^ nid^t baä 18. Äebendja^r üoHenbet b^tte, iu retotit) ftrafinünbig, D. t). er wirb beftrnft, wenn er bei 83egel;nng öer J[)at bie jur ©rfenntniö il^rer Strafbarfeit erforberlic^e ©inftdjt bm (S 57 a. D.). 3)ie Strafen niilbern fid^ nad; ben im § 57 enthaltenen aSorfd^riften. ,,S)ic g^ei^eitöftrafe ift in befonbcren, jnr SBerbüpnng von Strafen jugenblic^er Sperfonen beftinnnten 3lnftalten ober JHöunien ju t)oIIjief)en." ^at Der relatio Strafniünbige bei löegc^nng ber Xbat bie jnr 6r!cnntni§ bcr Strafbarteit erforberlid^e ©infic^t nid^t befeffen, fo ift er frciäufprec^en (§ 56 a. D.)- „^r\ beni Urteile ift jn be^ ftinimcn, ob ber 2tngcfd^ulbigte feiner 3=aniilie überiüiefen ober in eine (rri^ief)ung§i ober Sejferungöanftalt gebradt)t loerben foU. ^n öer 3(nftalt ift er fo lange jn begatten, alö bie ber 2lnftalt üor^ SefeWe 33enoaltung§bel)örbe fold^cö für erforberlid; erad^tct, jebod^ »ic^t über baö DoIIcnbcte 20. Sebenöiafjr." 90 2tmt«ric^tcr «Itömann. So lauteten bie einfd^lägigen Sieftimmungen beö 9ieid)Sftraf= flefeftbud^S vox bem (Sriafe bcr 5{oüelIe t)om 16. Jyebruar 1876- 2)urcb biefeö ©efeft ift bem § 55, ber üoii Den abfolut Straf nnmünbigen Iianbelt, ein jroeiter 3lb|afe angefügt roorben folgenben Snl;alteö: ,,@cgen benfelben (b. i. bcn abfolut Strafunniünbigcn) tonnen jebodb nad) a)iafegabe bcr lanbeögefe^Hcöen 'i^ox- fdjriftcn bic jur S3efferung unb Seauffid)tigung geeigneten 3}taf3regeln getroffen merDen. 3"öbefont)cre fann bie Untere bringung in eine (£rjicl)ungö= ober ä)cfferung§anftalt cr^ folgen, nad)beni burd) S3efd)lu)3 ber äJormunbfi^aftöbe^örbe bie Segeljung ber ^anblung feftgefteüt unb bie Unter« bringung für suläffig erflärt ift." 9Jeucö ^ed^t rourbe im ©runbe nur burd) ben Sc^Iußfaft ber neuen ä?orfc^rift gefd^affen. "S^enn hiix6) bie in biefem Sajje ent- fialtene S3eftimmung: bafe bic Unterbringung be§ Straf unnnlnDigen in eine (Srsieljungö' ober Sefferungöanftalt nur erfolgen barf auf ©runb eines öefd^luffeö ber i^ormunbfc^aftöbeljörbc nad) J^ftftcUung ber Straftljat burd) biefe, würben bie bcftet)enben lanbeögefe^lid^cn SSorfd^riften, inforoeit fie abroeidjcnDen ^n^altö waren, abgeänbert, unb juglcid) lourbe eine binbenbe 9iorm gegeben für bie fpätereu lanbcägefeßlidjen S^eftimmungen. 3)agegen loar ber erfte Sag ber neuen äJorfdjrift im ©runöc entbef)rlid). S'cnn § 55 fd)IoB auc^ in ber früljern Jvaffung eben nur bie ftrafrcditlicbe ä>erfolgung ber Straf nnmünbigen aus. ^k 3lnorbnung oon er}ie^lid)cn, auf Siefferung unb 3}eauffid)tigung absielcnben 3)taftregeln roar Damit ber Sanbeögefefegebung feineöroegö untcrfagt. Sold)e 3)laftrcge(n tragen nidjt ben Gljarafter ftrafred)tlid[)er SJerfotgung^ ibre ainorb« nung fällt nidit in baö ©ebict beö Strafred)ts, fonbern gcliört bem ©ebiete beö äJormunbfd^aftämefenö (im meitern Sinne) an. Sonad) fonnte fd^on oor ©rlaß bcr 9Jooelle burd^ lanbcögcfcfelid^e 33e- ftimmungen aud^ bie Unterbringung beö Strafunniünbigcn in eine (£r}iel)ungö= ober Öcfferungöanftalt fclbft gegen ben SöiUcn ber ßltern angeorbnet werben. Senn aud^ biefe ^JÖJafercgcl ift, fofem nur bie 9lnftalt ilircn 3i«', 9lcirf)n)of)l bie Untcrbriiujung in eine Sefferungäam ftült, jofeni Die Uniftanbc fie er^eifd)en, ni^t bloß juläfet, fonbern jeraDeju anorbnet. J5on ber bargcicgteu Sluffaffung gingen a\\6) bie 3Jlotiüe bes ftitiourfd juin StciAöftrafgcfeftbud^ auö, foroic bie ©efefcgebung üer- iWencr SBunbcoftaaten, in roeld^en na6) ßrlaß beö 3?.St.@.35. lanbc^gefe^licbe ajorfc^riften gegeben icntben, um bie Unterbringung futlicS oerroaf^rlofter nnb üerbred)erif(^er Äinber in eine ©rjie^ungö- oDer Seffcrungöanftalt felbft roibcr ben SBitten ber ßltern ju er:: möglichen (t)gl. baö roürttembergifd^e @efe& oom 27. 2)ejember 1871, Jicgicrungöbl. für äBürttembcrg ®. 391, nnb ba§ an{)altifd^c ©efefc Dom 29. Sesember 1873, ©cfe^fannnlung für 3tnf)alt 3Jr. 33G). Ja jeboc^ in anbern Sunbeöftaaten S^^^if^^ ^^^^^ bie 3»läffi9fßit bejiebungöroeife bie fortbauernbe ©ültigteit fold}er 33eftiinmungen entftanöcn maren, fo rourbe in Den Entwurf ber dlovdlt vom 26. Jcbruar 1876 bie in 3iebe ftcljenbc jufäfclici^e Seftinnnung jn § 55 aufgenommen, mit bem ©d^lufefage: ,,3"öbefonbere fann üon öm ^^jolijeis ober 'i5ormunbfd&aftöbef)örben bie Unterbringung in eine (rrjiebungö' ober 33efferungöanftalt ocrfügt locrDen." 3m Seiiötagc f)at biefer 2atf feine je^igc gaffung ertialten unb ift bomit bie Unterbringung in eine Gräiet)ungö- ober 33efferungöanftalt reicbögcfeölidj an bie angegebenen i^orauöfeßungen gefnüpft roorben. 'Jiiebt lange 3^'* "^d^ ©rlaß ber ^iooetle erging für 5jircußen ööö Oiefet, betreffenb bie Unterbringung ocnoaljrlofter Äinber oom 13. 3Udrj 1878. üJauad^ werben Äinber, welrfie nad; SJoUenbung k% {\ unb t)or iNoUenbung be§ 12. ßebenäia^reö eine ftrafbare ^onDluug begangen f)abm, auf 33efd^luß beö ä5ormunbfd)aft§gerid;tö ?ur 3n)angöerjiet)un9 in eine geeignete gamilie ober in eine Gr= jiefiungöi ober S3efferungöanftalt untergebradjt, „wenn bie Unter- Wngung mit -Hüdtfic^t auf bie 33efd)affenf)eit ber ftrafbaren ^anb^ lung, auf bie ^erfönlic^teit ber (Jltern ober fonftigen (£r5iel)er be§ ÄiiiDcö unb auf beffcn übrige üebenöoerlialtniffe jur iserlnitnng ©euerer fittlid^er aJerroaljrtofung erforbcrlid^ ift". J)ie öcamten ber Staatöanroaltfdjaft finb üerpflidjtet, oon ben JH i^rer Äeiintnid gelangten ftrafbaren ^anblungen ©trafunmünbiger öem Sonnunl)fd^aftdgerid)t 9Kitteilung ju nmd)en. S)ie Unter- iriiignng liegt Den ^^roüinsiatoerbänben (für 33erlin unb granfc 92 2lmtört(§tcr 3(Itömann. furt a. an. bell Staöt!reifeu) ob, iüeld)c einen ftaatlidjen .3"f*"6 in Qb\)t her ^älftc bcr ihnen erroadifenben Sluölagcn erhalten. Sie Swangöerjieönng fann (nacf) ber jn beni ©efefte üoni 13. ü)laq 1878 ergangenen JZoüelle üoni 23. ^mi 1884), biö jur äJoUcnbung beö 18. iiebenöja^reö, anönaljmöroeife biö jnr ©roBjäbrigteit au«* gebe^nt werben. Sonnd^ gilt für ^srenfeen in 9tnfe()nng ber jngenblidjcn SSer« bred^er gegenwärtig folgenbeö: 1. Äinber, welche alö abfolut Strofunmünbige, b. ft. vor üollenbetem 12. Sebcnöjnbre eine ftrafbare ^anblnng bc^ gangen ^aben, fomit nad) § 55 St.®.S. ftrafred^tlid}er a>erfoIgnng nic^t nnterliegen, fönnen nad; näbcrer Se^ ftinunung bcö Giefe^eö oom 13. a)lärs 1878 anf iBefd^lnfe beö 3?ormunb|d;aft§gerid^tö awd) gegen ben 2i>iUcn ber Gltcrn ober ^'fteger für bie S^it biö snni roHenbeten 18., auönafimöroeifc biö jiim ooUenbeten 21. Sebenöiafjre jnr 3n)angöerjiel;ung nntergcbradjt werben. 2. ^ngenblic^c SJerbred^er, tt)eld)e alö relatio ©trafnuinbige, b. i. nad; SSoÜenbnng bcd 12., jebod) t)or ^J>olIenbnng bed 18. Äfeben§jal)reö eine ftrafbare §anblnng begangen ^abcn, aber freijnfpred;cn finb, weil fie bei SJegeljnng ber 2^bat bie jnr ©rfenntniö ber Strafbarfeit erforberlid)c ßinfid&t nid)t befafecn, fönnen geniäfe § 56 Slbf. 2 £t.Ö.33. nac^ 2lnorbnnng beö Straf rid;terö in eine CSräicl;ungö5 ober Seffernngöanftalt gebrad;t \mt> l;ier bid jum ooUenbetcu 20. fiebenöjaljre bel;alten werben. 3. 3n 3lnfet)ung fold;cr relatit) Stvafniünbiger, meldte jnr 3cit ber 3)ege^nng bcr 2^bat bie jur Grfcnntniö oer Strafbar* feit berfelben erforöerlic^e Ginfid)t befafsen, fonacö nnter 3lnroenönng Der ftrafmilDernDen 3}orfd)riften beö § 57 St.ö.SJ. jn beftrafen finb, gilt ber Sd)lnB)at bed § 57 ©t.05.33.: „!rie greil;eitöftrafe ift in befonbercn jnr Usa- bnfjung ron Strafen ingcnMid)cr '^^erfonen beftinunten 3lm ftalten ober $Hänmen jn ooUjie(;en." ^m übrigen finb öe-- ftinnnnngen über Gr}iel;nngö' nnb iieffcrungömaferegeln, roeldje gegen biefc jngenbliAen a5erbred;er nad) ä>ollftrednn9 ber Strafe in Slnroenbnng jn bringen loären, loeber im St.®.33. nod; im 3^^«"9^^i^iißl)""9ögefeOe enthalten. Sicfc Öcfcfec bcfd^ränfcn fid^ barauf, fiir bie ©rjicfiung fold^cr jugenbUcbeu 3Scrbred)er gürforge ju treffen, n)eld)en i^re Xf)at tri- nrinell \\xä)t jiigcredbnct roirD, weil fie bei Set^e^ung berfelben bie JUT Grtenntiüö t)er Strnfbarteit erforberlidje einfielt nic^t befafeen, iei c^ uQcö allgemeiner gefcftlid^er Jitlion (abfolut ©trafuumünbige, § 55 ct.®.©.)/ fei eö "od^ rid)terlid)er geftfteHung im einjelncu gaUe (§ 56 a. D.). SJon felbft brängt fid) ||ier bie grage auf, ob benn jugcnblid^e ^erfonen, roeld^e ftrafbare ^aubluiujeii bei üoHcr irrtcnntuiö ber Strafbarfeit begangen ^abm, Der J^^^^forge in ge^ ringcrcm ^})Jafee bcbürftig finb? Db nid^t t)ielmel)r bie bemuftte ®e^ fefeöoerlefinng ein Seweiö größerer aSerberbtljeit unb beäl)alb in jol(§em gallc eine er}ieI)enDe wnh beffernöe Giuroirhnig, wenn fie noc^ möglid) erfcbeint, nm fo bringeuDcr geboten ift? 2)aö ift ja geioiß, öüfe bie ©träfe, n)eld)e über biefe jugenblidicn 58erbred)er mbangt roirD, bie burd) bie Umftänbe gebotenen (Srsie l;ungöma {3- regeln nur in ben feltenften gälten erfe^en unb unnötig machen lanii. ätUenfallö bann, wenn eine SSerurteilung 5U inebrjät)riger ßefäugniöftrafe erfolgt unb biefe Strafe in einer befonbcrn 3lnftalt für jngenblic^e SJerbredber oollftredft lüirb, weld^e ibrer ßinridl)tung iiQd^ jugleid^ bie 2)ienfte einer (Srjie^ungöanftalt leiftet. 2lllein wie oft iDcröen fo f)of)e Strafen gegen ju9enblid)e aSerbred;ci* auösu^ Iprcdicn fein? 3)o^ nur in ganj ieltenen ^fällen. Offenbar aber tann eine ©elDftrafe ober eine 5reil)eitöftrafe oon einigen üWod;en ol>er 3l}onaten bie nad) ben gegebenen i>erl)ä[tniffen erforberlidjen 9cf[cruug§j ober (Srjie^ungömafjregcln in feiner iiJeife erfeften. 3n ber 2'l;at ftel)en mx Ijier ror einer ifüde Der ©efejjgebnng, n)cl(^c ficb in ber ^xajci^ in bebenflid)fter äi'eife fül)lbar ntad)t. 2^cr aU SSormunbfd^aftöridjter baö 3^ü^"9^e'^iie^""9ö9efeÖ ^^^ä^^^ toeuDcn bütte, roeife, wie groß bie S^ijl ber Jyälle ift, in n)eld)en bas GrforDerniö be§ § 1 biefeö ©efefecö sutuifft: ,,ba J3 bie Untere bringimg beö ÄinDeö jur 3^ö"Ö^<^^5ie^""0 ""t 3türfftd;t auf bie ?erjönlid;teit ber (Sltern ober fonftigcn (Srjieber beö Äinbcö unb üuf bcifen übrige iJebenöüerf)ältniffe jur SJerbütung loeiterer fitt= licter 3?eru)al)rlofung notioenDig ift". Joft immer geboren bie oerbred()erifd)en Äinber niittellofen Arbeiter- ober .^anbwerferfamilien an. SKö Straftt;atcn liegen nieiften§ vox: Settelei, Gntmenbung tjon ^Jabrungö^ ober Öenufj- niittedi unb 3)icbftal)l. 3ioar ift ber gaH fein ganj feltencr, "oa}] öer jugenblic^e a3erbred^er alö ein in leiblid^ guter pflege unD Gr^ 94 Sdutdric^tcr 31 Ud mann. jicl)iiug bcftublid^eö Äiub fid) crroeift, baö, fonft iiod^ rocuig ücrs borben, bic ©traftljat, j. SJ. ben 2)iebftaljl, beging, weil bic ©elegem ^cit, ein plöfeUd^eö ©elüft, böfeö Seifpiel ober anftiftung anbrcr e« üerlodten. 3n biefen gällen ift ein änlofe 5U äi^angserjiefiungfts maßregeln in ber SRegel nid^t gegeben. 2lllein wie ganj anberä oer^ält e§ fid) in ber großen SDJe^r^ ja^l ber gäOe! äiseld) büftereö Silb entl)üüt fid) nur ju oft bcm bie l)äuölid)en äJer^ältniffe be§ oerbred)erifd^cn Hinbeö erforfd)enDen SRid^ter! Dft geljt neben materieller 3fot fittlic^e 3Scrfomnicnl)cit ein- iger: ber SSater arbcitöfd^eu, ein ®en)ol;nf)eitötrinfer, öfter im ©e- fängniffc al§ bal)eim, bie 3)Jutter oon nid)t oiel befferem Sd&lage. 3" oielen gäden roieber bei leiblicher 3)Joralität bie traurigftc äußere ßagc: ber 9)Jann-ben 2:ag über aufeerljalb beö .öaufeö auf 9lrbeit, bie grau auf bcm ®ied)bette ober bei fdjlcd^tem Sßerbienft bed 9)Janneö gejwungen, ebenfalls auöiodrtö auf Slrbeit ju gelten, fo bafe bie Äinber Den ganjen 2^ag über fid) felbft überlaffen finb. Äein aBunber, bafe aM fold^en 3Jerl)ältniffen ^erauö M^ Äinb auf t)erbred^erifd)e S}al;n gerät: ä""i ^Jctteln (toenn nid^t 5um Stellen) auögefd^idt, ober bod; \ii} auffidjtöloö umt)ertreibenb, jeber SJer^ fül)rung preisgegeben, oft genug burd^ tuen «junger jum $)ctteln getrieben, finbet l^a^ Äinb beim 33etteln ©elcgenljeit jum 2)iebfta(|l \mh beginnt mit ber (gntroenbung oon 3lnl)rungömitteln, um balb aud) ©elb unb roaö i^m fonft in bie 9lugen ftic^t, ju fte^len, nic^t feiten f^liefelid) unter Slufreifeen üon Sdjränfen unb anberen Se^ Ijältniffen. ©in @lüdf, loenn ta^ Äinb bei 2}egel)ung ber Straft^at, rocld^e 5ur Äenntniö ber 3)ef|örbe gelangt, ha^ 12. Sebenöja^r nod) nic^t üoUenbet Ijat! Sllöbann beid)liefet ber ä5ormunbfd;aftdrid)ter bic 3toang§erjieI)ung ') unb lüenn nur bie Unterbringung eine jmedf^ ^) 3" eine»» 2(uffa^c 2f)ümmclfi: „^ic Unterbringung vStrafunmünDigct 5ur 3wanööcr3ict)unö ufro." im „(^cric^teiaal" 3iant) 40 .'öcft 1 findet fid) (auf ©. 45 unD öl) bic SCnfic^t, ber i^ormunbic^afU^rid)tcr t)abc nad) bcm ^lüangd- cr3tcl)un9ggc)c^ nur bic äw^öffigfcit ber 3">fl"d^er5icl)ung an^^ufprcd^cn, bic 5Jcr« ipaltungdticljürbc aber barübcr 5U bcfinbcn, ob bic 3»vangöcrAict)ung roirflid^ ein» treten foUc. 2)icic Cücftaltung t)attc ber Cintiuurf bcö 3^^^'"^öcr5ict)unij^öCK^c* bcabfidjtigt. 3lUciu im ifanbtag lourbcn bic cinfd^lägigcn iöcftimmungcn bcö Crnt« rourfd gcänbcrt unb nunmcl)r lautet § 2 bcs ä^^'^^Ö'^er^ie^ungegcfe^Wö : „3)ic Unterbringung jur 3»ü*"Ö^cr.^iel)ung erfolgt, nad)bcm Daö $ormunbfcbaft«- geridjt .... bic Unterbringung für crf orberlid) erflärt t)at'', unb § 7: „^-ic ^roüimialocrbünbc .... l)abcn bic :i>crpf lidjtung, auf örunb bc« öe* mdBtge ift, in^befonbere bie Srjiel^ungiS' unb Sefferung3anftalten ifcre cdiulbigicit tf)iui, fo toirb in bcr 'S}ltf)v^af)l bcr gäUc ein 3n> bioibuum, baö fonft faft unfehlbar bem 3Serbrcd)crtum ücrfallcu wäre, ]\i) fclbfl imb ber bürgcrlidbcn WcfcIIfdbaft gerettet roerben. Sic aber, tuenn jur 3cit ber SJegebung ber jur 2lnjeige gebrad^teit 2trQftt)at öad Äinö baö 12. Üebeuäja^r, fei e« aud^ nur um roeujge lifodjeii o^er a}ionate, überfd^ritten l^atte? ©elangt bie 2lnjeige an Den i^ormuiiDfdbaftörid^ter, fo wirb biefer, je lüünfd^endiüerter nad; SJoge ber 3>erl)ältniffe bie 3rofd'aftöflcrid)tö X>\c Untcrbriuöunö ... f)crbci^ufül)rcn.*' tano* ift x>w Gntfc^ciDung t)cd SSonnunbfc^aftöric^tcre für bie Jöcrroaltttnööbcj koiii binT)fnl>. 96 Slmtdric^ter 9(ltdmann. (n)of)t aUe ©trafen unter einem 9)Zonat) werben in beni ©efängniffe bcö ©eriditönfceö oDer in einem benad^barten geroöfinli^en ©efäng- niffe Dottftredt. Saß babei t)ielfad)e ^Berührungen beö jugenbli^en SBerbred^erö mit altern iserbred)ern faum üermeiblid^ finb, unb baß ber Slufentöalt in einem fold)en ©efänguiffc, roo Don erjie^enber unb beffernber (Sintüirfung auf ba« Äinb nidjt bic Stcbe ift, feine SBirtung faft inuner üöUig üerfeljlt, ift nur allju geiuiB. So greift ber Strafrid)ter nid;t feiten 5U ber üerjroeifelten 2lu§tunft, bie ©träfe, entgegen bem ShJortlaut unb ©inn be§ § 57 a. D., l;öl;er ju bemeffen, alö er einem erroa4)fenen 33erbred)er gegeiuiber gctl)an l)aben mürbe, nur um bem Äinbe bic ÜiJoljltbat ber Unterbringung in eine ©efangenanftalt für jugeuDlidjc ^i5erbredjer ju fid;crn. aber abgefel)en t)on ber UngefefelidS)feit biefeö ÜNerfabrenö — mie foUte, jumat bei iugcnblid)cn ä>crbred)ern ber nieörigften Ülltcroftufcn, ein Slufentljalt von üier ober fed^ö 3)?onaten in einer fold^en Jlnftalt Me bauernöe erjiel)lid;e gürforge, meldje bic Umftänbc notmcnbig mad&en, erfe^en tönnenV ÜDhife nid^t ber jugenblid^e 33crbrcd)er, ben traurigen aJerljältniffen, meld)c \\)n jum ä5erbred)er mad)ten, jurüdf gegeben, faft unauöbleiblid) roieber in bie alte S3af)n geraten? 2i>äre alfo nic^t, xotnn bic obengenannten SJorauöfe^ungen beö § 1 3jüö"9ö= erjie^ungögefe^cö oorliegen, bie 3"'ö"9^^^iic^ung gerabe be§ be^ ftraften jugenblid)en iJerbred^erö um fo bringenber geboten? "^Blan entgegne nid)t, bafi Ijicr ja bie allgemeinen gefeftlid^en SJeftimuunigen über bie ©rsieliung üermaljrlofter a)finberjäl)riger in auörcid)enbem a)?afic 9lbl)ilfe bieten merben. Tieö ift fcincömegä ber gali. Sie cinfd^lägigen S^eftimmungen bcö £anbred)tö unb ber ä$ormunl»fd)aftöorbnung finb völlig unjulänglid), eincöteiU, meil bem ßingreifen bcö ä?ormunbfdf)aftörid)terö ju enge ©rcnscn gesogen finb, auDcrntciU unb l)auptfäd)Iid), meil bie praftifdjc 2)urd}fül)rung jener aSorfdt)riften l)ödjft ungenügenb ober t)iclmel)r in feiner älunfe gc- fid)ert ift. 3n)ar ift für öen '^aü, bafj ber jugenbliAc 23crbred)er unter aSormunbfAaft ftcljt, fei eö, meil ber ä>ater tot ift ober meil bie t)ätcrlid)e GJemalt fonft aufget;ört bat ober rul)t, bem (Sinfd)reiten bcö 2?ormunDfd)aftörid^tcrö gcnügenb 3iaum gegeben. 3)cnn ber 5lsormunbfd()afterid^ter fann genuif3 § 28 ber i^ornmnbfdjaftöorbnung „ber l^Juttcr ^cö 53iünbelö bie C5rsiebung bcöfelben auö crbeblidjcn ©rünben nad) 3lnl)öning beö i^ormunDes unb bcö SBaifenratö" entäicljen. Sonad; ftet)t bem iNornninbfd)aftörid)ter baö i)ied)t ju. o§ne an bcu 2lntrag ober bie 3»ftitnmun(j beö SBomiunbcd gebuuben }u fein, bic äöegim^mc bcö iu8cnblid)cu 2>crbrccber§ auö ber ©r^ jie^ung bcr 9Rutter unb bcffcn anbcriüeitigc Unterbringung, fomit nötigenfalls aiic^ bic Unterbringung in eine ©rjie^uugöanftalt^) ju Derorbuen. Ste^t bagegen ber jugenblidfec SBcrbred^er unter üäterlid^er ©e? iDült, fo finb Dem ©ngreifen bed SJormunbfd^aftörid^terä ju enge Qrenjen gejogen. ^roax tann mä) § 86 ff. 2:eil II 2:itel 2 31.2.SR. auf 3>eranlaffung, bejie^ungörocife mit 3"ftimmung beö SJaterä bie Snorönung bcr nad) bem ©rmeffen beö 3Sormunbfd^Qftögerid)tö er* forberlici^en ©rjie^ung^: unb SefferungömaBregcln, alfo inöbefonbere au(ö Mc Unterbringung beö jugenbli^en SBerbred^erö in eine Seffe^ rungsanftalt erfolgen. allein biefe $)eftimmungen oerfagen junäd^ft gerabe in bcu fcilimmften gällen, roewn nämlid) bcr SBater felbft ntoralifd) oer- fommen ift. S)erfclbc wirb bann nid)t feiten ber 9Begnat)me beö Äinbe§ aus feiner ©rjie^ung fid^ roiberfeßen, ba ber fittlic^c S^ers berb beö Äinbcä i^n nidfit fümmert unb er anberfeits bie Slrbeitö^ !raft bcöfelben im ^aufe, foioie burd^ Slusfenben bes Äinbeö jum 5«ilbalten oon Sßaren unb bergl., (loo nicf)t gar burdl) Sluöfd^iden }um öetteln ober Stef)len), reid)lid^ }u miiim weife. älUerbingö fann nun weiter nad) §§ 90, 91 a. O.^) bie Söeg- na^me beö Äinbeö auö bem elterlichen ^aufe aud^ roiber htn 3Billen beö Saters angcorbnet roerben, rotnn „bie ©Item baö Äinb graufam mlB^anbeln, jum Söfen oerleiten ober il^m ben nötigen Unterhalt wrfagen". 2)ic „äJerleitung }um SJöfen" lüirb in \)e\\ eben er- wähnten fd^limmften gäUen nic^t feiten oorliegen, aber ber 'ilai):^ ^) Xai i>cr 33onnunM(^aftSric^tcr aucö o^nc bcn Eintrag, bc3icf)im9§n)ciic bie Suftimmung bcö Sotmunbd bie Unterbringung beö 9J2ünbe($ in eine (^r^ietjungS« flnftolt anorbnen Icnne, wirb freiUc^ nur oon bcnen jugegcben werben, welche ^ SJonnunbfc^aftSrit^ter auf 0runb feinet 2luffi(^tdredjtö bie 5u geiüiffem ^^U ein pofitioeS (5in?(^reiten auc^ in folc^en gäUen geftatten, loo eine ^flic^t« »«tlejung feitend be^ SSormunbeö nic^t üorliegt. Über biefen ^un!t befte^t be* totlicö Streit. *) §§ Ö(», 91 lauten: Sollten Gltem i^re Hinber graufam mife^anbeln ober 5um Söfen uerleitcn ober i^nen ben notbürftigen Unterhalt üerjagen, fo ift bad öonnunbfc^ftlic^e Gericht fd)ulbig, \id) ber Äinber üon Slmtö wegen an;une[)men. 9la(^ ^efunb bcr Umftänbc lann ben Altern in einem folt^en %a\lc bie Crr-- jif^ung genommen unb auf i^re Höften anbern juoerläffigen ^erfonen anuertraut Seitfi^r. f. b. gef. etraf«ernad^Iäffi9un9 ber ßr^ jiefiung feitenö Deö bem 2:runfe imb SDJüöiggang ergebenen iJater« beruljt. Ob aber für biefe gälle baö Sanbredjt fonft • eine auö- reicbenbe ^anb^abe gcroäl^rt, ift jroeifel^aft. ^mar fprid)t § 266 a. D.*) allgemein von einer ,,einfd^räntung ber üäterlidien ©eroalt in 3lnfel)ung ber erjietiung" au^ für ben 3^all, bafe ber i^ater „bie erjieljung üernad^läffigt". 2lllein eö erfd)eint feineöroegö fid)er, baß biefer SJeftimmung eine felbftänDigc öebeutung beijumeffcn ift, ins^ befonbere bal^in, bafe banad^ and) im galle ber Asernad^läffigung ^er erjie^ung feitenö bed SJaterö ber ajormnnbfdjaftörid^ter, mznw er eö für nötig eradjtet, bie entfernung be§ Äinbed anö bem elterlid)en tn §§ 90, 91, (auf roeld^e § 266 üeriueift), entbaltenen, in tier 2l)at \a roörtlid) reprobujierten SJeftimmungen geben roill, alfo nid)tö anbred befagen aU: (Singefdöränft wirb bie Däterlid)e ©eroalt in Slnfeliung ber ©rjicljung, wmw ber äSater biefelbe üernad)läffigt, inbem er Mi Äinb graufam mifebanbelt, jum $Jöfen oerleitet ufiu. g^reilid) märe biefe 2tuöbrud§roeife eine auffällige unb ungeroöljnlid^c. 3lnberfeitd aber fönnte man nod) barauf Ijinroeifen, baß § 266 jebe !i>orfd)rift barüber üermiffen täfet, in roelciier 2(rt benn im galle ber „^iser^ nad^läffigung ber erjieljung" bie Dätcrlidje öeroalt eingcfcbränft werben foll; eö müßte benn auö ber 33e5ugna{)me beö § 266 aucb ♦) § 206 lautet: (rinöcf(^rän!t wirb bie oätcrlic^c Wrroalt in ^ihifcfumö ber (Sr3icf)unß, wenn ber i^atcr bicfclbc ücrnad)lnffii]t, bie Hiuber graufam mij^anbclt, fte 3um S3öfcn verleitet ober if)neii ben nötigen Unter()alt oerfajjt. auf ben § 91 gefolgert n;crben, baö ©cfc^ l)abe biefeii ^aragrap^ mii für Den gall ber ,,!8crnac^läffi9ung bcr ©rjictiung" für an- toenöbat crfläreu lootten. hiergegen ließe fic^ iiiöbefoubere ein- iDcnben, eö fei faum aiijuncf)men, baß ber ©efe^geber, iiad^bem er in Den §§ 90, 91 bie SSorauSfefeungen für bie 3»Jä)Ugt^it ber ShJeg* na^me beö Äinbeö anö bem Qaxi^t bes 58aterö genau unb eng fifiert hatte, in bem refünricrenbeu § 266 bie gejogene ©rcnje fo )e()r l;abe eriDciteni wollen, ha^ er nun allgemein bie „3Scrnac^läffigung ber ßTjie^ung" alö auöreic^enben ®runD für bie äBegnaljme beö 5{inbed au§ Dem §aufe Dcö SJaterd erflärte. ^n ber J^at \)at eö faum einen Sinn, neben ber ä}ernaci|lä)Tigung ber 6r}ief|nng bie ,;^er= leitung jum ööfen", rocldie ja bie ärgfte äJernadiläffignng ber (Sr- jie^ung DarftcUt, nod^ befonberö ^eroorjul)eben. Scld^c J^ragmeite man aber and; bem fraglichen Sa^e beö § 266 beilegen möge,*) geroife ift, M^ § 266 a. D. immer ein ic^ulb^aftcö 2Jcrl)alren bed äJaterö ooransfefet. 9iun ift aber in fe^r oielen gälten bie $Jern)a{)rlofung beö jiigenblic^en Serbrcc^erö auf ein fdjulbl)afte« 3Serljalten ber ßltern nic^t jurüdjufü^ren. Dft mac^t benfelben i^re XJage eö eben uns möglich, iid) ^inrcid^enb um bie (£r}ie{)ung i^rer Äinber ju lümmern, roie in bem fe^r häufigen JJaUe, bafe ber aJlann alö 2^agcarbeiter, Kaurer ober bergl. ben 2^ag, ja bie ganje äßod)e über fid) au^^ nianö auf 3lrbcit befinbet, roät^renb bie grau oon ber Sorge um Me 2i>irtf(i^aft, foroie um bie Heineren Äinber, l;äufig and) burd^ 33e- mü^ungen um eignen 3iebenerroerb ganj in 2lnfprud; genommen JoirD. jöierju fommt, t>ai in oielen gälten — namentlid) gerabe kei fc6on bcftraften jugenblid&en SBerbrec^ern — loegen befonberö t(^limmer 3Scrantagung ober weit oorgefd)rittener SJerDorbenljeit beö jungen 3Kenfc^en bie 6rjiel)ung im ©Itern^aufc eben überhaupt niiit mel)r auöreidit unb nur oon längerer Unterbringung in einer roollgeleiteten älnftalt nod) $eil ju ermarten ift. 3n allen biefen gälten ift nac^ ben lanbred)tlid^en 33eftimmungen Me Säcgna^me beö Äinbeö an% bem ©Itern^aufe nur mit 3"ftnn"i»"9 öe4 äJaterö juläffig. 6« le^rt aber bie ©rfa^rung bei atnroenbung t>e5 iroanQ%txikf)\inQ^tU^t^, baß auf biefe 3"flin"«i"i9 feineöroegö *) 8c^cic^nenbcnüei|e finbct ftc^ t)ic Tragweite bcr fraölici)cn ©cftinimuiiij ^ § 266 unD ba^ 3Jcr^ältnid biefcö ^aragrapf)cn ju S§ ÖO, 91 in bcr Itiittc^ wtur, fomcl idf fe^e, nirßenbd erörtert, ^ic fragli^c iBorfc^rift bcd §206 ift ^ eine tote, proftifci^et öebeutung entbe^renbc (üöI. auc§ baS ^volöcnbc). 100 Slmtörici^tcr 311 1« mann. immer ju red^nen ift. 2(ud^ orbeittUd^e £eute mDerfpred^eu lüd^t feiten ber burdi bic Umftäube bringenb gebotenen anberroeitigcn Unterbringung i^rcö Äinbeö teiU a\x^ falf^er Sdiam, teilö aud ßigenfinn nnb Sefdiränft^eit. 35aö 3wongöerjief)ungägcfe6 \)ai in 3lnfel)ung ber ftrafmünbigen jugenblid)en äJerbred^er l)ier 3lbl)ilte ge^ fd^affen, inbem cd bie gortnafime bcd Äinbeö am ber Grjie^ung bei Gltern, wenn bie Umftäube fie er^eifd^en, von ber 3uftimmung ber Slteru gänjlid^ unabhängig mad)te. ^ie gleid^e 93eftimmung müBte and) l;infid)tlic^ ber nad; § 57 ©t.@.3). beftraften jugenbUd^en SJcr- brcc^er getroffen loerben. ^ier jeigt fidj) fonad^ eine bebenfUd^c fiüde in beu befteljenben materieflen, b. 1^. bie 3i»I^fU9f^it ber 3roangöerjie^ung betreffenben SBorfdt)riften. 2tllein bieö ift nodf) ber geringere Übelftanb. äßeit fd)limmer ift, bafe bie befte^enbe ©efe^gebung, aud^ forocit fie 3ioangöerjiel)ungömQ6regeIn gegen nid^t unter baö 3iööngös ersieliungögefefc foUenbe jugenblid^e SBerbredfter juläjgt bejie^ungd= roeife anorbnet, f)öd^ft ungenügenb für bie praftifd^e Surc^fü^rung ber betreffenben öeftimmungen forgt. 3n 3Bal)r]^eit finb biefe 3)eftimmungen oon fel)r geringer pxah tifd;er Sebeutung. 3""äd()ft fommt eö überl)aupt nur in t>e\\ feU teuften %ä\len ju einem Eingreifen bes SBormunbfdjaftögerid^t«. S)enn mäljrenb auf bem ©ebiete beö S^anQ^txikf)x\nQ^%tUi^^ uad^ gefefelid^er SSerpflic^tung bie ©taatöanroaltfd^aft, bejie^ungörocife i^re Hilfsorgane, bie ^^^oli5eibe^örben, unb auä eignem Sttntriebe bie Sdf^ule bem äJormunbfdl)aftörid)ter regelmäßig 3lnjeige erftatten unb reid^lid^ 3"^ö"9^^^^ji^lj""9^^^i^i^öge ftellen, fo baß ui^t leidet ein gall, roeldjer ju ernftlid)er ©rroägung ber Jiotroenbigfeit oon 3»öangd- cr}iel)ungöma6regeln 2tnla6 gibt, ber ^^Jrüfung beö SBornuntbfd^aftds rid[)terä entgcl)t, fünunert fidi um ben beftraften jugenblic^cn 3Jer^ bredjer, mag er im 18. ober im 14. ßeben§jaf)re fte^en, nad& SJoH- ftredung ber Strafe in ber SRegel niemanb. 3Jur in ben feltenften gällen erl)ält alfo ber 33ormunbfd)aftörid|)ter ä?eranlaffung, in eine ^Prüfung ber 2?erl)ältniffe einjutreten. (Sd gefd|iel)t meiftenö eben gar nid^tö, baä t)erbred^erifd)e Äinb bleibt in feinen biöljerigen 35crljältniffen unb feinem Sc^idfale überlaffen, baö eö nur ju oft binnen turjem roieber in baö ©efängniö fülirt. Slnbererfeit« ift gegcniüärtig aber aud^ fein Siaum für ein umfaffenbercö er? fprieBlic^eö ßinfd^reiten beö 3>ormunbfdt)aftdgeric^tö. Dl^ne 3tt»^'if^l mürbe, menn ein fold^eö Ginfd;reiten a\i6) nur I)infid^tlid^ ber ^ic 3iiKin9^r}te^ung jugenDü^er Set^rcc^er in $reu(cn. 101 jugenblicöcn SSerbrcd^er bcr nicbrigPcn 3lltcr§ftufcn (etwa üom 12. bi« 15. gebcnöia^r) rcgclmäfeig ftattfänbc, jäfirlid) eine oer^ältniös mdBig fetir große 3ct^l beftrafter Äinber fid) atö ber Swangöerjie^ung unö indbefonbere ber jeitroeifeu Unterbringung in einer 2lnftalt bc= bürftig erroeifen. 9iun fönnte aber gegenwärtig eine fo große ^al)i wn fiinbern jroecfentfpred^enb gor nid^t untergebracht merben. es tel|lt an Der ridbtigeu Seitung ber Unterbringung, eö fct)lt an bcn erforbcrlic^en ©elbmittetn unb inöbefonbere an t)m nötigen %iu italten. "JRad^tn biefe Übelftänbe bod) fd^on in ben wenigen fällen, in benen Der SJormunbfd^aftdrid^ter jeftt tf)atfäd^lid) ein f dt) reitet, fid^ üuBerft tut)lbar. S(^on oben ift I)eroorge^oben, bafe bie große 3Kef)rjaf)l ber iugenDlid^en äSerbrec^er htw ärmften '^o(!s!laffen ange()ört. ^anac^ fann ba^in gefteQt bleiben, ob gegenwärtig bie auf @runb bed Sroangöerjie^ungögefeßes unb bed § 56 St.@.33. errichteten öffent= liefen änftalten überl)üupt in ber Üage unb bereit wären, jugenb? lidic l^erbrec^er, weld&e nid^t unter bie 3)eftinnnungen biefer ©efefee jaden, gegen 6ntfc^äbigung jur (Srjie^ung aufjuneljinen. (rd würben in faft allen gälien eben bie 3Kittel fehlen, bie Äoften fold^er Unter- bringung ju beftreiten. 3)er jugcnblic^e ä5erbred{)er felbft unb feine filtern befißen biefe 3)littel i)'66))t feiten. 2)ie 3lrinenoerbänDe aber, wlc^e nöligenfalld allerbings eintreten muffen, werben, wenigftenö in allen löuDlicben unb in ben fleinern ftäDtifcben öejirten, fid& eut)d|ieben weigern, bie beträc^tlid{)en Äoften ber Unterbringung in einer 6rjiel)ungsanftalt ju beftreiten, fie begnügen fic^ bamit, M^ Äinö einer gamilie in 6rjiel|ung ju geben. ^*) 9Jun ift aber gcvabe bei jc^on beftraften jugenblidien SUerbrec^ern oon einer fold&en 3)JaBs Tegel in bcr SRefirja^l ber gäHe ein ßrfolg überhaupt nicbt ju er= »arten. Jlid^t o^ne ®runb bringen bie ^^rooinjialbel^örben, weld^en bie äuöfü^rung ber nad) bem ©efefe oom 13. 3)Jär} 1878 er- gebonöen 3roangöcr}ie^ungsbefd^lttffe obliege, bie il)rer Seitung unter- nellten jugenblict)en äJerbred^er regehnöfeig juoörberft für entfpredt)enbe 3cit in einer ßräie^ungöanftalt unter. Grft wenn baö oerwaljrlofte JugeuMic^e 3"biüiDuum Durcb bie ftete 2luffic^t unö baö ftreng ge^ *) 3n einigen ©egenbcn befielen .3lettimgöt)üu|er", welche t>ux6) '^uvaU 0obItl|ätigfeit errid^tet ftnb un)> unterhalten loerDen. ^iefelben mögen fegcn^^ ^ genug n»irfen, jur ^etfung t>ed oot^anbenen $el>ürfnif{ed uermögen fte jeboc^ ^ geringen 3^4^ ^^^ befcbränften 3Kittel wegen etipad dknnendn^erted nic^t ^»utwgen. 102 9(mtdnc^tcr 91 Uf» mann. regelte teben in einer jipedmäfeig geleiteten 3lnftQlt an ^wi^t nnb Drbnung gen)öf)nt roorben ift, tann e§ ol)nc bie bringenbc ®efal)r beö 3tüdfaD[§ in bie früfiere 23al)n ber leidstem 3luffid^t in einer ganiilie nberlaffen werben. @ilt bieä aber für bie unter Das 3n)ang§erjiefjungögeie^ faUenben üerbredierifd^en Minber, roeld^e, aU in ganj jngenblidieni 2llter fteljenb, regelmäßig leidster tenfbar nnb weniger oerborben fein werben aU bie altern, fd^on beftraften jugenDs licfien SJerbred^er, fo ift für biefe lefetern bie roenigftenö jcitweife Unterbringung in einer 3lnftalt für bie 9)Jel)r3af)l ber gäde um fo bringenöer geboten, ^ält eä bod) aud^ fe^r fd)n)er, 5^"^^^^^^^ ä» finben, roelcbe bie ßräiel;nng inöbefonbere fdjon beftrafter jugenbs lid;er ä>erbred)er 5u übernef)inen äugleid^ geeignet unb loiUenö finb. ©erabe bie geeigneten ganiilien werben, fd^on aus 9lüdfid6t auf il;re eignen Äinber, fel)r ungern einer fo fdjwierigen 3lufgabe fic^ unteriieljcn. (So fommt Ijinju, bafe bie meiftenö ol)nel)in ftarf be? laftcten :J(rmenDerbänbc in \>t\i länblic^en unb ben fleinern ftäötifd^cn Sejirfen begreiflidl)crv wenn awö) fel;r bebauerlidberweife basu neigen, bie 33erpflegung ber iUnber, für weld)e fie Sorge tragen muffen, bem 3)iinbeftforberntien ju überlaffcn ober bod^ ha^ iscrpflegungöi gelb möglidbft niebrig 5u bemeffen. i>on einer 2luöwal;l ber %a- milien nad; il;rer ersiefierifd^en ikfäbigung ift bemnad^ wotjl faum jemals öie Siebe. isielmef)r finb eö meift gamilien in ber bebürf^ tigften Sage, weld[)e bie 35erpflegung ber Äinoer (in ber Siegel mel;rerer gicid&seitig) übernel;men. ') Um auf iljre Siedjuung ju fommen, fuc^en biefe Seute bann bie 3lrbeitöfraft ber iljnen an- vertrauten Äinöer naä) ÜJiöglid)feit aussunufcen unb halten biefelben nid)t bloß ju 3lrbciten im ^aufe unb auf bem gelbe, fonbern oft genug axid^ jum austragen unb J^ilbieten oon äöaren unb bergl. an, wobei bie Äinber Ijalbe Xage lang obne 3tufficöt finb. (Sine berartige Unterbringung ift nid)t oljne Öefabren felbft für ein um Derborbcnes ÄinD; baf, baoon eine gebeil)lid;e erjieblid^e äBirfung auf ein entartetes, ftetcr 3luffidl)t \\n\) gürforge bebürftiges Äinb nic^t ju erwarten ift, bebarf feiner ÜluSfüljrung. 2)as 3^^^i^G^cr}icl)ungSgefe6 Ijat in 9lufel)ung ber ftrafunmün^ bigen Ä>erbred}er aud^ in biefem ^^Juntte 2lbl;ilfe gefdjaffen, inbem ") Xie ^ormünt)cr be^ict)iin^fi;n)eijc ^fl^öcr laficn ber SlnncnocriDaUunc; nicift ganj freie ömtt», ncl)mcn ipoI)1 aud) iclbft ^Hücffic^t auf bcn ©cmcinbeiäcfcl. äl)nlid) iiert)ült ee }\6) mit ben 95}aijcnräten. So erl)ält ber SSormunbfc^aft^rid^ter von ungeeiöneter Unterbringung incift leine ÄenntniS. 3)i« 3vAnd^^^3t^^u^d jugcnblic^er SSerbrcc^cr in $reuf(en. 103 c« bie Unterbringung unter ©emöl^rimg eines ©taatsjufd^uffeö ben großen finanj^lräftigen SBerbönben übertrug, roelci&e für bie ®im ridjtung unb Unterhaltung ber erforberlid^en (£rjief)ung§= unb Skjicrungöanftalten unb für gef)örige 2tu§n)ttl)l ber ganiilien, roelcfeen ÄiuDct anoertraut werben, ©orge tragen, ^n ä^nliä)cx SBeife wäre aud) ^infid)tlid^ ber fcijon beftraften jugenblid^en SBerbredier gürforge ju treffen. 2Ja§ Grgebniö biefer ©rörterung ift fonad^: 3Bie in 2lnfel)ung ber flrafunmünöigen 3Jerbreciier bie beftel)enben Seftimnuingen burd^ Den 6rlaB beö Sw'^^Ö^^^i'^lj^^Ö^Ö^KÖ^^ i" ^^^^ {)croorge^obenen i'unften ergänjt werben mufeten, fo erroeift in eben benfelben ^'mitten bie beftel)enbe ©efe^gebung aud^ bejüglicb ber beftraften jugenMicften 95erbred)er fid^ als uujulänglid^ unb reformbebürftig. Si(t)crlirf) finb bie Sßirfuugen bes 3"^^"0^^^}^^')""9^8ff^6^^ anwerft ügenörciAe ; balb genug werben fie in ber Äriniinalftatiftif i)txx)OT' treten. 2Bie ober t)infidt)tUd) ber beftraften jugenblidben SJerbrcd^er baö Übel nnb bie Öefafir nodf) ungleidf) größere finb, fo wäre Ijier auci^ Me 3lbl)ilfe Don nod^ weit wo^lt{)ätii3eren folgen, ßeiber ift nic^t }u bejroeifcln, bafe gegenwärtig ein fef)r groger Xeil ber (ju @e= fäiigniöftrafe) ücrurteilten jugenblidben SBerbred^er rütffällig wirb, um fdjliefelid) nur ju oft bem aSerbred)ertum bauernb ju ücrfaUen. ^) äi^ie uuenblid) fegenöreidf) föunte f)ier burd^ geeignete -DJaBrcgeln ber 3roang§crjie^ung gewirlt werben! 3)fan wenöe nic^t ein, bafe (rräiebungömaferegeln bei beftraften jugeublidtjen i>erbrec^eru in ber SHejel }u fpät foinmen werben. (Sine jwerfniäBige eräiel)(id)e (Sin- roirtung wirb felbft bei beni 16= ober ITjäbrigeu S8evbred;cr nur feiten oerloren fein, biefelbe ift bei Äinbern }wifd)en bem 12. unb 16. :i'ebenöjat)r um fo mel)r an beu Stelle, je empfänglidfier geraDe biefes iliebenöalter für gute wie für üerberblid^e (Jinflüffe ift. 3luf bie in Diefem iiebenöalter fte^enben jugenbtidl)cn äJerbredjer werben im übrigen bie in grage fte()enben -iDJaBna^meu wenigfteuö vorläufig 511 bejd)ränfen fein. Senn bie ^al)l ber jä^rlid; in ^^jreufeen jur Verurteilung gelangenben jugenblid)en ^erfoneu ift eine ml ju groBe, al§ baß e§ tl)unlidö wäre, oon Dornl;erein ben neuen 23e5 nimmungen bie an [lä) freitid) wünfdl)enöwerte 2luöDel;nung ju -} ?iac^ ber amtlichen Ärimmalftntifti! für bnS 3at)r 1884 finb in biefcm 3af|K eine ^Mn^at)! jugcnblic^cr JJcrbrcc^cr .^rcifc^cn bcni 15. unb bem 18., ja fo^ gar jiDifc^en bem 12. unb 15. 3a^rc wegen 2)iebfta()I^ im n)iebert)Olten 3iü(ffatt Mtraft toorben. 104 Stmtdric^ter 9t ltdmann. geben. ^) 6ö wirb oielme^r nötig fein, fdirittroeife oorjugeficn nnb junäd^ft eine Sllterögrenje ju jie{)en etwa bal)in, baft nnr bie jngcnb^ liefen SJerbrcd^cr üom Dollenbeten 12. bi§ jum 15. Sebensjabre unter bie neuen SJeftimnningen gebrad^t werben, ^'"^c'^^i" roärc bamit roenigftenö bem bringenbften Sebürfniffe abge()olfcn. 3lller^ bingd würben and) in biefer befdiräntten 3)nrcbfü^rung bie in grage ftef)enben 3)Ja<3regeln fetir beträd^tlidie Slufroenbungen notroenbig niad^en. 3lUein biefe Stufwenbungcn wären geeignet, eine grofee 3al)l von :3nbimbnen, welche fonft bem 3?erbred^ertume verfallen unb alö fd)äblicbe Sc^marofter um Staatdorganiömnö jel)ren würben, ju nüßlicfeen ©liebem ber bürgerlicl)en ©efellfdiaft jn erjie^en. (SS lämen alfo bie ju (eiftenben 3lnögaben ber ©efellfc^aft mittelbar wieber ju gute, ^a, eö würbe ber Staat bie von if)\n ju gcwätiren^ ben 3i*f4)ü||c Jii eimm ertieblic^en 2:eile birelt wieber einbringen bnrd^ bie ju erwartenbe SBerminbernng ber ^a\)l ber ©efängni^ unb 3"^t{)auöinfa))en unb burd^ entfpred^enbe (Srfparnis an hcn für bie Unterl)altung biefer Slnftalten erforberlidien ausgaben. Um ein 3)reifad^e§ ^anbelt eö fid) nad) bem oben aufgeführten: 1. Sie beftetienben 3)eftimnnmgen über bie 3"'öffig!eit ber 3wangöerjiet)ung finb baf)in ju änbern, bafe bie 3"^ö"9^^ijic^"»9 beftrafter jugenblid^er ä>erbrcd)er in allen %ä\lcn, in welchen bie Umftänbe fie erfieifdien, angeorbnet werben fann, auc^ ol)nc 3"= ftimmnng beö SBaterö unb felbft wenn biefen ein aSorwnrf nicbt trifft. 2. Gö mu§ — innerhalb ber junäd^ft ju jiel)enben aiterd= grenjen — baö regelmäßige ©infd^reiten be« i^ormunbfc^aftörid^tcrd burc^ jwedfentfpre^enbe ä>orfdf)riften gerid)ert werben, bamit bie 3wangäerjie^ung ba, wo fie not tl)ut, aud^ wirflic^i eintritt, unb enblid^ 3. bie 3luöfüf)rung ber 3n'ö"9^^^icf;ungöma6regeln muß, unter Öewäfirung ftaatlic^en 3")4"ffßö/ größeren, finanjfräftigen ajerbänben übertragen werben, weld)e für bie einrid^tung unb Unterf)altung ber erforberlidien erjie^ungös mib Sefferungganftalten JU forgen l)aben. ») Xk amtad)e Ärimmaißatipir für baS ^af)x 18S4 gibt ^ie 3al)I t>cr in Dicfcm ^af)xt bcftraftcn iuöcnbli(^cn SScrbrcdjcr auf 31 :i42 an. 2)aüon bürftcn etroa 18000 auf ^rcuficn entfalten. (Sincn wie großen Teil t)ic 53crbrecbcr Der nicbrigftcn 2lltcrdftufcn oon bem ooUcnbcten 12. bid ^uin ootlcnl^etcn 15. Scbcn«« ja^r auemac^cn, tft ntc^t erftc^tlic^. S^^^f^U^ roeniger a(d t)te .^älfte, fo Daß i^rc 3a^l etroa 7000 jä^rlici^ betrüge. I t I ^ie g^^ngder^ic^ung jugenbltc^cr 35crbrc(5cr in ^teuficn. 105 3)a§ QcetQnctftc aKittel jur ©rrcidöung biefer 3^^^^ wäre bic Xuöbe^nuug be^ bcftef)cnbcn Sw^augöcrjicfiungögefcfecä, baö in 3ln= fe^ung ber abfolut Strafunmünbigcn im locfcntlid^cn bie glciciicn 3n)cdc ocrfolgt, auf bic in Siebe ftef)eiibcn jugenblid^eu Serbred^er. Dafe bie Sanbcögefeftgebung für bcn ßrla§ bcr fraglid^en auf We 3"läfngleit bejiü. 9?otroenbigfeit ber 3roangöeriief)ung bejüg^ Ii4ci! Seflimtuungen toinpeteut ift, wieroot)! § 57 ©t.®.33. einen bieebejüglicbeu audbrüdlid^en 93orbeba(t nid)t mad^t^ ergiebt fid^ ous bem eingangs Sargelegten. 6ö l;anbelt fidf) um aJZaferegeln eräie^crifcber Slatur, roeld^e bem (Sebiete beä SSormunbfd^aftöroefenö angeliören, nid^t um 3llte firafred)tlid^er äJerfolgung. Sonad^ fann oon einem Übergriff in baö ftrafred^tlic^e ©ebiet, einem Gingriff in bie Äompetenj beö 9ieic^e§ nid^t bie SRebe fein. 3)agegen fönnte allerbings in grage fommen, ob nid^t reic^ögefefelidSje Siegelung ju crftreben märe bal)in, ba§ bem § 57 eine bem abf. 2 beö § 56 £t.(3.8. entfpred^cnbe SBorfdt)rift beigefügt unb fonad; bem ©trafs ric^ter aufgegeben mürbe, bei ©rlafe beö Urteil ö jugleid) barflber entfd^eibung }u treffen, ob (nacb SBoDfiredEung ber ©träfe) bie 3roang§er}ie^ung eintreten foUc. 2lIIein eine fold^e Siegelung märe Derfel)lt. 3"^örberft gebührt bie fraglid^e ©ntfd)eibung alö red^t eigentlid^ bem ©ebiet beö SBormunbfd)aftöroefenö angeljörig, natur? gemäß bem aSormunbfd^aftörid^ter. ©ö märe ferner menig prattifd^, ba§ 3>erfa^reu, baö roefentlid^ in ©rmittelnngen beftef)t über Qi)a- rafter, Sebenöroeife, Seumunb ber ©Itern, bad ^ert)alten beö jugenb* liefen Serbred^erö in ber ©diule ufro. an bie ftarren formen beö Straf pro Jeff es }u binben. Überbieö fönnen leidEit geroiditige, für bie SJotroenbigteit ber 3w'ongöerjie^ung fpred^cnbe Umftänbe erft ein^ treten ober befannt werben, nad^bem baö ©trafurteil re^tsfräftig ergangen ifl, abgefe^en baoon, baJ5, falls eine längere g^reil)eitö' ftrafe gegen ben jugenbtidt)en SSerbred^er ju oolIftrecEen mar, bie Sufeerung beö ©trafanftaltöDorftanbeö über bas S?erl)alten bes SSer^ brec^erö im ©efängnis nidit o^ne Sebeutung für bic ©ntfc^eibung fein roirb. gnblid) tommt in öetrad^t, baß fein auöreid^enber ©runb rorliegt, burdb rcid^ögcfc^lid^e Seftinunungen in bie be^ ftet;cnbcn lanbeögefctlidjcn SBorfd^riften einjugreifen, foroeit biefc bie fraglid^c ®ntfdf)cibung anberen 33ef)örbcn als bem ©trofrid^ter, insbefonberc ber 93ormunbfd^aftdbcl)örbe übertragen. '°) ^^) ^ent Sormunbf(|aftdric^ter gebührt bie (Sntfc^eiDung r\a^ bem bat>if(^en 106 9(mtdci(4ter Sdtdmann. 6ö lüärc fonad) eine cntfprcc^cnbc (Srroeitcrung bcö 3™^"S^ crjicfiunflägcfcftcö für baö jroedmäfeiflfte 5U crad^tcn. ^k SScrbäube, TOcld^cn in jenem ©efefte bie Untcrbrinflnng ber ücrroaljrtoftcn Äinbcr übertragen ift, nämlid^ bie ^proüinjialocrbänbe bejro. bie ©tabtfreife öerlin unb grantfurt a. ^L erfd^einen aud^ für bie muc atufgabe als bie geeignetften. S^^ßl^i^ würben baburd), bafe bie neu l^injutommeuben ^^^fleglinge 5um 2^eil in ben bereits befteljen- ben (entfpred&enb ju erroeiternben) (Srjiel^ungd- unb Scjferungös anftalten untergebrad^t werben f bunten, bie Äoften I;erabgeminbert. greilic^ wirb ber (Staatö5ufd)u6, roeld^er fd^on nad^ bem be- ftefienben 3»^öJ^9ö^tjie^ungögefefe geleiftet wirb, gegenüber ber fo feljr erweiterten ätufgabe um fo weniger 5U entbetjrcn fein. 3m übrigen bliebe 5u erwägen, ob nidftt bei Übertragung ber äJor^ fd^rift bes § 1 bed 3"'^"9ö^^^jicl)ungögefe6es auf bie Ijier in grage 0cfc^ bctrcffcnb „bie ftaatlid^c gürforgc crroac^icucr iugcnblic^cr ^crfoncn" oom 4. 3Kai 1886. § 1 bicfc§ öcfc^cö lautet: „3urtcnbli(^e ^erfonen, iDclc^e t>ai 16. 2eben§ia()r nocft ni(^t ooHenbet ^aben, fönnen loegen fittlic^er 35ern)a^rlofung auf ©runb einer geriditlic^en (5ntfd)eibung in eine geeiönete gamilie ober in eine ftaatlic^e ober eine geeignete ^rlüat« crjie^ungd; ober 9efferung6anfta(t untergebradjt roerben: iDenn i()r fittÜc^eS 9Bo()l burc^ i)2i^brauc^ bed Gr|iie^ungSre(t)td ober burc^ grobe SJeniacbläffigung feitene ber (Altern ober fonftigen 5^^ f orger gefät)rbet ift, ober: wenn nac^ it)reni Süerbalten bie GrjietiungSgeroalt ber Gltem ober fon« ftigen gürforger unb bie Suchtmittel ber Schule fic^ jur 35er^ütung it)reg üöUigen fittlicben ißerberbenö unzulänglich eriüeifcn." ^ie Unterbringung erfolgt auf SJefc^lufe bed 2lnitSgeric^t6 burc^ bie i^er« roaltungöbe^örbe. ^ie Soften loerben, foroeit fie ber '^^flegling, be.^iet)ungsn)eife bie ^erjonen, loelc^e für ben Unterhalt boöfelben ju forgen oerpflidjtct finb, nicJjt aufbringen fönnen, i>on bem Crtearmenoerbanbe unb faft jiu jroei dritteln oon ber Staatßfaffe getragen. Siücf griff an ben Sögling, U^^ et fvÄtcr \u bin« reic^enbem Vermögen gelangt, ift üorbe^alten. S^iefeö rübmen'Sroerte (im ein? jelnen vielfach an ba$ preu^ijc^e 3^^öngger.ucl)ungögeie^ ficb anlebnenbe) C^efe^ bejeitigt für fein Öeltungögebiet im roeiteften 3Ka^e bie im üorftebenben erörterten, in ^reufeen noc^ beftel)enben Übelftänbe. 3" ocnuiff^^n fmb nur öcftimmungcn, welche baö (Jinfcbreiten beä 3Sormunbfc^aftdric^terd für bie Jy^^Ue, roo eö not tl)ut, fiebern, inSbefonbere alfo bie 95orfcbrift, bafe alle jugenblicbe SSerbrec^er be^ ents fprec^enben 2llter5 betreffenben 6trafaften an ben ^Bormunbfcbaft^ric^ter abjugeben ftnb greilic^ liefec eine folc^e Slnorbnung fic^ auc^ burc^ minifterielle 'Verfügung treffen, unb iiieUeicI)t ift pe getroffen worben. 3a ben anbern beutfcben üBunbeöftaaten fc^einen bie S^inge burc^roeg ä^n* lic^, alfo nic^t beffer .;u liegen wie in ^reu^en. Sidjerlic^ aber würbe X>a^ gute ^eifpiel bed größten "^unbedftaatd nit^t of)ne 9{ac^folge bleiben. ^tc S^^^d^c^Si^^ung jugenMic^cv SSerbtct^ct in ^reu^cn. 107 fte^eubcn iugcnblid^cn SJcrbrcd^cr aU S^td bcr Siüongöcrjieliung neben ber ,,93crf)iitun9 toeitercr fittlidjcr a5ern)al)rIofung" bic $erbci= fü^ning ber SBcifcrung bereits arg Derroa^rloftcr ^ßerfoucn ^erüor- ju^eben toare. Oft genug roirb eö fic^ bei fd^on beftrafteu jugcub- lieben äSerbrec^ern, felbft bei foldj^en, roclc^e baö 16. Saljr nod) nid^t eneid)t ^aben, uid^t foroofil um ein S3crf)inbcrn tieferen Sinfenö aU oielmeljr barum l)anbeln, ben bereits tief ©efunfenen roieber auf bcjfere ^^^fabe ju lenten. 3)er Strafoottftredungsbe^örbe (alfo ben 2lmt§gerid^ten beju). Uer StQatöann)altf(iQft bei ben Sanbgerid^ten) wäre jur ^^flid^t ju machen, waä) ©intritt ber 3led)t§fraft beö gegen ben jugenblid^en i>erbrcd)er ergangnen Strafurteils, bejw. — wenn auf eine längere ?rrcibcilsftrafe erfannt ift — einige 3^it etwa 4 äßod&en, üor 33e= cnDigung ber ©traf^aft bie 3lften bem SBorinunbfcI)aftörid^ter ju überfenDen jur Prüfung, ob bie 3i^^^^9öcri^iel)nng anjuorbnen ift. Sil bem burdö bas 3n'öngSer5iel^ungSgefefe uorgefc^riebenen ä?erfaf)ren rcdre roenig ju änbern. 3Sor ber ßntfdfieibung l)ättc ber 3}ormunbs fdjQftsriditer aufeer ben im ^toanQ^exik\)\mQ^z]t^z aufgcfül;rten SebörDen unb ^^crfonen aud; t>m ©trafanftaltSüorftanb ju \)öxtn, l'ofern Die Derbüjatc greiljeitöftrafe eine gcwiffe Sauer (etma von 3 3)ionaten) erreichte. 2>ie 3cf^ftcfl""9 ^^^ Straftliat burd) ben l>ormunbfc^aft0rid)ter l^ätte bem red)t§Iräftigcn ©trafurteile gcgen= über in SSegfall ju fommen. '0 !^cm 3"tere)ie, rocld^eö ber giölus unb bie übrigen beteiligten y^erbänbe — inöbefonbere bem erweiterten (>>efeft gegenüber — baran l)aben, bafe bie 3i^öngSer}iel)ung nid)t oljne ausreid)enbe ?>cranlaffung angeorbnet loirb, ift fd)on in bem befteljenben Oiefefe baburcj^ 9le(^nung getragen, bafe ber Drtspolijeibeljörbe bejm. bem fonft burd^ ben SJlinifter beö 3^^"^^^^ f"^ t^^ö 3"5^"9^f^ji^^""9ö= üerfal)ren beftcHten SBertreter ber ©taatöregierung baö 9led)t ber 8ef4roerbc aud; gegen ben bie 3"Jö"9öer5iel)ung ausfprec^enben Öefd^lufe gegeben ift. 2)en ^^ro^)injial^)erbänben überbieö nod) ein '^; SJagcgcn bliebe nu prüfen, ob bic neuen Xkftimmungcn nic^t baf)in ju faffen, bafe au^cr ben befttaftcn jugenMic^en >vreülcm auc^ biejenigen bannxter fielen, njeld)c Der Scftrafung mnngelö 5(ntrag^ (bei 2lntrag«beliften) ober infolge 5?er burc^ SBernad()läffigung be« ilinbeö beffen gciftigc§ ober leiblidieö 3iJol;l gefä^rbct ober wenn eine foldje ©efd^r-- bung infolge e^rlofen oDer unfittlicben äJerljaltenö öeö ^n- ^aberö ber elterlid^en ©ewalt für bie 3"f"»ft Ju beforgen ift, fo ^at baö a}onnunbfd)aftögerid)t Die 5ur 3lbwcnbung ber Öefabr erforberlid)en 3)Za6regeln ju treffen. 3)ad a5ormunbfd^aftögerid)t fann indbcfouDerc anorbnen, bafe Daö Äinb jum 3n)edte ber (Srjiebung in einer geeigneten gamilie ober in einer Grjiebungöanftalt ober 33effcrung§' anftalt unterjubringen fei. 35er Gntwurf ge^t fonac^ um ein er^eblidjeö weiter, alö M^ preu6ifd)e Sanbrec^t unb gibt bem eingreifen bcö l^ormunbfd)aftö- ricbterö bebeutenb met)r Spielraum, ^mmcrljin läßt aud^ ber entwurf hk Unterbringung beö Äinbeö jur 3wangöerjiet)ung gegen ^tc ßi^OAnd^^i^^ung jugenbUc^er SBecbred^er in $ceu^en. 109 ben Söillcn bcö 3"Öö6^^^ ^^^ cltcrlid&cn ©croalt nur ju bei mora= lif(ier llnti)üTt»i9!cit bes Ic^tern ober fd^ulb^aftcm SJcr^altcu bcö« fclben, iuöbcfoubcre fcbulbl)aftcr 35crnad)läffi9img ber (Srjie^ung, imö in bcT Xt)at fanii, foferii cö ftd) um eine aSorfd^rift allgeincincr Slatur [)anbelt, in weiter ge^citbeiii aRafee tu bie 3ied)te ber (Altern nic^t cinflegriffen rocrbeu. 6d ift inöbefonbere roeber erforberlid), iu)(| rodre eä gered&tfcrtigt, ganj allgemein bie Unterbringung jur Sroongöcrjie^ung axiä) bann für ftatt^aft 5U erflären, wenn nad^ änficftt ber aSormunbfc^aftöbe^öTbe bie (fonft unbefd)oltenen unb pflic^tgctreuen) ßltcrn il^rer materiellen Sage wegen außer ftanbe oDer rocgen 3)Jangclö an ©nergic unb anteiligen} unfät)ig finb, bad (bö)e ober Ieid)tfinnig üeranlagte) Äinb üor SJerroal^rlofung ju f(^ü5en. ^öanbelt cö fid^ jebodt) um Äinber, roeld^e erroiefenermafeen bereits gegen ba^ Strafgefefe fid^ uergaitgen ^aben, liegen fonad) gewichtige X^atfad&en vor, n)eld^e bafür fpredben, bafe bie ©rjie^ung unb 3)eauffid^tigung im ©Iternl^aufe jur ä5erl;ütung arger 6nt- Ortung beö Äinbeö, jur SJtbiüe^r t)erbred[)erifc^en 3;^unö nidt)t aud= reid^t, fo fann auf baö 3led^t ber ©Item itid^t mef)r ängftlidf) 9iüdE- fic^t genommen rocrben. 2)aö öffentlid^e Qntereffe überwiegt banit baö pritjate, baö Siedet ber Gltcrit, bie ßrjief)img it)rer Äinber lelbft ju leiten, inufe beut Siedete beö Staate« itjeid^eit, fic^ unter ollen Umftänben gegen baö $erann)ad)fen Derbrec^erifd^er ©lemcnte SU tDc^ren. ©ö finb beöt)alb für bie in Jrage ftef)enben gälle ^^) SonDerbeftimmnitgen, roeld^e beut Gingreifen ber SJorntuubfc^aftd- bewerbe gröfeeni Spielraum geioäf)reit, ebenfo n)ol)l ftattfiaft aU nottoenbig; eö bebarf }ur Grgänjung ber allgemeinen Ü5orfd^riften bcfonbcrer auf bie jugenblidt)en SBerbred^er bejüglidjjer Seftintmungen, wie fie § 55 2lbf. 2 St.Ö.S. uitb bie ein|d)lägigen Sanbeägefe^e für ben Äreis ber abfohit ©trafuitmünbigen getroffen l^aben. Sßill bQ§ beutfd^e bürgerlid{)e ©efefebud^ folclie ©pe5ialt)orfd^riften felbft ni4t geben, fo wirb es burd^ entfprec^enben SSorbe^alt im ©in« tü^rungögefe^ ber fianbeögefeftgebung freien 3laum laffen muffen. 3nt 4. Sanbe ber aWotioe jum Gntrourfe beö bttrgerlid^en ejbud^eö ift ju § 154G benterft, beut Ginfü^rungögefe|}C bleibe ^-) S^ioc^ weitet Qct)t baö oben cnDär)ntc babifc^c @efe^, inbem eö bie 3n»iing3er;(tei)ung fclbft gegen ben SBiUen ber (Altern auc^ bann suläfu, roenn •njdi tiem 3?ertjalten" be§ ifinbeS bie (rr.^ie^imgögeroalt ber Gltetn unb bie 3"^*' mittel Der Schule fi(^ 5ur $er()ütung üöUigen fittlic^en Serberbend unjulönglic^ «Twijen. 110 S(mtdrid)ter Slltdmann. üorbcfialtcn, ju beftiinineu, „ob imb inroierocit bic auf foäialpoliti- fd^cu ©rünbcn bcru^cnbcu imb mit bem öffentlid)ca Siecht im cng= ftcn 3ufammen^an9c ftef)cnben, auf ein cngcrcö ©ebict ficb bcfd^ränfem bell i^or)(i^rifte^ bcd § 55 9lbf. 2 bcö ©t.®.33. unb bic auf ©nmb biefcr 35or)d)riften crtaffenen laubeögefe^lid^en Scftimmungen über bic 3»o^»9öcr}ie^uu9 ücrroa^rlofter Äiuber neben Dem bürgcrlid&cu ®efe^bud)c aufredet ju erf)alten fein roerbcu". T^cd rocitern Reifet cö: „^m 2lnfd)Iuf)c an t)e\\ ieneu ä?or)d;riftcu ju ©runbc liegcubcn ©ebaulcn aM ©rünbcn bed öffentlichen ^ntereffed unb bcd Snter- cffeö beö Äinbcö bem SSormunöfd^aftögcrid^tc burd^ ta^ bürgcrlidj^c ©efefebud) Qawji allgemein baö Siecht beijulegen, nadj) 3)la6gabc bed § 1546 aud) bann gegen ben Sn^aber ber elterlid)en ©cwalt ein^ jufd&rcitcn, rocnu baß Äinb eine ftrafbare ^anblung begangen f)at unb mit SRüdfid^t auf bic SSefd^affcntieit ber te^tern, auf bic 5pcr- fönlidbteit bcö Sn^aberö ber cttcrlid^en ©eroalt unD bic fonftigcn Scbenöoerl^ättniffc bcö Äinbe« bic ©cfa^r weiterer fittlidS)cr SBcrroaljrs lofung bcö Äinbes bcgrünbet ift, — unb jroar olinc Untcrfd)icb, ob bic SBcrroaljrlofung tt^ Äinbcö auf ein 3?erfdS)ulbcn bcö .^n^aberö ber clterlid^cn ©croalt jurüdfgcfüt)rt roerben fanu ober ob bcrfelbe feinerfeitö alles getrau bot, um ber SJcrroabrlofung bes Äinbcö, fo^ roeit bicö in feinen Gräften fielet, oorjubcugcn — , ift t)om prioat- redf)tlicben ©tanbpunfte auö als bebcntlic^ crad^tet, aud) ift eine fold)C Siegelung burd) ein prattifdöeö 33ebürfni§ nid)t geboten, ju= mal Die Öeftimmung bcö § 1504'^) bem 3"^obcr ber cltcrlid[)en ©croalt bic 3J!öglid)fcit gcroäf)rt, baö ocrroal;rloftc Äinb mit .^ilfe Des iBormunbfd^aftögericbtcö in einer 6r}icf)ungö- unb Sefferungö^ anftalt unterjubringen. 2Beigert fid) ber 3»()öbcr ber cltcrlidljen ©eroalt ofinc genügenben ©runb, biefc SRaferegcl ju ergreifen, ob^ rooljl bicfelbc im ^ntcrcffc bcö Äinbeö jum ^w^ät ber ©rjicljung beö teljtern fic^ al§ notroenbiij errocift, fo tann in einem fold&en gallc baß äJorunnibfd)aft9geridbt auö Dem 0cfid)töpunfte ber SBer^ nad)lä}figung Der ©rsic^ung bcö ÄinDcö unter Umftänben nunmebr von 3lmt§ roegen nad) 3)Za6gabc beö § 1546 eingreifen." ^3) § '['Mi bc§ (EntrourfS tautet: 2)ic Sorflc für Die ^crfon (unt) t»c3 Äinbce) umfafet inebcfonbcrc bic Sorge für bic Gr3ic()ung bcö Minbeö unb bic 9(ufftcfat über baefelbe. ©ic gewährt bic 93cfugni§, bei Slueübung bcd (Sr^ieljungfl- rccl)td angcmeffenc 3wtf)timttcl anjuroenbcn. 2)ad SBonuuubfc^aftögcnc^t t)at bcn 55crcc^tigten auf bcffcn 3lntrag burc^ geeignete S^'ittÖ'^inuBrcgeln in ber %uii Übung be$ elterlichen 3ud)trcc^td nac^ uerftänblic^cm irrmcffcn ju untcrftüfcn. ^U 3i[i><^9^^Si^4un9 iugenblid^ct Ser^rc^cr in $reu^en. 111 3u bicfcn 3[uöf Urningen ifl folgcnbcö ju bcmcrfen: 6d ift nidbt red^t flar, roaö bie aJJotbc bamit fagcn rooUcn, ber (Srlafe üon Seftimmungen ber fraglid^cn 9trt fei „t)om priüats te4tli(^cn Stanbpunft quo als bebenflid^ erad^tet". ^ügli^ä^ iftinn bie$ nicbt ^eijsen^ man ^abe fold)e ä3efttmmungen überhaupt für «nsuläifig angefcljen, bcnn bie 3)lotm felbft mad^en geltenb, bafe Me §§ löO«! unD 1546 im rocf entließen ju beiufelbeu ^klt führten. Sonatö fdijcint nur gemeint jn fein, man ^abe bie 3lufnat)me ^er rroglicfeeii i^eftinimungen in baö bürgerlid^e @efefebud& für bebenflid> erachtet, weil bie i>orfc^riften beöfelben üorroiegenb oon prioatred^t:^ li^cn Öe|i(^t§pnnfteu auö ju normieren feien, jene Seftimmungen aber als Quf fo}iaIpolitif*en ®rünben beru^enb me^r bem öffentlichen Scd^tc augel)örten. hiergegen roäre nichts einjuroenben. 3lUein inbem Düs bürgerliche Öefcfebud^ pdf) auf biefen Stanbpunft fteHt, mufe eö für biejeuigeu Seftimniungeu, roeld^e üom ©tanbpunfte bes öffenttid)en Sccl)t§ x\nt> be§ öffentlichen ;3ntereffe§ auö für notroeubig ju er- achten finb, freie 33a^n laffen. ©ö ift nun aber im üorftel^enben Mrgelegt, ein mie großes öffentlid^eö ^ntereffe baran befielt, bafe fe 3roang§er5iel)ung üerbred^erifd^er Äinber nid^t oon bem U\u trage Der (Altern abpngig gemad&t roirb, einem Slntrage, ber au(^ 0011 orDentlid^en iJeuten nur in feltenen gäHen ju erwarten ift. Jü$ öffentliche Sj^^^^^^lf^ forbert r)ietmel)r bringenb, bafe gefefeUd^ füt Aufbringung ber Äoften ber 3n>öugöerjief)ung geforgt unb bie S?erpflid)tung ber Sef)örbe feftgeftellt wirb, üon 2lmtö wegen über bie Siotmenbigteit ber S^^^Öö^^^ii^^^^Ö t)erbredf)erifc^er Äinber ju befiuben. 6$ fönnteu aDerbingö nun, foroeit es fid^ nur um ©pejiaU Stimmungen wad) niefen beiben Uticbtungen l^anöelt, biefelben burd^ bie itianDcögefefegebung aud) im Stammen ber §§ 1546, 1504 red)ts= pttig getroffen roerben. 3lllein baö öffentlid^e 3»^^^^ffc erforbert, roic gejeigt ift, weiter, bafe ber SSomtunbfd^aftöricfiter baö SRedfit ^abe, bie ^"^öngöersie^ung üerbred^erifd^er Äinber nötigenfalls au4 gegen ben Sßiüen felbft ber unbefcf)ottenen unb pflid^tgetreuen ßlteni eintreten 5U laffen, wie bies für ben ÄreiS ber abfolut ctrafuiimünbigcn § 55 3lbf. 2 ©t.@.23. unb bie im Slufd^lufe baran ergangenen ©efe^e unb in nod^ roeiterm Umfange ba§ er= roä^nte baöifdE)e 0efe^ bereits üorfd)reibeu. )lßenn bie 3JJotioe eine befonbere Seftimmung ^ier für überflüffig galten, roeil jenes 9ted()t bes Sornmnbfc^aftsri^ters aus ben SJorfc^riften bes § 1546 bes 112 ^mtdric^tcc 9( 1 1 § m a n n. ©ntrourfd [\^ ergebe, infoferii nämlid^ bie SJerroeigcrung bcö älntraged auf 3^^^i^9^^^ii^()uii9 i^ einem ^aUe, n)o biefe ben Umftänben uad^ geboten fei, für eine ,,SBerna(i)täffigung bed Äinöeä" ju erad)ten, fo ift biefe Slrguinentation bod^ niinbeftenö jn)eifelt)aft. 3Sernad)Iäffigung fc^t ein 3>erfd)ulben üorauö; foU ein fotd^eö and) angenommen werben, wenn ber Später lebiglid^ aus 3)fangel an ßinfid^t fid) 5U Unred)t bie ^a^igfeit beimißt, fein üer^ roatirlofteö Äinb fetbft auf einen beffern äiJeg }u leiten? ©id&erlid^ ift es baö Slic^tige, ^ier 3w>^U<^'i^ ^^Wt 9taum ju laffen, fonbem bem oorliegenben Scbtirfniffe burd) eine flare Seftimmnng ju gc= nügen. ^Demgemäß foUte im ©infül^rungögefeg jum bürgerlidien ©efe^bud^ bie SJorfdirift be« § 55 9lbf. 2 St.Ö.S. nid)t bloß auf= red)t erl^alten, fonbcrn auf ade jugenblid^en a>erbred)er eutfprec^enb ausgebel)nt loerben. **) SBenige SBorte 5um £d)Iu6. Unfre 3^i^ ift ber Aufgaben, roeld^e bie SetWtigung prafti- fd^en G^riftentums, bie Sorge um $3efferung ber Sage ber großen 9)Jaffen il;r, inöbefonbere ber ©efe^gebung unb bem Staate ftellt, fid^ üoD beroußt. ©roßeö ift jur Söfung biefer 2lufgaben teils fd^on gefdf)el)en, teils im 2i}erte. 3" bem äiMc^tigften, roas nod^ ju t^un bleibt, gel;ört eine roirtfamere gürforge für t>k in mate^ rieliem unb fittlid()em ßlenb ^eranroadjfenbe proletarifd&e 3»8^"b. 3n einem trefflid)cn 3luffage Ülfd^rotts,'') n)eld)er bem äJerfaffer furj üor ä?oUenbung biefer Slb^anblung ju ©efid^t fommt, wirb unter gelegentlidjer S3erüt)rung aud) ber l;ier bargelegten Übelftänöe bie 6inrid)tung üon (SrjictjungSs unb 2lrbeitsanftalten nac^ bem 3Kufter ber englifd^en industrial and work-scliools jur Untere bringung uerroa^rlofter ober ber 35erroaf)rlofung ausgefegter, roie^ roo^l nod) nid)t auf r)erbred}erifdS)c 93af)n geratener Äinber empfot)len. 9iid^ts wäre roünfd^enSroertcr, als bie S)ur^fül)rung biefer 3)Jaßrcgel in weitem Umfange, unb bie Jüeftimmungcn bes § 1547 bes S3.@.äJ.fe|5en ") yia^ 9lrt. 16 bcö GntrourfS jum (5infüt)tun0§gcfcic foU bie 25orfd|rift bcS § 55 5lbf. 2 8t.0.^. aufrecht crf)altcu rocrbcn, jcboc^ ofjnc Sludbcfmung auf bcftraftc iußcnblic^c '^crbrcc^er. 2)icic ©cftaltung ift nic^t tloft praftifc^ un^uläng« Ud), fonbem aud:^ iiitonfequent, weit bicfelben Wrüubc, auQ benen bie 3Kotiuc jium § 151(3 ben (rrlafe ber frajjlic^en SSorfc^rift für bie fceftraften ju^^enblicben "ikv-- bred^er a(S unnötig] ablcl)nen, auc^ gegen bie Ü)2ottpenbig!elt ber ^ufrec^ter^altimd beö § 55 3(b). 2 St.C^.U fprec^en.* **J /f3"^ Slefonn beS beutjc^en Strafe unb ©efängni^rocfenö" in Z VIII 41. Xic S^A^d^^^d^e^ung jugenbltc^cr SSctbrec^cr in $teu|en. 113 für il|rc ipirffamc S)urd&füf)rung berartigc ©inrid^tungcn oorau«. allein CS roirb nötig fein, fd^ritttocifc Dorjugc^cn xirib baö ^xd von üombcrein nidöt ju rocit ju ftcdcn, bamit ba« 2)ringlid&ftc um fo cl^cr crreidit wirb. 3Baö aber am mciftcn not t^ut, ift, bafür ju forgcn. Dag Me bcreitö auf bic Sal)n bcö SBcrbrcd^cuö geratene 3ugenb üor gänj- Mm i^crfinten gerettet wirb* 2)aö ©taat«interef[e ift hierbei in l)ö(fiftcm 3)JaBc beteiligt, bie 3tufgabe ift wichtiger aU felbft bie bodjirid&tige Steform beö ©traftJoUftrecfungötoefenö, l^anbett eö ficft Dod) rarum, bad Übel an ber ääurjel aniufaffeu unb eine ber ^uvtqueflen beö IJerbredfiertumö ju ücrftopfen. 2luc^ ift bad oor« baiiDenc SJebürfnid bereits feit langem anerfannt roorben. ©d^on bei Beratung beS Gntiourfs jum ©efefte Dom 13. 3Jlär} 1878 loiirDc im 3lbgeorbnetent)aufe (Dergt. ben S)erid)t ber Äommifjion öesfclben) eine ©timmc laut, welche bic Grftrecfnng bcö ©cfeßes üur ücrfarcdberifc^e Ätinber toenigftenS bis juin ooUenbeten 14. ii^benSs jabre fordert, unb bei ber 3. itiefung beS CSntrourfS nai)m baS Slb* iieorDiicten^au« eine 3lcfolution an, burd^ rodele Die üRegierung er- futjt würbe, „bem i^anbtage einen ©efcfeentrourf über bie Untere brinc\ung folc^er ocrroal^rloften flinber oorjulegen, roeld^c roeber burc^ bas 3"'öngöerjiet)ungSgcfe6 nod^ burd) anbre befie^enbe öe- nimnmngcn betroffen loerben". Xa^ man üorfid^tig unb mit weijem :BJaBl)alten ju SSerfe ging, als eS galt, ben crften Sd^ritt auf bis Daljin unbetretener Sal^n ju t^un, roar ol;ne 3"^^Ußl ^^11= fommen rid^tig. 9lllein feit bem ©rlafe bes B^JöngScrsieljungS^ gcjc^es finb 12 3a^re pcrfloffcn, reid^lid^e Crfafirungen finb ge^ iammelt, meldte insbefonbere aud^ ein Urteil barüber ermögtid^en TDerDen, ein loie großer 2eil ber jur Seftrafung gelangenben jugenb^ lieben t^crbrec^er ber 3rocingSerjiel)ung oorausfic^tlicb bcDürfcn wirb unö roelc^er Äoftenaufroanb fonad) mit ber Grrociterung beS Öefeftes mbiinöen ift. GS ift bcs^alb jefet an ber 3eit, jenem erften fo roo^It^ätigen Sd^ritte ben jiDciten nod^ bringlic^eren unb nod^ i^9ensreid[)eren folgen ju laffen. 3«ti4rift f. b. 0cf. 3ttofn(^t«w. XL 3. Qte 3tQangsrr|ttl)ttttg in il)trr prDpl)yiahtirii)cn titbruhmg« ä^on Dr. SubtPtg %Vit\>, 9lec^tdann)a(t in S)2mnv 3la^ bcr beutf(i)cu ©trafftatiftif für ba^ ^af)x 1886 betrug bie 3at)l bcr SlbgcurtcUtcit unter 18 Sauren 37 339, bie ber SJer- urteilten 31483: auf 100 000 6inn)ol)ner unter 18 ^a^ren tarnen 671 abgeurteilte unb 565 5Berurteilte ; wirb bie kriminalität ber Grroac^fenen == 100 gefegt, fo beträgt bie Äriminalität ber ^ugenb^ liefen in gebadetem 3a^re 52. SBergleid^t man biefe ©rgcbniffe mit ben bejüglic^en g^eftftelluugen ber ^^orjal^re, fo erf)ält man baö Stefultat, bap bie Beteiligung ber ^^ugenblidien an \)tn ftraf baren ^anbluugen feit 1882 nur geringen ©c^roantungen unterworfen geioefcn ift. Gegenüber bem 3abre 1885 ifl sroar eine 3?erme^rung eingetreten, bocb ift biefelbe nicht bebeutcnb genug, um befonberc älufmcrffamfeit auf fid^ ju lenfcn, xxnh man barf M\)cx von einer im n)efentlid)en fonftanten ^öt)e ber kriminalität jugenblid)er ^cx-^ fönen loä^renö ber ^^^eriobe 1882/86 fpred^en. Siefe für bie fojiaU ett)ifd)e aJerwertung triminalftatiftifd^er 3)aten nid^t feljr erfreuliebe 2:i;ütfad^e oeranlaßt uns 5U einer SBetrad^tung bcr 3")angöerjiel]ung ocrioaljrloftcr Äinber, roelcbe ja ben S^^^ ocrfolgt, in propbg^ lattifd^cr 3Beife bcr 3>ermel)rung ber jugenblicben tlbeltbätcr ent^ gegcnsnarbciten , fie regt ju einer Unterfud^ung bcr Jyrogc an, n)cld)cn Urfadjcn cö jujufd)rcibcn ift, baB bie 3^^^"fl^cr}iel)ung bidljcr aU '^^rop^plajre nid)t baö gciciftet ^at, tuad man oon ibr erwartete unb roaö fie bei rid)tigcr 'ilnrocnöung ju leiftcn wobl tn ber Sage ift, ob bcjüglid; it)rcr gcfcglid^en Siegelung oöer bcjüglid^ i^rer 3luöfüt)rung 3)Jängel oorljanöen finb, rocld)c ben biöljerigen •JJtifjcrfolg erflärcn Sicfcr Untcrfudjung foU im folgenben näbcr getreten werben. Jvitt bcu TOcitQUö größten 2:cil bcö J^ciitfd^cn 3leid&c§ CEifticreit je^t $oridbriftcn, locld^c bem Staate bic WoQli^Uii geben, bie 6r= jieöuiig t)ou ftinbcrn im 2llter abfoluter Strafuumünbigleit unter ge- mijcn Isorauöfcfeungen in eigne ^anb ju nef)inen. SBenn and^ im einjclneu unter ben ©cfe^gebungen toid^tigc Unter) d^iebe befteljen, fo itimmen jte bodb in ben ©runbjügen überein unb man fann mit iJoe^ring bie roefentlidien aSorauöfe^ungen, unter roeldben bnö i^eltenbe Siedet bie SBer^ängung ber 3roangöerjief)nug juläfet, bal^in jUiQuimenf äffen, bafe eine grobe ajernad^läffigung ber ßrjie^ung ieiteuö ber Grjie^ungöüerpflid^teten foroie fic^tbarc Solficn ber SSer^ nailäfftgung auf feiten ber 6r}ief)ungöbebürftigen in i^rem ©e^ iamtoer^alten bei Segeljung ftrafbarer ^anblungen Dorl^anben fein inüifcn. ') Sie @ef cggebungen ^abcn fid^ bei Siegelung ber SBorauß:- le^ungcn jumeift an ben § 1 beö prcufeifd^en ©efe^eö Dom 13. SRärs 1878 angelehnt, roeld^er beftimmt, bafe Äinber jmifdjen 6 unb 12 ^a^ren oon Cbrigfeitö toegen jur (Srjie^ung in einer gamitie oöer Sefferungöanjlalt untergebrad^t werben tonnen, wenn fie eine ftrofbare ^anblung begangen ^aben unb bie Unterbringung mit Sürfjid^t auf bic SBefc^affen^ieit berfelben, auf bie ^^^erfönlidj)teit ber ßltem ober fonftigen ©rjiel^er beö Äinbeö unb auf beffen übrige &bcnöoer^ältniffc jur SSer^ütung weiterer fittlid&er 'iJerroatirtofung erforberli^ ift. SDicfe SBorauöfefiung ift aber o.iel ju eng, fie legt in einfeitiger SSeife einen SBert auf ba§ SBerüben einer ftrafbareu §anblung unb fd^obigt ^ierburdfi ben propl)i)Iaftifd()en 3"^^^ '^^^ ganjeu ©efefteö in er^cblid^cm SDfafee; fid^erlic^ liegt ()ierin mit ein 6nmb bafür, bafe von ber 3KJö"Söci^ii^^^"i9 »i^t ^^^ umfaffenbe ßebrand) gemad^t mirb, ber am 5piafte märe unb ba§ il^re bic oer- bre(!^erifd^c ©ntartung oer^ütenben äiSirfungen bi§ jefet nod^ nidf)t in Dem geljofftcn Umfange ju erfe^en finb. 2)ie 3"^i^"9^^'^ji^l)^*^^fl ift/ wie fdbon i^r Siamc befagt, feine ©träfe, fonbern eine er- jie^erifd^c 2Wa®eI, bic ®igcnfd()aft, ein Siecbtögut oerle^en ober wrnic^ten ju motten, ift i^r fremb, fie foU ein ber Grjiel^ung nodfj inbigeö äßefen burd^ erjiel)erifdf)e 3)}ittel fitltid) unb rec^ttid) l)eben uuö bcffern, auä einem ocrroa^rloften ©cfd^öpfe ein mit normalen JSornclImigen, mit normaler Sentungöioeife erfüttteö nmd)cn, fie foU ba§ fittenlofe Äinb ju einem fittlid^en umbilben unb fo oerljüten. ^) gocfjring, 2)ic 3roanöÖcr:;ic()img unb bic ^Pcftvafuuii 5iujcnt»licl)cr in P. ^ol^cnborffd ig>ant)bu(^ bcÄ (Scfänöni^wcfcnö II, 3. -iHO-a-i?. 8* 116 Dr. Subroig gulb, bafe c§ bic Bä)ax bcr SJcrbrcd^cr, bcncn bic begangene ÜbcÜ^at ftrafrcd^tlid) }U9cred)nct roerbcu barf, ocrmc^rc. ^ölt man an bicfem ©cbanfeit feft, n)cld)cr bei ber Beratung bcö preufeifd^eu ©c- fcßeö fonjoljt fcitcnö ber SJertreter ber SWegierimg loie ber 3)fitglieber bes 9lbgeorbneteut)aufed mieber^olt auerfaimt tDurbe, fo nuig ed alö ein aSerftoft gegen ben ß^nraftcr unb S^td ber ganzen 9)Jaferegel erad)tet roerbcH, bafj bie i>ertibung einer [traf baren ^anbtnng bie nnabroeiölid^e SBoraudfeftnng für bie Slnroenbung jener bilbet. SJic SBerroal^rlofung eine« Äinbeö fann ]iä) in perfc^iebener 2Beife ändern, einmal in ber SBerübnng einer ftraf baren ^anblniig, fobann aber aud) of)ne biefetbe; ein ©runb, bie beiben g^älle nid)t in gleicher SBeife jn be^anbeln, liegt abfolnt nid^t üor unb eö ift nic^t nur ein ®ebot ber Äriminalpolitif, fonbern aud^ bcr ©erec^tigfeit, baß ben uerroa^rloften Äinbern aud& o^nc bie Süerübung einer ftrafbaren ßanblung bie SBolilt^at ber 3wang§er}ie^ung nii^t Dcrfagt werbe. 3ft baö 3)fäbdjen, metdbed einen $ang jur UnRttlid)feit bcfunbet, minber roert, ber 3"'ö"9^erjie()ung unterjogen ju werben, als ber Änabe, wetd^er auf bem 3)Jarft Dbft ober aus ber Ronbitorci 9kfcb- mert entioenbe tl^at? Soll bie 3rotingöerjiel)ung nid^t ebenfo ben ©rfolg Ijaben, jeneö t)or ber ^sroftitution wie bicfcn üor ber Saufba^n befl 2)iebecrbrinflung burd^ bie förtebigung beö SHed^tömittelö er^ fährt, trägt fdjlimme grüd^te; eine bead^tenöroerte SJerjögerung wirb aber Dnrd^ bie 9efd^n)erbe fietd bewirft, mögen auc^ bie @erid)te n4 beeifem, bie betreff enben ©ad^en fo fd()leunigft roie niöglid^ ju erledigen. a)ie ©efeftgebung mufe beö^alb in ber SRid^tung eine ÄnDcnmg erleiben, bafe ungeadljtet ber eingelegten )öefd()n)erbe bie aUbalbigc Unterbringung beö Äinbed anjuorbnen ift, fofern biefelbe als bringlic^ erfc^eint. ipiermit üerroanbt ift eine jroeite ©rgänjung ber ©efefegebung, auf welche roir nid^t nur feinen geringern, fonbern einen bö^ern 3öcrt legen roie auf bie foeben erwähnte. ®ö fe^lt in Den meiften 0tfe|en an einer SSorfd^rift, toeldfie ben Stid^ter Dor bem SHbfd^luB bcs Scrfa^rens jur 2lnorbnung ber Unterbringung mittele vor- läufiger äJerfügung ermäd^ligt. 2luf fold^e proüiforifd^e 3Kaferec\eln faun aber in oielen gällen nur jum großen ©d()aben beö Äinbeö Dei^it^tet werben. 3)ad SJerfa^ren nimmt immerbin eine geraume 3rit in änfprud^, roäbrenb roeld^er baö Äinb in feiner fittenlofcn Umgebung verbleibt, ober, fofern man bie Untcrfud)ungöl)aft über CS oer^ängt tiat, in 3täumlicbfeiten untergebrad()t ift, bie für eö abfolut ungeeignet finb. SBir greifen auö bem praftifdjen Üeben einen galt ^erauö, ber ja nid^t gerabe ju ben Settcnbeiten gebort, öa§ gegen baö entartete Äinb einer unjüditigen aJhilter baö ä>er= fahren auf S^^^^Ö^^^terbringung eingeleitet wirb. 2ßclc^er aJJif^^ jtanb, bajs t>a^ Äinb nun meUeid^it nod; wod^enlang ben ©ifti^aud) 118 Dr. eubioig gfulb. ber Sünbc uub bcs iJaftcrö einatmen mufe, rocld^er unbered^enbare 9fad)teil für bcn erfolg ber ganjen erjicl^crifd&en 2^^ätigfcit, baB e§ nod& geraume 3^^^ ^^^^ 3lnbtide ber 3tiiöfd)n)eifung unb ber ^Nreiögebung auägefefit bleibt! äBeö^alb l^at ber ©efcfegeber nid^t baran gebadet, bafe aud^ von ber 2i}ol^ltf)ätigtcit ber 3n)angderjiebung baö Sprichwort gilt: „Bis dat qui cito dat!" 6d mufe bcö^alb bem a5ormunbfd)aftöridöter bie 2Jef«gni§ gegeben werben, in gäüen, in meld;en @efal)r auf bem iierjug ftel)t, auc^ oor 2lbfd^luß beö '^Ber- fa^renö bie fofortige cinftroeilige Unterbringung beö Äinbeö anju- orbnen, bie natürlid) burdfi feine Siefd^roerbc gehemmt werben barf. 3)lan brandet niä)t 5u befürd^ten, baß unter ber ^errfc^aft einer fold)en 3}orfd)rift ber Grtajs Don ^rooiforien jur Siegel luerbe; ber 9iid)ter wirb oon it;ncn nur bann ©ebrauc^ mad^en, wenn bie Untertaffung nad()teilige folgen für baö Äinb ^ätte, wenn alfo burdji bcn 2tufid()ub bie ©rreid)ung bek oon bem preufeifc^en 3)iiuifterium beö 3nncrn oeröffcntlid^ten 3^^^^^*^ oerfdbaffen fönnen; man barf aber annehmen, bafj bie iserl)ältni)fe in ben übrigen 2)unbeöftaaten taum wefentlid^ anberö liegen aU in ^sreufeen. ^n ber 3cit oom 1. Cttobcr 1878, bem S:age, an weld)em bas ©efefe üom 13, 3)färä in Äraft trat, bis ju bem 81. 2)Järj 1888 würben im ganjen 131)82 Äinber untergebrad)t, oon benen nad^ 2lbjug ber (Snttaffenen, aScrftorbenen ufw. nod) 1075(5 in 3JOö»9^c^i\i^^""9 oerblieben; bie meiften berfelben geborten ber ^^Jrouinj Sd^lefien an, 1871, auf bie ■Kbeinprooiuä entfielen 115G, auf Sranbcnburg mit 3luöfd)lu^ Serlind 904 unb auf Sad)fen 923. iJon jenen 10756 waren in gamilien 5688, in Staatöanftalten 9, in Äommunalanftalten 987 unb in ^Nrioatanftalten 4142; burd)fd;nittlidö würben alfo in jebem ^a^xt ungeidbr 1400 ftinbcr jur Sw^ongöcrjic^uiig verurteilt, gerotfe eine nicht fe^r bebeutenbe 3^^!/ bie jebenfaDö ju bem Umfange beö ju9ent)lid)cn SBerbred&ertum« in feinem rid^tigen SBer^ältniö fte^t. Jies ©irb aud^ von aUtn Seiten jugegeben unb in ber ben SHegie- Tuugsfreifen nal^eflel^enben ^Jireffe ift im Saufe ber legten ^al^re loieDerboIt barübcr Rlage gefül^rt roorben, bafe oon ber S^^ß^Ö^^ crjie^iiiig ein ju fparfamer ©ebraud^ gemad^t roerbe. 3""^^^ ift berfelbe auf bie oben gerügte unglüdElid^e öeftimmung beö ©efefee'S juriicfjufü^ren, bafe o^ne bie SBerübung einer ftraf baren $anbtung Mc Anleitung beö SSerfa^renö nid^t juläffig ift. SBie ftreng fic^ bie %xm^ ber 5Bormunbfd&aft3rid^ter an biefe äSorfd^rift l^ält, gef)t auö einer Äußerung 2:^ümmeU ^eroor. 2)erfelbe fagt: „i^on ben wrfcfiiebenften Seiten wirb üon bem Slntragöred^t auf ©inleitung ^e§ S5erfal)renö öebraudji gemad^t, aber fel;r fiäufig, unter üoO^ ftdnDiger SJerfennung ber ftrafred^tlid^en Sßorbebingung, lebiglid^ unb allein oon bem erjie^erifd^en ©tanbpunfte ber Setämpfung ber Sßer^ roalirlofung auä. So anerfennensioert auc^ biefe 2lbfid^t ift, fo fann to6) ber SJormunbfd^aftdrid^ter auf biefem 2i5ege feine 2lb^ilfe fiaffcn; rotnn eö j. 8. tieifet, ber ober bie N. N. geniefet oon feinen eitern nidbt bie roürbigfte Grjie^ung unb 2luffid)t, jur ©diute fommt er überhaupt nid^t unb bie beöljalb gegen bie Altern oer^dngten Strafen unb i^rer SSennögenölofigfeit wegen roirtungöloö, eö ift alfo tJoIIftäuDige ^erroa^rtofung oor^anben unb wir bitten beöioegen bie ^roaugöersieljung ju befc^ließen. 3)er 3iid)ter mufe l^ier ben 2ln= fpnid^ ergeben, t>a^ i^m einzelne beftimmte Straf traten genau an= gegeben werben, beren SJor^anbenfein er bann feftjuftellen ^at.^)" JeutUdjer fann burd^ einen mit ber $anbf)abung be§ ©efefceö be= trauten Mcbter faum betunbet werben, baß bie geringe Slnroenöung öesfclben in erfter fiinie auf ber fe^lert)aften Seftimmung beö grunb^ kgenben ärtifeld beruljt, unb bafe, folange bieö nid^t geanbert wirb, öie prop^plaftifc^e Sebeutung ber ganjen 3Kaferegel nid^t felir f)od^ fl"3efcf)lagen werben fann. 3)er unbefriebigenbe, feitt)er oon ber S'öangöerjie^ung gemad^te ©ebraud) t)ängt aber mit einem weitern ^llanget ber ©efefegebung urfac^tic^ jufanunen. 2luö bem § 3 beö ''reiißifc^en ©efeged ergibt fidb bei rid)tiger 3luötegung, bafe Dnö 2>onnunbfdöaftögerid)t jur (Sinleitung beö formellen 3Serfaljrenö auf äusfprec^ung ber 3iüO"9öc^i^^u"9 oerpflid^tet ift, fobalb bie Staatö= -) Okric^tsfaal ÖD. 40 @, 47, 48. 120 Dr. Subwig gulb. auTDaltfd^aft einen bal^ingel^enben äntrag geftellt l^ot; wirb bageflo t)on anbrer Seite, fei es von öel^örben ober üon ^rioaten, ein 3lr trag eingereiht, fo unterliegt e« bem ©rmeffen beö Jlici^terö, ob c baö äJerfal^ren einleiten ober bem Sutrag feinerlei golge gebe Toia.^) @d n)äre beffer gen)efen, n)enn ftd^ bie @efe^ebung bejüglit biefed ^unfted bem Don ber Siegierung gemad^ten ä^orfc^lage ang fd^lofien unb bem älmtdrid^ter bie ^'flid^t auferlegt l^ötte, baö 93e fahren auf älntrag beftimmter 93e^örben unb ^rioaten fietd einji leiten. SJielleid&t ifl e« fcfterifd^, bie 3)Jeinung auöjufprcdien, ba üiele ^olijeibeamte ein Ijö^ereä SSerftänbniö für bie propljplaftifd Sebeutung ber 3n)angderiie^ung beftgen ate oiele älmtdrid^ter, aQei n)ir finb nun einmal ber 9lnfic^t, baft unter ben f)ö[)ern ^i)>olij€ beamten bie friminaliftifd)en SSorgänge regelmäßig mit meit beffert @inft(i^t unb jlenntnid beurteilt toerben, aU feitend ber ^i^ormuni fd^aftiSrid^ter. Gin ©runb, bem freien förmeffen beö 2(mtörid)tet mcl^r 3w^tauen bei ^Beurteilung ber fittlid[)en Gntartung cineö Äinöe ju fdbeufen ald bem 6^ef ber ^polijeiDerroaltung einer großem Staö ift unfrer Sluffaffung nad^ unerfinblicb, unb loenn bie ©efefegcbuni mie mir ^offen, balb in bem oorerroälinten Sinne abgeänöert wir fo tann Dem älmtdrid^ter unmöglid) aud^ ferncrl)in bie ^efugn verbleiben, fic6 fouoerän über antrage ber ^polijei- ober Sdftu bel)örben l^inwegjufe^en unb t)on ber Ginleitung bed fonneüen l^c fal^rend Slbftanb ju nehmen. 9teben biefen äßängeln ber @efe^gebung muß nun freilid) au barauf Ijingeroiefen werben, baß bie öe^örben felbft es an h Gnergie bei Slnioenbung bed ©efegeö melfad^ felilen laffen; eö i ja begreiflidö, baß ein @efe§, mie öaö in Siebe fteljenOe, fid) au bei ben Se^örben erft eingemöbnen muß; allein roir foflten bo meinen, baß Die bisl)erige @eltungdbauer hierfür pollauf genügei Toäre. 2luö ben oben mitgeteilten S^i)kn ge^t beutlid^ l^eroor, ir bebeutenb bie Unterfd^iebe finb, bie bejüglidf) ber ^äufigfeit b 3roang§erjief)ung in t>zn einjelnen ^rooinjen 5preußcnö befte^c ffiSanbel in biefer .ßinfid^t }u fd^affen unb eine größere ©leidjnuißi teit in ber 3lnroenbung beö ©efefeeö ijierbeijufü^ren, müßte bie äi gäbe ber Gentralbel)örben fein. 2)aö preußifd^e ©efeft gibt bc a)Jinifter beö 3""^^" ba« 9led)t, an Stelle ber Crtöpolijeibebör 3) 2l)ümmcl a. C. ©. 46, 47. einen ^Jextrctcr bcö öffcntlid^cn Siitcrcffcö ju bcfteDen, bamit ber= jelbe bic jener oii fid^ jufte^enben SSefugiuffe ausübe. SDiefe Se^ jtimmung uerfolgt ben au^gefprod^enen S^^^f ^i^ 2)iird)fü^run9 beö Qejcfeeö gegen bie fiäffigfett üerftänbiüßlofcr ^olijeioerroaltungen }u fid^ent. Db ber 3Wimfter bisher üon biefer Scfugniä ©cbraudS) gemacht \)at, ift und nid)t belannt e§ toäre aber n)ot)l möglid^^ bag Dur4 i^re 2lnn)enbung bie 3^^! b^t in S^öngöerjieiiung beftnb:: lü^en Äiuber üergröfeert werben tonnte. ©inen weitem @runb für bie unbefricbigenöen ©rgebniffe ber Smang^ei^ie^ung in propf)9(aItifdbcr ^infidbt erbliden wir in ber in unb Sßeife, in wcld^er biejelbe auögcfülirt wirb. 2Bir finb nad^ roie oor ber Slnfic^t, bafe bie normale ^"'^"Öö^^ii^^w^ö '^^^ fiinbed in einer g^anülie ju erfolgen \)at, wir galten ben 3lu$fprud) beö internationalen ©efängniöfongrefieö }u ©tocf^olm, ba§ bie befte &rjie^ung biejenige in einer red^tfd^affenen gamlie fei, für maB= gebenb, anä) gegenüber ben ßinweubungen, weld)e neueftend Syoc^ring bagegen geltenb mad^t. Söenn ber genannte Sdtiriftfteller bemcrft, ba§ biefe 2luffaffung nur einen ibealen, atabcmifd&eu äßert ^abe, inbem eö einerfeitd unüerantworttid) fei, t)erbred^erifd()e Äinber unter ied[|tfc6affene ju bringen, anberfeitö geeignete g^amilien fid^ nur feiten bereit finben Heften, Äiuber mit peroerfem ß^arafter in ibrer 3Kitte aufjunel^men,*) fo tonnen wir biefe 3luöfüt)rungen nid^t als jutreffenb anerfennen. (£« ift ein fe^r verbreiteter, aber burd^^ aus irriger Ölaube, baft paffenbe Jamilien für bie Unterbringung io ungemein fd^wer fi^ finben ließen; freilid^, wenn man fid^ barauf fteift, ein Äinb nur einer ^beaU unb 2)Zufterfamilie anjuoertrauen, lann man fc^on lange genug unb o^ne (Srfolg fud^en. 6d genügt übet ben Qroedcn beö ©efe^cö burd^aud, wenn man eine in nor- malen, re(t)tfd^affenen aSer^ältniffen lebenbe gamilie auf bem fianbe Ober in tlcinem Stäbtcn auöwäljlt, bei weld^cr fid) aUbann bie ©r- ;ie^ung gan} oon felbft o^ne 3lnwenDung befonberer päbagogifd^er *) a. O. 6. 302: „^urc^fd^nittlic^ roitb cö fecn gamilicnoötcm an ber nötigen i^t fehlen, fi(^ cinge^enb pöbagogiftb mit bem übernommenen 3^d^^>^d .^^ be- i<^ftigen ob«r noc^ öfter an ber nötigen päbagogifc^en $)egabung ba5U. (Geeignete Somtlien aber ^eranjubilben, fte unter er3ie()Iic^ leitenbe 9luffid)t 511 ne()inen, fie um die Snftalt roie um ein !ü2utterl)aud ^u gruppieren unb aud bcnfclbcn bie 'wenden ©ebanfen roie 6onnenftraf)Ien in bicfc ^amilien eingeben unb eins bringen ju laffen, ift eine Aufgabe, roelcde fid) von üomtjereiu nie unerfüllbar Greifen mu^." 122 Dr. Subroig gulb. 3)littel ergibt. 2lu fold^cn ^amtlien ift aber burd&aud fein SKongel; njenn inön bcu crnftUd&eu Sßillen ^at, [ie finbcn ju roollen, roerbeit fic anä) fd^ou gefunben. Sa§ in einigelt 2;eilen ^^3reu6enö, wie ShJeftpreujseu imb 5pofen, wegen ber 3"fpi6w"9 ^^^ nationalen ©egenfä^e bie Unterbringung in einer gamilie axi^ fjetir große ©diroierigfeiten ftößt, bernf)t auf ben bortigen befonbern 3}crt)ält- nijten unD ein älrgument gegen bie g^amilieneriiel^ung fann {)ieranö mit nid()ten entnommen werben. ShJir meinen aber, bafe eine um- fajfenbere 2tnn)enbung ber gamilienerjie^ung auf bie ^prop^plajc oon l)eil|amem (Sinflufe fein müfete. Cljnc oerfennen ju rooUen, t>ai für gewiffe oerroa^rlofte Äinber, loetd^e bereits fo tief in Den ?pfuf|t beä Safterö oerfunfen finb, bafe auf fie nur mit ben ftärtften (Srjie^ungömitteln eingeroirft roerben fann, bie ftrafferc Slnftaltö- unb nid)t bie freiere gamilienerjie^ung am ^la^e ift, muffen wir roieber^olt betonen. Daß in ber 9)iet)rt)eit ber gälte ber a)iangel einer erfpriefetidjen g^amitienerjiel^ung bie Urfad^e ber rittlid)en äJcr- ma^rlofung ift unb man trägt bem ^JJrinjipe ber ^Hbioibualifierung, baö bod^ ^ier fo gut roie bei bem StrafooUjug maßgebenb fein mufe, nid)t 3ited)nung, wenn man gleid^roofil bie ßrjieljung in einer 2lnftalt alö bie regelmäßige ©rjie^ungöform bejeidjnet. Sie i^er- cinigung oon minber oerborbenen Jlinbern mit burd)auö entarteten fann auf erftere, ungead^tet aller äJorfid^tömaferegeln, fel)r nad()teili9 roirten unb nidbt nur feine Sefferung, fonöern eine ä?erfcf)limmerung l)eroorrufen. Sie mit ber gamilienerjiefiung biöl^er erjielten Sie- fultate finb fold^er 3trt, baß fie in feiner ^infic^t fjinter benjenigen ber 3lnftaltser}iel)ung jurüdfftel^en. 3luö ben oben mitgeteilten 3a^len ergibt fid; nun, bafe 5ur 3^i^ *" ^^reufeen bie Stnftaltd- cr}iel)ung nod^ oorl)errfd^enb ift; roir fönnen nid^t glauben, ha^ Die 5064ilinber, roeld^e fid) am 31. aWärj 1888 in 3lnftalten befanben, fämtlic^ fo entartet waren, baß i^re Unterbringung in einer gamilie oon 9iad^teilen begleitet geroefen märe, mir finb im ©egenteit ber anficht, ha^ ein erl^eblid^er 2^eil berfelben mittcU ber g^milien^ erjie^ung auf gute äßcgc gebrad^t werben fönnte. Sie unter W\p adjtung ber ^nbioibnalität be§ Äinbeö ausgeführte 3roang§crjief)ung beeinträchtigt bie ^^Nropl)r|lare beö i>erbred^enö, für bie fein fc^limmerer geinb eriftiert als bie Sd)ablone, x\n\> mit iWüdtfid^t l)ierauf wäre eö aufeerorbentlid^ erwünfdit, t>ab 3JJaftrcgcln ergriffen würDen, um bie gamiliener5icl)ung 5ur Siegel ixi nmd)en. 3luf bem 3)Jangel an in^ btoiMiaUficrenbcr SJc^anblung berul^t c§ oud^, ba§ man imtcrläfet, Äinber, rocld^c in einer Slnftalt untergebrad^t roorben finb, fid^ aber für Die gamilicnerjic^ung ald geeignet erraeifen, in eine gamiüe ju wrbringen. %\\(i) bie forgfältigfte Prüfung ber 3nbioibualität fd&üßt nidit oor 9)Jife9riffen unb e§ fommt oft genug vox, baß ein Äinb nid)! in ber rid^tigen äöeife untergebrod^t ift. 3»^^fl^n '«ffßJi Ri) iol(6c 3KiBgriffe befeitigen, wenn bie 2lnftaltöüerroaltungcn fic^ baüon überzeugen, bafe if;re Grjieljung nid^t bie allein feiig mac^enbe ift, unb bemgcmäfe bie ä^erfefeung in bie gamilie beantragen rooUten bieran fc^lt eö nun aber nod^ fe^r; bie 2lnftatten mögen bie beffern Äinöcr nidE^t entlaffen, weil fie i^nen bei 6rjiet;ung ber übrigen eine beaii^tcnsroerte Unterftü^ung geroäf^ren, ganj abgefe^en baoon, bafe iie Mc gamilienerjie^ung nid^t alö ebenbürtig betrad^ten. 6ö !ommt bcöbalb Diel l^öufiger oor, bafe ein Äinb an^ ber gamilie in bie änftQlt Dcrfefet wirb als umgefel^rt, unb aud^ biefen Umftanö muffen rcir Dom ©tanbpunfte ber ^propl^plaje auö fe^r beflagen. ©ine ÜnDenmg biefer SJer^ältniffe, meldte mit ber Stnerfennung ber Jamilienerjie^ung alö regelmäfeiger (Srjieliungöform ^anb in ^anb ginge, roare aU ein grofeer gortfdfiritt ju betraddten. 3n ßnglanb ^at bie SHegetnng unb 3)urdE)fü^rung ber 3n)ang$' erjietjuug in prop^rilaftifd^er ^infid)t aufeerorbentlid) günftig ge= roirft, goe^ring^) t^eilt 3[u$}üge auö einem amtlid[)cn 33erid^t mit, ^»omjufolge eine mefentlid^e 2lbnal)me ber Äriminatität jugenblic^er i^crfonen ju fonftatieren ift; im Saläre 1856 betrugen bie oon ben- ielbeii oerübten ftrafbaren ^anblungen 13981, 186G loaren fie auf 9356, 1876 auf 7138 unb 1882 fogar auf 5700 jurücf gegangen; ber Serid^t bejeugt weiter eine 2lbnaf)me ber Äriminalität 6r= roadifencr unb füf)rt aud^ fie, loenigftenö jum Steile, auf bie 3n'tiugöJ erjie^ungsgefefegebung jurüdE. 9ßenu unä nun anä) bie Ic^tere Ätiologie jroeifel^aft erfdficint, fo fönnen hoä) bejüglidb ber äiidb- tigfeit jener 23ebenfen nic^t aufkommen. Sic maf;re ikbeutung ber Sroangöerjie^ung für bie englifc^e kriminalität roirb aber erft burd) bie Zl)at\ad)t in ootteö Sid^t gerüdt, baß ber Scoölterungöftanb beö groBbritannifd^en SHei^ied \\ä) feit 1856 um nid^t meniger alö ^'A 3RiIIionen Seelen oermelirt l)at, ha\i roät^renb ber brei '^a\)x^ ä^biUc, auf roeld^e fid^ bie obigen S^W^^ bejietjen, Crnglanb roieber- '') a, C. e. 289. 124 Dr. SnDwig gulb. I^olt tüirtfd^aftlidEic Ärifen burd^jumad&en ^attc, baß bic SEBogcn bc« poIitifcf)en iinb fojialcn ficbenß in bicfcr 3^^^ jcitroeifc fclir ^od^ gingen, bcfannttid^ lauter 3Womente, tüeld^e eine progrefftoc Sc- lücgung ber kriminalität im allgemeinen unb ber ber 3ugenblid^en int befonbem nadf) fid^ ju }ie^en pßegen. SKllerbingd gibt Snglanb aud^ einen ganj anbern 93etrag aUjä^rlid^ für bie 3^<^i^9d^^^^^^tiS anö als Seutfd^lanb ; bie ©ummen, bie bort bafür tjerroenbet werben, betragen faft in einem 3al;re fo oiel, roie bie @cfamtl)eit ber in sprengen feit 1878 oeranögabten Setrage, ^ eine Sfiatfad^e, bie allein fd^on beroeift, ba§ von ber fo erfpriefelid&en Slaferegel jenfeitd bed ilanaU in oiel bebeutenberm Umfange @ebraud) ge^ mad^t n)irb alö bei und. 31ud^ in äSelgien glaubt man günftigo SiJirfungen ber 3n50"9öß^jicl)wng auf bie kriminalität bereits fon= ftatieren ju fönnen. @S ift t;iernad^ abfolut unrichtig, wenn l^in unb roieber behauptet toirb, bie ©efefcgcbung über 3n)angser}ief|un9 fönne überl^aupt feine prop^^lattifd^en Erfolge jemals erjielen. SBir benfen, bas Seifpiel SnglanbS foüte genügen, um bie 9llbern^eit fold^er 93e^auptungen barjut^un, bie man aud^ oon Stid^tern ^ören fann, welche für bie Sebeutung ber neuen, mit ber prioatr.ed^tlid^en Sd^ablone nid^t oerträglid^en SKafenal^me fein ä5erftänbnis befifeen. 2öenn in 2)eutfdE)lanb bie 3w'0"9ößJ^8i^^w"9 fö^ ^^^ ^rop^i)larc bes SJerbred^ens nidjit bas geleiftet ^at wie in ©nglanb, fo liegt bies an fd)n)eren, teils ber ©efe^gebung, teils ber ©efe^esanroenbung }ur Saft fallenben aJJängeln, oon benen roir bie roidfitigflen auf ©runö ber bisl^erigen ©rfaljrung glauben l)ert)orgel^oben }u ^aben. 33red;en roir mit ben äJorurteilen, wcldfie ben ^ßingriff bes ©taates in bie ,,gebeiligteu" dleä)te ber gamilie unb ©rjie^ung nur unter ber ajorausfefeung geftatten, ba§ eine ftrafbare ^anblung begangen ift, toeifen wir enblidf) einmal ben prioatredj^tlid^en Slnfd^auungen, roeldfic bie äusfülining aud) beS trefflid^ften friminalfosiologifdjjen ©ebanfenS oerfümmern unb beeinträd^tigen, bic !J:i^üre unb mad^en wir uns einmal fräftig oon ber 3rofln9^iodfe bureaufratifd^er a)feinungen unD bem Sd^nürleib ber ©d^ablone frei, tragen wir bem ^^rinjipe ber ^nbioibnalifierung in uneingefd^ränftem Umfange 9tedE)nung, bann •5) 2)ic Wcfamtfoftcn für bic 3cit com 1. Cftobcr 1878 M 31. 5Wär5 ISKS betrugen in ^^rcufecn 9 078 989 W, goc^rini] ^\bt a. C. S. 289 ben ^ctrac^ ber in Cnglanb 1882 gemachten 3(uögaben auf 647185 "Pfö. an. SDie S^ti^ngderste^ung in t^rcr prop^^Iaftifd^cn Scbcutung. 125 niirb au$ ber praltifd&c Erfolg bcr äwjangöerjicl^ung auf propf)i)= lattiii^cm ©ebicte nid^t ausbleiben. ^ ') Xic ©cfc^gebung über bie 3^^>id^^^5^^^u"9 pcnva^rtoflcr ^inbcr xo\xt> oon Der Jlot)tfi(atton bed 9leic^drec^te8 berührt; bie 9J2ottt)e }u § 1546 bed QnU njurfd bed S.®.B. bcmcricn, e^ fct bcm Gtnfti^rungögcfetjc gu überlaffcn, ob unb intDicmeit bte auf fojialpolittfc^en @rünben beru^enben unb mit bem öffentlichen ftiä^tt jufammen^ängenben Sotfc^ften ber betreffenben ©efe^je aufrecht ^u galten fcioi; vom prioatrec^tltc^en @tanbpun!te fei ed ald bebenflic^ ju erachten, bem Sonnunöfc^ftdgeric^t auS örünben beö öffentlichen 3nt«wff«ö ^nt> beö Sntereffeö bcS Äinbed ganj allgemein bag Stecht beijulegen, gegen ben Sn^aber ber elters liiöcn ßmalt nac^ 3Ra6gabc beS § 1546 einjuft^reiten, wenn t>a& Üinb eine ftraf* tare ibanblung begangen f^aU unb t>it (3efa^r weiterer fittlic^er SJenpa^rlofung tcgrünbet fei. 95on bem unS ^ier ollein intereffterenben Stanbpunft ber SBers brct^ndprop^^lo^ n>öre bie ^efeitigung ber geltenben ©efe^e unb bie ^ufna^me i^ree (Jn^alte^ in bad ^.©.9. nic^t erroünfc^t; melme^r mug bie Slufrec^ter^alttmg ixtklben neben ben roeitge^enben Seftimmungen be« S.0.33. entft^ieben befür^ Bwrttt »erben, ^e 3^fl"9*^i^^wi^S foU nic^t nat^ prioatret^tlic^en, fonbern na^ öfffntli(^re(i^tli(^en ©runbfätjen bel)anbelt werben, fie foU i^ren 3wf^»"^"<^'' bang mit ber Äriminalität, i^rcn prop^plaftifc^en S^^^ unb Gf)arafter auc^ äufter- H DeutlitJ^ befunben unb bie^ geft^te^t nic^t, wenn i^re Siegelung in einem rriMtret^tlic^n ©efe^e enthalten ift. 9Rac^ 9lrt. 1 beä Ginfü^rungögcfe^ed werben jföw^ nur bie Sanbc^gcfe^e aufrecht erhalten, roeld^e bie 3n)cing§er5icf)ung an bie ?erfoIgtc por feinen SRäc^em fic^er (S. 376). 2)aö Softem ber objeftipcn Straf^aftung tritt uns bcfonber^ braftifd) norfi bei ben ©rajiro« onbianem entgegen. 2)ic Haftung jief|t fid) ^ier, roie Äo[)Ier ^er* Dor^ebt, burc^ Äaufaffetten ^inbur^, wo roir längft aufgehört ^aben, bcn Haufali^muö anguerfenncn (©. 383). So mufe berjenige, raeld)cr ein Her Ici^t, für allen Sd^aben einftel^en, roeld^en bas 2ier oer* urfat^t; rocr ein beraufd)enbe2; Wetränf oerfauft, f)aftet für alle Un- fälle, roelc^c baburc^ entfte^en (S. 383). Jür geringere XtlilU (3. 93. Gf)ebruc^, SHaub, 3)iebftaf)[, un* ktec^tigtes Sagen) nimmt bie Slutrac^e bei ben aiuftralnegern bie Wintere gorm ber Speerung an. 2)er 2^äter mu^ fid) einer :)leil)e oon Specrroürfcn ausfegen; fann er fic^ bagegen becfen, fo bleibt er ftraffrei; wirb er genügenb oenounbet, fo erfc^eint bamit ebenfalls bie I^at gefü^nt. 3n äl)n(idicr SBcife wirb aud^ bcr 3n)eilampf ücriücnbct, wo- ^ei fogar Sefunbanten auf Scobad^tung ber 2)ucllregern ju ad)ten Men. Tiefe Strafafte nähern fic^ offenbar bem 3^efen ber Crbalien, beren änroenbung a(ö cigcntlic^cö Semeiömittel bei biefen i^öüern uns ba^er ebenfattö nid^t überrafc^en wirb. 5ßir finbeu fie bei ben äuftrolnegcm unb in feinerer Sfuöbilbung bei ben ^apuao. 2Bä^renb bie Crbalien ber 3luftralneger cinfeitige finb unb fämt(id) auf bem ©ebanlcn beä Sa^rrec^ts berufen, finb bicjenigen ber *tapuQ6 regelmäßig j^roeifeitige, unb aud) fc^on „baö ^Kaffinemcnt ber ctclloei tretung'' ift i^nen befannt (S. 378). 3)ie ein.^elnen formen ber öottceurtcilc ^aben große S^nlic^feit mit benen beo altgenitani* l4en 6ertc^töDCtfa^ren6. SKir finben ^ier ein Judicium luiuae fer- ventis unb aquae frigidae. Se^tereo roirb in ber ^ilrt angcioeubct, boBÄteger unb SMngcIlagtcr untertaud)en unb berjenige gcioinnt, roeldier 1 28 Sitteraturbcric^t. eo am längftcn unter 3Baffcr auö^ält. Sei einigen Stammen ber ^apuaö (3trfafferö) ift aud^ ein Steinigungscib in Übung, welcher auf bie SBaffen geleistet roirb. Sei ben 9tuftralnegem fommt ein fummarifd)eö SJerfa^ren Dor, roelc^eö bem germanifcfien Scrfa^ren auf l^anbfiafte I^at fefjr gleicht (2. 367). 3)ie Orajiro-v^nbianer enblic^ fennen eine ^Irt ?friebIoäIegung x>on 2)Jijfet^ätern. 2)ie öorbe ftoBt ein unruhiges "DJlitglieb roegen 9)Jorbe6 u. bergt, auö, votid)t^ bann friebloö ift unb aufeer^atb beö Sd^u^eö beö ©efe^cö fte^t (3. 384). ä» 3luc^ beefelben 3Serfaffero ,,rec^toüerg[eicl^enbc SfijAcn"^) enthalten ein furjeo ftapitel ftrafrcc^ttid^en 3nf|a(tö, nämlic^ über bie Slutrad^e in libet, roä^renb feine 3tb^anbhingen über „inbifcfte 0en)ol)nl^eit6recf|te''*) unb „über ba§ üori^Iamitifc^c !We(^t ber 3(raber"^) au^er anberem weitere intereff ante Seiträge jur 2e^re von ben Drbaüen enthalten. So erfahren roir, ba| im mitt* leren Teffan (im Süben Snbienö) nod^ Derfrfiiebene Drbalicn fo» woljl in ?tmU ak Straffad^en gebräuchlich fmb (S. 142), unter rocfc^en bao fogenannte Sd&langenorbal aU fpe);ififc^ inbifd^eö unfere befonbere Seac^tung üerbient. Gq befte^t barin, ba^ ber Stngefc^ulbigte a\x^ einem öefä^ mit einer eingefcf)(offenen Bd)ian%t eine ^Rünje ^eraueju^ofen I)at. 3(u6erbem finb mannigfache 5^"^^^' wnb SBaffer* orbalien (.V?effe(fang, Saufen auf g[üf)enben Äol^len, 2!rinfen pon über» mäßigen Quantitäten Söaffero ufro.) f)erfömmKd^. ßine anberc ^ßrobe ber 5\?a^rf|aftigfeit einer ^arteiauefage befte^t barin, ba^ in Serbin» bung mit berfelben ein ritueller 3l!t oorgenommen roirb, wobei bie urfprüngüd^e 5lnfcf)auung bie ift, bafe bei Ünroaf)rl)eit ber Seteuerung ein balbigeö Strafgerid^t über baö »^aupt beö Scteuemben losbrechen roürbe. 3(ucf) in ber 2i[rt ber 9tuöfc^roörung beö Gibeer Serbäcfttige ^at ficf) einem oorläufigen unb einem befinitiocn Crbal ^u unterbieten, roefc^eö letztere fid) fe^r ber .v>erenprobe beö beutfc^en '33iittela(ter9 nähert. 'JU)n[icl)e öebräud^e f^errfd^en aud^ bei ben Sf|it9 (S. 147). ■•) Cmi ber Scitfc^rift für ücrgreic^. di^B, VIII (1889), e. 80-88; bie bctreffcnlie 3tcUc: 3. SS. '\ S' für üergl. di^K^. VIII. 3. 89-147 u. ©. 262-273. ') Crbenbaf. 3. 2^58—261. Oc'ttiduc l»c5 Strüfrcd)tö unD bcd ©trafpro;cffcd. 129 Wotteöurteilc finbcn fic^ ferner bei benjenigcu Stämmen Arabien ^>, wcldic nod; rocnig ober gor md;t oon ben l'efjren beö 5o[am becinfluBt finD, i^. 33. bei ben 3Ubiii neu unb iJlrabern Oabbramauto (3üb-3(rnbien). 53eibe b^ben eine eti^cntümlicbc Aonn Ks Aciicrorbalo: ber 3ln(nefd)ulbii^te muß an einem c;rii[)enben !^öffc( Icdcn (3. -Jo-i, 259). 3. Xic ^.Uutradje ^rafuert bcfonbero bei ben 33ebuincn unb 3üDarabcrn nocb furchtbar, ba bie milbercn lsor)d)riftcn beo ^\olam acT.it)c hier fchr rocni^ burd)c^ebninc\en finb. Xk ßrörtenmc^en, iDcW;e hiciubiT im einzelnen üon .MoTjIer a. C. 3. ä.V^ ff. imD -JoS ff. i^c- aeben n>cr^cn, fd)Iief;en fid) en^nn.^enb an feine frül^ercn XHrbciten über iiVi lUabifdie unb iolamitifc^c 3trafred)t an,^) 3^mu fommt nun nod) eine iHbhrtnbruiui im „Werid)tofaa(", i3b. LXI (188^») Meft 4.^) ,'oier VI aber ba?» auf bem ^^rin^^ip ber ^Mutradie unb 3yieberüer(^e[tunc\ üTi rielfad) ^u "iJeriUeidien mit unfern mobernen europäifd)en ^Wed)to= cniAiv.u;ni\en I)erauö. v^m § 1 werben ,Sured)nunfliofäf)i(^!eit, juc^enb- liie-j üUter, fonftii^c verfön(id)e ßigenfd)aften unb ä>erbäftniffe beo ^bdtcr'j foiüie bie ^*orfd)riften über o'^^tii"^ ii"^ 'l^utatinbelift be« banbclt. .v»eroor;uf)eben ift barauo, bafi bie 3f[aven, ir»eil fte ah Chart*"") ooÜi(^ anerfannt ift. „'löer fid) eineo onbern, inobefonberc ine^'iBiinberittl)ric\en olo JÖerf.^euc^o bebient, l)a\U'i (kib]t) ah l:I)äter, Wo roer einen anbem jur 1f)at .^luinc^t" (3. 303). Ser S -^ vibtt ie ^Nälle öer erlaubten unb ftraflofen 2ötun(\en auf unb im i)tnfd)hip iällt um namentlicb bie i^orfArift auf, baft bei ;iufammentreffen anbrcr (milbcret) Strafen mit ber ^obeoftrafe bie erfteren nid)t burd) letztere cb'orbiert, uielmebr recielmäfiicj ,suüor vol^oi^en merben feilen, o»^ '» 'J?fll. u. a. bcf. Sfiafefvcarc oor bem ^'yorum ber ,"\urb>pnil'CU5 3. V.\x^\ ^adircort ^aj^u 3. Vi u. ^^^iir iiel)rc uon ber :i3Iutrad)t*. 3. 1.')— *J.'). ■i .Über baö ielamitifd)c 3trafred)t, 3. •2i>7-.Wl. "iMil. aud) Z ^?X3. 741. ' fxil. V, itejt, £ef)rbuc^ bc5 bcutidicn Btrafrccbt*?. :i. 9aif(. l-sss, ? 11», 3. 2.C. g 485 5(bf. 2). Dao iölamitifcbe 3ted)t übertrifft aber mand)e ciüilifierten 'l^ölfcr an A3umanität, inbem eö eine auöbrü(Mid)e ßntfcbäbigungöpflid)t bea Staates gegenüber unfcbulbig 3>erurteilten ftatuiert. '*'^) 3m fd)arfen .fiontraft ^\x biefen milben 33eftimmungen fteljt baö l)arte unb barbarifd)e Strafenfpftem ber S^famiten, in ipeld)em neben mef)reren quafifijiertcn 2obeöarten befonbero bie förperlidje 3"4ti* gung — auffteigenb biö ,^u 100 GJeifeel^ieben (Stegcl : 80) — einen bebenf(id) breiten ^Uafc einnimmt, äntercffant finb bie Setailbeftim* mungen über bie Grefution ber toobl jebenfallo mit bem mofaifdjen ^l{ed)t .^ufammenl}ängenben Strafe ber Steinigung (bef. gebräud)(i(6 für fd)ipere Aälle ber Zina; im weiteren Sinne etiua = unbcred)tigtc öefÄlecbtoücrbinbung. '•')) I)cr fpe.^ieUc 'Xeil unferer 3lbf)anblung fdiilbert in 'i 'ilJara* grapbcn ben Ibatbeftanb ber einzelnen 'i>erbred)cn unb bie barauf gefetzten Strafen, ällo bie fcbiuerften Telifte gegen bie ^Heligion iiierben fämt(id)e Un^ud)touerbred)en, bao Ji'eintrinfcn unb bie i^er« (eumbung betrad)tet. 2)ie auf ben erfc^ujerten 3^iebftaI)I ftelienben "iNerftümmerungöftrafen fnüpfen an befannte äfjnlid^e iNorfd)riften beo Moranci (.'), 37, 4*2) an. Jhif Hpoftafie unb ber if)r gfeid) be» [)anbelten 33Iaopf)emie fte()t ah Strafe ber "Job. 3rie arbiträren Strafen für geringere Xelifte (S 6) fangen mit i^erroeio an unb fteigen biö ui Ginfpcrrung unb 3(uopeitfcbung. 3" einem „xUnbang" wirb *') i'^')an*^ Ixhnlid) ift bor iBcj^riff ocrt)cutlicf)t bei 0. iiöjt, ^chrbucft !:j 5<», ^-) Xnhd Darf froilid) nicht unonuädnt c^olaffcu werben, bafe bie iiiriüiid)€ '}lnfd)auunc^, a\i\^ luoldior liior bie lrntfd)abiiiinu^tfpflicf)t cntfprunc\en, eine anbcre ift iil-j bio mobcvno. Sie folc^t nämlirfi a\i^ bem !«Iamit!fc6en (>irunbfavc. ba§ aud) iiixc iiufd;iilbii^ veraiilaKte iJlötum^ bie ^tompof ition««inIicl)t beö 3?ep iiufialterv — b. i. hier be*3 3taate'o — nacb fidi jielie. '■•I (^KMtiiuere Tefinition be«? iU'iuifrJ foiine über bie Otbftufungcn ber 3trafe bei Ariebrirtiv. biv5 Crf)ered)t beö ^^viam ufio. in ,*J. für üergl, SH?l* VII. I1SS7; 3. 2.H». C(cfd)tc^tc ^ed 3trafrc(^t^ iint) bcö 8trafpvo<;tffc$. 131 enblic^ nod) lurj beo Straf rechte bcr S erb er in 'Jlfrifa c^ebac^t, rocldjeö ficb irofe Stcception bes "^^iam \n »ietcn 'i.Uinfteu in feiner Uriprünoilidifeit eri^aften Ijat. S^nltc^ wie bei ben 'l^ebuinen ift namcntlid) auch bei biefen Stammen bic 33Iutracf)e nod) in fel)r auo= ftrtebntcr Übung. 3^ie bei ben abriefen S^^^w^iten c\cfefclid) fanttio* nierte l!a(ton bei Äörperperlc^unflen ift bagec^en l)ier bereito burc^ öelDbufeen ocrbrängt. Sefjr eigentümfid) ift and) in bem Strafrec^t tiefer isolier bie meftrfacf) Ijcroortretenbe Übereinftimmun(^ mit ben ;^uitänben Deö bcutfc^en ÜDiittelattero (v 'B. i^Ineriennung eines be= ^'onDers gefcfiü^tcn 'JDJarftfricbenö ufro.)/ welche ältere 3d)riftfteUer fo* (^ar ^u ber Slnna^me einer inbociermani|d;en CS'inioanbcnmß in ]ti)x alter i^ni reranlapte.'*) 4» 9iäl)er alo bie 3led)toper^ltniffe ber :3iölamiten ftel)en uns tiejcnigen ber tUrmenier, ba fie j^roeifelloo ben inbo9ermanifd)en 'l'blfem ?iu^ured)nen finb unb if)r urfprünoilid)eo 9ted;t mit bem ber übric(en Girier unb befonbers ber ■5nl)er na\)e »erioanbt gemefen fein dürfte. ''') Gö mar aber biefem 3?ol!e infolc^c feiner roecbfelreidien poli* ti^'tben Sd)irffale nic^t t»er(\önnt, i^u einer bauernben ori^anifd)en ctaatoentipirfelunfli mit felbftänbic\er Iserfaffunc; .^u (\elanc\en, unb aud) iljr :We(ftt, über roeldjeo uno Monier im VII. 33anbe ber ^3fitfd)rift für oergleid)enbe :Hed)ton)iffenfc^aft" nätjere 53litteiluniUMt mad)t/'\) mußte ]\d) ben Dcrfc^iebenften Ginflüffen beugen, fo baf? von it)rem orifien Urred)t fteute nur nod) 9erin(^füc^i(^e Spuren uorlianben finb. 2ic Armenier, rocicbe im 3lnfan(^e beo 4. vii^l)rtnmbert<5 unter bem Mönif^ liribatco .Jium Cf)riftentum übertraten, loaren fd)on frül), befonbero feit ben furchtbaren SJerroüftunt^en it)reo l^anbeo burd) bie "DJicn^olen, aenoticjt, bie öeimat fd)arenn)cife j^u oerlaffen. &n leil berfelben iDuröc in bao beutic^e ©alijien (bef. £cmber(^) oerfcblat^en, wo ihnen il)r einl)eimifd)Cö Stecht in ben Jafiren 151« unb IT) 19 unter Sigiomunb I. beftäti(^t rourbe. So entftanb bas lateinifd)e '){ed)t ber !tiemberii(er Armenier, „ein Stürf Crient im Cceibente'S bao aud) bei anberen roInifd)en :?lrmeniern im Oiebraud) (\eioefen unb im 17. ^"sal)rbunt)ert in polnifcben Überfe^ungen unb .oanbfc^riften oerbreitct war.'') Xiefeo Wefe^bud) benibt jum c^rijf{ten leil auf einer älteren MoDifiiation t>eo armenifchcn rHedjts, oeranftaltet »om flJcfbitar .Uofd) im ^Vibre 11n4 ■M 3o Tissot. (iL'o^raphitj cniii|iirri' «l»- la i»r(»viiup Rnmaino W Airiciiie I. p. 40S ft'. ^'') ^u pcrgl. i'cift, 9lUariidjcö jus iri'ntiuin. ^'scna 1SS{», 3. 17 ff. u. Kf. 2. \U. 1«. .:rav 'M^dit Der 9(rmcnier", 3. :;s.")— 4:;«. '') ??cr(iL Die 3(u*c\abc bc\s rHedito nadi einer latein. .\>auM'd)nft im i:emfccr(tcr 3tabtard)io uon 5Öifd)off, (,M^ ^Ite :Kedu ^cr iHrmcriier in Vem? bercx*,!. il?ien IrMitl; berfclbc in ben bfterrciil). ^-iUättcrn für X'itteratur unb Xuiift 1SÖ7, Tiv. -V-i, 17 u. :ii». 132 X'ittcraturfccricöt. in Girofjarmenien am Murafluft'e, ''') rocM^cö bann and) in C>)corc|icn im IS. !^af)rl)unbert al^ ein rocfentlidjcr Öeftanbteil in l»ie 2ammlunc( bco ^axm "H^ali^iano, xHnfnalime fanb. ^n bcmfcISen finb neben einander tird)lirf)eö unb n)eltIid)eo J(ed)t, mofaifdie, c\ric« c^ifd)e unb römifdie ''-Sor)d)riften entsaften. -?>n mand)en 'l^unften laffcn fic^ cnt)Iid) nodi Ginflüjle ber iolamiti|d)en ^iiriopriiben;; i?erfol(\cn. ^tc römifd)=red)tlid)en ^i^cftanbteire bilben bie armenifcfte 4>erfion beö fogenannten |i)rifd}=römi)d)en ^)ied)tobiid)co, (^ini^en aber ber ASauptjndie nad) nicbt in bao ^L'embercTier ^)ied)tobud) über. 9(m l)en)or|ted)cnbncn erfd)cint ber (SinfUift beo mofai|d)en iHediteo, meldieö bei ben Ü(r- meniern nid)t, wie anberoiuo, blofte^Cnreoinniu'n ,ui neuen r)(ed)tobilbuniH'n iiefteben i)at, fonbern „luirilid) recipiert unb ^um Aunbamente bec» 3led)tö(ebenö" gcmorben ift. (2. 897.) iNie(fad) finb felbft bie 9ln* fidjten ber ^almubiften berücffiAtic^t. ii>o jebod) bao mo|ai|d)e ^Hedit burd) baö neue leftament unuui"taltet luorben, ift bieo meift aiid) bei nid)t vö[i\\\. £o lüurbe j^war bie alte Sitte ber 'ölutradie''') üerbraniU/ jebod; bie 9(bröobarteit beo 'öluteö burd) 2l>erc\elb unb Xompofitionen b(ieb beftef)en, ein -HeAt, ireldieo aUcn faufafif d)en jyöffcrn „fo tief im bnd) bariuMteltt ift, näl}ereo. 2^ie 9tbIöobarfeit ber lobe^sftrafc foUte nad) Mönic^ Sif^iomunb eit^entlid) nur für 9(rmenier untereinanl)er (gelten. lie Summe beö ©eriu^Ibeö beträtet 3(55 a[. unb Amar beo» i)atb, mcil bao ^sa[)x Stlo Xa(^e unb ber '^Jienfdi 365 OUiel^er babe;-^*j fie fällt an bie Aamilienanc^ebörii^en, wal)r)d)einlid) an bie nädiften Crrbcn; erft im Aalle ber 'JJidjtviljfunc; trifft fubfibiär ben iKörber bie 2übeöftrafe. AÜr bie fafuiftifdien Unterfd)eibuniKn in ber i'cbre i^cn ben Tötuni^en ift baö iolamitifdic ^Hecfit uorbilblicb c^emefen. 9lud) für inbireft, ^. V*. burd) stiere, vcranlafjte 'Jötunoien {)at man — mie nad) mo)aifd)em 3{ed)t — ,^u baften. 8u einer rid)tic\en "llNur- bic^unc^ beo Unterfdnebco .^unfd)en bolofem unb fulpofem oanbcln ionnte man meinen ber .s>errfd)aft beo Mompofitionenfi)ftemö nid)t (^e= lancien, obu>ol)I fid) 5(nfät;e ju einer feineren 3(uffaffun(^ wenioifteno '") Über 1*10 CrDttioiion bicfe? rHedit'Jbudvi u(\(. .HoMor a. a. C. 3. .-Jl»?^ u. 3(nm. ">1. Crinc Übcvfctjunc^ in curovätfd)e Sprachen fol)It nodj. '") .Hohler, n. 11. C. 3. .'inr>: „Ta\\ (bei t»en Slrmcnicrn) ba* iMutraAo-- ft)ftcm hcvrfcl)te. boiucifi eine bcrübmtc 3teUe be^ (rufcbiuö Cau«^ 33art)ofan« i, l*rai'i»;ir. Ev.iniri'I. Vl.lnjij'j". TuU. aud) D a rr s t e im Journal des Savauts. I^>i7, p. i»;:»ff." ■"■; Jiacli .u Olli er, a. a. C. 3. 4*J4 beruht ble\^ auf ber uralten ^^bec, bau bie cinjelnen Teile beo 3)ienfd)en (\efriniut unb al^< "üijcrgelb bie 3imuue biefer 2eile beftimmt iiurb. "^nil. audi S.iiiflofidi, bie '-blutradic bei ben 3Iapc«. äliien 1SS7, 3. 4(5. in öer Vc!)re von ber l^ötimc^ finden. Sic 3"'^'^'rf)"""f\'^fi^fii(liftit für TdÜtc foU mit bem fünfzehnten ?>Q()re beginnen. 5^ie 'Jtotroef)! ift entfprccf)cnb ben Sel}ren beo (5f)riftentnnio nmc\e)taltet luorben. 3((ö eine ftraftofc lötimfl c^ilt biejenic^e bcö näc^tlidjen Tiebco (üßl. '2. '))ioic '2'2, 2 ff.), ipä[)renb bem Crl)emanne bie 'Jüf^übuni^ ber '4^rit>ats radjc im AüUe ctneo CrfiebniAeo auöbrücflid) verfallt ift. Sie ftrcniu'n *Wtimmun(^en beo mofaifd^en ^Hed)to über bte 'iNcrle^nnii ber Crl)rfnrd)t i;ci;en bie irltcrn von feiten ber Minber foiüie über lKenfd)cnraub finb boDeiiienb ciemilbert. xHuf ^eid)enraub ftel)t bei fofortic^er CJntbecfnnt^ M ibiitero ^obeoftrafe, ebenfo auf ')lotzud)t uon Atanen unb ^imc^= trauen, ^Hauben unl» näcbtlic^co einbrechen, .e \m Zaixon beo moüiifd)»:n :Ked)tci (.'>. "Blofe 19, 10), bao and) in 'i>Qtl)tttnc\o 3amm* I::iu; nufiu'nommen — nur einer ''^öniten^ zu unterwerfen. 3i.^e für ^.^!uni;en T>a^:> ilHTc^elb, fo mu^ bei 'i>crn)unbuniu'n (Trfatj für MranU l.Litoicftcn unb «ocihmgoaufroanb geleiftet werben (vgl. 2. iKofe '21, l^ff.). 4kn i^cnirfac^ung ftänbiger 6ebrcd)en fommt aber noc^ eine bei'onbere Äompofition t)ierfür bin.zn. Sie 'iH'rleUungen burd) 2iere ünb t^anz nac^ bem Softem bes mofaifAen :Med)to gerec^elt loorben. 5. fK Sao i^orfommen ber iUutraAe bei ben clanen in 'i^er« iianticnfieit unb Wegenroart l)aha\ siuei mit ben :)(ed)tözuftänben bicicr 'libllerfd)aften genau oertraute SdjriftfteUer: Ar. fltitlofid)-') unb O.U. 3(. Söeenitfd)'-*-) .zum Öegenftanb eingebenber monogra» pl-ii'd)er 33el)anbhing gen)äf|(t, lefttcrer in etiüao engerer iV^grenzung, inbem er feine 5hifmer!famfeit fpe.ziell ben 3 üb flauen ^uiuenbet. '^^'ibc 'i^erfaffer fc^iden ifircm eigentlichen Ibenia eine aligemein ge- liiiliene Crinleitung »orauo, in roeld^er biejenigen 3äl:.e znl'ammengeftellt finb, n?eld)e fiel) auf bao lo^fri^iit ber iUutradie überhaupt aniuenben laii'cn. :3)tiflofid) giebt bi^r z^"^ä^Ü fi"^* Tefinition ber "'^Mutrad^e unb bciprid)t fobann il|re *i^ebeutung im r)(ed)toleben ber iUil!er, ihren Urfprung unb il|re "i^eronlaffung, iljr Subjeft, ihr Cbjett unb ihr oiel. Saran reihen fic^ ^i^etrac^tungcn über ben Urfprung ber 3üt)ne, bao (rrlöfcben ber iBlutrad)e, über bie Aaftoren, weldie lefctereo herbei;ufuliren pflegen, enblid) über bie Aihidn beo Jotid)lagero. Ser :weite ^eil ber xHrbeit (3. 14 ff.) hanbelt von ber 'iUutradie ber 3laren. ^n einer etpmologifdien Unter|ud)ung (3. 14 —Ib) erhalten roir ausführliche fprac^licfie Grläuterungen über bie verfdiiebenen XHuo* -■'> ])r. Aranj iüliflofid). Die JyUitracöc bei bon 3lauoii. 'iiUoii \^^7. (5. (bereite 3Dhn. ^.-"X auö bom XXXVJ. V^cint>\: bor ronffct)rifton ber plülof -hiftor. Älaffe ber faifcrl. 3lfabcmic ber ii>iiKMtfcIiafton. s.') 3. -M ililcnTo iH. 'iv.*c*5nitfch, bie i^Iutradie bei l'en cü^iUuu'u iu bor S- für uergleidj. a<Ä>. ob. Vlll (lr^\)} 3. 4:?:^— 17«». 132 i'ittcraturtcricftt. in r^kopanitenlen am .sUirafluffe/'') roclchcö bnim imd) in öcor^icn im IS. 'vN^ft^^l^wn^t^rt a[a!I)tanc^ X^lufnahme fanb. isn bcmfelOen |inb neben einander fird)Iid)eö unb wcltliAe« Stecht, mofai)d)e, iuie= c^i|d)e unb römilcf)e 'i^orfdiriften enthalten. yS" mand)en "lUmften laffen fid) enblid) nod) (rinflüfje l)er io(amitifd)en ^suriopruben; verfoiiu'n. Xie r5mifd)=red)ilid)en "i^eftanbteile bilben bic armenifdic i^erfion ^eo fo(^enannten )i)ri|d)=rbmi)d)en ^)(ed)tobud)eo, c^inc^en aber ber .ySauptfad)e nad) nid)t in bao l'emberc^er ^Ked)tobud) über. iiHm ben)orned)enbfien erfdieint ber Ginfluf, beo mo|aifd)en fHediieö, me(d)eö bei \>a\ xKr= meniern nid)t, m\i anberoiüo, brone5(nreivinc\en .ui neuen S(ed)tobi(buniu*n c^cijeben Inü, fonbern ^luirüid) rccipiert unb ;um Auubamente beo ^Hcd)toIcbeno" oieiuorben ift. (2. 397.) Welfad) finb felbft bie "iUu fiepten ber ^almubiften berüdiid)ti(^t. 3l^o iebod) bao mofaiidje :Medit burd) baö neue 'Jeftament mnaeftaltet luorben, ift bieo meift aiid) bei ben 9rrmeniem 9e|d)e()en. — Xie urfprünf^licben ari|d)en ^Mnfd)auun(^en ber XUnnenier mußten im Mampf "tit einer fo meitc^ebenben »Hcception frember :)iec^tofäl5e natürlid) unterlieiien. xUber eo (\e|d)al) bieo Dod) nid)t i^öüiiv So iDurbe jiüar bie alte Sitte ber ?^lutrad)e''') pcrl)räniU» jcboc^ bie ^b(öobar!eit beo ^öluteo burd) Kenjelb unb .Hompofitionen blieb befter)en, ein ')ted)t, melcbeo allen laufafifdien i^ölfern „fo tief im Jölute fit^t, X>a\i eo ber auolänl)ifd)cn (rinunrfunc^ miberftrcbt bat" (3. 404). Über biefeö Xompofitionenfpftem erfa()ren mir auf £. 4*23 ff., mo fpci^ied bas „Selittöred)!" nad) Hern t'emberiKr ^)ied)to= bud) bariu'ftettt ift, näbereo. Xie iHblööbarfeit ber l^obeoftrafe foUte nad^ Mönii^ Sic^iomunb eic^entlid) nur für 5lrmenier untereinanl)er fletten. Xie Summe beö Syenietbeö beträc\t 8<)5 aI. unD Muar beö= iialb, mcil bao i^abr 3()r) ^age imb ber "JiJienfd) 365 W^e^er habe;"-" fie fällt an bie Aamilienangebörigen, mal)r|d)einlid) an bie näd)ften (rrben; crft im ,^a(Ie ber '^Jid)t^a^fung trifft fubfibüir ben "fliörber bie lobeeftrafe. Aür bic tafuiftifd)en Unter|d)eibungen in ber l'cbre von ben lötungen ift bao ioIamitifd)c ^Hecfit vorbilblicb geioefen. 9(udi für inbireft, ^. "ö. burdi 2ierc, oeranlaftte Rötungen f)at man — wie nac^ mofaifd^em >)(ecbt — ^iu baften. ;^u einer rid)tigen 'iintv-- bigung beo Unterfd)iebeö Moifd)en bolofem unb fulpofem .H>anbeln lonnte man megen ber .\>crrfd;aft l^eo Mompofitionenfyftemo nid)t ge= langen, obn?of)( fid^ 5(n)ät5e ju einer feineren 3(uffa|fung menigiteno ^") Über bie (rbitioncn bicfcC^ :Wodit4bu(f)>J mil. .Hohler a. a. C. 3. oJ»-^ u. 9Cnm. .">!. crino iUu'vfetuing in curopiiifd)o 3prartH'U felilt nod). '■•') Mohlcr, ii. a. C. 3. .">!>."): „Ta\\ (bei ben :?lrmcnicrn) bnc- i^Iutradk': fpftcm Iicrrfdjte, bciucift eine berühmte 3tcUc bce (fufobiu*^ (a\i*> iBarbcfaiiC'^ i, Prat'iiar. Evjiiiir»?!. Vl.lOij'J". 'i'til. aud) I)ar<'ste im Journal «los Savants. 1<^7, p. Um ff. '") "Mad) .Hohler, a. a. C. 3. 4*J4 beruht blo^ auf bor uralten ,Uee, baf; bie cinsi'Inen "Jeile bc\j 9)ienid)en iie^d)iil^t iinx> al«> iv' er gelb bio 3umme biofor 3'eilo benimmt loirb. t^([l. aud) 3)ii!l of id), bie -blutradie bei ben Slareii, Üi^ien 1SS7, 3. 4Ü. (9c7c^td)tc bc3 3trofrcc^t«5 unD l>cö 3trafpro;cffcÖ. 133 in ber l'cl}rc von bcr 2^5tiinc\ finben. 'Tic 3ii^»'*rf)"""ftöfäf)i9{ott für Iciiltc foU mit bcm fiinßcl}nten {sal)xt beginnen. 2)ic 'Jiotnjeör ift cntfprec^cnb bcu Sefjren beo (5f}riftcntiimö umfleftnltet luorbcn. 3((ö eine ftraflofe Rötung gilt biejenigc beö näd)tlid)en Siebeo (ügl. •2. '3)iofe 22, 2 ff.), n)äf)renb bem Crf)emanne bie XHuoübung ber "^SriDat* rad)e im '!ya\it eincö CbebruAeo auobrüctlid) verfugt ift. 2)ie ftrengen 3Jeftimmungcn beo «iofaifd)en ?Ked)to über bie i^erleljung ber GI)rfiird)t geacn bie Crltern von feiten ber .slinber foiüie über "yfenfd^cnraub finb beDeutenb gemilbert. iHiif iieid)enraub ftel)t bei fofortiger Gntberfung Deo 1l)äter<> 2obcoftrafe, ebenfo auf 5lotuid)t von T^raiien unb 3ting* trauen, Stauben unb näd)tlic^eö Ginbred)en, .sSod)oerrat. 3ier in tla- LTanti ertappte ikanbftifter erleibet ben Acuertob; ber 2)ieb wirb ge* biingt; Ijcr ^JJiün.;^fälfd)er verliert bie .oanb. !^(uf "Weineib, föebraud^ falidjcr IKafie unt» ©ciuic^te, Unterfd)(agung, S{ed)tobeugung unb 336= ftcd)ung von feiten eineo :){id)terö, fa(fd)c 3(nÜage ftel)t Infamie als Strafe; Der falfd)e 8^'tige ()at fid) — im C»)egenfal\e ^ur 3:a[ion beö mofaiid)cn :Hed)tö (o. 5Jtofe 19, 10), bao aud) in iNatI)tango Samm« Irjig aufgenommen — nur einer ^^öniten,;^ i^u unterwerfen. 2i.^ie für Lotungen baö 'il^ergelb, fo mu^ bei i>erunmbungen Grfafc für Mranfc licitoioüen unt) .'oeilungeaufroanb geleiftet werben (vgl. 2. 'BJofe 21, IS ff.). 3)ei iNcrurfadjung ftänbiger ©ebredjen fommt aber noc^ eine beionbere Äompofition bierfür f)in^u. Sie i\Tlet5ungcn burd) Xiere jinb ganj\ nac^ bem Softem beö mofaifd)en :)(ed;to geregelt loorben. 5. 6» Sao 'i?or!ommen ber iMutrad^e bei ben 3laven in 'i^er* gangenbeit unb Wegenivart f)aben .vuci mit ben '){cd)to;^uftänben bicfer 'i^ülferfdbaften genau vertraute Sd;riftfte((er: Ar. 3Jiif(ofid)-') unb -fli. 9t. 3i>eönitfd)'-^^ gum Wegenftanb eingcfienber monogra* pliild)er ikbanblung geroäl^It, le^terer in ctivao engerer 'ilegren^ung, inDem er feine 3(ufmcr!famfeit fpej^iell ben Sübflaven juivenbet. 'l^eit»e i>erfaffer fd^iden if;rem eigentUd)en Ibema eine allgemein ge= baltene (finleitung vorauö, in welcher biejenigen Säfee .^ufammengeftellt finb, iveld)c fid) auf bas S^ftitut ber IMutradie übert)aupt anivenben Knien. i^Jiflofid^ giebt (jier .^unäd;ft eine Definition ber 'ölutrad^e unö befpridbt fobann ibre ^öebeutung im 'Ked)toleben ber 3Jölfer, il}ren Urfprung unb iE)re i^eranlaffung, i^r £ubjeft, ibr Cbjctt unb i[)r 3ie(. Taran reil)en fid| i^irac^tungen über ben Urfprung ber 3ü^ne, bari (rrlöfc^cn bcr 33lutracbc, über bie Aaftoren, ioeld)e letzteres berbei^ufübrcn pflegen, enDlid) über bie 'Jvhidit beo ^otfdilägerö. Ter ;ioeite ^eil bcr Slrbeit (3. 14 ff.) f)anbelt von ber "Whitradie ber 3lüvcn. ?sn einer et9mologifd)en Unterfud)ung (3. 14 — Ib) crl)alten wir ouöfübrlid&c fprac^licbe (Erläuterungen über bie vcrfdiiebenen 'Jluö= 'h J)r. "Arans 3)iiflofic^, bie lUiitracbc bei bon 3 lauen, ^i^ien iss". (:. <,^croIue 3obn. 3.::M. au^ bcm XXXVJ. tiM\>c ber ^^enffcöriften ber pMlof.-liiftor. .Hiaffe ber faiferl. 9lfabemie ber JOiffenidiaf teu. s.') 2. ") 3Jiilcnfo 3*. "Ji'cönitfd), bie ^lUutradie bei beu £ abflauen In bcr S* für oerglcicfi. 9i3ii. i5b. VIII (isSih 3. 4.i:J-17a 134 Sittcraturbcric^t. brüdfc für bic S[utrad;c in ber ferbifc^cn, Iroattfd^cn, bulgarifc^cn, Wc^i|rf)en, polnifc^en, ruffifrfien, albancfifc^cn unb beutfd^en Spradje. Siu« IcWercr finb bic Söorte: ©(utrac^c, S^^be, fredus, slahta, 3ü^ne, wargida, aiSergelb auf iljrc SKur.^cfn jurürfgefül^rt. Sobann beginnt bcr juriftifc^e 3:ci( bcr ©arftellung mit bcm Strafred^t bcr Serben (I. 3. 19 ff.). 5*n fübiüeftlid^cn 3iUnfeI Serbienei, in 93lonteneqro unb bcn angren^enben £anbftrici5en er()ie(t fic^ bic alte Sitte bcr Slutrad^e biö auf unfcre läge, boc^ fott fie — nac^ 5JHfIofi^ — burc^ baö ©efc^bud^ beö Jyürften Sanilo I. oom '^\al)Vi 1855 iDcnn nidit crftirft, fo bod^ jurüdgebrängt roorben fein, luä^rcnb in 2üD* Salmatien unb in ber .^cr^cgoioina bic öftcrreic^ifd&c i>erroaltung in äfinlid^er Söeife t^ätig ift. S" bcm fogenannten „Serbien bcr .ttönige", b. 1^. in benjenigen leiten bcö ferbif d)en Sprad^gebictö, in bcm einft Äönige unb Äaifer l)errfd)ten, foU fdjon früfi.^citig t)om Staate gegen bic iUutrad^e reagiert unb biefelbe burd) fiöfalifd^c ©clbftrafcn cr= fe^t roorben fein. Xod) blieb roo^f icbcnfattö baneben aud& nod) ein an ben i^crlcfcten ober feine Sippe ^ui crlcgcnbcs Süf)negc(b in Cüe* braud). :5n I^almatien galten nac^ bcn ftäbtifdjcn Statuten für bic SBcftrafung bco Xotfd)lageö römifd)e, au^crljalb ber Stäbte fiapifd)C 9tec^töanfc^auungen. ätbfc^nitt II— VI (3. 30-38) geben uns 9luf* fc^Iuft über bic Griftenj ber Blutrache bei ben .Kroaten, ?3u[garen, CS5cd)cn, ^4Jo(en unb Stuffen. dagegen foU fid) bei ben früf) unter beutfd&c .<>errfd)aft gcratl)encn Slapcn, befonbero bei ben SloDcnen, am ^iftorifc^er 3^-*^^ ^i" ^orfommen ber SJIutracbc nic^t nacbipcifcn laffen. Sogar in if)rer Sprad)C fefjlc baö äJort für biefcn Segriff. 9iad)bcm auf 3. 39 baö ald baö älteftc geltenbe S^wgnio für bao S3eftet)cn ber Sfutrac^c mitgeteilt morben, nämfic^ eine Stelle auö bcm SKcrte beö Maiferö Slauriciuo (582 — 605) ^iQacfjyixup (Lib. XI, cap. V. p. 272), lüirb anl)ang9n)eife nod) beö 3(ec^tco ber 3l(bane|en unb Ungarn gebadet. Xie Sitten luib öefefee ber i^llbanefcn .zeigen mit benienigen ber 3)lontcnegriner gro^c flljnfid^feit. Sllbanien ift ^baö cinj^ige Sanb Guropao, in loetcbem nocft gegcniüärtig baö i^off an ber j^lutrad^e afö einer burd) bic Sitte gebeiligten 3"^^^^^*"^^^ fcft^äft.'' (5. 9 unb 39).2=»} Jm Icil III oerbreitet fid) ber i^erfafier nocb über bic 3^hi(rac^c ber anl)eren inbo«europäifcbcn SJölfer, inobe* fonbere bcr ©cnnanen, .sielten, ©ried)en, ßranier unb Jnber (lUoeftapoIf, -^Jerfer, 9(fg[)anen, Cfjeten/-*) 3(rmenier,-'^) 5"ber), SHomer unb Slomanen ({Italiener, Aranj^ofen, Spanier unb ^Humuncn). 9(ua) biefer Jeil entf)ä(t oief roertoolleo unb intereffanteö Tetail. .^n einem „^[n^ang'' (S. 52—80) finb, jum ^eil in ben fremben Spracben, Süf)nen bei ben Serben, CSj^icd^en, "i^^olen unb SUbanefen mitgeteilt. -■^) 3" ogl- aud) (iJopccüic, £beralbanien unb feine X'iaa, Scipv l'SSl. e. 222-ü:}r>. ' =») 5?rtl- .Holilcr in ber ^. für ucnU. rK-ih}. VII 3. \'2:\\ l)arcst»\ Journal dis Savants 1><«3. -5) «g(. oben 3. I:i2 9(nm. U». (äefd^tcl^te bc0 ©trafrec^td unD bed ©trafproseffeS. ]35 2^aö Scrjetdjniö ber benu^ten Sitteratur am Sc^Iu^ bcr 3r6^anb[iing (liebt S^ugniä von ber ScIefenf)eU bcö SBcrfafferä. (6). Ser 9tuffa^ »on Sl^esnitfci^ befolgt eine qanj ä(|nKc^e (rinteilun^ beö Stoffel iinb gelangt and) im roefentlid^en ^n gleid^en iRcfultaten wie -Dlillofic^. Sie einjelnen fünfte, in bcnen er ab* roeid)cnber 3tnfic^t ift, foUcn in ^otgenbem noi) befonberö öerüor* cicboben irerben. ^ladj einer Ginleitung, roeldie Urfprung, 9Cuö* bebnung unb Grföfdien ber Sfutrad^e alo eines unioerfalrecbtö- geic^id)tltcben ^nftituts be()anbelt, folgt S. 448 ff. ein „gefrf)icbt(id)er 2eil", iDclc^er im 1. Äapitel einen Überblicf über bie (Sntroidfelung bcr "ölutrad^e bei ben Slaoen überhaupt giebt. 2tud) 'Keonitfc^ Dcriücift \)wx auf bie angefül^rte Stelle am bem SSerfe bco .Vtaiferd "IHaurictuö. Xod^ gfaubt er nocb einen befferen Seroeio für bie .öerr« fcbaft ber Slutracbe bei ben alten ®Iat)en barin finben ^u bürfeii büB fie in bcibnifcber ^eit einen eigenen Wott ber Slutracbe (©et ober £?it) bcfaßen, beffen GJrott ber in feiner $flid)t fäumigc SBUit« rdcber auf ftc^ ^erab befc^wor. Gs mirb nn^ fobann bie 'Jluögeftat* tung beo ^nftitutö bei ben ^Huffen, ^^Jolen, G.:^ed)cn unb benjenigen [(apifd^cn >5tämmen gefc^ilbert, welche in frübefter ^iftorifd)er 3^'^ unter beutfdje >>errfcbaft gelangten. ,?iinficbtric^ ber (enteren ift nun Söeonitfd) anberer Meinung a(ö ÜKiflofid), beffen Behauptung von ber Unmöglicbfeit, bie Gjciften.^ ber Slutrad^e in ^iftorifc^er ^^i* nacbunueifen, er mit DoUcr Seftimmtl)cit oeriüerfen j\u bürfen glaubt. 3(ud)i biefe Stämme fjätten nämlicb mbax einem Wott ber C^5ered)tig« !cit nod) einen befonbercn Wott ber Shitrac^e oerebrt, unb ferner bätten üc^ Spuren ^eincö 3So(fobraurf|eö, bcr bie iUutrac^e überall begleitet", nämlidi beö ^rauenraube, biö in bie neuere Seit in ben .>hod)^eitögebräucben ber flaüifc^en Seoölferung an ber Glbe erf)alten. 9Ue Öninb für baö i^ugeftanbene frül)e i^erfd)n)inben ber iUutradie fei ;u betrachten ^bie burc^ Ginroanberung bcr Xeutfd)en b^i^bcigefübrte i'orfcrung unb fd)(ien(id)e ^fuflöfung bes Sippeucrbanbee" foioie ba^ Ginbringen beö römifd)en :Hcd)tö. 2)aö 2. Mapitel (3. 45er;ie(^oroina unb Uiu(\ebiinci -^ufammen bcbanDcIt werben. y^ -üic bei faft allen l^ölfern bie %H*riobc ber $)liitrad)C iint) (Se|c^led)terfel)be ein n)id)tiiu*ö Stabium if)rer Gntuncfelungi bilbet, fo ift aud) bcinnl)e ebenfo allgemein ber Webante perbreitet, gegen bie mafelofe 3liioübung beo rMadjctriebeö bem »erfolgten 2d|ulbigen einen gemifien Sd)iife i^u r)erleil)en. ated)tö)Ute unb :'Keligion eröffnen ibm bal)er ;^uflud)toftätten, in n)cld)en er, raenigfteno porübergeljenb, wor bcn Slrmen feiner 3SerfoIger in 3id)erl)eit ift. iNon biefem fogenannten 3()i)lred}t f)anbelt ein ^uffaft »on i'. au Ib in ber „ ."^eitfdirift für t)ergleid)enbe 9tec^t9n)iffenfd)aft", 3Jb. Vll.-') l)cr "i^erfaffer l)ebt ber* oor, baf, biefem Jnftitute ein allgemein menfd)lid)er (^)el>anfe lu Orunbe liege, meld)en bie t)ergleid)enbe iRed)toiüiffenfd)aft auf etbno- grapf}ifd)er Wnmblage roo^l aud) bei ben unentiuideltften 'J^uumblfern nacbuiwcifen »ermödjte.-*') Tie 3{rt unb 2i>eifc ber Sluofübrung beo ßebanfens fei aber je nad) feiner 3luffafiung bei ben einzelnen l^ölfem eine äufeerft üerfd)iebene. ler "ißerfafier bcfd)räntt fid) darauf bao mofaifd)e, griediifc^e unb rc>mifd)c ^Ked)t, foiuic baö fird)lid)e unb n)eltlid)e -Ked^t beo beutfd)en '})iittelaltero $ur Xarftellung j^u bringen. Xie XHbbanblung foll red)toüergleid)enben ^V^balto fein. Seolialb werben überall bie leitenbea "^^rin^ipien beo 3ted)tö ber einzelnen i^ölfer in ben 3?orbergrunb geftellt, auf eine crfd)üpfent)e redit= gefd)id)tlid)e Sd)ilbening bagegen wer^id)tet. ^ie einfd)lägige i'itteratur ift fleifjig benufet unb namentlid) bao uon Mobler (in beffen 3ha{e» fpeare »or bem ^orum ber {suriopniben^) unD Arauenftiibt (in beffen Sd)rift: 33lutrad)c unb 'Jotfdjlagfübne im beutfd)en lUittelalter, i^np^ig 1881) gebotene Material oenoertbet worben. — Jie 3"frti"nHMifaffung beo 3lfi)lred;tö ber .^oraeliten mit bemjenigen bcr >>ellenen, rKömer unb OJennanen alo eineo einugen .'snftitutö mag wegen ber grunb* t)crfd)iebenen 3hiffaffung bcofelben bei ben Semiten unb onbogermanen Sebenfen erregen, wie fold;e benn aud) namentlid) won Veift in feinem „ 3lltsarif d)en jus gentium" (ogl. unten Oir. 10), bem in'rfaffer gegenüber auogefprod)en worl)en finb.-'') 5.Uit :)ied)t wirb pon Aulb ber tbeofratifd)e C5l)arafter ber mofaifd)en Wefefegebung, fowie ber barauo aud) für bie l'ebre oom 9lft)l folgenben .Honfequen.^ien t)en)orgel}oben, nämlid) ber unbebingte -*'■') ixgl. vj oH bo^ (^iofofeburf)^: „Oiur l«cn WÖrbor. ber auA vom i}kv\(btc pcrfoli^t lüirb, barf man töten. -") ^. ^ul^, bac» :?lfx)frodit im Stltoitum unb ilKittoIalter, a. a. C. e. lO'J- l.^T u 3. i>.<.— i>!Mi. -"*) 'i'otl. -Hobler, chatcipcarc uor bem Jt^rum ber 3"ri»Jin*uben;. 3. 1^'* u. oben 3. \'27 (liapnaö:. •-■") ^mi. biif. 3. iH). (3cfcf|i4te bc« Strafrccbt« unb bc8 Straf pro;cffc§. 137 9(u^fd)(uB bcö oorfä^ndftcu 3)Jbrberö von ber äöof)(t[)at bcr 3(fi;t TTcificit cincrfcitö, ber Bloft proüiforifc^e G^araher bco bem lot* idjläc^cr geroäbrten Slfijlrcc^tö anbererfeito, baö ]\d) crft bann in ein üennitiDeo ocrroanbeft, locnn ein lebiglid) fal)rInf)iiu*o ^>anbcln bce Ibätt'ro i^erid^tlid) fonftattert loorbcn. Tic 3tit)fitabt wirb aber ;uaUich baö StrafDomi.^il beo fulpofen ^Delinquenten, benn aiid) ein jolAer mun 3iil}ne leiften, bamit boö burd) bie 2t)at befledte Sanb unb ^ool! roieber lU'reinic^t werbe. 2iMe bie 3(nnal)me eineo i'öfe* (^elbe^ für nen »orfä^lidben ']l)iorb nad) ber tf)eofratiid)en Shiffaffung rem "i^erbrcÄcn perboten, |o ift aud) bie rWüd!e()r bcf3 fufpofen 2oU ^'chläc^erö quo t^er xUfpIftabt uor bein gefefclid) beftimmten Gnbe nid)t ;utäjüg. — i>öüic\ anbcrc ©runbfäfee über bao xHjpIredjt finben wir bei bcn i^ölfern t)er llafuidien 9lltcrtf)ümer, befonbero ben Wried)en unb :Hbmem, auofiebilbet. Tie SBefd)ränfun(^ beö 9Ifi)fred)to auf ben luU poien ^bütcr ift t>er antitcn 3[^JeIt unbefannt, jeber >yerbred)er Snbct »ie(mci)r in bcn mit 9{ft)ld)araher auooieftatteten Crtlid)feiten 3d)u^ unb 3id;er[)cit (2. 11^). Ter Serfaffcr weift auf bie 3luf== faüuni^ ber Okiedien ij'm, wonad) bie 3d)utjfle()enben unb .v>ilfc = fciM-rtiic^cn aller 9trt auf befonbcreo ^Biitleib red^nen tonnten. Tiefeo '))iitUiD f'Eloos) war bie .y>auptquelle ber fe()r auoc^ebebnten Waft* Trcunbfd)aft fowie beo bamit enc^ ?iufammen[)än(\enben 3(fi)[redjto. w roarc co wo^l an ber Steße gewefen, ,^u betonen, baf? bie ^"sbee Deö Öaftreci)t<5 aud) ben übrigen inboiKrmanifd)cn 3Jö(!ern eigentüm* lid} (^cwefeu ift unD »ermutlid; mit ber .oeftia = ;^^nftitution, „einer bjuinborbnung beo arifd)en 3(ed)tö(ebenc»", in na()em 3ufawmenf)ange nelji."«') Tas 3lfi)Ired)t ber 6ried)en foUte aber ferner axid) ein Mor= Tttiio bilben gegen bie Überfpannung ber 33Iutrad)e, wie fo(d)e burd) eine, öcwoI}nl)cit unb namenllid) burd) bie 'KefigionövorfAriften am- pcbilbet worben. Tas Silb, weldjeo bcr 3Jerfaffer oon ber gricd)i= id)cn tMutrad)e S. 127 ff. entwirft, erfd)eint jebod) in »ielen %^un!ten alo 5u gitell gemalt. Tie ^Jc^auptung von ber Un:^u(äffigfeit eineo i'öfc* celöeo ;ur ,'^eit^omerö ift nid)t l^altbar*"), unb aud) bie 3d)impflic^= teil Der 2(nnal)mc eineö foldjen wirb ,ui ftart betont. Ter altarifd)e ^'iTunbfaft Don ber Slblöobarfcit beo Söfutco galt aud) bei ben Mrtien.^ ) 'illö l'lfi)(e würben in r^)ried)enlanb namentlid) bie Tempel unb ^Itore gewiffer ©ötter betrachtet, bercn Gntweibung afo fAwercr rc« liaiöfer Jrcüel galt. Wans äl)nlid) war eo aud) bei ben 3(ömern, wo in iPdterer 3cit ber Sprad)gcbraud| fogar bie ä\?örtcr sacrmn unb ■■'•.I 9?gl. 5cift, a. a. C. S. 14, 2<»ff. S-t-s7, 1()(). Über bacönitf(^ in bcm oben {;)lo. <>) 6iMprod)cnen xHuffiU'i, 3. 4li). ■') ^(^l. u. a. Seift, a. a. C 3. 17 u. 'ilnm. 2; bcrfolbc, (^»räfo= ttalliAo iRed^tegcfc^idjtc 3. .'J-^i ff; MoMcr, 3l)afcfpearc 3. 15.'i; >>ermanus ^lialhfim, (üricd). 9erbred)er foUtc gebelfert roerben, unb Icbiglid) biefcö ßwerfeö roegen finbet er in ber Äird^c Schuft oor ben meltlicften ©eric^ten, bamit er niiftt etwa üon biefen in ber Julie feiner Sünben ju einem rafd)en 2obe oer* urteilt mürbe. Xaö beutfd)e ^Kec^t&(eben beö 9}iitteIaltero !ennt aber and) nocb ein meitauögebel)nteö meltlic^eö 3(f9lred;t, me(d)e6 fid|, mie bao ber antifen isölfer befonbero im Slnfdjlufe an bie 3JIutrad)e gegen lotfdjläger entmidclte. Sabei ftimmt baei beutfc^e r)ted;t eigentüm« Iid)ermeife infofent mit bem mofaifd)en überein, bafe cö bem 3(fpl« red)t nur einen prooiforifc^en 6l)arafter oinbi^icrt. iJie SJegünfti* gung follte f)auptfäd)lid) benjcnigen 1otfd)Iägern, roeldje in 9(ffett ober ^al)rläffigfeit gel)anbelt, },\i gute fommen. SHo 3(fi)lftätten galten aber nid^t nur ftönigöpaläfte, <"vronf)ofe, ©eridjtöf^äufer, Scftöffenfitje, fonbern in geringerem Umfange mar .uiletjt jebeo öauo ein 21191, auö merd)em ein megen Iotfcl)iageö 'Verfolgter nur mit Öenel)migung beo .oauoberrn Ijerauo geI)olt mcrbcn tonnte. Wan^e Stäbte unb ^Uätje erl)iclten bann mciter burd) faiferlid)e unb fürftlic^e ^^riüilegien für if)r ©cbict bcn XHii)lfd)ut5. Ül'ie in rlJom, fo treffen mir cnMid) a\i(b im meltlid)cn 3led)t beo beutfd)en "äJittelalterö eine XHrt perfönlid)en 3(fi)lred)tö, aix^ bellen fonberbaren ^öeftimmungcn uno am mcifteu biejenige anmutet, ^af; fcl)on bie blofee ^^egenmart oon A^ituen einem tobeomürbigcn 'i^erbredier gleid)fam alo 3l|i)I bienen fonnte. ler innfaijer glaubt, bafj babci religiöfe "Borftellungen, inö» ®cf4i(^tc t>c§ @trafrc(^t$ unb bcd 6trafpro5cffed. 139 bcionbere bic c^crmanifc^e Slufc^auung, in jcbcm 3Bcibe eine 3lrt Seherin ober ^^Jriefterin ju erblirfen, mitgerotrft haben. '^^) 8. 3n feinen ^Stubien jur GntroicfeIungogefd;ic^te beö Aamilicus Ted)tod; hat ber i^erfafier, roeldjer unlängft mit feiner „3(frifanifd)en ^"riöprubenj" ücn "3i>ec^ ber (iinjelbarfteUung frember 3fled)te befd)ritten, ^^) in bcm Dorliegenben 'öudic loicber bie Gruppierung beö Stoffeö nacft 'SJaterien (nic6t nacö klaffen unb i>ößerfcl^aften) befolgt. J^eibet baburd) ent* fcbteben bic Uebcrftc^tlic^feit beö ganjen SBerteö, fo laffen fid) jcbod^ Qucb bic GJrünbe IjÖren, mit meldten ber i^erfaffer in «öinfic^t auf ben (\enenn)ärtigen 3w|tünb ber »ergleid^enben ^{ed;tön)if]enfd)aft feine 3)e« banDlungöart beö Wegenftanbeo ju red)tfertigen fud)t. (i^oriüort 3. III — VI).^'') Xcr überroiegenbe ieil bes 33ud)eö, roeldjes in 13 Slb« f(!bmtic verfällt, ift jroar prioatrec^tlic^en 5n()öltö unb fd)eibet beol)aIb Iiiex pon ber '8efpred)ung am; aber auc^ ber ^Uibli.vft unb Sriminalift roitö bie £d)rift nid^t o^ne 33ereid)erung feiner Menntniffe anfi ber iVanb legen, ""^ioft fcftilbert uns nämlid) bas Jvamilienrecbt ,^ur ßeit ber fogcnannten Wcfd;(ed}ten)erfaffung unb beo ©efc^Ied)terred)tö, roeldjcs uno überall auf ber Grbe entgegentritt, nocft beute bei rürf* ttänbigen "Dia tu rDöItern, „bei ben großen Äulturuölfern in fagen* Sahen ftfängen auö (ängft oergangenen 3»"*'^^"" (2. 1). Tae ift ein Stabium, in roeldiem Aamilien, „auofd)Iießricb bie itäger beo gani^en fo.^ialen Sebenö raaren", in loelcftem alleo :Ked)t, nid)t ;um rocnigftcn aud) baö Strafred^t a(ö Jvamilienred^t erfd)eint. in biefe ^^eriobe fallt aud) ber Urfprung ber 'iUutrad)e, oon loelcber tcr 6. äbfd^nitt beö $3ud^eö l^anbelt. i^or allem loirb bier fg. 15, I. ällgemeinee, 3. 113 ff.) auf ben engen 3ufammenl}ang ber 33luts ta(^c mit ber Wefc^Ied)toDerfaffung bi^i^t^nji^fcn- '2)a ,^ur 3^it ber 6eic^lecfttet)crfaffung bie einjelnen Jvamilien in einem analogen ä?er* ■'^') über bo^ SSorfommen btefer 3ittc audj außerhalb ^cutfd)lanbö oiU. 5)eÄnitf(6 in ber 3. für oerc^l. dm. VIII. 3. 44:{ 3lnm. i>0: „.^n ber (5Jeiio"nb »pn öareges in iBigorrc follte nod) Dor T)«) i^^ahrc« nudi einem uralten .H>crs fcmmen jeter 5U einem 3Beibe geflofjenc ^?crbred)er fofort beiinabii^t loerben". ^;r 31. £>. ^o^t, Studien jur Gntiuictelunt^ beo JamilienredUö. Crin ^eis trag ;ur allgemeinen oergleicbenbcn :^ied)töJöiffenfd)aft auf etI)Uülo(\ifcl)er i^afie. Clbenburg u. ieipjig. IHIH). ßc^uljcfd^e .\Sofbud)banblunfl. VIII u. :Jl u. in ber fritifcb. 3?ierteliabrf(örift für öefe^gebg. u. ^e(l)töiüiff. ^Jt. 5. :öD. XII (iNjOj 2. JMj. W) 3" ^S^- ^^^'^ ^i^f^ beiben SDietlioben ber '^ehanblunfl ber uenilcTclienben SecbtsjDiffcnffftaft : Äohler in ^rünhutx^ S- Wr ba* t'riimt: u. öffentl. "M. b. Öegemoart. XV 3. :U1, n)efd)cr ber ejJruppieruncj beö 3tDffeö nac^ i^olfcrn ben iSorjug gicbt. 1 40 Sittcraturbcridit. ftnitniö ,^u cinanbcr ftcbcu roie bei ftaatlidjcr Cri^anifation fouoetänc Staaten, fo nimmt bic S^lutrac^e bie 'Jiatur cincö Äric(^cö an. Sic erid)eint aber ^uc^Ieid) alö f}eili(\e WeroiffenöpfKdit, beren ^>crnad)(äiu* (\iinc\ tiefe i^erad)tung ber Stammeoi^enofjen ()ert>orruft. Slbfcbroädiuncien bicfcG ftrenc^en ^^(utrad)ercd)teo pflegen einjutrcten, „fobalb genon'ens fd)aftlid)e ober ftaat(id)e ^"ftitutionen bie Wcfd)lcd)toDcrfafiung be* fdminten unb burd)fefeen'' (S. 115). .sSicrfür roerben auf S. 115 — 118 eine ^Unvif)! eigentümlid)er Öebräud)e bei ben t)erfd;iebenften i^olfern angefül)rt. SUö rerbreitctfte Sitte !ommt bie 3i^()lw^tix einco iMutpreifeo ober i'öfegelbeo oor, über bcffen iHuftreten unb .>Söfie im einzelnen auf S. 11h — 121 gelianbelt wirb. Sobann loerben bie folgen ber ^Jlid)t.;a()hini3 beö iUutgelbeo befproc^cn (S. 121 — IlMl Tiefelben beftebcn fcineöroego immer in lötung, fonbern u. a. liaufig in einer *Hrt Straffned)tfd)aft . beö Delinquenten. Ter Sd)rup bco I. xHbfdmitto (S. 1*24—129) .viblt ^l^ölter auf, bei merd)en bie ;^(n= nabme beo il'ergelbeo in ber 3i>alj( beo beleibigten Wefd)led)t9 liegt, ferner fold)e, mo bie 3{u«jübung ber ')(ad)C nur nod) in i'ontinonti er» laubt ift, unb fd)ill>ert bie .Hompromifie, rodd)c ^ioifd)en Staatögemalt unb ^ikleibigten in ber Übergangöv'it von ber öefd)led)ten>crfaffung .^ur ftaatlidien Crganifation Dor5;ufommen pflegen. § 16 (S. 129 - -134) erörtert ben i^egriff ber ,/iMutoverantmortlidifcit", b. b. ber lH*rl)aftung ber gefamten Sippe beo Xotfd)lägero für ben Getöteten, fei CO mit il)rem l'eben ober mit il)rem 'iNermögen. Ter Umfang l)cr megen ^iMutöueriüanbtfd)aft für baftbar geltenben Mreife ift überall äuf,erft oerfd^ieben. Arauen unb Minber finb bei mand;en i^ölfern oon ber 4Mutrad)e erimiert, anberöiuo nidjt (vgl. oben S. 127). §3 {„QnU ftel)ung ber ^Uutrad)c") S. 134/135 l)ebt b'in^or, baf, bie JMutraAe nielfad) aud) wegen anberer Telifte alo lötungen in Übung ift, fo namentlid) megen ^rauenraubeo. Tie ikenbigung ber "Blutrai^e (§ 4) ift ebenfalls burdimeg nid)t alleinige Zad^c beö oerlet:>ten Crin^elnen, fonbern erforbert regelmäf^ig einen <"vricbenöfd)luf5 ber fcinblidicn We» fd)led)ter, roelcl)er meift axid) in fDmbolifd)en Jyormen ^um xHuobrurf gebrad)t mirb. 9luo bem fonftigen Snbi^lt beo 5.Hid)eo fommt l)ier nodi ber felue 9lbfd)nitt über bie aufKTel)elid)en Wefd)led)tooerl)ältniffe in 9Jetrad)t. Terfelbe giebt ^unäd)ft in § 45 (S. 346 — 349) eine febr lebrreid)e Übei*fid)t ber erlaubten aufu'reljeliAen Wefd)led)töoerl)ältnif)e, luie fic burd) Sitte ober ('^u'fetj befonbero bei 3;ablreid)en "Jiaturoölfern fant* tioniert finb. ^n §46(S. 349—351) folgen bic AüUe ber einfadien ftrafbaren Unuid)t unb im § 47 fS. 351—364) ber Cfbebrud), ber fid) nad) gefd)led)togenoffenfd)aftlid)er 9lnfd)auung regelmänig alo ein JHud) beo munbfdiaftlid)en :Kcd)to beö (fl)cmanno barftcllt. Xarauö folgt axid) bie mannigfad) gcftaltete rKad)ebefugniö beo le^teren, bie fid) foiüol)l gegen l»ao Idiulbige 'l\>eib wie gegen t^en Gbebrecber rid)ten fann, fallo biefem nidn bie 8al)luna einer .Mompofition nad)aelafien wirb. ,sn bie ^5eit beo Ubergango von (^)eidiled)toi>erfaffung unb Mcnipofitionenfi;ftem ^ur ftaatlid)en Crganifation tommen oft rcc^)t 0c?d)idjtc bci^ Strafrcd^ts unö tcö 3traüro];cffcö. 141 len^crbarc i^cftrafun^cii beö Gf)c6rud)o ror, imtcr bcuen l)ier nur bic Tliatuid)lid)c xHueiiibun(\ eincö matericUcn 3^alionored)to bei eiuit^cn l'bllern am Crinofo alö bcfonbero braftifd) anc^cfüt)rt fei. tK Giiic ffeine, aber fcbr (^elebrte lHb()aub(un(^ über bao 31Iter unl» bic .'ot'trhinft Der gemiauifd)en öotteoiirteilc von X^xo]. Maegi enthalt bic Aeüfdjrift jur ikj^rüfjung ber im .'oerbft 1SS7 in ;^ürid) uattacfunDonen .-Ji». "i^criammhint^ beutfdier 'l>f)iloIoiu*»i intb £d)ul= mdnner.**') 2cr 'i^crfafier führt auf Wrunblat^e einer 'i^erl^leid)un(^l bi'r i\ennanifd)en unb altinDifc^cn 9led)töQueüen axi<:>, baft bie (»otteö* urteile, inöbefonDere bie Aeuer* unb äi^afferorbale fomie bic 'l>robe beo c\ciccibten iMifen^, inboc^ermanifd)cn Urfpruni^Q finl»; eine 3(nfid)t, iDcldie id)on t»on x^l^fob Wrimni anc^ebeutet^**) unb von ben Sanöfritiflen loroie ben Aorfdiern auf Dem Webiete ber üer(^(eid)enben ')iDerfprud)o «r«I. Taf)n u. a.) unter ben (^iennaniften immer nod) ^al)Ireid)e 5(n= hänacr fanden, minbefteno ftaif erfd)üttert fein, mie fie benn neuer= tiiuciö aud) von ^H. 3d)roeber aufgcc^eben morben finb.^') '3iad) einer turnen Übcrfid)t über bie I)auptfäd)lid)ften bio[}er über ^ao Ibema auf^cftellten i^ermutuncien unb einigen orientierenben 3Je- mertun^en über bic iKnnaniid)en unb inbifd)en r)ied;t9büd)er cu*f)t ber l^crfaiier ;u einer „Sufammenftellunfl foId)er c^efetjlidier i^orfd)riften über, „meld)e unc^ ben .<^erclanc\ unb bie entfd)eit)enben "^Blerfmale er* tcnnen laffen, morauf eo bei ben betreffenben ^^Nro^eburen einerfeito ■» *Jlt. Äaec^i, "JUtcr u. .öcrfiinft bo'? (^ermanifd). 03ottc»Ma-teiI'J, in ber .5d^n(ferift .;ur 33e"5-"^. 0:J5 ff. '■'i sl5cj(. je^t auö) Ücift, ^iUtari|d)c»5 jus ireiitium. ^)ina IKs»» 3. ;;i7 u. ♦'•'7 unD .Hofiler in örün but^ .,^citid)r. für baö ^^Nripat- unb Öffontl. 3iccl)i ^T Hcijcniüart ^b. XV (1}?N!^) 3. MO: ,M\\ bic inbortcrmanifd)o Urzeit ibic Crtalieni cjefannt l)at, ift fidicr." Über bae 'iNorfonimcn bor Crbalien in inbis ücn (>ien)obn bei te rechten »gl. oben 9lr. 2. Über ba^^ J)(ccl)t ber 5öirmancn: ■Holjler in S- für bic gcfamtc 3trafrcd)t'jir»iff. V. 3. <>S1 ff. *') ,^n (rrfdi u ©ruber'ä^ 9(lI(\om. (riicuflopäbtc ber 'ii^iffeufcf). u. .Hünftc ni. ccftion, -L Xeil (IKW) 3. 4.VJ— 490 u. bef. 3. l:^» ff. ") Vehrbudi ber bcutfcl)en JNed;t«'(^efd)id)te, IKSO, Z. :{0-J, luahrcnb 3. JS-'I int 3lnf dl lufj an Ü'Jilba (ügl. 3. S-l iJlnm. LV)) nod) bio ültcrc Slnfidit uortroton »flr. - (Jbenfo 55 runner. bcutfcfac 3iecbt'j(icf(l)id)tc Jss7 3.1^*2: „bic Crbalien, "1 allflcmein inbo{icrmamfd)cv^ Jicc^teinfiitut". — u. "Jlmira in i^aul*> (>Jrunbrin 5er gcrman. iJMloroaie. II. iöb., 2.2(btr(^. 2. l'icfi]. 3trrtf)b. is'.W) 3. I{j7 nimmt feilen mit bef. ^Küdficbt auf bie :i*fed)tvcntipirfcluni^ im ffnnbinaüifdicn ^^Jorben iim 6egenfatje jur lierrfd)enbcn Jiichrc" an. „t>ai\ crft burd) ^iH'rmittctuui^ bce G^rifientumö ba« ÖottceurtetI iuö (jcrmanifd)o ?Kcd}t gefommcn fein fann". 142 2ittcratur6crid)t. im gcrmanifd^en, anbcrerfettö im inbifc^en JHcc^töDcrfa^ren anfam". teiner fpejicUcn Unteriud)un(|i mcrbcn bann unterzogen bie iy^uer* orbalien in ben ^formen bea Irac^ens beö glüftenben Gifene, beö ■Sd)reiteno über folc^eo ober über eife mit* (geteilten i^ergleicbungen ber germanifd)en unb inbifd)en ^Hed)töbeftim« mungen ergeben n7al)r()aft ü6erraid)enbe 'Kefultate. ^3lament(id) ift bie älljniicbfcit unl> Übereinftimmung i^roifcbcn einigen angelfädififcben 3Jer* orbnungen unb Jvormcln mit ben inbifdien !:Meci)tobüd)ern (Yajhavalkya, Vishnu unb befonberö Xarada) eine in bie 3lugen fpringenbe. 8um 3d)uji weift ber Ü^erfafjer auf baö iNorfommen ber Crbalien bei l^öltern anberer Staffen ()in, mie bei ben alten vN^ra^lil^n (Gib» waffer: 4 53lof. 5, 27) foroie bei mehreren 'JiaturüöHern ber öegen» wart (afrihinifc^e 'Jiegerftämme, 3)tabagaffen, üKafambaö, 'IJapuao")) unb ftellt bie Spuren sufammen, ax\^ welchen fid) auf bie i^efannt* fd)aft beo 3ted;toinftituto bei ben übrigen inbogennanifd)en Stämmen (xV^nier, Wried)en, Slaüen, Äelten, 3lömer) fd)Iief;en (äfjt. 10* Gin 5Öcrf, welcbeö auf ©runb eineo forgfdltig benuftten SHuellenmaterialö in anfpred)enber Xarftettung bie Wrunbprin^ipien beo bio()er nod) weniger bekannten ober bod) nid|t rid)tig gewurbigten alt* inbifd)en :^)(ec^to bem i'efer oor 2lugen fül)rt unb baran eine JvüIIe geiftreid)er vsDeen unb Kombinationen über ben 3t*fammen^ang ber inbogermanifd)en i)ic6)tt beo 3Utertumö Cjnber, öried)en, Stömer) unter einanber fnüpft, ift 33. 21^. Seifto altarifdjeö jus gentium.*^') ^aö» felbe fcl)lieBt fid) alo eine ergän.^enbe Aortfe^ung an bie fd)on im isa()re li884 crfd)ienene „Wräfositalifd^e 3ted)tögefd)id)tc" beofelben i>ers faffero an.**) 3i^äl)renb aber bort bao t^auptgewid)t auf bie 3?er* wanbtfd)aft ber iKedjtobeftimmungen ber .^^eUenen unb ^stalifer gelegt war, bicjenigen ber inbifd)en Slrier bagegen nur b'u unb wieber jum 55erg(eid) b^'i^«ngfi>ogcn würben, ift f)ier in erfier Sinie ber iilirf auf onbien gerid;tet, unb erft non ba auo werben bie gefd)id)tlic^ oenoanbten Ö5eban!en ber Wried)cn unb ^)(ömer aufgefud)t. Gin brittcr 33anb fott t)ieüeid)t nod) ben 3fad)weio beö Ginfluffco ber altarifd^cn iHufdiauun* gen auf bie einzelnen Seftimmungen beo römifd)en jus civilo liefern (»gl. 3. (\{)H ff.), ber in ben beiden fd)on erfdjienenen ^iJertcn md)x in ben ^>intergrunb getreten, nid)t fowo[;l beof)aIb, weil ber *') ^l^ctl. Äohlcr in bor S- ^"r mil. :)icd)tvMi). V. iss4 c. oOs ff; ber* felbc in ber i\. für bic ikV Strnfriüiff. VI. M'u) ff. (Crbalien in ii'eftafrifa) u. oben 'Jir. 1 unb l* (9Uiftralno(U*r, iMipiuK-, inbifdu» ("ScauMmbdtvrcditc, Äkbuincn u. 3(rabcr). '■M ocn«- <5)uftap r'vifclKr. iss»». XV u. «i-JM 3. *■•» iUU. Darüber tönin^ in biefer .'jeitfdirift ^-Üb. V. 3ff.. '»5:J (^d)i{^t< bce Strafrcd)t« imt> bcö Smifprojcffc«. 143 i'citai^cr ^u wcitiQ, fonbcrn rocil er ju oiel barübcr 511 fa^cn l^ättc (3. 5>. iicift nimmt (gegenüber bcr TiscipUn bcr t»crgleirf)cnben ■Jtcdjtö* roiüeuicbaft unb il)rem aScr^ältnis j^ur 9iled)töoic)cf)td)te einen befonberen ctanbpunft ein, welchen er in oorliec^enber £d)rift noc^ in einem cif^cncn ^uban c^ (S. 079 — G09: „SJerctleic^enbe 3ied)t9iüiflenfd)aft unb altari}d)C ^ic^tööefd^id^te" ju erläutern unb ,ui red)tferti(^en beftrebt itt. Unter »oUer Slnerfcnnunc; ber Sebeutung unb ber bereits oor^ hanbcnen 5He|uItate ber per(^Ieid;cnben 9ierf)tön)ifl[enfc^aft (dciI. £. 580, 5^«5, «505), f)ä(t er t^ bod) für eine n)ic^tic;erc Slufc^abe, junäc^ft in encicren C^)>ren;^cn Jorfc^unc^cn t>or^unef)men, nici)t foioof)! in bie 3Üeite alö in bic 2icfc ben Slict xu richten unb oi,an\ befonbero im 3led)te ber onboc^crmanen Umfc^au ,^u f)a(ten. "Xas ^id bes i>erfafierö ift, ;unäd)ft eine einheitliche „ari)d)e !Med)tögefd)id)tc" m fdjaffen, bann erft fönne man ;^u einer ;,Unioerfalrcc^to{^cfd)id)tc" übergeben.^"') Äuobrücflid) mirb S^erroaf^rung eingeteert gegen bie Se.^eicbnung ber norliegenbcn Untcrfuc^ungen alö rcc^t9r)crgleid)enbe (2. 11), fic üien »iclmebr erleid) bem friiberen SÖerfc red)togefd)id)tIicbcn G^arahere«, rooburd} jebo^ {ur;\e red)töüergleid)enbe .{'viniueife auf baö jüDüdie, äcrpptifd)e, d|inefi|d)e 9led|t ufro. nid)t auogefd)loifen feien. Xer i^erfaffer untcrfd)eibet in ber gefc^ic^t[id)cn CSntujidehing be*> arifdien r){ed)to von ber Ur)jeit biö j^ur ©egenroart brei "i^erioben. oH ber erften hcrrfcbt bie 3luffaffung „ah göttlid)er, aber menfd)lid} mc^eiiertcr Sa^ung". Sobann folgt ,,bie ^dt beo ftaatlid) moribus et legibus induetum", enbfid) eine Gpocbe ber „.'oanbljabung beo 'KecbtQ alo einer rationellen, aber ftaatlid) rebigiertcn Crbnung ber tinac" (3. 565). Xer im oorlicgenben äi>erfe ,^ur Tarftellung ge« brachte inbifcbe 3tecl)t9ftoff geljört ber erften jener brei ■^ieriobcn unb ^tr Übergangö.^eit i^ur sroeiten an. 3" bcr Einleitung (3. 1 — 23) werben nn^ ;sundd)ft 5)Htteilungen über bie benufeten inbifd)en ')(ed)to= lUcUcn unb ibrc 33efd)affen^eit gemaci^t. iHlo '^Jid;ts3anöfritift MX ber 3?crfaffer auf ben Webraud) oon Überfetjungen angeiuiefen, wie folc^e ncuerbingö befonbero in bem grofjen 3ammelioerfe 'lUar Süllers: „Sacred books of the east*' in Por3iüglid)cr 3yeife iior= liegen. 3" ben rein fprac^lic^en "Aragen fanb er freunblicf)e Unter* im?ung burd) ^IJrofeffor Xelbrücf in v'sena. 2ie inDifd)en Siecbtöquetlcn lafjen ficb if)rem ^HUer nad) in nier äbfdinittc gruppieren. Xer l)iftorifd) älteften %^eriobe geboren bie i^cöas.{;>Dmnen, foiueit fic 5Ked)touerbältnif)e berü()ren, unb bie grofie ^itualmaffe ber 33ral)manao an. Taran reibt fid) bie CJpod^c ber Sütrao ober Scitfäben. \S^ :){ed;tobüdjern bcftimmtcr Sduilen ift *■') 3(ucf) 3(öröbcr, Xcutfd)c !)lcrf)t'5gcfd)id)to 3. 1 xHm. 1 rcdmet, ühnlicli wie Seift, bie G rgebntffe bcr Dcrglcicficnben rHerfit'Jiüiffonfdjaft, nur foiucit fio fid) flw ba^ arifdic (sJebiet be.^ie^en, jur :Kc(l)t»>(^ofrf)icl)to. Darüber lunau'is i^um *crei(6 ber (rtbno logt c. 3. bagei^en aber Mo Ol er in ^)rünfiut>> oeitfd}r. XV. 3. :H5 ff. 144 l'ittcraturbcrtc^t. t)aö c^cfamtc !:)led)t, ^lucldieo teilö a(o dlinrma bejeiAnet (Dhanna- Sfitras), tcilö alö ^wuoleben" bawon nod) roicbcr abi^efoiibert uuirbe (Grihya-Siitras), uiünnmcnf^carbettet iporbcn" (3. 2i. 'Ter Sfitras ^l'eriobo folcjt bic ber verfifi^ierten :Werf)tobiicI)er, inobcfonbere 5)1 a IUI unb ber nod) fpätcre Yäjnavalkya. Xic letzte Wruppc bilden cnb(id) bie örofiC 9}infle ber bio in bie (^kiienniart beo ciu^lifdMnbi* fd)cix rWcdjtö t)ineinrcid)cnbcn Mommcntare. 8ur näheren (Srläutennux (^claniU nur bie 'l>eriobe ber 3fitrao, weld)e burdi 'Jlnfniipfiinci an X>x^ •i>eben u]\v. and) :)(ü(fb(ic!e auf bie früheren ;^eiten o;enuibren. 'Ii?o eo barauf an!am, auf bie >vortbif^unc^ bco iKed)to in ber 'Diad)-2utra» periobe binunüeifcn, ift nom in'rfaffer unter Üben^eliunt^ *iWanu^ erleid) Yäjnavalkya beraniuv^oc^en (2. 4). i^on bcn 5ütrao finb bie in einem üoran(5e|d)idten lv:r;eid)niffe nad) ^itel unb ^Huoixabe (genauer anc\e* iU*bencn fünf Dliarma-Siitras (Apastamba, Gautania, Väsishta-Dliar- marastra, Baudhäyana-Dlianna^astra unb Vislnm) unb ricr Oriljya- Siitras alö Cuellen ber TarfteUunt^ su (^Jrunbe ^elecit werben. Xa<> Wefanitrefuttat ber Unterfudmnc^en l'eifto läfu fid) baf)in faffcn „bafj bie alten iiorftaat(id)en ;){ed)tofi)Ueme ber (^5ried)en, i^nber unb Stalifer am ber gemeinfamen Duelle eincö altarifcften jus jrcn- tiuni c^efloffen feien" (2. 4). Ter fp e^cHc '5"t)iit^ ^f^ 'i^ud)eö, lueldier i^erabe in feinen bebeutenbften "^iartieen aud) für t>en Ärimi* naliften ()öc^ft intereffam ift, fann wegen bes gronen Umfangeo hier nur fur^ ffi^?iiert werben. äl>ie bd ben ("^kiedjen bie &^(iic, bei ben :)(ömern baö fas, fo bilbet bei ben oinbern baö dliarnia bao ältefte ^)tod)tofi)ftein. S^ieo ift nod) o,an\ mit ber iMeligion unb bem Sittengefefe uerwad)fen, eo ift eine fafrale 3legefung ber mcnfchHd)en %'flid)ten, entfprungcn aus bem bcn arifd)en Stämmen gemeinfanien Wlauben, baf; bie Wötter bao rHed)t fcftüfeen unb bao Unred)t beftrafen (»gf. 2. 4). X'xc fa trafen CS'lemente burd)^iel)en in ber arifd)en Urzeit nod) t^a^i gan^c fociafe i'ebcn. 'öefonbero gilt bao axxd) üon ber öirunborganifo* fion beofelben, ber fogenannten „.'oauohalterorbnung". ITiefe ^muB in ihren >>auptbeftanbteilen fd)ün feftgeftellt gemcfen fein, el)e bie i^or* fahren ber Wried)cn, ."snöer unb ,^taiifer fid) getrennt haben" (2. 22 1. XHuf fie (äffen fid) baher faft alle anberen ^"Üitutionen .uirürffübrcn. Tie gemöbnlid)c Slnliebelungofonn ber arifd)en irontos mar baö 3"' fammenleben ber griif;eren Ä>erroanbtfd)aften in 'Dörfern, ^iefeo ^Torf* leben wirb im 1. Mapitel (2. 24 — 08) näher gefd)ilbert, wobei intereffante 2eitenblicfe auf bao ^Kedit beo "il>enl>fd)ab, ber ^Wrmanen unD xHnnenier entfallen. Xao 2. Mapitel (2. oO — 171) bebanbelt bie "^U^uünbung ber .v>auobaltoorbnung, inobefonbcre ben fafralen .auohaltero unb ber .ySauofrau, bie ikrhältniffe ber ^ülboption, ber '^.H»ibüberweifung unb Crrbtod)ter3uweifung, bie '4^ater* nitätofrage unb enDlid) bie Crhefd)Iiejiung, namentlid) bic Aormen ber :)(aub« unb Maufe(;e. ^-ür bcn Mriminaltften lommt hciuptfäd)lic^ baö ©«f^ic^tc DcS 6trafrc(§tö unb bcg StrafproscffcS. 145 britte j^apitel in ^ctrac^t, benn es fc^ilbcrt, loic fic^ au^ bcn „^flic^ten bcä ^aus^altcrä" attmä^Iic^ ein 2trafrcd)t mit SuBcn, ftompofittoncn unb jule^t mit öffenHic^cn Strafen ent= wirfelt ^at. 211(6 ^flic^ten bes ipauöl^alterö finb in neun Öebotcn enthalten, oon bcncn bic erften oier (2l6frf)n. I, ®. 174 — 247) nod) mc^t ins @e6iet ber Wtoxal alä bcö 9terf)tö geEiören. Gö fmb bies bie met altarifc^en ©cbote: (i.) ber iBereEirung ber ööttcr, (-2.) ber Cftern, unb ivoax foroo^I bei Sebjeiten afä (3.) nai) bem 2:obe (Iptenbienft, äbnenfultus) unb (4.) ber (^iffebebürfticjen) 3)lenfd^en (&a\u unb 5tft)(s tt^t). Sie übrigen fünf ©ebote OKänaüagebote, 2lbfd;n.Il, ©.247—384) werben oon ben Sütrae auf ben alten fagenl}aften Wann jurücf* ncfü^rt, über beffen 35erroanbtfd)aft mit bem fretifc^cn 3Kino9 unb fein &r§dltniö ju bem neueren inbifd^en ©efc^geber 3Kanu auf S. 247 —256 Ic^neic^e Semerlungen gegeben rocrben. T^ie fünf ?ffiänaua= geböte enthalten bie ^füc^t bes Sleinl^altenö, beö 9lid)tfd|änbcn6, "HiijU tötens, 9?i(^tfte^Icnö unb 9lic^tlügen9, meiere (entere aud) bas SSerbot beä falfc^cn 3^9nific^ — fi^^^ ci" ura{tari|d)ed (®. 374) — unb bes SJerleumbcnd in fic^ fc^Iiefet. 5EBä^renb bas biä in enblofeö 2)etai[ ousgebilbete erfte unb le^te ©cbot übermiegenb bem religiöfen imb rituellen S5ercid|e angehören, ^at fidi an bcn brei mittleren 9Känat>a* geboten baö eigentlid)e Äriminalrec^t ber ^nber entroicfelt, unb jroar iiunäc^ft bae fogenanntc ;,alte Strafred^t" ber frül)eften ^dt (3. 278 —316). Sc^on bie Snber ber Urzeit ^aben bie brei Übelt^aten ber Sc^dnbung, ber Jötung unb bes 2)iebfta^lö für Sünbe (enas) gegolten, für meiere ber 3;^äter auc^ nod) im ^enfeite ,^u bilden l)at Sic lebhafte ?P^antafie ber Orientalen ^at fid) biefe .^pötlenftrafen in Serbinbung mit ber Se^re von ber Seelenroanberung umftänblid) auö« gemalt. 2)ie ^nhcx lennen nid^t weniger alö 21 Völlen (Yajn. 3, 221 ff.). — aiber aud) auf biefer 3Belt ]d)on i)aben bie brei fdiroeren 8er6re(^en i^re folgen. 3" ^«t 2^ötungölef)re finben fid), luie bei öen öriecj^en. Die oier ©egriffe ber berechtigten, Der tulpofen (influfioe fofuellen), ber oer^^ei^lid^en (ablösbaren) unb ber unoer^eifilic^cn (in &)bri5 begangenen) iötung unterfd)ieben. ''Jlad) Seifts *Hnfid)t ift w für ben Slrier üon jel^er oon entfc^eibenber 3Bid)tigfeit geroefen, j\u fwgen, ob bie I^at eine abfic^tlidje ober unab|ic^tlid)e getocfcn, ob own^roillig" ober ^unroillig" (fxw^, skrit. = u^ant, äxa)y= avagaj ge= tobelt ^abe. 3)iefe 2luffaffung, meiere nid)t ol)nc SBibcripnid|) ge= Mieben ift/**) mar fd^on in ber ^gräto=itaIi| d)en :'Ked^tögefc^ic^te" öusfü^rlid^er begrünbet. 5Junmel)r werben auc^ bie altinbi|"d)en bellen i^um Öeroeife l^erangei\ogen. ^nd) bie fulpofe Rötung galt bei ben Ijnbem für eine oer- iinreinigenbe Sünbe, meiere gefüljnt roerben mup, bamit man für ^ö« äenfeitö möglid^ft gereinigt loerbc. 2^ie Sül)nc beo Areoeto Wc(|ie^t teilö burc^ bie allen 3lriern be!anntcn l:icropfcr, teile» **) $gl. bef. 53runnenmeifter, baö lütuntTiövcrbred^eii im a(trömifcf)cu Ht Seipj. 1887. e. 131 ff. Settfd^r. f. b. gcf. Strafre^t^io. XI. 10 1 46 gitteraturbcric^t. burd^ ein fpcjieß ben 3"^<^^" cigcntümltci^c^ Spftcm oon Süfeun* c^en, (präya^citta), bas aber axid) auf t)orfäftfid)e Jpanblunc^en 3ln* roenbunt^ fanb CDiä^creö: S. 316 ff.). Ter Segriff ber Der^eiftlid^en ober ablösbaren 'J^ötunc^, welcher (nac^ Seift) ber (^efamten arifc^en 3ßelt gemeinfam ift, pnbet fid^ axid) bei ben Snbern. 3)urd) ein Äompofitionenf^ftem ift bie in ber Urjeit geltenbe SJIutrac&e t)crbränflt roorben. 3)ie 3nber l^atten gleich ben ©cmtanen ein ®erge(b (vaira- yätäna). 3)ie .Slompofitionöfummen rourben nac^ Äü^en berechnet unb für bie brei Stänbe (9(bel, Solf, 25ienenbe) in feften '^Jreifen nacf) bem 2)ecimalf9ftem georbnet. daneben bcftanb für lötunoien bie Opferung eineo Stieres jur (Sjpiation, um ben 3om ber ©Otter 5u befänftigen, fo bafi fie ben 2E)ätcr loieber ah rein annaE)men. 2)aö gan.^e ^Nrä^a^cittaf^ftem beruht auf bem 0e* banfcn einer perfonlidjen Gntfünbigung bes 1()äterö. '^ic ^nber fmb aber nidjt bei bloften SHeinigungöopfem ftel^en geblieben, fonbem l^aben — roaö ben ©ried^en unb -Wömern unbefannt ift — als präya- ^citta ein ganj^ee Softem von ©Übungen auegefonnen, in welchem bem £d)u(bigcn, ber feine Sünbe eingeftel^en mu^, felbft bie ITuIbung eineö Seibenö auferlegt wirb. £oId)e SJu^fafteiungen, welche in ben mannigfadiftcn formen oorfommen, l^aben einen n)irflid)en pönalen (5f)arafter (t»gl. S. 316—341). SlIö bcred^tigte Rötung galt bei ben Snbern biejenige eine^ jeben freoelf^aften 2lngreifer^ i'Jiotroe^r), be« fonbero aber bie beö auf ber 2:()at ertappten Scbänberö, 5^iebcö unb ^ot|d)lägerö. — unfüFinbar erfd)eint bie in .öpbris ausgeführte Rötung, beren fc^roerfter %a\[ ber ©Itemmorb bilbet. ^a^ mittlere Strafenfpftem ber präyajcitta ift S. 316 — 341 gc* nauer bargeftcHt, befonbers ^infic^tlirf) beo Übertretend ber brei l^erbote bes löteno^wSc^änbeno unb Steffens, an roelcfien fid) als eine vierte gro^e 3ünbe nun nod) ber ©enu^ fpirituofer ©etränfe anreiht. ^Tic auf biefe Sünben gefegten Su^en befte^en jumeift in graufamcn 9?er* ftümmlungen ober anberen Sörperqualen. 2)abei tritt ein eigentüm» lidjer, bem l^alionsprinjip ^war oerroanbter, aber boc^ von il^m ^u fd)eibenber 9led)tsgcbanfe auf, ben mir aud^ im fpäteren Sönigsftrafen* fpftem roieber begegnen: ber il)äter foll in berfelben ober bod) möglic^ft gleidjen 3yeife leiben, roic er gefünbigt ^at, v 33. bas ©lieb oerlieren, mit roeldt)em er bie 'Xi)ai üoUbrad^te, ufro.*^) '^sn^otm ber 2:l)äter fuft in einer feiner Sünbe abäquaten 95Seife felbft ben Job giebt, roirb er für bas ^Nenfeit^ gereinigt. 3" weiterer Gntmidelung biefes Suf,enfpftcmo mürben mbax ben graufamen Selbftpeinigungen aud) anbere formen ber Süpungen anerfannt, unter meieren befonberö ein jroölfjä^riges *') 3n t)cr öegenübcrftellung biefcr ^^>bec ju bem Xalioneprinjip gebt unf. Crrarfiten^ :^eift, S. :»15 u. :IÖ8 ^u frfiroff üor, ba ber Öcbanfe ber "iJMebcrDort^oItung 311m lüenigfteii in berfelben mit entbaltcn fein bürftc. fHcferent erlaubt fid) hier auf f. ^o^ee ber Si^ieberpcrgeltung in ber (^efc^id)tc ii. ^^bilo-- fopfiie bec^ 3trafred)t»j" I. 5lbtlc^. erlangen 1^\), e. 18 :?lnm. :U u. 35, 3. 37 ff. unb bie baf. citiertcn 3c^rtftcn ju oerwcifen. C^dc^tc^tc bed 6ttafrcc^td unb bcd Strafpro^efied. 147 ober (eben^längHc^ed ßjil in cinfamcr ©cgcnb (mahävrata) ju nennen ift. ^od) Später roiirben bie Su^n immer mtijx erlcid^tcrt, biö man enbUc^ unter ben ©inflüffen ber ©eiftlic^feit baf)in fam, ba^ nid^t nur ©abenfpenben unb Jaften^ fonbern and) 3Cteman^aIten, ©ebetemunneln, \a felbjt ^eimlic^e 'Sn^tn als roirlfame Steinigungemittel anertannt rourben, falls nur bie innere ©emüteoerfaffung beö 3^1}äter^ firf) aU eine „Seelcnfon.j^cntration" barftettte. S. 337 ff. roirb unä eine Über* jtd)t bes fi)ftematif(!^en Sluobaucö biefes ^räpa^cittafpftem^S bei 35i^f)nu aecieben. ^iefe ^nf^auungen lebten ^unöd^ft aud) nod) in bem roeltlid^en königsftrafcnfpftem (3. 341 ff.) fort, bao jeboc^ allmäf)lic^ einen anbcren (S^arafter annimmt. 2)er 3wfammenl)ang mit bem älteren Sedjt i^eigt fic^ namentlich in bem and) l)ier ju örunbe liegenben öebanfen ber Steinigung oon ber S^ulb in jenem fid^ an bie Nation anle^nenben ^rinjip, bie ^rt be^ iSerbrec^enä in ber ^rt ber Strafe roieber^ufpiegeln, baä fic^ jefet im Ginjelnen faft noc^ beutlicbcr oerfolgen fäf;t. öierauö erllären fid) bie oielfadien SJer« itümmelungcn unb barbarifcben Sobedftrafen. Überroiegenb aber ift ber 3lu^bau beö Äönigöftrafenfpfteme in einer 9tid)tung erfolgt, bie üuf ben erftcn Slicf jiieigt, baf; ee fid) um eine 3terf)töbilbung fpäterer 3eit ^anbclt. Die meiften ftönigeftrafen finb nämlic^ ©elbftrafen in Dcrfd^iebenfter Slbftufung. Sieö beroeift, baft bie .Könige H)x Suri^s biltionärec^t in lufratiocr Siic^tung auogenuftt \)ah^n. 3luf S. 364 —372 werben in fieben Stummem auofüfirlic^ bie oerfd)iebenen Selihe mit ben barauf gefegten Äönigsftrafen aufgei^ä^lt. — 3lusi bem pierten 33u($e, roelc^eo „bie S)taci^t bes öauölialters" barftettt, ift 3lbf(6n. II, 3lbt. 1 „bie Äriminatoerfolgung" ^eroor,^u^eben. Gq roirb ^icr mit befonberer Slücffidit auf bie Drefteöfage baö SJefen ber gried)ifc^en unb ber altinbifc^en 33lutrarf)e erörtert (3. 423 ff.). 2ie Sebeutung bes fogenannten S)tutt er rechte loirb für bie Snbogermanen beftritten, ba ber ganje altari|d)e Stec^tobau auf l*arentelenrcd)t errichtet fei. Sticht blofi ber S)luttermorb, fonbern ber Glternmorb überhaupt galt ben 3(riern als unoer,^eil)tid)er unb unfü^nbarer "^xerytl, ber erft im Saufe ber 3^it burc^ baö •iir.ä^iV ^cinafpftem ^u einem ablösbaren S)elifte rourbe, inbem nämlic^ ber i^dtcr burc^ graufame Setbftaufopferung fic^ roenigfteuö für baö ^en* fcitö reinigen fonnte (S. 433). (Sigentümlic^ ift bie oerfd)iebene weitere Gntroidelung ber anfdnglid^ unfü^nbarcn 2ötungöarten bei öriec^en unb Jwbem. Sei ben erfteren oerfdimol jim iJufammenljang mit ber ßrinpsleljre ber Segriff beö Clternmorbes allmäl^lic^ mit bem (foi^oc ixovaiog überhaupt, bei ben lefeteren fd)lo^ fid) alo gleich fd)n)erer '^reoel baron erft ber Scl)rermorb, bann ber öelel)rten=, enblic^ ber 33ra[)manen== morb (3. 443 — 446). — 3)er Sd}luft beö SiSerteö befd)äftigt fid) mit bem Gioilrcc^t unb ber 6ioi Verfolgung. Dem ©an.^ien finb nod) 3tnmerfungen über oier Spe^iatfragen, ber fd^on oben ermähnte „3ln* ^ang", ein Stcgifter (roelc^es bei ber gräfo=itali)d)en Sted)töge)c^ic^te leiber fel)ltc), unb ein „Sansfritinber" beigefügt. 10* 148 Sttteratur6end}t. IL @ried|ifd|ed 9led|t !!♦ 3n neuerer ^At \)ai man fic^ mit regerem C Grforfdiung beä längere 3^'* in 2)eutfd)Ianb etipaö ftiefi be^anbelten griec^ifc^en SRec^tö jugeroanbt. 3iie 3luffinb j^od^intercffanten Snf^nft oon ©ortpn**') foroie bie in beni '^ai)xt erfd)ienene ^gräto*itaIifc&e SReditögefdiic^te^ von Sei in weiteren Äreifen SJcranloffung gegeben, auf ben 3^ öang bes griec^ifc^en Stec^tS mit bem ber anberen inbogeri SSößer aufmerffam ju werben. 2l6er and) gan.^ abge|el)e ift bie p^ilologifd) * juriftifd^e Sitteratur über einzelne )sxc ^ettcnifc^en Slec^ts in ben legten So^rje^nten eine ,Mem(i faltige ju nennen. 2)icfen Jyorfc^ungen gegenüber mufUen bräunlichen S?efjrbüc^er über griec^ifc^eo -Herfit auö ben erften 2 biefea ^al^r^unberto ollmä^Iicö veraltet erfd^einen. Weiüif^ bal^er ein bcrcd)tigteö Untemel^men, bofe genaue Äenner bco Sled^tQ biefe älteren Sßerfe burc^ Sleubearbeitungen and) für bi mart brauchbar gemacht ^aben. So mürbe unlängft bao i'el) gried^ifc^en Antiquitäten x>on Ä. %. § ermann (roeId)co in ' äbt. 1 bie 9led)täaltertümer enthält) burd^ eine Stnjaf)! (>kU herausgegeben/^) unb auc^ ber ^attifc^e ^rojefe" oon 'DJte Sc^ömann, — eine feiner 3^i^ preiögefrönte 3{rbeit unb neb terö ^2ttE)enaifc^er ©eridjtdDerfaffung" roo^I baö am meiften Sud^ über baö griecftifdje ©erid^tsroefen, liegt feit 1887 üol neuer Slusgabe t)on ^uftuä .^ermann Sipfiuö oor."**') T meldte© fcfeon feit 1883 in Lieferungen erfd^ien, ^at leibcr aufbiß 3(rbeiten über baö SRec^t oon ©crti)n foroie auf l'eiftö gräfi SRed^togefcöicftte nodi nic^t einge^enber 3lücffid)t genommen ( £. IX unb X). ^xn übrigen mar ber ^erauogcber bemüht, äöerl in feinem urfprünglic^en Seftanbe möglicbft ju erl)alten, . feitö i^m aber and) alle Serbeffeningen angebei^en ui lafjen bie fpäteren 5?orf4ungen anberer unb eigene llnterfuci)unge berten'' (S. VII). 3)aö Criginal ift nidjt überall nollftänti brucft roorben^ vielmehr fmb »eraltete ober unhaltbare regelmäßig ol)ne roeitereo burc^ baö Süchtige erfe^t roorben in einzelnen JväHen, ^mo eine fidlere 6nt|d)eibung burd) b ber Bad)t auögefd^loffen mar", ift auöna^memeife aud) ber i lic^e 3^ert mitgeteilt morben. Um bao neu .'oin^ugetommcr auc^ äujierlid) alö fold)eö fenntlid) ^n mad)en, ift baöfclbe Älammern gefeftt, roä^renb baöjenige, mao unter ^cnul5uni^ t "*"*) 3" *>gl- über bie bierauf bcjüglirfien 3(rbciton ihmi -Üüc 3itoImann unb :öernt)öft: ü. Viöjt in biofcr ^. V 3. 74»> ii. VI ^^) I^ie 5ierf)t'3altcrtümcr üon 2f>. X ball) eint. Jrcilu]. ii. '"^) Xer attifc^e "i^rojefj. i8icr 'iUirfier uon 3)i. ."o. Cr. :l'icicr i; 3c§ömann. 'Jicu bearbeitet uon ^suftue >> ermann \:iiM"iuö. 3. (Saloarr) & (So. 1683-1887. L> mc. XVI u. l(i.'):l ^. ©cfc^ic^tc bcS 6trafrc(^t8 unb bcS Straf projeffc«. 149 ■Diaterialo mc^r ober roenigcr Deränbert würbe, ^roifc&en Sterne geftefft ift (3. VIll). ßinc 5Wei^e oon ^uföfeen tonnte aus bcn oon ben beiben ?.Wajicm ^interlaffenen .^anbejcemplaren entnommen roerben. ©anj neue 3"föfec finben fic^ befonbers l}äufig in ben 3tnmcrfun(^cn, jeboc^ au^ im ^erte felbft, fo ,v 33. bie längere ßrgänjung unb Berichtigung jiu bcr ^iftorifc^en Einleitung oon Sc^ömann (©. 28 — 38), in roelc^er SipfiuQ fic^ gegen bie annähme auöfprid^t, ba^ fd^on Solon W ct^cntlid)e ^)ie^tfpred)ung ben Strc^onten ent;\ogen unb ben au^ l)er gejamten Sürgerfcftaft gebifbeten Wefc^roorenengeric^ten übertragen ^abe. -— X'xe ßinteitung beö Stoffes ift biefelbe geblieben. 25aö .weibänbige 23erl l^anbelt in oier Suchern: 1. oon ben i^orftänben ^ öcri'c^tö ('S. 39—142 3 Äapitel); 2. oon ben ©cric^tö^öfen (3. 143—188, 3 Äapitef); 3. oon ben Älagen (S. 189—744; I. m. £ffentlid)e Älagen: 2 ftapitel; IL 3lbt. ^^rioatflagen: 2 iKa« pitel); 4. 00m i^ro^eftgange (S. 745—1006, 16 Änpitel).' 3[n einem Anfang (S. 1007 — 1019) fmb einige Spej^ialf ragen erörtert. 31uf eine Angabe be^ reichen 3"^alt^ beö Üßerfes im einzelnen tnuB iier oerjicfttet werben. 3)od^ begießt fic^ auc^ ber übenoiegenbe 1t\i beofelben nic^t fpe.^iett auf ben Strafprojeft. 3)06 i5erfa^ren mben „^Jlutgeric^ten'' (2treopag, Delpl^inion, "i^^rptaneion, ^attabion) MX fcbon in ber erftcn 3luf(age prinj^ipiell oon ber 2)arfteIIung üu^efcftloifen. Z(i)'6mann gebac^te über biefen öegenftanb eine befonbere Unterfud^ung §u oeröffenttic^en, fam jeborf) nicht mef)r ^ur 3u3ful)rung biefes planes. 5lac^ bem ßrfc^einen be$ Suc^eo oon ?i)ilippi, „ber 2lreopag unb bie Gp^eten'' im ^a^re 1874 fanb öU(S i'ipfiuö feine 'J>eranlajfung mef)r, bie 2üc!e im lejte felbft au6',ufüllcn. ßauptfäc^Iic^ frimina(iftifcf)en Sn^^^tö ift bas 13. Äq* pitel be5 legten Sudbeö: „l^on ber 3?oII,^ieöung bce Urteilt" (S. 057 -^70i; aber and) in ben anberen 5lbfc^nitten foioie in ber f}ifto» Hieben (Einleitung finben fic^ ftrafrecf)t(icf|e unb ftrafprojeffuale ^])lüte* tien, Toie :öemer!ungen über bie ©efe^gcbung Srafon^, über $rioat= unD 33Iutracf)e, erlaubte Selbft^ilfe, 3()i)Irec^t unb i^erbannung, über •Hlacien roegen 3)lorbe9, G^ebrud^s, 2)iebftaI)(o, Äorperoerlefeung, falfcfien >^fU(\nif]eö, ändßfta unb \i}xz Seftrafung ufto. Gin oon Dr. ©. Scbroebler angcfertigteö Stetten- unb Sac()regifter (S. 1034—1053) «tleicbtert bie 33cnu^ung beo SBerteö. III. 9lömifd|e8 9ted|t. lä* Sie 2et)re oon ben römifc^en ^opulartlagcn bifbet bab 2:()cma ^^'I^r berliner ^naugura(*2)iffertation oon ö. ^aatjoro.'"*') Ser iner* ?%r, loelc^er ben Ciegenftanb in ftarer Söcife bet)anbelt, gelangt über Melben oielfacf) .^u Stefultaten, loeldje oon ber bi^^lang ^errfdf^enben '^tfinung abroeic^en. Si^enn er jebod; felbft 3. 9 ber 3inficl^t ift, bafe •') ^an§ i^aaljoio, i^uv Scbrc oon bcn römifcf)en ^opularflagen. 5"au9urar=2)tffertation. »crlin. 1889. 56 3. 150 Sittcraturbcrt(^t feine Slbl^anblung in i^rcn Grgebniffen ben von Srunä gefiinbencn in faft allen fünften roiberfprcc^c, fo ift bieä wo^I ju oicl gefaxt, ba er in nic^t unroefentlic^en ^agcn — fo befonbcro l^infi^tlid^ bcr in ^ap. III, IV u. VI erörterten — mit SJrunö übereinftimmt. 2öie baä %l)tma fein unmittelbares praftifdjcs S^tcreffe für bie ©ecjen* wart l^at, fo befd^ränft fic^ auc^ ber i^erfaffer auf ba^ red)t6(^efc^id)t* lic^e ©ebiet. 9iacl^ einer Doraufc^efd^icften Übcrfidit über bie Dor= ftanbene Sitteratur unb ben gegenroärtigen Stanb ber Se^re (9iap. l, S. 1 — 9) roirb ber Segriff ber actio popularis befiniert (Aap. II S. 10 — 13). ^m ©egenfa^e ju 95runö roitt ber SJerfaffer bie populären Snterbilte nid|t ju ben actiones populäres rerf)nen. ^ür folc^e 2ren» nung fprcdje fc^on ,,ber Umftanb, ba^ bie Snterbifte, bie ja uon ben actiones urfprünglid) oöKig verfc^ieben roaren, in ben )uftiniani|d)en 9led)töbüc^em fetten als actiones bejeicftnet werben''. 2)eutlidbere Se* meife aber feien in L. 8 D. de popul. act. 47, 23 ugl. mit li. 2, 34 D. ne quid in loco publ. 43, 8 enthalten. Stnbererfeit^ unterliege bie 9(nrtrf)t Srunö', baft bie gefe^Iic^en Strafflagcn mit populärer Qinflagung nid)t ju ben actiones populäres gebort Ratten, ftarfcn Siebenten (S. 11 ff.). 3m Rap, III (®. 15—23), n)eld)eö non bem „proIuratorifrf)en G^arafter ber ^^opularf lagen" l)anbelt, mirb bie Äontrooerfe unterfucbt, ob ber Äfäger aus eigenem Siecht geflagt l)aht (bafür: v. ^l)zxinQ,, Srund), ober ob er ale Stell» uertreter beö 35o(feö aufgetreten fei (bafür: Srinj, iUigt). i^er» f affer entfrf)eibet fid^ für baö lefetere. 'iEamit fei aber no^ nid^t bie i^rage erlebigt, roer bie eingeflagte Welbfumme cr()a(ten f)ab^. 5^aft bieö regelmäßig ber l^opularfläger felbft geroefcn, roeift baö IV. Äapitel (S. 23—28) nad|. ^m V. Äapitel (über ^bie äJererblicftfeit bcr ^opularffage'') gelangt ber SSerfafjcr, im Slnfd^Iufe an Surc^arbi,^^) baj^u, ben begriff ber actiones vindictam spirantes ganj ju oerroerfen (S. 39 ff.) unb bie Unoererblic^feit ber ^opularflagcn, für bie fid) auö ben Cluellen lein genügenber Seroeiö erbringen lafle, (im Öegen- fa^ 5ur ^errfd^enben 2lnfid^t) ju oerroerfen. Toc^ fei oon ber i^er» erblid)feit bie 3wgef)örigfeit jum 5Jad^Iajfe }u unterfrfieiben. Tie ge» fe^Iid^en Strafflagen mit popufarem Älagered^t (VI. ka}>., S. 45 — 46) merben fc^r furj abgefertigt, „ba fie oon Sruns er|d)öpfcnbe Gx' örterung gefunben ^aben". ^i" Äapitel VII (S. 46—50) werben alo „üerroanbte SJilbungcn" ber actiones populäres angefül^rt: bie populären 3i"tolfo; unb jJiroar feien biefe Mlagen f)auptfäd)(ic^ auf bie im letzten '•■'^) üJrunbsügc bed ^lec^tef^fteme bcr 9iömer, 1822, 3. 231. (9ef(^i(^te bc« 8trafrcd^t« imb bc§ etrafprojcffcö. 151 Ja^r^unbcrt bcr JRcpublü, befonberä feit bcr 3^it ^^^^ ©racd^cn, rafd^ mnc^menbc 3)urcöträn!ung bcö römifc^cn ©cmcinrocfcn^ mit bemo» fratifcben Glcmcntcn gurücfjufü^rcn. 2ln eine Gnttc^nunc^ am bem attifcfecn Siecht fei fc^rocrlic^ ju bcnfcn (©. 52, 9lnm. 1), Äapitel IX (2. 53 — 54) befpri^t noc^ futj^ baö fpätcre gd^icffal unb ben Unter* fliaitfli bcT ^opularflagcn, roelc^e in 2)eutfd^(anb roegen oöttig ab* lücid^cnbcr politifd^er ^er^ältnijfe nid^t recipiert rourben. 13^ X\e von ber ftaatöraiffenfci^aftlici^en ^afultät ber Unioerfität ^vLud^ ^n ©inbfd^cib'ö 50 jährigem ©oftorjubiläum überreid^te %t\U jcbrift ift eine gelehrte Unterfuc^ung von $rof. Sd^neiber üben ben brannten ^i>ro5cf; bes 6. 9tabiriuS,^^) welcher im !5al)r 691/93 unter Giceroe Äonfulat fpielte unb gegen ben SlngcMagtcn nac^ Slb« lauf ooUer 36 3of|re wegen ber 2!ötung beä SJoIftribunen ©atuminu^ (>ur 3^it bcr SBirren unter 5Wariuö) oon bcr bemofratifc^en Partei (i^oltstribun Sabicnuö) anhängig gemacht roorben mar.'**) 2)ie oauptqueUe unfercr Äenntniö oon biefem Sed^töfaÜ ift bie SSer* ui(^ungörcbe Giceroo pro Rabirio ad Quirites, roeldje foroo^I von ^Mnorifcrn unb $^i(oIogen, als a\i6) oon Swriften fd^on öfter jum ße(^enftanb cingel^enber Unterfud^ung gen)äl)lt roorben. 2)a^ ber l>ro,;eB jefet nod^malö nad^ feiner juriftifd^en ©eite I)in üom SSerfaffer einer t^rüfung unterzogen roirb, red^tfertigt berfelbe bamit, ba^ immer no(i oiclc intercffantc fünfte bunfel unb fontrooerä geblieben feien unb büB i^m bic 2lnfxc^ten ßufc^fes — ber (e^te Surift, ber fic^ mit bcm C^egenftanb ousfü^rlicber bef^äftigte"") — mel)rfac^ nic^t jutreffenb erfc^ienen. ©d^neiber gelangt benn aud^ burc^roeg j^u anberen Grgeb« nijien ah feine go^Irci^cn ^^orgänger, roobei uns i^ugleic^ über bie politifc^e ©teüung Giceroö in ben bamaligen ^>arteifämpfen neueö Sicftt verbreitet wirb. 3unäc^ft wirb unö bcr bem ^rojcffe ju ©runbe (iegenbe gefd^ic^t» lidie i^atbeftonb in Äürje an ber .&anb oon ^Kommfene römifd^er «ei(^id)te (ogl. 6. Auflage 1874, Sb. II S. 169 ff.) erjä^It (3. 2 ff.), fobann auf bie fpc^ieüe Grörterung ber 6in5en)eiten übergegangen. Xobei roirb aber gum Unterfd^iebe von ben bio^erigen 2)arfteUungen ^es ^rojeffed in erfter Sinie nid^t bie 6iceronianifd)e Siebe, fonbem ber.^iemlic^ auöfüFirric^c Seric^t beöS^io Gaffiuö, XXXVII, 26— 28, öle eines unbefangenen Stritten, ju ©runbe gelegt, ber jraar ber 3eit ■^j iJer ?ro;;e6 be^ (S. Siabiriuö bctreffcnb ütrfaffungv^iüibrige Öeroart Seftfc^rift perfafet Don Dr. ^. Sc^neibcr, orbl. '^xol bce röm. 3iecf)t^ an ber Unioerfität 3ürtc6. Süric^ 1889. Jricbr. ecf)ultf)ef;. IX u. r>0 8. *♦; öerncr, ifef)rbu(§ be« bcutfc^. etrafrcd^t^, 12. 3(ufr. 3. 318 u. 3lnm. -1 füf)rt ben JaU al§ Jöeifpiel an für bic Unuerjäf)rbarfeit ber Äriminalflagen jur 3^*^ ber römifc^en 9t, ben ^r 35erf. gu ben ^uriften gäfjlt, bürftc bod) iüot)I trot^ fciueö „römifd^en Äriminalprojeffeö" ben ^ftilologen bcijugefcUcn fein. 1 52 2itteraturbcn(^t. nai) ütcl fpäter fei, aber loo^I auQ guten Duellen, roa^rfd^einK^ J^iüiuö, gefd)öpft ^abe. Tie Slnffac^e gegen Slabiriuö lautete ouf per- ducllio, „in ber Sfnroenbung, ba^ ber Stngeflagte einen römifd^en Sürger o^ne Slid^terfpruc^ getötet \:)abt, caedes civis indemuati'' (3. 7) unb lüurbe oor bie duumviri perduellionis üerroiefen. Jm I. .ftapitet (S. 7 ff.), roirb nun bie ^ered^tigung geprüft, ben ^^Jro^ej? Dor biefer altcrtümlid&cn Se^örbe anhängig ju ma^en, roclc^c jur 3^it ber Stepublif i^r 3lmt fcfton lange nic^t me^r praftifd^ bet^ätigt l^atte. "Die yyragen, ob jebocft bamalö ^ur Ginfeftung ber duumviri ein 0efe§ erforberlid; geroefen unb t^atfäc^Iic^ erlaffen lüorben fei, beantwortet Sd^neiber im ©egenfafe ju faft atten anberen 3c6rifts fteüern oerneinenb, roeil baö 5)uumoira[t)erfaI)ren gef eftli c^ nid;t abge* fc^afft geroefen fei (3. 10). S. 16 ff. erfahren roir 9iä^ereö über bie Slrt ber Strafe, auf roeldie ba^ Urteil gelautet fjabt (Äreujigung). Äapitel II (S. 19 ff.) befprid^t ben Strafantrag bes J^olfötribunen Sabienuö. .icr roirb oom %rfaffer bie 3tnfic^t 3iiebu^rö"*^) unb feiner 5af)Ireid)en, adcrbingö unter fxc^ roieber bioergierenben 3ln6änger (barunter axxd}: .?^ufd^fe unb^Blommfen), baft bie Stebe Giceros pro Itabirio nid)t eine 3?erteibigung gegen capitis accusatio, rielmeftr gegen eine multae irrogatio geirefen fei, in roeld^e Sabienuam\ ber -^Sro.^efe ju (Sriht geroefen fei. "^tadj ber f)errfd)enben 5(nfxd)t ^abe T^io CSaffiuo etmaö auögelaffen; Sc^neiber oermutet, er Ijabe bie ^^Jrooofationo^anblung übergangen. '!Ser 'lirojefj foK nun nad) beö iJerfafferö '^(nficfit oon feinem IHnfang bio ^ur befinitii^en -Hettung beo ^flabiriuo folgcnbermaftcn ver- laufen fein. O^acftbem ^abienuo ben :")fabiriuö megen perduellio beim'lJrätor i. i>a(eriuo Ataccuo angesagt, bebattiert ber Senat barüber, ob biefe •'*^; ^"sn beffcn: C'iceronis (»rationum pro Fönte jo et C. Rabirio frag- meiita. iHom. l^'iU. ©efd^ic^tc bc§ 6trafrcd^t^ unb bc« ©trafprojcffcS. 153 SnHac^c i^ulaffig fei ober ob ber Äiäger bic fpäter an beren Stelle cietretene tribunicifd^e Älage bei ben Äomitien ^ätte erl^eben follen. 3(uf Gäfarä Sotfd^Iac; überrocift ber ^rätor bie 3lnf(age ben duumviri per- duellionis. 211« folc^e werben 6. unb 2. Gaefareö ernannt. 6. Gaefar, auf loelc^cn baö 2oo6 gefallen^ ben Slngeflat^ten ju oerurteilen, tf)ut bies nac^ altem 9Serfaf|ren, o^ne i^n gehört ju I)aben; bie Strafe fott in Ärcu^igung auf bem "üRaröfelbe befte^en. 9tun prooojiert Slabiriuö an ^ae 3Sott. Die Gcnturiatfomitien i^tbtn ^auptfäd)ttc^ auf Setreiben Giceroe ba^ Urteil ber 'iDuumoirn aU einen Slnacbroniömu^ auf. ^aiienuo ergebt barauf bie tribunicifc^e ÄIaqe loegen perducUio bei ben 6enturiat= (nic^t: Iribut*)Somitien (ooil. S. 38 ff.), alö beren 35or= Wnber er felbft auf bie Strafe beo G^ir^J mit SSermöcjenefonfisfation anträgt, roobei er auf baö 3?orIeben beö 3lnge!(agten in gef)äf)iger SBeife eingebt, ^lacft bem 3«w9^n^c^^ör ^ält ber berühmte Stebner \}ortenfiu9 eine Serteibigungsrebe bee 3n^a(tö, ba^ Sabiriuö nicbt ber 3)törber bf^ Satuminuö gcroefen fei. Cicero bagegen, loelc^er ah ^weiter ivnleibiger auftritt, giebt bieö ^u, oertritt aber ben Stanbpunft, bafe Der äfiigeflagte bie JSaffen mit Siecht ergriffen l)abt ; er betont bie Autorität beö Senatö unb ber Äonfuln in ber bamaligen 3^it, er perrocift auf ba^ ^o^e 2l(ter feinet Älienten unb I)ält bem i'abienus t)or, burc^ >5eraufbcfc^n)örung beö alten brutalen 2)uumüiraberfaf}renö iicb nic^t als J^eunb beö Saterlanbeö erroiefen ju ^aben. ^ro^ alle* bem fc^eint bic ä>erurtei(ung beö !?Habiriue ju brof)en. Da f^reitct ein Jreunb Giceros, ber ^rätor unb 9lugur "3Keteüuö Geier, §u einem fonbetbaren SiettungsmitteL Gr eilt auf bae ^onifulum unb reifet büfelbft baö rote ^ä^nc^en ber 2öac^e, roelc^ee alt^ergebrac^terioeife on^eic^t, bafe Äomitien gehalten werben, ^eninter. Damit ift junäc^ft ^ie i^erfommlung ber Äomitien aufgetöft unb Siabirius befreit. Gine Erneuerung beö ^ro5cffeö aber fanb nic^t ftatt, ba ber öeioa(tf)aber Nar, weicher hinter ber Scene baö ©an^e geleitet I)atte, balb burd; »iAtigere poIitifd)c Greigniffe in 2lnfpruc^ genommen lourbe. IV. Detttfd)c8 «ed)t 14^ Den Übergang oom römifd)en 9ted)t su ben Schriften über tofd)e3 3lec^t bilbet eine 3lb^anblung oon ^rei()err 2. o. ä^ord), fe jtd) mit bem „Ginflu^ bee römifc^en Strafred)to auf 0efo(g)d)aft |inl> ^Bajeftätöbcleibigung in Deutfd)(anb"-^^) befcbäftigt. Dief eibe ift in intern überroiegenben Deife me^r oon ^nterefje für ben .'»Siftorüer "on Tsaä) ale für Jwnften, für meldte (efctere l}auptfäd)Iid) ber crfte 3b|(|mtt in ©etrac^t !ommt, ber mit bem ^weiten nur in ^iemlid) (ofcm Ämmen^ange ftel)t. 3m 3lbfc^nitt I (S. 1 — 1 Ij giebt bor "i^er^ ferfcl^roörungen übertrug. Xiefe Sc^Iu^bemertung bco erfteren SCbfc^nittö bilbet baö oermittetnbe Sinbeglieb jmifc^en jenem unb bem roeit umfangreid^eren j^roeiten 9lbfc^nitt (S. 12 — 52), welcher unter ber Überfd)rift ,,3wm ©üteroerluft eineö i^erfd^mörer^ 1671** ben .^od)t)erratöpro,^e^ gegen ben ©rofen Qlo^ann Grasmuö 0. 3!atten« bad^ (unb Sieinftein) be^anbelt, ber alo 9lat ber inneröfterreic^ifcften iHegierung ju ©rag fid^ 1 667 in bie ungarifc^e Slagnatenperfc^mörung gegen Äaifer Seopolb I. eingetaffen f)atte unb im "Z^l^^c 1671 für feine Untreue ()ingeric^tet rourbe. 2)aö Urteil, melc^ee fxc^ roefentlic^ auf bie c. 5 Cod. ad leg. Jul. majest. 9, 8 ftü^te, lautete megen •ölajeftätQoerle^ung unb öoc^oerratö auf iob unb ©ütertonfiöfation. ^aofelbe mirb 00m SJerfaffer eingel)enb auf feine Berechtigung geprüft, TOobei er jugleic^ aus gro^enteilo nod^ ungebnicftem 3Kateria(e (am ben 3lrci)iüen von Sien, ©raj, ^Künd^en, Berlin unb SBoIfenbütteO intereffante Seiträge jur öfterreic^ifc^en unb branbenburgifc^en Spe.^ial* gefc^ict)te liefert. 3luc^ ber Surfürft von Sranbenburg mar nämlic^ in bie 2(ngc(egenl)eit oerroicfelt, ba er bie ©raffd)aft ^Keinftein am ioan a(o t)eimgefaUeneö Selben bes .^od^perräters ein^iujiel^en fxc^ oeranlapt gefunben. Tie 3(bf)anblung fcftUe^t mit einem .f^inmeie auf bie Unficfter» l)cit, n)e(d)e bamalo in 2)eut|c!)Ianb über ben Segriff ber -DJajeftätö* tjerle^ung unb feine reci)t(icf)e tvolgen t)errfc^te. '"*} il'gr. bcf. 5^runucr, bcutfrfie iHed)t'?c\efc()icI)te. L 3. 1^7-14:? unb bcrfelbcin ber 3- i>cr 3aüigni):3tiftg. für 3toct)tögefc^ic^te, IX ( german.^btlg.) 3. -Jlü ff. ®) Sefjrbu^ ber beutfc^en ^lec^t^gefc^ic^te. Scip.v SBcit & (So. 1889. X u. 86« 3. ") Söntng in biefer 3. VII 3. 664. *^) 0. ^mira in ^auU ©runbrife ber t^crman. 'i|i^iIo(ogic IL 33b. 2. ÄbtI. 1. Stefg. etrafeburg 1889 (unten 5ir. 17) 3. 88 f(f)eint bem '^zxh 8runncr^ ben ^Jorjug ju geben, inbem er bcnt Sel)r5u(f)c 3c^röberö von wirft, bafe es aU folc^e^ „ju wenig entfialtfam gegen $^t)potl)efen unb in ben . . Rnguifttfc^en unb ffanbinaoifc^cn 2)ingen oftmale fei)lcrf)aft" fei. 3" ^gl^- berjelbe über ^ürunner in ben (Sötting. gelefirten Slnjeigen, 1H88, 3.41: -Örunnere Söerf lä^t fic^ baju an, bem (Si(t)bornfcl)en in (bie) loitenDc ^tettung nachzufolgen". Ä. ÜKaurer in ber !rit. 35ierteIjaf)reof(()nft für 9ffe^6g. u. ^iec^töroiff. 9i. J. X. (1887) 3. :J3() meint baf; „luie ecDröberö Slrbeit ia$ S c ^ r buc^, fo 3}runncrö 2l*crf woU bad >> a n b buö) bor beutf cf)en Äet^tegefc^it^tc auf eine 9lct^e oon Jaftren ftinaud blcibm" «jerbe. 156 £ittcraturbcrt(^t. burd) fird^Iid^e Ginflüffe, mx ^Inerfennung gelangt feien. S. 362 toirb bagegen (im änfc^Iuffe an bic Schrift von Äaegi, (ügl. oben 3tx, 9) altgermonifc^er Ürfprung ber ^auptfäd^Iic^ften Wotteöiirteile bef)auptet. Cbroo^I bic SJerfafjer iftrc 3lr6citen wegen beö faft gleic^.^eitigcn Beginns berfelben gar nic^t ober boc^ noc^ nur flüd)tig gegen* feitig benuften fonnten (»gl. Sc^rbber, SJonoort S. V, Srunner, S. 23, 2(nm. 30), ftimmenXfie ni^t nur in aütn roefentlid^en ^ißunften überein, fonbem auc^ ber ga"3^ 3lnlagcplan, foroic bie öruppierung unb 93ef)anblung beö Stoffeö ,^eigt biö auf ©in5^el^eiten ouffattenbe 3il)nlic^feit. !ih?a9 aber beiben SJerfen gegenüber älteren ftompenl>ien ber bcutfcben Slecbtsgefc^ic^te i^ren eigenartigen Gl^arafter verleibt, ift bic äufterft fleißige JJenoertung ber neueren ^orfcbungen, nicbt nur auf reci^tögefc^ic^t(id)em, fonbem auc^ auf re^tsoergfeic^enbem**^) unb fprac^Iid&em Wcbiete. ^n lefeterer Sejieliung fanben bic i^erfaffer üielfacbe Unterftü^ung oon feiten gelehrter ^ac^foUegen (fo Srunner oon SRüIIen^off unb Sd^erer). i^on beiben 9lutoren finb ferner bie Sled^tsqueUcn ber ben ©ermanen ftammoenDanbten SJölfer, inabefonbere bie fogenannten Sc^rocfters unb loc^terrec^te (Stanbinavier, 3(ngeU fad^fen^*) ufro.) foroie bie l^icrüber oor^anbcnc Sitteratur befonbers forg« fältig bcrücffic^tigt roorben, o^ne ba^ baburc^ bas rein öermanifd^e in ber 2)arftettung oerfür^t ober getrübt roäre. iUcImebr ift bie l'Wecbtgefc^icftte ber genannten i^ölfer (beiSrunner überl^aupt, bei Sc^röber loenigfteno in ben fpäteren Venoben) prin.^ipieü oon ber 3)arftettung auogefc^Iofjen; bie Sted^toauf^eic^nungen ber ^Jiorgermonen ufio. bicnen aber olö ein TOic^tiges .^^ülfemittel „,^ur Grforfc^ung ber beutfc^en Slcc^töge« fc^i^te", (33runner S. 2) unb fönnen, „mit gel^öriger i^orfic^t'' benu^t^ ,^u „ben roicbligften SHürffcblüffen für bie germanifc^e Urjücit'' führen Oc^röber £. 1). ßnblic^ jielien beibe 3^erfe nic^t bfofe bie rein juriftifc^en Momente, fonbem auc^ bie mirtfc^aftlic^en unb fo.^ialen 3>er^ältniffe innerhalb ber einzelnen ^^erioben in ben Äreio if^rer 'iTarfteUung. 3Iuf eine auöfül)riid)ere .^erein.^ie^ng ber fogenannten poHlifcbcn öefd)id)te ift j^roor grunbfäfchc^ tjcr^icbtet, jeboc^ finb bie loefentlid^ften politifc^en CJreignif)e überall inforocit berüc!fi(^tigt, alö „fie j^ur Grftärung ber :'Ked)t9entn)icfclung unentbel^rüd) fmb (Sdjröber £. 2, ogl. Srunner 3. 3). Die "iBenu^ung beo Sd^röberfd^en l'ef)rbud)o iftburcft ein auofüI}r(icbeö, oon ^^rofe)^or0. 6o^n in .\>eibe(» berg bearbeitcteo Sad)= unb 3Öortregifter (34 leiten) loefentlid) er* (eid;tert loorben. Qin näf)ere9 (ringe^en auf ben ijnfialt ber 33er!e ift an biefer ^'^) Xicö fjebt u.a. auc^ Alol^Ier in 6rünl)ut^ 3<^i*fc^^- für ba$ i^ripat^ u. öffentl. 'Mc&jt bev 6c(\eniüart XV il^ws) 3. ,S<)0 bcrüor; ogl. aber au(^ über 3d}röbcr bafelbft 3. .'>!'). ^^) Xa\\ '^runncr and) ba^ an(tcliä(I)fi]cf)e '^Mcdit ju ben ^Jocöterrecbtcn" i^ählt, hat mcbrfact) 'iL*ibcrfprud) (tohmben, fo 3. '^. bei ü. Jlmira in ben (>Jöttiiv (telebrt. iJln^eictcn i^b. I (iss u. 3L'iaurcr in ber fritifdi. iNiertcIja()refi.fc^rift ')i 5. ÖD. X. 3. ;WS. Über 3c^röbcr ugl. 3lnm.G3. a. Ö. Otffc^tc^tc bed Strafrcd^tS unb bcö Strafprojcffc«. 157 Stelle md)t mbölid^. SBtr begnügen unö im folgenben auf bie für ben j^riminaltften befonberä in Setrac^t fommenben 3(b)c^nitte f)in.;^u* Toeifen, iDobet jcboc^ ^ter nochmals bie Übereinftimmung ber i^erfafjer, bcfonberS ^inftc^tlid^ ber 3luffaffung bes Strafrec^tö ber germanifdien Urzeit, ^eroorge^oben gu werben cerbient. ©efc^(eci^terfe()be unb ?frieb= loiigfeit werben ale bie beiben ©runbformen beö a(tgemianifd)en Strafrec^tö ^ingeftettt, je nac^bem bie ^recelt^at fic^ gegen bie einzelne Jvimilie ober gegen bie ©efamt^eit richtete. Seibe 3lutoren betonen aud^ ben faf ralcn Gl^arafter ber altgermanifc^en ©trafen unb weifen nod^ fpejiell auf ben 3tifammen()ang ber S^obeäftrafe mit ben ?Kcnfc^enopfem ^in (»runner S. IT'ö; ©d^rijber 6. 71)>^) 3)ic Ws friminaliflifc^e ©ebiet berü()renben ^Katerien finb enthalten bei «tun n e r im I. »ud^ im § 1 3 (^bie Sippe" ), § 2 1 (,/5e^be unb »ufee"). § 22 (^^icblofigfeit unb Cpfertob"), § 23 („ber ^tec^tegang") unb tm II. «u(^, abfd^nitt 1 § 28 („bie eippe"). Sc^röber, welcher tm 6cgenfa^e j^u ber früher oon i^m für „allein burc^fü^rbar" ge« iftltenen fogenannten fpftematift^en 3)Jet^obe nunmehr ebenfa((«i in jtjnc^Toniftifd^er 3Seife ben gefamten Stoff in 4 ^erioben (germani* 1(^6 Urj^eit, fränfifd)e 3^it, 9kittelalter unb Üteujeit biö ^ur 3iuflöfung bes bcutfd^en Sunbes im Sa^re 1866) be^anbelt, roibmet innerhalb ber btei erften biefer (Spoc^en auc^ bem Strafrec^t unb bem ©erid)töt)er= ffl^ren (in ber 2. u. 3. ijubem aui) ber ©eric^töoerfoffung) iebeomal einen eigenen Paragraphen, (ßu ogl. § 12, 13; 25, 36, 37; 40, 62, 63.) äu5 ber „^leujeit'' gehören bann noc^ ^ier^er: § 75 („bie ^Keid^o» geriete*'), § 78 („baö SHeicbepoIijeiroefen"), § 79 („bie Territorien)", § 87 (^bic ^etc^sgefe^e" [GaroUna]), § 88 („bie Sanbeegefe^gebuug bis jum 18. Sa^i^^u^^^rt") unb § 90 („bie Sobififalionen unb bie Äwete Sanbeegefcfegebung''). 3Hö (Srunb, weelialb in biefem legten 86f(^nitt ber gefc^id^tlic^en ©ntroicferung bes Strafred^ts nid)t me^r ,^u* iammen^ängenb in einem eigenen $aragrapf)en, fonbern nur gelegent« H bei ber 2)arfteUung anberer "iDlaterien gebac^t ift, wirb oon 2(^röber ber unmittelbare 3wfömmen^ang mit ber (Gegenwart an« gtt^eben (S. 2), boc^ bürfte wo^l aud^ ber Umftanb mitgcwirft f)aben, bfli roie auö bem „SJorworf* (3. V) erfid^tlid), bie erfte unb j\weite l^eriobe bes »uc^eS ouf Äoften ber anberen ftellenweife ^u amndjxlxd) ^anbc(t würben, fo ba^ namentlid) im legten Slbfc^nittc gefpavt werben mufete, um bas ffierl nid^t ju fe^r an)d}weHen ju laffcn. 17* Qint 2(rt (55runbri^ ber beutfcben 'fledjtögefcbic^te ber älteren iWt bilbet auc^ ber in^altlic^ wie ftiliftifc^ gleid) mufteri)aft bearbeitete ^Hc^nitt über (germanifc^eö) „9{ec^t'' oon Ä. oon 3(mira in ,^. 'PfluU „örunbri^ ber germanifd&en ^I)i(oIogic" ([)crauögegeben unter Äitroirfung ja^Ireid^er ©elefjrterj. ^^^) Xie 3lrt ber Se^anblung beQ '^') 3>(?I. bagu auc§ unten 8. 159 u. "Mm, 67 über bie Sluffaffunc^ 0. 3lmira'§. «'. II. «b. 2. 9lbtr. Sicfg. 1-2. etrafeburg. AI. 3. Xrübnor. 1889-1S90. ^^n^tt XI., Z, 35—200. 1 58 l^tttcraturbcric^t. Stoffes erinnert an ben ju ä^nlic^en Sieden ^cfc^riebcnen »orsüglid^en Sluffa^ Srunncre über „öeft^td^te unb Duellen bed bcutfc^n 3le^t9'' in r>. ^ol^enborffs Gncpflopäbie ber beutfc^en 3led6tö* wiffcnfc^aft. 2(uc^ I)icr ift bic SJarfteUung, bem 9(n(agep(an eines (^)e* fomtnjerfeö entfprec^enb, burcftroeg tnap\> unb gebrannt (^e^aIten^ unb boc^ erfäl)rt ber Se^rer alles SBJefentlic^c über bie c^ermanifc^en iHec^ts« quellen unb il)re Gntfte^ungsc^cfd^id^te foroie über bie leitenben ^rin^ j^ipien bes bffentlid;en unb bes ^rioatred^t^ unferer 9?orfa^ren. ^cr äJerfaffer oerroa^rt fic^ oon üoml)erein bagcgen, bap man feine 3lrbeit aU eine üollftänbigc iReditögefc^ic^te ober felbft nur alö ein oerglcic^ens bes Softem betrachte. Seine ^bfic^t fei oicimebr lebioilic^ barauf ge* richtet geiücfen, ^bie roic^tiqften ^I)änomene ju f lij^i^ieren , welche fürS gemianifc^e :)iec^t d^aratteriftifd^ finb" (3. 40). Xahti ift ber ^Jlac^* brud auf baö i9pifc^e gelegt, bas ,,maffen^aft ^nbioibuelle" jurüd* gebrängt roorben. 2^a nur baö gerntanifd^e Stecht fli.^jiert werben fott, fo ift at^ äufeerfte S^itgren^e, bis ju welcher bie S^arftettung reicht, ber 3lu^gang bes üJlittelalters betrad)tct, bie ^ieujett alfo oon ber ^el)anblung ousgefd)iebcn. Wit befonberer iMusfül)rli(l)feit finb auc^ l)ier bie ^){ed)tsqueUen ber norbifd)en isölfer l^erange;^ogen roorben, ba gerabe auf biefem öebicte ber 3Jerfaffer feine reid)en Äenntniffe t)ern)ertl)en fonntc. Dafe aud) bie Hnguiftifct^en '»^iunfte überall forgfältig be^anbelt finb, erf^eint bei ber befannten Stellung bes iserfafferö ju biefen S^-ö^^" wnb i^ubem bei einem in erfter Sinie für iyi)ilologen beredjneten 2luffa^e faft ^u bemerfen überflüffig. 2luf bie Sluscinanberfe^ung abroeic^enber 3(nfi(l)ten ift j^roar grunbfäfelic^ »er* sichtet roorben (S. 40), bennoc^ tritt me^rfac^ eine ^Nolemif gegen bie Slrbeiten m. Scftmann^ über norbgermanifd^es Siecht ^eroor foroie and:) gegen SH. Sd)röber (Sel)rbud^ ber beutfc^en Stec^tsgefc^ic^te), befjen 3luffaffung üon ber altgermanifc^en G^e, 5. 33. S. 141 3lnm. 1 als ein „.övpotl)efengefpinnft" be.^eic^net mirb. 9lllen größeren 3lb» fc^nitten finb faft ooUftänbig .^iu nennenbe Überfic^ten über bie ein* fd;tägige ^itteratur oorange|d)idt. 3lur bie in ben legten 2 ;3a^reri erfc^ienenen :iBüc^er fonntcn roeber benu^jt nod^ citiert werben, ba bas ^33lamiffript bereite Cnbe l^ej^embcr 1888 abgefd^loffen roorben (3. 200 3lnm. *). "Die 'J^acfiroeife oon Duellenpublifationen rourben auf bie* jenigen Stade befd)ränft, ,,nad^ benen bei SJeginn oon Cuellcnftubien ,^uerft ,^u greifen ift" (S. 40). 3?ad) einer ßinleitung über bie iDuellen, Sitteratur unb oer« gleid}cnt)e ßrforfc^ung bes germanifcften Slcc^tö (S. 35—40) loenbet ficb bic XarfteUung ben „:Hcd)töbenImälern'' j^u (A S. 40 — 103). Syicx betritt ber iserfaffcr im 3. 3lbfd)nitt über bic „norbgermanifc^cn Sd)riftiöer!e" (S. 82 — 103) bas Webict, auf ioeld)em er fic^ am mciften bcioanbert jeigt. 2)cr ^toeite Teil (B. S. 103 — 200) bc* l)anbclt bie „■'Hed[)tsaltertümcr" unb fd)ilbert !i'anb, Scutc, ioerrfcber ber ©cnnanen (3lbfc^nitt 1 — 3), bic oenoanbtfd)aftlic^en iserl^ältniffe unb bas iH*nnögcnsred)t (5(bfd)n. 4 — 5), i>erbred)en unb Strafen, cnD» lic^ Öcrid)t unb Sted^tsgang (Stbfd^n. G — 7). 5« biefen legten ©cfd^ic^tc bcS ©trafrcc^tS unt> t)cS 6trafprojcffc«. 159 Sribcn ätbfd^nitten cntioidelt bcr 9?crfaffcr ein äu^crft anfd^aultd)eö Süb oon bem Straf* unb ^ro^cferec^t bcr ©crmancn, lücnncjleid^ ba6ei T)ieIIci(^t manches tpej^ififc^ 3Jorbifcl^eö gu fc^r in ben Sorbergrunb gcftellt ift. ^^Jluf S. 177 3(nm. 1 tocnbet fid^ bcr 3?crfaffcr fpcjicll aegcn o. Sar, rocld^cr in feinem „^an'tbn^ beö beutfc^en Strafrcd)tö^ Sanb I (»erlin 1882) ©. 53 3lnm. 242 oon i^m behauptet ^a6c, bap er bem getmanifc^en Straf red^t ^urfprünqlic^ einen roef entließ ja!ralcn (5f)ara!tcr'' mnbijicre. 35em gegenüber betont ü. Slmira jeH baB er oiclme^r jroci 3Roinente im germanifd^en Strafrec^t fc^arf unterS iieibe, aüerbingd ein fafraleö, aber baneben aud^ ein roeltlid^eö. 2)er ?nieblofig!cit, meldte ben ^riebenöbrec^er trifft unb ju ben 2:ieren beö Sülbcö ^inauStreibt, mo er ber Sac^e beä SJerle^ten fd^u^Ioä preiö* gegeben ift (S. 175 ff.), tritt allmä^Iic^ bie öffentliche Strafe jur ceite, burc^ roeld^e bem Später nic^t b(o^ ber 9ied^tofd^ii§ entzogen, ionbem ^ctne genau umfd^riebene ^e'xn oom (^emeinroefen j^ugefügt Toitb" (S. 177). 3!)ie öffentlid^e Strafe aber ift in ()eibnifd[)er S^it jtttö lobesftrafc. 35er j^u beftrafenbe Serbrec^er roirb ber @ottI)eit alö Cpfer gegeben, bamit bic Stäche berfelben roegen ber oerübten "SJifte* tfcat Don ben Slec^tögenoffen abgeroanbt werbe. 6ben barum fte^t bie Strafe in ber F)eibnifc^en ^txt auf folc^e ^riebenöbrücbe, tüeld^e bie öott^eit ^ur 5Rad)e jroingen fönnen. 2)aä ftnb bie „^ieibung^merfe" unb bie SSerle^ung ber Heiligtümer. §ierauö ergiebt ficb eine Juplicität beö altgermanifd^en Strafrec^tö: gemeine J^riebenöbrüc^e mit Ärieblofigfeit unb unfübnbare SJerbrecben mit Dpfertob — ein fafraleö neben einem roehlid^en Softem (S. 177).^^) 5m ein» dnen fmb bezaubert im a(bfc^nitt 6: 'Begriff beö Serbre^enä (§72), feine ^}RerfmaIe (§ 73), bas Subjeft ftrafbarer C^anbhmgen (§ 74), .3tdr!cunterf(^iebe ber iBiJeroilligfeit (§ 75), SBert bcö cerleftten ©utco (§ 76), ^Jriebtofigfeit alö Jo^Ö^ ftrafbarer ßanblungen (§77), öffent» lic^e Strafen (§ '78, 79), Sübne (§ 80, 81). 3)er § 82 über bie pro^effuale i?erfo(gung bes 5Jliffet^äterö bilbet ben Übergang ju 9lb* Ic^nitt 7 üon ber ©eric^töüerfaffung unb bem SHed^tägang (§ 83—92). äuc^ in biefem leite pertritt ber 9?erfaffer einj^elne üon ber l)errfc^ens öen 3Reinung abroeic^enbe 3tnfic$tcn, n)ie j. ^. über ben Urfprung ber gcrmanifc^en Drbalien.®^). 'okn 3. 157). Xodf roenbct fic^ ü. 2lnttra in ben öötting. gelclirt. 3ln.;^eiflen I ilSSs) 3. 52 ff. gcflen bie 5o^wiwlictung ber iicf)re üon bem faJraren Strafe recfit ber (Germanen bei SJrunncr, nac^ lüclcftem fic^ baöfclbe „nid)t neben bem Bflftem ber JJrieblofigfcit, fonbern innerhalb bcßfelbcn entwictelt" I^abe, foraie M. gegen bie 35cbauptung berfelben, bafe bic 2:obceftrafc überhaupt ibrcn Urfprung auii ber Srieblofigfeit genommen (3. 173). §ierburc^ fei „faft eine ^erbunfelung bce öcgenftanbeS" ju befüri^tcn. *8) »gl. oben e. 141, 3lnm. 41. 160 ^ittcratiirbcric^t. 18* 19* 2)ic Sd^riftcn über SJcmgcricftte unb ^cjcn* projcffe . Silben fd^on feit S^^ren auf bem beutfc^en Süd^ermarfte eine fte^enbe ^ubrif, o^ne bap jcbod) — abgefeiert von ben fogleic^ ui befpred)enben ßrfcl^einungen ber lefeten 3a|rc — oiel 9ieueä über töie biefe ©egenftänbe gefagt ober auc^ nur bie in ben Steifen ber £aien wie ber ^adimänner befonberö über bie i^emgcricfttc, f^errfc^enben irrigen ober boc^ fontrooerfen 3Keinungen befcitigt roorben roären. 3Bir begreifen ee red^t roof)!, roenn oor nunmel^r über 100 ^a^ren (1786) Suftuö ^)Jlöfer in feinen ^patriotifc^cn ^^antafien" »on ben ^roeft» fäKf(f)en J^^eijgeric^ten'' u. a. fagt, baft biefer GJegenftanb ^mand^em . . . nic^t fo befannt fei, roic eö eine fold^e ?)iationa(fad^e oerbiene" ^^), aber auc^ noc^ ca. 60 3[öf)te fpäter (1845) fonnte 6. @. v. 9Öä(^ter in ber ÜBorrcbe ju feinen „Seiträgen jur beutfc^en ©efcf^idjte" fcftreiben: „SJe^ntgerid^te (unb .^^^esenoerfolgungen) bilben in ber Gntroirfelungä* gefdl)id^te beö beutfd^en SJoIfes ein fe^r beac^tenöroerteä intereffante^ ■IRoment . . . Unb boc^ ^errfc^en über biefe roid^tigen Grfc^eimingen in unferer ®efc^id^te noc^ oiete irrige Stnfic^tcn unb 2luffaffungcn, unb man loirb mol)! fagen bürfen, ba^ fte noc^ nic^t burc^aud g^^örig be« griffen loerben.'' ^'^) Seitbem finb nun abermals 45 S^^re oerfloffen; eine roa^re Jvlut populärer iJarftellungcn, bie fic^ ^auptfäd^Iidj an 28äd^ter an» fd^Ioffen, ift injroifd^en über ben ©egenftanb erfc^ienen, unb bennoc^ bürfte man firf) oerfuc^t fül)Ien, bie angeführten äuöfprüc^e -Dlöferä unD ü. Söädfeterö nod^ ^cute gelten ^n laffen. ^a, man roirb bie über biefe Crpifobe unferer beutfd^en Öefd^id^te in Saienfreifen noc^ immer I)errfdf)enben Unflar^eiten entfd^ufbbar finben angefic^tö ber l:l)atfad&e, baft neuerbingei abermals jroei ^oc^angefcbene ^oc^gele^rte, 3:1). Sfinbner unb gr. X^ubid^um, in i^ren Unterfuc^ungcn über ben Urfpning unb ba^ 3Befen ber ÜBemgeric^te ^^) ") au fo von einan* ber abroeic^enben Siefultaten gelangen fonnten, roic es t^atfäd&Iic^ ge* fc^e^en. ©emeinfam ift freiließ beiben SBcrfen, ba^ fie bie feit 3Biganb unb befonbers SBäd^ter ^errfc^enb geroorbenc 9lnfid)t »on einer für it)re 3^^^ ^eilfamen 2^()ätigtcit ber „e^rroürbigen'' 3Sem* gorid)te") nunmehr abermals grünbtic^ jerftört l^aben. «^) "Vatriot. iTtfiantaficcn, XI. IV. Berlin. 178(5, ^rbbanblg. L. 3. im. '") iS. 6. u. ^^ achter, 33eiträgc jur bcutfc^en (3cf(i)id)tc insbcf. 5ur Öes fc^icf)tc beö bcutfc^en Strafrccftte. Tübingen 1845. SJorrcbc 3. III. "M ^b. iiinbncr, bie SSeme. a)iünfter u. ^^abcrbom. gerb. 3(^ömnc^b. isss. XXIV u. 6G8 3. '-) 5^. Xbubic^um, 3em(^cri(btc unb 3nquifition. ©iefecn. I^icfer'fcje iyuc^banblung. 1881). XII u. 110 3. ''^) ^icfe Slnficbt wirb auö) nocö jietnlicb ungeteilt üertrcten uon (Sonr. 2bümmcr, bie ^cmgcric^tc bc^ bcutfc^cn iöitttclalter«. iöarmen, (obnc ^aötf^* :,M, flKS^J) CI). ^^. ^ii^emann. 08 3. - 2)ie fleinc 3d)rift bilbet .^cft :|'4 bc^ 11. ^anbeo bor 3ammlung „für bai? 3.^oIf gcfcbricbene 3luffn^c" unter bem Jitol „9luö bem Meiose für baö i^eid)". ij'er 'iscrf. fdilie^t fid) roefentlic^^ an ältere i^arftellungeu, bef. an ^aüT;>T;> (ogl. 3. 14) an, XiV^ ^uc^ DOu:^i«bner faix tritt bie Surcfif Urning bicfcr cntc^cgenc^efeftcn 3luffaffunö bei Sin^ncr loenigcr fc^roff ftcroor, alö bei X^uDic^unt, roeld^er ,v $). über Silxanbö 3tnfid^t, alo bie eineö ^Dilettanten unb Monfufionariuo" id)li*d)tl)in ^ur Xac^eoorbnunc^ übert^e^t (S. 2) unb 3. 8l> bie 'i^em= acricbtc cierabe^u als einen «fd)iDeren Sc^anbflecf ber beutfcfeen Wefc^icfttc" bewAnet. 3tbcr aud^ bei ^^inbncr, loetdjer bao 'iJi(l) ron ber Ibätiafcit ber ä5emc unb ben 'Biifebrauc^ ibter 5){ac6tfteUun(^ roenij^er atcll malt, lefen loir (^leidj in ber ßinleitunt^ 3. XXII, bafe man ^ie früheren 'Jlnfic^ten fjöcbftenö in engfter 5)efc^ränfun(^ (gelten lajfen ^urie. nSclbit in ibrer Aeimat truf^en biefe öeric^te nicbto ba^u bei, ^ietrüülofcn 3"ft^"^^ Sti bejiern; nie mar eo bort, roie im c^an.Jien üblichen Teutfc^Iünb fcblecl)ter beftellt alo .^ur Slütcu*it ber 'i^eme. 3ie bot im öec^enteil, wie bie Urfunben i^uoerläffu^ er« romn, mand)em i'ump (^ielegenl^eit, ebrüc^e Seute in 33ebräni^nio unb Unionen ;u feöen. 3ie Härte nnX> bewerte nid}t bao ^Hecf^t, fonbem HC KTm:hrte nur nod) bie bt*rr|cfacnbe iJernj.rrunj;.'' liefen, in ber Xarftelluuc^ felbft nod) näf)er bec^rünbeten 3äöen, a:aem:bcr muf> eo allerbini\o auffällii^ erfd)einen, baft 1()ubid)um i3. öl Dao 'ii^ert Vinbncrö fcbrcd)tl)in ,^u benjenic^en red)net, lüelc^c f'd) ^im öelcife ber bio jeftt berrfcbenben 3ln)id)tcn'' bewegen, ,^umal au4 fonft nod) in vielen ein.^elnen ^iliunften in bemfelben oöllii^ neue %iimnc^en unb >>i)potf)cfen auffleftellt werben (%. "ü. über bie 3lb= leitumi t)cö ®ortecc^en ber c\runboerfd)iebenen Sluffafi'unc^, oon u)eld)er — ab* i^eicbcn »on bem foeben anc^efübrten ^^Junfte — bie beiben iHutoren öuöaeben, mirb co fid) im folc^enben empfel)(en, über ben x^n()aIt ieöe^ Der S^erfe in ben loic^tii^ften ^^artien, nad^ einanber .ui re* 'difint Um 3?crfaffer jwjar bcfannt gcrocfcn ;u fein, tft aber n)cni(\ au^t^ebcutct, cudi ux 'Jiame vinbner«^ nirc^enbe auis^brüctnd^ (genannt ivorben, felbft ntci)t b« tcr 'Öo)Drc(^un(^ ber Crti)moIo(^ie u. Schreibart bc« ^i'orte-? „"i^eme" |3. ). Jicbrfa* cincrfeit* finb (Spfurfe über baö altbeutfdje (^crt(bt*\)crfol)reu überhaupt, finjcron'citv über unferen mobcrnen Btrafprojeft cincjeflocljten, lueldje nid)t für ^i^ ^a±;mmn berechnet fmb. 5lacö JbümtneU 3lnficf)t nun fann ^bas beutfd)e ?clf auf bie l^emflerirf)te) ftolj fein" (S. t)), bcnn bie "iUMne „war ein (^ef)eim! tunu ter ficö nictjt« anbere« ale bie Surcbfübrunc^ üon Mcdtt u. (^efen . . . in «ncT Uli? letzter ^inie jum j^wcct unb :iW (gefeilt hatte. 3. lo nennt er fic rtine trfcbeinunc^, bie roir nict)t nur . . . alo eine luunbcrfame, fonbem auci) öl? eine hodierf reulicfte bejeic^ncn muffen". 3ic finD ihm ferner (aec^enüber ^n .v)^rfnDorfoIciuniKn unb bem Uniuefen be^s rHaubrittertum'S „ein heller -iifctpunft in finfterer »Jiacftt''. ,">n ihnen finDct fid) „bie 45eftätiiuniii ebelfter NJuracrtuiienbeu", ein „von ibealen ;jiclen (^elra.iene'S un\> bocl) auf tie 'ik'friebi: J-J^a reibt ipirflidier iU^bürfniffe fich riAtenDeo ^^eftreben von .u ruften au«> ben iTi'itefien 3d)ic6ten bc>j "-Polfe". 3. 10 luenbct fid) Der ^H'rf. (\eiu'n bie „ab: 'iiöt lieben iserdeinerer biefer i^roften lrrfd)einun(^ unfercr <^)oi(hid)te" tl'cfc: 3.11 Dem af<^fnüber herror, ban in t>en iIUMniierid)ten „ber iHnfana be-S ^«u?d)cn *JiationaIflcfühlv u. '^croufufeinv^" enthalten fei ufiu. l:in;elne l^unfte, in teneu Ihümmel mit iiinbner ober ^huDidium übereinftimmt oDer aber üan; befonberö abiDcicbt, luerben in ben ^(nmerfungcn anc;efül)rt werben. .Seiti^it«: f. b. Qil ZtxaUtäfiüm. XI. 11 162 2itUratur6cnd)t. fcricrcn. 2lMr bcc^innen babet mit bcm5Ser!c Sinbnerö, baö bereite 1S88 erfd^ten imb tnjroiidjcn x)on bcr Äritif burc^roec^ fc^r c^ünftig bc« urteilt roorbcn ift. "iTer 2?crfaffcr bearbeitet auf 668 Seiten mit ber ben beutfdjen öiftorifern eigenen 6rünblic^feit ein auo mehr alö 40 Slrc^iüen unb 2000 Urfunben (ejfl. f^anbfcbriften) entnommenem 3!)latcrial. X'aö Suc^ ermudjo auö ben 2?orarbeiten ,ui einer ünfänc^« lid) geplanten 0efd)id)te beo beutfcben JReicfeeö im 15. Jlobr^unbert, bei n)eid)en ber anfängliche 9tebenpunft fd)ne^nd) ,uim £>aupttbema rourbe. S)ie erfte 3lbtei(ung ber Schrift (Sucb I, 3. 1 — 198;, bie bei roeitem umfangreic^fte (mit 50 Kapiteln), ift .J^roar weniger in* tercfjant für ben Äriminaliften, alo für ben .sMftorifer x)on 'iüaci), jebod) ift gerabe auf biefen 2eil ber 2)arfteUung großer Aleif> oenuenbet morben. Öö werben um nämlid) in bemfefben faft ade erreichbaren ^Jiad)rid)tett über bie ein.^elnen J^^eigraffcbaften unb Jvreiftüi)Ie in 3ÖeftfaIen unb Gngern fotoie über einige aufK*rf}aIb 2öeftfaIeno gelegene mitgeteilt. Ser aiiQ Ha^lreicben gebrucften unb ungebrucften Urfunben gefc^öpfte Stoff ift nac^ 6 größeren geograpbifc^en öruppen georbnet (SSietum ^JJünfter, u)eftfälifci)er 2eir beö ßr;||biötum9 Äöln, 53iotum ^^.^aberborn, Conabrücf, •Blinben unb '/yreiftüf}le aufeerf)alb Jöeftfalenö unb Gngento). 3i*ic fd)on l)ierau9 beroorge^t, «^eigt fid^ bie l}errfcbenbe 9lnfic!)t, n)eld)e bie Arciftül)Ie auöfc^lte^Uc^ für SÖeftfalen in Slnfprud) nehmen moüte, alo hinfällig, ^aö II. ^ucl) bebanbelt bie 9ied)töqueUen, meiere fämtlid) anib bem 15. 5al)r^unbert ftammen (iSupred^tfdbe /vragen oon 1408, bie 9lrnoberger ^Hefonnation oon 1437, bie Mapitelobefdilüffc ju Soeft unb ^ortmunb v. 1430, bie ^Hefonnation 5?riebrid)ö III. ü. 144*2, 'iluo;^üge auo bem Sad)fenfpiegel, bie Infomiatio ex Spocnio Saxrmico ufio.) 3lud) bie mic^tigften ber ein.^elnen auf ben xHrc^iüen befinblid)ftcn .oanr)fd)riften werben befcbrieben. flJit bem III. 55u(^e, übcrfd)rieben „bie Areigerid)te", beginnt bie eigentlicf)e Xarftellung ber gefcf)id)tlid)en (Jntwicfelung ber SJemgeric^te (S. 303 — 40J>), mcld)e fidj im ©egenfaft j^u älteren "SJonograp^ieen über ben Wegenftanb nicftt nur auf eine Sc^ilberung ber fpäteren ^uftänbe feit bem 13. ysa[)x* l)unbert befc^ränft, fonbern gerabe auf bie allmähliche XHuobilbimg beo ^'snftituto oon ben 3^it»:n Mario beo öroften an biö iJiur Ölütc unter Sigi^munb ibr 'älugenmert rid)tet. Dao 4. Sud) („Übergang imb (Sntmicfelung", S. 410—528) bilbet bie Aorlfet^ung beobritten, öao 5. fd)ilbert imo ben öang beo Werid^töoerfa^reno (S. 529— 6-26). Den Sd)luji beo Wanden bilben einige nactj ben Originalen abgebrucftc n)id)tige Urfunben (S. 627—635), ein i^erjcic^nio ber ,>Teigrafeu (S. 636 — 642) unb enblid) ein Drto» unb '^^er|oncnüerKid)niö (5. 643 — 668). Gin alpbabetifd) georbeneteö i^ort^ unb Sacl)regifter ift jebod) leiDcr nid)t beigegeben. l^ic I)auptfäd)licbften Grgebniffe ber ^orfd)ungen i^int)nero, wcldie bcrfelbe in einer Ginleitung (S. I — XXIV^ in fummarifcber 5i>ei|e felbft iioran|d)idt, bürften in aUer .v^üru' etwa folgende fein. Ü\iao ii>ürt „i^emc" finbet fid) nidjt oor bem 13. ^"sal)ri)unDert im 0)ebraucf) (felbftänbig juerft 1251 i unb foU naö) einer »ou 'J>riüat= 0cf(^i(^tc bc« Strafret^td unb bc« Strafpro.^cffc«. 1(53 boccnt Dr. ^oftcö in 3Jlün[tcr benu^tcn ^Jlittcihmg urfprünglicfe fo me( wie „©cfcHfc^aft, 0cno|)enfcl^aft, 35cr6anb'' bebeutcn. 3^ie »Scmcnotcn" („scabini, qni viilgo dicuntur vimenoth" in Urhinben Bon 1227) fmb ba^er bic ©lieber einer folcften, b. (). bie ©enoflen ober leilijabcr beo ©eric^tö (S. XVI unb 3. 303—316). 2)aniit iiitt bcr i^erfafler ber bieder roeit oerbrcitcten 3(nfic^t entc^egen, baft bü5 Sort ^55eme'' ibentifd) ntit Strafe fei, roeldie aud) 2^ubid)um (0. a. C". £. 15 unter Ajinroeis auf G. if). ©aupp, i^on 7id)nu geriiten 1857, bef. S. 16) ah „juoerläfftq'' f)inftettt.'\) — Über bie älteren roeftfdlifdienSecbtöj^uftänbe bis jum Sc^hiffe beö r2.:3«^t()unbertö in unfere Äenntniö nur gerinc^. S)oc^ ftef)t fo viel feft, bap auc^ in Säeftfalen fc^on frü^jeitig neben ben ci(^ent(id)en ©rafcngerid)ten bie fogenannten Oogericftte (©erid^te ber ©ograffc^aft) über bie l'anbs iaijfn ufro. bcftonben, roelcbe ben SSlutbann x)om «öerjog oon 2Beft= falfn erf)ielten, roä^renb bic ©raffdbaften ^e^en t)om Äönic^e waren wib fic^ teils in ben ^Jänben oon 0rafenc^efd)lec^tem, teilö in benen kw Öerjogis befanben, ber fie roieber weiter ©erleiden fonnte. Ütoaigen Stellocrtretcrn bcr ©rafen rourbc ebenfalls bcr Sann t)om ftönige uerlie^en. ^Jac^bcm mit bem Sturjc .öeinricfts bes i^öroen baä alte fäd)fifd)c cC;^erjoqtum oernic^tet roar, c\ing bie .v;»er50c^Qn)ürbe üuf ben Gr^ibifc^of von Äöln über, jebod) nur für ben loeftfälifc^en Itil feiner liöcefc unb bas Öiätum %^aberborn, bie nun jufamnten bfl9 ^ri^ogtum SSSeftfalen bilbetcn, n)äl)renb bie iMstümer 3)lünfter, Csnabrüd unb 5!)hnben ben .&erj\ögen x)om anljaltinifcben Stamme unter* fttUt rourben. ■)iac^ S^inbnero Slnfic^t o^ah es alfo bamalo .^roei nebeneinanbcr gleic^ berechtigte «öerjögc Söeftfalens, ben 3ac^fenI)erjiiog unb ben Äölner {Pr?\btfd)of, über roeÜc^c bann roieber bor Mönig als nsommus dux Westlfalie" (ogl. Strnsberger Urfunbe uon 1388) ftanb liinbner 3. 348). 3« ^JJJünftcr jebod) brang bie .ySer,^ogsgeioalt ber Sn^altincr nid)t burc^, unb bic Sifc^bfe nahmen felbft .^eitioeilig bie fcerjioglicben -Weckte in 9lnfprucb. „So blieb in biefen brei Sio* tümem, roo bie -öer^iöge nic^t f^uglcic^ bie ©raffd)aft befaften, biefe in 3>erbinbung mit ftönig unb Sieid^, meiere fie anbenuärts aufgab" '*.) Sgl. auc^ 3 (gröber, Seljrb. bcr bcutfc^. :)icd;tegcf(i). 3. .*i<) u. r>()2 «8te bie baf. Slnm. "21*2 Giticrtcn COJrimm, 'IlMganb, Sd)i[rer:l'übben, iiitx}. — iie :Mnfic^t iiinbncrö fc^cint ju teilen u. ^Imira in "^^aulö (^runbs rii ber german. ^Mlologie, II. :öb. 2. 9lbtl. 2. Üief. 3. 18ü: .,voint^ =- ^^unb ber fiHfenben*. 3(u(^ X^ümmcl a.a.D. 3.6« ift mit iiinbners'softcö' "MWi- tttiifl »obl .^ufrieben, erlaubt aber eine nod) beffcrc ju l)aben, iubcm er ba§ alt^ hofftbeutfc^e geitwort febon (loooon ba^ I)cutige „fäf)ig"j ju (.^riinbo legt unter ^Jenifung auf eine Serben er 3^iffcrtation über bie ii^cmgerirf)tc üon I^et) cf. „'^(u"3 bief« Stammfilbe würbe Mnn baö ^^ort Je^nic ebonfo einfacf) unb natürlich «üftanben fein, aH wie 33lusmc au^ blü^ben, 3a:me aui' fä:cn. ^yemc loürbc ^im ber 3?organ0 fein, „burc^ rocrc^cn jemanb lüiobcr fäMg wirb, in ber (^3e: »rinfdHift feiner Öenoffen weiter ju leben." *ilUr laffen cö bahin geftellt, ob Wefe Ableitung bed 3i?ortee aud) anbern auner bem üBorfaffcr ^fprad)lid) wie ^ cinne nac^ faft jwingenb auf ber ^anx> ^u liegen fc^eint". 264 £tttecaturt:en(^t. (S. XVI). 2)ic alten rocftfälifd^en grctcn, wcii)t \f)xcn 0ei ftanb üor bem ©rafengcrid^t gehabt l)atten, in bcm fie auc^ alö Schöffen aufgetreten roaren, naf)men aber infolge bcr i^er|d)i< ber Stanbeoüer^ältniffc immer me^r an 3<^^}^ wnb Sebeutunc 3m 13. '3ö^rl)unbert gab eo in ffieftfalen feine 2rf)öffenbar me^r, fcnbern mir freie Sanbfajfen (3. XVI), roie benn über bie Ginteihmg beö Sac^fenfpiegelö in Sc^öffenbarfreic, %^fleg^aft( freie \!anbf äffen für bie Sänber Unfo bcr ^i^efer nac^ Üinbner 5utreffenb ift (3. 391). "Daneben crfd;ienen jeboc^ /?reie in ( eigenen i^cr()ä(tniö sur C^iraffcftaft, bie fpäter fogenanntcn 5 t freien. „3^re oome()mIid)fte "iPflid^t roar, bas öeridjt ,;u beüfte: bilbcten bcn feften SJcftanb beö Werid)tö" (3. S96). Tie MU Stu^lfreien mar jeboc^ balb obenfailanb übergingen. SSJäfirenb fid^ am ber (^Jograffd^aft in ' falen bie ?anbcöf)o^cit entmicfcite, bifbete fic^ bie öraffd)aft ^ur J graffdiaft aiio ober, ^roic ridjtiger \n fagen ift, auö bcr alten ( fcbaft cntroicfeltc fid) fterauö . . . alö eine felbftänbigc '3Jeugcfta bie /vrcigraffc^aft mit befrfiränften 3led)ten'' (3. 3*2'2). Tiefe fü mof)( axid) bie 3flamcn „fnimme Okaffd^aften" im WcgenfaiU' ,u regelmäßigen, „geraben" 'i>er^ältniffen (3. 3'23i. Öcrabc bie neren 3tu[)(f)erren mujiten ficft aber i^ur äBaljrung ibrcr :){cd)tc an Äaifer unb ')lctd) aHfd)ncjien unb, gicid) ben ehemaligen 3te tretern ber (^kafen, um Grteihmg beo ^^anneo beim .Hönige fuc^cn. Tiefer Umftanb aber ift für bie mcitcre Gntroidclung SSeme entfc^eibcnb geworben. Ten iüeftfä(ifd)en 0rafengcfd)led)tern unterlagen im mcfentl bie gleichen (''Jegenftänbc roie anbercn Okric^tcn. '3U*ben biirgeri ^Kcd)tcr,;iog 3iMt ielm III. pon Sacfifen unb onbere mef)r (3. 509 ff.). 3luc^ bie JricrKcbfcit unb .?*cim(ic6fett bcs ä>crfaf}ren6 fteic^crt fid; intmcnncl)r. lie letztere „.^eigt fid) fc^on im 13. ^a^rljunbcrt unb maa, im 14. Saljr* 6unDert ;.u (^emiffen c^Ieic^mä^igeu ^^ormen gelangt fein. 3id)tlid) loirD fic im 15. 3öl)rr)unbert immer ftärfer betont'' (£. XX). 2d)on 1281 bcgcc^nct uns bcr Sluobrud „Stillgericbt unb Stittbing'' ('latei= mi(i: occultum s. secretum Judicium) für bie 3.^emgerid)te {'n)o()I im ßegenfn^ ;um Wot^erid^t = ^reigeric^t). 3pätcr finben fid) bic Se* uicbnimi-en „I)eimlid)e6 öeridjt'' unb feit bem 15. 5öl)t^wnbert„ l^eim» litfcc älcbt". Aür bic 'Biitgfieber ber 3Jeme fommen feit Gnbe be^ U. Jahrliunberto (1.S05) bic Sluöbrücfc „3Biffenbe'' ober „sapientes** öuf, ioe(d)c urfprüngüd) rool^I nur gleic^bebeutenb mit 3d)öffen ge* bnucbt ipurben, fic^ aber bann ju bem Sinne beö Oie^eimniöroUcn «roeitcrtcn (3. 4?sl). 3i*citer fommt eine gef)eime ;,Vofung" (^uerft 143») , ein „gcfieimer Sc^öffengruft" unb ein cigentümlid)eo „^Jtotmort" kqufö gegenfeitiger ßrfcnnung ber 5yreifd)öffen in Webraud). 3(Ue biefc 6inri4tungen Ratten offenbar i()ren guten örunb unb iftre 3^ebeutung. 5!iQn braucht nur an baö äu^erft fummarifd)e l^erfal)ren bei Ijani- iahet Zl^ai ^u bcnfcn, roonad^ ber in tlafiranti ertappte Delinquent üb«QlI im gana;en :Heid)e oon brei emgerid)te mefentlid^ hiercuf ^jurürf (3. 354).'^') 3!)ie 2lnfid)t, baji bie «öinrid^tungen ber l^cme burd^ befonbere S^i^f« qIö fold)c fenntlid) gemad)t tuären, lä^t fub nad) l'inbner auö ben [Quellen nid)t nad)ioeifen.'*) 2öäl)= '^» 2wix 9(udi>rucf für Söeftfalen tft nad) i'inbner S. 4(U ff. 5ucrft 14W nachroeiebar. Unter t>tn ucrfd|tebcncn Crrfliirunt^cn be*felben f)ält ^. 1.3. 4(k)j biejemgc von ber Jarbc bcö (frbbobenö frf)Iicf>U(f) immer nod) für Mf befte. Jhümmel a. a. C. 3. KJ ff. benft an ben ,Sufammem)ang mit ^r ^IutGend)te>barfeit. ■*) '3. bagcgcn u. a.: 3cf)röber, irebrbucfi 3. 5<);\ 3(nm ÄJ, lueldier ittont, ^ai\ ba« 'Jiotgeric^t oielme{)r eine uralte iU*i(^abe bec- (>5rafen: uwx^ fpftter aud) bes .Sent= unb Öogcricfito loar. '•') 9>ixl. irinbner, 3.60*2. ^ Rummel, o. a. D 3. 4n erblitft bac^ec^cn in ^öefrimmung, boB angeblich neben bem »yin(iorid}teten ein :yioff»>'r ober Told) in >w ^um geftoBen werben muf>tc, „ein altgermanifcl)ev', weit in bic vor- farolingifdjc ^Jcit jurüdreic^enbeö 3ijal)r3eid)en bcr 3le(i)t'jpt(egc überftauvt, auf ■<(4eÄ man leibet noc^ oiel }u wenig aufmevffam gelüor^en ift, um e^j fiiltur: S«t^i(fiüi<^l etflärcn ju fönnen". Gr erinnert alo 'ikifpiele an „ba*3 burd) iKic^. ] 66 2ittcnuurbcri(^t. renb bic S^¥ i>c^ "^ci) urhmblic^cr Überlieferung gefällten lobe urteile eine relatit) otro^e ift, fonnte i'inbner nic^t wiel mef)r alä e I)aI6eö S^ufcenb roirflid) voü^ogencr (Trefutionen ouffinben (Z. 603 ff Hmgefe^rt ftel)t eo fcft, baft manche Servemtc tro^ be^ Xobcourtei unbeJ)eUic^t blieben /2. 60.')). 3m Set^inn be<5 14. S^tirl^unbertö ift bie c^efdjilöertc 6ntnjic!elui bcr 3?cm(^erid)te im loefentlirfien ah obt^efcftloffen su betrachten: if) Slüte ober erreid)ten )ic erft am Gnbe beo 14. unb im 15. 5ö^rf)unb( infolge ber 33eftrcbun(^en ber (Sr.^bifcböfc won Äöln unb ber Segünf gungen burdj bie bcutfc^en fiönige unb Äaifer. „Xax Gr5bifd)öfen . . . ftanb im 13. Jö^r^unbert unb borüb tlinauo nur ein be)rf)ränfteo Dberauffid)terec6t über bie /treigerid)te if)rcm .s^crjogtum ui, roelcbeö jeboc^ lebipilid) eine grunbfäfelicb faum eine t^atfäc^ncbe 33ebeutung ^atte" (S. 410). iSieö anbei fidj etroa feit ber !:)iegierung; Äarlö IV. „"itun begannen auch t Äölner (rr5bifd)öfe ber Areigraffcftaft 3(ufmerffamfcit .;u fd)en(e fie traten mit bem :}ln)pnid) auf, alo .öcrjöge tjon SSeftfal gebüf)re il)nen eine Cberftcflung über alle Stühle in ibrem i>er$o tum" (3. XVIII). Unb bie bcutfd)cn Äönige famen bicfen ©ünfcbi entgegen, ba fie bie /"vreigraffc^aften ah Seben beö 3leid)eö b trad)teten. So übertrug ber meftfälifdje Sanbfricbe ilarl^ IV. bi SSemgtricbten bie 33eftrafung ber i^anbfriebenobrücbe unb erroeitei ibre örtlid)e Mompeten^ auf bao ©ebiet beo ganzen rUeicbe loäbrenb ctiua glcid)scitig 0374) anbererfeitö bie Scl)auptung a erfannt rourbc, bafj bie J^reigeridite felbft nur „auf roter Crrti ftattbaft feien. Unter Äarl IV. tritt aud) .;\uerft bie 3age von b ßinfetjung ber iNemgericbte burcb Äarl ben öropcn unb ibrer päp* lid)e Seftätigung burcb £eo III. auf, roeldje bann im 15. v^i^brbunDe allgemein oerbreitet mar (3. 467), eine 3age, melcber man bur .^Surücffübning ber fogenannten elf üememrogigen ^Nunfte auf bc capitulare Saxonicum oom Ja^re 797 in Serbinbung mit ber Treuj Heinnci unb bem ^Blainjer l'anbfrieben oon 1235 cim "Jlrt loiffe: fcbaftlidjen .{Mntergrunb j^u oerleitjen fu(^te (3. 470 ff). (Sin weiter bebeutfamer Sd)ritt gefd)a^ unter Mönig ÜiSen^cl, meld)er 1382 be Mölner Gr^bifd)of bie "Befugnis erteilte, inncrbalb bcr ören^en fein« .C^er^ogtumo bie ivreigrafen felbft ^u inoeftieren, wa^i bann im 91; fang beo 15. 3af}rl)unberto (1414 ober 1422, fidier aber 1475) a\ gan.^ i\.k»ftfa(en auogebel)nt mürbe, o^ne bafe jebod) bicrburd) b (ibarafter ber i^emgerid)te alö föniglid)e fid) oeränbert bätte. o^m fefter unb mäd;tiger entfaltete fid) nun l>ie Stellung ber inMne xu ibrer einzelnen Jreiftübfe, unter meld)en befonbero ber 3lrnobcrgt einen beroorrageuben %Maft einnimmt. 5m ^sa\)xc 1408 lieft Mön 3lMi(;ncr« „3i*alfüre" befannter geioorbetio Sdiiüort, tücIcDe»? bt* an ben 6r in bcr bie öirunblnt^^ be^if 3ic(^oIinbc'frf)en .öaufo* bilbenben irfdjc netff ui an „bü"j lUcfftr, tuolcfioÄ in (>Jrimm^ 'i'off'Jmärchon bic bcibon *^rüber )»ci ihr Trennung in ben 'üaum treiben". (3€^(!^t(3^tc t)c4 Strafrcc^td unt) bed ^trafpro.^cffcd. 167 Supteit ju Joeibelbcrg bcn ^^cigrafcn eine Slnja^I /vragen Dor* legen, burc^ roelc^e er fic^ teils über ba^ 5?erfat)ren ber 3?ente unter* riiten, tex[ö feine fönic^Ii^en ©erec^tfamc if)nen gccienüber präctfieren nottte (bte fogcnannten ätuprec^tfci^en ^racien). 2Öa6 ber 3Jieme etiua nod) ^u einem poUtontmenen 3lb)c^(u^ i^rer @en)a[t gefel)(t l^atte, baö eiwdbtc fic unter ber Siet^ierung Äönig Sic^iemunbo, roelc^er bie ^yreigcrid^te ,^ur 3tü^unA feiner fönigli^en ^a6)i ju benagen fud)tc unb fidj felbft alo Jvreifc^öffe foU ()aben aufnehmen (äffen. ^**) ®er Crbifd)of von .Qö(n erfcbeint je^t ah Statt()a(ter über alte ()eim(id)en ©ericbte, beren Jy^eigrafen er in^eftiert. Unter Grjbifd)of l^ietrid) II. vurben 1430 bie Ä^apttelötage .^u Soeft unb ^ortmunb abcie^alten, iDel(6e b^roedUn, baö Gkric^t&verfa^ren ein()eit(id) ?\u c^eftalten. i^^re 2bätiflifeit fe^te bas Mrnsberger Äapitel von 1487 fort (3. XIX). So hatten Die "l>cm(^eric^te „eine faft unbefc^rätte Söirffamfeit über olle i^dnber unb Stdnbe beö Steid^eö'' erlant^t (3. XIX). öegen bie immer mafjlofer auftretenden 2lnfprüd^e ber 2?eme i^nnte aber bie Seattion auf bie Sauer nirf)t ausbleiben. Sd^on Sigismunt) n?ar iftr am Gnbe feiner Stegierun^ roeniger (künftig ge* ttimmt; Ariebridj III., melcber es perf^mäbt fiatte, ^reifAöffe i^n roerDen unb nebft feinem Äanj^ler unb ben Seifitjern bes Äammcrgeri(^ts wn ber i*eme fetbft üor ben £tu^( jj^u SÖunnenberg gefaben iporben mar. trat fold)en 9lusfcftreitungen entgegen, l^ie Stäbte fud)ten burc^ toifeTli(^e i^rioilegien 3d)u^ g^Jgen ben i^emebunb unb »erboten if)ren 8ürgem, fid) in bcmfelben aufne()men ^u (äffen. I5ie feftere Drgani- fütion ber 3"W5 in ben Territorien unb im 9teirf)e, loie fie feit ^Horimifian unb Äarl V. angeftrebt rourbe, brarf) bann bie fcfton am 6nDe bes 15. 3öt)r{)imberts gefc^mät^te Äraft ber 3Semgerid)te oollenb^i, roennc^Ieid) perein^^elte 'J'^^iftüljie 3öeftfalens bis auf unfere läge ihre Grifien^ .^u friften t)ermod)ten. 2öir laffen j\um 3c6luft ben ÜBerfaffer no(b einmal felbft reben, um fo bie im 9tnfang mitgeteilten 51'orte über bie nad)teiligen ^ilUrfungen ber X^ätigfeit ber /vemgerid)te .^u «tgäni^en. „ilöenn and)** — fo lautet Der 3cl^luft ber Crinleitung ^es ii^erfes (3. XXIV) — ^bie ni&igere Jvorfdjung (ben 3>emes l^mctten) oiel t)on il)rem altem 3<^uber unb ölan.^i raubt . . (fo) roerben (fie) immer ein benfwürbiges 3tüct beutfd)er unb namentlich ^er rocftfälifcben (>3efd)icftte fein, jioar fein fo rul)mo olles, roie über= tticbene 3i?ert|d)äfcung fie auffaßte, aber aud) fein unrü^mlid)es. 3i)r örunbgebanfe roar boc^ bas Stecht .^u ftärfen, unb wenn i^nen bös md)t gelang, teilten fie nur bas 3c^idfal fo mand)er anderen 5>er)ud)c jener roirren 3eit. Jn il)nen lebte, obwoljl in uupoUfom- mener Öeftalt, ber i'Keidjsgebanfe. Tie /vreiftü^le fielen ^um Cpfer ^rt erftarfenben lanbesfürftlid)en OJeioalt, melcbe jenen ^wtd, bie ^e(6t6ficbert)eit :^u fd)affen, enblid) erreidjtc, unb es luar il)r iNcr= ^^in(^ms unb il)r 'l>erbienft miber 3ÖiUen, bie 'JJotiuenDigteit einer io((^en CrDnung flar ju mad)en unb mit er^iüingen .^u helfen." •"I 5g(. barüber 3. 174, unten '^nm. 101. 1 68 'Sittcraturfccri(^t. J50* Cffenbar war c^ bicfcr Icfctc Safe in bcm Suc^c £in ncrö, auf örunb bcffcn ^J)ilippi in feiner fleinen Srofc^ürc iil ^baö n)cftfälifd)c 3>emcoiericl)t" •'•) jii einer mef)r fcfeeinbaren alo roi Iid)en ©eginerfcl^aft .^u Ünbner c^elont^te, beffen Untcrfudjunt^en roic er felbft f)en)or()ebt, „burAroet^ alo ric^tic^ unb abfcbliefeenb'' trad^tet, fo baß er feine eichene Xarftettunt^ „unter ftetcr 3ui^run leijunci bcr Grc^ebnifje beö Üinbnerfcben 'öucfeeö" triebt (S. 3, 6ö I)abe fidb ibm aber (^ec^enüber bem an^efübrten Sd)(uBfat5e i Sinbnerfcben Ginleitung) bie Slnfcbauung aufgcbränc^t, baft baö i^c (Heric^töipefen, ^ein \>ixv6) au^erf)alb beöfefben ftebcnbe ©enjalten felbftfüd)ticiem ^intereffe ^eraufbefc^rooreneö Unroefen roar, bei Crganifation ()öc^ft mangelhaft, beffen äöirlungen fel&r gering i meift fc^äblid^ loaren." 5iur in befcbränftem 9)Ja^e fei ;^ii,uigeb ba^ eö einem oorfianbenen S^ebürfniffe entgegcnfam. Xk Areigeric fmb melmebr anjiu|'eJ)en „al^ ein, wenn aucb ^erüorragcnbeö C"^U in ber Äctte ber 'i?erfud)e ber evürftengemalt im 14. unb lo. ^\a l^unbert, bic £anbe9f)crrfd)aft burd; Grmeiterung unb Umbilbung al Ginrid^tungen fefter j^u begrünben" {ß. IJ)). ^n biefem Crrgeb gelangt bcr Serfaffer ()auptfäd)Iid) mit ^Hücffid)t auf bie Stellung CJr,;bi|cböfe oon .Höln i^u ben l^emgcrid)tcn, melcbe pon benfclben b« benutzt lüorben feien, einen neuen ^Hec^tötitef für ibre .sSer.^ogogeu' j^u gewinnen, wie benn namentlirf) Gr.^bifd)of Tietrid) II. r»on 3)i fie alö ^Kittel gcbraud)t I)abe, feinen Ginflufj über ben gan3;en '^lo roeften beö Steidieo auöj^ubel^nen (3. 1.')^ £o feien alfo bic i^< gericbtc grojige?iogcn worben nid)t pom Cberl)aupte beo Sfeidiö, f bem üon einj;elnen Jvürften, wdd)t in erftcr Sinie barauo Wcw für i()re territoriale Stellung erbofften, unb geförbert burd) ben Gig nu^ ber öeridjtobcrren unb bie Weminnfudbt ber SKid)ter. Sie f anjufe^en alö „ein loilber Sd)oft an bem ^öaume ber beutfd 9ied;togefc^idjte, ein mit gan,^ ungenügenbcn ^3)litteln gemaditer 'i^erf nur Sd)affung obcrfter rHeic^ogeridite" (S. 20). 2lucb burd) Di aiuffaffung fei freilid) nid)t au9gefd)loffen, baft bie 'i>eme oerein ©utcö geiüirft l)abe, aber bod) meift nur mittelbar unb auonoln roeife (S. 4). 21* äÄ* 9iJeit prinzipieller erfd)eint ber 0egenfaSerrcte u. !L'ebelinft IbSs. i>o 3. "") 2h. i'inbiier, Ter angcblid)e llrfprung ber 'rNemoiKrichte aii^ ber qutfition. Cfinc 3(nttPort an .'öerrn t^rof. Dr. 5ri^brid) I hu b ich um. ^ial borii, Schöniiigh. IsjKi. ;U 3. ^n bicfer Jörofdmre 3. 20 ff. fjebt :^inbi (Scfd^tc^te bed Strafrcc^d unX> bcd 3trafpro;cffci9. 16!) fuciun^en 7^ubic^ume in Jlür<\e jufammctic^efaBt roerbcn, wobei roit nuoifci^) auf ben rein focftlid^en leil ber ftellenroeifc recftt fc^arf gehaltenen ^olemif ber Sinbnerfd^en ^Slntnjorf' in ben 9(n* mertungen ^e<;u(^ nehmen. 2i^ubicl)um befinbet fidb ;unäd;ft nod) mit feinem Wec^ner in Übereinftimmung , wenn er in ber CSinleitunc^ (£. 1 — /)) ber älteren Änfidit enti^egcntritt, monad) bie i^emc^eric^tc „eine c^rof?e unb roür* bic^e ißrfcbeinung in ber beutfd^en ©efd^icfttc" gemefen feien (iic\l. oben Snmerff^. 73), nur (\efd)iel)t bieo I)ier üiel frf)roffer unb auffallenber, inbem unter anberem fcgar (3. 2) ein 3>erc\lcid) fuej^oc^en roirb ittifdjcn ber If)ätt(^{eit ber l^eme unb berjcnigen ber beimlicben 0)e* ticbtc ber l)euti<;en 'Jiil^inften in ^Huf,Ianb.**'). 5iad)bem ber i^crfafjcr toann im "ilbfiftn. I (3. 6 — 0) bie ikbeutunc^ beo JÖorteo ,,;yrei= jericbt* erörtert unb fein i>orfommen and) au^erljalb SJeftfaleno nac^* acroicfen,*'-} weiter in 3lbfc^n. II (3. 9 — 1-2) ^eroorc^eljoben, baft „bao tingen unter Äönit^öbann" feineöroego an firf) eine 3#^"bic^feit für ^06 o.aniit Steid) in fid) aefd)lo)jen, roirb un*i im britten 2tbfd)nitt flll 2. 12 — 28, „bie l)eimlid)en (Serid)te'') ber ciflentlid)e Urfpninc; bcT Jyem(nerid)tc nad)c\eir)iefen. .?>icr nun bietet uno Hjubid^um «ne pon feinen fämtlid)en i?or(\än(;ern, einfd)[ieplidj Vinbner, üöUic^ flbrocidicnbe 3Infid)t. SKäFirenb roir bei ^'inbner in ber (rinlcitunoi 3. XX lefen, bap ben .f;>auvtfle(^cnftonb ber 9Jemflerid)tövroAef)e Miauen «m ©elbfcftulb, befonberö cuegen Stäbte, cjebilbet f)ätten, ba^ bo^ Si^Ö^n „t)ie Sorc^e für bie Crl)altun(\ beo (Stiriftenölaubeno il;nen nur ,»r ?c^mei^ung oon a)ii6Dcrftänbniffcn ficvwor, baft jjuifcftcn ilim unb ber '3Ärift oon "PMlippi Oir- 20) bor .'oauptfucfto nad) fein Öegcnfa^ bcftclje, »m fo roenij^er, aB ber Serfaffcr ihn in SJiünftcr in licbcne^tüürbioifter ^^'tfe in feinen arcbiualifd&en 3tubien untcrftütjt habe. 33al. aurf) i' in bner, SScmc, SoriDort 3 VIII. "i Sinbner, Urfprunfl ber iUme(tcrid)ti\ S. S erhebt t^et^cn bicfeu 3?crs pleiA (rinfprucö unter ."binrocig auf 2. <»08ff. feiner „3?en[c", n)o nuec\eführt ift, ^flS bi« 3um oöhre loU) nur fedje JyäUc firf) er überlief ort finb, in welchen bie ^inrid^tung an Serüemten roirflid) DoUsoj^en lourbe. ^Xa uerftehcn fid) bie ruffiidien ^JiihÜtften anber# aufö 6ef (t)äf t. " — Übric^ene finbct fidj ber Jl^crgloic^ oudi bei Ihiimmel, a. a. C 3. ■•>0 u 4Hff., loao bei ber i?(uffaffunfl biefee 'i^ers fnffeis üon bem ^enifjeric^te als „einer hodjerfreuIid)en lSrf(t)cinunc^" (oc^l. oben 8nm. 7:|) befremblicib erfdjeint. <3. 4S lec^t er aber allerbincjö i>eriuahrun(| bas 9«P«n ein, afö wenn er ^»irflenbroie eine innere iHhnlid)feit 5n)ifct}cn biefcn auf Jurdjfüfirung unb 3chu^ üon tHedjt unb <'»Vfe^ hiniuirfenben u. jenen unc^cfähr ^e Öegenteil fich jur Ulufgabe mad)cnben (5)cl)eimbünben unfercr Xage .^ut^eben" tonnte. '■1 Jhubirfjum erhebt (3. 7 encrgifcb (iinfpruct) ([cc^cn bie "iPorftellung, ^B wegen bcö Ijäufigcrcn SSorfommenö oon JreiiKridjten in "Ji'cftfalon unb Innern fid) ^ort ber altgennanifdje ^auernftanb läniicr alö anborvwo lU'hiilton ö'Jie. iinbner ift im allcjem. ber (ileid)en 2lnfid)t. iTcn 3diluv, aber, ben JftubiAum baraue 5ieht, bafe nämlidi bio *Jiamon ,.Arei{U'rid)te*', „^yreiarafen" "fn>. überhaupt nicht 6 mit bem Jcortleben aItiKrmani)d?cr Jrciheit ^u Ümn Hottn, hält berfelbc (Urfprung ufro. 3. Ih bod) für .^u fübn. 1 70 £tttcratur6id)um in bcn Urteilen über bicfc ^Dcliftc bic .^^auptbcbeutung bcr i^cm* gericbte gefcgen I)aben. 3ie fmb nömlic^ nic^tö anbereo a(o mclt« Iid)c Mefeergcric^tc, eingcfcfet Dom Gr.3ibifd)of Gngclbcrt bcm .<>ci(igen oon Äöln (1216—1225).^*) 2er öauptftü^punft für biefe Öcl^auptung bcö i^erfafferö bifbct baö .^roar fd)on feit 1825 befannte/^) aber fnac^ !t^ubid)umö Meinung) bio()cr nod) nid)t genügenb (^emürbigte Äapitclsprotofoll beo Cberüemgerid)tö m iHrno* bcrg üom Sabrc 1490.***^) ^sn bcmferben rocrben nämlid) allerbingo unter bcn Xcliften, bic i^ur Mompctcnj ber fteimlic^en 3lcl)t get)ören, befonberö aufgejäftlt: „C3{r. 2.) So jemanb Äc^crcicn auöbectt unb »erbringt; CJJr. 3) fo jcmanb pom OUaubcn abfättt unb ein .H>eiDe roirb; ("Jlr. 5) )o jemanb ^eret unb j\aubert ober mit bem Siöfen CXeufel) ein 5Jünbni9 aufrichtet" (ugl. Xl^ubi(^nm 3. 14, Sinbncr ©. 476). 2)er 'iNcrfaffer l^ält eö bann weiter (3. 16 ff.) für .Moeifcl- loö, baji awd) ber Gib ber ?vrei|rf)öffcn — beffen ^n^alt bio auf biefen lag unbefannt gebficbcn fei,**^) bie SJerficberung entbalten t)abe, fie feien frei pon fe^erifcbem Unglauben unb rooHten ?iur 3tuörottung ber Äe^cr naö;) Äräften mitroirfen. (3(uf 3. 27 rocrben bcof)alb fo= gar (im 9lnfd)luft an Sd^mcüer, Saycrifdieö äßörtcrbuc^ 1837, 4, 185) bie roeftfälifc^cn Jöiffcnben mit bcn familiäres dd santo ofücio in Spanien oerglic^en. 3u folc^cr Kjätigfcit aber foUen bic ?frcigrafen unb Sd^öffcn bcn Sluftrag cntrocbcr unmittelbar oom 'l^apft ober bod) mit feiner Wcnel^migung erhalten ^aben. 2)ie Äird)e fanb es nämlic^ geraten, roegen bes 3Öiberftanbeö roeld)en bie »sicftcrucr* *') iiiinbncr, 55cmc S. 475: ^3o roar ba« ^Irn^bcrgcr Statut berechnet gco(en bie Verbreitung bce .^uffitcntume. $te( gercirft bat ee faum: c^ ift mir überhaupt nur ein AaU befaunt, ba6 .Hetzerei vor baS fieimlic^c Gericht gebrad)t iDurbe, unb audi ba beliebte man eine ablehnenbe ."oaltung" (in bem großen (^ieneralfapitel ju ^(rneberg 14iK')). 93gl. Äinbner, Urfprung, 3. 10. ■'^) 9iamentlic^ hiergegen richten fid) bic Ausführungen Sinbn er § (Ur- fprung ufro. 3. J)ff.), ber u. a. (3. 10) bic Don ^hubic^um ücrtretene .>Si}pos tl)iU fllö „einen wahren ?Hattenfbnig von Irrtümern unb ai^unbcrlic^feiten*' bcs 5oichnet. , ^^) Tics betont Jüinbner, Urfprung 3. 10 gegenüber ber leicht mijjoer: ftönblichen 'li>ortüerfaffuni^ Jh.'*, bafe erft „bie neuere ^^cit" biefe Urfunbe ,.au§ bem ^unfel ber iHrd)iDC heruorgejpült" habe. *•") 9?(tl. baj;u iL'inDncr, Urfprunc^ 3.15: „ein cinjic^ee @erid)tön)eiMum, ba? fpäteftc uon aUen, reicht für 2i). aue, um feine ganjc Iheorie ju bcs flrünbcn" 3. 10: „Taö 3djriftftürf gehört erft in bic A^it bce 3infen* be»i heimlid)en (SJorichtö." "M 3. bac^egen X'inbner, Urfprung 3.17, luelcher meint, 2: h- ©crroec^felc bcn ^rcifc^ÖffeneiD mit bem (yrcigrafeneib. ©efc^idgtc bc8 Straf rcc^tä mit) t>e§ Strafprojeffc«. 171 folguncten Aonrabö von "SJaiburg gcfunbcn/**) biefclbcn in bie ßänbe von £-aienoieTicbten ju (cgcn. Saju aber mußten bie rocftfäfifdjen Jyreic^rofcn befonbcrö geeignet erfcftetnen, welche abhängig von ^Bifc^öfen waren unb alö beten 3)ien]tniannen bie gemeinen Bürger unb "Bauern baBten.^^) Sie ()attcn i^re gut päpftlic^e ©efinnung unter anbcrem oucö bei bem 3wge gegen bie 3(Ibigcnfer beroä^rt/*"^) unb jid) bafür ibrerfeitö ftetö ber ©unft ber ^^äpfte ju erfreuen gef)abt.'") Sie „haben Don benfclben perfrf)icbene, leiber bio je^t geheim gebliebene l^rioitegien erhalten, namentKd) folrf^e beo JSn^altö, bafe niemanb |ie hemmen, erfommunii^iercn ober aufter^alb eineö geroiffen ©ebietes vor Wericbt ?iie^en bürfe''.*'-) 3tm roa^rfc^cinlicbften bleibe eo, bafe ein ßr^bifc^of von Siöln mit päpftlic^er öene^migung iljnen bie SSoUmac^t erteilt ^at (£. 24, 25).-'-') 2)iefeö aber war aüem 3lnfc^eine nad^ *') i*inöncr, Urfprung 2. 13 rügt Mer bie DMc^tbcobadjtung ber 3<^it= *c!qc. „Cfnflelbert rouröc bereite 1225 crmorbct. Moiirab i^at erft 1227 bie pjtpnlicbe ^^oUnmc^t erhalten, unb fein fiird)tbare$ ^treiben begann crft fo rec^t n ad} bcm lobe ber bcH. (5Itfnbctb (r2ol)." '*•' i'in^ner, a. a. C. '3.13 bemcrft basu, baf} bie MirAc ficö nie berbcis litB, gctftUcbe (bemalt in roeltltc^e .^änbe ju qebin unb ba^ ben oon ber ^$cme ücrurteilten ifte$em nic^t ber übfic^e Jeuertob }u teil lourbc, ber ja einen lUMi'tiic^en x^intergebanfcn hatte. '^■') Sfll. baju i'inbncr, Urfprung 3. 11 ff. "Vi Tie gerabe . entgegenf^ef ettc Slnfic^t fcbcint 3:bümme( a.a.O. 3. 51 ff. ;u haben, roelcöer oon einer „wohiberoufjtcnScinbfcligfcit" fpricl)t, „Deren fit^ bie "Seme . . ju erfreuen gehabt hat fettend aUe^ bcejenic^en, loa-j firf) bcs inuBt ober unbeioufct in ben X'ienft ber !atboUfcf)en Üircbe gefteUt hat un\> ftellt", 3. 52 wirb bae „fiiblc ^crbältnio" ber S.*emgerirf)tc jiir fathoL Mircbe noc^ n«ihcr bcgrünbct. Jro^bem triebt ber 35crf. 3. ülfc tommcnbc päpft liehe (sin: mifd)un(» burc^ befonbere "öefc^tüffc" (ogl. unten 3(nm. 92). 9lber freiließ rodre „all ber Siebe aJcüh' umfonft" gcwefen (3. ienoffen foU unter Umftänben mit bem ^ann eingefcbritten werben o^nc :Hüctfid)t auf bie 5Wrfügung be« 'i^apftec' ■Öonifaciu«' VIIL, loelcber (^eroiffc 5Bcfdjränfungen aufftcUte unb aud) für ben ^all, Dal jene etma^Jirioilec^icnbefi^cn, loelcheihreirrfommunifation nur unter Öcbingu nflen gcftatten, roenn biefe nic^t einen gan3 beftimmten 'iL'Ortlaut haben. Xa folcbc tirioileflien lcid)t §u eriDerhcn luaren, fo fonnte immerhin auch irgcnb ein Jrcigraf ein foldje^: befi^en unb fich bamit ju berfen Sueben. 5lur ber SSollftänbi gfcit unb 3.lorf id)t halber ftehen biofo 'Wenbungcn in bei ^uUe, loie in ber iHegcI in allen gleidjen ,^\nhalt'i!i, luem fie aud) oer^ licficn würben ". *■) 3lle örunb hierfür führt I()ubic^um an: ,M bie 5cm(^erid)te fid) finfd^einenb urfprünglic^ nur in ^'eftfalen u. (rngern finben, luelc^e unter ber ] 72 Stttcraturbcri(^t. Gnc^clbcrt b er iE»ci!ic^c, bcr alö fanatifdier 51 cfectvcrf olger eö auä) in Sv^eftfülen nirf)t an cbriftlid^em Cifer in biefer UHid^tunc; wirb fjaben fehlen laflen. Siäljer führe befonberö auch bie "Jhatfaiftc f^ernbe auf Gnotelbert hin, baft ber 3luöbrurf „Jventgenoffcn'' (vimenoten) für bie öerichtofd) offen fchon in ben :5ahren 1227 unb 1'229, nicht aber früher Dorfomme (3. 26, x>c(l. oben 2. 163); ferner nenne fd^on ein alter Schriftfteller Gn^elbert ben Urheber ber JJemt^erichtc, u. enblich feien verfchiebene (^3elchrte bee vorigen Söh^h^"^^^^^ ^^'^ gleichen Jln* fid)t gewefen (fo v SB. tValtauä, glossar. gerni. med. aovi K.j^, j). 42k-**) ,'^ur weiteren Seftätigung bafür, bafj 3ieinerhaltiing beo ©laubeno .y>aupt,;;n)ed ber heimlichen 05erid)tc gemefen, merben 3. 27 ff. Stellen angeführt ax\^ einem S^ortmunber Jl^eiötum"'*) unb auo einer Sdirift bes Sleneao Sploiuo (ber fpätere %^apft '^Jinö IL, geftorben 1455) „über ben ^uftanb Guropaö unter Äaifer Ariebrid) III. " ()\ap. 29i, loonad) Marl ber örofee bie iU'mgeridjte eingefühn h^be, um bie bem Ghriftentum abgeneigten 9Beftfa(en im rechten Wlauben fefthalten j\u tonnen.-'**) ^m 4. 3lbfd)nitt (3. 29—36), welche üon ber 3fu^:»behnung ber Obergewalt ber fölnifd)en Gr^bifchöfe über bie /vrei- unb 3tillgerid)tc hanbelt, wirb ber >>auptinhalt ber Urfunben auö ben ^^abrcn 135:J, i:>59 unb 1372 mitgeteilt, burd) weld)e MarllV. bie ^iad)t ber i^em« gerid)te erweiterte unb ftärtte. J»n 3d)luf> biefeö 9lbfchnitteö (3. :U ff.) wirb bie grofee i^erfolgung ber Meiner ('^egharben unb 'öeguinen) burd) bie päpftl:d)en ^"^wifitoren feit 1365 gefdjilbert unb mit ber ^hätigfeit ber i^eme in 3wfö^^^^"f)i^"Ö gebrad)t. 9lud) im 5. 5lb= fchnnitt (3. 37 — 44), wo auf ben berühmten weftfiilifchen Sanbfrieben ftarlo IV. 0. 25. ^Jiooember 1371 näher eingegangen wirb, fud)t ber in'rfaffer weitere Belege für feine Stnficht üon bem Urfprung bcr .^-^orjogegeTPalt ober ctattlmltcrfcbaft bcr .Hölncr (rrjbifcfiöfc ftanbcn." Ta^u irinbuer, Urfprung 3. 11, bcr u. a. aud) barauf fiiuiDcift, bafe bie Ifr^bifdiöfc fcincöiücgö in gan.; 5i^'fifalcn unb (Jngern bie .vcrjogic^eroalt gehabt bätttMi. •'*) i?inbucr, Urfprung 3. 12 führt auö: .^altaue berufe ficb gar nid)t auf einen alten 3d)riftfteUer. fonbern auf einen im ,"\alire 17:v» lau* Pistorius. Aiuoenitates. IV.) crfchienencn Jluffa^, alö beffen Urheber biefer i» ab n vermutet . ^ITav roiire ol'o ... ber alte cdjriftfteUer. ^^ahn \mv jeboc^ 5Jtbliothefar xn' i'^annoüe^, ber aber lüirflid) ein 'l^emered)tebucb bed 15. o^ftrhunberte herauc^: gab, für beffen iP erraff er ihn ■Ibubid}um ju halten fdieint." Jn ber •Vahnfdien C^ericfat^orbnung ftänbe jebod) pon irngelbert nichts. iHuffällia fei C'J. bafj Xhubid)um baö 'Öucb p. ^\ul. \yi(icv, „ber heiliiu* Ifniielbert", isrc; nidit mehr benutzt un^ Öfter citiert habe. Xb. führt allerbing» ba* i^udi nur einmal auf 3. 2."> *^nm. 2 an, obniohl in Kmfelben aueuihrlidjer von bem äufammenhan^e b. 'i^emt^eridite mit Crn(telbert bie rHebc ifi. ■*■■•) iKadi ^^iuDner, Urfprung 3.16 ficht bie ^uiW nidit in einem "iöei^*- tum, fonbern in einer prtpaten 5lueeinanDerfet'Un(^ über bie ^^cmc u. bürftt* baher nadi ^h.'H' eiaener :?lnfidit über bie 'liiiuatarheiten nidits beiueifen /ugl. 3. 1'»). ^" I "i^c^l. b.i5U ^'inbncr, ^i'eme 2. 475 u. Urfprung 3. lu, 16. (3cfd)i(§tc bcö 3trafrcc^tö unt) t>cft Strafpro^cffc«. 1 73 "S«inc(cric^te am t)cr ^nQwifition ju brinc^en. 3^cr -äiamc ,,$?anbfricbc'' jci nämüd) bamalö nur bao „3(uo()äncie|^ilb'' für ctiuao c^anj anbcrcä geroefcn (S. 39); tl&atiäd)rid) foUtc bae ©efcfe fich c^ct^en bic Äc^crunb bic Stäbte rirf)tcu (3. 40 ff.). Gbcn bcS^alb fei and) bcr rti^emlicfee 3Sort(aiit bcofelben nur ben dürften, Areit^rofeu unb ^frei* jibffen belannt ^emacftt, ben 2)ien)tmanncn, Stöbtcn unb Untert^ancn aber rcrfcbroict^cn morbcn.^^) Ter 6. 9{bf(^nitt (3.44—56) fd)ilbcrt ,bic 5leuerunf\en unter SVömci^ SBenijcl", unb T^wax inobcfonbere bic Gnpcitenmi^ bcr -Hechte bcr Äblncr Gr.^bi|d;5fe burd) bao ^^5rioi* Ic^ium Tjom 15. Juni 1382 (3. 45 — 46), bic 9i[uöbel)nunfl bcs weft« fälif(icn üranbfriebenored)tQ von 1371 über einen großen XÄl t)on Seutjchlanb foioie ben ^^^aimbunb" ber c^eiftlicben unb lücltlid^cn Aüntcn ciCiv'n bic :Hcicböftäbte. "Dabei finb f)auptfäd)lid; bic Urfunbcn bcnuit, roeld)e oon Söci^färfer in feinen „!:Heidiotartöaften'' auöjuc^ö* mk befannt fjemad)t unb c^efammelt roorben ;'*''*) bod) lüirb ber Stn« ndit befielben (3teid)9tagöaften, 3. 519—523), „baft bic ^Keicböftäbtc über ben ^aim fd)Ied)t unterricbtet c^eroefen feien unb fic^ unbet^rünbeten Jiciorgnijien binc^egeben IjäXim** von ^I)ubid)um aU unbaltbar unb maltet be^'id)net (3. 51); benn fd)on im xSCibre 1376 ^ätte bic Heidioftabt .Üöln ooUfommen flar erfannt, roaö eö mit bem Sonb» fricben pon 1371 auf fid) habt, unb bafe fidj ber Aürftcnbunb wefent* lid) fliec^cn bic 9teid)öftäT)tc rid)te. 3. 53 — 56 roirb bic Crinfd)ränfun(\ unt) (^än^Ucbc Slufbcbunc^ bco Aaimbunbcö burd) Äönig "JiJenjel 1386 unb 1887 foioie fein SÖieberauflebcn feit 1393 befprodjen. Spe?|iell roirb Die "Ikbeutunci bcö c^rofum, oon 52 Stäbten im ;^al)re 1385 '•'••) ;u Honftan^ auf 9 ^"sabre c^efcbloffen Sunbco beroorc^eljoben, meldicr bwifcdte, t>em ^-aimbunbc ent(^e(^en^un)irfen. Der 7. 9lbfd)nitt (3. 57 —621, iDeld)er bie (rntnndelunt^ ber ä5eme unter ^)Jupred)t unb 3i?iömimb fd)ilbcrt ((rntftebunn ber ^Kupred)tfd)en Arai^en, Mapite(?>= m \vi 2oeft, Dortmunb (1430) unb SlrnöberQ (1437)'^'*') entl)ält flbennalö oicl oon bem A!»cr{ömmlid)en unb and) üon iinbncr kb* "') !?aflec^en Siinbner, Urfpnmg £. 17 u. IS, t>cr fiicr auf bie 9tuv^» »ülirunrtcn in feiner (iJefcöicfitc bc-s beutfdjon 3ieid)^ unter Slönu} 'i^cxv^d J., 3. -i^VJ wnb in h'T „ieme" 3. 441 ff. ücriucift. ^■•i iiinbncr, Urfprunft 3. IS rügt, bafj niefit aucf) anDercö ardjiüalifclic^ 3)iatetiül uom SJcrfaffcr benu^t roorbcn, mit bie«i uon ihm fclbft i^cfdjehen fei. ■'') i'inbner a. a. C 3.19 fiült biefc ."^abrco^abl nidit für einen Tviids *'te, obioolil Xl)ubic^um 3.49 fagt, baft im ^Jahr l:JS6 bie :){eid)'3ftäbte auf '^'^ 5aimbunD aufmcrffam geioorben feien. ^^'i !JI)ubid)um fa(\t 3. r>0, bafj auf bem iinpitcliftacie v« Jlmeberc^ •^nbiftöof I'ietrid) JI. anc^eblicfi auf "öefel)( Vtaifer 3ifliiomunb^ eine ;)ieformation ^^r hcimlirfjen (5)crid)te uertünbic^t fiabe, in iDeId)cr er bie nmftlofe (!!Jerid)t§s toit ;u i;apier bradite unb alter ällelt c^eaenüber al'? r)Jed)t':fat!i vertrat". Xa: 5J|l«n irinbncr, a. a. C. 3.21: „irinc offisieUe 'i^ierfünbigunc^ burd) Crr5biid)of Jiftrirfi crfol(\te erft 1465." iHud) fei ber .^-^aupt.jroecf ber '^Irn^^berc^er :Hefor= 'nction peiücjen, ,.ba»j überfahren ui reneln unb mand)erlei 2)ii6bräud)c aV: 5»nKbrcn". 1 74 Sittcraturtcridjt • TOcic^enbeö. So wirb bic 3(n|icftt, bafe Äaifer Sigiemunb fic^ ofö J5rctt"d)öffc 6abc aufnehmen laffen, über \od(i)t ein ^Jonnunber S^eietum t)on 14'29 berichtet unb bie von /vrensborff (T^ortmunber Statuten 1882, Crinleitunfl CXLVIII Slnmerfung 8) für mögHc^, t)on Sinbncr (35cme, 3.432) aber für fid)cr (^ef)alten (fo aud) 21) ümmcl a.a.Z. S. 13), für unrid)ti(\ erflärt. X^nn bie Tortmunber 6l)ronifen, bie fid) bcd^ einen folc^en 3?or(^an(5 nid)t njürbcn öaben entgel)en laffen, entl)ie(ten nid)t bas Werinc^fte bauon. 3d)on v. 2i>äd)ter i)ah^ «i^egen bie 9lad)rid)t 3'öeifel er()oben, unb man muffe biefelbe, ^obroo^I bem I)altlo)cn Äaifer ein fo uniüürbigeo ^4ienet)men fd)on j^ujutrauen cie* roefen luäre", fo lauere für bfoften Sdjwinbel J)alten, alö nid)t befferc Seroeife bafür erbrad)t mürben alö bio()er (3. 60).'^") 3(uf 3. 60 ff., wo ber 3>erfafjer fid) über bie „5iud)mac^erei'' über bie iHemc\erid)tc perbreitet, meldte oon 5)lönd)en unb Vaien betrieben morben, roerben biefe Slrbeiten, unter bcnen „'J?emred()töbüd)er, 3i>eiötümer 'Bortmunber Äapitelötaoie" unt) ein «Codex Icguni et consuotudinnni judicii West- ])halici sumniac scdis Tremoniensis" ermähnt roerben'*'-) — a(o „^aä)- merfe pon i'euten'' gefenn.^tic^net , ^bie pon bem Unfut^ ber roeftfdlis fd)en öerid)tc il^re 2ebfud)t i^ogcn ober in bes Crj^bifdiofe Tienften ftanben'' (3. 60).'**^) 3. 02 wirb auf bie Stuöbe^nunci ber 3>emc über ^^eftfalen ^inauö, befonberö im Crbenölanbe ^reufeen binf^eipiefen. 'Jkd)T)em im 8. 3lbfd)nitt (3. 63—76) ()auptfäd)fid^ im iHnfd)luB an bie 3d)rift Pon "ü)t. Soii^t, „bic weftfälifd)en Aemgeric^te in Se= ^ie()unc\ auf ^^reupen'' 1836 „bic 'JJiijibräudie ber 5em(\eri(|te an Sei* ipielen erläutert" roorben, "^*) roerben nn*^ im neunten (3. 176 — 180) Urteile Pon ^citc^enoffen über bie 'i>cmgericf)tc im 15. ^abr* f)unbert mit(\eteilt, roobei inöbefonbere ber foc^enannten Inforniatio ex Speculo Saxonioü oiebad)t roirb, roeld^e nad) 3:^ubid)um pon einicjen 3yeftfa(en perfafu rourbe, bie barin bie XHnmapunc^en ber Jvreic^rafen unb Awifd)öffen für 9Jlit= unb -Jtacbroelt fd)ilbern. Tic S^xt ber Gnt- fte()unc^ ber 5d)rift roirb nacb 1470 gefeftt; bafür fpred)c aufter an^ berem bie .{')inbeutunü( ber Serfaffer auf bie Slnmaftunt^ ber /frei- (^rafen, foc^ar ben Maifer por i^r 0erid)t laben .^u rooUen, roaö fid) rool)I nur auf bie im vsaf)r 1471 oiegen Maifcr ^riebrid) Ilf . erlaffene *"•) Tic Pon ^inDncr, ^l^eme 3.423 5(nm.3 (p^I. lUfprunt^ 3. Ä» aw- ctofübrtcn iBeiüci^ftcUcn au^i einem Schreiben bcö Atei^roKn :öernt Tufcr an 3i(iiemunb hält Xhubic^um 3. 60 ^nm. :t a(d bic ::l^ef)auptun(j ciiiev^ .Vauptfdiiuinblerö für (|änjli(^ unDcipcifenb. ^''-; X'inbncr, a. a. C. 3. 15 u. 3.2:2 crficirt, c^ fei ihm neu, baf? aud) ^iönchc 'iNCtnrtfrid)t'?büc^cr ucrfafeten «nb bafe ce „äl>ciijtümcr iTormimbcr iiapitclötat^c" al^ bcfonbcrc 3d}rift iKt^cbcn Iiabc. *"M xHud) bior(^e(^cn lec^t Ünbncr, a. a. C. 3.2:> iscrroabrunc^ ein, unter .'^imvci? auf bcn 'InTfaffer bce wen .'oahn honuiec^ciKbcncn :»(cc6tvjbiidiö, loc^l. oben 3lnni. VA), ber ein entfdiicbcncr Wciiucr ber xHihMd>'Pcifungcn bor ("^cricbtc (\oiucfcu fei. ^'■'j 5(iid) in biofem '^Ibfdinitte hebt ^'inbnev, 3. 23 u. 24 mcbrcve hificrifdjc UuriditiiUeiien l)erüor. Ckic^td^te l>cd Strafrcc^tS xnib l»cö Strafvro^cffcö. 175 Sabung bejic^en fönnc, ba eine anberc nid;t befannt fei. ^^^) 3luö öm legten (10.) ^bfc^nitt (2. 81 — 89) ift l)ier befonbcrö I)erüor» ;ul)ortei( gelegen ^efunben, ^bie faiferlid)en öerid)te n)irtfd)aften ju la\\iin, um ^ie :Hdd)sftänbe ^n nöticien, bei ibm ■iJriüilcgien baget^en ju laufen" 13.81)."^*'*) StuffaÜiß erfcbeint am l^ubidjumo "3JJunl)e cicrabe \m ccbluB nod) ber .Hinweis barauf, ba| fid) :^Heic^9ftäbte unb mclireTe geiftlidje ime iDeltlicbe dürften päpftlic^e '^Privilegien gegen bie ffUiKbriftliAcn" 3Semgeric^te erteilen liepen, ba ja bamit bie '^^äpfte Ho ©äffen gegen i^re eigene 3d)öpfung gefef)rt f)ätten. '"•) on 5 Beilagen (£. 90 — 110) finb nod} burc^ einige Urfunben iinter= i'Wc Spejialfragcn bef)anbelt. :^sn iieilage I wirt) bie SJebauptung krdigcfüljrt, bap bic 58e:^eid)nung ;,5^cigerid)t" unb ^/"vreigraffcbaft" niit oor bem 12. 5öt)r^unbert (ober bod) nid^t oor 1 1«0) porfomme; '"**) "Seilaoic II enthält 3)Jittei(ungen über bie fönigfid^en i^er(eif)ungen l)e6 Slutbanno an Miic^enoögte; in Seilage III wirb bie 3fnfic^t befämpft, ^üB bie ^t)eimlid)en Gerichte'' i^ren Flamen gar nicht von ber .öeimlic^feit ÖC& iicrfaF)renö t)ätten, fonbern ber 3(uöbrucf fo üiel luie tieineo öe* ridit bebeute, b. l). ein nur mit :'){id)ter; Sd;öffen unt) 'V^rteien be- ^et'We im ©egenfa^ jum offenen öeric^t, ju meldjem alleo :i>oI! er* 'Äeinen mufttc. Xie Se^eicbming foll nad) ii). ai\^ bcT)eutenb früherer Um flammen, ale geroö^nli^ angenommen mcrbe. "*'*) Tie IV. 'öeilage, ubcri(!brieben „ba» Sd)icffal beö .njeri^ogtumo G'ngern unb älWftfalen feit llsö nad) ben glaubiüürbigen ^Jiad)rid)ten" will nadjioeifen, bafi Moifer Ariebrid) I. im ^ab,Xfi llbO gan?i 3ad)fen bem -Verjog *öern()arö wn älnbalt übertragen [)abt. Xie le^te :öei(age (V.) enDlic^ erflärt 5ie 6erüf|mte C^klntiaufener Urfunbe tjom 13. 3(pril 14fs0 über bie ^ ' Über bic Diclfod) abrocic^cnbon "Jlufidjtcn iJiubncr-i?, ban ber 3>crf. (jT Inforiiiatii) iDahrfc^emHcfi nic^t nacf) :£}eftfa(iMi, fonbern nac^ bem Oft liefen cacbfen gehöre unb vicUci(t)t gar nid)t Jyretgraf gotuefen fei, uc\I.: 'i'eme, -■ -'^0: Urfprung 3. 24. Xk (Sntftehungojeit feljt ^inbncr sioifcöcn 1474 *') ^inbncr, Urfprung i5. 24 erflärt biefe :öcf)aiiptung für „unJüaf)r". •■) ^^gl. öQSU ifinbncr, a. a. C. 3.l;i u. 24, loelcftcr meint, bie 'i^äpftc ^wcn in fonfcqucnter Xurcfjfü^rung ber iMnfidit 2()iibid)umö foldjc ^^rioi: lf«im nur ;um ^djcine gegeben ^aben. ''1 3. ba(;egcn iitnbner, 3. 25, ber namcntlicf) beftreitct, baf; "Xl). ..'Amtliche'' Urfunben, roelcöc über biefc Streitfrage erliulten finb, benutzt fi-^cab. 3. cm(^erid)te fei noc^ ein 'öiid) üon ii'. /V riete (genannt, bas fid) mit ben „alten Sitten, Wc* fctjcn, (^)ericf)ten, ;^uftänben unb P5en)oi)n[)eiten" beö mittcralterlicften ?Öeftfafenö befdjäftic^t. '") Sabei )oü iebodi ber 3hiöbrucf ^mittel» alteriid)' nic^t im ftrent^en Sinne feiner ikbeutunci (^cfn^t werben, fo baf> axid) tuitur= unb red)tociefd)id)t(id) intercffante örfd)einun(\en rtuo reiö be er Aal ., m^ bcö i>erfQt)er9 war f)aupt|äd)Iic^, „ein reijereö, alli^emeineö ^ntereffe für bie iNen^ani^en^eit .^u erioecfen, befonbero bei benen, bie nict)t berufkfd)idjtoforfc^er unb rHec^tebiftorifer, fonbern für ein c^röftcrco i'efepublifum berechnet. "Sem entfpric^t benn aucft bie burd)iüe(^ populär i^cl)a(tene Aorm ber 3)arfteHuniv loeld^e ]0Q,ax ftellennjeife in noüeUiftifd)em Wewanbe auftritt iv Ö. S. 67 — 6« „ber .on ^'emi\o"i, äbniid) toie etioa vor furjem burc^ Cöfar il>äd)ter bie imffenfd)aft(id)en Aor)d)un(^en (5. W. u. ©ädjterö über erfaljren, vielmehr il)m baö öebotene fc^on axx^ ben älteren 33erfen von ii>iganb, v. 2i>äd)ter, Aider, "^i .'oeppesS olban u. f. iv., auö iveld)en ber i?erfnffer meift fd)öpft, befannt fein. .H>infid)tlid) ber 3luo» Unrtered)tfertiiU er|d)eint im Äbfd)nitt III (3. 58) bic S3iVUMd)nung ber Carolina al^i^ „bie fdjmuUii^fte ibreo "iiameno", in iveld)er nur '*") 3. bac^ciu'n iiinbner, Urfprunc; 3. 20 mit .vimuci^ auf bon allein mafii^obenbcn xHbbruct ber (genannten Urfunbe bei iWilmannestWiilippi, Tu .H aiforurf un^en ber "Vrouin^ 1i?eftfalen II, 3. :»:U, idcI(^c 2b. nitbt ge- iannt \\i haben ftbeine. "*) iMuf biv> 'iPerbältni^? Crn^elbert bc^.^^ctliiun ^xi ben ^emgcricjten lüirb 3. 44 ff. im xHnicblun an Jitfcr biniKiuiefea. ä^^l. oben 3. 17'J ^nm. 91. (i^cfd^idbte tcS ctrafrcc^tö unb Dcö 3trafrrO)Cffcd. ]77 »na etil äi)nlid)eö 'üStac^iDerf n)ie ber, oom 'Serfaffer i()r awA) \A)U6sX^ weil w Seite ^eftelltc, „i>crenl)ammer" c^ciocfen, luäbrenb il)rc 'l^c nimmuni^cn über Äetjerci, ,Sauberei unb .^:»ejerci bofanntlid) alo für bn* maligc 3<^tten ma^DoUc be,^cid)net ju merben uerbiencit; it)eol)a(b jie eben aud) in ber 'ISrariö umgonc^cn unb au^er adit c^elaffen unirbeu. — Äudb bcr inbalt bee IV. «bfcftnittcö be^ 4Hid)C9 (2. 71)— lOM», über« '(fcricbcn: „CJrb-, Sc^nat* unb anbere Streitf rächen" ftreift mc^rfod) öae iriminaliftifd)e Webiet i öotteourteile, o'^iuifiton, %^oli;ei* unD Hleiö«orbnunc\en roeftfälifdjer Stäbte, Strafe ber SBaffenpippe für r«l^ unb OJartenbicbe in Socft 20, loäfjrenb ber abritte ieil bco Ci> ,icbnten, VII. Sprod^e, Scre unb Sprud), VIII. Sdlgemeinere ("^irunb* iü(i< (|intn)irfelun(\ beö (S^riftentums, friegerifd^e i^erl)ä(tniifc, So.^aleö, w'mi)cri^(eic^unc(cn). A4» 25. Ginen nod) rocitcrcn Seferfrciö als bic 5d)riftcn über Die Semflcric^tc bürftcn biojenigcu über bie öejr en p er folj; uneben ^cs ÜKittelaltcrö finben, von welken in bcn legten ^i»^)»^»^" abcrmalo"*) im ^icmlic^e "itnja^l crfc^ienen ift. 3^a^ biefelben an äußerem Um= Tang unb innerem @el^alt untereinanber red)t unc^Ieic^ finb^ tann bei ^*r ocrfc^iebenen Silbung, «Honfeffion unb i'ebenofteUuncj ber 3?er= wficr nicftt rounber nehmen. (rinem Jw^iläunt eigener Mrt finb junäd^ft ^loei Schriften mit 'fltt ^leic^Iautenöeu üteln con 30. Stömer"'*) unb (>5. ü^ängin'"') fliiToiömet. 2lm 5. 2)ejember 18^54 waren eo nämlic^ 400 'i,'Ci\)x^, JflB i'apft 3nnocenf^ VIII burc^ feine 'öuUe „summis dosidcrantos aff(rtibus" ben öcjenpro.^eft als fold^en firc^Iid) fanttionierte unb fo ben ^nftoB 5U jenen fd)rec!Iic^en l^rfolgungen unglücklicher Cpfer ber Drtf)0: ^crie unb beö Slberglaubenö gab^ n>eld)e ial)r()unbertelang aud) in öt'ut)4cn ianben roütcten. ^xcs, ,^ufammenl)ang mit bei genannten Sullc crfd^ien bann 1489 ber fogenannte .V)e)reni)ammer oöer malliMis malotiraruin. Das berüchtigte 5)iad)n)erf jioeier Mölner ,/l?rofe)forcn" '",1 t'üiL S^itfdjrift für bie gcf. 3trafred)tÄiDifKnidjaft VII riss7> 3. tisi) ••'.I tL^ilb. SiÖmcr, Sic .vorcnbuUc ncbft 'iUiAsürto» mi'^ K*m „.ocrcn- famm^r". Sluö bcm üiatcinifcftcn in* J^outfcöc übcrjct^t un^ mit orIiiutornl»cn inmcrfuiiflen ucrfehen. ,*^um 40<)iühriiU*n i^ubilaum tcv „'öoronlmmmcry 'I iufl. isK>); 1. :Kuff. Scftaffbaufon l^M». 3cUmuorIaji. ■"i-J >^. '•'' .vcrciun-o^of;. ;',iir 'i'Jiirt'umni^ ^0'? ■it'i'ialirijjen ,"\ubiläum* Kr .'öojrcnbuUc imb bov .v>oroiihainmcrv foiuic Dcv ffifuefttii fatholifcbcn C^cfd)id)tefc^reibunct auf bicicm (')cbu'tc. vciiiüi^, Ctto Ä'i^anö ls^i^<. XVllI u. :isr> 3. 3eiiförift f. b. flcf. Sttafred^t«». lo 178 fiittcwtwrbcric^t. unb Si^qutfitotcn, ^cinrid^ 3»ifti^o^ ^^"^ ^atob Sprenger^ baÄ fortan bei bicfen ^^rojcflcn unter UmgeF)ung ber milberen SJefttm» mungcn ber Garolina alö gefe^H^e .^anb^abe biente. !Cic f leine ©rofc^üre oon 3lömer, roeld^e in bein 3?oriDort jur 1. unb 2. Stuflage ^cruor^ebt, ba^ fic „^auptfäc^H^ für baö grofte ^^ublifum bered)net" fei unb „jeits unb faclgemä^c Solfeauffldrunii in religiöfen 2)ingen" anftrebe, teilt bereits auf bem Titelblatt felbft i^ren roefentlirfien S^J)^^* "^it. Sie giebt nämlid^ in f^noptifc^er ©arfteUung ben lateinifc^en lejt unb bie beutfd^e Überfeftung Der §e|en bulle (bnlla apostolica adversus haeresin maleficam) (S. 3 — 0)^ fobann 2. 10 — 23 STuöjüge auö ben intereffanteften Steffen beö tt>e?enf)ammerö unb fügt enblic^ bem Sanken einige erläutembe 3(n= merfungen ^inju (©. 24—32). (Sine geioiffe tonfeffioneUe 2enbeni|i beo Sd^riftc^enö läfet fid^ nicbt oerfennen; ja, ber 'Berfaffer ftcHt im ^oriDort |\ur 2. 3tuftage unter anberem fogar bie Öcljauptung auf, baft bie änfid^ten ber römijc^en Äirc^e noc^ biefelben feien roic cor 400 S^f)'^^'^/ ""^ ^öfe fi<^/ luenn i^r bie §ilfe beö weltlid^en 9trmeö wie bamalö 3ur Seite ftänbe, gciüiß auc^ ^cute nod) Sc^eiter!)aufen für bie Äe^er, S^^^erer unb §efen in Sereitfc^aft ^ätte. (25.) 9(uc^ baö weit umfangreichere 'Und) von Sang in lönntc man bem 3^itel na^ (eid^t für eine Schrift tenbenjiöfen ;3n^altö \\i halten geneigt fein, inbem etroa ber Mnteil ber proteftantifd)en Äirc^c an jener traurigen Gpifobe unferer beutfc^en 3lecbtögefd;id)te ouf Äoften ber Äatfjolifen im milberen Sid^te bargefteÜt ioürT)e. 3{ffein ber 'Ber= faffer bemül)t fic^ burc^weg einen möglic^ft unbefangenen, nid^t fpejieU ionfeffionellen Stanbpunft einj^une[)men, um von biefem auo auf ber fieberen Safio objeftiüer biftorifd^er eJ^^rfc^^^Ö ben 3lntcil jebes ber brei treibenben ^aftoren, nämlid) ber roeltlid^en 3}iäd)te, ber fatbo^ lifd^en unb ber proteftantifc^eit Äird)e an ben öejenoerfolgungen tiar ju ftellen. 5hir roenbot ficb aUerbingo ber 35ccfaf)er gegen jene fatf|o-' li)d)cn Sc^riftfteffer,"') meiere neuerbingo forooI;l bie Sebeutung ber .Oejenbulle luie bes .öerenbammero möglic^ft ^erab5ubrücfen Derfuc^t, um auf biefe SBeife bie §auptfd)ulb an ber iWrbreitung ber .^erenprojcfje von fid) abj^umäljen unb teils bem Staatöabfolutiomuö, teila bem 'Vroteftantiomuo, be.^tü. ber lutf)erifd)en ^Reformation, aufjubürben. Il'änginö Sud) bejmedt, „bie 35ejiel)ung ber in 5Jetrad)t fommenben Grfdieinungen mit ber Sieligion, Der fird(jlid^en Überlieferung, ber beiligen Sd)rift unb überhaupt ber religionodjriftlic^en ^been nad);u= meifeu unb auf^ubecfen" (Soriport, S. VI); unb man mirb nac^ be= enliigtcr l'cttüre beofelben bem i^rfaffer i^uftimmen bürfen, baf; er in biefer 'Be3ie()ung „einen nid)t geringfügigen 33eitrag jur ©efd)id)te ber 33ibclauoIeiuing" geliefert Ijat. 5(ber nid)t nur für Ibeologen, auc^ für .oiftoriter unb Mriminaliften mirb ber 3"!)ölt beo Sud)e6, über J'"i 3o bcfon^crö ^Tiofcnbad), ber \>erouiDaf)n r»or u. nac^ ber C^lauben*- fpaltunji in I'cunrfilanb. i'iam.^, .Hirchhcim. isso. "ilc^l. üöninc^ in bief« ,*ieitfcf)r. VII. 2. «)M>. :}(nm. o-S. 0(cf«j^ic^tc r>ci @trafrc(!^ld unb t)cd Strafproseffed. 179 bcücn ?Rci(6f|aIt^fcit eine fel)r auöfü^rlid^c Überfielet (S. VII— XVIII) Suftfunft c;icbt, ein feffeinbcr fein. Xer erftc bcr »ier Stbfc^nitte beö SBerfeö be^anbelt ben „^eycn* cilaubcn nac^ ber öerenbuUe unb bem $ejrenf)ammer". ,öier |c^ilt)crt UM eine Ginicitung (S. 1—18) j^unäc^ft bic einfül^rung ber 3»- quifmon in Seutfc^lanb^ bie I^ätigfeit bes Äe^crmeifterö MonraD uon üJiarbur^ unb bic 2Bunber ber ^eiligen ßlifabetl), roeitcr ben Grlafe unt) ben Sn^alt ber ipejcnbullc foioic bie Crnt|tel)ungö= acfdiid^tc unb ben attgemcinen ß^arofter beö .öercnftammerö. 3luf 3. 14— 05 roirb genauer auf bie ©erfe ber .öeren (nac^ l)cm oorenbammer) eingegangen. Sßir feben, wie ber alte ^eib= niid^c i>unDer= unb ^^uberglaube aUmiU)lid^ in ber Äirdje Gingang tiubct, roie bie I)eibnifc^cn 3'^"6erfprüc^e im cbriftlic^en Sinne um- flcarbcitct werben, wie auc^ ber ®laubc an öcren tro^ beö ver^ einleiten Mberfprud^^ pon feiten berühmter Äirrf)enle^rer (ßrj^bifc^of ^üaobarö oon Sijon, gcftorben 840 [nic^t: älbogarb, roie auf 'S. VII unD'24 bei Säug in]) fic^ mer)r unb me^r Derbreitet unb eublic^ feine fo(ölid)L' Sanftion burc^ ^nnocen^ VIII. erl)ält. „^lad) bem .§e?en= kammiT ift ber (55(aubc an §eren ein Seftanbteil bco fat^olifd^en 6lQu6eno, unb alle jene fmb oon i^m abgefallen, roelcbe bie Söerfe öcr Jöcren für 5Öa^ galten." (S. 20). 3i5elc^e rounbertl)ätige "üDlac^t ^:r Aberglaube bcs SJolfeö aber fc^on bamalö ben öeren sufc^rieb, Wrübcr geben 3. 27 ff. unfereo 33uc^eo genauere 'iluotunft. Später roar ca oor.^ugöroeife bie S3ul)lfc^aft mit bem Teufel, roelc^e man ben §ercn aU 'iH'rbrec^en oorroarf. Über biefeö fonberbare Tclitt unb icinen Urfprung in ber 5JorftclIung bes ^oltc^ unb ber .Hircbe l)anbeln 2. 4öff. ^er SarfteHung ; 3. .)1 — G.') roeröen fd)liejilid) bie Strafe bcftimmungen über ^^^berci unb 'äJJagie im 3lltertum foroie über i^ercrd im bcutfdjen ^littelalter .^ufammengeftellt, roobei auc^ beö ^rou'BPerfal^renö, insbefonbere beö furdf)tbaren '3)li6braud)e ber l^ortur, i^cbac^t wirb. 3»" üiweiten 2lbfc^nitt (S. 00—104) werben bie alU Snncincn Urfac^en ber Verbreitung ber A^crenprogeffe befprocben. '^n^ icm bierbei tjorroiegenb töcrenüerfolgungen in tütl)olifcben P)egenben ^u Öruiibe gelegt fmb, ^at ber SJerfaffer mebrf ad) (^k*legenl)eit, iJen '^nfit^ten Siefenbac^s entgegenzutreten. "iWit vollem JUed)t wirb -V S. bcö le^teren Öefjauptung wiberlcgt, bie 33eftimnuingen beö Öercn^ammcrö feien milber alö biejenigen ber Carolina gewefen/'*') roo^renb boc^ biefe be^ Serbrccbens ber A^efeerei übcrbaupt nid)t, ber Ocrcrci roenigftens nic^t fpejicll gebentt, uielmebr in 'ilrtifcl 10!> (= Öambergenfio, Strt. 131) nur bie fdjäblic^e ^^"berei mit ft'^^fjlic^ bestimmter Strafe (^cuertob) bebrol)t."'') Xa'^^n fommcn bie "^ ^icfenbacft (.'peremDahn 3. 17s ff.) luiii überhaupt ber CSaroIiim in *^'\^ix X'lnie bic ^crantroortung für bic \>crcnprc3effe in rcutfdilanb aufbürben. ^9ti:än(;in, 2. 84. "'i 5SgI. oben S. 177. Über bie Aortlafnmn be« uon bem TcülU ber ^^tferci hanbeinbcn 2(rtifels l.'.iO ber i^mnberiU'nfi'J 511 vn}l.: <^üterbotf, ^K Gntftd)ung«^flef(ib^te ber CSaröIina, ^hJürsb. 1870 3. '2(H) ff.; u. iöar, .'panb« N be« beutft^cn Strofredjt« I, S. 1*27. 180 Sittcraturtcric^t. im gan5en burc^auö ma^noEen Scfttmmunqcu ü6cr bic ädiwcnbunc^ bcr Aoltcr. 2Bic frcilidj bicfc 3lnorbnun(](cn bcr -IJ.GJ.C. in t>cr ^Uarie aupcr ac^t (^clajfen unb umciangcn rourben^ unb tote rücffid^tO' loQ man namcnt(id) im letzten Viertel bcö 16. 3aE)r()unbcrtö in Sicutfc^Ianb (^coicn bic .öc^cu vorging, jcigt unö bic weitere Tar= ftcUung. SefonlDerd n^irb a\x6) [jingemicfcn auf bcn 3ufammeni)aug bcö Unific^grcifcno bcr .f^cfcnprojcffe mit ber firc^lic^cn ^Hcaftion gci^en bcn ^roteftantismuö unb bcn i^crfudjcn bcr 3(uörottung beöfclben (3. 1*26—127). Xen „littcrarifdjcn Äampf unb feinen ©inffufj auf bic ^erenprojeffc" (S. X) frf)ilbcrn unö ©. 128 — 164. ©cgcnUbcr bcn in unI)cilDoUem 3(bcrglauben befangenen 9(nftd)tcn eined Sins^ fclb, )Remigiu6, ^clrio bilbcn bic Schriften oon aufgeflärten unö freifinnigen SÖlännern, roie ^o\). 2öct)cr, ©obelmann, Stgrippa von 5ietteSl)eim u. a. m., eine erfreuliche ßrfc^einung, wenngleich junä^ft xljxe Stimmen noc^ im 6()or bcr (Segner ocrF)aÜen. 5Jon grofjem 3nlercffc ift bcr britte Stbf^nitt bcö ^öuc^eö/ übers fd)ricben: „^ie ^cjenproscffc unb bcr 'iJJroteftantiömuö" (S. 165 — -272). 5{ac^bcm l)ier erörtert, warum bic griec^ifc^e Äirc^c fic^ von bcn .v^erens Verfolgungen frei ^ielt, unb wie fic^ Sut^cr ?;u bemSauber^ unb öercus glauben feiner 3^*^^ ftettte, werben bic frü^eften proteftantifc^cn «v^erens pro,Kf[e in SJranbcnburg, SÖürttcmberg unb 53aben befproc^en. 9Ser()äng= niöooll würbe für bic proteftantifc^cn ®e6ictc namentlid^ bic ©efefcgebung beä in religiöfen SJingen fcljr ort^obojen unb abcrgläubifd^en ilurfürften Sluguft oon Sac^fen fowic bic 3(ufric^tung ber Äonforöien« formel, burc^ wcld^e auc^ bei bcn "ißroteftanten ein frcicrcß wiffcnfcl)afti Iicl)eö Xenfen oerf)inbert würbe. 3llö ein ^auptoertreter ber bicrburc^ 3um Siege gelangten protcftantifd)en Crt^obofie erfcbeint ber fäcbfifcfte Mriminalift (Sarp.^oo. Seine einflufercici)e Xljätigfeit am i'eip^igcr Sd;öffenftul)I unb fein fraffer 3lbcrglaubc (i'ängin, S. 202— -217, 3. 231 ff) finb bem ^"nftfn bereits betanntc S^inge. bliebt gan^; mit Unrecl)t, aber bocf) rcicijlicf) fdjroff be^eic^net Sängin (S. 202) baö .C'^auptwerl Garp^ooo bie „Practica nova rcrum criniinalium" alö „protcftantifcben tSocrcn^ammer". 5Hu(;angöwcifc werben in biefein Slbfc^nitt noc^ bic Wrunbfäfec über bic öerenocrfolgungcn in t»cr Sd)wci.^, befonbero bei Galoin unb feinen 3Inl)ängcrn mitgeteilt, fowie bic Iitterarifd)e 3^I)ätigfeit oon '^o\). Äcppler unb Slugufiin Scrcf)l)eimer = SÖitefinö *-*') alö 33etämpfer bcö .t^erenglaubeno ge= würbigt. — Xer vierte 3l6fd)nitt (3. 273—348) l^at 'sum 05eacn= ftanbc ben ,,.^aupt{ampf gegen bie .'oercnpro^effe unb gegen feine pl)ilofopl)ifd)en unD religiöfen i>orauöfe^ungen". Öefonberö heroor= geboben wirb baö :lluftreten beö !;">efniten ^friebricf) o. Spee, l>eö reformierten 'JireDigero ^öaltbafar 'Keffer in xHmfterbam, eines CS Ijrifti au 2^l)omafiuö unb Spinoza, ber 3d)riftfteUer ber XHuf- flärungoperiobe: 'JDionteöquicu, isoltaire, "Öeccaria u. a., fowie öie ^Hücfwirtung il)rcv Sd)riften auf bie Giefe^gebung einrennen: '-" iigl. unten ^Jir. 26. ®cfc^i4t« ^^ Strafrec^tö unb bed Straf pro^cffcd. lg] Smcbrit!^ bcr (Sroge; öftcrrcic^: S^f^p^ II.). !3n einem fünfton 916= idmitte foQtc anfängltd^ eine etnge^enbe Sarftellung bed 3Bunberv lömoncns unb ^crenglaubenö ber ßegenroart gegeben loerben. Jcr 'Bcrfaffer jog eö aber cor, feine 3(usfü^rungen hierüber in einer bffonbcren Schrift i^u publizieren/'^') roeld^e ben legten Slbfc^nilt bcö rcrlie^cnben 9ud^e6 ergänzt. £aofe(be befc^ränft ftc^ ba^er barauf^ in riner „Sc^IuBbetrac^tung" (3. 349 — 385) einen „Slicf in bic fat^olifcfte öerenlittcratur ber ©egenroart" ju lüerfen. ®er SSerfaffer fdilicBt unter Se5ugna^mc auf bie für,^Iic^ mcl befproc^enen Xi)\xmmcl = ÜroHlle'2-) mit bem ^inroeiö barauf, ba^ fid^ in ber 5icu,zeit burc^ 3(t)drfung ber fonfeffionetten (Segenfä^e nic^t unbebenllid^c ^Hürffc^ritte in bcr 3fuffaffung unb Se^anblung ber Steligionöbelifte bemerfbar ge- macbt Ratten. 26* 3luö ben erften 3^it<^ ^^^ Sefämpfung beö .^erenglaubenö Äamm: eine in mel^rfac^er §infic^t äuperft intereffante Schrift, über Mcn i^erfaffer man jeboc^ bi«i cor furjem noc^ jiemlic^ im unflaren irar. 6q ift baö „G^riftlic^ bebencfen unb crinnerung üon 3öubere9" Don Jluguftin Ser^beimer auö Steinfeiben ober rielme^r beo llmcijors ^. 2ßitefinb in §eibelberg, ber fic^ beö erftcren Slamene ölsi^icubon^m bebicnte. (JJgl. oben S. 180). 3^a bas Suc^ nicftt nur für bic :>lc(^t95 unb Äulturgefcf)ici(|te, fonbern mögen feiner 8c?iiel)ungen sur Äauftfagc auc^ für bic beutfc^e Sitteraturgefd^ic^te uon Scbeutung itt/"'^ g(eid)Aeitig aber auf ben 33ibliot()efcn fomic aucö bei Slntiquaren jcltm (^eroorben mar, fo ift eö fic^er ein banfcnorocrtoö Unternehmen ?u nennen, ba^ unlängft eine neue Sluegabe beöfelben Dcranftaltet rooröcn. tiefer Üfufgabe ^at fid^ Atari 33 in,^, '^irofeffor ber "BJebijin in Sonn unterj^ogen/-*) meieret erft fürj^lic^ (l«.s;)) axiö) eine 3lbl)anblung üboT ben 3)ü!tor 3o^. ffleper, ben erften 58efämpfer bes A^^reus njQfe t)erbffentlid)te, auf meieren er bei Stubien über bie ®ofd)id)te ^vT Jocilfunbe aufmerffam geroorben roarJ'^'*) äuf^er einem genauen äbDrucf boo lertoö ber leiten (britten) ijon £eril)eimer fclbft be- l'orjitcn Ausgabe feineö SBerfe« (151»7) (3. 1 - 164) gicbt ber .öerauä^ ^-'i (^. Sänqin, Ter Söunber; unb iTämoncnglaubc ber Wcgenroart im ,^;iiümmenhang mit Jteligion unb (Sfjriftentum. ifeip.^ig. Ctto "ilUivuH) ls87. *-"•; $c;l.: i>ro;cft i{)ümmcrs'iLUcmann betr. bic :örofcf)ürc ^rXlieinifc^c 3ii*ter unö römifcbe ^l^rieftcr" cor ber 3traffammcr ju iSJberfelb, bem rHeicöös fliiiAtc unb bcr 3traffammcr gu ÄaffeJ im ^>l)re 1SS7 u. iJ^Ss. (^ienaue nenpgrapbifcöe 3lufnaf)mc ber „2ßeftbeutf(f)en Leitung", ^öarmen, iiUemann. 'M 5JgI. hierüber u. a.: Äuno Jif^c'^^ über (>5oetf)ed Sauft. 2. ,Hufl. '"I ;Hu(\uftin ü ererbe im er rVrof. .{»7. Spracblid) bearbeitet burdi :?lnton ^irlin^er, hcrauöflegeben uon lSar( ^in^. 3trapurg, 3. .vv. lib. .v>ei^j. l^-^S XXXII u. 1«S 2 '-■) 5tgl. öicrübcr auc^ Z VII <)S9, »nm. :JS, nm (rnbc. 182 Sittcraturbcric^t. flcBcr ah ßinlcitung (S. I— XXXII) auc^ ^^^Dlitteilungen über Wc $erfon unb t)ic Schriften bcö 'iprofcfforö ^ermann SSäitcfinb", '-*') iDcId^c größtenteils bidfier ncd) unbcfannt geblieben luaren unb ba^cr Suriften, wie Äultur= unb £itterarl)iftorifem in gleicher ^'eife wiHs fommcn fein bürften.'*^*) Sejüglic^ beö rein fprac^Iidjcn Icilä ber 3:cEtQU0gabc fanb ber ^erauogeber Unterftü^ung bur^ 21. Sirlinger, welcher and) 5um Sd^Iu^ einige pl}iIo(ogifd;e Semertungen über 2öitcfinbö Sprache, einen „SBort^ unb Sac^bcftanb'% ßrläutcrungen ber 3^ejtunterfd)icbe ber brei ausgaben beö Suc^eö foroie eine 3)tit= teilung 31. ©. 6. Silmar's über Serc^f^eimer ()inäugefügt ^at (S. 165—188). 3luö ber t)on Sinj (3. VI ff.) auöfüf^rlid^ mitgeteilten Siogra^ pF)ie 2ercl^I)eimer=3Kitefinbö fei t)ier nur baoSBefentlic^fte roieber^olt. Sein roirflic^er Diame roar urfprünglic^ .^ermann äi^ilcfcn, aus beffen ^ugenbjeit nic^t oiel mcijx überliefert ift als bie !?aten feiner ©eburt (1522, 5U 5kuenrabc in ber ©raffd^aft 9)iarf in SSeflfalen) unb feiner Stubienjeit in §ranffurt a. b. CDcr (1547), nac^bem er vorder bie Uniüeifität SlUttenberg bcfuc^t datte. SiUcl^tig luurbc für i(;n bie Srcunbfdjaft mit SÖJelan^t^on, burd^ beffen ßmpfel)lung er juerft alö Üteftor ber lateinifd^en S^ulc in SKiga un^ fpäter (1561 ff.) alö 'l^rofeffor ber griec^ifc^en Sprache in ipeibelberg angeftetit rourbe. !3n bie eifte ^eit feines ,s>eibelberger 9lufentl)Qlts fällt ber SlamenO' mec^fel pon 3Öilcfen in SBitefinb, wofür als ©runb ma^rfdjeinlicjf büs l)äufige äJorfümmen bes erfteren 9laniens in ber ^lifalj an^ufel^cu ift (S. Vill). 3m Sa^re 1561» befleiDete er bas flcttorat ber Uni^ ijerfität .^cibelberg. Seiner Monfcffion ^\ad) mar SSitefinb 9)ielancl)* tl)onianer (,/t?dilippift") unb bad)te ba^er im allgemeinen ^fel)r gc= mäfeigt über bie llnterfd}iebe jmifc^en ben Schattierungen bes ^xo- teftantismus" (S. Vlll). 2lls jeboc^ 1579 ber feit brei ^al)xcn regierenbe, ftreng lutlierifd^e Äurfürft Subroig VI. ben reformierten 5toj\enten ber Unirerfität bie Unterfc^reibuug ber lut^erifcfteu Mon« forbienformel befal}!, weigerte fic^ auc^ ShJitefinb gleich ben anberen, was feine (Sntlaffung aus bem 3lmte jur §oIge Ijatte. ijn 'JJeu-- ftttbt a. b. Ajarbt fanb er mit mel)reren feiner >ioltegen einen neuen SLMrfungsfreis, feljrte bann aber nad) bem Üobe i'uDwigs VI. (ir),'^^) nadj .v>ibelbe:g jurüd, wo er feit 15>>4 wieber angeftellt würbe unb als '|?rofeffor ber 9)?atl)ematif bis fur^ uor feinem Jobe im 3a(;re 1603 tljätig gewefen ift. S. XV ff . jäl)lt uns 5öinj in ad^t '-") xHlG vauptqucUeu rourben babci ^fbraudit „baö ii'orf cinc^ ^citiioncffen ävfitcfinb'j: IKcIcfttor 'Jlbam, vitae Knulitonim etc., o. 3luf(. ^ranffurt 17ü5 (iU)ilo]opt)en 3. 'JlO), bor ba^ «Prdgn'amma t'imebre** ber Uniucrfität bcnu^tc, uuD bay jiücibänbii^o Urfunbcnbucb ber UntuiTfilät .v»cibclberii, bcrauögci^ ;ur .'•(iniahriiUMi 3iifnni(i'jfcicr von (r. äi>in feimann. ish{45. ^-■) I'ic ;^^bo^bität uon ircrd)(icimer u. 'liUtcfiitb, ipcld^c'^ins ccibent nad): luoift, \mv bi'Micr iiod) fcineöipe»iö aUt^cmciii bcfannt. 3^ öcrgl. j. iB. .'ooppcs »Sülban, (^ofd;id)tc b. ."ocEcnproseffc, 1H^>, II, 3. 'JO. ®ef(!gi(^tc b(d Strafrecldtö unb be^ 3trafrro*icffed. 183 stummem bic fitntcrlaffcnen Schriften 38ttefiubö anu t)on bcncn ouB« bcm „S^riftlic^ Bebenden" eine für bcn JRat feiner SJaterftQbt (Äcuenrabe) verfaßte Äirc^enorbnun^ oom i^af)xc 1564 foroic eine Öcncalogie ber Äurfürften unb ^^Sfalj^grafen bei 3ll}ein (oon Otto pon Eittclabac^ bia griebric^ IV.) aus bcm yS(^i)xc Ibüb unfcre bc- ionbcrc Seac^tung verbienen. XaB aud^ bor Serfaffer beö „6f;riftlicl^ Sebcncfen" mit SBitc- linb ibentifc^ ift, bafür liefert um Sinj 'S. XXIV ff. mel)rere 3trs Qumcnte^ meldte in if)rer @efam^eit einen DöUig c^enügcnben 33en7eifi rar Die JHiciticifeit ber Üinfic^t liefern. So eri\äf)It v ®- Äcrc^I)cimcr iilbft i6l)riftlid^ Sebencfen, 5. 57 3<^i^c 0 unfcrer 3luö(^abe), er ^abc l'»47 in >5vünffurt a. D. ftubiert. 2)ie 3)latrifel bcr Unioerfität fennt nun liicfcn 'Jiamcn nic^t, iüof|I aber einen ^ermann 2öilcfen ber ;u änfanc^ beo SlMnterfemcfterä 1546/47 bort immatrifuliert mar. 3lud) rielc onbere Stellen unferer Schrift ftimmen c^enau mit bem ^cfacnö^ant^e 3i>itefinbä überein. 2tuo meieren Wrünben fic^ ber Sutrr cntfc^Iofe, vfcubon^m ju fd^reiben, lü^t fid) nur mutmafjen \c. XXVI). 2)a6 ÜÖerf erlebte nac^ feinem erften Grfc^einen im oabrc 15^.') ((^ebrurft in i^eibelbert^, Cuart, 11 iS S.) .i^u ^'eb^eiten öl* ilutorö uo(j^ j^roei Stuflaqen in ben ^ß^^^^^n 1586 (c^ebrucft i^u Straps burq, 26.S S., Hein Cftat)) unb 1597 ((^ebrucft ^u Speier bei 33ern= 4arD illbin^ Hein Cftat), 311 S.). Gin genauer älbbruct ber legten Ausgabe erfd^ien 1627 ju g'^anffurt. tic äußere SJeranlajfunct j^ur §erauö(^abe ber Schrift für 3BJite = |inb roar, bafe in feiner *Jiäl)e fünf arme S^eiber auf bie gerings tüaii(iftcn Serbac^tägrünbe F)in alö Seren cerbrannt morbeu maren. ^er x^n^ült beö Sucres ergiebt fid) auo ben Überfc^riften ber ^loanj^ig ßapitel, in n)i'ld)e eo gerfäüt. '-") 4&r nun etma in bemfelben einen DöUigen 2?ru(fa mit bem Jeufel^ 3auber= unb äöunöerglauben ber bamaligen ocit ^u finDen glaubt, mirb junäc^ft arg enttäufdjt fein, loenn faft in Jni üian^en erften neun Äapiteln allen Grnftco oon bem bämonijc^en Iinben böfer unfic^tbarer Weifter bie Stebe ift, melAe bao „menfc^lid)e ('Aid)lccf)t beneiben, il)m ge^a^ unb feinb finb", n)eld)e um uns lArocbcn „lag unb 9lad^t, loo mir get)en unb ftef)en, bal}cim unb örüuBcn, mir fc^lafen ober machen", unb mcldje ;,bid)ten unb traditen o^n Unterlüjj . . ., mie fie uno an §ab' unb Wut, an Vcib unb Scel Wiäöigen . . ., üon (Sott obroenben, mit fid; enblid) in emige 'i^T= Ntbnis .^iel)en unb ftürjen mögen" (Äapitel I, S. 5). ^Ii?ir erfal)reu ^ann rociter, roao 3^"'^'^^<^i f^i/ ^^^ ^«6 ^^'^^ leufcl nid)t umiouft ba^u l>ii'nc (Mapitel II), meiere ieute fid) namentlid) auf .Zauberei legen unD au9 meieren Urfad)en (ftapitel 111). Äapitol IV ftanbelt oou bcr ßöuberei ber ai5aF)rfager, Äapitel V „oon benen, bie bcn tcufcl in itcn bcruffö gef(!^eften unb fonften .^ul)ülff ncmmcn". 'Jtad^bcm nod) •-•i 5>g(. ftierju aud) fidugin, :HcIigion unb .veriMuuo;cn 3. *J4J» ff. u. ier^elbe in Den ,.proteftantifc^en ^Jfouttttt'Jbliittcni". .\>oiDclborii, IKoliv lN»i». Ar. s u. 10. 184 Sittcratur6en(j^t. in Äapitcl VL — VIII Don „gaudfcUjaubcrcp", „gemeinen gaudFcI bubcn'-**) unb ,,flropcn l)errltd)en jaubcrcm unb (^autflcrn" bic Siebe gerocfcn, roenbct fic^ bic Sd^rift fpcjictt ju ben ^öubcrcrn tuet 6 liefen @cfd)Icc^t9, bcn .^»crcn, bcrcn SBcrfe, loic bcr JJoIföabcrglaubc fte t[)ncn banmlö Qnbid)tctc (Söcttermac^cn, Scjaubcrung von 'l^ic^ unb SKcnfd^en, 2cufclöbu[)lfci^aft ufro.)/ in Äapitcl IX — XV auofüljrlic^ untcrfuc^t roeröcn. — angenehmer muten uns bic legten Äapitel ber Sd^rift an, non benen bcfonbero bao XVII., roeld^es t)on ber Strafe bcr Jperen unb Unf^olbcn ^anbelt, in 95etrac^t fommt. fjanbcn mir in bcr erftcn K>(xlitc beö Sucres bcn i^crfaffcr nod^ in bcm Slberglauben feiner ^S^nt befangen, fo erfd^eint er ^ier, wie 33 in,^ (3. XXIX) be^ merft, ^,ber gropen 'JJJ äffe feiner 3citgenoffen um minbefteno 100 ^al)xc »orauö". 'üOiit großem 2d^arffinn unb Gifer erörtert er bie Jrage nac^ bcn -Diitteln i^ur 95cfämpfung bcö ^^uberer^ unb öerenroefene. 6r pläbiert jroar nic^t für abfolute Straflofigfeit aller Delinquenten; rt)of)l aber gehöre bic große Waffe ber roegen öeyerei angcflagtcn armen SBeiber 3unäd)ft vox ben ^JJfarrer ober 3trjt unb crft in lefeter Sinie tjor ben 3lid)ter. Scfonberö energifc^ roenbct er fid) gegen bie ©raus famteiten beö befte^cnt)en ^$roj^c^perfaF)rcnö. — SBitcfinbo iTar-- ftcKungerocife ift burc^roeg f(ar unb gefällig, roenn auc^ biöroeilen etroaö breit; aber er fd^rieb auc^ nic^t (roie änbere, v ®- 2Öet)er unb Spce) in erfter fiinic für Ö3ele^rtc unb in bcrcn Sprache, fonbern im beutfcben St)iom („tIaffifd)co .H>oc^bcutfc^ jener 3^'^* "lit fränfifc^spfä^ift^en Sautfdjatticrungcn", 'Birlingcr S. 168) für bao beutfc^e i?olif. SluA biefer llmftanb ift in Slnbctrndbt bcr bamaligen 3<'*ito<^f|ältniffe bod^ an^ufcblagen. Man l)at alfo me()r alö einen ®runb ben §erauögebcru bcr neuen ^(uflage beo $)üd^Ieinö erfenntlic^ ju fein, baß fte l^aöfclbe ber 9?crgeffen()eit entriffen f)aben. 587* ÜSenigcr attgemeincö ^ntcreffe alö bie julcft genannten SfeJcrfc föunen bie DarfteUungen einzelner §ercnpro3cffe beanfprucbcn, ba biefelbcn Durchweg in allen Okgenben Deutfc^lanbö baöfelbe tqpifcbe Oiepragc tragen. Dicö gilt auc^ üon „einem ^ISro^eß, rocld^er im o^brc 157 '2 in bcn Oiemeinben ftcnu unb Jf^'^^ "" cf^cmaligcn Äurfürftcn= tum Jrier fpiclte unX> roeld)cn uno i)r. .Rennen unter 'Senu^jung eincö ber frül}cren 9lbtci 3t, fliarimin gcljörigcn gcfd^riebcncn Jvolian= tcu fd)ilbcrt, bcr außer mcl)reren äöeiotümcrn tricr'fc^cr Crtfdjaften auc^ bic nac^ bcn 3Utcn l)ürgcftcüten gerichtlichen 4>crl)anMungen jenee 'i^ro^cffcö cntl)ält.''"0 ^^^ Gin^clljeitcn bco Scrfa^rcnö, roelc^co »on *-■') 0" tiefem üapitel (VII, 3. '2fl, :J<) unfcrer 3lu*(\abc) finDct ficft bic Cfr^äblunn ber ,,voffc, bon ,\ül). 5""^^ ^^^ Mnütlingcu machte ju 9}i. im ioirth'M)aun". *4^U aucli ilanc^iu, a. a. a. C. 3. 2Ö1. J'ic übrigen fi* auf t>w ^aimfiuio bc^ielicnbcn 3tcUcn beö i^iirfjoö finb bei 'öinj, 3. V 3lnm. 1 jufammcnttofteUt. *** I ih". .\>onnen, Irin .'oorcnpro^en am ber Umaegenb von ^ricr auö bem ."salire 1Ö7-J. Criti 'i^eitraa jur .Hulturgefchicljtc bee a)JofeUanbce. issT. ^\m 3elbftucrlage beö ^inTfafferö. 2-1 3. Geftgic&te bed @trafre(!^t$ unb be9 Strafprojeffcd. 185 b«m ähntmann brä rcid^äunniittelbarcn ^lo[tcrd St. SRarimin q^c: leitet mürbe, jctf^en und beutlic^ bcn abc^efc^madten 3(ber9[aubcn, ixe Snitolität unb bic Sarbarei beä bamaligcn Stid^tcrftanbcd. Üllamcntlid^ vir^ aud^ burc^ bicfcn %aÜ bic 3(nftc^t beftäti^t, ba^ bad furd^tbarc Umftd^grctfcn ber ^circnoerfolgungcn ^auptfäc^lic^ auf bie burc^ bic icttur erprcBten iTenunsiationen unfd^ulbigcr ^ijicrfonen als ®cF)iIfcn bcr JiQt u. f. ro. jurüdjufüljrcn ift (cgi. S. 1 2 ff. ber ©c^rift). :^m übric^cn enthält ber mitgeteilte ^rojcjj, welcher fd^Iie^Kc^ mit bein Jobeourtcile icr brei Jpauptfc^ufbigcn enbigte, wie bcmerft, wenig oon fonftigen bcitö befannten ^^Ällen Slbroeic^enbeö. SS8* Sine ganjc Steige t)on Stbfjanblungen auS ben legten ^o^rcn ^aben fic^ bae ?5cf)berec^t beö beutfc^en Mittelalters unb bie bamit eng jufammenfiängenbe Sanbfriebenogcfe^gebung .;um ©egenftanbe geroä^It.'**') 3)ie iJerfaffer biefer arbeiten finb meift junge öiftorifer, xodd^c baä (öfter jur p^ilofop^ifc^en S)oftorbiffertation (icivä^Ite) 2:f|ema burc^ einzelne, .^ettlic^ oerfc^iebene Qpoc^en unferer Pütcrlänbifc^en ©cfcfaic^te »erfolgen unb |o fic^ gegenfcitig untereinanber «9än;;cn. 9(uc^ ber 9le(^t6()iftorifer unb Äriminalift barf folc^e 3po5iiQlforfd|ung auf biefem (Scbiete mit 'greuben begrüfjcn unb roirb iirc Grgebniffe, foroeit fie auf fi(!^eren ^iftorifd}en ©runblagcn ru^en, fi(t anzueignen trad^ten. ''*-) ^m großen ®an,^en wirb auc^ burd) biefe OSonogrop^iecn bie I)errfc^enbe Stnfid)t geftärft, bap „bie Sefämpf ung bes Äc^beroefenö . . . eine Hauptaufgabe ber iianbfriebenQ = SofeBucbung" geroefen. '^^) 3>öllig anbercr ÜKeinung ift nun freilid^ Srorf in einer St^irift über bie Gntftc^ung beä /Jt^öberoefenö '^*) 3eine ron £d)röbcr mofjl nic^t mit Unrecht ah „tounberlid)" be.^eidjnete 'ilnfic^t '-*'•) gef^t nämlic^ baf}in, bap bem beutfc^en ::Wec^tc bio anö "') 3^ie neuere Sitteratur über bic Öefcfticfttc ber üanbfricben bid jum Jofite l.'-sö ift angcjcigt in biefcr 3eitf(örift V, S. -J-Jß 3lnm. 42. ^^) Öans befonber* eingcf)enb fmb biefe ncucftcu WonotjrapMeen ueriücrtet in ber XarftcUung bei 3t. ScfirÖbcr, iJchrb. ber bcutfc^en 9(ecI)t^iU'fcl)icf)te, |5 .y, 3. 614 (]is. ^^\) 3o: 3cbrÖber, Scürb. b. bcutfd)en JHec6töj;cfcI). S. Ol;"), ^u uc^I. flüScrtem bei'.: o. 9i* achter, Beiträge jur beut[d)en (^iefd}i(^tc ufiu., Xüb. ls4ö, 3. 41 ff.; Tcrfelbc, 5Jei(a(;en ju 9?orIefunc(cn über bo^ bciitfcl)e 3trafrect)t, i:% 1S81, «eil.2Ci, 3.S9-i()Ö; ü. ecbultc, Vedrb. ber beiitfcften ^{eicl)e= u. Äcj^*i|efdjic6te, r». «ufl. Stuttg. 1S81, § 7:), 3. i>2off.; Jraucnftäbt, '^iuU rcrte u. 2:otfc^|lagfüf}ne im beutfc^. SöütteJalter, ileips. lösi, 3. 'Uff.; Hohler, c(JQfefpeare oor bem ^orum ber .^uri'Sprubonj. iyürjb. InsJ, 3. 101. — V. ;.'ii5t, iiefjrbu* bcö beutfd). StrafrecötJ. .;. ^;!luf(. isss, 3. 41, 42: „...bas Diittelalterlic^c 5^bbcre(6t, njclc^eö . . . erft aÜmä()Udi burd) bic aefct\nd)cn i'anDfriebcn be\ä)xäntt, burcft bie vertraiiiiMnäftinen oorübergchenb aufgehoben unb burcö bie ewigen :^anbfrieben befcttiiU n)urbe. " '■*) 5u^iu* ^rocf, S)ic irntftebung be« ,^'cf)beiüefene im beutfdjeit iKoid)c Ns üiittelalter?. ^Berlin, X Waertner. i>w7. :;ö 3. »^\j 3c^rbbcr, !iie{)rbuc5 b. beutfd). iHflefdj. 3. (»15 *J(um. 3. 180 Sittcratut6cri4t. 6nbc bcö 12. S<^^^^)unbcrtä ein ^c^bcrcd^t vöQig unbefannt gc lücfcn fei unb fid) üiclmc^r gerabe cift auö bcr Sanbfriebenegefc^ c^cbunc^ entroirfelt ^abc (S. 4, 34). SDurc^ bie Sanbfricben fei alfi uic^t ein bcftcf^eubcö ^e^Derec^t befc^röntt^ fonbern baefelbeübcr fjQupt erft eingeräumt roorben; unb ^max fei bieö gefe^lid) ^un erften 3KaIc unter griebric^ Sarbüroffa ßefc^e^en burc^ beffen 9iürn berfler ^ricbebrief am bcm 3a^re 1187 (118G ober 11880.*^'' liefer £anbf rieben foU nad) S3rocf nic^t eine befc^ränfenbe JHef^eluni beö ?vel}ben>efenö be,^n)ecft ^abcn, fonbern es rourbe biet „ben gürften bie fid) längft als ßerren über Ärieg unb ^rieben gefüllt bitten ('.)/ baö 9led)t ber ^ebbe jugeftanben „unter ber Sebingung, X>a\\ Die felbe wenigfteno brei Jage oorber angefügt würbe" (S. 33). 5' fonfequenter ^i^erfec^tung feiner 3bee gelangt ber i^erfaffer baju, allei oon anderen alö „i?anbf rieben" bejeidjneten, auf ben ^hcieben bc Steicbö ober ber 'Territorien gericbteten Seftrebungcn beutfc^er Äaife unb Äönige foroie i^re ba^in j^ielenben 3?creinbarungen mit ben Jürfte; biefen "Flamen abi^ufprec^en. SBo ^ier üon einer öefeftigung bco ^x\c bcnö bie Siebe fei, l)anbele eo fic^ überall nic^t um einen befonberei Sd)u^ g^gcn baö ^*^l)berecl^t, fonbern nur um eine £id)erung be' altgermanifd)en allgemeinen Äönigöfriebenö (t>g{. 3. 6 •Z. 7 3lnm. ^ S.S. 19, 21, 25, 31 üfm.). Selbft bie Grlaf) auö ber üHegierungoseit ^riebrid;ö I. (vor bem -illümberger 3^age) mie 5. 93. ber ronlalifd)e JHeic^ölanbfriebe ron 1158 ('3. 31) unD bc fogenaunte rl)einfränfifd)c üanbfriebc r»on 1170, b^^ben na4 bem iVrf feine anbere SeDeutung gehabt. 2?a in bcm le^teren 65efeöe auf einei alten, üon Äarl bem 65ropen eingeführten 'g'^ieben ©cjug genommci mirb,'^') fo tann baö nacb 93rocf nur ber alte Ülönigof riebe fein, obmo^ berfelbe, roie jugegeben roirb, gar nic^t „»on Äarl bem ©roßen ein geführt", fonbern nur „mit ^wf^Ö»-'" oermelirt unb befeftigt mar' (3. 32 3lnm. **''),— Die in fcd)o 9tbfc^nitte geteilte 3d)rift entbäl im erften berfelbcn ,;unäd)ft einleitenbe Semertungen über ,,Äönigfi friebe unb ianbfricbe" (3. 1—5), roobei unter Berufung auf äl^ilD unb 2öai^ ber 3?erfaffer feine eigentümli djen 9lnftd)ten über bie '3li^t cEiftcniii eineö AcbDerec^to im früheren 9Jiittelalter unb bie fogenannte; !l'anbfiicbcn auöcinanbcrfeftt. '****) I^sm folgenbcn Sapitel merben banr immer unter bcm angcbeuteten ®cfid;töpunft, bcfprod;cn: bie <\ricbenfi bcfticbungcn üom JHcgicrungöantritte Jocinrid;ö IV. biö jum ioDe bc !:*••) über fcae 2'atum bicfer fog. ci.nstitutio contra incendiavios (Porta 2J011ÜIU, Ltt,^ 11 1^'>) ugl. unten e. 18!). ^*") ä^U. 9^äfiorco fcarübcr unten 3. ISS. ^*'') ^er '^erf. liättc aud) nod) .ySälfcfincr für feine 9luffaffung citiere fönnen. luelcfter :OJefch. be* branbenb.^preufi. 3trafrcd)t*, 'i^onn INV) 3. "Jt". ebenfall'j ein luabreo Johbcredjt bec» 5)iitte(altorö iwn; in 3lbrebc fteUtc. rf bicfom :>ioi'uItate ift berfelbe nud) u. 3l>äri)ter, '^cilaiu'n ufw. 3. !M5 9(mn. bevliQlb iu*lanat, weil er nidit iKuau flenii(i .^luifdUMi ben uertroiiömäfjiiUM lUif Seit übneföiloffenen i'anbfrieben «. bem gel etjli dien ober gemeinen iintei fdüeuen. .jju vc\l. nod) u. äLMid)ter, a. a. C. 3. i»Ü 2lnm. 4. ®cf(^i(i^tc bc4 @trafr((^td unb Ded Strafprojeffed. 187 Gfgcnlönigö 5RuboIf (@. 5—8), bic cr[tcn Spuren beö ©otteefricbcnö in Tcutf<^Ianb (3. 9 — 12), bic Äricgö= unb {Jricbcn^c|cfe^c biä jum Äueganoi bcr Stcßicrung bcs fränfif^en Kaufes (lob t^cinric^ö V., 1125), bcr ftaifcr unb bic dürften als Jpütcr bcs g^icbcnö biö ■um Scgicrungöantritt gricbri^ Sarbaroffad (Üot^ar, Äonrab III. S. 21—28]), enblic^ „S"<^^^i^si I. ^olitif unb bic ßinräumung ^ gc^bcroc^tä an bic gürftcn" (3. 28—35). 89* 30^ Snt Ärcifc ber Fjcrrfc^cnbcn ^tnfic^tcn über bic Sc- bcutunj ber Sanbfriebcnögcfc^cicbung (im ©et^cnfüfte j^u Srorf) beroegcn jiA jipci tüd^tigc ^nauguralbiffertationcn t)on ^vriebric^ kvai) unb Eil^clm aSJpnefen, oon bcnen fic^ bic crfterc mit bcn „2anb= friebcnobcftrcbunc^cn Äaifcr ^ricbric^s 1.''/^^) bic le^tere mit bcn „Sanbs friclint in S^cutfilanb oon Stubolf von ^absburg biö .^einric^ VII." bcfd)äftic\t.'**^') Äüc^ fc^irft bem fpcj^ietten Steile feiner Untcrmc^unc^ vxnää^h eine ungemeine Ginleitung (3. 1 — 12) oorauf, in welcher er furj Die Gntfte^ungögefc^ic^te ber Sanbfneben unb ber ©otteöfrieben Mibcrt unb bas SJer^ältniö biefcr bciben eigenartigen Grjd)einungen b« mittelalterlichen Staatslcbcnö 5U einanber d)araftcrificrt. 2)abei rocTbi'n auc^ bic älteren S^Un t)or ^Jriebric^ I. feit bem erften (ober= bcutfc^cn) Sanbf rieben oon 1003 unb bem erften 91 cic^ölanbf rieben Öeinric^s IV. oom '^al)xe 1103, befonberö aber bic auf ben ^rieben bc.^ügli^c gefe^gebcrifc^c I^ätigfcit $einrid)ö V., £otI;arö unb Äon- rabö III., enblid) bie Sianbfriebenöbeftrebungen Ariebrid^ Sarba:: roiiüö auö ber erften S^^^ feiner Slegierung (Ulmer [^ifSroüin^iaUJ Sanbftiebe oon 1152 für Sd^roaben ufm.) ftijsicrt. 3. 12 — lü [)an- bcin fobann oon ber fogenannten Constitutio do pace tenemla et ejus violatoribus (Portz, Mouum. Germ. Lcges II 101). Gs ift bico bcrerftcber brei Jteic^iölanbfricbcn ^^rifbrid^ö L, n)eld)er unö burc^ Aufnahme in bic libri feudorum erljalten ift. Jic Slbfaffungöjeit Milben läBt fic^ jwar nic^t fieser fcftftellen, bod) tritt ber äJer* fflifer ben Slnfic^ten t)on $er^ unb ©iefebred^t, wdd)c il)n in bie 3%c 1156 refp. 1157 oerlegtcn, entgegen unb l)ält co für ma^r^ f(4cinli(^, bafe baß @efc^ balb nad) bem 9. 5)iür.^ 1152, ieben= falls aber oor 1 1 55 erlaffen roorben ift. 9ludj bic 3jleinung, bap bic constitutio fic^ auf ^t^^i^w bcj^ögc (fo: Ü^ai^, iNcrfaffungögcfc^ic^tc VI, 2. 439 anm. 3) ^ält Äüc^ für "irrig. Go roit>crfpre(^c i\)x ber bcr gan^c 3"^^^^ ^^'ö ®cfe$eö, ^rbeffen 6i)aratter burdjauö öurd) bie ^cutfc^cn »erfaffungsgefc^ic^tlic^en 3}erl)ältniffc beftimmt ift unb nur auf fie berechnet fein fann" (3. 16).'*'; ^n bem ©efetje roerben nid)t nur bie einjclnen l)erfömmlid^en ^cliftc unter 3trafc gefteUt, fonbern f5 finden fic^ auc^ Scftimmungcn über £e^nö= unb i>ogtcifadi)en fomic ^''•) 3Karbur(tcr 3nauc^..-:rifFcrtation. 9Jiarburc^ IS-ST. 77 3. ^»•M rsötttnger C^naug.=3!5iffertation. IS.S7. lUaumburii a. 3. li»2 3. "') $gl. auc^ Gic^born, ^'cutfcfic 3taat'j.- u. :){c(l)tvgofcf)iditc S •»■^7; Scbröbcr, Äcf)rbu^, »3. (ilO Slmn. s. 188 Sitteraturberid^t. über regelmäßige ^eftfe^ung ber ®ctreibepreife burc^ bie @rafen (3. 19 ff.)/ fM^ <^ft^ SJeifpiel einer über bcn Sanbfrieben ^inaue« ge^enbcn Sleid^ögefe^gebung'' (Sc^röber, Se^rbuc^ 3. 616 3lnm. 8 am Gnbe). 3. 23 ff. bef^äftigen fi(!^ mit ber ^'^agc itQc^ ber 2)auer, bcm äluöbe^nungogebiet unb bcm ^J3er(|a(tnid biefeä SReicbcifriebetid 5U ben ^rooinsialfrieben. 9iüc^bem auf 3. 26 — 33 bie S^ätigfcit beö .Vtat)erö ^ur ^efeftigung bed ^riebenö na6) feiner Stücffe^r aud 3;talien nac^ '3)eutfc^Ianb im S^^re 1155 geroürbigt, roenbet fic^ bie SDarftcKung 3. 33 — 35 bem jmeiten, für bas ganje Sleid^ mit ©m fd^Iuß Italiens erlaffenen, fogenannten ronfalifc^enSanbfriebeniigefefte von 115H ju. 3)aö @efe6, roefc^co inbireft atte 5«^^be unterfagt, in» bem ee bie Stec^töftreitigfeiten cor ben 5Ric^ter oerroeift, ©erlangt auö= brücflid^ bie immer mä^renDe @ültig{eit feiner äcfttmmungen. Übri- genö fmb biefelben für iCeutfcl^lanb t)on roeit geringerer 'J3cbeutung gerocfen ate für ^tßlicn, beffen 3?er^ältniffe auc^ Dor^üglic^ berüd« fic^tigt mürben. Son rocniger allgemeinem 3"tcreffe fmb mehrere ^rocinjials lanbfrieben auö ^riebric^ei I. SRegierungsjeit, fo biejenigen für grieölanb, (bei beren Scfpred^ung [3. 39—47] ber Serfaffer nebenbei über bie 2tbfaffungo,^cit unb bie Sebeutung ber fricfift^en fogenannten 17 Äürcn unb 24 Sanbred^te für bie £anbfriebeng= gefe^gebung jum 2: eil von v. SRic^t^ofen abroeicbenbe Änjtd)tcn entmirfelt/*^)) unb biejenigen für §ennegau (3. 47—50). 3^agegen t)erbient ber SBeipenburger Sanbf riebe oom 18. Februar 1179, obwohl ebenfattö nur ein '^Sroüinjjiallanbfriebe für Sf^einfranfen (3. 56 — 65), unferc SBcad)tung in ^oFjem SKaße; berfelbe bejeid^net fid) nämlic^ in ber Ginleitung (bei ^Böl)mer, Acta iniperii scleota I, 130 n. 138) alö eine Grneuerung eines atten üon Äarl bem ©roßen errichteten ^rie- benö. Unter SSermorfung ber Mnfid^t, baJ5 hierunter nur ber alt« germanifc^e allgemeine 'Jriebc JU Derfte^en (pgl. oben 9ir. 28, 3. 186), meldte auc^ SXüdj ;^wax nid)t für unmöglic!^, aber ber ^orm unb beö 3n^altö beo ©efo^eö wegen für auögefd^loffen ^ält> fteflt er namentlid) megen beö nadjroeiöbaren Ginfluffes beä ©otteöfriebend bie 35ermutung auf, baß Ariebrid) I. l)ier auf einen in ben Sauren 1085—1103 (unb ' j^mar näber jroifd^en 1094 — 1099) mit bem ©otteefrieben (oon y)la\n^ 1085)- vereinigten Sanbfrieben ^Be.^ug näljme, ber biö auf 53arbaroffa außer ©ebrauc^ gemefen fei, fo baß man if)n allerbing«^ einen „alten" nennen fonnte. !?iefer .Slaifer ^og i^n nun mieber anö Siebt unb ba er fid) immer gern als Oiadjf olger Mario beö G)roßen bejeic^ncte, ben man in biefer 3<^i* ^I^ ^*'-) :)iad) 0. iHid)tf)üfon, UntornicDi^n. über friofifcfie iHccf)tegef(6ic6te, 21. 1 ^:ik'rl. IK"^», 3. 96 ff. u. bcfonbcrö 3. los foUcn bie 17 Äürcn iii ber ^i\t /"vricbriciie' T., u. sipnr balb nacb 1156. eutftanben fein, ipährenb bie 24 VanbreAte (3. l!>-"5 ff.> etioa« iünc^ercn ratiim* finb. .Hücö (3. 4:> — 47) fe^t unter Sin* fübrunot oerfcftiebener C^^riinbe ^ic Crntuchungö^eit ber 17 Muren iud ^^alir 1161, Xfk ber 24 ^aubredite in^ ^^aör IKm. (Bcjc^id^te Dcö Strafrcc^» iinb l»c5 gtrafprojcffc«. 18ü Jen Stifter alles dted^te betrad^tctc, fo fei es bec^reiflic^, ba^ er baä 0€fc^, beffen ßntftc^ungßjeit man nic^t me^r feftftetten fonnte, auf feinen (iroBcn 3l^nl)crm ,^urürfgefü()rt l)abc (£. 'yl — ü4). ^}a6) einem 6r- cnDointen ^aUloii vrede", über bie fogenannte „treiiga Ileinrici'*, enblic^ über bas 38er^äUnid biefer brei ©efe^c ^n einanbcr (S. G5 — 1)8) '**) IM lex irerfaffcr roiebcr j^u ber ©cfefec^ebunc^ ^riebric^ö I. i^uxM, in Dcficu le^tc JRcgierungsja^rc ber für baö JJefibcroefen oon einfc^neis öenbcr Sebeutung geiüefcne britte 31 eic^ölanbf riebe fällt, ber 3flürn= berf^iT t'anbfricbe (constitutio contra inccndiarios), beffen l)auptfäd;s Glitte Seftimmunq fc^on oben (3. 186) befproc^en. Äücb erblicft in ibm im "Ijcrt^tcid) ^u ben Seftimmungen älterer Sanbfrieben über öiegcl)be (v ®- beö !Dlain3;er Sanbfriebenö oon 1103) rool)I mit SHed)t «eine fe^r bcbcutcnbc ßinfd^ränfung bes ?vef)bcn)efenö". ils latum bcö Grlaffeo nimmt ber SJerfaffer roeber bas 3al)r 1187 (fo: Urfperoicr G^ronif, roeld^e baö ®efe^ überliefert |Mon. Trtinn. Scriptores ^ XXIII 361]), noc^ 1186 "(Sc^ef fer = »oidj^ 6orft) an, fonbcrn ben 30. Dezember 1188, unb ^wax au^er an- btren ©rünbeu besl^alb, weil eö ma^rfc^einlic^ fei, „bap ^'^iebrid; ■ein Öefe^, baö gcrabc burd) ben beijorftel^enben Äreu^^juc^ oeranlafu fein roirb, nid;t lange »or 3(ntritt beöfelben erlaffen" Ijabe (ß. 71).'*'*j i*:j, tiefer i'anbf riebe ift jucrft Ijerau?(\e(^ebcn unb befprocöen loorben von Hrübne in ben iKeuen SOJitteilungcn be« thürinn-Möc^f- i^^ereine, :öb. XV 11 ilSsfii g. 220 ff. 3^arnad) folltc berfelbc Vl'-W ale rWcidioIanbf riebe erlaffen u. unmittelbare iSorlagc be« 3a(^fenfptegel'ä geioefen fein. Tiefe Ülniiö^t ift (^CT je^ ale> n\6)t ftic^haltig nad)gen)iefen loorben oon 'AuMlanb in beu .^eitlc^r. ber 3aDignp=3tiftung für JHectitegefdbic^te, german. :?lbtlg Vril (issT) 3. ^NSff., n»I(t)er lern &eU^ ben (Sljarafter eince iWeidj'jIanbfri ebene abfpric^t, Um viel= mehr d* einen "IJrooinjialfricbcn für 3ac^ien erflärt unt> feine lrntftel)ungi>-- jeii in bae oaf)r 1228 fc^t. 3)iit 'ilüeilanb'3 3lnfid)t ftimmt Hüd) 3. 2 :?(nm. 2), obiool)l «T biefe 3lrbeit noc^ nic^t benutzen fonnte. ^^u oi^. je^jt aucf) 3d}röber, üeljrburfj 3. «16. '♦♦.) .«iu ogl. barübcr {ci^t audj bei SWeilanb, a. a. C. 3. iM>ff. Tie fog. tr-iu,M Heinrici hält manmeiftenö für einen 'ii^ür^burger :Keid)*lanbf lieben dmv Hönias j^vinrid» (VI. ober ioal)r}d)cinIid) VII., bee 3o(me Jriebridjö 11.}, ca 1221. ^u ugl. Alüc^, 3.6r)U.()6; "iiicilanb, a. a. C. 3. H»2 ff.; 3d)röber, ifetrbudi c. 617 3lnm. 14. — :)ieuerbimv3 würbe aber eine lUrcdjter -vanbs jiifziH öor treai^a Ueiurici aufgefunben ibie fid) im Syaac^ befinoet» aib> beni li. (ODcr 12. 'O 5al)r^. Xad CiJefe^ wirb hier ."öeinrid) V. 3ugefd)rieben \uir> in nuö ^'ürgburg baticrt (^'jeitfcftr. b. 3aü.:3tift. für :)i<\efd)., gerni. Um, iJp. VIII 3. 2L2; ogl. 3cbröbcr, a. a. C. 3. (»17 :Knm. 14 am Crnbe. **■') '-Sgl. auc^ ©ggcrt, 3tiibien jur (^3efd)id)te ber X'anbf rieben. 1^7.\ 3. 46. 190 l^ittcraturbcric^t. (30.) Seit bcr 3«^»^ Slubolfa uon .^aböburg änbcrt ftc^ b 35cr^ältniö bcr 3leid)ölanbfricben ju bcn ^]Jrot)in.^iaIIanbfricbcn nii unn)iicnt(ic^^ int>cm jc^t Ic^tcrc^ toenngleid^ mcift o^nc ^Jtitroirfu bcö Hönigiö .^uftaube oicfornmen^ an Sebcutung bei roeitem Die erftet überrac^en^ luelc^e fic^ biö auf .^^einric^ VII. faft burc^ioefit als blo ßrueucrun^en unb Grgän^ungen beä berühmten ^JJiainser !tfanbfrie^c pon 1235 unter ^^ebric^ II. barftettcn.'*'^) Sic i'anbfricDcnö^cfi c^ebung biefer ^^>eriobe (oon 1*273 — 1313) fd)ilDert uns ÜÖDucfen feiner oben (£. 187) genannten Jiffertation, inbem Dabei ^auptfadbl bie ücrfaffungomäpige Seite berfclben in Öctrac^t ge^ocicij wi roä^renb auf i^re aufeere politifc^e Seite nur, foroeit eo bie C legen^eit mit fid) bringt, eingegangen ift (S. 4). ^näbcfonberc n? ^u jcigen ücrfuc^t, loic bie .'ncrric^er biefer S^^^ pS^^ immer nicf)r i nötigt fa^en, territoriale 2)täcbte ^ur 3;cilna^mc an bcr y>a\ ()abung beö Saubfriebenö ^eran^u.^ie^en, mie biefe bann aUmöbl immer felbftänbiger bie Ginfe^ung pom Sanbfrieben ... in bie §a nehmen unb mie fic^ in ber 5Berfaffung ber Sanbfrieben in ^oi^c bef* in fortfc^reitenber ßntmicfelung ein gemaltiger Übergang anbafjnt: beginnen aus ber im allgemeinen nod) übenoiegenben (äefeöeofoi bereitö in bie pon Serträgen fid) umjuroanbeln — eine ^Jorm, bann in ber Jolgeperiobe bie burc^auo berrfdjenbe ift" (3. 4). 3 ©cfefteöform ift jeftt noc^ bie Segel für Stcic^olanbf rieben, rocl ber 5?erfaffer pon ben in fel)r mannigfacher 3(rt auftreten! propin^iieUcn Sant)frieben fd^arf fonbert. ^»incrbalb beider ©rup;: Pon ©efe^en aber mirb bie Aortentmirfelung ber i'ant)friebcnöPerfaffu in c^ronologifc^er :Weit)enfoIge bargcfteUt unb smar 1) in Sc^ug c ben S^r)cd ber Sanbfrieben unb bie all gemeinen Scftimmuna über it)xcx S)urc^fül)rung, 2) in Öe^ug auf bie Sel)örben, roel Suriöbiftion unb Grefutipc ber Sanbfrieben in A^änben F)atten. 3 für \>aQ ganu' 'Heid) erlaffenen Sanbfriebenögefe^e biefer Gpoc^e, roel S. 5 — 43 (A) anf bie angegebeneu fünfte bin geprüft merben, fcblief fic^ fiimtlid) eng an ben 'äJiainjer Sanbfrieben pon 1235 an, nur laf fie manche ^43eftimmungen bcöfelben alo bereito befannt auo (3. über ben 1235 neu eingeführten öofricbtcr), anbererfeitö fügen einige Grgän,:^ungen ()in<^u. ;^wei biefer rWeic^olanbfriebcn fallen un bie ^Regierung JRuDolfö pon .v>aböburg (ein 12.^7, [24. "JÜiär^l ^u 3Bü bürg auf 3 i^a\)xc gegebener unb bef)cn Gvneuerung auf G y^ai)xc .s. %]>x'\l 1291 ^u Speier). Unter XUbolf Pon 'JJaffäu unt) :Mlbred)t fanbcn abermalige Grneuerungen ftatt \n Siöhx am 2, Cftober 12 auf 10 ^ai)xc unt) ju ^Jiürnberg im 3)iai 12!>S. '*") "Bon biefen :)ieid)ogefe|jen, welche auc^ fpäter nod)malo erneuert mürben, ftimn '*''! 'iUit. 3cfiröber, Vehrbucfi Kr tcutfAcn :)iecf)t'Jc;cfcf)i(bte. 3. «517. '*'» Xie foi^. imvao ooiistitiiti«»nrs ilomini Albert i, fcic fpätor 1 Oiicoliuiö *lL*urm gloffiort unb ,;u einem :)Heic^öIanbfrieben, bo4 loirb betont, bafe ein großer Jeil berfelben ^^rnegen beo gäns- liefen "Biangclö oon 3trafbeftimmungen eigentlich gar nic^t ,i'anb= Trieben' genannt merben" bürfe (3. 43). Cft enthalten fie bloß änorDnungen t)on Sel}örben ober nnbere Wafjregeln, mclcbe i^ur Surc^ = fü^rung oon i'anbfrieben im eigentlicben 3inne beo SÖortes bienen foüen. ler 3?erfaffer fd^lägt bafter für folc^e (^iefe^e bie 'öc^cicf^nung »^olljugsorbnung" oor. 2Öegen beo ^Vl^lcnQ rein friminaliftifc^er Sori4riften mirb f^icr eine 9(ufjül)lung ber in H oerfcbiebenen ©ruppen befconbclten Sanbfrieben genügen. 3tm nädjften miteinanber ver= WQnbt finö bie fc^roäbifc^en unb baT)erif^en ^'anbfrieben (3. 44, 73i, mit meieren aber auc^ biejenigen am fjiljcixi (3. 73--.si4j Ä[}nlicl)teiten aufmeifen logl. 2. 43.. ßinen anberen (Sf)ara!ter bagegen tragen bie Vant)frieben in ben öfterreic^ifcl)en i'anben unb in 33öbmen (3. S4— .s^i, in CSIfaft '3. .ys— 92^ unb in "Jlieberbeutfc^lanb (3. i»2— lüi)., in meldjen fid) ^irffac^ fpe5ieüe, nur für bao beftimmte Territorium aniüent)bare 53e' ftimmungen finben. Gin allgemeiner rHücfblicf auf ben Gntioictelungo- flönu ber iaubfrielienogefeftgebung innerijalb ber bil}anbelten 40 :3al)re bilbct ben Schluß ber Slbljanblung "3. 101). 192 Sittcratucbcric^t 31* Unmittelbar an bic 3c^rift i^J^ncfcne fc^IicBt M in d)ronolofl[ifcöcr öinftc^t ein dcxxn "Jirofefior 3SciIanb gcroiömett'o Suc^ über ianbfricbcnögcfeCgebunfK üon Dr. phil ^at. S(^roolm"*'i an. ^aofelbe fagt nämltc^ bic ^Kcciicrunc^ö.^eit i'uDn)i()ö bed Saqcm il3i;j — 1347; auf biefen ©eaenftanb bin naf^er ino 3iuge. 2ic ^ar^ ftcUunci eröffnen^ äl^nlic^ loie bei Aüö;^ unb 2i$i)ne!en^ auf rodeten leöteren ber i8crf affer mc^rfad) Sej^uc^ nimmt ^ einige allgemeine Öe= mertungen über ben (S^arafter ber i'anbfrieöcnogefeji^ebung unb Die l)ierauf gerichtete If;ätigfeit ber älteren bcutfcben Aa\)ex vor ^'ubmig bem 33apern iS. 1 — 6). Seit beö leöteren Stegierungoantritt nimmt bie Öaubfricbenegefeftgebung abermalo eine peranberte ©eftalt an. "Und) bier <\eigt ficb, bag Daö 14. ^abr^unbert ni^t umfonft bie S^t ber „Ginungen" geroefen. „SoroobI ber Äönig errichtet in I)en einseinen Stammeögebicten mit »Ferren unb Stabten ianbfriebeno-- bünbniffe^ alö auc^ .njerren unb Stäbte unter ficb obne ,Sutbun ber JHeicbegeroalt" iS. 4). S^iefe Sünbniffe, roclcbe nid)t mebr ben Cljarafter von @efe$en tragen^ befaffen ftd) b<^uptfäd)licb mit ber Cr: ganifation von i'anbfrieben&bebörben^ bürfen bal^er alö fogenanntc ,/SoU;^ugQorbnungen'' be|;eic^net merben^ obn)ol)l fic^ in ibncn au(b l)ier unD ba anbere @efe^eöbeftimmungen^ ^umeilen aud) ftrafrec^tlicbc i^orfc^riften, finbcn. liJgl. oben £. liM.i "Dlacb Scbmalm foU ein noc^ unter bie ^'Kegierung ^einric^ä VJI. fattenber Glfaffer l'anbfriebe von 1310 fdjon biefen Z^puö Der fpäteren iL'anbfriebenogefe^gebung an ficb tragen unb baf)er für bie ganje ,;u betrad^tenbe '^ertobe alo mangebenb ^u bejeic^nen fein (S. o, vgl. ba?iu Üi^pnefcn 3. J»l». „^\n berfelben traben mir neben ben lefttcn Slusläufern einer auf ben ^'anbf rieben bemglicben rKeid^egefe^gebung mit geringen, obrooftl und)tigen lUuonabmen nur ^ianbfriebenobünbniffe, in bor >Torm einer voUfommenen 'JJoU^ugoorbnung mit ober ol)ne Beteiligung beö Äönigö" (3. 5), bcffen ßinflufe in ben ein^lnen Jeiritoricn jebot^ in fteter Slbna^me begriffen ift. '*^) 2i^äl)renb ferner ben SReic^sgefe^en bie Sorge um ben grieben tt^aupt* unb 3elbft,;imed mar, tragen bie ^'anbfriebenöbünbniffe, entfprecbenb il)rer Gntftebuugoart, naturgemäß einen mebr polittfcben (Sbarafter, oljue jeboc^ baburd) bie ßigenfd^aften ber l'anbf rieben alo folcber völlig einzubüßen (3. 5, (», 127». 2) er 3luöfprud) äyeio'ärferö r^^eutfcbe 3ieicbötagoaften I, 43b. XCVIIIv baf, iMnbfrieDen unb Stäbte bunb ;ufan;mengefaBt merbcn muffen unt bao eine fic^ nid)t obne t^a^ anbere bebanbeln laffe, gilt — roie Sd) 10 ahn 3. (> bervor^ebt — nod) nidjt für unfere 'Vcriobe, fonbern redn eigentlid) erft nad) Grlafj ber golbenen iBulle (iS.'iü), monad) '*"i ^io Vantifricbcn in ITeutfcliIanb iiuter irnbiüiii bom ^ni)crn. IVit llr-- fimton -yeilaiKii. (y>bttinijon, i^auDcnfioocf u. rKiiprccftt. lNon Sanbf rieben auftreten durften. 3ur 3^*'* Subioigo beö Sägern ift eö nod) möglich, eine ^c- fonbcrtc Betrachtung ber Sanbfrieben üor;^unef)men, fatto man ftc^ auf ibrc uerfaffungöinäpige (nic^t = politifc^e) Seite befd;ränft. ^2tua biciem ©eftc^töpunft bringt bann ber i'erfaffer, ä^nlic^ roieffipnefen, .;uerft ble >)leicftölanbfriebenögefe^e jur 3)arfteffung, um bann j;u bcn ÜanDfricDenoeinric^tungen ber einzelnen Territorien über^ugeF)en. SSä^rcnö le^terc eine red^t ftattlic^e S^f^^ aufmeifen, fmb unter ben crftercii nur einige wenige le^te Stuöläufer j^u nennen, nämlic^: eine ßmeucrung be^ albertinifc^en Sleic^älanbfrieDenö (o. 3. 129H) auö i)em ,^al)re 131(> unD ein Ö3efe^ üom 9. Stpril 1323, gegeben auf bem iMcic^stage ^u 9lürnberg mit unbefdjränfter Dauer, auf t)e)fen ^n- ^alt unb ÖeDeutung im einjjelnen 3. 0 ff. nä^er eingegangen roirb. '^*^ Jcr ganije übrige leil beö Sucres pon 3. 12 ab fjanbelt wn bcn 'Bropinj^iallanbf rieben unter Subroig, meiere oom SJerfaffer in 3 ASauptabfc^nitten mit 1 1 Unterabteilungen ^ur 2)arfteKung ge= bracit werben. 2)er bei weitem umfangreid)fte ^bfc^nitt ift ber erfte •^bt. II Deö ganj^en Sucres ), roelc^er von ben !i'anbf rieben am ^ftcin, b. ^. auf bcm ®ebiete ber gefamten 9lf|einlant)e im ujeiteften Sinne, influfipe ber fic^ um ben Strom gruppierenben Sanbfc^aften ^'i&rtcrau, eifap=£ot^ringen ufro.) ijaxiMt (3. 12— S4). i^oran= gfjtcüt ift alö ber j^eitli^ erftc unb jugleic^ an 9Bici)tigfeit l)eroor= Togenbfte biefer Sanbfrieben ber fog. rbcinif c^e vom ^al)xc 1317, loelc^er Äin 22. 3uni ju Sac^arac^ üon Subroig mit ?Hat unb ffiillen ber ßi^bifc^öfe oon ^tainj, iErier unb Äöln, beä Älönigö r>on Ööljmen, fowic oieler anberer dürften unb .§erren mit 6 rl^einifc^en unb 4 Scttcrauer Stäbten für bie SDauer oon 7 3<^^ren aufgerichtet mürbe (5. 12—25). ''V Öö folgen weiter ber Sanbfrieben t»on Sautem vom Jo^rc 1333 unb bie lothringer Sanbfrieben auö bcn vierziger Satiren <3. 25—43), bie Sanbfrieben in ber 9Betterau, üon welchen 9 Ur« tocn für bie Sa^re 1323—1341 erf)alten finb (3.43—5:)), t)ie SJanbfrieben am 3)iitte(r^ein, über bie nur fef)r geringfügiges ^Biaterial »Berlicfert ift ('S. 55 — 75) unb im ©Ifap (3. 75—84). 1)er jroeite ^ ^"utfc^Ianb gemibmet, wobei bie ©efe^e für Schwaben unb Sägern wegen i^rer größeren ©emeinfamfeit jufammen in ein Äapitel geftellt Sno (3. 85 — 91), wä^rcnb ^^anfen tro§ na^er Sejie^ung ber 6in= '^>) Xa^ Criginal ber Urfunbe bcfinbet fic^ im allcjem. 3icicf)9arc^it) ju SKüncften, iDonac^ ber Xejt oon 6d)n)alm in ^öeilage 1 feinem '4Juc^^ (3. 139 ff.) ab(|ebru(ft Ginen anberen Slbbruct entt)ölt bie „'j^cue Sammlung ber ^eic^<^: ü^ii^iebc-, 1, 43. *^M 3. 13 2tnm. 1 wenbet fic^ ber SSerfaffcr (\egcn J. 3- ^«fl«tcr, bie i:anbfrieben§bünbe jroifc^en 9Kaad u. dihdn im 14. :;\abrf)unbert. 2)iünfter, 3. a^öningb. 1^^. KX) 3. (= .?>eft XI ber SDHinfterifcftcn iBciträflc 5ur 6e« f^id^forfcbung, beraudgeg. von ^b. ^iubner), roelcber biefen Sanbfrieben nic^t rii^g geiDürbigt unb aud^ faifcb (auf 1318) batiert [)ahe. 3cttf((rift f. b. 0Cf. Strafre((t«i9. XI. 13 19-t 2ittcraturbcrid)t. ric^turxf^cn biefcs ©c6ict§ gu bcn beibcn anbercu locgen eines eigene Sünbniffeö baoon abgcfonbcrt unb felbftänbig beljanbclt ift (3. 91—^3 3n alten biefcn ©ebieten fmb cinerfeits bie Sanbfriebcnöbünbmtl übcrl^aupt fcitener alö anbcräroo, anbererfeitö ift ber «t^aupt^njecf be überlieferten ein roefentlic!^ politifc^cr, unb ber griebc bes Sanbe nur nebenbei berüdffic^tigt (S. 85). S^ie 2anbfrieben in 9lorbbeutfc^ lanb jä^lt enblid^ ber 3. (refp. 4.) 3(bfc^nitt in 4 Äapiteln au (1. SDcr Sanbfriebc in St^üringen [S. 94—108], 2. in Söeftfalei [S. 108—112], 3. jroifd^en Söefer unb ©Ibe [S. 112—123], 4. ai ber Unterelbe unb Cftfee fS. 123—126]). Sas auf bie Sanbfriebens gefe^gebung biefer ©ebiete bei\üglidjc 3Waterial ift ein befdjräntteres teilö wegen ber mangell;aften Überlieferung beöfelben, teilo ireil bie (mit 2tuöna^me t)on 2l)üringen) Seftrebungen für bie Sefricbung bc Sanbee, ,,roznn au6) nur unooHIommen . . ., fo boc^ regelmäßig' auc^ „bei ben jal^lreid^en ßinungen" porfommen, ,,bie mebr politifi ober fommcrjielle S^edc »erfolgen, roorauö ftc^ bas fcltenere xHuf treten oon eigentlichen Sanbfrieben leicht erflärt" (®. 93). 3"" Schluß wirft ber SScrfaffer einen SRüdblid auf bie gefamten (Srgebniffi feiner Unterfuc^ung (S. 126 — 128) unb fügt berfelben oier ,,ejfurfe' über Spejialfragen (©. 129 — 136) foroie ,,Urfunben=33eilagen" ^in^u. (S. 137—170), in welchen unter 15 -Kümmern ber 2:eEt ber roic^tigerer befproc^cnen Sanbfrieben unb einiger anberer (Sreigniffe unfcrer '^.Wriobt in bcutfd^er, lateinifc^cr unb altfranjöfifc^er Sprache abgebrucft ift. 3ä^ 33* 3"^«^ nid^t fpegiett ber ©efc^ic^te beö Strafrec^tö an^ gel)örig, aber in midjtigcn ^^Sartieen aud^ für biefe oon 33ebeutung fml bie Unterfuc^ungen über ben Urfprung unb bie weitere Gut: wicfelung ber Stabtoerfaffung bes beutfc^en 9JJittelalterö, übci weldjc eine große 3lnjal|l fic^ untereinanber ergängenber 2d)tifter unb 3(bl)anblungen auo ben legten ^al/ren neues Ü'\(i)t oerbreitei Ijaben. Mlö epoc^emac^enb fmb für biefe ^ragc gunäd^ft bie SUrbetter @. i). Selowö ju bejeid^nen, in wcld^en juerft energifc^ gegen un^ faltbare ältere Slnfic^ten gront gemacht worbcn. Stamentlic^" bürfti burc^ xi)n bie früher weitverbreitete 9Jieinung »on 3lifefcb, welc^ei bie ßntwicfelung bes ©täbtewefenö aus bem ^ofrcd^t ableiten wollte, je^t alö bcfeitigt an^ufeljen fein; aber aud^ bie 3"'^w^fül)rung bei ftäbtifd)en 5^eil)eit auf bie fogenannten ottonifc^en ^ripilegien (3lr: nolb, Serfaffungögefd^ic^te ber bcutfc^en Jyreiftäbte 1854, S^b. 1 £. 137; >!>euöler, ber Urfprung ber beutfc^en Stabtoerfaffung 1872. S. 49 — 51, 251) ift oon il)m mit triftigen ©rünben wibcrlegl worben. ^'sn 2 Stuffä^en in o. Säbels f^iftorifc^er 3<^iMc^rift "-) bii fc^äftigte fic^ ü. Öelow junäc^ft mit ber „CJntftel^ung ber beutfc^en Stabtoerfaffung" im allgemeinen. Ter erftc berfelben wies nac^, baf ber ftäbti)d;e iküolferung nid^t auö berjenigeu cineo 3rol)nl)ofec l)erüorgegangen ift, unb baß bie "gormen ber Stabtoerfaffung in i'?) i^D. 58 m. 5. 33b. 22) 1887, 3. 193 ff. u. iüD. 59 (3?. J. «b. 23' iaS8, 5. 103 ff. @e{4ic^t< Dcö etrafrcd)tö \mt> bcS Straf pro^cffcd. 195 trincm 3ulowin^^"^ö"9 wit bcm $3uc^c beö ^ofrcd^tö ftanbcn. ^cr ;ttfitc "äuffa^ fc^ilbcrtc bic Gntftcl}un9 bcr Stabtpcrfaffung, foiücit fic öffcntltd) = rechtlichen Urfptui^s i]"t. öicran xcii)t fic^ nun alo ^ort^ ii^nc^ bie näc^ftc Sd^rift besfelben 3?crfaf)erö über „bic Gntfte^un^ bcT ticutfcbeu Stabtgemeinbe". ''^'^) $ier roirb im Stnfc^Iup an Ö i'. p. ?Diaurcr ber ^lacftrociö unternommen, ba^ bic ®cmeinbc = öcrfajlung bcr bcutfcl)en Stäbte fic^ quo ber ianbgcmcinbcDcrfafiunc^ cntroicfclt ^be. SDüö SJud^, TOcId^cö fic^, ujie bie )ac^t»erftänbic\c Äritif bereits faft einftimmig FjerDorge^oben'^*,) burc^ Schärfe unb Älürljeit ber Sarftellung auszeichnet, bccjinnt na6) einer SJorrebc • c.V— XI) unb Einleitung (S. 1 — 3) im § 1 mit einer oc^ilbcrung oft Sanbgcmeinbc (©. 3—19: bas Surbing, 25crf|ältniö ^um Staat, Ctfiiamsmuö ber Sanbgemeinbe, bie abljängigen ©cmeinben). -Jlacf) dm Erörterung über bic Gntftcftung bes ^anbroerferftanbeö (3. 19 bis 23) mirb bann im § 2 („bic Sanbgemeinbc", S. 23—126) },n tcm Skc^roeiö bes 3wfönimenF|üngö jroifc^en 3tabt= unb iianbgemeinbc üb«rcicciangen , cor ber fpftcmatifc^cn ©licberung beö Stoffes jebocft dCin jufammen^ängenbes SilD üon ben ßinric^tungen einiger Stabt^ gcmeinben" entworfen, ^bci benen jener ^wfatntncn^ang mit gerabci^u übcrraic^enber Älar^eit ^eroortritt" (S. 23). ^t^ierju finb bie Stäbtc Jpümcln, Cueblinburg, Jr)alberftabt, Soeft, Strasburg unb Äöln aus= aeroö^It (S. 23—48). Gö folgen fobann Setrad^tungen über bic 2toM in i^rer Gigenfc^aft als ?IKar!gcnoffcnfd)aft (A. S. 49 — 57), über tie Äompetenj bcr ftäbtifc^en ftommunalorganc für bic Crbnung wnSDla^unb ©eroic^t unb für geringere Straffoc^cn (B. 3. 57 — 79), in roclcbem — für ben Äriminaliften intercffantcftcn - 3tb|c^nitt ^ct inrrf affer ftc^ gegen abroeic^enbc 3(nftci^tcn t»on .sjcuslcr, ScJmoIler, 3ti$fc^ unb anbcre roenbet unb t)ic 33cbeutung bcr fünfte i'als ßinric^tung ber ©emeinbe) unb bes ftäbtifc^cn Äommunal= crfaffungögcfci^ic^tc einzelner Stäbtc bes 2)JittcIaltcrö, in bcncn mct)rfac^ bie (Srgcbniffc bcr Slrbcitcr D. Scloiüö bcftätigt werben, fönnen an biefct StcUc nid^t auofübr: lid^er befproc^en roerben, rerbicncn aber loenioiftenä bem 2itel «ad aud^ bem Äriminaliften angezeigt ju rocrbcn. ^^*^) (33.) 3)agegen bürfte ein einge^cnbereö Slcferat über bie jünqfh attgcmcm gehaltene 5f arftellung ber ,,6ntftel)ung bes beutfc^en 3täMe iDcfens" von 3luboIp^ SoF)m'''^) aud^ für bie Sefer bicfcr ^^^W^i'^f' von ^ntereffe fein, jumal bort auc^ roid^tige eJragcn ber Strafgcrid)to ücrfaffung unb beö materiellen Strafrec^ts beö SRittelaltero (31) pl rec^t bcr Stäbte, Segriff beö Öurgfriebensbrud^e, Äompeten,; bei Stabtgericbte in otraffad^en ufro.), unter teilmeife ganj neuen &c fid^töpunften beleud^tet roerben. Sie ebenfo grünblic^e roie lel)rrei(^i unb feffelnb gejd^riebene 9(bF)anbIung, meldte @. 2Ö. Si^e^ell :^u beffer öOjä^rigem SDohorjubiläum alö Aeftfd^rift gcroibmet ift (ogl. S. 5 — 7), unterjie^t in ber (Einleitung (3. 9 — 17) junäc^ft Die Grgebniiii' ber neueren rec^tsgcfd^ic^tlicben §orfc^ungen über ben :^u bc^anbelnbcn ©egenftanb einer äyürbigung. 3(uc^ So^m fpcnbet jmar namentlict ben ©d^rifteu t>. $3elonjö reid^eä l^ob (S. 9 ff.), ift jeboc^ ber %n fic^t, ba^ man i^m in feinen pof-'ioen 3(uöfül^rungen über bie Gnt roicfelung ber SSerfaffung ber Stall Tneinbc auö berjenigen berl'anb gemeinbe nid^t folgen fönne (3. 0). 2)en Äernpunft ber eigener Unterfud^ungen bes 3Serfaf)erö bilb^. ber fc^on »on 2Bai§ (i^er= faffungögefc^ic^te ob. VIl 3. 407, 4il) unb 3t. Sc^röber (u. a in beffcn i'ebrbud^ 3. 590 — 592) ()erDorge^obene, unlängft ober be fonberö in einem 9(uffafe t»on SKopö Schulte '•^**), junäc^ft fpejiel für bic ©rünbung ber Stabt SlaboIpf^jeU nac^gemiefene Safe: baj baö 3tabtred|)t auö bem ÜRarftred^t ^eroorgegangen ift „2)06 9Jiarf treckt, unb ^wax baö ^JHarf treckt allein, \)at ben 3tabtrec^t feinen Urfprung unb feinen eigentümlid^en 3nt)alt gegeben ^'•■'•) o" ber rocftbeutfcficn ^citfc^rift für OJefc^iditc unt Üunft. II, 3. ±1' - 248. ^■'^) .t»ierl)er geboren bef.: 6. .HÖbnc, Xcv Urfprung ber 3tabtDerfaf]un( Don Sißormö, 3peter unb SDJntnj in (iJicrfe'e Unterfuiunt^cn 5ur bentfdici Staate- u. Stec^tegeWiditc. WJi), Hl. iocft. — ^. 3*röbcr, S^ie alten Scrfaffung ber 3tabt aSinben, 3'i^'^<^^bericf)t bc4 fgl. cd. (Spmnafiume v SDitnben. Oftcrn lterfaffungx gefd)i(§te ber roeftfälifcöen 3{). - 5. iXeinholb, 3>erfüffungögefd)tcljte ii'efels im 3)iittelalter in Öicrfee Untei fucbungen ufro. 1^^8, veft 2''\. — li^i. .oofmann, ^^citrägc jur 95crfaffung»: öcf(öicl)te ber 3tabt "i^rna auf Wrunb ber 3tabtred)nungen be« 15. u. !(>. ^\aU bunbertö, im „5feuen 3CrcI)iü für fiicbf. C'W'fc!)id)te u. :MItertumefunbc'', berau^i' ü. ermifcf), ^^D. IX (isSS , 3. lsr>-L>:n. ^^') X'eipsig, :^unrfer 11. ADumblot. I^IH). 102 3. ^^^) 5(1. 3cf|ulte, Über Jieidienauer 3täbtegrünbungen im 1(K «. IL^^J^ bunbcrt mit einem ungebructten 3tabtrec^t oon 110(». «Jn ber 3'?itfcljr. für itt man alfo bie (Sntroirfelung bes Stabtred^teö be= greifen, fo fommt eä barauf an, baö beutfc^e 3Karftred^t fennen ?iu lernen, baö lottere aber gu bem ©runbgebanfen beö fräntifc^en Steid^e* reito in Sesie^ung §u feften unb auö bemfelben, ja aus bem ®runb= i^eMnfen beö germanifc^en Slec^ts ju erflären (S. 16, 17). tcr Söfung biefer 2tufgabe fmb bie 6 Äapitel geroibmet, in meldte bie 2lbl)anblung ben Stoff jerglicbert. Xüq erfte berfelben ^anbelt üom /ücid^ibilb" (S. 18—33). §ier roirb unö gcjcigt, ba^ baö Stabt= rcc^t ÜBeic^bilbrec^t ift, b. i). „baö Siecht beö Äreujeö", beö "Karftjcic^cnö, ruelc^cö in fleinen Orten nur mä^renb ber 3)auer beö "Marftcö aufgeri^tet wirb, in ben Stäbten aber .^um ftänbigen 9Ba^r= ;ei(4en (geworben ift; benn bie Stäbte gelten feit bem 9. 3>ö^r^unbert pcu ^cc^tö wegen alö ftänbigc SJJärfte, eine 3(uffaffung, meiere ber uänüfctcn 3^* ^^^ frcmb mar. 2)em nieberfäc^fifd)en 3tuöbrud /Kcit^bilb" entfpricbt im alemannifd^en SJialeft gerabeju bie '©e- scitang ,,!IRar!trec§t, roetd^es im urfprünglic^en unb weiteren Sinne baö Stabtgebiet (3Karftgebiet) einfc^lie^t; in Sübbeutfd^lanb, beionbers in ben öfterreid^ifdj|=baperifd^en ©egenben bagegcn begegnet une Dafür als britter gleid^bebeutenbcr 3luöbrurf ,,33urgf riebe" unb «Surgred^t". iJicö erflärt fidji auö ber ßtpmologie beö SBorteö Äc^bilb", baö nac^ Sol|m (S. 26) uon wich (mittelnb. wik; ^l lat. vicus griedjiifc^. ohoc) b. ^. befeftigteö .^auö (ober Surg) abi^uleiten ift unb baö Seiten bebeutet, baji „an biefem %Ua^e eine öurg ift", baö ®ebiet, für roeld^eö baö üBurgrec^t gilt. '•''•') ^er äuöbrucf „9)Jarf treckt" gibt ba^er ben fad^ liefen, „S3urgred)t" ben wörtlichen Sinn »on SEeid^bilb roieber. ^'xc Stabt galt alfo alo 8urg, unb i^roor auc^ bann, roenn fie nicftt mit •'l^ingmauern befeftigt root. Jm Stec^töfinne ift t)ielme[)r jebe Stabt eine i^urg, beren '^e- i.v>, 2ic erflärung beö Jöortc« Se^'idjbilb alö „Crte: ober atabtbilb" md) Siröbfr, „iL^cidjbtlb" in ben f)iftorifcften 3luffä^en, bem 3lnbcnfcn üon 'U'ai^j gembmet (Ib^Ci), 3. 317 u. 2cf)rbu(§ S. 691 hält 3Dl)m (3. 25) n\d)t für röUig befriebigenb, „weil fie feinen für bie Stabt eigenartigen (^ctanfcn ers 'mntn läBt". „Crte" feien au4 bie i^örfer ^eiüefen, iüe(d)c bennod) (ein ^4bilb batten. 198 SittcratwrBcrid^t. rtjo^ncr bcö^aI6 Sürgcr l^ci^cn. S)tc 93urg gehört aber bcm Äönig 2)aö beutet baö Symbol beö J^reujcö an, tdcIc^cö nichts mit beti c^riftlid^en Äreuje ju t()un I)at. '^'") Gö ift roa^rfc^einlid) aus ben Äönigdbanner I)eroorgegangen unb fott g(eid) ben ja^Ircic^cn an bcren icibjeic^en bcö .Hönigö (roic §anb)cl^u^, Sc^rocrt, gafjnc, öut Sc^ilb) beffcn Stniocfcnljeit in ber Stabt anbcutcn. "*') 2)a9 Stcc^ be6 Stabt= (ÜKarfts) Äreujes bebeutet bie 3Jerlei^ung bes Mec^ts roeld^eä in bor Äönigöburg gilt, beö fönigKc^en Surgre^tö; burd) Di atufrid^tung beö Äreujeö ift bie Stabt nac^ fränfifc^em Slmtärcc^t fü ben fiönig geratJe^u in Sefife genommen morben, unD ber Äönigöbani ift baö Äennjeid^en beö SKarftreci^tö. 35ie 9)larftftäbte ftet^en - wenn aud^ nur formell — im Eigentum beö Äönigö, fo bafe all Stöbte urfprünglic^ alö löniglic^e bejeic^net mürben unb ftd) De> föniglic^cn öurgrec^tö erfreuten, felbft wenn im einjelncn gaU bc unmittelbare 9)iartt^err nid^t ber Äönig mar. 3ft nun haQ ®eic^bilb mit Surgbilb, bie Stabt mit ber Suri ibentifc^ gemefen, fo gilt eö weiter, bag Stabtred^t ouö bem Surgrec^ 5u entmicfeln. 3(bfd^nitt II, „ber Stabtfriebe'' (S. 34 — 48) roeift un< ba^er nai), mc ber Segriff beö Surgfricbenöbruc^ö auf bi SJerle^ung beö Stabtfriebenö übertragen rourbe. 35er Surgfrieöcne brud^ ober bie 25erle|ung beö burc^ einen befonbercn ^-rieben gc fc^üöten Sönigö^aufeö lann i^roeifac^er 3lrt fein: ter einfache Surt^ friebenöbrud^, ber burd^ jebeö iNerbred&cn im ,^aufe beö Äönigo be gangen mirb (unb bem aIö,,Duafiburgfriebenöbrud/' ein jmar auficrftall beö ftönigöl)aufeö, aber in Der 5JäI)e beö Äönigö oorgefallenc iCelift i^ur Seite geftellt wirb) unb ber fc^roere, oorliegenb, rocnn eii 3Serbrec^en im Ajaufe beö Äönigö unb mä^renb ber 3lnmefenl)ei beöfelben begangen morben. ^(uf ben le^teren %aü allein fteljt pein lid^e Strafe, unb j^mar grunbfä^lid^ bie Sobeöftrafc, mäbreuD bi leid^teren Slrten beö ©eliftö nur mit Äompofitionen unb ä^^^^^i^ bc Äönigöbannö fßO Schillinge) bebrol)t finb. ilin ber Stabt nun gilt ber Äönig burd^ äJermittelung beö Spm bolö beö Äreu.^es alö anmefenb, fo bap ein bort bcgangeneö iscr bred^cn minbeftenö alö CluafifrieDenobrud^ erfc^eint, burc^ mcld)c; auper ber orbentlic^en Strafe aucft nod|) ber Äönigöbann perroirft ifi 2)ico ift audt) fc^on bie 5{nfd)auung beö oolförec^tlic^en 3i>eid)bilt rec^teö. 3Beiter aber gebt Daö fränfifc^e Slmtöred^t, nac^ roeld)ei bie Stabt eine bem Äönig gehörige Surg repräfentiert. Gö orfcftein bal^er jc^t jebes 2)elift innerhalb Der ©eid^bilDgren^en alö fdjroere ^''") Xrotjbem rourbe fc^on im 9)JittcIattor bae ä^id^^" ^^"^ Mrcu^c-i? liiiufi gctft(id) aU bas^ Mrcuj Ghrifti gebeutet, auc^ siortc man guroeilcn bio 3tabtfrcuj mit CShriftuöbilbcrn i 3ol)m, 3. 4.')). ■•^V) 'ii>ic aue bcm 3tabtfrein in ^Iserbiubimg mit anbercn fönigl. 3im bolen in bor fpäteren, nacb gefrfimacfüoücrcn Jonnen ftrcbou^en ^cxt öie foc 3iolanbefüuleu entftaitben, barüber ift 511 oorgl. bio unten ^JJr. :U befprocben 3c^rift u. 3d)röber, mit bereit i)iefultaten aucfi 3o()m (3. '2S ff.) poU ftänbig übereinftimm t. ®ef(j^i(^te bed 3trafrc(^td unb beS Straf projeff ed. 199 Surgfricbcnebrud^ unb ift fölglid^ mit peinlicher (2:obe§=) Strafe ^^^^ .;u belegen. tiefe änfc^auung, welche fid^ — wie bie Duetten beroeifen — innerhalb bes 10. —13, 3aF)rF)unbertä erft attmä^Iic^ entroidelt f)ai, in für bie @cfc^ic^te beö Stäbteroefens unb beö mittelalterlid^en Äris minalrec^tö oon ^o^er Sebeutuncj geworben. ^3)ie peinlid^e Strafe bclicutet bie iNottenbung beö Söeid^bilbrec^tä. . . . 5!Bao bie Sanb^ fricbcnegefe^gobung für baö Sanbred^t, bad ^at bie SBeid^bilbred^tös cntiüirfeiung für baö Stabred^t bcrbeigefüfirt: bießri^eugung eineö öffentlid^en peinlichen Strafred^tä'' (3. 43). 2)ie (Introicfelung Kl« ftäbtifc^cn griebensrec^tö fnüpft aber roeber an baö Siecht ber Äaufleute"*"*) noc^ an irgenb roeld^e fird^lic^e ßinflüffe an/^"'*) »ieU melir allein an ben auf bie Stabt übertragenen Äönigsf rieben. ftraft besfelben erfc^eint bie Stabt, roie jeber befriebete Ort unb m\ beionberö bie Äönigöburg nac^ beutfc^em Sle^t alö ein 9lfpl. 2ao 3()plrec^t aber f erließt roieber ein SHe^t ber ©erid^töbarfeit in ndi, roeld^eö bein §errn beö Stfplö, bem Gigentümer beö Slfplortö ?uüobt. Tiefer 3wfömmen^ang füt^rt ju einer näheren Unterfud^ung pi^ ctaötgeric^tö (ftap. III S. 49 — 70), feiner Drganifation unb iciner ftompeten^ (Siap, IV „5^ie 3"f*önbig!eit beö Stabtgcric^ts", 2.71-7!»). — Äu^ baö äfplrec^t ber Stabt Ijängt aber mit 5)iarft-- tcdit ;;ujammen. Sie ^^Stabtfrei^eit'' ift !)ero orgegangen auö ber ^'Karftfreiljeit", nac^ welcher jecer Sefuc^er beö 3)iarfteö roä^rcnb ber ^lürittQj^e üöUige ^tei^eit oon peinlid^er unb burgerlid|)er l^oUftrecfung ocnoj, fattö er nur nidjit felber ben ^larftfrieben brad^. ©anj ebenfo '•■) Xic in ben 3tabtrecöten feit bem 12. -Jahrfi. fo ftäiific; uorfonimcnbe 3tTafe be§ .^anb ab Bauens ift nac^ Softm (3. .*i7), loie alle pcinlidjen ctraffn beö fränfifc^en 3iec^td alö bloB abgefcftroädjtc ibiljiehung ber 2obcös nrafe ;u benfen. ^^u Dgl. 21. 5iif f (, ber Öeric^toftanb beö Al'Ieruö im fränfifc^en Acidj (18x0; S. lOff. Über bie bef. in flanbrifc!)en 3S?^2, 3. LIV 3lnm. 8) ber 'Jlnfid)t, bafe Diefer C^Jotteöfriebc mit bem wn ber Äird^e oerfünbcten ni(^tö gemein !)abe. 200 Sittcratiirbcric^t. ift cö auii in bcr Stabt, bcm tmmcrroä^rcnbcn 3Warftp(a$. $^nncrt)alb bcö Stabtfricbcns !ann bal;cr fein Sd^ulbncr, fclbft niftt bcr rocc^cn 3>crbtcd;cnö ocrfolflte, anbcrs als burc^ iscrmittelunci bc^ etabtgcric^tö unb nur nad) 3)k^gabc bc6 Stabtrcc^ts rBJaiftv Stfplrcc^tö) in 3lnfprud) genommen rociben. „9Jur baö Stabtgericit (baö 65ertd^t bcr ^rciftatt; ift r>af:> für bcn Bürger alö folc^en ;u= tänbige ©eric^t. laö ©cfcn bcr Stobt alß Slf^I fc^Iicpt i^ro ^e* rciunci rom i'anbgcric^t in ftd)" (2. 54). 3(Io .Oerr bcr ftäbtifcben aifplc crfd^cint aber natürlich bcr Äönig; in ?foIgc beffen fmb aud) alle ^arfts unb Stabtgeiid^tc föni gliche ©cric^tc, unb alö Stabtridner fungiert bcr £d^ultl)ci^, bcr (Sentenar bcr fränfifc^en 9lcic^oper= faffung, bcr übrigens in bcn rerfc^icbenen ©cgcnben S^cutfc^lanbs bie mannigfad^ften rocdjfclnben 5Zamcn fül)rt. ^^m fteljcn alö ftänöigc Urtcilöfinbcr (©cfd)iPornc, Schöffen) j\ur Seite bic mit SBcidjbilb^ grunbbcfi^ in bcr Stabt angefcffenen Äauflcutc; bcnn nur biefc bcfifecn bao rolle Sürgerrec^t, oon welchem bcr gröfetcnteilo nac^ ^ofrec^t angcficbeltc ^anbroerferftanb ^unadift auögcfdiloffen ; oua il)ren Siciljcn ern>ad)fen bie „®cfd)lcd)ter'' bcr Stabt, bie allein ratos fül)igen §amilien beo ftäbtifc^en 'iJJatriciatö. — 3uftänbig roar bae Stabtgeric^t wegen feiner ßigcnfd^aft ate 3Karftgerid)t nur für ü)iarf ts fad^cn, b. l). im ganjen nur für geringfügige Sachen. 5^^^ ber fränfifd^en 3^^^ gehörten Ijier^cr nur bie auo bcm 3)iarftocrfel)r ent^ fpringenben Sd^ulbfad^cn unb bie gemeinen 3Diarftfrcoel, iDä[)renD in eigentlichen pcinlid)en ^vällcn ber Sdjultftcip als 9)iatftric^tcr imax JHcc^t unb ^flic^t beö crften Slngriffo l)attc, Urteil einer SJoUftredung aber bem ©rafen unb bcm eckten S^ing «t'anbgeric^t) refemiert blieb, ©runbftreitigfcitcn famen cnblic^ in biefcr ^Wriobe für t>ü^ ^laxiu gerieft übcrl)aupt nodji nidjt in Setrad^t. 5Diit ber 3<^i^ f^nb nun aber eine Grroeiterung bcr Äompeten,^ beo 3)iartt» rcfp. Stabtgcric^ts ftatt. Gincrfcitö 50g man auc^ ^ro.^cffe über bie ^u Söeid^bilDrec^t bcfeffenen ©runbftürfc alo Üeilc beo ^BJarftpla^cö uor baö ftäbtifdjc 55forunT, anbererfeito ging bie Semegung ba^in, auc^ größere ÄriminaU fachen unter bcm ©cftd^topunft beö Siarftfriebcnebrud^ö bcr 3u|tö"bigfeit beö Stabtgeric^tö 5U unterroerfcn. 3)ie Ic^tcrcn Seftrebungen l)attcn freiließ nur tcilrocifcn ßrfolg, bcnn es blieb Siegel, ,,bafj bie pein= Hd^e ©cricbtobarfeit au^erl)alb bcr Stabtgcrid^töjuftänbigfeit blieb" (S. 77i. ^n biefer Se.^ic^ung beftanb ba^er burc^meg bcr Unterfc^ieb üon i'anbrec^t unb Stabtred|)t meiter. Über bie ikbeutung biefeö „Stabtrecbtö" fftäbtifd)c Stedjitöfprec^ung unb 9(ed|)tseri^eugung; verbreitet fid^ ber Y. 3lbfd)nitt unferer 3lbs ^anblung nod) nä^er i^^as Stabtrec^t", S. ^0— l»üi. S^icfelbc lag mefentlidb in 3 Stüden, nämlic^: 1) in ber Entfaltung cineo peinlid)en J&id)bilbftrafrec^to «ogl. barüber fcfton oben S. 10s, Sol)m S. 3s ff.), 2) in bcr 33e|eitigung bcr ©cburtöurtterfd)iebc .^mifcben bcn ^öemobnern ber Stabt (Jyrcie unb Unfreie), mcldjc in le^tcr l'inie ebenfallo auf bao ftäbtifd)e 3lfi)lred)t ^urüd,^ufül)ren ift, unb 3) in ber CSntmidelung eines ftäbtifd)en .v>anbelö= unb 3Jeife^rörcd):ö, boö burd; bcn Mönig ©e^c^ic^tc bc« Strafrcd^tS unb bcö Straf projcffc«. 201 als CbcT^crrn bcr ©täbtc cincricite bcflünftigt, anbcrcrfcitö aber au(6 lontroUicrt wirb unb burc^ 3^^"»^^^ ^^^ 9)tarttjoUQ, foroic buii me^rfac^c, aus bem ®annrccl^t bcä Äönit^ö entfprunqenc 5lb- aabcn (j. S. oom 2öcin, Sal^ ufro.) S3efc^ränfunncn crleibet. Sas S(^luBfapitcl (Tl. e. 91—102 ,,Sd^Iu6") bcfcljäfti^ fid) mit bcr Stübtrcrfaffung unb i^rcm Scr^ältniö i^ur Üanbgemciubcücrfaffuntj. äucft bic 6ntftcl)unß bcs ftäbtifd)cn SRatö leitet So()m am bcr 5Karftocrfaffun(^ unb ^voax mi)cx auö ber 3Rartt(^eric^töpcrfaflung (rcfp. StabtftcricbtotJcrfaffung) ab (2. 95 ff.); benn bas 9Jtartt geriet iit bas rini^igc Crcjan, roeld^eö bem Warttred)t alö foId)em an(jel)öit. tic Sorläuferin ber ftäbtifc^cn SRatögeroalt mar ba(}er bie ©emalt ^ Sc^ult^eipen, meldten mir überall in einem encicn 2>er()ältniö etblicfcn %u bem emporfommenben 5)lat (S. 96, 99), beffen meiterc ßnttoicfeiung cnblid) ba^in j^ielte, ftc^ aus einem Organ ftabt^crrlidicr öeioalt in ein Drcjan ber ©emeinbe geroalt ^u perroanbeln. 34* S^ nal)cm 3ufammenl)ang mit bem erften Äapitel ber fc= eben betrachteten Schrift 3o!)m*ö ftel)t eine bafelbft auc^ öfter citierte Sb^anblung über „bie SRoIanbe ^eutfcblanbo", ^eraiiögcgeben als ^tfirift j;ur geier bes 2r)iä!)rigeu 8e|tel)ene beö 35crcinö für bic 8cf(iic^tc Serlinö (28. San. 189u) unb im 9(uftrane beöfelben ron I>r. jur. SU. ©6ringuicr nebft einer rec^tögefd)id)tlid)en (Einleitung wn ^rof. 91. Sc^röber in ipeibelberg. "'"*) ^as reic^ auegeftattete ä&r! gibt auf 3. 37—207 bic 3lbbilbungcn fämtlic^er jur S^^^ nod| ror^anbcner Slolanböbilber nac^ pf)Otograp(}ifcßen 2(ufna^men beö Oofp^otograpijen %. 21. Sd^roar^, eines 5)litgliebe6 bes obenge- nannten Sereinö, foroie jju jebem Silbe einige Erläuterungen, roeldjc ber öcrauägcber liauptfäd^lid^ bem bereitroilligen Gntgegenfommen bcr beteiligten Stabtmagiftratc gu oerbanfen l;atte. !Cie bargeftellten unb befc^riebencn SRolanböfäulcn finb in 5 nad^ geograpl)iic^en Sieaiii fcn übgegreujtc ©ruppen geteilt, nämlid^: 1) bie bem engerifd^en ©c^ biete ange^örcnben (®rafel, Cbermaröberg, $3remen, 33eberte)tt); 2) biejenigcn bcs norbolbingifc^en ©ac^fenä (Öraunftebt, Söebel); 3) bicjenigen bcr oftfälifc^cn ©ruppc (§alberftabt, Queblinburg, (Salbe; Stcnbal, Suc^ bei jangermünbe); 4) bie SHolanbe ber t^üringifcbcn 2anbc (5Jorb^aufen, 9leu|tabt unterm $ol)nftein, Cueftenberg, (Srfurt) unb b) bic bem ftolonifationsgebiet beö norböftlidjen 3^eut)d)lünbö ungehörigen (^Jerleberg, 3^6ft, ^allc a. 3., Selgern bei lorgau, 9urg bei 3Kagbeburg, Sranbenburg a. iQ., '!l5ren,^lau i. b. Udermarf, ?>o5loro [füblid^ »on 'ißreni^laul, 3^()^<^")- -C^icr^u tommen enblid) uod) *>) pci im äJolfsmunbe als SHolanbsfäulen be.^eid^nete Stanbbilbcr ^u l^ofen unb ^iculjalbenöleben unb bie ^Ibbilbung unb 33efd)rcibung bco 2(iroertarm6 am 9latl)aufe ju 9)lünftcr. — ^en für ben J^uriftcn intcreffantercn 3^eil beo Sucres bilbet bie Sd)röber'fd)c (Einleitung übet ,,bie Stellung ber SRolanböfäulen in ber 3icd)togcfd)id)tc" <3. 1—38). Xcx 5Jerfaffer roeift in biefem tleinen 3luffa^c, einer (rv= ii-> ') »erlin. 1890. (g. 3. 9«ittlcr u. So()n. XI u. 2n7 3. 202 Sittcratiirberid^t c^änjung ju feiner älteren Stbl^anblung ü6cr ,,baS iffietd^btlb" (3. 3 9(nm. 1, tjgl. oben S. 197 3tnm. 159) nai), bafe bie Stolanbe roeber 3cic^en ber Sleic^öfrei^eit,'^^) noc^ fc^Iec^t^m Spmbolc beß Stabts rcc^tö (bcr ftäbtifd^en ?fretf|eit), '^') noc^ enblidji S^^^^ ^»^Q Slut= bannS gerocfcn feien. S^ax fei cö jweifettoö, „ba^ oielfad^ gerabc x>ox bcn Jttolanööfäulen Urteile an §ate unb §anb gefällt unb ooUs ftrerft roorben finb;^^**) aber anbererfeitä giebt es riete Stolanbe, bei benen oon bergleic^en nie bie Siebe war, unb bei ber überroältigenben SKe^rjal)! bcr ed^ten 3)ingftätten ^at nie ein Slolanb geftanben". (3. 22). Sic Slolanböfäulen finb oielme^r — nac^ rid^tiger 3(nfi4t — gleid^ iljrem Vorläufer, bem ^Rarftfreuj, nur SBa^rjiieic^en Des 3Karftred)to gcroefen, ein Symbol ber foi^ialpolitifc^en '^lufgabeii bes Äönigtums. ®ir erfal^ren bann auc^ 3iäl)ereö über bas iHlter ber Slolanböbilber (ältefte ^lac^rid^t ca. 1340) unb i^re räumliche Verbreitung, bie ;,fic^ faft tjottftänbig mit bcrjenigen beö 2Sorte& ,,SBeic^biIb" becft" (3. 3), ba^er im roefentlid^en auf baö ©ebict öe^ fäc^fifc^=tl)üringifci^eu SJed^ts befc^räntt. ,,3ßeiclj|bilb" bebeutete aber nacft 3 gröber urfprünglic^ 5n)eifettoö ,/Stabtbilb" ober „Drtöbilb", '"'•) unb barauö folgt roieber mit 5Jotn)enbigfeit, ba^ bie 3>orgefd)ic^te ber Stotanböfäulen eben in biefen Stabts unb Drtöbilbcm %u fudjien fei, ben 9Jlarft^cid)en, als meiere neben bem Äreuj fid) auc^ öanD* fd^uf) ober :^axU>, %a{)nc, Sd^itb, 3c^n)ert, 6ut ober Stroliroifd) in ben uerfc^iebenen ©egenbcn Seutfc^lanbö finben. SJei june^menber Verfeinerung beö Äunftfinns formten \\6) bann bie alten 3tabt= unD SRarftfreu^e j^u ben Slotanböfäulen um; ber Slolanb ift ;^um iräger ber 3)iarttii;eici^en (5ö^ne, Sd^ilb, 3cljin)ert) gemorben. *'") ^i)xcn •Kamen aber uerbanfen bie ^guren bem Umftanbe, bafe fie bie Volfö» anfd^auung in 3ufi^^^<>'>^()^^^d l>tad)te ^unäc^ft mit ^arl bem (äroBen, melden man im beutfc^en 3)iittetalter alö ,,Urgefe^geber" betrad)tete, „auf t>en allcö meltlic^e -Hed^t unb fo aud^ bao 3tabt5 unb ^larftred)t jurücfgefüljrt rourbe" ':S. 26), fobann aber roeiter mit beffen fagen^aftem ^lleffen unb bcoor^^ugtem SBaf fenträger, bem unübern)inblid)en Slolanb bcr auo granfreid^ übermittelten !aro-- lingifc^cn .oelöenfage (3. '26—28). 35* ^Keid)e 5{uf|d|)lüf)c über bie mannigfad^ften Ver^ältniffe beö mittelaltcrlidjcn 3täbten)e|cnö geben uno and) bie fogenannten 3tabt = ^^•'') „Tcnn 9fortf)aufen mar bie cinjt(ic fd)on im SWittclalter anerkannte :Ueid)'?ftabt, bie einen :Holanb bc\a\\, crft fpäter finb 33rcmen unb A^amburg f)in3ugetreten, alle übriiien :)fo(anböftäbte waren lanbfä'fig" (3. 22, 2:\). '*^'i „^a eriüeiC'lid) 7 3iolanböbiIber fid) in 3)iar!tflecten ober Dörfern, bie cbemalö ctäbte geiuefen finb, befinbeii" (3. 2.S). '''\^ ,^u üergl. hierzu (denglet. ^cutfd)e Stabtvec^töaltevtümer, (rrlanqen 1.SS2, 3. l-2<) ii/aud) unten Üir. 37 ^.2^)1. '••'*) 'iu^l. eben 3. li>7 xHnm. VA) unb über bie ctiuao abiocic^enbe irrflarunii 3obm'ö ebeubaf. »■0) i^gl. oben 3. 19S 3lnm. 161. Oefc^id^t« bcS Strafrcc^M unb bc8 ©trafprojeffc«. 203 bü(^er, auf beten Sebeutung für bie SRcd^tägefci^ici^tc sucrft l^aupts 'M\6^ ^ome^er'^') ^ingeroicfen. Seitbem finb biefe Sted^iöquelfen mcirfad^ ©egenftanb einge^enbcr Untcrfuc^ungcn geworben, fo bafe Ms ). 3- »on i^omeper gegebene „i^er^eic^niö" ber Stabtbüd^er beute bcrcitö um ein erl^e6lid)eö »erme^rt erfc^eint. So roar u. a. fein Stabtbuc^ an^ bem ©ebiete beö je^igen Äönigreid^s Sac^fcn in ^cm i^erscic^niffe §omei)erö »ertreten. 2)iefe iJüde auö.sufüUcn bc;ii)ccft ein fc^r gebicgener 3(uffa| über ,,bie fäd^fifd^en Stabtbüc^cr K*o "BJittelaltero'' oom airdftiorat ^, ßrmifci^ in bem oon bemfelben borau60(e(^ebenen ^ bleuen 9trd)it) für fäc^fifd^e ©efc^ic^te unb Slltertumös funbc".''-^) Xex Serfaffer, welcher auf baö i^ema infolge feiner arbeiten jju bem »on i^m ebierten fyreiberger Urfunbenbuc^ '•^) ge= bracht rourbe, befd^ränft fic^ grunbfä^lici^ auf baö ©ebiet ber foge^ nannten roettinifcbcn Sanbe, befpridjit aber bie (jier uorljanbenen StüDtbücber, foroeit biefelben oor bem ^a^re 1500 angelegt roorben m, to gut wie oottftänbig. Stuf S. 110—143 unb 177—215 werben uno nic^t roeniger als 28 Stabtbüdjier fäc^fifc^er ©täbte (in a(p()a= beiifc^er ^Reihenfolge) if^rem Urfprunge unb 3"6öltc nad^ oorgefü^rt. .^)übcn biefe Grörterungcn, bei benen ^in unb roieber auc^ ©egenftänbe ^C6 3trafreci^tö 5ur Spraye gelangen, me^r 3i"t^'teffe für bie fädjififci^c l'pfalgefc^ic^tc, fo bürften bie auf S. 86 — 110 rorauögef deichen allge« meinen Semerfungen auc^ für weitere Seferfreife le^rreid^ fein. §ier roirö uns junäc^ft ein Überblirf über bie l)aupifäd^lid^ften normen ber i'enaffung fäc^fifc^er S täbte im 9Kittelalter (Sftat, Sürgermeifter, Sc^öffenfoUeg) gegeben unb fobonn bie 2tuöbilbung beö ftäbtifc^en Man^leiwefcnö gefc^ilbert, bei welchem eine n\d)t geringe SloUe bao x*(mt beö, erft feit bem 6nbe beö 13. Sal^r^unbertö ftänbigen, Stabt= ]d)rciberö fpielte. Über biefeö Stmt, roelc^eö l^äufig mit bem ber 3d)ulmeiftcr uerbunben mar, bal)er alfo nic^t notroenbig juriftifd|)c "^ilöung (b. l). Äenntniä beö römifc^en 3led)to) oorauofe^te, erfal)ren mir auf 3. 88 ff. alleö SBefentlid^e, i^. 93. über bie ^Hangftellung, bie 'tpflid)ten unb bie Sefolbung ber Stabtfd^reiber. 6inc Seite i^rer red)t mannigfachen I^ätigfeit bilbete nun aud^ bie 'Jü^rung ber Stabt= büci^er, auf beren G^arafterifierung ber Serfaffer S. 1^6 ff. näijcx eingebt. Sie bienten au^er -^u ben perfcbiebenften i?ermaltungovocdfcn ;u :}luf5eic^nungen pon 3latöbefc^tü)feu ('MUfüren, Drbnungen). 'ilucl) crlannte Strafen (roie SJerfeftungen, Stabtoerroeifungen, Ur- reiben ufro.) mürben infolge ber 'ijiolij^eigemalt bco ^Mateo in ben StaDtbüc^ern notiert, ,,bamit ber öetreffenbe fic^ ber Sciftung, .ui welcher er fic^ etwa ^atte oerpflic^ten muffen, nid)t ent3iel)en fönne". (S. 09). @anj befonbere 3Bid)tigfeit gemannen fie aber baburd|), baJ5 ne auc^ 5pritjatangelegen^eiten ber Bürger aufnahmen, ein llm= ^''U Xic 3tabtbü(ftcr bee SWittclalter«, in^bcf. baö 3tabtbucö von Cucblin^ 6urc5 in beit 9(b^anb(un(^cn ber fgl. 3lfabcmic ber 'il'iffeufc^aften. :öerl. ISOO. ^ 1"*) ißb. X, im.), 3. 8;J-14:J u. 177-l>15. ^•^; $gl. l^ie näc^fte 2lnm. (,174k 204 Sittcraturtcric^t. ftanb, bcr, rote bcr SScrf. ©. 100 ff. ausführt, im 3wfer= ^anblunc^en in ^rogeffen, bic aber burc^roeg rein prioatrcdjts Heften 3nl)altö finb. ^l)xc pra!tifd)e Sebcutung ift benn aucft „^aupt- fäd)licft nacft ber priüatred)tlicften Seite bin ju fucften . . . 2Öir I)aben in ben alten Stabt* (unb @ericfttö)bücftern bie 3?or(äiifcr unferer heutigen @runb= unb ^ppotftefenbücfter <^u feften" (S. 102). Söecten il)rer mit bem 3lltcr ftcigenben Sebeutung für bic Stäbte rourbnx ne mcift fef)r forgfältig aufbewahrt unb bcroacftt, 9lbfc^riften aus ben- felben ^. S. nur im Seifein ber Sd^öppen geftattet. "*) 36* 3" '^c^ jroeiten Xeile feiner ,, Seiträge jur älteren in-r- faffungogefd)icftte bcö Scftöppenftu^Iö juSeipjig" fd)i(bert 3^ft. S^ifteP'") unter gefcfticfter Serroertung eineö rorjugsroeifc bem föniglicft fäd)ftfd;en ^"*) 3*n 2lnfrf|(uffc an bicfc Slbbanblimg Grmifc^'^ fei bicr barauf bim gcroicfen, ba6 von bem burcf) bcufelbcn ^öerfaffer berauögegcbcncn „Urhmben: buc^ bcr Stabt Jrcibcrg in Sac^fcn" (vc^l. oben S. 20.i u. 9lnm. 1V3 unb Sbning in Z V iAb), ber II. 33anb, cntbaltcnb: Öergbau, 53ergrec^t u. SOiünje, er^ fd)icncn ift (auc^ unter bem Xitel: Codex diplomaticus Saxoniae reuiae. 3m 2luf trage ber fgl. färfjf. Staatörcgicruug herausgegeben oon Ctto "i>offe unb i»ubcrt (Srmifcb, II §aupttcil, XIII. :öb.. i'eipäig, Öicfedc u. Zv Orient ISHfJ, LXVllI u. 5oÖ S. — ?(IS bcfonöerc 2luegabcn au^i biefem gröfeeren 32ßcr!e erfc^ienen: ©. ßrmtfc^, 2)aS fäc^fifcbe 3Jergre(bt beö Mittels altere. 3Kit e. 2:afel. Scipjig, öiefecfe u. 2)corient. 1S87. CLXIV u. 241» 3. u. bcrfclbe, Xaö Jrciberger 3tabtrc(5t. 3)lxt c. X^afel. Scipj., cbenbaf. l^'^U XCI u. Sß^: 3. 21I§ weitere ^^ublifationen von mittclalterlid^en iHecftt*qucUcn, inebefonberc oou Urfunbcnbüd^crn, au^ ben legten 3abren fmb femer — näberc iBefprec^unt^ oorbebaltcn — ju nennen: 1) Urfunbcnbucft ber 3tabt 3Jaf el. iper auegegeben i^on ber biftor. unb antiquar. (^efeUfdjaft ju ^afel, ^b. I. be^ arbeitet Don 9iub. 3Bacfcrnagel. u. JHub. 2bommen. iBafel, Sctloff. If^^O. 2) Urfunbenbud) ber 3tabt unb Üanbfcbaft ^üri(f. §crauegegebcn oon einer Äommiffion ber antiquarifc^en ÖefeUfd^aft in cJn'^itft/ bearbeitet x>on Dr. o« efc^cr u. Dr. % 3cbiociter. I. 55b. 1. §älfte. ,Süric^, 3. i-vöbr. 18fi8. ii) Urfunbcnbuc^ ber 3tabt 3trai}burg. IV. 2 in: 3tabtrecbtc unb Slufjeicöi nungen über bifc^öflicb^ftäbtifc^e 33efi^ungcn ufio. o 21. 3(bultc u. &. äßolfs gram. 3tra6burg. 1K88. 4; Öuft. Scbmtbt, Urfunbcnbucb bc§ .t^ocbftiftJ iöalberftabt u. feiner 35ifd)öfe. III.2:eiI (l:304-l:W51). mt G 3iegeltafetn. 2lud) unter bem Xitel: "Vublifationeu au^ ben f^l. preuft. Staatdardjiüen. 27 23b. Seip^ig. 1887. 5) (iJuftao .^ertel, 5^ie baUcfdjen 3(böffcnbüd)er. II. Xeil (,1401—1460), berauögeg. oou bcr biftor. Mommiffion ber ^^rooinj 3act)fen. 'ülucb unter bem Xitel: (vJefd)id)tequcUen ber "iprooin5 3adifen unb ans grensonber (Wbiote. 14. 23b., 2. Xeit. .'oallo, >>cnbel 1887. 6} a)iaj itrübne, Urfunbcnbucb bor .Hlöflcr bor 6raffd)aft ^Jianefolb. .v>orQuroüin5 3acbfcn. Wit <> 3iogcItafcln u. einer Üarte. "ülucb unter bem litcl: C^cfcf)ict)tequcUen ber i.'rouins cacbfcn ufw. 2U 25b. .N>aUo, ^-vcnbcl 18KS ^■■•) 0" ber S«"'»tfd)rift bcr 3aoi(^nrj:3tittg. für ^K^cbtegcfd). 53b. X., 18^9. (5Jerman. 2lbtlq. 1. i>cft. 3 1)3—97. (3cf(^td)te l»c§ Strafrcc^tö unb bcd Strafpro$cffc8. 205 ^uptftaatöard^ioc ju S^resbcn entnommenen 3(ftcnmaterialö bic 5teu= bcflirünbunoi bco (genannten Sc^öppen)tul}lQ burc^ ben Äurfürften Supft im 3af)rc 1574, '•''') roomit ^ußleic^ oielo intereffante unb jum (itößten leil biö^cr unbetannte biograp!)ifc^c 5ioti^cn über [)öl)ere lurfürjtlicj^o'äc^fifc^c Seamte, @e(cf)rtc, foroie Öürqermeiftet unb 3d)öppcu bcr 3tabt iticipjici ocrSunben ftnb. 2)ie neue „^unbation", roclc^e baö ÄoUcivum ber iJcipjicjcr ©d)öffen bamalö erhielt, ift für bie ®c= i4i(btc bcT fä(!^fi{d)en ©eric^töocrfaffung nid^t blo^ ron »orübcrcjeticnber ^twutung gcrocfcn, ba bcr Stu^l bis gu feiner Sttuflöfung im Ija^re 1835'*^ mefentlic^ in berfelben ?vorm forteriftiert [)ai, welche i^m rjom Üurfürftcn 3tuc;uft gegeben. 2)er SJerfaffer fc^ilbert j\unäc^ft auf 3. t)3— 76 auöfü^rlic^ ben ®ang ber 3?er()anblunöcn ber Steformation, iDclc^c fic^ burc^ allerlei 3w>0cfe^"fößc länger l)insogen, als es bem j\u taidjcm öanbeln ftcneiftten Äurfürften lieb fein mo^te. 2)en äußeren ^nlaB i^u bcr fd^on länger geplanten Steorganifation beö '3c^öppen= iniWö bilbctc ein j\mifc^en ben Saien unb ben rcd^tägcle^rten 50iit= alicbcm bcsfelben ausgebro ebener Streit/'**) in %olc^e beffen ber Äurfürft w ßubc Sluguft bes :^"\at)reS 1574 von feinen Släten ein ©utac^ten über Die ^iluöfüf|rbarfeit feiner Sleformibeen einforberte. 2(uö biefen, »om furfürftlic^en Äammerrat Dr. Sinbemann üerfajjten ,,3Jebenfen'' acht ^eruor, bap ber Surfürft bamals fogar mit bem ©cbanfen um= Itcftangcn, ben Siö bcö alte^rroürbigen Sd^öppenftu^lö ganj aus ^cipjiiq ;u i^crlcgen. üBer^inberte bieö auc^ ein auöfübrlic^ motioierter iWcft ber diäte, fo rourbe bod) eine PöUig anbere ^i^fammenfe^ung l)cs Spruc^foUegiumß traft lanbee^errlicber 3)iad)tbefugniö burdjgefe^t. Gin üctmutlic^ an ben 5Wat ber Stabt Seip^ig geri^teteö £d;reiben rügte nic^t nur im allgemeinen bic jur 3cit beftc^enben miplic^en ^xx- ftänUc im SprucbfoUcg, fonbern enthielt aud^ Stusftcllungen an bcr I^ätij^feit mcl)rerer fpej^ictt genannter 9Jlitgliebcr. Öefonbers fd^arf njurtc betont, bafe bic rcc^tsgcle^rtcn ©d^öppen fid; il)rem üKmtc auö= ^liefelic^ unb oöHig ju roibmen [)ätten unb ba^ fic im ganj^en ianbc in peinlichen Sachen allein fpred^cn folltcn. 3)ic Sö^l bcr Schoppen foffte oon jeftt ab ftctö 7 betragen, baruntcr, roic id)on frül)er, bie 3 Sürgcrmcifter ber Stabt, minbeftcns ^ rccbtö- ftclel)rtc !Cohorcn unb ein fiebenteö, entroebcr auo bem Saicn* ober äuriftenftanbe ju nc^menbeä 3Jlitglieb. Saburc^ bap bie furfürftlid^en Sttte bebufö Äenntniöna^me beö äi^ortlautoö ber alten Sc^öppcn= orbnung ••'•') um Überfenbung berfelben aus Seipjig baten, bcr erfte ^'^; Jet erfte Xcil ber Slb^anblung, toclc^er bie 5?erfaffung6(KMid)te bcc> 345ppenftu^I§ bi§ 5um 3af)re 1574 barfteUt, ift enthalten in b. S^^^Wr. ber caoignp^Stiftg. f. 3Jed|t«acf(5. VII. Öerm. mt, 3. HS— 115. ^u u^I. bar= über iöninq in Z YTI «7()— 677. *■") 3" i>fll- § -^^ ^^^ ^äc^f- Öcfe^cö: bic pljcren ^uftisbeljörbcn unb ben Snfianjenjug betr. oom *2S. 3an. 181^. ''') «gl. barübcr Xiftel in CSrmi|c^'« DJeucm 'ülrcftiü für fäcftfifdie 0e= W^tt ufro. VIII (1887). 3. 1(>1— 12S. *'''i Sgl. über öicfclbc 2)iftcl in b. 3eitfc§rift ber 3nü.:3tiftg. für 3ie(^tc>: gef*. VlI. 3. 111 ff. 206 Sittcraturbcric^t. Sürgcrmciftcr ber Stabt, öicron^muöSlaufc^er, fic aber anfänglicj nid)t aufjufinbcn unb im Drigiualc oorj^ulcc^cn pcrmoc^tc, ferner burc^ ^JJiitteilunß beö Sinbemann'fc^cn ßntwurfö ber neuen Sdiöppenorbnung an bic 5Häte ,^u S^reöben, foroic fc^lie^Hc^ burc^ 3>erjic^t mehrerer ber neu Dovc^efc^Iagenen Sd)öppen auf bae i(}nen j^uc^ebac^te ä(nit, eilitt ber Jortc^anc; ber Slngelegenfieit me^rfac^e Unterbrec^uncn. ßnöUcfc Tuar biefeibe jeboc^ fo roeit gebieljen, ba^ am 15. 9toDembcr ^bao ^rofic ^ufticienroerf" ber Umbilbung bes gd)öppenftul)lö fclbft vorgenommen werben tonnte. Über biefen frieblic^en 3lft erfahren mir auf S. 76 — 81 ber 3lb^anblung baö Siä^cre. 3Korgenö 7 U^r rerfammelten fic^ am genannten läge auf bem 9JatF)aufe ju Seip^ig Dor ben fur^ fürftlid^en i^ommifjaren bie alten unb bic neugeroäl^lten Schoppen fc= mie fämtlic^c jur 3<^i^ anrocfenbe SRatsmitglieber mit bem Bürgers meifter SHaufd^er an ber ©pi^e. Se^tercm ^änbigte ber Äanjler (t). Äpfcnmeter) nac^ SJerIcfung ber !urfürftHd)en S'^P'^ut^ion für bie Äommiffare bie §unbationöurfunbe ein. ^Ia6) einer furjen Beratung beo ^JDJagiftratö erflärtc fic^ namens beäfelben SWaufd^er mit ber neuen Crbnung einocrftanben. hieran fc^lo^ fid) bic 6nt(ajfung ber alten 3d)öffen aus i^rem 2)icnft, bic 3Iufnabme ber neuen (§ucrft bic 4 Saicn, bann bie 3 ^oftoren), enblic^ bic 6infüt)rung ber [enteren in ifjr 3lmt unb bic Übergabe ber 2(ftcn. 3^ic SJercibigung ber neuen 3JJitglieber fonntc jeboc^ wegen oorgerürfter ^cxt erft am 3Korgen beö 16. ^io« oemberö gefc^ei)en. — 3llö Beilagen ju feinem 3(uf)a$c finb uon 2)iftel ()ingugefügt : 1. S^er Slbbrucf ber S^f^^^^i^^^^ für bie furfütftlic^c Mommiffion jur 3icubegrünbung beö ©c^öppenftuf)Iö. 2. S^ajenige ber Junbationöurfunbc beö leöteren felbft (gleich 3ir. 1 batiert auö 3lnnas bürg, 6. 9ioocmbcr 1574), '*'*•) meiere in ifjrcn einjclnen S3eftimmungen auö) fulturgefcbic^tlid^ intcreffant ift.'^') 3. Sie alte unb neue ßibcös formel ber Schoppen, foroic bereu Slcocrö über getreulic^e 3luöübung i^reö 2Imteö. 4. Ginc Sifte ber ficipjiger Scböppen uom Sa^re 1574 biß 5um !Jobe bes JSurfürftcn 2(uguft (11. gebruar 1586). 5. Gine Slbbilbung unb Sc)d)rcibung beö ©ericbtsficgelö beo Sc^öppenftublö. 37* Unter bem Jitel „ftrafrcci^tögefd)ic^tlid)c ^nblinge" giebt berfelbc 35erfaffcr „im bleuen Slrc^io für fäc^ftfc^e ©cfc^ic^tc unb ^lltertumotunbe" '**-) eine roeitere ?^olgc ber bereite f rüber, teilmeife and) in biefer 3ritfd)rift'*'^) üeröffcntlid)ten Sprücbc fäcbftfcber St^öppen^ ^''") ^ic Junbationeiirfunbc ift abgebrudt nacfi bem im iHateard)io ju ^'cip5ii^ bcfinblict)cn Criginal. Ältere Slbbrücte (uoii 3:bomafiu$ i'ünitj, (IJrctjc^el) loareii niö)t genau. 2^aö Mon5ept Sinbemaun^ befinbct fidö im fg(. fäcf)f. ."oauptftaatC'arc^io. ^■^) '^lan ücri^eicöe 3. 5^. bic ^sorfcbriften in ber Xitelüberfcfinft: „^u luelcher ftunbc bic fcööppen auf geben unb lüie ficö fonft in ihrem ambte vcx-- halten foUon" (riftcl 3. f^'s'i mit unferer lienti(^en 2ac\cöeinteilunc^. 'l'tgl. bier-- 5u üucf): Btintung, (^icfcf)id)tc ber beutfcbcn :Xccf)t'Jn?iffonfcbaft. 11, 3.57. ^^-1 .ocriUK^ct. üon CiTmifd). ^l^b. IX U-'^S':^' 3. 15o— IW, 3. :W7--;^-i9 u. ^35b X (issjh 3. i:)l-i:)4 ' ") ^4>gl. Z VIII. 3. 589 ff., IX. 3. 20s ff., X. 3. 4:n ff. über nod» (^cf)ic^tc l)c4 Strafrcc^tö mit) t)c3 8trafpro',ctfc5. 207 ftü^Ie, foroic onbcrer friminal^iftorifd^ ober fultu^(^efc^id)tIici^ intcrcffaiitcr ßrciamifc auö bcnt 16., 17. unb 18. ^al^r^unbert, n)o;;u bas SRatettal (\ldd)faliö ^atiptföd^Ud) aud bcm fönic)(td[) fäc^fifc^cn .*r^auptftaat9ard)tv (icjdibpft lüurbc. I^ie SRei^e bcr mitctetciltcn ^ginblint^e" eröffnet: 1) ein Spruch bcr Schoppen auf bcm Scrctc vor bcm -Holanbe u §allc 1576 in einem ^jSrojcffc gccien ben ^ägermeifter Gorneliue V. Süjrleben mcgcn Seicibigung bcr Äönigin S'orotFica oon 3)äne= mar!, 3Ruttcr bcr ilurfürftin 2lnna von ©ac^fen. S^aö Urteil in biefer, oufSJunfc^ bcö Äurfürftcn möglic^ft geheim bcf)anbelten Sac^e, lautete auf öffentlichen SBibcnuf bcr ^njurien unb lebenslänglic^cö ©efängniö. 6an^ ä^nlic^en S^^^lt ^at 2) ein Spruc^ bcr Bd^öpptn ju i:eipi|ig rocöcn ÜKajeftätöücrlc^ung (1558). £er Delinquent n:ar bcr „ffiagiftcr" 9)Jicl^ael SRofin, roelc^er ben Äurfürften G^riftian I. oröblic^ bcfc^impft, unter anberem über benfelben aud^ geäußert hatte, er ^alte „mc^r uff ^irfc^en alö uff firc^enbiener, aud^ met)r uff picri^c ban uff bic jufticien''. 3tuc^ ^icr rourbe auf aBibcrruf bcr cc^mo^ungen, ftatt aufOefängniä jeboc^ auf Staupenfc^lag unb 2anbeö= mroeifung erfannt. 3) Gin Spruc^ bcr Scipjiger Schöffen auf Seilen mit glül|cnben 3^"9f" wnb Sebenbigoerbrennen er= PH im ^a^rc 1599 gegen einen me^rfac^ oorbcftraften gefä^rlid)eu Äird^enräubcr unb Sranbftifter, 3af. ®erger auo Älot5fcl)e bei S^resben unb rourbc an bcmfelbcn am 26. Df tober bcsfclben ^^^reö j^u 2)reöben »onkogen. 4) 2)ie 9iac^rici^ten über fäc^fifc^e äd^arfridjter auo ^cn 3ö^ren 1605 unb 1723 liefern ein ä^-'^Ö^i^ K'^ »^i"'-' ö^'^^MI^' celbftänbigfcit, mit roelc^er biefc beim ©trafooUjugc früberer Z^hx- iunDerte fo roid^tigen ^>erfönlic^feiten i^rco graufigen 3(mteo j^u malten Domoc^ten. 35Jcld^c barbarifc^en ßjrcfutioncn fie unter Umftänbcn .^u Pemcftten Rotten, geigt bcr auö bem ^l^^tc 1605 mitgeteilte ^a[[, für rochen jeßt auc^' auf biefc ^eitfd^rift SJb. X (1890) S. 441 ihu= roiefen roerbcn fann, roo berfelbe tjon Siftel abcrmalö turj referiert 4. 6s folgen 5) Seftimmungen über bic Xobcöftrafe bei Äinbcrmorb (1680 ff.), meiere nac^ bcr ausbrücflicb erflävten 3{n= ^t t>eö Äurfürften Sodann ©corgs II. wad) ber gan.^en Sd)ärfe beö ßefeftes, D. ^. burc^ ©rtränfen ber 2:l)äterinnen im 2^ad („Säcfen"), ni(ftt burc^ einfache (Sntl)auptung mit bem £c^mert oolli^ogen roerben Mte. 3nilber .geigten ftd^ anDcre fäc^fifdje Äurfürften, befonbero Johann ©corg lY., unter beffen SRcgierung mehrmals (,v S. 3 mal im 3tt^rc 1602) bie Strafe bcö Säctenö im ©nabenroege in Enthauptung umgeroanbclt rourbc, ba fic „leidet eine befpcration unb feelengefat)r nad; [i sieben fönnte". We^r »on altgemein fulturl)iftorifd)em ^ntereffe finb bie 3)JittciIungen 6) über bie '^Iblieferung ber I^eidjc eineo •hingerichteten an bie Slnatomic ju i!cip?iig (1723) unb 7) über t>aQ Irintcn oon Slut eines (Tntbaupteten feitono fincs gallfüc^tigcn (1755), roeld)er lefetere Aall eine beutlid)e »rfiberc Sb^anblungen 2)tftclö ä^nlic^en ^nfialto su ügl. ^öniq in Z VlI 5. 677 ff. 208 Sittcratiirbcvic^t. Jltuftration ju bcm fc^rcdlicftcn, bamals nod| im Solte j^crrfd^cu: bcu 3(bcr(\laubon liefert, dlx. 8: (ö^cbruc^öftrafc für einer •l^farrer [1552]; bietet im ganzen roeuig SJemerfenoroertes; tagegei Dcrbienen ^Jh. 0 imb 10: (Öefd^reibung einer metallenen iäc rid)töl)anb, meiere Der &rfüffer in ber Sammluni^ eines ©irte« auf ber Sergruine "IJoHenftein in öö^men cntbecfte, fomie bic "Dlacb richten über Die „^iiJurjener Sc^anbflafd^en"j unfere Seac^tuni^. Jii „©eric^töl)änbe" pflegte ber Ulic^ter bei fic^ 5U füljren, um bon i>k l)or)am ber Parteien baran geloben ,^u laffen, eüentueU aber and) bei Unge^orfanten „einen guten Streid)" bamit gu uerfe^en; t>aQ Jragei ber „3d)anbflafd)en" aber mar eine 3lrt fpmbolifc^er Öbrenftrafe uni befonbcra für meiblic^e 25elinquenten (megen Snjurien ufm.) in ©e brauch, eine (ofale XUbart ber im "^Jiittelalter weiter uerbrcitetcn 3traf beö irageno bes fogenannten ^ag^ Safter ober Älapperfteinö. ''** •Jtr. 11: Spruc^ ber Seipjiger Schoppen gegen eine SilDer ftürmcrin oon (1546), welcher an ben 9lat ber 3tabt ^ölerfeburi erging, be^^og fid) auf einen nad^ 3(rt. 171 ff. CCC. beurteilten 3)ieb ftal)l, meld^er als „'öilöcrfturm" be^eic^net würbe. @ö ^anbelte fid um eine ,,3d}ulmeiftcrin", welche iftre Sd)ülerinnen angcftiftet l^attc i^eiligenbilber «^u entroenben, um baö §015 jum 6in^cij|en 5U bcnu^en ^rtannt rourbe auf ©elbbuße ober anbere roitttürlic^c Strafe ^Jlr. 12 enti)ält ben Spruch ber 2eip5igcr Sd^öppen über ein bei Carolina unbefanntes 2)elift, nämlid^ bie (Entfernung eines @e rid^tsfiegeU (um 1550). Der 2f)äter, ein SDrcsbencr SBürger, tan mit aSerurteilung j^ur 'Berroeifung ober einer nad^ feinem S?ermögei abi^umeffenben „tapfern" ©elbftrafe bapon. 2^ie noc^ folgenbei stummem befc^äftigen fic^ fämtlict) mit weniger originetten unb in tereffanten gällen als bie bereite genannten, fo ba| l|ier i^re auf .^ä^lung genügen wirb. 6ö finb 13) ^Sefid)tigung eined ftranguliertei 3)iebe9 wegen alberner (abergläubifd^er.) ©erüc^te", 14) „iJanbes^en lic^e Konfirmation einer Stec^töbele^rung (1655/, 15) „3öaö ge^öi ,^u ben furfürftlic^=fäd^fi|d^en unb inforporierten ifanbenV (1717, 1765), eine eJ^age, bie ^ier l)auptfäd)lic^ in Sejug auf Üanbeöperweifun aufgeworfen unb beantwortet würbe. 16) „Spejialreffript Murfürft Jvriebric^ 2(uguft IL ju Sad^fen üom 17) '^mU 1744, betreffenb bi ^iJerwanbtung ber Üanbesoerweifung in anbere Strafen", inöb( fonbere in geftungsbau- unb 3"^t^^"öft^^^^*^^- 38* Über ^bie Strafen ber SBorjeit in ber Dberlaufi§" ^anbe! ein 3Iuffa^ t)on ©. Äorfd^elt im ^'Jleuen Saufi^ifd^en ^Kagajin".*'* ^Jiac^bem ber 'Berfaffer, welcher me^rfad^ auf ben ©egenfa^ S^ifc^e ^^*) 5>al. örimm, ^^cutfc^c 3tcc^tealtertümcr 3.726; öeiigler. Xeutfd 3tabtrcdjtöaltertümer. 3. 1;U ff.; öicrfe, 2?cr .'oumor im beutfc^en 3iecl^ 2. 3lufl. ^43erl. 1887. 3. 61) 3lnm. 1«1 unb unten 3. 201) 3lnm. 1S6. »^'•) Csm ^iluftrage ber C ber lauf i^fd)en öefeUfcftaft ber SlUffenfc^aften he ausgegeben üon ^rof. 3d)önn)älbcr, iöb. LXIII, 1888. 2. i^cft, 3. ol @tffc&id;tc 1»C6 Strafrcc^t§ unt) öcö Strafprojcffcö. 209 bcr Sraufamfcit bcö Strafooff.^ugö bcr foßenanntcn „c^utcn, alten ,^cir unD bcr Humanität unfercr heutigen Ärimtnaljufti;^ ^inrocift '3. .'^Oii, 3Hlv einen !ur,^cn attgcmeinon Übcrblic! über bao ältere bi'uiidjc P3encI)tODerfa!)ren unb Strafrec^t ßegeben TS. 300 — 311) be- tUmiit er Die fpe^iv^Kc Xarftellung ber in bcr Dberlaufi^ pom 14. bi^ ins IS. ^\al)r()unl>ert ^inein (befonbero aber im IG. unb 17. ^ai)X: bunpcrt) c^cbräuc^Iic^ geroefencn Strafarten unter i?Infüf)rung ^ai)U rrlcbcr quo Gbronifen, ©erid^töprotof ollen unb anberen llrfunben ent= nomincnc:i 'i^eifpiele roirflicö polljiogcncr Grcfutionen beifelben. Se= iprodiou luerDen ber 3lei()c nac^ bie iJeibe9=, G^rcn^ Arei()eito=, G5elb= uniIotJe'Mi'cbeno)3trafcn(S.311ff., 313ff.,31Hff.,318 ff., 320—331) uiiHpon t>em legieren roieberuin fpejielT Dao i^ängen, Crntl^aupten mit öcm 3c^ii)ert, ba« ^KäDern, Sebenbigoerbrennen, 'iJicrteilen, H'ebenbigs bciirabcn, „SpieBcn'', Grtränfen unb Säcfen. Xaju fommt bann nod(> öic Cualififation Deo ^n^icfcnö mit glü^enben 3ongen uor bcr öin^ ridjiuuiTi. äöie a\\^ biefem Äatalog crl)el(t, mar axid) in ber Dber= IiujiR t»aö Strafenfpftem ein gleic^ nmnnigfaltigeo unb barbarifc^cö m in anderen teilen 3^eut)d)Iant)o unb uon bem '^Jrinjipe ro^eftcr Äb'dirocfung unb 5?er(\eltung beberrfc^t. %ix^ bem iJctail ber 3lb= hanMunc^ unb mel)rere Stellen, i^. 53. über bie militärifc^cn Strafen N'tj 3DieBrutenlaufenö unb Satteltragenö (3. 312), über bie poli= üciliio Straf art ber Ginfperrung ino ,,'i)tarrenbäuoci^en" (S. 314) über Die f^mbolifd^en G^renftrafcn, mie bae ^flafc^entragen für jan!- nicb% -liViber (S. 314 ff.), •*''•) befonbero aber über ben 'JJii^brauc^ mit rem ölut, ben Körperteilen unb ben Äleibungoftürfen .^ingerid^teter «3. :i:iO| aud) von allgemein fulturge)c^id)tlic^em ^'^ntereffe. t^infid^tlic^ bcr X'cibeös unb l'ebeneftrafen ftimmte mo^l ber Werid)togebraucl^ auc^ in bcr Cbcrlaufi$ fo .jiemlic^ mit ben ißorf Triften ber Carolina über= ein. lao S. 329 ff. oom SJerfaffer ermäljnte ,, Spiepen" bürftc mit bem „'lifä^len" ber ^(}.@.C alo ibentifc^ ju betrachten fein. Doc^ war CO in biefer ©egenb nur feiten, unb j^mar nid)t für cViinbeö= tiiörbcrinnen, in ©ebraud), für meiere t»ielmel)r bao Grtränten ober Siicfen alo ^Kcgel galt. 39* on einem gemiffen ©egenfa^e ^u bnn foeben befproc^enen Sufiaö ftel)t ein Öuc^ oon Dr. XH. '!^xci)bc, betitelt „3^ao Seben im Äecbt", ''*') infofern nämlic^ ^ier baö „gute, alte" 3led)t unferer l^or= fabren m vielen ^IJunften and) ber heutigen ©eneration alö nad)al)meno= rccrt empfohlen roirb. g-rcilic^ benft /^ret)be babei nic^t allein ober aud) nur in erfter Sinic an baö Straf redjt unb berüdfid)tigt ferner l)aupt- fiittlic^ 5Hec^t9quetlcn einer oiel frül)eren '^Seriobe, bereu Gnbe etma '"^1 %l. oben 3. 2US. — .Horfcftelt weift ba§ 3.^or!ommen biefer Strufe för ^ut^en, 3tolpen, iJifc^oförocrba, t'JiittiüeiDa u. Cfcba^ nacl). rfu ugt. aud) ^e*fclben ^crfaffere „3ittcn unb ÖJebräucfic in ber Cberloufitj" im ^)l Siau- W(^ SKaiiasin, :öb. LXlI. 3. 19 ff. ^'"i 'iinc Sammlung oon SHecf)tefitten. ^mi'itc criüeitertc Sluffagc. (iJütetö^ lo6, e. Q^crtcl^mann. issi). XVI u. '2m 3. .Sor= rebe, S. VIII-XIII unb £. 253—258: 9tltbeutf*e Strafe für Sruc^ ber Verlobung verglichen mit § 1227 bes Cntrourfs eineö bürgerlid)en ©efe^bud^s.) iter ©efamtin^alt bes in 38 3lbfdjnitte geteilten 33ucbo fteüt fid) etroa alö ein populär ge()altener ©runbrip ber ©efc^ic^te beo älteren beutfd)en iRed^tö bar, unter befonberer .yeroorl^ebung feiner et^ifdjen vtattoren. Saö Strafred)t unb ben Strafprozeß berü^renbe Stellen jinben fic^ in t)erfd)iebenen Äapiteln jerftreut (fo Äapitel 17, 18, 20 —23, 25, 29, 34, 35); befonbero aber finb friminaliftifc^en tÖiaterim geroibmet bie 3(bjd^nittc 27 (,,Xiebftal)l unb Söucber", S. 105—185», 28 (,,bieel)renftrafen^ 3. 185— 201), 32 (überfc^rieben : ,/i^olfor ferocität, ©raufamfeit unb Barbarei in ben Strafen", S. 241—247). 3n ben beiben leöteren xHb)d)nitten folgt bie Sarftellung — wao t^er 3Jerfaffer übrigens be.^üglic^ bes Stbfd^nittö 2.s [auf S. 185, ittnm.] felbft l)ert)orl)ebt — fel)r eng, oft fogar Seiten lang roörtlid) ren Slec^töaltertümern y\at. ©rimmö (ogl. bafelbft S. 711 ff. unb S. j)82 ff.j. :äm iUbfcbnitt 31 („bie Gl)rlid)!eit unb Strenge im beutfc^en '«yolforec^t. Jalion unb Sletrobution", S. 234—241), loirö i-^-) T. II.: J^a« i?cbeu in bor Ireuc. 2. ^Hufl. (^ütorelof). iss». n. 21.: Tao l't'bon im Xant. Ci-bcnt>af. isss. '""••) ^iN(^[. bef. tieften 2(uffa^ in 3cI)moUerij ortbrbücliern für (Mc^aebuna, "i^enoaltung unb iBoIfemirtfc^aft im beutfd|en diiid). ^ainq. XII. i:eip5. IS-y^, i-^eft 2. (äcft^ic^tc t»cS Strafrccftts unb bee Straf pro^ffc^. 211 nnfcteö Grac^tcnö mit Siecht betont, bafe bor ©cbanfc bcr 3\Jicbcrüer= ocltunn fid) auc^ im gcnnanifc^cn 3trafred)te in bcn 3a^Ircid)cn 25cr* flümniclimcicn bcr fd^ulbigcn ©lieber foroic in ben graufamen Strafen für SiarftfrcDcl u. bgl. unfc^roer üerfolgen laffe. '"^') Tau 3)laterial ?;u Den ^bfdjnitten 30 Ubie Tierwelt in 5Hec^t unb fHed)tofitte", 2. 226 bis 234) unb 83 (^©nabc bei 9lad)c", S. 247— 2.') 1) ift ^auptfäc^lic^ aus Cjenbrüggen'ö rec^tsgefc^ic^tlid^en Stubien ''-*') üerarbeitet. 40* 9Bon mefentUc^ anberem (Edilage (alö baö eben in Ütr. 38 bclpro^ene 22erf ) ift baä in erfter i'inie roofjl ebenfalls nic^t für bas {urijti|(I)e ^»ublifum bcred^nete 93ud) von SS. be ^^orta über „we\U licfccn.§umor in ©efc^ic^te, Stecht unb ©cfe^gbungJ'-'''^) 2)er ^er= faficT iätte ficft ben Spruch : ,,2Ber cielcö bringt, mirb jebem etioaö bringen" ^um 5IRotto roäf|Icn fönnen. ^enn ba^ ber !^n{)alt feineö SScrfes ein mannigfaltiger ift, roir'b man nic^t in 3lbrebe ftellen fönnen. Üs beginnt im ftapitel I mit einem 3lbfc^nitt über „©eift, a5>i^ unb tmcx ber Sllten" unb fcfelie^t im Sapitel XVII mit „Slnefboten unb E^oraftajügen auß bem Scbcn S'^iebric^ 3Q3ill)elmö IV., ftönigö oon i^rcuBcn". S^ajroifd^en werben bann ,:^iemlic^ l)eterogene Gkgenftänbc wn ihrer ^umoriftifc^cn Seite bem Sefcr vorgeführt. '''^) %ud) bic äuriitcn fommen nicbt f^u fürs, mie Äapitel II über ben ,,.^umor im ülibeut)4cn JRec^t" {£. 24 — 44), beroeift, mä^renb bas allenfallö auc^ ÄO(J ^erl)er gu rec^nenbe IV. Äapitel mit ber fonberbaren Übcrfc^rift: ,äu8 ber Äüc^c bcr ©efe^gebung unb ber ©efe^gebung ber Äüd&e" Ic. 79 — 99) ^auptfäd^lic^ bic SSJiebergabe eigenartiger ©efefte imb Serorbnungcn abfoluter Slegentcn über bic verfc^iebenften ^eii)i?>' unb ifbensoer^ältniffe enthält (fo bcfonbcrö Speife^, !^uj:uö= unb Äleiber^ orbnungen), ein Seitrag jur ©cfc^ic^te jener 3^^*^"/ J^^o oud) in ben fleincten iänbern ^eutfc^lanbö ber J£)errfc^cr, wie einft iJubmig XIV. w^ttnfreid^, von f«^ fagcn burfte: „L'6tat c'cst moi*-. Son eigent= IWi ) ^u vgl. auBcr bcn bn ©untrer, obec ber Sl^icbervcrgcltung I 3. 19 im. .JT) u. mcbrfac^ in bcn 9lnmcr(ungen ju 3. 19:J ff., 240 ff. angefübrton 3ibriftftcllcn jc^t aucö noc^ bcf. Äof)Icr in ber ^^citfc^rift für bao gefamtc »mbclerecöt, 55b. 3*") Oft. g. m.20) 1SS9 3. 300: „XU ^bcftimmuuflcu. tocld^e 5tn $erU^cr an bemfelben (bliebe beftrafcn, baö gefrevelt l}üt . . . ^'er (ben: '«l&cn ;u C5runbe Uegcnbe) Öcbanfe ift lebig licü ber Xalioneg cbanfc." '"'■; ilioblfeilc ^Üu«0. Söafet ISSl, Mi). VII 3. 139—149: \,bie 'ipcrfonU Sjierung Der Jierc" u. Slbfj. XXI, 3. 3r)7--;i8i>: ,,(3nabc bei ^{cc^t". '" j SKünfter u. ^^abcrbovn. 5crb. 3cööningb. 1KS7. :\S(i 3. '^ ) Xa^ *u(6 cntWlt außer ben hier bereite^ genannten Mapitefn (I u. XVII) unt> bcn glcid; weiter näf)cr ^u bcfprec^enben Map. II u.IV, nod) folgeribe: ni. Irinfer unb irinfrec^tc aue alten ^Seiten. V. 3eltfame :}lbgaben unb Steuern. VI. 3(u^ bcr fHcgierungetunft beutfdjer Jürften. VII. ,^ur (i)e-- ^^iiitt Der .t;>ofctifettc uitb ^ßräccbenj. VIII. Xitel unb Titulaturen. JX. tumoriftifcfee ÖefeÜfc^ftcn unb Crbcn. XI. Tic 3pottniün.;on be^ :)ieforma: nonejeitaltcriJ. XII Öcncalogifct)c5crnflüge. XIII. 'JJiiit, .iiuhm xmx> iMimcr im cterbcn. XIV'. ^^artcicn unb ^Vartcinamen. XV. i^hiliftrofe 0)efd)ic^te= unt :bücöcrfcöreiber. XVI. "IJarlatncntehumor au^ ber '|>aulvfir(l.)e. 14- -1- Sittcratur6umor im bcutfc^en ^Wecbt". 41* 2)iefe lefetere, äuperft anregenb gefc^riebene 3(rbeit, rodele ber iserfaffer feiner 3*-*i^ r/bem ^Hltmeiftcr beutfc^cr Secötomiffcnfc^aft, Äarl ®uftaD.öomei)cr" jubeffcn oOjä^rigem Softorjubildum (lö71 ) geroibmet f^atte, liegt je^t in i^meiter, üielfad^ ergän.^ter iJIuflage por.''^*j 3/ie ©eftalt ber erften Äuogabe ift baburc^ nicbt etioa in ber 3lrt ücränbert lüorbcn, bap bic Scbrift „troft ber 93efc^äftigung mit bcm *t»umor Dor bem ßrnft ber äöiffcnfc^aft bcffcr ^u beftc^cn ücrmödjte* ('Borroort S. 3). 3luc^ luoUte ber i^erfaffer nic^t bic früljer Porgc= tragenen ,, allgemeinen Stnfdbauungen unb @eban!en nac^ "iSlaßgabe bcr in3itt)i|d)cn erlangten (Sinfic^ten cinfc^ränfcnb ober oerDoUftänbigenb berichtigen", noc^ biefelbcn ,,burc^ SScrfc^meljung mit fpäter erarbeiteten ^been'' tiefer bcgrünbcn (ebenbaf. S. 3). 'iUelmeI)r mürben I)auptfäd)lid^ nur 33erbcffcrungcn unb (Ergänzungen im einj^clncn angeftrcbt burc^ ^Jiac^bolung üon Über)e(;encm unb .^injufügung üon 3)latcrial an<:> in- ^:;u)ifc^en neu crfcbicnenen SIlucUen='ißublifationen. iTiefcm im SJorroorl (S. .*> unb 4) cntmicfclten "iSrogramm cntfpric^t bcr 5nl)alt bcr Sd^rift, meiere in bcr 2. X^(uflage fic^ äufeerlid) bei gleichem Jrucf um 18 Seiten (^<2 ftatt «;4 S.) pcrmc^rt Ijat. Ter 3""^«^^^ if* ^auptfädjlic^ auc ber -Vin^iufügung neuer unb bcr (Srrocitcrung bcr r>orI)anbcneu ^än- merfungen cntftanben, in mclebcn bic Sittcratur ber legten H^ ;3'^b^*^ eingefügt murbc. ^öcfonbcrs flcij^ig ift jc^jt bcr 3"0i^It ^er feit J.sTl' von bcr iöiener xWabcmic ber iSiffcnfc^aftcn Ijerausgegcbenen öfter- reic^ifc^cn 2Öciotümcr (bis 18tS6: 7 Sänbc) foiuie berjcnige ber 3 legten, tjon % Sd;röber bearbeiteten Sänbc bcr OJrimnrfc^cn Üi*eiotümerfammIung Dcriücrtct morbcn. — Sic cin.^clnen ?formcn, in meld)en uno ber öumor im beutfd)cn ^Hec^t entgegentritt, finb -iu mannigfaltig, aU t^a^ fjier aud) nur eine auöjugöroeife SÖieöergabc borfelben ftattfinbcn fönntc. .v>cruorgcl)oben ,^u merben Dcrbient ba= gegen, baf? ©ierte mit rHec^t bao ®alten bco .\Sumorö nur nlö eine Unterart bco poetifd^cn GIcmento im 3ied)tc auffaßt unb meiter üI& ^"*) -Berlin, iii^n^maunfcDc ^öuAlmnblc^. ISST. S2 3. — 1. 9lufl. cbcnm 1S71, tu 3. Ckf^ici^tc DcS Straf rcdjtd unD bcö ©trafprojcffc^. 213 eine ipqtctt betn bcutfc^cu unb bcm au^ bcufc^cr ober bod^ gcr^ manifcbcr SSutjcI cnDad^fencn ücrroanbtcn $Kcd)tc cic^cntümlic^c Gr^ idKinung. ^wax finbc fic^ cin^elnce Ä^nlic^e auc^ in anbcrcn 9lcd)tcn, ;uTn Jeil fclbft ft^on im flcmcinfamcn Urrcc^t bcr aiifc^cn i^ölfcr, »bann ober ^at co bod^ im bcutfc^en Siedet fteto eine befonbere t»oI!o= tümli(6e gärbung erhalten" (S. 25). ''•■■^) 2lu(^ bie f|umorifti)c^e Seite beo Qltbeutfc^cn Strafrec^to ift in Derfc^icbenen Stetten beö Suc^eö ([croürDi^t, bcfonberö im § 16, welcher fic^ fpejiell mit ben I)umü= rinifdicn Strafen bcfcbäftic^t. Xo6) ift (^erabe biefer ÜJlbfc^nitt, ber ic5i S. f^A — 70 bcr 2(b^anbIunc^ ausfüUt, im SJerc^leic^ jur erften iluflage menii^er alo anbete "i^Jartieen oeränbcrt morben. 42. 3u ben poetifd)en SH^^ ^^'^ beutfc^en 3led()to c^dföxt aud) ^äo über auö (läufige 3>oifommen ber S^mbolC/ burc^ loeld^e unfcrc ncd) fmnlic^er i^otftellungen ftatt nacfter ÜhJorte bebürfenben Sotfübren ihre ^Hed^töfa^ungen iüuftriertcn. (9SgI. ®ier!e, a. a. C 3. Ibi. Ginen bcfonberö reichen Sc^a^ fold)er 3(ec^töfi)mboIe ober «Sül)r;eicben" enthalten auö leicht erflärlic^en ®rünben bie länb liefen, in tcr 3pracbe bes Solfee verfaßten SRcc^tsquellen beö Ü)littelaltero. iJas fidj auf Dicfem ®cbietc j. 33. in bcr ®rimm'fd)en SBeiotümets iammlung finbct, murbc Don 91. Sc^rbber in bem -Hegifterbanb su tctielben unter bcm 2öorte „SBa^rjei^en" jufammengeftcUt (3Jb. VII, S. 383— 384j. Unter ^auptfäc^ lieber 2)enuöung biefer Überfielt unb ber arbeiten pon ®rimm unb ^öpfl über Slec^töaltertümer gibt uno .Honr. S^ümmel eine gcmeinuerftänblid) geljaltene Sc^ilberunc^ öcr n?i(^tigften unb anfiel) enbften Grfc^cinungen ,,üuo ber Sumbolif bes ültbeutfc^cn 33aucrnrec^tö". '•'*•) ^er 'iNcrfaffer, beffeu anfprec^enb UfftÄTicbcneo SScrfc^cn roo^l feinen Stnfpruc^ auf DoUftänbige Gv^^ i4bpfung bcö auc^ fc^on üon älteren Slutoren ''•'^) be()anbe(ten ©egen= Äanncö erfjebt, befc^äftigt ]x6) ^roar oorjüglic^ mit ben Symbolen ober •äSortJ^eic^cn" ''***) beä ^ripatrec^tö (i^ermogeno= unb Cbligationcn= '"■■■) Äu(6 jlobler in feiner 53efvrcc^un0 ber ('»iicrfcirficn 3c^rift in bcr ^citidbrift für r>ai gefamte ^^anbeleredjt, iöb. 3.") OJ. ^. ^-üd. 2U) 3. .'Uriff. i^icbt 5«, MB bcr .v>umDr im 3?edjt „in bcm SJiafec loie in (\ermanifrf)cn iHcd)t*jqucllon nirgenö« vertreten fein möchte" (3. .•«>.">), obflleid) burd) bie ücriilcidjcnbe :)ic(lito: roiffcnfdMft beute aucb bei anbeten 3?ülfcrn ba-s "^(uftrotou biefer Jorm ^or Uoefic im iWed^t in gröBerem Umfange nacf)(^eiü!efou fei, lüofür bcr 'i^crfaffcr «ue feineu reidjen ct()nolo9ifc^=juriftifd)en Henntriiffeu mehrere iiitercffante -IKMlpielc anführt. '^V ■V'eft A ber Sammlung flemeinücrftänbliclier «)iffetifcl)aftlid)cr il'ortrdiu\ lieraucgca. von 5>oUcubürff ;)i?i. :\\\)ciu 3eric). ^mburiT, o- ^- ^it^ter. LS^T. 44 3. '"'; ^n ugl. bie bei o. Scbulte, X'ebrbud) ber bcutldicu :KeidK-: u. :)ie(l)ic; iicfdjidire, ."». ^iufT. 1881, 3.21 :i?lnm. :? an(\efii()rte Vitteratur. 3. iUid) J^ierfc, a. a. C. 3. IS "J(nm. .'U. '^•i 2'cr il^erf. hält 3. 7 biefe fid) in einem 'Wei'Jtum ^C'> Sdnuar^iualtcv V, 3- l-^-' (^5>rimm, VI 4«8; finbcnbc ik^eid^mmc^ für ba^j trcffcubfie 214 £ittcratiirberi(^t. rcc^t, @r6rcc^t, gamilicnrcc^t), bocö fmb auf S. 11 — 18 aud^ mc^rei bcr ctgcntünilid)ftcn im altDcutfcben Strafrcc^t unb Strafücrfa^n üorfommcnben Bx}mbolc, wie ^. Ö. bic an baö Saljrrcc^t unb De Stf^Ircc^t fid) anfuüpfenbcn, befproc^cn roorben. 48* Ge ift eine cij^cntümlid^e ©rfd^cinung in bcr ®efc^ic^ unfcreö bcutfc^cn fHcd)ts, bafe ungefähr um bicfelbo S^'xi, in njclc^ basfelbc burc^ bao römif(^=fanonifc^c Siecht auö bcn Ocric^ten ocrbräni rourbc, eö fid) über bic ©renjen fcinee i^aterlanbcS na6) Dften = ücrbreitete, fo sunäc^ft nac^ ^oien unb oon ba fpätcr felbft biö na Sit^aucn unb Mieinruplanb hinein, mo eö bann fo tiefe ■Iöur5el fapte, ba^ c-i bcr ätufna^mc bes fremben ^Hed^ts erfolgreicheren äöibe ftanb p leiften ücrmoc^te, als in feiner eigenen öeimat. Sc^on U längerer S^^ ^ft feftgeftellt bap eine meitge^enbc >)leception beö mac bcburgifd)=fäci^fifd)cn Slec^tö bes ^Kittclaltcrä (Sac^fenfpiegel neb Oloffe, ®eic^bilbred)t ufm.) in 'IJofcn ftattge^abt;^^^) bagegen bürf eö no^ meniger adgemein befannt fein, bap auc^ baö beutfc^e 3tra' rec^t unb jmar in bcr (Scftalt bcr peinlichen ©eric^tsorbnung Aiaifi Äarl V. in "^olen ßingang gefunben ^at. 9lä^ercn äuffd^IuB üb» biefe polnifcfte Jleception bcr Carolina gibt uns ein Ie^rreic()er ^uffo t»on '^rof. 2)argun in Ärafau,^"") au^ bem mir im folgenben bfl SBcfentlid^fte mitzuteilen ücrfucf^cn. -^m britten Wcrtel bee IG. Sa^rfjunbcrtö, als in ^^Jolen b Äenntniö bcr beutfci)en Sprache me^r unb mel)r im xHbnel^men b griffen mar, Dcrfafite bcr Ärafauer ^cf^ultfteif; ©roicfi eine lUn^al Sct)riften, burd) meiere er üornebmlicl) be;^mecfte, bie mid)tigften Ö ftimmungcn bcö magbeburgifcf)=fäcbfifc^en ^Hec^to — baö er berei: voUftänbig alö gültiges JL'anbe9reci)t betrachtet — burc^ eine Übe feftung ins "i{5olnifc^e feinen l'anbölcutcn $ugänglicf)er ^u madjen. S bcr Bearbeitung bcr friminaliftifd;en 3^cile bicfer iltrbcitcn fonntc nun bie bürftigen Seftimmungen bcr fäc^fifcl)cn Stec^tobüc^cr üb« Straf rec^t unb Strafprozeß bem 'i'crfaffer nid^t genügen; eine um i mitlfommencrc äuoI)ilfoquc[le bot bafür aber bie bis baf)in in ^]yoU nocl) roenig betannte "iß.cy.C. Mario V., auö melc^er benn audj) ei ganz bebcutenber 3^eil in (>3roictio Schriften l)inübergefloffen ii 2)ie 3^itcl bcr l)icr in Sctrad)t fommenben 5Öcr!e ©roidio finU i beutfc^cr Überfc^ung-"') junad^ft folgenbe: 1. ^Ordnung bcr ftäMifd^c beutfc^c %ott für „Si)mbor unb bedauert bcffen :^iicbtanw)cnbuug in unfcr beutigen 3pracbe. ^■*^') "i^f. bie X!el)rbiicf)er ber beutfrfien JHcchtßgefd). »on c. '3d)Ultc uV Äu issi) 3. 108 u. ^^Inm. 5 u. 3cl)riJber 3. <)i>4, VkH) u. iHnm. 17. — Halu uiafi, ^ic polnifche rHejcnfioit ber l^iagbeburger Urteile. iiJien l>'SaI^ger!(I)t*orl>nung itaifer Marl* ' in '^oUn" iit b. ;^eitf(t)r ber 3at)igni)'3tiftiv für 3. ■201) T^i^, polnifcf)cn Titel finb mitgeteilt in ber au«fübrlirf)eren 5lbhan ung über (^iroicfiÄ 'iiJcrfe in beu „3itumg<^berict)ten bcr xHfabcmie ber ^v>iffe; fct)aftcn 3U Mrarau", vl>i(of.=l)iftor. 3Cbteilg. ob. XXII, ISÖö. Qkfc^tc^tc bcö 6trafrc(^tö unb bcS ©trafprojeffeö. 215 Seriitc nac^ gDlaabcburger SRcd^t, 1562'^ (1. 3(ufl. Ärafau 1855; 2. [pcrbcffcrtcj Slufl. 1862), 2. ^^Mrtifcl bcä a)lagbcburGcr 9lc_^tö, iNlic Speculum Saxonicum (genannt werben. 2tu!j ber lateinifd^cn cmiic in bic polnifc^e übcrfe^t unb neuetbings gcbrucft im 3a^rc 156'). * 3öttl)rcnb biefc 93ü(^cr fc^on in i^ren üteln anbeuten, ba^ ne übcnoieoienb mac^beburgifc^^ö^Pf^^^ö Siecht ^ux 2)arftcUung bringen unö folglid^ in i^rcn friminaliftifc^en Jeilen nic^t unioefcntlic^ von Wr ßarolina abweichen, fagt baö brittc SBerf in feiner Überfc^rift fclbft, Daö bargefteüte „Scrfa^ren'' fei „ben faiferlic^en ©eiic^ten ent- nommen, roeld^c Garoluö V. in aß feinen Stcic^en verfünben liefe, worin gelehrt wirb, roie in peinlid^en Sachen ber SHid^tcr unb alte Ämter im @eric^t ju verfahren traben nad^ (Sotteöfurc^t unb ©e^ rcAiicifcit, fromm, wo^lbebäc^tig unb lcibenfd)aftöloö" (Ärafau 1560). 9vi bor 3lufnaljmc ber einjelnen 33eftimmungen ber Carolina oerfu^r bi:r Der Serf affer /\iemlicl^ roiltfürlic^, fo bafe bie 219 3(rtifel ber l'.S.C. in ©roicfiö /»erfahren" auf nur 91 (= 102 S.) rebu^iert ünD (allerbingo uon äuperft ungleicher Sänge). — 2tud^ bei ber Gruppierung bcö Stoffs ift bie Strtifelfolgc ber (Carolina aufgegeben «nD ein fclbftgemac^teo Softem befolgt. Xie 'ituöbrucfoioeifc ©rridiä ^eitiinet fic^ im ^-Bcrgleic^ i^u feinem SJorbilbe nid)t gcrabe oorteil^aft Durc^ mel)rfad)e loeitfc^roeifige Setrad&tungen religiöfer ober moralifc^er 9iatur aus. Sie auffällig geringe 55enu$ung ber projeffualen 9Sor= fttriften ber ^J>.@.C. erflärt fic^ l)auptfäd)lic^ aus bem Umftanbe, bap l>amaIo im ©eric^töDerfa^ren ber polnifc^en Stäbte baö fäc^fifc^e ■Wt mit einigen ^Jölobififationen in praftifc^er Slnioenbung mar. Se= fouDerö ouffällig aber mup eö erfc^einen, bafe gerabe bie oom inqui = iitorifc^en -ISrojeffe l)anbelnben 2trtt. 6 — 10 CCC, nid)t bagegen bie fet. 11— 17 über bie '^Jflicfiten unb Saften beo 'ilnflägerö recipiert fwD. üRit ganj t)or,^üglic^er Sorgfalt ift in ©roicfio Sd)riften bic haa.c nac^ ber ^^läffigteit unb SBirffamteit ber Jyolter beljanbelt, ^crcn SJlinbraud^ ber 5Jerf. in feiner ^^Jrapie alö 3d)ultl)eip mit eigenen äugen \u beobachten öfterö ©elegenfjeit gefjabt Ijaben mochte. So ift er benn barauf bebaut, bie Strenge beo gefe^lic^ einmal beftebenben onfiituts moglic^ft ju milbern unb Äautelen gegen bie aSilltür ber ^^idiier in ber .nanbl^abung beefelben auf^uftellen. Seine Sdjilberungen über bic 3)iiBbräuc|e ber Tortur, mie fie bamalö in 'iliolen an ber lage^orbnung geroefen fein muffen, enthalten .^ugleic^ — ioie2)argun tcTüorftcbt — ein gutes Stücf allgemeiner Äulturgefc^ic^te. 0el)anbelt wirb über bie Wolter im ^33erfal|ren'' ©roicfio, befonbero im 'ilrt. IV m V (= Art. 25, 2>S CCC, ogl. mit 3lrt. 6 unb 20—22); bo^ finöct ftc^ Sluöfül^rlic^ereo über bic gleid)e 3)iaterie in bor ,,Drbnung ber UdMifc^en ©ericf^te ufm.", l;ier in j;icmlicl) engem lUnfdjlufe an bie „Praxis ^runi mininalium'^ beö 'Jlieberlänbero 2)aml)0uber (Vonot IT).').')) om roefentlic^en recipiert finb in bao ,/Berfabrcn" bie 3trt. Sl — .s2 ^cr Carolina, roogegen üon 5trtt. .s.-i — 105 wegen ibreo übermiegenb Ptou'jrec^tlic^eu ^^n^altö bie meiften übergangen finb. xUud) mebrere «nüclnc 2?elifte ber ^^$.©.0., jumal folc^e, bie nac^ fäc^fifc^em Sted^t 216 Sittcrüturbcric^t. einer anbeten SBeurteilunc^ unb Strafe unterlagen, fmb ^ier vbüxo^ bei? feite gelaffen (fo 3. S. CCC. X^rt. 107: aReineib; 108: UrfeljDebruc^»; 109: ^öwberei; 124: 3Scrräterei; 126: Straßenraub; 127: böolidiw austreten; 129: böelid)eo S3efet)ben).-'*-) Slnbere SJcrbrcc^en fmb ^roar aufgenommen, erfc^einen aber burd) Seftimmungen a\x^ ben früt)ercn SAriften beo iserfaffers mobifi^iert (fo ^ *• ^ii^^- H^ CCC). ^:ilb^ meic^cnb be^anbelt ftnb in 3lnlel)nung an ältere beutfc^c !}{ecbt^)ä^e (^anbf)afte Xijai, 35?crgelb ufm.) auc^ bie Unjuc^tobeliftc unb bie t»er- f^iebenen 2(rten beo Siebfta^le unb ber lötungen, ^n fämtlicben 35Jer!en ©roicfis enblic^ finb übergangen bie Strafen für 9(btreibung (CCC. atrt. 133), 2ötung oon feiten eines 2(ri^teö burd) feine 5(r;uei (3(rt. 134) unb ber Selbftmorb (3(rt. 135). 3(nbererfeito fmD aber auc^ ÜKaterien, mcldjc bie CCC. mit Stillfc^meigen übergel)t, bei ©roicti unter untjeifcnnbarcm Ginfluß bes fäd&fifc^en Slec^ts sur Tar= ftellung gelangt (fo 5. 39. Strafe für 2?ern)unt)ungen u. a. m. . — ^argun gibt uns auf S. 174 — 197 eine ausfül)rlic^e SSergleidjung ber 3lrtifel ber 9icd)töbüc^er ©roicfis mit benjenigen ber Garolina unb fügt 5um Schluß noc^ ein fi)noptifc^es ÜHegifter I)in5u, in melcbem linfs ber 3"0^^^ ber $.G5.C. nad^ ber ^Reihenfolge ihrer 9(rti!el, rcAts berjenige ber bamit forrefponbierenben Stellen aus ben 3 Schriften ©roidis angegeben ift. 44* Ginen ^^roi^eß, welcher im 3at)re 1548 r>on Äönig >y*-'^^^"^"^/ als 6r,^f)er5og üon £fterreid), gegen .yer;^og Ulrid) oon Württemberg megen Jvelonie anhängig gemadjt morben, fdiilbert ö. 0. Seeger in ber ^eflgabe ber llniiierfität Tübingen ^um 25. :5uni 18«0.-"^') Tie »Vilage, meldte Öerjog Ulrid) am 13. i^onuar bes genannten Jahres jugeftellt erhielt, lautete auf «Verausgabe bes »^er^ogtums an Mbnig ■gerbinanb unD begrünbete biefe ^orberung fotgenbermaf,en: Jas ^er^ogtum 2i>ürttcmberg fei ein öfter r ei d^ifc^es 3lfterlehen, non %cxX>u nanb als Gr^^erjog t»on tfterreic^ bem ^erj^og Ulrid) verliehen, tiefer l)abe burch mehrere il)m ,^ur Saft gelegte »^anblungen ftd) eines 3)Jajeftäteüerbrec^enö (öoc^uerrats) gegen ben beutfd)en Äaifer fd)ull)ig gemad^t unb femer gegen ben Äläger felbft eine Serle^ung ber bem Seh^smann obliegenben ^reuepflic^t, eine Felonie, begangen. Tnxd^ biefe .Staublungen Ijabc ber JJeflagte fein -Hed&t auf bas 5(fterlehen oermirft unb basfelbe bal)er feinem Sel)nf)errn (Jerbinanbi ^urücfsiu' geben (£. 5). ü. Seegcr fül^rt nun in feiner 3lbl)anblung bes näheren aus, baß biefe Klage roeber tl)atfäd&lic^ nod) restlich be-- grünbet gemcfen fei. ^m 3(bfc^nitt 111 mirb sunäc^ft bie 33ehauptun(^ roiberlegt, baß überhaupt rec^tlid) bas .sjersogtum ein öfterreichifd)es 3(fterlehen gemefen; im "Jlbfdjuitt IV mirb nad)geroiefen, baß bie 3ln= .UH'ubung ber Öeftimmungen bes langobarbifdKU ieljurechts über bie -'-) Über biefo Tcliftc enthalten je^od) bie anbeten il'erfc (^r.'c» mcbx ober ivcnigor aiie»iihrlirtK 'i^cftimmungon. -"•m I'er ,^clonio:ivro;cn i^^cten -verjog Ulrid) Don "iC^ürttcmberg. ZS. au* ber genannten Jeü^^iabe. lübini^Mt, -l"». Üaiipvfd)c iBuc^hanblg. 1SS9. :»5 3. ©cfc^id^te t)«ö Strafwc^tö xmb bee etrafprojcffc^J. 217 Sefuölniö bcö §crrn j\ur ©injic^unt; burc^ Felonie bcö SSofaUen vcr= wtther fielen unter Stuöfcftlufe üon beffcn 'Kac^fommcn (II. Feud. 24, §11; 26 § 18; 31) bei £'cl)cn bcö beutfd)en JHcic^ö auöc^cfc^Ioffcix gcwcfcn fei, loie bies unter anberem burd) bio fpcttercn üyaf)l!apitus Utionen feit Äarl VI. ausbrücflic^ ancrfonnt roorbcn, roäbrcnb axid) oorfier cielfac^ bie SReid^öftänbe behauptet l)atten, bap rocni^ftenö bio naitciligen ^ol^en für bie 9lac^fommen bei 3icic^ölc^en feine ©cltuno; §üttcii. Xa^n fommt bann noc^ bie äSorfc^rift beä iiaubfriebenöf^efe^cö öon 1495 (§ 3 a. G.), xxa6) roelc^em axid) ber cjc^en ben Ser)nc»l)eTrn begangene Sanbfriebenöbruc^ nur mit lebenöläncilic^cm Serluft bcä Se^ns für ben Sc^ulbigen felbft beftraft werben foUte (S. «^). 3bt. V — XII befc^äftic\en fid^ mit ben ein,;^elnen Sefc^ulbi^unc^cn, weldic man gec^en ben ^erjoc^ erI)oben, unter benen fein 3Ser()aItcn bei Der 2.^orbercitun(^ beö Äriegeö x)on 1546 fomie ein.^^elne öanD^ luni^cn im 3Jerlauf beefelben (unb j^mar befonberö luieberum bie ffic(^= na^ine ber G^renbcrger Slaufe nebft Surg; ber micbtigfte unb für ben Matten gefä^rlic^fte $unft mar. 2)er 9[Jerfaffer t^ut jebocb ba:, büB alle in ber Älage Ijertjorgebobenen SJormürfe nic^t ben lüirtlicbon i4otfa(^en entfprac^en. — 3^er leftte unb für ben !3"^M^t'n intereffantefte ilbi(|nitt (XIII) fd)ilbert ben ©ang bes "iJJroseffeö, weiter enblid) unter bcm Öerjog (Sf)riftop^, bem Sflegierungonacbfolger llhid)ö, t>urd) einen 3?ergleic^ («Paffauer «ertrag üom V^^fJ^rß^') beigelegt würbe bw Jn^altö, bafe ber Jperjog gegen Slnerfennung ber öfterreid)ifd)en äftcrlc^nöl)errfc^aft unb Gntric^tung eincö nid)t unbebeutenben ©clb^ bctraacö in bem ungefc^mälerten Sefi^e beo Jtianbeo beftätigt wmX>c (S. 34). 21uf ein näheres @ingel}en auf bie Ser^anblungen beö Xet^iöftreitä barf \)kv cerjiditet werben, ba eo fic^ in bemfelben ,^iüar um eine (nac^ Iangobarbifd)em £el)nrec^t .^u beurtcilenbe) ftrafbare ^anblung, nic^t aber um eine eigcntlid) friminelle 5Jcftrafuug berfelbcn fjanbelte, unb folglich bie formen beo ^Sipi^P^^o^Mf^-'^ W Jnrocnbung gelangten, „wie fie teilö burc^ bie italienifc^e Xoftrin unb ISrariö, teils burd^ bie älteren .Rammergericbtoorbnungen — vor lö.').") ~ aucgebilbct waren'' (S. 30). ^ür bie weitere ©eftaltung bor politifc^cn SJer^ältniffe im beutfc^en Seiche war ber iJluogang bcö ^rojcffeö pon ber weittragenbften SJebeutung; benn, wäre ber MläiKr mit feinem Slnfpruc^e burc^gebrungen, fo wäre 2lUirttemberg einfud) ein leil 9lieber()fterrei(i^ö geworben, unb welche Moufequen^en bioo mie^ctum für bie 3Ser^ältniffe ber epangeli)c{)cn Hirc^e in £übbcutjd)s to mit fid> gebrad)t Ijätte, ift leid)t cinjufeben. Ten fd)licf,lid)cn Grfolg oerbantte aber bie beflagte '^iartei neben ben in crfteu JL'iuic mitroirtenben politifc^en unb perfönlid)en 4>erl)ültniffeu bem ,,gofd)icfton, ma|üoUen unb befonneneh i^erfa^ren ber 9lecl)toi\cIel)rtcn, wcldjc rio nJürttcmbergifc^en Jper.^öge bebienten unb vertratou" (S. '2), uub unter benen ber lübinger -t^rofeffor 3ol)anneo Sid)arbt — „feit Ulrid) ^flfms bei weitem ber ^ertjotragenbfte ^urift bcö ganzen oö(;rt|unbcitö (c. 34) — an crfter Stelle ju nennen ift. 218 fiittcraturbcric^t. 45* SSon Dr. 3K. %x. v, 9)laaöburg^ roclc^cr bereits einer Steige von ^al)xcn [\6) in feinen Sd^riften mit 3iorKe6c mit älteren öfteneic^i|d)en Strafgefe^^ebung unb Äriminalred^töpflcge^ i befonbere berjenigen be^ vorigen 3;a^r^unbertö^ befc^äftigt, liegt roie ein fleiner, aber roertooÜcr Seitrag ju biefer ßpo^e ber ©efd^id^te @trafred)tö vor. 2)aö 2^f)ema bilbet bieämal „bie ©träfe beö S6; jie^ens in £fterreic^ (1783—1790), nebft einem Slücfblidf auf i altöfterrei^ifd)e ©cfängniöroefen".^"*) 2)er eigentlid^e lejt ber £ ftellung umfaßt nur 21 Seiten, roirb aber burc^ 141 2lnmerfung meldte auf 57 Seiten bemfelben ^injugefügt finb (S. 22 — 78), g roefentlic^ ergänzt. 2^iefe 3lnmerfungen geben unä inöbefonbere eii 2(uffc^Iup über bie benu^te Sitteratur unb bie Duellen, unter roelc ein in verfc^iebeuen Slrc^iücn ^erftreuteo 9tftenmaterial, ju bei Surc^forfc^ung unb Sichtung ber ÜBerfaffer mehrere Sa^re braud nic^t ben fleinften -^ila^ einnimmt. (5SgI. auc^ SJorroort 3. VI). ; ^(b^anblung beginnt mit einer Sc^ilberung ber altöfterrei^ifcben ( fängniffe (S. 1 — 7), beren 3uftanb bis ans 6nbe beö 18. S'i^J^^unbc ein ebenfo fläglic^er unb mangelhafter mar, mie bamald auc^ in beren i'änbern Seutfc^Ianbö. ©anj befonberei troftloö muffen iBer^ältniffe in ben öftlic^en 2:eilen ber 3Ronarc^ie, in 33ö|)m 5Kä^ren, Sc^Iefien unb ber Suforoina geroefen fein; jeboc^ aud^ in i ober- unb üorberöfterreic^ifc^en Sänbern, in Öfterreid^ unter unb ber Gnnö, in Sn^^^'^öfterrei^ unb im Äüftenlanbe mar es burc^r nic^t üiel beffer mit ber Sefc^affen^eit ber ^uc^t^äufer unb Oefängn beftellt. Sc^on feit bem Slegierungoantritte '^ofcp^ö II. mar eine Ä( miffion mit ber Uteoifion beö geltenben, be.jm. mit ber Sluöarbeiti eines neuen Äriminalgefe^bud^o bcfc^äftigt. 3loä) roä^renb aber b über oerfd()iebene S^^Ö^" ^^ ^^^^9^ öuf jroecfmä^igere ®eftaltung StraföoÜjugö 38er$anblungen pflog, ,,traf ber Äatfer im ^ai:)ic l't am eigenem 3tntriebe burc^ Slnmenbung ber (eigenartigen) Stn beö 3c^iffjiel)enö eine ganj unermartete Verfügung" (5. Ginerfeitö foUte bicrburd^ ein Grfa^ für bie von S^^P^ II- ^i^* günftigte unb fpäter aud& gefefelicb abgefd^affte 3^obeöftrafe, fo ein Sorbeugungsmittel für bie ÜberfüUung ber vorf^anbenen 3lrr gef (Raffen merben, anbererfeito rourbe ein praftifc^eö3i^^ bamit geftrebt, nämlid) bie Grleidjterung beö SL^arentranöportö (Äiup Gifen, ^aU) auf ber Sonau unt) i^ren 'Jlebenflüffen in Ungai njeld)er ftromaufmärto nur burd^ eigenö ba,^u gebungenc 9(rbeiter merffteKigt rourbe, bie, „vor bie gafirjeuge gefpannt, biefe miti ftarfer Seile vom Ufer ant> roeiter beförberten". (S. 9). §ie foUten nun in 3"f""ft bie verurteirten Sträflinge oerroenbet roerb i^^n einem ijanbbillet vom 27. ^3)lai 1783 an ben gelbmarfcball (Sro .H>abif teilte ber Äaifer bemfelben feine ^'jbee unter ^nfü^rung c feiner 3Sorfd)Iäge uir Stealifierung berfelben mit. 3^ Solge beffen na -•^*) %\ax. IJ^IH). 3JJam'fct)e ioof ^ »erlaa^s unb Uniocrfitäte'bu(^f)anl VI u. 92 e. &c]d)\d^U l>c$ Strnfrcc^tö unb bcS Straf pro5cffc§. 219 bcr §offricgörat bic Stngclegen^eit in Beratung, ju wcldjcx er and) einen ootjüglic^cn Senner bcr 3c^iffaf)rt^üer^ältniffe Ungarnö, ben ^{orjtanb beö fogenannten Schiff öamto, Dberften v. 3Ragbcburg, 5u= ;o(^. Xroftbcm namentlich von bcm le^teren bie Scbenfen gegen ben t^orfc^Iag beö Äaifcrs ouöfü^rlic^ motioiert würben, be^arrte berfelbe mit Der i^m eigenen Äonfequenj bei feinem Sntfc^luffe. So fanb cenn im 9)lai 1784 ber erfte Iransport ber Sc^iffjugoarreftanten nac^ Ungarn ftatt, junäc^ft nur folc^e, bie roegen fd^iöerer 9ierbred)en rer= unoilt roorben. 2)ic fogenannte Sofep^ina üom 13. Januar 1787 tebie Strafe nod^ nid^t ermähnt; oielme^r fanb eine Siegelung ber= ielben crft in einer am 17. 9;uni 1788 erlaffenen 4$orfc^rift über bas Äiiminaberfaf^ren ftatt. Siefelbe beftimmte im § 188: „baji aSer= brechet männlichen ©efc^lec^tö, meiere roegen 3)lorbeo, -Haubeo ober Sranblegung ju Ijartem ©efängniffe unb öffentlicher Strbeit auf mas immer für eine 3ctt ober megen anberer ^JJerbrei^en auf anf)altenbe 3eit verurteilt mürben, jum Sd^iffjiefjen nac^ Ungarn ab.^ugeben iäeii'' (S. 13). IJiefco ©efeft blieb auc^ bis j;ur ^iluff)ebung ber 3trafart im roefentlid^en in ©eltung. Xxc Gntfd^eibung über bie i>er^äugung berfelben lag aber in le^ter l^inie in ben öänben beo Äoifers, welcher bie Don ber vereinigten ^offanjlei am (Jnbe eineö kiKm Sö^i^fs x)erfa^ten imb vom Staatsrate begutadjtelen 2?er- ifi^niffe Der jum Sd^iffj|iel)en geeigneten unb in 3(usfi(^t genommenen i^brec^er genau ju prüfen pflegte. ®. 14 ff. fc^ilbern uns nä^er ärt unb 3Bcife beö SoU^ugs ber Strafe, üon melc^er burc^ §ofbefret Pom 1*2. "iDiai 1787 eine genaue Sef^reibung ,uir allgemeinen Kenntnis gcbrad^t rourbe. 2)a bie mit Äetten gefeffelten Sdjiff^ief^er bei fc^lec^ter SSerpflcgung unb unter ben Ginflüffen ungünftiger fli- mötifc^er 98er^ältnif|e o^ne Unterbrechung \i)xc mü^eooHe Strbeit üer= rieten mußten, fann eö nic^t SBunber nel)men, baft bie meiften be- reits nac^ menigen Sauren i^rem Glenbe erlagen. 'i>on ben mäljrenb ^ 6 Sö^re i^res Sefte^ens j^ur Strafe bes Sd)iff5iel)en^ verurteilten 1100 "jjjerfonen finb nac^ amtlid^en 5tuf Zeichnungen nic^t raeuiger als "21 (al)o faft -/a) geftorbenl (3. 16.) 9lur bie menigften ber I^elin-- Quenten blieben überl^aupt länger als 2 '^aljxc am ^eben. Gs mar ba§cr erflärlic^, baß man auf bie ©raufamfeit unb Unjmecfmäjiigteit tiefer Strafe aufmertfam rourbe. 3!)ie oberfte v^ifti^telle erftob micber^ l)olt i^orftellungcn gegen biefelbe, unb ber .^ofrat v. Meefi l)ob in einem ®utac^ten ebenfalls mcf^rere Öebenfen nebft i^orfc^lägen ,^ur i^befierung bcr Strafe ^erüor. S'er Alaifer aber räumte nur ben naditeiligen Ginfluß ber flimatifc^en i>erl)ältniffe ein, l^ielt im übrigen ^ber nac^ mic vor an ber i^ortrefflic^teit ber von ifim erbad)ten Strafe feft. Grft mit bem am 20. gebruar 171H^ erfolgten ^obc ^ofep^ö II. trat bie 3lngelegenf)eit in ein neues Stabium. ^eopolb II. ^eä fic^ in biefer Sezie^ung milber unb fortgefcl)rittener als jcin •öufgeflärter" SSorgänger in ber ^liegierung. 'Jlac^ einer abermaligen 6rötterung bes ©egenftanbes burd^ bie böömifc^-öfterreic^ifc^e .C>of= fcnjiei unb bie oberfte S^ftiil^^-'^e foroie einem Separatvotum bes 220 Öitterdturbccid^t. Suftij^ofratö v. ^oan erfolgte ein 9lntrag ber $offommiffion in 0i= fe^foc^en auf Siftieruug beo SJoU^^ugs ber ©träfe bee Schiff, ^ie^aio, weld)c bann üom Äaifer burcft .^ofbefret t)om 19. !3uli 1790 röüig aiifgel)oben lüurbe. S)amtt lourbe jugleic^ eine SJegnabigung ober bcd) Strafmilberung ja^Ireic^cr auo Ungani jurüdbeförberter ^Delinquenten oerbunben. Jn einem „"üriijan^*' ift als ßrgänjung j^u ben Scmcrhingen über Das altöfterreid)ifd)e ©efängniöroefen oon r>, 9)laaöburg Die Syiener Safematten=Drbnung oon 1788 abgebrudt (®. 79—87). (5*in .^iemlid) auöfü^rlicbes ^9iamen= unb Sac^regifter'' (©. 80 — 92) enblid) leiftet namentlich für bie Drinitierung über baö in ben 2lnmer!ungen jerftreute 5DJaterial miHommene ^ienftc. 46. Gine fleine Srofc^üre üon ®. "iUlorriö befc^äftigt firfi nit ber ge|d)id)tlic6en Gntroicfelung beö Begriffs ber milbernben Urnftäutc unb iljrer 3}ebeutung im Si;ftem beö geltenben Secuta. -"^) 2Der in-.: faffer, welcher in Übereinftimmung mit ber 5JJel)rja{)l ber heutigen Äriminaliften ein 05egner beö Jinftituts fomie ein J^Mnb ber Sc^rour= gcrid)te ift, roeift j^unäc^ft barauf ^in, mie fo manche ßinric^tungen unfereö beutfdjen Strafredjtö unb =^roj;ef[eö auö ber ©eje^gebung frember 5^ationen, inöbefonbere ber Gnglänber unb gtan.^^ofen, baüber^ genommen feien, bafe eö aber an ber S^xi fei, in objettiuer 'Prüfung über ben tI)eoretifc^en unb prattifd)en SL>ert folc^er Seftimmungen ^u entfd^ciben. 3(uc^ ben Segriff ber fogenannten milbernben Xlmftänbe verbanfen mir ber franjöftfc^en l'egiölation, mo er jum erftcn !Dlale in einem ©efefee über auBerorbentlid)e Äriegögeric^te am bem Saftre 111 ber JRepublif auftritt. *'"') 2)ic 3(bf)anblung oerfolgt bann weiter bie 2d)idfale beö 33egriffö bio jur Aufnahme in "öcn Code peual Don 1810, feine 3)iobifi^^ierung burc^ bie fpätere fran.^öftfc^c ß5efe|j= gebung unb fc^ilbert, mie ei burc^ SSermittelung ber ©efe^gebung ber 3ll)einlanbe in baö Softem beö preufjifc^en SRec^tö unb von 'tia enblic^ in baojenige beö iHeicböftrafgefetjbuc^ö 3lufnaf;me gefunben. ^ie 53el)auptung, bap bie milbernben Umftänbe nic^tj^ur fogenannten If)atfrage gel)ören, bietet bem 3?erfaffer 'Beranlaffung, im Slnfc^luB an 33 i euer (Dao englifd)e ©efdjiDornengeric^t 1852) einen f leinen (ir- furo über bie Gntmidelung beo englifc^en ©efc^iDornengerid)tö ein.Jiu- fc^ieben (3. 15-- 18). '^n allen biefen gefc^ic^tlidjen Gvörterungen referiert ber in^rfaffer bur^meg fc^on befannte I^atfac^en, beren auo* fül)ilid)e SViebergabe bal)er unnötig märe. — 3n feinen 5luofül)rungen über t>aö 3pftem l>eo geltenben JHecI)to fd)lief>t er fic^ l)auptfäd)iict an ;Kubü unb ^obn an, von benen letzterer fd)on 1868 eifläilc, bafi t>ic miltcinben Umftänbe nur ,,bie roütommen nidjtöfagenbe unt> -"•'■) ö>. ilKprri*> (Malnmcrl^'ridltörcforon^arX (^Jofcbidito unb 3i)ftcni tcr „milbcrnl'on Umftän^c" im bcuticlicn ctra^rcclit un^ "i'voscf;. 'Berlin. 1*^"*7. .v»erm, Vir,aniv. :M) 3. -"•■) "^{vt. -J«) tor ..Ini du ± Jniir f«iiii»l<''iiientiiiro de i'aii III sur l.s (■(juseils iiiilitaiivs". Ckf(I)ic^tc bcs 3trafrcd)t^ unt> bcö Straf projcffcS. 221 U*^aI6 fef)Icr()aftc Scbcutung f|ättcn, eine xclaiw bcftimmtc Strafe poRtion in ,vDci ober mel)rere ju jerlcc^en".-^**) 3^iefe 5(uffafiung wirb auf S. -25 ff. pont SJerf. näl)er Quögefüf)rt, befonbcrö mit 53cjuc^ auf ^ ^13 9t.3t.©.3}., bcffen Sr^atbeftanb er als ein felbftänbirtcö 3>elift üufi^cftettt i^u fcf|en roünfc^t. 3^aö 6nbre)ultat bee Äcbriftd)enö ift, baß bic milbernben Umftänbe eine foroo^l „t^eoretifd) üoKfommen utibcflirünbete, alö aud) praftifc^ fd(|äblic^e 3)iipbilbung" feien, ganj^ bciontcrs bei il)rer aimuenbung im fc^rourc^eric^tlic^en SJerfa^ren. Sils na^e Ucjenbeö Grfa^niittel aber wirb eine (Srmeiterunc^ ber relatiüen 3traföro^ungen na^ i^rer SKinimalgrenje ju empfohlen, roaö attcr- tiings eine uid&t uniöefentlic^e Änberuncj einer Slnja^l üon ^^Jara« ^rap^en bes 3t.®.S.% fomie bie äuf^ebung beö § 297 ber ©t.^.D. ur Jolge ^abcn würbe. 47* Gine ausfiifirlicbe ©cfc^ic^te ber neueren partifularen ©trafs ^eic?(\obung nacft ber Carolina bis ,^ur ©et^enroart epiftiert jur S<^'\t Kcd) immer nic^t, benn bao einj^ige Söerf, meldjes fic^ ex profosso init bicfem ©ec^enftanb befc^äftigt, 33erncr6 „Straft^efe^gebung in teutfcblanb"/'^'**) reicht einmal nur bis |;um 3al)re 18»)7 unb ift femer K'Ibjt für bie bart^cftellte ^^Jcriobe anertanntermajien nid)t DöUig er= idibpfenb unb uielfad) verbefferungöbebürftig. 3lud) in ber mono= arapl)ifc§cn X'itteratur über bie ^iftorifc^e Gntiuidelung ein^^elner 2)e= litte roerben bie neueren IlSartifulargefe^e nebft i^ren jal)lreic^en Gut-- würfen meift nid^t in ber gebül)renben äßcife berürffidjtigt, obwohl Jiefclbcn alo unmittelbare ^Jorlaufer unferes Steidjsftrafgefetjbucbö in iiobcrn 'Bia^e Sead)tung pert)ienen. SlUerbingö ift bic £urd)forfd)ung bicfco umfangreid)en, .;^erftreuten unb babei gröptenteilö roenig an= ucbcnDcn -Blaterialo eine i^iemlid) mül)fame 3(rbeit, felbft wenn fte nur in .pinficftt auf Spejialfragen unternommen wirb. iTafür liefert fie ober auc^ wichtige 3(uffd)lüf)e für bie 'Beurteilung unfereo geltenben iHotJtö,-*^'-') inbem oft längft ber 'l^ergeffcnljeit anheimgefallene ©efe^e unb entwürfe bcutfc^er Ginj^elftaaten fic^ ah bic Quelle üon 33e- jtimmungen unb Segriffsbefinitionen erweifen, bie noc^ l)eute im löJittcU punit Ijcö juriftifdien Sntereffeö ftel)en. 3)aö beweift eine 3lbl)anblung wn Dr. Aricbr. äöac^cnfelb, weld)e bic begriffe üon ^JiorD unb lotic^lag (ncbft ber oorfä^lic^en Äörperoerleftung mit töbtlid;em Sluor ftangci in bor ©efe^gebung feit 3)litte Des vorigen 3fli)tl)unbertö burc^ ttUe '^^afen ^inburc^ bis auf bie ^leujeit verfolgt.-'*') äöir erfel)en •"^'1 3obn, CSntiDurf eincd St.Ö.iö.'e für ben norbbcutfcftcn iBunb. iücrl. IN»^. 3. 17*). ^'j Bcrncr, 2^ie 3trafgcfe^gebung in 2)eutfc^Ianb uom i^sahxe 17r>l biv >ur 6cnenTDart. ieipj. 18(17. -'^ %(. u. a. aucfe :Öinbing, ^ic gemeinen beutfc^en 3trafge)ead)enfelb, 3?ie ^-lU\Kiffc von Tloxh unb Xotfdjlag foiuie ucria^jUc^er ÄÖrperoerle^una mit töbUcf)cni 3liiegang in ber öJefetjgebung feit ^r SKitte bc^ 18. oal)rl)unbert^. ^in 'ikitrag ^ur ücrglcid^cnben C^efc^icbtc ber 3trafge]e^gcbunö. 9)larbur(^, 9^ (^. (rlrocrl'fcöe 5>or(a3ebucfafianbIuni^. I'SIMI. XI u. 2i«(r3. -") 3o foll j. S. md) 5iJacf)cnfclb, 3. -281 9lnm. 1 xinfcr 3icid)eftrofs (^efetJburf) in feinen i^cftimmunt^en über bic uorfiiiUicbc lötung mit fcinoin bor älteren C^iefet^biicber gröB^rc ^ÄF)nli(t)feit haben alö mit bcm fran5öfifd)en ooiio \\rUi\\ ü. lTi»l. -»-) :rie X'ehre üom 3)Jorb u. lotftblaiv 3tiittg. IS-'K '^^) 2ic Crntioicfeliinc; bco ^t^eöriffcv^ ^iorb bi*> jur CSarolina. crrlan^en 1S77. 2*22 5!ttcraturl'crid)t. barauö bcutlicö, baß ftd) unfcrc I)cutigcn ^öcc^riffsbcftimmungcn bcr ^ woifü^Iid)cu Rötungen ntc^t fotoo^l am bcm gemeinen Scd^t, ulo iMcImcbr gcrabc auo bcn r>crfd)tebcncn ©cfc^pebungcn bcr GiiijcN ftaütcu cntroicfcU haben, bic il)rcrfcitö j^um icil roicbcr unter bcm (S'inf(u)|c auölänbi) cftcr 5}orbiIbcr ftanbcn.-") ^n i^rcm (\cfctiic^tlid)cn Icilc fc^Iicfet fid) bic übcrauö flcipigc 2lrbcit 5unäd)ft an bic bcfanntcu 2d;riftcn von Äöftlin*-'^) unb Hllfclb-'**) crgänjcnb an, bcrcn crftcrc ftcb mit bcn Gegriffen üon ^JJforb unb lotfc^Iag im rijmifc^cn iHccbt bcfc^äftigtc, u)äl)rcnb Ic^tcrc \\)xc Gntroicfclung im älteren bcut|d)cn Strafrcd^t biß jur Carolina barftcÜt. 2^cr i>erfaf)cr orbnct bcn gcfammcltcn Stoff nic^t nac^ bcn cinj^clncn Gpoc^en, fonbcrn nac^ bcn ücr|d)icbcncn ßJcltungogcbictcn unb fül)rt uns innerhalb bcrfclbcn nic()t nur bic Strafgcfc^e, fonbcrn aud) bic ocrfchiebencn ßntmürfe ju bcnfclbcn üor, meldte er mit Siecht für bic ßntftcl)ungö= ge)d)i(f|tc bcr erftcren als n)id)tig erachtet. 3lufecr bcn Gegriffen ron 3Rorb unb Jotfc^lag ift aud) überall bic bamit fo nal^c 3ufammen= {)ängcnbc fogenanntc Äörpcrocrlc^ung mit töbtlic^cr ^olgc in 55ctra(^t gebogen, auogefonbcrt finb bagcgcn t>on bcr S^arftcUung biejenigen bolofcn lötungen, meiere ju dolicta sui gcneris geroorben finb r@ift=, Äinbcömorb ufm.). XaQ Sud), beffcn 3^^^'^ ""^ ßrgcbniffc ()icr nur in flüditiger Sfi^sc micbcrgcgcbcn mcrbcn tonnen, j^erfäUt in einen rein l)iftorifd)en, einen rcd)töücrglcic^cnbcn unb einen bogmatifc^cn Ücil, von meldten bcr cvftc bcr bei rocitcm umfangrcic^ftc ift (S. 1—183). 3?orauogefc^icft mirb bcmfelbcn als „ßinleitung" (S. 1 — 29) eine Unterfudjung über bic 3?orfc^riftcn bcr (SaroHna unb i^re gortbilbung burd) bic 2^oftrin beo 17. unb 18. 2iö^r^unbcrtß, inobcfonbcrc burdi Carp.^otü, ü. S)öf)nicr unb Quiftorp. 3n bcr Interpretation beo Ü)(rt. 137 CCC. meiert SBac^cnfclb namentlich oon ©üterbod (bic (rntftel)ungögef(^ic^tc bcr (Carolina, 2i>ür$burg 187G) alö äJertreter bcr communis opinio, ;\um Üeil aber auch ^on 9(IIfclb unb Srunnen = meifter (bic SHucUcn bcr Sambcrgenfiö. Seipjig 1876) ab unb ge- langt §u bcm ^Hejultat, ba^ „cö notmenbig mar, bcn 3)^orb burc^ ^roei Ü)lerfmale (,,fürfe$lich" unb ,,mutmiUig'') vom Jotfchlagc j^u unter; fcheiben. "Jaö „fürfcftlich" bicnt, um bic befonbere Siic^tung beo älMIIcnß, bao „mutmiUig", um bic 3(rt bcr ©emütöftimmung su bcuMd)ncn'' (£. 10). Gift auf S. 30 beginnt baö eigentliche 'Jh^-'^na, bic 3^arfteUung bes SWechto bcr beutfc^cn Gin^elftaatcn, unb jroar in V. . Cficfd)i(^tc t>cö 6trafrccl>t^ imD l>cö 3trafpro',cifcö. 2'^ Sbldmitt I (®. 30—56) mit fcftcrtcid), bic fic^ ^unä^ft an baö «ein eine Stecht anfc^lie^enbc ©efc^gcbunc^ von t>cr fot^cuünntcn gcr= bincntca Des Sa^rcö 1056 an bis jum ncucftcn Gntiüurf oon 1»80 (c^önbotn) Ijinburc^ gcfc^ilbcrt roirb. iJIbfc^nitt II (S. 57 — 177) ifi J>CT Segiölation ber übric^cn bcutfc^cn Staaten gcroiDmct, in weither bic f^ftcmatifc^e Sc^anblunc^ bcr lötunciGbcIittc einen üon ber öitenctc^ifd)cn ©cfc^gcbung üöttig üer|rf)tcbencn Gntiüidtehuu^öganrt naljin. 38on eminenter Scbeutung rourbe für bie gefamten beutfc^en ßin^clftaaten, unb jroar gcrabc in ber Dorliegenben ^JJtaterie, baö auo Den Slrbeitcn Slnfclm d. ^cuerbac^s ^erDorgegangenc baprifdie föcje^buc^ t)on 1813, in welchem bic S^oftrin in bie Si^ortc beö öefe^= (jebers übertragen rourbc unb baö eben beof)aIb einen fo nad)l)altigen (rinfluB i^u üben uermoc^te (©. 57, 58). 3(uc^ bic nod) l^eute üblidie Untcrf(^eibung ^roifc^en 5Korb unb SCotfc^lag ift l)auptfäd)lic^ auf ^cuerbad^ i^urücf^ufü^rcn, welcher bie begriffe nid}t nur nac^ ber ©cmütöftimmung, fonbem auc^ nac^ bem 5Bor()anbenfein ber Übers legung unb bcö Sorbebac^tö oon einanber fonberte (3. 68 u. S. •28'J). So tarn bic Untcrfd)cibung auö bem ba^rifd^en inö preupifd)e Strofgcfe^buc^ unb butc^ bcffen SSermittelung ine heutige 3led)t. Gö recfttfertigt fid^ bafjcr bic SSoranftcUung bcr ba^rifdjen Strafgefe^= (Hebung (ftap. ], S. 58 — 85), meiere com 35erfaffer in 8 Gpod)en jer= leat roirb: oom Codex juris Bavarici criniinalis (1751) bis 1>;1U, von 1810—1848 unb enblid) oon 1848 bio §um @e|e^bud)e oon 1861, in welchem fic^ preupifd^cr Ginflup geltenb ntad)t. .'oier an fdbliepen fid^ bic ©efe^büc^er oon ^annoocr unb äÖürttemberg {iüav. 2, ©. 85 — 98), in rodeten Säubern bio ^im ^aljxc 1>S40 refp. 183J# boö gemeine Siecht im loefcntlic^cn in föeltung gemefen loar. Äopitel 3 ^anbclt oon ben ,,Staaten mit oormiegenb babi)d)ein Stedit (3. *.»9 — 115), moi^u ber SJerfaffcr au^er 33aben felbft .'oeffen--3^arm= fiabt, ?h:flnffurt, ig^effen-^omburg, 9laf)au unb ,fturl)effen rechnet. W\t Öraunfc^roeig unb ben „Staaten mit oorioiegenb braunfd)ioeigi)d)em Sec^t" (Sippe, ^fltnburg unb 33rcmen) befc^äftigt fid) i^a]>, 4 (2. 1 15 — 1*25), roä^rcnb Äapitel 5 im Mnfc^luB an bie 03e)e$gebung bcö Äönigreic^ö Sac^fen noc^ bic bamit fel}r na^e ocrioanbte bcr tl)ü= iingifc^=fäc^fif(^cn ÄIcinftaatcn erörtert ('S. 125—139). ^m 6. Ma= pitel wirb uns ausführlich bic Gntmicfelung ber ?iegriffc oon '>)iorb unb 2otf(6Iag im preupifc^cn Stecht feit bem allgemeinen prcuftifd;cn ^ünbre(^t bis jum Strafgefc^bud) oom 14. 2(pril 1851 gc)d)ilbcrt unb rocitet bcr ßinflu^ bcö preufeifc^en 9lec^tö auf bic ©efc^gebung Bon St^lcsroig^i^olftcin, 5Ke(!lenburg, SBalbet, Dlbenburg unt» >inhci (S. 130—177). ein Slbrife bcr auf bic lötungobelifte be^,üglid)cn @e= fctgebung bcs 9iorbbcutfc^cn Sunbcs unb bcö ^eut)d)en !?Heid)o {Äa\>. 7, S. 177 — 182) unb ein furj^er ^^Siüdblicf" auf bic bargeftelltcn S'-'it^ übfdmitte (S. 182—183) bcfc^licfeen ben I. Seil beo 33ud)cö. !?er IL Seil bcöfelbcn (S. 184 — 270) gibt eine naljo^u oollftänbigc Üierfici^t bcr roic^tigftcn jur 3*^*^ geltenben auoläuHifdjcn :^{ed)te in i^ren Scftimmungen über S^ötungen, wofür bem äJerfaffer um fo me[)r J -1)4 ^ — T l'ittcraturbcnt^t. liMncrfciuumc^ gcbül^it, üIö bicfc frcwblänbifd^cn ©cfc^büd&cr bem Gii V'lncn burci)H)C(^ nod; frf)iücr jucjänölid) fint). 3(uci) f)ier finb fclbj (rntiüiirfc bcnid)fic^ticit roorben. 2)tc ctnjcincu Staaten finD in .' .N>auptab)c^uittc mit i\a()[vcid)en Äapitcin unb '^.^ara(\rapl)cn cinf^ctcill Xio Staaten mit üormiegenb germanifc^cm Med)t ('Jlbfc^n. l, S IN,)— 223) fd^Iiepen ficft fad^gcmäft am näd^ften au beii I. leil b« Sl^erteö an, unb unter i[)nen c^ebü^rt mit 5Hed)t micberum benjeniiici' Öefe(5büd)ern, meld)e üorjut^öroeife bcutfc^co 9ted)t recipiert ol>er vcx- arbeitet l)ahen, bie erfte Stelle (SLap, 1, S. 185—11)0: ßiriec^»cit lanb, Serbien, S3oönicn unb Axrjeoioroina, Ungarn, Äroatien;. Aa- pitel 2 bringt uns foDann bic ()auptfäd)U(i^ften (8e|c§c bcr Sc^roeijet Äantonc (S. 190-— 202j, .Kapitel 3 Diejenigen üon ^^ollauD u^^ 5tieberlänbifd)=3nbien (S. 202—218). Sie norbifc^en Staaten C)iorn)egen, Sc^mebcn, 2^änemarl unb ?^nnlanb) finb in Üai?. 4 (S. 208—213), Gnglanb, 3nbien, 3tuftralicn unb 'i)lorbamerita in kapitel 5 (S. 213—228) bctrad&tet. Ser II. äb^nitt enthält bas !Hec^t ber Staaten mit üorroiegenb romanifc^em "Hcc^t, unter melc^em ber fran.^^öfifc^e Code p^nal beu bebeutenDften ■Vla§ einnimmt (Map. 1 S. 224— 242), ba er au^cr in g'^onfrciit felbft unb beffen Äolonien aud) auf Sclgier, bcm Älongoftaat (ab^c- für^ter code pönal bolj^e üom 26. Slai 1888), Sujemburg, Ü)}onaco, ^Humänien, bie lürtei, Sulgaiien, Ägypten unb ^apan feinen „ßin^ fluft erftrecft. ©egenüber bcm fran^öfifc^cn 'Hed)t bilben bie ©ebictc beo fpanifd)en unb portugiefifc^cn ^Hcc^tö (Spanien unt) feine fiolo-- nieen), ^^Jortugal, fübamerifanifcfte Staaten {!^ap. 2, S. 242—249) unb beo itaiienifd)en iHec^tft (,Slap. 3, S. 24i)— 260: Stttli«-'"/ San ^JJJarino, 9)ialta) befonbere ©ruppen. 3116 „Staaten, in bcnen weWi germanifc^e nod) romanifc^e Steckte vorwiegen'', fmb in Jlbfc^nittlü (S. 260— 26t») SRuftlanb, 'tülontenegro unb (S^ina jufammengcfteHt 5Jiit ber äJermcrtung ber ^JHefultate" ber ^iftorifdjen unb rcd^t6oa= gleid;enben Unterfud;ung für bas gcltenbe Siecht befd^äftigt fic^ enMi(^ ber '^erfaffcr im britten Zeil feineö Jöertes (S. 271 — 2!) 6), intern er babei im u)efentlid)en bie fd^on frül)er in feiner Xoftori-Siifer« tation-'*) aufgefteHten ^Unfid)ten mijcx auöfübrt unb begrünbct. £aj unfer ^Heid)oftrafgefe^bud) fomol)l mit feiner "Jluofdjeibung ber Dorfä?^ lid)en Mörpecüerletjung mit töbtlidjem ^luegang aus ben üötung* beiitten als a\x6) mit feiner Unterfc^eiDung ^roifc^en ^Blorb unb 2ot fd)lag je nad) i^orljanbcnfcin ober XUbrocfen^eit ber „Überlegung" mi einer großen 3Jiaffe auolänbifd)cr ©efeibüc^er nid^t übereinftimmt mirb um 3ur (^oiDcn;^ nadbgemiefen. (iBgl. bef. S. 277, 280, 284 2s:>.) Sd)on besbalb fönnen bie l)errfc^enben Segrifföbcfinitionci nic^t Ülufpruc^ auf alleinige ^Mid)tigfeit erbeben. Ser SSerfaffer gc langt baljer ,^u bem Sc^luffc, ,,bap bas Selitt, roelc^eö roir ^cut -'*) 'li^adjcufetb, Xk Überlegung in unfcrem heutigen SWorbbegriff« (^öttm(\. oitaug.-iTificrt. \H*röfeH), (fb. .s>oeF)l. 1887. 43 S. S?gl. baji u. iiilicnt^al in Z IX. 678. öcfc^ic^tc brö Strofrcc^tö xmt) bc3 Straf projcffc«. 225 erle^ung tnit tobtlic^cm SKuogangc nennen^ ftc^ nur burd^ ben jI bcr 'iötungsafefid^t von ber üorfä^Kc^en lötung untere unb bed^alb als (Srgönjung berfelben feinen $(a^ unter »tungsbcliften Derbicnt" (S. 289), unb ferner (in roefent? Ibcrcinftimmung mit Serncr, v. Silicnt^al, §. 3Rcr)er, ner, v. .^ol^enborff unb So^'^; L^öl- ®' -^«^^J)/ bo^ berlcgung" alö Unterfd^eibungämerfmal für bie Segriffe von unb iotfc^Iag burc^auö — unbrauchbar fei. ®egen biefed im fpred^e, abgefe^en batjon, bafe cö nid^t einmal nad^ ein- em Siecht feftftc^e, bie ©c^roieriglcit feiner ßrfenntniö. — 3)ie ung als ein pfpc^ofogifc^er 5Borgang/-'') fei ber Öeobad()tung feenroelt in bcr 3Re^rj\a^l ber gäüe entjogen unb folglich nic^t t, für bie fd^roerften lötungsfäUe alö Unterfc^eioung ju bienen. le folc^e gänjlic^ ju t)erj\ic^ten, entfpräd^c freiließ nic^t bem ger^ en unb fpej^iett bem beutfd^en Sedjtögefü^t. 3^aö Slic^tige ent^ rton bie ältere beutfc^e ®cfe§gebung biö in bie erfte §älftc .VÖ^^unbertö, roo ber lotfdjlag ein bem 9Korbe gegenüber r ;;u beftrafenbeä 3)elift mar, n)äl)renb im f^eutigen iRc6)t ber alö ein wegen eineö Dualifitütionömomentä fc^raerer ju al)n: 'Berbrec^en erfc^eint, fo baj frü{)er ber 2Rorb alö 5lormalfatt Jä^renb bieö ^eutc nac^ ba^rifc^^preu^ifc^em Sorbilb ber Sot = ift. 35Jad^cnfeIb miß nun, mieber an bas ältere Siecht an^ ib, bcn ^ffcft, für meieren er ben beutfc^en 3luöbrucf „Qx- g" Dorf erlägt (3. 293), alä begriff lic^ee Sc^eibemerfmal auf- unb bcmnad^ ben ncgatit) (nämlid^ burd^ ^bmefen^eit ber ung") 5u befinierenben 9Rorb als -Kormalfatl, ben pofitiu fenbcn 2^otfc^Iag als 3luenaf)me Don bemfelben betrad^tcn t)). 3Iud^ beim 3Korbc muffe man aber bem 9ltrf)ter rücffic^tlid^ rafi^umeffung einen geroiffen Spielraum laffen unb i^m insbe* bie Serücffid^tigung milbernber Umftänbe ermöglid^en. ergänjenber 9lac^trag ju 9ir. 6 (®. 130.) er II. (fpejieUe) 3:eil ber 3tbl)anblung*-'*^) befd()äftigt fic^ ^upt= mit bcn 5ffJontenegrinern, bei meldten fic^ bie nac^ bem er roebcr im f^eutigen Serbien nod) in Soönien, noc^ unter erben ©übungamä me^r oorfommenbe Slutrad)e biö auf bie »art erhalten ^at. aöee^alb aber gerabe in 3Kontencgro bas it in Übung ju bleiben ocrmoc^te, meift unö baö 1. Äapitel . Jeilö (3. 46 — ')4) nac^. Slufeer bem gebirgigen 2^errain beci > mirttcn l)ier auc^ bie gefeUfd^aftlid^en ©runblagen beö iJolfeö (0 inöbefonbere bas lebenbige ©efü^l beö Dermanbtfc^aftlic^en ) 3u oergl. bie ^Jepnition bei Söac^enfclb, Überlegung ©. U. ) 3" ^«r Scitfc^r. für oergleic^enbc rHcd^töiDiffenfcfaaft, '^b. IX. 1890, 44. ^rift f. b. gef. Straf rec^td». XI. 15 226 Sittcraturbcriti^t. 3ufammcn^an(^eö unter bcn 5Jami[icnöHcbern, bie roeit auägebcfinte ©aftfrcunbfc^aft unb bie inciligtcit bc^ ©aftrec^tö enblic^ bic 6ins c^c^uiiß bcr GI)e in bcn JJotmcn bcö ^Räbd^cnfaufö, bco -IWäbcftcn« raubcö unb i^rcr ^tuöläufer. 3)aö 2. Äapitel (3. 54 — 64) fdjilDcrt xuiQ bic 'Berechtigung unb 'Verpflichtung jur 'J3Iutrac^c unb bic Jlrt i^rer ^ueübung. Sie ^auptDcranlajfung jur ^(utrac^e ift ^xoax bcr DJlorb, „von roelc^ent bcrjotfc^lag nur baburc^ untcrfc^ieben wirb, bap I)ier bie i^erfo^nung leichter ^u erreichen ift" (S. 54), allein qu(^ 'Bciwunbungen foroic dicaU unb Serbaiinjurien mannigfacher Srt, 'Berfü^rung, Untreue gegen bic Sraut unb anbereö mcf^r, an bcr I)eri5cgoroinif cf) - montencgrinif d)cn ® rcnjc f ogar -^J r i o a t ftrcitigf ciicn führen ()äufig 5ur 33lutrad)c. 3(Iö befonberer Schimpf werten Ohrfeigen, ein Schlag mit einem ^4?fcifenrof)r'-'') unb bie Sc« rül;rung bcö 'flarteö angefe^en. 3^ie Ölutrad^e gilt aber weiter aucö alö fogenannte Vendetta traversa, b. f). bie gegncrifdjc 'IJartci räc^t fic^ für ben in 3(u6übung bcr Slad^epflic^t gcfcbebcncn jlKorb roieberum unb fo roeiter; aud^ befc^ränft fid^ Die Stad^c feincoroego immer auf ben 2^ätcr felbft, fonbern unter Unis ftänben muß bcr erftc beftc aus bem betreff enben Siftrift, Stamm ober Sorf l;erF)aItcn. Gieiftlic^e unb fclbft 3Jerroanbte finD nidit fieser vox bem Scf)roert bes Öluträc^erö; nur baö SSeib gilt alö uiu verfcfelic^, unb wen eä unter feinen Schuft nimmt, geniest Da^cr eine 3(rt pcrfönlid)cn Jtfpfrec^tö.-''') 3luc^ bie SHcifenbcn gelten alö Ijeilig; mer einen fold^en vermunbet, unterliegt bcr diadjc feiner eignen >vamilienglicber (3. 57). Gine etroaige ftaattic^e 33cftrafung beö il)äterö genügt bem Sluträdjcr nid)t, er uerlangt nod) aufeerbcm feine 'J5riDatgcnugtl)uung, bcren Serjic^t il;n in ben xMugeu feiner Stammeö* gcnoffcn ucrädjtlicl) machen mürbe. Senn bie 33lutrac^c wirb üIg eine rcligiöfe unb I) eilige '^^flicljt ange)ef;en fomol)l gegen bcn Cie? töteten fclbft ale auc^ gegen bcffen 3ippe. Gigentümlicl) ift ber anfporncnbc 'Jlntcil bcr grauen an ber Ölutrac^c, ber ]iö) fjier mic bei anbcrn 'l^ölfcrn beutlic^ 3cigt. 3n erfter ü?inie j^ur 'Jluoübung bcr Slutradjc berecfjtigt erfc^cint ber älteftc SoI)n bcs ©ctötctcn, in Grmangelung eineö fold)en ber alteftc 33ruDcr ufm. 3fud) vererbt fid) bao3{cd)t bcrÖlutrad)e, fo baf? nid)t icUen crft bic Gnfcl bie Strcitigleitcn il)rcr ©rofeüätcr auöfedjtcn (3. 51»). 3n ben Wrcn;gcbictcn nehmen bic 53lutracl)eübungcn l)äufig einen mehr polis tifc^cn unb völfcrrccl)tlid?en 6I)araftcr an. ©crabc biefc „intcrnatio= ualcn" S'cljbcn, mic fic 5. 4^. öfter ,uuifd)en ben 'Wontcncgrincrn ciner= feite unb tüvfi|d;en ober öfterrcid)ifd;cn Untert{)ancn anDcrcrfcito por^ ^utommen pflegen, werben meift nodj fanatifc^cr gcfü|)rt alo bic gcwöl)ns -•' "i^al 3. r4 :Hnm. l"'. u. 3. .'. eine au vfiilirlid)e '^oftimmimg hierüber. i^<\l. *t>ofi, ^üauftcine fiir e. alUiemcine :)ied)tvii)if)en)d)aft ufw. Inm», -■■-) ^^mU. oben 3. 1:U) 11. iJCnm. :J."5. ®cf(i()u^tf bc4 Strafrct^tS unb bc3 Straf projcffcö. 227 Ii4m Slutrac^cübungcn. Cft rocrbcn jtc burc^ baö 3lcIigionöC|cfüf)f untcr= teunb ^äufig finb ftc ©cgcuftanb bct SSoIfopocfic gcroorbcn (3. 03). Jic JHoniencgrincr fxnb jebo(^ bereits ju einer 'i(blööbarfeit ber -Wadje bani eine 8Iutfü^nc (Sülinegelb) Dorgcfc^ritten^ über beren 3"= Idinufcit unb Slnna^me ein äül)neqerid)t entfc^eibet. I^ie Drgani= fation biefeä @eric^td foroie bas mit ^öc^ft umftänblic^en (Sermonieon omjcbcnc Sü^ncücrfa^ren fc^ilbcrn uns bie legten Äapitef (III £.64—68, IV S. 68—77). Dbroo^I an bem "Serfa^ren meift aixi) bie Sfiftlic^feit beteiligt ift (3. 66), fo ©erbicnt eo bocft ^eroorge^oben .^i mtm, baB burc^roeg bei ben Sübflaoen ber CEinfluf; ber Äirc^e auf bii Siegelung ober 5RiIberung ber Slutrac^e alö ein fe^r gering* fttgigcr erfc^eint. Selbft roo etwa bie ©eiftlic^en alö JHic^ter auf* treten, fungieren fie nic^t foioo^I in i^rer ßigcnfc^aft aU 2)iencr bor Äirtie benn oiclme^r als angefe^enfte 3Jiänuer bcö Stammeo (ogL S. 76 ff.). ^' Straf teil) t 3111 9 c m^ tit-f r ittih ^cnd)tcrftattcr ü. ^ilicnthal. I. 9bi00abeit unb Kommentare* a) 3Son ber SRüborfffc^eu Xertauägabc beö Strafgcfofebuc^ö ift bie fünfje^ntc 2luf(agc erfc^ienen, ') roelc^e ben frü()crcu in jcbcr Sc^ie^ung g(etc^n:)ertig ift. b) Sie b ritte 9(uflage bes Cls^aufenfc^en Alommcntaro-) ift nunmehr ^um SSbfc^fu^ gelangt. I)ie trofe beö oergrö^ertcu ^onnatö eingetretene fef|r er^eblic^c SSerftärfung beo Umfangö ift bor bcfte 4^0= »ciö bafür, roie fe^r ber SSerfaffer bem reichen 3(nn)ac^fcn beö Stoffes i» iitterotur unb 9lec^t)prec^ung feine Slufmerffamteit ^ugeioenbet f)at. Sefonberö ift ^eroor^u^eben, ba^ bie Übertretungen |)ier Jium erftcu Äalc mit berfefben Sorgfalt bel)anbelt loorben finb, wie bie übrigen Paragraphen beö St.O.S. 60 ift oon biefem Icile beö Äommeutaro auc^ ein Sonberab= bnid *) reranftaltet roorben, welcher namentlid; XHmtovid;tcrn unb Stmtö^ onwälten fe^r njiüfommen fein wirb. 'Za^ bie neue xHuflagc feine Sor^üge ber früheren oerloren i^at, lourbe fd)0u I)eroürgel)oben. ^w «antuen 'ipunften treten infolge ber erneuerten iTurd^arbeitung lad}- ^c äbroeic^ungen ju iage. 'itlö bebeutfamfte berfelbcn füljrt TMn'= fflffcr in ber Sorrebe an, bap er besüglid) ber 'i^erljältniffe oou W\U ^ätcrfc^aft unb Sci^ilfe fic^ ber 3lnfid)t beö >lleic^ogcrid}to nuumeljv ') «erlin, 3- (iJuttcntag WK). XXXII, üM 3. -1 tlerlin, ^ranj 3^al)li\x ISIH». LVil 2. t\c[i. Z I\ r.t};:. M Kommentar jum Übcrtrctuiuv^rtbldinitt tco ctrafgefcö- uAe für ba« Xeutfc^c Mcid^. iBerliix. grauj ^i>af)UMi isw. — iu9 o. 1')* 228 2ittcraturtcri(^t. angcfc^foffcn l)ai, forotc ba^ er bic in 9lbfa$ IT. bcö crftcn ZAh bei St.®.S5. roicbcr^olt oiebrauc^tc SBenbung „eine ftrafbare ipanblung if nic^t Dorl^anben"^ je^t in einer Don ber gemeinen SReinung burd^oil a6n)eic^enben 93ebeutung auffaßt. 2)cr in ber I. Seffion 1840 bcm Sleic^ätagc üorgelegtc Gntrourf eines ©efc^eo betreffenb bic 2lbänbcrung üon Scftim» mungen beö St.ö.S. (mit »ejug auf §§ 276, 317, 318, 360 3lx. 4, 364, 367 9Jr. 5) itt an bcn cntfprcd^enbcn ©teilen jum %U brud gelangt. c) 3n ber fünften oerme^rten unb umgearbeiteten aufläge ber (Sncphopäbie ber 9led)tön)iffenfc^aft in fpftematift^er 9t» arbeitung*) ift bie föeperfdje 2)arftellung beö Strafred^tS (3. 909 bis 966) üon SBerfef neu burc^gefe^en unb ergänjt roorben. 3)k alö fo(d)e gefennjeicbneten 3Wöte ^JRerfelS roenben fid) meift fritift gegen ben S"f)«ft ber ©eperfdien Sfusfü^rungen. Sie tragen w \\)xtx fnappen unb j^ugleic^ flaren Raffung roefentlic^ jur richtigen 9e» leuc^tung ber einj^elnen Streitpunkte bei, unb Derlei^en biefer neue» aiuögabe einen befonberen SBert unb ein befonberes Snterejfe. IL ^b^anblungen unb Wonogrop^ieen« 1« Strltgtoiidkirtflrl^rii. a) ^n einer (Xübinger) ^nauguralbiffer« tation bel^anbelt Sott bie Se^re von ben Steligiondoerge^en^ mit befonbcrer Serücffic^tigung Don § 166 bcö Sleic^äftraf* gcfe^bud)eö.*) 9llö Grgebniffe ber bogmatifc^en SScfpred^ung, meiere fxd) on eine furjc l)iftorifd^c Überfielt anfc^Iie^t, bej^ei^net ber SSerfaffcr fclbft ^in« fid^tlic^ bcö § 166 St.®.S. folgenbes: ,,l, 2)er ^auptjroed bc« §166 ift ber, bic Sleligion gegen ^crabroürbigcnbe angriffe ju ft^üjeii. 3^cr mobcrne Staat barf bic Sleligion, bie er alö einen ber roic^tigjten ^aftoren bcö öffentlichen Scbens ancrfennt, nic^t ungcftraft befc^impfen laffcn. — 2. 3^ic ©ottcöläftcrung ale ein bcfonbereä 3?clift ift aul bcm ®cfc|c ju entfernen unb ftatt berfelben märe etn>a in Slbfa^j 3 bcö § 166 bic Scfc^impfung bcö ©ottcöbcgriffcÄ einer 3lcHgionä9^ feUfc^aft unter Strafe ju ftcUcn. — 3. 3)ic Sefc^ränfung bes Straf fc^u^cö bc6 2lbfa|eö 2 bcö § 166 auf mit Äorporationsrcc^ten innere i)alb be<5 Sunbcögcbictd beftc^enbc 9tcligionögefcIIfd^aftcn ift, alö ben mobcrncn Scgriffc bcö Staates nic^t cntfprcd^cnb, 5U befeitigcn. — 4. (rinc 2luf^ebung ber Scftimmungcn im jrociten 3(bf^nittc bcö § 166 lüic fic ncucrbingö Don gcmiffer Seite l^cr geroünfc^t mirb, ift ntd^ j;u bcfürroortcn, locgcn bcö unter 1. angegebenen 3w't*cfcö bcö ®cfe^ ^oc^ mu^: a) 2)cr Sc^u^ bcöfclben au^cr bcn ßinric^tungcn urt *) >>erau9gegeben unter B9{itn)ir!ung vieler 9ie(^t«gele^rten von $ *) ilübingen, gueefc^c ihicl)l)ruG:iTei IMX:. — D S. / etrüfrc(^t. ttUgemiiwcr JcU. 229 Mtttuc^cn aud& ben Sc^rcn bcr StcUötonsgcfellfc^aftcn, fotoic ben^ jenigen ^krfoncn, rodele ©egenftanb aßgcmeincr SJcrc^runc^ bei bcn^ fetten fmb, ju teil rocrben. b) 35er Segriff bcö „53cf(^impfenö" [(^rfcr begren-^t roaben, fo ba^ berfclbe, entfpred^enb ben ^"^^tionen \k ®cfe^gebcTä, nur folc^c äu^erungcn (^anblungen ufio.) umfaßt, »clt^e ftc^ burc^ eine befonbere Slo^cit, ©cntein^eit ber ^orm auö= Kidinen." b) SJer ftrafrec^tlid^cSc^u^ bes Sec^tögutä ber ^ictäf^) bilM l)en (Segenftanb einer 3lb^anblung oon Grufen. 35er Serfaffer ^\ boDon auö^ ba^ bcr „S^otenfriebe gefc^ü^t werbe, roeif §anbs Inigen gegen benfe(ben fic^ ald eine SSerle^ung beö Stec^tdgutes ber Pietät barfteUen". Gr perfte()t barunter: „bas rec^tüc^ gefc^ü^te 3^ ittefjc ber Scbenben, in i^rem ©cfü^I Don bcr Ünantaftbarfeit ber (S^re cincö 3^oten, Don ber UnDcrlc^Iid^fcit feineö fieic^namö unb feinw ©rabco nicftt Dcrfe^t ju werben". 35iefeö oon aller pofttiücn Sefinion unabbängigc ©efü^l fei jroar regelmäßig t»on ber 3Biffenfd)aft, Wncsroegs aber ftetö ©on ben ©cfe^gebungen ald bic (Srunblage für ^ie bctrcffenben Strafbcftimmungen be^anbclt roorben, üiclmc^r \^Q}dt man ^aufig ben fac^tic^ unbrauchbaren ©cfic^tspunh ber (Jigentumös wrli|ung fjetüuge^ogcn. 3lac^ einer furjen SSetrac^tung bcr gefc^ic^ts l^cn Gntroicfelung gc^t SBerfoffer jur 3)ogmatif bco geltcnben 3led)tö ttkr unb befpric^t: I. (Strafbare §anblungen an Seichen felbjt, xunädift nac^ SRafegabc beä § 168 SR.St.®.©. ßr erörtert boiei: 1) ben ftrafred^tlicf)en Segriff bcö Scic^namö, b. \). ber „ent= ffcltcn oüUe eines 3)ienfc^en Dom ßintritt beö S^obes biö i)x bem 3filpunfte, roo ber 3"f<^^w^<^"^öng jroifcben ben leilcn bes Äörperö Dwc^l ben i^roefungsproje^ ober eine glcid^jufteUenbc 3Sernic^tung6= Ort »oUftänbig aufgehoben ift". fieic^nant unb Seiche feien gfeid^be- bcutcnb. ^er tote götuö fei feine Scid^e, rooI)l aber ber tote Äörper «ner 3Ri6geburt. 3Jerbrennungö= ober Scrrocfungöreftc fönnten nic^t «ic^r als Seic^nam angefe^cn werben, ebenforoenig im 9tec^töfinne feieren, welche für niemanben me^r ©egenftänbc ber 'ipietät feien, ^ 9. 3Jlumien ober ju ©cgenftänben bcö ?Hed)töt»erfebrö gcioorbenc £ei(^omc. 3"W)ien)eit le^tercö möglid) fei, unterfuc^t Serfaffcr forg- fältig. — 2) 2^en ®en)al)rfam im ©innc beo {5 16S, benfelbcn ()abc knjenige, in beffen fpe^ieffer Dbl^ut fic^ ber iieicbnam befinbe, alfo wrfci)icbcne ^JJerfonen, einmal Dom Gintritt bcö Sobeö biö jur Sei= ic|ung, bann bauernb nac^ berfelben. Süö ©cmaörfamöbered^tigte feien biö j\ur 33eftattung an}jufe()en bic jur Seforgung berfelben Ianbeo= wjtlic^ SJerpfüd^tetcn, wobei Streitfälle iool)I möglid) feien, ^ao Wlige (Srmcffen bcö Sicbtere müffc ^ier entfd)eiben. Später gcfie l)er Seioa^rfam auf bie ßigentümer bes Scgräbniepla^eo über. — .S) 35ic Begna^mc bcr Seiche, b. ^. jebe »t^anMung, burd} meldte bic 4(ue= 6iing bes ©croa^rfamö bem berechtigten unmöglid; gciiiact)t unb eine '■; 2Cue: D.Si^jt: 2lbf)anblun(^cn l)eo friminaIiftifd)tMt 2cmi ire. «b. II $eft 1. «crlin, ^J. öuttentag 18Ü0. — XVI u. 105 3. 230 2ttteraturbcri(^t. förpcrfid^c SScjicIjunö jroifc^en bcm 3^^ätcr unb bcr Seid^c ^crgeflcl rocrbc. Gin eigentlicher JDiebfta^I ©on Seichen fei nur auöna^mö»ci möglich (wenn bie Seiche ©egenftanb bes 9lcd)tst)erfel^rä geworben — Strafbar fei ferner bic SKegna^me t»on fieic^enteilen § 367 3» St.®.S. IL Strafbare §anblungen, begangen an bem Ort an roeld^em bie Seiche il)re SRu^eftätte gefunben ^at. SJerfaff erörtert l;ier .^unäc^ft l)ben (traf red^tlic^en Segriff beo®rabeö = „äu^erli crtennbare Stelle, an welcher ein menfc^Iic^er Seid^nam jur vorläufige ober bauernben 9luf)e beigefe^t werben foff oDer bereits beigefe loorben ift". 3um ©rabe im ftrafrec^tlic^en Sinne werbe biefer D burc^ bie 3tnn)efen[)eit ber Seid^e unb burc^ äufeerc Äenntlic^ntad^un Sllleö, was biefem lefetercn 3roecf biene, fei afö Seftanbteif bes @rab an|\ufef)en. — "2) SDie 3f^törung unb Sefc^äbigung im Sinne b §168. — 3) ^ie i^erübung t)on befd)impfenbem Unfug. — 4) ftra bare §anblungen, begangen auf einem ^rieb^of, wobei er auöfü^i baß ^rieb^öfe aßerbingö als religiöfe SJerfammfungöorte im Sini beö § 166 St.©.S. angefel^en werben fönnten. — 2)er folgenbe 8 fd;nitt ift 5}erbe)ferungöoorfd)lägen in bejug auf baö geltenbe SR« gewibmet. S^cbentlic^ erfc^eint bem iNerfaffer namentlid^ bie ju mil Seftrafung ber 2Segna^me oon Seic^enteileu unb baö gänslidje gcW' einer Strafanbro()uug für Seic^enfc^änbung. Seine SJorfc^läge fa er 5ufammen in bem ßntwurf eines neuen § 168: „9Rit ©efüngti biö i^u 5wei Sauren, neben weld}em auf Serluft ber bi»rgerlid)en Gf)rc red)tc erfannt werben fann, wirb beftraft: 1) 2öer fid) unbefugt ci Seid)e ober Jeile einer folc^en aneignet. — 2) SBer eine i?eid)e wi ^aubelt ober mit einer folc^en anbre »öanblungen oornimmt, rocii eine SSerle^ung ber bem l^oten gefc^ulbeten ^ietät enthalten. • 3; ©er eine Seerbigung ftört ober in ©egenwart einer 2eid)c f fd)impfenbe .öanbfungen Dornimmt. — 4) 2öer unbefugt ein @r ober ein ©rabmal ^erftört ober befcf)äbigt. — 5) äiSer au cim ©rabe befctiimpfenbcn Unfug verübt. — 3Benn bei einer unter 'ih biefeö ^JSaragrapljen faUenben ftrafbaren §anblung auö ben bie 2\ begleitenben Umftänben [)errorgef)t, bafe bie Aneignung lebig(id& wiffenfc^aftlic^en 3^ocden erfolgte, fo ift nur auf §aft ober auf ®c ftrafe biö ,^u 150 9W. ju erfennen. — 3^ie für ben l^eidjnam grbenen S3eftimmungen gelten auc^ für ben Äörper beö totgeborci Siubeö unb für bie nac^ ber üieic^enoerbrennung verbleibcnben Üt refte, bie für bao ©rab gegebenen auc^ für ben Urnenpla|." ^en Sd()Iuji bilbet eine foI)r forgfame unb umfaffenbe 3ufamni ftellung ber Strafbeftimmungen jum Sc^u^e beö iWed^toguteö ^l>ietät in ben auölänbifdjen ©efe^jgebungen. c) "iBergel^en gegen bie Sleligion be()anbelt Äo^ler feinen Stubien auo bem Strafred)t') auf Seite 160 — •224. gel)t bauon aue, bafe bie -Wedjtowiffenfd&aft mit bem Segriff ber Sic allein nid;t auofomme, fonbern ben ber „S^t^-^^^tTcn" Ijinjune^i ■} tViatmf)cim, ^enet)cimcr 1«1K). ,vcft 1/ 238 3. 8trafrc(^t. Mttflccfcn bcr Scfricbtgunc^ bcS rcligiöfcn (auf baö Übci natürlid)c (^crid)teten) ©cfü^lö bur^ Sßcil^c^anblungen gerichtete ©< noffenfcf)aft get^üfet. SSerfaffer befpric^t fobann ausführlich bic eit j^elnen i^atbeftanbetnomcntc unb if)re SJorausfefeungcn — auf l)i Ginjel^eiten mi)ex cinjuge^en, fe^It ^ier bcr 9taum. — 2)ie Störun ber 9lul)e beä Seic^nams enthalte ebcnfaüö eine Scrle^ung vo religiöfen Sultuäintereffen. Stls Seici^nam fei bie förperlic^e §üKe bc entfeeltcn 3Renfc^en, aud^ bes totgeborenen Äinbcä, nic^t jebocb bc bloßen §ötuö anjufe^cn. Serfaffer be^anbelt junäc^ft baö -Hecbt bc ©eroa^rfamö an ber Seiche unb ben bemfelben geroä^rten ftrafrec^tlid^c @c^u^ unb befpric^t fobann einge^cnb bie Seftimntungen bcö beutfc^c ®t.®.S. 6r ^ebt ferner \)exr>ox, ba^ ber ^ebc ber Seiche nic^t eroi bauere. ^n bicfer Sejie^ung feien bie Äirc^^oföorbnungen mapgebeni ja ein 3"fttnimenrücfen ber Seichen fönne am ©rünben beö öffentlicbc 3ntereffeö jeber 3cit gefci)ef)en. llngef)örigfeiten, bie babei üorfoinmei bürften nic^t nad^ § 168 St.©.33. beftraft werben, fonbern ^öcljfter mit einer leidsten ^^ioliseibu^e. gerner befpric^t er ben ßinfhi^ b< Seic^enüerbrennung auf baö geltcnbe 9tecl)t, foroie bie burc^ Übergar beö fieic^namö an bie älnatomie ocränberten SRec^töoer^ältnifie. 3"^ ©c^fuft ^ebt er ^eroor, ba^ baö 3"t^^0K '^^^ religiöfen Sc^ufeeo ? ben burci^ baö 9l.3t.®.S3. geregelten "äJJaterien gehöre, o^ne bafe bi burc^ jeboc^ polii\eilic^c ^norbnungen in bejug auf baö 33ecrl>ignngi roefen auägefc^Ioffcn würben. 2. S^Iff^r Unff^ttlbtguitfl. ^ie falfc^e 9{nfc^u(bigung na ben neueren Strafgefe^bücl^crn be^anbelt 2eici)mann in bi 3eitfc^rift für fd)n)ciiJierifcöeö ^lec^t.'') Gr befpricftt umäch bie ??rage ber Älaffififation beö "IJcIifteö unb fommt babei unti forgfältiger ä)efprecl)ung abrocidbcnber 5)ieinungen ju bcm Grgebnifi ba^ ]\d) am meiften „empfel^le bic im nicbcrlänbif^en 3t.@.33. vo\ gogenc Sc^cibung ber o^ne ^inbcutung auf eine bcftimmte "iperfc erfolgenben ^(n^cige ober iilagccr^ebung wegen 4>erübung einer ftra baren .^^aubfung, t»on beren ')iic^tt»erübung man unterrichtet ift, oo gefe^en alö S'cfih gegen bie öffentlid()e Cbrigfeit be,5iel)ungön)ei Staatögeroalt in a. 188, oon ber mit foldber .^inbcutung erfolgenbc lasterlijke aanklacht burcf) fc^riftlic^c „valsche klacht of aangifte i a. 2G8 ah Xdxit gegen -ISrioate". £obann befpric^t er ben 2ha beflanb beö 2)clifteö felbft, bejüglicti bcffen er im allgemeinen bie i^o fc^riften beö beutfc^en St.©.^ö. billigt. 3luf bie Ginjelbeiten b ein reic^eö recf)t9üerg(eicl)enbeö 3)latcrial bietenbcn 2lbl)anblung eini|;i ge^en, ift ^icr unmöglid^. 3. IBdrtbigititg» a) 3^aö 9lntragörecf)t beö ??orgefe^te bef)anbelt Stcnglein im ©cricfttöfaal.'^) Gr fteflt junäc^ft eine 'Keil von 3ä^en auf, über melct)c völlige Übereinftimmung Ijcrrfc^e:" 1. Xc 9lecl)t beö 3Sorgefe^ten fei ein felbftänbigeö. — 2. 3)er berechtig '■') «0. XLIl e. 79-101. etrafrcc^i* »ffgfmnnfr 2ctl. 233 Sorgcjf^tc fönnc foroo^I ein cinjclncr Seomtcr, alö eine bureaufratifd) otci Medial organiftcrtc Se^örbe fein. — 3. 3^aö Stecht berfelben W« icinc CucUc int öffentlid^en ^ntercffe unb iönnc be6l}alb entl. fogQT '^um giac^tcil beö Seleibigten (5. 33. jur geftftcüunö bor ®aE;rI)eit ein« gegen bcnfolben erhobenen 5}orrourfö) 9e()anb^abt werben. So^ bann ge^t Setf . auf bic ^rac^e ein, ob eine Seleibigung einer foUehioen Sic^r^cit Don ^erfcnen mbc^lid^ fei. 6r bejaht biefe (Vrac^e, norauö^ gejejt, ba^ „bie ^^erfonenein^eit eine anerfonnte ^erf5nlid)feit I)abe, fe krf ni^t aus einer lofen 3Jlaffe, gleic^fam einem üKeteorfc^roarm, Wtcften". älücrbin^ö Iönnc mOiXi i\x biefer Slntioort nur aelanc^en, »fnn man bie Seleibit^un^ nicf)t als eine i^erle^unc^ ber ßfjre, alö fincs moralifd^en SJec^riffo betrachte, fonbern als eine l^erlefeunc^ beö %%\vh auf äußere Sichtung, auf tuelc^e auc^ eine überl)aupt rec!)to= fcfiigc foUeftioe '»^k^rfonenein^eit Slnfpruc^ machen iönne. IWrfaffer bc^ tämpft im 3"f<^n^n^cnl)an(^ bamit entgegcnfte^enbe Stuffaffungen, welche Wc Siöglic^feit, eine Se^öibe ober eine politifc^e Äörperftbaft §u be^ töigen, nur alö 3(uönal)me i^ulaffen wollen, ^^eiter befpric^t er bie filö ^auptfäc^lic^fte Äontroocife ^eroortretenbe evrflfl*-'- „wcldjcr reu ^ ücrf^iebenen 3Sorgefe|ten eincö beleibigtcn i3eamten bcr jur 5ln= tragitcKung 33erec^tigte ift, wenn ber Seamte nad) iiegcljung ber li\)(K'i, jcbod) por Stellung bce Strafantrageo antre i^orgcfe^te erljält, wie bicä mitunter Dann ber ^all ift, wenn ber Beamte nad) ber il)m ju- Sefügtcn Scleibigung perfekt ober beförbert wirb, was aber aud) mög^ lid)crnjcifc burd> Eintritt einer anbcrn Drganifation ber §all fein tann.'' Gs feien ^ier bie 3)iöglic^teiten norbanben: 1. Sered)tigt fei derjenige i^orgefc^te, welchem ber beleibigte 33eamte in bc.^ug auf bie älmtö^anblung untergeben war, auf welche fic^ bie Seleibigung bc.^og. — 2. Xer i^orgefc^te, welchem ber Seleibigte jur ^6X ber Jfint untergeben war. — 3. iCerjenige, weld)em er jur ßeit ber 3(ntvag= jtcllung untergeben ift. 5Eie erfte 9)iöglid)feit fei, XQ^^o^^xi ber il)r inne= tto^nenben Öcfc^ränfung, nic^t gujiulaffeu, bie britte entfpre^e jwar ^^^errfc^enben ÜRcinung, fül)re aber, wie Stenglein auöfül)rlic^ nad)= »eifi, ju gänjlidi unerträglichen Äonfequen^en, fo bafi nur bie Sln^ na^mc ber äntragsberec^tigung beö jur '^orfc^riften würben nid^t üiel nü^en. ööd^ftenö fönne man oerfud)en, öffentliche Gl)renerflärung unb iöiöerruf in baö 9{ed)töleben ein^ufüfjren unb ^war fowol)l alö Strafauöfc^Iießunge- grunb, wenn fic freiwillig erfolgten, ober als ftaatlid) an^^uorbnenlic er.3;wingbarc 93Jaßregel. Slufeerbem würbe eö gut fein, bie alljuweiten Strafral)men ber {}§ 185—187 etwao abjuftufen, ba bie böswillige SScrleumt)ung, bie bewußte Süge in ef)renfränfenber 3tbfid)t l^eute ju milDe, bie einfaclie 3»"iwrie unö leicl)tfertige üble "iRac^rebe bagegen ju l;art beftraft werben fönnten. (1) 3n einem fel)r intereffanten 3luffa6e befprid)t ö erlaub in Gonrabö 3al)rbüd)ern für "JJationalöfouomie unb Sta« tiftif;'-) 2)ie berufemäßige MreDitcrfunbigung in Xeutfc^* (anb. Gr gibt 3unäd)ft einen turnen Überblirf über öefcf)id)te unb Sitteratur beö XHuofunftöwefcno unb fc^ilbcrt fobann bie Ginridjtungcn unD Jieiftungen ber betreffenben Süreauö, einfc^liefilid) ber t»on ibnen geübten isertrctung faufmännifc^cr gorberungöintereffen. SoDann er« örtert er bie ^Keditoftellung biefer Süreaue unb unterfuc^t bie polfö* wirt|d)aftlid)e Scbeutung il)rer 3:()ätigfeit, fowie bie Jyrage, welche ber gefdjiltiertcn Crganifationen ben beften Grfolg oerfpri^t. 3""^ 3cl)luß finben Derfdiiebcne ^)(eformoorfd)läge il)re äSürbigung. in^rf. fommt im ganzen ^\x bem Grgebnio, „baß in ber berufomäßigen iÄuö* ^'^1 ^i^D. XLTI 3. ^-7S: ein mcrfuu'irbiiKr rHecfjtefall. ") .v>oriui'JiT(ciV'tH'n von :)iotcrt ,'ylcifcf)er. '^rcolau. "Berlin, CJbuarb 2:rciueni>t, XV". ;\hriv IsOO. acptembcrlioft 3. o51-;J()l. ^^) ')kui 50I13C )öb. 20 (im)) 3. 129—200. etrafrcc^t. 4HIflcmemcr 2ciU 235 funftsertcilung eine Snftitution entftanben ift, roelc^e (eb^aftcn unb roiiitigen Öcbürfniffen unferes ©efd^äftslebenö entfpric^t unb ba:^u ^mifcn tft, 3:reu unb ölauben im SSerfe^r ,su fdjü^en unb vox ®c» föjren jiu bewahren''. Son ftrafred^tlic^er Sebeutung finb bic 5tuä= fü^ruiMien bce Serfaffer^ S. If55— 174. 6r bcantroortet junädjft bic Txx^t: 3ft ber 3luötunftcrteilcnbe ftrafrcct|t(ic^ roec^en un- künftiger ^i3cric^tc Derfolgbar? ba^in bafe § 193 ref^clmä^ig m Strofe fc^ü^en werbe. Gr lommt babei ju folgenbcm Grgebniö: ,V\t ?}eric^te ber 3luöfunftebüreauö finb, rocnn fie bie &)xc bee 33e* fragten üerle^en, mznn fie biefe(be ober ben Ärebit gefä^rben, in ber %e( ftraffrei, ba fxe in 2lu9übung eineö Slec^teo erteilt toerben. to(^ fonnen aud^ 3)iomente ©orliegcn — fo ein gänj^Iic^er 9JJangeI 1>C5 äuötunftägeberö an Menntniö ber einfd)Iägigen iNeri^üItniffe, foroie on Mitteln unb Sierbinbungen biefelben ju erlangen — roeldbe bie 3lbf4t, baö ßrfunbigungörec^t beo Xritten au9?iuübcn ober bemfelben ^u emfpredjen, nic^t anneljmen laffen. ferner mu^ beim l^atbcftanbe bw § 187 8t.®,55. baö i^orljanbenfein ber 9(bfid)t :Werf)te aue^^uüben, uemeint werben. 3n beiben Säßen treten bie Strafen ber §§ 185 bis 187, foroie eoentuell bie SBujje beö § 188 ein. /ferner fann alfo ^a, roo baei 33üreau roirflic^ !Wed)te auöübt, bie örenje tJorfdfelic^ übcr)d)ritten roerben, was jebocf) nur axi^ ben oben angeführten Um* ilant>cn gefd)(offen roerben barf." SKeiter fragt er: 3ft bie 'i^er= offenrlic^ung ber 9tamen fäumiger Scbulbner in befon« bcrcn Siften, roelc^e für gefd)loffene Mreife ausgegeben roerben, red^tsroibrig unb ftrafbar? Cb § 198 ^ur 5(nroenbung iommen fönne, f|änge baoon ab, ob an.^uerfennen fei, ba^ bie i^iften roirtlicft nur ba.^u bienen foUten, bie ßmpfänger vor 3ii)abcn bei ber HrcDitgenjäf)nmg ;^u fcl)ü6en, ober ob biefelben alö %^reffion«5mitteI ?um eintreiben fälliger ^orberungen benu^t roürbcn. '?ie vranfreid) i)abc berfelbe U^9. (\Scrrn "^vol J)r. ^^inbing milmtt.) X u. 131 3. 236 Sitteraturbcric^t bann aud) nai) 3)cutfcl^lanb. Sobann befpri(^t bcr aScrfoffer bic bcutfc^c Strafgefe^gcbung in bcgug ouf bcn 3w?it'^'"Pf ^'^ ?""^ preu^ijd^cn 2Qnbrcc|te (cinfd^licfelic^) unb gibt eine Überftd^l über bcn roic^tigften ^nljali bcrfelben. Sharon fd^Iie^t fid^ eine !ur?ie bogmciu gefc^id)tlid^e S^arfteHung ber entroicfelung ber fraglichen Se^rc bei bcn gcmeinrcd)tlic^en Sc^riftfteücrn oom 16. — 19. 3al)ri)unbcrt unb bei bcn Sc^riftfteücrn am anfange bes 19. 3a()r^unbertö, beren änft(^ten auöfül)rlid^er mitgeteilt werben. 35>eiter roenbet fic^ £et)i ju bcn neueren beutfd^en ©t.®.S3., bercn Seftimmungen er einge^enbcr be}pxici)t namentlich in bejug auf: Stuöforberung unb 3lnna^me, SUerfuc^, i'cll= enbung, Übertretung ber Äampfcörcgeln, 3^eilna^me, änrcijung ;^um Smeifümpf, 3^^'^^ömpfbe|d)äbigung. — 8e,^üglic^ bes geltenben Siccbtcö fü^rt 9?erfaf)cr unter forgfäitigcr Scrücffid^tigung ber porijanbcncn £itteratur unb ber auö bcrfelben fic^ ergebenben abroeicbenbcn älnfiditcu aus, ba^ alö 3w'<^ifo^Pf ftrafbar fei „berjcnige vereinbarte, geregelte^ j^mifc^cn jroei ^krfonen unter gegenfeitiger GinmiUigung gefiihiic Äampf, roeltber mit SSaffen gefül)rt wirb, bic bei ber fonfreten 3ln= mcnbungöart (in einem ^rocifampf ber fonfreten Slrt) töblid) ju roirfcn tauglid) fmb". ©ine befonbere 2lufmerffamfeit ift ber Scfiimmung bcö Segriffcö „töblic^e SBJaffcn" gcroibmet. iCao fogenannte 3^ucll auo bem Sacf (mit einer gclabenen unb einer ungelabcnen ^i>iftolc) unb baö fogenannte amerifanifdje 5EueIl feien fein 3"*^if^"^pf ^^ Sinne bcs ©cfe^cs, meil es bei bcnfclben an einem Äampfc, b. l). einer „alö Gin^eit gebac^ten Summe von (minbeftenö) einer roirflicbcn 3(ngrifföl)anblung unb (minl)eftenö) einer mirflid^en ober möglid)cn 3(ngriffö= ober SBcrtcibigungs^anblung (33efämpfungßl)anblung)" fcljlc. — Strafbar fei alfo nur bcr in abstracto lebenögefü^rlicf)e, nid^t au(^ bcr blofe gefunb^eitögefäf)rlic^e 3w<^ifömpf, nidjt alfo bas Sd^läger- bueü mit Sinben unb Sanbagen, meldte auc^ burc^ bic Sanbesgefcti- gebung nic^t mit Strafe bebrol)t roerben bürfe. 2llö 3^^^'i^ompfcboluö fei anjufcl;cn „bcr 5B>illc, einen geregelten SBaffenfampf ju füljrcn mit bem SJeroufetfein, bafe burc^ einen Äampf fold^er Slrt normalcnoci|e baö l'cben ber ©cgenfeite gefä^rbet merben fann, obne ba^ ber S^ueÜant im minbeften baö geben ber ©cgenfeite gefäl)rbcn ju rooflcn brauchte". 2lIfo fei baö ^"'cifampfoerbrec^en junäd^ft ein ^4Jolij\eibelift. 3^od) i)abc bcr ©cfcfegcbcr, roic fic|[ auö §§ 205, 206, 208 St.®.©. ergebe, baö 3^^fifö'npföbclift alö einfd^neibenb in bic S^clifte ber Ä5rpcr= ocrlc^ung unb lötung gebac^t, fo ba^ baöfelbe rec^tlid) balb alö •i^oli.^cibclift, balb alö ®cfäf|rbungö= bc.^m. SScrle^ungöocrbrcc^en in Söetrad^t fommc. Unrichtig fei cö, baöfelbe alö qualifisiertc Selbft^ l)ilfc ober alö ^elift gegen bcn öffentlidjcn ^rieben ober alö einen gall bcr Ginmilligung bcö Üicrlc^tcn an^ufcljcn. — S^cm §aÜ bcö § 207 unb bcn babci jur SKnrocnbung fommcnbcn gcfc^lidjen '&- ftimmungcn unbmct 9Scrfaf)cr eine forgfältigc 93etrad)tung, ebenfo bcr i>Tauöfoibcrung unb bcr 'Jlnnal^mc bcrfelben unb ber Jcilnalimc, fo= wol)l bcr Xcilnal^mc im allgemeinen, mic bem SJer^altcn ber ÄartcU= träger unb Sefunbanten. 3wm Sc^luffc wirb bie änrci^ung ^um ©trafrcc^t. Mügemehw %t\{, 237 Swcifampfc bc^anbclt. 3luf bic 6injel()citcn bcr 3)arftcllung nä[;er ein= ^uc^e^n, würbe ^icr ju weit führen. b) SJalan fuc^t in einer f leinen Schrift'*) einen ffieg jur Se« feitigung bes SucUö junäc^ft in Dffijierfreifen auöfinbig i\\ machen. ör ciel)t bübei t)on ber ßrwügung auö, baß bie Sefeitic^ung bcö ^xotx- fampfe«» im Dffijiercorpö ben 2Be(^fali[ biefer Unfitte überhaupt ,var A0I9C ^oben würbe. @r bcfämpft junäc^ft bic 3(uffaffunc^, ba^ l)er ätoeifampf aus relic^iöfen ober jtttlid^en ©rünben gerec^tfertic^t werben tonne. 6r %\\^X ferner ju, ba^ bic ©enugtl^uung^ welche bic geric^t= li(^c 'Berfolgung eines Seleibigerö gcroäl^rcn fönne, ^eute eine gänjlid^ unjulänglic^c fei, ^offt aber, ba^ cö gelingen werbe, (xn Stelle beo ^^Türifampfs für Dfifijierc einen ©pruc^ beö e()rengeric^tö treten ju laijcn, bur(^ weld^en entwcbcr bie Unbeflecft^eit ber G^re feftgefteUt, oDer bcr Unwürbigc jum äluöfc^eiben aus bem Dffi,^iercorpö genötigt c) 6ine intercffante 3wfo*"^^"f*'''ßung ber ftrafrec^tUc^cn 33c= fiimmungen über ben 3w^fö"ipf 9^^* Sreölaucr'"^). Sluö bcrfelben %^\\ ^croor, ba^ bie "Scrfc^ieben^eiten l)icr fo gro| finb, wie faum auf einem anbern ©ebiete beö Strafre^te. Serfaffer jic^t barauö t>cn '£(^lu6, ba^ bae 2)ucII mit Strafgcj'eftcn nidjt auö ber 3Belt ju jc^QJfcn ift, nur eine fac^gemä^e Grjiefjung lönnc ^ier 2tbr;ilfe fc^affen. 5. ftitpettorrle^iiiid. 3"^ ©eric^tsfaal '*^) oerteibigt ©tengicin l)icpon Sedier (t)gl. Z IX G84 f.) angegriffene SHec^tfprcd^ung bes ^H.®. in bc^ug auf baö 3"^ti9wng9re(^t bcr £e{)rer. 2)ic 3tnf(^auung bcö Seidjöoieric^teö, welche er in ben ®runb§ügen jur SarftcUung bringt, fei bie einzige juriftifc^ f|a(tbare, inöbefonbcre fei cö unmöglich j^u Icupen, bafe ein £e^rer, weldjer burc^ bic 2lmtöinftruttioncn nerbotene 3u(^ti$ungen anwenbe, wil>errec^tlic^ ^anble. 3Jon biefer Slnna^me f\i auc^ bas prcupifc^e Dberücrwaltungögcric^t auö, unö wenn biefe jurijtiic^ ganj unanfechtbare Gntfd^eibung bic Seranlaffung werbe ^ur Aufhebung folc^cr 3nftruftioncn, wie bieä nac^ ber preupifc^en Wv- niftcriaberfügung Dom 3. Slpril 1888 ben Slnfd^ein f)abe, fo würben panintcr nur bie Sc^rcr Icibcn, benen gegenüber in 3"^""f* <^"ö= WlieBlic^ bie 2Cnfcf|auungen beö erfennenbcn ©eric^tcö crfter S^P^^S wa^ficbenb fein würben. 3)cnn ber Segriff ber ,,geringcren ßücbtigung", auf rodeten cö alöbann, wcnigftenö in -IJreu&en nac^ 59la^gabe beö §51, Sit. 12, 3;. II 21.2., anfommen werbe, fei fein Stedjtöbegriff unb ^ttö 9lei(^ögeric^t werbe nic^t um^in fönnen, Dor ber jcbcömaligcn t^atjäc^lid^cn geftftettung bcö 3nft«"}9t*i^^tcö ßalt ju ma(^en. — %m ") %\xt\\ unb (Sf)re. Gin Jöcitrag 5ur praftifcöcn i^öfunt; bcr ^w^Vl- frage, unter befonbercr Öcrücffic^tigung bcr 3]crf)ältniffe bcö Dcutfd^en Cffisicr: "tp4. 5)crlin, ai'ialthcr & 31poiant 1890. - :J0 ©. '^) 3)ucHftrafcn. 3)iatcrialien, flcfammclt üon 'örc^faucr. iBcrIin, ?iojenbaum & .?»art lS9i>. 17. S. (9Jcbft einer bic iöcrf(t)icbenf)eiten bcr We= l^^Sebungen nadjioeifenbcn tabeUartfd)cn Übcrficf)t.) "^i «b. XLII 3. 1-34: 2?aö :}icic^ööcric§t unb baö 3üc^ti = gung^rct^t bcr Sel)rcr. 238 Sittcraturf-cric^t. Übrigen wcitbct fid) Stcngicin exogen bic cinscincn äfuöfü^runc^cn Äeplcvö, um bcrcn Unftid^^altigfcit barjut^un, inbcm er i^ugleic^ ben abfprectienbcn Ion unb bic agitatorifc^e Sdjrcibroeifc feineö ©egncrö fc^arf tabcit. 6. (^retbetteberaitbitiig. a) £ie Seftrafung beö Sflavcn^ ^anbclö befpricbt §ulb im ©ericfetefaal. '•) Gr fütjrt aus, ba^ bic bcftcr^enbcn ©cfejc (§ 234 ®t.©.S. unb einige ^^Jartifulorgefe^c über bic Seftrafung \>c^ 2flaüenf)anbe(ö) nic^t alö genügenb angc« fc^cn merben fönntcn unb l)offt auf eine balbige Grgänjung beö ©trafrcd)tö in biefem Sinne. b) ^m ©cric^tßfaaP**) füf)rt JWic^arb Sd)mibt am, bafe bcr bem einzelnen gen)äl)rte Strafrec^töfc^u^, ber fic^ nur auf Seben, Ieib= lic^e Unwerfe()tt^eit, Vermögen, 61)re, Sittlicl)feit unb 5rei()eit erftrccfe, unDoUftänbig fei, meil er bic i^crbrec^en am Seelenleben beö 3)lenfc^en nic^t mitumfaffc. Sc^mibt oerftel)t barunter au^er Den früljer fo genannten ^55erbred^en gegen bic ©eiftcöfräftc, b. (;. .s*vrbeifül)rung einer geiftigen Störung, auc^ fdjäbigenbe 9(ngriffe auf bie ©emüto= ücrfaffung unb enblic^ oüe ßinflüffe, welche fic^ alö iNcrfüIirung in einem weiteren als bem gemöf^nlidjen Sinne be^cidjnen laffen, 5. 3). üorfä§lid)e Gr,^icl)ung ,3ur llnfittlid)feit, tJorfä|Iic^e Verleitung ju 'ituo= fc^roeifungen aller 3lrt ober, burc^ Beibringung unjutreffenber 3?or= ftcUungen, jum Selbftmorb ufm." — 3Serfaffer ermähnt junäc^ft bie Dor^anbene ältere i'itteratur unb be)pri(^t fobann bie 3)iöglic^fcit bcr= artige .'oanblungen als „tüörpcnjcrlcftungen" ftrafrcc^tlic^ 5U betrad)ten. 3Rit 3{ed)t betont er, baft auc^ t)om Stanbpunfte einer moniftifc^en 3lnfd)auung auo nid)t überfeljcn loerbcn fönne, ba^ ber Öegriff ber Äörperoerlefeung im Strafrec^t jebenfaUo eine birefte medjanif^e ober c^cmi)d):bi)namifd)c Ginmirfung rorauöfefte. Gin befonbereö Ü8crbred)en om Seelenleben fei nun logif^ fel)r mol)l benfbar, gcljc boc^ aud) bic §eilfunbc feinesmegö in einer -iJatfiologic ber Joirnrinbe auf, fonbern faffe il^re 3lufgabe immer noc^ au^ 00m pfpd^opat^ologifc^cn Stanb= punfte auö auf. %ni) juriftifd) fei ber neue i^erbrec^enöbegriff mol)l faltbar. 3)aö 3lngrifföobje!t fei nid)t unbeftimmter, mie etma baö ber men)d)lid^en Gl)re, bie Sc^uftmürbigfeit merbe niemanb in 3lbrebe ftellen mollen. Jer Ginmanb, baf, eo unmöglich fei, in einem an= bem eine Seelenftörung l^eroorjurufen, geljc t»on einem falfd)en Äaufalitätöbegriff auö. Samit, ba^ bie fraglichen .s^^anblungen meift ouo anbern ©efic^topunttcn ftrafbar fein würben, bürfe man fic^ nid)t begnügen, au^ nic^t bamit, ba^ biefelben oer^ältniomäpig feiten Dorfämen. 2^aß bie 3(ufgabe für ben 'Kic^ter unter Umftänt>en eine fc^mere fein werbe, fei jireifelloo, boc^ falle bao nid)t ino Wewidn, wenn eö ficft barum l)anble, ,,ben Jreoel an ben ebelften Wütevn t)eö SDJenfdjen ^u füf^nen". »•) ^i^t. XLII 3. a-)-42. ^"1 ^^^. XLII 3. 07 — u7: ^erbrc(I)cn an bom 3ocKMUcbcn boö 2)icnfrf)cn. ^^^^ *. Straf vcc^t. ^ttgoirwiner I:cil. 239 7. ^rgnnftigmifi» Über G^arafter unb ©rcnjcn ber 33cs c^ünftigung fprid^t Äofjler in feinen Stubien auö bcm Strafe reite '^) S. 154 — 160. Gr l^ebt ^croor, bap frühere Steckte ben 'öefliün|tigcr rote bcn Später beftraft ()ätten, luä^renb unfcr Stecht öie jDec, bap ber Seöünftiger für bie frembe J^at cinfte[;en muffe, ooCiifli abgelegt f)abe. 2*ic Segünftigung crfc^einc nur noc^ alo eine ?torm ber 3^eilna^me. Sie 9(uöbe^nung bes SSegriffeö ber ^erfonen^ begünftigung fönne ju 3'^cifeln Stnla^ geben. 3^aö Unterloffen einer :Jln;\eigc ober einer 3ReIbung alö 3^"9^* gehöre nidjt bal)in, ebenfo^ ipenig bic Semüliungen, einen atntragöberec^tigten oom 3lntrage ab= ;ul)alten ober bic Sierroeigcrung ber 2(uöfunft an bie red;crd)ierenbc i^olijei. 3llö fac^Iic^c 33egünftigung fann es nid)t angefel)en werben, roenn 2t bem 33 ein geftoljleneo Sud) überfe^c, roofjl aber, wenn je= manb bem I^äter ba^u f)elfe, bie geftofjlenen Sachen burd; SSerarbeiten Der Gntbedung jju cntjjie^en. 8. Setrito* a) Sen Setrug bcimSpiel bef|anbeft ^fijcr im ©erid^töfaa r-") in längerer 3luöfü^ning. 5Die ßrgebniffe bcrfclben fant er fclbft in folgcnbc SBorte jufammen: ,,5)ie betrüglidjc SSer- Icitung ^ur ßingc^ung einer 33ette — mit ober ol^ne Spiel — ift in berfelben 2i>eife unb unter benfelben l^orauöfefcungen ftrafbar tuic Die bctrüglidjc i^erleitung |^um 3lbfcl^lu^ irgenb eineo onbcrn 3>er? trageö. i^om ©etrug beim Spiel fann nur bie 5Rebe fein, menn bie ül^ätigfeit ber beteiligten im Spiel, b. l). ber Gintritt beo über ©es roinn ober 'Berluft entfc^eibenben Greigniffes ober Grfolgeo beim 3lb= fcbluB bee» 3Jertrageö objeftio ungeroip ift. Muöbeutung oon S?erftanbcG= fel)lern, bie nic^t auf einem im ©egner erregten ^^^'^tim über 'Jf)at= fachen beruht, ift fein 33etrug. Soweit ber Sluogang eines Spioleö ganj ober teilmeifc oom 3itfall ab{)ängt, ftellt bic i^erleöung ocr Spielregeln, aucf) wenn fte roiffentlid), in ber 3lbfid)t ber iäufd;ung Des ©egncrö erfolgt, feinen ftraf baren 'Betrug bar: eö ift lebiglid^ Sad^c beö Spielers, über bic Ginl;altung ber Spielregeln su toadjcn. Gin ^Betrug bei Spiel unb SBette liegt por, wenn ein beteiligter bie objefiioe Ungewißheit beö Grfolges ober Des Greigniffes, oon bem ber 3lusgang beö Spieles ober ber 2\?ette abl)än9t, ganj ober teilweifc bejeitigt unb bie 3^l)atfaci^e ber erfolgten ©efeitigung unterbrücft; ein foic^er 33etrug ift regelmäßig ftrafbar — ftraflos nur bann, wenn unb foweit nac^ bem Gl)arafter bes ein.^elnen Spielers Der gcfc^äDigte Spieler auf ben "Berfud) bes ©egners ober ber ©egner, in ber be* ^etd^neten ffieife auf ben ®ang bes Spieles ein5uwirfeu, gcfafjt fein mufjte. 1») Unter bem Jitcl: i^ermögensbefd;äbigung bei 'J^etrug ipcrben im öerid)tsf aal-') bie Öerid)te mitgeteilt, auf ©runb bereu Die oereinigten Straffenate bes 9{eidj'>geric6tes am 'JO. 5lpril 1887 J^j i);aunr)eim, 55cnef)eimcr ISOO. .sSeft 1, -i-is 3. -" :öb. XLI e. \^Ti—\\m, 2») ,Br). XJ.I1I S. 321-:]ü<;. 240 Sittcraturbcric^t. (:K. IX, 253 ß. XYI, 1) bcn »cfc^lu^ faxten: ^2)eriemgc, toclc^er auöbrürfüc^ nur auf fef^c Prämie Dcrfic^crn unb eine 9JerpfIic^tunci ju 3kd)fdiüffen nic^t übemeljmen m\i, ift im Sinne beö § 2G3 £t.6.33. an feinem iNermöc^en nic^t o^nc roeitered gefc^äbigt, roenn er burd) 2äufc^ung über bic 2trt ber ©efellfc^aft beftimmt roirb, einer auf 0egenfeiti(;feit c^egrünbeten SJerfic^crungögefcDfc^aft beizutreten unb ba» burd) bie SSerpflidjtung ^u Slad^fc^üfjen ju ü6crne()men." 31uf bie (rinjel^eiten ber fe()r auöfü^rlid)en 3?oten nä^er ein^^uge^en, ift 6icr nic^t mögUc^. 9* Uttitiiiriifa(f4iiiifl. Über ben 93cgriff ber Urfunbe im Strafgefc^bud^c fpri(^t Socrnc im Ocric^töfaal.") Gr gcfjt bauon auö, ba^ bie Urfunbe in i^rer ßigcnfc^aft alö Scmciömittel ©egcnftanb beö ftrafrcc^tlic^en Sc^u^eö fei. 3cbcr ©egcnftanb fönne baju biencn, irgenb ctroaä ju bemeifen, b. 1^. im Setrctungäfallc alö roa^r unb richtig bar^ut^un, Scrociömittel im tec^nifd^en Sinne fei er jeboc^ nur, menn er bic Scftimmung ^abc, jum öeroeife 5U biencn. 3)iefc ßigenfd^aft fei barum naturgemäß Dorübcrgc^enb unb roanbelbar. 2)anebcn gebe cö aber Scroeiömittel „befonberer 3lrt, bic burc^ äußere 'ÜKcrtmalc als Seroeismittel gefcnnjeic^net fmb, bcren öcmcisin^alt in iljnen t»erfmnbilblic^t, verlörpert unb ju erfcnnbarem Stuöbrucf gebracht ift, bcren (Sigcnfc^aft, Seroeiömittel ju fein, in bicfer SJerfinnbilbfic^ung bcd ^cmciöin^altcö burc^ äußere ^er!ma[c eine felbftänbtge ®runb= läge finbet. Sen>eiömiltel folc^er 9lrt fmb Urfunben. Urfunbe ift ein ©egcnftanb, ber an äußeren 5)lerfmalen alö Scmeiömittel crfcnn- bar ift". 3)ic Grforbcrniffe ber äußeren 3KerfmaIc, ber Äenn- •^eic^nung alo Serocidmittel unb ber j^ennbarmac^ung erläutert SJcrfaffcr im einzelnen nä^cr unb fü^rt bann auö, baß mcber bic SSe- ftimmung ^um Scroeife i\u biencn, no6) bie Stcc^täcr^eblic^fcit nots menbige ÜJJcrfmalc beö Urfunbenbegriffcö feien. SBebcr fei cd crs forberlic^, baß bic Urfunbe mit ber Slbfic^t, ein Scrociömittcl ju fcftaffen, ^crgeftellt roorben fei, nod) baß fie nachträglich bicfe Sc^ ftimmung erl)alten ijabc, Seibcs fü^re ju Folgerungen, welche, mie ißcrfaffcr nac^jurocifcn fuc^t, mit bem Scgriffc unb ber Sebcutung ber Urfunbe unvereinbar feien, inbem bie Urfunbcnqualität alsbann aufhöre eine unroanbelbarc f\u fein. Gbenfomenig fönnc man baö SRcrfmal ber Stcc^töoerbinblic^feit aufrecht cr()alten, alle bafür ange= führten ©rünbe feien, roic ÜBerfaffer ju bcmcifen bemül^t ift, nid^t burd)fc^Iagenb. SDiefer Segriff ber Urfunbe „ale ein abfolutcr unb in fxi) gefc^Ioffencr in bem £inne, baß bie Urfunbcncigenfc^aft eine unmanbelbare unb bcmnac^ in ber Urfunbe ücrförpcrte unb nic^t burc^ außerF)alb ber Urfunbe liegenbe J^atfad^en bebingtc Gigcnfc^aft ift", fei auc^ ber bcö St.®.33. 2)er § 267 St.©.55. — ni'd^t auc^ bie anbcrn ^Paragraphen bes bctrcffcnben Slbfc^nittcs 5. 33. § 274 — ^ebe auö ber 39iaffe ber ^^rioaturfunbcn nur bie jum Scroeife von iWec^tcn ober 9led^töDer^ältniff cn erheblichen, alö Cbjefte bcö 3Jcrbrcct)cnö -') iBb. XLI S. 383-407. 3tTafrcd)t. ^(llgnueiwer 2cil. 241 ^cr Urfunbenfölfci^ung befonberä ^ctoor. SSejüglid^ bcö Umfangrö bicfer 93cftimmung bcfinbet fic^ 3Scrfaf|cr im rocfcntlic^cn in Übercins ftimmung mit bcm Slcic^ögcric^t. 3)ic Scn)eiöcrf)cblic^fcit ftclfc einen hofieren ©rab ber Scroeiöbienlic^feit bar, i^r 33or^nnbenfein müffc nad) Den Umftänben beö fonfrctcn ^^ttcö beurteilt roerben, unter Um? itänben t^crf^icben für bcn ?5roje^ unb für ben außergerichtlichen t^crfe^r. Übrigcnä fönnc bie öffentliche Urfunbe nic^t in weiterem Umfange 9Rittel einer ftrafbaren Urfunbenfälfc^ung fein, roie bie ^^rioaturfunbe. 2)ie öffentliche Urfunbe fei alö folc^e beroeiöer^eblic^ unb muffe, foKö t)on ftrafbarer Urfunbenfälfc^ung bie Siebe fein fotte, notroenbig oon rechtlicher Gr^cblic^feit fein. ^sm "älrc^io für Strafrec^t^^) teilt Sc^ü^c einen 5^11 aud ber 'iSrariö mit, in welchem es auf bie iöeantroortung ber %x^ loegen Urfunbenfälfcbung 3lnflage erhoben, W Straff ammer loegen Übertretung auö § 363 üor bem Sc^öffen^ ^ctic^t bie .§auptpert)anblung eröffnet. iJie Staatsanioaltfcl^aft \)(xh^ ioforti(^e öefc^ujerbe erf)oben unb ausgeführt, bafe ein folc^eö 3(tteft Wn Öegitimationöpapier fei, eotl. aber jebenfattö 43etrug oorliegen würbe. Die Dberftaatöamoaltfc^aft, melci^er biefe 33efcl^ioerbe oom ^traffcnat ;;ur Äenntni6nal)me unb coentueden SlntragfteÜung über^ niittelt würbe, ^abe fic^ ber 'äuffaffung angefc^loffen unb auogefüf^rt, ^flß 06 ficö loeber um ein Segitimationöpapier ^anble, nod^ um ben ^"irocrf eineö befferen ^Jö^^ommenö, worunter nur Die 'iierbeffcrung ^ncr an fic^ bered^tigten Sebenölage ju oerfte^en fei, fonbern um Solfc^ung einer öffentlichen Urfunbe. 5^er Straffenat ^abe, ol)ne eine nofeere ^egrünbung beij^ufügen, ben Sefc^luß ber Straffammer auf- 9«^oben unb bie Sac^e ben Stnträgen ber Staatöanioaltfcl^aft ent^ fprcc^enb oxi baö S^rourgeric^t oermiefen. 10. SSnc^rr. T'er Iänblid)e SBud^er wirb t)on Sarre in einer ungemein intereffanten Srofc^üre"-*) bel)anbelt. 3L^erfaffer fnüpft (xx{, bie 5?orfc^Iäge beö beutfc^en Sanbmirtfd^aftörateö an, meldte fic^ in uicrfacf^er ■Ri(^tung bewegen: 1. wirb eine allgemeine 3(uöbe()nung Iht gefeftlic^en Seftimmungen gegen ben SBuc^er auf alle belaftenben Serträge in Anregung gebrad^t; 2. beantragt ber Sior. ftrafgefe^lid^eö Verbot ber unentgeltlichen 3?crabreid^ung üon geiftigen ©etränfen bei öffcntlicbni ©runbftücföüerfteigerungen; 3. eine 3luöbel)nung ber für bie *]5fanbleil|cr geltenben ®cn)erbebefrf)räntungen auf biejenigen "5Jer= -^) 33b. XXXVII 3. ^öl—Jäf). -*) Gin iöcitrag jur 3öuc^erfragc bcjügltcfi ber SSorfc^Iät^c bc§ beutfcben 95orfdn)irtf(f)aft5rate« 5ur '^efämpfuug be^ länblic^cn 3il^ut^ere. SBcrlin, d. 2)ecfer 189<). - 56 3. d^tf^r. f. b. gef. Strafre^tSn). XL X6 242 iiittcraturbcric^t. foncn, welche fid^ aus ber Betreibung oon ©elb^ unb Ärcbitgefc^aftcn mit bcr bäucrlid^en Seoölferung ein (Seroerbe machen; 4) eine Gin= fc^ränfung bcö gcroerbömöfeig betriebenen ^anbelä mit länblic^en ©runbftürfen. 38erfaffer fc^ilbert aläbann in flarer, von großer 3ad)= fenntniö getragener Slrt bie roic^tigften ber im praftifd^en Seben x)or= fommcnben roirtfc^aftlid^en Benachteiligungen beö JEIeinen ©runbbcfiterö. Gr ^cbt ^crt)or, ba^ nad^ ber 3luffa)7ung beö Sleic^ögeric^teö ein 9©uc^crgef4cift burc^ Ginficibung in eine roirflic^e, nic^t blofe fingierte ßeffion ftrafloö roerbe, fc^ilbert bie Vorgänge bei ber S5ief|iei^c unb bem ^rotofott^anbcl, beffen Segünftigung burd^ baä rfieinifc^^fran^ ?iöfxfc^e 5Rec6t er anfd^aulid^ bart^ut unb fommt bejüglic^ ber erforbers lid^en äb^ilfömaferegeln 5U folgenben 38orf erlägen : ,,3Iuobe^nung ber S traf beftimmun gen gegen ben SBu^er auf bie (Eeffion t)on ^oxtc^ rungen, ein SJerbot ber pacta de cedendo, bie ^Regulierung bcö ^icf)- Iauf= unb 38ie^Iei^gerocrbe6 nac^ STrt ber ^fanblei^er, bie 'Ber= pfüc^tung jur ^üljrung orbnungsmä^iger Sucher für alle ^^'rfonen, roclc^e geroerbömä^ig ®elbs ober Ärebitgefc^äfte betreiben, mit ber roeitergel)enben i^erpflic^tung, beren ©c^ulbnern ^albjä^rlid) ober roenigftend jä^rlic^ Slec^nungöauS^üge ju erteilen unb bad $Jerbot ber SJcrabreic^ung geiftiger ©etränfe Dor ober roä^renb öffentlicher Ser« ftcigerungen, mit Sluäna^me ber Serfteigerung oon 2öein unb ©e^ tränfen''. 9lllc roeiterge^cnben SSorf erläge füf|rten ju einem mit ber heutigen SJerfc^r^ unb SBirtfd^aftöorbnung im fc^rojfftcn ©iberfpruc^ ftefienben Seoormunbung. ^asi gelte auc^ oon bem Sierlangen nac^ feftcn Sefc^ränfungen beö S^^^' "wb ^Srooiftonsfu^eö. IL SJranbftiftitito. Serfuc^ unb SSoHenbung bei ber "^ranb« ftiftung-'*) be^anbelt $ape in einer (öattenfer) :3"'JU9wralbiffertation. Serfafier gibt ^unäc^ft eine l^iftorifc^e Überfielt über baö römifd)e, baö germanifc^e unb über baö Stecht ber Carolina. Gr fommt babei ju bem Grgebniö, ba^ baö römifc^c Stecht auf bie S^age ^a) roann liegt oerfud^tes incendium oor, feine Slntroort be^ro. bie, ba^ man ein fold^cö, ^öc^ftenö alö dclictum sui generis fennt, b) roann fiegt i^oUenbung besfclben oor, bie 3tntroort gibt, bafe eine fold^e nur an* gunef)men ift, a) roenn ein in ben einzelnen ©efe^en aufgeführter 3iranbftiftungögegenftanb in 93ranb gefegt unb roenn ß) ber brenncnbc ßegenftanb in concreto aud^ geeignet ift, eine ©emeingefaf)r I)erbci= jufü^ren, foroeit nic^t eine fold^c oom ©cfe^geber oon oornl^erein aU unbebingt üor()anben aufgeftettt roorben ift". 2)ao germanif^e ^Hecbt förbere in bicfer J^age nid)tö 5leueö ju 2age, ebenforoenig in bejug auf bie isottenbung bie Carolina, beren a. 125 auf ©runb beo rö* mifd)cn ^Hedt)teö ju interpretieren fei, roä^renb für ben 3?erfucl) natürlich a. 178 ma|gebenb fei. Sei ber ?)efprec^ung beö geltenben beutfd)cn Slec^teö erörtert ä?erfüffer junäc^ft bie fpftcmatifcbe Stellung bcr Sranbftiftung unb fül)rt auö, unter "iPolemif, inobefonbcre gegen ?)inbingo abroeic^enbe 2(uffa)fung, bap biefelbe ein gemeingcfä^rlicf)Co, -■"') 4"*öJl^/ 2Jruc( 0. Äacmmerer & 60. 1889. — 97 S. Strafrc(^t. SlÜgcmciucr 2^cil. 243 ^ec^en boö ^{e^tögut ^bcr ontcörität c^eroiffer Wegcnftänbe, bereu UnDctfe^rt^eit burcb J^uer nid^t j\erftört roerben foU'', gerirf)teteö 2?ers bttdjen fei. 9?oUenbiing ber SSranbftiftung liege oor, „lüenu ein ielbftänbigeö, b. ^. (kvA fic^ Ijeraus fid) weiter i\x üerbreiten fä^ige^ A€uer feine jerftörenbe Ginroirfung auf ben G3egeuftünb auszuüben be^ ftonnen ^at, fallö nic^t im einzelnen J^alle fdjon bie blo^e ^crftörung — bei Unfelbftänbigfeit beö ?feuerö — boc^ ©efa^r für 5)Jenfc^en* leben ^erbeij^ufü^ren tauglich war". Sejüglic^ beö ä?erfuc^eö üer^i^tet ber l'erfaffer auf eine allgemeine Segriffsbeftimmung, eo faffe fic^ nur im ein,^elnen J^atte entfc^ciben, mann baö ©ebiet ber SJorbe« reitungs^anblungen überfc^ritten, bie 33ottenbung aber noc^ nic^t er= reicht fei. :3cboc^ fönne als Siegel gelten, ba^ erft in bem IHugen« blirfe ein 2lusfü^rungöaft Dorliege, „in melc^em bie ange.^ünbeten 5!üterialien mit bem Sranbftiftungögegenftanbe in eine gefährliche Sö^e gebracht finb, fo ba^ fie jeberjeit auf benfelben bas Jveuer su übertragen oermögen''. ©eiter roenbet fid^ i^erfaffer bem § 310 2t.0.9. ju unb fü^rt auö, ba^ berfelbe fxc^ nur auf oollenbete ?ranbftiftung, auf biefe aber auc^ bann bejie^e, xotxiw, ©irplofionös «offß auöfd)Iie6Iic^ alö ?Dlitte( /\ur 33ranbftiftung üerroenbet roorben Wen. 6r fomme jur Stnroenbung überall, mo ber ^tuegangöpunft für bie Grftirfung be^ Aeuerö in ber eigenen I^ätigfeit bes S3ranb* Äifters \\\ fuc^en fei, aud) wenn benfelben fpäter frembe «t^iffe unter= iiüftc. 5^^"^^ erörtert er bie 93ebeutung ber SBorte „beoor berfelbe emiecft unb ein weiterer alö ber burc^ bie blof>e ^^^^^öi^bfe^ung be* roirftc 2c^abe entftanben mar". — Jyinbe § 310 Slmoenbung, fo fönne nic^t me^r wegen oottenbeter Sad^befc^äbigung geftraft werben. — Jen 6runb für bie Seftimmung bee § 310 — welche Serfaffer übrigens für ^u weitge^enb ^ält, ba wegen t^ätiger ^-lieue l)öd)ften<5 ctrafmelbung ^uläffig fei — t)ermutet er barin, ba^ eö bem Wefe^= ((eber bebentlit^ gef^ienen ^abe j^u ftrafcn, (x\xi) wenn fic^ bie t)on i^m aufgefteltte ^^räfumtion ber ©efä^rlicftfeit im einj^elnen /vaüe aU un,;utreffenb erwiefen ^abe. — 3wm Sc^luffe befpric^t ^(Si'^t noc^ einige ältere, b. \). oor bem 9t.St.0.3J. liegenbe AäÜe, weldje il}m für bie Arage nad) bem i^erfud^e unb ber i^oUenbung ber "öranb* iüfuing c^araheriftifc^ erfd()einen. 12. IrandlPortgefa^rbnito. Sn feiner Schrift 3d)ufebcbürfniö ber $fcrbeba^nen im 3trafrcd)tögebiete-''') fud^t A>ilfe ben Seroeiö \\x fül^ren, baft bie Übertragung beo 6'ifenba^nf^u^eo auf bie ■fferbeba^nen jjur Sicherung beo i>erfei)ro wünfc^enswert, ja faft un» erlä^licft fei. 35ie Gntwidelung beo Straftenbal)nwefeno, baö SJer* l)ältniö ber Unfallgefa^r, je nad)bem med)anifd)e ober lebenbe Mraft iür ben Setrieb benufet wirb, bie (rntwidelungofäl)igfeit beiber Se* triebsarten, bie Seiftungofä^igfeit ber 3trapenbal)nen, bie i)erfd)iebenen für unb wiber bie Übertragung beo Gifenbal)nfd)u(5eö auf bie 3trajien= bafinen fpred^enben Wefic^töpunfte F)aben in einer il'cife 3i>ürbigung -'') Berlin, .t) et) mann, 1890. 151) 3. 1(5* 244 ü^ittcratiirbcnc^t. 0[cfunbcn, n)cld)c von ber großen Sad^fenutniö bcö 3>crf. 3»-'" ablegt. 9(uf bic ungemein intereffantcn 3(iiofü()rungen bcö 'i! loeld^e auf ein umfaflenbce ftatiftifc^es 3)kterial geftü^t finb, ; f)ter im einzelnen nic^t weiter eingegangen werben. 13. 9li4tfrfnDiiufl Hon SSertraorn. Über [trafbare Wid) füHung von SieferungoDerträgen nac^ beutfd)em xinX> a länbifdiem Strafredjt-') ^anbelt eine (ööttingcrj Jnaugi biffcrtation Don Soeber. Ser 3>erfaffer gibt jiinäcbft eine Übci über ben Umfang ber ^önalifienmg ber ^ier^in gehörigen öanl»Iui in fremben 9ied)ten, beren wicl^tigfte Seftimmungcn er jum 9(bbi bringt. (Sr loenbet fid) fobann bem § 329 beo 'H.3t.(3.'i8. .^u, er, unter ftetiger ^^erücffit^tigung ber fremben :Hed)te, forgfältig ii pretiert. Gr befprid)t babei uinäd)ft bie ^I)atbeitanbomerfmüle: 33e^örben gefd)foffene 2ief erungooerträge — ^^icferun t)crträge über Öebürfniffe beö >>eereo unb ber :Öiarine ^ieferungoDerträge über äebenömittel für einen Jtotft — uid^t recfitjcitige Lieferung — nid^t gel)örige Jiiefer: — ber ^H)äter — t)orfäi(id)ie 5lid)terfülhing — fa()rlä| Dlicftterfüllung, femer: Strafauöfd^Iie^ungogrünbe — teiligung unb Strafen. 3luf bie GinjcH^eiten ber Darfteilung einuigel)en, mürbe f)ie; weit fül^ren. "Sen i>ertragöbruci() im airbeits* unb Sienftüerl) ältni überl)aupt befprid)t Siefe. 3)er Serf affer ftellt .nniäd)ft l»en jcfe Slec^töi^uftanb unb beffen gefc^id)tlid)e Gmmidehing bar. (Tr befp fobann in cinfid^töüoller unb oorurteilorofer 4\Jeife bie C^künbe unb miber bie 'öeftrafung bes .Vlontraftbnid)eo bei gciücrblid)cn beitern, .ySanbmerfern, lanb« unb forftroirtfd)aftnd)en 5lrbeitcrn Sienftboten. Überall tommt er ^u bem Grgebnio, baf, .^mar feftr I)eblid)e örünbe bie 'öeftrafung beö '^ertragebnid^o red)tfert mürben, baji jebod) nod) meit gewichtigere ^Hürffidjten, namcn fo^^iaIpoIiti|cI)er 'OJatur, eine foId)e iBlaferegel miberrieten. "i^ic gn Übelftänbe beo SSertrag^brudiee fönnten nid)t burd) bao 3trafr fonbern nur burd; anbere 'JJJanna^nten befcitigt werben, wc(d)e barauf abj\ielen, ein befjereo unb me[}r bauernbcö i^erf)ältnio \w'\i 2(rbeitgebcrn unb 3lrbeitnel)mern berbeijufübren. Gin nä()ere9 Ginge()en auf ben ^snl)a(t beö ungemein anrec gcfd)riebcnen 33ud)eö ift l)ier leiber unmöglid). 14. $ffited|iiii(|. 2)ie attioe unb paffioe Scfted)uni^ r bem 3trafgefetjbud) für bao beut)d)e rKeid)-'') bcban^elt (Tübinger) ^"«"(^"i^i^^'^Wrtation von 'Jdcalai). Ser 'innfaffer fprid)t .^unäc^ft Die 'öefted)ung im mofaifcben, römifd)en, lanonif 9{cd;tc, in ben gennanifd)en iHilfored)ten, im gemeinen beut) "^■) Wöttingou, Tvwd uon Äänucr issu. — «U 3. ^'*) Tübingen, .Hoinmiffiom?üerIac^ von Atan.^ ivues (ISM»), — r»l.» -•) ^^Hcrlin, "^Vuttfammcr & a^hi ii l b r c (() t LsiMX - Vü 3. 3trafrc(^t. ttügcinrtiKr Xeil. 245 ■Redete, in ben neuen bcufc^en $artifurar*St.®.33b., wobei boö preufiifc^c Siecht befonberö auöfü()r[ici[) be^nnbelt roirb, unb enblic^ im auslänbifd^en 9fecl(|te, b. \), in Cfterrcic^, ^ranfreid), 9elc\ien, ßnc^Ianb, Äanton 3üric^, ^it^Ii^^^ wnb Serbien. Gr menbct nd) fobann bem beutfcben ©t.ö.8. ju unb c^ibt einen furzen Mom* mentar ju ben §§ 331 — 335, auf befjen (ringel^eiten Ijier natürlich nidit eingegangen roerben fann. 15. 3:ietatti(erei. 3^ie lierfcftufebewec^unc^ unb § 360 3- 13 beä 9(ci^ö[trofc(e)e^buc^6 befprid)t £an(\e im G5erid)tsfaal.'^*) tr füf)rt ouö, ba^ bie 3:ierfc^u^ben)egung neuerbint^ö barauf abjiele, Äeitc ber 2iere i^xx Slnerfennung ju bringen. 2)a6 fei aber eine Übertrcibuna, bie ftd> üom Stanbpunfte ber ^errfd)enben SHec^tomiffens idiaft üuö in feiner 3Seife rcAtfertigen laffe. .ööcblteno mürbe mon de Wixc ferenda eintreten tonnen für ^bie 0emäf)runoi eines einzelnen nei^ütipcn '3)iinimoIred)tö, beö Sled^tö nämlid^, i>on unnüfccr Quälerei üericbont \\\ bleiben." Gin juriftifdjeö l^orbilb mürbe ein foId)er 3d)ritt in ber Gnlmiderung bes römifc^en Sflaoenrec^teo finben ionnen. Gö fei aber unnötig, benn berfelbe :;^mecf merbe leicbter unb pollitänbiger babiirc^ erreicht, baf; man bem burd) unnötige Tierquälerei Paletten menfd)lic^en 3JlitIeibögefü^( in auöreid)enber 2öeife 2c^u^ atiDäJiTC. "Der Stnfang baju fei burd) § 360 3- ^3 St.Gi.33. gemaci()t iDorbcn, eö müfjten jeboc^ bie in bemfelben entbaltenen Ginfc^ränfungen in ©egfatt fommen. ^wnäc^ft fei ber ?)cgriff ' ,,boö^aft'' nad) l>cutidiem Sprad)gebraud; in bem 2i>orte ^^quälen" ebenfo fd^on mit änaefc^loffen, roie ber Segriff „rol)'' in bem Si^orte „'3rtip()anblung". liefe unnötigen 3wfä^e iönnten nur baju bienen, ben iHid)ter auf ben ßebanfen ju bringen, als ob nur ein befonbero l^o^er (ärab oon iSÜBlianblung ober Clualbereitung ftrafbar fein fotte. Gbenfomenig ici eo richtig, nur bie öffentlid^e ^Tierquälerei j^u ftrafen, ba ^wii) bie nid)töffentlid)e baö menfd^Iic^e SÖUtleibögefü^I ebenfo affij^ieren !önne. i^ebenhid) fei enblic^, bie mirflid)e Grregung pon Slrgernio burd) bie ^^anblung felbft ju forbern, ba{? fxe geeignet gemefen fei, Strgerniö j^u me(\cn, muffe oottfommen genügen. ä>erfaffer cmpfiel)lt ba()er fol* genbe Raffung beö betrcffenben ^^aragrapfjcn: „'JJiit G5c(bftrafe bi^J ;u '!)Jif. ober mit .?»aft wirb beftraft, mer 'liere in einer äi>cife, rodele geeignet ift, Ärgernis gn erregen, mifU)anbe(t ober quält". — 5n einer „9iadftfd)rift bes .?>erauögebero" erflärt fid) Stenglein mit ber Icnbenj Sänge ö oofffommen einuerftanben, u)ünfd)t aber, um bie n)iffenfd^aftlid)e 3>it)ifeftion oor ungercd)tfertigten Eingriffen iw i(6ü^n, bafj ber fraglid^e ^^Jaragrapt) folgcnben 3nfrt^ erbalte: „iHuf nn|lenf(6aftlid)e 3Jerfud)e (xxi lebenben klieren, mcld)e imn l)icrAu ge* eigneten *l*erfonen oorgenommen werben, finbet oorftcbenbe 33e= ftimmung feine Slnwenbung". 16. S^rniitfiiteit a) 3!)em XXI. beutfd)en ouriftcntage erftattet '"^ulb ein Ghitac^ten über bie J^tage: „Soll bie Irunfenbeit aU •'^■j 930. XLII 3. 4:J-56. 246 SittcratutOcridit. folc^c ftrafrec^tlid) Dcrfoicit werben.'^') Gr fül^rt oiis, bafe bie S3eftrafimc^ ber Irunffud&t nid)t, roic man behaupte, einen Übergriff beö Wefefegeberö in baö Webiet ber ''})loxal enthalte, fonbern nur ber Sluöbnicf bafür fei, baji bie 33etoniinc^ bco 3Bo^lfaI)rto^n)ec!cö, roeldje in ber neueften i]cit immer ftärfer ,^um ähisbnitf fomme, ber ftraf* f^efefeinebenbcn Okmalt beo Staateö ein neues Webiet erfc^Ioffen babe. 9tur fönne bie i'ötterei an fic^, fofange fie bie örcnjen beö \>aufeo iinb ber 2L^o^nun(^ nid)t überfc^reite, feine Straft^at abgeben, benn fie fteüe feine für bas öffentlid)e 3Sob( gefährliche ^Rcd^töuerfeftung bar. Strafbar fönne vielmehr nur fein bie öffentliche Xnin!enf)cit, fofern fie geeignet ift, öffentIid)co ^rgernio ju erregen. Tanebcn müBte aderbingo für mirflic^e Irunffüd^tige, gleid)i)iel ob fie öffent= rid)eö 9irgernio geben ober nid^t, bie ^mangsroeife Unterbringung in .^^eilafDlen gefeftlid) angeorbnet merben. Gr empfief^It fcbüeBficb fof* gonben 5^efd)rufi i^u faffen: ,/Xie ftrafred^tliche 5>erfoIgung ber Ininfenfjeit, n)eld)e an öffentlid)en Crten j^u Tage tritt unb geeignet ift, 3(rgenÜ6 j^u erregen, ift geboten." b) Über bie Arage: De (luelle fa(;on Tivresse pcut ^tre envisag^e dans la legislation pönale a) Soit comine infraction consider^e eu eile memo, b) Soit comme circonstance s'ajoutant h une infraction et pouvant cn detruire, attonuer ou aggravor Ic caractere de criminalite? finb bem IV. internationalen Kongreß für öefängniömefen in £t. 'l^eteröburg 1890 öutacl)ten erftattet morben oon: ber babifd)en Wefellfcfjaft gegen ben -DJifibraud) geiftiger (^Jetränfe Cöeridjt« erftatter: o. 3toeffer, ^ifc^er, Marl 33aer), (Sanonico, /vul^, V. üiilientr)al, .v>ein^e, iWotet, ber Äommiffion ber iuriftifd)en Gk^ feüfdiaft oon £t. ■l.^eteroburg (3}crict)terftattcr SlioQberg).^*-) i>. Stoeffer f priest fid) ju a) ba^in auo: 1. baf; alö Übertretung beftraft werben foll: bie felbftoerfci)ulbete (oorfäfelicl^e ober fa^rläffige) '2:runfenl)eit,^ menn ber 3i^etrun!ene lief) an einem öffentlid)en Crte ,U'igt unb illrgemiö erregt, — '2. baf^ für öeroobnbeitofäufer bie 3trafe uerfdiärft werben unb bem ^Kic^ter bie SJefugnio ^ufteben muffe, fold)c l^erfonen einem ^rinferafple i^u überroeifen, — 3. ^a\^ eine ben §§361 3.3 unb 5 unb 362 3t.0.S. entfpred)enbe ^1V= ftimmung aud^ für ®emol)nl)eitöfäufer in bieo Wefefe aufgenommen u>erl»e, — 4. ba^ eö ah eine Übertretung beftraft merbe, mi^nn je^ manb gefäl)rlidj[c 9(rbeiten in bcraufc^tem ^uftanbe unternimmt, — 5. öafe eo alö Übertretung beftraft werben fotl, wenn 4Öirte an 4)e« trunfene, ober einem -i&Nirtfdjaftooerbote uimiber, ober an 'i.Wrfonen ^-) Tic 0'>utacl)tcn finb nad) ibrcm (ringeben in bcn Travaux prepa- ratoires abgcDrucft (I''" Seeti(»n 'i'"'" ([Ufstiou fascicules '2a— f Fase. B). 3ic werben noÄ einmal als 'i^cftaubtcil ber actus du Congres ocröffentlidn roerbcn. 3tTafrc(^t. Stgg^"'^»»»' ^c^^- 247 unter 16 5^^'^'^" S^iftige ©etranfc cerfaufen. — 3» ^^t ^rac(e unter V) iildgt T). Stocffcr oor, fofgcnbc ©nmbfä^e aufjuftellen: 1. 2)ie ^runfen^cit fann nic^t afo Strafauäfc^Iic^ungögrunb anerfamit TOcrben. — 2. Sic wirb alö fold&er angefc^cn, auper wenn es fid^ um eine actio libera in causa t)anbc(t ober bcr rec^torotbrigc ßrfolg uorauo;%ufcf)cn roar, roenn burcf) fic bic freie 9BiUenöentfd)Iiefjung unterbrüdt morben ift. — 3. 2)ie fc^ulb^afte Xninfen^eit roirb ale Ärctehcn behanbeft, wenn beftimmte im ©efe^ genau ju be5eicftncnbe Sc4teoer(et>ungen burd) fie l^erbeigefüt)rt roorben fmb. — 4. 2ßo im aUaemcinen milbernbe Umftänbe jugelaffen fxnb, fann man bie l:run!en* ^eit nid)t auönei)men, aber auöbrücftid) foUte man fie ale "iniilberungSs gnmt> nidjt jufajfen, roenn fie nic^t beinahe ,^ur Unjurec^nungofä^ic^feit ciehifirt Ijat. — 5. 2^ie 2runfen^eit foll nic()t afo allgemeiner Straf* ftofunivigninb angefe^en merben, fonbem nur bei Übertretungen, Donni^c^efcftt, bafe bie l^runfen^eit felbft alsi fofcbe be^anbelt wirb, abDann fämen bie allgemeinen Stegein über Äonfurren.^ jur Stn« tDeiibung. Aifd)er bebanbelt bie c^eftellten tragen roefentlidj üom är3tlicben GtiinMmnft unb meift auf bie ©efaf^ren beo iUIfof)oliomuo im allge* meinen bin. i^on ber "öeftrafung ber 1'runfen()eit als folc^er, obrool^I er üc für roünfc^eneroert ^äft, oerfprid^t er fid) nic^t »iel, me^r Don bcr irrrid)tung uon Xrinferafijlen unb t)on 'i|Jräüentit)mitteIn ^ur 'öe* fümpfung bcö xHIfo^oIiömuo. 3^ie burc^ cbronifdjen ^(Ifof)oliömuö ^er« ieiiKmf)rte geiftige 'Z^x(s't,i)t roiU er alö Strafmilberungogninb be* fcaubelt roifjen. 35om pfpc^iatrifc^en Stanbpunfte auo fönne er bie i!(nnd)t nid)t billigen, baft eine im 8uftanbe gemöl)nlic^er 'l^etrunfen^eit bed[anc(cne Straf t^at geftraft werbe, meil ber Sd)ull»ige fid) nic^t F)ätte b:triufen folfen. ©eiüiffe Inmfen^eitö^uftänbe feien ein üorüber* gcbciiDer 2i?af)nfinn unb für im ^wftanbe frant^after ©eifteöftörung bec^anaene .panbUmgen fönne man niemanben beftrafen. — ^^um cduuiie teilt er einige interejfante 'öcobad)tunc^en auo feiner '^Jram mit. .^aebung unb einget)enber Sel)anblung beo beutfd;en (rntiourfeo t)om ^abre IJ^Sl ba^iu, bafi bie Ininfenljeit alo Übertretung beftraft rocrDen miiffe, jeboc^ nur unter ber l'orauöfefeung, bap fie fd^ulbbaft l)erbcii^efü()rt fei unb öffentlich in (Srfdjeinung trete. '^ViX bie 53es hanöluncn ber 0en)of)nf)eit9trinfer u. a. m. erflärt er fic^ ebenfallo im roefcntlid)en mit ben 'öeftimmungen beo ern)äl)nten beutfcben (rnt= rourfeo be^ro. beö cl\\a bemfelben ()ert)orgegan(^enen tHommiffionooor- fdila^eo einoerftanben. "Be.^üoilicb ber Atap^e unter 1») fd)ilöert 'öaer ebentallo ben Suftanb ber auelänbifcbcn ©efeftgebung, befprid)t ben 5nt)alt beo erroäbnten beutfd)en (5ntiourfeo unb fommt j\u CJrgebniffen, bie fid) im n)efent(id)en mit benen r». Stoeffero beden. 2. Ganonico bel)anbelt .uinäd)ft bie Arage ber Xrunfenf)eit unb ihrer ii*irfungen ftatiftifd^, befprid)t fobann bie Derfd)iebenen ©cfeft* gebunc^en \\x(^ "Bieinungen ber bet)eutenDftcn Sd)riftfteUer unb fommt cnblid) \\\ folgenben (Trgebniffen feiner eignen xUuofüF)rungen: 1. Xie 248 £ittcratureen(^t. unt)orfä^Iici6c unb jufäHit^c Xnmfcn^cit an fxd^ tann nicmalö bcfttofi werben, ^ic üorfäftUc^c Srunfen^eit mu^, wenn ftc öffentlid) \i läge tritt, alö eine ©efaf)r für bie Sittlid)feit unb bie allc^cmcini Slu^e, b. f). alo eine weniflfteno möc^lidie ^Mec^töDcrleftunc^, Dcfiraf werben unb ,^war ^ärtcr, wenn bie 3;run{enl)cit eine ciewoi^nbcito mäßige ift. 3eboc^ ift nur eine poli.^eilic^e Strafe anc^emofjen, De auc^ bei oorfä^lid^er 3^runfenl)eit bie 5)ierfmale eineö wirflid)en^iHT^ brcd^eno ober äJerj^e^ens fehlen, bicfelbe mdmti)x nur eine Über tretung barftettt. 2)iefelben Strafen muffen auf biejenigen %r)oner ebenfaUo angewenbet werben, weldje üorfä^lic^ einen llrunfenen ar öffentliche Crte bringen, fowie auf bie 2\>irte, welche geiftige Cu'tränti an offenbar Setrunfene ober an Äinber unter 14 3ar)ren oerfcbänfcn — 2. 3ft im 3^)*^"^^ ^^'^ S^etrunfenbeit ein 9Ncrbrec{)en ober inT gelten begangen worben, fo ift a) bei oöUiger 1nin!enl)cit bc »^anbelnbe unoerantwortlicb, wenn bie irunfenbeit eine unoorfä^Iid)« ober JiufäUige war. 33ei oor|äft(icl)cr unb namentlid) bei gcwobnl)cito mäßiger 2run!en^eit wirb bie A>anblung, wenn fie nicht vorher gc plant war, alo ßrgebnio ber Xruntenl)eit felbft bcftraft. Sinir fi t)or^er geplant uub biente bie Irunfentjeit als 93li4tel, bie SJcgehinu 5U erlei^tem ober Straflofig!eit j^u ftchern, fo wirb bie .Iung al< eine oorfäfelicfa begangene, jet)od) wefentlid) milber, beftraft. — b; ^Bc unoollftänbiger Xrunfenbeit ift bie ^Sured)nungöfäl}igfeit be;i!glid ber begangenen .^^anblungen eine gcminberte. £b bie Inintcubci oorfäftlid) ober unoorfäftlid; war, ob bie .^anblung oorber gcplan war ober nid)t, ift gleid)gültig. C>"befien muf;, um baö "l^iaj^ bc; milberen Strafe ^u beftimmen, ')Uicffid)t genommen werben auf bei ©rab ber Irun!ent)eit, fowie barauf, in wetd)er Steife ber 3l>illi beo öanbelnben bei ber 3:l)atfad)e ber irunfenbeit felbft mitwirfte fowie barauf, ob berfelbe bie ^Jlbfid)t batte, bio Irunfcnbeit alo eir ^Büttel jur (Srleid;terung ber 3tuöfül)ning ber ftrafbaren A>anblung ;i benufeen. 3. gulb antwortet auf bie geftellten S^agen beial)cnb, for^cr SScftrafung ber Irunfen^eit unb oerlangt bie X^lufftellung oon gofeß liefen Siegeln, wcld^c eo geftatten, bie 'Irunfenljeit ball) alö milDcrn bcn, balb in bcftimmtcn gälten alo erfc^wcrcnben llmftanl) ^u be trad)tcn. ^ic 5lufgabe fei fci()wierig, aber aud) für ^eutfd)lant> nicb unlöobar, wie bie in anbern Staaten gemachten 6rfal;rungcn bc weifen. 4. 0. Silient^al faßt feine Grörterungen in folgcnbe OM'ctu^ö oorf daläge .^ifammen: „2i>er im 3"f^<^"be offenbarer, nicbt unocrlct)ul beter ^runfenl)cit an einem öffentlid)en Crte betroffen wirb, wirb mi SScrweiö bcftraft. — Sinb bei ber ^öcge^ung bicfcr ftrafbaren -oanö lung no6) nid)t 3 ÜKonate oerfloffcn, feit ber Sd[)ull»ige burd) rcdito fräftigco Urteil wegen Srunfcnljcit oerurteilt worden ift, )o tritt Wclli ftrafe oon 1.5 — 100 93if. ein. 3^ie ©clöftrafe fann nid;t in Avcilicitö ftrafe oerwanbelt werOen, fonbern ber ä5erurteiltc wirl» im Jyallc De; 3ül)lungounfäl;igfeit wäl;renb ber iCauer oon 3 lagen bio .ui eine; >^^ •"^^SU: ettafre^t. «Ug)e= le^en ftrafbare »'P^anblung begel)t, wirb beftraft: 1. mit einer ©cll)^ ftrafc pon 15 — 100 3i)if., wenn eo fid) um eine Übertretung I^anbelt; •2. mit ©efängniö pon einem "DJionnt bio ju 2 3al)ren, menn es fid) um ein 'Bergeljcn t)anbelt. 3" 5^^*-'" ^^n geringer Öebeutung fann Scibftrafe oon 50 — 500 3Jlf. eintreten; 3. mit ©efängnio von min= bcjtenö -2 :5al)ren, wenn es fic^ um ein 'i^erbred)en l;anbelt. — ^ft bie Oielbftrafe uneinbringlich, fo fann ber 3>erurteilte iw öffentlid)en arbeiten, meldte feinen e5^l)igfeiten unb feiner X'ebenoftellung ent= iprcien, angel^alten werben, wobei ber ^rbeitotag ^^u je 5 9)Jarf er Grfüttung ber ^flic^ten ^inbcrt". Aoeinje befprici)t fobann ben %a\i, bap bie 2runfenl)eit in oerbrec^erifc^er 9Ibfic^t herbeigeführt tourbe, fei es, um fic^ Straflofigfeit ju fiebern, fei eö, um fid^ ,,3Kut an.^utrinfen". Gr be^^eid)net bao — auc^ in 3lnfef)ung ber actioues liberae in causa — alö einen Straffd)ärfungögrunb, jeboc^ mit 3luös nal)me beö ^alles, in welchem ber ^^anbeln^e nur bie 3lbfid)t ger)abt I^at, feine förperlid^en i^räfte i^citioeilig ju erl)öt)en, feine Seiftunges fäl;igfeit ^u fteigern unb bie gurci)t vor einem ftärferen ©egner ^u übcrioinben. Seijr oiel l^äufiger alö l>iefe ^älle feien bie anbern, in roelcben jemanb, Der ficb t)orfä6lid()eru)eife betrunfen ^abe unb \>ann in biefem 3"ft«"be baö Segel)en einer ftrafbaren i^anblung befd^ließe. £iefe ftrafbaren .'•Janblungen fel)e man in ber SRegel unb mit Siecht olö fal;rläffige an. 3Burbe bie "ilrunfenbeit felbft fa^rläffig ^erbei= gefüfjrt, fo muffe man, um ben ©rab Der SJerfd^ulDung richtig .^u mürbigen, auf bie allgemeinen 3(nfd)auungen über baö .^iuläffige, ja mitunter gebotene Waß beo i^er.^e^rö alfol}olifd)cr Alüffigfeiten 3{üdf- fidit nehmen, nid)t jeboc^ auc^ auf bie nur in beftimmten ©efeUfd)aftö= frcifcn verbreiteten xHnfc^auungen unb Sitten. K^abc ber 5ietrunfene iiorfäftlic^ ftrafbar gel)anbelt, o()ne fc^on un5urec^mingofäl)ig ju fein, fo muffe bie i^anblung als fold)e beftraft loerDen. Sei er un^u= red)nungöfä6ig geroefen, fo tonne bie öanblung nur alo eine fal)r= lüffige bet)anDelt mcrben. 3^ie /val^rläffigfeit beftelje barin, ba^ ber Irinfer auö fid) einen 9lutomaten gemad)t fjabe, melcber ber bem 3)ienfc^en eigentümlid^en Selbftbelierrfcbung beraubt, feineo äöegeo manble unD Dabei mit Dem Oiefelj in Monflift gerate. ^\c Jrage, ob bie Trunfenljeit an fic^ ftrafbar fein foHe, beial)t J»^ein}e. Gr be= etrnfrc(§t. ■ «irflemeiHcr Hdl. 251 fd^äftigt fid^ mit bcrfclbcn auöfü^rlid^cr im jrociten 'XciU feiner ^b^ ^an^Iunc^. @r gibt ^ier ^unac^ft eine Ü6erftc|t über bie gefd^id^tlic^c Gntroidctung ber ©efe^gcbung in 2)eutfc^Ianb unb granfreid) unb be= fprid^t fobann bcn gegenwärtigen 3wftanb bcr ©efc^gebung in ben Dafdbicbenen Staaten. De lege ferenda fü^rt er auö, bajs bie Straf- barfeit ju bcfdiränten fei auf offenbare, fd^ulD^afte 3^runten^eit f)ö^ercn Örabes an öffcntlici()en Drten, roo^in aud^ SScrfammlungöorte, ©eric^tös \a{c, üSirtfc^aftcn ufro. gehörten. Sul^ffiö U^ nur eine furjc e?rei= bcitäs ober eine Oelbftrafe. ^einje tritt babci für bcbingte 3}er= urtcilung unb eine vernünftige Beitreibung ber ©clbftrafen, ftatt ber üblichen gleichförmigen Ummanblung in ^veii)eitf^ftrafe ein. äJefonbers icbroere Strafe muffe eintreten, menn ein öffentlicher Beamter 3(mtö= ^anblungcn in trunfenem 3wP^nbe oorne()me, ebenfo rocnn ber Se^ trunfenc Befc^äftigungen obliegt, meiere eine befonbere 33orfic^t unb äufmerffamfeit im öffentlichen Sn^^^^^-^ff^ er^eifc^en. ßbenfo feien ^rtcre Strafen für ben 9lüdEfatt erforberlic^: Strafcrf)öf)ung, (Sin3el= ^aft, Befcfiranfungen ber Äoft, t)artcö Sager ufro. Aber auc^ emftt)afte 8cle^rung über bie t^^^^Ö^" '^^^ Irunffuc^t unb angemeffene S3e- fiaftigung roäl)renb ber 2)üuer ber grei^eitöentjiefiung. ätuögenommen l'cicn ferner 'tlJräoentiomapregeln, befonbcrö beim roieberf)oIten ?)lücf^ fad. Sa^in gehöre namentlicl) baö SScrbot, äÖirtfd^afteu ^\i bcfud^en unD für bie 3Birte bao Serbot, fold^en "^ierfonen unmittelbar ober mittelbar gciftigc ©etränfe ^ufommen ju laffen. -ÖJaBregeln, roeld^c bie rec^tlic^e Stellung bes Irunfenbolbee oeränberten, feien alo Strafe nif^t empfef)lenöroert, rool)l aber Gntmünbigung burc^ ben 3i^iWc!)ter unt> Ginric^tung oon ftaatlic^en Irinferafplen mit .^roangöroeifer Uuter= brinqung. Slufeerbem feien ÜKa^regeln gegen bie Sßirte notrocnbig, rodele ein ©elbintereffe an ber Seförberung ber Ürunten^eit Ratten, foiüie gegen bie 'ijierfonen, roelc^e anbere betrunfen madj)ten. G. 3Jiotet fapt feine a(uofül)ruugen in folgenben Sä^en ^n- fammen: 3^ie einfädle Irunfen^eit, foi?ic bie unter il^rem (iinfluffe begangeneu 3Serbrcci^en unb ^i>erge^en ift ftrafbar, fofern ber §anbelnbe fie offenbar ^ätte oermeiöen fönnen. — Sie ift t)äxicx ftrafbar, wenn tiie alfo^olifc^e Grregung ^u bem 3^^*-'^^ t)erbeigefü^rt rourbe, ben (rntfc^lufe jur ^(uöfübrung eines Berbrec^en«i ober 'i}erge()enö ju er^ leichtem. — Sie Irunfen^eit ift milöer (nad) freiem CSrmeffen bes •Riestere) ftrafbar bei geifteefc^road^en unb infolgebcffen gegen 'ill!ol)ol weniger roiöcrftanbofä^igen S^^^i^ii^wen. Sie ift unentfci)ull»bar, roenn, roas t)äufiger oortommt, alö man geroöl)nlic^ annimmt, biefe ^^Jcrfonen roiifen, baß fie nic^t o^ne @efal)r trinfen fönnen. — '4}erbred;en ober 2>erge^en roä^renb ber afuten ober fubafuten belirierenben '^.^eriobc eines ^Ifo^olanfalleö finb ftrafloo. ßbenfo bei ctjronifcl^em ^lfo= ^oliömuö, roenn bauernbe organifdtie Störungen eingetreten finl». 7. Slioöberg ftellt folgende 2l)efen auf: 1. „Ser S^M^^nb ber ^runfenbeit als folci)er foUte nid)t alö 2)elift angefel}en roerben, ju einer Strafe gibt er erft Seranlaffung, roenn er begleitet ift oon ^ctftöpen gegen bie öffentlicfie Crbnung unb Sic^ert)eit ober bie guten 252 Sittcratiirbcric^t. Sitten. — 2. 3)ic Slü^Itd^fctt gefeilterer S^ö^B^mafercgcIn gegci Ininfcubolbc unb (SeiDo^n^eitöfäufer fott nic^t in Stbrebc geftcU werben ; biefe SKo^regeln bürf en einen ©trafc^arafter crft bann tracien wenn ber ®en)oI}nl)eitßfäufer ber öffentlichen 2öof|Itl)ätigfeit jur Sai fällt ober ju betteln beginnt. — 3. 6« ift bringenb notroenbig, bi 3nl)aber von ©d^anfftellen für bie äSerabreid^ung geiftiger ©etränf an fc^on offenbar Setrunfene oerantroortlic^ 5U machen. — 4. Te 3uftanb ber 3^runfcnf)eit fann alö milbember Umftanb erfdfteinen aber bas ©trafgefefe foUte feine allgemeine Segriff öbeftimmung folcbe %ä\ic geben; man mu^ fid^ T)ielmet)r an bie allgemeinen 93cftimmungc; galten über bie ©trafen unb bie Umftänbe, meiere baö 3)lap Derfclbe bcftimmen. — 5. Irunfen^eit ift niemals ein ©traff(^ärfungogrunti auc^ nid)t, wenn fte T)orfä^lici() i|erbcigefüf)rt roorben in ber Slbficbl ein 3?erbred)en ^u begel)en. c) 2)ie ^^runffuc^t unb i^re Slbmc^r^'*) be^anbelt 93acr i; einer fe^r lehrreichen ©d^rift. 6r befprid^t junäc^ft ben Ginflufe bc ^Irunffuc^t auf bas pl^pfifd^e Scben, insbefonbere ba§ ik^rbältniö bc ätlfo^olfonfumö jur Sebenßbauer, jur ^äufigfeit bei» Delirium tremens beö ©elbftmorbeö unb ber UnglücfofäUe, inbem er bie betrcffcnbc äa^len mitteilt für: 6nglanb, ©darneben, ^lormegen, Tänc marf, Slufelanb^ §ollanb, Selgien, S^^^wt^^^^/ S^^'i»-'" ©c^roeij, Öfterreic^, Deutfc^lanb unb bie äJereinigtcn Staater ferner befpric^t er ben S^f^mmenfjang oon Jrunffuc^t mit ©eiftec ftörung, ßpilepfte unb SSerbred^en. ^n le^terer Sejie^ung l)ebt i ^ertjor, ba^ foroo^l bie gelegentliche S3etruntenf)eit, wie bie gciool)r ^eitomä^ige Irunffudjt oon ber größten S5ebeutung für bas Segol)e oon ÜBerbrec^cn fei. 3llterbingö laffe fid^ nic^t immer eine t)oUe Übei einftimmung .^loifc^cn ber 3""^^»"^ bes 2lItol)olt)erbraucl)eö unb b( Serbrec^en nad;n)eifen: „allein bas SSer^ältniö 5tt)ifd)eu irunffud unb SSerbrec^en ift auc^ niemals baä einer unmittelbaren Urfäd lic^feit. ^ao 3Jerbred)en roirb in feiner §äufigfeit feincoioego aüei oon ber ®rö^e unb 3»^t<^"fit^t "^^^ Unmä^igfeit bebingt, meil jene huxä) oielfac^e fo.^iale Umftänbe gleid^jeitig unb unabhängig tjoneii anber genährt unb erzeugt roirb; aber alle biefe 5Romente roerbc burc^ bie Srunffuc^t geförbert, unb in biefem ©inne beeinflufet Di älfo^olmipbrauc^ in l)ert)orragenber SBJeife bas SSac^etum beö i^e brec^enö". Übrigenö beftel)e auc^, n)ie alte ©ad^funbigen bezeugtet boc^ infofem ein unmittelbarer 3"fttw^"^C"()Q"(^/ ö^ö ^i<^te 3?erbrecbc im 9laufd)5uftanbe begangen werben. SJaer befpricl^t oon biefei ©tanbpunfte aus fobann bie ftatiftifc^en eingaben für ©d)n)eber 35äuemarf, 33elgien, ©c^roeij, Öfter r ei et), granfrei dft, S^eutfdj lanb, ßnglanb unb 2(merifa. ©obann erroäl)nt er turj bou (jir fluJ3 ber irun!)ud)t auf Familienleben, ß^eld^eibungen unb "^aui^ riömuö. 3llö XHbrocljnnittel füljrt er an, bajj ?iunäcbft von ©efoüfdjafi •"^•) (rin 'l^citrag i\um bcr^^citigcu 3taub ber '^(Ifobolfragc. :Iliici Sctpäig, Urban & Sdiioarjcuberg 1890. — «2 3. ^ 8trafrc(^t. •äülganwuS' 2cU. 253 wegen für bic Unterbrüdung bcr Unmä^igfeit üicl Q^M)an rocrbcn firnnc burd^ Sorge für allgemctnc a[ßoI}IfaF)rtoctnrid)tun(^cn, ßräic^ungöi onjtalten, gcfuube SBo^nungcn, billige 5taf)rung, SSoIfofüc^cn, foiüie bur(^ Srric^tung von 35olfGfaffecl)äu|ern, 3)lä6igfeitö- unD Gnt^altfnm= fritsücieinen. iUnd) f)\cx bringt SJerfaffcr ein umfaffcnbcö, I)üd;ft in* tcrcijantcö 3öt)IenmateriaI bei. SHs ftaatlic^eä SWittel jur ^öetämpfung bct Jruntjuc^t fü^rt ^er an baö §inn)irten auf !l>crminbcrung bco äUo^olfonfuiuö, ^o^e Seftcuerung bcö Sranntroeinö, mäj^ige Se^ ftcucrung namentlich bcö obergärigen, wenig aIfo()oIi)c^en Öiere«, &nninberung ber Sc^anfftätten (unter Sefprec^ung ber 3Jerl&äItniffe in ämcrifa, Gnglanb, Sc^roeben — got^enburgifci()eö 2i)ftem — ÖoIIanb), SBeftrafung ber Sc^anfroirte für jebe Segünftigung ber IninEfuc^t, 'i^lic^tflagbarleit ber S^6)\6)\ilhcn, Sorge für Steinzeit beö itintbranntroeins (SJerfüffcr roarnt jebod^ auobrücflic^ oor ber irrigen 3(nnaf)mc, baB entfufelter öranntroein unfc^äDlid) fei), Öeftrafung ber öffentlichen Xrunfenf|eit, rocld^e Serfaffer burc^aus empfieF)It. 6r gef)t babci näf)er ein auf bie ffiirfungen ber in biefer 33e,^ie^ung erlaffenen 6efe$c in Gnglanb, (Sali^ien unb ^xantxexd). SlIö unum= flianftiid) be.^eic^net er enblic^ bie Gntmünbigung ber ®en)0^nljeitö= trinfcr unb t)ie ßinricfttung oon ftaatlic^en S^rinfcrafplen. 3(IIerbingo fei bcr (rrfolg ber leßtcren 5. S. in Gnglanb ein geringer geroefen, hii baran trage nur bie falfd^e Ginrid^tung berfclben bie 3(^ulb. Sie muBtcn nottoenDig unter )ad)!unbiger ärjtlic^er Scitung fte^en. ®en cAIuf) bilDet ein auofül)rlid)cö £ittercturperseid)niö. 2^ie fel;r forg= fältig (gearbeitete Schrift bilbct eine roertpotte Grgän,3|ung ber bekannten ültcrcn '^(rbeit bee S^erfafferö über ben 2lUol)oliömuö. 17. (9enit§inUtflbiebf(al|(. 3»i^ i'e^re t)om föenu^biebfta^l fü^rt ,'yulb im'Ärc^iü für oraftifc^e Stec^töwiffenfc^aft-'*) auo, tafe bcr I^atbeftanb beo § 370 3- 5 ficb üon bem bcö § 242 burd)= •lus nur Daburc^ untcrfc^cibe, „baft baö Cbjeft bes geioöbnlicben Sieb- ftafils, baö oerle^te JRe^tsgut, F|ier enger gefaxt unb ein fpesicUereö SRotiti, ein eigentümlid^er Seftimmungsgrunb beö 2Bittenö erforbert njirb". S'^^^cfönbere befte^e jroifd^en ,,entn)enben" unb „ioegnel)mcn" |ctn Unterfc^ieb. ®eniepare grüc^te feien auc^ bann geeignete Db= jrftc, wenn ibre 2:rcnnung üon ber frud^ttragenben Sadjc erft burc^ bic bicbifc^e §anblung gefc^e^e. Unter 9tat)rungömittel fei ein j^ur aufnähme in ben menfc^Iic^en Äörpcr beftimmter ©egenftanb ^u oer= ftc^cn, loerc^er bem Äörper bic ju feiner GrF)aItung erforberlid)en Subjtanjen ^ufü^rt. 3luf 9laF)rungömittel für SCiere fiiibe § 370 S- ^ Wnc änrocnDung. Db bie 9ia^rungömittel por bem C55enuffe j^ube- teilet roorben feien, tommc für ben if)atbeftanb bes fraglichen 3^eli!to nic^t roeiter in Setrac^t. 3(Iö (Senu^mittel feien nur folcl^e Wegen- '*^ -VcrauSgcgcbcn oon ^ccfcr, Söuc^cr, .^-»ein.^crlinrt, 3)iartiu, 5i?cber. ^cbigiert oon 'B. i)cinKrling- iarmftabt u. l'cip!\ig, (rbuarb -croin. III. ^olgc i^D. 111 (Der neuen Sol^c '^t>. XIV, 3. 70—70, im bis 179. 254 ii?ittcratiirCcrtd)t. ftnnbc an,:^ufc()cn, roerc^c oom mcnfd)Iici^cn Äörpcr aufj^cnommcn iDürbcn^ and) roenn fic nic^t in bcmfclben t)er6lcibcn. C6 bie ßntroenbung i^um ülöbalbigcn SScrbraud) gcfc^el)cn fei, müffc banac^ beurteilt werben, ob ber ^ieb bie Sad^c jur Sebürfniäbefriebigung entroenbet f)abe. 2^ie 3(rt ber Sluöfül^rung erfdiroere baä S^elift nic^t, boc^ fönne feljr vooijl reale Äonfurrenjj jroifd^en §§ 243 3- 2 unb 370 3- ^ eintreten. Schwerer ^iebftal)! fei auc^ bann ani^unef^men, roenn jemanb jum 3n)ecf ber ßntroenbung Don 9lal)rungsmitteln einfteige ober einbräche, bann aber ftatt ber 9la^run9ömittel anbrc 5ad)en roegnelime. 18« Sontnrdftraftec^t a) ^as ilonfurerec^t nebft ^nfjana,, betreffenb bie 3lnfec^tunö oon 9led)tö^anblungcn eines Sd^ulbnerö au^erljalb beo Äonfursoerfa^renö, f^ftematifd^ bearbeitet für ben preufeifc^en £taat auf ©runb ber IfKeic^ös gefe^gebung unb ber preu^ifd^en Sanbeögefe^gebung^''*) oon Stintclen, ift eine 9leubearbeitung beö betreffenden 2tbfcl^nitteö aus beö 33erfafferö fpftentatifc^er 5DarfteIfung bes grfamten ^^rojeferec^tö. Über bie 2lrt ber Se^anblung bes Stoffes gibt bie 3Sorrebc in 5ientlic^ ausführlicher SBJeife Slusfunft. S^aä bort aufgeftellte "iProgramm ift in gelungener SQBeife burc^gefüf^rt roorben. 5Dic Strafbeftimmungcn ftnb auf e. 23—30 be^anbelt unb ^roar ?iunäc^ft bie §§ 209—214 Ä.Dv bann ber Slrt. 249 c beö §.®.?)., bann bie S5eftimmungen beö GM. i^um ©.®.S. für ben ©eltungöbereic^ beö r^einifc^^franjöfifc^en SRe4)teö, foroie beö ®efe^eö com l.^JRai 1889 über bie (Srroerbö= unb äßirts fc^aftögenoffenfc^aften. ^n ben §§ 209—214 A.D. finb bie ergangenen Gntfc^eibungen beö Sleic^ögerid^tcö in ben 3tnmerfungen mitgeteilt. b) 2)ie beutfd)e Sleid^ö^Äonfuröorbnung/^) erläutert oon 0. SBilmoroöfi liegt in oierter oerbeffertcr Stuflage oor. ©egen^ über ben früheren 3(uflagen f)at namentlich bie ^e^anblung ber §§ 209 — 214 eine roefentlid^c Grroeiterung erfahren, fo ba^ je^t auc^ biefer %cii bes oortrefflic^en Äommentarö öenfelben SSert f)at, welcher ben übrigen j^ioiliftifc^en Steilen längft allgemein beigelegt rourbe. c) 9?on bem 'ißeterfenfc^en Äommentar jur Äonfuröorbnung liegt bie jroeite oollftänbig umgearbeitete 3luflage, roelc^e unter 3)l\U roirfung oon Äleinfeller erfd^ien, nunmehr ooUftänbig oor.-") Tie Straf beftimmungen ber §§ 209 — 214 ^aben in berfelben eine fe^r auöfü^rlid()e SSe^anblung erfahren (S. 577—619). ^n ben Sorben merfungcn roirb junäd^ft eine allgemeine Überfielt über ben 3"()«^I^ ber fraglichen "ißaragrap^en gegeben, fobann l)eroorge^oben, ba^ baö Sanbeöftrafrec^t burc^ bie Äonfuröorbnung gänstic^ befeitigt roorben =^') Q^crlin, ^Ucbcrmann 1890. XII u. 19(5 3. 3*') Berlin, ^Bal)lcn 18S9. — (KU 3. ^') Monfuröorbnung für baö ^cutfd)c Mdd) ncbft bcm (rinfü^ningsj^cfetjc unb bcm ^cicl)sgcfc^c pom 21. Juli 1H79, bctrcffmö bie '3(nfcd)tuuq von 3a^, obwoijl i^ 266 Slbf. 3 St.@.8. bejüglic^ ber für bie Straf?;umeffung majjs ^«tcnben Umftänbe nur fage, fie f ollen angefül)rt meröen, bie 3ln= tü^ning boc^ notroenbig, il;re Untcrlaffung alfo ein -lieüifionsgrunb ^j»b. XJJII 3.161—185: äurX'c^rc oom ftraf baren 53anfcrott •J56 Sittcraturbcridöt. fei, fofern in Bejuc^ auf bic Strafjumcffung 9lcd^töfä|e jur 9(nn3cnbung fämcn. Samit fei i^uglcic^ bcr Sciüciö erbracht, ba^ bic mcd&anifcl^c 3tueIegun(^orcgeI über bic Sebcutung bcr 2luöbrüc!c „muffen'' unb ,,foUcn" feine ^Uücrläffige fei, oielme^r in jebcm einzelnen ^^üc fac^Iicft 5u prüfen fei, welche Sebeutunc^ bicfcn Sluöbrücfen t^atfäc^Iid^ ^u= fomme. — 3""^ ®^'wffc weift M^Icinfeller barauf l^in, baß von bem oon i^m ücrtretencn Stanbpunfte an^ bic Strafbarteit ber ^}JlitgIiebcr beö SJorftanbcö einer äfticngefcUfc^aft ober einftctraijenen (>3enoffen= fc^aft, foroic bcr Siquibatoren einer §anbcl6gcfcUfc^aft ober ein(^c= tragenen ©cnoffcnfd^aft nur foroeit ancrfannt werben tönnc, alö bcm Gin^elnen ein fd^ulb^aftcö 'iycrfialten ani) xoixttxd) nac^geroiefen werben fönnc. e) ^m 3lxi)\v für Straf rcd^t'^) verneint 3)alfe bic ^rage: Äann nad^ § 211 bcr 3lcid^öfonfuröorbnung neben bcm "Sd^ulbncr auc^ bcr begünftigte ©laubiger wegen Xeilna^mc (Sci^ilfe ober 3tnftiftung) an bcm 3)e(iftc bcö ©c^ulbnerö beftraft werben? SSerfaffer fü^rt auö, bafe bie preupifc^e A.D. vom 8. ÜRai 18or> (§S 309 bejw. 341) auc^ ben ©laubiger beftraft ftabe, bap ebenfo bcr (13.) 3"^M^<^"^»i9 fi^ f"^ bie Strafbarfeit beös felben au?>gefproc^en f)abe, bafj ferner ber I. Senat bcö JReic^ögcric^te bie ^JDlögIi(|feit ber 33eftrafung bcö ©laubigere aU ©cl)ilfcn ange^ nommen, ber IL Senat bicfclbc wenigftcnö für ben %aÜ ber einfachen 3(nna(}me verneint, beibc aber bie ^JJlöglic^fcit einer ftrafbaren ^n= ftiftung feitenö bes ©läubigerö zugegeben f^atten. Slic^tig fei nur bic ablel)nenbc Gntfc^eibung bco IL Senate. 2)aö 9lcid)ogerid|t I)abc im übrigen ücrfannt, ba^ f)ier ein '5*^^ bes concui*sus nccessarius von liege, auf bap man feincöwcgö o^nc weiteres bie Öeftimmungen über concursus facultatims anwenben bürfe. ^^m crftcren %aÜc wollten eben beibc beteiligte bic 2f)at alo bic iljrigc unb beöl)alb fönntcn fie beibc nur alö -Dlitt^äter in SJetrac^t fommen. 2)ic Öeftrafung bes ©läubigcrö als 9JJittf)äters fei aber burd) bic tvaffung bes ©efejes üusgefc^Ioffen. 3lus bemfelben ©runbc fönnc auc^ »on Stnftiftung feine Jltebc fein, benn bic Il)ätigfeit bes Slnftifters gcl)c beim con cursus necessarius in ber 3)litt()ätcrfc^aft auf. 1». Qeioerbeftrafredit. a) Sie Straf fälligtcit bcr @e= werbetreibenben aus ©ewerbeorbnung § 148 3iff- 1^ ""b 149 3iff- ^ wegen unbefugter ^ü^rung bes „9Jleiftcr"="ilJrä» bifates be5W. Stusbilbung t»on i'el)rlingen betont .^ilfe im :?(rd)io für Strafred^t.^'') 'Slic^tig fei, bap j^ 149 3. 8 nur ron Snnungsmeiftem rebc, aber jwifc^en „^""""Öömeifter" unb „"öieifter" befte()e fein Unterfd)ieb. '3}ie ©ewerbeorbnung ^abc nur ,, arbeit* geber", „©ewerbctrcibenbc", ,,felbftänbige ©ewerbetreibenbc" gefannt, crft bas ©efe^ »om 18. 3iuti 1881 l)abe biefe 3(usbrücfe ba, wo es fid^ um bas 5BcrI)ältnis bes 3(rbeitgebers ju G5efeHcn, ©eljilfen unl> ^'') 3-8:>l. *") «ö. XXXVI 3. 117-419. 2^ ;> @trafre(^t. OTo»mcrort- nungen nte^rfad) cerneint, weil ber Sefud^ ber gortbilbungofcbulen nic^t ju ben ©egenftänben ortäpolijeilic^er 33orfc^riften geljöre. iNcr: faffer beftreitet bie 9{ic^tig!eit biefer 'Behauptung, füf)rt aber weitci auö, bat? ber Slic^ter biefe ?5^age überhaupt nic^t ju prüfen Ijabe g 17 beö ©efe^eö oom 11. 3)lärä 1850 befdS)rän!e fein 'iJJrüfungörcd):, . unb eö fei unjuläffig, wie baö Dbertribunal ücrfudit babc, auf einem Umroeg über § 15, auc^ bie Seftimmungen beo g G ;ui richterlichen fiognition ju gießen. SDag bieä nic^t ftattf)aft fei, ergebe ]id) fc^on aus ber Gntftefjungögefc^ic^te biefeö "ifSaragrapl^en, roelc^c 3t uff er auöfüf)rlic^ befpric^t. ^ie fraglichen ^erorbnungen \x>'\X>cX' fprac^en roeber bem Sanbred^te, noc^ bem 3teicl)örec^te, iuelcbe»j öurd) fein StiUfc^roeigen eben nur bem Sanbesrec^te 5ur weiteren ^Regelung ber 9)Jatcrie \)abc Staum laffen wollen. 5. 3n ben blättern für Sted^täpflege in 3^f}üringen unb 3(nf)alt*^) fteßt Aulb baö '3trü frec^t ber UnfaI{üerfid)crungo = gefe^gebung bar. Gr ^ebt f^eroor, ba$ fid; unterfd)eiben ließen Crbnungoftrafen, eigentliche Äriminalftrafen unb G^etutiüftrafen. Tie eigentlichen ©trafüorfc^riften bejögen fid^ auf ftrafbare .<^anblungen, beren J^atbeftanb unter ben ©efid^töpunft ber Untreue unb beo ftraf= baren Gigennu^eö falle. S^¥^^^^^^ K^^" ^'^ ^^^)^ "^ ^it* .(;^anb ber ©enoffenfc^aftöoorftänbe gefegten Crbnungöftrafen, wddit teilo bie St^nbung geroiffer betrugsäl}nlicl)cr .v>anbiungen ber iJBetriebounter:^ nel^mer jum öegenftanbe f)ätten, teilö bie fcbleunige unb entfprcd)enbc Grfüttung ber benfelben im Qntereffe ber rafcf)en Grlebigung bcr We^ noffenfc^aftögefd)äfte auferlegten iU^rpfliditungcn fid)ern follten. Übri- gcnö !ämen auc^ ben 3lrbcitern gegenüber Crbnungoftrafen in bcuig auf bas j^ur SSerl^ütung Don Unfällen ^u beobacbtenDc i. *'•) Süvid), CrcU Jüpli & (So. l^M). . 1;JI 3. bic abf(^nittc XII u. XIII: baä ftrafrcd)tHd)e Älagef^ftcm unb ba^ Aotum ber Strafflagcn. Ü5crf. [teilt ()icr in ü6erfic^t(id)er unD llarcr 3S5cifc bas fcinesiücc^s einfädle Softem bee; fdjiüeijerilc^en We^es bar. 2Cuf bic Gin.^cl^citcn ber oortreffrid^eu Sarftellunc^ ein* \^t\l|^x^., ift {)ier nic^t ber Drt. 21. gf^rfi- itnb Sankredit a) Unter bem Xitel: I)ag ^orft^ reit*') gibt 3^^^*^^^^) ^^ furjgefa^teö .^anbbuc^ bcö 3i^ii=/ 3Sera roaltungsv Strafe unb ^rogeprcc^tö, roelc^cö in crfter Sinie für tjorft^ mannet, bann aber auc^ für jebcn ©cbilbetcn beftimmt ift, ber baö Scbürfnis empfinbet, fic^ in roiffcnfd^aftlid)er unb boc^ leicht fafelic^er 3n über ben i}crr|c^enbcn Sed^tsjuftanb belehren ju laffen. ^ic fo giMte 2(ufgabc bot ber 3Serfaffer in t)ortrefflid}er 3öeife gelöft. 3"- öcm roirb jeber S^rift bie anfd^aulic^c unb padenbe S'arftellung 3i<^* bart^ö mit Vergnügen lefen unb berfelben oielfac^c Öelel^rung unb no(^ reichere Einregung cerbanten, benn bic Se^anblung beö Stoffeö ift eine burc^au^ felbftönbige. Sie roirb eben barum gelegentlid^ in bcm einen ober anbern fünfte jum SBiberfprud^ reisen, nid^t forocit CS auf bie 3wt)erlä|figfeit bes bargebotenen Stoffel, luo^l aber foroeit CS auf bic t^coretifc^c Äonftruttion bcöfelben anfommt. 3tlIco bas ift Mn iye^lcr, fonbern weit e^er ein Serbienft bes in jeber Sesie^ung cmpfe^lcnoroertcn Sud^cö. b) 2)ie preupifc^c S^IK^Öcfc^gebung ^at SBagner neu be- arbeitet.^**) ©egenüber ber "crften Auflage (»gl. Z III 516 ff.) ^at bie oorliegenbe jroeite fonjol^I an Umfang roic qlw ^n^alt nod) loefentlid) iieroonnen. 2^ic roefentlic^ften 3wfä§e finb in ber i>orrebc angcfü{)rt. 5Serfaffcr bef)anDe(t .^unäd^ft ausführlich ben ®egcnftanb bco äögbrcc^teö, b. \). er ftcUt feft, meiere Xiere in ben einjelnen Üanbeo= teilen alö jagbbare an^ufe^cn feien. Sobann fc^ilbert er bic gefc^ic^t^ iic^e 6ntnjidelung ber Berechtigung jur 3agb, gibt bann einen Äom- nientar ^um preujifc^en ®cfe$e, betreffenb bie ^itufl)ebung beo 3^9^* tec^ts oom 31. Dftober 1848 unb teilt bie gefe^lic^en Scftimmungen init, welche ben SRec^töjuftanb in ben neuprcuBifc^en Sanbeöteilen regeln. Leiter roirb bic Sluoübung bcs !3agbrccf)tco befproc^en, baö iöqbpoliseigcfe^ oom 7. 'JÖiärj 1850 fommenticrt, bie @c)e$.e erläutert, welche bie 3luöübung ber S^gb in ben neupreufeifc^en Sanbesteilen «fteln unb ein Äommentar ju bem ©efe^c, betreffenb bic 5c^on,^eitcn ^es äßilDes t)om 26. g^bruar 1870 gegeben. (6ine tabeUarifd)c Übcr= Ut^t ber Sdjon= unb Sc^icfejeitcn bilöet bie erfte "JJummer bc<5 9(n= Monges.) Sorgfältig erörtert rcerben fobann bic AröQ^-*" "«c^ bem ^i^^tumeerroerbe am 2ßilbc unb bcm $Hcd)tc auf bie abgcmorfencn 'Klbftangcn. — ^cr jrocitc Xeil ber SarftcUung ift bcm ;jagb|c^u^c *') ^^nftitutioncn bcö prcuftif(f)cn unb bcutfdicu i^ioilredits, "iicnpaltuncjöj Btrafredits, "liro^cnrccfttö in befouberer iU'^icliunö ^^"f ^«s Aorftiueicu. iJ^erlin, "Varcp ISKC». XVI u. 526 3. *''i .»^rocitc ooUftänbig umgearbeitete "Jluflage. 'Berlin, 3 p ring er 188J). IX u. 304 3. 17* 260 Sttteraturbcri^t. geroibmct. 6ä wirb barin bc^anbelt ber SBilb^ unb S^^öM^ä^öbcn, bic Sagb an ®onn= unb Mutagen, bic §§ 367 3. 8 unb 368 3. 7 9l.Str.®.93v foroic baä Siecht jur S^ötung überlaufenber §unbc unb Sa|en. ®ö folgt fobann ein Äommcntar ju bem Oefcftc über ben Söaffengebraud) ber Sorft« unb S^g^^^ömten com 31. ^läx^ 1837, forotc ein äbbrud ber boju ergongenen S^ftruftionen t»om 17. 9tpril unb 21. 3lot)enibcr 1837. — Den Sc^Iu^ bilbet bie auöfüf^rlicftc Darftettung bcä eigentltd^en materiellen unb formellen S^gbftrafred^tcö, b. f). ein iJommentar ju ben §§ 242, 243 3. 2 unb 5, 370 3. 5, 292—295, 48, 49, 257—259, 117—119, 361 3.9, 368 3. 10 unb 11 9t.®t.®.93. Grörterungen nomentlic^ .^u §§292—295 unb 117 — 119 fteHen fic^ old roertDotte 6rgänj\ungen jebeÄ Äommentareo 5um 9l.@t.®.8. überhaupt bar. @d fc^Iiepen ftc^ an Sefpred^ung ber Seftimmungen über bic Seftrafung ber ^lad^Iäffigfeit in ber 3(uf- fid^t über bie ^unbefteuer, bas ^olijeiocrorbnungägeric^t, inerjä^rung, ©trafenja^Iungögrünbe unb ©trafmünbigfeit. 2)aä formette 3ögt)= ftrafrec^t be^anbelt: Sefc^Iagna^men unb Durt^fud^ungen, @trafan« träge, 3wftänbigfeit ber ©eric^te, Se^anblung ber einjujie^enben (Segenftänbe unb baö poIijeUic^e Strafverfahren. — i^m 3ln^ang ftnb bie in bad jagbrec^tlid^e ©ebiet einfd^Iagenben ©efe^e abgebruch, roeld^e neben ben preu^ifd^en in ben neupreufeifd^en Sanbeöteilcn nocb ©eltung ^aben. Den Sd^Iu^ bilben Überftc^ten über baö benu^tc ©efe^eematerial, unb bie @ntf (Reibungen ber ^öd^ften ©erid^to^öfe, wclcb'i Serüctfid^tigung gefunben f)aben, foroie ein auöfü^rlid^cs Sa^« regifter. c) Die bcutfdie S^g^g^f^^^gc^ung naä) i^rem bamaligen Staube'*'*') bel^anbelt Stlbert. ©eine SCrbeit rei^t fic^ ber Dar* ftettung ber gorftgefe^gebung in feinem Sef|rbuc^e ber Staate« forftroiffenfc^aft (2ßien 1875) an. Sie foK fein Se^rbuc^ fein, fonbem nur einen 3taä)roex^ ber fämtlid^en beutfc^en S^g^g^l'^-'Ö^^ »"it oergleid^enber 3wfammenftettung if^rer roefentlid^ften 8eftimmungcn geben. Der Stoff ift nad^ folgenben ©efic^töpuntten georbnet: ^^gb^ Siecht, s^olijei, «Strafred^t, ^Strafproje^ unb SEBilbfd^aben. 22* %\\^tttitt^t gifc^erei unb einfd^Iagenbes SBaffcr- rec^t betreffcnbe ßntfc^cibungen F)ö^erer bcutfd^er ©0 = rid^tö^öfe, inöbcfonbere bcö Steid^sgcric^tö, jufammcnges ftellt im 3tuftrage beö SSerbanbes oon §i)d|erci*9Sereincn, ?}ifc^erei-©emeinfd^aften ufro. 3Beftbeutfd)Ianbö'^^')gibt Seclig. Sn ber oerbienftoolfen Sammlung ^aben Gntfc^eibungen jioiU unb ftrafred)tlic^en 3n{)alteö 3tufna^me gefunben, meiere fid^ bejie^en auf JReid^öred^t unb auf baö Sanbeöred^t ber Staaten: ^reupen, SJabcn, 5öai)ern, Srcmen, Öraunfc^roeig, Glfafe»Sot^ringen, .sjeffen, ■öledlcnburg, DIbcnburg, Sac^fen, SBürttemberg. *^) TOindjen, ^^ticgcr im). — 76 3. •'*) 2cip5iö*3tcubmij, Max öoffmanu 1889. XII u. 132 3. Straf rc^t >yffonnfinfr %c'iL 261 23. 39lftnifrn|t 2)aö bcutfd^e SoIIftrafrcc^t^') von 25bc liegt in jioeitcr ooQftönbig neu bearbeiteter ^(uffage t)or. Gegenüber bct erften Suflagc (Z I 3. 629 f.) ift ^erüorju^eben, bafe neben bem fereinsi^offgefc^ anä) bic übrigen reid)egefeilid^en SJorfd^riften joH* iiToftec^tlid^en 3n^alted, einfc^liefelic^ ber auf 3u">i^c^^onbfungen gegen bie 5fterrei(^ifc^sungarifd^en ^ottgefe^e bejügHc^en, foroeit nötig in ^en Sreiä bcr ßrlauterungen ^ineingejogen finb. ^m einjelnen fmb afe be(|anbelt ju erroä^nen: ^a§ BoMarteU t)om 11. 5)Jai 1833 ^roii^en ^reufeen, Äur^ejfen unb bem ©rofe^erjogtum »^eRcn, ferner Sü^crn unb Württemberg, fobann Sac^fen einerfeitä unb ben ju ben tijüringiftl^en ^oü» unb ©anbelöcerein Derbunbenen Staaten onber- feits; — bao ©efe§ t)om 1. ^uli 1869 betreffenb bie Sicherung ber ^ottwreinägrenje in ben com 3ottgebiete au6gefci[|(offencn l^amburgifd^en ßebietäteilen ; — baä 0efe§ Dom 28. 3uni 1879 betreffend bie Sicherung ber gemeinfc^aftlic^en ^o^grenje in ben üom ^oßs^^i^^^ au9gef(^loflenen bremifc^en ©ebietoteilen ; — bic Straf bcftimmungen bes Sefcfteö t)om 20. 3uK 1879 betreffenb bie Statiftif beo ®aren^ ocrfelirö beö beutfcfeen So^Ö^bietä mit bem 9luölanbe; — bic joIU ftrofrecbtlicften Seftimmungen beS SöUfarteUö jum ^anbelöoertragc mii^n Dcutf erlaub unb Cfterreic^^Ungam t»om 23. 3Jlai 1881; — bas Sefe$ Dom 17. ^ulx 1881 betreffenb bie Seftrafung von 3"- roiber^anblungen gegen bie öfterreid^ifc^sungarifc^cn 3oUgefefee. — ^mer ift ^injugefommen, eine 3)arftcUung ber gefc^id)tfic^cn Gnt= roidimc^ bes heutigen beutfd^en 3oUftrafrcd)tö com preuftiid)en Sanb* «4te an. — 3)ie Stec^tfprec^ung beo iHeid)sgcrid)to f)at einge^cnbe Seot^tung, mitunter aud^ fritifc^e SBürbigung erfa()rcn, bic erlaffencn ferroaltungögeric^tUd^en SSorfc^riftcn fmb cbenfattö in auöreic^enber Seife bcrüdtfic^tigt roorben. — ßin auöfüljrlic^eö Sac^regifter bifbct ben 2c^(u6 ^^^ f«^'^ empfel^lenöroertcn Suc^eö. 24. «iHtarftrafredit 3m ©eric^t^faal'^^) ^^^^ jgjeifl an% ^flJ5 grunbfäöUcft bie Straftl^atcn bcr 3JJi(itär|)crfoncn nad^ bem bürgere ^it^m Äec^tc ju beurteilen feien, ba^ eö jcboc^ cin.^clnc rein militärifd^c 2cliftc gebe. älö foldbc fcnntcn bic fontincntalcn -DJintärgcfc^' 9<^bungcn ber ©egenroart; Dcfcrtion, 3oIbftbcfd)äbigung, Si* "»ufation, Suborbinationsücrlc^ung, ^cigf^cit, "ilJti^braud) ^erlicnftgcroalt, Slipbrauc^ bcr !»iilttärgetDalt, i^flic^t:: ^^rle^ung im Dienfte. iJcrfaffcr bcfpric^t ben Sfiatbcftanb bicfcr ^fHhc im einzelnen unb rocnbct ftc^ fobann ben mi(itärifd)en Strafen 3"- Xlö allgemeine ©runbfäöc für baö matciicttc 3tcd)t [)cbt er ^etBor, ba| bie militärifd^cn Sonbcrgefcfec bem Staats^ unb SSoltö- ^waftcr angepaßt fein müßten, bap namcntlid; bic 3^0^ '^^^ SDcIiftc ^^) Ti^ 5onftrafrc(^tli(^cn 5Jorfrf)riftcu bcö bcutfrf)cn SHci(fi'5 ^"ter bcfonbcrer Scrü(tfid)tiguug if)rer öcjiefiung giim Straf- ön'etfbuc^c unb gur Strafprojcfeorbnung, foroic ber iHe^tfprc(fiung ^«^3lei(^8gcric^t«. icipsig, $trfc^felb, 18iK), IV u. 2.^4 e. '') 5Jb.XLIII3.71-91:3(U0cmcine9Übcrbag9)lttitärftrafrcd)t. 262 Sittcraturbcric^. nic^t ju i)o6^, unb bic ©trafen nid^t ju ftreng fein bürftcn, baß bte ©efe^c bünbic^, beutlid^ unb bem gemeinen ÜRann Derftänblic^ fein müßten, bag bie Strafen geredet unb nic^t nad) bem ^Rinimum {)in j^u eng begren.^t feinbürften, bo^ es unangemeffen fei, bei Straf= tl)aten, wel^e ebenforoo^I t»on ber ÜRannfc^aft wie t)on ben (S^argen begangen werben fönnten, für le^tere befonbere ©trafen ober ©traf* arten ju beftimmen. b) 3jm Slrc^iü für Strafred^t^^) verneint §üdf in g biejyrage: ©inb bie 33eftimmungen ber preu^ifd)en ÄriminalorDnung Dom 11. 2)ejember 1805 unb ber 9)JiIi.tärftrafgeric^teorb = nung com 3. 3tprit 1845 über bie fogenanntcn gemifc^tcn Unternehmungen gegen 9)JiIiär* unb äi^ilpc'^fonen nod) in ÄraftV 3w^ö4ft fc^ilbert SSerf affer bie rcc^tögefc^id^tli(i(ie entroidelung ber Einrichtung bes fogenannten Judicium mixtum. 3" bemfelben fei „ein gemeinfameö, befonberö befteHteä unb organifierted Unteme^munge= gerieft gefd^affen, meldieö nac^ bem für jebe ©parte gleichmäßig geltenben ^roje^rec^te collegialiter t)er{)anbelte unb eoentueU entfc^ieb, nic^t aber ctroa nur burc^ eine proje^öfonomifcfie 3Kapregel eine Äo-- opcration jroeier S3e{)örben, t)on benen jebe nad^ i^ren ©efe^en fclb: ftiinbig unb unabfjängig cerfuftr, jmedfö ficf^erer Gntbecfung unD ;^u= trcffenberer Seftrafung t»on Verbrechern angeorbnet morben". Gin berartiged ä^föw^wenroirfen ber 9KiIitttr= unb ^i^i^^^-'^^örben mürDc, mie SSerfaffer in über^eugenber Söeife nac^meift, bei ber gän3;Iid)en Unüereinbarfeit ber ftrafprojcffualen Seftimmungen in ber 3!)tilitär= gcfe^gebung unb ber ©t.^.D. in jebem ©tabium bes i>crfa()renö ein* fac^ unmöglid^ fein, ©d^on beö^alb mürbe man annef}men muffen, ba^ bie ©t.^.D. bie abroeid^enben Seftimmungen ber 'ä)JiIität=3t.Ö C. befeitigt Ijabc, felbft wenn bie lefeterc alö jReic^erec^t an,^ufel)en fei. Senn be.^üglid^ ber in ©eltung bleibenben projeferec^tlic^en iNorfc^riftcn ber Sleic^ögefe^c ^oben bie 9Jlotit)c auobrüdflic^ ^ertJor, oa^ fie „mit ben ©runbfä^en, auf roelcfien ber ßntrourf ber ©t.^.D. beruf)t, in Ginflang fte^en. 3lun fei aber überbem bie preu^ifcfte '})tiIitär=3t.@.C. gar !ein Sleid^öred^t geroorben, benn § 2 beö ©efefeeo betreffend Mo i^erfaffung beö 2)eutfd^en JHeidieö belöge fic^ nid^t auf fie unb bie im § Gl ber SSerfaffung t)orbe^aItene (Sinfü^rung im ganjen "SicxdK fei nic^t erfolgt. — Slllerbingö fei eo im ^öc^ften ©rabe roünfc^enomert, „bafe eine balDige Slegulierung beö fornmlen militärifcf)en 3trafred)tö aucf) bem iudicium mixtum bie cerbiente emige SHu^e in legaler 3öeife bereitete". c) ^n feiner ©d^rift ^3Kilitärftraf rcc^t unb G5ericfttöbar= feit unt) bie i)led)toglcid)^eit"**) tritt Jr^i^^^'^ ^'- ^- 33orct) für bie l^fbfc^affung einer befonberen 9Jiilitärgerici)tobnrfeit ein. Crr periennt bie 3d)n)ierigfeiten nid)t, bie fid) einem fold)en ^Keform» oorfdjlag eutgegenftelten, glaubt aber, ba^ ee angeben unb einftroeilen •'^) 5^b. XXXVII 3. 97-117. **; 3ln«bac&. »rüget & So^n 1890. :^0 S. ©trafprojcB. 263 oui genuinen rocrbe, wenn man Don bcr SKifitärt^erid^töbarfeit am^ fdjlieBe: i. btc gemeinen SJcrbred^en unb l^erge^en t^ecjen bte ftaat- liie imb bürc^erlic^c Crbnung, einfcöIie^Kd^ bcr oon einem Solbaten im Jfrieben bct^angenen fanbesüerräterifd^en §anbrungcn, politifcften vWrcc^en, ^Jtajeftät^ibeleibit^ungen ufro.; 2. bie fot^ennnnten mi(itärifd) crf. in Der Sorrebe l^en)orI)cbt, als ein neueo 2öer! bar, „aufgebaut auf bet Qrunblage beö früher Soc^oiüfdjcn 35Öerfeö .b. f). unter 3ln= ^i^nunc^ feiner 5DJetf)obe ber 2)arfteIIung, ber fnappen <^af)ung, ber odcpng ber ^IJaragrapben in 3lbteilungen unb Unterabteilungen, feiner Sefc^räntung auf ba^ 5?ötigfte, ferner feines Sijftcmö (()ier ttfebings mit meljrfac^en nic^t unroefentlic^cn 3lbu)eid)ungen) unb ^nblicft aud) unter roörtlic^cr Überna()me berjenigen ^^articen beö ^) 0uttcntagf(^e Sammlung bcutfc^cr Diei(^$gcfcüx.^) 5)ie Sermeftrung bes Umfangeö um me^r alö 5 J^ogen gegenüber ber fünften 3luflage^ erflärt fid) atterbingö jum Xeil auo einer Seränbcrung ber 'lErucfeins ric^tung (es fmb für bie 3tnmerfungen gröfjere Zvjpzn geroäl^rt roorben), aber boc^ nur jum leil benn audb bie roirflic^e l^ermcbrung be* x^n^alteö ift eine rec^t erljeblic^e. 2)ie ganje 2(rt ber Se^anbfung be§ Stoffeö bat fxi) nic^t roefentfid) geänbert, inöbefonbere ift naä^ roie Dor bie Sitteratur nur mit grofier ^luöroabl berücffid)tigt roorben. 5»m übrigen genügt es, auf bao Grfd)einen einer neuen Auflage auf« mcrffam gemacht ^u I)aben, ba bas Urteil über ben 23ert beö 93ucftea längft feftftel)t. f) l^on bcm 3ol)nfd)en »Kommentare jur StrafproiJiefe* orbnung^') ift ba^ erfte «öeft beö britten Sanbeö erfcbienen, roelcbe^ ben 6. 2ibfd;mtt be§ jroeiten Sucf)ee beenbet. "^k Semerfungen ;\u ben §§ 271 — 275 rühren nid)t mebr Don ber .>eft trägt im roefentücöen benfelben G^arafter wie bie früheren, biefcfbe ©rünbfic^fcit in ber Sefpred)ung ber einzelnen Aragen, biefclbe einge^enbe unb auefül^r(id)C Serüdfic^tigung ber 3lcci^tfpred)ung bes ^){eid)9geric6ter^äItnio bee ÜNorfi^enben ^u bem l'ertreter ber Staatö» anroaltfd&aft be)prod)en. Gö werben i^unäcbft üerfd)iebene ber über biefeö i^erl^ältniö auögefprod)enen 9lnfid)tcn angeführt xmt> fobann bie Urteile beö ^Heicbögerid)teö mitgeteilt, meldje fid) auf biefen (^kgen* ftanb be^^ie^en. 5^ einem berfelben (\\. III S. 6. Cftober 1884 G. XI, 13G) roerbe ^roifd&en be^örblid)en öerec^tfamen unb ^^ro.^eB» befugniffen ber Staat9anmartfd)aft unterfc^ieben. 3^amit fei bcr ^u* trcffenbc @efid)töpunft gegeben. 5)ie £taatöann)altfd)aft alö Sc^iörbe fei ben C^5erid)ten foorbiniert, bie Staatsanmaltfc^aft im einzelnen *^>ro^e)fe fei ben öcrid^ten fuborbiniert. 5öo nic^t befonbere •iJriois •') »crlin, :S. 6uttcnta(^ ISOO. VI u. ?)% 3. «) erlangen, ^^alm & Gnfe 1K«9. o()9 e. etrafprojel. 267 legien für bieielbe anerfannt feien, ba fei anj^unc^men, ba^ fie nur Jie gleiten SRcc^te ju beanfpruc^en l^abc rote bcr 3(ngeffagte. Soldje flöoiqufliungen nun feien nur burc^ §§ 178—180 0.S>.0. j^uc^e^ jtonben roorbcn, c© feien alfo biejenigen 30?ittet, roeldje jur 2(ufred)ts a^ttltung bet Drbnung in b^r Si^ung nur auf P3runb cineö gerid)t= (i(^ Sefc^Iuffes jur Slnroenbung gebrad^t werben bürfen, gegenüber öer Stoatöanrottltfc^aft nic^t anroenbbar. 2)em mitbern Witid aber, b. ^. ben 35cfef)len beö 3>orft^enben fei bic Staatöanroaltfdjaft nic^t entzogen, cö fei fad^Iid) gleid^, ob ber Sefe^t afö Sefel^I ober ob er als 6rfud)en erteilt roerbe. (Sine DöUige öfeidjfteKung bes Staato* annmltcö mit bcnt änqeflagtcn unb SJerteibiger eraebe fic^ bonn aucb auft§§238— 241 St.^.C irbenba (3. 91 ff.) wirb einge^enb borüber ge^anbelt, njefd&e fragen t)om 3>orfi^enben aU ungeeignete ober nic^t }ur 3acl)c gel)örigc jurücfgeroiefen werben fönnten. Se^ügüc^ bet 5on beififcenben SWic^tern ausge^enben ^fragen befter)e ein forc^eö Sei^ überhaupt nic^t, roo^t aber fomme auf biefefben § 237 9(bf. 2 \ax Snroenbung, fo ba^ alfo baä ©erid^t über bie ^w^öffiflf^it j^u oitf(^cit)en ^abe, wenn eine bei ber Se^anblung beteiligte ^^erfon bie Atagc eines beifi^enben Slic^terä beanftanbe. '^m übrigen ftellt 3of)n für bic 3wtürfn)eifung oon ^fragen folgenbe Sled^tögrunbfäfee auf: ,65 barf niemals eine ?^rage jurüdgeroicfen werben, weil biefelbe uncT^eblicb ift, fonbem es barf bieö nur aus bem C^kunbe gefd)c()en, roeil bie 5yragc cntroeber eine ungeeignete ober eine nid^t ^ur 3ad)e gehörige J'^age ift. — 60 genügt nic^t, lücnn baö Gkricbt bie Jragc unter bem ^Infü^ren .^urücfroeift, ba^ biefelbe eine ungeeignete ober ni4t ;;ur Sac^e geF)örige fei, fonbem ba«i ©erid)t Ijat bicfcn feinen ®^t^lu6 ^n bcgrünben. — "iie 5y^age, ob bie Segrünbung für bie erfolgte Siblet^nung ber ?^rage eine ausreid^enbe geroefen, unterliegt bcr ^^rüfung beö ^Heoifionsric^tcro.'' 3u § 243 füf)rt ber i^affer auö (3. 115 ff.): bafe inränbifd)e 6efc?c nid)t Wegenftanb ber 8en)eioaufnal}me fein fönnten, fei »om 'Heit^ogcric^t fteroorgel^oben, baefelbe muffe auc^ bejüglid) beo auo= Iänbif(^en 5Hed)teö gelten. !5*n Sinne beö § 243 be,vel)e fid) ber äuöbrurf 33en)eiöaufna()me nur unb auöfc^Iie^Iid) auf bie Aeftftellung bcr I^atfac^en, meiere unter einen 'Hecbtefa^ )\u fubfumieren finb, ni(|t aber auf bie 2(uffinbung biefeö 9led)tQfa^e<5 felbft. T>aö fei ttament(i(!^ bei Sc^rourgerid^töfac^en oon großer 2öic^tigfeit, benn roao öegcnftanb ber SJeroeiöaufna^me mar, ba§ unterliege be.^üglid} bcr l^rufung ber Grgebniffe beö SSerfabrenö bem Urteile ber (^kfd)n)orcnen, »Q^renb fie ben 9led)töfafe aucb ben fremben t)om isorfitjenbcn ent= liegen ju nefimen l)ätten. Saöfelbe SJerbältniö fomme bei ber rlteoifton in 9etro(^t, ba baö Sleoifionögeric^t jmar über bie SJerle^ung einer •Kcc^tänorm, auc^ einer fremblänbifc^en, nic^t aber über bie (Jrgebniffc ber Seroeiöaufnobme i^u urteilen l)abe. 3e6r auöfü^rlid) finb auc^ bie Semerfungen ju § 248 über bie ?>erlefung oon Urfunben. 268 Sittcraturbcric^t. 3u § 249 rocrben bic ^fragen cingc^cnb erörtert (S. 205 ff.)s 1. fönnen Saugen Dom öörenfagen in ber §auptt)er^anb* lunc^ vernommen werben? — 2. ;3ft cö juläffig ben Unter» fuG^ungäric^ter barüber .^u cerne^men, was ein ^^wge, bem bas :Hec^t ber 3^wöini^^ctn)eigerung jufte^t, ber aber t)on biefem Siechte roä^renb ber SJorunterfuc^ung feine« (5)ebraurf| gemacht f)at, bei feiner Sernc^mung in ber 2Jor» unterfuG^ung auogefagt ifat, wenn berfelbe 3^ufl^ bie 3fb» gäbe beö ^^wgniffeö in ber ^auptoer^anblung üerioeigert? ^ejüglic^ ber erften ?5rage laffe fic^ am bem 9\?ortfaut bee Gkfe^ gar nid)t9 entne^men^ unb an^ ber aUgemeinen Sebentung biefe« ^on S^^%^^ '^ont öörcnfagcn baä ^{Nrinjip ber Unmittelbarfeit ocrle^t werbe, eö frage ]xä) nur, ob bao Okfei nid^t eine 3(u6naf)me l)abt mad^cn rooHen. 2^iefc ^rage fei vi bejahen. § 249 f)abt nur ben S^^^ c^el)abt, bao SSerIcfen Kr 3eugenprotofolIe „^ixx 3tufflärung'' ju befeitigen unb fo werbe man annehmen bürfen, ba^ im übrigen bad befte^enbe 'Hed)t, inforocit baofelbe baö ^^Srin^ip ber Unmittelbarfeit betraf, ^abe unperänt)crt bleiben foUen. 2)tefcö aber f)abt bie Semebmung ber beugen pon .^^örenfagen gefannt. Übrigenö fei baran feft^ubalten, „bafe ein ^QUiyt von .{'»örenfagen niemals an Stelle beo jur 3lbgabe beö 3^wgnif^^*^ bereiten -S^wg^n %n cemc^men ift, roeld&er bic ^^atfacbe felbft roabr* genommen ()at, bap üielmefjr ein 3cuge t)om ^obrenfagen nur in folgenben beiben JväUen ju benu^en ift: a) Z^x ben JäUen bcö § 25U, lüenu bie bort angefüf)rten S^wgcn unb Sac^cerftänbigen überhaupt nic^t protofoUarifc^ vernommen finb, ober menn eo fid^ barum F)anbelt, bao 5u i)erlefent)e ^Nrotofott burcf) bie 9(uöfage eineö beugen uom .pörenfagen in bejug auf bie Seroeiöioürbigung richtig .^u ftellen. — b) Jjn ben (fallen, in meieren bie Semeismürbigung eines bircften 3eugen burd^ bie äluofage eines 3^"9^n Dom §örenfagen beeinflußt werben fann.'' 3^ie jroeite Jvrage oemeint 3o^n. 3«^^ 3€it ber ^Beratung beö § 251 l|abe man an bie 2Jemef)mung beö Unterfuc^ungöric^ters gar nid^t gebac^t unb fo fei bas 3Serbot ber l^erfefung auoreirfienb er« fd)ienen, um bie 33enu§ung einer folc^en frül^eren 3tusfage in ber cOauptoer^anblung j^u cer^inbem. Scbenfalto loiberfprec^e es burcbauo bem öeifte beo Öefefeeö bie ^öenu^ung beö befferen Semeismittcld ;u ©erbieten, beo fd^ted^teren ju geftatten. 2)a^ aber ber Sticfater, roelAer \>a^ ^^rotofoU aufgenommen l)at, ein fd)(ec^tere9 Semeiömittel fei, als bas ^rotofoU felbft, fönne feinem 3^öeifel unterliegen. Übrigens bürfe ber Unterfud)ung5ric^ter, weil er tbm Slic^ter fei, nid)t als 3euge, aiic^ nid)t als tcstis de auditu oernommen werben. Überdies foUe fic^ bie ßntfd)eibung bes erfennenben Oeric^ts ftets auf 3}or* gänge in ber .oauptoer^anblung felbft unb nicbt auf bas ftü^en, was in ber '-l^orunter|ud)ung gefc^el^en fei. 3(ls Folgerungen aus feinen 3(usfü()rungen bejeic^net ;3»ol)n: etwfproje^ 269 i) für bic 3^d^n pon $örenfagen, ba^ eine 3Serne^mun(j folc^et wlafjig '\\t, wenn fic übet 9RitteiIungen eincö bireften ^^uc^en aus* jijen tonnen, roelc^er jut Senueigerung feined 3^U9ni)1^^ berechtigt ä. — b) für ben protofottierenben SRic^ter ^unäd^ft, ba^ aui) ber Imt^ric^ter hn SSorocrfa^ren über bie frühere äu^fage eines 3cu9CW/ mU^tx bei ber ."oauptoer^anblung t)on bent ^Tled^te ber 3^ftni^'' wiDtigerung ©cbrauc^ mai)t, nic^t vernommen werben fann. Über» ^t fei bie Seme^mung ber Stid^tcr beö 9SorDerfaI)ren8 aH Sc\x%tn aber ^.^orgänge in bentfelben unjuläffig, romn nid^t bicfen Vorgängen »te foltften eine Sebeutung für bie ßauptfac^e j>iufäme (}. 99. SSer» iie^naing bes älmterid^ters über einen vor i^m geleifteten unb fpöter afe 9Reineib bezeichneten ßib) — c) bagegen bürfe ein ©enbarm — ibenfo gut wie jebe beliebige anbre ^erfon — über baöjenige cer* loimnen werben, roaö eine jur Scugniäoenüeigerung berechtigte ^erfon )cmfelben anBergerid^tlic^ mitgeteilt l^at. 3u § 250 wirb bie ^frage be^anbeft (S. 239 ff.): 3Rufe bie !?erne^mung beö 3^wgen, beffen Muäfage Derlefen werben oll, in bentfelben Strafverfahren ftattgefunben ^abcn, •ber genügt eö, wenn bie 55erne^mung beöfelben auc^ in iner anbcrn Straffad^e ober in einer anbcrn 3tec^t?>)acf)e ber^aupt ftattgefunben l^at? ^ae Steic^^gerid^t ^abe balb bie )efc^ränfung auf biefelbe Straffoc^e, balb auf ^ufammenEiängcnbc hraffad^en geforbert, balb jebe ric^tertid^e 3{erncF)mung, and) in S^mU id^en für geeignet erflärt, ^ux 3Sertefung gebrac(;t ju werben. 9Jur ie (entere (fntfc^eibung fei rid^tig. 35ie SSerlefung fei beftimmt bie Jeme^mung ^u erfe^cn unb bürfe beä^alb feine anbem Sc^ranfen aben, alö bie SSeme^mung felbft ^aben würbe, wenn fie noc^ mög« d^ wäre. 3u § 259 wirb bie Jyrage aufgeworfen: Äönnen au^er ben n § 259 angefül)rten UrteiUformen auc^ noc^ anbre be* u«t werben? (S. 319 ff.). 2lud § 429 Zt.^C. gef|e ^crt)or, afe int ^riüatflageüerfa^ren in betn bort be.^^eic^neten Jyalle bao Urteil uf ^Ginftettung be« aSerfalirenö" p lauten i)abc, au6 § 458 St.'ip.C rgebe ficb bie Urteiteformel: ;,bie ^oli.^eit)erfügung ift auf^u^eben'', U9 § 199 3t.0.93. bie: ber ober bie Slngeüagten „fmb für ftraffrei u ertlären'', wä^renb § 66 £t.0.!ö. fic^ ergebe, ba^ im müt ber .^erjd^rung bas Urteil j^u lauten l^abe „bie Strafverfolgung fei usgefc^loffen". ^Dagegen fei in bem ??atte, ba^ e^ fic^ um ein no is in idem ^anble, einfach eine evreifprec^ung t)or,^unef)mcn. Se^r ausführlich ftnb femer bie Semerfungen ^i\ ben §§ 2()4 5. 378—413) unb 266 (418—459). Sejüglicf) beö § 264 l^ebt ^oi)n ^ertjor, ba^ befonbere J^ormen ix ben ßinweia auf ben veränberten rec^tlicf)en Wcficf)topunft nicf)t orgefcbrieben feien. Grfofgen muffe bie .^inweifung burd; bao Werid)t, in beftimmter B^i^wnft, biä ju welcf)em fie fpäteflenö ,;iu gefcf)eben abe, fei im Wefe^ nic^t angegeben. Sa^ fie ge)cf)e()en fei, muffe d^ aus bem Si^ungöprotofott ergeben. SebenfaHö fei ed erforberlid). 270 Sittcratur6cric^t. ba^ nad) 9efc^c[)encm öinrocife nod) eine roeitere SSerteibigung mögfic^ fei. 3^ie ^inwcifung muffe auf ein beftimmteö anbreö, genau bc* jcic^neteö ^elift gefd^e^en, eine allgemeine öinroeifung barauf, baß aixd^ ein anbre<5 3^elift angenommen merben lönne, genügt nic^t. 3^afe fie immer bireft gefc^el)e, fei nid^t erforberlic^, fie fönne auc^ in anbern 3>orgüngen mit genügenber I)eut(ici)feit cnt{;alten fein, ©efd^e^en muffe fie, fobalb and) nur bic -BJöglidifeit einer Snberung gegeben fei. yio^n befprid)t fobann eine Steitie von 33eifpielen ber l^lnberung beo red)tlicf)en öefic^töpunftes, forool)! in be?;ug auf ä?orfd)riften beö allgemeinen, mie auf fold^e beö fpejictten ieilö. (Jr unterfud)t fobann ob § "264 anmenbbar fei, rocnn berfelbe ^aragrap^ beö Straf gefe^ bud)eö mer)rere oerfc^iebenartige ^elifte umfaffe. Gr ftelft bie ^^ira^ia be^ 3teid)9gerid)te9 bar, meldie in biefer 5^age roolil im mefentlicfeen baö 9tid)tigc getroffen ^abe. Übrigen^ fönne ja burc^ übcrflüffigc (Srteilung eineo »'pinroeifeö niemalo Sd^abcn geftiftet mcrben. 'änd) bei gerid)tlid)en Cintfc^eibungen über angefod^tene Strafbefdjeibe einer 35ern)altungobel)5rbe fomme § 264 .^ur SInmenbung, nid)t jebod), wenn .^mar baö Urteil ju ben üom Gröffnungöbefd)rup be,^eic^neten Straf» gefc^cn, nod; anbre ergänjeub ()in-^ugefügt l^abt, aber I)ierburd| ber ftrafrec^tlid)e 6f)arafter ber H^at nx6)t geänbert werbe. Gbenfo nid&t, loenn es fid) nur um bie ^tnioenbung einecrf|ängung einer "Jiebenftrafc jur ^olge f)at. Jyerner bebt ;^^obn I)en)or, bafe bie Staateanmaltfcbaft bie äJerle^ung beö § 264 3lbf. 1 nid)t .;um -Jlad)* teil beö Slngeftagten rügen bürfe, unb befprid)t noc^ eine Steige t»on pro.^effualcn Äomplifationen, auf bic näf)er cinj^uge^cn, f)ier ju weit fül)rcn mürbe. «ejüglid) bcö § 2G6 befprid)t ^ocrfaffer .^unäcbft baö aSer^Itnio beö 3lbf. 1 5u § 293. Sobann fül)rt er an% baft bic UrteilögrünDe, bie cnüiefencn 2^atfad)en mit folc^er i^ollftänbigfeit angeben müßten, ba6 jebcö gefefelid)e ^3Jierfmal burd; biejenigen feftgeftellten ibatfoc^cn gebedt roerbe, in it)cld)en baö öeric^t baöfelbe entl^alten gefunbcn Ijabe. älUe ftreng man barin fein muffe, jeige am beften bie 'Hcd&tos fprcd^ung beö JReic^ögerid^tö, meiere ^soi)n auöfübrlid) barftellt. Xie Slnmenbung t)on reinen SHed)töbegriffen fei allerbingö nid)t gan^ \n üermeiben, fie fei auc^ unfd)äblid), folange nur bem ^Hcüifionögeric^tc bie '3Jiöglid;feit gemaljrt bliebe, bie Beurteilung ber 2^at einer ^lad)- Prüfung ^n unterbieten. Gine atngabc ber ^emeiömittel, beren Gr* bebung bie 3:l)atfac^en alö bemiefen erfdieincn läf;t, meiere bie "Blerf* male ber ftrafbaren .yanblung barfteßen, ücrlange baö 05cfefe nid)t. Gö mirb fobann baö 3?crl)ältniö ber Urteilögrünbe .^ur Urteilöformcl bcfprodjen, foroie bie 33el}anblung ber ibealen unb realen .Honfurrenv ^ie iUngabc bcö Stimmoer^ältniffcö, mit u)cld)em bic iNcrurteilung erfolgte, fei bei Straff ammerfad)en unnötig, ^^m einzelnen befprid)! i^Tfaffer meiter bie befonberen 'Eingaben im Aallc beö ^^nbi^icn^ bemeifcö, baö i^erbältniö beö § 57 xUbf. 4 St.ö.«. ^u § 2H6 xHbf. 2 St.'t^.C, bie Aälle, in benen cö notmenbig werbe baö :i)iid)tt>ov= 8trafpro5c6. 271 ionbfnfein von ^xxUim, 3Jotn)e^r, forotc ber 3>orauofc$ungen ber S§ 199 u. 233 "St.Ö.Ö. bcfonbcro ^croor^u^ebcn. ferner beanU BWttrt 3o^n bic Ara(^en: „^^^ roelcbem 3^itpw"f^ ^^ö 'i^crfa()reno nwjjen bie ^Umftänbc" bcö $ 2iy6 216). 2 behauptet locrDenV ^sn iwlicr Seife mu^ bie Gntfc^eibuncj barüber erfolc^en, ba^ bie be- fonöers oorgefef)enen Umftänbe für feftgefteüt ober für nid)t feftc^eftcUt cwitct werben? Söeiter ^ebt er fieroor, ba^ auo ben (?ntfci)cibungo= nrjnben ftets ^erDorge^en müfje, roeldier oon ben auf bie ^öcroeio* frage be^^üglid^en Örünben, welche eine ?Jreifprec^ung begrünben fönnen, im tonfreten gaUe ma^gebenb geroefen fei, foiüic bafe bic ^tprec^ung ailentol in Sei^ug auf bie jur 3(nflage gebrad)te Xljat molgc, unb nicmalö in $)ejug auf einen recf)tlid)cn Wefic^topunft, unter roelcben bie Hijat gebrad)t werbe, unb baft fie bie Slntlage er- fd)öpfen muffe. II. ^I^anblungen unb 9)lonograp^ieen. 1. 6eri4t0iierfaff««8. a) Sie 0erid)töt)crfaffung unb oufti;oern)altung fpftematifd) bearbeitet für bic orbent* licfcen öerid^tc beö preuftifdjen Staats unb für bao :Hcid}9* i^eric^t auf Wrunb ber 3(ei^ögefcfcgcbung, ber prcufufd)en ^cnbesgcfcftgcbung, foroie ber i^orfd)riften ber preu^ifd^en vanbesjufti^oerroaltung, nebft einer allgemeinen CSinleitung in bie neue 9leic^öpro,^eBgefe^gebung') I)at 'Jtintclcn neu Gearbeitet. ®aö nunmehr felbftänbige ®erf bilbete früf)er einen 2cil jeincr „Sgftematifd^en Darftellung beö gefamtcn neuen 'l>rojcprcd)to." in ber Ginfeitung be^anbelt i^erf. bic allgemeinen ikgriffe bco i^rojeffeö unb '^Sro.^e^rec^teo, ber ©eric^töbarfeit, ber .^uftänbigfcit unb ö« öeric^töftanbcö, femer bie 3}erf)anblungo= unb Unterfud)ungo= marime, bic Goentualmairimc, Sd)riftlid)feit unb 'iDJünblidifeit, rid)tcr= liebe ^^rojej^leitung unb 'i'arteibctrieb, Cffentlidjfeit unb >>cimlid)£cit öes 3?crfa{|ren5, freie Semeiomürbigung unb bcftimmte 3}en)ciorcgcln, ^icnnung ber 5Hecbtfpred)ung unb bcr^iuangovollftrccfung, !iUnn)aIto= ;n?anci. Cr gibt fobann eine fur^e Überfid}! über bic 'Ji>ro,^c^gefct5= Hebungen, welche in %^reufecn oor ben !J{cid)ojufti^cfct5cn galten, bc- 'Dritbt bie 'Vorarbeiten für bie :)ieid)öpro5C^gcfct3gcbung unb fül)rt cnblic^ bic in SJerbinbung mit ben :){eid)öjufti,^gcfc^cn im 'Kcic^c unb in '^Nreupen ergangenen ©efefte unb 'i^erorbnungcn, foiuic bic doix 'ftcufeen mit anberen 'i^unbeoftaaten abgefd)Ioffencn 'Verträge auf. Xic ^Sangcnen ■Biinifterialoerfügungcn aufui^äf)lcii uuirc \n lucitläufig Wefen, fic finb an ben geeigneten Stellen im Xcrtc benutt roorbcn. &iter befpricfet er bas Softem unb bic d)araftcrifti|d)cn CSigcntümlidi- fen ber ^^iro^efegefefcc unb fdilicfjid) bic 'Jlnmcnbung bcrfclbcn, D. l). v^dltniö bcrfclbcn ju bem früheren ')kid)o= unb X.'anbcopro5cftrcd)t, loioie 3um materiellen 3ioilred)te, bic ^cftimmung ber 'ik'fugniffc ber ■) 3iDcite 3lufl. ^abcrborn ec^öningf) issu. XIX u. 7:j8 3. 272 Sittcraturbcric^t. Sanbcäjuftijoerroaltung na6) Slcic^ö* unb Sanbcörcc^t, bic Aufhebung prcufeifc^cr SJorfc^riftcn, bae pcrfönlic^c unb ^eitlic^c .©crrfc^aftöc^cbict bcr ^rojc^gcfc^c unb cnblic^ bcn ©cltungöbereic^ bct ^auptfä(^li(^ neben bcn neuen ^roje^gefe^en jur Stnrocnbung fommenben älteren für baä ^roje^red^t ju berüdfiditigenben ©efe^. — 2)er erftc 3lb« fc^nitt ift ben ©endeten geroibmet unb bezaubert im einjelnen 1. bie allgemeinen ©runbfäfce, 2. bie gerid^tlic^en Sc^örben (3lrten, Sift, Sejirfe, ßinric^tung ber ©eric^te, Staatöanroaltfd^aften, bcr ©ericfett* fd^reiberei, beä ©efretariats ber Staatöanroaltfci^aften, ber SRedinungs» reoiforen, @erid)töoolljie^er, Unterbeamten, ©efängniäbeamten), 3. bie fad^Iid^e 3w[tänbigfeit ber ©ericfete, Staatöanroaltfci^aften, ©eric^tö» fc^reiber unb ©ericl^täDoU|\ie^er, 4. bie Sefäfeigung unb 3)erufung \vi ben gerichtlichen Smtem, foroie bie JRed^te unb ^flicf)ten ber Beamten, 5. bie Suftijoenüaltung, inöbefonberc bic ^uftV^öufficfet, baö 'Eiä* jiplinar* unb baö 2)cfeftenoerfa^rcn, 6. SRe^ts^ilfe, foroo^I bie gegenfeitige ber ©eric^te im beutfcfeen Steic^c roie im i^er^ältnis jum äuölanb, inöbefonbere aud^ baö S?crfa^ren bef)uf<^ Grroirfung von 2ludlieferungen, 7. allgemeine ©runbfä|c über ben ©efc^äftobetrieb ber ©eric^tc: Cffentlicfjfeit, Si^ungöpolijei, 0erid;tofpracf)e, äefe^ung unb atbftimmung, befonbere 93efugniffe ber SSorfi^enben, ©crid)tä« ferien. — 2)cr jroeite 3lbfc^nitt feanbelt von ben Stcc^töauroältcn unb •)lotaren, beren Siedeten unb ^flid^ten, bem e^rengericf)tlic^cn bejro. ^iö.^iplinaroerfa^ren ufro. — S" einem 3ln^ang finb bie gefe^Iic^en Se[timmungen abgebructt, meiere fo fe^r xn^ cin^ielnc gefeen, bafe i^re ausfüfirlic^c SJcrarbeitung im 3^ejte unmöglich roar. 2)iefc Slnlagen bc;\icf)en fic^ auf folgenbe ©egenftänbe: I. 3tifö*nmcnftcttung ber Si^c ber prcu^ifc^en Dberlanbeögericf)te, Sanbgerid^tc, Smtogeric^tc, »Vlammem für öanbersfad^cn, bcr abgefonberten Straffammern unb ber SH^einfd^iffa^rtögerid^tc. — II. ©emeinfc^aftlicfee Verfügung beä 3ufti;\minifterö unb beä 3Rinifter^ bes ^""ern oom 15. September 1879 betreffenb bie Seftimmung ber Beamten, roefcfee öilfsbeamte ber Staatöanroaftfd^aft fmb nebft ben biefelbe ergän^cnben unb abänbem» ben Seftimmungen. — III. Süreauroefen. — IV. ©erid)töooUjiet)er=, ©ericf)t9biener» unb ©efängniörocfen. — V. Üßorbercitungö* unb '^rüfungoroefen. — VI. iilautionöioefen. — VII. 9t((gemeine ^Ncrfügung ber 39tinifter ber 3ufti5 unb für .^^anbel unb ©croerbe oom 2G. i^uli 1879 betreffenb bie gutacf)tlid^en 3?or)cfe(äge ^ur Gmennung ber .?>anbelöricf)ter, nebft ben biefelben abänbernben unb crgänjenben i>or* fcf)riften. — VIII. 2)ie SJorfc^riften betreffenb bie anberen 9ef)örbcn ^u mac^enben SRitteilungen. — IX. Jvonbowcfen. G5efdbäft9ücrfel)r mit ben ^Noftanftalten. — X. ©efe^e unb 3?erorbnungen betreffenb bie ben Seamten für I^ienftreifcn ju gen)äf)renben Tagegelber unb ^Keife* foftcn. — 2)en Sd^luß bilbct ein Slluettenregifter, auö bem f)erüor* ge^t, ba^, abgefel^en von ben ijswfti^gefeften felbft, gegen 900 öcfcöc, i>erorbnungen, 3>erfügungen ufro. verarbeitet roorben, unb ein au^j- füf}rlicl)eo Sad^regifter. 35aö Tigert fann als ein ebcnfo -^UDerläfügco, loic faft uncntbe^rlic^eö »oilfomittel für bie Orientierung auf bem etrafprojcB. 273 SeKete ber Ocrid^töocrfaffung im tocitcften Sinne beö 3Sorteo be« in^ntt loetben. b) 3n bcr 3)lc(f(enburgifc^en 3eitfd)rift für ^Ked)tö= pflege unb Slcc^töroiffcnfc^aft**) 6ejaf)t .^utf)cr bie J^rage: ©e= dören bic Sd^tiljcn in bcn 9Rc(fI.*£c^n)er. 3)omanial5 Dörfern ju bcn äSoIIftrccfungöbcamtcn im Sinne bes § 34 Sr. 6 bes ©cric^töoerfaffungsgefe^es? 5luf bie Ginjel^eiten ber fc|r ausführlichen unb grünblic^en Ünterfuc^ung näf)er einjuge^en ift §ier unmöglich. c) Sem XXI. beutfc^en Suriftentagc ^t Don Stengel ein ©utaditen über bie ?fragc erftattct: 2Bie ift bic Slcc^töpflege in ben S(^u^gcbicten ju orbncn: a) für bic ßuropäer, b) für Die Gingcborcncn?'^) 6r gibt junäc^ft einen furjen Übcrblitf über bie ßinrid)tung ber Sec^tepflegc in ben beutfc^en S(^ti^gebieten unb befprid)t im Slnfc^Iuffc baran bie ©runbjüge bcr Drganifation ber ©eric^tsbarfeit nad) eng» Iiic^ein, franjöfifc^cm unb ^oBänbifc^em Äolonialrcc^tc. Sei ber ferneren Untcrfu^ung, nac^ roeldicn allgemeinen ©runbfä^en über- iaupt bie foloniale Slec^töpflcgc foroofil in be^ug auf bao formelle, wie bas materielle Stecht ju orbncn ift unb inioieroeit bie beutfd^c Scfeft^ebung bicfen 3(nforberungcn cntfprid)t, fommt Stengel ju folgenben örgebniffcn: ^I. SÖas bie Siegelung ber 9^ed)t9pfiege in ben beutfc^cn ©c^u^gcbictcn für bic Guropäer anlangt, fo ift bie im £c^u$gebictös®efc^e ent^altenbc Drbnung bes materiellen wie formellen Stec^tcs im allgemeinen beijubel)alten, mit ber "JJia^gabe jebo^, t>ai a) in bejug auf baö bürgerliche 'Kecl)t bic i^erorbnungci* geroalt beö Äaifcrö allmä^tic^ errocitert wirb; b) in 3^^^^* >üif in '2tTaffo(^en bie Stcoifion an baö iWeic^dgcric^t gegen bie .^roeitinftan^* litten Gntfc^cibungcn ber Sc^u^gebictsgericf^te für i^uläffig erflärt unt) ^a& Skrfa^rcn in bcr ^Kcoifionsinftanj burd) Haiferlic^e iNcrorbnung i^erectelt wirb. — II. äBas bie StecJ^tspflcge über bic Gingeborenen betrifft, fo ift eö üor allem notroenbig, bie ^Hecl)togen)of)nl}eiten unb Öebröuc^e bcr Gingeborenen in ben cinj^elnen Sc^ufcgebieten in ?;h5 t)erläffiger SSeife feft^uftcDen. ^m übrigen ift furo erfte bie ©eric^ts* bcrfeit über bic Gingeborenen möglicf)ft i^ren eignen Cbrig!eiten ju überlafjcn unb beutfc^cö 9tec!)t unb bcutfcf)e 3iecf)tfpred)ung erft nad) unb noc^ auf fic auöjube^nen". d) 5)aö ©cric^tsroefen bcö beutfcften Steic^es be^anbelt Sabanb in feinem Staatsrecht.'' ^) 3)ie 2)arftellung n)eid)t in feinem roefent' Vitien fünfte t>on ber erften 3luflage ab, nur finb eine i?ln?ial)l meift polemifc^er 3(nmcrfungcn l)injugefommen, in benen bic en)or3u^cben ") «b. VIII e. 195-215. ') «erfianbl. (1890) 8b. I 3 55-96. ^') 3»eite umgearbeitete 2lufl. Sreiburg i. «., J. IS. Ö. 3Wof)r. 1890, *^. n c. 320—496. 3eitf(itift f. b. flcf. etrofrci^t««. XI. 18 274 Sittcraturfccrid^t. ift, ba^ Sabanb fic^ jefet auöfü^rlic^cr (£. 345 f.) über bas 9?^ F|ältmö von ^xmU unb Strafprozeß verbreitet als in ber erften 3(i läge. Snt übrigen fann auf bie Sefprec^ung biefer in Z III 519 b 521 ^ingeroiefen werben. 3leu Iiinjugefommen ift ein, weiter unt( ju befpred^enber %^ara(^rap^ über bas ^Hec^t ber !öe(^nabigun(^. 2. ^tUnnq^thxtt it» Sefe^ea. a) Xu Immunität be ^BJitglieber gefefegebenber 3JerfammIungen roirb von ^ul in einem 2c^hißarti!el im 9lrc^io für öffentIid)eo ^Hed)t") bc ^anbelt. Gr befpric^t fui^ ben 9led)t93uftanb in ^ranfreid), ben 2?cr einigten Staaten, ber Sdftioeij, £)fterreid)s Ungarn, be ■i)lieberlanben, Sdjroeben, ^lorroegen, ßnglanb unb'öelgieT 3(iif bie Gin}e(f)eiten ber oerbienftlic^en 3wf<^"^^^"ftfßwng ein5ugc[)c geftattet ^ier ber ""Jianm nic^t. b) 3)aö perfönlic^e .?>errfc^aftögebiet ber Strafprouf gefe^e fteUt o. Ärieö im Slrc^io für öffentliche^ :Med)t'-) ba i^erf. fuc^t 5iinäd)ft nadftjuroeifen, baf? bie geroö^nlidje 'Jinffaf^uni nad^ locld^er fi(| bie ©eric^töbarfeit beö ^"fonbe^ nur auf bie ii ^^nlanbe roeilenben ^erfonen erftredfe, unrichtig fei. Gr loiü oielmel bartf|un, „bap eine berartige Siefd^rönhing ber inlänbifd)en 6eric^ti barfeit nur bort beftcf)t, roo eö fid^ um britte %^erfonen banbelt, b in einem ^^JrojeB mitjuioirten t)aben (3eugen, Sac^oerftänbige, 3i I)aber oon Sachen, bie in 23efd)Iag genommen, t)on Siäumen, b burd)fucf)t werben foUen); ba^ bagegen wo bie Ginleitung einer Unte fud)ung unb bie Gr&ebung ber öffentlichen Mlage gegen einen 5^ fc^ulbigten in Setracbt fommt, prin:^ipiett gar feine Sdbranten beftel)ei bafe f)ier alfo ber 3"f^nber loie ber Stuolänber im 3"^i^"bc roie i: !^luö(anbe gleichmäßig in ^öetrad)t fommen". Gr roeift ^u bem ;^roec auf bie ^öeftimmungen beä geltenben 5tecf)teö I)in, welche nirgend eine foIcf)e Sefd^ränfung fannten, ja mitimter beutUc^ erfennen liefeei baß bao ©efe^ auc^ ein i^erfa^ren gegen ^erfonen, roelcbe ficb i: ^Uiölanbe aufhalten, für ^uläffig eract^te, ^. 33. §§ 40, 203, 318 fj 332, 470 ff. Zi.%£:. 5?ur fo^fei eö übrigeno mögli^, ben »eftin mungen beö St.®.93. in §§ 3 u. 4 gerecht .^u werben. 3" langeri grünblic^er %^oIemif roenbet er fiel) fobann nament(id) gegen vo ^Wartiti, roe^er bie JJerfoIgung eoentuell bie 3luö(iefenmg bare abl)ängig macf)en motte, baß ber Sluelänber im Jn^^nbe ergriffen f ober baofelbe roenigftenö betreten i;)abe, unb meift nach, baß cir folc^e 4kfcf)ränfung mit bem i5"^öltc ber bcftebenben ^luölicferung« Derträge im Söiberfpnicf) ftefee. — Äi^on ber :flegel nun, baß 33 fd)u(bigte in einem Strafoerfaf)ren oor beutfcben ©erid)ten atte ^>c fönen fci)Ied)t^in im ijnlanb roie im 3fuoIanb fein fönnten, gebe i eine Stcibe oon SUionabmen. X^aöin gehörten: 1. Sic fogenannten Grtcrritorialcn. Xie ^iftion, ba 1») ^öb. IV 3. 4or)— :>24, uai. z ix rm2 f. 1-) «D. V S. ;fc><-;jsi. etrafprojcfe. 275 biffc ^^erfoncn fo Bc^anbelt tocrbcn müßten, al^ ob fie aufterf)aI6 bc^ Stoatogcbietesi fic^ bcfänben, fei ebcnfo ücrroerfHd) roic unbrauchbar, ti ^Qnblc fic^ Diefmc^r nur um eine ftrafprojeffuale ßjemtion. i^erf. bf|pri(^t im cin.^elnen eingc^enb, bie 9te(^t9oer()äItniffe be^üc^lid): a) Des (J^efö unb 3Jiit(^lieber bcr bei bem beutfd)en ^)(eid)e bec^Iaubigten Uerfonen, bc^c^Ieic^en i^rer ^Samilienmitc^Iieber, beö ©efc^äftöperfonalä unD lolc^er Scbienfteten, roefc^e nicftt 2)eiitfd)e finb — b) ber au^'^ Ittnbifcben 3our»eräne — c) ber Äonfufn — clj anbrer ^erfonen, nieldie im Snianbe internationole ©efd^iäfte j^u erlebi^en ^aben (33e* )predmnc^ be^ Jettes Schnäbele) — e) ber ^Uerfonen, meiere auf (i)runD einer 3^uö^"^orlabunq auö bem Sluolanbe fid) nad) bem 3>"' lan^e begeben ^aben, gemö^ ben Seftimmuugen ber internationalen i^erträge. II. A)ie beutfd^en Souoeräne, bie im ganjen beutfc^en JHcicftc alö crimiert anjufe^en feien. III. Sie 5)litcilieber bcr lanbeö^errlicften Jyamilien unb ber fürftlic^en >yami(ie ^'oo^en^oHern, bie materiell gar nid)t unt) pro^effual nur eoentuett ejimiert feien. Xa^ biefe 'iWoilegierung, ioioeit fie beftef)t, fic^ auf bao ganje beutfd)e 'lieid) erftrecte, roeift r>. Ärieö in fe^r intereffanter 3luofüf)ning nacft, in roelc^er er bao pro.KIluale i^erJ^ältniö ber Sunbeoftaaten jum 3leirf) eingef)enb erörtert unb fic^ auc^ mit ber J^roge nac^ bem 33efteben beo (anbeo^ ierr(id)en Slbolitionsrediteä befcbäftigt. (ör oerneint biefelbe für baö ^eifeftrafrec^t, bejaf)t fie für bas ^^Jartifularftrafrec^t.) IV. Tie Stanbesfierren. V. Sie 'OJtitgüeber beö beutfd)en 9leid)ötageö. Die itTQoie ob ba§ ^^rioifegium, roeldjeä § 6 ß.ö. ^ur 3t.^.C für bie IRitglicber bcr gefe^gebenben ä^erfamm(ungen ber SJunbeoftaaten auf= tecit cr()ält, fic^ nur auf bcn betreffenben 33unbcöftaat ober auf gan^ 2em)d)[anb erftrerfe, beantwortet er im Sinne ber (enteren Süternatioe. VI. 3)ic ^^Jerfonen, loelc^e ben "iDlilitärs ober 3Jlarine= gericftten unterfte^cn, foroeit bies ber ^atl ift. c) Jm Slrc^ii) für praftifd)e 3led)ton)iffenfc^aft '-) füf)rt ßeinurling aus: !Daö in § 7 beo Ginfü(}rungögefe^co ^nm 6erid)töDerfaffung6gefetje aU unberül}rt be3eid)nete lan^ besgcfcftlic^e 9ted)t' auf 3lu«iträge (prioilegierter C^icric^tös jtonb in peinlichen ^^i^^i^) if* rei^sgcfetUicf) nur für bie »ctanbcöljerren" b. l). bie .^äupter ber ftanbcoI)errHd)en 5yomi(ien, aufrecht erl)a[ten; u)eitergcl}enbe lanbcogefeft* lic^e i^orfc^riften, inöbefonbere folc^e, roclcf^e jeneo i)(ed)t un!ie bej^ietjungeroeife ber^^it, roo ber ipanbelnbe feine aucft nac^ Seenbigung ber perfönlid)en 2f)ätigfeit nod) beftel^enbe, n)iUfürIid)e ,v>errfd)aft über bie tjon i^m gefegten Grfolgebebingiingen enbgühig rcriiert, bc* i^ie^ungoroeife biefe .ßcrrfc^aft nur burd) ein für bie 33ebeutung ber .H^anblung unb bie fubjeftioen mie objettiuen SSer^äftniffe unDerbältnio* mä^ig gro^eö Sraf tauf gebot roiebererlangen fönnte." Gr fül)rt fobann auö, t)a§ im St.ö.SB. bejüglid) biefee Segriffeö fein feftcr Sprach- gebraud) befte^c, ber für bie Seftimmung beö Crtö ber begangenen .^anblung irgcnb einen 3ln^alt gen)äl)rte. 1:a^ in biefer ?3e5icbung ein Unterfd)ieb j^mifcfeen Strafred)t unb Strafproje^rec^t j^u machen fei, leugnet ä>etf. 3la6) einer fur^^en Überfid)t über bie bogmcn^ gefc^id)tlid)e Gntroidlung feiner Jy^age unb einer iJarftedung unb i^e* urteifung ber oerfd^icbenen aufgeftettten 3(nfid)ten tommt '3d)neil>ler %xi ber 3lnna^me, baß es auf ben Crt ber I&ätigfeit antommc. Grftrccfe [id) bie 2(uofü^rungot^ätigfcit über mel)rere Crte, fo feien biefelben fämtlid) alo gleid^mertig anjufeljen. Gr befprid)t fobann weiter bie ^J^Üe ber Sege^ung im Sluölanbe, auf nid)tftaatlid)em, auf ftreitigem foroie auf einem ©renj^gebiete, foroie ben Tsdli, t>afj ber Crt ber 35ege()ung unbefannt geblieben fei. J^erner wirb unterfud)t ber Crt ber 53ege^ung bei UnterlaffungsbeKhen, bei foilbauernben, fortgefe^ten, geroerbos unb geroo^n^eitömä^igen i^erbred)en, ferner ber Ginpu^ ber Cffentliditeit unb 95>al)rneF)mbarfeit einer .nanblung auf ben Clrt ber Sege^ung eines 3^eli!tö, ber Crt beo l^erfucbeo, ber 2eilna^me, ber Crt ber 35egef)ung bei ^^refebeliften. Sd)(ieftlidi be- fpric^t ber SSerf äff er einige ranbeored)t[id)e i^orfd)riften: bie preuBifd)cn 'oerbote beö Spicieno in auöroärtigen Sottcrieen unb beö 3lbfd)Iufieö unb ber 3.NermittIung Don* 9luöroanberungöt)erträgcn burd) Slgcnten, roe[d)e feine Monjeffion befifeen. Gr fü^rt fobann bie Dom preujii= »*) Tübingen, guc« 1886. 80 8. etrafprojc^. 277 fcSen Cbcrtribunaf, roürttcmbcrqifd^en Dberlanbesc^eric^tc, baperi* itftcn Cber(anbcei(^cric^tc , babifd)cn Dber^ofgcric^te , ^effifc^en ÄafiQtionsIjofc, «Hamburger unb braunfd^rocigifc^cn Dbcrc^eric^tc in tiefer Jragc crc^anc^encn ßntfc^cibungcn in d)ronoIogifd;cr Drbnunc^ an unb gibt fc^Iicfelid) einige fe^r furjc Jiotijen über auolünt^ifc^eö b) 5)iit bcrfcfben JJragc ^at ficb o. 2ilientr}al '"») 6efd)äftigt. Gr fiibrt am, bafe man unter .s^anbhmg fon)o(}r bic Joanbhing im engeren Sinne wie bie .öanblung im weiteren Sinne, baö i)t\^i unter .'Cin.jujieftung Dc^i oorgcftettten ßrfolges oer[te^e, unb bafe ee be^^ialb nur folgerichtig fei, im Sinne ber Strafüerfolgung unter Drt ber «V^nbiung foroo^l ben Crt ju oerfte^en, wo fid) bie 2()ätigfeit gan,;^ cDer ,^um ieil abfpiefte, als auc^ ben, roo ber oorgefteUte Grfolg gan^ ober ;^um leil eingetreten ift. 3)a^ bamit eine 35ielf)eit ber ()iericfet6)tänbe ber begangenen §anblung einträte, fei lein roirlKc^er Übelftanb. 4. Parteien, a) 3n einem 3?ortrage: Sie Parteien im Strafproup "') roenbet fid^ «Öugo 'Bleper gegen bie ^ergebrad)te ^(uffQJfung \>t^ ftrafred)tlic^en Slnfiageprinj^ips. G^ fei burd)au9 un: tite, ben 2trafpro)^eft nac^ 2tnaIogie bes ^ioilprojelfes fonftruieren ^u motten, önmbfäfclid) richtig fei eä oielme^r, „fid) ben Strafe vmt\\, fofem er nic^t reiner Unterfuc^ungöproje^, fonbern mef)r ober weniger Stntlageproje^ fein fott, in eine breifadie I^ätigfeit au§cin= anbergelegt ^u benfen: in bie ftrafüerfolgenbe I^ätigfeit, bie burd) ben öffentlid)cn 3lnIIäger ober Staateanroalt geübt wirb, in bie oer= teibigenöe Xf)ätigfeit, welche normolerroeife ebenfalls Sacbe einecs flmtlitb befteliten i^erteibigerö ift, unb in bie entfd)eibenbe Jl)ätig!eit, roelc^e Dem öerid^te jufäHt, unb ed ift beina[}e felbftuerftänblid^, baji mir es in allen brei Regierungen mit ftaatlidjen Junftionen j^u tftun boben. ^n ii?abrf)eit ift alfo ber affufatorifd)e Strafproi^ep ein ^xo- v% roelt^en ber Staat mit fic^ felbft füfert, nic^t anbers, als wenn ;roet iienoaltungsgroeige miteinanbcr in @egnerfd)aft treten, wie bas üuf bem öebiete ber ajerwaltung unb bes ä^erwaltungsrecbts in inonnigfadjcr SÖeife ber %aü ift.'' Slus biefer 3(uffaffung jie&t S[}er* faüer roeitge^enbe Folgerungen für bas gange ^45roge^rcd)t. äi>as gu* ^öt^ft bie Stellung ber Staatsanwaltfc^aft angeljt, fo fei beren Il)ätig= Wt ein wefentlidier leil ber Strafrec^töpflege. örunbfä^Iic^ muffe beebalb ber Staatsanwalt ein ^Kitglieb bes @erid)ts fein, wogegen ber jeftigen Staatsanwattfcfeaft bie gefamte polizeiliche Iljätigfeit über* liefen werben tonne, jtic^tig fei bie I^urc^fülirung bes !^egalitäts* ^'') 3^er Crt ber begangenen .t'ianblung im «Strafrecöt. SWarburg lintxt 1H90. 3:13. (3.51. 3.258-284) aus: jcftgabcn ber juriftifc^en Safultät ju ^Harburg gur fünfjigjäfirigcn Jubelfeier ber Tioftor- ^'romotion Seiner (Sjcellenj bes (MroBl)cr5ogI. ^Kectlenburgifc^cn ^'irflic^en (55e^eimrat Öeorg as}ilf)clm SBe^ell. 3)?arburg, Crlracrt ^m 1^)3. ^'^) erlangen u. Scipgig, 91. 2)uc^ert Slac^f. 1889. 29 3. 278 Sittctüturbcrit^t. prin^ipcö, unrid)tig bagcgcn, ba^ bcr Staatöanioalt au6) bic ^nters cffen ber 3?ertcibigung ioal)mer)mcn foUe. Ungefunb fei awd) bic im öjtcrreici^ifd)cn -^Sro^effe gcfcftc^cne, oft als 3>orbilb gcpriefcnc 3luös bel^nung ber ^^rioathage, foUc eine «ttoutrole bee; Staatoannjolte«^ geüfct tücrben, )o fei bae bcutfcfee Sefd)n)erbefi)ftem vor5ii5icl)en, mir bürfc büsfelbe nid)t auf ben i^erle^ten bcfd)vänft roerbcn. dine ^kx- teibigung oon 3lmtö roegen muffe in allen /väüen ftattfinben unD jroar grwnbfä^fid) burc^ einen ricbterlidien 33eamten, neben bem man einen Sied^töanioalt als 35>a^(oerteibiger julaffen tonne. 3i^ao bie Stellung beö ©efd)ulbigten anlange, fo fei 5unäd)ft bie Unterfiid)iingo= l)aft roegen ÜoUufionögefafjr aufred)t ju er(}alten, ebcnfo bie (rnt- fc^eibung bes Werid)to über bie ^reilaffung gegen Maution. Un* gered)tfertigt fei eö, ba^ auc^ gefäljrlic^e Iverbrec^er in ber .v>aupt- üer^anbUmg ungefeffelt bleiben müßten, ungered)tfertigt femer, ban fic^ bie i*ernef)mung beö 33efd)ulbigten barauf befd)ränfen folle, ihm Welegenfjeit sur i^erteibigung j^u geben, eö fei im ^^ntereffe ber i^ial)r= Ijeitoermittelung ju fragen. SJe^üglid) beerfal)renö roerbe häufig mit llnred)t angenommen, baft baofelbe erft mit bem .'oauptt)erfal)ren beginne, oielme^r fei baö erftc ftrafrec^tlid)e 6infd)reiten entfdieibenb unb mit ben erften gerichtlichen £d)ritten merbe aud) baö '^>ro^cf;= recijtöüer^ältniö begrünbet. ?valfd) fei eo awd), bem Berichte auf;er ber Gntfdbcibung noc^ 3)Jitn)irfung bei ber Sammlung be<3 i^cuiei?»= ftoffeö ,su,^umuten, maö DoUftänbig überflüffig fei, fobalb XHnllage unb Syerteibigung oon gerid^tlicfjen Crganen gcf|anbl)abt roürbcn. 0»" einem fo georbneten S?erfa^ren lönne aud) tjon einer i>orunterfud)i:ng nid)t bie ?Hebe fein, mtr ein ftaatöanitjaltfd^aftlid^co Crrmittelungc* ©erfahren unter ftetiger 3)titn)irfung ber i^ertcibigung fönne ftattfinl>en. Saß über bie Stnflage nicijt bie StaatöanroaltfAaft felbftänbig ent* fc^eiben, fonbern bas ©erid^t nid)t nur bie ^^uläffigfcit berfelben prüfen, fonbern auc^ bie 3tnfloge änbeni lönne, fei folgerid)tig nur, wenn man bie 3lnflageerf)ebung alö gerid)t(id)e, eüentucll dou 9lmto wegen ausjuübenbe ^""'f^ion anfefjc. 2)iefelbe fei am beftcn nad) franjöfifcfiem SSorbilb einer von ber Straffammer getrennten 9(n!lage* fammer ju überroeifen. SKae bie /perbeifd)affiing ber t^eiDciemittel onlange, fo muffe für 3(n!lagc unb ik»rteibigung tl)atfdd)Iic6 gleiAeo 9lecf)t ^errfc^en, in beffen 9lu6übung freilieft beibe am beften unter baö 6rmeff»n beö ®ericf)tö ju ftetten feien. 3luf bie i^'nu^jung Der Seroeiömittet in ber ^auptoerl^anDlung fei ben '^.^irteien ein gemiffer Ginflup einzuräumen, in ber 5Jenu^ung ber Sled^tömittel müfeten fie üöllig gleic^geftedt werben, eine 33efcf)ränfung ju ungunftcn ber xHn* flöge fei in feiner 3Keife j^u recl)tfertigcn. 2^ie iNoUftrecfung enblid) werbe rid^tiger in bie .'Qänbe beö Weridjto alö in bie ber Staate^ anwaltfc^aft gelegt werben. Cine folcfte Sieform beo Strafpro^eitcö werbe awd) auf bie Arage ber Sd)wurgeric{)te il}ren (rinfluH üben. *?)eute fei eö eine j^war nu^lofe, aber begreiflid)e i>orfteUung, baj^ man i^ertreter ber bürgerlid)en ÖefeUfcl)aft beran^ielie, um in einem Streite ^lüifd^en bem Stoate unb einem 3lngeflagten nic^t wieberum Strafvro^cS. 279 ein ftaatli^cö Crgan cntfrf)cibcn ju (afjcn. SlUcrbingö fprad^cn ge* roicfttioic ©rünbc für bie ^Beteilit^unc^ von ^tic^tjuriftcn an ber Straf» recfttöpflec^e, aber baö eimici >Kid)ti(\e fei cö, beibc nid)t ju trennen, fonDcm in ber 3Scife jufammennjtrfcn ju laffen, roie baö aud^ jefet jd)on im Schöffengericht gefcf)e^e. b) Sn ben 33Iättern für 9tecf)t<5pflege inX^üringen unb 3(n^[t'') wirft Ünfenbart^ bie Jrage auf: 3ft eine ßntfciiei* t)ung unb welche? erforberlic^, roenn nad) eröffnetem öaupt* ücrfal)ren, aber nod) oor ber .'»^auptoerfianblung ber Straf* antra g unb insbefonbcre bie ^^rioattlage jurücf genommen loirbV (i'r beantwortet, nad) auefüf)rlic^er 3Jefprecf)ung ber ©rünbe für unb loibcr, biefe <^rage bal}in, ba^ eine Gntfc^eibung bes öerid^teä erforberlicb fei, burc^ meldje bie Ginftellung oerfügt loerbe, ba^ aber nid)t ein Urteil ^u erlaffen fei, fonbern baf; ein $)efc^(u^ ergel}e, of)ne bafi eine A>auptoer{|anbIung nötig wirb. r) Cn» einer Snöwgutalbiffertation •*') befcf)äftigt fic^ Äoeüner mit ber Arage: Äann bei 3)eliften, meldte nur auf 3lntrag »erfolgt loerben, ber 23efc^ulbigte bie ^öeftrafung burc| 5ierufung auf einen mit bem 3lntragfte(ler abgefc^toffenen 'ISrioatoergleic^ abroenben? Gr oerneint in ^olemif gegen Sc^roar.^c (öerid)tQfaal »anb XXV (1873) S. 256 ff.) unb o. S3ar ':Mrc^io für Strafrec^t 33anb XIX S. 641 ff.) bie /vrage, fomeit e« fid) um erl^ebung einer öffentlichen Älage l)anbett unb bejalit fic für bie >5rölle ber '^Jriüat!lage. d) 3tn 2lrc!)iü für Strafrecbt '•') bringt Simonfon Stubien ;um -^rioatflageoerfafjren. (Sr befd^äftigt fic^ j^unöc^ft mit bem Öegriffe ^öffentlid^eö Jintereffe" im Sinne bes § 416 St.^^.D. unb füljrt auö, ba^ es nicf)t richtig fei, voenn bie Staatöanmattfd^^aft ben* felben bal)in auffaffe, baö eo i\)x geftattet fei, bie Erhebung ber öffentlichen Älage auc^ bann abjule^nen, wenn bie amtlid^e iserfol» gung ber Straftf)at an fic^ wünfcf)enöwert wäre, aber bei berfelben eine (Trörtening oon ierfolgung aud) bann übcrnel)men, wenn fie bie /vreifprec^ung bes 3lnge£lagten ale im öffentlichen 5ntereffe liegenb erachtet, ^a fie müfje baö tl)un, wenn fie baoon auögel)e, »■) 51. 3. «b. XVn (5öb. XXXVII) 3. iaj-ii*2. . 1^) »erben, eöm äJucftbrudcrei 18Si». !(< e. 1^) ^b. XXXVIII 3. 145-ir)7. 280 Sittcraturbcric^t. bap bcr Stugcflagtc ]\d) burd^ bic fonfrete «^anblunj^ eincQ von 9tmt^ roegcn ,^u oerfolgcnben SJelütco fc^iilbig c^ctnadjt ^abc, rocil bic Über* na^mc i()rcr|eitä bcr einzige 3Beg fei, bic anbre Straftfjat ?iur Sennt= nis beö crfcnnenben 0crid)to ?iu bringen. — Jycrncr bejaht er bie Aragc: Äann im ^NrioatfIageoerfaf)rcn oor Grbffnung bcö ^auptocrfal)rcnö bic 33ccibigung eineö 3^ugen als 3)tittel 5ur Herbeiführung einer roal^rlieitägemä^cn 9(uöfagc er= jfolgcn^ mit auöfü^rUcfter Segrünbung. e) 3n einem 9luffa|c über bic'Jlebcnflagc,**) meieren er felbft alö einen 9lad)trag 5U ber im öeridjtsfaal früher OBanb XXXV S. 271 ff. Dgl. Z IV 153 f.) erfd)iencncn Slb^anblung bei^eidftnet, roenbet fic^ Stenglein gegen bic ■3d)rift oon Oppenheim über bic 5tebentlagc (tjgl. Z IX 571 f.), inobefcnbcre gegen bas Serlangen, bie 9lebenf(age ale !Wed)töbe^eIf für jebermann ober bod) für alle Serlc^ten ju geftatten. SBcnn Oppenheim meine, baö roerbe einen Grfaö ab^eb^n für bie ^opularflage, bie man nun einmal nic^t cin= fül)ren fönne unb bürfe, fo fei bad '-^erlangen nad) einer foId)en Ginrid)tung feineeioego fo roo^I begrünbet, ba| man nad) einem ßr= fafce .^u fud^en SJcranlaffung babe. 3Benn aber Oppenheim glaube, bie 9iebenHage roerbe in biefcm Umfange a(ö 'iBRittel jur Sontrole ber Staat^ianroaltfci^aft nüfclid) fein, fo Hege barin ein ebenfo roeit ücrbrcitete^ roie ungercc^tfertigtcß "SKifttraucn gegen bie Staatoanroalt^ fd)aft unb gegen bic Slegicrung überhaupt, ber man, fallo fic ernftücb il)rc 53Jad)t mipbraud^en rooUte, mit folc^en 5)Jitte[n bod) nic^t bei= ^ufommen oermöge. Überhaupt ^abc ftd^ bie Ülicbennagc ^öd)fteno alö SRittcI bcr Sufeeforberung, fonft aber gar nic^t beroä^rt, nament- lid) auf Wrunb bes § 170 St.^.C. fomme fic überhaupt faft gar nid)t üor. 3)ennoc^ märe eine 3tu9be[)nung bcr ^rioats unb hieben* Hage fe()r loo^l möglid^, ober nur bei geringfügigen 'Seliften .^ur Gntlaftung bcr Staat^ionroaltfc^aft unter g(eicb$eitiger Jöefeitigung bco Segaütätöprinjipö für fofc^c gälle. — 3Bao baa 3öcfen ber 'Dteben« flage anlange, fo fei biefelbe nid^t alö eine roirflic^e Äloge aur^u= faffen, fonbern ah ein cigcntümlid^eö 3»^^ftitut/ beffen iröger nur biejcnigen ::)iec^te f)abe, tocI^c baö Wcfefc i^m beilege. Jnöbefonberc ^abe ber -Jicbenfläger roeber baö 3led)t, eine felbftänbigc 9ln!lagc- fc^rift einzureichen, nod^ baö 3ied)t, 9BieberaufnaI)me beö '-yerfal)renö ju beantragen. 3. Unterfn^tttigdliaft. a) Stuf ber am 3. biö 6. September 1889 Jüu Jyreiburg i. 95 r. abgcl}altenen SJcrfammlung beö 9? er ein ö ber bcutfcben Strafanftaltobeamten rourbe u. a. and) folgenbe /trage be^anbelt: 3)ürfen nac^ ben bcfte^cnbcn Seftimmungen Unterfuc^ungögefangene, rodeten bie freiioinigc Scteilis gung bei ben in ber 9lnftalt eingeführten 9trbeiten ge- ftattet wirb, ^infid^tlid^ ber 5Bemeffung ber xHrbeitö* aufgäbe unb ber an bic Stid^tleiftung bcr Stufgabe ge- ■-^) (3eric^tSfaaI ob. XLII e, 161-174. Straf projcft. 281 fnüpftcn folgen Cöcftrafunc^) cbcnfo be^anbclt werben, wie StraföefangeneV 60 lachen junäcf)ft jroei fcbriftlicfec &uU achten por, cino von Stellmacher*-') unb eino pou .vlrell.--) Stcllmad^er fü^rt auo, ba^ § 116 St.^.C. bie ein^icjc gc= fe^Iidjc örunblage für bie 23cantn)ortting biefer Aragc bilbe urit> Dafe man auf ©runb berfelbcn ju folgenbcn ßrgebnijfen tommen müjic: ^3)cm Unterfiicftungogefangenen, bcr fid) freiroiUig an bcn in bcr änftalt eingefüfirten Strbeiten beteiligt, fann, wenn ber iHic^ter nic^t ein anbere(J. 2-; ebb. 3. 34« - :i:»8. 2S2 Sittcraturbcric^t. unb für Dlic^terreic^ung bcöfelben bcftraft werben fönnen. — Sic bc- auftraf^t i^ren atuofc^up, bie erforberlic^eu Sd)ritte ju t()un, bamit bicfe ^JDtüjirec^el als ju ^Hed)t beftef)enb burcftcjefü^rt toerbeu fonn." Ter (rrn)äc^u"9 ber i^erfammhmoi lüill Alrell fd)ltcfelid) an[)eimueUen: „ob eö nid)t i^ioedmäBtc^ wäre, biefelbc 3)cfd)ränfunc^ auc^ ben rüd= fälligen i^erbrec^crn überhaupt, befonbero ntn öenjo^nl)citot)crbred;evn, üufjuerlegen. ;o>n ber iNorjammlunc^ felbft erftattete Cppen{)eim über biefc Ärac^e einen ^^eric^t, an n)eld)en fid^ eine lanciere ä}erf)anb(un(n an- Oppenheim führte au^, ba^ bie Crbnung in ben öefaniiniiicu eine anbrc fein müf}e für bie Unterfucftungoc^efangenen unl> für l»ic Strafgefangenen, beof)aIb fönne bie xHnroenbung eineö ax\6) nod) fo befd^ränften Strbeitöjroangeö gegenüber ben crften nidit mit Senifinui auf bie (Öefängniobioi\ipHn gerechtfertigt werben. 'iCie Za&iC liege üielnte^r fo, baf, eine freiwillige Jöeteiligung an ber '^trbeit mit ber öefängniöuenoaltung einen 2?ertrag barftelle, ber fic^ and) auf ^io f>'öi)t beö täglichen ^Jlrbeitopenfumö erftrecfe, »on bcm aber ber Unter= fud)ungögefangenc jebeneit jurüdtreten tonne, ohne wegen '}iid)tleiftung bes übernommenen ^^enfumö biö.^iplinariter beftraft werben .;u fönnen. Samit ftimmc auc^ ber 3{ed)t0,3iuftanb ber 35unbeoftaaten, über bie £ppen^e im eine furje Überfielt gibt, überein. Oppenheim fc^lient fid) ben oom Sluefd^uffe aufgeftcllten ^befen-*) an, welche fo(genber= mapen lauten: „I. '3iac^ ben geltenden ?^eftimmungen ift bie "J^c^ meifung einer beftimmten Jfrbeitöaufgabe für bie an ben Oiefängnios arbeiten fid) beteiligenben Unterfudiungegefangenen febr wol)l ?iuldffig. — 3lllein bie 5?erl}ängung oon TiQ5iplinarftrafen über bie eine fold)e 3(ufgabe nid)t leiftenben llnterfucl)ungegefangenen würbe mit bem § 116 ber beutfcben St.'iJS.C. nidjt in feinflang fteben. — II. on ßrwägung, ba^ eine geeignete Sefd^äftigung für bie förperliclje unb geiftige ®efunbl)eit ber Unterfuc!)ungögefangenen erforberlicb ift, foll barauf ^'"9^"^^^ werben, baft bie Oicfeftgebung eine Sefcftäftigung ber Unterfuc^ungsgefangenen nacb "BJa^gabe ber folgenben ©efidjto* puntte für obligatorifcb erflärt: 1. '^eber llnterfud)ungögefangene foll \\ö) auf feine Soften eine mit bem ^wecf ber öaft unb ber Crbnung im OJefdngnio in Ginflang befinblid^e unb feinen Stanb, feiner Silbung, feinem Gewerbe ober 95eruf entfprecbenbe SBefd)äftigung üer= fcbaffen bürfen. 2. Jinfoweit er bieö nid)t will ober fann, ift ihm oon feiten ber ©efängniöüerwaltung ein mäftigeö '^Senfum geeigneter Slrbeit .^ujuweifen. 3. ^^Jerfonen, welche )\d) wegen einer ber im 5i 361 S. 3 — 8 bee Strafgefeftbud)eö aufgeführten Übertretung in Unterfuchungohaft befinben, bürfen ;^u ben im Wefdngniö eingeführten ") ebb. ?^b. XXV 3onbcrI)cft L 3 2<-(j\ Xix 'ScvidM ift autii ale 3.^X. crfchiencn: Siit l'chre oon ber llnterfiidiung'&hi»^^- ocibclberg, 'iiH'in is^l). 2Ü3. -*J i'lgl. auö) ebb. 3. '±2H f. 6trafpro5c6. 283 arbeiten angehalten toerben. 4. Sie Unterfu(^ung<>9cfangenen fmb eüentucU burcfe Siöjiplinarftrafen ju ber t)on x\)mn cieroä^Itcn ober i^nen zugeteilten ätrbeit an^u^olten." 3n ber ®ebotte trat j^unäd^ft ©treng bafür ein, ba^ eö im Sntcrcfle ber Drbnung unb 'Siö^iplin im ©cfänt^nie oft notmenbig fei, bie Unterfuc^ungögefangencn gur 3lr6eit anj^ufjalten, foiool^l bie bäufic^, j. S. in Jpamburoi oor ffiei^nac^ten maffen^aft, eingelieferten 3>Qgabunben, um fie überhaupt ju jügeln, alö audft bie mit Straf* gefangeneu jufammenfi^enbcn Unterfuc^ungägefangenen , meil baö Jauttenjen ber erfteren auf bie le^teren in fc^Ied^ter SSeife einmirfen roürbe. — üonberöolt^ roeift barauf ij'm, baft, roie eö aud) ber 'Urariö in GlfapsSot^ringen entfpred^e, 3)iöjipKnarftrafen auc^ of)ne SUtroirfung bee Unterfud^ungöric^terö oerf)ängt werben fönnten, roenn fid) ein (befangener ungehörig betrage. 2)a§ fei aber auc^ bann ber Aall. wenn er allzuoft bie i^m jugeroiefcne 3(rbeit roed^feln rooUtc. — i^üing fteUt fic^ Dottfommen auf ben Stanbpunft oon Ar eil unb beantragt befjen erfte 2^efe folgenbermaßen ju faffen: „^\t Unter* fucftungögefangenen, bcnen auf i^ren 2lntrag bie freiwillige Beteiligung an ben in ber Stnftalt eingefül)rten arbeiten geftattet ift, biirfen bei fc^ulbbarer 9iicl^tleiftimg ber Slrbeit nic^t mit T^iöjiplinarftrafen belegt, fonbern wenn fie ben für bie Slrbeit getroffenen 2lnorbnungen be<:> WefängniöDorftanbeä juwiber^anbeln, nur burc^ Gntjie^ung ber Slrbeit beftraft werben.'' — t)on S^g^^nönn glaubt, baft eis, ben in 33aben gcltenben gefeilteren Seftimmungen entfpred^enb, geftattet fei, um ber Crbnung willen, auc^ ben Unterfud^ungeigefangenen j^ur 9lrbeit auo* juftalten. Gö gefd^efie baä regelmäßig nur bei ^erfonen, beren 2^uH> im ÜJioment ber Grgreifung feftfte^t unb welche ju ben im §361 3. 3—8 Stö.S. be|^eid)neten gehören, ^ns^cfonbere fönnten "iJJerfonen, welche an^ öffentlichen 3)?itteln unterftüfct würben, fcfton au^ armenrec^tlic^en ©rünben oon Staats wegen befd)äftigt werben, (rr beantragt bie Stuöfc^ußtliefe I ju teilen unb fo ju faffen: ,,9iarf) ben geltenden Seftimmungen ift ber 3w,^wg ber Unterfuc^ungös gefangenen j^u ben in ber Strafanftalt eingefülirten 3lrbeiten juläffig, wenn bie Stufrec^terfialtung ber Drbnung im öcfängniffe bieö burd)* auö üerlangt. — Jvemer ift bie Semeffung einer beftimmten arbeite« aufgäbe für bie an bem im ©efängniö eingefüf)rtcn Slrbeitabetrieb fid) freiwillig beteiligenben Unterfudftungsgefangenen .^uläffig." 9)lit 2lbf. 2 ber erften 3luöfd)ußt^efe ift er nid)t einoerftanben, er f erlägt oor ,^u fagen: „25}em bie Seiftung ber Wefängniöarbeit obligatorifd) zugefallen ift, ober wer ftc^ ber ©efängniöarbeit freiwillig angcfc^loffen ^at, ift aucfe ben 'iEiftjiptinarftrafen oerfallen, foweit er bie gegebenen Se* ftimmungen babei oerle^t." — S troff er glaubt de lege lata fid) unbebingt für bie .Srellfd)en S^^efen auöfpred)en j^u muffen. — Cppen^eim fü^rt auö, baß bie ^Ijefen beö 5luöf(i)uffeo mit ben pon Streng, oon S^gemann unb oon ber C)ol§ geäußerten 9ln* fiepten nic^t im SQBiberfpruc^ ftünbcn. Xie Slbftimmung bejog fic^ nur auf ben S^^ö"* »on S^efe I "284: Sittcratur berieft. beö 9luöfd;uf)eö, angenommen lüiirbe ^^Igenbeö:") „1. 5tac^ bcn geftenben 3)eitimmungen ift ber Sujufl ber Unterfud)ung§gefangenen jum 2lr6eitö6etrieb ijiuläifig, wenn es bie 5Uifrec^ter^aItunc\ ber Crt)= nung im Wefängniö unbcbingt crl^eifd^t. — 2. ferner ift bie 33c= mefiung einer bestimmten Strbeitsaiifgabe für bie an ben im ©efänc;ni^ eingeführten Slrbeiten fid^ freiwillig beteiligenben Unterfud)ung9* gefangenen juläffig. — 35iefe 'iJJerfonen fönnen aber nur mit ßnt- jie^iing ber 5Irbeit beftraft lüerben." b) 3"t öeric^tofaaP^) weift Stamme barauf l^in, roie fd)roans fenb bie ^rajiö in ber .^anbbabung beö Segriffes ^^.^eimatlofcr*^ im 3inne ber §§ 112 unb 113 St.^^.b. fei, Ünb in ber l:I)at fönnc il)r barauö fein 2?orrourf gemad)t werben, ba offenbar ber OJefe^gcber felbft eine flare SJorftcUung oon bem, waö er fid) unter einem .^cimat^ lofen bad)te, nid)t gehabt I)abe. 3)aö 0efe§ ftede ben .HSeimatlofen mit bem Janbftrcid^er unb bem Sfegitimationölofen jufammen, natur- gemäß in ber 3lbfid)t, bie ^erfonentlaffen ju bejeic^nen, weld)e regel« mäßig vermöge iljrer unaufgeflärten iU'r()ä(tniffe ober if)rer '3^eigung ber iJerfud)ung ausgefegt finb, i^re Strafverfolgung ^u erfd)weren. Tiefe ^^räfumtion treffe aber bejüglicö beo öeimatlofen nic^t .^u, wenn man ben i^cgriff ber öeimat mit bem beö Öeburtöoneö ober £}of)n* fi^e^ gleid)fteUen wollte. 2)enn bie 2:l)atfac^e, baß jemanb einen be« fanntcn Geburtsort nid)t l)abe, begrünbe an fic^ ben ä5crbad)t ber 5luc^tgefal}r teineowegs, anberfeit^i fönne aber jemanb auc^ einen beftimmten 33of)nfi§ nid^t f)aben, wie 5. 3J. ein penfionierter Sicamtcr, ber fid) erft einen 9licberIaffungöort fud^e, ober ein großer Ü'eil ber conunis voya^eurs ober ber fluftuiercnben MrbeiterbeDölfeiiing, o^ne baß if)n beo^ialb irgenb ein 5)tafel treffen bürfe. 2)as CUeic^e gelte Don ber Crtöangeljörigfeit, ber Staatöangel)örigteit ober bem »yScimatos redete im Sinne bes Unterftü^ungswo^nfi^es. 1)amit aber feien bie '^e.^ief}ungen erfd)öpft, in benen ber Segriff ber öeimat in unferer 3ted)töfprac^e oorfomme. Gs werbe besl)atb 5lufgabe einer fünftigen Uteoifion ber St/^J-C. fein, ben ebenfo überflüffigen, wie unter lim= ftänben gefäf)rlid)en Ülusbrucf ^.v^eimatlofer" am bem § 112 ju ent- fernen. 6. fBeWagtialime. Tie Sefc^Iagnal^me bee Sermögeno (annotatio bonorum) im l)eutigen Strafrecftt beljanDelt 3^elius im 2trd)io für Strafrec^t.'-^) CSr ß\)lt junäc^ft bie 5Irten besfelben auf, unb erörtert fobann bie allen 31rten gemeinfamen Wrunbfä^e. 3"^ einj^elnen bcfprid)t er ferner bie Sefd)lagnaf)me als Sid^enmgomitiel für bie SJollftrerfung beö Urteils C§§ 325, 32G, 480 St.UC," § 140 St.ö.S,), als * WefteUungsmittei (5^§ 332, 3.^.3 St.^^J.C), fowie enblic^ bie S3cfd)lagna^me gemäß § 93 St.C^J.S. — IHuf bie ßin5en)eiten ber 2^arftellung einjugeljen ift unmöglid). 2'') ^:Bal. auä) ebb. e. 242. -■•j ^b. XLlll e. IJU— 204: ^cr .C^cimatlofc in ber ^.3t.?t.C. ''') ^D. XXXVJI 3. 117-l:J0. Strafprozeß. 28.3 7. Vr0t0t0B. a) S)ie ^rotofollfüljrunci über bie .C;>aupt* Dcrl)anblunc^ in Straff ad)en'-'*) bcfpridjt .H>acntfd){e. -liacb einet lurjen Cinleitunt^ über bie a(I(\emeinen an ein ^^rotofoH ^u fteUcnbcn ^Inforberunqen, gibt er einen .Kommentar ,^u bcn §§ 271 bis 273, unb bruc!t bie §§ 225—282, 235—249, 50—81, 83, 85, 250—261, 264, 265, 267, 260, 270, 276—317, 211, 477, 478 3t.i\C., 177—180, 181, 184, 1^^5 &.3^.&., fcroie bie in benfelben angebogenen anberen Seftimmiingen ber ^roje^gefc^e ah unter ge« (cgentlid^em «t^inroeiö barauf, roaö auf Wrunb ber betrcffenben 35or= jArift in bao ^^rotofoll auf-^une^men ift. b) Soö %Uotofon im öfterreic^ifd^en Strafprojeffe. 'I^corctifd) = praftifd)e 3(nlettung jur ^rotoIoIIfüi)rung im Strafprojeffe üon Seefelb ift in i^mciter oerbefferter unb oer* meiner Sluflage erfc^ienen.'-'*) Xk mxic 9Iuf{age unterfd)eibet fid) Don ber crften (ogl. Z VI 759) j^auptfäc^fid^ baburcft, ba^ in einem ain^angc eine $)eifpielfammlung l^inj^ugefommen ift. Cbroo^I bie Schrift im roefentKÄen fid^ auf bie öfterrcid[)ifd)e St.'ip.C befd)ränft, ift bocfe Don bem ÜBerfaffcr bie beutfd)C Sitteratur auogiebig benu^t roorbcn. 3(ud^ fe^It es nid;t an .^Mnroeifen auf baö beutfd)e 3kd)t, fo bafe auc^ für ben bcutfd)en Sunftcn bie 3trbeit Seefelbö ah eine roertDoUc erfd^eint. 8. %ctDri0. a. S)cr Seroetö beö 9lcd)tö im Strafverfahren wirb oon Stenglcin im ©erid)töfaaP^^ erörtert. Gr fommt babci ju bem Grgebniffe: ,,baf? eö über gefd)riebencö 3iec^t nic^t mof)l ;;u einem Seroeisuerfa^ren fommen fann, mol}! aber über ©en)0^nl)eito= rcc^t, bafe bagegen in bciben fällen bem SHic^ter obliegt, fic^ über baa 93efte^cn bes Sled^tes unb beffen Äonfequenjen für ben ;^u ent= fc^eibcnbcn JRec^töfall j^u informieren, ba^ alfo weber bie 6rfunbi= gungcn über baö gcfc^riebene 9led)t, nod^ bie 93cmeiQer()ebungen über raö 05en)oI)n^eitsred)t, iniofem überhaupt bie ^^artcien im Strafoer= fahren fic^ baran beteiligen, ben 6i)arafter einer biefcn oblicgenben Serociöpflic^t ^abcn fönnen, fonDcrn oom 65erid)te oon Ämtö megen cn.juorbnen finb unb nur jur Jsnformation beö 5Hid)terö bienen." ysm fd)njurgerid^tlic^en SSerfa^ren roerbe fic^ ber i^orfi^enbe in biefer 33e.3ie^ung eine 3(nfi^t ju bilben unb berfelben gemäj^ feine 3ledbtö= bclef)rung ju erteilen l)aben. 3!)a^ bie etwaigen Semeiöer^ebungen über bas Seftel)en eines ©emo^nf^eitsrediteo einen ganj anbern 6I)a= rafter Ratten alö bie Semeißer^ebungen über bie tl^atfäd)lid^en Seftanb* teile ber 3(n!lage ge^e fc^on barauö Ijeroor, bap tro§ be» § 300 St.^.C. ber 33orfi^enbe feiner Slufgabe, bie ©cfdimorenen über bie rechtlichen ©efic^töpunfte ju belef)ren, nic^t gerecfjt werben fönne, obne auf bie SEBürbigung ber hierauf be,uigHd)cn S3emcife einjugelien. 6ine iotclic 3lec^tsbelel)rung fei aber nadb geltenbem SRed)te feineöroegö bius -'') «erlin, 5Ubert 3laüd & (Eo. ISJK). IV u. 8() 3. ^) Sl^icn, .f>of- u. Staatebruder ci 1889. X u. 121 3. *) »b. XLIII 3. 284-298. 280 X^ittcruturbcric^t. bcnb uiib bcr 3>orfi$cnbc müffc cö ru^ig abroartcn, ob bic ©cfc^roomcn feiner Stutorität folgen ober nic^t. 3)qö iReic^ögeric^t i)abc [id) ju biefcr S^ogc nur in einem fur^ begrünbeten Urteile (IL '3. oom 5. 2lpril 1889 — 3fled)tfpr. IX 3. 231; ba()in geäußert: ^»©egen-- ftanb oon Seroeiser^ebungen finb t^atfttd)Iic^e SJorgänge unb iJuftänbe ber iJergangen^eit ober ©egenioart; ba^in gehört unter Umftänben nic^t nur auölänbifc^eö, fonbern and) inlänbifc^eä SRec^t, inforoeit eo auf ©eroo^nljdt unb i\)x etwa gleic^geftellten ä^nlic^en Sled^töquellcn berufet." 6ö fei nic^t flar, ob fic^ ber lejte Saj nur auf bao inlän- bifd)e ober au6) auf bas auelänbifc^e Stecht bejie^en foHe, jeboc^ fei le^tereö anjune^men, ba ber ©runb, ber gegen ben S3eiüeiö beo inlän= bifc^en gef^riebenen SRec^teö angefüljrt roerbe: bad §eftftel)en beofelben, aud; für baö gefc^riebene auSlänbifc^e ^ec^t i^utreffe. b. Über ben Segriff ber 5lotorietät fc^reibt im ©eric^tös faaP') ein ungenannter SJerfaffer (3.). SDerfelbe befämpft bie in einem Urteile beö JHeic^sgeric^ts (II. 3. oom 15. 'Jtooember 1887 — 3ted)t9fpr. IX 3. 610 CJntf^. XVI 3. 327) enthaltene 2^efinition: „ailö notorifd) fönnen alle 3^^atfac^en be5eic§net werben, welche fo attgemein befannt finb, ba^ fein oernünftiger ©runb, fie in 3^^«-*^^*^ 5U sieben, oor^anben ift, unb bal;in fönnen bann auc^ fold)e Xi)aU fad)en gerechnet loerben, loelc^e amtlich jur Äenntniö beö -Tlid^tero gefommen unb auc^ jur allgemeinen J^enntniö gelangt finb." Gr felbft fommt ju folgenben 6rgebniffen: „1) 2)er SJegriff ber ©eric^to* funbigfeit ift burc^ ben fflortfinn 3u beengt unb, meil "äRipoerftäub^ niffen auögefe^t, nic^t geeignet, ben Segriff ber 'Jtotorietät alö gleic^= bebeutenb ^u erfe^en ; — 2) Unter oerfc^iebenen Kategorien notorifd)er I^atfac^en fann nac§ Segriff unb Scljanblung nic^t unter)cf)ieben werben ; — 3) 'Jlotorifc^e I^atfac^en finb nic^t geeignet, jum @egen= ftanb ber Serf;anblung innerfjalb ber Ajauptoerf^anblung gemacht ;u werben, unb 5mar loeber im 2öege ber Semeißfü^rung noc^ ber Sio= fuffion; — 4) Sebürfen %f)at]a6)cn beö Semeifeö ober fönnen fie beftritten werben, oi)nc baf; ein ffiiberfpruc^ alö unoernünftig bejeid^^ net werben mu^, fo finb biefelben nic^t notorifc^." 9. ftlQQcitnbernitQ. 9JJit ber^rage: 3öa^ will ber § 2G4 ber 3trafpro5eporbnungV befd)äftigt fic^ 3JJeweö im Slrc^io für 3trafre(^t.^-) Qx fü^rt junäd^ft im allgemeinen auö, baB berfelbc baju beftimmt fei ben illngetlagten oor Überrafc^ungen burd) ben Urteilöfprud; 3u fiebern, ^m einzelnen Ijebt er unter gelegentlidber "^Jolemif gegen abweiddenbe (Sntfd^eibungen beö 'Reicftögeri^tö I}erüor: 3)er .V)inweiö auf ben oeränberten red)tlic^en ©efid)topunft muß ge = fc^el)en fobalb auc^ nur bie 9)löglic^feit einer ftlageänberung gegeben fei. ßnbet bagegen bie §auptoer^anblung anberö alö mit Verurteilung, fo l)abe ber 3lngetlagte niemals ein 9led)t ben S 204 anzurufen. 2)ap bei einer burd; bie 5}eränberung beo rec^tlidjen ©efic^töpuntteo •■*») i>. XXXVIII 3. iU-lli». etrafprosc^. 287 bcbtngten äSertagung bcr ^auptoerl^anblung^ bie aud anbcrn @rünbcn ald ^um ^xücd einer Serocisaufna^me Qc\6)e\^c, in rod(i)cx aber bic 6r- ^ung be§ Scnjcifeä einen erneuten .^inroeiä enthalte, ein folc^er in jcber bei fpätcrn Ser^anblungcn erforbcrlidd fei, l)abe baö SHeid^Sgcric^t balb bejaf)!^ balb verneint, ^m %a\l eineö Unjuftänbigfeitäbefdilui'ieö fomme § 264 bcm SBortlaute bes ®cfc$eö naö) ebcnfallö nid;t jur SCnrocnbung. — gerner erforberc § 264 einen Sefd^Iufe über bie ßröffnung beö ^auptücrfa^renö, bcr aber im gaU beö § 270 burc^ ben Unjuftänbigfeitsbefc^ru^, in bem beö § 211 burd^ ben in bie !ä5orIabung ober in bas Si^ungöprotofott aufjunef^menben Scrmcrf über ben 3^^^^^^ ^<^ ^on ber ©trafüerfolgungäbc^örbe erfpbenen 3(nfla(^e, bei ben befonberen 2lrten beä 35erfa^renö in 2lbfd)n. 1—3 bcö "8. VI St.^.D. burc^ Strafbefe^I, Strafücrfüc^ung ober ^traf^ bcf^eib erfe^t roerbe. 2Bo aber fein Gröffnungöbefci()Iu^ ergangen fei, ba lönne man jroar baä ganje SScrfa^ren anfe^tcn, n\(i)t aber § 264 anrocnben, roo^l aber, roenn ber ergangene an einer unf^eilbaren 3li6)' tigfeit leibe. SBeiter muffe in bem Gröffnungsbefc^luffe baä Strafe gcfe| b. ^. biejenigen gefe^Iidden i^orfc^riften be^^eidinet fein, in rocld^en bie -DZerfmale beö SJeliftö in einer fontreten ©eftaltung unb bie baffelbc betreffenben Strafanbro^ungen enthalten finb. Sei bas Strafgefe^ unoottftänbig angegeben, fo fei bao of}ne ^^^^if^I ^i"= ffufeloö, wenn fic^ bic UnooUftänbigfeit nur auf 9lebcnfolgen bcr 3Scr= urteilung bejie(|e, aber auc^ in anbcrn %äüen ijabe baö SRci^ögeric^t baö ©leiere angenommen, wenn bie SJerurteilung ni^t auö einem anbcrn rechtlichen ©eficijtöpunftc alä ben im Gröffnungsbefc^lu^ auf= geftellten erfolge. Sei baö StrafgcfeJ unrichtig angegeben, b. f). ftcljc ce mit ben gefefelicl)en 3Kerfmalen bcr formulierten 2^^at im ÜBibcr= fpruc^, fo fomme § 264 jur 3(nn)cnbung. 9lic^t fo, roenn ein Strafe gefcfe überhaupt nic^t angegeben fei, ba ber Slngcflagte alöbann bic aus ber Unoollftänbigfcit bcä 'Öefci)Iuffc6 für ii)n fic^ crgcbenbcn Siechte ^abe geltenb machen fönnen. — (Snblid; fei es erforbcrlicl) für bie änroenbbarleit beä § 264, ba^ ein anbreö Strafgcfcfe als baö im Gröffnungöbefc^lu^ bejeic^ncte angerocnbet morben fei. Unter Strafgefcfe oerfte^e bcr ©cfcftgcbcr ^icr bic unter einem ^l>aragrapl}cn ober in ber Plummer eines folc^en aufgcftcllte Strafnorm, fo ba^ bei Stnroenbung einer anbcrn 9lummcr ober eines anbcrn 'ilJaras grapsen bcr §inmeiä einjutreten ^abc. 93cfonbcrc Sc^micrigJEeitcn agäben fic^ bei ber 3i*f<^"^"^c"föfl"»^9 ücrfc^iebener ä5orfc^riftcn in einer @efe|csftelle. SJerfaffer fül)rt ^icr au^i , ba^ bie 3lcd)tfprcci^ung bes 3lcic^sgcric^ts feine gleichmäßige fei. SBeitcr \)cbt er entgegen einer reic^sgetic^tlic^cn Gntfddeibung fjcrtJor, ba^ § 264 feine 3tnmcn^ bung finbet, „wenn bur^ blo^c 93ernjcifung eines in bem Gröffnungs= befc^luffe ^croorge^obenen H^atbeftanbsmerfmalcs bem 3")ß^"mt*ntrcffen ber bejahten 3Kerfmale, unb ol|nc ba^ an bic Stelle ber verneinten ein anberes tritt, bcr 6§araftcr eineö ftrafbaren 2l)atbeftanbes nicl)t entzogen wirb." Stnbere fic^ bie Sad^lagc nur in fubjeftioer -iKic^tung, inbem 3. 8. ga^rläffigfcit ftatt 3Jorfa§ ober eine anbrc 2trt bcr 288 «ittcrahirbcric^t. Xcilnaljmc 5. 93. 3(nftiftung ftatt Sei^ilfc (nic^t jcboc^ auö) anbn Wxitcl bcr 3(nftiftung ober bcr 33ci^ilfc ufro.) angenommen merbc, fo muffe § 264 Stnmenbung finbcn. 5ltd)t icbodd and), wenn cö ftd um reale ober ibeale Äonfurrenj ^anbelc, obrool)! bas 9leid)ögerid)i anbrer 3lnfid^t fei. — § 264 3lbf. 2 feie oorauö: „bafe burc^ bi( ßrgebniffe ber i?)auptt)erl)anblung jl^atfad^en ermittelt mürben, vocld^K ,^ur S^'xt, alö ber ßröffnungöbcfd^Iu^ gefaxt morben, bem ©erid^ti unbcfannt gemefen unb bie ed ba^er bei ber Subsumtion ber ben* 3{ngetlagten ju Saft gelegten I^at unter baö Strafgefefe 5U berücf: fic^tigen nic^t in ber Sage gemefen." Sßeitere Sluöfü^rungcn folgen in einem Sc^lufjartitel. 10. UrtriL a, ^n ben $)eiträgen jur Erläuterung bcs beutfd^en Sled^tö'*^) fc^reibt 33rettner: Über bie entfc^eibenbc Ginmirfung ber i^ioilgeric^tlic^en unb ftrafgeric^tlic^en Urteile, ßr fü^rt aus, ba^ gegenüber ber früheren Slnfc^auumv na^ meld^er „le crimiiiel empörte le civil" bie beutfc^e '^^Jrojefjgefe^: gebung bie oöttige Unab^ängigfeit ber beiben 3trten beö 2>erfa^renc auögefprod)en f;abe. Sie ^abe jebod) nur ben jmingenben Ginffufi befeitigt unb geftatte aud) eine meitgeljenbe Serürffic^tigung bec friminellen Urteilö burc^ ben ^i^ilrid^ter unb umgefef^rt burd)auö, fofern biefelbe nur fac^Iic^ gerechtfertigt fei. 93inbenb fei bagegen aud^ freute uoc^ bie Gntfc^eibung bes einen Si^terö für ben anbent, fofern fie nid)t nur ein Stecht anerfennt fonbern baöfelbe gcrabesu fd)afft, roie bieö §. 33. bei 3^ei(ungör, 0ren.M'd)eibungöv ören.serneue- rungöv Gntmünbigung9=, StatuoHagen ber %aü fei. 2)aöfelbe gelte, menn bie i>orentfc^eibung für ben erfennenben 3Rici^ter bie Otatur einer 3)ebingung Ijobe^ fein Sprud^ von jenem Spruche abhängig gemad^t fei. So bie gcfd^e^ene Gljefdjeibung für bie 6ntfd[|eibung auö g§ 170, 172, 238 St.©.33. ober bie gefd^e^enc Sluf^ebung beö 3ioiI= urteilö im gall beö § 399 3 4 Zt%£. ^ür ben ^iDilrid^tcr fämen in biefer Sejieljung bie Steftitutionöfälle ber ^-^-P-^- "^ § ^■^•» 3. 1 — •'> in Setrac^t, baö barauf begüglic^e Mriminialurteil fei fomol)( für ben SRic^ter roie für bie Partei unanfed(|tbar. Sa^in gehöre aud) ber %aü, menn bie ©fjefc^eibung auf bie 00m anbern leil erlittene mfamierenbe S'^ci^^itöftrafe geftü^t roirb. 3^ro6 § 14 G.©. ^ur 3-1>-^- fei eine 9tac^prüfung über bie Slic^tigteit beä Äriminalurteilo uou 3lmts wegen ebenfo un^uläffig roie ber Ginroanb beö 33eflagten, er ^abe bae SSerbred^en nic^t begangen, ober bie S^ljat fei iljm nid)t anjured^nen. b) 3m 2trdf)io für Strafrcd;t^*) verneint u. A?unoroofi bie Aragc: Sinb bie Urteile ber Sd)öffengerid;te, roeld)e in normaler 3il>eife ergangen unb oerfünbct finb, unb be = ^üglid) roelc^er auc^ baö ^rotofoll über bie .'c»auptocrI)anb = **) .s^crausgegcbcn oonJHaffow) unb Mündel l><^i^ IV ^olgc 3iil)rg. III rl^t>. XXXllI. ber gan^u ^cif)c) 3. WJ— SU9.' ^*) m. XXXVII 2. :j:J:{ - :U2. etrafpro3c6. 289 lung gehörig aufgenommen unb t)om 3lmt9ricl(|ter unb @e- ri(^t5ftbrei6cr ooHi^ogen ift, fo ba^ eö and) bic Urteilo* formcl enthält — glcic^mo^l unbebingt nid)tig, mcnn bcr oorfi^cnbe 2lmtöric^tcr alöbalb nacft Slbfc^hip bcs ^roto* !olU oerftorben ift, bcoor er fcinerfcits im ftanbc mar, Die münbltc^ oerfünbeten UrtetUgrünbe gel)örtg nteber- ',ui>reiben unb ju t)oüjieI)en? (§§ 266, 275, 377^ 3t.^.D. ^S 2. 26, 30 ©."iB.Ö.)- SSerfaJIer fnüpft babei an einen praftifc^en M an, in welchem einer ber Schöffen bie Urteilögrünbe fc^riftUc^ firim unb unterfd&rieben ^attc. ßine^i ber lo in ber betreff enben citjung gefällten Urteile tarn in bie Serufungoinftanj unb mürbe aufgehoben, roeil ber Schöffe ju ber vorgenommenen ftanblung nid^t berec^tic^t geroefen fei, alfo t^atfäc^Iid^ ein Urteil ol^ne ©rünbe oor* ^e. i^erfaffer glaubt, ba^ eine folc^c ßntfd^eibung bem allgemeinen Sec^tsgefü^l roiberftrebe unb auc^ aus juriftifcften ©rünben unhaltbar )ei. lenn an fid) mären bie Schöffen fä^ig unb befugt, bei ber Sbfafiung ber Urteilsgrünbe mit.^uroirfen unb auc^ burc^au6 nic^t oon jebroeber fpäteren, bic .öauptoer^onblung ergänjenben 2^^ätig!eit Quegcfc^loffen, fo ba^ fie im 'JJotfallc auc^ bie nachträgliche ^Kebaftion Der Wrünbe an Stelle beö l^orfifeenbcn mo^l übcmel)men fönnten. ^uft ber entgcgengefe^ten ^luffajfung mürben fid), mie i^erfajfer im einzelnen nac^roeift, eine ganje iHei^e oon Un^uträglidjfeiten ergeben. Ik le^'i' ferenda empfehle es fic^ übrigenö gleicf)mol)l, im § 275 St.^.D. «Ott bes Sa^cs: ^2)er Unterfd^rift ber Schöffen bcbarf eo nic^t" als ^bf. 3 etroa folgenbeö einjufügen: ^2)ic Ö5rünbe ^u bcn fi^öffen» <ic Örünbe jcboc^ nid^i oor ber 3?erfünbung beo Urteils ausgearbeitet unb bcr 2(mtäric^ter roirb hieran barauf burdj lob ober auf anbre JÖeife ge^inbert, fo fmb oon bem an feine Stelle tretenben ^Ric^ter Die Selben Scf)öffen alsbalb ein.^^ubcrufen unb auf ®runb i^rcr 3ln* l^aben über bie ber Gntfd^eibung j^u örunbe liegenben 'ikfc^lüffc bie ßrünbc fcljriftlic^ auf^ufefeen unb oon ben Schöffen ^u untcrfd)reiben.'' 11. 3trQftirrfinii«0* a) 3m 'ilrcbio für Strafrecbt-'^) bejaht •V»ut^er bie fraget .Oat ber ^Kic^ter bie Ungüttigfeit einer Poli^ieilidjen Strafoerfügung in bem nac^ § 456 angeorb = neten befonberen i^erfabren ^u beacfiten? 2)ao >Heic^ogericftt ftabe biefelbe oemeint fU. III. 3. oom 2. 3"Ii 11^''> — ^Ked^tfpr. VII S. 462), menigftens für einen 2trafbc)d)eib, roao aber auf ba9= felbe l)inauölaufe, unb jmar auf!» bem Wrunbe, meil ber Strafbefc^eib nur ber XHn!Iagefcf)rift entfprec^e, auf roclc^er bao Urteil niemals be= ruben fönne. Xem fönnc nicl^t beigcpflid)tet merben, weil bie Straf« ocrfügung ( be^ie^ungsmcife bcr Strafbefc^eib) für bao fpätere gcrid)ts liebe 3?erfa^ren bic Öebeutung bes '^efcbluffeo über bic Gröffnung beo *■"•) «b. XXXVII e. 136 154. 3citf4nft f. b. flcf. Straf rci^t«». XI. 19 290 Sitteroturbenc^t ÖauptDcrfal^rcnö bcfi^c. Gbcnforocnig roie ein unj^ültigcr Gröffnunc^c befc^Iu^ !önne alfo eine unc^ültige SttafDerfü^ung bem nac^fol^enbe iSerfal^ren alo ©runblage bienen. 2)cr Stifter fei affo ^roeifello fo befugt roie ocrpflid^tet, bie betrcffenbe ©trafDerfü(\ung auf if)re tl^atfäddlid^en unb rcc^tKc^en Seftanb ^in ,^u prüfen. Tie erfte 2^o' ausfe^unc^, auf bie eö babei anfomme; fei bas t()atfäc^(id^e ^Isor^anbci fein ber Strafüerfüfuung, baä ^ei^t bie fc^riftlic^e ober ju 'IJrotofo erfolgte Seftimmung einer Strafe feitenö ber ^ofijeibc^örbe. ^crn( fömen als }sä\it, in benen eine Dor^anbene Strafoerfüoiunoi feine änfprud^ auf ©ültigfeit erl)eben fönne, fofgenbe in S)etrad)t: 1. Ui .t^uläffigfeit ber ^JJta^regel in bem betreffenben SJunbesftaatc. — 2. 31t roenbung auf SJerbre^en©:» ober SBerge^enö*t^atbeftönbe. — 3. 5lid&: bead^tung ber im § 453 3lbf. 3 St.^.D. gegebenen Sorfcftriften, rot bei ber SSerfaffer bie cinjelnen bort aufgeftellten Grforbernifie cin( Strafcerfügung baraufl^in prüft, inroiefern \l)x %^l)Un eine Ungültic feit ber äJerfügung felbft für baö rid^terlic^e SSerfa^ren ^erbeifül)rc roürbe. — 4. bie ^lid^tbeod^tung roefentlid^er Ianbeered|t(id)er ^iormei roeld^e fic^ auf ben Grla^ t)on Sirafoerfügungen bejiefien. — Segel mä^ig fei ed Sad^e ber Straflammer, bie ©ültigfeit ju prüfen un im Satte ber Ungültigfeit bie Ginftettung be« S8erfaf)renö burd) Urtci ,^u verfügen, jeboc^ fönne in ben Ratten, ^in benen ficft aus ben i^oi lagen o^ne roeitereö ergibt, ba^ eine Strafoerfügung nicht üori)anbe; ober bie oor^anbene für ben öeric^täbetrieb ungültig ift'', auc^ be 3(mtoric^ter t>or ber .t>auptt)er^anblung burd^ einen 3)c)(^(up baa gc ric^tUc^e i^erfa^ren einftetten ober ©erfagen. bj 3Mit berfelben Swge befc^äftigt fid) Stenglein im Weric^tö faaP^) unb roiberlcgt in grünblid^er SBeife bie 3luofül)rungei .^ut^ers, inbem er für bie allgemeine SBürbigung ber Jvrage barau aufmerffam mac^t, ba^ eä Svoed bes gerid(|tlic^en Serfal^rcne nicft fei, bie Slec^tägültigfeit ober Ungültigfeit ber Strafverfügung feft ^uftetten, fonbem eine Gntfc^eibung über bie Straft^at felbft l^erbei ,^ufül)ren. 3luf bie Ginjelljeiten ber 2)arftettung einjugelien, ift ^ie leiber nic^t roo^l t^unlid^. 12. We^tömttteL a) 2)ie 3wrütfnal)mc eineö JRec^tömittelo in 3tuf bie Ginjel^eiten ber 3)arftellung einzugehen ift \:}kx unmöglid). b) Scmerfungen einee ^raftifcre 5ur Streitfrag über SBiebereinfü^rung ber iUrufung in Straffammer fachen macht Sobemann im ÖerichtöfaaP**). Gr führt .^u nächft aus, baf; baö Sebürfnie ber älUebereinfühning ber ^i^e »«) »b. XLlll e. 23--r)<). '") Siebigicrt uon SW. öeinjerlinj». Xarmftabt unb X'cipjig. (Sbuar: ,Scrnin. III. Jolj^e S3b. III (ber neuen Jolac XIV. :üb.) e. 180-2(H>. =»'*) 'm. XLI e. :]67-:iS2. ©ttafprojel. 291 Tufung im öffentlichen 9iec^td(e6en burc^ bie oer^ältntemö^ige J&öufigfett ber SBieberaufna^me bed ä^erfo^ren« auf ©runb neuer I^tfacben ober Senieismittel ^inlänc^lid) 6en)iefen fei. !Dlan fönne t)iefe Art ber SSieberaufna^ntc überhaupt faum anberä auffaffcn ülft rin 3u(\eftünbniö beö öefe^ctcbers, bafe eine 3(nfed|tung ber t^at* fät^lic^en ©runblagen ctneä richterlichen Urteilo mögficf) fein muffe. 5ö9 baj;u gewählte ü)Uttc{ fei aber ein roenig jroectbienlic^eö, benn wegen bcö mangeinben Suöpenftoeffefteö füt)re eö baju, ba| bie 3ln* fc^Quung im SJoIfe ©oben gewinne, a(^ ob eine SJerurteilung Un* fiulbiüier ju ben nid^t feftenen SJorfommniffen unfereö Sted^tslebcn^i gehöre, ^n leugnen fei auc^ in ber X()at nic^t, baft burc^ bie i^oU« nredung oon im SKicberaufna^meoerfa^ren befeitigten Urteilen ein« feinen ^erfonen ein fd^Ied^tbin unerfefefid^er Schabe zugefügt roorben fei- <>in^u fommc, baj aud^ ber mangefnbe Deoolutioeffeft einer w% unbefangenen Prüfung jum minbeften nicftt förberM fei- 6ine ioWe fönne aber t^atfäc^Iicb nid^t entbel^rt werben, ba tro§ aller i^orfit^tsmaBregeln boc^ bas Sc^roergemic^t ftet?i in ber .?>auptoer^anb* |ung (icgc unb auc^ ^ier eo niemalö oermieben werben fönne, ba^ in einzelnen fällen fic^ crft burc^ bad Urt^eil f)erauoftcUe, worauf ^ eigentlich angefommen fei. 2)aft bie ÄiUcbereinfü^rung ber 3)c* nifung befonbere tec^nifc^e Sdbwierigfeiten barböte ober gar aud fad)(i(fcen örünben unmöglicft fei, fann SSerf affer nid^t gugebcn. ^HlerbingQ fönne eine münblic^e ,öauptoerf)anb(ung nicht reprobujicrt »erben, aber eine neue öauptoer^anblung mit ooUftänbiger !öeweiä» aufnähme fei in ben meiften '^äütn fe^r wo^l möglic^. Gbenfo fei ein 5)JiBbrauc^ ber Berufung wof|I benfbar, fönne aber (eic^t oer* mieben werben. 3^a§ befte Sorbilb für bie ®eftaltung beö rKcd)t^* mittels böten bie 3?orfc^riften ber burcb fönig(icf)e 'iJerorbnung oom 28. Juni 1867 in ben für ^iPreuften neu erworbenen fianbeoteilen eingeführten St.^.O., welche überbieü beinafie oöUig mit ben SJor- [Triften ber 9l.3t.5p.D. über baö 5öiebcraufnaf)meoerfa^ren überein* ftimmten. Xa^ Qegen bie ©efc^wornenoerbifte Berufung unmöglich fei, gibt 3?erfaffer ^u, ba?; Hege aber in ber (Sigenart beö ,,38af)r* fpruc^s', ber eben fein tf)atfäc^(ic^ unb recf)tlicl) begrünbcteo Urteil fei unb beä^alb eine 9lac^prüfung begrifflich auöfd)liefte. 5öem baö JU bebenflid^ erfd^eine, ber muffe bas fchwurgericf)tlic^e i^crfahren überhaupt oerwerfen. Gine ber angeführten St.i^.D. oon 1867 ent* fprecbenbe ©eftaftung beö Serufungöoerfahreno wiberfpreche übrigenö ben ßrunbfä^en ber 9Jlünblichfeit beo i>erfahren9 nid)t mehr, wie bie .Jiahlreid^en Gntfc^eibungen im geltenben '^irojeftrechte, welche auf ©runb ber 2lftcn ergingen. c) Unter ber Überfchrift: ^nx ^Jrage ber Berufung in Straffadden mittlerer Drbnung. lUuö ber 93Zappe beö Slid^terö äußert fic^ im 3lrc^io für Strafrecht^'**) ein ungenannter ^0 »b. XXXVIII S. 1-12 - (ügt. oben iBb. XXXI 3. 4:J:J ff- Z IV ar»6 f ). 10* 292 2ittcraturbcri(^t. Scrfajfcr über einige ^nftitutioncn beö Strafpro^eprec^teä, rodd)t ba^ 3nftitut ber Berufung entbehrlich machen fottten. Seine 3luöfüf)rungen^ roci^e übrigens mit ber 33erufungöfrQge weiter in feinem 3wfanimen= f)ange ftef)en, begießen fic^ auf: 1. 2)ie Gröffnung beo »"ociupt* t)erfal)renö. SJerfaffer brücft feine JJ^eube barüber au^, baft bie ?|Jrajiö me^r unb mef)r bogu neige, nur bei 3Ba^r)cl(ieinIid)fcit^ niddt \d)on bei 3Möglic^feit ber SJerurteifung baö »^auptDerfaI)ren jju eröffnen, ferner äufeert er fic^ über 3lrt iinb Umfang beo ,^u er= ftttttenben SSortragä. — 2. "J^en SJerlauf ber «öauptoer^anblung. 3?erfaffer bebauert ben SSer^ic^t auf baä Äreujoer^ör, n)ünfd)t eine ernfte ©rma^nung ber 3c"9fn unb eine befonberc Sead^tung ber in § 256 >£t.^.C üorgefc^riebenen Befragung bcö 3tngeflügten. — ;h. 3)aö Urteil. SSerfaffer roünfc^t, baf bie Slbfaffung ber Urteile^ grünbe au^i einer foUegialen Beratung I)en)orge^en möge, bamit nid)t S^roifc^en bcn münblid^en unb fc^riftlid^en ©rünben bes Urteils mög* lic^erroeife eine S^ifferenj entfte^e. (1) %üx bie SBiebereinfü^rung ber Berufung unb jugleic^ für bie Gntfc^äbigung unfd^ulbig Verurteilter tritt 'JJluncfel roarm ein in bem Borroorte, roelddeö er ^u ber Srofc^üre: 2^ie i^erteibigung einer Unfdjulbigen*") gef daneben ^at. ßä l)anbelt fic^ in ber* felben um ben Straffall ber SBirtfd^afterin 2(ma(ie Schimmel aus Breslau, welche nac^ bem lobe iJ^res 3)ienft^errn beä 3)iebfta^(o oon 24 000 '3JI!. in Wertpapieren fd)u(big befunben. 3^er i>crurtet- lung ging eine me()r a(d einjö()rige Unterfuc^ungöfiaft t^orauf. 1^a$ Urteil lautete auf 18 3)lonate ©efängnis. 9iadjbem A^äuletn Sd^immet 9 3Ronate ©erbüfet ^at, gelang es ben Bemühungen il)rer Areunbe, ben magren 2)icb von 24 000 3Rf. ber fragli^en ^^Japiere ^\x ermitteln. 3m 5!ßieberaufnaf)meüerfal)ren erfolgte Äreifprecbung wegen biefeo "Diebfta^lö, jebod^ mürbe in bejug auf ben 'Kcft oon 3000 "üKf. nur Unterfd^lagung angenommen — roie bie Brofd)üre bartf)un möchte, mit Unrecht. — 3n einem 9iac6n)orte befpricfet ber iWec^töanmalt !^ic^tenftein (Äönig^berg) bie Se^ren beo Aalleo. Gr finbet, ba^ berfelbe barauf ^inroeife, ba^ bie ^^Joli^ci burcb il)rc 2l}ätig!eit einen t^atfäc^licb j^n großen GinfluB auf 3taatoann)altfd)aft unb 03erid^t auöübe, fomie ba^ bie Ginfül^rung ber Benifung cr= forberlicft fei, rocil bie SBieberaufnalime be^ Berfaftreno unter Um* ftänben ju fc^roierig ju erlangen fei unb bie SHeoifion meift ben Ber= urteilten nur mcnig nüfte. e) /fragen jur 2e^re von ber Berufung be&anbelt i?ro- nerfer im 2lrdjio für Straf red^t.*') Gr fül^rt .^unädjft auo, baf^ Wegenftanb ber Berufung ein Urteil fein muffe, ein folcfteo aber "*") 2lftcnmäBigc S^arflcHung bce 3traffaIIed ber ^Mmaltc 3cf)iinmcl in 3Jrc^lau unb 53ef)anblurg feiner Vebren. .Uönif^c«: boni i. ^^r. iöraun unb "ißcbcr 1890 — (ks 3. (.»perauöc^egeben oon .rojeftbetcitigtcn basfelbe fagen mürbe." ftronerfer befprid^t fobann bie Wefic^t^punfte, üon bcnen ber Sorfit^enbe bei ber amttid^en 2abung ausjuuge^en ijabt, wobei er ^k unnötige Sabung für ben meift geringeren Schaben gegenüber einer fonft notwenbig werbenben 9Sertagung anfielt. — ©efonbere Schwierig« idttn mad)c bie bem 5lebenfläger jufte^enbe Berufung. 3wnäd)ft fei e6 ftrcilig, ob 9tebenflage unb bem entfprec^enb ©enifung nad) :Blaf;s gäbe bes § 435 9lbf. 1 i\uläffig fei, nur wenn bie öffentlidje Älage auc^ wegen SJeleibigung ober Äörperoerte^ung erhoben ift, ober ob eö genüge, wenn ber 5Kebenfläger bef|aupte, ba^ eine folc^e Straftbat Dorliege, bie öffentlidje Älage aber axi^ einem anbern rec^tlidben öefic^tspunfte erfolgt fei. 9?erfaffer entfc^eibet fic^ für bas te^tere, weil bas @eri(ibt an bie ©efic^tspunfte ber Älageer^ebung nid;t ge- bunben fei. Sdiwicrig fei aucb bie Stellung bes 9lebenflägers, in. XVI 33b. XXXVI Z. 211-222: Siie 5lburteirung eines ausgelieferten unb i^re 3d)ranfeu. 296 • SittcraturDeric^t. b. 3w beni §anbbuc^ bcä Slcd^ts^ilfcocrfa^rcnö im bcutfc^en ^Hcic^c unb gegenüber bem 3(uolanb t)on 9öi)m (oergl. Z. IX 583) ift ein ergänjungs^eft*'^) erfd)ienen. S^ic barin enthaltenen Srgänjungen begießen ]xd), roaö Straffac^cn an= langt, auf folgcnbc ^^5aragrapf)cn be« 3n)etten Steiles bes ^anbbuc^eö: § 1 (Sled^töl^ilfc unter beutfc^en ©eric^ten), § 2 (Slec^tö^ilfc gegenüber bem 2luölanbe), § 3 ((Srfuc^en unb SCnträge ber gtaatäanroaltfc^aft), § 4 (räumlid^e $errf^aft ber ©trafgefe^e), § 5 (®cric^töftanb ber begangenen i^at), § 8 (©eric^töftanb bes ^eimatbafeno), § 18 unb 19 (Süuölieferung flüchtiger Serbred^er), § 23 (Seroei^iaufna^me burc^ erfuc^ten ober beauftragten Stid^ter), § 25 (3Htenmitteilung), §31 (ßinrid^tung ber Straf regifter unb wec^felfeitige 3!Kitteihing t)on Strofurteilen), § 32 (Sluöroeifung ber Sfuslänber), § 34 (Sorm unb Sn^alt ber im Sluölanbe j^u erlebigenben ßrfuc^ungöfc^reiben unD Anträge, 8eförberung berfelben), § 35 (Äoftcn ber SRec^tebilfc)/ § 36 (^Hec^tö^ilfe in bejug auf ben Sc^u$ an SBerfen ber Sitteratur unb Äunft), ^37 (SRed^tö^ilfe in bejug auf ben gegenfeitigen ?IKarfens 3)Jufterv ^i'^^^' w"i> ^atentfc^u^), § 38 (internationale Sc^iffaf^rtö- afte), § 39 (internationale Serträge in be^ug auf gorftfreoet ujro.), § 40 (internationale Äonoention betreff. SRalregeln gegen bie ^Keb» lauö), § 41 (3oafartea mit Öfterrei^), § 42 (3lmtöre!ite unb 3(mtö. pflid^ten ber Äonfuln in bejug auf ben Sled^töbilföoerte^r in Straf* fad^en), ^^ 43 (3)ie beutfc^e ßonfulargcrid^töbarteit in Straffacben -, § 44 fl^ie Sd^u^gematt bes beutfd)en SReic^es in ben Scbu^gebieteni Sleu^injugefommen finb jroei Barographen: § 40* ^n^^-'^^^^i^^"^^»^ Äonoention ^um ©c^ut^e unterfeeif^er Selegrapbenfabel. — § 40b Äonoention unb fonftige Seftimmungen in bejug auf mebi.^inifd^e §ilfeleiftungen in ben ©renj^gemeinbcn. — Gin ouöfü^rlicbeö ©ac^regifter bilbet ben ©(blu^ biefer fe^r roilHom- menen 38erooUftänbignng beä allgemein gefc^ä^ten .öanbbucbee. c. 2)eliud*^) be^anbelt bie Slusliefcrung flüchtiger iU^r» brecber au» fremben Säubern nac^ bem Äönigreicb ^^Jreuften. S)oö Suc^ foD bem Sebürfniffe abhelfen, ba^ bie bei ^tuslieferungö' fachen ^u beobad^tenben i^orfc^riften leicht unb fcbnett auffinbbar feien. (Sq füllt in ber I^at eine oorbanbene 2üde in fel)r roillfommencr aSeife am. Qq werben im einzelnen be^anbelt: bie ipauptgrunbfä^e ber 3(uölieferungöoerträge, bie Sluölieferungöbelüte, baö ©eltungogebict ber 3tuölieferungöoerträge, bie Sluölieferung aus Säubern, mit benon fein "öertrag befte^t, ber Sluölieferungöantrag, bie oorläufige Aeft- nabme flüd^tiger 'ilJerfonen jur ©icberung i^rer 'iluolieferung, bie Üluo fübrung ber 3(uölieferung, bie 9Iuölieferung auf ©runb ber einzelnen i^erträge, bie 3(uölieferung flüchtiger Serbrec^er aus ben Äonfular- gericbtöbejirfen, bie 2luölieferung berfelben auo ben beutfcben Sc^u^- gebieten. — 3m Sln^ange werben ^Dhifter für bie erf orber liefen 9ln« *••) errangen, ^^nlm u. Cnfe 1889. VIII u. 104 3. ♦«) «erlin, .'oepmann 1890. VI u. 12-2 3. ettafproje^. 297 tröje ufro. gec^eben, ferner ein 'JJer/jeid^niö ber öfterreicl(|ifd^=ungarif(^en, roarfc^üucr unb fc^roctjerifd^en ©cric^töbc^örbcn, foroie ber Äonfular* 9eri^ts6e3irle. ©c^Iic|lic^ wirb bte ©tcKun^ ber Slusgclicfertcn vor Dem ©erteilte. befproc^en unb jroar im einzelnen: bic ©inrcben (jegcn bi( tet^tUc^e ©ültigfeit ber äCuöIieferung unb au^ ber ^E^atfad^e ber erfolgten Auflieferung, bie Verurteilung beä Sluögeliefertcn unb bie projcfjualifc^c Se^ttnblung ber Ginreben au§ ber Stueltcferungsflaufcl. 14. IBeg«abtg««g. a) "üJüt bent Segnabigungdrec^t befd)öftigt fid^ eine fctra^burger) 3"öuguraIbi|fcrtation von (Slfaö.*^) SJerf. ^anbclt in einem erften 3^eilc com Si^efen unb von ber Gr* Meinung ber önabe. ©ered^tfertigt fei biefelbc, meil eö mit bcn übrigen ftaatlic^en 3)titteln unmöglich fei, bie 3bee ber @ered)tigfcit ftetö ju oerroirMid^en. 2)aö 55egnabigung6red)t fei ein i8er^id)t beö Stoatcö entrocber auf bas Strafoerfolgungös (3(boIition) ober auf bas Straft) oUftreching6red)t (Segnabigung i. e. ©.)/ mcfc^eQ burc^ bejümmte Organe ber ©taatecerroaltung ausgeübt merbe. "Die 8e* gnabigung fei ein 2lft weber ber ©efe^gebung, nod^ ber ric^tcrlid^en Öeroalt, nocb auc^ ber gefe^gebenben unb richterlichen ©eroalt j\ug(eicb, ionbem lebiglic^ ber Staats« nä^er ber Suftij^oerroaltung. Subjeft bes Scgnabigungörec^teö fei ber Staat (bas Steic^ unb bie ©lieb« ftaaten) nid^t irgenb ein Crgan bes Staatöroillenö (auc^ nidjt ber Äoifet ober ber ^'anbestjerr) ober eine ^riratperfon (ber ^ßer^^icbt auf 1?rittatHagc fei feine Segnabigung, ebcnforocnig bie ^»^urücfnaftme bee Eintrags). 9(uögcübt rocrbe basfelbe von bem ftaifer, bem Üanbeos ierm, ben Senaten, roeil biefelbcn oberfte G^efe ber Steicbe* be- ^ie^ngsroeifc Sanbeöjuftij^oerroaltung feien, nic^t al^ ein 5(uofluft i&rer SouDcränität, noc^ aud^ auf ©runb einer Geffion ober Delegation. 6ine folc^e fei nur auj^une^men, wenn baö Segnabigungsrccbt anbcrn öfs ben obcrften Organen ber i^uftijocrroaltung oerliefien ift. 3iBaö We innerrec^tlic^e Dtatur bes S3egnabigungoafteo anlange, fo fei ber* fefte rocber ah Grteilung eines ^^Jrioifegiumö, nod^ als ein Grla^ ber Strafe, fonbem alö ein 35crjic^t bes Staates an^ufefieu; roeber baö Jelift nod) bas Urteif ah fo(cf)e mürben burc^ ben ©n'abenaft berührt, ^er Serji(^t fefce oorauö, ba^ ein ^iec^t befte^e. Go fönnc alfo oon einer ^Abolition nid^t bie Siebe fein, fobalb es aus einem ber vom ■^erfaffer aufgezählten ©rünbe an einem 3trafr)erfoIgungsreci)t bes Staate^ fe^fe, unb cbenforoenig ron einer Segnabigung i. e. S., fo fange bie Strafoottftredungdbefugnis nic^t feftfte^e. Xie 33egnat)igung fettft erfc^einc ftaatsrcd^tlic^ als ,,3Serfügung", roelci)e nic^t an ben Segnabigtcn felbft, fonbern an bic unteren 93e^örben j^ur Gröffnung an jenen ju ricf)ten fei. :3^r :3"Ö«It fei je nad; ber i^erfc^iebenl^eit *') über bad ^egnabigungerec^t ^auptfäc^lic^ Dom ftaat^: unb ftrafprojc^rec^tlic^en Stanbpunfte au«. Gin Beitrag ,^ur ^ogs motif bcd gegemoärtig in Xcutfcf)lanb gcitenbcn 9ic(§t3. aWaun= fteim, 3. öen^^cimer 1^88. 1:J6 e. 298 Sittcraturbcric^t. bed @nabenafted (9{6oUtion^ 93egnabigung a(ö gänjlic^e ober teilioe ufn).) balb ein ©ebot, Salb ein SSerbot. •Der ^roeite Xcil befc^äfti^t fic^ mit ber 2)ogmatif bee beutfc^ 3leid^ö* unb 2anbeöbe()nQbit|ungorec^te.D. (roobei i^erfa))er im einzelnen unt( fuc^t, in meieren Sachen bas 9teid|?i^cric^t in erfter Snftanj j^u ci treiben ^abe), § 42 beö A^onfulargerid^tsbarfeitögefe^eö unb § beö ©efe^eö betreffenb bie ^Bereinigung t)on Glfa^ unb Sot^ring mit bem beutfdden Sleic^e, be.^ie^ungsmeifc Senatusconsulte du 25. d( 1852, in welchem bem ftaifer bas @nabenred)t im DoUen Umfan eingeräumt morben fei. — Següglid) ber Gingelftaaten muffe bic fo bauembe ©eltung ber lanbeöred)tKc^en Duellen angenommen roerbi 3cboc6 finbe eine Seauffic^tigung burc^ baö iHeid^ infofem ftatt, c auf ßJrunb bes 2f. 17 3t.9S. ber Äaifcr eine unfad)gemäfee -V^an I}abung ber 33egnabigungöbefugni^ auf bem öebiete be^ iHeid)öred mürbe monieren unb coentuell gemäß 31. 7 3 3 9t.5J. eine Gntfd)eibu bes Sunbesrates über bie Berechtigung eineä etroa erhobenen 23ibi fpruc^eö mürbe herbeiführen fönnen. Ülüciter erörtert ©Ifao b 3Ser()ä(tni9 ber 3l.St.^.D. ^\xx 9(bolition. Gr fommt babei ju folge bem Grgebniffe: ^3)ie in ber Sitteratur fic^ betämpfenben jroei 4?( teien, roooon bie eine — ^aftroro, ^of)n — ben SBeitcrbefta ber ätbolitionegemalt ber Gin-^efftaaten burc^aus oerneint, mä^rcnb ) anbre — 8inbing, Soeb, Söroc — bie ungefd)mälerte ao geltung biefcö iHed^tes burd^auö bejaht, ©erfechten beibc crtreme, ni i^u biUigcnbe ^Infd^auungcn. Unrid)tig ift, bag bie 9Jiebcrfd)tagunc befugniö ber ©liebftaaten burc^ baö Steic^äred^t abgefd)afft ift, afc ee ift ebenfo unrichtig, baft bercn 3lueübung, roo fie lanbeogefc^f über bie begrifflichen Sci)ranfen ()inaue geftattet mar^ unbehelligt c blieben ift: bie 9(bolition^befugnid ber Gininelftaatöoermaltungoorga beftef)t, aber nur biö ^um Öefd^fu^ beö ©eric^tö, baö .^auptoerfa^r ju eröffnen.'' Sobann befprid^t 3[$erfaffer weitere reic^örec^tlid^e Ginflüffc a bas iianbesbegnabigungsrec^t, foroie gnabenä^nlic^e Seftimmungen !:}teid^örect)t. ^u erftem rechnet er bie Sefcitigung bee ?Kec^tö j^ur C tcilung oon 3)loratorien unb bc*i Grforbemiffeö ber Seftätigung oi Xobeeurteilen, ju ben le^teren, unter !öetonung ber i5erfd)ieben^ oon ber Segnabigung, bas Stecht ber Sanbeöiufti^Denoaltungen, b Staatöanmaltfc^aften binbenbe 3lnmeifungen ju erteilen, bie S ftimmungen in § 208 St.^.D., bic oorläufige Gntlaffung ber SB« urteilten, ben Strafauffc^ub gcmä^ § 488 St.^JJ.D. 3um 2d)lu be^anbclt er bie S'^age ber Äonfurrenj ber beutfcl)en SJegnabigunc gemalten. Gr füf|rt ax\^, baft eö für bie Scgnabigung i. e. 3. n barauf anfommc, welchem Staate baö :'liecl)t ber StrafooUftrectu .^uftel)e. 'Daö fei aber immer ber Staat, beffcn ©ericl)te in erfi xWtftan,^ ,^uftänbig geroefen feien, auc^ menn bie ^wftänbigfeit bui iionnerität begrünbet roorben fei. 3tuf baö ::Hec^t ber Strafoo €trafprojc6. 299 Nfung !omtne ed an, nic^t auf bie t^atföc^ltd^e 9lu$ü6ung berfelben, bie auf bem SBec^e ber ^ele(^ation auc^ einem anbern Staate über« trogen roerben fönne. 93ei ber SJer^ängung einer ÖJefamtftrafe ftefie bas ctrafDoUftrecfungörec^t (aud^ im Jalle bes § 492 St.^.D.) bem Staate gu, beffcn ®erici^t in erfter ^nftanj bie ©efamtftrafe roirflicft auBjgeroorfen l)at 95ejüg(ic^ ber 3lboHtion beftefie eoentucU eine /3iieberf4(a$^un(^öfenfurrenj'' ber 93unbeöftaoten, biö ein (Sröffnung^s Wc^fufe erfolgt, boc^ roirfe bie Stbolition nid^t über bie ©renken beö Sunbeoftaateo ^inaud, aud^ nid(|t roenn bie in bem einem Staate be- gangene 2^at infolge oon Äonnejitöt oor ben ©erid)ten eineä anbent Staates abgeurteilt roerbe. b) 3)en)elben ©egenftanb be^anbelt Sabanb in ber jmeiten Auflage feines 3taatöred(|t beö beutfc^en 9leid(ieä.***) 6r fü^rt Ans, ba^ bie Scgnabigung fein 5lft ber öefe^gebung, feine lex spc- nalis unb aud^ fein 3lft ber SRed^tfpred^ung, fonbcrn oielme^r ein SSenualtungsaft fei, unb ^mar ein au^erorbentlic^er, im ^ro3cfered)t ni(it geregelter: ^ber ©nabenaft ift eine Su^erung eines ius eminens bes Staates, roelc^es meber burc^ ©efe^ nod; ^)iid)terfprud) gebunbcn tft; ein i>eto gegen bcn Sauf oon ©efe^ unb Stecht.'' 9iaturgemäft fonne berfefbe nur geübt werben j^u gunften beftimmtcr ^erfonen, unb niemab unter äJcrle^ung ber Siedete "Dritter. Die Segnabigung fei eine ^W(^ bie Straf« unb ^Nroje^gefe^e nid)t gebunbene Staatofunftion. 3ie fte^e für bie einj^efnen Sunbesftaaten auöfc^lieftlic^ unter ben ^^geln beo Sanbesrec^tes. Das gelte auc^ für bie iJlboUtion unb .^war o^nc jebe Sefc^ränfung berfelben burc^ bcn ^nl)a(t ber St.^.C. ^abanb bcfpricftt fobann bao Segnabigungsrec^t bes Maiferö unb f4Ke§(ic^ ben ^all ber mogfic^cn Äonturren|\ me^irerer 6in,^elftaaten. Sf-^uglic^ ber S3egnabigung i. e. S. fönne fieser jebeömal nur ein beutfd)er Staat begnabigungöberecfttigt fein, loä^renb anbercrfeits ber oom jiuftänbigen Staate au9gel)enbe 3lft feine SlUrffamfeit über baö We ^Heic^sgebiet crftrerfe. ^wftänbig aber fei ber Staat, beffen Getickt in erfter ^nftanj^ in ber fraglidjcn Sad)e geurteilt ^abe. "Öc^üglic^ ber 2(bolition fei ^u unterfc^eiben; bie Segnabigung wirb frteilt: a) beoor an irgenb einem ©eric^te bie Unterfud)ung eröffnet ift — alobann fc^ü^e fie nur oor Strafoerfolgung burc^ bie Se* Sorben bes begnabigenben Staates felbft — b) nad)bcm baö ©erid^t cineö anbern Staates gemä^ § 13 St.^^.D. .^uftänbig geworben ift — olöbann fei fie roirfungsloö — c) nac^bem ein in[änbifd)eö ©erid)t juftänbig geworben ift (fofem fie für einen foldjen ^all nac^ ilanbes* ftaatsrec^t ftattf)aft ift) — bann roirfe fie für bas gan^e 'Keid), weil bie ©erid)te anbrer Staaten burd^ bie gefc^e^ene 'iJräocntion i^re 3"- ftänbigfeit verloren l)ätten. c) GbenfaKs bie Segnabigung beftanbelt ein Slrtifel oon Seuffert in o. Stengels JSörterbuc^ beö beutfd;en SSertoaltungs* *^) greiburg t. «., 3. 6. ö. 2)2obr 1890. 3)b. II 3. 479-491: § 91 Xai Segnabigungdrec^t. 300 Sittcraturbcridöt. rcd^tö.*^) 3(u9 bcmfclben SBörtcrbud^e finb ferner aU ftrafrec^tfic^ 6 mcrfensroerte fofgenbe 2lrti!ct l^erDorju^eben, auf beren Ginjel^eit« ^ier nid^t eingegangen roerben fann: älmtöanroaftfc^aft Don A). Seuffert. 2(mtöt)erbrec^en unb 3lmtöt)erge^en oon t^. 3euffert. Sluöfpielungeu von l'eutf)oIt). SäaupoH^ei ryori i'cut()oIb. SergpoHjei von Äraft. 93ef^(agna^me t)on «ö. Seuffert. Säefc^rocrbe uon v. Stengel. Settier unb Sanbftreic^er t)on 5)lünfterberg. SJriefge^eimniö oon Si;boiü. 3)urd^fud^ung von $). Seuffert. Ginjie&ung von .^. Seuffert. (Sifcnba^npoHjet von 63Ieim. Gjterritorialität von ^oxn. ^af)nenf{ud)t von .^eder. ^elbpolijei von .öermes. geuerpolij^ei von Seutl^olb. Jyifc^crei unb ^ifc^ereipolijei von Staubingcr. 3^orftfreoeI von Sc^iüappad). öefängniöDerroattung tjon S>. Seuffert. ©e^eimmittel von SoHp. ©efeit (fid)ereö, freiet) von Mapfer. ©cnbarmerie von v. Stengel. ©efinbepoHjei üon JsoUp. ©efunb^eitöpoHjei von ^v^olli;. ©eroerbegeric^te von geller. ©eroerbepoHjei Don ^ScHer. Verausgabe von Sachen von >>. Seuffert. 3impfpf(ic^t t»on SoHp. Sagbfreüel von Sd)tüappacl). SagbpoTijei von Sci)iuappad). Äompetenjtonflift t>on -Jtabbijl. Äonfuln von ,Sorn. Äonterbanbe von ^l>erelo. Äorrigenbeniüefen üon .Wünftcrbcrg. firtegoartifel t)on .v>ecfer. Ärimina(poIi5ei von .v>. Seuffert. iiotteric ron v. ""Maxix. Warfenrec^t von i'anbgraf. "DJliritärbiojipIin von >>ecfer. 5LlHritärgerid)tdbarfeit von >>ecfer. 'Blifitärperfonen von .s>ecfer. "Slufterrec^t von i'anbgraf. *») Sreiburg i. 33., J. 6. 33. »io^r 1890. 2 5öbc. XVI ii. S95 u. lUlO ©trafpro5c6. 301 rRa^rungö» unb ©enu^mittel t)on ^inlelnburg. 9lot^iIfc t)on Scut^ofb. Crbnunoiäftrafcn von 0. "iDJcgcr. 'l?Qtentrcd)t oon Sanbgraf. i^fanblet^anftalten von Se^td. i^oüj^ci von S. t). Stein. '?oIi3ciIic^c Strafocrfügungcn von SRofin. i'oli^cilic^c Sicrfügungcn von Slofin. 'ISolijciauffic^t oon 6. Scuffcrt. ^olijeibeamtc oon 0. 50lcpcr. ^on?icibcf|örbcn oon 0. -ölcper. ijSoIi.^ciftrafrcc^t oon 3tofin. ^jjolijciftunbe oon Scut^olb. 'iSoIijciocrorbnung oon SJofin. %o]i' unb ^ortobcfraubationcn oon S^boro. iUeppoIii^ci oon ^oHg. ^u^eftöTung oon äeut|oIb. Scftanfgciocrbc oon ficgiö. 3d)iff6gufammcnfto^ oon Serois. Sc^u^c^cbictc oon o. Stengel. Secfdjiffa^rtö^eic^cn oon Seroiö. 3ic^ert)ettcipo(i}ei oon o. Stengel. äittcnpoHgei oon SÖlager. Stanbeöregifter oon Sid)erer. 3trafregifter oon .C^. Seuffcrt. X^eatcrpoti^ei oon Seut^olb. UnfaHpolijet oon äeutbolb. Unfug oon £euti)olb. 3?er^aftung oon Jp. Seuffert. 5?oge[|c^u^ oon i'eutt)oIb. 2i>acf)en oon Jpecfer. 'Baffcngebrauc^ oon 0. Weger. ■Begcpolij^ei oon o. iHei^enftein. ■Bei)rpflic(>t oon o. Mir^enl^eim. ^i^ohnungöpotii^ei oon Seut^olb. %n^ang. i>on bcm ^^^^buc^ ber Gntfd)eibungen beö Aiammer* eric^tö in Sachen ber nic^t ftrcitigen ©eric^tobarfeit unb II 3traffad^cn, lierauögegeben oon 3teinf)o(b ^'soljon), ift er Qc^tc unb neunte 33anb erfd^ienen. ^^') Xic 35efd)tüffe beö ;traffenateö beö Äammergerid^tcö finb oom ftammergeridS)törat larfc^borff bearbeitet. Sie 3lnorbnung ift bie geroö^ntic^e ge* ■•") «crün, Sranj ^aljlcn 1889. VIII u. 295 3. 1890 VIII u. Ud S. 302 Sitteratutberid^t. blieben, ^ie mitgeteilten Sntfd^eibungen bei^iel^en ftd^ in beiben Sänben auf: baä SJetfa^rcn im allgemeinen (^olijeilic^ed Straf* oerfaliren — Jfteüifion in ^elb** unb ^orftpolijeifad^en: 95b. VIII. — SSerjä^rung ber Strafoerfolgung — Segrün» bung ber 93erufung — ©renken ber burc^ bie ianbeö- gefe^gebung angebrol|ten Strafen — 3}er^ängung oon ^tei^eitsftrafen an ©teUe uneinjie^barer ©elbftrafen — Haftung bcä (Eigentümers für bie auf feinem ®runbftüc!e üorgefommenen Übertretungen: 95b. IX.) (Seroerbe, ^^Jofi^^ei, Steuer« unb Stempefgefe^e, ©efinbepolijei, (Sefunbljeitöpoli^ei, StrafeenpoKjei, Söafferpotijei (nur in Sb. IX), S^gb unb '?;i\d)tx^\, Vereine unb fojiatbemohatifc^e Seftrebungen, «öeiKg^altung ber Sonn« unb gefttage. Sc^ufbefuc^. Sonftige 4Jor|c|riften. 95b. VIII ent* ^äft au^erbem einen 3luffa^ (S. 254 — 260) über Orbnungö* ftrafen roegen ungebührlichen SSer^altenä oor (Serid^t von 3o^oro. 9Serfaffer ^ebt ^eroor, bafe es für bie A^^nb^abung ber 3Sotfcl^riften über bie Si^ungspoti^ei an einer reid^sred^tlicfien 3^"tral* inftan) fe^(e unD auc^ innerhalb « ber einzelnen 93unbeQftaaten mit mehreren Dbertanbeägeric^ten bie SdS)affung einer ^^"traKnftanj burc^ baä !)ieic^drec^t unmöglich gemad^t fei. Sine abroeic^enbe $anb|abung ber 33orfd^riften beä @.2?.@. fei ba^er faum cermeiblic^, bem ÜbcU ftanbe fönne nur burc^ 9Seröffentli(^ung ber roid^tigern in biefer 3Kateric erge^cnben ßntfd^eibungen abgeholfen werben, i^erf. beginnt mit ?DUt* teifungen biefer 9trt unb bittet i^n burc^ S^^f^^^ii'^Ö weiterer QnU fc^eibungen ju unterftü^en. 95b. IX bringt jum Sc^Iu^ ein SJerjeic^niö ber in ben erften ntnn 95änben in Sejug genommenen (Scfe^c, 9Sers orbnungen, ^nftruftionen ufro., roefc^eä einige Snrtümcr ber SJerjeic^niffe in ben einjelnen Sö^^gäwg^« berid^tigt. 5. diebigiert r>on r>. ^ilient^al. Dr. 9(lbcrt Seift: Xcr Öc^eimmittcIsUnfug im Sid^te gcric^tfic^cr Urteile. L 4)eft. 2^üffcIborf. 2. Sc^njonn. 0.3. (18Ü0) 82 6. !^er öauptj^roccf be^ Öu(fted ift nac§ bei Singabc bc^ 3]erf. im 35or: loort, ^auf Örunb oorlicgenber gcric^tlid^er CSntfc^eibungcn nicf|t nur bcn ^olijcibcüörbcn unb bcrcn Organen ba^ fac^gemöfte (Sinfc^reiten gegen bie in 3iebe fte^enben ©efetje^übertretungcn, fenbern auc^ beren gercc^tcö :Öe: urteilen ben Slic^tern unb Slnroälten, forcie enblic^ inäbefonbere beren t^un: lit^fted SJermciben ben beteiligten Öeroerbetreibenben, 3^i*""3^^cfi^ern unb Jiebaftioncn ju erleicf/tern". 2)en öauptinljalt bilbct bie 3KittciIung ^a\)U reicher Urteile, roelc^e wegen Übertretung ber be§ Unfunbigen von ®cl)eim: ntitteln unterfagenben (für bie Öcbiete bed frübcrn franjöfifc^en ^iec^tcö in ^teuften erlaffenen) ^olijeirerorbnungen ergangen fmb. 5(u6erbem ift ün 3Jer5eic^ni§ ber ale Öefteimmittel angufe^enben Stoffe unb Zubereitungen gegeben. ^Ifreb Söengler: 25a« Siecht ber ^^oI{3eibe^örben im itönigreic§ Sad^fen jur Slu^roeifung beftrafter "^erfonen nac^ bem Öefe^e Dom 15. Äpril 1H86 bie 5JefugniiJ ber ^Jolijeibeftörben jum Ör = laffe t)on Stufent^alt^oerboten gegenüber von beftraften ^crs fönen betrcffenb, unter befonbererJöerücffic^tigungber^oIijeis auffielt unb ber ^öeftimmung in § '^ Stbfa^j 12 bce ^öunbeegcs fc^es über bie greijügigfeit t)om 1. 5toücmber 1807 erläutert. Seipsig. aioftberg. 1890. 51 3. (§anbau§gabe. 5lgl. 3äc^f. (>)cfetje. m, ^^anb.) ^er Xitel gibt ben ^nljait be$ fe^r brauchbaren $uc^e$ siemlict) voll'- ftänbig an. 3n ber Anleitung gibt ber Serf. eine fur5e Überfielt über bie 6n.fte^ungdgefc^ic^te bee fäc^ftfc^en (^efetfed unb Uilt bie in ^^reuftcn, '^a^ern unb SOürttemberg beftebenben ö^nüc^en ^eftimmungen mit. Conrab Ibümmel: Sittenlehre unb ©trafrec^t. Hamburg. SSerlages anftalt 1889. 32 ©. (2)eutfd^e 3eit= unb Streitfragen. 'Jl J. .t^eft 59.) Serfaffer fuc^t ou«jufü^ren, baft Sittenlebre unb Strafrcc^t nicbtö miteinanber }u tf)nn Ratten unb baft man fic^ \)üUn muffe, bie Sittenlehre !\ur SD^ogb be§ Strafrec^td 5U emicbrigcn. iie^tere^ bobe nur ben ^wtd ber Sicherung be'S Btaatt^ unb ber (^efeQfc^aft unb fönne be^balb nid}t mit ben @efi(^tdpun!t ber moralifd^en SBertfd^öt^ung bee Serbred^erd arbeiten. 304 Stbltograp^tfc^e ^^oti^cn. ^f)eob. .tterm. Sänge: 3^^^S^Ut unb 9iec^tdpflege. @ine fritif < Stubte unfrer ^euttc^en 9{ec^tfprec^ung. Seipjtg. ^apne. ISi 36 e. (e. H. au« bcm JUuftr. Sanülicnsaournal „2)ad ^icue Slatt".) $erf. tritt junäc^ft für 5ebtngte :8erurtci(ung unb Stegen bie U roanblung von CJcIbftrafcn in grcil)citeftrafc, foroic gegen 3lnroenbung X (^elbftrafe gegenüber von ^erfonen ein, roelc^e buvc^ biefelbe nic^t ol nid^t empftnblid^ genug getroffen rourben. Jerner Wt er bie ^nroenbu Don ^eit)eiteftrafen bei 5linbern für Derberblic^ unb betont, bag pon t>c Siechte ber ^egnabigung in gleicher t^eife gegenüber angefe^enen ui weniger angefe^enen '^erfonen ©ebrauc^ gemacht werben muffe. Slugcrbei meift er an ber £)anb mehrerer 8traffäUe barauf f)in, baf( bie !^nfc^uungc ber 6taat$ann)a(tfc^aften über bie Verfolgung unb ber (^eric^te über bd 3trafmafi bei innerlicb gleid^en €traft^aten häufig boc^ rec^t oerfc^ieben feien unb ba^ eine ^erfteKung größerer (^(eic^mä^igfeit in btefer ^öejie^un al$ eine unabweisbare S^tberung ber (Sered^tigfeit erfc^eine. 2CIpfjon« 3iit)ier: Se^rbuc^ be« Sörferrec^t«. 3tuttgart. Csnfe 18S1 XVI u 452 S. (^onbbibliotbc! be§ öffentlichen Siecht«, herausgegeben vo 91. 0. Äirc^en^eim. IV. öonb.) Xa^ überfic^tlic^ angeorbnete ^uc^ enthält tro^ feineS Derfjältnii mä^ig geringen UmfangeS ein reichhaltige« 9)2aterial. ^uc^ bie für bc Strafrec^t wichtigen ^artieen beö ^Jölferrec^tS, inSbefonbere bie ii^c^re uo ber (Scterritorialität ftnb in angemeffener ^cife berüctfic^tigt roorbe Xaefelbe tann alS ^ilfSmittel jur Ginfü^rung in baS 3tubium bce Völle rechts febr wo^l empfohlen werben. (Sugcn HKuSfat: 3)aö jufünftige beutfc^c Si^^i^red^t. 9lllgemcin( Xeil. 3ladi ben Entwürfen eines bürgerlichen (^efe^buc^cS fii baS beutfd^e 9ieid^ unb eine« (SinfübrungSgefe^eö gu ben felben, fowie nac^ ben amtlid^ ausgegebenen 3){otioen f^ftc matifc^ bar geft eilt. öreSlau. ^reuft u. jünger. 1S90. XI u. 138 ^ Verf. will burc^ eine möglic^ft gemeint)erftänblicbe I)arfteUung hi on^alt beS (Entwurfes auc^ 52ic^tjuriften jugönglic^ mad^cn. C^tn fpejic ftrafrec^tlic^cS ^ntereffe f^at bie 9lrbeit nic^t. M. Steiniger: VorauSfe^ungen unb ^ecbtSwirfungen ber (rn münbigung beS VerfcbwenberS nad) gemeinem Siecht ^erli §. SB. SWüUer. 1^90. VIII u. 77 3. )^K rein gioiliftifc^e !2lrbeit ^at feine befonberen ^ejiebungen ^u 3trafrcd^t. Xer (Entwurf eineS bürgerlichen G^efe^buc^eS für baS bcutfc^e 5tei unb ber rbetnifc^e Vauernoerein. Verlag beö rbeinifcben :üauer oereinS. 2)ruct t)on 3- % SJoc^cm in ACöln o. ^V (I^^IK)) IV u. 107 ■< (rS werben ^ier bie 9(bänberungSuorfcf)Iägc, weli^e bor rbcintfc :öaucrnocrein in einer (Singabe an ben l^eicbefanjler 3U bem (Sntwui eines bürgerlichen (^efe^bucbeS gemacht hat, fowie ber bem :üauerni)ere am 11. ^uii 1889 oon iHecbtSanwalt Dr. am ^^ebnhoff in Möln erftatt«: löeric^t famt ben oon »erfc^icbenen 3uriften erforberten (Sin.'^elberidbr veröffentlicbt. Xic 9lbänberungSuorfcf)lägc wie bie (rin^elbericbte belieb) fic^ auf: )öäuerlic^e ^ac^tuerf)ältniffe, .\>aftung für ^jöngel beim 4^ant mit ^auMicren, Übergang bcr Öcfa{)r beim SBerfauf beweglicher gac^cn, insbefonbcrc beim ^anbel mit .^auetiercn, e^elic^c^ (3üterred)t, 3croitutcn, X»DPOtl;cf unb Örunbfc^ulb. Ja^antbropometrifcfte öignaUmcnt. 5ieuc 9)2et()obc ju ^^bcntitätes Jeftftcllungen. 3Jortrag am internationalen Äongreft für 3trafs unb ©efangcnioefen in 5iom, abgespalten t)on Sllp^onfc «ertillon, ber offijiellcn franjöfifc^en Delegation beiges ordnet. 3Kit einer Slnfprac^e üom.^errn Staaterat iJ. .»oerbette, (!Jfneralbireftor bee Straf« unb(>ieföngniön)efen<& in 5ran!reicl^. Unter perfönlic^er Seitung be§ 3?erfat[er^ an^ bem Jranjöfis Idjfn überfe^t. 3Mit 1 Xafel. öerlin. Sifc^er. ISIK). - M 3. '^ertillon fdjilbert f)ier gunöc^ft bie 3trt feinee iWrfabrene unb gibt bann eine 5lnn)eifung guv ibanbOabung ber a)iaBinftrumente. (3emeffen werben: bie Sc^äbelbreite, bcr Mittelfinger, bie Üftnge bev^ linfen 5u6ee, flrctje 3(rmfpannn)eite, aufterbem roirb bie Jarbc bcr 3(ugen beftimmt. ©r fd)ilbert fobann roie ju perfabren fei, um in ber Sammlung bcr aj^afeaufs ^eidjnungen eine bcftimmte ^^erfon 3U ibentifijieren. Xk erforberlitfte Hin: tfilung gefdjie^t, inbem für jebee einzelne 3)2aft bie iHbteilungen groß, mittelgroß unb flein gemacht loerben. Xie ^luffinbung fei praftifc^ leicbt unb bae iBerfal)ren piel fieserer unb einfacher, wie bie 3lufnal)me üon lihotograpf)ieen, bie in 3"^""^^ üieUeid)t ganj werbe unterbleiben fönnen. I*r. Ä. ^eppmann: 2)ie Sac^perftänbigenslbätigfeit bei Seelen- nörungen. ©in furjgefafjte« .^aubbuc^ für bie ärjtlid^e ^^rajist. Berlin. Crn^^lin. 18JM). VIl--27:i u. VIJI (5icgifter) '£. :^er ^5lan, welchen ber 5Jerf. üerfolgt, ift folgenber: ^2)aö oorliegenbc iSuii foU gleid^fam dm (Jrgönjung ju jebcm pfi)(t)iatrifcf)-flinif(öen ^'ebrbudj bilben, ed foU ben beutfc^en Ärjtcn für ben wicf)tigften Jeil ber flinifcbcn 1)it)d)iatrie, für bie '5ad)oerftänbigentbätigfeit ein VadiMnocniii fein, wcld)e»j foroobl allgemeine Unterweifung ju fDUcmatifcöom Selbftftabium, alo audi für alle aKbglid^feiten ber i^raji« im Crinjelfallc eine bequeme ^Hateerl)olun«^ bietet". 3lber au(6 baran bat iWrf. gebacbt „bem rMici)tcr unb i^erwaltungo- beamten Die 3)iöglicbfeit einer felbftänbigen Sielebrung in ^(ngelegcnbeiten, roo benfclben bieweilen ber letjte (Sntfd)eib obliegt, lei(f)ter ju oerfc^affen, aii es burc^ ein flinifc^e^ :L'ef)rbucb ju bewirfen ift". ,Vt ber Xi)ai ift bie 3lrt unb 3i>eife, wie *^crf. auf alle bei ben betreffenben Unterjuc^ungcn rocfentlicber ^^unfte Ijinweift, eine ungemein belebrenbe. Unb wenn aud) burd) Stubium auc^ ber beften :Üüd)er ber o»nft nic^t jum pfpcbiatrifcben Socboerftänbigen werben fann, fo tragen borfi Schriften, wie Die uorliegcnbe, roejcntlid) baju bei, ihn bie (>Jefi(btspunfte fenncn ju lehren, auf weld^e eö bei ber Beurteilung berartiger ;Juftiinbe anfommt unb ihm ^u einem an^- reiAcnben i^erftänbuid einee ärjtlic^en l^iutadjtcn^, eoent. aucij ber ^Wiängcl beefelben ju öerbelfen. ücppmann bcbanbclt in einem allgemeinen iteile junädjft bie ^bfaffung ber (>Jutact)ten, bie OJrunbfä^je ber Unterfucl)ung vcn Öeifteefranfcn, bte Xiagnofe ber oerfcbicbcnen Jo'^^n^n ber Seelenftörung unb enbli(6 bie Simulation. J'or fpe:,ielle Xeil be.^ieht fitb auf bie (>iut- ocbten über: 1. ^ureAnungefä bigfeit, 11. 'i^erlmnblungefäbigf eit, 3fWfl"i^^= faiiigfcit. Straf ooUjugefäbigfeit, 111. iboi|d}!af mit einer geifieofranfcn ^a^^x. f. t. flarm empfohlen roerben. (Sbuarb 91. o. $ofmann: Sebrbud^ ber gerichtlichen ^ebijin. ^i gleichmäßiger Serüdfic^tigung ber beutfc^en unb öfterreic^i ©efet^gebung. WHit )af)(reic^en ^oljfc^nitten. fünfte vermeid unb oerbefferte S^uflage. SBien u. fieipgig. Vixban u. Sc^roarjenberg. 181H ßrfte §ftlfte. ©. 1—480. 3n ber Einleitung n;eift SSerf. auf bie Sebeutung ber gerichtliche 9tebi|(in aW eine« felbftänbigen 3w«»9«* ^^^ SÖiffcnfc^ft ^in. ^n bei nun folgenben formellen Xeil n)irb bie ^bätigfeit ber @atbt)erftönbigen it aQgemeinen befproc^eit, ber fac^lic^e ^eil entbält bann bie Sebanblung be mebij^inifc^en ©injelfragen. Serf. ge^t babei bat)on au«, baß bie ^ntei oention ärjtlic^er @acbt)erftönbiger im allgemeinen in folgenben fällen i ^nfpruc^ genommen merbe: 1. n>enn bie 3^ugung$fä^igfeit einee ijnbio buum« in t^age {ommt, 2. bei Hnflagen wegen gefe^mibriger $)efriebigun be« ®efc^lec^tdtriebe$, 3. bei fraglicher ©c^mangerfc^aft unb (Geburt, 4. bt äCnflagen roegen <3c^äbigung eined S^bioibnum« an ber @efunb^eit obe wegen geroaltfamer Rötung, 5. bei fraglichem ©eifte^guftanb einer ^erfor ^ementfprecbenb ift bad $)uc^ in fünf ^auptabfcbnitte geteilt, oon benc bie oorliegenbe erfte i^älfte, brei ganj unb ben oiertcn (geroaltfome Ö( funb^eit^bcfc^öbigungen unb S^ötungen) jum fleinern 3^eil umfoftt. X\ Sorjüge be« Suc^e« ftnb l^inlänglic^ befannt, baß bie neue Sluflage übera ben S<>^<^^^^n ^^^ 9Biffenfc^aft 9Rec^nung trägt, bebarf faum einer be fonberen Hervorhebung. 3)ie S(rt ber 2)arfteUung ermöglicht auc^ ber guriften ein SJerftänbni« be« Snbalte«. öefonberö intereffant ift bi $arallelbe^anblung be« beutfc^en unb öfterreic^ifc^en 3tec^te«, beren äbr lic^feit unb SSerfc^teben^eit baburc^ bem 3w^ften in trefffic^cr '$&eiU jur 33en)u6tfein gebracht wirb. 9luf bie (ginjel^eiten näbcr einjugeben ift hio nicbt ber Ort, boc^ mag barauf ^ingeroiefen werben, baft bie au«fü^rlicf| S3ebanblung ber 3:batbeftanb«mer!male ber „fc^roeren" Äörpcroerle^ung fic al« eine bc§ergigen«werte Kriti! auc^ be§ § 224 St.® 33. barftellt. Äleinroäc^ter: 2)ie fünftlic^e Unterbrechung ber ©cbroangerfc^afi 3n)eite gftnjlic^ umgearbeitete 3luflagc. ?öien u. Scipjig. llrbai u. ©c^roarjenberg. 1890. — 62 ©. Äleinroäc^tcr bebanbelt bie grage rein oom mebijinifcben Stant punfte aui, 2)ennoc§ ift bie ecftrift aud) für ben Äriminaliften üoi großem Sntercffe, weil bie jur 9Sornabme eine« folc^en (Singriffe« berocb tigenben ^wbüationen febr au«fübrlicl^ bcfproc^cn ftnb, bie .<^enntni« be mebijinifc^cn ^Infcbauungen in biefer Schiebung aber für bie Öcurtciluni eine« fontreten galle« für ben 9tic^ter t)on größter öcbeutung ift. $tert unterfc^eibet 3ubifationen bejüglic^ ber aWutter unb ber grucbt. (grfter »iaaograp^tf^e 'J^ottjen. 307 tonnten in %tDtx gro^e ©nippen gef (Rieben roerben. «(Sntroeber beftefien räumlich SRigoer^ärtniffe ^rotfc^en bem :Becten!ana(e unb ber (^ruc^t, n>e((^e bie Qkbutt einer reifen audgetra^tnen ^ruc^t unmöglich machen, ober »irb ber (Eingriff burd^ Ubendgefä^rltc^e @rlran!ungen , au^na^mdraeife nur bun^ ^oc^rabige ^efc^werben inbijiert, welche burc^ eine t)or}eitig einge^ leitete Geburt befeitigt ober boc^ roefentlic^ gebeffert werben, ^e^gtic^ ber Jruc^t lann bie Operation notroenbig toecben, um berfelben baS 2ihtn JtU erbalten, totnn bie 9Rutter an einer unheilbaren ^ranlf)eit leibet, bte aller ©npartung nac^ no4 oor bem (Snbe ber normalen @c^n)angerf(^aftös bauer gum 2:obe fübrt". "Bei ber Sefprecbung ber einjelnen 9irupj) ebenfo fc^arf gu begrenzen roie bie übrigen. Q^ fjanble fic^ babei \)au} fäd)Ii(^ um formen, roelc^e man aH ^u^iDÜc^fe beS ^erbred^en^ bejeic^n bürfe. „^ie ^Ingebörigcn bicfcr Gruppen fübren und — gleirf)n)ie i (Spileptifc^en — bie impulfiocn, obfcönen unb graufamen Xriebe in vi gröfeertem 3)ia6ftabe uor unb laffen und bie großartige .^"»euc^elei, tm mi jur Sügc bei ben 3Jerbredjcrn, ibre ^ücffättigfett unb bad gleichzeitige Joi h^M^n flaren 'öeroufetfeiuö in einem irren Öeifte crfennen. '^a^ ift abi abgefe^en oon bem aWangel an fittlic^em Öefübl unb Don ber Üeicbtigf« ber SJerooUfommnung im 5JÖfcn nur erflärlic^, roeil fie im ganjen genommi entroeber an laroierter (5pi(epfie leiben ober geborene 9>erbrecf)er fir rooju bann noc§ 9)le[and)oIie, liJonomanie ufio. 3;ufolge einer "ilrt üi 3pmbiofe fiel) gefcUen, ba bie pf9ct)ifc^en formen bie natürlicbc xHnla befitjen, auf ben üppigen ^oben ber Degeneration miteinanber 5u o« fct)me(3en. Sie unterfc^eiben fic^ eben nur burct) i^r eigentümlichem Moloi oon jenen Jormen". Überall trete aucö bicr bie CSpilepfie, ber eigentlii Mernpunft bed 55erbrecf)end bcroor, felbft bei ben SJiattoiben. bei ben D'egenerationejeicften unb erblidje '^^elaftung ju fehlen fcbienen. D'ie le^te unterfc^eiben [id) übrigend oon ben geborenen SSerbrecbern aud) babur bafe fie bäufig in überrafdjenb bobem @rabc altruiftifcbe CSefüble ei roictelten. 5" allen ben Jetten nun, in rodeten "Bcrbrecbcn unb ^iiabnfu fo miteinanber oerfc^moljen feien, bafi man eine (^renjlinie niefit feftftell fönne, muffe man 5U bauernber Unfc^äblicfimad^ung um fo eher greife je gefäfirlic^er bie blinben on'pw^f'f ^o" i\rren ber roebrlofen 0efeUfct)( werben fönnen. — 2^er britte 2eil bebanbelt ben C^elegenfieiteoerbred)« 2?erfelbe ift nacft Sombrofo fefir feiten, jebenfalld fei ee unricf)tig. b Jcljlen ber :Nüctfälligfeit unb ber früb^eitigen CSntioirflung ale befonbi' unb beftönbige ^Jerfmale biefer SScrbrecberflaffe 3u be.^eicfinen. ferner t banbelt 9?erf. in bemfelben 2:eile bie fcfi ein baren ^iBerbrecfier, b. b. l Jabrläffigen unb biejenigen, weld^c .l^anblungen begeben, bie ber (^iefellfcfii nicfit gerabesu Scfiabcn bringen, aber bennocfi oom ©efe^e für firafb erflärt roerben. Jerncr Ar i mi na loibe, b. h. "iNerfonen, bie nictt gebor ^?erbrecber aber boc!) auc^ nicl)t ebrbare SJienfcfien finb, 'ilH'rbrecf)er, ,.l benen ein entfprecbenbe« 3^erbältnid vüifcfjen Scbulb unb Urfacbc befiel loobei le^tere allerbingd überioiegenb ift unb ftärfere i)?abrung aii l anbern 9}2enfcben finbet, loie ^rrfinn unb ÜDJeningitie infolge oon äopfoc let5ung unt Sonnenfticb, faft immer ^Degeneration jur '^afiö fiaben u; einem öoben entfpriefjen, ber burct) 9llfoljol, (Srblicfifeit, gefc^lec^tlicbe 9lu fc^toeifung unb Temperament vorbereitet ift, roa« ber beftimmcnbcn llrfac »t6lt09rapf)if(^ S^otijen. 309 ^rtm unDer^ältin^mäBtgen (SinfCuB geipöhrt 91U (3eipof)nf)ettduer: itfdier fte^t iiombrofo bie '^erfoncn an, welche cigcnUid) normal t)er= cnfogt infolge fc^(c(6ter (Srjiicftung unb fonftiger fc^äblic^cr CSinflüffe, j. ^ö. in ben Strafonftalten, bcn SRerbrcc^en baucrnb in bic 3(rmc getrieben roerbfiL @eljeime S5erbre(^er feien ^erfonen, welche infolge ber gefeilt fjjaft(i(^en Einrichtungen unb mangelf)after Öefe^e ber 3trofe entgingen, obroo^l fie t^atfäc^lid^ Scbulbige unb mitunter fogar geborne 55erbrec§er Wm. (Sin le^te^ Äapitel ift ben Gpileptoiben geroibmet, b. \). ben ^ers 'onen. bie nic^t für epileptifc^ gelten, bei benen aber geroiffe Seiten if)re^ Pf9W(^en bebend aW mafjlo« angefeben roerben muffen". — 2?en Sc^lufe Wben 9Joc^träge, roelcbe fic^ besiebcnauf: (Spilepfie unb iUrbrec^en, Öong, XKinb, 9iafe, 3Jerbre(^erfcbäbcl, gingers unb 3^id)<^"fP'^«tbc, Afunft unb GJes roerbe, 0eru(^ unb Öef(§moct, Öe^ör ber 58erbre(^er, (Srgrauen, 3lu«faUen ber ^aare unb Siunjeln, bie !öerbrecöcrin, o"teUigen5 ber SJerbrcc^cr, J^Ue Bon 3Roral=3nfanit^ mit latenter Gpilepfie, Scic^enbefunbe bei ^otaU 5nfonit^ unb Serbrec^en, ©enealogieen oon Gpileptifc^en unb ^.^crbrec^ern. ^«fflre i^ombrofo: Xtr geniale 3)?enfd). 3(utorifierte Überfetjung Don Dr. SÄ. C. Sränfcl. Hamburg. Serlageanftalt. 1890. XXXI u. 447 S. !Wa(ö SombrofoS Slnfic^t finb ber 95erbrec§er, ber 0eifte^franfe unb baö Tjienic infofern äf)ntic§, alö fie alle brci eine 2lbroeic§ung oon ben X^pu^ bee normalen SWenfd^l^« barftellen. Gr will biefe (Srfc^einung für ben genialen 3Renfc^en ebenfall« auf epileptifc^cn Urfprung jurüdfübren. ^t'öcn: fall^ ift if)m ba« Cienie ebenfalls eine Degeneratioueform — esJ ift beinahe 3ufaU, ob fic§ bie ^Degeneration in einem Überfcbreiten bc« ^Jiormalmafte« nac^ oben ober nac^ unten f)in äußert: Scrbrecben, (>)ciftedftörung unb t3ente fomntcn mitunter in berfelben Jamilie abiuecöfelnb oor. 3"" jum 3Serbrecber!) anfalläbnlic^eiä 2luftreten ber iöegeifterung, fbcnfolcbe« ^ntermittieren berfelben, UJorbanbenfcin eines boppclten ^croufjts fein«;. Bebr bäufig feien b^i genialen :3)2enf4en au(^ 'J^eurofen unt> (^eiftee- ftörungen in abortioer gorm. Gborea, (Spilepfie, SKelanc^oIie, (3röftcniüa^n, 3n)eifelfucftt, 3(lfobolwmu«> ©elbftmorb !ämen b^ufig oor, moralifcbeö ^rrefein unb (^efübl^abftumpfung nicf)t minber. ^^luc^ eine gro^e ;iai)l geifteefranfer (5!Jenie« gebe e«. 3*« gioeiten Xeile feines iöucb« bcbanbclt Siombrofo bie Ätiologie be« OJenie^, bcn ^Sinflufe ber 3ltmofpbäre, Deö Älima, oon fojialer Umgebung, iHaffe, (Srblicbfeit oon Äranfbeiten, ber ^ioilifation ufro. ^er britte Xeil bebanöelt bas C>Jcnie bei ben ^xvtn, Zm vierten Xeile fuc^t er bcn ^{ac^weiö bed epileptoiben (Sf)arafter9 bes Cienied ju erbringen. >r. 5riebri(^ Öoppelöröber : Über Jewcrbeftattung. 55ortrag, ges galten am Xbenbe bee l:J. Je^^uare 1890, in ^erbinbung mit 310 9i5liograp^tfc^e ^toti^cn. @£pertmenten unb unter Sorioeifung oon !oIorierten Silber im naturioiffenfc^aftlic^en herein )u SRü^l^aufen im @I{a1 3lth^t Stn^ang unb mit 5 9l66i(bungen im Xe^te. !3Kü^ (Raufen l ( Söenj u. ^etcre. 1890. VI II u. 108 3. 2)er fel)r intereffante Sortrag befpric^t junäc^ft bie oerfc^iebem ätrten ber :6e^anb(ung ber Seiche: 392umifi)ieren, Ginbalfamieren, Aon\t vieren, bie (^b^eftaltung, bie ^^i^ftörunq burc^ (E^emitalien, fobann b Leichenverbrennung im SCItertum unb in ber D^eugeit, bie ^(ufbewa^nn ber älfc^e, bie Höften ber g^uerbeftattung unb bie Gtnwenbungen gegi biefelbe. Sefonberd ^ervorju^eben ift ^ier bie Sefprec^ung ber oom frin naliftifc^en Stanbpuntt gegen bie Leic^enoerbrennung erhobenen & roen^ungen. Serf. fuc^t bur^) audfüEjrtic^e Sefprec^ung einer großen ^nia von @iften unb i^rer 9Bir!ung nac^guioeifen, ba6 eine Leic^eufc^au o< bunben mit einer oeftion, roeU^e bei allen XobeefäUen von 9(mte n>eg t>or}une^men n>äre, nic^t nur ebenfo fieser, fonbern viel fieserer loie ei fpätere ($£f)umation ^ur ©ntbedung ttroa begangener Serbrec^en fü^t muffe. Übrigen^ fönuten im Serbac^t^faUe j. :B. bie (Singeioeibe ben C ric^t^c^emüer übergeben werben, bie Verbrennung bed übrigen HÖrpc n>ürbe bann unbeben!(i4 fein. äU. $reper: Xtx ^ppnotidmuS. 93orlefungen, gef)a(ten an b Hgl. Sriebric^^äBil^eCm^sUniDerfität ju Berlin. ')Ub\t 9( merfungen unb einer nac^gelaffenen ^bbcinbtung von ^ra aud bem 3al^re 1845. ä&ien u. i^eipsig. Urban u. 3c^n>ar)enberg. 18i VI u. 217 3. Tie Sorlefungen ^reperd bebanbeln bie allgemeine ^ebeutu unb ben Ursprung bed ^ppnotidmud, befc^äftigen fic^ mit ber Ü^efc^ic^te t tierifc^en 9)kgnetidmuiS unb mit ber (Sntbectung bed ^ppnotidmu^ beutigen Sinne bed Sorted burc^ Sraib. &^ wirb ferner bie Stu ^ppnofe, bie J^ataple^ie hti SRenfc^en unb 2:ieren, ber tierifd^e £)^pnotidm unb bie Srage ber Simulation befproc^en. Sobann gebt Verf. ju t SRitteln über, burc^ welche ^^pnotifc^e 3uftcinbe ^erbeigefüf)rt roerb* wobei bie Verbalmet^obe wobl ctwad )u für) wegfommt ^ fc^Ub fobann bie pbpfifc^e unb pfpc^ifcbe Symptomatologie ber :p9pnofe. 2 folgen wieberbolter i^ppnofen ^ält er für nic^t unbebenflid^, indbefonbi fürchtet er bad (Bntfteben einer i^ppnomanie b. f). eine bem 3llfot)oli^mi ipafc^ifc^w Cpiumraufc^ ufn>. oermanbted Sebürfni^ nad^ neuer ^ppnc Xa^ ebenfall«^ erwähnte Eintreten ungewollter :p9pnofen beim ^nblicC ) gewöbnlic^ benu^ten Ginfc^läferungdmittel ober benfelben ä^nelnben @eg ftänben ift bei ber Suggeftiometbobe wo^l ebenfo fieser audgefc^loffen, t bie 9)2ebr5abl ber hd anbem Serfabrendarten nic^t feiten eintretend Störungen be«^ allgemeinen 9)efinbend. Xet Sirtung ber Suggcftion tri übrigen« ^rc^er in einem befonbern jlapitel 9{ed|nung, wobei er auc^ ( bie i)2ögli(^!cit unb ^ebeutung ber Suggeftion im il>acb3uftanb einbringlii binweift. (&x befpric^t bann ferner ber ^^pnofe ocrwanDte j^f^änbe u }iel)t eine parallele ^wifc^en $vft^i^ie unb £)ppnotidmue, welcbe er be ale fortifalc 9ieurofen bcjcic^net ^fofcrn ed ficb bd Uiben in erfter 2\\ um Störungen, teil« Steigerungen, teile ("Hemmungen ber ^unftionen t IBibliogrop^ifd^c 9loti}en. 311 Unmeit SuBflans ber ©ro^Atm^enitfp^ören ^anbelt, unb sioar o^ne gröbere orgonif^e fiäftonen unb o^ne nohoenbtge Beteiligung etwaiger fe^eKer InomaHeen bei betben ©efc^lec^tern". Überhaupt betrachtet er t^eorettfc^ bie ^ppnofe im loefentlic^en a(d eine Slrt fünftlic^ erzeugter ^pfterie, meldte bUKj eine ©nnübung unb Junhion^Iofigfeit geroiffer Öegirfe ber Örofts timrinbe entfiele, ^ie Sebeutung ber ^ppnofe in t^erapeutifc^er unb fotenftfc^er 9)e)ie^ung f^tbt er ebenfaUd b^tDor, obne ftc^ jeboc^ in (e^^trer $tnfi4t auf (Sinjelbeiten einjulaffen. 9}ur bie liRotroenbigfeit, bem Unfuge be^ ^ppnotifterend in £aienfreifen )u fteuern, bztont aud^ er fd^arf. ^en In^ang bilbet bie Überfettung einer bidber nocb nicbt oeröffentCic^ten 8cbrift von ^amed Sraib: Über bie Unterfc^iebe bed neroöfen unb bed geroöbn« li^en 3o" bem ^auptoers mieter gegen ben ^auptmieter erftrittened 9iäumungeurtci( au(^ gegen ben ^ftermieter DoUftredbar? S^gTeicb ein Beitrag jur JJeftfteUung be* Begrifft „ber im Streit befangenen Sacbe" (res litigiosa) im Sinne ber 3^-0* unb eine Jtritif ber 9)2otit)e iu§192, 516, bed (^ntrcurfS eined bürgerlichen Ü^efe^buc^ed für bas JJeutfc^e 9teicf>. Bunjlau 1'. Jernbacb. 23©. 6in (Sjjerpt ber Schrift ift f einer jcit bereite in ber ^wni-'^JiwJnmer (1889) ber ^^^tfc^rift ber 'Knroait^fammer im Cberlanbeegericbt^bejirf Sredlau erfc^ienen. Strafrec^tlicbe^ Ot^^^^^ffc bietet biefelbc nic^t. Xa^ oc^roergeroicbt Hegt, n>ie ber ^itel ergibt, auf bem (Gebiete be0 ^rojegred^t^. Ben necke. 5^ Jracbe, Obcrlanbeögericbtörat in 9Zaumburg a. ©. 2)ie reTigiÖfe ism jie^ung ber itinber nad^ bem (Entwurf bed bürgerlichen (^efe^: bucbd für bad ^eutfd^e 9ieicb unb 3lbänberungdDorfcbIäge. Me a. 3. 1889. Gugen Strien. 64 3. !Die Scbrift bef priest befonberd bie Sä^e bed § 15(>8 bed Gntraurf^. velcber bie l^egelung ber Jrage bem ü^anbedrecbt weiter überlädt unb bringt jum Scblufe in S^rm eine^ (^efe^edüorfcblagd bie in ben (rntrourf einjus fügenben :£lnberungen, roeCcbe bier abjubrucfen gu weit fübren roür^e. 3" gleicher S^^^ W^gt SJerf. etwa afö ^ufa^ ju g 1(K) St.Ö.!ö. ror, bie «cr= (eitung jum 9ie(igiond: ober Jlonfeffion^übertritt burcb !^erfpred^ung äußerer Sorteile ober burcb ^robung ober burcb Sn^^^t^^ ^it (^elbftrafe nid^t unter 150 SRarf ober mit entfprec^'enber ©efängnieftrafe ju bebroben. 312 ^ibliograp^ifc^c ^totijen. 3m ?(n^ang enthält bic 3(^rift eine 3"föntmcnftettung ber \e geltenbcn, nadj bem 53orfd)ra(;e bc§ Csntiourf^ bc^ bürgerlichen Öefetjbud aucf) tu 3u'unf^ ^^ (Geltung bleibcnben (anbcered^tUd^en 8ätfe. Bennecke. CUf)ttufcn: (^runbriij ju rec^töroiffenfc^aftlic^en Sorlcfungcn n ber i^Öniglicben Jörftafabemic ju GOersroalbc ^^^^eite^ ^r 6ioUrecf)t. S3erliö. 1889. 35a^Ien. i>7-2 o. 8. 3u gleid^i fnapper unb überfiditltd^cr aucf) bem 3^ic^tjuriften perftäR lieber 2ißeifc, wie im erftcu, ©eric^teoerfaffung uub ^'iroseft bebanbclnbi $«jfte, gibt 2>erf. im jrociteu .t»cft ciucu Öruubrift bcrjcnigcu ^J^atericn U ^ioilrecf)te, welche für bcn Jorftmann dou ^ebeutung fein fönuen. Hennecke. Annans« 9Son ber 93uc§banb(uug GJuftao goct in Seipjig ging ber Jicbaftion bicf^ 3eitfc§rift folgcnbc !}loc$ricbt 5u: «on aeptember 188Ü bie babiu 181)0 finb 3,145 ^»iffertatiouen, $rc grammabbanbtuugen, ^abilitationS^ uub (^elegcnheitefcbrifte crfc^ienen unb im $)ibIiograpl)ifd)en SD2onat$berid^t über neu ei fc^einenbe 3cl^u[: unb Uniuerfitöt^fc^riften jur ^^lufnabmc gelang Xic BJJebrjaftl biefer 3c^riften ift nicbt in ben 35ucöhanbcl gefommen. 3h bic einjelnen SlUffenfc^af ten üertcilen fic^ biefe .^'U^ 3cbrifteu lüie folgt: 1. Hlaffifd^e ^bitologic unb '^Utertumöiüiffcnfd}aften: 410. '2 ^JJcucrc ^^bitologic: 3()4. .*). Cricntalia: 47. 4. (>iefc^icf)tc mit ibren .t^ilfotüiffenfc^aftcn: 18(). T). Weograpbie: 18. <). ^bcologie: J9. 7. iNf)Uofopbic: 80. 8. ^iäbagogif: 81. 9. )Öefcf)reibenbe ilJaturiüiffcnfc^aften: 147. 11). eyafte ^^iff enfcbaf ten : 238. 11. 3iccbte: unb 3taat#n)iffeiifcöaften: lili*. 1-2. !»Jebijin: 1'200. 13. CSbcmie: Si± 14. Öilbenbe Üünfte: 12. ir>. muiil: 3. K). ^^anbioirtfcöaft: 13. 17. ilkrfc^iebenee: 18. 6ine idertcbtigung jur 9(6^anb(img Don Dr. Jraffat fUhrr bir ttrur po^iint ddiulc br^ dtrafrril|t$ in ttttgliitilli'^ Don 'X 'li>u(ffert, ^^rbatbogent gu SKoSfau. ^s loirt» von bem ^crfaffcr bcr genannten iÄb^anblung meiner 9lb: tolung „JiufrifAc t^ofitiDiften öe« '3 trof redete" (Journal für Straf-- m\r> ^>nwitrctftt, i^etereburg IHHO) gebac^t unb barau§ ein siemlicft grofeer %^affue in ^wtfier Überfe^ung angeführt. Ungcarfitet ber 9(nfüf)rungcrfaffer f)(it von bcr üblichen 9)Janier, bie rocggelaff^nen Sätje ^^ einem ocrfürjten CSitat burd) tUmftur ansugcbcn, abgcfefjen. Xa^ wäre '4on iin 6ninb, roeeliolb oielcriei unüares in bem gcbadjten ^affu§ fic^ finbet. tjjeit roiditigcr ift aber ber Umftanb, bafe ber SSerfaffer febr ungenau aii<^ bem iHufnfcöcn iibcrfe^t f^at ^\n öem ,'>ntercffc ber il^afirbeit unb ber 3ad)ge: '"öBigfeit baltc irfi c6 für wünfdien^rocrt, im fotgenben bie gejagten Unge« "«iuitjfeiten ju bericf)tigen. 3luv ber 3eite «llo ftcht folgcnber 3atj: „3^ie großen roiffenfd)aftlicben '^ihUau (önnen nicbt ucrmittelft ber ^öefanntfdiaft mit ben legten erfangt ^itun\ '^cv 3a^ ift unforreft nad) ^orm unb 3inn. Tic 3teUe im Criginal lautet fotgenbermaHcn: „2^ic großen ipiffenfd)aftlid)en :)iefultate werben nicbt öurcft eine (fmpfänglicbfcit errungen, ioeId)e bie le^jten ber rfcit nac^, wenn ^^^ß friidreife wiffenfd)aftlid)e (gebauten wiebergibt". Cfbenba ftcht e^ in bcr ^^hanMung von Dr. ^raffati: „3^arum auc^ ift bie 'ii^eberf)olung ber neuern J^turli(^^ wie (iJarofalo nad)gcwiefen hat"; mufj bciBon in rid)tiger flber- l^^ung: „ift bie 'ii>iebert)olung ber '3)iobetbeorien natürlidi, waö eben (^arofalo ^" ^ug auf ben 2(uffatj von ^JDiinjCoff nad)gewicfen bat". Cfbenba lieft man: .i(fo gleichwie ^iufelanb in feiner 'A^iffcnfd^aft feinen :{weig bebaut imt, fo ift '-lehr juc Htimatifierung ber ürbfrijaft-^ne^mer ber neuen otalienifd^en pofitiuen ^*ule geneigt", ^er erfte 9lbfo^ mun aber heifjen: „^crgeftalt erfd)eint ber cinn beö ^'obee (iJarofalo febr oerbäd)tig unD lautet fofgenberma^cn: ba ec- Ulm ed^te iiJiffcnfc^aft in ber iU^rgangenbeit :Hui>Ianbv gegeben bat " om 5rociten 3(bfatj finb bie 'iiJortc „.Hlimatifierung bor Cfrbfd)aftvnef)mer" febr ungenau, ^lan fonn bod) nic^t üon Crrb)d)aft!jnebmer fpred)en, x>a man eine ^iftbaft von einer lebenben phi)fifd)en ober moraüfd)en 'l>erfon nidit erbalten fann, unb ^ötte ben 3a\} wirflid) ein (~')egner ber italienifd)en pofitiuen 3diule, 314 91. Söurffett. tpte tc^ ed hin, gefc^rte(en, ba fönnte man i^n oteUeid^t ber $er(äumbung obe Verbreitung fa(f(^er ^^ac^ric^ten oerbäc^tigen. ^m ruffifc^en Xevi totrb ooi „^rofeliten unb 9ln^änger ber pofitiocn Schule" gcfproc^cn. 3Bciter finbet fic in ber bcfproc^encn 2tb ^anblung ber Soft; ^3« k>en 2lbern biefer geniale 9J2önner rinnt ba^ öfut jener boc^berü^mten Italiener, roelc^e roiffenfc^aftlict 2lbftraftionen mit ben Grforberniffen ber ^rajiS ju oerbinben oerftanbcn." 3i ruffifc^en lert wirb nic^t oon genialen, fonbem von „begabten" Scanner gefproc^en, roaS bocft ein großer Unterfc^ieb ift. Jemcr ift ungenau ber 3a pom „3Serbinben wiffeufd^iaftHc^er 9lbftra!tionen" mit ben „©rforberniffen b< ^rafiö". ^m Original lautet biefer Sa^ folgenbermaften: ^roelc^e mit roiffei fc^aftlic^en ©tubien eine praftifc^e ^^ötigfeit uerbinben mußten unb roelc^e fi ebenfo auf bem Jelbe roiffenfc^aftlicger ^abinett^^rbeiten, ald auf bem JeH praftifc^er $olitif unb Diplomatie au^gejeid^net batten, $ei ricbtiger Übe: fe^ung würbe man ferner anitatt beö 3a^ee: ^oerlangt pc (bie pofitiüe 3c§ul( bie 9tner!ennung .... jeber fleinen Umänberung in bem peinlichen i^ecbte, al eine oon ibr bcift gewünfc^te Sleform ^ben folgenben ^ai^ lefen: „üinbijiertf jebe bebeutenbe Jleform im ©trafrec^t, wenn auc^ ber fleinfte fc^einbare C3rur baju oorbanben ift. @nblic^ ift ber letzte 3a4 in ber befproc^enen Stelle Der Slbbanblung vo Öerrn Jraffati oon bem „fat^olifc^en aRifftonar", roelcber bie roilbcn )Bölf< an bie 2(u§bebnung unb Cber^errlic^feit ber (^riftlic^en äöelt erinnert — cii ganj unrichtige Überfetjung bed ruffifc^en Original« — roelcbe gänjlicb ba« Tei tium comparatiouis oern)ifc^t. — ^m Original b^iftt e« fo: „(rben| fann ber fatbolifc^e SKiffionar" triump^irenb auf bie 3Beiteroerbreitung bc fatboUfd^en Se^re Ui ben fernen Slleuten unb Xungufen biuweifen." 6. Urrhrri^rn uttb Qcrsrhrtt gegen tteltgtütt nnb dtttUdikeit in ^ßerretili-Unsarn, ^on Cbcrlanbcegcricf)tdrat J. o. öcrncrtt). 6d ift cbcnfo Icl^rreid) als intcrcffant, bic ©cfe^gcbungeu jroeier jii einem 3icid)e Derbunbenen iiänbergruppeu in jenem ^^Umfte }u Dergleicbcn, roo ber jeroeilige Äulturjuftanb am fd)ärfften }um äuibrucfe gelangt; mir meinen ben Äreid ber 3)e[ifte, bie fidj anf äWigioit unD Sittlid)teit bejiel^cn. Siefe SJergteidbung geroinnt an äßert unb SJebeutnng, roenn, roaö l;ier jntrifft bie bciberfeitigeu Opcrote nngefäf)r in biefctbe 3^it fallen. 3)enn ber üom öftere '^^^ilc^en 3in"tijminifter, ©rafen Sd)önborn, im 3tpril d. 3- bem äbgeorbnetcnl)anfe vorgelegte Strafgefe^^lSntronrf, ben wir l)icr ^""i Cbjefte ber t^ergleic^nng n)äl;len, M \>a^ geltenbc öftcrreid)i|d)e Straigefeß fcbon aM bem SJeginne biefeö ^i^'j^'j^^^^rtd flammt, ift "» großen nnb ganjen eine Stcprobuftion bcö Ölafcrfd;en ßnt- "'»rieo auö bem 3;al)re 1874, n)äl)renb baä ungarifd^c otrafgefeß* •Jud) über 5l>erbrcd)en unb äJergel)en mit ©efeftartifel V üom ^.•[i)xt 1*78 ins iieben trat. Sttbgefe^en von biefem 3^itumftanbe ^at ^^iöeii Öefetjesarbeiten Dornel)mlid) baö Straf gefeb für baö Seutfc^e ^^^^ j\ur Wrunblage gebient. Sie 3lbii)eid)ungen Ijierüon nun ^"ftfeitö, foioie anberfeitd bie 35erfd)ieben^eit unD C5igentiimlid)feit ^^r Ginjelbeftimmungen, weldje ber eine unb anbrc J'eil in Dem ^rn)ä^nten 3?elitt§gebiete ju treffen für angemeffen erachtet ^at, flßben baö ©efamtbilb beffen, roaö wir in biefen j^cikn ju jeic^nen im Dorgenommen ^aben. l>orerft mufe an bie gewaltige Äluft erinnert werben, weld)c {wifdien bciben 3leid^$^älften in bei^ug auf bie S^rabition ber £traf= S^etflßbung beftel^t. ^n x!)fterreid^ lag, aU man jur iüngfteu 3citf(^rift f. b. gcf. ctrafrc^t^iD. XI. 21 316 %' ». ©crncrt^. jtobifitation fd^ritt eine grogartige unb {letig twtroidtltt Stxiltiix^ arbeit auf bem ©ebiete bc« Strafred)td jur 9{id)tfd)mir unb äJe^ nufeung üor. 2)ie 2:^crefiana, baö 3ofefini)(^e öJefegbudj, bod ©trafgefefebud^ üom Saläre 1803 mit ber neuerlichen 3luflage dou 1852, fie bitben cbcnfo üiele ©tappen in ber mel^r atd j^unbert^ jal^rigen ©ntiüidlung bed Strafrec^tö, unD eö erfd)ien nid&t fd)wcr, an ber langen Äette bicfcr 6rfal)rungnn weiter ju fcbmiebcn. Slnberö in Ungarn, ^ier gab e§ biö in bie jnngfte 3eit, baö turje Interregnum ber öfterreic^ifd)en ©efefegebung (1850— 18G0) am^ genommen, feine gefcbloftenc Äobififation in Straffad)cn. ©inselne bürftige ^artifulargefeße, jcrftreut im 5Maume unb nad) ^BJafegabe be« jufälligen Sebürfniffeö in ben üerfc^iebenften Reiten ^eruor^ gerufen, bilbeten bie fpärlicöen Duellen für bie Straf rccl)töpflege; baö Sc^mergeroic^t lag in bem „liberum arbitrium judicis*". 3)er SBerfaffer beö' gegenwärtigen ungarifd^eu Strafgefeftbuc^eö — ©enatöpräfibent Gfemegl^i — ^at ba^er ganj red^t Daran getl)an, bafe er mit Übergebung beö bereits üeralteten einfieimifd&en GnU rourfö gleid^ an bie legten praftifc^en ©rgebniffe Der Strafredbt«- roiffenfdjaft, mic fie namentlich im beutfd^en Strafgefefebuc^e 9lu6= brucC gefunben ^aben, anfnüpfte unD hawad) jur '^luöarbeitung beö neuen ©trafgcfefeeö für Ungarn unter fteter SJebacbtna^me auf Die befonberen 3}erf)ältnif|e bed Xianbeö fc^ritt. 3u ben cinjelnen 5)eliftcn übergel^enb, roenben n?ir uns ju= erft jur ©ruppe berjenigen, roeld^e fic^ auf bie Sieligiou bejie^en. 3n ber üon Dj*. ©uftat) ©teinbacf) üerfafeten unD oom tönigl. ungarifd^en 3ufti}minifterium f)erauögegebencn bcutfdben ttberfefeung bes ungarifd^ien Strafgefefed lautot bie Über)ct)rift De« üon ben SReligionöbeliften l)anbelnben ^auptftüdfeö: „äJerbred&cn unD ä>er= gelten gegen bie freie Jicligionöübung". SlUein Damit mirD Der 3nl^alt bed genannten ^auptftüdeö teineSroegö crfd)öpft. Unb in ber Xijat jeigt bie äJergleic^ung ber Überfefeung mit bem ungarifcben Driginaltei'te, bafe biefe Überfd)rift genau ju lauten Ijätte: ,,iii"f^ß" pon jenem ßntwurfe ab, ber feiner 3^it '^on ©lafcr oorgelegt unb feitenS beS 3tuSfc^uffcS beS öfterreid}ifcben 3lbgeorDnctent)aufcö burc^^ beraten wurDe. 2BaS namentlici) bie ©ottesläfterung betrifft, fo bürftc nid^t leicht ein anbres 2)elift bes öftcrreic^ifd^en ©trafred^ts 21* 318 %' r>. 0crnert^. im Saufe ber ^tittix größere äßanblungeii erfahren ^aben ate ba< oben genannte, äion ber iSl^erenana a\\ Die Spige aller ^alft^ gerid^tlic^en ä^erbrec^en ijefteQt unb mit ben graufamften 2o\i^: (trafen beDro{)t, erflärt bafi ^ofefinifc^e ©trafgcfeß t>en (i>ottefi: (öfterer für einen ääa^ntoigigen^ ben man fo lange im ^oU^auf< anhalten foH, bid man feiner Seffernng oergeraiffert ift. S^aö roeft galijifd)e Strafgefefc ( 1 796) nal^m bie ©ottedläfterung roieber nntei bie IrimineQen ^anblnngen auf, !nüpfte aber, mad bemerfen^roen ift, l^ieran, foroie an bie ^eligiondoerbrec^en überhaupt, bie Sc bingung, baß baburd^ öffentlichem ärgernid gegeben, eine ißtx fü^rung ober gemeine ©efa^r l^erbeigefü^rt würbe. Xa^ Straf gefe^ Don 1803 unb bad l^iernac^ reoibierte oou 1852 fel;en oor biefer 33ebingung ab unb (äffen fie nur ald (^fd^merung^grunt gelten. Ser Slaferfd^e Gntrourf oon 1874 Ijält ndi an M^ geltenbi &t)tii, erfuhr aber burc^ hen 'Jtuöfc^uß bed 9lbgeorbnetenbaufe( ben bem beutfc^en Strafgefe^e entnonunenen Öeifaß, Mii bie (5)otted Idfterung, um ftrafbar }u fein, in „befd^impfenben Äußerungen* gefd^e^en muffe. 3)iefer Seifafc rourbe in bem fpätercn unb Den neueften Cntiourfe roieber geftrid&en, fo Mi gegenwärtig Da ^^^rariö mit hinlänglicher Älarl)eit Durcft geführt roorben unb fönne beffen weitere (rntwicflung. Da Dei ©runbgebante uuerfd^ütterlicb feftftelje, unbcbentltcb Der s»tnnftigen 2'l)eorie unb ^jJrarid übcrlaffcn werben, äöaö fpejiell ben S^n'at „in befcbimpfenben Äußerungen" betreffe, fo fei Damit nur gefagt was ofjne^in jur fcäfterung geljöre. 2i?oUte aber Damit eine 6m fdjränfung bejwecft werDen, fo wäre Dies aud Dem ©runbe oerfe^tt weil ^iernac^ ade ^älle audgefc^loffen wären, wo in ben aud^ 8c(6tcärc bieö nid)t ber gall, bann bätte ^^ baö Straf gefeßbudb fiir t>a^ Seutfd^e "Jieicb, beffen :^enfern, ®ie Das 3)Jinorität§üotum in ber Ülngetegenl^eit bemerft, boc^ ®ottcöfurc^t unb grömmigteit nid)t abgefprod)cn weroen fann, ünb nad) i^m baö ungarifd)e ©efetj, biefe ftrafbare ^anblung nid;t öuf beftimmte ytfJerfmale befcbrüntt unb nur al§ iserget)en be^ ^QnDelt. ^n ber Xljat lel;rt Die Grfal)rung, bafe man eö in ber %et ber 'f^jäüt — unb fie finb an fid) feiten mit rol)en, be- |(^rdntten 3"öii)ibuen a\i^ beu untcrften Sd)id)ien ju tljun f)ai, roetdje burc^ ein oorauögegangened (Sreigniö getroffen, in einem äugenblidfe t)ödjfter a}erjagtl)eit ober öilfö'o^igf^it jeben logifd;en ©alt oerlieren unb fid) auö ibrer gebrücften Xiagc ju befreien ©ä^nen, wenn fie ha^ ^ciligfte, bem fie in il)rem Unoerftanbe bie 820 S. ö. Öcrncrt^. ©d^ulb an i\)xtx Üagc jumcffcu, bcfc^impfcu. 3m ©runbc (inb fo(d^e Ü)!en)c^en ntc^t weniger bemitleiDeiidiDert a(d ftrafbar. dlid^t iimfonft erinnert ba^er bcr Äaffationöfiof in einer CSmfdjeibnng j)om 19. 3"Hi 1880 baran, baß bie geftftellnng beö objeftiucn 2:f)atbefianbeö ber ©ottedldfternng baö ®erid)t nid^t ber ä>er: pflid^tung entl)ebc^ }u crroägen, ,,ob in Dem betreffenden Jallc bem Slngeflagten and) böfer äJorfaß" jnr Saft falle, nämlid) Die ^Ibfic^t bad ^öc^fte SBefen lierabjnroürbigen. 3Jeben ber Öotteöläftcrnng jäfilt ber Sieg.'CSntiu. aI5oti ju jerftören fudjt ober ber 3leligion ä?erad)tnng bejeigt". 2)as erften biefer Selitte lüurbe Dom 3lnöfd)u)fe, alö leid)t ^u irrigen Seur teilungen n)if|en]d)aftlid)er Slnöeinanberfeenngen fnt)renb, abgelobnt unb eö bleibt bal;er fraglidj, ob badfelbc im weiteren ifanfe bei äJerdanblungen im (Sefeße dlufnat)me finDen wirb, äinio ba« le^tere Selift anbelangt, fo lonrbe eö jwar von ber 3)Jel;rl)eit be*: 3lnd)d)uf[eö angenommen, jebod^ unter bie näcbftfolgenoen, minbei ftrafbaren 3)elifte gcreil;t. äl^ir mödjten basu nur benierten, t>a\ biefeö S)elift in feiner allgemeinen S'^fjung bnrcb bie anbermeitigei fonfreten Jöefiimmungen, meld)e MQ über Die C^egenfiänbc bei Steligion ^anbelnbe ijauptftücf entt)ält, entbebrlid) erfd)einen Dürfte 3h bem Ölaferfc^en (Sntiourfe befanD ]iö) !eine6 Dicfer beiDei Selittc. Sie finb aucö loeDer im Dentfdjen, nod^ in Dem Diejen uad^gebilbeten ungarifd^en otrafgefe^^e enthalten. ibio\)l aber ba ber (Sntiü. in t>m }Jj5 173 unb 175 im n)efentlid)en jene öeftim mnngen aufgenommen, metd)e in Den §§ 16(5 unb \iu beö Deutfc^ei unb in Den §§ 190 u. 191 Deö ungarifd^en Straf gefe^eö entljaltei fiuD. ßigentümlid^ ift nur, batj § 175, 3lbf. 1 bed CSntmurfö uoi ber „äJerfpottung" fird)lid)er (Sinridjtungcn )prid)t, iüät)renD Di betreffenden Stellen Der genannten öiefe^e Ijierfür Daö ii>ort „'öe fdjimpfung" gebraudjen, unD anc^ § 373 Deö öfterr. St.OJ., Den ber S 175 Deö ßntio. entnommen ift, neben ber i^erfpottung aud bie „.pcrabroürDigung" fird)lid)er (Sinridjtungen, l'el)ren unD i>k brändje alö S^eliftömertmal auffiellt. i)lm Sd;lnffc biefer i^et gleidjungen fei übrigenö einer bemerfenomerten Äußerung lUbegg- geDad)t, wonad) Die auöDiüdlic^e ^ejugnal^me auf Dao ^teligiof im 'Jied)te für fid) allein fo wenig verbürgt, Dafe jeneö feinen wcfentlid)en ^'^uljalte nadj gebül)renben (Eingang gcfnnben, alö be ÜÜJangel berfelben einen ^)eweiö bafür abjugeben uermag. Dag Da 8cr6rc4cn u. Sergc^cn gegen 9le(tgton u. Sittlic^feit in öfterret^sUngom. 321 9{e4t bte für bered^tigt Qn}uer!ennbeit religiöieu Sejie^unßen ab? Sej^nitten l^abe. * * * ÜSeit mannigfaltiger nod^ ift bcr Untcrfc^ieb, bcr in bciben @ebietdtetlen in älnfel^nng ber gegen bie 'Sitt[id)feit gerichteten ftrafbaren c^anblungen befielt, luie benn über^anpt ber ^reid bieier 3^elifte ein weit größerer ift alö jener, bcr fic^ anf bie iHeligion besieljt. in Sejng onf bie jroeifad&e 61^ e — roeld^er übrigen« im un8ari[d)cn Öefe^c ein eigener 3lbfc^nitt geroibmet ift — folgt fo- roobl Dicfcö als ber öfterr. (Sntro. bem 2^enor beö bentfd^en Strafe flejcjcö. 3<^bo(^ t)erl)ängt bad nng. ©efe^ Ijieranf tnir bann Äerfer bis 511 fünf 3a^ren, xoenw ber Sd^nlbige ben mit il)m in C^e treieuDeu Zeil in besag anf ben SJeftanb ber früljeren CS'^e in 3tr- tum gcfütirt Ijat. M^ öfterr. Gntn). finbet 'fid) noc^ bie 3"fötjl>ßfti"i"uing, bafe »lir Öefdngniö bid i^n jroei 3ß()i^^Ji oerI)ängt roeröen tanw, luenn öie erfie Crt)e nngültig war. ^n betreff ber Seelforgcr unb Öe^ üintcn, tücld)e miffcntlic^ jnr Gingeljnng einer Doppelehe mitroirfen, tiiiD Die beiberfeitigen Strafbeftimmnngen in Übereinftimmnng mit l'em beutfd)en Strafgefe^e. 3)agegen ftraft baö nng. (>3ef. felbft jeiicri Seelforger mit ©efängniö bis 5n einem 3al)re, bem bei SdilieBung einer jroeifadjen CSf)c anc^ nur Jyal)rtäffigfeit jur Saft *öili; eine Strenge, beren örunb luo^l in ben befonberen äJers Äiffen beö Xianbeö jn fachen ift. 35ie Straf barteit beö (Sljc- •tuA« tnüpft baö nng. St.®. an biefelbc Söebingung, wie MQ öemfc^e föefeß; nur ftraft eö baö 35elitt gelinber (Wcfängniö bis ■5" örei ü)Jonatcn) unb läfjt and) im Xejte bie ftrafbaren Subjefte ■- Den fd)ulDigen G^egatten unb beffen a)Jitfd)u(Digen — als felbft= J^ltänölid^ t)inn)eg. 3lucb cntljält eö bie befonöere SJcftimmnng, ^ bie ftberreic^ung bcr 2:rennungö= ober Sd)eibungöf[agc bie ii>er= iöbrung nntcrbridjt, roctdjc jcbod) üom Xage ber :)ied)töfraft beö Urteilö loiebcr ju laufen beginnt. 3Jad; bem öfterr. Gntiü. l)ins 9^9^11 ift, in 3(nfnüpfung an baö geltenbc Öcfcß, bie Strafbarfeit l>e5 ß{)ebrucö6 teinedroegö an Die üorgängigc Sd)eiöung ober Trennung ber Qt)t gebunben. I^afür aber findet eine iscrfolgung nic^lt ftatt, xotnn ber ß^ebrucb ju einer i]eit begangen würbe, in ml(btv bie Q\)t gerid)tlid^ gefcbieöcn unb bie c^elid)e Wemcinfd)aft lü^jt loicbcr ^ergeftcUt war. C^nblic^ bilbct nad; öfterr. ^ec^te 322 S. ö- ©crnert^. ber (S\)tbvuä) fein antragsbclift, foiibcrn fann nur über $i aufläge be« beleibigteu ©Regatten beftraft roerben. 3)iefer Um ift infofern roid^tig, al« l^iernad) bem beicibigtcn JCeilc baß juftel^t, bie Slnflage gegen beu ^aupt:: unb 3nttfdE)uIbigen ju ober nur gegen einen berfelben ju ergeben, unb im Üaufe ©trafoerfa^renö feine Siedete gegen beit)e ju ücrfolgcn, ober jid^tlid^ beiber ober auclj nur eined berfelben üon Der 2lr jurüctjutreten. 3n betreff ber 2}lutf(I)anbe folgt ber öfterr. ©ntm. bei ftimmungen beö beutfc^en ©trafgefetjeö. 3hir ift bie Älaufel geblieben, roonad^ SSerroanbte unb SJerfdömägerte abfteigenber ftrafloß bleiben, wenn fie baö aditjeljntc £ebenSjat)r nicbt ooli l^aben. Ser IKudfcljufe beö 5Jlbgeorbnetenl)aufed motioiert Die burd^, bafe eine folc^e Seftimmung jebe ^^erfon unter ad; Sauren gleic^fam jur Slutfdjjanbe gcfefelid) beredjtigen mür) abgefel^en baüon, bafe bem 9tid)ter o^nel)in burd) iii 61 bie lid)teit gegeben ift, fold^c ^^Jerfonen dou ber 9Intlage frei,^ufpr *Der leßte örunb mag gelten, um fo meniger aber Der erft( auf einer üöQigen SJerfeunung ber älbfid^t beö (Sefe^geberö b( Übrigend werben burd^ bcn öfterr. (Sntro. bie Strafbeftimmi beö geltenben ©efegeö bebeutenD uerfd^ärft, iuDem biefeö Daö bred^en ber 33lutfd)anbe mit Äerter üon fed^d a)Jonaten b einem 3al)re, bie Unjudit jroifdden ©efdjioiftcrn unb S?erfd)roäc aber gar nur alö Übertretung mit Slrreft bis ju Drei SJJonati firaft, roäl)renb ber (Sutro., im ßinflang mit bem beutfd)eu v- gefefee, für baö erftere SJelift 3"4tl:)öus biß ju fünf ^aören für bie Untere ©efänguiö bid ju iwti 3al)ren feftfe^t. ^'aö ©efeft TOieber nimmt in ben Segriff beö 3"cefteö nur ben fd)laf unb anbere unjüd&tige .öanblungen jroifdfjen ÄNcrma aufs unb abfteigenber Wnie, fomie bcn Seifd^laf j;un|d)en fd&ioiftern auf. 3Jei bem lejjteren Selitte tritt felbft in Dem alö roibcrnatürlid)e Uujudit jroifdden 23rüDern vorliegt. Die < Verfolgung nur auf Stntrag ber ©Item oDer Deö Äuratorö 35er Seifd^laf jioijcbeu ä>erfdjioägerten ift gar nid)t mit Stra bro{)t. 3öol)l aber bleiben nad) SJorbilD beö Deutfd)en liefet» SBerroauDtcn abfteigenber :^inic ftrafloö, wmw fie bei Ik'rübun ipanblung baö od^tsebnte ;^ebeuöial)r nod) nid)t überfd)ritten Ij § 174 Deö bcutfdjen Straf gefefeeö (Unjud)t oou '^H'rfon befouDeren ajerpflid^tungöoer^ältniffen) fiuDet üerooUftänbigte Sieben!^ u. Scrge^cn gegen 9le(igion u. Stttlid^teit in fefterretc^sUngam. 323 naime in bcm öftcrr. ßittro., fc^lt bagcgcn im uiig. ©cfcftc. 9Jur al« erfc^iDcrcitbcr Umftaub fomuicii bicfc S}cr^ältni)7e bei ßeroalt- famet Unsud)t, tdoüou fpätcr gcf^anbctt wirb, jur (Geltung. SDcr Segriff bcr lüibcrnatürlic^cn Unjud^t, roic il)n ba« bcutfd^c Strafgefc^ aufftcHt, ifl aud^ im iing. ©cfeftc fcftgc^altcn. 3lud) bcr @la|eri(6c entw. folgte biefcm Seifpiele. 2lber ber iüngftc öfterr. ßntro. Ui)xt jur J^rabition beö gettcnben öefeßeö jurücf unb be^ [traft überhaupt bie Unjuc^t jroifc^eu ^erfoncn beöfelben ®e= f(i)(c(ötö. (So ift allerbingd logifd), bie n)ibcrnatttrtid)e Unjucfit nicdt auf eineö ber beibeii ©efdiled^ter jii bcfc^räiifen. SBcnu bie« bennoc^ von Seite ber beutfd)eu ©efetjgebung gefcbaf), fo wollte Damit nicht gejagt roerben, bafe Uiijiid3t3atte jioifdjcn l^erfoneii beö anDern (öeö lociblic^eii) ©efc^lec^tö uic^t aiid) ©träfe oerbieiiten. Mein eine lange Grfalining ließ eö nic^t alö ftrafpolitifcbeö Se^ öiirfniö erfc^einen, biefe 3lrt gcfd)lecötlid)er SBerirning, welche oiet leitet in anberen Säubern unb unter anberen Sitten üor!ommt, mit Strafe ju bebro^en. 3n bejug auf bie 33eftrafung beö ge= nannten Seliftcö ift baö ung. ©cfeß loieber bcbeutenb milber, inbem eö barauf nur ©efängniö biö ju einem ^at)xc oertiängt, roä^renb nacft bem öfterr. ©ntn). ©cfdngniö überhaupt, fomit eine N^eitsftrafe biö ju fünf 3al)ren angebro^t ift. 'Safe bie toiber^ natürliche Unjudjt jroifc^cn SBriibern Don bem ung. @ef. als eine älrt Des 3"cefteö be^anbelt wirb unb nur über Slntrag ber ßlteru ober J?omiünber geftraft werben tann, ift fd)on oben bcmerft rooröen. 3)cn § 176 beö bcutfc^en ©traf gef e^eö , roeld^er brei 3tbfä^e ^nt^d(t, trennt ber öfterr. ßntm. in juiei ^^^aragrap^en. 3)iefe Trennung n?urbe bcreitö bei Beratung beö 1874 er Gntionrfeö oom äusfc^uffe üorgcnommen, tpcil bemfelben 9tbf. 1 weniger ftrafbar fcdien, alö bie in 3lbf. 2 unb 3 aufgenommenen Xelifte (3JJitjbrauc§ riner roillenölofcn graucnöperfon jum äJeifcblafe unb unjüd)tigc ^anblungen mit ^^erfonen unter oier,^e^n S^liren). !riefe beiben äbfäee bilben nun ben § 187 beö CSntw. dagegen würbe 2tbfatf 1 unter wefentltd)er iEcjrtänberung alö § 198 aufgenommen, unb lautet Mefer: ^^'iDiit 3ii^t^öuö biö ju fünf 3a^ren ober föefängniö wirb beftraft, wer eine ^^Jerfon burc^ ©ewalt ober burd^ 3)ro^ung mit gegenwärtiger ®efa^r für Seib ober hieben jur !I^ulbung unjüctjtiger §anblungen nötigt, ober folcbe .t)onbUingen an einer ^^^crfon oor^ nimmt, wetd^e fidj in einem 3»ftanbe ber aöel)r= ober äiMlIenötofigfeit 324 S- »• ©ernert^. befinbet." SBerglcic^t man bicfc »eftimmung mit § 176, abf. 1 be bcutfc^cn ©trafflcfcöcd unb mit § 189 bcd üom 1874 er ätudfc^ufi mobifijicrtcn ©lafcrfdjcn entroiirfcö, fo fällt aU Untcrfc^icb oi bafe in bcn Ic^tcren bcibcn immer nur üon grauenöperfoncn bi Siebe ift, rocicbe }ur 3)ulbun8 unjüd^tiger ^anblungen genötigt ob( mifebraudjjt werben, roäl^renb § 188 bed gegenwärtigen öfterr. ©nt nur von einer ^^?erfon fc^ledjtmeg fpric^t, fobafe hierunter aui fd^roerere gäüe oon roibernatürlidier Unj^udöt begriffen werbe fönnen, wie Denn auc^ ha^ ung. @e)eg im älnfc^luffe an ben ^^'art grapsen, ber von ber wibernatürtid)en Unäud)t f)anbelt, eine S ftimmung enthält, wonach biefe 3lrt ber Unjnc^t begangen jroifd^e ^erfonen männlichen (Sefdöl^^tö, unter anwenbung üon öewa oDer ®ro^ungen, aU äJerbrec^en mit Äerter bid ju fünf 3<^^w beftraft wirb. 3n biefer gorm Tiub bie genannten 3)eliftc fowol)l bei beutfci^en Strafgefe^e aU bem geltenben öfterr. ©efeftc fremi 33ad bie Strafe betrifft, fo ift fte in ben §§ 187 u. 188 Dcd Gntti milber bemeffen al§ im beutfdEien Strafgefetje. x>itv 3"*^ö^"^ bi }u jel^n, bort nur bis ju fünf Qal^ren. S5öUig gleic^lautcnö m bem beutfc^en ©efege nimmt ber öfterr. Gntw. ben begriff un bie Strafe Der Siotjucbt auf. 3iur finbet ficb f)ier ber eigentün lid^e B^M^tJ/ ^^ß bie an einer g^rauenöperfon, welche mit i^rei iiörper unj^üditigeö (bewerbe treibt, üerübte Jiotjuc^t nur mit @i fängniö nidjt unter einem ^a\)xt beftraft wirb. (Stwad abweid)enb bel)anbelt bad ung. @efetj. bie ^anDlunge gewaltfamer Un^ud^t. So mad^t eö bafelbft für ben SJegriff De 9iotjuc^t feinen Unterfdöieb, ob ber Sljäter Den 3"^^"^ ber SJi wufets ober ÄMllenlofigfeit einer g-rauendperfon. Die er in Diefer 3uftanDe jum unel)elid)en Seifc^lafe mifebraud^t, felbft tieroorgerufei ^at ober nic^t. 2Uö Strafe für bad ä5erbred)en ber 'Jlotjudjt oei I)ängt baö ung. (8ef. 3"^^^^"^ ^^^ i" 5^()»i ^^Ijren, ift Da^e milDer alö fein iJorbilD, obwot)l auDerfeitö beniertt werDen mu( bafe in Ungarn Die fürjefte 2^auer ber 3"^)t()ö"öft^<^fe jwei ^abr betragt, wäl^renD in S'eutfdjlanD Daö 9)linDeftmaB biefer Strafat ein ^a\)x ift. 3In baö iNcrbred^en Der "Jiotjudjt fd)lie6t ficb im ung. @ej jenes ber „gewaltfamen Unjudjt" an. iTadfelbe begebt un wirD mit vierter biö ju fünf ^al)ren beftraft, wer an einer Jrauenc perfon mit ©cwalt ober 35roI)ungen, oDer wenn fid^ bicfelbc in Snfoe^en u. Serge^en gegen Sieligton u. Sittltd^lett in Öfterrei^'Ungam. 325 ^uftonbe bcr Scioufets, JlBillcm ober aBc^rlofigfcit befiitbet, außer ber S^e un^fid^tige ^ganblungen Derübt. 2Bir finbeit l^iermit ben § 176, 3lb|. 1 u. 2 bed beiitfc^en ©trafgefeßeö toiebcr, nur mit bcm llnterfc^iebe, bafe üorfiditSiüeifc bei ben unjüd^tigcn ^anblungeu ber öcifofi: „außer bcr G^c" gemad^t ift, roa« luo^t fetbftücrftänblid^ ift — und baß bie beroufete ober roiUendlofe Jftauenöpcrfoii nid)t jum Seiidjlafc, fonbcrn nur ju anbcren un5üd)tigcn ^aublungen miBbraucbt werben barf, weil im crfteren gallc, mie fc^on oben er« löä^nt, nad) ung. ©efeße ^Jiotüuc^t oorlägc. ©igentümlidiermeife nnDet fid) atbf. 3 bed § 176 beutfc^en Strafgefege« — unjüc^tige ^onDlungcn mit 5|Jerfonen unter oierje^n 3^^^^^" — "" i>"9- Strafflefefte nic^t aufgenommen. 2Bof)l aber wirb nad) § 236 bQiclbft wegen äJerbred^end ber ©d)änbung mit 3"^^^^"^ ^^^ ju fünf 3al)ren beftraft, wer mit einem unbcfc^oltenen SDJäbc^en unter oierjc^n Sauren gcfc^le^tlic^en 23eifd)Iaf pflegt. 3i>eiter <^el)t Der ©djug, t>cn baö bcutfdje @efe^ \i\\t> mit itjm ber öftcrr. ßiitiü. ber jungfräulid^en CSbre gen)äl;ren. 3iad) § 182 bcö beutfdjen Strafgefeged unb § 192 beö ©ntio. mirb nänUicö bie i^crfiU)rung eincö SKäöc^ens unter fcdjje^n Salären jum )öeifd)tafe mit iäe- fäiiüiiis biö ju einem ^ahxe beftraft. 9{ad) beutfd)em Öefe^ ift eö ein lutragöDetift, nad) bem öfterr. ßntio. l;ingegen fann cö nur über ^^Srioatanflage ber ßltern ober beö gefetjl. isertreterö oerfolgt w)erbcn. ^Jac^ ung. ®ef. fann außer ber 3d)ändung fetbft ^JloU h^t mib geioaltfame UnjudE)t in ber ^Megel nur auf aintrag ber ^erle^ten verfolgt werben, ber aber, einmal geftellt, nid)t met)r Snrüdjejogen roerben fann. 3tud) o^ne Slntrag ift baö Straf oer^ fabren einjulciten: wenn bem 2^^äter ein j^ineitcö, oon 'Jlmtö wegen jn ocrfolgenbeö unb mit jenem jufammcnl)ängenbeö iNerbred)en jur A!oft fällt; wenn bad äJerbredjen htn I^ob ber oerlet^ten ^^>erfon t)erurfac^t l)at; ober wenn es oon jemanbem oeriibt wirb, ber in einem befonbcren ä5erpflid)tungöüer^ältniffe jur oerleljten $erfon ftet)t. 9lod) eine weitere iöeftimmung fmbet fid) bicöfallö im ung. ©efeße, bie faum in einem anbcren europäifd)en Strafe (lelefc jlufnat)me finben bürfte. 'Jiacb S 240 baf. bleiben nämlich 3iot}ucbt, gcwaltfame Unäud)t unb 3d)änbung ftrafloä, wenn Der Xl)ättx oor äJerfünbung beö Strafurtcils bie oerlefcte fyrttuenöperfon geet)lid)t Ijat. Xicioer finö wir nidit in bcr l^age, niitjuteilen, ob ein fold)er ^^U bereits praftifc^ geworben. ^n S3c}U9 auf bie Syorfpicgelung beö cl^elid)en SJei^ 326 Sf- »• ®etnert§. fd^Iafeö folgen fotoo^l ber öfierr. @ntto. a(d bad itng. @efe( ber Seftimmiiiig bcs bcutfd^eu ©trafgcfc^cö, rocld^e, nebenbei bemerf^ foroo^l für baö ^ierlanb« aU in Ungarn geltenbc 3lec^t neu ift. SBeniger übercinftimmenb in beiben SWeid&d^älftcn finben wir bic Strafbcftimnuingen über An ppe tei. ©elbft ber öfterr. (Sntro. roeidjjt l^ierin in rocfentlic^en ^^unften üon ber J^ffung bed beutfcben ©trafgefe^eö ab. ©o fielet berfelbe jnnäd^ft von einer allgemeinen Segrifföbeftimmnng ab unb ftraft bie Änppelei nur unter i^orauö^ fcftungen, mit benen im geroiffem @rabe gemeine ®efaf)r üerbunöen ift. 6d werben baf)er aufeer ben in § 181 3tbf. 1 u. 2 beö beutfcben ©trafgefefteö enthaltenen fällen noc^ weiter beftraft: a) wenn Der ©c^nlbige polijeilid)en Slnorbnungen jnwiDerl^anbelt, we[d)e bejüglic^ ber Sd^anbbirnen ertaffen worben finb; b) wenn eine jvranend^ perfon, welcbe nidjjt mit i^rem 5lörper unjüc^tigcö ©ewerbe treibt, bemfelben jjugefü^rt wirb, unb c) wenn eine ^^Jerfon inö 3luöla^^ beförbert wirD, um fic bafelbft beut untüchtigen Wewerbe mit ibrem Äörper jujufü{)ren. 2)ie Strafen finb nadb 3)?a6gabe Der 05efdlir= lidjfeit ber aufgeführten gälle abgeftuft unt) reid)cn non ©efängniö biö ju fec^d 3}2onaten bid ju fünfjö()rigem 3^(d)tl)aud. "ilaäi ung. ©ef. fiingegen werben wegen Äuppelei mit 3iid)tbaud biö ju fünf Sauren nur beftraft: (Sltcrn, wel^e it)re Äinber, unb biejenigen, weld)C i^rer jyormunbfc^aft, Äuratel, (rrjie^ung, i^rem Unterridbtc, bejieljungdweife if)rer 3luffic^t anüertraute "j^erfonen jur Unjudit mit anberen üerteiten. 2lnöere ^yöUc ber Äuppelei, namentlid) bie oben unter a— c aufgeführten, im öfterr. ©ntw. üorfommenben ent= l^ält bad ung. @efef$ nid^t. 9iad) § 183 beö beutfc^en Straf gefefteö wirb mit ©efängniö bid JU jwei 3^0^^" ober an ®etb biö ju fünf^unbert 3)Jarf be- ftraft, wer burd) eine unjüd&tige ^panblung öffentlid) ein Särgernid gibt. S)er bfterr. (Sntw. erweitert ben 2f)atbeftanb, iubem er fagt, wer burcö eine unjüd^tige ^anblung oDer Sarftellung offentiic^ ein Srgerniö gibt. I^ie Strafe ift ©efängniö biö ju einem 3a^re ober ©elö bis ju 1000 'gl. 3in ung. ©cf. bogcgcn beißt eö: „ä^er burd) eine bie Sd)amf)aftigteit üerlc^enbc ^anblung öffcntlid)e§ ijlrgerniö erregt, wirb mit Wcfängniö biö ju brei 9)ionaten unb an GJelb biö ju 200 ®ulDen beftraft. SiUr glauben bie ungarifd)C ii:eEtierung üorjie^en ju foUen, weit bamit ber Äreiö ber einfc^lägigen .eanblungen genauer feftgeftellt ift. älucb ben § 184 beö beutfc^en Strafgefeßeö (^Verbreitung non unjüdjtigen Sctbrcd^ u. Sergej gegen 9leUgton u. 3itt(i4!ett in &j)erret(^«Ungam. 327 ©djrifteii iifro.) finbcn wir im öfterr. ©utro. ctmaö crroeitert, inbcm bafelbft auä) oerpönt ift: „"ißtx vor einer SReitfd^enmcnc^e uiijüc^tic^e 3Jcbcn fi'i^rt; bann mer unsiidjtige Sd^riften ober bilblid^e 3)ar^ fteQungen in iDrudfc^riften antünbigt^ ober burd^ älntünbigung in Sructfdjriften unjüditigc iNerlnnbungen einjuleiten ober „j^ur Sinncntuft aufjureijen" fucfet". 2)en legten ^^affii« l)at ber 2lu«5 fc^ub/ ald |)un)ett ge^enb^ geftric^en. iDad ung. (^3ef. folgt hingegen bcm beutfc^en SJorbiloe. 3lnr üerfd^ärft cd bie Strafe für bie SJerfaffer, SUcrfertiger ober Srudter fotd^er ©c^riften unb Srndt^ werfe, roenn bcren SJerbreitung mit i^rem SBiffen erfolgt. 6igens tümlid^ ift, baf;, loä^renb baö beutfc^e ©efejj für bie in §§ 183 unr> 184 entl)altenen Xtlittt GJefängniö ober ©clöbiiBe Dert)ängt, biefe Strafen im ung. Öefefte, roenn aud^ im gaujen milber, famuliert merben. Überblicft man bie l)ier aufgefül)rten (Sinseltjeitcn, fo finben loir in ber Xf)at n)efentlid)e Unterfc^iebe in ben :9eftimmungen ber beiben 9teid)d^älften. äBad namentU^ bie 9teligionöbeli!te betrifft, fo iji, wie mir gefelieu, ber Äreiö berfclben im öfterr. iSwtro. tnU fc^icben roeiter gejogen alö c« im ung. @ef. ber Jall ift. 3lud^ finb bort burdjauö ftrengere Strafen angebroljt, unb einjclue 3lrten ber 3Icligionöftörung, n)ic j. 2i. ©ottcöläfterung aU ä>erbrecl)en be^ ^anbelt, ma^renb bad ung. (vSefeg biejelben auönat)molod nur aU Serge^en erflärt. iniel bcbeutenber nod) ift ber llnter|'cf)icb, ber fic^ bei Setradjtung ber gegen bie Sittlid)feit üerftoöcnben Selifte ergibt. ilJeuerbingö jeigt fic^, baß bie ung. Wefetgcbung ben Äreiö biefer 2)elifte oiel enger gcjogen ^at, alö bieö oon ber öfters reic^ifdjen Xicgiölation gefdje^cn ift. 35ie Strafbarfeit unfittlid^er .^anblnngen ift bort bebingt, bag baburd^ gleidjjeitig dledjte bcitter ^IJJerfonen ocrtegt werben, ober bafe ber 2^^äter in einem befonberen lNerpftic^tungdi)erl)ältniffe ^\\x mifebrauc^ten ^^ierfon fte^t, ober tai mit ber .öo^t^'wng gemeine (i5efal)r ober meit reidjenbeö Sitten^ T)erberbni6 ücrbunben ift. dlad) biefem 3)faf5ftabe gemeffen feljlen ba^er im ungarijc^en Straf gefege mand;e )üeftimmungen, meldte ber öflcrr. Gntmurf auf.Minel^men für angemeffen eiad)tet l;at. 3tb= gefe^en ^icroon ^errfdftt aud? besüglid) ber Strafüerfolgung jroifc^en ben beiben ©efegeöarbeiten ein bebeutenber Unterfd^ieb. S&ä^renb nac^ bem öfterr. (intro. nur bie ^^orfpiegelung beö el^e- 328 5/ »• ®^egenfat^e ]it\)t ju Der natürlichen 9ied;töauffaffung Deö ajolfes. ^^Jrüfen mir unfern gall an Der ^anb ber jur 3^^^ ^^' fte^enbeii ©efefee nad) ber 3iicl)tung, ob biefelben o^ne 3"^^"9 9^- ftatten, meine ^anDlungSroeife für ftraflod ju erflären, obgleich biefelbe ja sunäc^ft jmeifellod in i^ren äußeren a)Jcrfmalen bem § 223 St.@.a. unterfättt, fo bietet fid& aU näcl)ftliegenber ©efic^tä-- punlt offenbar berjenigc ber 9JotmeI)r. ©ine ftrafbare ^anblung ift nid^t oor^anben, menn fie geboten ift ald ^^erteibigung gegen einen gegenmärtigen rec^töroibrigen Ütngriff auf ben 2:^äter ober einen umritten. Xa^ unter einem ,,2lngriff" aud^ eine Jöebro^ung bed (Sigentumd 5U oerfte^en ift, mirb in Der ^egrünbung Dcö CSntm. }um St.@.9. auöDrücflid^ ^eroorget)oben, unD Daß Deöi)alb bie 9)Ugl^anblung Ded .^gunDed an fiel) geeignet mar, mir ein ^er- teiDigungsredit 5U gewähren, ift aufeer S^^^ifcl- ©in fold^er ent- ftel)t aber fd)on Ijinfic^tlic^ ber "^vaQt, ob nicbt ein „3lngriff" Scibfitjiifc. 331 im Sinne Deö ßefe^ed audfdjlieglic^ von einem mit J^cmnJBttein tianbelnDeii 3)ten)c^en Dorgenommen tuerben fönne^ unb ob bedl^alb^ lüie 'j3ebro^ungen bnrd) ^iere, fo and) fold^e burdj nn,^nred)nnngd^ fähige ^^Nerfonen nid)t aU „Slngriffc" jn betrad)ten feien, roeld^e bie Jlotmeljr rod)tf eiligen, ba man bei iljnen nid)t oon einer „9ted;tös loiDrigfeit" )pred)tMi fönne. Cb biefe aiuffaffnng beredjtigt, ob nidit oiclnieljr nnter „Sliigriff" jeDe objeftioc Sc^äbigung jn üer^ ftctien, unb burc^ \>en 3»l'ß6 ^^rec^tiüibrig" leDiglid) fo[d)c 9lngriffe auogcid)loifen feien, ju wcldjen Der Slngrcifer ein Stecht Ijat, bafe brand)t bicr nid)t weiter unterfud)t jn werben, ba eö ^^unftc be^ trifft, bic für unfere g^ragc unerljebUd) fint). SiJir braudjcn nur anjuncbmen, Dafe ber Ajnnb fid) nic^t in ©eglcitnng feines Öe^ fi^erö befunden babc ober gänslid) t)crrenloö gemefen fei, um jebe tDiöglid)feit für Die isermenbung Deö SJcgriffeö Der 'Jiotiueljr auö- 5ufd)licBen, wäbrenb bie Beurteilung meines i?erfal)renö burdjau« feine aiiDre fein loirD, falls Daöfelbe jum ^wtdt l)atte, ein ge= quälte© ^ier oor roljer 'JJiibljanDlung ju fd)ütjen. i>erfagt aber fd)on Ijier bie ikrufung auf 3Jotiüel)r, fo braudjen wir nid)t weiter sn prüfen, ob and) in unferm urfprünglid)en AaÜe meine 2l)äiigteit wirflid; einen präüentiuen unb nid)t oieU me^r einen repreffioen G(;aratter trug, ob id) in ber 2l){\t ber Jortfeßung ber 3){iHl)anblung Des .v^unbes mittels ber burd) meine Sd)lägc erseugten 5urd)t oorbeugen ober ob id) nidit oielmet)r einen ülh Der Befirafung ooUsieljen wollte. Wanj gewißwerben AitUc Der unö befd)äftigcnDcn 3lrt l)änfig fo liegen, bafe Das Unred;t, weld)eö unferen Unwillen erregte unD uns jum C5:infd)reiten ner= anlaßte, bereits oöllig abgefdjloffen, feine Jortfetjnng ober ii^ieDer^ bolung nid)t ju befürd)ten ift, unD eS fid) leDiglid) um eine nad;: träglid)e Sübne Ijanbelt. 3iUe fieljt es in biefen Jyällen: muß id) wirtlid) untljätig jufct)en, wie rol)e i^uben ein weljrlofeS Jier ju JoDe peinigen? unD bin id) wirtlid) Dem Straf rid)ter nerf allen, wenn id; in gerechter 3lufwallung meines menfd;lid)en Wefüljls Durc^ eine tüd)tige 2rad)t 'jjirügel \\)x eigenes ikfte gefi)rbert l;abe? älMr werben bie beiben ?vragen ju fd;eiDcn unb getrennt ^n untere fud)en Ijaben, wie weit Die oorbeugenDc 2l)ätigfeit jur 9än5lid)cn oDer teilweifen iWrljiuDerung eines Unrcd)tS, unD wie weit bie uaAträglic^e Süljne Durd) prioates Cringreifen ftattl^aft ift. iktrac^ten wir ^uniidjft ben erften Jyall, fo liegt auf ber ,\janb. Daß ber Scbutj, Den id) für meine Den äßortlaut Des ÜJcfe^eS ocr^ 3cttf(bnn *. b. 8 ^uuir anö- fd)Uefelid) mit Öefängniö, „mer üorfätjlid) unb TDiDerred)tlid) einen 9)Jenict)en einfperrt ober auf anbere äi'eife beö ßebraudieö Der per: fön(id)en J-reificit beraubt", ^(ufeerbem greift, mag id) M^ eine oDer Daö anbere üiittel anmeuDen, § 240 ^^ilatf, nad; meld)em be^ [traft n)irb, „mer einen anberen miDerreditlid) Durd) ©emalt oDer burd) 3kbrof)ung mit einem )8erbred)en ober i^ergel;eu ju einer ^anblung, 2)u(bung ober Unterlaffung nötigt", ©an^ geiuin Ijabc id; eine biefer Strafbeftimmungen (§§ 223, 239, 240) oDer and) mel;rere oerlebt, fofern jugegeben werben muf^, bafe meine .'panDlung „miDerred)tlid)" ift, D. l). ben fonftigen allgemeinen Wefeßen miDer- fprid)t. 3^aB bieö CSrforberniö in § 223 nid)t auöDrüctlid) aufgefteüt ift. Dürfte nid)tö oerfdilagen. Da eö bic allgemeine unD felbfioer- ftänDlidie i?orbeDingung jeber ikftrafung bilDet, baft nid)t Der 2:f)äter ju feiner ijauDlung ein 3ied)t b^tte; aud) Der £d)arfrid)ler tüirD nid;t beftraft, obgleid) er oorfätslid) unD mit Überlegung einen 9Kenfdien tötet. Slber ift meine ,'oanblung miDerredjtlid) oDer bin id) JU iljr bered)tigtV iTaö ift bie Jyrage. ^a id) ju ben "iperfonen, bie id) in il)rem freien Sizilien bo- fd)ränte, in feinerlei prioater ober öffentlidj-recbtUdjer 33ejiel)ung ftebe. Da aud) meine eigene 9)iac^tfpl)äre im gemöbnlid)en Sinne md)t beeinträd)tigt mirb, fo fann Der Sd)ut^, t>m id) für mid) fud)e, offenbar nur auf Dem Öebicte ber allgemeinen ÖrunDfäiu^ für M<^ i>er()ä[tni§ Deö einjetnen ju ber ©efamtbeit bejro. ju Den übrigen 3taatöbürgern gefnuDen merben. Ü)iit Dem 3»fammentritt 5U einem georDneten Staatömefen überträgt ber einjelne auf Da6 lebtere unD feine Organe eine gan^c iUn.^abl oon ik'fugniffen, bie obne biefe iNorau§fe|jung nad) natürlid)em l'Hedite il)m felbft 5uftel)en mürben, inöbefonDerc muf? ber Sd)u5 ber für baö ä^e= ftel)en Der Wefamtl)eit erforberlidien Crbnung notmeuDig in erfter Sinic biefer felbft anl)eimfallen. 3lber ift l)iermit Der einjelne jeber 4^eteiligung an bicfem Sc^u^e entl)oben unD jioar in Dem ©inne. Daß er mcDer üerpflid)tct, nod) and), felbft menn er moüte. eclbft^ilfc. 333 beretltigt ift, ^n einem Erfolge mitjumirfen, ber siucifelloö im 3ntere|]e ber öffentlid}e!i Drbniing liegt? Tarf roirüid) ber Staats^ bfitäei: Da§ Ü)i\n, waö mit 3lcd)t alö tDpifd) für ben Sierpljiliftcr bezeichnet luirD, bie 3ipf^t"ii*6»^ ^^btx ben Kopf jiefieii uitb für baö übrige bie -^^olijoi forgen laffen? ©cioifv mie 5ur CSntöedung ooii togcben imb jur isorbcreitung ber ÜJeftrafung, fo fiiib aud) jur i^orbeugung imb S>erl)inöcrung ooii 3traftI;aton in erftcr i!inie Me fmatlid)cn Drgane berufen, aber menn biefe and) in erfter -inie uef)en, fo ift bamit noc^ nidit baö Grfovöcrniö gegeben, ben einzelnen Staatsbürger ganj üon ber ^J)iitioir!ung an biefen 3lnf= ütabeii aii6jufd)tiefeen. Someit eö fid) um Die .'Qerbeifüfjrung ber Mraiimi;( l^anDelt, ift eine fold)c :iüiitt[jätigteit jum Xcil anö^ ^riictlid) .^iigclaffen, fo wenn in ?; 127 St.^}?.0. jebermann für be= fi'flt erfidrt roirb, einen auf frifd)er 2^l)at betroffenen ober ner= folciteii iierbred;er, fofern er f[nd)tDerbäd)tig ober unbetannt ift, üHcb o^ne rid)terlid)en ikfet;l oorlänfig feftjnnetimen. 3a, foioeit ^^ fict) nur um bie Slnjeigc bei ber 33ebörDe banbelt, um biefer i'^J» ülnlaf? .^um ©infd)reiten ju bieten, ift eine 3)}itt()ätig{eit ben 3taQiGbürgern bei geroiffen i^erbredjen burd; S 13J) St.ß.SÖ. S^abeju in Dem Umfange jur 'j>flid)t gemad)t, baß iljre liBerlefeung ^^^ctaiignieftrafe biö ju 5 :,^al;ren begrüuDet, unb baf3 aud) in önDcren JäUen bie gleid;e ;?f)ätigfeit eine, loenngleid) nid;t burd) Strafe erjiüungene, fo bod) moralifd)e unb fojiale '^Nflid)t ift, untcr= Nt feinem 3^^^Ucl. Gö ift eben eine prattifd) unburd)fülirbarc öottriimre Jittion, \)a\] .mit ber Übertragung be<3 3ied)tQ|d)ufee6 an ^if ctaat^-geioalt ber einjetne oon ßrfüllung biefer 9(ufgaben au«-- 9«?|cf)loffen märe; felbft im abfoluten "^Nolijeiftaate ift bie ^jjoli.^ei »% Qllgegeniuartig unD aüioiffcnb unb bie "ü)Jittl;ätigh'it ber Btaat^- bilrger bei 3tufrec^terl)altung ber öffentlid)cn Crbnung nid)t ju entbehren. 3(ber roic ftebt eö um bie auöbrücftidie 3(nerfennung biefer 3(iiffaffung? .Qat baö pofitioe l'HedU bie '^-olgerungen beö in ben an^: .qefiiörten Öeftimmungen anerfannten Wrunbfa^eö in auöreic^enbem Umfange gejogcnV Jiefe Jrage mufj leiber oerneint roerben. Sap mit ber blofecn 2tnrufung ber ftaatlid)en Drgane, mag biefetbe, wie in § 139, gerabeju .^ur ^^^flid^t gemad)t, ober, mie in allen übrigen fällen, felbftuerftänblic^ jebem aU •)ied)t gen)äl)i't werben, nidjts ge= rooiinen ift, lie^t auf ber §anb. (So Ijanbelt fid) ja gerabe um \)m fubfibiäreu Stc^töfd^ufe, ber bem Staatsbürger in fold)en JväHcn 334 ^- JtuUmann. }uftel^en mn^, in tuetc^en bie Staatdgemalt einjugreifen nid^t im^ fianbc ift. 3luö biefcm ©runbc cntfattcii auc^ fold^c Sorfc^riftcn^ tpic fic in bcn mciftcn SScrfaffungi^gefcften enthalten finb, nac^ bcneir unter gcroiffcn äJoraiiäfc^jungcn, insbcfonbcrc bei 9lufrut)r, bi^ ©taatiSbürgcr ücrpflid^tct mcrbcn, bcn ftaatlic^cn Organen i^rc? Unterftüfeung ju leiten, ober anbre, wie § 113 St.®.$B., welche be^ jroeden, ben in biefer SBeife jugejogcnen 5ßer|ouen einen er^ö^teit ©c^uft jn geraderen. 2lte äui^brncf bed l^ier üertretenen @runD=^ fafteS üon ber fubfibiären Sefugni« be^^ einjelnen jur 3hiöübun^ be<^ Sted^töfc^u^ed fönnen Dielme()r nur fo[d)e Seftimmungen gelten^ wie ber oben angefül^rte § 127 ©t.^p.O., roeldie bem ©etreffenbeii. ein ©infeften ber eigenen pl^vfifc^en Äroft unb infomcit ein eins= greifen in bie 3WadE)tfpl^äre eine^^ anbern jum Sd^ufte ber 9ted^tö= orbnung geftatten. 9lun ift e« ober boc^ gerabeju roiDerjinnig, biefe ^Befugnis 31K geben, fobalb ba« SSerbrec^en begangen ift, unb eä Rc^ nur nod) uni bie ©eftrafung l^anbelt, unb fie ju ücrfagen, folange bie SJev^ütung nod) tnöglid^ ift. Scßen wir ben i^aii, iä) treffe einen Sieb in einer SBol)nung beim ©rbred^en eine« ©elbfd^ranfed befd^äftigt. SBenii id^ bie %iiüx abfc^tiefee unb i^n einfperre ober i^n mit (Seroalt feftl)alte, fo bin id^ l)ierju auf ®runb be« angejogenen ®cfe^e§ be- fugt, meine ^anblung ift feine „roiberrec^tlid)e" unb roeDer § 239 nocö § 240 ©t.®.$B. finbet 2lnroenbung. S^reffe ic^ bagegen ben S5ieb nod^ nid^t bei ber Strbeit unb oud^ noc^ nic^t fo roeit oor- gefc^ritten, ba§ ein beginn ber 2luöfüt)ruug oorliegt, ift er uoc^ bei ber SJorbereitung befc^äftigt, fo mufe ic^ gebulbig abwarten, biö jener 3^i^Pii"ft eintritt, ^^^nbelt cö fidE) frcilicb um einen 2)iebfta^I, fo roirb mir oieKeid^t ber ®erid^tspunft ber 3iotroel^r ©c^uft geroäl)ren, infofern id^ oon meinem eigenen ober bem ©igen= tume eines anbern einen „2lngriff" abwehre, ^ebenfaü« aber mufe ber 2lngriff ein ,,gegenroärtiger" fein, roas !aum Dorliegeu bürfte, roenu id^ eivoa in Der SJad^t baö ®efpräd() Don jroei Stieben belaufd)e, roeldje fid^ auf bem Sßege jum ©d^auplafte i^rcr 2^t)ätigteit bcfinben. ^itx barf id^ nic^t fofort eingreifen, fonbcrn barf nur folgen, um abjuwartcn, biä ber 3lngriff ju einem „gegenroärtigen" wirb. Sollte aber roirÜidE) ber Icfeterc Segriff Rc^ weiter auöbe^nen laffen, fo oerfagt bod^ ber gange ©djuft ber 9Jotroe^r feinen Sienft, fobalo cö Rd^ nic^t um ein gegen eine beftimmte ^erfon gerid^täeö ä^ergel^en l^anbelt. ^eabfid^tigen meine beiben 2)iebe ben @inbruc^ ©clbftiiiifc. 335 in eine 5ffentlid&c Äaffc, fo roirb fd&on cinigcrmafecn jnjcifcll^aft fein, ob id) unter ben ,,anDern" im Sinne beö § 53 St.®.S. Quc^ bcn Staat üerftel)en unt) baranf^in ein)d)reiten barf. 9lber jroeifelloö entfällt biefer Sc^ug, roenn ed ftcb um 9)h'injuerbred)cn, um üonbeöüerrat unb anberc Straftf)aten f)anbelt, bie nic^t ben einjelnen, fonbern nur bie Giefamt^oit uertefcen. ©efeßt ben gad, bei einem im @ntftct)cn begriffenen 3lufru()r üerfud)en einige ent? fctllüifene Ü)iänner, benfclben im Äcimc baburd; 5U erftiden, bafe iic ein paar ber .ßaupträöelöfü^rer gefangen nehmen unb eins iperrcn: ^aben fie fidj nid)t beö Isergeljenö ber Jreil^citöberaubung ft&ulDig genmdjt? Qd) bin gefpannt Darauf, luic man eö beftreiten will, ^a, ob bie jperbeifü^rung einer ttberfdiiüemmung aU ein „Slngriff" im Sinne beö § 53 betrad)tet iDeröen fann, bürftc gleidjs fotl^ redjt jmeifel{)aft fein; muf? man e§ uerneinen, fo ergibt fic^ bie aiiffättige yyolgerung, bafi M^ @efeertcl5ung bor prioaten 3;nteref|enfpljäre befd)ränten, fonDcrn gruuDfä^lid) fo beftimmen. Daß er ba eingreift, mo Die ftaatlidje (Äjeiualt fid) loegen tl)aU fäci)lid)er ^inberniffe als un.^ureid)enD eriDoift. Sabei Dürfte and) eine SJcfcbränfung auf bie bisher allein erörterten ^älle ber ä5cr= I)ütung üon ftrafbaren .gauDlungen nid;t genügen. 3lud; menn es fid) um 3Sorfel)r gegen einen Unglücfsfali ^anbelt, treffen biefelben 336 2Ö. Äulcmanti. Griottgungeu ju. SBenn ein Äiiabc au einem öffentlichen Drte mit einem ©diiefegewefir Ijantiert, )o bnrf idj uuinöglid^ einer Seftrafun-j loegen 3J5tigung ausgefegt fein, rocnn id^ il;m baSfelbe fortneljme^ um iljn felbft unb baö ^^Nublitum Dor Ungfüd ju fd^ü^en, ja aud) TOcnu eö fid^ ni(^t um einen Knaben, fonbern um einen Grn)ad)fenea l^anbelt, mag berfelbe üiedcidit betrunten ober nur unnorfidjtig. fein, lann Die ^{otroenbigfeit beö (Singreifenö in g[eid)or Söeife Dorliegen. 3n allen biefen Syäflen fann offenbar ber 3^roft, t>a\] ein üer= ftänbiger Staatöanioalt feine 9lntlage ergeben werbe, nid)t genügen^ benn er muß bieö tijun unb fann bctanntlid) baju gejm^ingea werben, fofern einmal eine Da§ Strafgefe^ oerleljenDe ^auDlung oorliegt. ^Tiefeö felbft mufe ben Sd)u6 bieten, inbem eö feine,, il)rem SBortlaute nad) aud) Ijier plaßgreifenben Straföroljungea burd) eine allgemeine ä5or)d)rift einfdjränft, meldie an Stelle ber ber 'bann überflüffig mcrbenben Öeftimmung über 3iotftanD (§ b-^} treten unb ctiua folgenbe ?vaifung erbalten fönnte: (5ine ftrafbare i)anblung ift nid)t üorljanbcn, monii bie ijanblnng auper bem g-alle ber 3iotioe^r erforberlid> tuar, um bie iU^gebung eineö ä?erbred)enö oöer i>ergcl)end ober um einen llnglüdfofall ju oerljütcn. Xai eine foldje iNor)d;rift in il)ror A^aubbabung eine gemiffe iTebnbarfeit befitjen iiuirbe, inbcm eine 5reifprcd)ung fdion t)a\\n erfolgen müfete, \x)mn ber Xljäter fid^ burd) \)C\\ be^eidincten i^k- fid)töpuntt, felbft in -ÜNiberfprud^ 5U ber objeftiuen Sad^lage, t)at beftimmen laffen, foU nid)t befiritten werben, aber ein erbeblicbeö Siebenten ift hierin nid)t 5U finben. S'aöfelbe gilt uon ber Überid()reitung ber rid)tigen Ören5en l)infii^tlid) ber 5ur Slnioenbung gebrad;ten "JDiittel. Oieioife barf id) nid)t jur iserbütung einer Sieleibigung benjenigen, oon bem fic 511 erwarten ii't, totfd)ief5en. 3lber baö ift Ijier nidf)t anberö wie bei ber 3iotwet)r; aud) l)ier liegt bie Ü^erweifung auf bie iTaugliditeit ber 'J)Jittel, ober genauer: auf ein angemeffeneö i^erbältniö 3wifd)en a)Jittel unD ^wid in bem ÜNorte „erfovDerlid/'. Crö fönnte beöbalb uielmcb^ umgefel;rt in Jrage fommen, ob nid)t bem lUbfaU 3 Deö § 53 St.®.:ü. entfprecbenb, aud^ für gcwiffe Überfdjreitungen ber burd) bie oorge)d)lagene iNor[d)rift gezogenen (Srenjen eine befonbere gürforge angejeigt er)d)einen fönnte, jumal bie jefeige Raffung beö § 53 3lbf. 3 eine offenbar 5U enge ift, inbem gälte, in welchen ein Sctbftt)irfc. 337 Ajinauögcl^eii über bie ©rciijeu ber SJcrteibiguug hwxä) eine anbcre ärt pon (Jrrcguug, alö .^Öeftütäimg, "S^xijt ober Sd)recleii", inä^ befonbere burd) gerechtfertigten äo'^»^ Deraiilafet ift, nid;t getroffen UkTöeii. ^ebenfalls werben alle Jyälle, bei roctdjen bie Stnioenbung einer ä>orfcl)rift, loie ber üorgefd)(agenen, überhaupt in ^rage foiiimcu fann, fo befd)affen fein, bafj ein eigenllidjer böfer 2i>ille aiiöjefdiloffen ift. ,v)at atfo ^er 2'l)äler loirtlid) bie rid)tige örenje iüierfdmtten nnb bleibt bennod; firafloö, fo ift baö feineöroegö ein llbelftaiiö, im (^kgenteil, eö ift bringenö ioünfd)enö«)ert, eine $anb= liflbe Jii bellten, ineldie geftattet, fold;e ^äUe quo bem rHa^inen Nq 2trafred)tö auö.jufd^lieijen. 'Jiebnien luir baö bereite erii)äl)nte Soiiinel: 3d) I)abe einem Slnabcn ober and) einem (5rumd)fenen fiiie 'Ififtolo fortgenonmien, mit ber er llngtüdE anjuriditcn brol)te: ^Jiiit Qllcin ift es erft nad) 3tiifnal;me ber i)orge)d)(agencn 33e= üi'.iimuiic^ möglid), mid) oor 3trafe su fd)iituMi bei einer .^anblung, ^ie, io iiebotcn fie luar, t)od) eine an fid) l^er "^.^oli^ei oblicgenbe J^ätig- fv':t DiirficIIt, fonöcrn, foUte loirflid; meine isorfidjt a(ö ,^n loeit- iieliciiD beurteilt loeröen, fo bin id) ^od) unter feinen Umftänben ein i>erbrcd)er, mit Dem idj nad) öen jctngen i>orfd)riften gleidj- Ht^'iellt lüorDc; babe id) mirttid; einen i)urd)auö unjutreffenben We-- bniiicft uon jenem :)ied)te genmd)t, fo ift Die .oaublung, loie fie mir ?i»r i'aft fällt, nid)t in l)öl)erem lViaf;e ftrafun'irDig, atre objeftine Unred)t, ioeld)eö aber nod) nid)t Darum, loeil eö ll^rodjt ift, fofort Dem 3trafridjter überunefen miro. ^^ja, mebr ^Iq bas: wollen mir iiber[;aupt Daö ftrafred)tlid)e Unred^t gegen ^'^^5 lebiijiici) .^iüilred)tlid)e unter einem allgemeinem Wefid;töpunfte flbiiroii.^eii, fo merben mir t>a^o 3)ierfinal Deö erfteren Darin ju fiiiöcii Ijaben, ban Die betreffeuDen .öanDlungen nid;t allein objeftio, loiiDcrn insbefonöere fubjettio eine Üluflebnung gegen bie £taatö- oröimiig entl;atten muffen, alfo Daö geraDe Wegenteil oon Dem, roaö in unferm Jy^Ue vorliegen loürDe, mo eö Dem J^bdter nid)t um Deren Störung, fonbern umgefel;rt um Deren Sd)ut^ 5U tfjini ift. — So oiel über Die oorbeugenbe X()ätigteit. ÜlH^Vullid) auDerö liegt Die £ad)e bei Der nad^traglid)en i^eftrafung. ^ft Der erfteren pon Der :Uatur felbft ein 3^i^P""f^ gefeiu, in Dem fie fpäteftenö Dorgenommen loerDen mup, uiiD ift eö Deöljalb gered)tfertigt, l)ier baß prioate Gingreifen alö Grfa<} Deö öffenttid)en ju geftatten, fo 336 9B. Äulcmaun. (rriöägnngeii ju. aBenii ein Jtnabe an einem öffentUd)en Drtc mit einem Sdiiefsgewelir Ijanticrt, fo öarf id) nnmöglid^ einer 3)eftrafnn.j Tücgen JJötiijnng anögcfeftt fein, wenn id) iljm t)a§felbe fortnel;me, um il)n fetbft nnö baö "^sublifnm nox Ungliicf jn frf;üt5en, ja aud) menu eö fid) nid&t um einen Änaben, fonbern um einen (Srumd)fenen l^anbelt, mag berfelbc üielleid)t betrnnten ober nur unuorfid^tig fein, fann bie 'Jtotiuenöigfeit beS CJingreifenö in g(eid)er Si'cife vorliegen. 3n allen biefen fällen fann offenbar ber Jroft, baf; ein üer-- ftänbiger StaatÄanmalt feine 3lntlage erl^eben loerDc, nid)t goniigcn, benn er mnft bieö iljun unb fann bcfannttid) Daju ge^uningen werben, fofern einmal eine öaö Strafgefe^ uerlebenDe .v^ant^lnng Dorliegt. Tiefeö felbft muß ben £d)nß bieten, inöem eQ feine, i^rem 2i?ortlante nad) and) bier vla^greifenöen StrafDrobungen burd) eine allgemeine i>orid)riit einfd)ränft, loeldje an otelle Der ber bann nberflnffig meröenDen äieftimmuug über :)JotftanD (jj 5-4) treten unb etma folgenDe ?yiii|nng ertjalten fönnte: G'inc ftrafbare .\janMnng ii't nid)t üorbanben, mcwn bie ijanblnng anper Dem Jyalle ber :3iotuKl)r erforDerlid) ti»ar, um Die äUu^ebnng eineö i^erbredjenö oDer i>ergcl)enö ober um einen llnglücföfall 3n iierl)üten. ITati eine fold^e i^orfdjrift in ihrer .^anDbabung eine gciüiffe S^ebnbarfeit befit^en mnrDc, inbem eine Arei|pred;nng idion Dann erfolgen müfele, menn Der 3:i)äter fid) Durd) Den be,^cid)neten (>je= fid)töpunft, felbft in ÜiUberfprnd; 5U ber objeftioen 3ad)lage, bat beftimmen laffen, foU nid)t beftritten werben, aber ein erbeblid^eö öeDenfen ift Ijierin nid)t ju finDen. S^aöfelbe gilt uon ber llberfd)reitnng ber riditigen Wrenu'n l)infii^tlid) Der jnr 3lnioenDnng gebrad;ten ü)iittel. {>k\mi] barf id) md)t 5ur i>erl)iitung einer ikieiDigung Denjenigen, non Dem fie .^u erwarten ift, totfd)iefum. 3lber M^ ift ^ier nid)t anDero mie bei ber 'JJotmeljr; and) bier liegt Die i^rmeifung auf Die Xaugliditeit ber ÜJiittel, oDer genauer: auf ein angemcffeneö i>erl)ältniö 5iinfd)en 3)Jittel unD S^vcd in Dem &^orte „erforDerlid)". CS*ö fiMmte Deobalb üielmebr umgefeljrt in ?"yrage fommen, ob nid)t Dem 3lbia^ 3 dcö § 53 St.®.i5. entfpred)enD, aud; für geuüffe Über|d)rcitungen Der burd; bie üorge|d)lagene iNor|d)rift gezogenen ö)ren,^en eine befouDere giirforge angezeigt erfdjeinen fönnte, snmal Die je^uge ?\affung Deö § 53 Slbf. 3 eine offenbar sn enge ift, inbem gdlle, in meld;e]i ein ©ctbftt)irfc. 337 JÖiimuögcl^cn Aber bie ©rcnjcii bcr SBcrtcibigung burd^ eine anbete 3lrt üou ©rregung, als ,,33eftüräiing, gurd^t ober Sdjredeu", in«^ bcfonbere biird) gerechtfertigten ^oin ueranlafet ift, nidjt getroffen TOcrDcn. ;3cbenfattö werben atte Jyätte, bei n)eld;en bie Sünioenbung einer aSorfdjrift, loie ber oorgefdjlagenen, überfjanpt in Jyrage tommen tanii, fo beid)affen fein, baß ein eigentlicher böfer Üßille ttuögefdiloffen ift. S^at alfo ber 2:boter loirflicf) bie rid)tige örense überfd^ritten unb bleibt Dennod) ftraftoö, fo ift baö feineömegö ein ÜbelftanD, im Wegenteil, eö ift bringcnö tt)ünfd)enöroert, eine ^anb^ babc }M befitsen, inelcbe geftattet, fotdje g^üUe anö bem 9laf)men DcG 3trafred;tö anöjufdjtieöen. iJiebmen loir baS bereitö ern)äl)ntc SJeifpiel: 3cl) Ijabe einem Änaben oDer and) einem (5rn)ad)fenen eine '^|>iftolc fortgenommen, mit ber er Unglüd an5nrid)tcn brol)te: 'Jiid)t allein ift cd erfi nad) 9tnfnal;me ber Dorgefd}lagencn 33e- fiinimnng möglid), mid) üor Strafe ^n fAiitjen bei einer ^anblnng, bie, fo geboten fie war, bod) eine an fid) Der ^^olijei obliegenbe !Jl)ätig- feit DarftcUt, fonöern, foUte mirtlidj meine i>orfid;t aU j^n weit- gebcnD benrteilt loeröen, fo bin \d) bod; nnter feinen Umftänben ein iscrbred)er, mit bem idj nad) Den jetzigen ä}orfd)riften gleich- gefteüt merDc; babe id) loirflid) einen Dnrd)anö nnjntreffenben Öe- briuid) von jenem r)ied)te gemacht, fo ift bie .\janMnng, loie fie mir Mir X'aft fällt, nid)t in l)öl)erem iifafje ftrafioüröig, alö manche« anDre objeftioe Unred)t, meld)eö aber noct) nid)t Darnm, meil eß llnred)t ift, fofort bem £trafrid)ter nberiinefen mirö. ^a, me^r alG Daö: moUen loir nberl)anpt ba^ ftrafred)tlid)e Unrcd)t gegen Das; leDiglid) 5imlred)tlid)e nnter einem allgemeinem (8efict)töpnnftc abgrenzen, fo loeröen mir ia^o 9)Jertmal beö erfteren barin ju finöen haben, ban Die betreffenben ,'öanölnngen nid)t allein objettiü, fonDern insbefonDere fnbjefiiu eine ühiflel)nnng gegen bie ^gtaatös orönnng enthalten muffen, alfo baö gerade öegenteil oon bem, roaö in nnferm ^yafle vorliegen mnrDe, mo eö Dem 2^l)äter nid^t nm beren Störnng, fonbern nmgetef)rt nm beren Sc^nfe jn tl)nn ift. — So üiel über bie oorbengenbe 2^l)ätigfeit. SBefentlid) anberS liegt Die Sad)e bei ber nad)träglict)en ikftrafnng. 3lt öer erfteren oon Der Jiatnr felbft ein 3^i^Pii"ft gefeijt, in bem fie fpäteftenö Dorgenommen merDen mnJ3, nnD ift eö De6l)alb gered[)tfertigt, bier büs private (Eingreifen alö ßrfafe beS öffentlid^en ju geftatten, fo 338 SB. 5luUmann. ifl für bic Scfirafung eine jeitlid)c (Srcnjc lüd^t gegeben, fie laim no^ jeberseit nad)get)oIt roerbeu unb bie Staatdgeroalt ifl bedl^alb ber Uutcrftüeung burc^ bie ©taatöbürger nid)t bebürftig. äöir fpred^en babei natürlid^ bloß uoit ber eigentlid)cn Seftrafung, lüdjt Don ben 9)iitteln ju bereu ^erbeiffll)rung. 2)ie)e, imb inöbe|onbcrc bie oberfte 3?orbebingimg berfelben, bie eutbedung bcö X\)ätcx^, fennt fel;r rooljl günftige 3eitpiiufte unb ©elegcnl^eiteu, bereu uube= uuftteö SJerpaffeu bie ®rrei^uug beö 3^^'^^ auj^id^Iiept ober miubefteuö fe^r erfd^roert. ^ierju gel)ört bie Ergreifung beö Jbätcrö, unt» fo l^at mau biefe im galle beö § 127 St.^^3.0. jcbcrmauu geftattct. ätterbingö nur auf fri)d)er Xl)ai, alfo n\6)t in aubern fällen, in benen bie 3Bidf)tig!eit für bie Strafoerfolgung bie gleid^e mdre. eef)e ic^ im a)Jenfd)engebränge, auf bem Söa^n^ofc ober reo fouft ein Gutn)cid)eu aufeerorbentlic^ leidet ift, einen 2!ieb, unb loäre xd) felbft Der 33efto^lene, fo barf id) ibu nicbt feftl)alteu, ic^ muf5 fud)en, einen ^^olijeibeamtcn ju erlangen, ber mcift gerabe ba nid)t ju fein pflegt, loo mau \l)n roünfd)t, unb id) muß gebulöig sufebcn, wenn ber 3)ieb, um biefer unangenet)meu 33cgegnung auö3uioeid)en, Dor meinen 3lugen in eine Srofdjfe fteigt unb mit l)öftid)em ©nitje baoonfä^rt. SBürbe id) \f)n baran geroaltfam ju ^inbern fud)cn, TOürbe id) iljn gar feftbalten, fo mürbe idb mid) einer Straftbat nad) § 230 ober § 240 St.S.Ö. fd)ulbig mad^en, uuD id) fönnte, felbft menn id) nac^träglidf) meine 9lnfd)ulbigung in DoUem Wnu fange bcroiefe, oor Strafe nur burd) einen ©nabenatt gefd)ntU roerbcn. 2)aö ift ^art, aber man fann ben ©runb oerfte^en, r>er baö ©efej} l^iersu beftimmt: eö ift bic oöUigc nnfid)ert)eit Darüber, ob ber 33etreffenbc mirtlid^ ber 2)ieb ift, eine Unfidt)ert)eit, bic beim SBetreten auf frifdier 2^^at nid)t ftattfinbet. Slbcr ber SJormurf einer UnooUftäubigteit tann bodj bem 0efc|e oon feinem eigenen ©taubpunfte auö nid)t erfpart merben: 3ft ber ©ruuD, meöl^alb § 127 ©t.^|?.D. bie ^^rioatfeftnaf)me geftattct, ber Sttuöfc^luH beö 3n)eifelö, ob Die für bie 23crl)aftung erforberlid)en i>orauöfe6ungeu oorliegcn, unb ift auö biefem ©runbe ein blofeer ÄoUufiou^oerDacbt für unjuläffig ertlärt, ba feine g-eftfteUung nid)t o^ne ein gröfecrcö Ü)Ja6 oon freiem ©rmeffeu möglid) ift, fo trifft bod; biefer ®efid)tös punft in oöUig glcid^em tBiajsc bann ju, meiui ein .^aftbefebl er- laffen ift, unb es fid) lebiglicb um Defien isollsieljung l;anDelt. iTer erlaffene Sterfbrief locnbct fid) nur an bie 53ct)örDeu, unb loenn idj), obgleich id) oielleid)t aU öeftoljlener baö größte perfönlidjc ©clbft^ilfc. 339 3utercffc baran l^abc, bcu ftedbrieflid) SJcrfolgtcn unter bcn oben angcDeutctcii Umftänben feftju^alten, fo ücrfallc i^ bcr Strafe. Sid^cr mit Uiired^t, unb cd roäre biirc^auö am ^\(it}t, baö in § 127 bem Staatsbürger gegebene dkd)t aud) auf biefe ^yäUe audju? Debucn, inbeni man aU Slbfa^ 4 etioa folgenbc ikftimmung \)\\u jufügte: iCie im erften SIbfafe bejeidinete öefugniö ift auc^ bann begrünbet, roenn ein ^aftbefe^l ober ein ©tedbrief crlaffen ift. Sie (Jrumbnung bed Stedtbriefcd neben bem ^aftbefe^l red^t^ fertigt fid^ burcb § 131 Slbf. 2 St-i^D. Cb man nod^ ()ierüber binaudgeben foQ^ mug bauon abhängig fein, ob man Den burd) bie ^Beteiligung beö einjclnen an ber Strafuerfolgung ju ^offenben äJortcil oöer unigefel;rt ben aM bereu mangelbafter Kontrolle ju befürd^tenben Sd^aDen für bie Staatöorbnung aU übcrn)iegenb auflebt, wobei frcilid) nod) feineö^ roegö gefagt ift, bafe felbft im (enteren g^alle ba§ llbergeroicbt grofe genug ift, um baö ftrafrecbtUd^e Gingreifen gegen ^^Nerfouen ju rechtfertigen, bie, loie bereits bemerft, nid)t bie £d)äDiguug, fouDeru gerade t>en Scljug bcr Staatsorbnung erftreben unb ^uerbei lebiglid^ bie rid)tigc Örenje überfcbritten I;aben. Slber geben mir meiter oon ben bißb^^ befprodjcnen glitten, in meldten eö fid) lebiglid) um bie .^erbeifübrung ber 33e= ftrafung, }u ben jenigen, bei benen eö fid) um bereu loirflidie 31 uS* fül)rung b^nbclt, womit mir mieöer an unfercn Stuögangöpunft antnüpfen. 3ft cd mir gcftattot, bie Ölungen, n)cld)e ben ^uub mi6l;ttnbelt b«ben, }u beftrafeu? 3}ei 3lufnabmc ber oben Dor^ gefdblagcuen Jöeftimmung mürbe id), möd)te cS fid) um ftinöer ober Grmacbfene b^i^beln, infomeit gefdjüßt fein, ats bie äJerbütung eines S>erbred)enS ober äiergebens ober eines Unglüdsfatteö in Jrage ftänbe. Saß Übertretungen auSgefci)toffcn fein muffen, liegt auf Der .§anD, Da Das 3"tereffe an ibrer iierbütung nid)t fo groß ift, uni eine an fid) gegen bas Strafgefeft oerftojsenbe $)anblung JU geftatten. 3BiU id; über ein frembes Wrunbftüd ober einen oer^ botenen SfiJeg ge^en, fo mag ein britter, ber micb ftebt, mid) ans jeigen, aber micb gemaltfam ju bi"bern, foU er nidit befugt fein. Safj bie 3)iifebanblnng eines XiereS nur ,vi ben Übertretungen 5äl)lt, ift febr 3U betfagen, Ijat aber feinen WrunD in einem immer allgemeiner jugegebenen unD t)offentlid; balb ju befeitigenDen geiler 340 SB. ÄuUmatin. bcö ©efcgeö. ©otttc roirllid) ber .Qunb burd^ baö Söcrfcii getöDtct toerbeu, fo tuürbc bieö im ©iuuc bcä Spradtigcbraud)« iüd)t aU ^^UnglücföfaU" ju bejcidjuen fein, ha mau hierunter Sd^äbigung von einer geiuifien ®rl)eb(idf)feit Derftef)t, oI)ne baß eine fdjarfe M- ßronjung möglid) ift. ßin gel;ler ift in biefcr llnbeftimmtf)eit nid)t }u fel)cn, Dieluieljr ift ju bem I)ier üerfolgten S^^^^»^ geraöe ein berartigcr üln^brucf geeignet. äßiirbe eö fid) aifo um Grn)ad)]enc Ijanbeln, fo fönnte man fid) i)ielleid)t gejiDungeu finben, neben ben au« bem Jkgriff ber 9?otn)e[)r fliefeenöen öefuguiffen fi(^ an ber in obiger i^orid)riit gegebenen ä>orbeugung§befugniö genügen su laffen. 'Jlnberö ftebt cö bei Äinbern. ^aben fie I)infid)tlid} iljrer aügemeinen 3Jeditöj guter benfelben Sd)ufe ju bean)"prud)en, loie (Srn)ad)fene, fo werben fie Dod) aubcrö alö biefe bel)ant)elt, fobalD fie etma^ Unred)teö tbuu. ^ier tritt ein 3"tn liJorteil ber fofortigen 3ül)ne. 2lber meljr alö \)a^. )ih>er mirb benn fid) ber 3)Jül)e unterjieben, einen unge.sogenen ^iBuben, Un er bei ber 33egel}ung einer ftraf- roürbigen ;j^t)at betrifft, feftjunel)men unb feinem ä>ater jur 3Je= Scrbft^ilfc. 341 ftrafung jusufft^reu, ganj abgefefien baoon, bafe Won bics eine ^anbhing ift, bic, roenn man die (Srjietiiingögewatt ftreng auf ben «atcr bef^räutt, nad) § 239, 240 St.®.». ftraffäUig ift. "iöian madbe nur einmal ©ruft mit ber 3)urc^fül)rung biefeö Staub- puufteö. :?ann bin id) atfo audj luegcu i^eleibigung 5u beftrafen, wenn id) mic^ bei einer (Sfelei, bie mid) aber perfönlid) nid)t Derleftt, SU einem iJ^aDel nüe „nid)töiDürbi9er 33engel" ober bgl. l)abe öin^ reißen laffen. 3)ian roeuöe nid)t ein, baf3 baö nid)t oortommc; /Yitlle biefer 9lrt finb üorgetommen unb luürDen gar nid)t fo feiten bleiben, fobalb baö 3Sol£ in feiner großen 3)Jaffe nur erft lui'ifete, büB etiuaö, roaö fd)einbar burd; bie einfad)fte SJernunft geforbert lüirb, fid) beniiod; in 2LUberfvrud) befinbet mit unferer pofitioen (i)efetu3ebuug. 2)ai5 nun ein nerftänbiger äJater mir in fold)em Adlic Sauf miffen mürbe, bafj alfo Der SJemeggrunD, midj auf bie iHnftagebant ju bringen, faft auönatjmöloö ein ncrurteitenöroürbiger fein lüirb, Daö allein foUte \in^ ben 3»i^cifel madhrufen, ob baö Sirafgeie^ redit tl)ut, für berartiges bie jpanbl)abe ^i bieten. 9?ein, ber jotigc 91ed)tö,uiftanb mirb einfad; nur barum ertragen, meil er glüdlid^erroeife unbefannt ift, unbe!annt allen 9lidjtiuriften unb felbfi hcn 3i»riften, folange fie nid)t genauer Darüber nadjDenfen, er ftet)t in nöUigem ih>iDerfprud)e 5u ber Ütuffaffuug ber menf^^ UAcn Wefelifc^aft alö eineö grofjen Organiömuö, beffen einjelne Ölieöer alle auf gegenfeitige göröernng unb Unterftütjuiuj ange^ mieten fiuD. 2i?enn ber üerftänbige i^ater mir für bie 3üd)tigung, bie id; feinem ungejogeuen 3i"ifl^'" l)i^be aiigeDeiljen laffen, 3)anf meij], fo muB id) Dagegen gefd)üj3t fein, Dafi ber unnerftäuDige mid) auf bie 3lnt(agebant bringt, unb tab \\i nur möglid), wenn bem ßrmad)fenen aU foldjem Dem Äinbe gegenüber innerhalb gemiffer Wrenjen ein 3"d)li9"^^9^i^^d)t eingeräumt mirb. (>)emiJ3 foU Die (Srjiel)ung nid)t uad) fo5ialDemo!raüfd)em rUejepte auf t>m Staat übernommen ober nod) meniger nad) 9lrt Der '^Jopularflagen cuilibet ex (»opulo übertragen loerDen, bie C?r,^iel)ung foU Der /tüuiilic üerbleiben, aber eirb CS fd)on jet5t, fomenig eö angängig ift, baö (Srjiel)ungQred)t aU foId)eö einem anberen abjutreten, alö unbebenflid) juläffig be^ trachtet werben, ban ber ikter eineö Änaben, ben id) auf eine i^anb^ Partie niitnet)me, mid) roäljrenb biefer 3^it 5U feinem Steliuertreter beftellt, uiib lüirD man auc^ geneigt fein, ein foldjeö ä>rrtretungöred)t 342 ^' 5!ulcmann. unter Umfiänbcu aU ftittfd^rocigcnb eingeräumt onjufel^en, fo be^ borf es nur einer ©rweiterung biefeö ©efid^töpunfteö, um ju einer befriebigenben gefefegeberifc^cn Siegelung ju gelangen. ü)iau wirb nur für bie (Sinräumung eines fold^en Sled^ts in geroiffem Um^ fange eine red)tUd)e SSermutung aufjuftellcn unb Dietteicbt fogar ben ©egcnberocis in etroaö einjufc^ränfen ^aben. SBürbe man nftmlid^ bie grage bal^in ftetlen, ob ber in bem beftimmten gafle ®rjiel)ungöberec^tigte mit ber Don mir Dorgenommenen 3"4^^Ö""9 einücrftanben unb ic^ bies ju vermuten bered)tigt geroefen fei, fo mürben mir ben Bi}uii gerabe für bicjenigen gällc geben, roo er am roenigftcn nötig ift, nämlid) für bie ot)nel)in gut ersogenen Äinber, mä^renb er gerabe ba oerfagtc, roo eine ©rgänjung ber lläuslic^en 3^^^^ ^'" meiften erforberlidj ift. 3Bir roerbeu unö bes^alb nidjt an \>t\x fon treten 33ater, fonbern an einen ibealen Später 5U roenbcn unb ju fragen f)aben, ob ein foldjer mit öcr 3üd)tigung einoerftanben geroefen fein roürbc. 35a auSfd^üeßlid^ ^anblungen in Setrad^t fonuuen roeröen, roeld)e unter Die §§ 185 ober 223 St.0.3}. fallen, unb es fid) um eine 93eftimmung l)anbelt, roetd^e ju ber in § 233 bafelbfi juge-- laffencn ©trafloSertlärung eine na^eliegeuDe '43crroanbt)d)att [)at, fo bürfen roir oielleirfit, um ber rociteren ©rörterung eine greife bare Unterlage ju fcfiaffen, unferen i?orfc^Iag in bie gorm eines § 233 a tieiben, ben roir folgenbermafeen 5U f äffen l;ätten: ©ine unter bie ©eftimmungen ber §§ 185 ober 223 fatlenbc ^anblnng fann für ftraffos erflärt rocrben, roenn fie gegen eine unerroac^fene ^scrfon unter Umftänben be^ gangen ift, unter roeldien berjenige, roeldiem gegen le^tere bas 3^ic')ti0""9öi^^^t jufte^t, ju beffen 3lnroenUung iscr- anlaffung gehabt ^aben roürDe, bie joanblung auc^ bem begangenen Unred)t. fiel) unmittelbar anfdjliefet \mt> Die ©renjen einer mäßigen 3üd)tigung nid)t überfd)reitct. 2^ie ©d^roierigfcit bei ber gefe6lid)en Siegelung roirb barin befteben, ben wat)rfd|einlid^ non niclen Seiten als an fid6 rid)tig jugegobenen @runbgebanten fo ju faffen, baß er nid)t über Das 3iel t)inauS)d)ie6t. S^er gemad)te ä5orfd)lag fud)t bieS junäcbfl burd) jroci (Sinfd^ränhnigen ju erreidjen. Crinmal fotl immer nur eine mäßige 3üd)tigung geftattet fein; bis an bie äußerften ©renken beS oäterlid)en (Jrjie^ungSredjtS l)cranjugeljen, ift nid)t geboten. 3meiteuS aber foll bas (ringreifen nur in flagranti gefc^e^en @e»{l^t(fc. 343 bfirfen; ijl bie unmittelbare jeitlid^e ^erfufipfuug nic^t me^r oor^anben, fo ift ber lücfentlidjftc 3*^^*/ bcr cö red)tferti9te, baö Sajtüift^entretcn eines brüten ju geftatten, roeggefattcn. aber felbji innerhalb biefer ©renjen möchte eö bebentlid^ fein, bas Grmeffen bed 9ii(6ter« bnrd) eine obligatorifdie SSorfd^rift all binben, ba immer gällc gebadet roerben fönnen, in roeld^en ein eingreifen, obg[eid) bie üerlangten SSorbebingungen jutreffen, nic^t am ^Uafie fein roürbe. ®ine ©djroierigfeit roirb ^ier inöbefonbere bie grage bieten, ob bie 9iid^tann)efenl)eit beö 6rjiel)ungsberec^tigten }u forbern fei. 3llö Siegel wirb in bem galle, roo ber äJater ju- fingen ift, jroeifettoö baö (Sinfc^reiten eines 35ritten auöjufd&liefeen fein, aber foll id^ ftrafbar fein, luenn, roie bicß leiber gar nid^t feiten Dorfomnit, ein ungejogener 33engel an einem öffentlid^en Drte, roo auc^ idE) mit ben ^DJeinigen fifte, o^ne bafe fein $err 33ater Ucfi barum befümmert, fiel) in fo fd^amloö nnonftänbiger 2Beife benimmt, bafe ic^ gejroungen fein würbe fortjugeljen? »üäwpG roetbc id^ ja in fold^en gällen obnet)in üor}iel)en, meinerfeitö ben Sü^ig anjutreten, um nid^t mit bem äJater in einen Streit ju g^wten, aber eö mufe roenigftens üorgebeugt werben, bafe nid)t, wenn id^ in gered()tem Unroillen mid() ju einem ©djeltroorte ober an(f) einer ^anbgreiflic^feit l^abe I)inreifeen taffen, ber SRid^ter ge? jroungeu ift, mid^ in Strafe ju nehmen. 3)q6 nid^t, roenn bie erforberlidje Sfi^ne bereits Don mir (lerbeigefü^rt ift, noc^ ein anbrer fommcn unb fie n)iebert)olen barf, oerfte^t fic^ Don felbft. 3>n^nß^f)i» wäre eö mit bem oben üors flcfdilageneu SBortlaute oereinbar. Um biefen unb äl)nlid^en nod^ aufäurocrfenbcn Siebenfcn ge= red^t }u roerben, empfiehlt eö fid|, bie ©ntfc^eibung, lebiglic^ in baö ric^terli^e (Srmeffen ju oerfteüen. 35er 23egriff einer „unerroad^fenen ^erfon" ift felbftoerftänblidE) ein nic^t feft begreiiäter, aber eö fc^eint rid;tiger, l)ierin ber Söüröigung beö einjelnen gallcö Spielfaum ju laffen. 2ßürDe man bie örenje an ein bcftimmteö iiebenöalter tnüpfcn, fo mürbe bie Seftrafung abhängig gemacht oon einem Umftanbe, ben ber 2'^äter nid&t ermeffen fann, eö roßrbe ein 3)ioment bcr 2lUlIfür= Uc^feit in baö ©efeß hineingetragen, roelrf)cö bei feiner 3lnroenbung }u fe^r unbefriebigenben förgebniffen führen müßte. 3lufeerbem ift aber aucb in ber 2:()at bei gleidjem 2tlter ber eine crroad^fen, ber anbre nidE)t, unb auf bie 5)ierfönlid)feit, nid&t auf bie XJebenöja^re tommt eö an. — 344 3B. üulcmann. 2ßir finb bei bcr SScI^anblung unfcrcö Stf)tma^ abfid^Iid^ nidbt bebiiftiü, foiiDern inbiiftiü ju SBcrtc gegangen; wir ^aben nid^t aprioriftifd) bie ©renjen ber Selbft^ilfe jn gießen, fonbern an bcr ^anb beö prnftifd)en Sebcnß jn ermitteln gefnd^t, inie weit bic ©taatögeroalt biefelbe geftatten folle. 3iad)beni wir aber anf biefe äi>eife bie erforöerlid^e fonfrete Untertage gewonnen l^aben, roirö es angängig fein, ber S^ragc gnm ®d)Iu|)e nod^ eine allgemeinere 3öenbnng jn geben nnb barauf J^injnuieifen, baß gegen nnfer Strafgefetjbnd^ bejügtic^ ber Stelinng .^nr Selbft^ilfe, jnr in^- folgnng ber Staatö.^ioedfe bnrd) X{)ätigteit beö einjelnen 5taat^^- bürgerö, ber grunbfäfclid^e i^ornuirf einer geiuiffen bnreantratifdben (rng^ergigteit erljoben werben nniß. ,,(>3cid)iel)t bir ein Unredit, fo menbe bid) an mid)." 2)aö ift bcr Stanbpnnft, lucld^en ber ©taat feinen Slnge^örigen gegenüber mit größter Strenge Dnrdi- füljrt; ber öetbätigung ber eigenen Äraft ift eine außerorDentlid) eng bemeffene ©renje gejogen. Triefe älnffaffung ift nirf)t bie bem bentfd)en (Sfjaratter jnnädjft liegenbe, fie ift eine Jyolge Der lange 3eit l;errfd)enö gewefenen nnD nod) feineöiuev^ö überronnbenon iHn= fcbannng üoin Staatöabfohitiömuö, von ber unnmfd)ränttcn xUU- geroatt beö Staates; ik ift, iDenn mir ben betannteren Öegcnfa? Ijerbeijiefien rooUen, nidjt germaniftifcft, fonöern romaniftifd). !?er l'llönier fannte fein Suell in nnferem Sinne, er batte nid)t ta^ äiebürfniö, feine uerlefete 61;re bnrd) eigene ilraftäußerung mieber- Ijeräuftellen, er fal) nid)tö Unbefriebigenbeö barin, ben 3tid)terfi)rnd) anjnrnfen, ja er fanb eö nid)t anftöfiig, bie wibcrfabrenc CSl^ren^ minbenmg in Selb abnifd)ä6en. 3» 2)entfd)lanb ^at eö lange ge-- bauert, biß ber erftarfte StaatSgebante ba§ trofcige Sclbftgefübl be§ ^Ji^tüibnnmö überuuniben Ijatte, bi§ t)aQ gel;berec^t befeitigt unb bnrd) ben allgemeinen Staatöfd)nlj erfe^t war. 3lbcr ein 9ieft jener 9lnfd)annng ift geblieben. Siefelbe rnf)t nnn einmal in ber Stammeöeigentümlid^teit: ber -Homane ift me^r ©attnngSs roefen, ber ©ermane met)r ^inbiüibnnm. ^d) bin weit entfernt, bem 3)nellunn)efen, wie es fid) in einjelnen iiebenstreifen ersten I)at, bas äiJort jn reben, and^ bie Sitte ift ber fortfAreitenben ünU lüidlnng nnb felbft ber '^eeinflnffnng bnrd) 3Intoritäten jnganglid). 3lber baS 3lbbilfSmittel ift nid)t bas Straf redjt; es ift immer ein fc^merer geiler nnb fd^äbigt baS 3lnfel)en bes ©efeftes, wenn man ijanblnngen unter Strafe ftellt, bic X>iV}> allgemeine Urteil für gerechtfertigt ertlärt. üDJan jic^c besl;alb Un 3iat;men bes Straf* eetbftl)Ufe. 345 rcdits niit 511 rueit iinb bcDenfc, bafe eine ^anblung fef)r iuo{)l mr^uläjiuj fein faiiii, ol;nc bafe fie bereits unter Strafe jii ftelleii iDdce. 3n älteren Wcfet^büdjeru lourbe allgemein bic unerlaubte £etbft^ bilfe al6 fold^ beftraft; baö preufeifdie unb nad) feinem i^orbilöe Ms :Reid)öftraf9efetbud; Ijat mit 3ied)t biefen Stanbpuntt aufge^ geben. Tie 3elbftljilfe ift nid)t \ml)x eine felbftänbige ftrafbarc .OQiiDluna, fonbern Derfällt nur nod^ infoweit ber Strafe, alö fic fid) nrafbarer ^JJiittet bebient. Ginen üöflig entfpred)enben Staube puiift l)Qt Der Crntiourf beö bürgcrtid^en (>)cfe|5bud)eö eingenommen, lüeim er in ii ]sH bie Selbftljilfe nur infoiueit üerbietet, alö eö fid) ^Qbci um Die lUniuenbung an fid) unerlaubter ^J)Jittel Ijanbelt. '^a man ([d)t bort nod) weiter unb geftattet bie Selbftl)ilfe in einem Umfange, Der fid) in einen n)ol)lt^uenDen Wegenfa^ ftellt ju bem oben bc;cid)ncten bureaufratifd)en Stanbpuntte unD ein nad)al)men§' roerteö inirbilD für M-!, 81 2, 81;") nur i^eftimmungen u)ieberl)olt, iie im wefentlidjen bereits bem biöljerigen ^Hed)te entfpred)en, in= iöfern Dem i>crmieter bie ikfugniö gegeben wirb, bie Entfernung öer ein9ebrad)ten Sad)en beö 3)iieterö mit ftewalt jn [)inbern unb unter Umftänöen in eigene CJnbabung 5U nebmen, unb ber 'ilefifeer eines 03rnnbftücti$ ober einer beweglid)cn 3ad;e für bcred)tigt er- flürt roirD, fid) ben entjogenen 33efit fofort mit Wewalt wieDerju= Deridiüffen, fo entl)ält S 18i» einen nöllig neuen WrunDfats von ber ä^ÖBteii Tragweite, wenn Die Selbft^ilfe mittels äi^egnabme, ^i'v- üöning ober ikfd)äbigung iwn Sad)en ober mittels 'Jfötigung beS i>erpflid)teten i\ur (SrfiUlung feiner l?erpflid)tung unter ber i>orauS= ^m^ für erlaubt ertlart wirb, M^ obrigfeitlidje .sjilfe nid)t red)t= Seitig ju erlangen ift unb ber SJered)tigte ol;ne fofortiges (Singreifen Öefo^r läuft, t>ai\ bie Ü^erwirflic^ung feines 3lnfprud}es oereitelt oDer wefentlid) crfcftwcrt werbe, .'gier wirb, Döllig Der oben aufge= liellten Jorberung ber fubfibiären Selbftljilfe entfpred)enb, ber Selbft^ fc^uj gmubfä^lid) unb allgemein als Grgünjung bes StaatSfd)utjeS anerfannt: wo ber le^tere Derfagt, t)at ber erftere einzugreifen. öS bauDelt fid) feineswegs um eine blofj auf ülb^ roebr von Störungen gerid)tete crl;altenbe Xl)ätig!eit, fonbern eben? fowo^l um bic Schaffung eines 3^n'tanDes, beffen .'gerftellung auf örunD eines üorljanbenen :Hed}teS verlangt werben fann. ^in^ fid^tlic^ ber anjuwenbenben 3)iittel ift feinerlei ikfc^ranfung auf= 346 ^- itulemanii. erlegt cite bag im allgemeinen nid^t nieiter gegangen toerben barf, alö bcr 3"^^* «erlangt, unb bafe im galle ber J^flna^me beö aScr^ pflid&teten berfclbc fofort bem 2tmtögeric^te t)orgefül)rt, aud^ ^in^ fid)ttid^ weggenommener ©ac^en unüerjüglid^ ber ©rlafi eines 2lrreftbefel)U nad)gefud)t roeröcn mnß. .^iernad) fann alfo fem 3roeifel barüber fein^ baft auc^ förperlid^c ©eroatt, ja fetbft %\u bro^ung ber 2^ötnng nnb folgeiüeife gegebenenfaHö andj beren Sluö^ fü^rung als 9Kittcl ber Sclbftl)ilfe begrifflid) nidjt anögefcblofien n\\\> bamit beren 3lnroenbungögcbiet über ben ^a^men ber i^cr= teibigung ^inans, auf lueldjen baöfelbe biölier burd; §§ 53, 54 ©t.S.Ö. befd^ränft war, luefcntlic^ erroeitert ift. Sie 5^age, inroieiueit ^ierburd^ in baß ®trafred)t eingegriffen wirb, ift nid^t o\)\\t Sd^rüierigfeit ju entfd;eiben. Sei Öeftimmungen, wie ben §§ 123, 23ü, 240, 242, 24(), 249, 263, 303 u. a. St.05.»., bei meldten baö Öefe^ felbft bie öeftrafnng üon ber „3Biöerredjt= Ud^feit" ber ^anblung abhängig madjt, ergibt fidj) allerbing^^ bie ©ntfd^eibung von felbft. 2)aö Strafgcfejj geftaltet feinen iTl^at^ bcftanb nid^t felbftänbig, fonbern üerroeift auSbrüdlidj auf baö jimlred^tUd^e 3Jerl)ältniö; änbert fic^ biefeö burd^ eine neue 3ie^t§- üorfc^rift, welche ein ä?erfal)ren geftattet, n)eldS)eö früher verboten war, fo ^at baburd) mittelbar aud^ ber i^ntialt ber Strafbeftimmung eine Snberung erlitten. 3'^^'f^l^^f^^^ fönnte man fein in ten gäHen ber §S 211 unD 223, infofern bort biegrage einer Sefugniö jum 2^ötcn, besro. 3)ti6l)anbeln überall nidl^t aufgeworfen unb fo^ mit ber 2lnfd)üuung eine geroiffe Unterlage gen)äl)rt mirb, baß beibeö unter allen Umftänben verboten unb ftraffätlig fein folle. Sltlein bafe bied nid)t ridj)tig ift, unb bie 9led)tSn)ibrigfeit Ijier in berfelben SBeife wie in ben übrigen glätten bie notmenbige un\> nacö aufeerl^alb bed Strafredits liegenben ®efic^töpuntten ju beur^ teilenbe 3?orbebingung ber Strafbarfeit ift, ergibt einerfeitö baö bereits oben angefül)rte SJeifpiel beS (Sd^arfrid^terö unb anbererfeits baS unbejnjeifelte 3^Jc^tigungSred)t ber Gltern. 2)at? bas le^jicre im Gntiü. b. 33.0.3}. als 3n^alt ber väterlichen (äeiualt nid^t er- roäl)nt lüirb, roälirenb in älteren Öefinbeorbnungen fogar bem ^aus^errn minberiäl)rigem ©efinbe gegenüber auSörüdlid^ DaS 9tedt)t einer „mäßigen 3i'Jd}tigung" gegeben unb felbft ber i'ebrling burd^ § 127 &.C ber „üäterlid^en 3"^)^" beS 2el)rl)errn unterftellt wirb, muß als ein a)Jangel angefe^en werben. Ül'enn enblidb in § 241 St.Ö.Ö. bie 2}cbrol)ung mit einem $yerbredS)en gleid[)faUö ©elbauf«. 347 o^nc aincrfcnnung einer möglid^cu Sefugiiid beftraft wirb, fo wirb bied ba^iu ju Dcrfle^cn fein, bafe bie fianbhing, rocld^e angebrol)! roirb, eine foldje fein mufe, beren Segeln ng ben 3:^äter ber SJe^ firafung wegen eine« S?erbred^enä audfegen würbe. 2:rifft bieö alfo nidjt f^w, brolje iä) tint ^anbhmg, alfo felbft eine XöDtung, an nnter Umftänben, roeld^e mic^ bei n)irflid)er öegeljung nid^t ftrafbar erfdjeinen laffen würben, fo liegt axid) ber S:^atbeftQnb bcö § 241 ni^t üor. SBirb mithin biird) § 139 bed ©ntro. j. 2J.@.Ö. unter ber äjoraiisfefeung , bafe obrigfeitlid;e ^ilfe nid^t recbtjeitig jn erlangen ift unb äJerjögerung ©efa^r bringt, bie Selbft^ilfe ^^mittelö 9Wtigung beö ä}erpflid)teten jur ©rfüUung feiner äJerpflic^tung" geftattet, fo ift baniit jngleic^ bie 2)ro^ung erlaubt, ebenfo wie beren 2luöfüljrung bamit o^ne weitere« für juläffig erflärt wirb. 3lÜerbingö bleibt l^ierbei noc^ eine fe^r fd^mierige eji^age ju entfd[)eibeu. 3lngenomnien, id) l)abe oon jemanbem @elb 5U f orbern ; ic& treffe if)\x im öefife üon (Selb unter Umftänben, weldje bie ©efa^r beö äJerlufteö für mic& nalje legen, j. ö. im Segriff, in bie weite 2ßelt ju ge^en ober ba« einjige @elb, weld^eö er befifct, ju anberen ^^eden, üielleidf)t jnr 23efriebignng anberer Gläubiger ju üerwenben; wenn idj if)m l;ier ba« Selb mit ©ewalt wegnehme, fo beget)e id) feinen 3iaub, fonbern bebicne mid^ geredeter Selbfts ^ilfe. Sd)on bieö ift nic^t o^ne S3ebenfen. 3)ie Äonfurrenj am brcr ©laubiger ift waä) feftfte^enber -WedUfpredtiung fein Slrreft^ grunb; würbe id) alfo in bem gefegten galle, bafe mein Sc^utöner im begriffe ift, anbere ©laubiger ju befriebigen, mic^ mit einem Slrreft an trage an bie „obrigfeitlid^e $ilfe" wenben, fo würbe id) abgewiefen; ift aber foldie „nidjt red;tjeitig ju erlangen", fo barf ic^ im aöege ber ©elbft^ilfe mid^ befriebigen; ic^ brauche aud) nic^t etwa nad^träglic^ einen gerid)tlid)en 3trreftbefel)t nad^jufud^en, unb etwa bad Eingenommene @elb wieber t)erau«jugeben, wenn biefer verweigert werben foUte, benn bie bejüglidje Seftinnnung im älbfaft 4 beö angeführten § 189 bcjieljt fid) nur auf „bie ÜSegs na^me beweglicher Bad)t\\ jum 3^ede ber Sidierung", nidjjt auf SöJegna^me Don ©elD jum ^\\)täc ber S^ef riebig ung. (So ergibt fid^ alfo bie wunberfame ^yotge, bafe id) mid) beffer ftel;e, wenn bie obrigfeitlidf)e ,^ilfe nid)t jur ^anb ift, alö wenn fie jur ^anb ift, ba bie in fold)em galle mir felbft jufte^enben JiBefugiüffe weitergeben, aU biejenigen ber Dbrigfeit, ju beren ©rfafce fie bod^ 3eitf(l^r. f. b. gef. Strafrec^tdio. XI. 23 348 ^. ^ulcmann. nur bcfiimmt jtnb. 6ö wirb noä) forgfältigcr ^Prüfung bcbürfcu, ob mau eiue fold^e älUberfiuuigfeit julaffeu barf, uub ob uic^t ber in bcr öcgrüubuug bcö ßntrourfcö gegen bie ©leid^ftellung ber SBorauSfefeuugcn ber Sctbftf)ilfe mit beujeuigen beö Jlrrcfteö an- geführte ©ruub einer geiuifien Unbefttmmt^eit jurüdftreten muß gegen bie l)icr f)erüorgcl)obenen 33et)enfen. SSber bie %xaQt ift f)iermit nod) nid^t erfdjöpft. 3lngenommen, mein ©djulbner l)at nid)t, loie bidf)er oorauögcfeßt, baö CSelö offen bei fic^, fo bafe id; e§ einfad) wegnehmen fönnte, er gibt mir aber }u, bafe er welches befifte, entroeDer oerftedt in einem ©eroabrfam ober alö au6ftel)enbe Sd^ulb bei einem S)ritten. ^ier bin ic^ jroeifeltoö berechtigt ju oerlangen, bafe er mir baö ©eroafirfam ober bcn 3)rittfc^ulbner bejeid)net unb taxm x\)n im SBege be§ Dffeiu barnngöeibeö baju anhalten. Söeigert er fid^ beffen, fo bin ic^, faQs bie oben bejeidineten aQemeinen ^oraudfegungen be$ § 189 antreffen, befugt, meinen ©c^iulbner jur ßrfüUnng feiner 4?erpflic^5 tung ju nötigen. £a ic^ eine ^anbhing erjroingen loid, fo lann baß 3)?ittel nur in ber 2lnbro^nng eines llbelö befte^en, n)eld)eß er- ^eblid^ genug ift, um ben Sefd)lu6 meincö GJegnerS ju beftimmen. 2)arf id^ nun, üieUeid)t mit mitöeren 3)Jaferegetn beginnenb, bei fortbauernber ^artnäctigfeit biß ju ben äuBerften Rütteln auf^ ftcigcn, alfo biß jur lcbenögefäl)rlid)en 3)Jifeljanblung, ja jur 3ln- bro{)ung unb fdiliefetic^en Slußfüljrung ber 2:ötungV \>a^ ©efefe jie^t !eine Örensen, unb bod) wirb man fid) taum entfd)Iietion, auf biefelben ju oerjidjten. -^Sflegt man überroiegcnb felbft bei ber burd) bie SJotroe^r gebotenen äJerteibigung gegen einen red)tß- tüibrigen 3tngriff ein geioiffeö älSertoer^ältniß jiuij d)en iälittd unb 3n)ed, jmifc^en bcm Übel, n)eld[)eß ic^ meinem 03egner jufüge, unb bemjcnigen, meldjeß idj baburd} oon mir abmenben toiU, 5U per= langen unb eß nidE)t alß juläffig anjufet)en, bafe ic^ jemanben. Der 3lnftalten mad)t, meinem 5l>erbote juioiber über mein (Srunbfti'icf ju geljen, einfadt) tobtfdjiepe, fo loirb man nod^ loeniger, alß bei bem bloßen Sc^uße eineß beftebenben 3"ft^"beß, l)icrauf ba Derjidbten, mo eß fid) um bie Schaffung eineß neuen ^anbelt, and) wenn id^ auf beffcn ^erftellung ein -Hedjt l;abc. 3lnc^ in biefer 3üd)tung wirb auf eine i>en)ollftänbigung ber oorgefd)lagcnen ik^ ftimmung 5ücbad)t jn nehmen fein. 3i>irb be5üglid) ber l;ier bcfprodjenen ^i^Juntte bie crforberlicbe Sd)ranfe gegen eine 5U weitgel;eiibe Selbftljilfe im bürgerlichen 6etbflf)Ufe. 349 Siedete flejogcn, fo toirb tücgcn bcr bereits ^eroorge^obeneu Se^ beutung beöfelben für bad Strafred^t mittelbar auc^ l^ier auS^: teid^enbe giirforgc gcfd^affen. aber bie uergteic^enbe ^erbeijieljung beö bürgerlid^en 3ted)t^ ^at für baä ©trafred)t bod) noc^ eine anberc Sebeutung. Baf)t\\ mx bort eine aU gortfd)ritt ju begrüfeenbe ßntroicflung einer freieren ©ntfaltung ber Sphäre beö eiujetncn, einer auSgebe^nteren Suloifung ber ©elbft^ilfe juneigen, fo liegt ed na^e, awä) im ctrafrcd^t ]x6) ju fragen, ob nicftt bie ©renjen bcrfelben weiter S^jogen werben fottten. 6« tourbc bereits Darauf ^ingemiefcn, bofe insbefonberc bei ß^roerle^ungen eine eigene 2^bätigfeit bes SSerIejitcn bei ber Seftrafung be« Unred^tö bem germanifdien 9icd)t§5 beniuBtfein entfprid^t; bie Strafe beö Staates gilt ^ier nic^t in gleichem a)!a6c als auSreidienbe Sü^ne, roic etroa bei einem (Sigeus tun!ßDcrget)en. ©S mag fd)n)icrig fein, biefer auf einer Steigerung ^s Begriffes bcr ^^Jerfönlid}feit berul;enben unb besl)alb in ilirer Önmblagc nic^t oermerflid^en 5!Infc^auung Sied^nung ju tragen, o|ne mit ben burd) bie ftaatlicbe Drbnung gebotenen 3tüdud)tcn in Jßiberfprud) ju geraten. :3mmerl)in fönnen bie in ben §§ 199 wnö 233 St.@.33. gemad^ten 3ii9ßftÄ"t>«Uf^ "id)t als auSreid()enb öngefc^en werben. Seantroorte idj eine mir fetbft jugefügte öc^ toigung mit einer förperlidt)en 3"^tiö"^^9/ f^ ^^^f ber 3iid)ter mein SKerfa^ren für geredjtfcrtigt erttärcn unb mic^ mit Strafe nerfc^oncn. @e^e ic^ aber mit einer 2)amc auf öffcntlidjer Strafee unb roirö bie lefttere in fc^amlofer äUeife beleibigt, fo oerfallc id) bem unerbittlichen -Kid^terfpruc^e, falls ic^ bas tljue, maS nad) all- gemeinen Gegriffen bie 6^rc oon mir nod) oicl jroingenber oerlangt, als wtnn xd) felbft bcleiöigt wäre. 3)as ift ein unocrantwortlid;er Jye^ler bes ©efeftes, unb zim gaffung, weld^e ben Sd^uß beS § 233 aud^ auf SJeleibigungen britter ^^^crfoncn auSbel)nt, ein bringenbes (Srforbernis. dlid)t einmal bas wirb mau oerlangcn bürfen, bafe id) }u bem SSeleibigten, wie in Dem angefül)rten 33eis fpielsfalle, in einem befonberen Sd^u§Derl)ältniffe ftel;e; aud^ wenn bie öeleibiguug einer mir ooUig frcmben Same wiberfäl;rt, trifft mic^ eine glcid^e, Ijöc^ftens il)rem @raöc nad) timxQ abgefdjwädjtc Gf)renpfli4t. 3)1x1 bcr 9Jotwel)r Ijat biefer Jall nichts ju tl)un, benn es ^anbelt fic^ nic^t um eine üorbeugenöc 2^l;ätigfeit, fonbcrn um nad^träglid^e SHcpreffion. 2tber wie bie 3iotwct)r jum Sc^uße eines britten ftattfinbet, fo mufe bas gleid^e aud) ^ier jugclaffcn 23* 350 SB. Jlulemann. iDerben, roit ed ettoa baburd^ gefd^el^en fönnte^ hab man in § 233 ^intcr ben ÜBortcn: „crroibcrt rocrbcn" einschaltet: ,,ma9 bie Grroiberung üon bem l^erleftten ober einem britten ausgeben". 9lbcr man n)irb ntc^t I^ierbei fte^en bleiben tonnen. 9luc^ in gällen, in roeldien eine Seleibigung im eigentlichen Sinne nic^t Dorliegt, fann unfer gerechter Unroitte in bem ü)taBe erregt werben^ bafe CS lebiglid^ ber menfc^licf)en Jlatur entfpric^t, roenn wir bem« felben bnrcl) SÜJorte nnb felbft burd^ 2^l)aten ^uft mad^en. (So gilt l^ier im lüefentlid^en baöfelbe, roaö oben in SÄnroenbung auf iincr- n)adt))ene ^erfonen gejagt ift, mit bem einjigen Unterfd^iebe, Dafe man bei ©rroad^fenen bie ©renjen beö 3"läfngen immer enger jie^en wirb. Slber bafe eö unferem natürlicf)en iHed^tögefüftlo nid^t n)il)erfprid6t, roenn ic^ aU 3»|dt)auer einer bööroilligen ^Tierquälerei ober eine« anberen S3erocifes oon bcfonberer 9tol^cit mid) ju einem ©df)eltroorte ober felbft ju einer ^anDgreiflic^en iSufeerung meines 9)li6föUenS l^inreifeen laffe, bafe ganj umgete^rt baS allgemeine Sled^tögcffi^l oerlegt roirD, roenn über micij roegen meines 3?er= faljrenö eine ©träfe oerliängt roirb, baö bürfte bei unbefangener Prüfung nidf)t ju beftreiten fein. CS mag jngegeben roerben, baf? ftrenge DrDnungSleute, bei benen ber formaliftifcl)e Stanbininft, bafe bie ©träfe Sadöe bes Staates fei, eine einfeitige 3hiSbilDung erhalten f)at, mein SBerfa^ren tabeln roerben, felbft roenn icb ibnen mit iHed^t entgegenbalten Darf, bafe im gegebenen ^alle bie Sllter- natioe nid)t lautete: SJeftrafung burdf) micb oDer ben Staat? fonbern Seftrafung burcb mict) ober bur^ niemanb? Slber felbft biefe CrbnungSfanatifer roerbcr bod^ jugeben, ha^ bas oon mir be- gangene UnredE)t auf einem oöllig anbern ©ebiete liegt, als roenn i6) ol)ne eine berartige SBeranlaffung, oielleicbt aus robem Über= mute einen anbern mi6ba»t)elt ober in feiner Gi)xt gelräntt ^abe. 3m le^teren g^Ue ^abe id) einen Unfdbulbigen oerte^t, im erftcren nur einen Sdf)ulbigen obne 'iJefugnis beftraft; i^ Ijabe roeniger eingegriffen in bie SÖJacbtfpb^re bes ajerlegtcn als in bie beS Staates, beffen Befugnis id) mir angemafet ^abe, meine ^anblung roürbe beslialb nidbt forooljl unter ben 3lbfd)nitt „Äörperoerleftung" als unter bie „l^erge^cn roiber bie ijffentlidje Drbnuug" jn ftellen fein, ©eroijj ift aucb ber oon mir )öeftrafte in feinen Stedjten oer* lefet, ba bie it)m jugefügte Sdt)äbigung, rocnngleicb oerbient, fo bocb Don einem Unberechtigten oorgenommen ift. 3lber biefer ©efidS^tSs 6crbftl)ilfe. 351 pun!t tritt gnrüdf, ber ©d&rocrpunft liegt iii bcm Giugriffe in bic ftaotlidjc Strafgcroaft. ^m Slcdjtdbcroufetfcin Des SJolted ift meine äanblung im äiergleicbe mit bem^ n)ad man [d)le^t^in unter ,,ÄörperücrIc^ung" Derftet)t, nidbt eine lebiglic^ burd) baö 3)Jotiü uuterfdiicDenc^ grabuell milbcr ju beurteilenbc, fonbern eine fpejififc^ anDere, fic fällt in eine gauj anbre Älaffe unjuläffiger ^anblungen. ^\i Das aber rid^tig, fo ift eö bod) offenbar rerfcl)rt, mid) mit bcm ■HaufbolDe in Diefelbe Äatcgorie ui bringen^ midj friminetl ju bes nrafeii unö ju einem „befd)oltencn" 3)Jenfcl)en ^\i mad^en. (Glaubt man pon einer ^^eftrafnng nidbt abfegen ju fönnen, fo fud)e man biefe auf poliiieitid)em ©ebiete. Gin ,,i>erge^en" ift meine ^anblung nid)t, bie 3lnfid)t, bie mid) leitete, bie feelifd)e etimmnng, auö lücldber ^erauö id) fie beging, mar nid)t geridjtet auf S^äöigung De* öffcntlidjen Siedjtögefü^lö, fonbern auf beffen Sd)u§ unb Se^ fricMgung. Sin id) Darin jn meit gegangen, fo bin id) in ber^ felbcn i.'age, mic anöere, bie bei i>erfolgung eines guten 3^^^^^^ iinrid)tige 3)iittel aniuenbeu, aber nid)t bat Derjenige ein 3ied)t fid) ju bctlagen, gegen Den mein gered)ter Unroille fid) rid)tcte; er be* fauD fid) im Unred)te uuD Darf Den Bd)\\\^ Deö Staates für fid) nid)t anrufen. äi^ir fd^liefeen t)iormit an unferen Slußgangöpunft luieDer an. "ihSer in Dem Dort angefüt)rten galle oDer in fällen äl)nlid}er 9irt, Die ja lcid)t oiel padeuDer unD auf Das Wemüt iinrtenDer auS^ geftaltet roerDen fönnten. Die UnbiÜigfeit unfereö bisljerigcn Straf- rcd)to jugibt, unD 3unäd)ft Seftimmungen, mie fie oben bejüglid) nncnoad)fener "iperfonen üorgefdilagen finD, feinen Seifall fd)tMift, Der mirD nid)t üerfennen, baö bie in bem Segriffe „unenuad)fen" liegenDe Sefd)ränfung, ungead^tet Der 3>ebnbarfeit jenes 3i5ortes, immer eine gemiffe äi>iUfürlid)l)eit cnil)ält, uiiD Daö /fälle, in Denen es fid) um Grmadjfene IjanDelt, fel^r loobl ebenfo geftaltet fein tonnen, bafe fie Die Seftrafung als eine .iSärte erfdjeinen laffen. Sielleid)t am leid)teften roirD man geneigt fein. Das Ijier 3lnSs geführte l)infid)tlid| Der Seleioigumjen jujugeben. .v)abe id) meinen UnroiUen über ein Unrecbt in einer iliui^erung i::uft genuid)t. Deren beleibigenber 6l)arafter an fid) nid)t bcfiritten luerDen tann, fo mirD man eine Seftrafung nid)t für angemeffen galten unD üielleid)t fogar oerfuc^en. Den bereits beftel)enDen Scbug Des § 193 St.Ö S. an^ jurufen. 2tbcr fo fe^r ber ©rnubgeoante Diefer Seftinnnung mit ber tjier üertretenen gorberung übereinftimmt, fo wenig fd^eint es 352 2Ö- itulcmann. jiücifctloö, ob c« angängig ift, benfctben unmittelbar ju Dcrtoenben. SScftrcite id^ bem cinjcincn ©taatöbürgcr baö Sie^t, fic^ jum Otjon ber @etamt{)eit }u mad)tn, fo fann id) auc^ nid)t behaupten, bafi er „bered)tigte ^"tcrcffeu n)at)rgcnommen" ^abc, wenn er feine« UniüiHen in einer an fic^ ben ©egncr ocrlefecnben Sffieife iJuft ge^ mad^t t)at (£ö bliebe beö^alb nur übrig, gätte unferer 2lrt alt „ä^nlidje gätte" im Sinuc bcS § 193 anjufeljen. Cb ba« juläffig ilX foU f)ier nid^t entfdbieben werben; jebenfatlö mürbe es erroünftjt fein, nal)eliegenbe 3"^^if^' ^^^^ baburd) abjufdineiben, bafe man im § 198 ijiwitx ben Sßorten: ,,}nr 2Ba^rnel;mung bcreditigter Sntercffen" einfügte: „ober aU 9tuöbrud bered^tigten Unroillcnö". Unter ??orauöfe^ung einer bcrartigen SJorfdjrift mürbe audj in ber oben bejüglid) unerroac^feuer ^^'erfonen oorgefc^lageiicu Sf^ ftimmung bie 23ej;ugna^me auf § 185 in Söegfall fommen fömien. aber man mirb bod) nidt)t l)icrbei fte^en ju bleiben, fonbeni aud tl^ätlicbe Äußerungen beö Unmillcn^ unter einen ä[)ntid)cn Sc^ui JU ftellen l;aben; ift bod^ bie ©renje smifdjjen 93eleibigung un aWißlianblung oljnebin fd)on gar nidjt leid)t ju .sieben. (Sine C^i feige ift in ber 3tuffaffung ber ikteiligten mcit me^r eine ö' leibigung, atä ein „lörperlidjcö •iDiiftl^anbeln" im Sinne beö $ 22 ©t.@.^. ; bie SJerlegung ber förperlid)en Integrität tritt entfdjieDt' jurüd l)inter bem CSingriffe in bie (Sljre; ja felbft ein Sdjlag ni einem Storfc fann einen fef)r geringen förperlidf)en Sd()mer5 oe urfad^t baben wnh oiel me{)r ald iHleibigung empfunben meröei SBlber aud^ abgefel)en oon biefen Öefid)töpuntten fprec^en bie obe l^eroorgel)obenen örünbc für eine bem § 193 entfpred)enbe 3) ftimmung in bem 3lbfdt)nitte über „Äörperoerteßung", bie unt» 2lnlel)nung an t)it oben besüglid) ber unerroacbfenen ijierfonen vo gefdilagene etroa folgenbe ^^ffung erljalten tonnte: (Sine unter bie 23eftimmung beö § 223 fallenbe ^anbluii fann für ftrafloö erftärt merben, menn fie fic^ aU Äufe rung gered)ten UnmiUenö barftellt, auc^ bem begangen« Unred)t fid) unmittelbar anfcbließt unD Die ®renjen eim mäßigen .3"^^*9""9 "i*^ überfd)rcitet. 2)iefe unb bie oben bejüglid) unenoad^fener '^J^rfonen üoi gefd)lagene ^eftimmung mürben M\m ju einer gemeinfamen } vereinigen fein. 2)a{3 man burd^ eine berartige 'rBorfdbrift bem älid^ter eine ei ©clbli^üfc. 353 fybliift e^rei^eit ber 93eurteilung einräumt, ift nic^t ju beflreiten^ unb oermutßdE) n)iTb gerabe bied ber J^auptfäc^Ud^fte Ginroanb gegen bie fänitlic^cn l^ier Dertcibigten SBorfdilägc fein. 2lber abgcfc^en büüon, hai e« ja roa^rfdieinlid^ möglid) fein wirb, biefem öebenfen burcft üorfid^tigere 3Ba^l beö 2luSbrudEed einen 2^eil feiner 8e» rec^tigung ju nehmen/ wirb ed bod) bei beffen SBürbigung roefentlidE^ boraiif aufommen, ob man grunbfät^li^ möglid^ft enge, ober oieU metir etwas erweiterte ©d)ranten für bie ric^tertidje 2^^ätigfeit alö tDilnfc^endtoert anfiel)t. ^d) loill nid)t (eugnen, bag id^ in biefem fünfte für eine jiemlid^ roeitgcljenbe greil)eit eintrete. 6ö ift nid^t melr niöglic^^ loie ed in ber alten ä3o[fdgenteinbe ftattfanb, bag ©eictgebcr unb 3ticöter biefelbe ^^Serfon ift. 3)amit ift bie Jlot^ »«uDigfeit gegeben^ beibe (Seioalten ju teilen unb bie SluSbe^nung ber einen ^at bie ßinfdiränfung ber anbern jur golge. ©eroife wirb man ja, oom Stanbpuntte ber SRerf)töfid)crf)cit betrad^tet, ben« jeiügen 3"ftcinb aU beut ^ibeal am näd)ften {ommenb betrad^ten mfifieii, bei welcfiem bas aJlaterial 5ur (Sntfd^eibung beö tonfreten jalleö — unb nur aud fotc^en fejt fid^ baö reale iJeben jufammen — t^unlid()ft meitgetienb burc^ bad ©efejj fclbft geboten wirb. Slllein niau crtauft biefen SSorteit nur burcb einen er^cblidjen 'JJad^teil: % 3lcd)tfpred)ung ift beioeglid^, baö ©efetj ift ftarr. 3)ie organifd^e Sorteiitroidlung beö 9iedt)tö wirb in ^ol)em 3)ta6e beeinträchtigt, tt^nn mati feinen eigentlid^en unb crften Drganen, ben ©erid^ten, bie SlDeru unterbinbet; ber gefe6geberifd)e Slpparat ift eine fd^roer^ füOioe ü)}afc&ine, bie nur oon ftarfen ainftöfeen bewegt wirb, ber Wfc iiuft^auc^ beö crft auffeimenben SJec^töbcroufetfeinß im 2?olte 'flnn nur pon ber 9led^tfpred)ung aufgefangen unb als Xriebfraft ^»ocnbet werben, ©od nun gern jugegeben werben, bafe mit ber fortf (freiten ben legiölatioen S^ed)nif aud^ bie Übertragung oon 3lufs 9öbeii an bie Öefe^gcbung möglid^ wirb, welche biefelbe früljer "icl)t löfen tonnte, unb bie man beöljalb ber 9led)tfprec^ung über^ 'offen mußte, fo unterliegt eö bod) ebenfowenig einem 3^^^if^I/ ^^6 ^ip i!eiftung§fäl)igfeit ber Unteren abf)ängt üon bem 9)ta6e üon ®arantieen auf intetteftueHem unb fittlid;em @ebiete, welche« bie i^* i^rer äluöübung berufenen ^^erfonen bieten. $at nun unfere ^crid^töoerfaffung alle« aufgeboten unb fein Dpfer gefd^cut, um ^^ticö jeber Seite leiftung§fäl)ige 5Hid)ter 5U fdiaffen, fo würben wir ^*us um ben ©rfolg biefer Dpfer bringen, wenn wir unö nic^t ^^itfc^liefeen lönnten, unfcren 3iid)tern aud) Aufgaben ju flellen, ^eldde wir n)eniger geeigneten ^erfonen nid^t fteQen bfirften. 354 SB. itulcmann. ©eroife fann man I)icriii ju ircit gelicn, lüic man j. S. bei bcr Slbftedfung bcö ßcfcfttic^cu Strafraljmcnö minbeftciiö bis au Die äiifeerfte jiiläffige ©renjc ßegangeu ift. Slber cd ift aud) ctiuaö Döllig SBcrfd^icbeneß: bei feftftc^enber Sdjulö baö üJfafe öer Strafe jii beftimmeu, ober burd) beu •)ied)töfpriic^ feftsufieUeii, rt eine ^anbluug rcd}t ober uiircd)t fei. 3^ i^»^^^ .^""^ grofeeu 2:eil 3ad)e beö @cfüt)Ifl inib bcr iubiüibuellcu Beurteilung, fo t)auDelt eö fid) l^ier um ein fittlid^eö Urteil. ■Sittlid)eö uub ftrafred)tlid)eö Uuredjt fallen jrocifelloö nid^t jufammen, aber baS erftere ift ber meitere Segriff: ift eine ^anblung fittlic^ gcred)tfertigt, fo barf fie uid)t ftrafbar fein, .^kx ift beöl)alb ber ^i>uhft, bem 3ied)töbeiüuntfein bcö $yolfeö ben "ij^uU ju füt)len, fid^ ju feinem Crgan ju nmd)cn, l^ier finbet bcr Slic^ter eine ?üifgabe, n)ie fie I;öl)cr uub ebler in feinem 2^{)ätigfeitöfreife gar nid^t gebadS)t werben fann, Ijier ift öer 5piafe, baö JU üenmrHid^en, roaö unö al§ J^beal immer üorfd)meben wirb: bie i^ereinigung ber red}tfc^affenbcn mit ber red)ti>er!uir!= lid)enben 2'f)ätigfeit, roie fie einft ber römifd;e ^'rätor l)aire. Sollten unfere beutfd)en 3Ud)ter nid)t imftanöe fein, ju Iciftcn, road \f)xt römif d)en ÄoUegen leiftetenV 3)aö werben wir nid)t fürchten bnrfen. .§at man wol)l bie Siömer alö baö ausgeprägte :i>olf beö Sledjtö bejeidinet, bei bem bie ätec^töbegriffe, ja idf) möd}tc fagen, bie iuriftifd)e 3)entart, tief in bie breiten 3)iaffen eingebrungen waren, fo ift bod) nidjt }u überfef)en, M^, wenn wir in 2?eutfd)5 lanb M^ nod) nid^t in gleid;em 9){a{;e (eiften, bad in allererfter fiinie offenbar barauf jurürfjufüliren ift, Mi wir ja^rbunöertelang fein nationalem 9ted)t Ratten, cd bid jel^t nod) nid}t baben unb gerabe tk fc^öpferifdje Äraft im Sied^tdbewuBtfcin bcö isolfeö von ben römifctired^tlid)en ^tinften fi;ftematifd) unterbrüdt ift. Schaffen wir ein Doltßtümlid)cö Siecht, bann wirb baö iNcrftänbniö uub bie geiftige Ü)iitarbeiterfc^aft beö Bolfeö an bcffen gortentwidlung fic^ fd^on ganj oon felber fmben. 8. Sttfifbentfuttgshfimmettt, ein 9cfc6gcbcrifd)cr SBorfcl)lag oon Dtto 8(^mibt, Sanbgertc^terat j)u Berlin. S)ie gragc, ob gegen bie Urteile ber Äanbgeriditö^Straffammem baö SRedbtömittel ber SÖernfung jugelaffen werben foU, ift üor unb naä) (£infüi)rung beö ©erid^töoerfaffungögefefeeö ooni 27. 1. 1877 oielfad) üon Suriften unb Jlidjtjuriften, von 2^^coretifern unb ^jJrattiferu, im Sieid^ötage unb 33unt)eörate erörtert. 2^cr iHeidbötog ijat burd^ 33efd^luft üom 15. 3. 1886 einen üom aibgeorbneten Sleid^enöperger eingebrad^tcn, in ber Äommiffion mil)x\aä) abgeänberten ©ntrourf ju ,,3lbänberungen unb ©r^ gänjungen beö ©ericbtöoerfaffungögefeßes üoin 27. 1. 1877, foroie ber Strafprojefeorbming üoin 1. 2. 1877" in britter Beratung am genommen, nacS) roeld^em bei ben Sanbgeriditen Scrufungäfammern Don 5 iDJitglicöern beö iJanbgeric^tö eingefü{)rt werben foüten. ©in ©egenantrag ber Slbgeorbneten aJhmdtel imb Xräger, nadj n)elcl)em baö 3}erufung§gerid)t burd) Senate ber Dberlanbcös geridbtc gebitbet werben follte, \)at nicl)t bie 3»ftimmun9 beö Steidid^ tagö gefunben. 2)ie Sebttrfniöfrage nad) Ginfü{)rung ber Berufung ift in bem Seridbte ber 9teid)^tagdfommi)fion (T^rudfacben bcö SHeid)ätagö 9Jr. 84 de 1885/86) unb in ben ^jSlenar^Seratungen beö SWeic^«- tagö eingebenb befprod^en. SBenn fid) aucb bie aRajorität Des Sunbesratö im ©egenfafee ju bem SJotum ber preußifd^cn 9Kit- glieber beöfelben gegen bie 3^lflfl»»9 ber Berufung auögefprod^en 356 Ctto ©(ftmibt. I^at fo iDtrb man bod^ lüd^t fcl^lgeben, iDenn man bte @Tänbe ju biefcm abrocifcnbcn 83cfd)(uffc oor aUcni in ber ©d&roierigfcit bct Drganifation bcr Scrufungögeridöte jii fiidben f)at. Senn roä^rcnb 5prcuBeii einem ©efetfentrourfe, nad& roelc^cm bie Sant)^ gerid^te mit ber (£nlfd)eiDunij in SJerufnngßfadjen betraut merDcn follten, \iä) juneigte, fanb feitenö ber ^Regierungen üon iöiu;ern unb aSürttemberg bie SJeteitigung ber Sianögerid;te t)m lebbafteften SBiberfpruc^ unb würbe eoentuell öer 6iufüt)rung üon Straffenatcn bei ben Dbertanbeögerid)ten jur 2tburteilung ber SJcrufungcu Der SBorjug gegeben. (ä}erl)anblungen beö Jieid^ötagö 1885/86 ©. 1238 sqq.) 63 fann auc^ nid^t geleugnet n)erben, bajs gegen bie geplante Überroeifung ber Berufungen an bie £anbgerid)te roie an bie Dber= lanbeögeric^te bie geroid^tigften Sebenfen gcttenb gemad)t mr>, 3luf biefe äebenfen im einjelnen foU l)ier nid)t eingegangen weröen: eö genüge nur ber ^inroeiö, bafe cinerfeits bei ber ßinridbtung ber Serufung^fannnern an ben Sanbgeric^tcn Die l;ö^ere 9tutorität bed SJerufungßgerid;td gegenüber bcm in erfter 3"ft^»ä nrteilenben Sanbgerid^te nid&t jum SUuöDrude gelangt, ba Der Unterfdöieö in ber 3öf)^ ber SOiitgtieber an fid^ foldbe Steigerung ber Stutorität nid^t fd^affen fann, unb bafe anberfeitö bei ber ßinridbtung bcr SBerufungsfenatc an ben Dbcrlanbeögerid^ten wegen ber weiten Gnt^ fcrnung beö ©eric^tsfiges erl)eblid)e 2)Jel)rfoften, a)JeI)rbeläftigungen ber Sltngeflagten unb 3^"9^"/ ober bodj Sd^mälerungcn beö ^^rin^ jipö ber 3)Jünblid&leit beö 35erfal)renö ju gewärtigen finb. Gä ^atte nun ber 3lntrag 9Jiundfcl=2^räger im 9tcid)ötage, wenn er aud& bie Cberlanbeögeridijte prinjipiell aU urteilenbe 33erufungS2 gerid^te {)inftellte, bod() infofern ben t)orgebad)ten Siebenten 3lbbilfe üerfd^affen wollen, alö folgenbe 9lu§naf)msbeftimnuing (Srucffad;en beö Sieid^ötag« 3lx, 99 de 1885/86) ju § 124 2lbf. 2 beö Gntwurfö Dorgef dalagen würbe: „Surdl) 3lnorbnung ber i?anbeö]uftijr>erwa(tung fann wegen großer ßntfernung beö Sigeö be« Dberlanbcögcrid)t§ bei einem fianbgerid)te für ben 33ejirf eineö ober mc()rcrer fianbgericbte ein Straffenat gebilbet unb bemfelben für biefen SJejirf bie gefamte 2'ljätigfeit beö ©traffenatö be« Cbcrlanbeögerid)t« ober ein 2^cil biefer S^bätigfeit ju^ gewiefen werben. Sie öcfefcung eines fold;en Straffenatö (5trafb«rufiin9«!ammcrn. 357 erfolgt aM SWitglicbcru beö Dbcrlanbcögcridits ober eines bcr SJanDgeric^te beö Sejirfö, für meldten ber Senat ge^ bilbet roirb. 3)er SSorfi^enbe wirb [tänbig, bie üDtitglieber be§ £anbgerid)td werben auf bie Sauer be§ 03efd)äftö' jal)reö burd& bie Üanbeäiuftiäücrroaltung berufen, bie übrigen 9)iitglieber roeröen in @cinä6f)cit ber §§ 62 unb 121 burd^ baö ^^räfibium beö Dberlanbeögeric^tö bejeid)net." 6egen biefe (Sinridjtung eincö fogenannten betadiicrten Straf- feiiQto luar mit iWec^t pon einem 3lbgeorbncten geltenb genmd^t, bafe ber $l}or|d)lag ju unbeftimnitc ßrforberniffc für bie ^iM'ammeiis fcjiing be§ @erid)tö aufftelle, inbem fclbft ber Sorfiftenbe fon)of)l flu§ bcn 3JIitgliebern beö 2ünbgerid)tö roie beö Dbcrlanbeögerid^tö gcnoinmeu werben fönne. 3"^^'" würbe öod) aud) bie Sieget ber Öerutuiujö^Straffenate am Siße beö Cbcrlanbeögerid^tö aufred&t ttbalten xint mufetc für baö 3ied)töinittel ber SieDifion im Jatte M § 123 9lr. 3 beö ®eridE)tQDerfaffung§gefe6eö bie Unjuträglid^feit entliehen, baß Berufung unt) SHenifion bei bemfelbcn Öerid)tc ab= geurteilt würde. Gs liefje fid^ nun aber wof)l eine Äonftrultion beö 33erufungö= flericfttö finbcn, bei weld^em Die wefentlid)cn 23ebenfen gegen bie l'Qi%rid)tötammern unb bie DberlanDeögerid)töfenate fortfallen tt'ürDen, wenn awii üon vovn\)txzux sugegeben werben foH, baj3 daö JU erricbtenbe ®erid[)t auö bem gewöl;nlidf)en i:)iaf)men Der Crgani^ jntion einigermaßen I)erauötritt. 3lber bie £d)wicrigteiten liegen einmal in Der Oeftaltuug, weld[)e bie @erid()töorganiiation in hcn &tn3elftaaten angenommen t)at unD fönnen obne DoQftänbigen Um- l'turj bicfer Crganifation nid)t befeitigt werDen. SlntnüpfenD an bie für Die Silbung ber Sd;wurgerid[)te gegebene 3?orfd)rift beö § 83 Deö ©ericbtöoerfaffungögefefeeö, nad) weld)er baö Sc^wur= gerid^t unter bem iSovfige eineö Oberlanbeögcrid^töratö bei ben Sanbgerid^ten gebilbet wcrDen fann, gel)t nun ber )yorfd)lag jur gefeßüdben Drganifation ber '-öerufungöfannncrn baljin. baf3 an ben- felben 2 Dberlanbeögerid;töräte teitjuncbmcn l)aben. äBie fid; im einjcincn ber ju bilbenbe ®eric^töl;of barftcUt, ergibt folgenber ©efe^cntwurf, weld^er im allgemeinen Durd) ten 33erid)t ber "Jieidjö^ tagöfommifnon unb bie 3?ert)anblungen im ateid)ötagc jum Slntrage fReidbenöp erger feine ^JJotioierung finbet, im übrigen nod) jm fäßlid^ in einigen ^^iunJten erläutert werben foU. 358 Otto 6(^mibt bctrcffcnb Slbänbcrungcu unb ergäujungcn bcä ©cridblöoerfaffungögcicöeö uoirt 27. 1. 1877, fotüie bcr Strafprojefeorbnung üom 1. 2. 1877. 2lrt. I. 3n beiu @crid)täDcrfa)fun3ö9cfeS üorn 27. 1. 1877 werben bi^ §§ 77, 123 9ir. 3 unb 5, 136 9Jr. 2 in ber 9Irt abgeänbert, iri^ bicfe SSorfd^riften nac^fteficnb unter ben biötierigen S^]\ex\\ auf— ßefüljrt ftnb: § 77. 2)ie 3iöilf^niw^^»i ""b bie Straftammern entfddciben in beir SSefefcung von bret 9)lit9liebern nüt ©infc^tuB beö 3Sorfiftcnbeit - S)er ^^räfibent barf ben SSorfit} ber Straffanimeru nid^t über=^ nel^men. § 77. 3)ic Kammern cntfc^ctbcn in bcr Scfc^ung oon 3 3Kit- fliicbern mit ßtnfc^tufe bc« SSorfi^cnbcn. 2)ic Straffammern ftnb in ber $auptt)erl^anb(ung mit 5 SD^itgliebern, in ber ^erufungeinftattj bei Übertretungen unb in ben fällen ber '^^rioatflage aber mit 8 9){itgliebem, einfc^lie^lic^ bed ^orfi^enben, 5U befe^en. § 123. 3. ber SteDifion gegen Urteile ber Strafberufungöfonimern, fofern a) baä Urteil erfter Snftanj oom ©djöffengeridjt erlaffen ift, b) baö Urteil erfter 3"ftö"J ^on ber Straffanimer erlaffm ift unb bie Sleöifion auöfddlicfelid^ auf bie ^üerleftung einer in \)tn ßanbe^gefefeen entl)altenen 9ie4)tönorni geftüßt wirb. ^id^erigesl ©efet^: § 123. 2)ie Dberlanbe^gerit^te finb juftänbig für bie 53cr^anbs (ung unb Q;ntf(^eibung über bie :^ec^tdmittel 3. ber ^ieoifion gegen Urteile ber Straffammem in erfter 3n» ftanj, fofern bie Sleoifion audfc^Itefelic^ auf bie SScrle^ung einer in ben !äanbedgefe^en enthaltenen diec^tdnorm geftü^jt roirb. 5. ber Sefd^inerbc gegen ftrafrid)terltd^e ©ntfd^eibuugen erfter 3nftanj, foweit nidjt bie ^^ft^nbigfeit ber Straffannner begrünbet ift, gegen ßntfd^eibungen ber Straffautuiern in ber SJefc^roerbc^ @trafbmifungdlammem. 359 iiiftanj unb Serufungdiiiflanj^ fome gegen bie @ntfd^eibungeu ber @trafberuntngd!antmern. 5. ber Sefc^roetbe ge(;en ftrafred^tUc^e Gntfd^eibungen crfter 3n: ftanj, forocit nic^t bie ^upänbigfcit ber 6traffammer begrünbet ift, unb g<*(jen (Sntfd^eibungen ber 'Straffammern in ber ^icfc^roerbes inftanj unb Serufungdinftanj. § 136. 2. gür bie 33crf)anbliing unb ©ntfd)cibung über ba§ SRed^tS^ mittel Der Stcnifion gegen Urteile ber Strafberufiingöfannner, foroeit niiji bie 3iu'tänbigfeit bed Dbcrlanbesgerid)td begrünbet ift, unb Wn Urteile ber ©djrourgeridjte. *t6l)crige^ @efe^: 3n Straf fadien ift ba« Sleidi^gcric^t juftönbig: 2. für bie Serf)anblung unb (^ntfc^eibung über bie ^cc^tömittel ber JHeoifion gegen Urteile ber Straffammern in erfter 3nftö«5/ in= fon)eit nic^t bie 3uftänbigfeit ber Dbcrlanbe^geric^te begrünbet ift unb gegen Urteile ber Schwurgerichte. airt. II. hinter beni § 99 beö ©erid^töoerfaffumjefebes roirb folgenber Slbid^nitt eingefd^altet: Xitel 6 a. Straf ber utungötammern. § 99 a. Jvür bie aSerfianblung unb ©ntfdjeibung über ^a^ iWed^tömittel ber Berufung gegen bie Urteile ber Straftamniern in erfter ^\u ftanj treten bei ben Sanbgerid^ten periobifd^ Strafberufungötamniern jufammen. §99b. Sie Strafberufungötammcrn entfd)eiben in bor 23efe6ung üon 5 3JtitgIiebern mit 6infd)hi6 beö aL^orfifeenben. i>orfi^enber ift ber 5|jrdfibent beö £anbgerid)tö. 21U äJeifi^er treten ein 2 3)JitglieDcr befi DberlanbeögeridEitö unb 2 -DJitglieöer beö SatibgeridEitö. '^m SSe^inberungöfotte wirb ber ^^räfibent burc^ ein britteö 3)JitglieD bcö Dbertonbeögericbtö oertreten: in gleidfier 2öeife wirb ber äJorfife beftimmt, wenn an einem fianbgeri^te roegen beö Umfangö ber 360 Ctto @4mtt>t. ©cfd^äftc bic Silbniifl incl)rcrcr ©trafbcrufunfldlammcrn erfo bertid^ ift. §99c. Sonjcit $IJJitgUebcr beö Dbcrlanbcögerid^tö ou§jun)äI)len jxn f)at bad ^räftbium beö Dbcrlanbed0crid)tö, forocit SKitgliebcr bi £anbgerid)td audiun)äl)[en finb^ l)ai bad ^4>räftDium bed fianDgcrid) naä) aWafesobc bcö § 62 l)infidE)tlid) bcr orbcnttid^cii ü)Jit9licDcr ut ber rcgelinäfeigcn SBertrctcr Seftimmutig ju treffen. goüö bcr regclmäjsige SBertretcr beö ä>orfifeenben ober ein 9KitglicbS oerI;inbert ift, roirb ber jeUioeilige SJertreter burci) b« ^räfibenten beö Oberlanbedgerid^td bcftimnit. § 99 d. 3n ber Serufungöinftans ift für bad gefamte aSerfabren Qup( ^alb ber ^auptoerfianbliing, foroeit lüc^t ber SSorfifteube atleiu entfd&eibeii \)at, bie Sefd^luBfammer juftänbig. §99e. 3)ic SJefd^Iußfammer loirb gebilbet burcö beii aSorfifeenbeii b SBerufungötammer uiib jroei von ben iNorngenbcu jusiisicbcn 5DJitgIicbcr ber !8erufuugö!ainmer, in äbioefenbcit ober S)el)inDcrui ber lefeteren SKitglieber burd^ bereit isertretcr {§ 99 c). 2)ic 'iM tretung beö JBorfißenbeii regelt fid) in 3lbroefenf)eit Deö nad) § 91 beftimniten ^üertreterö mä) § 65 3t bf. 2. §99 f. SJor 33cginn beö OJefdbäftöjaljreö bejeid^net ber ^Nräfibcnt D Dberlanbeögerid^t« beni isorfiftenben ber 3.kfd)lnfifamnier bic ^'eriobe in lücld^cn bei ben einjclnen Xianbgeric^tcn beö Scjirfö ä^crbar tungötermine cor ber (Strafbcrufungöfainnier anberaumt tocrb tonnen. 2)iefe ^:i>crioben foticn für jcbcö iJanDgcrid)t tl)unlid)ft breimonatUd^cn 3iüifd)cnräumcn feftgefcßt TOcrDcn. §99g. 3)cr i^orfit^enbe ber S8efd)lufttanuncr fcßt nad; (Eingang ein geeigneten 3al)l oon Berufungen nad) feinem C5rmoffcn in t nädiftcn ober foIgcnDen ^^criobe ben Termin fcft uuö benacbridS)t ben 'ijjiräfibentcn Des DbcrlanDcögcricbtö oon bcm ÜJeginn unb t oorauöfidjtlicben S)auer bcr Sifeungöpcriobe. Strafbenifun^dfammem. 361 art. m. 3" "^^^ ©trafprojcfeorDming üom 1. 2. 1877 tocrbcu bic §§ 140, 266 3lb|. 1, 273 äbf. 2, 275, 348, 353, 354 unb 399 ju Jlr. 5, in bcr 2trt abgcänbcrt, roic bicfe SBorfc^riftcn nad^ftcl^cnb unter bcn bi$f)crigcn S^ff^^" oufgcfülirt ftnb. §140. Jnrcb 3"f^6 folgcnben 3lbf. 4: iyür Daö SL^erfabrcu in bcr Scrufungöinflanj ifl in bcn gäUcn ber notrocn^igen äJertcibigiing bem SlngeHagten, rocld^cr ol)ne gc= n)al)lten üBerteibiger ift, ein fold&cr glcic^jcitig mit bcr 3lnbcraumung bes Jerniinö jur §Quptüerl)onblung ju beftcllen. 3n bcn gäUcn beö ab). 2 3Jr. 2 ift bcr 3lntrag auf ScftcIIung cincö 33crtcibigcr«, iofern er \\\d)t fd^on in crfter Snftanj gcftellt roar, fpätcftcnö binnen wncr ^Jrift von 3 2^ogen nad) bcr Suft^Hnng ber fiobung jur ^aupt- »«T^iDluug JU ftellen. § 266 2lbf. 1. 25irb bcr 3lngeflagte oerurtcilt, fo muffen bic Urtcilögrünbc bic lür criDicfcn crad;tctcn 2^[)otfad)cn, in welchen bic gcfcglidSien 3)Jert male Der ftrafbaren ^anblung gefunben roerben unb bic @rünbe fli#en, auö meld)en bic 2^l)atfad)cn für criüicfcn crad&tet roorben finb. 8i^eriöcö ÜJefcorfi6enbcn oor uub ift bie SJenifungötamntcr iii5tüifd)eu äufainiiieiigetreten, )o bot bie lefetere itad; aJiaßgabe beä uorftel;enbeu 2lbfa(}eö ikjd)lup ju faffen. § 353. 25urcl& ^\mii folgetiben SdjUiftfafecö 511 3[bf. 3: S^iefc S}eftinimiing finbet auf ben gall, bofe gemäft 9lb|'. 3 § 348 bie ©trafberufmigöfammcr 33oicl&lu6 511 faffeii bat, feine äliiioeabiing. § 354. S)ie Öerufuiig finbet ftatt gegen bie Urteile ber Sd)öffcn- gerid^te uuD gegen bie Urteile ber otraffamniern in erfter 3"l^i*"5- Xic iüerufunj^ finbet ftatt gegen bie Urteile ber 3c^öffcngeri(^tf. § 399. 5. loenn neue 2f)atfad)en ober iöeiüeioniittel beigebrad)t finb, TDclc^c allein oDer in i^erbin^ung mit ben früljer erhobenen :9c; weifen bie 5^''^iiP^»-*d)ung beö 3lngeflagten ober in Slnioenöung eines milberen Strafgefe^eo eine geringere ikftrafung ju begrünDen ge eignet finb. ^n Straffacben, iüe[d)e nid)t üor öeni 3d}rourgeridjti ober in erfter ^nftanj oor beni r)ieid)ögerid)te ^)erban^elt worbei finb, fönnen nur fold)e I^ljatfadjen ober iViueiömittel beigebrad) toerben, roeldje Der i>erurteilte in beni früljeren ä>erfal)ren, ein fd&liefelid^ ber i^erufungöinftans nid;t getannt batte ober ol)ne "ikx fd)ulben nid)t geltenb nuid)en tonnte. :öiehcrigeö (3efe^: S'ie "Ix^ieberaufnaf)«« eine* burdj reAt^fräftigee Urteil gefcf)lo)'fene 5.U'rfaf)rener9leicbe mit Der in elfter ^nftauj urteilenben Straffammer. 2^f»u Die 3)iaiorität ber :DiitglieDcr ber Strafberufungofammer, ber ^Wiöent bejro. bie beibcn Cberlanbeögerid)tdräte, ftcben im Slange bejro. md) ber Siegelung ber ^^nftansen gemäß bem OJerid^töoer^ föilungögcfeße über Dem Sircftor besro. Den bcibeu ifauDgcrid)tö- ridjteru. \^a bie 'iJsräfiDenten ber tanbgerid)te bem 9iange wad) döber fteöen aU bie CbcrlanDeögericbtöräte, fo fann aud; Der Sßorfift bfö '|>räfiDenten feinem iieDenfen begegnen. 2ie Strafbcrufungöfammer unterftebt aber wegen Der 3)Jit- 9liei)jd)aft Der beiDen JianDgerid) törichter in Der organifd)en CrDnung ben ctraffenaten Deö CberlanDcögerid;tö, roaö wegen Der 5i>orfdjrift über Die Jtemfion md) § 123 i)lx. 3b oon Öebeutung ift: über bie äieoifion roirD alfo immer Durc^ ein Werid;t l}öl;erer CrDnung ent- f^ieDen. 2)a in Der JJerufungöfammer Die bciDcn fianbgerid^tdrid)ter bie 9)linorität auömadjen, fo finb fie and; nid;t allein in ber Sage, ,SciM<^^rift f. b. flef. 2trafre*t*n). XL 24 364 ^^^^ Sc^mit)t. foroeit md)t md) § 262 StrafprojcBorbming eine a)?ef)rhcit oou Sritteilen erforbcrlid) ift, (alfo nicmaU 511 unguiifteii t)eö %i\%\ flaflten) bic Urteile ber Straffammer abjuäubcrn. 2. 3Bcil bic äJerufinigeu an bem £anbgcrid)töU6e oeröanbc toerben, fallen alle Sebenfen roegen ber weiten ©ntfcrnnng beö @i ric^tö toeg, meld&e gegen bie Cberlanbeögeridbtc in Jragc tommci ^ierbnrd) wirb bic Sage bed 3lngeflagten unb ber 3^"rtcn beffc gcftaltct unb erl)eblicl)c Äofien roerDcn gefpart, ba bie ^Heifefofte unb Siäten ber beiben Dberlanbeögerid^törätc in feinem -Iscrljältniii ftel)cn 3U ben entfpred)enben ®cbnl;ren für bie saljlreicben 3»^"9f unb ®acl)üerftänbigen. S)ie 'JJiünblidEifeit beö :iNerfal)renö fann i bemfclben Umfange geroal;rt werben, wie in erfter 3«ftün5, M 511 i^erme^rung fommi)]ari)d)er iNcrnefimnngen ein 3tnlaft nid&t g« geben ift. e§ wirb 5war nid^t ücrfannt, bafe bie Drganifation ber Si rufungöfammer in ber Dorgefd)tagenen 3lrt fomplijicrt unb nidi fo einfad) gcftaltct ift, wie beim fonftigen ^"ftanscnänge nad^ Dem &t rid)töt)crfa)fungögcfcfte, ober gegenüber bem i^cbenfen, weld)c bei beiben i?orf erlägen 3{eid)cnfperger unD iDinndEcl cntgegcnftcben muffen bod) biefe 3Jiängel alö bio geringeren Übel angcfeljcn werben jumal cö t>m 3tnfd;ein l)at, baf? im 33unbcöratc eine Ci'inigum weber nac^ bem ä?orfd)lagc 3teid)cnfpergcr, nod) nad) bem 'üsox fd)lQgc 3)Juncfel ju erjielen fein wirb, gür ben gegenwärtig bei gcbracfiten Dritten ä^orfd)lag fönnte oiellcicfit eine l^Jajorität iir Sunbesrnte ertjofft werDen, wenn man einmal bie Ginfübrung bei Jöerufung, cntfprcdjcnb bem öefd)luffe ber ilieidjötagömajorität, al*: notwcnbig crad^ten follte. oft tod) and) bic Crganifation ber 3trafberufung§fammer ii ber angegebenen 2trt fe^r wot)l burc^füljrbar. 3iad) bem Hommiffionö beridjtc ift fonftatiert, bafe nad) ber (Srfaljning auö \>cn SanDcrn in weld)en bic äJcrnfung alö Oteditomittcl befielet, nur 7—10 ^ ber 5>erurteilten bcö 3ied)tömittelö fid) bcDienen. trwägt man nun, baß bei ^reifpred)ungen, wcldjc bod) einen erbeblid)eii 3:eil Dei Crntfdjcibungen erfter .^nftanj auömad)en, bie 3taatöaiiwaltfd)af: nur in feltencn JäUcn bie 3ierufung einlegen wirb, fo wirD mar ben obigen ^^^ro3entfae im i^erglcid) ju ben fiimtlid)en Urteilen erfter O^iftanj nod) niebriger fet>en muffen unD wirD ineüeid)t bii oon Dem Ülbgeorbnetcn 'Weidjenöperger ermittelte ^^bl ^on 4,.-hj % ber nften Urteile alö ber Sernfung unterliegenD fic^ ergeben (^Hcicfiö: 8traf6erufunodfammem. 365 tagdwr^blg. oom 8. 3. 1886 S. 1382). 2)o^ tocnn roir fclbft öen ^^rojeutf a^ von 8 Va ^ gelten [äffen, f o gcftaltct fid) bie Sad^c jo. Daß auf 12 Straffammerfacl)en nur eine Serufungöfad^e ju xiii\m ift. 2ßcnn man nun bic 5Bcrl)ältniffe Der Seoölferung ber Stabt Serlin, roelcfte fogar eine ocrgleid^öroeife l)ol)e Summe oon ftrafred&ts liien Unterfud)ungcn crforberlid^ mad)t, ber ^Berufung ju @runbc legt, fü werben gegenroärtig im Stabtgebiet 23erlin, roeld^eö mit bem ianb9crid)t§bejirt Serlin I jufammenfäUt, 4 ftänbigc Straffammorn mit Der Aburteilung ber ©traffod&en erfter 3"^«^"! befd)äftigt. 3^ic fiommcrn üerl)Qnbe[n 3 mal lüöcbentlidE), im ^a\)xt l)öd)ftcnd in 800 ci^ungcn. (TS ift anjune^men, bag be<^balb Die 3)erufungdt)ers NMungcn nac^ bem ©afee uon 8V3 % nur 50 Si^ungen er» iorbcrn luerbcn. 3)ie SeDölferung beö fiaubgerid^töbejirfö Sertin I WQc^t nun ein ftaried Srittel ber 23eDölferungö}al)t beö Äammcr^ 9cric^t§bcjirfö am: ed würben alfo bei gleid) ungünftigen ftrafred)t5 lid)cn l'erijältniifen ber ^^i^^o^^i^J Sranbenburg immerl)in l)öd))tem li>0 ci^ungen ber fämtlid)en Scrufungöfannncrn jät)rlid) 3U ge- wärtigen fein. 35a nun für baö £nnbgcrid)t Ü3crlin 1 wegen feiner umfangreidjen ©cfd^äfte eine befonbere 2. Strafberufungötammer QUA 3 3)iitgliebern beö Äammergerid^t« unb 2 iDiitgliebern bes Sanbgcridjtö Berlin I gebilbct werben muß, waö wegen beö Si^eö öe5 ftammergerid^tö an bemfclben Orte feine Sdjwierigteit cer^ "^iöcftt, unb t>a bie ju biefer öcrufungöfammer geljörigen bei= u{enbeii iDlitglieber be§ Äammergerid&tö aud^ nod; bie auf runb 15 ^i^unfleu 5U oeranfc^lagenben Serufungöfad)en beö :yanbgcrid^td Berlin II erlebigen tonnten, fo ftellt fid) baö rHcfultat fo: im Äammer= iWc^tsbejirfe finb, abgefcben von ben beiDen Werid)ten 33erlin I "»ö 11^ weld)c etwa (55 Si&ungen ab}ut)alten Ijaben werben, nod^ rtiDa 85 Sißungcn in Serufungöftraffacben an 7 Üanbgcrid^ten ab= 5u^altcH. 22enn bierju 2 ftänbige ÜWitglieber beö .Hammergcrid^tö deputiert werben, fo haben bicfelben aufeer ben Jyerien etwa 2 mal wöc^entlid) an Si^ungen teiljunel;men, jumal wenn nod) ein SJcsirf jenen beiDen beififeenben Äammergcvid)tömitgliebern ber iöcrliner Strajberufungdfammer jugewiefen werben foUte. (Sine Öefd^äftö^ öf^^laftung liegt fomit uid)t oor. 2cr öesirt beä Dberlanbeögeridjtö ÜJreölau, ber gröf3te oon 3!eut)(iölanb9 Cbertanbeägeriditen, ift nun nod) etwaö umfangreicfier öl^ Der Ded Äammergerid)tö. iießterer jäljlt nad) Dem ^^al)rbncf|c 2-1* 366 ^tto (&c^mtt)t. für bic SuftijDcrfatlung oom 3a^rc 1890 3 657 698 einroo^ni roä^rcnb 3um Srcdloucr SBcjirfc 4 112 219 ©inroofincr gct)ör( ßd locrbcn, rocnn bic uiigünftigcn Ärimiiiabcr^ältniifc Scrlinö a\ für bic ganjc 'S^roüinj ©Alcficu ju @runbc gelegt rocröcn, 1 Sifeimgcn in ©trafberufungöfod&en crforöcrlid^ fein, tüoooii c bcn i^aiibgeridbtöbejirf SreSlau ctroa 20 ju rcd^ncu fiub, fo b für bic übrigen 13 ßanbgcrid^tc nodb 153 oiftungen in Slnftfil tommen. 2Birb nun roieber in SrcSlau, bem Sifec beö Cbcrlanbi gcridEitö, eine befonbere Strafberufungöfammer aus 3 3Jiitgliebc bed Cbcrlanbeögcricbtö gebilbct, werben bic beiben ÜKitglicbcr biej ©erid^tö, rocld^e nic^t bcn SBorfife ^aben, nod^ bei onberen Strafber fungötommern ber ^rooinj mitbefd^äftigt, unb werben für bie übrigi ifanbgerid)te ber ^rootnj nod^ 2 anbere beififeenbe aWitglieber Di Dberlanbeögerid&tö bepuriert, fo l^aben bie beififcenbcn 3)JitglicDi bed Dberlanbcögerid)td jebed etroa an 86 ©igungen be§ ^aijXi teiljnneljmen. 3lud^ biefe 9lid^ter finb feincöiücgö überlaftct. 3n allen anberen Oberlanbedgericbtöbejirfen wirb fidb D Drgonifation leidster burd^fü^ren laffen, ba in feinem bic 0c)d)äj fo umfangreid; finb, loic in bcn beiben )8cjirfcn beö Äainmergericb unb beö Cbcrtanbcögcridbtd Sreölau. 3^*1^ cinfadbcren Scl^aublui ber Sad^cn ift einerfeitö bie 33efd^lufetannncr, anbercrfcits bie 31 änberung bed § 275 Str.^.D. I^inficbtlid} ber Urteilöfaffung ei geführt, fo M^ bie 5Cl^ätigfeit ber beififtcnben Cberlanbcögcrid^t rate nur auf bie .öauptoerbanbtung (unb bic bei biefcr ©elegcnb lcid)t ju erlebigenbe aScfd^lußfaffung md) § 348 Str.^i^N.C.) fid) i ftredt. 3)ie Öef c^hifetamnier , beren @efd)äfte nur uon unt georbneter Öcbcutung finD, fann unbebcnflid) au§ 8 3(id)tern • bitbet roerben. 2lud|) bürfte bie 93eftinnnung binfiditlid) ber Urtci faffung \\ä) baburd^ rcdfetfcrtigcn, baß in bem Urteile ber JJcrufuni lommcrn nur fnrj bie Übereinftinnnung ober Jlbioeic^ung ^er ridit licl)en Beurteilung gegenüber bem 1. Urteil 5u fcnnjeidinen fi wirb, inbem bic tl)atfäd)licöe ^eftftcUung bom 3leoifionörid)tcr i 9Jadjprüfung nid)t mcl;r unterliegt. Sic beiben Ü)Jitglicbcr 1 iJanbgcrid()tö fiuD bal)er aud) febr Uidjt imftanbe, unter 3"?nni legung beö Urteile I. ^nftanj bie Girüube 5U cntiüerfen, jumal loc fie unuötige unb ungeeignete ^4>olemif gegen bie (55rünbc beö 3Rid^tcrö m()gtid^ft beifeitc laffen, unb Icbiglidb bie 3tnfid)toii 5 ertenncnben 3iid)ter in fnapper Jo'^i" loioDergebcn. C5s crljcttt nun ol;nc rocitercs, bafj gegenüber bcn SWeifefofi @ traf beruf ungdfammem. 367 unb Siätcn für bic beififecnbcn 3)Mtfllicbcr bed DbcrtaiibcSgcrid^tö Dur4 bcii i^orfd&lag Des (Sefcftcntrourfö erf)eblicf|c Äoftcn crfpart werben, roeim mau crroägt, ba§ regelmäßig eine größere 3lnjal)t Beugen unb Sac^üerftänbiger ju ben I'ermiiicii erfcöeineii muffen. lan roirö nid^t fehlgreifen, menn man für jebc ©ifeung 25 Beugen in Stnfdjlng bringt, bcren Grfd^einen erforberlidj ift, loenn mi) auf bie a5ernel;mnng üielfadj nad)trüglid) perjid;tet tüirb. Ta bicfc 3eugen Der Siegel nad) in bem engen ©ebiete beö ÜanDgerid^tö löo^nen, fo fin^ bie ®ebüf)ren berfelbcn nur gering, roäfirenb im JoUe, baft bic Dberlanbeögericbtöfißc jugleid) jnr Öeridjtöftetle für bie J>erl)anl)lnngcn beftimmt würben, bei ber ©röfee ber Sejirfe ben 3eugcn ;um großen 2^eilc fe^r ert;eblid^e 9)}cilengelber, aber oiicft Gntfd)äbigungen für Unterhalt unb iloftquartier auf met)rerc läge bcroilligt loeröen müßten. Slicft man j. Ö. auf Me Äarte beö Äammergeriditbcjirls, fo würbe jroar für ben öejirf ber beiden vanbgeridne 33crlin bie Jyrage beö Siofiennnterfd)ieb$ nid)t entfielen ftnnen. 3)enn für biefe öejirte roirD bie ä>erl)anMung in ber StaDt 'Berlin ftattfinöen, ob nun baä CberlanbeSgerid)t ober baö Sanbgeridit jum Serufungögerid^t gentad)t tüirö. "^n beiDen gällen «r^alien Die 3^"fl^" i*"b 3ad)üerftänbigen Die gleichen ©ebüljren, unb in bciDcn gällen bejicben bie Dbcrlanbeögeridjtsmitglieber feine 6ut|c()äDigung. 35agegcn würbe fid) für bie übrigen 7 ^^üubgorid^tö^ ^irte: ftottbuö, iJranffurt a.O., Quben, l'anböberg a.ü5., '^Jrenslau, 5Ieu:Jiuppin unb ^otöbam junäd)ft ergeben, Mf^ für Die an ben ?Jf}irfsHßen wo^ucnben '^ierfonen bie Koften ber 3ioife nad) 23crlin flönj gefpart werben. 3i^^l "^^" ""» Ö'^öbe Iserbinbungölinicn öwf Der Äarte oon ^^otöDam nad) ißübben unb weiter nad) granf^ f"n Q. C, Äüftrin, 2lngermünbe, Xemplin, 3Jeu=3iuppin unb ?>ot5baiii, fo ergibt fid), bafj uid)t allein alle auf Diefer iicrbin- ^"ngslinie in ben fraglid)en Stäöten felbft, fonbcrn aud; alle anfeer- ^«Ib beö burd) biefe iJinie gebilbeten ilreifeö woljnenöen ^^serfonen ^^^ 3<^i*9C" weniger Webüljren ju liquidieren Ijaben, wenn fic an '^^Jn Si^e il)reQ i$anbgerid)tö, alo wenn fic am Sibe beö Älammcr^ S'^'nclitö oernommen weröen. iäair^i auöcrö iiioitaltct fid; aber nod; ^ic Öebübrenerfparnid in fold)cn ikäirfeu, in weldien nid)t, wie l^^im ftammergeric^t. Der Si^ t)Cö DbcrlauDe§gcrid)tö ungcfiiljr geraDe ^^ ber 9)litte liegt, ionbern in einem feitlid)en äiUntcl Dcö SJcjirtö, ^ie bcifpielöweifc bei ben DberlanDeögerid)ten (Seile, JJaumburg, ^ajiel, granffurt a. aJt., 3iüeibrürfcn, :))Jünd;en, ftolnmr, ferner in 368 Ctto S(5mit)t. gcToiffcr ^infid^t aud& bei Äömgöberg unb Stettin, loo rocgeii bcr im^cn 9)Jecreöfüfte ber Sesirf im weiten -öalbfrcifc um Den ©ericfttöfiß l)eninilie(3t, foöann in bem langgeftrcdEten Sesirfc von Äarlönibc ufro. 66 ift übcrijaupt in biefer 2)arfteIInng über bie Sln^fübrbarteit bed ©efefeeö von ben niöglidbft ungünftigen :i5erbältnii|cn öer ÖrofiftaDt Berlin unb bcr grofecn CbcrlanbeCgcrid^töbejirte Scrlin mit) ^Breslau ausgegangen. :3" oüen anbern Sejirfen ift bie (Sinfnburng Der Serufungöfanunern üiel geringerer Scbroierigfeit unterliegend. 3Benn in bem § 99 f. beö (Serid)töüerfa))ungööefeiu*9 eine nior: malige ©i^nngöperiobc jäfjrlid^ an jebem SanDgerid^te in ülUGfidn genommen ift, fo mirD bem pratti|d)en Sebürfniffc r>olI genügt, iii: bem öer freigefprodjene Slngeflagte obne loeitereö an^ ber .'gaft ,;u cntlaffcn ift, ber üerurteilte 3lngeHngte aber in fo bobem Wrabe belaftet crfd^eint, bafe im galle feiner ,paft and; Die J-ortbauer Der- felben auf 3 3)fonate nid}t jn Siebenten Slnlaß geben tann. ^uöcm fommt in 3Öetrad)t, ba]] oft roegen ber geringen Strafe bcr AUidn- ücröacbt unb loegen ber gein'igenbcn 3tuftlärung bie .Vioilufionögefabr fo meit auögefd)loffen erad)tet werben tann, um bie .^aft aufsubebcii. Scbliefelid) fei nod) barauf bingeunefen, bafj eine inTmebrnng beö ^)äbrenD nun nad) bem biöljerigen (iiefelje 12 Straffammern ein :)lid)terperfoual Don (>Oiier: fönen erforbern, würbe nad) bem ©efeCoorfdilage nur ein ^^erfollal Don 12 X 3 -I- 1 X oiscrfoncn, alfo 41 im ganjen erforberlid) jeiu, wenn bie Straffammern imftanbe wären, bie biöberige ainjabl oon Sad)en jn erlebigen. Crö wirb fid) aber eine iserminbcrung ber Straftammerrid)terftcllen gleid)Wobl nid)t empfehlen, M Mü 3ied)to^ mittel ber üöerufung eine forgfältigere ^|5rütotollierung in ber .^aupi^ oerbanbluiuj unb eine nähere 3)egrünbung ber tbatfäd)lid)en Jeft^ ftellung in bem Urteile bei t>m Straffannnern oorauofoiu, and) biefe Urteilofaffung nid)t meljr unter 4, fonbern nur unter 2 ikü- fi^cr SU oerteilen ift, fo batj bie Slrbeitoseit unb iHrbeitötraft ber Straffannnermitglieber ftärfcr alö biöber in 3lnfprud) genommen wirb. Criue wefentliAe (Srleid)teruug bürften bagogen r>a^ Oieidio- geridjt unb bie Cbertanbeögeridne erfahren, M bie (rinfübrunc^ ber ikrufungoftrajtammer wohl eine erbebliAe iserminberung ber iReoifionen jur Jyolge baben wirb. 9. Der Ütunlütaub. 33erfuc^ ber SarfteQuug ber getd)id)tlid)en @ntmtd[uug unb bes 55on Dr. 3tboIpö grieblänber, Jlcfercnbar. Unter bellt 3iamen „'äJhiubraub" begreift bie ©trafred&tö? n)iifenfcf)aft in 3lnle{)niing an bie SScscicbnungöroeifc ') be$ früljereii gemeinen Sted^tö ein SSerniögenöbclift, baö oon alterö f)er im beutfdien 9led)te uon Siebfta^l uiiD Unterfd&Iagung gefd^ieben roarb. mai) nnferem SReid&öredit (3l.©t.0.S. § 37O'0 ift 9)hinbraub bie ©ntmenbuug üon iJiafirungös ober ©enn^mitteln t)on «nbebeu? tcnbcm SJSerte ober in geringer 3)Ienge jum alöbalbigen iJerbranci&e. 2iUr werben fpäter auf bie einseinen SBeftanbteile be§ Be- griffes n&i)cx einsugetjen fiaben. SJorljer erfd^eint e§ jebod^ jiDedt- mäßig, ber ge)dS)id)tlidE)en föntroidflung beö eriDäl^nten ftrafred^tlid;en Segriffö näf)er ju treten, ba eine Setanntfdjaft berfelbcn für baö heutige iHecbt roünfd^cnöroert ift. § 1. Sie 3eit ber i^olföred^te. 2)en Jiöinern^) mar ber Skgriff beö aWunbranbö alö eine« Sonberoerbrecbcnd ebenfo unbcfannt, wie ber ber übrigen im beut- fd)en 3ted^te alö felbftänbige ftrafbare .'ganblungcn erfd^einenben M !^iefe(bc — in bcn üucUcn bct^egnct fic nur in bcm Sauger Sanb(|cs brauch, über bcn basJ^lä^crc fpäter— ift fc^Iec^t, weil lcid)t irrefüf)renb. öins bing ^bd). I 3. 900 fc^fägt „ÖenuBmittelcntrocnöung" üor; bicö ift etma^ f*rocrfäUig. 3Öir bebalten beöbalb ben bcrfömmlic^en 2(u§bru(f M. — ^) 3)cm mofaifc^en Siechte ift ber Scgriff bcd 3Kunbraub§ ni^t imbefannt gcrocfen. 3)ic« 370 Dr. Ät)oIp^ 5ricMänt)er. ßntrocnbungcn : für bic -Römer tag eben \)iex ein furtum ii md)tö weiter oor. 3uer[t begegnen wir bem 9)Junbraube, freilid^ nid)t unter bief« 3Jainen, in ben SBoltöred&ten. Sie lex Salica atlerbingd erroät trog iljrcr rcidjen ilafuiftit unferen gall nid^t, unb baß Ö[eid)e g t)on ber lex Burgundionum.^) 3)agegen erblicten roir bic @rui läge bcö 9)iunbraubö in lex Visig. VIII 4, 27. Iter ageiiti ticifet eö ^ier, in i)ascuis, quae conclusa non sunt, depone sarcinam vel boves pascere non veteutur, ita ut non in u: loco plus quam biduo, nisi lioc ab eo, cuins pascua sui obtinuerint, coniniorentur. 3)aö äiJeiben beö aSicbeöM f frember äSeibc wirb alfo bier ftrafloö gelaffcn, offenbar roeil i üorlicgenben (Sntioenbung alö 9)Jilbcrungögrnnb jur Seite ftcbt, D baö gntter bem 5?iel) nötig, bamit eö bie iHcife anöl^alto, jcDonfa bie ßntmenbung bloß bie Stillung beö ^""Ö^'^ö, freilid) mc mttrbigerroeife nidfit beö SDJenfd^en, fonbern feincö 2'iercö, bejiood S)er Sag quae conclusa non sunt beutet barauf l)in, Daft „& brcd)en" bie Straflofigteit auöfd^liefet. 2)ie ©igen tum lid)Ieit ber angeführten :iHeftimmung berubt bar bafe fie smar in ergiebiger äl^eife ben SJebürfniffcn Der Xu 3led)nung trägt, für bie ^^Jenfdjen bagegcn nid)t in gleirt)cr äße forgt. 2)ieö erhellt beutlid) auö einem ä>crgleid^ mit lex Vis. VI 3, 5: Si vero per violentiam l'ruges^) collegerit et trugt in dupluni restituat et quidquid everteritrediutegrareprocur 2)ieö 9)UtJr)er[;ältniö tonnte fic^ aber auf bie i35auer nid)t 1 t)auptcn. 6ö mar nur eine gauj natürlid)e ih>eitcrentu)i(flung t urfprügticben ©ebanfenö, luenn man bic 3)Jcnfd^en in bicfcr :j }iet)ung gleid; günftig bel)anbelte, toie bic Spiere. 3)ieien iüid)tio Sd)ritt t)at ha^ Edictus Kotharis^) genmd;t. ^ier bcifjt bcioeift bie felir intcrcffonte StcUc in DeutcToiiomiiiin XXJIl i24 {^uih Überfettung): 3\5enn Xu in 2)eine6 DJädjftcn ii'einbcrg gebeft, fo maiiift ber Trauben cffen nad) ^Tcinem ^ÜUUen, bie Xn fatt babeft, aber Zu \c nicbte in ^ein (?Jefä6 tbun. l^gl. auc^ Deut. XXIII -25. - ■') Tai in XXVIII berfelben bcbonbeltc ftraflofc ÖaumfäUen bleibt ^ier aufjer 2lni cbenfo wie bie einfd)Iagenben '^eftimmungen ber fpdteren 'i?olfered)tc i 3i5cietümer. ilUr ocrmiffcn in ibne« ein Ü)Jertmal, ba^S gerabc in ber glc folgcnben 3teUe ber lex Vis. unb bem Ivlictiis fo beutlid) ju itagc ti nämli(^ ba^ be-S JBersebren-?. S^ie (^leidiartigfeit jener 'ikftimmungen mit ber lex Vis. ufro. foU bamit nic^t in 2lbrebe gefteUt werben. - *) ]m»vos f wo\)l bie 3M9*if>^^- — ^) f* O^nbelt fic^ um äC^eintrauben. -- ^) I^ie '^efti 2)cr Wunbraub. 371 c. 296: Si quis super tres uvas de vinea aliena tolerit, com- ponat solides sex: nam si usque tres tolerit, nnlla sit illi Culpa. 3)icfc Scftimmung, bic bcu Untcrgrunb für ja^lrcid^c Seistümcr bcr fpötcrcii 3^it bietet, bilbet beii eigentlichen 3luös jongäpunft für baä ©ctitt bed 5Dhinbraubö, baö, loie c. cit. jeigt, in biefcr dttcften S^ii nodf) ftraflod xoax. Sejüglid^ beö 2^f)atbeftanbeft in ju bemerten, ba§ in bem tolerit bie jyorberung beö fofortigen i^erimnid^ö nid)t ju finben ift. @bcn)o lüie bic lex Vis. erroä^nt auä) ba6 Edictus baö 9iecl)t De« fremben -Tteitcrö auf Senu^ung ber SlBeibe für fein ?|Jferb.^j Vergebend fud^en roir in beu übrigen SBol!öredS)ten unb in ben Kapitularien nad) einer (Srroä^nung beö 3)hinDraub6. Um fo reidj^altiger unb bafür bie 2Ju§orbnungen beö 8. unb 9. ;V^rl|unbertö.'') Streng wirb in il)nen bie einfacbe grudfitent^ wcnDung oon ber im ^iotftonbe oerübten X\)at getrennt unb le^tere (in ber iHegcl'**) flraflod gelaffen. ©o Reifet eö in bem Poeuiten- tiale Pseudo Ronianum Appendix (äiJafferfdjIcben 374): § 14. Si quis per uecessitatem furaverit cibaria vel vesteni sive quadrupedem per faniem aut per nuditateni, illi venia datur. Jejunet^") hebdomadas IV. Si reddiderit, non cogatis jejunare. § 15. Si quis cabalhun aut bovem aut jumeutuin aut vaccani furaverit, sive cibaria aut pecora, ^uae totam familiam iiutriunt, jejunet ut supra.")] iw gleid^er äßeife unterfd;eibet baö Pot»nitentiale Merse- l»urp:euse jroifcften bem Jall, si quis per necessitateiu furaberit tibaria aut vestes sive quachnqunies, propter fauieru vel iiu- ^litatt^m unl) bem si quis cibuui furaberit unb legt bem le^teren -^0 Jage, bei äßieber^olung 1 ^abr ?3ufee auf. JUjnlid) bebro^en mung ber lex Baiuvar. c. XIII 7:8i quis messem matiiram iam in a^o inraverit cum 6 solidia componat übcrcic^en wir, ba fie für bic (Siitiuidelung ^^ JRunbraubebcflriffcö glcic^igültig ift. — '') c. 36:?:' Nnlli sit licentia ite- ™ntibu8 herbam nej?are, excepto pratu iutacto tempore siio et messe. — > %\v bcnu^cn bie Sammlung von 3ßaffcrf (Rieben: Tii iUifiorbnungcn ^^ abenblänbifc^cn Äirc^c nebft einer rect)tögefc!)i(btri(^cu Einleitung, .»oatte IJ^^I. - 9^ e,„e 2lu«na^me mac^t baö Paen. l»seu-E. :{!)4), obwohl baes wbc bie üiotftanbeftanblung von ber Jructjtentiöenbung trennt. — ^") Xa^ Wen ift l|ier, roic beutlicb aue ben ih>orten illi venia datur hen)orgef)t. nidjt ^Sfntlic^c, fonbern 3>iö5iplinarftrafc. — ^^) l^k JruAtcntnjenbung tüirb offene ^^ ^it einer cigentlid)cn 3trafc belegt, ba baö supra nur auf bie S^'xt bcö 372 Dr. Äbolp^ gricblänbcr. aud^ baS Poen. Bigotiauum c. IV § 1 (SBafferfd&tcbcu 446), Cum- nieani c. I § 13, c. IV § 7 (3iS. 466, 476) unb Poeii. Reniense c. III § II (2ß. 501) bcn furatus cibuni ober qui furatur cybuni mit bald größeren, balb geringereu SJufeen, wobei für bie frfie unb 5roeite, iDoI)t an6) für bie britte ÄUeber^oluug oerfd^ärfte ©träfe in 3luöfidS)t geftellt roirb. 2Rau fauu fonad) l>eu 3)hnibraub i. S. ber SJuBorbuuugcu beflimnieu alö bie nic^t in ed^ter 9Jot gefdE)el)ene ßutweubuug üon 3iaf)rung$mitteln utit ober o^ue abfidbt beö fofortigen äJerbrauc^ö. Cb ©iubruc^ ober (Sinfteigen beu Segriff auöfd)lie6t, ift quo beii Sußbüd^eru uic^t ju eutncljmen. § 2. Siiö jur Sambergeufiö. 1. 3lbfd^nitt: 9ieid;ögefe6gebuug. S)ie weitere (SntiDicttung nimmt il^ren 9luögaug üou uicbreren reidöögefcfelidben Seftimmuugeu, bie fid& iu t^m Saubfriebeu fiubcn. 2)ic crfte Derfelbeu ftammt aud bem Juranientuin Pacis Del $ein= rid^S IV. oou 1085*'*^) unb lautet roie folgt: Viator si necesse ha- buerit, duos in agro nianipulos aut si nmltum tres, ecjuis suis tollat, quos in eodem agro aut in proxinia villa depascat. 3>on ScDeutung ift bei biefer Stelle, bafe bie ä^ergüuftigung fic^ l)\cx nid)t blop auf baö aSeibenlaffen, fonbern axidi auf baö 3lb' reißen jum 3"^^^ ber gütterung (equis suis tollat) crftredEt. 3»' l^altlidö mit ber 2lnorbnung beö Juranientum gleid^lautenö ift Die ber Constitutio De Pace Tenenda Et Eius Violatoribus griebriddö I. üom 18. September 1156; nur ift l)ier ber iNorgang breiter auögefüljrt. §19 a. a. 0.'^) befogt: Quicunique per terrani transiens equuni suum pabulare voluerit, quantum propinque secus viani stans in loco amplecti poterit ad re- foctioneni equi sui inipune ipsi equo porrigat. 2Beit intereffanter alö bie beiben Stellen ift ber § 7 ber Treuga Heinrici Kegis oom ijuli 1230'*): Viator in via, ununi pedem tenens equo suo, cultello gladio vel falce segetes incider^ potest, ut ipsuin reficiat, ita quod nihil deterat. Si auteni- Saftenä, nid)t auf Da§ iUi venia datnr ge!)t. — *M i^ertJ, Moiiuinenta (ier— maiiiae Historica Leirnni Toiims IV 59. — i"^) ^er^ IV ln3. ^ic ZUlür ift mit II feiid. 27, § 19 bi^ auf gcrint^c 5(bu)eid)ungen glcidjCautenb. — ") ^ertJ IV 207. — 2)er SÄimbraiib. 373 segetes aliter iiiciderit et aliquid inde detiilerit, pacein viola- veiit, für suspendetiir. 3lid)t um ftraflofeö füttern mit fremdem Äorn l)anbc(t ed fid) hier, ju cigcuem öcuuffc (ut ii)suni sc. via- torem reficiat) cntroeubet bcr äi'anbcrer baö ©etrcibc. 35ic eigen- tümlid) genaue Seftimmung über ben isorgang bcr (Sutioenbung im einjclnen ift t)iclleid)t nur beöljalb an Stelle bcd bel)nungöfäbiflcren <|iiantuFn — aiiiplecti jioterit getreten, um infolge ber äuf^ren Snjcidicu jeben ^weifet barüber ju bannen, öafe in bcm betreffcnbcn Aallc in Der 2:bat nur ein ftraflofer 'J)iunbraub, nid^t ein ftrafbarer JiebftabP'^) Dorliegt. Sßie roid^tig Die Jorm ber ©ntiuenbung, ge()t Darauö berüor, bajg, wenn fie fe()lt, bie ^ieböftrafe bcö .»pängcnö öen lijakv trifft, mag er auch lebiglid), um bcm junger ober ?"ri*t nic^t .^u erüegen, gedanbelt haben. l?on grof5cr S)cöeutung ift ciiMid) bcr 3luö|dblujj beö aßegtragens bcö Äorner Örunb nun fortbaucrte ober nid)t, bie üBcfdiränfung ^rffa jebcnfalld and) nac^ ben iian^f rieben scitgemäfe, benn wir n"l»eu fie in ben Spiegeln iDiebcr. 2. abfd;nitt: Sie :)ied)töbüd)cr. Scr Sad)fenfpiegel fd^eibct ftreng ba§ koni sniteii, wenn kleine wekvertigen nianne sin i)liert rrligt üon bem vrerzeii ^J^ kornes üf dem« land(^ ^Ten crften Jv^ll bebanbclt er in ^X II 68 in faft wörtlicber xUnlebnung au bie XJanbfrieöcn iwn 1156 unb 1230, bereu 33eftinnnungen er in cigentümlid)er äiJeifc ^ffdjmiljt: wäljrenb er nämlid) ^em enteren bie 33efd)ränfung öeö Äorns auf also veriie also erz fi:erei('li»»n mag entleljnt, entnimmt ^^ bQ§ CS-rforberniö, bnö bcr 3:l)äter gebanbeit babe stc*nde inum» ^^■o(p^ ^rieblänbcr. aber nicht dannen vfiren ber Treuga Heinrici. Senigegei über regelt 3lrt. 39 § 2 a. a. D. ben 9»iinbraub wie folgt: Swild wegvertig man Korn üf denie velde vreczet und ez nirgei en vüret der gelde den schaden nah sinie >verde. 3»()öl^lic trifft bie Seftinnnimg mit ber ber Treuga Heinrici faft nölli überein. ITic S3cfd&ränhing auf ben wegvertigen man ift g» blieben: aber einmal ftnb bie befonberen (S'igcntümlid;feiten De ißanblung felbft uerfd^iunnben^ uuD bann ift ed nid^t mebr nöti< bafe bie terfc^öpfung ben antrieb jnr Xtjat gegeben. 23cibebali< ift bagegcu bie Unsuläffigfeit beö Jyö'^^t^^flC"^ bes Äorneö vo Xljatorte nnb bie Straflofigteit beö 21)nnö; mir perpflid&tet frcili ber3)Junbraub nad)Sad)fenfpiegel sum üoücn £d)abenöerfa$, inäbvei Ijierpon nad) bem il'anbfriebcn feine :Mebe ju fein fcbeint, ^a lii bie 9ted)t9n)ibri9feit, im Sad)fenfpiegel blof? bie Strafbarteit entfä! Xer Sdiroaben^ nnb Seutfd)fpiegel (3lrt. 20*2, bejiu. LSiM c xodijmn unter engem iHnfcblup an iianbfrieben unb Sad)fcnfiuiM baö ftraflofe Jyüttern; oom cigentUd^en J)iunDraub luiffen fie nid)r äl^egen ber 3^it feiner (rntfteljung, foiuie luegen öer inneren in* n)anbtfd)aft wirb an bie Spiegel swedmäftig baö Fulmifd)e rKcAt «i gefnüpft. Tie l)ier in 33etrad)t tommenöe Ikfiinnnnng findet fi* in ber fulmifAen ,^anbfefte uon 1251'^) in iönd) V c. XXVIl] ITer .vüeite 2^eil ber Stelle, eine faft mörtlid^e äi5ieberl)olung üo Sd)n)abenfpiegel 202, intereffiert eben barum lucnig, bagogcn oi fd)eint ber erfte 2^eil beDeutungöuoU. ^n bemfelben roirb öcr HornDicl fial)l bei 2ag unb bei 'Jiacftt unterfd)ieDen, ber Jagbiebftabl mit Dci ©algen, ber 'Jiüd)tDiebftül)l mit bem SBerluftc Des 3^aumenö besn). D» ganjen fianb je nac^ Dem äi^erte beö Weftoblenen bebroljt. lUn fr wäre bieö freilid) nid)tö 33efonDereß, M luinfig in Den CueUen D« bamaligen ^cit bie näd)tlid)e :öege^ung allein bie iTbat alö erfdnue erfd;einen läftt. i?a jebod) bie CCC. jenen Öegenfatj iwx lU grenjung beo i)funöranbö pom /vrnd;töiebfuible benuM, fcbion t geeignet, barauf binsuiueifen, Mi berfelbe fid) fd)on in iilten CueUen findet, übrigenö aufier im fnlniifd;en rHedjte aud) im :)Jed)i bud)C nad) 3^iftinFtionen ''Hud) II Map. X I^ift. XI: Wer kni stielet «les nachtes, der vorschult dtMi galgen. Stell lu*r des tciges, iz ^e«! onie zen hiid uiide zeu hare. Gleid) hier uuuj aud) ha^ Crifena'ifd)e rKedjtöbud) uon o- 'V" auf ciiiom JDiifeücrftänbni'? be\j uiium pedi'iii teueiis (M|Iio siiu. iüa*> ii. (r. b beutet, baö ber Leiter einen Jn^ am i^ferbe Ijat. — '"j ^^ae alte fulmifc a5er aWunbraub. 375 jolM'*') crruä^nt werben, obroofil eö crft an^ fpätercr 3^^^ ftammt. Da fein Strt. LXXX beö 3. Sud^ö nidjtö anbercö ift, al« eine iJiebecgabc von Sadbfenfpiegcl II «8. Jer Äreiö ber CiicUen, bic unmittelbar anf ben ©piegcln be= Tu6en, fd^ließt ab mit bem grcifinger ©tabtrerf^töbud) oon 1328, Deiieu 5lapitel 134 bie angeftU^rten @agnngen ber fulmifd^en fianbfefte miebcrbolt: nur ge^t bie ©träfe bcö näd^tlid;en ilorn= t)icbftat)lö bloß an bie .öant, wenn eö fidf) um ains pfeniiigs wenl l^anbclt (für anöere JyäHc bleibt baö Rängen). äJerübung bei 2!ag trifft [meß an ben 3flid)ter. 3. 9lbfd)nitt: Stabtrcdite unb SSciötümer. SKit ber legten Sied^töquelle finb wir bereits bei ben Stabt- tcd)teii angelangt, ju beren 33etradjtung luir nunmel;r überget)en. Ja Me ^af)l ber in benfclben ficb finbenben ikftimmungen inbcfieu nid&t groß ift, unb Diefe il;re (Srgänjung in ben gleiÄi^eitigen Seiötümern finbcn, mögen legiere fofort l)erange5ogen werben. 3Sir beginnen mit ben fd^weiserifd^cn unö nieDerrf)cinifd)cn Scc^töqucUcn. Unter \>tn fd)n)eijcrifd;en ift baä ältefte unb 5uglcid} inter- «iianteftc 3ied)tßDentmal baö Slebenweiötum 5U 2iuann von 1426''0- ?ftö)clbc lautet, foweit bier von Sebeutung: der bann wart mag der traubtMi in dem naechsten stucc^ke reben. wo ihn eßens- lust ankommt nelimen und liernarli in demselben stuecke und in gleirliem jähre nichts mehr, nimmt er seinen weg der luit halben oft an gleicliem stueck vorbei und sthet ein Birnbaum da.selbst, so nuig er biruen essen, so viel er will und mit sicli nehmen so viel er in seiner band vorn an der brüst tragen mag und da hueten so viel iu)ethig ist. ^Vo mißbaeume sind da jemand sansel oder anfall haette und solche gesrhuettelt werden, dem mag er sagen, daß er seujtMi anfall hob?, ein vorbei gehender fremder mag tiauben ^seii so viel er will alier er soll keine in (hm sack stoßen, der bann wart soll ihn darum nicht i>faenden einen "^^t mit einem äüörterbuc^e ficr. üoit :^cman, ^Berlin 1S.)K - >^) 2^ai^ ^«ö)töbud) nac^ Xtftinftionen nebft einem (rifenai'fc^cn iUecf)te6ucf), l)er. uon Crt» ^°ff» Jena lö8ß. — *■*; ^nnötümer flefammelt von Wrimm (cttiert: CiJrimm 3iV) ^^. 1 IK-l. 374 Dr. 9(t>o(p^ Srieblänbcr. aber nicht dannen vuren ber Treiiga Heinrici. SJcmgegciu Aber regelt 3lrt. 39 § 2 a. a. D. ben 9Kiutbraub wie folgt: Swilch wegvertig man Korn üf deme velde vreczet und ez uirgen en vüret der gelde den schaden näh siuie werde. ;3n^altli(^ trifft bie Scftimnumg mit ber ber Treuga Heinrici faft DÖHig übcreiu. 3)ie S3efd6ränfung auf ben wegvertigen man ift ge^: blieben: aber einmal finb bie bcfoiibereii (S'igcntümlid)feitea Der jQaiiblnng felbft Derfd^tuunben^ miD bann ifl es nid^t mebr nötig, bafe bie (Srfc^öpfung ben 3tntrieb jur X\)at gegeben. Seibeljalten ift bagegcn bie Unjuläffigfeit beö gorttragens bes Üorneö r»om 2:fjatorte unb bie Straflofigteit beö Xtjunö; nur uerpflid^tet freilid) berSDhiubraub nadbSadjfenfpiegcl jum üotten ocftabenöerfafe, mäbrcnt) ^ieroon nad) bem i^anbfrieben feine JHebe ju fein fd^cint, M Ijier bie 9icd)t§n)ibrigfeit, im ©ad)fenfpiegel blog bie Strafbarfeit entfällt. Ser Scbiüaben^ unb 2^eutfd;fpiegel (2lrt. 202, besro. 189) er- roätinen unter engem Stnfd^luft an i^anbfrieben unb ©ad)fenfpicgel baö ftraflofe güttern; oom cigcntlid;en :iDJunbraub roiffen ]ic nid)tö. SBegen ber 3^it feiner (Sntftetjung, foiüie megen Der inneren i>cr- roanbtfd&aft wirb an bie Spiegel jnjedmäf^ig baö tulmifdie :Hcd)t an^ gefnüpft. Sie f)kx in S3etrad)t fommenbc S3cftinnnung finbet fid) in Der fulmifd^en ,ötn fcbmeiserifdien ift bas ältefte unb sugleid^ iutcD cffantefte 9led)tsbenfmal bas !Mebenmeistum }u 2roann üon 1426 •'*'). 3?aSfelbc lautet, fomeit \)\tx uon Sebcutung: der bann wart mag der traubeii iu dem iiaeclisteii stuecke rebeii, wo ihn eßens- lust ankommt nehmen und hernach in demselben stuecke und in gleicliem jalire nichts mehr, nimmt er seinen weg der hut halben oft an gleichem stueck vorbei und sthet ein birnbaum daselbst, so mag er birneu essen, so viel er will und mit sich nehmen so viel er in seiner hand vorn an der brüst tragen mag und da hueten so viel noethig ist. Wo nußbaeume sind da jemand sansel oder anfall haette und solche geschuettelt werden, dem mag er sagen, daß er seinen anfall hole, (mii vorbei gehender fremder mag trauben essen so viel er will aber er soll keine in iW,n sack stoßen, der bannwart soll ihn darum nicht pfaenden einen 3ie(6t mit einem äiJörterbudie fier. oon Üeman, 5icrUn 1h:38. — *'*) Xa^ 3lc(^t«bucö nacö I^iftinftionen nebft einem (sifenaifd^en iHedjtebud), l)er. Don C r t « loff, 3«"« l^-i(^. — '••; 3i>eietümcr gefammelt von Örimm (citiert: örimm 3ö.) «b. 1 183. 376 Dr. 9(bolpf) 5rteblSnt)cr. einheimischen aber sollen sie pfenden. Kommt ein graf geritten und begehrt trauben, dem soll der bannwart einen liut voll geben; einem ritter was an drei schössen steht, einem priester drei trauben und einer tragenden trau drei* naemlich dem kind eine und ihr zwei, in den nechsten reben bei ihm; ab demselben stuecke aber in demselben jähre nichts mehr. Siet)t nmn von ber ätbftufuug ber 2raubeii5al)l bei bcu üerfc^iebencii ^Ncrfonengattungen ab, fo bcf)nnbclt bie Stelle äiüeicriei : 1. beu ÜDiunbraub beö öannroartö (?felbl)ütcrö), 2. Den bcö :)ieifenben. JBorbilb ber Stelle ift offenbar baö Edictus Rotharis, besw. bie beutfd)eu Siedjtägcroobnfjeiteu, bie fid) auf ©runb beöfelbcn gc- bilbet l)aben uub in Spri^roörteru roie ,,Trei finb frei" unb bgl. niebergelegt würben; benn fonft wäre bie eigentüinlid)e M>erioentiung ber 3?reisal;l 5u fonberbar. 9luffallenb ift bie weitgehenDc i>er' günfiigung, t>a\i ber JJremDe Strauben ncljmeu barf, fopiel er will ; ganj im Sinne beö oltea 3{eci^t§ aber, bafj bieö eben nur ber a rem De barf, uuD Mi jeglid)eö 3)Jitnel}men ber grüd)te auögefd)loffen in. aiad) ben S3emerfungen am Sd;luffe foUte man swar meinen, einen 3)iunbraub fönne and) ein Ginbcimifd)er (abgefebcu iiom Sannwart) begeben: bocft mit Unred)t. CSinmal fagt Daö 2i>eiö: tum gar 5U beftimmt einen einheimischen aber sollen sie pfenden, fefct alfo Ijier eine 'Jied)törierle6ung oorauö, bie eö beim gremben auöbrüdlidi auöfd)Ite|U; Mmx aber barf aud) ber GJraf ufw. md)t fclbft bie 2:raubeu bred;en, fonbern taun nur t)om ^üter eine gewiffc 3)ienge auögeljänbigt ocrlangcn, bie gewiffer^ maßen alö eine Steuer ju (fünften beö Örafen ufw. erfdjciiu. SJefouDcrer 33ead)tuug ift ber erfte Xeil ber Stelle, Der ben a)iunbraub beö iknnwariö bebauDelt, wert: benn eö ift M^ einzige 3eugm3 — bie ^erbftorbuung ju .öaltiugeu (Wrimm liiv 821), Die beu SIßeinlefern gcftattet, dry trübe! ju bebaltcn, geljört u. (?. uid^t l)ierlier — a\\^ bem alten :)ied;t bafür, Daf? ber üJIunbraub burd; ben Sefits^^') berjnidjte nid)t auögefd)lüffeu unrD, Daf? alfo, wie mau }u fageu pflegt, ber 9Jiuubraub aud) burd) Uuterfcblagung be- gangen werben faun. (rigeutümlid) ift, Mn Der Siauuwart jum Unter- fd)iebe oom grcmbcu JrüAte mit fortneljmen barf. -' ■ i^efitj = (^Jeroabrfttm, iTclention wirb man tom ^clbljütor bocb ju- f (^reiben muffen. 7>tt 3Wunbraub. 377 eine er^cblicftc ©eitcrbilbung ^at ber Segriff bed "iDhnibraubft erfal)ren in Der Cffming von Siicfcnbad)^') Dorn ooljrc 1495. 3"- nü(öi"t i|t ber Öeflenftanb eriueitert, an bie Stelle ber ih>eintrauben ift aOgemeiu \>a^ @artenobft getreten^ namentlid; aber bat bie ipanblung mct)rfa^c ^Jinöcraugen crfat)ren. 35ie luirfjtigfte ift, bafe es gleidjgüUig crfdjeint, ob auf bie 3i5egnat)me fofort ber i>erbraiid) folgt; beim ed loirt) lebiglid) erforbert, Mb jemanö dem anderen in sin garten ^ät vnd im sin ops ninipt, abschnidt, ab- bricht (»der vfliist; nur barf bie !Jbat nicbt gefarlich, by nacht vnd nebel gefdicbeit fein. (SiiDlid^ ift bie Straflofigteit bcö a)tunb:: raubö gefallen luiD Damit öiefer in Die 3tcil}e Der Straftl)atcn ge^ treten. 2a^ Dorftct)eitD 3lnSgefüf)rte gilt and) mit 9lücffid;t auf Die am Dem 15. ^a^rtiunDert ftammeuDe Öffnung oon iWinbifon (3lrt. VU)--) unD vonXö\\(\bm^'''), bie jeDod; beibe uurfd)iüäd;= lidje Seiteuftücfe ju Der JCffnung oon Siicfenbad; fiub; ixt flimmeu im 2batbeftanDe mit Der leMcrcn überciu, 3ieueö bieten fie nid)t. XaQ C4leid)e gilt ani) von bem 3)lüf)lt)äufer 'Hed;tdbud) an^ i>eni 13. o«l)rb»"öcrt, fo iutereffant feine Öeftimnningeu''*) and) finb. ASeroorgcbobcn ju loerDcn oerDieut, baß bier Der C^egenfa(j siüifcften 9)tunDraub unD 2^iebftal)t fcf)ärfer alö in mand)en auDeren Duellen^ ftellen beroortritt. Jh>cr des audirin corn snitit oerfäUt, loenn bei frifd)cr 2[)at ergriffen. Der '4?fänDung (pic Zi)at ift alfo red)tös lüiDrig), locr aber corn snitit vnde in me sacki daheim vurit — — die het eini dubi bigen. min sei vl)ir vn richti alsi vbir »»inin diep; Der OJegenfa^ ergibt Deutlid), Daft Der 3)JuuDs raub (= irntrueuDung unD fofortiger iNerbraud) oon Äorn am 2age) nid)t alö iTiebftabl betradjtet mirö.*-"') Stellt Dao 'Jicd)töbucb, wenn and^ nur in 3i>icDergabe frübcrer iöeftimmungeu. Die fortgefd)rittcne CSntrairflung Deö 'JJiunDraubö Dar, ■") (iJrimm 3^. I 210. — --) ,^eit|(f|nft für »oit unflcbructtc 3(f)iDcijcr 9te(^t^qucUen I S. 15. — 2») Jicuc aJlittciluiiiUMi aiw bem (!)ebict I)iftorifd)«antiquarif(iöcr 5orf(^unc^cn, f)er. uon Sörftemann. 7. ^anb, l. .v>cft. >>aUc 1S4«}. 3. 9J». — '^*) Wrimm 5h>. I 1:52. --'i ^üicrfiüürbic^c Ühnlidjfcit mit bem a)tüf)lhäufer fHccfttetudi hat biiv 'Wciötum 311 .^Scrrcitbreis tinflen lörimm "h^. III öHl), baö cinjic^c fränfifdic :Hccf)t>>bcitfmat. Cr^ weicht von bem :Hcd)tebud) nur infofern ab, alö C'j an 3tcUe bei? com iebe« ^^ewochs, weloherlpy «las von trucht«jn wore fe^t un'b eigentlid) nur ben Xiebftal)! bcs hanbclt; ber If)atbeftanb bee iD^unbraube crcjibt fic^ burc^ t>in Gegcnfa^ unb 378 Dr. 3(l>oIp5 gricDIänbcr. fo bieteil bagegen bie gleid^fallö alaniannif^en £)L>etötfimer Don SHltenftatt^^) unb Xungen-O lcbiglid& eine aöieberI)oIuiifl beö älteften 9tcd^tö über baö güttem beö ?|}ferbeö. Sic entflammen baber tooIjI aud6 einer ttroa^ früfieren 3cit, aU bie biötier befprod^enen OucUcm ftcUcn. &ax nicbt gebort u. G. baö äiJeidtnm ju Dtternberß,^^) öqö fonft Ijicr eingereifjt roerDen nuifete, bi^^^l)^^* It^m wo einer einem mutwilliger weiß sein zäun vfriß vder vber ein zäun in gai*ten stieg vnd demselben am obs sciiaden zufüget soll er dem gericlitsherren verfallen sein zelien Schilling heller vnd dem gericht vnd hubern ein vii-tel weins vnd ein pfenning brot. 3llö bie ^auptfndie erfdieint baö SKufreifeen beö 3^""^'^ bejiü. Überfteigen beöfelben, n)äl)renb bie Cbftentroenöung metir alö SJebenfacbe Ijingeftellt luirb. 3ltö jrocite ©nippe faffen luir bie Cluellen bcr 3)iofeU unb Saargegenb, foiuie beö ©cbieteö beö ^od^- unb ^barroalbeö unb ber ©iffel jufaminen. Ser ^nbalt ber 3i>eiötl)üiner ift febr niannig= faltig, bodf) ift bie innere ä>ernjanbtfd)af! nidjt su uerfcnnen. Sieö 5eigt ficb namentlid^ in einem: in ben iNoranöfcßungen, bie in ber ^^>crfon beö J£t)äterö i^egeben fein muffen. Jlbniid), roie in ber älteften 3cit luir ber JHeifenDe ftrafloö blieb, weil man um feiner Sebürfniffe millen überhaupt ben gansen Xbatbeftanb auf- geftellt batte, fo mirb and) je^t eine befonbere Üagc, merben be- fonbere ä>erbältniffe erforbert, roegen beren bie 2^bat in milbem fiidbte erfd)eint. So erforbert baö Saugcbing 5U 5\Jolf auö bcm Gnbe beö 1.3. ^a^rbunbertö'-^'-'), mie mandje anbrc äl>eiötümer='"), Dof> eyn swanger frauwe bie Jbäterin fei; in gleid)er 2i>ciic forgt für Die ©d)iüangeren baö ä^nnötum üon CSoenen (1508)^^, baö Ä^eiötum 5U ßalgenfd)eib (1460)^^-), foroie baö 2i>eiötum 5U :Kom= meröfjerm (1298)^^), für bie Äinbbetterin t>a^ 2Beiötum ju SetteU borf.^*) 3ln einigen Stellen loirö ber ilranten gebad;t, fo in Dem 3Beiötum üon CSoenen unD 5U äiNettelöorf, an anbcrn ben äV- bürfniffen beo armen SDianneö 3ied;innig getragen, mie in bem ftimmt mit bcm 9iecötobuc§ übcrcin. — -"; Örimm, S'cutfcöe JHcd)tealtertümcr ööttingcn 18-2« 1 4U1. ~ ''".) Ciirimm äi^. I Ml. — '") Örimm ii>. I 7^*0. — •*) (^rimm 'Jß. II 817. — 3'*) iDian wirb an Die Mfeptom*inic bcr 3ct)wangcrcn gemannt. — ^') i3rimm 3)J. II S5. ^■') cbba. T! \:A. — •■»') cbba. II r»17. — ^*) cbba. II 5:i0. S)er aRunbrauB. 379 ^oon £. 2i5 elf rieb unb 511 6al<^€nf(^cib. — *^) 3Ö. ju 5ilice(aftel unb ju Cnncröf)eim; jeglic^cö Si^itb nac^ tem ?sJ. JU Öalgenfc^eib. — **) ferner in bem 33augebin(j 5U Sl^olf: f)ier barf bic Scftroangcrc jroci Xrauben in bem Sücingarten fc^neiben, boc^ foU fie bie^ felbcn uffenbarlich nit bemelich draji^eu. — *■') ?Ö. 3U (^Jafgenfd^cib unb 33cttclborf. 3eitf<^rift f. \>, gef. Strofre^t«». XI. 25 380 ^r. 9(t)0(p^ grieblänber. cinjclucii ©teilen gefagt*^); ob eö bei beu anbcrn als felbftoer^ ftäublid^ lüeggelajfen, erfd;eiut jroeifelfjaft. ßtiieu Übergang ju ben nod^ nid^t be^anDclten fübbeutfdben, inöbefonbere baprifdj^en 9ied)töqnetten geioäljrt öaö 3)Jörfclber 6ent= wcistum*^) ax\^ bcr ©egcnb jroifdien I^arrnftabt unb iQ'6ä)^i. 3lud) f;ier tft cö qanj tlax, Da& bcr 3Jinnbranb nid^t ald 3)iebftal)l am gefeljcn wirb: wer dem audern seiue fruchte oder anders im feld absätzet oder .... aber dem andern sein obst oder sein Weintrauben abthäte [u. j. lüie baö Spätere ergibt, am ^age] soll neben anweisung der sclilecliten büß auch denen bescliädigten kehr und wandel zu thun angewiesen werden; wer bagegen bei nächtlicher zeit im feldt an frucht, gras, obst, Weintrauben und anderen schaden thun würde, die- weilen es ein diebisches ansehn liat, soll er zur höchsten buB gewiesen werden und doch auch den schaden zu kehren schuldig sein. (53 muß übrigenö bemerft roerben, baft, loie t>aei§tinn jn 3Jirnl)eim auö ber ©egcnb 5roi)d)en 5Wecfar, ÜDtain unD Jibein*") unb öeni jn fcoßburg in Sdjroabcn *'*•), bie fid) burd^auö ber üorigen ©ruppe anfd)ltei?en. Sei beiden {)anbelt ed )\ä) um eine SAroangere, ber bort geftattet roirö, ain essen visch zu fahen . . . darmit sy den glust bueßen mög, Ijier foU ein baumgarten (Dod; loobl mit frudjttragenben Säumen) gefialten werben, uff dasz, wenn ein freulin vorüber gieng, die da schwanger ging, dasz sit*- ihren gelangen büssen mögt. Wxt biefen äöeiötnmern finb loir ganj in bie 3iäbe oon Saijeru getommen. Jöierfclbft ift bie ältefte .Cneüe, bie ben ü)Junöraub bc- Ijanbelt, baö ülugöburger otabtred&t oon 1276.*°) Son Siebentung ^) ^. JU ^(iedfaftel: maj^^ der arm solchen hasen mit seinen kindcm cäsen; %. ju Oalc^enfc^etb: das sie iren fehlsten $;^biüscn masre ungeuerHchen ; og(. ^. ju Crmeröf)cim: einen hasen zu fahen und tisih mit dem zirbel zu fahen, souem sie solches nit verkauffen. *') Örimm m. 1 488, 489. — «) cbba. II 46:S. ^a^felbc ift groar au« bem Sabre lö(i^\ }ctgt aber ^ax feine (^inroirtun^ ber GCC, fo baB loir glaubten, e§ ^ier anfügen ju bürfen. — *^) Örimm 955. I 804. — ^^) 3^ad Stabtbud» von Stug^burg, inebef. bad 3tabtbu4 von 1*276 . . . )um erften S3iaU t)erau«'' gegeben unb erläutert von Dr. (Srifticn äße per. 9(ugdburg 1872. ^r 92unbraub. 381 für um fiiiD Die 31rtifcl LXXXIX imb XC. Scr crfte 9(rtifcl bebaiiDelt bcn cigentlid)eu ^rii^t- unb jroar l^ier Jtornbiebfta^I. 35ic 2)icbftol)Uftrafc (Rängen bejnj. in bcii Stoct legen) trifft je- bod) nur ben näd)tlid)er 9ßeile bei ber X\)at Gi'tappten. SWon biefer 2'l)at, bie lieizzet ein diupstal, ift ber 3)tunbraub luefcntlid^ ücr^ fd)icDen. ßr liegt üor, roenn jemanb ein schappel ouf trait von salvai, von ruhen oder von isy)en, der selbe niht parten hat, daz erz inne ziehe; alfo auä) t)ier werben befonbcre enfd^nlbigenbc 4sert)ältnifie (der selbe niht garten hat) perlangt. Straflos ift ber 3)hinDraub nid&t, aber ben 2:^äter trifft nid)t bie fduüere Sieb- ftabUftrafe, fonbern leoiglid) eine ßelbftrafe pon 5 3d)iUingcn. Wans iDie Daö 3lugdburger nnterfc^eibet baö 'iDiüncbencr £tabt= redjt uon 1847^') }n)ifd)en beni näd)tlid)en Dbftöiebftabl, bei bem ber !?ieb gepftinbet roivb (3lrt. 70), unD ber CS'ntroenbnng dou Alraut o^cr Cbft am bem ©arteij bei 2^ag ober 'JJad)t. I)od) läftt bie Unterfd)eibung an Schärfe manches jn roünfd^en übrig. Sie« er= gibt fid) fd)on barauö, bafe ber bie Äraut= bejio. Cbftcntioenbnng betjanbelnbe 21rt. 356, roic bereite bcmerft, and; S3egel)ung bei 5lad}t anläßt. Dies lefttere gilt jroar and) pon ber 3Jürnberger ^^NOli5eiorbnnng ") : allein t)ier ift überl)anpt ber ganje öegenfafc 5iüifd)en Jageö? unb 9{ad)ttf)at aufgegeben. Co tomnit nur barauf ou, Dafe jemanb einem anbern sein obs oder sein würtze oder icht am bem Öarten trage, daz er darinnen pe[)flanzet hat. TaB er bie Jbat bei 2:ag ober ilJadjt PoUbringt, ift nur für bie S^bbc, nid)t bie ärt ber Strafe Pon Scbeutung. 2)em Dbft roirb au^brücflid) bad (betreibe gleid^gefteUt. i>öllig im Sinne be3 alten SHeditd ift baö Untermaffinger (S^-- ^oft6red)t pon 1496.*=*) 9Jur ber @aft ober iPof)l rid;tiger nur ber Jieifenbe^*) ift eö, bem nad)gelaffen loirb, ein eßen krebs oder fisch 3U fangen, daran er nit frevelt. :JJur mufj bie Tljat, roic fic früljer feine näd&tlid)e fein burfte, feine l)eimlid;e fein: Der 7t)äter foU ben %i]A tragen in die daflern und dariti eßen: wolt er sie anderswo tragen, soll nians ihm nehmen und darum [)üßen. Siefelbe :)Jeigung, bie l)eimlid)e Xl)at auöjufdjlicfjen") m\t) ju ^^) 7>a^ Stabtrcc^toon SJiünc^en, her. oon JrönjStucr, SWünc^cn 1840. — ") (Äbeög) in 3eitf*r. für 9ie(^tegcWid)tc V e. l:U, — ") Örimm 2ö. III 631. ^*) Xa^ fd^int in bcn iiiorten: Iteui kam ein gast ju liegen. — ^^) v%l. aud) 25* 382 I>r. «bolp^ grtcblänber. vtvlawQtw, bag bad 92td^tt)orlteoien bed ^iebfta^Id burd^ eine augere bi[b[id)e ipanblung getentt}eicl^net roirb^ jetgt ficQ ;um ^eil aud^ tu ben roeftfälifd;en Söciötümcrn : bie gütterung fott üor bem ©runb^ fiflde fle)df)eF)en, ber nid)t ücrbraud)te 2^eil be§ entroenbeteu ftorn^ foU op dat stück wider geioorfeii lüerben^), ober ber Sieiter foH mit bell auößerupften ©arben riden ... an det iiegste werts- hus und drinkeu eine maße oder twen und rüken dan voii*t.^*^ 3Kit Siücfjtcl^t auf ben 2^äter nnb ©egenftanb beö SKunbraub« TOirb getreulidb baö SRecbt ber aSorjeit befolgt. De frömbde for- man, so dar koinpt fahren, foß nad& bem Senfer ißciöenredbt § 10 welke garven aufnebmcn bürfen, um fein ^^Jferö bamit in füttern, unb ed sali sorder kein klage over galm vnd nit be- talt werden. 3n äfjnlic^er 2i^eife mirb bem SReiter oerftattet, feinem müben ^ferbe een oder tween garven jn reid^en. ^iac^ bem Üanbred^te ber fieben ö'r^ic»''^ niag ein reisig mau, der über feld kompt reiten .... so viel garben ufnelnnen, als hei in einem vuUen rennen mit seinem klaven opnehmeu kau^ vnd anders nicht. (£benfo barf (nad^ G^rimm, !i)eutfc^e tHed)tö= altcrtümer, ©öttingen 1828, S. 401) ber 5"()nnnnn, ber über aSeg fommt gefafjren**), brei ©arben gegen bem Stücf fobern unb bie Crte in bem 3i?eg Hegen laffen, ber :Meifcnbc fid) 3 'Jtpfcl oom Saume bred)en, 3 ober 4 S;rauben in bie ^anb fd)ueiben^^), ben .Öanbfd^ufj ooH 9iü)fe pflücfen unb audf) fif^en. 9tud^ bie 2anr)= fefte üon ^attnegge, ^\]\tv 74®*0- der fuhrmann mag fodenm auf dem stuke eine garve tho vief stuken vnd der hovemann oder ruiter drei garven und reiden von dem stuke wirb roof)l nur oon bem Jyremben ju oerfteben fein. Sei bem engen 3lnfd^luB ein baö alte ^Wed^t oerftebt cö fid) oon felbft, baf5 ade angcfül)rten loeftfälifcben $Rec^töquellen Den 3)Jun^' raub ftrafloö laffen. Sie übrigen fädöfifd)en 9iedt)töanfäeid&nungen bieten roenig. 3)aö ftulmifd)e 9Jedf)t würbe bereits befprod)en. ison Den fonftigon 2:od)terred)ten !ä)?agbeburgö fann nur baö ber Stabt ^alle in Jyragc tommen. Mein aud) ber 3lrtifel ber Ijallifdjen Statuten De Pace ba^ öauflcbinct ju 2l^oIf oben 3(nm. 44. — •") 53en(cr \>eibcnrcd)t §§ lü unb 11 ((jJrimm 3i?. III 41). — •'•) (^Jrimm 3i'. III Cü. — •'•) alfo au(b nur ber frembc 5»fir*"«"n- — ^^) ^«^ bead^tc bie 3iMeberfel)r ber irrcijahl. — «>) ort mm ^li^. 111 48. Xn SRunbraub. 383 ortoram, f runientoruin , salicum et Pratonim^*) gehört ii. ®. iitd^t ^ier^er; melmetir tianbelt eö fi^ ^ier lebigUd^ um Sad^- befcbabigung (ofli. bic SlBortc: dem andim an dießen vorberurten Sitiicken schaden thet«). 2ßo^I aber ifi baö anä) 5ur fäd)fifd^en Siec^t^gruppc ßc^örigc örtiimcr ©d)öffcnbud) auö bem XIV. ^aJ^r- J^unbcrt^'*-*) ^icr anjurci^cn. Sei» 2lrt. 260 erinnert an mand^ed bereitö anfgefüfirte Stec^töbenfmal, rote er aud) im ganjen mit htm 9led&te ber CCC übereinftimmt. ©r lautet: Quicunque mani- pnlos vel seget^s quarumcuiuque fi-ugum in agro alterius violenter et furtive receperit tempore diurno, domino segetum solvet fertonem et judici dimidium fertonem. Sed noctis tempore quicunque in actu tali deprehensus fuerit, condem- nabitur i)oena furti. 2)er 33egriff beö 3)fuubraubö ift ganj Mar: 3Kunbraub ift GnU roenDung von Äorn ober anbcrn grüd)ten üom gelbe 5ur S^ageö- }cit. 2)ie Jßanblung (receperit) roirb nä^er gefennjeic^net burd^ fui-tive et violenter. (Sigentümlid) ift baö leßtere ©rforberni«; jc^eufaU^ l)at man babei nid)t an &nbin6) ober bergleidjen, foubern TOol)l cber an eine ftberroinbung oon ShJiberftaub auf feiten beö @efc^äDigten ju beuten. 2)er eigentlicf)e (nä6)tlid)e) 3)iebftaf)l an grüd^ten roirb mit ber jioena furti belegt, beu ÜDlunbräuber trifft Öelbftrafe. ^ierburd^, fomie burd) baö sed fdjeint u. (£. auf öen ©cgenfafc bciber S3e5 griffe Ijiugeroiefen, betont ju roerben, bafi ber 'äJiunbraub fein S)ieb' iia\)l ift. 3}lan fönnte meinen, bem roiberfpred;e baö furtive, aber boc^ rooljl oljue ©runb: fui-tive bebeutet lebiglid[) „roie ein Sieb", ,,in öicbifd^er 2ßeife" unb roilt nur befageu, baß bie ^anblung beö 3)JunDräuberö al§ fold)e, nid)t alö SJerbred^en, oon ber bed 35iebed nid)t oerfcbieöen fei. 9ln bie fäd;fifd^en feien nunmehr nodd brei 9ted()töquellen an- gereift, mit benen roir biefen 3cit^bfcbnitt befd^lie^en: ed finb bie« Der :Hüger £anbgebrauc^, t>a^ faljburgifd^e Sanbtäbting unb bad alte Stabtred^t oon iiüneburg. am eigenartigften ift ]iä)tx bas Süueburgifdfte 9Jed;t*^^), nid)t äioar forool)l roegen beö iftiatbeftanbc^ (Derfelbe erfd^eint cinfad^ ^^) 9?cue 3)iitteilungcn u. f. ro. ücr. Don Jörftemann. 1. SBb. 2. §eft 1Ö34 e. 71. — ö-j Xxi etabtrcc^tc oon »rünn aue bem XIII. unb XIV. 3aJ)r!)., hcv unb erläutert Don SRöfelcr, '^raq 185t>. — ^) Xai alte Stabtred^t wn Süeburg, ^er. von itraut. ööttingcn 1846. 384 I>r. %^o(p§ Srieblänbcr. atö Rorncntrocnbnng), fonbcrn roegcn bcs SBer^ättnijfeö bcö 9Ruub= raubö jimi 3)icbfta()le. 5?ici^t burd) Die 3cit ober bie uäberen Um; ftänbc ber Segcljung, nid^t burd) bie Öeftaltimg bcö üerbred&erif*eii SBillen« ober bie 2i}afjl bcd ©egenftaiibeö jeigt e^ ficb, ob bie S'ljat 2)iebfta^[ oder nic^t ift ber SSerle^te i)at eö in ber ^anb, ob er claghet uppe dune ober vppe scharten; je nacf) Dein fdüt Die Strafe oer|d)ieDcn auö. 2)iefe fef)r eigenartige Sa^ung fteljt ol)ne ©eitenftücf ba nnb ift auf bie gefd)idf)tlid&e ©ntioicflung ol;ne (Sin- fluß geblieben. i5on großer SJebeutung bogegen finb bie beiben anbern er- n)äE)nten :)ied)t^quellen. 3läger ]2onbgebrau(i& c. 240®*): Stele he ein Ethelwalire und ethe sülvest, he bekunipt einen Sclilach des Cleiichts und Unrechts iss he fry; idt iss inen Mundroeff. iireclite he overst de Ethelwahre buten Huöes einem Fröin(hMi ed^lei sineni Fründe, vorköfFte edder vorgevedete, he betalet (U Wahre, vorböth ein Unrecht. 3)ad faljburgifdie fcanbtäbting 3lrt. 18 erlaubt ba^ 3U)brerf)cn Dou 5 bid G Sirnen ober llpfeln, damit er auch sein lust aufl einmal ersettigen mag aber niclit davontmgen Jlrmbl s(»ckli und pürse voll. Beschicht das bey der nacht, so ist es t*ii; diebst^hl; ist es aber bei dem tag mit gefar, so ist er der- nacli zu strafen.'**) Xk erfte ©teile ift suoörberft beöroegen fe^r intereffant, uieil fie (nnfereö äßiffenö) bie einjige ift, bie bie 2^I;at alö 'JÖfuuDraul (Mundroeff) bejeid)net. änl)altöpuntte für ©rtlärung beö i)Janienf gibt Die Stelle nur b^iR^rtidb be$ erften öeftanDteiU, ber burd Den ^innjeiß auf bie ©feroaren (Ethelwahre) genügenbe(5rläuteruni fmbet. 3)Jöglic^erroeife rührt bie Jöeseidbunng aU ,,9taub" auö jenei 3cit \)n, VDO man unter bemfelben bie offene, im öcgenfaft 5U1 tjcimlid)en Gntroeubung oerftanb: benn ber 3tuöfd)tuf3 bor Ajcimlid) feit ift, wie bercitd Dargelegt, ein mebrfad) nad)juioeifcnDeö liJerf mal De« 3Runbraubd. ihJaö ben J^atbeftanb anbelangt, fo fd}liefecn beibe Stellen Mi 3Begtragen a\\^, ber GJrunb ber gefe$lid)en 3luöäcid)nung ift alft ••^) (Höftlin) in Äritifcöe Überbau ber bcutfcbcn (^cfetflebung unb iHodiK- n)iffcnfd)aft. her. 0. 3(rnbt'3, öluntfditi unb "^6^1. III. ^i»anb. aKündier 1856. 3. 360. ^cr aXunbraub. 385 (ebigß^ bie Stfidftd^t auf ben junger bed 9Renfd)en tinb jiDar o^ne giufcöränfung auf bcu (yrcuibcn. ©c^r roidf)tig ift bic SSets flUgemetncning bcd GJcßeuftanbcs im 9ittc)cr Saubgebraucft unb cnt- liicbcn aU Jvortfd^ritt }u be}cicf)ncn, bcu übrigens fpätcr bic CCC [esseiidt frücht] fid) }u cigcu gcmad)! l)at. ©bcnfo ift bad 3luf' i^kn bcr Untcrfcl)eibung von 3la6)U unb 2:^agc6tt)at, wie fic fid& no4 im :öanbtäbting finbct unb nacf)malcn auä) in bcr CCC, 5u billigen. Scibc Duellen bel)anbeln enbtid; t^m a)hinbraub offenbar nic^t als 35iebftal^I (Unrechts iss he fry, idt iss meii MundroefF — vorböth ein Unrecht, ist es ein diebstahl — ist er dernach zu strafen), ©igentümlic^ ift, ba& ber 3tüger iJaiiDgebraudb, ber bocf) eine fortgefd)rittcnere ©ntwicflung jeigt, ben 3)iiinbraub ftrafloö läfet; bas iJanbtäbting brol)t Strafe. Überbliden wir am Sd^lufe furj bic gefamte Gntiüidlung biefed 8«itttb)d)nitte3, fo ergiebt fic^, bafe biefelbc nad; einer jcitgemäfecn UminanDlung beö alten SJcdjtö I)inftrcbt. 2)ic Straflongfeit roirb biird) milbe Strofbrol;ungen erfet}t, bic 4k)d)ränfungen bejüglic^ M 'iperfon beö 2^äterß xint> bed Öegcnftanbcö ber X\)(it roerben jumleil ober ganj fallen gelaffcn. äJon einem aud) nur jiemlid) flleidjen 33egriffe beö 9)Junbraub« in ben üerfd)icbcnen Sied^tögebieten fann aber freilid) feine 3iebe fein, um fo weniger, als in mand^cn baö alte 3ied^t, roenig ücränbert, fortbauert. Ginen vorläufigen Slbfc^luß finbct biefe ganjc (Sntwidlung in *em art. 167 bcr CCC, roetd^er mit bem 3lrt. 193 bcr Sam= ^ctgcnjis flbcrcinftimmt.^'O §3. 2)as 31cd)t bcr Garolina. 3n bem focben bejcidinclcn 3(rtifel cntl;ä[t bie CCC. unter bcr Überfd)rift Von fruchten vnd initzen auf dem feld, wie ^nnd wann darmit diebstall gebraucht werde folgcnbc Sc« ftimmungen: Item wer bei nächtliclier w^eil jemandt sein frücht oder ^uff dem feld sein nutzuiig, wie das alles namen hat, heym- liclier vnd geuerlicher weiss nimpt vnd die hinweg tregt oder füret, das ist auch eyn diebstall, vnd wie ander dieb- stall vorgemelter mass zu straffen, dessgleichen wo eyner ^) nur fiat CCC bic 3(f)IuBn)ortc ber Bamberjjfensis -oder nachmals durch die oberen geordnet würdet** nid)t aufgenommen. 386 I>r. 9(bor))^ grtcblönber. bei tag jemaudts an berürteu seinen fruchten, die er heyi: lieh iiem vnd hinweg trug, grossen mercklichen vnd geue liehen schaden tliett, ist auch wie obsteht für eyn diebst^ zu straffen. Wo aber jeniandt bei tag essendt frücht ne vnnd damit durcli wegtragen derselben nit grossen geue liehen schaden thett, der ist nach gelegeuheyt der persont vnd der sach, burgerlicli zu straffen, wie an dem selbe ende da der schad gescliicht, durch gewohnheyt oder g( setz herkommen. 35ad ©cfcö bcl)aubclt, tüte lcid)t erfid&tlid^, brci Jällc: 1. Den 5rud)tbicbfta[)I bei '}lad)i, 2. beu Jy^"^tbicbftal)l bei Xa^e, 3. ben 3)tunbraub. 3iffcr 1 ift auch eyn diebstall, lüie auöbrüdlid^ berüorg ^obcn wirb, unb 3'ff^^' '^ ist auch .... für eyn diebstall z straffen. Ginc cntprcd)cnbc Scmcrfung fe(;lt bejüfllid) ^imx l mlmtf)t ]ixl)Xt CCC. fort: Wo aber . . . ., [teilt alfo ben lolUi gall 5U ben üorfier be^anbelten in ©egcnfa^. 2i>eld)er Ulrt bicf ©egenfa^ ift, tann md)t jiüeifcU^aft fein: bic llbcrfd)rift läfet in bi Sßortcu wann darmit diebstall jL»ebrauclit werde beutlid) i fennen, bafe es nad) 2BiIIeu beööJeicfcgebcrö ^riid)tentuieubungen. Der Ütrt. 167 gcbcnft, gibt, bie Hid)t T^iebftäble fiiib. Satnit aber fanu in ber im Sdilufjfafec bet)anbelte 9)Juubraub gemeint fein, ba b ©efeß Die beiben anbcren in bem 9trt. enttialtenen ^älle auöDrü lid^ alö Siebftabl be5eid)net. 2)er aJZunbraub ift alfo nad) b.er CCC. lein i^iebftabl, vi mel)r ein ftrafred;tlic^er Sonbertt)atbeftanD, ber mit 3trafDrobni (bürgerliche Strafe nad) ;iJanbeögeii)ol)nl)eit) anögeftattet ift im i> genfafe ju ber ftraftofen iHotftanböbanDlung, bem Stelen inn recht hungers noth, baö 3lrt. 166 bel;anbelt. 3?icfe felbftänbi Stellnng ift namentlid) ju bead;ten f)infid}tlid; ber SJlrtifel lU n 92**) Vom anderen diebstall xint) Vom stelen znm dritt< mal, foroie binfic^tlid; ber 3»f>&*. ber 3tr re(^t§n)if|enfd)aft. 2. 3(ufl. II. ^3b. Sbaüe 182:3 3. 393. — •") öemeiuc 3)leinui 2)cr SKunDraub. 387 9S$ic roenbcu und nuninel)r bem 2:^Qtbeftanbe bed 9)hiub: Tau6cd ju. Sie SJcfd^ränfungc» bcö alten 9lcd)tö bejüglicö bcr ^erfoii besSliatcrö fiiib gefallen: jebermann („jeniandt") fann 2^l)äter fein. iTen ©egcnftanb ber 2\)at bilben efebare ?5^i'^^^^ ^^^^ ""^ iie, nid^t ani^ anbre Sad)en, aud^ nid)t bie im Slnfang beö 2lrt. er- mahnte uutzung auft' dem feld, wie das alles nanien liat. ^ie Jyrüd^te müifen geringroertig fein, benn bie Xi)at barf bem ä?erlefeten iiit grossen . . . schaden jnfügen. Jie ^^anbUnig, welche bei 2^ag gefd)ef;en fein mn^, beäeid)net baößefeö "ut ben 2i>orten: Wo aber jeinandt . . . nem vnnd durcli wegtragen . . . schaden thett. 9)terlimirbig genug greift ber Öefc^geber ben '^aü, ben baö ältere 9ied)t met;rfad) au^ge^ fc^loiicii, nämlid) ben bcä SBegtragenö ber cntroenbeten grftc^tc, ^crauö unb bcfd)ränft auf it)n bie milbc Strafe. 35er aJhnibranb barf enblic^ nad; bcr CCC, fott er anberö ein folc^cr fein, nit grossen geuerlichen schaden ücrurfa^en. 6(ci(j^bebeutenb mit „groß" fann u. CS. geuerlich nidjt gemeint fein, C3 n)iberfpräd}c bieö bem ganjen Sprac^gebraud) bcr CCC. 2Sir meinen, t>a^ SBort f;at l)ier biefelbe öebcutnng, wie in ber llberfc^rift bcö 3(rt. 159 Von ersten geuerlichen diebstaleu . . . "HD beäei^nct alfo bie crfd&mcrenbe 2trt bcr 33egc{)ung burd^ ein- steigen oder brechen, geuerlicher schaden bcnniad) ben burd^ ioldjic 83egct;ung§form lierüorgcrufencn Sd^aben. '''*') ih>ir tonnen nad; allebem ben 9)Junbranb im Sinne ber CCC. ^ie folgt bcftimmcn: :iDhnibraub ift baö bei 2^ag crfoIgenDc äiJeg^ iie^men unb forttragen von geringwertigen eßbaren Jvrüdjtcn, foforn mc^t®'0 bie Jioraudfe^ungcn eines gefäijrlid^en 3)iebftal;[ö vorliegen. 6leici)gültig erfd()eint eö, 5U mcldjcm S^eät bie äi>egnal)mc gc* Sicfer Segriff aber ift in ben älteften l>crarbcitungcn bcö 3ied)tö Der CCC. faum ju finbcn. 3» bcr miltfürlidöften aßeifc «ahm man balD bicfe, balb jene änberung bcofelben üor, lict5 2i)aU ^^) io DicUcic^t mid) Berger. Electa Ivrisprvdeiitiae Criminalis. E«Iitio Tertia XV p. 55. — ^^) juft. SÄartin, i.'cf)r6. b. Deutfcf}. gem. (Sriminalrec^t^. n. iöb. 2. :^0 2lnm. 2. — '^) foiuie ob bcrfelbcn bcr iöcrbraud) folgt bcnii mit bem ^ej»;trajfen ift, rote bae (>Jcfetj flar ergicbt, bie .'oanbluiig ooUeiibet. — ''^) Böhmer, Meditationes in CCC. 3. J^OO 1) meint menti(»nem temporis ^y Tag . . . mere enunciatiuaui esse, dcsumtam ab eo, quod plerumque 388 Dr. 8lt)oIp^ grtcblänber. bcftanbsmcrtnmlc wcg^O ot)cr fügte fold)c l)injii.") SMcl^r abi übcrl)Quvt, als mit bcm 3)funDraiib bcr CCC, befdiäftigtc man fi mit einem anbeten Xbatbeftanbe, üon bem baö ©efe^ nidötö loei nämli^ bem SBegnebmen üon (geringiüertiflen) Jyrüc^ten (bei Zi\\ nnter fof ortigem ätnfd^lufe beä i^erbraucbeö. Unter ben 9t rt. If fonnte man biefen "i^-aü nid&t roo^l bringen, benn ba§ ©eicg m langt auöbrücflirf) baö äSegtragen; baüon fann aber bei ä?er5el)riu am S^^atorte bod) nid^t bie SKeDe fein.") fraglich tonnte bemna nnr fein, ob bie S^iebftal^löftrafe jn üerbängen fei, ober Strn lofigfeit eiiijutreten t)abe. ©rftereö war nid)t mi)glid), benn b geroinnfiic^tige Stbfid^t fehlte "): eine fold)e aber ift betanntlid) na römifd^em 31ed)te, baö fflr ben 2)iebfta^Iöbegriff nmngclö einer b fonDeren 33eftimmiing ber CCC. einzugreifen b^tte, nötig. 3 blieb alfo, mollte man nid)t }u bem älndbilfdmittel ber aui3C orbentlid)en Strafe feine .3"f"*^ nehmen, nid;tö übrig, alö jem galt mit Strafe 3u üerfd)onen."j fit unb fc^t m bee^alb über bie 3i*orte be* (SJcfc^co f)inroc(^. Vüttmiin Elementa Juris Criiiiinalis 3.218 ftcUt ben fruges bie herbae erleid), '^öerf^ XV ( 1) S. 50 behauptet fogar tructmim vocabiilo etiam liores at(|no lierb odoriferas ant inedicinalcs . . . indi^tAri. ^>eld)cr Dernünftic^e 3)jenfdi mw aber 9al 179Ü e. 314), lag ganj im ^ugc ber S^it, fo gefe^iuibrig eS roar. 3" b unjuläffigen Öefc^ränfungen mufe übrigen« auc^ bie bcr g^üc^te auf Jdbfrüd; gegä^It loerben, bie fic^ bäufig finbet u. a. bei 3ald)0iu idiijtb. be^ gem. . pcinl. Jicc^tS. 8. iÄufl. i^aUt lS-23 3. 38« 3lnm. **. 359. .«peffter 418, 5v.rä'd)ter Süciöfee Siley. ^^b. III 421). 3aIcion), 39ft. Crntioictiung bee S5erbre(f)e' b. (Sntroenbung. Grfurt 1H<)<3 3. 82 u. a. ") 3o verlangt j. 93. Carpzov, Practicae Novae Iniperialis Saxunic Hemm Criminalium Ed. Xovissima . . . aucta a . . Friderico Böhm» MDCCLVIIl P. II (i K] 01»s. II § :Jt> 3iff. 3, ohne jcbe 3tütc im Ci^cfc^ CO müffc vesiujndi «uisa entiDcnbct fein, ebcnfo iiicin 3.314. ■•**) ööbmer 800 II) meint bagegen Multo mimis verba Weirtrairni captanda. — - "*) fo u. a. auc^ Seyfcr, ]^[editationes ad Pandoctas Vulum< VIII (Ed. Tertia) Spec. «7 med. V.Vll 3. 111, ber aber bingufcvt: qiiai vis eum, qni vescendi aninio ediilia aiifert, a delicto non liberem. ••■') Carpzov P. II ({.m Obs. II S;U: 5röl)lid)ö bc 5röblid)^bur Äommentariuö in .Hai)fer Üavl bef; Jünf ten ; unb t^cfj «. Mm. i^eicbö 'Vnn lic^e Me=(^crid)te:Drbuung | A. 1710 IV. iBud) 4. \lit. 3.314; (laertiie Institutiones Juris Crimiualis, J.ipsiae MDCCXl^VI 3. :KK»; iBerge XV (3) S. 57. 35er SWunbraub. 389 Sencr neue X^atbcftaiib l)atte für einige 3<^it beu flefe^licfieu wrbrängt. aJHt bem gd)n)inHen bcr wiffenfc^oftlidfeeii 3i5illtür fing man jeDoc^ loieber an, ii6) bem 3lrt. I(i7 ^er CCC. jusuroeiiDen^ mit bem man gar ju gern ben liebgciDorDenen gall in ä>erbinbnng gebracbt l^ätte^'*). 3ll3 beöeutfam ifl junäd)ft Ijeroorjubcben, bafe je^t bie fclb^ ftdnbige Stellnng Des a)hinbraubö betont roirD.") gür bcnfelbcn iDirb met)rfac^ bie 9lbfirf)t bcö fofortigen ©emiffeö nnb i^re 3tuö= füftrung al6 wefenttid) crad)let ''*), im übrigen werben bie Zi)aU beftttuDötiicrfmalc bc§ ©efefceä ftreng inncgcbalten. § 4. Sie Üanbeögefefegebnng. Xie CCC. ^atte ein (wenn and) gemäfe ber clausula salva- toria nur fnbfibiär) gcmcineö 9led)t gefd)affen. l^^plgebcffen fallen fid) bie Girijelftaatcn in ber erften 3cit nid)t üeranlafet, burcft conbcrftrafgefc^büd^er an ber (Sinl^eit jn rütteln. iDtnr rocnig ^partifulargefeße au^ bem lO. biö 18. ^"saljrfiunbert fiuö baber ju eriüädnen, bie Den aJJuubranb bebaubeln. 3?ao ältefte bcrfelben ift bie hirfürftlid) pfülsifd&e ÜanborDnung von 1582.^'') 2)er 64. Jitel berfelben b^Hbelt „i^on Jyelbtbiebcn" in nad;fte()enber äöeife: **) SLUc erfolgreich bicfe ^cftrebungen ßerocfcu, jeigt bie gefamtc Sanbc^s 9e!e^9cbun(\ ber fpätercn .^tit unb iH.8t.ö/iJ. S '^'*^^'' in ^cn ^Il^orteu „jum al^-- ^Ibi(jen Serbrauc^e**. — ''') Cluiftorp, ©runbfätje bc^ boutfc^. pcinl. di. 6. 3lufl IHl-J IL 3Jb. 6.50; aüäc^ter im mt}c, 420; .Höftlin, 3lbf)anbUmflen W3bcni ^ttS, e. :J12; 2Jerf. in Hritifc^e &berfd)au III Ml. ^{c fonber-- ^re 3infi(fit oon Alten (JHepifion bcr (3runb[ä^c über baö 3?crbr. b. J^iebs ftahle . . . i)lorbfjaufen 1800 6. :jr»o/<))/ CCC. 107 fei eine Stnroenbung ber ^ninbfd^e über ben fleinen «üb flroften Tiebftof)!, fanb (mit Siecht) Uimn toang. - "") Cuiftorp II 00, SBäcfiter Snej.. 410 20 5cuerba(^ ^efirbut^. ... 11. 2luf(. öieftcn IKV2 8. 232. mt iöcftimmt^cit tritt bem ^öftlin (3lbl)QnbI. .'U2), roeit nic^t gefe^cS^temäft, entgegen. ^) ^lic^t ^ierfier gehört a) :JBormfer SHcformation von 1561 !öucfj VI 2. 1 ^it. XX: iSd foU niemanbt bem anbern fteigen ober gef)n in üerfcöloffcn | Cbs i 2i'cin(^art | ober itrautgarten | auc^ nit auff äcfer | 5lUfcn | unb bcrgleic^en | noc^ >n . ober t)ber eind anbern grunb | roiber feinen loiUen | noc^ aucf) tet)nen fc^aben tbun. äöcfenttic^ ift nur bie SJerle^ung be^ befonberen Jricbene, ben ber hörten geniefet, 3ubem ift aud) „fc^aben tf)mx" ein fo weit gcl)enber 9lu*bruct, hi er jurc^u^ nic^t nur 5tucf)tentroenbungen, [onbcrn aucf) 5. '^. iBcrioüftungen Don Örunb unb 55oben u. bergl. m. trifft, b) CSf)urfäcl)f. .Honftitutionon uon ^•^"2 X, IV (jonst. XXXVIII. §icr ftcf)t nur ein einfadicr (^artenfreuel (witfprcc^enb bem 5^lbfrerel) in Jrage. 390 I>r. SlDolp^ grieblanbcT. SBaim an eJrud&t | 2Bein | Stauben | Dcpfcl | S)irn | Äraut ; 3tübeii 2c. von jcmanbt üicl ünb ein mcrcflid&ö gcfä^rlid&cr weife geftoUn I lüibcr üerfaufft | ober fonft in fein 9iu6 üerroanbt würbe fo foH nadi) ©eftolt ber JBberfal^rnng gegen ein folgen SBen bred^er | mit äJermeifung befe Sanbtö | 2:{)urn | ober ©elbftrafc procebiert werben. SBann aber ber S)iebftal gering | ünb bod^ mut- williger böfer ^iiv^ati i^ö^ci) gefpürt | fo mögen folAe e?fnid)t unb Dbö3)ieb | jum Sdbrecfen ünb Slbfd^euw | in bie Äörb ünb Srf)neUen öffentlidf) gefetjt | ünb ins Söaffer gefprengt werben | bod& alfo , bafe bcmfelben am fieben fein ©^abe wiberfaljre. 2^er 2^(iatbeftanb beö 3)hnibraubä jeigt 5wci bebeutfame 2lb= weid^ungen üon bem ber CCC: 1. ©ö barf ba§ ©eftol^lene ,,wiber^) üertaufft ober fonft in fein 9hit} üerwenbet" fein. GS mufe alfo bie gewinnfüdjtige Slbfic^t fehlen. 2. aBäl)renb bie CCC. ftets 3lbwefenl^eit eines großen gefä[;r- lid&en ©d^abenS forbert, fdfiliefeen beibe Xf)atumftänbe nadf; ber fianborbnung ben 9)hmbraub nid()t auö. 9lur wirb freilidö, wenn „ein merdtlid^ö gcfä(irlidjcr weiß geftolen", Ijärter geftraft, aU wenn ,,ber 3)iebfta^l gering" unb (wirb man Ijinjufeften bürfen) fein gefäl;rlid()cr ift. 3" beiben gällen aber bleibt ber 9)hnibraub, wie gar nid^t ju bejweifeln (ogl. ,,geftoIen", „ber 2)iebftat)l"), ein Sl^icb- ftal;!, ben nur milbere Strafe trifft. ©benfo ber Codex Juris Bavarici X, I Aap. II § 11: 3Ser auö benen 23albungen ^olj, ©etreibe ober 3^rüd()ten üon bem gelb, Dbft üon benen Säumen an offenen frei;en Crten, ot)nüerfperrteö geberüiel; unb ©cflügel entwenbet, wirb milber alö ein anberer S)icb geftraft. 3ntercffant ift f;ierbei, bafe aud^ ey^beroiel^ unb ©eftügel (alfo nid)t lebiglid^ leblofc ©egenftänbe) (^cgenftanb bes TOunbraubs fein lönnen. Sic Stelle be^anbelt übrigens, wie leidet crfid^tlic^, nid}t nur ben 9)hinbraub. Sic 9luffaffung bes 9)hnibraubs als beuorjugten Sicbftabls liegt au^ bem 3lUgemcinen Üanbred^te für bie preufeifd^en Staaten üom 1. ^uui 1794 ju (3runbe. SaSfclbe beftimmt in 2:. II 2:itel 20 § 1122 ben Wunbraub bal)in, M^ berfelbe fei ber obnc @cwalt unb erfdf)werenbe Umftänbe bloß 5u eigenem @cbrauc^e ^) = rocbcr. ^er Shtnbraub. 391 bed SntiDenberd gefd^el^eue S)ieb{}al^l an Sgroaren unb ©etränfen. 3)ic 3luöjcid)nung beö aJlnubraub« scigt fid; barin, bafe er nur polijeimäBig untcrfud^t wirb. 3)ie ©träfe beöfclben wirb in § 1123 felir jroecfinäfeig banarf) abgeftuft, ob „blo^e fiüfternt)eit ober rairt liebes Sebürfniö bie XJeranlaffung bes S)iebfta^lö geroefen ift".^') 3leid^f)altiger als in ben früheren 3Ä^tf)"»berten ift bie Sanbeö^ gcfefegebnng über ben 3)hinbraub im 19. 3a{)r{)nnbert. aSenig bebeutfam ifl ba§ äUefte einfd&(ägige ©efefe: bad (8.) babifdie Organifationdebitt vom 4. 2lprit 1803. 2)er S^^atbeftanb roirD einfadö bejeid^net alö ,,®arten= unb g^lbbiebftäfile" (Biffcr 73 e Q. Q. C), ©egenftanb ber X^at finb gemäjg 3iff^^ 83 „^vüd)tt iinb Slu^inigcn". 3"teref)ant ift, bafe bie ©arten^ unb ^elbbiebftäFjle üoui gcmeineu Siebfta^l „ausgenommen bleiben". 'i>on ebenfo geringer Sebeutung ifl § 155 im 22. ^anptftüdE I. 2. bes öfterreicbifdjen ©efefebud)ö über SBerbred^en unb fd^mere '^Joliäeiü bertr etu ngen. :;^\\ aSerbinbung mit § 210 beö 11. ^auptftüdfö II. 2:. gebt on§ jenem § 155 S^^ex IIa ()eroor, bafe ber 2)iebftal^l an gelb* unb Saumfrüd^ten im SBerte oon ni^t fünf ©ulben mitbcr alö ber geioöbnlid^c Siebftabl bejlraft rairb. 3)lit bem baprifd^en ®t.®.33. oon 1813 beginnt bagegen bie JReibe ber für ben 3)Junbraub loi^tigen Sonberftrafgefeße ber eins seinen Staaten. SBegen ber großen ajerroanbtfcbaft ilireö ^n^altö mögen biefelben im folgenbem alle jufammen betrautet toerben. 1. Später tann nad) bem bai;r. St.Ö.S. oon 1813 2lrt. 381 unb bapr. 9iooelIe oom 25. 3Kärj 1816 3lrt. V nur baö .^jauögefinbe fein. 9tße anbern ©efefte fteHen befonbere ßrforberniffe bejüglid^ Der %>erfon be§ X^ättx^ nid^t auf. 2. ©cgenftanb ber Xliat finb in ber Siegel ß6= unb 2:rinfc waren (ßfemaren unb ©etränfe, efe- ober trinfbare ©egenftünbe)**^). ^*) Xie übriflcn 2anbc«gcfctjc aud bem 10.- 18. 3a^rfj. cntfiaWen 33eftim= mungfn über ben Stunbraub nic^t. hierbei muffen xüiv jeboc^ bemerfen, bag e§ unÄ leibcr nic^t möglich war, ba^ 3t.0.53. ^ofepf)^ II. oon 1787 unb baS oerbeffetle preuftifc^e 2.% von 1721 ju bcnu^en. — ^-) Magern 1818 Uvt 887, 3Joo. 9(rt. V; eac^fcn 1838 ^xt 2:<8; 9)?ectlenburö §22 3b; aiJürtembcrg «rt. :U0; S>anttOvtv 9lrt. 289 2lbf. 2; §cffen 9Irt. .359; Clbenburc; lail 9(rt. 3.SB.. aRedlcnburg baö Öef. oom 4. I. 39, "ilircuBcn 1850 baö ®ef. oom U. «pril 185(5. 392 Dr. 2lDolp^ gricblänbcr. imd) bcm braunfd)ir»ei9ifd)cu (St.0.8. oou 1840 § SW gclD- ii: ©artcnfrüd&te, nad) bcm preufeifdien ©t.@.3J. t)on 1851 § 34S bcm prcu6ifd)cn öcfctjc üom 14. 3lpril 1856 3^^^^ 3 ""^ ^^ olbcuburgifdbcn St.@/Ö. üoii 1858 3lrt. :r27c grüd)tc, Qiwax ober ©cträntc, nad) bcm bai)rifd)cn ©1.0.33. üoii 1861 3lit. 2? auf bcm $almc ober bcr ^urjel fteljenbc Jyelbfrüddtc ober fonfti SSobcnerjcugniiie, tiängciibcö Cbft, auf bcm gelDc licgenbc 35üiu^um; mittel (!), gelegte Älartoff du uub fouftige ÄuoUcugeii)ad)fc oöcr i fefte 'ijiflaujcu. ©anj uubeftimmt fpridit M^ rcoibicrte 2t.0. für 3ad)fcu oou 1868 Slrt. 303 lebiglid) oou „©egenftäuöeu"; t^ fclbcu muffen aber, mic bcr 3lrti!cl ergibt, offenbar genicfebar foi 2^ic Gfjioaren ober 0cträn!c muffen nad) einigen 0cfetum \ ringrocrtig fein.*'^') '|?rcu6en 1856 foröert Sad^cn „oon unbeDi tenbem 3i?erte ober in geringer 3)Jengc'"'*), Sad)fen 1855 9lrt. 3' ©ad)en in einer auf SJefriebigung bcr i'üftcrnl^cit ober bcö augi bli(flid)cn Öebürfniffeö bcrcd^nctcn 3)kngc, cbcnfo :)tcuB a. y. 18 3lrt. 288, ead)ien 1868 3lrt. 303. 9Jad) 33raunfd)roeig § 215 III C uub J5 216 IV 2) A, ogl. mit {5 244, ift ber SSert mafigcbe für bic §öF)e bcr Strafe. 3)ie ^Qanblung roirb faft burc^weg alö (^ntmcnbung be5eid}n nur 3)raunfd)iüeig §244 fprid)t oon „Ticbftaijl"**^) uub Jki^e Don „fticblt". 3>ic $3ebeutung bcö „entmenbet" ift in ben Jäü tlar, too bcmfolben gteid)gcfteüt ift, baft bcr 'Xhättx bic Zai burcf) SJctrug an fid) bringt ober unterfd)(ägt'*''0- W^ f'i"» cö ti ben Sinn oon „ftiet)It" babcn. J'aö Ölcicbc gilt oon ben QefctJ' bic cntioenbcn unb ficljlen i)roiinscue gcbraud^cn*'^) ober gar ft Don ,,ftel)len" oon „entrocnbcn" fpred)en.****) (Snblid) nuiß cntioenr wol)l and) in ben Wefefecn mit ftet)lcn für gleid)bcbeutcnD cradi roerben, bic beftimmen, ed folle bic milbc Strafe bcd ÜJJunbraii eintreten, roenn nid)t bic crfd)n)crcnben Umftänbe beö Sicbftal gegeben finb ober troßbem bicfelben gegeben finb, benn eben bu "') .'oannoücr 3(rt. 289 9lbf. 2: nicfit über Tj^^alcr; 33abcn §:J97: in tüißem Setraflc. — ^*) ebcnfo Olbcnburg 1858 2lrt. 3J7 c) ^uon imbebeutent Sßcrtc ober in qcnngcr Cuantität" — '^^) Xliüringcn in bcr Überfdjrift 2(rt. 28Ü oon Csntrocnbunfl, im 3trt. fcJbft oon 3^iebftal)I. — «•') Sacbfen V unb 1868 Slrt. .mS, 3lcuft ä. Ü. 18(51 3(rt. '2HH. — ^') .l'^annooer 3lrt. 289 Äbj üfli. 3lrt. 287; ^^^ürt. 3(rt. ;U0 ^bf. 1 vgl. mit ÜKbf. 2; Xfjüringcn 9lrt. i üftl. mit feiner Überfc^rift; 5öai)crn 181:J :i(rt. ;^1 ogl. mit 379 unb :>*<.». ^) fo offenbar Clbcnburg 1841 ^rt. 31H) »gl. mit Überfc^rift be^ aroci ilaptte(d. Xer äKunbraub. 393 iciieii jQiiinjeiö fd)cint u. ©. aiiögcbriicft lücrbeu 511 foUen, bafe ©nts tuenbung nid^td anbreö bcbeiite, ald 2^iebftat)l. ä^aö fdbliegli^ bic bat>rifc()c Jioocüe üou 1816 2lrt. V unb baö mecflcuburöifd)e ©efefe Dom 4. ^annav 1839 § ^22 3) b betrifft, fo fd^ciut uiiö auc^ l)icr „irntroenbimg" nur bcii I^icbftafil 511 treffen (r»öl. bejüglid) Siaveruö Die Jleffripte oom 6. mai 181(5 iiiib (>. Slufliift 1816, besüglid) 3)lcd[enbiirgs § 22 4) beö angeführten Öcicßeö). 4. Sic Gntiüenbung mnfe, foU fie a)hinbraub fein, erfolgen ,,au6 blojjer iiüfternt)eit"'*'-*), „a\\^ ^m%zx ober X!iifternl;eit"'-^), „aM ^ö^iifler ober iiflftern^eit nnö innerhalb biefer (Srenjen jum un- mittelbaren ©enufie"'-*'), „jn bloßer üBefriebignng ber Süfternljeit äuin unmittelbaren ©enuffe''^^), „juni unmittelbaren Ok^nnffe"'-*^), „ium Schüfe bcö unmittelbaren ©enuffed"-'*), „jum alöbalbigen Öcnulje"'-''')/ ffjiii augenblicflid)en Jscr}cl)rung" ••*')/ „J" eigenem @e- mifie".-*^) aiUen biefen ©efcfeen genügt offenbar bad i^orljanDenfein t)er äbfid)t ohne iWüdud)t auf bie fpätere ainöfüljrung berfelbcn. ^Qqegen verlangt '^^kenfeen 1851 § 34J)^ Dafe ber J^äter „ent* wenDet unD auf ber Stelle uer5el)rt", ebenfo Thüringen 3lrt. 230, ^aB ber „2)iebftal)l an ©ß- unb J'rinfroaren mit bereu unmitteU teem ©enuffe uerbunben" ift unb iüraunfd^roeig § 244 nimmt S'lunbraub nur an, „infofern fie jum unmittelbaren Öeiuiffe oer^ ^raucbt finb." SiSeber bie 3lbfid)t bed aldbalDigen Öenuffcö, ge)d)H)eige ^cmi i^re 2ludfül)rung erforbert ^:^reuften 1850 ^xi\cx 3 unb Dlbem l^urg 1858 atrt. 327 c); nur muß mä) DlDenburg airt. 327 c) 3lbf. 2 |>ie geroinufüAtige tUbfid)t fel;len.''") miii Öariern 1861 art. 284 iP% bloö baoon ,,äöer .... ftiel)lt".'-»'') 5. (Einige ©efe^e lieben audbrüdlid) ^eroor, bag bei allen ober ^mjelncn fc^roeren 3iegel)ung^arten beö 35iebftal)ld -iDJunDraub aM- S^icftloffen ift, anbre betonen, bafe trofe berfelben nidjt wegen 3)ieb= fmd geftraft werbe."-») '*) »apcrn 181:{ 3lrt. .181, i»Oü. 181(5 ?(rt. V; Clbcnburg löll 3lrt. :«K). — 90) .Reffen 1841 %tt mi — •^>) ^J^affau 1849 9Crt. ;ioL>. - ^') cat^Jen 1838 iÄrt. 2;J8. — ^») Üöürteinberg 3(rt. :U0; '^:^at>in ^ ;i97; ^äraun^ f^^eig § 244. - ««) 2;f)ürinftcn CJlnbdt) 9(rt. 2:S<.). - 3*) ead)fen 1855 unb 1S«8 ^tt. :m\ Stcuft ä ii. 18()1 3rrt 288. ••) öannoocr 2lrt. 289 9lbf. 2. - ^") a)Iecflcnburö 18:J9 g22;J)b. -- '*) ^Ibwefcn^cit ber g^rroinnfüc^ttgcn 3lbfid)t pcrlangt ax\(f) ^reufecn 185(5 ^»itff. .'J H 2. -- ») ?ötc fi(^ au« SRerfllcic^unö mit 9(rt. 218^ etßicbt, barf bie Gnt= »«nbung nic^ nä*tU(^ fein. — *'*) 9lUe erfcftrocrenben Umftänbe fc^Iicftt aii^ ^ffau «rt. 352, ^teuften la^l §:^93 unb Reffen 9lrt. 359, aUe läfet 3U Öa^r. 394 Dr. Slbolp^ ^rteDianber. 93e}üglid^ ber fibrigeu @efe^gebungeu beatitiDortet fid^ b grage nadj ber ^wlöflißfcit crfc^iücrcnöcr Scgcl^ungöfornicn ianat ob in beu bctrcffenbcu ©efcßen ber aKunbraub als 3)icbftal;l obi qU Sonbcrftraftl^at crfd)cint. 6. 2Öaö biefe gragc betrifft, fo ift folgenbcö ju bemerken: a) 3^^^i^^loö aU ©onberbelitt betrad)ten ben iDfunbraub b botiriicbc yJooeUc 2lrt. V'"')/ DIbenburg 1841 art. 390'«-), SBürtci berg 9lrt. 340 '"•'^), Saben § 397 '«^), ^annoüer art. 289 3lbf. 2 in Sägern 1861 3lrt. 285, 286 '"*), m\)l a\i6) Sbüringen ärt. 230'^' unb eadbfen 1868 9trt. 300 3lb). 4.'^») b) 3wcifclloö aH 3)iebftal;l bcfianbelt bcn 3)lunbraub 3)fedle: bürg 1839 § 17» ''% Öraunfc^tDeig § 244"^'*) unb Sieuß ä.S. 18f 2lrt. 288. "^^) c) 3tlö ©onbcrbclift, md)t alö SiebftabI ift ber aJhmbraub ; faifen m6) bem fädjf. St.®.». 1838 ärt. 238, bem preuf5. St.0.3 1851 §349^ ''^0/ ^cm prcufe. öef. 1856 3iff. 3 unb bem olbe «Roo. l.^lf) 5(rt. V üöl. mit Sieffript v. (J. 9lug. 18in unb Clbenburg IH ?(rt. :^Ö0. ^teuften 185G 3iff. ^^ unb Cltenburg 18:>8 3(rt. .^^27 c) 5lbf 1 laff Ginbruc^ unb ßinftcigen ju, ic^licfecn aber bic anbcrn Grfc^iücrungögrünbc (b § i>18 bcg. 201) auö. Öabcn § 'S{)1 fc^lieftt namentlich ben 2iebftahl n Sßaffcn, foiuic mittel^ einbrechend ober (Sinfteigen^, Xf)ür. ^rt. 'i.-U), 3acbf( 1855 9(rt. 30:3, 1808 9lri 'Mi bcn räubcrifc^en unb ben 2)iebftabl mit "kiaff. au8. 9lac^ 3tcufj ä. ^. 1861 9lrt. *J88 ift ber a)iunbraub „al§ unter milbernbi Umftänbcn ocrübt anjufcf)en'' ; milbernbc Umftänbe läfet aber 9(rt. 'J7s, b oon ben ^auögc^eic^neten ü^iebfttlblen" üanbclt, nicbt ju. — ^'^*) »gl. bie iKeffrij üom 6. 9)lai unb «. 3lug. 1810. — *o-»j cibcnburg ftetlt befonberc :öeftiinmung über SlücffaU unb crfc^roerenbe Umftänbe beim SJhmbraub, 'IlUirtcmberg bl be^üglicb festerer auf, road bod) unnötig n)äre, luenn ber ^JDhtnbraub iTicbfta ift. — ^"■'*) a. a. 0. „nic^t al* iTiebftabl, fonbern alö ^.^oUjcifreüel". *^*) .^'»annooer wie iüagcm [teilen befonberc 3atuugcn betreffe be« rXü falls, 53ai)ern subem noc^ öcjügl. ber crfc^iucrcnbcn Umftänbe auf. — ^"^) 3:l)üringen gibt bem 9(rt. 2:U) bic 3onberüberfcf)rift ^Crntiocnbung oon Scbenömitteln". — '"*^) „4i>o in bem gegeniüärtigen 'Jlrtifel (über :Kürffa auf baö S5erbred)en bcS 2)icbftabl^ . • . S3e,^ug genommen wirb, finb ^arun< bic nac^ 3(rt. . . . 303 (3)iunbraub) ju bcftrafenben Crntiüenbungen nicbt n 5U uerftelicn." — '"') a. a. 2. . . . 3trafe wegen 3^icbftablo $;§ 5—8 ui S 22 nr. 3). § 22 3) bcbanbelt bcn aJiunt^raub. — '""') a. a. C. „Tic ftablö oon 5^lb= unb Wartenfrüd)teir. — ^"**; ügl. 9lnnK 100 am 3d)luB. • ^»0) 91. 9(. .oälfc^ncr, iU-euH. ^tM. IT 3.443, obwohl er 3.4.^0 riclif 9)iunbraub'3ftrafcn alö SiücffaUeoorftrafen au'?)cl)licnt. :> ; Öopern 1861 «rt 285. - "3) Clbenburg 1841 2(rt. 390; öannooer 9(rt. 289 2Cbf. 2; %ern 1861 9lrt. 285' unb 286. 9(uebrüc!Iici bcftimmen 5Öürtemberg 3lrt. 340 3lbt. 2 unb Sackten 1868 3trt. 300 5Ibf. 4, bafe eine etrafe roegen a)lunbraub«' "i<^t 5tü(tfaUdDorftrafe fein foU (ebenfo bad (Srläuterungegefe^ 3um fäc^f. ^tö.«. (oon 185.5) üom 25. e^ißt 1861 5ir. IX 2lbf. 3), baßcgcn »Jecflcn-- ^wg 18:^9, § 17 1), bafe ftc atterbingS bicfc ^Birfung bat. — i") anbcr« nur «raunfc^rocig. — "■'^) Sac^fen ia*i8 2lrt. 2:iH, 1855 2(rt. :)03; öraunfd)n)eifl §2H9loffau SCrt. 352; X^üringen 2(rt. 280; StcuM- ^. 1«61 5lrt. 288. — ^^} «apcm 1813 «rt. 381; .^»annoDcr 2(rt. 289 2(bf. 2. - »"; Öapr. 9ioü. 1816 3lrt. V; «iiben § 397; öcffcn ^rt. '359. Sdtfi^Tift f. b. gcf. 3trafrc(^td». \I. 26 396 I>r. ^Dolp^ gricbianber. Smütt 2;eU: OeuttfleS !Hed|t"') 1. 93om Sniinbraub im allgemeinen. § 1. Der 2Kunbraub eine felbftänbigc 6traftl)at. S3eoor roir in bie (Sinjcl^eiten bcS ftrafred)tli^en 2'^QtbeftanDe< beö 3Kimbraubes nadj :Heicböred)t eintreten, ift eö unerläftlirfi, ju üor ÄIarl;cit ju gciüinnen über baö ÜBer^ältniö beö 3Wunbraubö 51 oerroanbten SJerbrec^en, namentlid& 5um 3^iebftal)l. 3ft ber SDhinbraub ein bcfonbcrer Jyall be« 55tebftal)lö ober cii eigenartiges fetbftänMge« 3)elift? 3)ie gemeine ■iDkinung "^) tiat fid; fürbaö erftere entfd&ieben, un hierbei ben Seifall ber Slec^tfpredmng gefimben'^); namentUd) ba aud^ baö Sieid^sgerid^t in jaljlreid^en ©rtenntniffen *^') fid) anf r>c\ angegebenen Stanbpnnft geftellt. ©0 roirö j. ^^. in ber Gm fd)eibnng üom 20. Sejember 1883 (E. IX 298) anögefülirt, bal § 370 * St.Ö.S. „eine milber jn beftrafcnbe Unterart be§ ^Tiefc ftabl«" betreffe, bic S^ljatbeftanbömerlmale beö ^J)hnibranbö luerbei mel;rfad) als ,,bie Strafbarfeit ocrminbernbe Umftänöc (im Sinn ^^■') Xit Scfirs unb i'^anbbücöcr, bcet^I. bic örunbriffc finb bloB mit beii Flamen bcö SJcrfafferö bejcicfinct, cbcnfo bie Aiommeutarc, uou Clöbauici ift bie 2. 3(ufl. benu^t. ^a\] bebeutet beffcn 35ucö „bie iNOliäeioergebcn . . be§ bcutfd)en StrafgeJc^buc^iJ Stuttgart 1879", 3Keücö beffen „3trafgefe^ nooeUe . . . (Eingeleitet unb !ommentiert. (Erlangen lö70". iH.0. = 5icid)s gerieft. E. = (Sntfctjeibungen (bi^ ^b. XVIII benu^t), R. = ^iecfttfprccbun bcffelben, 3t. = „^^itfc^rift für Wcri(^t6praEiö nnb :He(^töioiffenfd)aft in ^eutfd lanb fter. von 3tcnglcin, neue ijolge. — "^) .i>älf(^ner II, 1 3. 'X)\)\ ^^in bing .^brf). I :i85, ör. II (ale 9)ianuffript gcbrucft) 3.2:5 ( „3)ie prioücgiertc Xicbftäble unb Unterfc^Iagungen".); ^öerner Mfj; 5ulb im 2lrc^iv f. praf iHedjtdimffenfcfi. ^Tritte Jolge. dritter SJanb (citiert: 5«^^> ^- '«'^>; - ^^ baufen i:il7 ^M.„prioiIcgicrter 2*iebftabl"); Cppcnboff 950 ;J. 17; iHübori 790; 3c^ioar}e 1H5:5; Hah 104 5); aJieoe^ :i2r> 3. 40; uicUeicbt au 3d)ütfe 4;W 3(nm. 2. — '-") ogl. 5. :i». Stuttgart 17. 3ept. 7:J (.Hah M^ a)iün(^en 27. ^JioD. 74(tfbba.). 2f3. 3lpril 7:> {Zt V ISX); iliolfonbüttel U. 'Jiiv 76 (3t. VII V2r2\ 15. Jebr. 7H (3t. VIII aW); bagegen ^^reeben s. gjidrj'" rJlnnalen be« .ugl. 3äc^f. Cberappeüatiotu^gcricfjtö ju 3)re^ben. .^Jüeito ,>oC III. ^anX>, X'eipsig 1876 3. i'U). - ^-M 2. Cft. 8(J K. II 295, 19. üJiärs = K. III 424, 2S. >nuar S2 K. V 4(k\ 20. To^ s:; K. IX 298, l:i. Jcbr. K. XII 11, 7. ,"suli 86 K. XIV 81(i, 11. :noi). s Unterorbnung unter ben ^'iebftabl nad} berühmten i)iuftern bie „(rntnehuni^*' gefc§irf)tc biejer 3trafnorm" unb bic „5)iatcrialicn beö beutfcben 3t.(>J.^.e" an 2)«t aWunbtaub. 397 ieö § 266 äbf. 2 Str.$ß.D.) Iiingcftcttt '"), mit anbcrcii Söorten ber ä^'unbraub aU ^primlegiertcr 3)icbftaf>I" bctrad^tct. 3Ra» foütc nun l)od& meinen, bicfe „^prioilegierung" bejie^e ii^ nur auf ben einfad^en 2)iebfta^l, ba, wenn ber 3)lunbraub Siebfto^t fein foH, bocb offenbar anä) bie (SrfdEiroerungen beöfelben fluf idn Slnroenbung finden müfizn. SDferfroürbigermeife erftrecft öagcgcn trofebem bie ^errfcbenbe SWeinung bie ^Prtoilegierung auc^ auf bie gäüe be§ fc^roeren SDiebfta||ld. •") aKan beruft fid^ jur öe= srönbung auf bie 3)loim bed ©efefec«*-*), als xüenn bamit ber SiHbcrfprud^ in ber ganjen auffajfung *^''») geljoben würbe. &titn biefelbe fprid^t oor allem ]. bie ge)c^id^t[id)e (Sntmicflunc). äßir ^aben oben üerfud^t barjukgen, bafe ber aWunbraub oon alters ^er üom J)iebftal^l getrennt war unb als eine üon biefem »«tfcliiebene Straft^at aufgefaßt würbe; bafe bie 3)Jerfmale beö älJunbraubö ni(f)t ftetd fid^ gleid^geblieben finb, t()ut bcm feinen etutrag. Kid^td rechtfertigt nun bie annähme, bod 9t.gtr.@.S3. ^abe mit t)cr gefc^id^tlidben Gntroicflung bred^en wollen. Safe eö üotlcnbö "'it berfelben gebrod^en ^abe, ift eine Sel^auptung, bie nod^ ber ^^d^tfertigung ^arrt. 3ener fte^t entgegen 2. ber jweite 2tb|a§ bed § 370 ^ SJe^men wir an, baß ber 3)iunbraub S)iebftal)l ift, fo finbcn ^^cnbar alle 33eftimmungen über letjteren and) auf erfteren 3ln- J^^ubung, alfo aud^ bie Straffreierflärungcn gewiffer i?erbrcd}enö= föUe. ^ier^er gel)ört nacb 9iei^äred&t (©tr.®.33. § 247 Slbf. 2) ^^^ fog. gamilienbiebfta^l, b. t). ber Siebfta^l, begangen üon aScr- '-) nql 28. 3an. 82 E. V 405, 13. 3unt R4 R. VI 424, Vi. Jcbr. 85 ^- XII 11; juft. OIö^aufcnl317e. - "') ©c^ü^c 432 2(iim. 2; Julb 170; ^Uö. 1317e; Cvv^nf), 957 3. 21; 3. aRet)cr 293; diubo 1048 S- 17; *eoe^324 ^.25; 3iüborff 791; Sc^iüarse 0()4; Sorcnj 323; §al)ii ^il 10; SRünc^cn 3. ^Juni 73 et. II 379; iH.Ö. 28. ::^an. 82 E. V 4u.\ 13. iuni 84 R. VI 424 u. ö.. ogl. aber Si.O). 20. iDcj. 8:3 IX 298. — 1=^*) 3. 151 ^«felben (bei Sd^tDarse 963) — '-••) bcrfelbc tritt roeiterfjin nomcntUcfi noc^ \^ ^age bei ber cinftimmigcn (burc^aud richtigen; Slnna^me ber fterrfdjenben -«^te, baft 3Äunbraubeftrafen beim 9iü(!faUebiebftabl nidjt in iöctrac^t fomnicn. 3it bet 3Runbraub 2)iebfta^I, fo ift bae unertlärlic^, benn baß öefc^ fpric^t in ^2äl o^e jebe ©infd^rftnfunö »om „3:)icbfta^r, alfo auc^ uom „priüilcöiertcn". 26* 398 I>r- «bolp^ gticblänber. roanbtcn auffteigenbcr Sinic gegen SBenoanbtc abfteigcnbcr Sini ober jroifd)en (S^cgatten. Giner befonberen ©rftrecfung biefer Si ftimmung auf ben 3)JunbrQub bebarf cö gar nid|t, benn ber ü)hnil raub ift ja Siebftaf^I. Offenbar badete ber ©cfc^geber nid)t fi htnn fonft roäre § 370^ 3lb). 2 unerflärlic^ : berfelbe erftredt b angeführte Sieftimmung auf ben aJlunbraub unb löfet fomit Mo als SBiUen beö ©efefegeberö erfennen, bafe ol^ne jene Sa^ung do ©traflofigfeit in ben einfd&lagenben gällen feine SRebe fein föiuit 3)ie^ lann nun feinen ©runb nur entroeber barin l^aben, baß bi 3Kunbraub !ein 35iebftal^(, ober bafe er jroar ein 2)iebftal^[ ift abi ein fold^er, auf ben § 247 3lbf. 2 Slnroenbung nid^t leibet. X ein 3lnl^a[tdpunlt für bie jioeite SIKöglid^teit im ©efefee in fein 2Beife fid^ finbet, muß bie erftere ald gegeben erad^tet werben J^*^^ 3. S5aö ©tr.@.S. lägt aber aud& fonft noä) beutlid() erfenne bafe ed Den SJiunbraub ald Sonberoerbred^en aufgefaßt roiffen lot Str.®.». § 370 * fprid^t auöbrüdtli^ oon „cntmcnben" unb ,,©1 roenbnng^, n)äl|renb beim 2)iebfta^l ftetö „weggenommen" (§ 242) ot^ ,,geftof^Ien" roirb (§ 243 3- 1/ 2/ 4). S)ad ,,roegnimmt'' begegr lüiebcr bei bem furtum possessionis beö § 289. ^n § 37C loirb mit ©träfe bebro{)t, roer SHafen, Steine, SWineralien . . - wegnimmt unb in § 370® jum 2^l;atbeftanöe beö fog. gutterbie ftat)Id gcforbcrt, büfe S^^ätcr ©etreiDe .... roiber SBSillen t> ©igentümerö wegnimmt, um beffen SSiel) bamit ju füttern. i^ergleid^en wir alle angefüljrten Stellen, in benen baö 2S» nehmen eine -Wolle fpielt, fo ergibt fid(), bafe l^ier ein ganj feft< einJ^eitlid^er Sprad|)gebraud^ beö öefefeed ooriiegt, unb. \>a^ baöfel unter „wcgnel)men" bie ©rlangung beö Öewa^rfamö einer bidt in frember 3Scrfügungägewatt befinbüd^ gewefencn Bai}c burd^ eigc S'ptigfcit beö i?erbred()erd üerftel)t. 3?a6 eö entwcnbet *^^j mitw< "«) dlut aJicocö 825 3. 40 berührt ben oben bcfproc^cncn ^^unft. Ä Folgerungen auö ber merfroürbigen 33^ieberf)o(ung bed § 247 :^(bf. 2 bti § 370'' %bl 2 jie^t er nic^t. ör meint: „2)a unter ben bier angegebei ^Jerbältniffen ber 2)iebWt ftraflod ift, fann auc^ bie milbefte $orm beefelb nämlic^ bie Gntroenbung i'on 'J^a^rungd: ober @enu6mitte(n, nic^t ftrafbar feci ^^L^oju bann aber bie befonbere ^eftimntung, n)enn ber 3)}unbraub nur ,, milbefte (!?) Jorm" beö 2)iebftabfö iftV — Xa^ übrigen« 8 370"' 2(bf.2 tii etwa einer $ergcBli(bi(^it, fonbern beraubter ^bftc^t feine 6ntftebnng oerbati beiDcift am bcften § 28» 2lbf 5. '-") SUer freiließ, wie ferner 545, meint, ©ntroenbung fei nur ein m berer ^Jiame, roirb un« nic^t juftimmen fönnen. (rben^erfelbe fc^reibt aber b^ 25cr aKunbraub. 399 nimmt iiid^t gleid^bcbciitenb gcbraud^t ^^^), crJ^cHt bcutlid) an^ § 370* pgl. mit §370*: 2)ciin bafe in 3- 5 iiDcimal uon cntmcnbcn, in 3- 6 Dogeflcn oon iDCflnc^mcn btc JRcbc ift, faiin bei ber unmittel- baren äufeinanberfolgc beibcr Seftimmungcn bod) unniöglid^ auf 3"fatt berufen. SBielmefir ift ju fagen, bafe baö ©efeft unter ©nt- rociibung me^r begreife, aU unter äßegnalime, nämlid; baö Stnfid^s bringen einer frcmDen 6ad^e, mögen mir bereits in beren Sefift fein ober nid^t fein. § 370 * 9i.Str.0.33. finbet fomit and) auf Untcrfcblogungen 2tnroenbung '^■') ober rid^tiger gefagt, ber 3J?unb' wub fafet nac^ 5Weid)öred^t (roie baß furtum nad^ römifd)em 9ied)t) SiebftQ^[ unb Untcrfc^lagung {an 9JQf)rungöi ufm. 9Kitteln ufro.) 5» einem ftrafred&tlid^en Segriffe sufammen. äJon einent ,,prioi:: legierten" S)iebfta^I fann natürlid^ banoc^ feine Siebe fein.'^) 4. ©nblic^ fei 5ur Scgrünbung ber t)ier üerteibigtcn 3lnfid)t auc^ auf bie ©teüung unferer Seftimmung im Str.S.Ö. ^in= Seipiefen. 3)icfelbe finbet fic^ unter ben Übertretungen nn\> nid^t, wie man com gegnerifc^en ©tanbpunfte an^ erroarten foUtc, in bem /^3)icbfta^[ unb Unterfd^tagung" überfd^riebenen 19. 2Ibfd^nitt. ^öfe Dies angegangen, ift fügtic^ nic^t ju bejmeifeln. 2)er 3lbf. 2 ^^^ .§ 2i2 ^ätte Dann etma lauten f önnen : SBenn i)ial)rungö' ober ®^uuBmittet .... jum alöbalbigen JBerbraud^e meggenommen ^^i^ben, fo ift auf ©elbftrafe .... ju erfennen. 3)ieö ift jebod^ ***»tfcjjcn öcfc^ßcber ein 3flrtflcfüöl ju, ba$ bcrfelbc !aum gehabt f)at. Sluc§ ^^oifenbüttcl 15. gcbruar 78 (St. VIII SSS) ^ält cntrocnbcn für einen milberen ^'^'Uen. SBitnn man benn fc^on beibe 2(u§brücfe uergleic^t, bürfte üiellcic^t '^«t ba6 SÖegne^men milber fein, ba e^ an fic^ nic^t, roie ba^ ©ntroenben, einen ^^frct^tlic^en 2)ei8ef(^macf bat. Übrigen« !ommt bei folc^er ^^rafenbre^erei "'^t^ bcrauS; bei ferner liegt freiließ bie Slbfic^t, auf biefe Söeifc 3cf|roierigs '^^^cn gu umgeben, flar am 2age. — ^'^) cbcnfo Crtlof f in Mg. bcutfc^c St.iH.3. ^^^- pon£>olienborff XlScipgig 1871 S. rA2. ogl. angefübrt. 2)re«ben8.a)Järj ^^**o, öeper in ^eitfcbr. f. gefamte ®tr.3i.aß. («Öeper 3.) II ©. 303. — 5^ Ib finbet (71) nur „eine Derf(^iebene 2(u«brucf«roeife". dlad) mtvt^ 324 ^- Hb ift „entrocnben" glcic^bcbcutenb mit „ftcbicn". »-«) «inbing, öbc^. I 3;^), (^r. II 23; 2ß achter, SBorrcf. 429.30. 2t. 31. ^üborff 791; Cppen^. 956 3.17; "^lucbclt 3«1; Atab 1U35); §a^n532 ^^- 13; 5Weüeö 325 3. 35; Cl^b- 1316(1; iiorcnj 324; Scbroarjc 964; Stuttgart 27. gebr. 78 (3t. VIII ;J34); Cber=3:ribunal 15. aWärj 72 (9ifpr. b. ^Äl. C.2. unb beS Ägl. Ober ^(pp.K^cr. in 3traffac^en f)ex. ü. Dppen^off ^11 210). 21.91. aucb Sb. m^x^ev 644 2(nm. 78 unb 0et)cr 3.303,4, bie 1^b«)(^ de lege ferenda mit bem 2ei:t übcreinftimmen. — ^^^) äüenn angcfübrtc« ^^fenntni« 0. Stuttgart meint, e« roiberfprccbe bem Sprac^gebrauc^e, unter Gnt^ 400 Dr. Slbolpö grUblänbcr. nid^t gefd^clicn, iinb bic je^igc ©tcllung bcr Scftimnumg fp c^er für xm^, alö für luifere Öegner.'^') Stuf bic angefütirtcn ©ninbc geftüfet, fialtcn wir bcn ■iDJ raub md) 9teid&örcd)t für ein fclbftänbigeö 3)elift, »id^t bloß einen milber ju beftrafeuben Sicbfta^l.'^'*). § 2. 3^er Ü)lunbraub im 33crf|ältni6 5U SiebftabI unt^ UnU fd&Iagung. Gö erfdjcint jroecfmäBig, e^e mir am biefeut roidbtigen ^ Sd^Iüffc jiefien, einen furjen Sergleid^ jroifd^en Dem Ibatbefti beö 3Kunbraubs einerfeitö unb bem beö 3)iebftabU unb Der II; fd^lagung anbcrcrfeitö anjuftellen, ba ein folc^er SJerglcid&, wie jeigen roirb, für bie fpätcr aufsuftettenben Folgerungen üon beutung ift. ©tr.®.2). § 242: SSer eine frembe beroeglid&c Sadic ci anberen in ber 2lbfid)t roegnimmt, biefelbe fic^ recl}tön)iDrif jueignen, mirb wegen 35iebftal)lö .... beftrnft. § 24(5: äl^er tiwt frembe ben)eglid)e Sadie, bic er im 3 ober ©eroatjrfam \)at, fid) redbtöiDibrig aneignet, wirb wegen II fc^lagung .... beftrnft. § 370 •'^: 3Wit Öelbftrafc wirb beftraft, 5. wer SJabni 00er (äenufemittel oon unbebcutcnöem 3i?crtc ober in geringer 30? jum aläbalbigen i^erbraud^c entwenDet. 3n allen brei i\ällen mufe bic ^anbiung natürlid) reditöw fein, in bcn 3?orfat5 braud)t aber bie -ReditöwibrigFeit nur genommen, MQ öewufjtfein bcrfelben alfo üorbanben jein bei 2 ftal)l unb Unterfdjlagung: benn l)ier l)cbt M^^ Öefetj bie :)i» wibrigteit befonberö Ijeroor, unb baö tann nur ben bejeid)! ©inn l)aben'^^); beim Ü)hnibraub genügt iNorfafe, b. l). "ücmw ber Äaufalität. Über bie Sd)ulD fagt baö ©efeö in allen brei Jy^Uen n benn Slbficbt bebeutet in § 242 nid)t ben 3>orfatv fonbern M^^ "}] locttbung auö^ eine Unterfd)Iaö«nq ju »crftebcn, fo irrt ee: cntiucnbcn bei abmcnbig matten, iemanbcm ctroae cntjiofien; bie^ in aber audi mö(^Ii4, ber tf)äUx im «cfi^, nicftt aber im iuriftifchcn ^^Befitj ift. ^-'^ ) ebcnf 0 (^ 3. ;X«. - i*»-) Suftimmcnb io. 3)eevcr 674; Sie5t4'2t); 3):^äct)tcr, ^i^orr öeper, CJr. II '29; ^öninc^, (3r. 113 (troli fcer Überfcftrift bc* X^avac^r ^"Prinlec^ierte !riebftaf)UfäUe".); .vaf)n :JÜ*J; i^reebeii s. 'Jiiärj 7r> ■ -iJlnnalcna.« Äirc^mann 14»; mellcic^it auc^ 3hibo HUS 3. 17 u. t^ucöelt 25:) i>), :! ^bn Shinbraub. 401 bcx: 3^aV^*) ©o bleibt ju ocrfllcid^cn nur bic ipanblung, bic SKb? nc&t im eben bejeic^neten ©inne unb ber ©egenftanb beö SBer^ brechend. Über bQö „cntroenben" unb fein SBer^ältnis jur ^anblung beim 2^icbilQ]^I unb bei ber Unterfd^lagung ift bereits (jefproc^en raorben. 3Ba« ben ©egenftanb betrifft, fo bebarf es faum ber öe^ verfang, ba6 unter bie ,,freniben beroeglidden Sad^cn" Qud& bie ^lal^rungös ufro. 9Kittel ufn). fallen unD jioQr fetbft bann, wenn Da« O b ft uf ro. }. SJ. erft Dom SBaume getrennt wirb, benn ju ben beroeg- liclien Sad^en i. ©. beö ©trafred^tö gehören anerfanntermafeen aud^ bie erft Dom Siebe beroeglid) genmd)ten. SBiDl man alfo ^ier von <^iiiem Unterfd^ieb jroifcben 2)iebfta^I unb Unferfc^lagung einerfeitd uiib 3)hinDraub anbererfeitß fprec^en, fo Darf bieö nur gefd^e^en ^^^ bcm Sinne, bafe ber ©egenftanb l^ier eine befonberc 3lrt beö ^on crforDerten ift. ^infic^tlic^ ber „3lbfidbt" pnbet man biöroeilen bie Sel^auptung ^ot (ogl. }. S. Siöjt 420), bie 2lbfidbt ber Aneignung unb bie beö ^'^ fortigen Süerbrauc^ö feien ©egenfätje. 3ßir l^aüen bieö für ^*^irid)tig. Aneignung ober 3»ci9"w»9 ^^) bebeutet bie ^erftcHung eines ^^erfiältniffed jroifc^en und unb ber betreff enben ©ad^e, welches bem ^^ö ßigentümerö ju ber i^m getiörigen burc^aud cntfprid|)t. 6ö '^iegt auf Der jpanb, bafe bieö in ber mannigfac^ften 33eife beroirft ^^erDen tann. Sofortige 3[}ernid)tung Der Badjt ift jroar fo wenig ••-Jlneignung", alö ©ebraud^ berfelben, roo^I Dagegen ber SSerbraucb ^eö roeggenommcnen ober bereits befeffcnen ©egenftanbes. '^^) "i^tmx ^ann bie Slbfid^t, loie ein Gigentünier über bie Sad^e ju oerfügen, ^eutlicfter an Den 2^ag treten, als t)ier? i)Jatür[id^ fann es feinen XlnterfdjieD maä)t\\, ob es fid^ um „alsbalDigen" ober allmä()lid)en "SUcrbrauc^ t)anDelt. Seines Der beiben SBlerfmale (i)JabrungS' ufio. 3)iittcl ufro., 3lbfid^t l)cs a'tSbalDigen "iierbrand&S) bilbet alfo für fid; allein, fonbern ftets nur in SBerbinDung mit bem auDeren eine „Unterfd^eiDung" gegen^ fiber 3)iebftal^l unb Unterfdl)lagung. Sieibc (Srforoerniffe muffen vorliegen. Damit wegen 9)hinbraubs geftraft loerDentann; fetjlt auc^ nur eines, fo i)at md)t 5yreifpred()nng, fonDern ^Verurteilung megen 3)iebftabls oDer Unterfd)lagung cinjutretcn'^^): Denn Der 3)Junbraub ^^) Si«8 1 41ü.— ^'^••)2)er «efldff ift bei Xiebfta^lunb Unterfc^Iagung bcrfclbc. — *^) Gbcnfo Oleb. l.'M7e; üiejt 427. — "^) 6ofern nur bcrcn ^Joraue^ 402 ^r. Xbolpi) Stieblänber. ift jroar eine fclbftänbißc Straft^at, fein X^atbcftanb jcbod^ ift ge^ mnermagen aiid bem größeren beö ü)iebfta{)U unb Der UiUetr fditagiing I|crQU0gcfd)ält.'^**) § 3. Folgerungen. 93ir fönnen nunmehr \>ai\i überget)en^ bie Folgerungen au ber felbftänbigen SeUttduatur bed 3)hmbraubd ju 5ief)en. 1. a)a ber ü)hinbrQub nad) Sluffaffung bed 9{.Str.0.33. ei» felbftanbige ©traftliat ift, barf er in feiner Sejiebnng al§ J^iebftafc ober Unterfcblogung befianbclt werben. Xc^\)alb finbet a) § 370 ^ nid)t § 243 3lnroenbung, roenw ber 3)hinbraub am eine ber bort beäcidbiieten erfdiroerenöen Sßeifen begangen ift.'^'O b) 33eftrafungen wegen 3)tunöraubd finb nidjt geeignet, Di aHldfattöftrafe beö § 244 ju begrünben. »*o) c) 2)er erf)öl)te Strafrahmen für bie 4^eruntreuung in § 'J4l finbet auf ben •ülunbraub feine Slnioenbung. '* ') (1) J)ad ®leid)e gilt oon ben 33cftimmungen ber ji§ 247, 248'*-> 35ie ©traflofigfeit beö SDIunbraubö gegen F^milienangeljörigc berul) : nid;t auf § 247 2lb). 2, fonbern auf § 370 ^ 2lbf. 2. e) 3)cr 3^t)atbeftanb beö § 252 ift nic^t erfüllt, wenn beu aWunbräubcr, auf frifd^er Xf)at betroffen, @ewalt wer übt oDcl 2)rot)ungen mit gegenwärtiger @efal;r für Üeib ober kiebtn aiu wenbet, um fid) im Jöefifte ber entwenbeten ©ad^e ju erbalten. '^^) fc^unc^cn oorliegen. Cbcrs^trib. 6. ocpt. 73(Opp. Slfpr. XIV 5ir>), 7. ^lai 74 (a.a/z:. XV SK6), 10. 2tpr. 72 (cbba. XIII 247); Dppcnf)off 9ä8 rf- i'-J S^af)n ^2 11). - i^) juft. 5ulb70; Cf)Uf|aufcn l;il7e; 9i.Ö. i«. 3)iai s-j, G. VI 327. — '■«') f. oben 2lnm. 123; ferner Siöjt 4-->. i)ieuei 673; Geyer, ör. II 49; iiiSjt 420; CUt). 1317^/3?; ^udjelt 2:^2) 9lubo 856 3. 1; Cbcr^Xrib. 26. 3ept. 72 ((iJoItbammer XX4r4). 2^agcger §älf(^ncr 377; "Jöäc^ter, «orl. 416; JHüDorff 5So 3. 1; Cppcnli. ICw 3. 21; 5R.(3. s. 2Wai82 E. VI 325 9. iH.(iJ. meint, ba jiDcifeüoe — aucf) wii nehmen bie^ an — lomn bie ^Jorauöfe^ungcn bco ^aubce vorliegen, irogcii biefcö unb nirfit nac^ § 370* jju ftrafcn ift, müffc gleicf;e^ für § 252 gelten, ba Xtt 9{unDrau6. 403 t) SBenn ein Beamter mit Scjicfiung auf Sai)er\, bie er in ömtli^er eigcnfd^aft empfangen oöcr in (Sen)al;rfam \)at, einen Kunbraub begebt, fo ift Der Zf)ättx md) § 370 * nnb ni^t nad> .? 350 ju beftrafcn. '") fü) Söenn eine bem 911. ©t.®. 33. unterftefienbe ^^erfon bei ätuöübung be« 3)ienfte« ober unter SJerteftung eines militärifdien 2)icnftDert)ältnif)eö an SRa^rungö^ ufjo. aWitteln ufro., bie itjr tjer- möge bed !Dienjled ober jened ^er^öttniffed jugänglid) ober an.- oertraut finb, ober menn fte gegen einen ajorgcfeftten ober einen Äameraben, gegen i^ren Duartiermirt ober eine ju beffen ^aM- ftanbe get)örige ^erfon einen aJlnnbraub begelit, fo finbet § 138 3ß.St.®.93. feine Änmenbung '*'»). 2. S3efonbere Sd^roierigfeiten entftelien bei bem 3wf«w^"^^»- treffen oon fcftmerem 2)iebftat)l '*^) nnb SRunbraub. a) 35er S:^äter ift jroar t)ornef)mlicl^ eingeftiegen, um 9tttf)rung§' "fm. aWittel ufro. ju entmenben, l;at aber tjon oornticrein aucb ben JaH i^ö 3luge gefaßt, bafe er im Innern beö 0ebäubeö aucb anbre Soeben finben roerbe nnb befcbloffen, bann and) leßtere mitjuneljmen. Sr üoUfti^rt bie Xf)at im angegebenen ©inne. iQitx fann eö feinem 3meifel unterliegen, ba§ ber Xbäter ficb gegen § 243 ^ unb 370 ^ vergangen f)at. 2)ie ^va^e fann nur fein, ob in ibealer ober realer ftonfurrenj. 2)aö erftere nimmt baö ^.&. a\x^^^); mir fönnen ^^m Don unferem ©tanöpunfte and nicbt beiftimmen. (Jd ift unjroeifelt)aft, bafe, roenn jemanD einfteigt, um 5u ftef)len ^^^it) um eine ©ad)befd)äbigung ju oerübcn, unD bcibeö ooüfüfjrt. ^^i" tliattt ja ftier einem Jiäuber gleic^ beftraft werbe. -Jene 35eftimmung fagt **^be* nur, bafe bei {$ 252 ber Strafrahmen ber Öleic^e fein foUe, loie bei bem ^crbre(^en be^ 9iaube« („gleich einem Jiäuber", nic^t „alö JHäuber"); baoon, ^% ber SSerle^er be« § 252 Siäuber i. 3. bed ©efe^feiS fei ober boc^ alS folc^er ^** beftanbeln. weife ba« Jt.Str.ö.^ö. nic^t«. SA war je ift 722 ^. 1 unferer, ^^^ ber gegnerift^en 9(nfic^t. — ^**) ©erabe biefe ^äüt Uin "^Joftbeamter ent^ ^'^ciibet aud einem ^oftpafet (Sigarren, um fie ju rauchen ufio.) waren ee, bti ^«mn bie (^eric^te fic^ bagegen erflärten, bafe S87ü* auc^ Unterfdilagungcn ^«ffe. 1«) juft. öeder, Sebrb. D. 9)L St. 9«. 2(i2. - i*^) mv fprccfjen ^m Jolgenben auifc^liefelic^ (ber Kürje fialber, unb weil biefe 5öUc bie ^^wfififten ftnb,) oom 2)iebftabl burc^ (Sinfteigcn. 3(lle§ babei ju (Srn)äf)nenbe t^bct inbeffen auc^ 9lnroenbung auf ben !^iebftaf)l mittel« Ginbruc^« ober ^tbrerf/en« öon «eftältniffen, ben J^iebftaf)! nacb § 243 3. H unb 7. :öei ben Sitten be^ § 2i3 S- "^^ •"> ""^ *^ fönnen bie in 33etra(l)t (ommenben J'^agen '<»um praWfc^ werben. - ""j 9i.0. 7. Juli Hß E. XIV 317. 402 Dr. Äbolp^ grieblänbcr. ift jroar eine felbftdnbige Straft^at, fein X^atbeftanb jebod^ ift ac= roiffermafeen aiiä Dem größeren beö iDiebfta^lö unb ber Unt^r^ fdilagung I|eraudfle)d)ält.'^'*) § 3. Folgerungen. SBir fönnen nunniet)r baju überget)en^ bie ^^rolgerungen aii^ ber felbftanbigen Selittdnatur beö SDhmbraubä ju }ie()en. 1. Sa ber 9)hinbraub nad) Stuffaffung be« 9{.©tr.0.». eine felbftänbige Straft^at ift, barf er in feiner Sejie^ung aU 3)iebftcx i^I ober Unterfdblagung befjanbelt werben. SJeö^alb finbet a) § 370 ^ nicöt § 243 2lnroenbung, rotnn ber aRunbraub a iif eine ber bort bejcici^heten erfd^roerenöen 2ßeifen begangen ift.'^^) b) Seftrafungen wegen 9)tunöraubö finb nid)t geeignet. Die aWidfattöftrafe beö § 244 ju begrünben. «*o) c) 2)er erf)öf)te Strafrahmen für bie SJeruntreuung in § 2-46 finbet auf ben SJJunbraub feine Slnroenbung.**') d) 3)ad ©leid^e gilt oon ben Seftinimungcn ber §§ 247, 248»*->- SJie ©traflofigfeit beö SDJunbraubö gegen gamilienangeljörige bernl)t nid^t auf § 247 2lbf. 2, fonbern auf § 370 ^ 21bf. 2. e) 3)er 2;t)atbeftanb beö § 252 ift nid^t erfüllt, wenn Der 3)iunbräuber, auf frifd^er 2^^at betroffen, ©eroalt t^erübt oDer 2)rol)ungen mit gegenroärtiger ®efa^r für iJeib ober Sieben an-^ roenbet, um fidö int Sefifte ber entroenbeten Sad^e ju erlialten. *") fc^ungcn oorlicßen. Cbcrs^trib. 6. ocpt. 73(Opp. Slfpr. XIV 515), 7. SRai 74 (a.a.O. XV 886), 10. Slpr. 72 (cbba. XIII 247); Oppcn^ioff 958 3.23; ^af)n 532 11). - i'*) juft. 5ulb70; Cf|U^aufen 1317e; 9i.®. 8. 3)2ai Si>, G. VI 327. — '3») f. oben 9lnm. 123; ferner Six^^^t 420; i\ HRcper «75; Söning, &t, 113; Äirc^mann 228; ^uc^elt 261; 9lubo 1048 3. 17; am geführt. 2)re«ben 8. SÄärs 75; Drtloff 542; roo^l auc^ 3QJ achter 423. 5(. «. »inbing, Jpbt^ I 3:35, 528 S(nm. 13, (Sr. II 24. 1*0) cbcnfo Äi«}t 416; $. aWeper 672; :pälf c^ner II 1 3. ;S34/5; i^öning, @r. 113; Cppcntjoff 58:^ 3.10 (f. bagcgcn 582 3. 5); diüho 834 3. 3; Sorcnj 223; ac^roarje 964; Äaf) 104; g. 3Jltr)ex 197 3. 3; Äirc^mann 153; aKeceö 325 3. 36; roofti auc^ $uc^elt 248 2). — ^«) cbcnfo roo^l ^in^ bing, $bc^. I 335. — "^j ebcnfo iiöning, ©r. 113. — i") cbcnfo §. SJiever 673; öcpcr, Ör. II 49; Siöjt 420; CU^. 1317 g/J; ^tuc^cft 2552); SRubo 856 3. 1; Cbcr^Xrib. 26. Sept. 72 (öoltbammcr XX 454). SJagegen §älf(^ncr 377; 2Öä(^tcr, «orl. 416; JHüborff 580 3. 1; Oppen^.^ 957 3. 21; 91.0. 8. anai82 E. VI 325,9. XC^, meint, ba gioeifcUo« — auc^ wir nebmen bicö an — wenn bie SSorau^fcftungcn bed 9iaubed vorliegen, wegen bicfcö unb nic^t nac^ § 370 ^ ju ftrafcn ift, müffc gleiche* für § 252 gelten, ba ^ec 9{unl)rau6. 403 t) aSenn tin Beamter mit Scjicfiimg auf Sadiett, bic er in fl»ntli(Jcr ßigcnid^aft empfangen oöcr in (Scroafirfam \)ai, einen S'^uiibraub begebt, fo ift ber Xf)dttx mi} § 370 * unb nid^t nad> § 350 jii beftrafen. '**) ^) ajenn eine bcm 911. St.®. 33. unterfte^enbe ^^erfon bei Ausübung beö 35icnfte« ober unter SJerteftung eines militärifdjen Ötcnftoer^ältniffe« un 9ia^rung§= u)n). SKitteln ufro., bie i^r oer- "löfle beö 3!)ienfte§ ober jenes ^er^ältniffes jugänglid) ober am J^crtrout finb, ober wenn fte gegen einen 33orgefeftten ober einen Äaineraben, gegen i^rcn Cluartierroirt ober eine ju beffen ^aw^- ftaiibc gehörige ^crfon einen aWunbraub bege()t, fo finbet § 138 2W.St@.33. feine auroenbung'*^). 2. 33efonbere Sd^roicrigfeiten entftelien bei bem 3wtö"^"^^»= treffen üon fcftroerem T^iebftat)P**^) unb SRunbraub. a) 3)er Si^äter ift jroar oontelimlid) eingeftiegcn, um 9?af)rungd= ^M TO. SHittel uf ro. ju entroenben, l;at aber von oornI)erein aud^ i>cn JaH ins äuge gefaxt, bafe er im 3"»ici^Ji ^^ö ©ebäubeö aud) anbrc Sqc6cu finben werbe unb befc^loffen, bann aud) Icßtere mitjune^men. ßr ooUfüfjrt bie Xf)at im angegebenen ©inne. ^ier faun eö feinem äroeifel unterliegen, ba§ ber XijäWx iid) gegen § 243 '^ unb 370 * Wgangen ^at. 35ie 5^agc fann nur fein, ob in ibealer ober teolcr ftonfurreuj. S)aä erftere nimmt baö 3iM. an'*0; ^^^ fönnen bcm üon unferem ©tanbpunfte aud nidjt beiftimmen. e§ ift un}n)cifelt)aft, \>ai, roenn jemanb einfteigt, um ju ftef)Ien ""i^ um eine ©ad^befd^äbigung ju oeriiben, unb bcibed ooüfü^rt. ^er J^ätcr ja ^icr einem Släuber gleich beftraft werbe. -Jene 93eftimmung fagt mbc^ nur, bafe bei S 252 ber Strafrahmen ber Öleic^e fein foUc, roic bei bem Serbre^en be« Slaube« («gleich timm Siäuber", nic^t ,,ale ?Käubcr"); bapon, ^B ber Serleter be« § 252 9iäubcr i. 3. be« ©efefte« fei ober boc^ al« folc^er »»Manbeln. weife ba« «.Str.©.«. nic^t«. Scbroarse ift 722 3. 1 unferer, ^ b« gcgnerift^en «nfic^t. — ^**) ©erabe biefe gäUe (ein ^oftbeamter tnU »«nbet aud einem ^oftpafet ©igarren, um fie )u rauchen ufro.) waren e«, bti ^nen bie öerit^te fic^ bagegen crHärten, bafe g 87ü* auc^ Unterfdilagungen |reffe. 1«) juft. §c(fer, Sel)rb. D. 2DI St. 9i. 202. — i*«) %\x fprec^cn '"^ Jolgenben audjc^liefelid) (ber Äürjc falber, unb rocil biefe 3äUe bie Wufigftcn fmb,) com 2)iebftaM burc^ (Sinfteigcn. 3We« babei ju (Srroäbnenbe •"^^tt inbeffen auc^ 2lnn)enbung auf bcn 2)iebftaf)l mittele (ginbruc^^ ober ^^tec^cn« oon «eftältniffen, ben ^^icbfta^I nac^ § 2-43 3. 3 unb 7. iBei Den tfäüen bed § 243 3- -^r •^> uni> <^ fönnen bic in 33ctrac^t fommenben JJragen ''^«m ptoftifc^ werben. - "") 9i.0. 7. Juli m E. XIV 317. 404 I>r. SlDoIpl) ^rtebränber. nid^t 3bcQlv fonbcnt Slcalfonhirrcnj tjorlicgt: beim eö finb jinei gänjltd) Dcrfd^iebene @traft()ateii^ bereu ber Später ti(^ fdyulbig geniad^t^ ed finb mehrere ^anbtungen^ bie er t^orgenommen \)ai 3ft bieö aber ridtltig intb ber 9Kunbraub ein Souberbelift, fo muB 9lealfoufurrenj aiid^ Dorlieoien, roeim ber 2^ättx mit SJlunbrmibö: unb (eueiituedem) S)iebftaI)löDorfa^ einfteigt unb einen 3)hinbrQub unb 3?iebfta()l begebt. 3hir ift freilid) auf unfereu gall § 74 ©tr.@.S. uicöt aunjeuöbar, ba bcrfelbe nur \)a^ S^iammtntx^m von ä>erbred)en unb i>erge^en be^anbelt. Sonacb bleibt nicfetd übrig, als bie beibeu Strafen oljne 3"tüclfü()rung auf eine ©efamt^ ftrafe nebeneinauber auSjuwerfenJ***) b) SBeit einfadjer ift bie Sad^lage, loenn ber 2^^äter bloß mit 9)iunbraubdoorfa6 eingeftiegen ift, innen aber nur einen Siebftabl begangen i)at ^ier ift junäcbft fo t)ie( !(ar, hai n)egen ^Dtunbraubd nidit geftraft werben !ann, benn ed liegt lebigtid^ äSerfud^ eiueö foldben Dor; ber i?erfuci^ einer Übertretung aber ift nad^ 2tr.®.)8. S 43 2lbf. 1 ftraflod. **^) dagegen ift unjroeifelbaft wegen i3>iebfta^lö }u ftrafen, aber wegen einfachen (§ 242) ober wegen fd^weren 3)ieb= fta^lö (§ 243)? a)a§ Str.®.». fpridt)t in bem § 243-' baoon, bai5 „aus einem ©ebäuDe ober umfd^loifeuen 9iaume mittele &n- brud^ö, (ginfteigeuö ober förbred&en« oon )Se()ältniffcn geftol)len wirb". 2)er (Sinbrud^ ufw. muß alfo 3}Jittel 3ur öegctjung Deö 2)icbftaf)l§ fein. äi^enn wir baö Söefen beö 9Kittelö im allgemeinen wiebergeben wollen, fo fönnen wir bie§ etwa fo t^un, baß wir fagen, ber X\)ättt bebient fid& beö 3)iittel§, um ben in feinem 3»"^^«» Qt- reiften (Sntfd^lufe 5u oerwirllid^en, um alfo einen Sd^ritt tjorwärtö ju tl;un üon bem ®ebanfen ju bem erftrebten S^dt. «öierauö folgt, a) Dafe baö 9)Jittel ftetd in ben a>orfteUungdfreid beö 2:()ätcrö aufgenommen fein ntuß; bie ^anblung eined britten, bie und unferem 3^^^^ "ä()c^ f"^)^^/ ^^^^ ^^"^ ^^"f^^ äßiffen unb Sl^oÜen gefd^eben ift, ift niemals 3)iittel; 1**) c^ani übercinfiimmcnb mit bem 2eft Julb 177. ber befonbere« Öeioidbt barauf le(^t, bafe bie ^'äCbficöt*' bei ^T^iebftabl unb 3Munbraub „oerfc^icben", uM beölialb ^^bealfoufurrcnj immöfllidj ift. — "^) Äommt e^ überbaupt nur jum SSerfuc^e, unb beftauD nur 9)?unbraub«Porfat, fo tritt <^cmä6 bem Öcfogten etraflofigfeit ein; beftanb nebenbei aucb S^iebftablsuorfa^, fo ift roegon i^er^ fuc§« nadj § 243- 3u ftrafen. ©benfo gulb 178. SJer Wimbrnub. 405 ß) bafe bcm 9Wittel bie SJcjic^ung auf bad 3*^1 "^^f^^^H^ ift; aüe^, ioa§ loir t()un, o^nc ^inblidt auf baö bcftimmtc 3'^^/ ift »icf)t ,,3Rtttcl", mag c§ aud) unfercn ©utfd^Iufe ganj ober tcilroeifc }ur Slusfü^rung bringcu. 35a nun im gegebenen ^afle ber S^fjäter nur einfticg, um einen SJhmbraub ju verüben, ift ber (Sinftieg ..aWittel" aud^ nur für ben SDtunbraub, nid)t für ben infolge neuen SJorfafeeö a\i^^ gefül^rtcn ^iebftabl. 2)iefer ifi alfo, ba nid&t „mittcfö" ©infteigenö gefc^eljen, ein einfacher unb bcmgemäfe wad) § 242 ju [trafen. ""^O 3lnberö liegt bie Sad^e nattirlid^, wenn jemanb einfteigt, um 'JJal^rungör ober ©enufemittel t)on unbebeutenbem 3Berte ober in geringer 9Kenge ju entroenben, geeignetenfallö aber and) einen 2)ieb= ftal)l ju begeben, in ber 2f)at aber nur (enteren begebt. $ier ift neben ftraflofem Ü)tunbrauböi)erfud)e fc^ioerer 2)iebftat|l nad^ § 243^ in Jvi^agc: benn ^ier war ber ßinftieg (aufeer für ben nid)t auö= geführten 9)tunbraub) 9Kittel für ben Siebfta^l. 3. ßntroenDen mehrere 'J{al)rungd= o^er ®enu&mittel ufm., ber eine jium alöbalöigen Süerbraudje, ber anbere, um fie fid) anber= meitig anjueignen, fo fann oon aRittI)äterfd6aft feine 9lebe fein.'^') ^tic^t eine ftrafbare ^anbluug, wie § 47 Str.®.©. ocrlangt, liegt ^ann tjor, fonbem mehrere, nämlid) ein 2)iebftaf)l (bejiü. eine Unterfd&lagung) unb ein ^JJhinbraub. 3e^r wo^l möglid) bagegcn ift, baft ber SKunDräuber ©eljilfe beö Siebeö ift, unb leßtercr Rdf) ber Sei^ilfe jum T^iebftaf)! fdiutoig nmd)t. »••^) Slic^tig %&. 9. 3lpril 85 R. VII i>19, 7. ."vuli 80 E. XIV :31;J; il^rceDcu K SWärs 75 (3lnn. 2. 5oIgc III 215): (Ter 3)iunbraub) . . . würbe nic^t . . . mitte Ift (Sinfteißen«, fonbcrn erft, nadjbcm bao CSinftcigcn bereit« in einer ans beten Abfielt erfolgt war . . . aufgeführt. 5C. 21. JH.Ö. 19. SJiärj 81 E. III 424/5 — aber mit feftr fabenfdjeinigen ©rünben. 2)er 9Ingeflagte war mit Wunbraub^Dorfatj eingeftiegen, innen [)attc er infolge muen (rntfc^Iuffe^ (5Jelb geftoI)Ien. %&. oerurteilt nun na^ ^2^1^: „benn biefe (Jntroenbung war nur möglich, roeil 2(ngeflagter eingeftiegen war, unb bae (Sinfteigen war erfolgt 5um Seüufe beö Stel}len#; bie Öelbentiuenbung fdjlofe fic^ ferner nac§ ber Jeft: ftellung unmittelbar an bie com ^[)ätcr beabficl)tigte (rntwenbung an". 3ef)r richtig bemer!t (vieler (,S"tf(^r. f. 3tr.9i.ffi. II 8aii cö fid) in Sttbf. 2 nid^t um gort^ fallen ber 9tormn)ibrigfeit, alfo nid^t barum ^anbelt, bafe bie Xt)at öl3 nic^t recfetsroibrige erfd^eint: 3Serroanbte unb Gljegatten bleiben Icbiglic^ ftrafloä, ed liegt alfo nur ein fogenannter fubjeftitjer Strafe wid^licftungögrunb oor. 3KittI)ätern unb 2^eilne^mern fommt bielc Straflofigfeit nidf)t 5U gute, wenn fie nid^t felbft Sßerroanbte ober g^cgatten finb. '•^**) 2)ieö berul^t aber nid^t auf ©t.Q.S. §50'-^^): benn roenngleid^ in unferem Jalle jroeifetloö eine per- lonlidjie ßigenfc^aft bejiet)ung§roei)e ein fold()ed '^erpltniö in Jrage Mt, fo roirb bod^ auf ©runb beäfelben bie ©träfe roeber ertjöbt, "od^ oerminbert "''*'), fonbern auögefd()lof]en. Sie ßntfdt)eibung be= ^"^t üielmel)r auf bem allgemeinen Sa^c beö ©trafred()tö'®*), bafe **'^) tote fc^on feiner ^iit im 9ieic^«tag beantragt rourbc. — ^'^^) f. j. 93. 9i.(VJ. ^•IV72;.3. ä^nli^c gäUc fommcn in ber ^rajiö nic^t feiten vor. Üeiber Mt au(b bicr nur Öefängniöftrafc bem JHic^tcr gur SSerfügung, obiPo()l Die: toc bann oft eine t)iel 511 fc^iuere Strafe ift. — ^^') ^ebcnfall^J foUte § 242 ^ 3u(a1j erbaltcn, bafe bei milbernben Umftänben auf 0elb biö gu . . . W. ober öaft erfannt werben fann. — ^*"") nic^t auc^ uon ä^crfc^roägertcn; „^er^ »anbte" fmb „«rut^cerroanbte". - »'"*) 91. 21. ^ucbelt, lucil S ^^70^ nic^t ^«31^.3 bee §247 cnt^te. — >''^.) 21.21. üorenj :J24; Cppent). 968 3. 24. ■" ^'*) wie bied § iA) ausbrüdlic^ oerlangt. — ^"0 «9^. Äi^jt 221. 408 Br. SCboIp^ ^rieblänDer. fubjeftioc Strafausfd&ticfeungögrünbc — roic Dies ja fd&on in bm begriffe liegt — eine 2ßirtiing über bie ^ßerfou beffen, bei bem fie oorliegcn, nidbt (jaben. § 6. ©cgenftanb ber ©ntroenbuug. ©egcnftanb ber ©lUiüenbinig finb nacb bem ©efefte I. „9ia^riingö= ober Öemifemittel oon unbebeutenbem SBcrte oDcr in geringer SWenge". 1. ,/Jiaf)riingömittel". «Oierimter fjoben wir ju oerfte^en alle ©egenftänbe, bie bem aWenfdE)en jur vSrnäbrung bienen, bie alfo, beftimtnt, bem menfdd' lieben Äörper Stoffe ju feiner ©rfialtung jujufül^ren, burd^ bie menfd)Ii(ben Sinnesorgane, baö Reifet l)ier burcb ben aJiunb, in ben Äörper aufgenommen unb baburd) werbraucbt werben. ^^'^) j^n rechtfertigen ift bei unferer Segrifföbeftimmung nur bie Sefd^ränfung auf bie menfc^IidE)en Sebürfniffe. 3ln fid) roo^nt biefe bem äßort ,/Jlaf)rungömittel" nicbt inne, ba mau aucb uon 3iaf)rung ber Xiere fprcd)en fann unb fprid)t, wogegen ein ,,0enuB^ mittel" für Spiere etioaö Spradj^roibrigeö märe; benn bie Xiere „gc- uieBen" nid)t. ©erabe aM biefem Umftanbe fönnte man nun foU gern, Daß, weil bem einen Siegriff bie (£in)d)ränfung eigcntümlid)/ bem anbern fremb, unter 9Ia^rung<3mitteln aud) isie^futter ju Der- fte^en fei. "^^) 3(llein geroift mit Unred)t. Sel)cn mir gauj oon ber (£ntftel)ungögefd)id&tc bes iH.St.ö.Ö.ö aus bem preufeif^en St.Ö.Ö-/ bie unfere Stnfidjt beftätigt, ab — benn bie „CSntftebungögefdiid)te"^ nidjt JU t)enoe(i)feln mit ber ge]d)idbtlid)en ßntmidelung, ift unfercö (5rad)ten§ ein oiet mißbraudjteß SJeroeiömittcl — baö Steidböre^t felbft giebt unö genügenbe 3luöfunft. 3)a§ 5K.St.@.33. ftellt 3lap- rungö- unD ©enufemittel äufammcn uuD loill bamit offenbar aii' beuten, baß beibe Öegriffe einerfcitö nid)t jufammenfaUcn, auDCt- feitö aber bod) nic^t üöUig ungleid)artig, fonbern biö ju einem ck^' roiffen ©rabe oenoanbt fiuD. ät^ir roeroen bal)Cr nic^t feblgebe^/ toenn mir im Sinne beö ©efe^eö unter "Jiabrungömittcln nur ^^^ für 2)ienf d)en beftimmten üerftebcn. 3u bcmfelbcn (Srgebniffe fiii)'*^ bie Griüägung, M\i ber gcfe^geberifd)e ©ruub ber 3lud3eid)nin^ö ber GntmeuDuug in Der ^türffid^tnabme auf ben junger ufio. befteO^/ ^^) cbenfo 5ulö 7:3; 'äKüncöcn :l S^q. 75 (3t VI 89); M.(3. 24. Jcbr. HO E- j l>-24, y.i^tpr. Sl E. IV 74, 1. I^uli W K. V1488. - ^^^) fo 5Jubo 104« 3- ^'^' !^er 9)hinbrau6. 409 tfcr 0ninb bei bcr enttDcnbung ooii SJie^fwttcr***) aber boä) oW wegfällt. »*^) SBid^tig für unfere grage ift auc^ § 370* .St.@.ö.«. öier rocrbcii ald ©cgcnftäiibe beö fogenaimten gutter^ ebjtQ^Iö genannt „Setreibc ober anbre jur Fütterung beö SBielid ftiminte ober geeignete ©egenftänbc", alfo nid&t „ober anbere Q^ruugsmittel für 'ba^ Süiel)", wie bod) baö ©efeft fagen würbe, inöe cö auf beni (jier tjerroorfenen Stanbpunfte; benn bafe ber efe^fieber fdbon wergeffen fjaben follte, bafe er foeben unter "ilalj^ ngsmitteln audb tierifd^c oerftanben l)at, ift gar nid)t bcntbar. SJad) bem Öefagten ift lUefjfutter nicbt 9ial)rungötnittet im nnc bed 9t.St.0.S.«, (Sntroenbung beöfelben alfo nid^t 9Kunb5 IIb. ''^•) Sejüglidb unferer obigen Öegrifföbeftimnmng ift barauf ^in- Deifen, batj iBeftimmung*®^), für bie menfd^licöc Grnäljrung ju nm, Dem 'Jta^rungömittel loefentiid^ ift: bie bloße Eignung ^ierju femeöiuegs binreicbenb. Xtnn eö btirftc wenig Oiegenftänbe )en, öie nicbt unter Umftänben ber (£rnät)rung bienen fönnten, DqB ber begriff ein oöUig unbeftimmter roürbe; bicö ©rgebni« aber loeber de le^^e ferenda ju erftreben, nod) fein 0egeben= II de lege lata genügenb ju erioeifen. äiJer ba^cr j. i^. öaum- ibe in geringer 3)tenge entroenbet, um ii^ wad) erfolgter 3"= reitung 5U fid) ju nehmen, begebt feinen "ötunbraub. '*^^) Za^ ,/Jial)rungömittel" muf; .^genießbar" fein, roie fid) oon bft oerftel;t, baö beiftt nidjt nur beftimmt, fonbern aurf) geeignet, td) ben üJJnnb in ben menfcblid)en Hörper aufgenommen ju TDcn. Ü^afe bied inbeffen möglid) fei ohne oorberigc 3»bcreitung, nid)t erforbcrlid) '^''•*;, baö öcfefe oerlangt eö roeber auöbrüdlic^ •U 74 nennt eine folc^e ^(ue(e(tunct nic^t ohne (^ninb eine „üal^brec^erifc^e* tetpretntion". — "«) cbenfo %&. 2. Cft. K) R II ÜJK"). - »"'j 2(uc^ ba* !)füngemittelc^cfct} 0. 14. 3Jla\ 79 ocnoenbct anerfanntcrmafien (o^l. v ^• ^. 2. v\uli 81 RIII4f>r») ba« äl^ort .^Jittbrungcmittel" in unferem 3inne. ***) ebenfo Julb 74; Cppenb. im ^. IS; :Hüborff 7JHi 1; Clöbauf. i^a; Äab IM) 1); 3cf)roar5c JM5:{; 'Wolfenbüttcl 27. Cft. 71 (3t.Il:U); ^. 2. Cft. K) K 11295. — »«') Ü^icfelbe wirb burd) bie 3(vt unb äi^cife. roie C5i(^cntümer bie Woflenftänbc ücrrocnbct ( 3 aatfart off ein), nicbt auct^cs >ffen: frcilitö (f. baö im 2c jt ;yoIacnbc) ift bie fortbauernbe (^Jenicftbarfeit TJcnbig; an(?ef. ?H.W. 24. ^cbr. so; CUb. l.Jir.a. — >«'*l J^erlei Tfällt ben übriflen« in bcr JHcflcI nur Dorfommon bei uorhanbencm !)totftanb, Ib TS roiU in bem im Icrt ant^cflcbcncn ^aü (obnc genügenbe ^Becjrüns 9)§ 370* anroenben. — »«') ^iiH^t 421); .ö. a)Ici)er «74 3lnm. 7«; (J^eyer 410 Dr. «bolp^ grieblänbcr. nod^ ftidfd^iDeigenb (burd^ bie älbftd^t bed aldbalbigen äkrbrau^ft — auDcrß läge bic ©ad^e, roenn oon fof ortigem SJerbrauc^e Die Siebe iüärc^"% nod^ aud) folgt eö aiiö bem „gefcfegcbcrifd&en SHotit)"; benn in gleid^er 2Beifc ift ber junger SBeranlaffung ber Zi)ai, mag er befriedigt roeröen follen unb tonnen burd) fofortiged 3Ser}cbrcn oDer erft na6) erfolgter ©eniefebarinad&ung Der Speifen. 6ö mag fd^liefeUc^ nod^ bemerlt werben, ba§ „9Ja()rungdmittel'' nid)t allein lebtofe ©egenftänbe find, oielmel^r ^ier^er axii) lebcnDe Siere gefjören."') 2. ,,@enn§nnttel". 3m roeiteften Sinne fann man tjierunter alles t)erftet)en, roaö bem 3)Ientd^en ©enufe bereitet, ha^ (jeifet anf feine Sinne einen TOo^ItljuenDen (Sinöruct ausübt. 3)aö 9l.St.®.33."2) faßt ben öe^ griff aber roefentlidb enger. ^") 3)ieö ge()t befonberö aus Den 2Borten „jum alsbalbigen 3?erbrauCbe" (jerDor. 3Ja öiefe fic^ auc^ auf bie „9iabrungsmittel" bejiefien, bei biefen aber fügüd^ nur Das SJerje^ren bcbeuten fönnen, fo muffen fie ben gleid^en Sinn audj mit SJüdilcbt auf bie ©enupmittet (jaben '^*), benn es wäre ein Un- bing, benfelben älusbrud mit Öejietjung auf ein Sl^ort in biefem, auf ein anberes in jenem Sinne 5u oerfte()en. Sie ,,@enuB^ mittel" muffen alfo oerbraud)-. Das l^eifet oerje^rbar fein. äBir tonnen l)iernad^ ben Segriff ber ©enufemitteP") ba^iii beftimmen, baß er umfaßt alle ©egenftänbe, roeld&e, o^ne l>c^ menfd)lid^en (Jrnäl)rung in bienen, bod& baju beftimmt finb, g^- noffen ju werben, bas ^eipt burd^ ben ""Dlmib in ben Äörper be- ^ufs aJerarbeitung ju gelangen. ^^^) ör. II iU S' 7; Crgfj. 18ir)a; ^af^n 531; 2orcn$ :«4; Julb 169 ^-*' Cppenf). 950 S- 18; ?uc^elt ;361; J. S)Ut)tx 298; SRünc^cn 3. 3uni '*-^ (etil 3H0), 27. 2(ufl. 74 (^t. IV 221); 2)rcSben 1. SKärs 75 («nn. 2. Jolg« 111212); M.&. 24. Jebr. 8<) E. 224,5, 9. 3lpr. 81 E. IV74. 13. 3uni ^ R. IV 424. 21.21. Crtloff 541; aKcocS 322.3 3. 29; St^roarjc 9G::J (t>^^ unter feltfamcr (Jinfc^räntung). — ^''^) :S^ai beibc 2luSbrücfc nic^t gte«*^' bcbcutenD, barübcr fpätcr. — i"») 3l.@. 1. ^uli 84 R. VI 488; Cl^^* 1315a I; Cppen^). 956 3. 18; bagcgcn 3RcocS'32;i 3. 29. — »"*) !Kur««^.*' 1048 3. 14 ^ält ben weiteren ^Jegriff für ben beS 3i.3t.0.«.S. — '•») unb »^'* t)oUem iHec^te, benn jener weitere 35egriff ift ein feftr wenig fc^arfer unb 0*^ 5u 3"'cifeln bei jeber einzelnen 3lnwenbung me^r alS ju vkl 3JeranIaffung. ^ ^''*) vBonft l^ättc bae (^efe^ bie ÖenuBmittel nidjt unmittelbar ben 3laftruna*-' mittein angereiht. — ^'*) Söie auS ber 3"fammenfteUung oon 92a^runge^ u*^^ ÖenuBmittelu eine öef^ränfung ber Unteren auf „Redereien" erftc^tlit^ ]^^^ foU, wie Crtloff 541 meint, ift und unüerftänblic^. — ^••) (Beper 0r. 11^ 2Jcr SWimbraub. 411 iSa^er getiörcn ^renn? unb 93eleud^tuiigöße()enftäube lud^t f)xtu her'"), bciin fic gcroäljreu jroar eine 3Innc^mlicf)Fcit unt) wirfen beim i^crbraud^e TDof)Itt)ucnb auf Den aJicnfcben, werbcu aber nic^t in leinen Äörpcr aufgenommen. %\\ä) SJlumcn gel)ören mä)t Ijkx: W% Denn Daö 9iied)en an it;nen geroäbrt nur einen ©enuft im weiteren Sinne, ^er 4?erbrand) fel;tt; öaö Wleic^e gilt üon ^^ar- füms. '•'•») dagegen gehören unsweifel^aft 2^abaf unb 3*9^^^^» jw öen Wcnufemitteln'''^^ benn l;ier finbet in bev Xf)ai eine 3lufnal;mc poii Stoffen in \>e\\ Äörper ftatt. 3. ,,Don unbebeutenbcm äiNcrtc". ''*') M ber SJemeffung beö ih>erteö oerftebt eö fid) Don felbft ''^^), ^afe nur t^cv gemeine 3\?ert in 23etrad)t fommen fann. Über baö i^orliegeu be6 ,,unbeDeutcnben ÜhJerteö" mirb bcr 3tid)tor in jcbem cinjelnen Jyade nad) billigem (Srmeffen 5u bcfinben I^aben. 4. ,,in geringer 'BJenge." ?aö Wefelj nerbinbet ,,üon unbebeutenbem äderte" unb ,,iu 9oriiu]er a)ienge" burdj „oDer" unb gibt babnrd) ganj unmi§= ^«rfictibar jn erfennen, baf; eineö uon beiben 'JJierfmalen genüge, "eben Dem geringen 2öert alfo nid)t nod) M^j Öegebenfein ber ge^ S' V; TyhId 17-2; >>. mcx)cx «;74b: Cppenfi. JC)!) 3. IS; %{^). {). 3lpr. 81 K. IV74 __ 177, s^i^,^^ 400; .c;». mex)iv 074 5lum. 7(1; CUf). l:nr)a II; -Ppcnf). {»57 3. IS; .Ha6 Um» 1; .s^alin r>;il 10; (>U>i)cr (Sr. II r»4 3. 7, rJeiiidir. f. 3t.^H.^lÖ. II :UX); SJJcücö ;}l>:1 ,i *-^'; Bcljioarse DO;}; 9)iüncf)en, -♦'. 91pr. 70 (3t. V IHS». 17. üHpr. 7,') (31. V 1^7); Cberarib. :{. Mn. 7K ^i^oltDammer XXVI fUi; 3^reebeit S. ^Jiou. 72 O^lnn. 'J?eue ,"yoliie X :^7()); J|-a 8:5 K.IX4()i). — »•^) ^i'ffjt 420; \\ ^Jeijcr «)74 3lnm. 76; ^UIM74: (">JciKr 0)r. II r)4 :\. 7, rfcitfdjr. f. 3t.3{.^ili. II ;{00; Ctet). ^all; 3c^n)arj;e 0();{; Cppciih. 'Xu 3. 18; :)i.(>i. 0. 5?lpr. Sl E. IV 74. "^ ^^} Ortloff 541; JulD 174; 31.31. Cppcnfi. l>r>7 3. IS; ,Hafi 1)9 1; -oren; ;I24: iMejt 420; 3(ön)nru* 9(|:J. — J^") i'i^\U 420; .\>. gjfcDcr «74 ^»im. 70; (!!Jet)er 0)r. II 54 S- 7; Clöft. LU.'.a I; 34n)ar:,e IM«; ^»»penh.057 rf. 18; l^udiclt :101; A.3J^M)cr 2!>:{; .Hab JH) 1; l'orcn5:524; ^eoes :W3 ,^. .SO; a)«mcijcu 7. ^Ipr. 75 {^t Y ls7); :)U^. M. Xr,. 81 ^•V-üiu in:n. Crtloff 511. - »^i) .Hai) 102 2 nuint {mc\c\x einer ^Jtufecs ^Ung bei i^cratnnc^ bc« C^cfetjo?), bei (^änslicbcr 'li*ertlofi(\feit bev^ OJetiienftanbcö ^abe 5tciiprcd)unfl einzutreten. 2er Söeioei-j für biefe ^behauptunt^ ift nic^t cr^ ^*'ö{^t unb bürfte faum su erbrinc^en fein. - "-) I'er t^rof^e :)2act)brucf, mit "^w Jui^ 174 ^en xHusfdjluü bev 3lffeftion^iuerte'& I)evDor()ebt, fomnit ctwaö Post testuin. ^citfc^rift f. b ßcf. Straf ic(^t*ro. XI. 27 412 Dr. Äbolv^ Sricbianbcr. ringen SWcngc crforbert wirb. ^*^^) 2)ic leitete bcftimnit \x(b wit 9i fid)t auf bic 3lbnd)t bcö atsbnlbigcn ä>erbraud)ö. "**) Öeringc 3)Ji ift, iDaö alöbalb üerbraud^t werben fann. Sil 3 unb 4. Sd)n)ieriijteiten für bic 3?cmei)ung beö unbebentenöeu 3S bcäiD. bcr geringen Ü)tenge entfielen bei ÜDMttbüterfdjaft iinD j gefegtem i^erbrcd)en. 3;ft bei Ü)Uttbätern ber ©efamtroert bcjiu. bic ßcfaintnu entfdieibenö, ober finö bic (Jrforberniffe beö ^JJJunDraubö bei je: x^äter gefonbert 5U prüfen? äLMr bürfcn nid)t ücrgcifon, m. fid) bei Ü)?ittljäter)d)aft nid^t um mcl^rcre 2'i)aten, fonDern um e banoclt, bic nur Durd) mebrere 'i}?erfonen, bie fämtiid) als i'li crfd)einen, t)oUfül;rt roirb. (Jben wegen biefer gleid}en i^othcilig l)aftcn oUc 3)Jittl)ätcr, wie ba§ Str.®.?}. § 47 aud) anerfennt, bie gcfamte 2;l)at, baber aui) für bie gcfanitc ßnta^euDung. flii raub liegt aifo nid)t üor, wenn bie ©cfanitmenge ber von ü tl;ätern entwendeten ljocf)wertigcn 9iabrungö- oDcr (äcnufemittcl ..geringe" nid)t meljr bescidinet werben fann, mag aud) Die bem cinselnen 'iDiittbäter entweuDete TOenge unbebeutenb fein. ' 3t.®v ^(^^ unferc 3Infid)t teilt, "*'^; erflärt entfpredjcuD aud) t fortgefegten äSerbredjcn ben Wcfamtwcrt oöer bie Oiefamtmonge auöfdjlaggebenb '^^), u. 6*. mit Unred)t xmX> unter iNcrtennnng 9tatur Deö fortgefchten iNcrbred^enö. Xa^ fortgefeftte inTbrci ift feine natürlid)e .öanDlungscinbeit, fouDern eine 3Jicl)rl)eit na lid)er ^auMungöeinljciten, Die (auö bier nidn näljcr ju un fud)cnt)en öirünöen) 5U einer fünftlid)en juriftifd)en Crinlieit fanunengefafet finb. 3Iid)t ein ^JÖtunöraub liegt alfo eigentlid) i fouDern eine Sleiljc von 'iDJunbrauböfällen, öic aber wegen (>)leid)artigfcit ber Sd)ulb ufw. 5ur Crinbeit jufammengcbal werDen. 3iur bei t)m einjelnen (rrfdieinungöformen Dcö fortgefot i^erbred)en^ fann eö fid) Demgemäß fragen, ob fie ^OJunDraiib fi benn nur, wenn fie alle eö finb, unb Die betonte Öleidiartigfcit »-*•') ClGh. 1H1(>]); Cppcnb. i»57 S- -^^1 ^i^udiclt oiil; Mab li>- .vafin :y.i'2 11); 9)tcüeö :;*i4 ^. :J:V, achiuarjo 'JOl. — ^^h .«oiilfdincr :.aO; Cppcnb. l>:.7 S- 20; ectiiüarjc \m. — >"•') :)US. lu. Wän ^:: KV 4i<)7, 1:J. ,^^uni si 1{. VI 4l»ü; cbcin'o Cppcnb. l>:.7 ;-j. iH); .v. Wiener 9lnm. 77; CU^fi. l.Ji:)!.. - - »^'j :)MV). :>«). 2(ur. 88 K. XVI l vUJ; ot £lvb. l'Möh. :){icl)ti3 ^c^toarsc IMU. 3)cc SWunbraub. 413 Sejiig auf Sd)ulb, ÄörperbciDCi^img unb ©rfolg vorliegt, tami von einer ^uiainmcnfajfung Die SWcbe fein; ift jene aber möglid), t>amx faim Daö i^orl^aubcnfciii bed ^Shmöraubs eben länger nicf)t in /frage freien. II. 2)ttä GJcfet fagt nid)t anöDrüdftid), bafj Die 9Jaf)rungö= oDer Öeiuif^)jnittel fremD fein, b. l). in eineö brüten ßigentnm ne()en muffen, allein bicö liegt in bem Sorte „entrocnben". 9)Jeinc eigene 2ad)e fann irf) fo wenig ,,entiüenben", wie eine lierrenlofc. An einem fortgciporfenen ^ifl^i^^^cnftununel ift bcmgemäB aJinnbrnnb nidjt möglid); cbenfo nid)t an nnfcren eigenen 3tabrnng3= oDor Öemiftmitteln, mobl an Dem iDecUen Steile De« 'JJtitetgentnnierö. III. aiwx 3ai)cn Der angegebenen 9Irt, alfo fremDe 'Jtaljrungö^ o^er Wcnußmittel tjon unbeDentenDein Söertc ober in geringer aJJengc, lönneu Wegenftanb Deö 9)hinbranb3 fein; bei CSntiuenDung anberer 3ad)cu ift § 870'* an§gefd)loffen. ^w Den nid)t feltonen JydUen, mo jene Öegenftänbe in i^eljältniffen, UmbüUnngen nfio. entroenDet uwcii. Da eine GntioenDung fonft überl;anpt anögefdiloffen ift, ^jxim Deute an ßJetränfe,) ift jroeievlei möglid): 1. Der 2l)äter roill bie ^iabrnngs^ ufm. 9)Jittel famt jenen Seflältuiffen cntioenben, D. l;. erfterc alöbalD i)erbrand)en, le^tere fiti) auDerroeitig aneignen. 3" Diefem Jyalle liegt 3^^'^lfonfurrenj .^njifdien Siebftabl unD ^J){nnDraub uor. 2 Xeo Sbäterö ülbfid)t ift nur auf Den alöbalbigen i?erbraud) ^«r :)tQl)rungQ= nfiu. ÜDIittel gerid)tet. Der 'i3ebältniffe ufm. bebient fr fid) mir jum 3ortfd)affen, Duo fonft nnmöglid); an iMneignung ö»?nft er nid)t, roill loo möglid) Daö 23el)ältniö nfio., foiuic eö feinen ^roccf erfüllt bat, jurüdbringcn. i^ier ift nur ein 3)tunbraub be- gangen'"^) (mag and) büö 33ol)ältniö Ijodjioertig fein). Da Die We= ''^audjöanmatiung (IciDer) ftraftoö ift. IV. 3^"" 3d)luffe ift Der (Sinfluft beö ^^^^^""»ö über ein "äKertnial De$ :öhinDraubö su erörtern. 1. §ält ber Jljäter eine £ad)o für ein 'Jtabrungö- ober Wenufj- mittel, ebne Dafe fie eö ift, fo tanw er gemäfj § •')!) 3lbf. 1 rH.otr.W.iiö J^cgcu Ü)iunDraubö nid)t bcftraft merDen. i>erbraud)t er Die (>3egen= Um in jener irrigen i^orftelluiuj, fo ift er megen I^iebftablö ober ^l^uerid)lagung 5U ftrafen ^^^), tljut er eö nad) 3tufflärung feines '*'i öcper r>Jr. II :A ,S. 7; :K.^;. ± 3opt. 81 \l 111 Ö17.S; rKüborff '^l;Cppcnfi. 957 3.1s. - I-) :>i.(5i. 4. iTcj. sti E. III 1057. •27* 414 I>r. SlDolpt) SricbränDer. ^rrtinnö "''•'), wegen Uuter)d;la9Uiig, ba ber ajfuubraub bann bl tjcrfud)!, alfo ftrafloö ift'*-^); gibt er, nad)bcni er cntbcrft \)at, fi JJttljvungös iifiü. 'Jüiittel üor fid) ju Ijaben, feinen ä?ürial3 auf, bleibt er anö beni oben angefüljrten ©rnnbe ftrafloö. '•") 2. XaQ (>>leid)e gilt bei Dem ^^^rtnni über bie Wcringfügigt Deö äiNcrte^ ober Der a)ienge. 3. .^ült Der 2:i)ätcr bie 3acbc nid)t für fremb, fo ciiifä bie 9Jiöglid)feit ber 33cftrafnng wegen 3JJnnbraubö m\^ wegen Zu ftablö ober Unterfd^Iagnng auf Wrnnb oon 5H.3tr.ö.S. § 51) 3lbf. § 7. 2^ie ^anbhing. 2)aö Öefet^ bejeid)net bie .'oanbhing mit ,,entwenben", e 3i>ort, über beffen S3ebentung nur \\m bereite gcäunert habe (S'ö fann nur nod; barauf anfoniuien, ben S^itpunft ber "iNoUeiiDin feftjuftellen, waö non um fo gröf?erer Jkbeutnng ift, alo iifl Str.wa. § 43 3lbf. 1 ber iserfud) einer Übertretung ftraflos i 9luö Dem Wefel\ felbft ift nur fo inet unmittelbar ju entnebmei brtß ber aJIunbraub nid)t erft mit bein iserbraud^e voUeuDct ij benn gerabe burd) bie 3i>orte ,,5um alöbalbigen iNerbraudie" Mit ^aö üiefefe an, \>a\i für t>cn 3}iunbraub inirliegen Der xHbilcbt a nüge, 3luöfül)rung berfelben nid)t erfovDerlid) fei. ''-) .Öicn?on muß eine iHuönabme nur gelten für be» ^all, r 3Jiunbranb burd) Unterfd)lagung begaugen wirb''*'-'): t>c\m wie öic erft mit erfolgter 3lnoiguung baö Webiet ber iserfud)ölianblun9i überfd)reitet, taun aud) ber 'JJJunbraub an einer im ^öefitu* D' Ibäterö befinblid^en 3ad)e erft noUenbet fein mit ber ütneigiuiu b. l). hier mit bem i>erbraud)e. ]^\\ ben weitaus bäufigereu ^valli bagegen, wo ber aJtunbräuber biolier nid)t Öewabrfamöinbaber c weien, muffen über ben lUugenblid ber i>olIenbung bie für D« 3)icbftal)l gclteuDen Oirunbfate jur xHnwenbung fommen, Demi allen biefen fällen liegt ein „ii>egntM)men" i. 3. Deö :H.3tr.0).i' oor. Unter Den Drei Mnad) in 31etrad)t fonnucnben Jbeoriceii '■*■') ober eignet er fid) bie 3acf)e anbenueit an. — *'•''•) :H.S. 4. iTe;. "^^ 111 107 glaubt irrigenueife, .Vlouturreus 3H)iicl)eu „Crübicbftahr nnx> Xw^w annelimen 5U muffen. ^Kic^tig Öei)er ( ^citfdn*.) .{07. — ^'•*') :Küborf? 71>J »''^; Cppenl). !>:»? 3. 1»; .HaIilOL>4; ilieüeij :ü:5 S- 'H; CUh. l»!»' ^hiborff 71M); ^Jorcnj :i21; 3c^n)ar5c 90-1; 3)iünd)en 8. ouni 7."» (3t. .>^)); Treiben 1. 3}lixxi 7o c^lnn. -J. Jolge IIl 212). — »■'^) :^er ungona ^er 3Runt)Tiuib. 415 u. £ bic 3lpprcl)cnnouötl;eoric bic bcs gcitcnben Stedjtö ''*^*) imb bcr * Shiiibraiib banad) DoUenbet mit erlangtem Öeuialjrfam. § 8. Sd)ulb unb 3lbfid)t. Ja ba§ ÖefeO über bie Scöulbfeite fid) nid)t oerbreitet, ift beu a%meineu (^irinibfäjeu bcd :Weic^Gr<;d)td jufolge ansunetimeii, baß bas i)I.Str.05.ä3. mir beii Dorfät}lid)en 3)iinibraiib mit Strafe be- brolit.'^"^) Jalirläffiger a}hniDraub ift natürlid) benfbar, aber mit :He(l)t ftrafloö gelaffeii, M and) Der fabrläffige 2^iebftal;l dou Strafe i»erid)out ift. lieben Dem i^iorfaft ift Seirmfetfein Der 9ted)ton)iDri9feit nidit erfomrlid), mie bereits Ijeroorcieljoben, moljt aber bie 'ilbfidit beö aUbülDii^en ä>erbranc^ö. öierbei ift ^^alöbalbig" mit „fofort" ober „anf ber Stelle" fcii!C5iiu\i6 jn uermedjfeln^''^'); jeneö (SrforDerniö befaßt oielmebr mir, ban bie (Sntmenbung gcfdjeben fein muf? j^nr S^efriebigung Wj aiigenblirflid)eu i^ebürfniffeö, 3ur Stillung Don .junger ober Jurft. '■••) Surd) ta^ i>erbringen Der 9Jal)rungö= nfm. 9)Jittel in tineii niibern 2^eil bed Piebänbeö, ano bem entmenbet mürbe, ober äSeiiidiaffung oom Crt ber (^nlmenbung wirb bie 3tbfid)t beö alö= M^{9Cll iNerbroud)§ fo wenig '•'**) anegcjd)loffen, mie burd) bie "ihu nJeuMgteit oorgtingiger 3"t^^i'<^if""g ^^^^ bem Wennf? '•'■•) : benn in ''«ifcu ^vollen ift eö febr mol)l möglid;, Dafe nur bie Xüüftembeit Den J"Mter jur 21jat getrieben, menngleid) aud) fein ^id nur auf Um- ^^i^w 5u erreid;en mar. 3)agegen entfällt allerbingö bie Slbfidit öfö Qlsbalbigen i>erbraud)ö, menn ber Xl)äter eine anbre Slrt ^^r Aneignung alö SSerbraud;, namentlid) 3lnfannuhing eineö 'iNor= rat5, ^lserfd)enfen oDcr i^erfaufen beabfid)tigte '-""); l)ier moUte ber ^^bnitf tcr Mürje finlber. — ^•'*) Ter !)iad)iuciö hierfür lic^t aujjerbalb unfcrer *%be. — i^-') jJIan tann öicfe ^^cfcf)ränr«n(^ aud) fd)on in bom äl^ortc „cnU ™fnWn" finbeii. — »•»«) .öälfd)ncr II 1 .HO; Juli) 175; Clssh. I:5l0r; -PPcnf). J»r»7 3. IS»; :){.(>3. 2:.. iiivv. Nl E. X :U1. - '•'■) auID ITf); Clöfi. l:Ui;r; Cppenl). ÜöT S- !'•'; •'oalin '>.J2 1*J: ÜJiündicu i>7. xHu«. 74 (3t. IV -^h] 3l.@. 2:.. ^Äpril ?a K X.;J11. - ^^•;) CK^h. l.lHJc; Cppcnli. iifw ,S. !'•»; ÄttUi)-2 4j; üJiünd)en 27. :npr. 74 (3t. IV 7s). <|i. % Crtloff C41. — "^^ ^. oben ?(nm. KIO. ''')iri«5t 420: :bälfd)ner III :U0; Cppeub. 057 3. 11)- a)ici)e^5 :L>:l ^•^U CUh. l.'Ur.c; 3iüborff 7l)n; ^^roebcn 1. idDicirj 75 (xHnn. 2. SoIgcIII ijP»; a)lünd)en :J. Oiuni 7:J (Zt. II :^0), 27. iKur. 74 (3t. IV 7b); 9(0). '■^^- %. 84 E. X :ni, l:;. Juni S4 K. VI 425, 15. Cft. 85 U. VII i^i. — 416 I>r. 9lDo(p^ S^ieblänbcr. SBcrbred)er in ber 2f)at nidbt eine augenblirf lic^c 9Jot roeubeii, m einem vlößlidicn finnlid)eu einreise nachgeben, fonbcrn fei e« fl bie 3"f"^Ut fparen, fei eö anf Äoftcn eincö anbern fid; nnö n Ieid}t nod) einen britten bereid)ern. J)a6 anö gleidjen @rün^l üon a)hinbranb and) feine 9iebe fein fönne, roenn ber 2^1}äter m t)ornl)erein bie öftere SiJieberbolnng in -ünsfid)! genommen, ift im rid)tig *■**'): Der 3)hinbranb ift )el)x rt)o\)l in ber g^orm Deö foi gefegten 3Serbred)cnQ benfbar. ^it nnr für jebeö ein.^elne )ßla[ ^ aUbalbige ÜScrbrand) nnb nid)t bie 3lnfben)al)rnng beabfiditii fo ift bem üom ©cfefee anfgefteUtcn CSrforberniffe genügt. ^'aö 'Jiatürlid)e nnb nud) Stegelmäfeigc ift, öafe öer ^i>crbraii für ben iJ'bäter felbft beabfid)tigt mar; es l)iefte inbeö Die Wreii jn eng äiel;en, moUte man nnr Diefe Jälle l)ierl;er sieben-"-) m alle jene anöfdjliefeen, in Denen äJcrbrand) Dnrd) einen Dritten l ixoedt mnrbe. Xcx gefd)id;tlid)en (Sntroidinng ift Diefe CSufirerfui Jeineömegö fremD, wie oben gejcigt mnrDe: ^at iid) Dod) Der i famte 9JJnnbranböbegriff anö bem (ftraflofen) J-üttern Des niüD ^4>ferbeö bnrd; Den S^eiter mit fremDem Sloxn cntmicfelt. Sind) a bem Örnnbc ber gefegtid^en ütno^eidinnng folgt eine iöeidmiiifii in oben angegebener :Urt bnrd)anä nid)t. 2^er C5'ntid)ulDiöiim grnnb ift in gleid)er äiSeife norbanben, mag eö fidi nm mm eigene 3iot oDer ^nftcmbeit ober Die eincö btitten banDcln.'-"-^) Z ä>erbrand) fann fonad) and) für alle anDcrn beabfid)tiut fein, oli bafe nnter Denfelben eine 3d)eibnng eintreten Dürfte.*-"*) Sie i^ollenDnng Deö 5DinnDranbö erforDert, mie bereits boiiier an^er mcnn Die Sad)c fid) fd)on im ikfi^e Deö Jbäterö bcfai nid)t ben t()atfäd)lid) eingetretenen iserbrand). i%reiflid)crroc mirD aber ber Slbfid)t in Der Siegel and) ibre Ühiöfübrnng foKv nnb eö fragt fid), ob Diefelbe nod) befonDerö ,yi ftrafen ijt. .^ier ift sn nnterfdjeiDen: 1. il^er ^luiter bat lebiglid) Den eigenen ä.^erbrand) beabfiditi '•^'") Xcr unnd)tuu»u ^](nfid)t Cppcnf). a')7 S ^. »21; (.^cDcr 6v II ')4 S« ^iidjtii^ Maf) 104 ö; .ySaftn r>;{-J 11); ^tutiiiart ;?. %ml 72 (Mali ;^')7 i»:. -"-) wie bico .'oälfdiner II 1 :iln :?lnm. :J unb CpptMil). l.):)7 „S. 19 lliun -"M cbenfo :>i.(>i. LMi. ^cbr. SO K. XIII .iul. 3^er cbiöni :?(ufi(lu audi .ö. 3lii G74 xUmn. 7s ; (>U*i)or C^r. II r4 S- "i"; 'i^Jfücs :J24 ,S. :i2; CI-Jl). L"! iroron.^ :I24; iliüborff 7JiO; :;)iubo 1047; adnuarjc iHVX — -"*) Cppe bojicht \)'u S- !•* i>c" „'i^crbraiid)' „nur auf bcu ciiUMiou 'i?crbrauc^ (bcc' Ibdi ober bcö ^Inftiftcr^ ober be§ i'^auvgefinbce, iocId}em fic anachören)". 2)cr SRunbrauD. 417 T^v fpatcr erfolgte SScrbrauc^ biird) beit 9)Iunbräubcr fclbft bleibt bann ftraflod^ beim eö ift ald )!äi\it bed (Sefe^gcberd auju- nehmen, t>afi bic oerbrcd^erifc^e öaiibliing, roeldbc alö a)tittet ^ur Serbecfimg einer anbcrn gebieut i)at, mit biefcr, um mit Siöjt^*^^) ju reuen, ju einer ßinljeit sufannnenjiifaffcn ift, lüenn jie ju ben (leiejliAen 3)JcrfmaIen Der leiteten gehört ober aU baö bem ge^ roö^iilicficu ^pcrgange eutfpred)cnbe SDJittet ftillfd)n)eigcnb oon bem Öeicßgcber üorausgefe^t loirb.^'"'*) ^VDe anbre 3lrt ber ätiieignung ber Sad)e aU biird^ UScx^ braudi, ,v 33. bnrdj SJcrfd)enten^" '), fteUt bagogcu ein neueö 3)elift uiiD 5iDar Das Der Unterfc^lagung Dar. ,^sii gleicher äöcife liegt bei Dem nidit beabnd)tigten, aber ge-- ftatteten 3)titgenu6 burd) britte bejüglid; bc§ burd; Diefe iNcr^ oCbrteii Unterjd)lagung Dor.-"*) 2. Tcv Xtiätex l;atte and; hi^n frcmben äJcrbraud) im 31uge. ^^lad) Dem Öefagten ift Die illuöfübrnng ber 3(bfid)t ftrafloö, jebeö «Höre ;ri;un ftrafbar. § 9. 3lntragQbercd)tigter. I^ie i>erfolgnng Des WunDranbö tritt nad) § 370 3tbf. 2 nur m Jliitrng ein.'-^'-') Ta M^ (i)efe|j einen befonDeren 3tntrag^3= berodjtigten nid;t nennt, muffen Die allgemeinen (i)rnnDfä|je ent^ toen, unD eö gilt fomit, gemäfj S ^J«) 3lbf. 1 Str.W.iJ.ö, ju er- "ütteln, njer ber ,/i>erlel5ie" ift. Älann eö bei Dem Siebftabl o^oijelbaft fein, unD eö ift in ber l:i)at feljr beftritten, ob aU „uer- li^ft" Der Eigentümer oDer ber G5ewabriamöinhabcr ju betrad)ten *'l fo ift roenigftenö bei unferer 3(uffaffnng Deö Üi^orteö ,,entii)enDen" ^i» 3n)cifel fanm möglid) über Die 'j^crj'on Deö beim 3JfunDraub Ärletjten". I^ieö fann niiinlid; nur ber CSigentümer fein. Denn fee CO ber iöcfitjer, fo luüroe ein „"iNcrle^ter" überl)au;it fehlen in <^lliMi gäüen, n)o Der 5J?unDräuber nd) bereits im ^üefijje Der 2üd)en Manö; Daß Dieö Ci'rgebniö luiDerfinnig ift, braudit md)t bemcrtt .^i ^^^^eu. 3)a fomit nur Daö CS'igentum Daö 3{ed)tögut fein fann, 9f9 rid;tet, ift Der (i*igcutümer alö 2'rvigcr ■''.) c. 2'jr). — ■i^'fi; 3uft. Oo.^üglie^ eincv .'oauptfallö ('Äncignuiii^ t)er bure^ ^ctru(^ "langten Sarfie) %i^. 2(3. i?lpr. S7 E. XV l-iti D. - ■"■) %. %. CppcnlJ. ^^^ 3- IJ»; 3 c^ war sc im 4 ülnm. 1. '*') %. %. fiiest 42(); .\SäIfd}nor 11 1 :;iO r. 9(boIp^ Si^i^^Iänbcr. bc«felbcn ber ,,3JerIc6tc" i. ®. beö GJcfefecd unb baf|cr antragt bered^tigt; ber (Seroa^rfamdin^aber ift ed ind)t^ mag er aud) ein nodE) fo roeitgeljenbed ^»^tereffe an beni betreffeiibeu föegcnftnube l^aben, mag er aiid^ etioa für beii 2}erliift beöfelbeu tiaftcn, benn er ift iüd)t im ftafredbtlid^en Sinne „üerle^t".-'^') 8t.GV:B. a. a. C. - ^lo) 3^ügcgcn Cppcnf). 958 3. 27; 3l.@. 11. 5Joö. sO K VIII 703;4: (G^ muffe) aufecr unb neben bem Eigentümer .... unter Um: ftänben (unter meieren fagt %&. m6)t) auä) bem ÖewaÖrfameinhabcr ba§ 3trafantragörecöt jugeftanDcn luerben. infolge beffen fpricöt ba§ :H.(ii. auf ®runb ber Slnfic^t, bafe ber 3Kunbraub ein ^iebftabl fei — bei bem leereren erachtet %&, Gijientümer unb ^"^öber für „oerle^t" — ber CJifenbabnbctriclJi?' bebörbe baö ^ntragerec^t ju, luenn i\n 3ac^cn, welcbc ber vrifenbabn ;um Xran^port übergeben finb, unb bic fi(^ noc^ im Öemabrfam ber '^eförDeruna?: anftalt befinbcn, ein SRunbraub Derübt wirb. 9(uc^ CUb- 1318 7 hält fowoM ben Eigentümer ald ben 3Jefi^er für antragöberedjtigt. ö. 3)1 e i) c r GT.'j nimmt, wie e§ fc^eint, SIM, ju. 3J^ie ber 2:ert wo^I aud^ :öinbing .vb(b. 1 «19 fq. 9e« >l)rc*} 1S8^'89 ift bae (^Jcfeö üom '>. 3(pril 1SS8, betrcffenb ^nU cl)äDi(\iin(t für unfdjulbin erlittene Unterfucf)un(^eliaft ober 3trafc foroic bie - mri(t)tun(^ bcr .Hoftcn in öffentlidien 3traffarf)en in (^eioiffen ,yäUen. Zw .oauptbeftimmunflcn bicfe« (^cfefte« lauten foIc\crtberniaften: S 1. ^icr bcr tlnterfucf)un(\eliaft unterworfen flciuefen ift unb banac^ ^nU i>cbcr freiiiefprocf)en, ober, ohne bafj bie 3ad)e bid juin Urteile oerfolgt üirb, freit^claffcn loirb. hat 'Xe(f)t au^ cim uom 0erid)te feftjufteUenbe i&nU djäbtc^unc^ wegen ber burd) bie Jreilieitoberaubung guf^efüjUen l'eibcn, bc^ 'idd)teil*j un'b 3[U'rmi3cjenöoer(uft«, loenn ben anc^eftellten (frhebunc^en M«forge Liiflcnommen werben mufe, bafc er beö 'i^erbred)ene, ba* bie "öcrbaftung »crurfadit hat, unfrfiulbifl ift. Crntfpredienbc Crntfd)äbi(^un<^ fömmt bemjenigen 3U. weld)er ber Unter« udjunc^öhaft roetjen einer . II, ."oeft ;J, überioiefen. — 420 Sntemattonale ^^roiüf. § 2. Xa^ gebac^te ^ntfc^äbigunctdrec^t ratrb ^infäUig, loenn ber ^ fc^ulb^te felbft turc^ fein S3erI)aUen bie ipaft ueran^agt f)at. j^bo^ ^ ba§ (Bericht bie ^efuqm^, eine t)erf}ä(tniemä^i() Heinere (Snifc^öbigunc; ;uju' crfcnncn, mtnn ba^ erroiefcnc unric^tit^e iierf)alten als burc§ 5"*^^^' ^^' roirrung ober entfd)utb6arcn ^^rtum oeranlafet angefeßcn werben mufe. § 5. SiJcnn eine "^Jerfon üenirteilt morben ift unb bie 3trafe o^"i einen 2eil berfelben oerbüfit i)at, unb banac^ in gehöriger 3i'eife entfd^iebe-i wirb, bafi bie Strafe oon i^r nic^t verfc^ulbet roar, ^at fte 9iecbt auf ^i fc^äbigung au<$ ber Staatefaffe toegen ber jugefügten i^eioen, bee 3{ai teils unb 9?crmögen'?ücrluftd. — ___ _ ___ — — § (). 3^a6 JHec^t auf Gntfc^äbigung wegen bcS Sermögen'^ocrluftö föm nac^ bem itobe beö iöcfc^ulbigten feinem G^egatten unb Seibe^erben ju. S 7 3)ie burd^ bicfcö (iJcfetj beftimmte Gntfc^äbigung wirb au« b Staatöfaffe entrichtet. 2)icfelbe Ijat Siegrefe an ben Siic^tcr, infofern bief babei bc^ SCmtemiBbrauc^«, ber 5a()rläffigfcit ober fonft eine« unDerantroo liefen 33crbalten«^ fd)ulbig ift. § 8. Sb^cnn ber öcfcbulbigte freigefproc^en wirb ober bie Sadjc fo beenbct wirb, obne jur ^Verurteilung gcfüljrt gu ftaben, werben bie .^ott ber öffentlid^cn Straffad^en oon ber Staat^faffe getragen, infofern fie ni im ganzen ober jum Xeile burc^ jured)enbare$ rcdjtäwibrtge« iBer^alt be§ Öcfc^ulbigten uerurfac^t worbcn finb. Qin üorläufigee GJcfct; tjom 19. 3""^ 1^^ ft«t bae oorläufic Gefe^ üom 2. 'jioueniber IKST), bctreffcnb einen 3"f«^ S""^ aUgomeinr bürgerlichen Strafgefe^-^j, wieberaufgc^oben. ctrafrcdjtlid^e unb ftrafpro^cffualifdje :Üeftimmungen finben fic^ in eine 3ieibe üon (^^cfc^jen unb 'äefanntmadjungen, bie in ben gebadjten Jalirt erlaffen worDen finb unb fic^ meiftene auf fpegielle Seiten be^ JRec^t'jIcbe besiegen. S'iefe jum 2:cil fel}r umfangreictjen (rrlaffe fönnen in folgen' MIaffen gruppiert werben. 1. -Jwternationafe Jöe^ie^ungen. a) Wefe^ t)om 2;J. 9Kärj 18? rr*. unb 9lnorbnung uom 3. 9)iai ISKS, betreffenb Xag-- unb :i)iacf)tfignale bänifd» 6cf)iffe in ocenot fowie betr. 3)JaöregeIn im 5^Ue be^ .3"^-^'"'"C"'"*oB^^^^^ ron Scbiffen. h) öefe^ rom 23. SOiorj 18HS, betreffenb «erbot ber «erbanblu fpirituöfer (^ietränfe an 5ifrf)cr in ber 92orbfce aufeerbalb bee (Bcettr torium^, ügL bie ilonuentiöu gu §aag vom 16. iJloüembcr 1887. »?) 53ef an ntmacf)ung oom 20. 3lprit 1888, betreffenb bie internation -«n/f Äonuention wegen beo Sc^u^e^ ber unterfeeifc^en 2:elegrapl)fabel (K »^^n- vcntion gu ^Uirid üom 1. J^ejember 18H() unb für ^eutfc^Ianb c* -öot i>3. SOJärg 1SS7). (l) *i)lnorbnung pom 2. 3""i l^f^^, woburcf) bie im bänifc^en 0e"^<$f Dom 2. ^^"li l'*^'^'^ enthaltenen Sieftimmungen, betreffenb bie (rrlangunci ^^ im gobaditon ^cfc^c gewährten 3d)utje« üon Jl^arenmarfen auf o«' "^'"^ ^lux^länDcr, bie in Cfterreicf):Ungarn für ben allgemeinen ^Wrfel)r beftiitiinto ÜL^iaren probugieren ober uer^anbcln, anwenbbar gemacht werben. 0 Z VI 721. r Sntcmatiouale (Ef)roiüf. 421 e) @efe^ für 3elanb oom 19. ^nni 1888, bctrcffcnb bic von (iJefeUs fj^ftfn betriebene JUcberei von .^'»eringcn auf bem 3ectcrritortum. f) Öefe^ für o^Ia'i^ i'o^n 9. ^'csembcr 1^<89, betreffenb aWaferegeln, um jufainmenftöfte auf bem Vlcert ^u vermeiben. ± (3eTDerbIi(^e $erbältntffc. a) Scrorbnunc) für bie n)cftmbtf(^:n 3«fcln St. 2boma§ unb 3t. ^an vom 12. ^^nuar 1H88, betreffenb 5«Ib= unb iiJei^friebe. l) (>Jef etj für ^ySUm^ uom 10. Jv-bruar 18s8, betreffenb bic ^lu^fc^enfuncj unb ^^erhanblunj^ von fpirituöfcn C^etränfen. ^) (Ücfe^ oom 1. aKiirj l'^ss, betreffenb bic ^Jerrängerung beö tnter- i«iiftif(bcn oagböefe^eö uom 17. ^pril l^Sf). *\) tiefet* pom 5. ^Äpril IH'^H, betreffenb bie Jabrifation unb SSer* ^••irtt^Iung üon Siargarine, pgl. 5öefanntmad)iing oom 12, i?(pril b. o., Ser^ ^^t>Tiung üom 2<). 3(pril b. 5- ^»"b iBefanntmac^ung uom 17. 9)lai b. J.**). <•! Wefe^ Dom T). S(pril 18S8. betreffenb bie Stempelung von golbenen o^oi fiibernen ^Irbeiten. t'i (iJefefe oom o. :Mpril 1S8><, betreffenb bie ^yifc^erei in 3^iinemarf*) i;) (>Jcfe^ für ,">*Iflnb oom 19. 3w"i lSi<% betreffenb bie iWootfifd^erct ^'"^ Den JÖbrben. li) (^efeV oom 1. 9)iär5 1H89, betreffenb .NSanbcIsregiftcr, Jirmen unb **-^ "^ ofura. i. C^Jefetj oom ;»0. 2)iär5 IKSJ», betreffenb ba'§ üBerbältnt^ ber X^cbrlinge. k) (3efe^ oom 1'2. 3lpril lss9, betreffenb einen .rfufa^j sum :)ia(^brutfos li 6efetj für o'Jln'i^ wom 9. ^(uguft 1.SH9, betreffenb 3lterbot gegen '^t|(t)erei mittel* i^obenfdUeopenscefe. m) OiefetJ für Os"^^anb oom 9. ^.?(uguft 1>WJ». betreffenb ^U'rbot gegen bic ^^«(f)iil}mung oon a)iün5en unb C^Jelbsetteln. in (^JefetJ ^om 9. rejember 1> (rntfcf}äl»igung loegen ber T)on Jaunbcn oerurfacbten Sd)äben. e» 6efe^ oom 12. 3lpril 1>^J>, betreffenb 'iDJanregeln jur "i^orbeugung i3on UnglüctC'fälien bei l»em (Mebraud)e oon 'JDiafd)inen. 0 <>Jefe^ oom 12. xHprit 1N*^9, betreffenD ta«? t^autuefen in .Hopenfmgen. •r) "i^erorbnung für bie iüeftinbifd)e o"?*-'! ^t. iSroij, betreffenb "Jlu: inel^ung oon Xobe^^fällen. 'i Z VI 270. *) Z VI 27t)— 71. 422 ^"tcf^wtionarc GI)toni!. 4. 5i«!alifd)c «crfiältuiffe. a) ©cfetj für oelanb »om 0. «uouft 1889, belreffciib Ginfuörabgabcn oon üaffee unb jjwtf^'f- 5. 5trafpro5CÜ. a) 6cfctj üom ö. 9(prü 1888, betreffenb bie Ans ftcüun(t eine* 3 traf riestere in bem ber .^auptfiabt nafjetiegenben i*e;irfe 5reberiföberg. b) (jJcfe^j üom 20. 9(pril 18S8, betreffenb ^croütung an beugen in Öffentlichen 3a(ben. (3)iitC![cteilt Don §errn ^Uofeffor öoo^ in .Hopcnhaöeit.) (England. I (1S<^H). ^ad ,^sabr 1888 wirb in ber en(\Iii(t)en 3iec^t«pf[egc üor allen anMcn jähren burdj bie (Sinjelmnj^ ber ^^arneUs.*tommiffion merfiuürbic^ fein. 2\i Crröffnunfl in ber 3:ime^ von ben :Xrtife(n 'rarnollisni and Crime*, bie ee ntb Aur Jlufö^be madjten, bie ^Inebrücfte unb ^^Tbredjcn in o^l^^^b mit Nn .'öäuptcrn ber Home Knie Ajjitation 511 uerbinben, fulniinierte in Kr i^ublitation üon böd)ft fompromittierenben 'ikiefen, bie 3)Jr. '^sarnell sm- jdjrieben würben. T'uic '^^riefe Mh^n ficb feitbcm als uneAt eriüi.w n)aMd)i'gon i^iv leumbung an5uftrengen, ba er behauptete, in (jnglanb üor einer y\urri feine (Sered)tigfcit finben ju fönnen: er fprad) bie woffnung am, baf> b;i*3 ijar^ lament felbft bie S^^agc alö eine uon .,rrivilo;'e** unterfuchen luiiibe. ent^ lid) ftr engte «v u g h CJ* o n n e U , einer von '^^ a r n cl lö 5(nhängern, einen iUcji^ gegen bie Jimeö wegen ^erleumbung an. Ter ^all fam im ,\uni bv> t)or iforb (Solerit^ge unb einer ^pejial^ourt) 5ur Ifntfc^eibung, C'^on' nclö Hiage würbe abgewiefen, nad)bem fie bem Attonicy CTcneral. ber ni: bie limeo pläbierte, (üielegenheit gegeben Uattc, febe .Hlage, bie bie limcj gegen ^^ am eil unb feine 'Jlnhänger je erhoben hatte, uoc^ümI»> an ti«? Cffentlid)feit 3U bringen, ^'a UeB fic^ benn baö 3)?inifterium fAlieülitf» K'^ wegen, um ber 3ad)e dn (?nbc ju mad)en, eine Mommiffiou einjufe^en, um bie .Silagen, bie gegen bie irifdie "l>artei gerid)tet würben, ;u unterfudjon. unt fo erhielt am VI 'Jluguft 1KS8 bacs 3tatut T)! u. b'2 Vic. c. :{5 bie fönialicüe Genehmigung unter bem Jitel Au Act to Constitnte a Special Commis-si"" to inciiiin- into tlic cliargts and aliepiti<>ns madc apfainsr «vrt.iin uinnbers «>f Tarliamcfut and othur jicrsons by the JJct\udrut< in th- rf'ciut trial uf au artiun tjntith'd O'Uounell v, Waltor an«l anotli '• ^rei :Hid}ter, 3ir ^'samc'j .vennen, ber i^räfibent bes Pn-bate iHvttia* aud Adniiralty Division. 3ir ^\oi]n Clbarle^ Tai) unb 3ir 3lrd)ibaU ir. Bmith, würben ale bie Commissitiuers ernannt. 3ie begannen il'rc cilumgeu im Cf tober unb haben bie gan;e irifdie ^rage wieber untcrni*t. (Tv ift üu erwarten, bafe ber 'i^erid)t $u (rnbe be'j ,^ahreö üeröffentlicbt loir^ Unter ben i^u fianbe gefommenen (^Jefe^en finb ju erwähnen: •M u. .Vi Vic. f. 41. Au Act to amend tlit» Laws rclatiui^' to Local Goveruraeut in Knirlaud and Wales aud for otht?r Sntcniationnk (Shronif. 423 irposes connected tlierewith, 3)ir. 91itd)ie, ber "Sräfibent bce jcal CiDvcniinent IJcmrds. M tuxd) bie (£infüf)run(^ biofed (?5cfe^ciJ fein echt, eine SDiinifterficUc ju befleibcn, ctlänjenb bewicfen. Tci^ Statut .blt V2i\ tiara(trapl)en unb bilbct einen uollftänbic^en (5obe für bie %r>mi' ifiration ber Wraffd)aftcn. Tie alten i^cbörben iüerb»n burc^ bie neuen oniity Ctiinicillurs erfetit, unb bleibt ben Justices in (Jenenil or (|uarter essinns feine ihrer alten i^flicf)ten. aufjer ber 9{ecl)tfpre(6uni^ in A(riminal= iUen, übric^. i^aut biefem (Met» ift auö) iionbon aim Cuunty, unb fmb orb 'liofeberri; ^um erften Chainnan ber Ciefet\ jeljt fo, bafj an allen LUd^en unb i^u allen ,*irt»ccfen, wo ein iSib ^cleiftet werben mufj, eine L^erfon ohne (Glauben ober ber ihr (glaube ba« X'ciften eine« (i-ibeö pers )ictet, anftatt beo (riDe* eine cinfaAe 3lffirmation ober Teflaration nuxdien )a\ f. Til u. r>*j Vi«', r.. 64. An Art to aninnd thc Law of LÜMfl wer« üetct jeflIidieÄ ftrafrcditlidie Crinfd)re!tcn lüei^n 'iU'rleumbum^ ohne bie uerft erlaniUe CSrlaubnis eine^ :>{id)tere, unb befähit^t ben SlniKtliiflten unb >effeu Crbe(^atten, 3^"(^"*^ i" i"^ber ,\nftan3 absuleflcn. öl u. .V2 V U\ V. . A n A c t t o ji r o v i d e f o r t li e (' n s t o d y o f t h <; \io\v of Solicitors of tlie Supreme ('onrt in Enirland l)y thc [nciirporatcd Law Society and otlicrwise toann-nd the Law elatint? t«> Solicitors. Tiefe* (^efe^ fieUt feft. baf; bie Unterfuc^unct jci^en einen colicitor, loei^en unrect)tliri)or .v>anbluniien i>on einem \\i bcm ^roecf Dom Ma>tcr of the Uolcs ernannten .Homitee Uer InriH|ioratcd Law Society (geführt loerbcn foU. 'Jiad^bem tiefe* .Homitee über ben ^-all einen öcrid)t abfleftattct hat, foU ber OK'rid)t*hüf bie Strafe beftinimen. :rie National Vij^ilancc Socit-ty hat ihre xUufmerffamfeit letzthin Den ilberfet^untU'n üon rjola unb (^Wii) be IVaupaffant (^eiuibmet, unb ;ft "lUi^eteUv, ber 'J5erlaiv>budihänbler in CSafiel ("»Wirben, u^ec^en ber t^ubli« tation üon biefen un;üct)tirten 'iijierfen ju li* älionaten OJefäuj^ni* verurteilt iDorben. Tie Cr ntfdjeib untren ber (Serid)töhöfe feit »Januar ISNS haben mit oeni(^ :}(u*nahmen fein «lliKmeiiiov ,^ntereffe. :]md ^'valle verbienen jeborf) Beaditumv ^m Jalle Kcirina v. (Miirence *J-J. (i.U.l). 'J'» entfd)ieöen 'orD Cio(crib(\e, *iieUocf unb .v>ubblefton W.U. Stephen Wanifti) Watheiü 3mith 'Wileö unt> (^irantham .L.I. C{an)fin* Tat) unb Ifharle* J..I., Mft ein (fheiMtte, ber, feine* canfhafien .«inftanbe* bejpufu, mit feiner ("«iattin Den *JUMJcl)laf beigebt, ohne iefelbe oon feinem .^uftanbe in .Uenntni* ^u feben, ür\X> fie infol(iebeffen rifijiert, fein 'i?erbred)eu be^anc^on hat. Tiefer befonbere ^yall fd^eint uon •em (>)efetJ nid)t uorherciefehen luorben .ui fein. Tie «lac^e heruhte fol^lid) luf §§ 20 li. 47 pon Ztatiit l>4 u. L'ö \'ic. c. lUü. Tiefe iiaraflraphen 424 3t^tcrnationa(c G^vonif. befaffcn fi(^ mit Slnöriffcn unb bö^roilligen !örperli(^cn Verlegungen, i finb nid^t, roie bie dJie^rjafil ber 3iic^ter ciitfc^icbeii f^at, gegen unmorali' $anblungen lute bie Don (Slarence gerichtet. 3m 'S<^az Regina v. Tolson l)at am 11. SRai 18S9 ba« Court Crcwn Cascs Reservecl burd) eine 9)lajorilät au^ Sorb (£oIcribge öa ünö 3tev^en Carc 2^ttp Smitf) 3i>tlc^ Örantham unb Gbar J.J. gegen bte aJieinungen von !J^enman aJianiftp Jielb JJ. i ^ollocf unb ."pubblefton B.B. entfd)ieben, baft eine ^^^erfon, bie in l guten 6(au6en, baf; ihr (Shegatte tot ift, roieber innerhalb 7 ^\ahn r feinem SSerMiDinben heiratet, ber Bigamie nid^t fd)ulbig ift. Xit ^ajor ftüut ihren 3(uMpru(^ barauf, bafe ohne nu-'nä r^-a' fein 5>erbrecben gangen werben fann, unb hier lüar Wim 'mens rea • Dorhanben. ^i JäUe Derbienen au«ifüf)rli4e 33efprecf)ung unb behalte id) mir folche für näc^ftc iiit üor. 9lm 18. 9!Kai 1889 f)ielt bie ^olijci eine .vau"jfu*"nJeIbftrofe üon 8V, Sd^illing ift. 2)ie gange S'^^age ber SteÜung ber ,HIubö wirb in nädjfter S^^^ ^ •Parlament unterfuc^t werben muffen, (rin ÜUub ift, wie ba^ C^iefel^ fteht, ein ^J^^ripathauö, in bem bie -Diitglieber tlmn unb l äffen fönuen, fie wollen. SiJenn ein a)iann dn 3i>irtöhaue eröffnet, fo muB er um laubniö anfragen. Gr muf; fi(() jebee ^ahx bie Cf'rlaubni^, Spirituoiei Derfaufen wieber einholen, unb fann fie nur erlangen, wenn fein (3cf( orbentlid) unb auf anflänbige ^'eife geführt worben ift. Um ' jl m werben alle "ii'irtehäufer in ironbon gefchloffen. "^aut ber 'öcfitjer S^am einem illub, fo ift aüee anberö. S>iele ber i'onboner iilub»5 finD Alneipen ober Spielhöllen ober :üorbeUe unter bem großartigen i)iamei Hlnh, unb gehen je^jt oiele ^iutc mit ber obee um, biefen ein crnb machen, unb alle Mlub§, ober wcnigftcn§ biejeuigen, bie nicht im Urem Sinne bed 3Borteö Klubö finb, unter :?luffid)t ju ftellen. II (IHSi»). Ta^ (jJefetj ül u. iV2 Vic. c. 18 bcftütigt r)cn i^ertrag oom 16. :)iODei 1887 jwifcf)en ÖiroBbritauien, !?eutfd)lanl), :üelgien, ^änemarf, Avani unb öen 'Jtieberlanben, ben .oanbel in Spirituofen in ber Jiorbfee beirei unb beftimmt bie- Strafen für jegliche Übertretung feitenv britifcher Ui thanen ober an 4)orb britifd)er Sil)iffe. Til u. i>'2 Vic. e. :>(). An Act t«» anieii«! tlie Law of IJail in J- laiiil beftimmt, baft in jebem 5«^/ lotfriilag unb \">od)uerrat allein genommen, bie angeflagte 'i^erfon biö jium '^ro^ef? au'5 ber Untcr'ucbii ^aft gegen fict)crc Haution freigelaffen werben fann, unb enthalt Jöe Sntemationale G^ronif. 425 tnimgen über bie 9(rt unb 9Beife, in n)c(c^er bte Sorteile biefed ©efe^ed beanfprucfat loerbeu fönnen. öl u. b'2 Vic. c, 41. All Act to amend the Laws relatinjj to Local (jovemnient iu £nt;land and Wales and for other purposcs connected therewith I)at grofie ^Anbetungen in ber 5lbminiflration bcr CJraffc^aften unb ber iflit^tcn bcr Sofalbe^örbcn fierbetgcfü^rt. öie^er l^aben bie Justioos in Quarter .Session» neben if)rcn rein ritterlichen ^fJic^ten auc^ bie allgemeine $erroalnmg in iftren 3^iftrirten gehabt: SBom 31. 3)lat\ 1889 ab ift aber in i^ber Öraffcüaft eine neue Öefjörbe unter bem "JJamen County Council aiu gefteüt. ^te 3Nitglieber berfelben werben burd) Stimmenmebrbeit auf •i oflbre gewählt. 3" einigen Sad^en, roie j. :ö. in ber Unterhaltung unb ^ömtniftration ber ^iolijei, hcmbeln ba« County Council unö bie Justices III :i Vic. c. IH. An Act to Suppress indecent advertisemcnt» |f^ Sepen ba$ :?(nfchlagcn unb Vierteilen auf ben Straften oon 2ln5cigcn, bie ?*äMi(^en 5'^I(^c" oon flcifc^lic^em 5.^crfehr erläuternb, gerichtet. o*^bc Übers tretung biefcd (^Jefe^jeö roirb mit einer Öelbftrafe ober mit ^^uc^thctuö bi^ 3" -^ 3Konaten beftraft. ^•i u. 5 » Vic, c. 44. An Act for the i-n^voiinon of Cruelty to and ö^tter pnttection of Cliildren bcftimmt laut § 1. baft jcbc ^icrfon im *'tcr oon mehr al'j 1«) ^'^ahren, bie einen Hnaben unter 14 Oi^hren ober '^^ 3JiäD(t)en unter 10 o^^hrcn im (!ieiDahrfam hat unb benfelbcn ober ba-gs 'l^^^ niinhanbelt ober uernachlälpflt, fo baft bers ober ba^felbc förpcrlichen ^oiaben leibet, einc^ 'Bergehcnö (nii.sdemeanour) fc^ulbig ift unb mit Öe= '^"fttiiö bi^ \u '2 v^sahren riniprisonnicnt for any time n«it excot-dinjj " -^'<^Hrs with or without liard labnur) beftraft werben fann 2ant ^ -i ™'f^ jcbe "^erfon, bie 1. einen Hnaben unter 14 Jähren oter ein Wäbchen "ntcf 10 fahren auf bie 8traf{en gefchictt hat, entroeber jum öffentlid;en ^"^*^«Mn, ober jum Grpehen oon 3llmofen burdj 3piel, (^efang ober ba^ ^"^tctcn oon Sachen jum 3?erfauf, 'J. ee ueranlafet hat, baft ein .Hnabe "ntet 14 fahren ober dn SWäbchen unter 10 ^ohren fich 3n)ifd)en 10 nachts ""^ o Uhr morgend auf ber Strafte ober in irgenb einem öffentlid)en 'iWr« J^"**9ung4lofal finbet jum Singen, Spielen ober "iU^rfauf oon öJegenftänDen, ; ^^ oeranlaftt, baft ein Kinb unter 10 o^^^ir*^" fid) auf ber Strafte ober *" Einern Jheater ober CSirfu^ finbet $um Singen, Spielen oDer 'i>crfauf ^^^^ (^egenftänDen, mit einer 6elbftrafe oon £ 25 ober mit öefängnie bi^ 5" •> aKonaten beftraft. ^ie 5rieöenerid)ter fönnen aber .^{inbern über 7 o^hron Die (rrlaubni'J ^^^cti, im Xheater ober im CSirfuö auf Der Sübm ju erfcheinen. ^ S 6 gibt ben 5riebenijrid)tcrn bae Mcd)t, eine .v»auefud)ung anjuftellen in 'y*iU«n, roo ihnen O^runb ^i bcr 'iU'rmutuug erroicfen wirb, baft ein Üinb •"^fe^anbelt ober ucrnachläfftgt loirb. 426 S^tcmationafc G&ronif. 52 u. 58 Vio. c. 52 ift c^ec^en bie unberechtigte ^Veröffentlichung unD '3 e fanntiuac^ung pon offi5ieUen ^ofumenten, "^Uänen unb 9Hitteilunc(en gerichtet 52 u. 5'{ Vic. c. ()2 enthalt ein Öefe^, roclc^e^ bie Seftimmungen bes (Sefetjc*, bctreffenb bie frifcfic ifuft unb bie ^.Ventilation üon Seinroonbfabrifen t)erfd)ärft. 52 u. 5.S Vif. c. «)9 richtet ficft gegen bie S^eftec^ung ber SKitgliebcr in Korporationen, öffentlicf)en ^cf)örben ufio. 3^ie ^{ommiffion burcl? 51 u. 52 Vic. c. ,'i5 eingefett, um bie M lagen gegen 3)ir. ^^arnell unb bie irifcf)? 'Partei ju untersuchen, axi^ 3ir J-^me« ."oennen, '^träfibent poni I*robato J.)iv()roe and Admiralty Division pom Jligh Court of Justice unt> Xai) unb '^(. i?. 3mitl) , J.J- beftehonJ), ftatteten im Jebruar 181J0 ihren ilkr!d)t ah. Teffen ^^ebeutung ift in politifcf)en ^reifen oiel befproc^en worben. t^rofeffor %. 3S. ricci) hat ein ^iv?erfd)cn Tho Verdict fnrslid) ueröffentlicf)t, bae bie iy^ogen in bcr llntcp fuct)iing behanbclt, tlar befiniert unb heantroortet. 3n ll»';r. V. Bnokniuster 20Q. B. 1). 1n2 entfcf)ieb bae C<»urt ofCnwii Casi's Jl-\sc'rve>aiufinö ,1., bafe Cd)fen bie >>örner abfägen, ba H eine fcfimcrjhafte Operation ift, Tierquälerei im Binue Don 12 unb 1'* Vic. c. J^i s. 2 ift, obgleich mit Sorgfalt unb (üefc^icflid)feit aufgeführt unb in ^^^ ^tbficlit vorgenommen, ben Sert bee Jiercv ^u erhi?hen. 3iehe baiici^en l'eoi?! 0. ;Yarmer IS Q. B. 1). 'uV2, ^öb. IX 3. :i55 ron I^ap unb 'iifiU*.!..^- entfchieben. on bem ^alle Wiir, v. Brciwn 2t Q. B. 1). :V)7 hat ba* Court of Crown Cases H('sirvai ihrer ilnfidit na* Sieg. V. (Sollin*? L. u. C 471 nid)t mehr bao i»{ed)t feftftellt. ^amit ift bcwn roieber eine ^llufion jerftört für alle, bie in ber o^^c aufgcioadjfen fin^' baf? e^ fein 'iU'rlurf) ift, einen ^iebftahl .^u begeben, bie .Vß"b in eine icete Safchc thun. ^5:rf«ch bringt mit )lc^ ^J« '3LKögIid)feit, bie oerfud)te Jhat 5^ oottenben. iTa^ haben bie 3(id)ter je^it für unricf)tig erflärt. (iWitgeteilt oon .v)errn .'o. Jü. !Öoehnie, IJarrister-at-law, in Sonbort-* ^iniilaull. i?lUe übrigen (rrfd)einungen auf bem Webiete ber 3trafgcfe^gobi*'* Jvinnlanbo luährenb ber le^^tüergangencn ^>ahre treten natürlich cor t**' neuen 3trafgefeu üom IJ) 3^e;ember IS'Sl) in ben .^"»intergrunb. ^^oriit^^ ift in biefer ;^eitfrf)rift C^b. Vll 214) über ti^n Crntwurf biefe* öiefe^ee **" ber bamit eng üerbunbenen iUerorbnungen betr. bie (rinführung bev^ 3tt"ii gefe^eo unb betr. bie i^ollftrecfung ber Strafen berid)tet loorben. 'ii^ir t»*^' pichten auf eine rUefapitulation be« banuilö i^efagten unb loeifen ben f*' bafür intereffierenben Sefer auf ben angebeuteten ^erid}t hin. Ter ^''^ TOurf ift auf bem i.'anbtage LSSS oon ben 3tänben ohne irgenb eine buf* greifenbere itnberung angenommen loorbcn, toorauf baö (5>efe^ mit ben von ben Stäuben vorgenommenen änbcrungen am irnbe bee näc^ftoerganc^crt^" 3a^re9 bie allerhöc^fte Seftätigung erhalten ^at. outcmationalc 6()romf. 407 ^a% neue ©efe^ mit ^en beiben eriDä^nten ^erorbnunc^eii loirb am l oanuar 1JS91 in Kraft treten. 3n betreff be^ fleltenbeu 3traffi)ftem6 ift injioifc^cn eine nicftt uner^cb^ litbe ißeränberuug einc^ctreten. i^n ber oben erioöbnten ITarftellung in Äinb VII bicfcr ^eitfcbrift ift Ijerüorgebobcn luorbcn, bafi Haifer DJifoIau^ I. im ^ahve 1820 ein (Sbift erliefe, in iöclcf)em er erflärte, er mürbe fein lobeeurtcil, auc^ menn ba-äfelbe ben Öefe^en be^ üanbed gemiiB »erfjönöt werben foUte, fanftionieren unb beftätiflen, ed fei benn, bafe ba§ SSerbrecfien Den Umfturj be^ ctaatcmefcn^ ober bee 2!)roneS be5roetfe ober bie 8ict)ers fieit be$ 3taate$ ober bie Unoerle^Iic^feit ber SJ^ajeftat bebro^c. i^n allen 'onftigcn fdjroeren itriminalfac^en f)ättc ber Aiaifer bie 3lbfic^t, ba»3 i^m ju^ ftebenbe ^ec\nabi|^un$i&rec^t atie^uüben. in bem (sbitte murDe ferner au^^ gefprodjen, bajj bie obmaltcnben 3^i^vci^^Ältniffe nid)t geftattetcn, bie S^^ge lücgcn 3(ufbcbung ber Xobeöftrafe ben (^runbgcfetjen beö :^anbed gcmäfe ben 3tänl»en uorsulegen. ^tait ber 2^obeeftrafe follte Deportation nad) Sibirien eintreten, fall^ ber 35erbrecöer nicöt bie "äUÜlberung uerbiente, baB eS ir)m geftattet merben (önntc, bie ^^mangdarbeiteftrafe mä^renb feiner übrigen ieben«^5cit innerhalb beo Sanbeö ju Derbüfeen. Jnfolgebeffen ift bie Xz- portationoftrafe in ^innlanb jur '^Inmenbung gelangt, oljne in ber allge^ meinen 3trafgcfe^gebung be^ iJanbe« aufgenommen morben 3U fein. Xa^ (röift üom ys<^hvc 18*2« erftrecfte fic^ nur auf ^erfoncn männlicben ©es fdblecbtiS. i)iacf)^er mürbe bie ^Deportation burc^ ein (?bift uon 1S48 auc^ gegen J'^auen jur iHnmenbung gebrad)t. ^"^nbeffen ift im ^^abrc 1888 allcrböc^ftcn Crte bie 93orf(§rift erlaffen morben, bafe bie (rbifte oon l&2iy unD ls48 fo anjiumenben finb, bafe bie SSerfenbung ber oon ber lobeeftrafe begnabigten '^Vrbrec^er nac^ Sibirien fünftigbin aufboren foUte, unb fie ftatt beffcn lebenslänglicher ^iroang-^arboit in ben Strafanftalten JJinnlanbö untcnoorfen merben foUten. ^iefe 'JD^afiregel mar geeignet bie 'iln^abl ber Mtbäufer nicbt unerl)eblid) 3U uermcbrcn, jumal ed fdjon im uorber: jjcljenben o^brc (18^'7) tjorgefc^riebcn morben mar, bafe l>er Senat Jinns lanu«; feine C^cfuc^e Don C^Jefangenen, uon ber Jreibbeit^ftrafe ober ber änjQugoarbeit im :^anbe entlaffen unb ]tati beffen nad) ben ^olonieen cibiriend perfanbt 3U merben, bd Dem Kaifer unb Wrofifürften eingeben dürfte. Die Deportation al$ Strafmittcl ift fomit in ,"yinnlanb aufeer ^ntoenbung gebracbt. :^(u(b in bem neuen Strafgefe^bucbe \)at bie Deport tation feine :?lufnabmo gefunben. Jic oeralteten i'crorDnungen (oom 18. Jcbv. 17(kS unb IT», ^anuar IK'U) "ber Die Strafe unb bie übrigen :){e(i)t^folgen (iU^rluft bei& Cfrbrecbl'j unb ^^^ bürgerlicben iMcd)te), bie bie unerlaubte (Entfernung oom ^cin^Q unb ^^«f un^uläffige Überfieblung inc^ ^JluvlanD nad) [id) sogen, finb burtb eine 5>«torDuung uom 27. ^Vini l^v'^s aufgeboben morben. Durct) biefe 3Ser= Ordnung ift für bie ermähnten 'isergehen ftatt bc^^ 'iNcrlufte\5 oon bem Crrb= ^«6t un^ ben bürgerlicben :){ed)ton eine lüJelbftrafe bcftimmt. Diefe be= *'Qflt, faüd bie :"Keife oon bor .oeimat luMmlld) unb ohne :)ieifepaü uorge^ kommen, r»u() finnifdie üJiarf ( 1 iViavf ^ l ^vmt) unb menn ber (rnts ™it^ene beim iNornebmen ber rXeife mit t^ife uerfeben mar, 2,')«) 3Jiarf. Diefe ^cfümmungen finbcn feine :Jlnmenbung auf entmid)ene, in bie -veinrnt 3*>tf4r. f. b. gef. strafre^tiro. XI. 2S 4*28 Sntemationale G^ronil. jurüctgefe^rte 3eeleute unb o^ne (rrlaubnid ine 9lud(anb oerreifte, jum 3J2i(ttär gel)örcnbc ^^erfonen, ebenfo ntc^t auf biejenigen, bte ivegen ^^ul^en entlaufen finb, ober auf ^crfonen, bic beoor fic if)vt Sßcftrpflicbt erfüllt, unerlaubt fic^ aue bem £anbe begeben l^aben, ober no(^^er ba^in gurütf: gefcf)rt finb, 3m 2(nfang bicfe^ Oo^J^c^ (1890) f^at bie Obcrbcf)örbe ber ©efängnir: oerroaltung i^ren offijteUen ^eric^t über ben ^ufta^b beö @efÖngn»: locfen^ für ba$ ^al}t 1888 oeröffcntlic^t. älUr entnehmen bem 33critbte einige 3<^Ö^«"' bic oon 3"*^J^cff« fei" fönnen. Jn ben Öefängniffcn Jinnlanbd war wäbrcnb be^ 3öbre§ bie ^ahl ber CJefangenen burcbfc^nittlic^ 11)97 für jeben Sag. ^Tiefe ^a^t oerböit iiä bei einer ©efamtbeoölfcrung oon '2 -JOS 858 ^nbioibuen (ultimo Xry IJ^J 5U ber ganjen ^eoölfemng bcö l'anbee wie 1 : 110:1 ^n biefer 3at)( roixlen auc^ bie Unterfuc^ungePftlinge, ^erfonen bie toegen ^a^lungeunfäbigfeit eine Öclbftrafe mit Gefängnis bei Sßaffer unb :örot ober einfacbem ^f- fängnie oerbü^en, loegen S^agabunbieren^ aufgegriffene unb jur aUgcmetncn , 3lrbeit angeba(tene unb fdjtie^Uc^ in 8d^ulbenbaft eingefc^Ioffene $ierfonen mit einbegriffen. J^ie Öefamtja^I ber 2^etiniertcn war am (rnbe be« O^brc« •3)'27. üon loderen 1484 3)iänncr unb iAS Jrauen. iiin^ Überfirf)t über bie üer- fc^iebenen Hategorieen oon ben beim oßfireefc^Iu^ 2)etinterten fann bur(^ folgenbc >}ufammenftellung gewonnen werben: 9)iänner Jrauen cumw« Unterfuc§unger)äftlinge 208 bö *2> äuc^tbauegefangcne 84.8 277 1120 Sträflinge, bic 6cfängnieftrafe ober fogenanntcm einfachen (Ücföngni^ unterzogen waren 125 85 lOO Sträflinge, bie unbebingtem Öcfängni^ bei ÜL^affer unb Orot untersogen waren 8 — •> 3ur i?lbbüf)Ung von Straf gelbern einer i^erwanblungftrafc Unterjogene . . 107 19 1'^ Sl'egen 3?agabunbieren6 Slufgegriffene 27 19 -^'' 3ur allgemeinen 9lrbeit 2lngcl)attene . 170 187 r.»*'«^ ilC^egen Srf)ulben Serbaftetc .... 5 1 '' Jrau*>Vortgefangenc 1 — [^ Summa 14S4 iA;^ '2^Ki7 3?on x>cn am "Jlnfango bee ^Vibrc^ betinicrtcn ^ucbtbäuelcrn iPtire« uorber bcftraftc f>7/J(> % 9)iännor unD 89,0,12 »o unb grauen 1,98 •», Unücrheiratcte, iVännor 00,88 % unb Jrö"»-*" 7\,ri'2 •«. (?JtitgcteiIt uon .vcrrn ^}>rof. Dr. ^^aatto Jorömann in .'ocIfinpforeJ llonucQCu I üsxs— iii«s!M ^'ic neuen 3tortbing«wablen, bie wäbre^^ ^'^ .v>crbftov l>c)runbe liegenbe .^ommiffton^s cntiuurf mit 9iegterungdüor[c^[ag. Qv ^at bie Kapitel 21 unb 2.3, von benen ba^ eine von 3ac^befc^äbigung unb gemeingefährliche ^crbrec^en, ba$ anbre von JBetrug, llnterfdblagung, Urfunbenfäl)d|ung, öanfrottverbrec^en unb bergleic^en fianbelt, ungefähr unvcränbert gclaffen. 3)er bauptfäc^Iic^c (Mrunb biefer geroiB bebauerlid)en ^efc^neibung mar in ^terbinoung mit anbern sufäUigen Umftänben bic itürje ber S^it, Die ein eingeljenbeö ©tubium "tt^ (^ntivurfd nid)t roobl erlaubte, unb ed ift barum 5U hoffen, ba^ baä näc^fte Jahr eine freiließ jiemfic^ verfpätete 5[bf)ilfe bee baburc^ vcrurfac^ten Übelfmnbee herbeiführen werbe. Unter ben roefenttic^cren 'Seränberungen, ivctt^e bie Dbveüe im ©trafs ccfctjc vorgenommen M, mögen folgcube hervorgehoben werben. 5)a§ 3i}|teni ber 2otf(^Iag^= unb Hörpcrverletjung^verbrecfjen ift in hohem (iJrabe vereinfacht, iva^ fich fc^on baburch jeigt, bafe t>k ^Paragraphen ber betreffenben Kapitel von r>.-J auf 20 .^urüctgejührt ivorben finb. 2^ic befonberen öe« ftimmungen über r'Haufhanbel unb rfweifampf foivie ber ^ülerfuc^, bie 35erurs fadmng bes loti^ ober einer Hörpcrocrletjung ju befinicren, finb aufgegeben. Tif Strafe bcö iiinbeömorbeö ift bebeutenb h^rrtbgefeiefcf|äft nötigen üßertrauene auMc^t. ^er iK'wci^ ber "ii'abrheit fchfiept immer bie Ükrleumbung am, hinbert aber nicht, baft ber Jhdtcr nach Umftänben wegen einfacher 53eleibigung geftraft werben fann. Xic Strafe ber Sreiheit^entsichung, al-S beren 9)iarimum brci ^ahre •ctrafarbeit bieh^r vorgefchrieben war, ift unter erfchwerenben Umftänben bis auf fünfjehnjährige 3 traf arbeit gefteigert. ÜhJährenb früher bie iSv- preffung fowie bie 3(nwenbung bci> phi)fifcl)en ^^wangee überhaupt nur bann mit Strafe belegt war, wenn entwebcr Oiewalt ober '^ebrohung mit einer ftrafbaren vanblung angewenbet war, h^t ba-^ neue i.^iJefel^ folgenbe 5Jeftim= mung aufgenommen: „"U^'r bu rch (iJcwalt ober 'iiebrohung mit einer recf}tes wibrigen .^'»anblung, einer 3tnftagc ober i?(n5eigc eineo ^Lierbrechen^ ober mit einer 5jter(eumbung jemanben unberccl)tigt zwingt, etunu^ 5» thun, .ui bulben ober 5U unterlaffen, wirb mit (iJcfängniv ober Strafarbeit im fünften ober Dierten (.>)rabe beftraft (b. h. bi'> 511 < 5 jähren)." Unter bcfonberx^ milbcrnben Umftänben fann boch auch "ur auf c^(crci unb Partiererei imm^Tf a(^ nac^folgenbc ^^cilnafjmc betrachtet, obgleidj bicfe im Öefe^e felbjt oKT 4 eine bem 3:häter geleitete Ä»ilfe bejeic^net roorben ift. S^iefer unric^tidc — ai 3(uffaffung ift je^t ein Gnbe gemadjt, inbem in baS neue Gefe^ bie ivbUr -^ssri a($ felbftänbige^ 25erbrccf)en aufgenommen ift. Xie beftrittene Jrage, c^J» ^eblerei auc§ mit bem (Srlö^ au§ bem SSerfaufc bur(^ ftrafbare .t»anblun(icr- n erroorbener Bad)cn begangen roerbcn fann, ift in ocrneinenbem 3inne fc ^-^^ antioortet. Bc^Iiefelicf) mag enoäbnt werben, bafe bie Öeftimmungen ü^mf^ jiomplott (Sanraab; im J^opitel V (2ei(nal)me) aufgegeben finb unb (^c^n beren Stelle bic allgemeine iHegel aufgenommen rourbe, baft ber öehü '^i mit berfelben Strafe roic ^er 2;f)äter felbft beftraft werben !ann. 9luc^ im üorigcn 3afjre erfd)ien tin Wcfe^, ba« für ba^ Strafrecbt or» ß Sebeutung ift. äöä^renb biel)er bic böc^ftcn 3"rff''# ^^^ bebungen roeröeir^ n fonntcn, in oiclen fällen gcfe^li(fi beftimmt waren, würbe burdj biee (3oj«^rr-|j ber 3in^f"6 freigegeben unb ^tatt ber legalen ^ineregulierung finb n«- ^ bem 55organg 2^eutfc^lanbö unb ocrfc^iebener anberer i^änber Strüt. ^*- brobungen gegen bie wurficr^afte 9(uebeutungen ber 9Zot, be^ ifcic^tfin»- "«^ ber il^erftanbeefc^wäc^e ober Unerfal)renl)cit erlaffen. II. (1W9-1S90). 9lm 1. ocnuci^ 1^90 ift bie neue Strafprojcfeorbnung in Äraft getret«^ '^^ Siefelbe ift fc^on frübcr in biefer 3citf(ftrift au^füljrlic^ befprocf)cn (f. I "^ 3. KM} unb 3:37) unb fogar in einem Öeilagefieft in Übcrfe^ung mitgetei M, t. S5on einer Grwäbnung bee Öcfc^inbalteö fann baber bier abgefeften werter *«• 3iatürlid) ift e^ noc^ nic^t Ücit, über bie (5rgebniffe ber *)ieucrung c "in enbgültigeö Urteil ju fprerfien. So oiel mag bocb gefagt werben, baB ^ ""^ praftifc^en Sdjattcnfeiten ber iKeform fic^ weniger, als gefürchtet würbe, gejci Ö* baben, baft bic an ber itriminalrec^t^fprec^ung beteiligten 3"i^ift«n fcbon c* ^^ oiclen grofecn 53crbienfte ber 3Wünblic^feit unb Unmittelbarfeit ju würbig »^" gelernt öaben unb baft baö ^iifttrauen, womit bem (Sefe^ oon gewiB bc* "^n gröBtcn Xeile unfcre« ^uriftcnftanbee begegnet würbe, fcbon beinabe üb- ** bcfeitigt angcfeben werben fann. Jreilic^ ift baö Wefe^ in feinen öinsetbeiten oieler öefferungen föE^» ift unb ee will aucb bie 9lufmerffamfeit barauf gelenft werben, folcöe, wo ^ flcb mbglicb jcigt, üorsunebmcn; bie i'rinjipicn felbft, worauf cd gebaut "Sf^' bie 9)iünblic^feit, Unmittelbarfeit fowie bic 2:eilnabme ber Saien, geböKT'fn gcroiu ju ben (Trrungenicbaften, bic aufzugeben nie me^r in ernfte ■— ::^ wägung gejogcn werben wirb. 'liJic fdion früber erwähnt (Z IX S. :ISS) würbe ba§ geltenbe Strafgc- ^^^ al$ im neuen fcl)wurgcricbtlid;en 3>erfabren fcbwer anwenbbar unb teilro^^nV beinabe unanwenbbar angefchcn, unb man haiU barum fcbon uor eini ^T«^" oahren eine vorläufige rXcoifion be-cfelben angefangen. iTer gröfete ST i'^^ biofce Untcnicbmcne würbe burd) (^cfe^i oom 2U. ^uni LSSl» burcbgefii •'f/, in welchem bie r>on lifeineibe itötung, .Uörperoerle^ung, ^beleibigung i.*"^ teilweifc aud) oon 5"r*-*ibeit\^beraubung. riebftabl unb rXaub banbcln tp^'' Jtapitel bee Strafgefc^^cö von \^i'2 in einer nmcn Heftaltung berocrtrt'^«^'' Tic ^ehanblung be«? uou 'iU'trug. Unterfdilagung, ,5älf^u"(^ ""^ iBanfere^ SWeineibeoerbrec^end oon 6 Rubren biö ,^u 6 SWonaten Btrafarbcit, un^ baejenige ber Ainbeetctung oon (5 bie ju 3 o^bren. ^uc^ in ber entgegengefetten ^(icbtung ift aber bte ^eoifion tbätig geroefen, inbem \. ^. bad .t»öcbftma6 ber Strafe für >yreibettebcraubung von brei ^^abren ctrafarbeit bid 3u fünfjebn unb bacjenigc ber Strafe bed :öetrug$ oon ''*i 2agen bei 2))affer unb ^rot bid ju brei :3^^i^^n Strafarbeit erbost loorben ift. Sonft ift, na^ bie j{inbe«t5tung betrifft, ju bemerfen, ba^ bie f ruberen oon ber ^crbeimlicbung ber ^Heberfunft ot»er ^öeifeitefcbaffung bce Seicbnamd hergeleiteten ^^röfumtionen bee oerbred)erifc^en 9!^orfa^ee im großen unb cian^en aufgegeben finb. Todi fann aud) nacb bem neuen (^efet^e bie oor- iä^Iitbe 'JSerbeimli^ung ber 3lieberfunft, loenn ba^ .Mfinb gcftorbcn unb eine anbere Jobcöurfac^c nicbt nacbioeiebar ift, mit Wefängniö ober Strafarbeit bi« i^u 0 o^ft^^^" gfftraft werben. — 2)er 'begriff bet5 löetrugd, ber im früheren nonoegifcben ^iecbte ein burcbaud ftüffiger loar, ift jet^t in loefent« lieber Übereinftimmung mit ber beutfcben foroie mit bcn meiften neueren 6e: fe^gebungen beftimmt roorben. Xic beftrittcne ^rage, ob aucb beim Xteb- nable n)ie beim betrüge bie 9(bfic^t fic^ ober einem anbern einen ^^crmögene^: »orteil gu oerfcbaffen, geforbert werben foU, ift beabenb beantwortet. (SWitgcteilt oon .^errn iHeicb^anroalt Öe^j in Gbriftiania.) *fttrttid) 18S90. ^^on im abgelaufenen .^'^abrc 5uftanbe gefommenen ^eicb^gefe^en finb nur 1. ba^ (in vj 6) j^ioei neue (i^efäU^übertretungen einfübrenbe (^efe^ 00m *^N. 3)iär$ 1S^<9, ^öiB. ')lv. :\2, betr. bie S^ulboerfcbeibungen mit ilrämien, ^'rner bie i^nfünbigungen unb ^ncmpfeblungen oerbotener l^ofe unb lifotte: ttcen, 2. ba$ bie Suspenbierung ber (^ef(i)ioornengeric^te im Mrei^: l^ericbtefprengel Cattarobi* 5um 24. Junil^i) ocrlängernbc Wefe^oom 2(». a)tai lw<0)i5L :>tr. 41 beroorjubeben. illadi biefcm leftteren (i)cfc^je finb bie unbe^ fugte ^^erebelicbung, bann bie Unterlaffung ber rec^tgeitigen ^ielbung unb bee rec^tjeitigen (^rfcbeinone 5ur Stellung ober Überprüfung an ben unein: $)iereil)ten, ber 3ii)iId<^fic^^^^Qi^f^it nod) unterftebenben 'Il>ebi^PfIic^tigen oon "ber politifcben ^Bebörbe gu abnben (SS '^'\ ^^ ^ "• ^1'- .^;>ingegen unter» liegen ber geri(btlidjen oubifatur (S i)H) 'unb werben wegen "iU^rgeben^ fus mulatio mit (iJelbs unb ftrcngen Slrrcftftrafen belegt: „wer in ber 3lbfid)t, fid) ber Ste Uungepfticbt gu entgieben, baö (Gebiet ber . . . 'J!)2onarcbie oertöfit ober wäbrenb ber Stellung ficb außerhalb ber (^rengen ber :Ü)^onarc^ie auf: >) $g(. ben ^txi^t über Ungarn. 432 3n*wiede. Sntemationalc G^^rontf. 433 &,n imat ni(^t amtli^ pub(i}terter, aber in bcr St^ung bee ^Ibaeorbneten? fiaufeS »om 9. 2Mai 18Ö0*') oom neuen äuftijniinifter Dr. Jyriebric^ <^rafen 3c^önborn ücriefcner unb mit grofeem 33cifaU aufgenommener ^rlaB beefelben erinnert bie 3taat«ann)altfc^aften, bafe fie bei bcr ^oaubs ftabung be4 objeftioen 'Serfa^ren« in^Uefefac^en bio freie a)ieinunö^s öuterung nic^t altjufefjr einengen, bafe fie (jierbei bie 3)ierfma(e ber Straf? J^arf eit bc« Xf)at6eftanbeö mit gleicher Sorgfalt, wie bei ber fubjeftioen Verfolgung prüfen unb nic^t au& übergroßer 9(ngft üor bem SWifeUngen ber le^teren baS objeftioe SSerfa^ren jur faft auenafjmölofen Siegel werben J^affen mögen. einige üKonate nac§ bem am 11. Cftober 1888 erfolgten 2(mt«antritt ^e^ trafen Scftönborn, am 11. 9(pri( ISSJ) würbe enblicf) wicber bem ^bgcorbnetentjaufc ber Gntra urf eine* „Strafgefe^e* über 33erbrec^en, 5?icrgcf)en unb Übertretungen unb be§ baju gebörigcn Crinfü^rungögefe^jcö" (if.(i>.) üorgclegt.") 2)iefer Gntrourf (G. IV) jcblicßt fic^ — ebcnfo wie bcr am 14. 3lor>. 1881 üon bem £eiter be^ o"Pi5»"inift^"um* Dr. ^ragaf ein» c^cbrac^te, bi^ jur Sluflöfung be* 3ieic^örateo im Jrübja^r 1884 nic^t einmal im ^luefdbufe be* 3lbgeorbneten[)aufe§ burcfiberatene (Sntrourf ((S. III, f. Z II o7uf-) — im roefentlic^en an ben Wlaferfc^en IS. (Cr. I) oon 1H74 in jener l^eftalt an, meltöe bcrfelbe in ben 5luöf(^ufeberatungen bc^ 2(bgcorbnctens t)aufe«^ erbalten hattt ((£. II oon 1877 u. 1H78) unb befinbet fic^ ba^er md) feiner (ürunbanlage, Syftcmatif unb ber 3){efir3alil bcr loirfitigcren Wrunb« fät:>e unb Öeftimmungen (be^ I., allgemeinen unb beö II., bie einjcinen ^^erbrcdjen unb SJcrgcIien bcfianbelnben Xeilee) immer nocb mit bem iH.3t.(5J.^. im Ginflang."*) Jmmcrbin aber weift bie ncut :Hegicrunge\)orIagc i^r^^.) gegenüber ben (5. II unb II [ eine bcträct)tli(bc 2ln.;ar)( nic^t blofi rcbaftioneller, jonbern aud) meritorifcbcr ^eränbcrungon*') oon ^öcbeutung auf. 3?or allem jcigt fic^ unter bem Ginfluffe ber ocränDcrten 9iicl)tung teS i^eitgeiftes unb inebefonbere ber (riminal^potitifcbcn Bewegung ber le^jten C>abre, jum Xeil auc^ wohl unter bem Ginfluffc pcrfönlic^er iHnfd)auungcn ber neuen ^uftijminiftcr* ^^) baö ^cftrebcn nac^ gröfecror Strenge in Der i^eftaltung ber Strafübel unb nad) encrgifc^erer rlicaftion gegen wirtfdiaft-- licbe 5luebeutung, fowie gegen 'iJerbreitung be* llnglaubenö unb ber Unfitts U(bfcit (auf gefcblec^tlic^cm Öebietc), enblicf) aud) bae '43cftrcbcn, im ::)laf)men ter neuen Syftematif unb bcr neuen ^>rinjiipicn fid) bodj in cinsclnen 4ln» orbnungen beo (Sntwurf^ enger ate bisher an ba^j gcltcnbe 9icrf)t unb inc-s befonbere an bae Strafgefe^bud) uom 27. 9)iai 1H52 (St.CÜ ) an5ufd)miegen. ' ) 3. IJ 647 a. a. C. •1 h22 bed ^eil. ju ben ftenogr. 'l>rotofollcn bc^ 3lbgeorbnctcnI)aufcö ^- ceifion. bofon- 431 3ntcmationa(c (EfironÜ. Xit 9{cgierun$^oor(age iDurbe im ^bgeorbneten^aufe einem eigene eint gefegten fogenannten „$ermanen5au9fd)u^'' überroiefen, loelcber au(^ rt bie Sßerfdjäi-fung ber ^a^ ^ burcft 3lrbeit^$roang läfit ber Gntrourf 18b9 ju, unb jroar im C^egenfc»'^ 3U ben früheren öntroürfen nic^t nur bei geroiffen im Öcfe^e befonbeC'S beroorgefiobencn 3^ elif t^arten, fonbern auc^ bei allen anberen, jebocb nadj b^r ^ 9(.'l?. bei le^teren nur bann, menn bie eben aufgejäblten SSorauefe^ungen^D^S'^ § 11) nic^t eintreten (§ 1:^). — 2Jei 3"c^tt)«iwö, Öefängni^ unb im JöCX« auöbrücfCicber gefe^licber (!^eftattung aud) bei ber .t^aft !ann ba« ®exic^^ (gicicbroie nac^ fcem 3t.W.) auf ein gcroiffc^ Cuantum periobifcberStro "^ Dorf(^ärfungen (Jaften, f)avte^ Sager auf Brettern unb cinfame 31 *=? fperrung in bunüc ^^Me; erfennen, jebodj nic^t für länger, al^ fünf ofl*> '*- (§ 14). — Unter ben etrafmitteln für bie oon Sträflingen begangener ftraf baren .oanblungen ift bie Gin3elbaft eliminiert, bie enge J^ff clu "«^'« C^lnbaltung am 9rotofoUen bc« ^bgeo ^* netenbaufe« — X. Seffiou) enthält aufeer bem 3:c;rt ber M.- unb ber ä.ti r i'"* fiir5c gefc^id)tli(be Einleitung, eine iBegrünbung ..ber üom 91. ongenommexxci unb ber roic^tigftcn in 9lnregung gebrachten Snberungen, bie cinpemelbc "^' a)iinorität§üota famt (.^rünbcn unb 4 uom 91. üorgefcblagene ^iefi^lutionen, o'' beiifelben roirb bie JH. in«Jbefonbere aufgeforbert: 1. bie Errichtung von Ärf^J"' baufolonieen für jugcnMic^e ißerbrec^er in Grroägung 3U jieben, 'J. ein StTaf- uoll^ug-^gofe^ einzubringen, .■{. auf ba§ Swftönbefommen eme^ mit ben Öix*»^^' fätjen l)cö neuen Strafgefe^o^ im Ginflang ftebenöen "JOiilitärftrafgefe^ee hi rt.?*^' roirfcn unb 4. bie (rinfübrung eine* entfpred^enbcren ^oUjugc« fcer lobeöftr-af^ in Grroagung 5U sieben. onternattoiia(c (Sfironif. 435 toeitnen 3inne) jugelaffcn (§ 17 unb 3lrt. ;J (&.&.). S'aö biöfier bei mehreren Vergeben (bcfonber« bei )9e(eibi^ung (teic^ter Bac^befc^äbic^ung unb (eic^ter ftorperoerle^ung) bem 9{i4ter eingeräumte ^ahlrec^t jituifdien ^efängni^, (^elbftrafe unb X)af t wirb auf bie beiben erftern ^(ternatipen eingefc^ränft. *ci Uneinbringlic^fcit bcr (allein oerbängten) Öelbftrafc bat jebo(^ inrxt imat nac^ ber 3(33. auönabmftlod) ^aft einzutreten (§ *27). — ^*'S jefet ßcfeftlic^ geltenbe (rinfd)ränfung ber (Sinjclbaft auf brei 3«ftre unb (3utrecbnung äiM leilcd bcr ötrafbaucr beim 3?oU5uge in ©injelbaft n>irb aufgegeben (S liO- — tSbcnfo bic in ben früheren ©ntioürfen bei ber ^»itlafiung auf SBiberruf erforberte 3tcUung unter "i^oligeiauffid^t 2^tefc (Jntlaffung fott nunmehr audi obnc 3"f*intmung be^ ©träfling« ju^ ^^ffig fein; ber 3(.3J. gufolge auc^ bei ber lebenslänglichen grcibeitSftrafe (fiad) 5$crlauf von 10 ^öbren) unb bei ber jeitlicf)en fdjon na^ SoUftredfung ^ort jroei ^Tritteln (fiatt t)on brei Vierteln) ber Strafjeit (SS 20-2*2). - ■^ie bebingtc Verurteilung roirb eingeführt (§S 25 unb (Ml, 5lrt. 42 ^--). — Sermögen«ftrafen ocrfaUen t^^ie nacb bem 3t.©.) ju fünften ber Crt«armenfonb« (»ilrt. 30 &.&.). — ^^it ber 33erurleilung ju einer mebr alö fe(hömonatIid)en greibeiteftrafe ift ^ctiöerluft oder öffcntli^en Ämter unb2?ienfte oon SKecbt« wegen ^«rbunben (§ 40). — in ber ÄuSfc^ufeberatung rourbe uon ber Siegierung *^oc^ folgenber ^arograpb in Vorfc^Iag gebracht: „5>ae Öeric^t fann cn 3teüe ^^r bie Xauer uon groei S)2onaten nid)t überfteigenben C^eföngni«ftrafe unb an "Stelle ber $aft in JöUcn, roo mit berfelben 3lnbaltung gur 9lrbeit oers ^Unben werben fann, auf Sln^altung ju öffentlidjen 3(rbeiten er^ ^^tinen." Xi^U^ ^Antrag würbe jeboc^ im S^oftc be* 3(. Icbl)aft befämpft ^nb fo^in von ber JH. jurücfgejogen {%'^. 3. 17 f.). ^r ben Teilnehmer gilt (gCeic^tuie nac^ bem 3t.(!5.) fein milberer >Straffa^, al^ für ben X^äter (§ i>4). — 2)ie erf olglofe 3lnftif tung (§ 55) itiirb bei einer 9ieihe von Serbrec^en^rten unb einigen 3[^ergel)en für ftrofbar erflärt; beim SWorb auc§ ba« 3lnerbieten (§ 221). Sei JtapitalDerbrec^en ift (wie nad^ bem 3t.(!).) bie S^erjäbrung awgef^Ioffen (§ 75). 3)er ibealen Hon!urrenj wirb (wie nad) bem 3t.(5J.; in ber ftrafs t'ec^tlic^en ^chanblung bie reale gleic^geftellt (§ 79j. ^ie $rtt)atan!lagc fann (ftatt bi« jum 'beginn bee StrafooUjugeS) ^wt bi« gur SiecbtSfraft bed Urteilt jurüctgenommen werben (§ HO). om befonberen Xcile würben bie Welbbufeen ( jebeSmal bi^ 5cii jtuppelei roirb auc^ bie ^eförberung einer ^^erion ine ^udlanb, baniii bafelbft mit ibrem Äörrer un^üc^tige« Weroerbe treibe, genbnbet (§ lOs ^ — ^ic i^crfüljrung eined gefc^ledjtlicb uubefd^oltenen 3)lübct:en0 u l(i 3^l)rf" ^ft ^"f ^rtPütanflage mit Öefängnis biö ^u einem oi^^^'^^* ^i" (trafen (§ im). ^k ftrengerc S^eftrafung ber beleibigenben ^^efcbulbiguuji im ^ gleidje ^ur einfacben $eleibigunv\ roirb nac^ ber 9l.$. a\i6) auf bie nictt , einem britten" erfolgte öelcibigung auögebel)nt (§2()2j. „^Öblic^c" 3Baffen werben jum 3^Dei!ampf nidjt me^r erf orbert t § 'J ^ie ÄartcUträger bleiben nac^ ber 5l.5.t. ftrafloe (§ 219). ^er 9)iorb wirb mit bem 2obc beftraft, unb .;war (im (rinflang luit €t.®.) nic^t blo^ ber qualifizierte (wie bies nac^ (r. I unb IIl ber >\aU u Tix 3Worb ift nac^ ber 91/4]. (fowie nad) (r. II unb nach bem 3i.3t.C^.) qualifizierte 9lbart bcS ^otfcfilages («mit Überlegung") (§§*2*24f.), wäui bie ÜH.'l^ ben 3)2orb alö ben Siegelfall liinftellte unb ^otjcblag annnhm, n «ber ^.^orfa^ in einer unb berfelben lieftigen (Memütebewegung gefaxt auegefiit)rt worbeu*.^^) — 8(bon bei ber leicfiten .Hörperoerle^ung ift gilerfud) ftrafbar (i^'i:; ogl. (r. II § 2:iS). ^'icfolbe wirb ber ^iriratanf entzogen, bleibt aber ^Intragöbelift, cbenfo X>ic fal)rläffige üijrrcrpcrlc^ (vj 24vj '. -liur mit (Mclbfirafe zu ahnbenbe Übertretung ift bie proooücrtc im 9lffett verübte leict)te Mörferrerleftung be»3 3d)üler$ burc^ ben Vo (§ 4(30). ^laA) ber 91.0^. wirb lUisbrücflid^ and) bie (5'ntfül)rung üon 0ci f raufen für ftrafbar erflärt (§ 248). — iBei ber i)tötigung unb gcu* ^■^) '^Ngl. ben 91.53. 3. M n. unb bie aiiinorität«DOta baielbft, c. '24 unb '2 IS. '*) ^:yevirf)tenöwenl) finb bie $H.3)J. c. 1:5:^ ff. unb befonberd ber 91.5). 9lbg. iJr. örafen ^Nininsfi; 3, 53 ff Sntcmationalc 6f)roni!. 437 fielen ITro^ung roirb t)on t>cm (^rfort)cnitd bed @trafantrag(d abdcfc()cn. 3" Iittcrcin 33cr(|cl)cn imt) unn $anb;\iDaiig foU jofet (toie 1»kä bei l'cr Nötigung fc^on naö^ t)cn früheren G". l>cr %aU, roar) ^rt»rof)unfl „mit rechts* roiX>rT9cr äufüöuni] von 9Jad)tciIcn*' (ftatt mit Scflct)unrt cincß iCcrbrcd^cns) ijfS i^"».-Jf. u. 144) flcnügcn. 3"^ ^^V^cifung ift cö ausrcicfccnb, bafe be^uf^ 2>crfc"rt bcr 8a(b« ein gröfecrer Ginflufe auf bic ötrafabftufung eingeräumt (§ z2CA). — >5^miIicnbiebftaf)I wirb bcr öffentlichen Silage überroiefcn, bleibt aber 3(ntragdbclift (§275). „Hrebitbctrun" ,.of)ni bctrügerifcbe Slbfic^t" ift nac^ bcr %% (§283) ftroftar, nnd) bcr 31.S5. ftraflo«.^«) — Untreue ift ftct« olme Eintrag rerfolg* bar i§*2.Sr)), etcnfo Grcfutionöücreitclunö (§3(4), bann unbefugte* 5 ci *Tlcn, gifdjcn unö Hrebfen. Sei bicfcn Ic^tercn ^fliftcn ift bcr flCs TOot)nhcit«inäfei}]e, nic^t bcr gciocrbemäBiöe Betrieb ftrafücrfd)ärfenb (§ 318 tie ;t20). -— gür bic 2lbftimmung oDer ©timmcntl)altunö eines (^läubißcrd in bcr Äon!ur§ücrl)anblun0 oDcr für feine (rinwillii^ung in bie ^ufliebung ^cs Honfurfcd Don il)m inet^ettcim auebebungene €onberi)ortcilc maci)cn il)n autiö au^cr öcm Satte bcö .3»wi^"9^^iu*9f^irf)'^ö ftraffälliji (§ 310).^^) 3iDci neue 3trafbcftimmungcn gegen wir tfc^aft liebe Stuöbeutung^"*) Unten nad) bcr Jvaffung bcr 21.3R. „§ 32(5. 9Ber bei iUräuficrung bewcglicf)er vcndicn gegen ratcnrocifc ^icjalilung^^) ben X'eidjtfinn, bie 9?crftanbcÄ5 'cbnjQdic oöer Uncrfal)renl)eit bc« (Jrnjerberd baDurdj außbcutet, X>ai er bcn^ Klbcn 5U "ilnjdjaffungin berebet, rodeten ben-*^) iDirtfd)afilidjen 33crl)ältniffeu ^esiclbcn offenbar nic^t entfirecben, ober baft er fiel) ober einem brittcn (Mcgens ^eiftuiiijen gewähren ober rerfprec^cn Uifjt, irclcbc ben 2Pert bcr ueräufeevten 2öie ihm licfannte *Jiotlagc «mc ^ roonac^ por @d)luB Oed SBeroeidoerfa^rend erfolgte ^ublifationen au^^ öffentlichen $auptuert)anblungen ftrafföUig fein foUten, rourbe vom 3C abgelel)nt. 3)Jti Wefängnid bis ju ;n)ei Satjren wirb beftraft, wer an einer "Öerbiit- bung tfteilninunt, beren ^wecfe nnf ßcroaltfame Sefeitigung ber Snftitute l»e — G^e, bcr S^w^ilif ober beö irigent^ums gerichtet finö (§ 149\ >valfc^e ^uefagen in cor nic^tgeric^tlic^en ^ettörben ai-gefiit)rten '^Nrtuan=: rect)töftrciten werben nact) bcr 31.95. alö 35 ergehen geftraft (§S 108 u. 4:^'> ^. l>i«i %\\^ bie nici)t „in beic^impfenben ^lu^erungen" erfolgte (>(ottedläfte rung ift ftnifbar, unb ed wirb bie ^Strafe in 9(nuät)enmg ^\\ ^^^ St.i3- au j= 3uc6tl)au« bid ju brei Jul)^«»^ erhöht; bie ^öeftimmungen ber %.%,, wonach" in ^(nlehnung an bae St.(5J. nuc^ bie gleict)e ^ctrafe jenen treffen füll, bc „öffentlich bcr 9leligion "SBcrachtung" be,Kigt, ober „ben (glauben an C^ott ;i^ i^erftören fudjt", würbe vom 31. abgelehnt nnb ber le^tere ilhatbeftanb (gleids:: wie in ben früheren (r.) ftraflod crflärt (g 181 f.).*Vi ^ie wibernatürliche Un5;ucht wirb (wie nac^ bem £t.(^.) aucö bann g^r" [traft, wenn fie unter 'iJJeibem oerübt ift (§ \%\). — 3ll0 2.Wrfcre(ben bc- ^ Äupvelei wirb aud) bie 5)cförberung einer "JJerfon ine 3luölimb, bamit fu « bafelbft mit ihrem MÖrrer un*,ü(^tiged Wewerbc treibe, geahnbet (>$ 19^ S- "v^ - — Xic ^Urführung eine* gefdjledjtlich unbcfcholtenen SJabcluMi* untcx" IG o^^^r*" ift anf ^ripatanflage mit Öefängniö bie -^u einem 5*^'i^^ ^^^ ^^' ftrafen (§ liMO. 2)ie ftrengere 5^eftrafung bcr beleibigenben ^Befchulbigung im %2k „Jöbliche" SBaffen werben .v»m 3ioeifampf nicht mehr erforbert i§'J;5S). 2^iefelbe wirb ber Isriuatanfliigc entzogen, bleibt aber 3lntrag$belift, ebenfo bie fahtläifige .Hörveriu'rlcvur.ci (sj 24.' »\ 9iur mit ©elbftrafe ui ahnbenbe Übertretung ift bie prouo;ierte unb im 3lfteft verübte leichte Hörperperletjung beö 3d)üler^ burch ben xrehrcr (§ 4(W). Oiach ber %.,%. wirb auebrüctiich aud) bie (intführung con (>3ciüc*2 franfen für ftrafbar erflürt (§ 248). — Jöei ber :)iütigung unb ge fahr» ^^) %^L ben 31.^0. 3. XI ff. unb bie "?3iiuoritiit»Ji)Dta bafelbft, 3. 242 f. unb 1\^. 'M ^öeart)tenöwerih fmb bie iH.3)i. 3. l.>'» ff. unb befonbere ber 9l.iB. (te4 3lbg. Dri trafen ^Jininöfi) 3. 55 ff Sntemationalc G^ronÜ. 437 liefen ^ro^ung wirb Don bcm (^rforbcmid bcd @trafantraf)cd abgcfcr)cn. 3u letzterem !Scrgef)cn unb <;uin Sanb.^ipang foU jc^t (icie bkft bei bcr 9<öti^un9 id)on nac^ bcn früheren &. bcr ^aU roar) 9^ct>rof)ung „nttt rec^td^ n>ibri<)cr 3"^"fl""9 ^^" ^iiiditcilcn" (\tatt mit 5^cflcf)unfl cincß SScrbret^cns) rjjg ilih^ f. II. U4) flcnügcn. 3"^^ ©rprcffiiufj ift cd außrcicfccnb, baft be^iifd i^cricbaffun^; cincd „rcc^tewibrigcn 55cnnögcndoortcilcö" ein Sronnj; „mit 3"' füi^un^ i»on 9ia(ft teilen" erfolgt, unb wirb nic^t mef)r cri'orbert, ba^ bicfc 3"* f ücjung fclbft eine „rerfjtöioibrigc" fei (§ 258). **) S9ei 5Diebftaf)f wirb nad) bcr 5l.'4S. in ^Innälierung an ba« ©t.0. bem S^crt ber ^ac^e ein größerer (£inflii^ auf bie Strafabftufung eingeräumt (§ '2fii), — gamilienbie6ftaf)l wirb bcr öffentlichen Älagc überroiefen, bleibt aber 3lntragöbclift (§ 275). „.Vlrcbitbctrug" „ot)ne betrügerifc^c Slbfic^t" ift nac^ ber 31.35. (§283) ftraftar, nac^ bcr 91.53. ftrafloß.^*) — Untreue ift ftcts obne 2lntrag rerfolg« bar ;§28r)), ebenfo G^efutiondücreitelung (§o(>4), bann unbefugte^ ^n^en, j\ifd)en unb Mrebfen. Sei bicfcn Unteren JJfliften ift ber ges wot)n^cit6mäfeige, nid)t bcr gcrocrbemäfeige 33ctrieb ftrafucrfdiärfenb (§ 318 bi* 32Ü). — %üv bie 3(bftimmung ober (Stimmcntf)altung cincö (?!iIäubigcrÖ in bcr ^onlureuer^anblung ober für feine (riniDiUigung in bie Sluf^ebung be9 Honlurfce von il)m inege()cim auebebungenc @onbervortei(e mad)cn ifm aud) auficr bem ;>[atte be« 3*"*^"9'54^»ögreic^cd ftraffäUicj (§310).^") 3n>ci neue Straf bcftimmungcn gegen n)irtfd^aftriri)e Sluöbeutung^**) lauten nadj bcr Jvaffung bcr 31.33. „§ 320. 9Bcr bei Sieräufecrung ben?eglid)cr (cadicn gegen ratenrocife 3ie;^a()üing^^) bcn X'cic^tfinn, bic 35erftanbe<5s >*rcäd)c ober Unerf»if)rcnl)eit bcö (rnocrbcrö baburc^ ausbeutet, baft er ben« klbcn ju 5ln[d)affung:n berebct, rodeten bcn-'") iDirtfdjaftIid)en Serpitniffen K'eielbcn offenbar nicf)t cntfiredicn, ober baft er fid) ober einem brittcn (Megcns Iciftungcn geroähren ober rerfprcc^cn lüjt. njeld)e bcn ®ert ber ueräufeertcu 3ad;c mafeloö überftcigen, loirb, iDcnn er folc^c Öefdiäfte gcrocrbömäfeig-^) botreibt, mit Wefängnie biö :,u einem ^Vil)v unb an Oicib liö \n 2000 fl. bcs firafi." — „§ 325. 3Kit (^^cfängniö bis ui U'd)6 S.Konatcn unb an Weib bi« :\u lux» fl. luirb beftraft, iDcr fic^ bor (Erfüllung einer übernommenen 2>crtragös vflidit in ber 3lbfid)t ent;ic()t, um auö bcr baburd) gefdjaffenen ^Jiotlagc bcÖ anDcrn iöertrag^teiled fic^ ui bcffcn 'Jiad)tcilc einen burdj bic Umftänbe nic^t qcrocbtfcrtigtcn l^ortcil :,u rerfdjaffcn." Xer (enteren Straffanftion ()atte bic M. (.§ 317 3- 1) 0"^ nacüfolgcnbcn vom 3C. ftrafloä belaffcncn 2i)atbcftanb untcrftcUt: „1. itJcr um fcincö Sl^crtcilcs willen bie ihm befanntc ^iotlage eines anbern baburd) ausbeutet, Xxi^ er il)n ju einer il)n bcbrürfcnben, burd) ^•■) 3n entgcgcngeic^tcm ©inne bas ^Winoritiitsootum bcr ilbg.Dr.^. 5!opp "• ^cn ; l bie fct)r bcnterfciKMuertc ^i^egrüubung auf 3. 2-tj ff. bcs 31.53. i«^) %]l. :)L11J. 3. IM) unb 3(.i8.' 3. fls '■I ^i^r. iiiM. 3. 14:i ff. unb 31 'i\. 3. 73 ff. .. '') %r. tR.3)i. 3. 140 ff. %M. ferner über nnbernjcitigc, ;um Teil an bcr "• ö. ^Ibüofatcnfammcr angeregte "iilnbcrungcn ber ii^efiimnunu^'n üter ftrafbarc «ena(t)tcilm[nv3 ber (^'»laubiger 31.5.^. 3. <)U ff. ^*) ^ie'fe brei ii'ortc fohlen in ber :)i:S. '") %%^.: „ge'*ellidaftlidien oDcv". '[) :H.^.: „gciüOl)ul)eitsniäfcig" ftatt „gca\rtsnuiijig". 438 Snteniattonalc (S^rontf. bic eingetretenen Umftänbe nic^t gerechtfertigten 'Slbönberung eined mit i^rrc eingegangenen 5?ertragcS beftimmt". ^ic gegen ben gemeingefä^rlidjen öebniud) uon Spreng ft offen geriAtetc" x^ §§:3ff. be« Öcf. Dom 27. 9Kat 1885, 3l.0.^öl. 9tr. 1:U (fiel)e Z VI 282 ff ^^ werben mit einigen a)Jobifi!ationen in ben (r. aufgenommen (§§ 3:^ ff.) unb b "Ä < ©trafbarfeit bes .Uomplottö mib ber 5^anbc oon biefen Xeliften auf faft a\ Dorfät^lic^en gemeingefäl)v(tdten SSerbred^en unb $erget)en au^gebe^i (§ 3G2). — 2^en biefe 2)eliftiägattung bctreffenben Spe.ualbeftimmungen roirr" eine clausula (generalis angereiht, burc^ roelc^e jebe oorfö^Iic^c ^^erurfadmi gemeiner 0efal)r für 9)?enf eben leben ober Eigentum mit S5erbre(^eneftra bebro^t wirb (§361; ogl. S Ö7 et.0.). ©efc^enlannafime tef)ufd pflid)tmä6iger 3(mt6au^übung. mad^t ben 93' amten in allen fallen ftraffällig (§ 371). — 9lerf)töbeugung wirb na bcr3l.9J. nur bei red)tön)ibriger Gntfdbeibung mit 3"t^tl)au§ geaf|nbet(§ 377 ^ie in (y. II geftric^enc (Straf beftimmung gegen lörud) beö 2)ienftge!)ei niffeö rourbc von ber %3^. reftituiert (§391), oom 31. mieber eliminiert. — (iine neue clausula generalis bebro^t jebeu ^^eamten, ^meld^er feiner 3(mt^ ober ^ienftpflicf)t jumiber ftanbelt, um baburc^ jemanbem einen Schaben $i/-- jufügen ober fic^ ober anberen einen 3?orteil 3u oerfc^affen" mit öefangniö ober OJelbftrafe bid ju 500 fl. (g 400). SGöcgen Übertretung ift unter geroiffen Umftänben ftrafbar, roer alö 3^9*' 3. 9. 3bentitätd5euge, einen i^m unbefannten Umftanb beftätigt, foroie nac^ ber 31.55. roer in einem ju behörblic^em 6ebräucf)e beftinmiter 3«"9n»f?^ roiffentlii^ falfc^c Slngaben mac^t (§ 435). — 3luclj nic^t öffentliclje unb nic^t in Ärger: nid erregenber Söeife oerübtc Tierquälerei ift Übertretung (§ 4(J1). — 2i« ^inge^ung einer Qt)C ungeacl)tet etned aitgegenfte^enben Cf)et)inbemifie0 ift auc^ o^ne Serfc^roeigung beöfelben Übertretung, jeboc^ nur fofem nicht baS .^inbemig ein prioate« ift (§ 44ß). — Gbenfo nac^ ber 31.9J. Sbppnotifierung. roenn baburc^ einer SJerorbnung juioiber gehanbelt roirb (§ 4(>8). — ^a§ un^ befugte Ginf(!hleic^en ^u ben in abgefc^loffenen Släumlic^ieiten ftattfinbenben imb nur gegen (^intrittdgebühr zugänglichen Sorftellungen, $erfanunlungen ober 3lu§fteUungen roirb nac^ ber 21.55. ebenfaUd ald Übertretung geftraft (§ Ö05). 3Son ben 3Jeränberungen in ben pro.Kffualen SSorfc^iriften bc5(yinj füfjrungd^öcfefteö fmb folgenbe Ijerporjulicben : ^ic Berufung ift nac^ ber 31.55. auc^ gegen ben 3(uöfpruc^ über bie periobifchen Strafperfchärfungen juläffig ; fte fann gegen bie Strafbcmefjung ju Öunften beö 3lngef lagten bonn nic^t eingelegt werben, roenn bie perl)ängte Strafe ein Scd^ftel (nach ber %^, bie fi»ölfte) be^ .vöc^ftmafeee nic^t erreicht (3lrt. :}8). — Söo Suc^thuuö unb Staatögefängniö altematip angebroht fmb, ift an bie Wefchroomcn barüber. ob bie Xh«^t aus peräc^tlic^er (9efinnung entfprungen ift, leine {vrage ;u ftellen (anberö 3lrt. 3ß bee (r. II). — ^ei 3luöfagen über eigene bienftlidjc ©ahr: nehmungen hnt in Übertretung^iachen bie (Erinnerung an benXienfteib (roie nach ber geltenben @t.%^.C.) bie löeeibigung ^u crfe^en (3lrt. 39, g 45^i St.^.C). — 5?ac^ ber %.tl roirb burc^ ben Tob beö Ihätere bie »e(ht«= !raft bed Urteild abgeroenbet CSlrt. 4^s). — <öci geroiffcn Sergehen, unb be« jie^ung^roeife beim 'lU'rbrec^en bee fct)roeren ^tebftahld gehi^rt bie $aupts Sntemationare G^rontf. 439 oer^nblung 'barm ocr bad ^^ivfdgcnc^t, fltatt Dor bcn (9eric^tdf|of erftcr 3nftan3, bejic^ungdwcifc t)or btcfcn ©cric^tö^of ftatt vor bad Sc^roiirs 0ert(^t, locnn ber Staatdaniualt vor (Einbringung bcr Slnflagefc^rift bic Serroctfung beantragt unb bie 9latdfammcr i^uftimmt (jtorrcftionaüfics rung); in btcfem $alle barf eine me()r a(d fod)ömonatlic^c, be^ic^ungdrocife fünfiäf)riöc ^reifieitöftrafc nic^t oertjängt rocrben (9lrt. 49). — S5on bcn "^Srcfes öe litten werben bie nur auf ^rioatanflage ju Derfolgenben S^efeibigungen ber fd)n)urgeric^tlicf)en Äompetcn.^ entjogen (9Crt. 4J) AI).-) ^ladf l)em (5.05. foUen neben bem neuen Strafgef. eine 9leiE)c ftrafs red)tli(^er ^pejialgefe^e in 3ßirffamfeit bleiben, (rd fmb bies tei(d {c^on geltenbc ©efe^e, teiI3 folcfte, beren (Sntroürfe bie Slegienmg im Sleit^Örate ein* gebracht ^at. 3u r^m erfteren gel)ören Da« ^refegef. JR.OJ.^I. 'Jlx. 6 ex 18S0 unb Jlx, 142 ex ISiiS, bie ©efe^ie über bad iBereinörec^t unb über ba« S5er« iamnihmggrec^t (9lr. l:}4 unb 185 ex 1867), bas (5Jenoffenfc§aftögefe^ (9lr. 70 ex 1S78), bad ItUic^ergefe^ f^Jir. 47 ex 1881 ; f. Z I 91) ff. ber »cilage), bas 5^ie[)feu(^enr unb ba« Slinberpeftgefe^ (^Jlr. .{5 u. 37 ex 1880, 9lr. 51 ex 1882), §§ 1 u. 2 be« bereit« erroäljnten ©prengmittelgefetfe«, 5lrt. IV beö (^le^cö Dom 21. SJlai 1887, %(^M. "Dir. 51, betreffcnb bie SBerlängenmg be« $riüilegiuin§ Der öfterreic^ii^^ungarifc^en öanf, ") ba« &cl d. 30. 3Wärs 1888 3i.0.»i. Silr. 41, betreff enb Den erfiuft ber Äabel, bie ftraf rechtlichen »eftim* mungen bcö SCL'ebrgefctje« (f. oben) unb oor allem ba§ Sagabunbengefe^j uom 24. aitai 18S5, %(3M. 9ir. 89 (Z VI 280 f.) ^ie nac^ Den le^teren Mi ahnbenDen Übertretungen Der SanDftreicberei, De« ^^ettelnd unb ber gen)erb«mä^igcn Unjuc^t werben jeboc^ jufolge 2lrt. 3 (£.(iJ. ^i 35ergeben unb foUen mit Q^^-- föngniö geal)nbct werben, ^ie in pari amen tarifc^er )l%erbanb(ung fte^enben Jtcgierungeoorlagen ftrafrecljt lieber ©pejiafgefetje, fämtlicb t)or 1889 eingebracbt, fmb folgenbe: (^e^ jur öintanf)altung ber 2ninfent)eit, ®ef. betreffenb ben Scrfebr mit H^cbenSmitteln, (5Jefet i^ur S?intanf)altung ber (^üterjertrümmerung, 3eemann«orbnung, SJ^arfenfc^u^^gefetJ unb (^efe^ wegen )ücftrafung ber 'dl'x&iU befolgung eine« 3){ilitäreinberufung«befeble«. ^3{ur bie brei letzteren (rntwürfe ftnD bereit« 18^9 im ^bgeorDneten^aufe ;^ur ^(enarberatung unb auc^ ^ir S(nnai)me gelangt. Xa jeboc^ feiner Derselben in biejem Sabre C5efet^e«fraft erlangte, fo wirb e« angemeffen fein. Die 8!iV|iierung aller biefer 5?orlagen bcm näcbften !Berici)te DorMibel)alten. r)3iitgeteilt Don ^•erm Dr. Ctto ^riebmann, ^rioatbosent an Der Uni« ocrfität 35>ien.) ^mltn. I (1«88). "äl« Öcfe^e ober S?erorbnungcn au5 bem oal)re 1W<8, bie oon ftrafrccbts licöem ^ntereffe finb, mögen folgenbe erwähnt werben. löerorbnuug üom 19. i)2är.^ 18S.S betreffcnb iöiafjregeln jur 53er5 6ütung einer 55erwüftung bcr ÜiJalbungon in 3.) auf ben 1. aWai 1888 beftimmt roirb. Grfafe oom '22. ^uni 1888 wegen 3lbänberung ber 2>crorbnung vm 28. *Roüembcr 1^1 über 3teUenüermitteriing«gefc!)äfte (Z V OTvl), n)clcl)er gegen Übertreter biefer 5üerorbnung bie 33efc§(agnaf)me fo meler be« n)eglid)cr 9>ermögen«ftü(fe feiten^ ber Staat^nmaltft^aft, al* jur 3?e(funai ber nncö ber 3Serorbnung 3uläffigcn f)öc^ften (>Jelbftrafe erforberlid) ericbeinen, verlangt. Serorbnung vom 21. September 188S wegen 5lufl)ebung ber fdion lönaji veralteten unb auS bem ÜJebraucbe gefommenen ?5crorbnung pom 4. It- .i\embcr 17($r) betreffenb bie 'öeftrafung berer, welche bie Katec^iemuöperi f)öre 5U befucf)en oerfäumen. 9.Wrorbnung com 0. :)loüember 1888 betreffenb ba§ 3Jerbot ber Cin« fufjr von '^^aren mit unrichtiger Urfprungebejeicbnung öc^ften t^eric^t ju ber oon ben (9runt= gcfe^cn t)orgefcf)riebenen '-Begutachtung überliefen mib loirb roahrfcbcinliä — ob mit mebr ober minber erbeblic^en 9(bänbcrungen, ftebt nocb bahin — in ber ndc^ften oitjung beö ^ieic^^tagc^ (181)0) jur SSorlagc gelangen. II (1S89). mc früfier erioätint würbe (Z IX 3. :^S7), battc im 3ahre 1SS7 t:\i 3 traf barfeit ber öffentlicfien 9lufforberungen ju 95 erbrechen eine nicbt un- beträc^tlicf)e Stuebc^nung erfahren, ^nt biöl)erigen iKecfit waren nur ti'^ öffentlichen 9(ufforberungen ;\um >?od)uerrat, sum X^anbe^oerrat un^ 5""^ 3(ufrubr mit Strafe belegt. iTurd) bae (^efe^j oom 28. Cftober ls*<7 rourte aber ale S 14 im ilap. 10 be»3 3trafgefetjbucf)e^ eine neue ^öeftimmung üb«^"^ bie öffentficfie '^(ufforberung .^ur (bemalt an t^erfonen ober Eigentum iStra«. Öefängniö ober C5>elbfirafe bi-j 3u 2 ,^NaI)ren) aufgenommen. .CMcrbei i^^ man nodj nicfit ftebcn geblieben. Tuxd} ba^ Öefetj üom 7. ^\un\ 18^' ipcgen 9(bänl)erung be^S ,Hap. 10 Jj 14 bee Strafgefetibucbee i«??^ ba-^ „SojialiftcngefcV", in ber Xage^preffe auc^, befonber« in ber pon tcf 9iegierung oorgefcbtagenen Jaffung, ba-^ „SJlauÜorbgefetj*' genannt) itt t** betreffenbc Strafuorfc^rirt bebcutenb enoeitcrt loorben. Strafbar ift bier- nacf) joDer, loclcber ju einer nacb bem Strafgcfetjbud) ftrafbaren .vanblunö ijffentlicl) auffordert, foioie berjenige, ivelcbor fonft burcft eine ijffcntlicfte ^^^^ forbcrung ;um Ungcl-orfam gegen (.^efet^e ober gegen "i^ehörbcn 3U pcrlciti*** uerfud^t. ^J?ad) bem :l{egierungöüorfd)lage foUte auö) bie öffentliche ^Murciiiu^t^ ju ^.Kat.regcln, ioeId)e eine '^ebrohung ber ^5):fcUfc^aft'(^o^t>nung ober ci»** üJefahr für ba-^ ^ikftebcn bcrfelbcn enthalten, unter Strafe gefteüi rocrK'*' internationale (S^ronil. 441 96er biefc »cite Saffun() rourbe von ber jroetten Hammer beS 9{ei4^taged Unter ben übrigen (^efe^^gebungdaften bed 3af)red IK^^ ift ermä^nen^^ loert ein nac^ meljä^rigen Vorarbeiten 5U ftanbe gefommene^ 6efe^ vom \ SÄärs l^Ö über bie Öcftrafung ber Slmtduerbrec^en beröeift* liefen, foiuie bie 3uftänbig!eit ber (3erid)te in folc^en Sachen. 92ad) biefem (9efe$e ift jroifc^en jrcei Jiategorien Don ^^(mt^oerbrec^en ber @eift(ic^en ber Staatefirc^e ju fc^cibcn: a) fotc^en, roelc^e nac^ bem Straf« ficfc^bucöe (in beffen Aap. 25 „Über 'Jlmtdoerbrec^en" Jreibeit^ftrafen, Öelbftrafc, älmtöcntfeftung unb Suepenfion al§ ©trafmittel t)or!ommen) ober anbcrn nic^t firc^Iic^en Öcfeften beftraft »erben (biefe SJerbrec^en ges böven oor bae Jorum ber weltlichen (i)erid)te); unb b) folc^en, für roelc^e bas oorliegenbe C^cfc^ Strafe oon 3lmt^cntfe^ung, Su^penfion ober J8er- »aruung beftimmt (über biefe 3$erbrecf|en urteilen in erfter ^nftan) bie j(onf ift orten, n>äf)renb baS allgemeine Cbergeric^t auc^ bier bie }n>eite ^m ftonj bilbet;. ^u ber erften Kategorie gef)ören aufecr einigen in § 4 3lbf. 1 bcfouberd verzeichneten I)eli!ten ("Aufgebot ober ^trauung eined Dorliegenben .t>inberniffe^ ungeachtet, Verbrechen in Vejicbung auf C^elber ober Sachen, bie ber C^eiftlic^e in amtlicher (iigenfci)aft in (^en)at)rfam h(^t ufio.) alle Serbrec^en, bie im Strafgefc^buc^ ober in anbern nic^t firc^licf)en C^cfeften befonbere unb au^brüctlic^ (alfo nic^t bloB burd) bie in ben §v^ 10 unb 17 bee Map. 25 beö Strafgefe^buc^ed für bie t)orfä^licf)e ober fa^rläffige Ver« te^ung einer 3(mtepflt(^t gegebenen allgemeinen Strafoorfc^riften) ald 5lmtöbelifte mit Strafe belegt finb. Xie erftgenannten I^elifte follen, rao fie im Strafgefet^bud^e nic^t befonbere gebacfit finb, nac^ ben ebengenannten §§ 10 unb 17 be§ Map. 25 beftraft werben. 3" ^^'^ .^weiten Äategoric geboren alle anbevn uon ben Öeiftlid)cn begangenen I^ienftoerle^ungen. (fiuige oon biefen werben 00m üorliegcnbcn (3cfe|f jum t^egenftanbe be* fonbcrer Strafoorfc^riften gcmac!)t, bie übrigen fallen unter eine im Wefe^ entbiiltene allgemeine Vcftimmung über bie oorfa^Iicfie ober fabrläffige Ver^ letjung ber geiftlic^en 3lmtöpflid)t. 2^urdi biefe iöeftimmung werben — oon ben wenigen im [§ 4 :Hbf. 1 (f. oben) ucrseidjncten reliftcn abgefel)en — bie entfpredjenbe^allgemeinen 3trafüorfd)riften be* 3trafgefel\bud)e§ (iJS 1^> unb 17 be^ Äa^ 25j in betreff ber Weiftlicfjen oerbrängt. (SDlitgtteilt oon .perrn "^j^rofeffor .öagfirömer in Stocfl)Olm.) ^iiici}. Xie „3eitfd)rift für Scbwcij^cr 3trafrecf)t" entbiilt in .'oeft 2':5 beö britten 'iübrgange auf 3. 27+ -290 einen erfd)öpfcnben oi^breeberictjt für ixsi» über „bie Strafgefe^gebung Dce ^-bunbe« unD t»er Mautono". Unter 'i^esug-- nähme auf benfelbcn fei bicr folacnl>cv hcroorgohobon: Onull. i*rooiforifd)e^ Übereinfommon .uoifdien ber 3d)wei^ unb ber ^iepublif (rcuabor über bio gertonfeitigo '?hi*Hieferung oon Verbredjern unb ben Voll^ig oon rliequifitorien. 3lbgefc6loffen am 2-*. ,Vnii 1>. 442 internationale (Si)roni!. Sreunbfc^aft-', iRtcbcrlaffung^« unb ^anbeldoertra^j mit bem una5()ängigen Hon^oftaat. 2lbflefcf|IoiTcn am 10. Dloo. 1889, ratifiziert am 12. ^cjember 18«» (ooti bcr Sdirocij) bejro. H. ian. 18iM) (uom Mongoftaat); in .Hraft getreten am 14. :}(pril isjHi. ^ie 5c6n)ei5 unb Crcuabor bejio. ber Mongoftaat gcn)ät)ren fic^ gegen: feitig betreffe 5(uelieferung unb :Mequifitorien aüe 3inberung ober Störung bc ^elepbonbetriebcö; Strafe bid 3 ^abrcn öefängni^J, bei erhcblicbcm 3ci)al>c bi$ 3 ^Vt)ren .^uc^t^aue) oerroicfen. !8.(5i. pp. baö 2clcpboniocfcn oom 27. ^^>uni 1SS9 (in .Hraft U 1. -yan. 1890). :)lad) 'Jlrt. 19 al. 2 tann u. U. bei öeicibigung oon lelepfjoi angefteUten auf tclep^ontfc^cm ^^ege bie pp. 3tation obne (rntfcbü^igun aufgehoben loerben. '^l^. über bic öunbceanioaltfdiaft oom 28. ouni lss9. Slblai ber 3{ofercnbumefrift 27. 'Zci;>t. Ta hiii babin nur 2:J92S Untcrfdiriftc für bie ^(olfeabftimmung gefammelt rcaren, fonnte bae (^(efetf auf ("^run 5J.^.^BcfcbI. oom 1. Cft. am 15. Cff 1S89 in Mraft treten, ^aö (^cü lourbc unmittelbar burc^ bic bcfannten (Jreigniffc b. »^. 1SS9 oeranlant !rer (^encralamoalt ift im rocfentlicfteu 3taatöanioalt fccr (ritgonofu-i fdjaft, oberfter 33eamter ber g er icbt liehen '^^oli^ci unb >:ilf'jarbcit. für gefeljgcberiidje 3(^i)pfungen. Übrigen'^ ift feine .Hompetcns im i^\iW\ nicht fcbarf firiert. Ter C^cnerülanioalt loirb oom ^% gctoählt unb ftcbt unter bcfh 9(ufficht rilrt. 2;. „Crr übenoacht bie ^vembonpolisei in ^^U'jicbung auf .van hingen, loelchc bie innere ober äuftere 3id)erbeit bor 3d)ioci5 gefährbon, foio bic be5Üglid)en Unternehmungen, unb unterbreitet Dom Bunbeörat a\ 5lu»oenbung be« 3lrt. 70 bcr BunbcJocrfaffung gehenbe xHnträgc." .H.:H.:'-Öefct)I. oom 1. Juli 1889 pp. baw rKeglement über bie ,"yabr fation unb bcn Serfauf oon rfünbböljdjcn oom 17. Cft. Iss2. internationale (S^rontl. 443 3ufa^ ad 9(rt. 11: „unter gleichzeitiger ^onfidfation ber roiber: rec^tlic^ fabrijierten, jum Serfauf aufgebotenen ober importierten i^Baare". ftantonc. % tn|cU Ä.-Rl|. 0. r. 28 3(pril 1880 enthält 3ufatj ju § 124 etr.ö. („einfü *r ^anfcrott, 30^""^"*") ha^ 2(ccorbicren betrcffcnb. fiafclftalit. (3. pp. Gntfdiöbigung für unoerfc^ulbete ipaft, 00m 0. ^e.^. isSiK 9(bgebructt in ,rf. f. 3c^ioci3er 3tr.9l. 33b. II 505 f.; ogr. aiiA IIL 9i>. Btrii. ^V be$ diegierungdratcd betr. bie !{]tern)cnbung gefunbl)eits |d)iib(ic^er färben ufio.; über ba^ 3d)[ac^ten oon Sie^ unb über bcn Sl^M'tftücrfouf; betr. ben .t>anbcl mit '^i&zin unb gebrannten ^iaffcrn. (ftrneoc. Xa^ «Projet de re forme du jury** ift noc^ nid)t jur :bciatung gelangt. ontercffant ift ein üvlai bc5 3taaterate »oin 7. 3)iai 18r).iö. in iUu^fidjt. T*a«i Projet . aJJärj IJ^SJ» ift ocrfafjt oon 3taat«rat (Sornaj. Loi sur l'assistance publitpu' et sur la protection de rentauce malbeureuse 00m *J.'J. ^JDiär^ 1HS9. i)icu ift namentlid) ber lUrluft ber elterlichen Weiualt, fofcrn berfelbe nac^ irtrt. ii^) in gcioiffcn 5^Uen, ohne '-Bcfcijlufi ber iöormunbfc^aftebebörbe eintritt. St. aialleii. (fin 9lac^trag«=(^J. über bie 3tr.iH.-1üflege fteht beoor. 2^ie groBrötlict)e .Hommiffion f)at In .v)auptreüifionepunfte aufgefteUt, itire Ibätig: feit iebocft im .pinblid auf bie ju geioärtigenbe '^^erfaffungöreuifion vorläufig eingefteUt; einftroeifen ift ein ^liac^trage-'C^. betr. bieiBerjäbrung bei ^b. unb ^q. ü. 21. 'Jioo. 1S89 ju ftanbe gcfommen. 3ttg. ^n äug ftetit eine neue 3tr.iNr.C. beoor. 3^er (rutiourf lourbe oon einer jroeiten Mommiffion burc^bcraten unb über bcnfelbcn ^oric^t ers ftattet. 3ürid|. (3efe^ betr. ^^Ibänberung ber §S 06 bio 70, ln."i(j unb 1151 bee (iJefe^e* betr. hit jürcöerifcfic :){eci)t'?pflege oom 2.^6$. 1874 unb l:V ^uni !««() oom 5. 5Jiai ixsj). :r^a>> (5Jefc^ entbiilt einige neue JBeftimmungen über bie 5lnfIagobe()örbcn, namcntlid) über bie — wenigften^ bem Tanten nad) — neuen ^^^e^irf^anwälte", bie in ^üric^ unb ^intert^ur an 3teUe ber 3tattl)a(ter funttionieren. 3citf(^rift f. b. gef. 3trafr«di!^ $oraudfet}ung ber ^eiDiUigung ift, ba^ jeber SSerbac^t einer oerbrec^erifc^en £tanb(ung audgefc^Ioffen ift anbemfall^ ift bem Statthalter begro. Be^irfd- anroalt Mitteilung gu machen. SB.C. 0. 21. Cft. 1889 betr. bic »cauffi(§tigung ocn ?rioat = betentioneanft alten. 35.0.0. iM. Oft. 1889 betr. bie Ginwcifung oon SKinberjäfirig e n in ^cfferungdanftalten. SB.C. D. 21. Oft. 1889 betr. bie Drganifation ber ftaatlicbcn 3{orreftioneanfta(t in 3iingn)eil. Se^tere 9(nfta(t ift für oern)abr(ofte Jtnaben beftimmt. Über bie biöberigen Sßirfungen be^ au^ bem 3ö^re 1883 fierrührenöen 2Öuc^crgefetjc§ be« Äanton« 3""d) ift fofgenbed oon Ontereffe. 9.^on 1884 bie 1888 finb 14 ^äUe oon SBuc^er j;ur Beurteilung gefonciiten unb von ben 14 9(ngcf(::gten rourben nur 7 oerurteiU, 7 bagegen freiere- gefprot^en. 2^ie 7 Verurteilten waren i^rem 53erufe natb SHecftt^gcnten i 2) (3efd)äftöleutc (1), ^riootierd (2, beibe frübcre 0eri(ftt«weibcl ), Berufter (1.) SvJeber (1). Xic 3trofen oariierten jioifc^en 4 lagen unb 5 SRonaten (3e- fängniä; bie (^elbbu^cn, bie in jebem $aUe neben ber (^eföngnieftrafe au^- gefproc^en würben, bewegten fid) jioifdien 30 gr. unb 50u Jf- 3)JerfTOÜrbigern)cife erfolgte au« bem öejirf 2)iel»borf gar feine ^Cnflacjc, obf(§on ber 3lnfto6 jum aBuc^ergefetj auö biefem öe$irfe berrübrtc. dpaiücn. d{ebe bei (Eröffnung ber (>)eric^t0^öfe. 9IUjäf)rIic^ am 15. September finbet im großen Saale be« f)oc^ften 2ri' buna(§ bie (SrÖffnung ber 0eritbtef)öfc ^att. 3^er owftijminifter (Miii. «1^ Gracia y Justioia) ober ber ^rafibent be« böc^ften 2!ribunal* pflegt b*^^ biefer Qelcgenbcit bie Gröffnungerebe gu Wien. (ianolejaß, ber jüngfte SRinifter, ber biefeS ^obe 9lmt in Spanien t«^ ' fleibet ^at, führte am If». September 18S9 ben Sorfi^ bei biefer 5«ierli(^ ' feit unb oerfa« eine lange Kebe ooU oerfü^rcrifrf)er 5?erljei6ungen. 3^iefell> ^ gibt einen Überbticf über bie ^wftijrcformen, bie Spanien fo nötig ha ^' beren $ern)irflid)ung aber nocb nicf)t abjufeben ift. ^ai bad Strafre(§t angebt, fo bcfcbäftigte fic^ ber SRinifter mit bc CodifiTO pönal, ^leunjebn ia\)tt fmb oerfloffen, feitbem berfelbe alö prc^ oif oriftbeiJ C3cf c^ erlaff en würbe : er beftefjt nod) ^eute, nenn andi brei (rn würfe in ben Jabren 1880, 18w2 unb 1884 ben (Sorte« oon ben 3""*? miniftern — iöugallal, ÜKlonfo 9)lartinej unb Siloela — oorgcicg würben, veroorsufieben ift ber (Entwurf Siloeta (1884): ba« ^^ob, wclAe ibm C5arofaIo in einer Atritif in bem Archivio di Psichiatria uf f penbete, war wobloerbient. o^m würbe fid; wohl im wefentlicben (Sana. ^ lejaö mit einem oierten (fntwurf angefcftloffen baben, wenn er im 9tm^^^ geblieben wftrc. "Jlunmebr bürt'te oom gegenwärtigen onftijminifter ^ilic^ ' oerbe in ber erften H'egielatur ber neuen (Sorte« eine 55orlage ju gerojt "^^ tigen fein. internationale (S^ronif. 445 3fl bie 9leform be« C^efef^buc^ed aber roirflic^ eine unbebingte 92otn)en' bi^teit? Verlangt bad £anb gebieterifc^ nac^ i^r? Son iftren SCnI)ängern rotrb bie erfte Srage lebhaft bejaht, über bte jneite beroa^ren fte Schweigen, ^n ^a^rf)eit interefftert fic^ bad £anb nur für folc^e ^ufti^refornten, bie einen politifc^en .^intergrunb I)aben, roie bied S. 9. mit ber CffentUc^feit unb 9Rünb(ic^feit be^ Serfabrend ber JaU ift. ^iefe f^abm bie !l^ibera(en in ibr *^rogramm aufgenommen a(d $roteft gegen ba§ ^nQuifitioneprinjip unfered alten ^erfa^rend. (Ein (^leic^ed gilt oon ben (^efc^roorenengeric^ten, beren (Sinfü^rung fo gut einen politifc^en (S^a^ ratter ^ot, roie bad allgemeine Stimmrecht, ^m übrigen ftebt bad £aub ben fragen gani^ gleichgültig gegenüber, ^reilic^ legt bie fonferoatioe Partei ber (3efetedreform eine politifc^e ^ebeutung bei. inbem fie größere (^rantieen gegen S^ajeftätd« unb ^teligiondoerbrec^en oerlangt Sc^roerlic^ entfpringt bied ben 2li>ünfc^en bed £anbed. :^vl oiel bed 6ifer«(! Sad bad Verlangen nac^ einer 3$ereinfac^ung ber gegenn)örtigen @tra: fenleiter betrifft, fo e^iftiert allerbinge im (^efe^ eint gro^e SRannigfaltig^ feit Don Strafen. Slber praftifc^ beftebt gegenwärtig unter i^nen faum ein anbrer Unterfc^ieb, al^ ber ber ^auer. ^ie ^öfung ift alfo Dielmel)r in einer n)of)loerftanbenen 9etfe ^reifjeit aH eine oorjeitige unb gcfäbrlicbe 92euerung: ihr fielen unfer mangelhafte^ Strafenfpftem, ber ooUftänbige S92angel oon öilföelementen (roie 0cfeUfd)aftcn für entlaffene Sträflinge; entgegen. Slnnebmbar n>ürbe nur fein, ba^ bie prooiforifc^e ^i^ei^eit bie ^nroenbung ber (^nabe erfef^en fann, mit ber bei geroiffen Gelegenheiten n)irflicber Wi^^ brauch getrieben roorben ift. 2^ic Straffolonie (Seuta. Xa^ !gl. 2)cfrct oom 23. 2)e3ember 1889 roanbelte bie alte Straf-- anftalt (Seuta (fpanifc^e Stabt in 3lfrifa gegenüber (Gibraltar) in eine Strafe Kolonie nac^ ^rogreffiofpftem um. ^adfelbe Ifat oier Stabien: 1. 3ellen: ftaft, 2. öemeinfame ilrbeit, 3. Gntlaffung tagsüber („oon Jianonenfcftufe ju Äianonenfc^uf;* — ber erfte al^ 3)iorgen5, ber le^tere ald 3lbenb|ignal): bie Sträflinge arbeiten frei in ber ^tatt, 4. prooiforifc^e Jyreibeit in ber Itmroallung ber Stabt ober au^er^alb bed ^la^cd in ben (Mrensen ber ^ilitärgone. Xai fgl. 35e!rct f\at in ©irflicftfeit nur legalifiert, roa« fcbon beftanb. v>a, bad Softem roar fcfton oor (Srofton in ben fpanifd^en Straf anftalten ber norbafrüanifcben Hüfte, fpejiell in (Eeuta, in (Geltung. ^Jemcrfcneroert ift, bafe bie (Sinroobner pon (S,iuta in üorjüglid^cr Gim trad^t mit ben Verbrechern leben, ^enau fo, roic bie 5Jcn)obner oon @^eel, ber berühmten belgifc^en Kolonie, mit ben (^eifteefranfen. Strafgefangene gibt e^ in (liuta feit bem XV. oaftrbunbert. 3]ergleid^e bc$ näberen: Catorce meses en Ceiita oon ^elooillad unb La vida l»enal en fispara oon Saltlla^. Vergleiche auc^ $rau (Sonception 3lrcnal in i^rcm Veric^t an ben internationalen (Mefängniefongrefe oon St. "^eterdburg. 29* 446 Si^t^timtionalc G^ronif. Xa^ (>)efc^n)orenenoertc^t in Straffac^en. 3)lan tann nocft nit^t \ac^in, ob bic Sury fid) bei un^ roirflid^ einlet"^ «w wirb, aber man fann roenigftcnS uerficbern, bafe ba^ (^cfc^ Don 1SS>^ nc. Ät basfelbe '3d)icffal ^abcn wirb, wie ba^ von 1S72. 3ur 3cit if)rer erftcn SSerpflanjung nacb Spanien lief bie ^uri) ÜJefaI)ren einer unfic^eren politifc^en Sage, öcutc erfd^eint fic roieber. bei njo bae 5üanb feit langen ^abrcn ber 3iul)e genickt. 2)er erftc 3ierfuc^ anormal, man fann ibm nicftl bic ^cbeutung cineö ernftl)aften (f jperimen- tce juerfennen. 2*ie (Sinfübrimg ber (SJefc^roorenengerid^tc trägt in unfcrem Sanbc gc^ — in; bae Öeprägc einer politifc^en Sieform, iiiberale iinb 3?emofratcn finb i' hre cntfd)icbenen 3tnbängcr, bie Äonferoatiocn ibre Jeinbe. CSanaUjaÄ crflärtc fic^ in feiner 3iebc für biefelbe: fie ift bic Üoi — 'mh quenj feine* politifc^en ÖIaubenebc!enntniffc§. XW ^tonferuatioen l>c: fämpften fie auf bcm Üongreft oom juriftiftbcn 3tanbpimft au^ unt> I>e: riefen fid) auf Pfcrri, Öarofalo, !^ombrofo. (Sin liberaler S^eputicc- ^fr antroortete ihnen, bafe fic il)re "Jlrgumentc ber materialiftifd^cn 3djulc cri/- IchnUn, "^lan fiebt barau^, ba^ e^ in Spanien feine einjige, minn ait(b an fid^ rein ioiffenfd)aftIi(§e J^agc geben fann, bei ber nid)t fogleid^ ein religiöfeS ober politifd^ee "^Irgument berangejogen roirb. 9lad) (Sanalejae hat bie öffentliche 9)ieinung bie (rinfübrung ber (!Je* fd^roorenengeric^te ohne 35oreingenommenbeit, roenn nid)t mit Sympathie aufgenommen. Xie y\ur\]ten glauben, bafe immerhin eine grofec S^it nötig fein wir^ um bic Bürger an bic Erfüllung ber Öefdiroorcnenpflic^ten in goioöbnen unb bae 'll^iberftrebcn bagegcn ju überminben. '3{ad^ ber iSRebr^abl ber von ben Subftituten gefammeltcn ^öeric^te fprecben befonbcrc '^lierbältniffe loeber für noc^ gegen bic öinfü^rung. 9ia(b ben örbebungcn üon Ganaleja^, beläuft fic^ bie S^}^^^ ber 5^cifprecbungcn feiten« ber ^uvx) in ben erften Pier aJionaten ibre« ^efteben« bi« gum 31. 3(uguft 18S9 auf 2(i %, »äbrenb biefelbe bei ben (iJeric^t«böfen im SKittel :30 *» beträgt. ^ic legten (Ermittelungen beioeifen jebod) fo Diel, bag im allgemeinen bic yyuvr) jur 3?a(§fi(^t befonber* bei geroiffen ^eliften neigt unb bäufig milbernbc Umftänbe bei ^Jiotrocbr annimmt, o« Üatalonien, S^aoarra unb Saragoffa rourben tjon Slnfang an bie 3prüd)e ber ^ur^ beifällig auf= genommen. 3« 'Barcelona, loo .^^anbel unb (iJeroerbe im ^orbergninbe ftcben, fcbeinen 3^iebftabl unb überhaupt S^elifte oon einer geroiffen Scbroerc ftreng qualifiäicrt ju rocrbcn. ocbenfall« bcbarf e«, um flar ju febcn, no* eine« genaueren Stubium-^ ber 'Xl}at\ad)cn. ^ellcngcfängniffe. 1SS0 fanb bie (Sinioeihung ber ,^cllengefängniffc oon icriba unb 3t. 3«^ baftian ]tatt, bic für Unterfuc^ungebaft unb für forrcftioneUc Strafen beftimmt finb; ba« tJon St. Sebaftian ift tin folibe« unb gerabeju glänjcnbe* (iJebäube. (re gibt gegenmärtig in Spanien 16 ^cUengefängniffc ber 3lrt: ÜKabrib. Söilbao, 6anga« be Cuie, (Sicra, (iJuabalajara, .'ouercalsOoera, Seriba, i'ugo^ ü)taüalcarnero, ^^ola be Saoiana, üuiroga, San Sebaftion, Salbepenad«. I 3ntcniationaIc 6£)ronif. 447 5eri^ara, ^igo unb 9]littona. 3" ^«" fin^ (^^ofic Öcfängniffc in SSalencia unb in Barcelona, projeftiert nod) viele anbere, manche von ber 'H^ic^tic^feit be^jonigen ^u SeoiUa. *^on ä"^*ftäufern mit S^Ü^wfvft«'« bcfteftt nur baö con 3t. SKic^acI (T^alencia^ luelc^ed noc^ nicf)t beenbet ift. ^Tae ^rtbrbut^ für ÜJcfäugniöiucfcn (Lauiinaire penitimtiaire) bildet einen S^'w^aJ^b von ca. 5CK) 3.: c$ ift bic erftc ^'iublifation bcr ttt, rocichc bic Öencralbireftion ber Strafanftalten hat brndcn laffcn. (fii^ontümlic^ ift babei ber Umftanb, baft ein Äi^crf von fo grofeer ffiicfttit^feit in rcenic^cr benn 0 9)2ouaten c\efd)ricben iDorben ift. (fe ift in Spanien bcinal)c 3{riom. bafe ijcraiffc ÜJcrfe offisieUen (Sfjarafter* ]cf)r fc^neÜ ober überhaupt nid^t ^uftanbe fommcn, ein :üeioeio bafür, bag fic nic^t baS ^>roDnft einer guten Crganifation bcr Senoaltung finö, foubern oiehncbr MC 5rurf)t be* guten 2i'iiUcniJ unb ber iJnteUigenj iinc^ ober mc[)rercr :öeamter, loclc^c fit^ ben 9lrbeiten roibnion, um bem iiJunfdie einee 3Jiinifter3 5U cntfpred)en, ber al§ 2)iann uon großer onitiatiuc gelten roill. ^a« otibrbuc^ jerfäUt in jiDci Icife, in bie 3^arfteUung unb in ba^ urs !uub(icf)c 9)2aterial. I'cr crfte Xeil entdält eine 3)iengc Xetatl^ über bie Crganifation bcr ctrafanftaltcn unb bie neueften offisicUen 'l^erfügungen. Siiou iWebeutung ift Die 3tubie über bic (2ntioicfe(ung ber (3efängniebau!unft in cpanien toäbrenb biefe» ,Vibrf)unbert«'; ber lUadnoci? über ben 3tanb bcr (^>cuingniifc unb ber (fntiüurf einer (^efd)i(l)te ber 3trafgefet5gebung. ITcr 3tubie über bie (^efäugni\>baufunft finb 'J-J ^botograuureu viv fdiiebencr Wefdngniffe unb bie ^l^uriffc bcr isoo unb 1877 aboptierten 3KobcUe beigegeben, (fine franjöfifc^c '^tuögabe Diefer t'ublifation ift au§ :Hnlaf> beö 3t. ^.^etereburger .Hongreffeö ueranftaltct lüorbcn. i^ic 3^arftelhing enhnit boö i*Jiffcneioertefte über unferc -17<) (^3efängniffc unD U 3trafanftaltcn (i?lrt ber iKnftalt, (^cfd)ict)te, ^age. ,Suftanb, (^Jröfec unt (rinteilung be'i" »>om XV. Will. ,^abrhunbert befdiränftc fid) biiraiif, ^cn ('Galeeren :Muberfned)tc, ben militäri|d)cn i>refiDioe, bauptfäc^lic^ bcncn bor afrifani'd)en jiüfte. :?lrbeitcr unb 3olbaten ^u liefern. 'iUan mujj alfo beim 3tubium ber bicraiif be;üglidjcn Wefctigcbung<>gcfd)id)tc auf ^it (TDiftc, :)ieglcmento unb Crbonnan^cn Der (?W'ncralfaritane Der (^»alecren unD Diejenigen ber i^rcfiDio'J ^urücfgehcn. Zcr 3traft)oU;ug hing feit Dem XV. ,^iifn'bunDort in 'i»oirflid)feit oom rirfitcrliiten Crrmeffen ab. ^a Die »vrcihcitoftrafen nod) nidit erifticrten, bcrrfd)ten tie förperlid)en Strafen unb Da»? dril. Xii :)totiüenDig!eit oon :>iuDevfned}ten für unfere (^Jalecrengefdnuaber '^oon cpauien, 3icilien, iJ^Mpel. 3arDlnien, u'itiocifc iUid) i^ortugali fprad) .^u Wunften Der (^alcerenfinre, bie fid) im iiiinimum auf Ü ^abrc, im Sliiijrimum auf 10 ^a\)rc btluf, nad) CSeroantcj ein Üquioalent be« bür-- 448 Sntemationatc (St)rontf. ger(id)en Xobed. ^^ft nl^ic^S^itig mürbe ;bie ^^refibioftrafe ein{)efül)rt, bi^ eine Umbilbung ber ^crbannunc^ roar. ^it erftcn ^Verurteilten ftiefeen 3?erbannte — beftimntt für ben Sijaffcn« bienft (leichtere Strafe) ober für Jeftung^arbcitcn (fc^roerere Strafe). 2^auer : 0 9»onate bi^ 10 ^afjtt. So fam ed, ba^ mit bem SSerfc^roinben ber @a(eere bie 'i^refibioftraf c allein übrigblieb unb mit bem 9.^erfc^n)inben ber äKilitdrprefibio«; ber Stanxc i^reftbio auf unfere StrafanftaUen ü6er()in(^. Unter ben 2^etai(e über bie Drganifation beS 38erioaItunfl§bienfte^ finbet fi(^ im S^^t^^uc^ Diel ^ntereffante^, aber meift nic^t 92euee ober befonber^ ^^ic^tige^. l^er ftatiftifcbe 7ei( mu^ a(4 ein mangelhafter $erfuc^ betrachtet loerben. 3>ie Sitteratur auf bem (Gebiete ber Strafrec^toioiffenfc^aft. ISS!) iit in Spanien auf biefem öebietc. oon Sluffätjen in ben juriftifcben S^^^- f(^riften abgefcben, wenig 35ebeutfame^ erfc^ienen. in le^jtercr .^'»inficbt ifi auS ber Revista s^eneral de Lcj^islacion y Juriflprndeucia (herausgegeben Don % T^orabo, Prof. aux. a. b. Univerfttät Satamanca cim Serie oon 9(rtife(n unter bem 2itcl ^La antropologia criminal en Italia'' bcroorjulje ben. ^^rof. 2)orabo befpridjt in benfelben mit voü- fommener Sad)fenntniS bie cinfcblagenbc Sitteratur ^talien^g, bie Xen* bcnjen ber scuoia iiositiva, bie er unmittelbar in otalien (Bologna) ftubicrt l)at. ^erfönlic^ oertritt berfelbe ben Stanbpunft bed indirizzo niediu o^er be«^ positivisino critico, in roelcbem nac^ feiner !?(nfid)t obealiömu^ unD ^^ofttioidmu« 5ufammcntreffen unb fid) vereinigen. 3Won fängt an, fid) mit ben 2enbenjen ber friminalantbropologifdjcn Schule näher i^u befchäftigen. Öei ber Gröffnung ber Xribunale lourte ber OiegenftanD oon mehreren Siebnern berührt, ^n ber mebi^inifchschirurgifcheu 3l!abemie biefutierten 3(boo(aten unb ^^uriften lange über ba« Xbema „^er ^rrenarjt oor ben Öcricht^höfen". im ^thenaeum oon SRabrib besprach man mährenb eines ganzen ^urfu^ ba« 3:hema: „Kriminalanthropologie unb Strafrecht". in ber ÄgI. ow^W- fd)cn Äfabemie war in ben Aturfen 1SS8 unb 1880 baS Jöuch: „S^^^^i""^ feine Schule" Öegcnftanb ber 25ie!uffion feitenS ber 3)Jebi3iner un^ SCbuofaten. Siloela, früherer ^'^uftijminifter, führte ben 95orft^. in feinem iHefümce erflärte er ftch mit ^eftimmtheit alö "Slnhänger ber pofitioiftifchen S^^etho^e, ohne jjeboch auf fein metaph^fifched (!)laubenebetcnntniS 5U uer^tchten. (,9Utgeteilt von .t^errn diafael SalillaS, CAmi de bureaii. 3Iinisterio de (iracia y Justicia in SKabri^.) Ungarn. Xae öcfci* über Die 3lWhrfraft f(M. 3(rt. VI v. i. 1SS9) enthält fol)^*nl>e ftrafrechtliche ^cftinimungcn : C:in Stcllungdpflithtiger, loeldjer ;ur SteUuiig ot>er ;ur Überprüfung nicht rechtzeitig ericheint unb fein ^erfaumnie nicht lnnrcid)enb rechtfertigt, foroic auch ber lUKitfchulDige an bie)er Übertretung roirb an (^el^ oon 10 bie ;u LHX> djulöen beftraft. Sntemationale (S^tontf. 449 Vkt jebot^ in ^er Xbft^t, ft(^ ber Stettungdpflicbt ju cnt^utieit, von ber SteOung ober Überprüfung aiiebictbt, n)irl) a(d 3teUung«if(üc^tIing be^anbelt. ^n 8teaungdflü4tling mxtb bei bcr bctrcffcnben StcUung auf;cr bcr ^ItcnS.- Haffe unb Soöreifie gcfteUt unb tiat, nenn er na^trä^^ütb frehoiUtg erfd^ienen ift. ein ^af^x, im (3egenfaUe t^mci Ja^re über bie gefe^lic^e £inienbienftpf{ic^t beüe(nmt;«n)eife nac^ ^aftgabe feiner fbrperüc^n Gi.jnung über bie fröfen^ bienft^eit in ber ^anbioe^r präfent ^u bienen, rooburc^ anä^ eine entfprec^enb ^erlängening ber GMamtbienftpflic^t eintritt. äBirb er aber, n)enng[ei4 nur .;citlid), a[6 bienftuntauglic^ erfannt, ober a(0 „SRinbertaugtic^er" in bie (rrfa^referoe eingeteilt, fo ift er im ^alle bee freiwilligen Grftbeinene mit ^rreft von brei 2agen bid ;;u einem 3}}onat unb an (4elb von 15 bij^ ju lii) Bulben, nenn er jeboc^ nic^t frciroitlig erfc^ienen ift, mit SCrreft oon fe(^« Tagen bii» .^u jroei Monaten unb an C^elb oon :30 bid 300 @)u[ben ^u bcftrafen. ^ft ber SteUungöflüdbtling bie ;um (^nbe be€^ ■^af)reö. in n)eld)em er bad •{6. äeben^iat)r voUftrctft, oor ber iStcUungd^ beüetjungemeife Übcrprüfungd^ ilommiffton nicbt ericbienen, fo ift er mit 9(rrcft oon fünf;ef)n Tagen bid ju ;iO(i 9Xonatcn unb an (9clb oon iiO bid \u '100 (Bulben ;u beftrafcn. 9{itid)ulbige an bcn im ;n>eiten unb britten 9[bfat^e be;ei(^neten Über: trctimgen werben mit ^rreft oon 3 Tagen bid i^u i^mei "äRonaten unb an C^elb ton 15 bifl ;u :ttX) Wulben beftrnft. S 45. Ser in ber Slbftc^t, [id^ ber 3tcÜungdpf(i(^t ,^u entAief)en« bad Q^ebiet ber bftcrTeid)ii(!^sungarifd)en 9Kcnar(t)ie verläfit, ober n>äbrenb ber 3teUung ft(^ außerhalb ber (^ren;cn ber 9Konar(t)ie aufljält, mac^t ficb eines $ergef)end ^(bulbig unb loirb mit (^fängnid bid %u einem 3^^^^^^ unb an (9e(b bid ui hiO (Bulben beftraft. Singer biefer 3trafe unb unabhängig oon beren 9(n: n)enbung roirb ein folc^er <3teUungdftüilU(ing bei ber betreffenben Stellung ou^er ber ^Iterdflaffe unb !L'odreif)e gefteUt unb be^üglic^ ber '^bletftung unb Verlängerung ber ^ienftpflic^t nad^ ^ 44 befianbelt. §4«. T'ort, n>o fid) bie ?i^et)vpflicf)tigen in gri}^orer ^n^at)( burd) Stellungds flud)t entziehen, fann ber !ifanbeduerteibigungdminifter 3ur 'Kbt)ilfc bie f eigens ^en aufeerorbentlidjen 5Ka6regeIn treffen: a) (St fann anorbnen, ba^ iolc^e ioet)rpfli(t)tigen ^lücbtlinge, bid fie ilirer ^Jkbrpflid)t nid}t entfprod)en t)aben, foroic aud) jene, loeldK il^re (Entfernung Ober Jernbleiben beförbert, ober fie ba'^u oerleiiet l)aben, p»T Hopf unb für jebed >Nat)r, in n)eld)em fie oon ber ^ffentierung fid) entzogen ()aben, an &ilX> oon >et)n bid bunbert (?^ulben im abminiftratioen äl*ege beftiaft loerben. 5i}enn ber uir Oklbftrafe '^Verurteilte fpäteftend binnen W) Tagen oon ber c^cfutioen ^efd)Iagnat)nie gerecbnet fid) melbet, loirb foroot)l er, ald auc^ bie« ieuigen, roeldje bcffen Crntfernung ober Acmblciben beförbert ober i^n baw verleitet haben, oon ber (^elbftrafe befreit. il^äl)renb biefee Terminen oon tM) Etagen tonnen au^er ber erefutioen :Beid)lagnal)me anbre erefutioe 3(!^ritte nic^t $lau greifen. 450 Sntcmationale (S^rontf. Xuv6^ bicfe ^fttinmunjjcu bleiben Die 8trafbefiiinmungcn ber §§ 44 un^ io tmberüfirt. b) (5r fann ferner anordnen, baf; für bic in folcben ©emeinl^en ,;uftän^ii;c1l Sünj^Iin^c 5luöfanDepäffe, iHcifelej^itimationen m\t> 0rcn*,übcrfcljrcitim|^e Ccrti: fifate nur fiCßen eine Äaution uon 10 bis 800 ®uIDen erfolgt irerticn. Xit Äaiition verfällt, rcenn ber 5^ctrcffenbc bei ber näcbftoi 5lffentieninj^, ;u rocIAcr er aufgerufen ift, nid)t erfdjeint unb fein ©e^breiben nict)t red)tfertii^t. 9(u^ bcn eingebogenen ilautionffgelbem, foiDte a\i^ ben im i>orl)ert^cbcnticn ^unft a) ern)ät)nten Strafgelbern wirb ein befonberer Jonbö gcbilbet, ipel*« j^ur 5^eftreitung ber 5ur Jr^urd)fül)rung biefer JÖerfiigungeu erforbedicben Moftcn oeriüenbet wirb. c) 2)er Sanbcöoerteibigungö^HKiniftcr !ann fpe^ieffe 3lffcntfonnniifioncn iwU fenben. Xie Merburd) renirfad)ten Moften fmb au^ bem 5iennögen ber uon M 5?auptftellung ol)ne ^Rechtfertigung roeggebliebcnen SL^etirrflidjtigi'n, beücöunii^ roeife au* bem 3Jermögen berjenigen ein.^utreiben, weldje bic lf"niferinnu^ oNt ba» SSJegbfeiben ber SCel^rpflic^ti^jen teförbert ol»er biefelbeu bau» ocrlciwt t)aben. d) 3m äu^erften galle fann auf Unfoften ber 3c^utbigen 3)iiIitär:(rjcfunon angeorbnct roerben. $lon beu bieebeJiüglirfien ^i^erorbnungen bat ber J2anbe§oerteiDigun>i^miiiiHcr ber Öefe^gebung von '^a\l ju Jyall nadjträglic^ 3(n5eige \\i ciftaiten. § 47. ii-er fid) liftiger Umtriebe bebient, um fic^ ober einen anbcru ber (^c'clj: lieben ©ebrpflidjt ^i ent.^iebcn, mad)t fic^ eined SScrgebene fd)ul^ig unD u'irt mit öefängniö bis jU einem 3al)re unb an (^elö biö \\i 2iv betreff enbe Stellung aufter ber Slltereflaffe unb Sowibe unb te;üglic^ N^ 3lblciftung unb ikrlängenmg ber Xienftpflid)t nad) § 44 bel)anbelt. §-ts. ?öer fidj liftiger Umtriebe bebient, um für fid) ober für einen anbem ci'T»* in l»en §§ *J5 bid einfc^liefilic^ 34 biefe^ Öefe^cd beftimmte, il)m nid)t \i^ ' fommenbc 33egünftigung \u erlangen, mac^t fic^ eines 'i^ergebeuö frt)ulbig m'^'^ wirb mit C^efängnie bis ju fed)§ iJionaten unl» an Öelb bie .;u 1000 C^iul^ «^ "^ beftraft. 5lufeer biefer Strafe wirb Der 3d)ulbige, ,^u beffen Öunften bie ftrafbi"«-^ .N?anblung begangen mürbe, für bie betreffenbe Stellung auf.er ber 9(ltetr "" flaffe unb l'o^rcilie bel)anl»elt. § 411. ©er burd) Selbftbefd)äbigung ober in anbrer SiJeife fic^ in einen ^mcM. "■ verfemt, welcher il)n :,ur (rrfüUung ber gefe^iliAen 5i*elirpflid)t gan\ oDer t •^' weife untauglid) madien foll, ober ]id) burc^ einen anbem in einen tol*:^ ;^uftanb verfemen täfet, ferner wer einen anDern in einen folc^en 3"ftimD lT" ' 3ntcr national« G^ronif. 451 Ift mac^t fid) eincd $crgcf)cn^ fci)uI^U) imb mx^ mit (3cfön})niö bid 5U xi 3at)rcn imt> an 6clt> bi§ .^u 2(KK) (>Jult)cn bcftraft. 3lufecr feicicr '3tciuc un^ inmbl)änflirt uon ^crcn 5(nircnDunfl wirb bcr ffd^atticfte in iömtlic^cn ftcllun^dpfltcbtigcn 9(ltcr&flaffcn aii^cr ber ^Iterd« iifc «nb Soörciöc gqtcUt imb l)at — infofcm er ;u irj^cnb einer, wenn c^ «ntergcorbnctcn iJicnftfeiftung in ber ßcmeinfamen 5tniice (.Hriegönmrinc) er in bcr 2anbn)c()r nod) C(eeij;net ift — UPci 3aliic über bic gefe^Iic^c nicnbienftrflict)t, bei^icfnnujeiueifc ütec bic "^iräfen',bicnftKit in ber i?anbwc^r ä*"cnt :,u bienen, rooburc^ au^ eine ent|pre(f)cnbc iU'rlänrteruntj ber Wefamt iennpflidjt eintritt. Stefruten iinb (rrfn^referviften, we(djc ficb einer folc^en Selbftbeic^ttbiflung T ihrer (rinrci^unc^ fcbulbi^ machen, roerben ber $e()anblunß nad) bcr Slltcrds iffc unb iroöreibe oerIiifti(^ unb ocrfaUen allen r>orangefüf)rtcn Straf* ftiniimmgen. ^Tie Pbiflc r>Jefängni4s unb Wclbftrafe wirb aiid) über benjenirten t>crl)ängt r bie in bein gegcnroärti^^en ')?laragrapt)cn beftitnmtc ^bat an einer im liIitär^icnftc ftct)enbcn ^erfon bcgel)t ober an berfelben alo 3)litid)ulbigcr teils nunt. §00. Sie ij?ercf)clid)ung oor bem (Eintritte in X>a^ ftellun^vJPflic^njic 9Uter unb »r bem 'Austritte aud ber britten 'JUter^flaffe ift nicf)t geftattet. Sluös :nommen finb bicieniflen, toclcbe bei ber Stellunö gelöfd:t ober in bcr britten Itcrefiaffe ni(bt affentiert worben finb. ^ei beionberö rüdficbteioürbiiKn Umftänben fann bie auönalim^roeife (rbe* :n)iUii;ung oom ^liniftcr für ^anbeeiicrteibigun«;) erteilt werben; ed bc* cünbct ieboc^ biefe Jöeroillivjuni] feine "^ej^ünftirtuni^ in ber (Erfüllung bcr L*cbri-flid3t. ilH'r ficb mit Übertretung bcö iioraniKfüt)rten ilkrboteö vcrehelidjt Ijat, bc« räientierunrt — ale 3nterfalar;eit — bic gefe^jliri)e Xienftpfliditbauer nid)t eingered)net. ^u ^ilnfeliung bcr fons rtcn :lH*rIängerung ihrer Xicnft'^eit finb bie militärüdicn 3trafj unb XiiJ= tlinavjorfd)riften mafegebenb. 2ic i^cfamtbicnftuMi wirb burd) jebe ;iüil= ober militiirftraf}3ierid)tlid)e ilWr« ■*<^ilung um bie ücrfiiumtc ^rä^"en*,bienff,eit bann iH'iläiigert, wenn bie letfterc ^l>t alö brei Neonate beträgt. (iViitgeteilt oon verrn l)r. 3- ^aunigarten, 'iüjcftaatöanwalt unb "li^riuatbouMU in '^uöaveft.j 11. ßtbltograplitri^t Hott}ttt* 9)ebigiert von Dr. 91. ^crjog unb d. Silient^al. ICoriaud« Paul, avocat: Du delit n^cessaire et de Tetat de cessite. Geneve, Burckhardt — Paris, Larose & Forcel 1889. i 8°. (Gleichseitig afö @enfer ^roniotionefc^rift gebructt u. b. %.: Univer de Geneve. — De la justification du delit par T^tat de uecessit^. These de doctorat pr^seutee k la facult^ de droit par Moriaud Xit für ben ^uc^Ijanbel beftimmte SCuegabe unterfc^eibet ftc^, ab(;efel)en i 2^tte(blatt unb ber natürUc^ fe^lenben ^rudautorifation feiten^ ber $ahi burt^ eine neu bin^ugefommene ^nmerfung auf irb gugleic^ berO(egenfat^ 5ur iRotn)e^r beroorgeboben. iit\ fäUt unter ben begriff bed ^^otftanbed in roeiterem 3inne. 3ie tfl prioilegierter 9iotftanb (l'^tat de legitime defense n^est qn'un de n6cessit6 privilegiö p. :i5). ^ei ibr fte^t eine ^anblung in ^ welche gegen bad mit einem Übe( brogenbe äi^efen gerichtet ift. $eim fachen iHotftanb, bem 9^otftanb ft^let^tbin, roirb bagegen ein anbred, f(^ulbtged Sefen verlebt. Se^r pointiert wirb ber G^egenfaf^ babin formul bat bie S^otroebr ein Q^e genangriff, ber 9^otftanb^aft ein reiner griff ift (la legitime defense est une contre-attaque, Taote ii^cese une pure attaqne. p. 41). £)en)or)uf)eben fmb bie trefflichen oerftänt ooUen Semerfungen über bie Stellung, meiere ber ^{otroe^r im Aai gegen bad Serbrec^en jufommt. (Km S^Iuffe ber (Einleitung ge^t ber 9(utor auf bie Terminologie 2/ie 5öe$eic^nung „etat de «ecessite** — bem bcutfc^en 5lotftanb, italienifc^en statu dl nece.ssit^ entfprcc^enb — ift für bie franjöftfcbe o^ prubenj neu. ^em S^unfc^e bed Serf., ber ^lerminud möge oon ibr ac tiert werben, fc^lie^en roir und lebbaft an. (Se ift oon großem 3hi roenn bie ou^i^Pi^uben) ber Derfc^iebencn Zauber i^re tec^nifc^en löej IStbliograp^ifc^e 92oti5en. 453 mm^en nio9lt(^fl übereinftimmenb roWt unb bic i^nen entfpred^enbeit begriffe gleic^ioertig audpräot. 3Ran loirb ed ba^er nur anerfennen muffen, bag ber SJerfaffer ben „9lotftanb" — Xcrminud unb Öegriff — am bcr bcutfc^cn SSijTenfc^aft in bie franjöfifc^e ju übertragnen fic^ bemüfjt. $on ber Gtniettung abgefe^en jerfäüt ba$ ^er! in 8 Xeile: im I. n>irb bie Oefe^i^ebung unb 3)o!trin b. j. XIX. 3^. betrautet; ber II. befte^t in einer ^iftorifc^ fritifc^en Ü^arfteUun^; ber Sbeorie unb (^efe^gebung im XIX. oflbrb., ber III. ift ber eigenen Xtieotie bed SJcrf. geroibmet I. ^unäc^ft n>erben bie CueUenfteUen be^^n^if^en, 9)2ofaifc^en unb Qriec^ifc^en 9)ediied unter Beifügung einiger ^emerfungen mitgeteilt a^ Siömifc^e Ke*t an«fü^rlic^cr be« banöelt. G« folgt (Sta^. III) bie a^arftcUung be« öermanifc^en unb (^av. IV) ^anonifc^en 91ed^ted. eobann wirb bie :^o!trin be^SRittel« alters, bie Karolina unb bad Gemeine diec^t befpro^en. II. 35ie X^coricen hH XIX 3b«. fteUt ber Serf. naöi folgenbcr ©ins teilung bar: L Th6ories subjectives on de non-impntabiiitö. II. Thrones mixtes. III. Th6ories objectives. IV. Thfeories dlnutilitc de la loi pönale. Mhtv auf biefc (^arfteUung (namentlich auc^ Kap. I\^ § 4) eingugeben, ift in Kürge nic^t mög(i(^. 3n Kap. V roerben bie ^eftimmungen gablreic^er mobemcr Ö^efe^^gebungen aufgeführt. III. 7>a^ größte 3ntereffe bürfte ber III. Xeil 5U beanfpruc^en ^aben, in »elc^em SRoriaub feine Sbeorie be« dtotftanbed entroictelt. ^ie in ber Einleitung vorläufig aufgeftcUte Definition roirb babin prä^ ciftcrt: ber 9lotftanb ift ein 3"^«"^ »on ber )öef(§affenbeit, ba^ bie S5ers I^tfung eine« @uted notroenbig ift jur liHettung eine^ anbern &uM. %bn nicüt jebc ^anblung. bie bcm 5lctftanbe entfpringt (^acte nöcessaire"), to unb barf ftraflod fein. Da« Stecht lann nur bann feine ^Billigung er: teilen, loenn bad gerettete (3ut exmn böb^ren Sert f^at n>ie bad geopferte. 3inb beibe gleicb, bann fann bad Siecbt bie .^anblung n>eber billigen no(^ miSbiUigen (p. 262). „Devons nou8 donc reconnaitre nn droit de necessiUi?'' fragt ber ^«tfaffer, m. a. 2Ö. er bebanbelt bic Kontrooerfe, ob bie 9lotftanb^banblung ^^tdroibrig ift. '^m Jalle ber Ölcid^beit ber foUibierenben Öüter tönm öon einem „siet^te" feine Jiebe fein, ^ilber aud^ bei Ungleicbbeit ber Öüter bötfe Jiu (fünften bc« «ertoolleren fein „JHerf)t " auf Sfterle^ung be^ minberen Proflamiert werben. Die praftifc^e 5^cbeutung biefer 3luffaffung liegt bes fonntlic^ barin, ba6 nad) ibr gegen ben 9lotftanb^aft 9^otn)ebr ^uläffig ift, ^ne Äonfequenj, bie im leyte bed ^u(§e« felbft fcbarf bztont wirb. — (5r« fteulit^enoeife f^at ficb ieboc^ 9)2oriaub injroifd^en oon ber oi)Uigen llnbalt« Meit biefer — freiließ auc^ in ber beutfc^cn iüitteratur nocb nicbt gänslicb ö&errounbenen — 3(nfi(§t überjeugt unb firf) auf ber legten 3eite feine« Serfe§ »»nteterrata ad p. 273-274 ber namenttid^ oon Stammler unb o. iJi^st '«tretenen Anficht angefdiloffcn. ,Errarc bumanum estl** bei^t e^ bafelbft. „^lad) reifer Überlegung '"offen mir anerfennen, ba^ e« 'Jiotroebr gegen eine 9Jotftanbebanblung ^ geben fann, ba^ bie $erteibigung gegen biefe nur ixne anbre einfache ^otftanbö^nblung fein fann." 454 9i6li09rap^ifc^e 9?ott;cn. Gin Gintjcljen auf g 5 muffen roir un^ Dcrfacjcn. Tcrfclbc bietet au(| in friminaIpoIitifcf)er 5^c}tchun;i bemcrfenSrocrtc 3ätje. S 6 betrifft ^ie Snterücntion britter. ^an wirb bcm 93erf. roohl beiftimmcn mülfett, wenn er ben 5lrei^ ber jur iljr 93erecöti(jten nicftt gcfe^^Iicö abi\cgrfn5t, fonbern bem -hon sens** be$ 9?i(§terd bie ©ntfc^eibuna im einjelnm '^Uc überlaffcn roiff cn loitt. — Sobann (§ H) roirb bie 2:i)eorie bor M- njcfir, afß Unterfall bc» 3?otftanbe^ i. ro. B., 6efprod)en. öefonDcr« inter? effant ift (i!lr. II) bie llnterfud)unfl über ba« erlaubte Wafe ber ^lotrocbr (p. :^K) seqq.). 3W. erÜärt firf) c^ec^cn bie gegenroärttg in Der öeut« fc^en owri^Pfwbeng f)erric6enbe 3Wcinun(\, bafe aud^ ein Eingriff auf ^^ (^eringfte 3icd|tdgut bie fdiroerfte 35erle^ung be>j 2(nc;reifer* ju reit-- fertigen vermöge (p. e. 9(pfelbiebl). ^icfc 5lnfi(l)t roirb ale abfurt b^ jeicftnet, inbem auf bie bebenflic^en Äonfcquenjen Mngeroiefcn wirb, ju ^enen biefelbe namentlich bann füf)ren muf;, nenn ber „angreifenbe** 2:cil ein Weifte«!ran!er ober ein .Hinb ift ober ein S'^^tum obroaltet. 9)i. roiU. io^ ba$ bem 3lngrcifer zugefügte Übel nic^t aufeer allem 35erljältnid ju Km ftebt, roelc^eö biefer ju oerurfac^en im i^egriff roar. j^ 0 werben Die Se« bingungen ber Straflofigfeit für bie ^Jlotf)ftanbö!)anblung noc^ ben teitenbcn Öefiditöpunften jufammengefafet. Tabei wäre anjumerfen, baB ber ?erf im 3tiUe irriger 5lnnaf)me ber löebingungen ftraflofeu *^Jotftanbec^ bie ."C^nb* hing jwar felbftoerftänblid) für rccbt^roibrig. ben Ihäter aber wegen kin^ orrtum^ für ftrafloo erachtet, ©r jlebt mit biefer Slnfi^t auf bem ^oten ber communis opinio unb, wie er bemerft, im Öegenfa^e ju oon ^i^jt 2lm Sdjluffc finb bie Slefultate ber 9lrbeit in einem C5efe^eöoon*dilac» ^^^ fammengefafet, ju beffen 3Serftänbniö freilief) bie genaue Seftüre be4 :8u(6<* erforberlid) ifti Wv motten aber biefelbe in Der Xtiat allen roirfcm fcbaftlic^en owrif*«" w"^ .Hriminalpolitüern angelegentlicbft empfetjlcn« !)Jamentli(^ wäre ju wünfct)en, bafe biefe^ il^er! auc^ uon ber beutfdic« 2iMffenfd^aft TjerDientermaf,en beachtet werbe, nod) baju, ba eo 'einen'cit* bcrfclben ooüe Äenntni^ unb wirflid)ed 5.^erftänbniij entgegenbringt. —^^ H. A. D. Phillips (Bengal Civil Service): Comparative Crimir«»! .Turispnidencc. Vol. I. Penal Law. The ludian Penal Code. — Vol. II. The Iiidian Code of Crimiual Procedure — With An- notations froni thc I^aws of other Countries. — Calcutta: Spink and Co.; London: Stevens and S(ms. I^SO. (L Vol. XII, s. :k»T: IL V(d. IV. 7. ;{0-2 p.) Tcv "iierfaffer ftellt fi(^ bie 9(ufgabe, bie angloinbifc^e ÄriminalacleV' gobung (3lrafred)t unb ^trafprosefV) in erfter Sinie burcb Die l:^^^' fponbicrenben JÖeftimmungen anberer, namentlict) ber fontinentalen ?ie*te ju erläutern. Slufierbem werben jebocf) (wie in anderen englifAen M^"*' mentarcn) 5ablrei(§e „lllustrations" gegeben unb eine groBe ^ienge .Ca:^^' citiert. i?lbftral)ieren wir völlig uon bem Uferte, ben, wie wir nicbt ^loeiKl"* bae 'ii^eif für Die angloinbifdje ourii^pruben^ [)abcn Dürfte, fo begrüBen lOJ' baöfelbe iebenfaüe im ^"tereffc ber oergleic^cnDen ^iecbtöwiffenfdjaft ««r frcuDigfte. .^;»o ff entlieft finbet baöfelbe auö) in anbern i'änbern :)Ja(bobm««il' Die ii)r biöftcr nid)t ober nur mangen)aft erfcftloffen waren. ^ibliograp^tfc^c 92ott5en. 455 !Hic^t oerftefiUn tooUen iDir übn9end, ba6 bieroeilen bie ^affun^ ber 91ott5cn über bie fontinentalcn C^cfe^gcbungcn 311 3)2i6DeTBänbniffen ^nia^ geben tann. So ,v 5). bei ben eingaben über bie ^eftrafung be« SJerfuc^e« I pff. i^n ad Sectiou T)!! (1). Jrei(ic^ loirb man sugcbenmüffen, bag e« ungemein fc^roierig ift, über Öefeteebeftimmungen, namentlich fromber Üänber, Inapp unb unjroeibeutig ju referieren. ÜL^ir iuf)cn balier im ^loeifel einen mbrtlic^en ^bbrud bcrs felbcn Dor, loenn e^^ ber diaum irgenb geftattet, loao bier allerbingö faum ber jall geroefen fein bürfte. —g. Keel^ ^^^ '^erl)anb(ungen bequem 5ugänglicl) mac^t, unb — last not least — bie öor5ügIict)e ^ilu^ftattung. — j^. JjJerner: Sammlung fleinerer ftrafrec^tlic^er 3ieid)dgefetje. ör: gön.^ungdbanb 5U ben im üJuttcntagfcben 'Verlage erfc^ienencn (rin;el:'^ues ciaben beutfd)er ^eicb^^gefe^e. Xe;rtauegabe mit '^Inmerfungen unb 3ac^: regifter ((3uttentagfd)c Sammlung bcutfc^cr :?ieic^gerid)te unb .^oar in aurtführlicöerer äl^eifc, mic bae fonft iiblid) ift. (Se werben nid)t nur bie (rntid)eibungen felbft, fonbern aucb bcrcn Wn'inbe im 'ilu^^uge mitgeteilt. Jafi biefe :?lrt ber Slnfübrung bie empfehlen^ioertere ift, braucl)t faum l)er» oorgehoben loetben. Tae febr brauchbare ficinc :^ud) loirb sioeifcüo* oiele Jrcunbe finben. IUI ;:abanb: 2)a»i Staatered)t bee Teutfcben rHeic^ee. ;Jmeite um-- gciubeite «uflage. ^Bb. II ^Jlbt. '2: Tie bciuaffnete aWacbt beö Jieicbe«. IV S. u. S. -Ii)7-.s;s. ivrciturg i. :ö. ,^. IS. ^B. 9)io!)r iHiHi. Tiefer Jeil bec- ^abani>fd)en Staatorecbteis enthält uerbältni^mftfeig wenig fpccififc^ ftrafred)tlic^ :iJebeutfame& .Oeroorjuheben loären etioa bie ^emcrf ungen über : ben .H r i e g \> 5 u ft a n b S . WM ff., ba« ^U g n a b i g u n g e s rec^i in i)i ilitärftraffacf)en S. TiOs, Die 'Verletzungen ber ilJebrs pflicbt S. ti'JTff., ber i)ielbepflic^t S. «KiJJ u. (>"»♦) f., ber (iiefteltungiv pflid)t 3. <}*'> f., fccr militärifcben (^Wborfam*pflic^t S. ♦)!.> ff. (mit befonberer iöerücffid)tigung ber Ti'^siplinarftraforbnungen für baö ^eer unb für bie 9Jiarintv, ben Ungeljorfam gegen bie (rinbes 456 93ibliograp^t{(^e 92oti3cn. rufungdorbre B. 655 u. 661, ber ©ertc^t^ftanb am Za^t ber Jlontrolloerfammlung 3. 556, bie ^ntoenbung bed formelUtt I unb materteden 9)2ilitärftrafre4t6 auf bie 9RilttörbeamteR ' S. 708f., bie SWilitärgeri^tSbarfcit in Straffac^en e. 712ff. 2lftcn unb (^utad^tcn in bcm Vro5cffe Sio^Iing contra 5JIo(^. etfter Öanb. Sßien. »rcitenftcin 1890. 895 3. $rof. 5tof)(ing in $rag mav n)egen feiner eine antifemitif^e 3^enbeng oerfolgenben S^cröffentlid^ungcn, inöbefonberc roegen feiner Schrift ^^er Xalmubiube" von bem ^e^irf^rabbiner ^of. ^(oc^ in ^(oribeborf in oerfc^iebenen 3^i^>i9^^^tifeln heftig angegriffen roorben. Siobling erhob beefja(b im Oia^re 1884 gegen ^ ( o (^ ^rioattlage loegen 8eleibigung. 31uf biefen froge^ beliebt ftc^ bie oorUegenbe Veröffentlichung. 3ie enthalt gunäc^ft bie oon SIoc^ gegen ^tobting gerichteten 2(rtifel, einige (^ut- achten (oon 3c^ lo ttmann:£)aUe unb 9)2err:.t»cibe(berg), meltbe bie oon 5io^Iing erhobene $)e^auptung, bag in beftimmten rabbinifc^en Hc^riftert äRenfcbenopfer Dorgefc^rieben n)ürben, für unbegrünbet erflären unb enblid^ bie in bem "^roseffe bid jur -^Inorbnung eincd Sac^Derftönbigengutac^tcn^ gercecbfcitcn 3c^riftftücte. &n jroeiter Sanb foU bie (^utac^ten fclbft unb bie auf iSBeenbigung bed ^rogeffeS (burc^ diücttritt bed iilägerv^) bejügltdjen Slftenftücfe oeröffentlic^en. IDer Sn^Q^i ber Slften ift ein in mannigfacher ^e5iebung ungemein intercffanter. ^. Xarnomd!^: $roftitution unb ^boIitioni^muS. :pamburg unb 2cip3ig. öeopolb »o6 1890. XI u. 222 3. 2)er )8erf. loenbet ficf) in jroanjig ^Briefen fe^r entfc^iebcn gegen Die ^eftrebungen bed SlboüttoniemuS. 3eine ^[udfü^rungen oerbienen um fo me^r ^of)e Seac^tung, a(e berfelbe mä^renb eined llRenfc^enalter^ bie Stellung eined ^ireftord ber fppbilibiologifc^en Klinif in 3t. ^^eter^burd befleibet unb fomit burc^au^ in ber 2a%e mar, eine febr grünblic^e jienntnie ber ^roftitutierten unb ibrer $$er^ä(tniffe lu erlangen. 6t hebt bervor, ba| biefe ^enntnid erlangt merben !cnne nur Dom Slrjte, meltbem gegen- über bie "^roftituierten gar feine Seranlaffung gur VerfteÜung Ratten, am menigften aber oon beuten, melcbe ben ^roftituierten in ber :^bftd)t ftcö näherten, biefelben ju «retten", ^^enn nic^t öarauf tann e«J ontommen, bie Xirnen }u rubren unb 5U, mciftcnd falfc^en, ^efenntniffen ju oeran- (äffen, fonbern man muffe burc^ ^abre binburc^ ibr ganjed 2eben ftcb ab- spielen feben, n>ie bad eben ber ^t^t an einem 5tranfenbau^ ju tbun &e' (egen^eit l^abe. (Sv befpric^t femer bie (Sntmicflung Deö 3(bolitioniemu€ in 9iu^lanb unb meift nac^, bag aüe $erfuc^e, bie i^roftitution ju unter brücten, mo immer man fie angeftellt b^be, üäglic^ gefc^eitert feien, (rtr (i^runbirrtum ber i^bolitioniften fei ed, bag bie Übermac^ung ber $roftitutiar entfittlic^enb auf bie (^efcUfc^aft loirfe, baä gerabe (Gegenteil fei ber ci^VL 9{irgenb merbe eine fc^am(ofere "^roftitution unb eine fo oerbredberifci? Muppelei getrieben mie in bem abo(itioniftifcf)cn ^nglanb unb überall bab ^(ufhebung ber ^orbelle nur bie ^unabme ber gebeimen ^i^roftitution 9< förbert. 9Cn bie 3teÜe jener feien überall i'ofale getreten, bie untc SibUograp^tfc^c ^^otigcn. 457 (armlofem ^(nfhid^e einen oiel ftärferen 9lnret) gur Unftttltcf)fett hbten, iDte bie dffentHc^en £täufer. Unn>ürbig aber fei ed, nur bie gebu(bete, b. b. bie übernMid)te $roftitution ju befämpfen, bie geheime bagegen ge< fliffentUc^ }u überfe^en. G^runbfalfc^ fei ferner bie :8ef)auptung, \>a% burc^ bie ^eaufftc^tigung feiten^ bed Staate^ ein Mtd)t anerfannt n)erbe, fu^ ju pronituieren, bie Überwachung biene nur baju, bie $roftitution möglic^ft unfc^äblic^ ju machen, ^fjvt Slbft^affung roerbe bie Verbreitung ber 8^^ pbilid fe^r beförbem; nenn bie Slbolitioniften baS (Gegenteil )u ben)eifen fucbten, fo fei bad nur burc^ eine göngUd^ roidfürUd^e Sebanblung be^ ^a^lenmateriald möglic^. Sebenfalld n)erbe burtb bie jnjangdtoeife Unters bringung einer fppbUitifc^en !Dirne im Jtranfenbaufe biefe(be ge^inbert, toeiter eine ^(nftecfungi'queUe su bilben. ^ie Verroüftungen, roelc^e eine nur ambulatorifc^ be^anbcUe Xixm baburc^ anritzte, bag fie i^r 6eiDerbe forttreibe, fobalb erft bie äuBeren ^ranff)eitSerfcl^einungen einigermaßen oerfc^rounben feien, fönnten faum ^oc^ genug veranfc^lagt n)erben. ^(^ unjutreffenb bejetdinet Verf. roeiter bie bei ben i^boUtioniften übüd^e fenti« mentale 9(uffaffung ber ^roftitution. IDie IT^ime fei bloß in ben aller« fc^limmften "S&ütn ein ung(üct(i(bed Cpfer ber Serbältniffe, roeitaud bie iKeI)r3ab{ befte^e aud (after^aft veranlagten ^erfonen, bie fic^ auc^ burc^ äußere (^ntartungdarten fenntlic^ machten. $ür ein normal oeranlagted Srauenjimmer fei ber mit ber ?5roftitution oerbunbene ^uftanb geiftigcr unb förperlic^er (Srniebrigung einfach unerträglich, mä^renb bie geborene ^irne mit Vergnügen unb in unn)iberftef)(ic^em orange ju bcmfe(ben jurücffebre. Xarum feien aud) alle, felbft bie tabeUod geleiteten dicttung^nftalten faft ganj erfolglos. !I>ennoc^ feien fie nic^t überflüffig, ba nur burt^ fie bie befferen Elemente, roelc^e in ben Sc^mu^ ber ^roftitution hineingeraten feien, gerettet merben fönnten. !Die ^Mitteilungen, loelc^e Verf. über bie moralifc^en, antbropologifc^en unb foj^ialen Verbältniffe ber ^roftituierten mac^t, finb ungemein intercffant. 3üeiter befämpft er bie oom ärjtlic^en 3tanbpunfte au^ gerabeju unbegreiflici)e ^ebauptung, baß bie Ü)efa()ren ber S^p^ilid geringe feien. (Sr fteUt bie inbioibuelle, berebitäre unb fogiale ^ebeutung biefer Hranfbeit bar unb rocift namentlich barauf l}in, nie burc^ ba$ Jortbauern berfelben bäufig ooUfommen Unfc^ulbige aufd fc^rcerfte ge- fcbäbigt unb bie (ommenben Generationen ber Gefahr ber !Degeneration au^gefetjt mürben. Gr fc^ilbert fobann bie „Äonfumenten ber ^roftitution" unb liebt bcroor, baß eine förperlic^e Unterfucbung ber bie öffentlichen Käufer benut^enben 9){änner burcbauc» geboten fei. Überbaupt muffe bie Sicglementierung ber ^roftitution in üielfac^er Vejiebung gednbert roerben. einmal fei bie ärjtlicbe Unterfud^ung eine oiel 3U oberfläcblic^e. ^er ganje Äörper muffe befic^tigt werben unb ftete uon bemfelben "Jlrjte, bcnn ber Untcrfucbenbe muffe aucb mit ber (^)efc^ic^tc früherer (Srfranfungen ber ju unterfuc^enben "^erfon oertraut fein. Slußerbem muffe er 8pejials fenntni« befitjen unb ju bicfcm 3^^'ccle bcfonberö tbeorctifc^ unb praftifc^ QU^gebilbet fein. "S^xncr muffe bie iHcbanblung in ben Üranfenbäufern auf eine längere ^eit au^gcbcbnt roerbcn, ale ba$ je^t ber JJall fei. 3(nber* f«it# bebürfe auc^ t>a^ poli$cilid}c ÜberroacbungSoerfabren bringenb ber Sieform. äüiUfürafte unb aJiißbrauc^ ber ÜJeroalt fämen bebauerlic^enoeife 458 ^tbliograp^tjc^e ^^ottjcn. rec^t fjäufig Dor, fie feien freiließ bei freier $roftitution noc^ ^dufiger m bei überiDad)ter. !2(u(^ bie (rintragung in bie ü^iften bürfe nic^t ber Voli;« überlaffen roerben, fonbern nur infolge einee Stic^terfpruc^ed gefd)e^ 3um Sc^Iuffc fafet Xarnoro^fi feine 9tnfi(öten in einer JHeifie »on 2^efen jufannnen, iueld)e er ben Don aboUtioniftifcber 3eite oerfodbtenen C5runbfä^en cntgegenfteüt. Xa^ fel)r ernft unb roürbig ge{)altene '^uc^ ift jebent bringend »u empfe()Ien, bcr ein Urtei( über bie fojial fo fcbmer roiegenbe "Sva^t na(A ber angemeffcnften 9ie^(inb(ung ber ^^roftitution gewinnen ipiU. %, 2)2eiri: :3^ic Äobififation be§ internationalen ^ioil^ unö ."oanbeUr echte«. 2)?atcrialienfamm(ung. Seipsig. Sunder & A^umbloi. ISOl. XII u. 151 3. 2^er ^Wrf., welcher feit langen 3öl)tcn auf biefem (>5cbietc cin^ rübmlid) befannte 2I)ätigfeit entioicteU, unb welcher uon feinem .^eimatc^ftaate, Km Danton 3"^^^/ i*"f ^^^ ^^rt im porigen -»^a()re gegrünbeten, im beutfdjen 3prad)gebiete erften, i'el)rftul)l für baiJ internationale ^^rioatrccbt berufen morDen ift, beabfid)tigt mit feiner 3ammlung, foroobl ber SlDoofatur unt bem 3iic^teramte i^ienfte ju leiften, loie eine praftifc^e (Srunblage iür tbeoretifc^e i^orlcfungen 3u fc^affen unb gugleic^ bcr iDiffenfct)aftHcben (rnt- loidlung biefer 5Diaterie oorsuarbciten. Xit Sammlung umfafet jumeift Sittcraturangaben über bae gcfamtc (gebiet, auf loelcbcS fie fid) bejiebt/ fobann 1) bie pofitioen Öefe^conormen, 2) bie prioaten Öefc^eeuorfcbläi^^ uon 3)?ommfen unb pon ^^omin^^etruefjepcq, :5) bie SSertragifprojefte ^ct fübamerifanifd)cn Staaten über internationale« ^rioatrec^t, 4) bie bc* fte^enbcn 3taat«oerträgc über S^agen be^ internationalen (Srbrecbt*. 'Jiäöcr auf bie neue perbienftooUc ÜUrbcit be^ unermüblid) tbätigd^ Öelcf)rten einjugcOen, ift l)ier unmöglich. 9leue ^^Jcitfc^riften: ^eitfc^rift für internationale« ^ripat= unb 3trafrcdj mit befonbcrer iöerütffic^tigung ber itted)te^ilf e begrünDet un::5> berauegegeben pon Jerbinanb ^ööbm, Cberlanbeögcricfetörat am MöuigC^ Cberlanbecgeric^t ^Jiürnberg. Unter äWitipirfung ter iH»rrcn: Dr. 'Ü. :Äleji Seftion-Jrat im Mönigl. ^uftijminifterium in ^öubapeft. — Dr. pon Öar 0el|. ^uf^ijrat unb Unip.^^rofeffor in Ööttingen. — Dr. 'öarojetti Unip i'IJrofcffor in .peibelberg. — Dr. ^Jcaucftet, Unip.j^^rofeffor in !)iancij^ — Dr. ^ergboljm, 3taaterat unb 'ßrofeffor a. b. Unioerfität J'orpar^ — Dr. pon :öoml)arb, Dieic§i^gerid)t«rat in Äeipjig. — Ängelo^Majo rana (ialatabiano, Unip.j^rofeffor in iSatania. — (i)iufeppe SKajo rana (Salatabiano, Unip.^^^rofeffor in CSatania unb ^bp. am itaffa^ tionöbof in iHom. — 11. Du Ion, Exqu. Counsellor-at-law in 9ieip:?)or^ — 'i'iaoquale Jiore, Unip.«'^irofeffor in ^Jieapel. — Dr. Jriebberji^ Uniü.:*|.^rofeffor in Äeipjig. — Dr. ^. 0i^, 3ieic^§abPofat in CSbriftianii— ^ — Dr. (üJretener, Unip-.-^Jrofeffor in ^Öcrn. — (Ürüneroalb, Am geric^törat in 3)ic^. -— Dr. greib. pon i>aan, 3eftion«rat im Äöni 3ufti3minifterium in 'll^ien. — Dr. i»aenel, Unip.s^^rofeffor in Hitl - Dr. .ijafner, *>amafor, Uiüu :"Vrofcffor in Utrecht. -— Dr. £>ar burger, ctaat^aniDalt unb ^o;cnt an ber llniucrfität "S^üncbeit. — Dr. .'öartmanu, ?Hcd)t^aixioa(t in "Jüirnbcrii;. -- l>r. ,v)erf, Xojent an bcr Uniücrfität Berlin. — Dr. .öcimburger, S'o^cnt an bor Uniücrfität •t^eibclberfl. — 3)1. .'ocinefjcimcr, CbcrIanbe*5(^cricf)tS'rat in Alarlerubo. — ih?. \>ein5erling, Cbcrlanbeejcricftt^rat in ^'armftabt. — Dr. .v^üblcr, Uniu.s^lirofeffor in ^Berlin. — Dr. o^Hinef, Uniu.^i^rofcffor in ^-öafcr. — l»r. ^Vttcl, ccftion^rat im 9)liniftcrium be§ IHufeern in %icn. — Dr. ^. o'^tta, 9tbD0fat in 9(mfterbam. — Dr. nafin, JHcferenbar in 'Mann-- Iicim. — J)r. Aap f er, 6cli. Sei^ationerat unb Dirigent ber .Holonialob* tcilung im auswärtig. 3(mt iju ^^erlin. — >>. Äci)fincr, Üammcrgericöt»>s rat in Berlin. — Dr. .Klöppel, :Kccf)teanipalt beim JHeicb^gericftt unb 2*o;cnt on bcr Uniperfität vroipsig. — Dr. Hoc n ig. Uniü.^l^rofeffor in ibcrn. — Dr. Äobler, llnip.ii^rofeffor in 'Berlin. — Dr. Hrasno: poUfi, Unip.stirofeffor in "^.^rag. — Dr. ^^abanb, Uniü.--"^irofeffor in ctra^burg. — Dr. iiammafcf), Unip.^i'rofeffor in ilMen. — 9(. ^cbon, Chef be^ Alabinctto be3 t^räfibenten r>ee 3cnat»5 unb ^Jrofeffor ber Staot*-- iDiiienf(^aft in 'iSarie. — Dr. (rrneft t'cftr, Uniü-ii^rofeffor in t'aufanne — i'eoni, iKinifterialrot in Btraftburg. — Dr. irieüen, :Ked)teamvalt in 3t. i^eteröburg. — J)r. X'ippmann. :Heici)'Jann)alt in l'oip'iig. ~ Dr. von iJ^arquarbfen, llniü.-iUofeffcr in If rlangcn. -- l)r. pon JWar- tens, ruff. ctaatvrat unb llniü.^iirpfetfor in Zt. i'ietereburg. Dr. üon 'JJIartitJ, Unip-^^Vrofeffor in Tübingen. — Dr. von 9Jiaurer, Unip.:t^rofeffor in 9)iün(f)en. — Dr. 'is. l'ieili, llnip.iiUofeffor in Sürid). — Dr. "31. ^ienger, llniüerfität'^ = t^rofcffor in "iC^icn, — A. Porter MorK«*. l'ouH.s».»ll(»r of thc Suprcnic Court etr. in 'ii^a: fbington. - !)ieubaucr, Mammcrgeric^törat in 'Berlin. — Dr. b'Cliücs er 0 na, pormal. :Wat am obcrüen (y»eric(itÄlioK von 3d)n)ebon in 3torf heim. — Dr. 'IJann, s?ob unb (^ericht'MbPofat in 'Wien. — Dr. *lUter = fon, ?ieicb*Jgeri(bt"Jrat in voip^ig. - Dr. :){iüier, llnir.^l'rofefför in 'Trüffel. — Dr. pon rXohlanb, llnio ^lircfeffor in Torpat. — Ton 5;ioente :Komcro n (55ir«'»n in IKalrib. — J)r. .Hoofoipofi, llniü.r i^rofcffor in itremberg. — Dr. :Kofcntlial, Uniin-'t^irofeifcr in ,\cna. — If. :H. 3a lem, x'lbüofat in 3plonid)i. — Dr. 3alomon, rXecfit^Jamoalt in Jicip:^J)orf. — Dr. 3d)an3e, i'anDgcricl)t\^rat in Z^rc^^ten. - 6. 3(^cuffler, :Hmt'&rid)ter in oofmnm(^oorgenftabt. - a. 3dWattei, 1?oli;cipräfibent in Süridi. — Dr. 3c()rutfar:){c(btonftamm. llniu.: t'rofeffor in 'll>ien. — J)r. 3(f)uftcr, IJarri^trr at Law in vont«on. — cdiroab, iianbricbter im .HÖnial. v'suüi^miniftcrium ;u Stuttgart. A. Sfrtti, S. Procura ti»ni »LI !<»'• in :){om. — Btablor, :>iog.:rHat im ?^uni;miniftcrium in ctrafauirg. Dr. 3toerf, llniu-r^irofoffor in iDalb. — Dr. 3trifoiücr, To*^cnt on ^ov Uniuerfität in ^ilUon. t. von Irapaglia, 3taatviu-ofurator in r'ioni. . Dr. fsautbior, 5lbüofat in ^.yrüffcl. Dr. ,yrcilicrr von "i'öl^ornt«or»t. il'Mniftcrialmt in MnAen — Dr. 'JiJei;iaclor. Vant>gcriclUvrat im ^siini^miniftorium in 3tuttgort. — Dr. 3. S^*i^?l'.^r. 'ill^uofat in [iUicac^o. - Dr. ^oxn. .Stitidbrift f. b. flei. Sirafrcdjtei?. \I. 460 !6tbIto))Tapfjtfc^e 92ott3cn. Unic-'^^rofcffor in Hönigöberg. — Dr. 3ürcöer, Unto.s'^rofeffor i« 3üricö u. a. m. (Srlanflcu 1890. SBcrracj üon ^talm & QnU (6ar! (Snfe). 2?ic neue 3citfcörift erfc^cint in jä^rlic^ 6 heften »on (5—7 ^ojen, ber 3lbonnement§prci« beträc^t 12 JC 2)ie 3citfc^nft foU junäc^ft ein Sammelpunft fein für roiffenfc^ft« (id)e 'arbeiten, oorncbmlicb aber bie Se.^iefjunc^en jroifcben i^beorie unb ^^raji^ ocrmtttteln unb auf biefc SiJctfe anret^enb unb fruAtbrinflcnb roirfcn. Gö ift nohocnbig, baf; bie Örunbfä^e be^ internationalen Äedite auc^ me^r unb mebr in ber "i'rajid fid) einbürgern unb fortcjeWttt werben, y^n biefcm Sinne foU bie 3f^Wnft welche in sroeimonat« liefen 3'^Ud)^ntäumen crfcbcinen wirb, bringen: 1. felbftänbigc roiffcnfc^aftlic^e 9lbf)anblungcn, 2. 9J^ittei(ung von loic^tigen (Sntfc^eibungen ber bötici^^" unb namentlich ber oberftcn (>)ericf)t^böfc aller ilultur- l ä n b e r . o. "Diitteilungen aii^ ber öcfetjgebung ber ein$clnon ob 3a()ren. Sein 3iamc wirb für innncr mit bcm bcutfd&cn :Kei(!^dftrafgcfcfebiid&c Dcrinüpft bleiben. 9ltö Sd)riftfiUjrcr bcr Sunbcsratöfommiffton von 186i) ijat er an bcr 3luö- arbeitung bcö foflcuanntcn 11. CSntiüurfö Ijcrüorragcnbcu ülntcil genommen. 3" ^^i" Öefefcc fclbft l)at er einen üortrefflidEien, burdd Äürse, Ätarljeit unb roiffenfc^nftlidjen Gntft audgcicid^netcn Äommentar geliefert. Seine 2eEt= auögabc, ,,3)er tteine Siüöorff", im ajorja^re in 15. 2luf= läge erfd&icncn, Ijat ben "JJamcn beö SBerfafferö mcit über bic juriftifd^en jlreifc binaud befannt gemad()t. jlraft unb ^riebenöiüürbigfcit, bic Ijcroorftcdicnben Gigeufd^aftcn bcö SJerftorbenen, rüljmen alle, bic ilju fennen 5U lernen t)a^ Ölücf Ratten. 3" uufrer 3^itjd)rift barf iljm bas B^idjcn treuer Grinnerung nid^t" feljten. Dr. )leinl)olb ^er^og f. 3lm 11 gcbruar b. 3. rourbe bcr 3ritfd&rift einer bc bcgabteften ifjtcr jüngeren SRitarbeiter, ber Slebafteu bcr „internationalen G^ronif", Dr. Siein^olb ^erjoc ^riöatbojent be§ ©trafrcdjtö an bcr UniDerfität ^alli burcö ptöfelid^en Xoi entrifien. ®rft 25 3af)re alt, l)atl er burd^ unermüblid^en gleife wie bnrd) ^erüorrajjcnbe S( gabnng fici& einen geacbtctcn ^Uaft in ber wiffenfd^aftlid^c äBelt unb ein rciddlid^ lo^nenbeö Slrbcitöfelb errunger 3)en Slnftrengungcn beö mit ticfftcm fittlic^cn (Jrnft ei faßten Serufeö war fein Äörper nidjt geroad^fen; er ftar im 3>icnftc bcr 3ßiffcnfd)aft, roic bcr ©olbat anf bei iSc^lad^tfclbe. 12. Über 3rngettbrnirtscitttragr im Straftirrfcilirett« (Stac^trag.) ^on £anl)n4ter ^i^cn in ^cut^en C. 3c^I. I. Öerr SWeid&ögcric^tdrQt Stengtcin \)at ineinen in Z X 111 W* 167 abgebrudten 3luffa(j über S^^flcnbcroei^anträge im Strafe wrfo^ren einer Sefpred)unjj geroürbigt (Daf. ©. 475— -4«G), bie oQerbingd burcfimeg tabelnb andfäQt^ Die aber bie Hauptfrage: roonn lann ein in ber Joauptücr^anDlung geftellter 'S^wQtnbzwmi Qiitrag abgelel^nt roerben^ nur ftreift unb meiner 3(ntn)ort bejüglid) i^Kfer grage rocDer bittigenb nod^ mifebilligenb gebenft. ^err Steng= '«in fegt nur: 3ujulaf)en ift jeber 3^"0^' ^^^ ^"* »"^ geeignet ift, bie auö Den übrigen Seroeidmitteln gejogenc tlberjeugung einigermaßen 5u er|d)üttern, ober einen unjulängliAen öeioeid }u üerftärfen, . . . eö genügt, rvmn bie auf biefe äßeife beroiefene ober loiberlegte H;atfac^e and) nur bie geringfte ftrafre^tlid)e Sßirfung ju äuf3crn geeignet ift (3. 479). 0 3ft bad rid)tig, — unb id) sroeifte feinen 2lugenblidt baran, i^OB eö rid)tig ift — fo finb wir über t)m ^auptpuntt einig. •^öim bttrfte auc!^ berjenigc ®a(5 riditig fein, bcn iä) per ar^u- ^nentoui a contrario bein § 244 3lbf. 2 Str.^^'.C entnommen Wc unb ber im iDefentlid)en fo lautet: 3n bem '^erfa^ren Dor ben Straftammern ufro. . . . bc= ftimmt nidEit baö 0erid)t ben Umfang ber löemciöaufnaljme, *) ÄDc Slnfü^rungcu oon 3citenvit)Icn allein fce5icl)cn fic^ auf S?. X t»icKr 3«itf(irift. Mfim f. b. 0i« übrigen ©endete bie — entgegengefeßte — allgemeine Siegel nid^i auöfvridEit, t)ielmet)r (baf. 2tbf. 1) nur eine ©injelentfd^eiDung gil>t ; ade ^erbeigefd^afften 33eroeismitte[ muffen benu^t roerDen . . • 3)ie 5HidE)ter ber ©traffammern unb ©c^rourgeridS^te, namentli<^ bie preujjifdEien, benen bad frühere ©efefe in J'^if^ w"b Slut über^ gegangen mar, finb nteined (Sradl^tens geraöe ^ierburd^ auf eine falf^e 9(ud(egung mit einer geroiffen 'JJotmenbigfeit t)ingetriebeii/ nämlich auf bie, bafe bejüglic^ ber nidEit ^crbeigefd&afften öeroeid^ mittel bic Stellung be§ ©cridjjtä eine anbre, freiere fei, baö \)ci^U ba ©rensen nidit crRcbtlidt) finb, eine ganj freie fei. SiJobei bann freitidj baö bem ©efefe bireft n)iberftrebe^^« SHcfultat \\ä) ergeben mufetc, bafe bcsüglidt) ber nic^t bereitgcftellten Seroeidmittel jroifdEicn ben iRic^tern bcr ©d)öffengeric^tc. Straf- tammcrn unb Sc^rourgeridt)te gar fein Unterfc^ieb mef)r geroefen roäre. 9lber jene falfdfie 3luölcgung ift ja aud^, foroeit id^ feften fann, nie in allgemeiner gormulicrnng auögefprodben, fonbcni immer nur in GinäclfäUen tl)atfädE)lidf) jur ©eltung gcfommen, wie }. 5^. in 3lblel)nungen: ,,bie Sadblage ift genügenb aufgetlärt", ober: „bem neuen 3^"9^" ^^i^ö 't)aQ ©cricbt bod) uidt)t glauben". ü)Jeine Ülvbeit follte biefer Sluölegung entgegenroirten, unb um bieö red^t beiitlid) Ijeroortretcn ju laffen, gab id) bem meine« &'- ad)ten§ einjig rid)tigen Safee Die möglicbft fd)arfe Jyaffung: ,,rin 3eugenberoeiöantrag fann uiemalö abgcleljnt roerben'' (3. 120). äöie roenig anerfannt bie Siegel ift, erfe^e idt) roieber an^ einem ÜUt ^tHQtribttoixikmtx&QC im Strafoerfafjren. 463 äuf)Q|c bc« fiaiibgcridbtöratö Dr. flroncdcr (i^ort)crfa()rcii unb i^Qiiptocrfafircn (S. 487 ff.), in roeld^cm auf S. 521) f. }» lef^n ift: ,^S^irot\Un cra(^tet bad Öcrid)t bcii 3lutrag nur bcä^alb für m\txi)tbli^, rocil eö bic 3{id)ti9!cit ber 33cn)ciöt^atfadt)en fcfeon aiibcrn)«it für cnuicfcu crad&tct. 3» beit mciftcu gälleii ift bcr SScroeiögcgciiftanb imai ein cr!)cbli^cr, aber . . . eö erfolgt Die Slbleljiuing . . . unter bcr üom 3{eid^ö9crid)t gebilligten gonuel, roeil bie betreffenden Seroeife ... in Dem fpejiellen Jalle gegenüber Den für bic Sc^ulbigfpre^nng entf(i)eibenDen ikmeiögrünben einen iücfentlid)cn ßinflnfe auf bie :ikroeiöiüürbigung nid)t üben mürben. 2) 3n Dicfer 3lnnal)me lann fidf) daö öcric^t allcröing« and) t(infd)en . . . weil man bie (£r^cb= lid)teit eincö Seroeiomittelö mit Sidjcrljcit erft Dann beurteilen tann, wenn man baöfclbe vox fid) hat 2lber weil bieö in einjetnen gäUen üorlommen tann, fo ift t)o6) fein ©runb t>a, in allen gällcn bem 3lnr gcflagten ein ■Hcd)t auf 'Vertagung einjnrüumen." IJä wirb bann au$gefül)rt, Dafe mit einem foldjcn J5ertagungö= i^^ctite in unferm Strafücrfaljrcn ,,unerträglid)C" .3"ftänbe oor= ^dnkn roären. SBir füllen fic f(i)on oft genug! 9lber mir tommen nicftt dinroeg über Den Sa(}, baft bic CSrl)cblid)Ieit, baö Ijeifjt bier öer Scioeiöroert cineö Jöemeiömittelö erft bann beurteilt meröcn ^m^X roenn man eö oor fid) bat. 3)iefer Saß wirb allcrfeitö Qnerfaunt, aud) oon .^errn Stenglein: •) S^err Dr. Äroiiccfer cmpficblt hierfür in einer 5lotc ^ic für.^crc 3(b- ^ftinuiiflsfonncl: „^«r (Tntlaftunt^eantrag ift thatiiicblid) uncrl)Clilicl)". ^d) warne ^cor. Xie J^ronederfdie Jonnel fann zweierlei bet»eiitcn. irrftens: t)ie unter ^fiä flcftcUtc 2i)atfadK ift [m^ rect)tlidjen ("^riinl»cn) für t»ic l^ntidieiMiui; iincr-- Hl\±. ^iinn ift bie 'Jlble[)nung uilaifi^, falls Die in bem 'i(ble()nunt;{S^befd)luffe iu ncnnenDen ober fonft erfidjtlicfien red)tlidien (^irünbe unnnfed)tbar finb. Xaö weint (iter JÖerr Dr. .Hronecfer nid)t. Crr meint ben ^meiten J^all: bie unter ^cocis gefteUtc 2t)atfad)e ift uuar an fid) erlieblidj, aber anbre, u)iberfpred)enbe Jbüriacben finb noU beriefen, barum ift ber (^an'>e "ilntrart unerljeblidj. - Xiefe *öl«imunj^ ift unftatttiaft. '*) 3o nuifi ber ^a$ «le 1ier inöditc id) barübcv bae AOl^enbe bemerfen: „W\t 3id)evl)eit", b. l). mit 3(uöfd)luft ^et Äöglidifeit eines 3rrtumy bairteilen loir nie Un T\>ert ober Unwert eines "i8e= ttcwmittelä. 9lud) ber febenbe :)iid)ter fann iietäufd)t werben, äl^ir red)nen im ^eisDcrfatyren nid)t mit absoluten 3idberlieiteu, fonbcrn ftct^ nur mit 2öal)r= :iO* 464 Sanbrid^tcr ^t(en. a)ic Scbeutuiig eines S^iiQ^n läfet \xä) erft beurteilen, um man i^n gefiört l)at (3. 479), nnb bem Sicidiägeri^t. ©ö ift mir DöHig uncrfinDlicft, ir»ie m Daneben bic 3)Jögtid^feit 5ulaf|cn fann, bafe 3^"9^» beftimmtcr : anbers beljanbelt tperben, etroa bag bad @eri(i)t im Dorauö Hart, es roerbe einen SBeriuanbten beö 2tngeflagten nid^t beeiDii nnb i()m bann „nid)t fo Diel Glauben fd^enfen, um bie anbem beglaubigte Xi}at^a6)t für roiberlegt ju Ifialten'''' (©. 479). ^ä) fel)e ganj baüon ab, baß bann trofc § 260 Str.^^\D. r Sdjlnfe ber S)eiüeidaufnat)me entfcbieben roirb; Don jroei Seroei ift ber eine erhoben, ber anbre nid^t; beibe aber rocrbeii roürbigt unb nat^ il)rem SBerte üerglid&en. 3d& frage nur, wo benn ber 9lid)ter roeife, bafe er ben i^eriüanbten*) unbeeibigt lai mio o\)nt @lauben \)'6vt\\ roirb, n)ot)er lennt er bie 'J){einung nad& erfolgter SJertagung ber i^erbanblung oielleicbt ganj i änberten (3erid^töl)ofe§, wo^er bie 3)ieinung ber iDiänner auf @efc^n)ornenbant? 9lun fagt ^err ©tcnglein, fold^e biücrgierenbe Gntfd)eiDuii ließen \xci) nur auf bem S)oben eines lonfrcten gallcö ertlä (3. 480). Slber n)o finbet ber Slic^ter erfter S^ftanj bie — festen ober ungefefeten — 9led;tsnormen, \vdd)c if)m anscigcn, i fein 5^1 ^^"^^ berjenigen ift, in benen ha^ Jleid^ögerid^t oon Siegel eine Stusna^me erlauben roill? 9JadE) feinem (Srmcffen, b. nad) bem nod) fo tebenbigen 0efül)le, es loare unerträglid), w I;ier nod) jur (Jrbcbung eines erfaljrungsgemäfe minberroertigen ) Toeifes äJertagung erfolgte, foll ber 5Hid)ter ja nx6)t entfc^ciD Senn fc^cinlidjfeitcn. 9lu(ö t^ad öcfclj fclbft fü^rt feinen Öcbanfcn uon t>cm ^ülop liabcn fo roentg rein t>\ii6), X>ai cd f^eftattet, eine .^auptDerOanbluni^ Q^'t^en ei nic^t erfc^ienenen IKngeflagten unb bei ^broefenbeit ber fontmiffariic^ üemomni< ^ciigcn! ^üecbingS i)at man hier bic )Semebmungdprotofoüe Dor ficb. i bic in benfelbcn niebcrflelcrtten Äiiefagcn fönnen fic^ flcgenfeitij^ roiberfpre unb babci !anu bod) jebe ^uSfage für fic^ allein genau gleid) fcblüffig fein. *) Cbne 3"Jeifcl würbe t>aii Sleid^egericbt nud) bei ben ^lenuanMen i ftel)cn bleiben. Silber roürbe es neben ben in § 51 Str.'^.C. and) bie in J; Gtr.^p.C. genannten ^erfonen ju ben 3^*W9*" ^»^^ niebem ^udnat)ineflaife re(^r unb weiter T>ieUei(bt gute ^ywunbc unb AeinbeV Cber foU bie 3"^ö^'*t ber uneiblidjen i^emebmung bie (Mren;e bilben unb roesbalbV Xenn ^ie eibigung ber ^(uefage ^at ja gefe^lic^ mit ibrer (^laubwürbigfeit nid^t^ -^u tl übet 3^scnbcn)ctdantrdgc im Strafocrfa^rcn. 465 bad ®erid)t beftimmt beu Umfang ber 33en)eiöQufna(jme nid!)! ttad^ Kinem @rmef[en; utaBgebenD fiub bie Anträge bcr ^Parteien. trogbem lä§t fic^ anä) nad^ meiner Weinnng in mand)en Meii ber beregten 9lrt }ur 9(blef)nung !oututen nnb id^ bebauere lebhaft, bafe ^err 3 1 eng lein fid^ nidjt barüber geändert \)at, ob erben oon mir (S. 126 f.) geroiefencn 2i?eg*) für gangbar l)ixlt Sine rooblbegrünbcte 3"^"*W)eifung beö älntrageö mürbe banadt) etiDQ lauten fönnen: gür bic a3emeidtf)atfadE)en Ijaben fo unb fo üielc 3k !!Rc(ötfprcd)imrt, noc^ ^w SlnnaUn, no(^ öolbammcrd 2Cr(^u>, unD .wr 3tcni]Icin t\at mir t>araud öncn ^Sorrourf gemacht (3. 470. 4^). ^d) t)abc bislang geglaubt, bau, wer bic Cnt'Äcibungcn fcnnt, bamit einen Übcrblirf über baö Ü>efentlid)e ber reid)es d(n(^tiid)cn 8pru(bpra:n6 gewonnen bat. 3onft ucrbient eii^entlid) bie offr,ieUe 'Sammlung, bie ja je^t auc^ bie ^ed)t)pred)ung uufgcfogeu l)at, nid)t bae Sin: ^*^cn, roeldjcö ftc tbatjäc^lic^ gemefet. Siit biefem iJlnfebcn l)attc id) bei meiner ^'^bcit in crfter Öinic ju redinen. ^d) fdjricb für Xim '4>rafti!er. Xiefer finbet ^ttf bcn ^«anbbrettern feine* ^Jeratung^ümmerö nie ober bod) faft nie eine <>nbtc Sammlung alö bie (rnifdieibun^en, unb menn id) bie ^rage aufmarf, '^Idic Stuffc^Iüffc bietet bem 5iidjter bie 3yrud)pra5iö beö :Keid)egerid)teö, bann durfte id) nur bic (*ntfd)cibungen berürffiditii^en. — Diebenbei bemerfe id) nod): ** hatc bem 3icid)dgerid)t nid)t rorgemorfen. bat? eö „feine :KeyieIn in pofitiüer >50cm aueiprid)t" (S. 475). Jm Gegenteil lubc id) felbft (3. 1*J0) mir bie i^e^ ^wtfung erlaubt, X>ai ce nid)t Süifgabe unfrcv liodiften (^erid}töl}ofe§ fei, „all- ftfnitin gültige (5Jrunbiä^c InnuifteUen", baB cw nur „ben JaU entfd)eiben mill «nb fann". 466 !ganbnc^tcr Titten. Dou 3c"9cnbcn)eiöanträgcn in t)er,öauptüerfjanblung crfier ^nftanj? (S. 113.) S^icjcnigc Jyraflc alfo, roelcfic ,^err Stcnglein im§ in an fid) öanfcnöiücrtcr Sßeifc uorlcijt unb beantuiortet: Äaim baö SJcüifionä geriet bei 9Jorliegcn eincd ungcinigeuD motiüierteu, einen SJeiüeiöantrag ablebnenben 2UM"cl]l:ific4 in bic A^aQt eintreten, ob ein erl)eblid)er 3lntrag uorlaüi, ober ninfe baö ^eoifionögeridfit loegen bed projejiualeii iDiangelö baö Urteil anf^eben unb bie Sac^c ... in Die :3nftanj jnrüdüerioeifen? (3. 480.) — biefe grage mag oielIeid)t „]\iv bie tbcorctifd^e öeljanbhin.a" t)iel roicbtiger fein alö mein ^bema, aber alö „ßrgänjnng ineincr SSlrbeit in einem roefentlicben ^^nnfte'' (3. 476), bad bcifet bodb luobL als ainöfiiünng einer t)on mir ot7en gelaffenen iiiide, glaube ich bic (Srörterung I;icrüber nidjt anfeljen ju foUen. 3)ie3 meljr nebenbei. 5Bon fac^lid^er 33ebcutintg frf)eint mir baö golgenbe 5u fein. 3^ ^^^^ (S. 111) ben Jy^U gefeiu, m ein 2(ngeflagter in ber .'pauptüerbanblnng eine aU 3»börer uifäilij) anroefenbe ^^crfon alö 3^"9C" 5" Dernebmen bittet, ban t)a^ OJericht ablebnt, loeil ber S^nc^c nic^t gelaben fei, bafe ber 3lngeflagte nun bie )äabung unb nad)ljerige '^Nernebmung beantragt, unb id) habe baran bie J^age angefdjloffen, mann fold) ein Eintrag abgelebnt, \mnn nid)t abgelehnt roerben !önne. '^oblgemerft, id) habe feincö- megö mid; bal)in auögefproc^en, baf? bie 3lblel)nung: ber ^cuqc ifi nid^t gelaben, juläffig fei. $ier5u bemerft ^err 3tenglein: 35er 3)JangeI ber i.'abung ift überf)aupt fein ©runb, bie SBernebmung eines 3^i*9*^»^ ab5ulel)ncn., fonbern nur ein Örunb, ioeld)er baö Werid)t bercditigt, bie CSrlieblid)feit Dcö 3cugen in 23etrad)t 5u jieben, roäbrenb t>a^ i^orliegen einer :i'abung sur i>ernel)mung beö erfd)ienenen 3*^"S^'" i" ber Sieger*) s^iiigt. Tie üabung eines anroefenben ^cw^in braucht gleid)faUö nid)t meljr befd)loffen ju merbcn, unD nie bat baö 3{eid)Qgericbt einem fo gcifttofen Jormalismuö gebulbigt, bafe ed forberte, e§ muffe bem oor bem (!5erid)ie ftcbenben 3^'"9^'" ^^»^» «^^"^ öerid)töüoll3ieber mitgeteilt werben, er foUe oor bem (>Jerid)te erfdjeinen unb bieö fei •') ^Kcnn man auch ^tcic ^kc^ii aucvfcniuMi iroUtc, ivo fiiib ^cnn t»ic ^vit- lidhcii (^rün^c für ^ic 3lii*5nübincn "^ über 3cugcn6(iixidanträgc im Strafverfahren. 467 9)ebingung ber ä^ernebnunig. !Dad @en^t hatte atfo nie befc^liefecn föniien, bic SJeriieljutung rocrbe abgclcfint, rocil ber 3ß"8^ "i^t gctabcii fei (S. 476 f.). Wt bem (erteil Sa^e bin ic!^ DoUfonuneu eitiDerftanbeit unb A \)abe, xocnn aud) meUeid)t nic^t gans beutltd^^ nidjtd anbred et'agt. ;,VbenfAUd t)abe id) nid)t^ anbred fagen luoDlen. ^on meinem :tQiibpuii{te a\\^ tonnte id) gor nid)t barauf fomiiien^ ben %b= .Ijiuingögrunb ber 'JJiditlabnng für triftig 5n t)Qltcn. S)enn nad) leiuer -Knfidjt mnfe ja ber 3^"9^ ^"«^9 ^^ ^^ f^^" ^ber nid)t, »er^ oinmcn werben. 3lnf bie iliabnng Umx eö alfo nie antommen. iCb l)abe aud) erfic^tlid^ bem d{eid)dgerid)te in biefer )Sejiei)ung iitcn 3}orii)nrf (jemad)t^ ba eine &utfd)eiDung beöfelben über biefen unft nid)t DorE)anDen ift. 2öir finb alfo einig: eö würbe ,,geiftto|er ^yormalicmnö'' feni, enn man bie ßabnng ber anioefenben 3^"fl<^" ^'^ „33ebingung ber ernel)mnng" f eisen wollte. SiUr brand)en babcr nid)t ju unter- d^en, menngleid) öer § 244 3lbf. 1 Str."il>.D. mörtlid) nur Don lorgcl a Denen" 3^"9^" fpridit, ob Die anioefenbe ^|?crfon nadt) : Den man^mal fo feinen unb ftreitigen Siegeln ber 3iüilp^ojeB= önung über Labungen citiert ift. C?d genügt, Mf^ bie ^crfon genmärtig fei. ,^d) fürd)te aber, bafj mand}er ba.^u tommen tonnte, — gerabe ftü^t auf ^crrn Stengleinö Siemerfungen — ben iNonmirf beö formaliomu§" gegen ba§ iHcid)ögerid)t jn erlieben. ^tnn baö .nd)ögcrid)t fpridit öftere am, }. ^i^. (Sntfc^eibungen S}b. 1 3. 226: Sic erft nad)l)er (ö. l). nad) Xiaöung unb C5rfd)eincn beö 3eugen) begrünbete Überscugung üon ber Unerbeblidjteit beö 3^"9»MK^ (b. l). ber 2I)atfad)e, über bie auögefagt werben joU) tann einen Ginflufs nid)t mel)r üben.') J^ieö Ijeifet alfo: wenn ber 3^'"9^ "i*^ ober, waö bem gleid)-- 'bt, nidjt unter genaucftcr 3^cobad)tung ber i^ii)ilpro}cf|ualen cgeln gelaben würbe, bann mufe bie äsernebmungötbatfadje cr^ btid) fein. 3ft ber 3*^uge aber orbnuugöuuifng gelaben, bann it Das ©erid)t bie 2t)atfad)e, weld)e ber 3^'"9<^ betunben foU, icftt mebr auf il)re Grheblid)teit ju prüfen. •; (5lHMiio ein Urteil ^cö "Hcid)ö(^cncl)tc5 aii»3 Nt ncucftcu ^i\i (27. ^fbr. *IM.», ^\uriftiicl)C 2öod)cnfd)rift oon is'.H) 3. U7 f.,-: ^cr „»örmlicl) ciclnöcnc uu^ ■fdjicncnc 3.id)Dcrftünt)tgc miiBtc ucrnoinmcn lucrticu, auch lucnn t^cr in A^agc "ftienbc ^öciüci-äantrag uncr lieblich iiiMvcicn lüärc". 468 Sanbric^tcr ^t(en. ^6) weife no6) einmal, roic fd^on früher (jefd&e^cn (3. 157 1), barauf \)xn, baß e$ naä) biefer 9lnfid)t gar nid^t notmeubig et^ fd)eint t)on bem angellagten bcsüglid^ feinci' felbftgelaDenen ^twcitw bie 3(ngabe eines fpesiellen ^eroeidtfientad jn Derlangen. M^ genicineö Scroeiöt^ema ift ja ber in bem Gröffnungöbefc^hiije be= äcic^nete ^iftori|d)e IJorgang. SBeld&en 2'eil beöfelbcn Der Jim geflagte gerabe bei biefem S^^W^^ i^^ ^^^9^ Wf iH gleicbgülüq. 3)eiui felbft loenn biefer ;i'eil nner^eblid^ fein foUte, fo nnif, ja ^ie a>ernc!)mnng erfolgen — eben wegen ber :iiaDung. 2)0(f) eö bleibe baf)ingeftellt ob baö 9{cid)«gerid)t biefe vgcftluB^ folgernng sicijen roill ober jieljen niüßte, t>aQ ift bocb ficber, Hi na6) feiner 3lnfid)t bie 3Jernel)mung eine« 3^"9^" ""b, falls eine SJernelimung abgelehnt wnrbe, baö Sd)icffal einer Sieinfion öopon abl^ängen fönnte, ob ber 3c"9ß orbnungömäfeig gelaben ift, ;. S. ob ber ^^*oftbote bcn ä>orbrn(f feines .3"ftclInngsbogend rid)tig burdi= ftridEien f)at. 3Hfo roäre bie Sabnng boc^ l^oranöfefenng ber iscrncbmiing unb ber gormaliömuö wäre ba? Gr ift afleröingö ba, aber Die Sc^ulb liegt im öefe^e. 3)cnn unbeftrcitbar ift, bafe ?5 244 flbf. 1 Str.'ip.C fagt: id) bin anroenbbar auf bie „üorgelaöenen" 3^"8^'"- grage ift nur, was bieö bebeutet. i>erftänbigcn wir uns üor Der Seantwortung über jwei ca^e: 1. 3(1 Ic in isorfdilag gcbrad&ten, erbcblid&cn ^Beweismittel muffen erl;oben werben (»gl. oben S. 461 ff.). Soweit 3^"3^'" ^" Setrad^t lommcn, mad)t es feineu Unterfd^ieö, ob fie anroefenD finö, ob nidjt, unb wenn fie anwefenb finb, ob fie eine ÜaMinfl oom @erid^tsooll3iet)er erf)atten Ijaben, ob nii)t 2. Äein als un er^eblidj) erf anntes Beweismittel ift 511 e^ l;eben; fein S^H^ )^^ 5"^" 6rjd)cinen, 5um ©ibe, jur 3lu8fage an- gebaltcn, nötigenfalls burdS) ÖJelb^ unb greil)eitsftrafen gejnjunjicn werben, wenn fcftftel)t, baß feine 3luSfagc für Die GntfdEieiöunj bt- beutungslos fein würDe. Wcnaucr: et)c nid^t feftftel)t, X>ai feine 3lusfagc „ein Ergebnis als möglid) in 9luSfid)t ftellt, weldfteö ge^ eignet erfcbeint, bas öefamtergcbnis bes SJeweisoerfa^reiid irgenbwic 5U beeinfluffcn" (Stenglein S. 477f.).'') "1 .Vcrr Stcngictn vüc^t, ^aB icö c4 ucriiic6t l)abc, bie lÄnfor^cnIn^^«'• l»K man an einen folc^en erf)eblic^en 'öcroeisantraj^ ftcUen muB, in ein «P^**"* über 3^dcn ^flenftanb gerate l)eö S^^'Ö^"^^"'^^^^* b\lX>cn founcn, imD er meint, bie i^eants Ortung bicjer '^vaQC „fönne ()öd)ftenö (^iecjenftanb einer nid)t lösbaren i^reie« ^^öftbc fein", (iö tjanbelt fic^ l)ier um bie roic^ti^je ^ülbjjren^unij bee reinen 3adjs ^^miöigenberoeifee gegenüber bem üöeiueife burd) faclioerftnnbige ^»•'WÖ^'»» ^»^ ^t unbeftritten ift. Aber fieser ift bod) 5. "i^., ba^ bie SBefunbfrage an X>in ^fltionäarjt, roclc^ Crgane ber 8tic^ getroffen l)at, reine 3ac^rerftänbigenfrage i^. öoB ber %x\t nic^t ben 3^'»9^*"fi^ leiftct unb bafj aud) jonft bie siegeln ^^^ ,ScugenbeiDeife nid)t uir Stnioenbung fommen, obiuohl bie '-liorauöfe^ungen ^d § K5 ^tr.^.C iDörtlid) genommen ror'^uliegen fd)einen (ngl. aud) ^c. 102 ff.) ") (Sutfc^. ob. I e. 244. 470 l^anbric^tec ^iten. b) § 244 Slbf. 1 ©tr.^.C. lann lüd&t faßcn rooücii, bofe alle auTDcfenbcn Dorgclabcn cn 3c"9^" Dcrnommeu rocrbeu müflcn. Saö roärc iibcrpflffig. 3)cjiu bied fagt nii« fc^on Safe 1 (oben) für aUc 3c"9^»i fdSiled&troeg. 2)aö ©cfefe roiU Ijicr für bie oor-- (jelabcncn *'^) 3c"9cu ctmaä 3lnbrcö, SJcfonbcrcö üorfd^reibcn. ai^aö ift baö Öcfonberc? Gd liegt in bcn SBortcu: ,/l>oii ber ©rl)ebiuig cinjetiicr 33erocifc fanii jeöod) ab; gcfc^cn werben, loenn bie ®taatöann)altfd)aft uiib ber am gcflagte bierinit eiuücrftaiiben finb/' 3llfi) eine Sluönaljiue üou ber Siegel (Safe 1 oben) foU 9e= fdiaffen werben, unb biefe ainönal)me liegt nur uor, loeau bie Parteien, wie id) früher bereit« gefagt fiabe (S. 121), auf bie äJer- nebmung auöbrücflid) üer}id)ten. — 34 Sebe ju, baß bieö auBet^ orbentlid) wenig ift, id^ bin aud; gar nidjt jwcifelljaft, bajs bie Siimä- fommiffion, üon ber bie Scftimmung beö 3tbf. 1 5; 244 Sir/|'.C. ftammt, bannt febr Diel meljr Ijat fagen wollen. Sie Ijat und nur nid)t nicl^r gefagt. Tenn fie erfanntc nid)t, t>a^ nnfer 2a6 1 (oben) unbcfd^ränft gelten mußte, fobalö bie i^orfd)rift beö Ent- wurf eö (§207 baf.): 2)en Umfang ber SJcweiöaufnatime beftinnnt baö Öerid&t . . . von i\)X geftridjcn, beäiel)ungöwei)c auf bie Sd)öffcngcrid)te bef(I)ranft worben war. UnD man ift jefet bod) wol)l einig, bafs nur baöienige cnt- fd)eibeub ift, waö oaö ©efefe fagt, nid^t, waö ein einjelner 'Mit- arbeiter am ©efefe ^at fagen wollen. III. 9lm Sdiluffc feiner aiuöfübrungen legt .^crr Stenglein mit befonDerer :öetonung crnfte -iierwatjuing ein gegen bie angebliie Xenbenj meiner xUrbeit. Ü)?ein ;^'iöeal ber SöobanDlung i>on *i)f' weisanträgcn fei bie „Sd)ranIenlofiöfeit", bie „Souoeränität Des Xl)atrid)tcr§ in ber Sel)anblung ber Jvrage, weld)e Öeweife er ent- gegennehmen will, weld)e nid)t", unb baö fei ein iNerftofe „8'^"9^" bie erfte iHcd)töre9el beö ^roseffco: „audiatur et altera pjH>" (3. 482 f.). '") (Ml.n'cr i>:ant»buri) iüD. I S. 401 f.) mö&m auc^ ba« 2i?ort .'-'^^ flcUit)cn" cyfaiiiotiercu imb l«afür cinfadj „anlücicn^'' ictcn 2»icfc Sluolc^""^ rtcl)t fdion l^cm ii?ortc t»cö (^Jci'cticö iKiK"»bod) eö mag fein, — jebenfaHö mufe xd) mid& %i auf beu erl^obenen äJormurf ^|in etroaö näfjer mit ber Sad)c efc^äftigcn. 34 möd^te behaupten, bafe mir Sd&ritt für Bdjxitt baju ge* ränßt werben, nidjt nur bie Serociömürbigung, fonberu and) bic utjd)eibung über ben Umfang ber 59cmeiöaufnal;mc bem rid^ter- den Grmeffen ju überlaffcn. ©prid&t ed bod) felbft je^t, mo baö iefcß biefeö Grmeffen bei unfrer ÜDiatcrie ganj auöfdblieBen möchte, )o Der ^;)iarteiimUe nmftgebenb fein foU, tro^ allebem in einem jfluptpinittc baö entfcbeibenbe 3i>ort, nümlid) bei Beantwortung ber etö ,^u erljebenben SSorfrage, ob ber geftellte Stntrag roirtlidj ein Jeroeis antrug fei. S'ie 2lntmort bierauf mufi fofort gefunben Wen, ein ."oinauöfd)ieben biö jum Urteil ift banbgrciflid) unmöglid^ mö Die ainlialtöpunftc für eine Öegrünbung finbet ber 3tid)ter ^liefelicft mir in feiner ftberjeugung. Natunini expellas funra! . . 3iini meint $err Stcnglein: iiMiö ift baö für ein Wcbör, wenn ber 9lngeflagtc f.mar 23e= liebigcö behaupten, aber aud) bas !!h>efcutlid)e nid)t be-- iDcifen barf, wenn eö bem J{id)tcr nid)t beliebt?" (S. 488.) Sicö mürbe üon Wcmid)t, r)ielleid)t üon (>iemid)t fein, menn eS ^ um ein belieben beö 'Jiiditerö um feine 23illtür banbclte. 3lber 0^ ift ja gerabc nid)t ber Aall. I^er 3iid)tcr füll l)ier nid)t fouoerän", uid)t „fd)rantciiloö'' fein. 3)cr 5üuoeräii ift t>aflid)t pon bem ber äi>illtür ^u fd)ciDen bcftimmt ift. Gö bat eine 3<^il gegeben, in ber bic Wcfc^gebcr i)crfud)tcn, »td) 3lufftellung oon iöemciöregcln bic Bciociöinittcl glcid)fain 511 i^en unö mit einem öciuiditöftcmpcl 511 iicriebcn. 2i>eun ein üitor jener ;^eit in unfrc Wcriditöfäle träte unb hörte, mic mir »tjcbciöcii, wie mir — nur mit ber ik\jrüiibuug: „baö Wcridit bat i^ überäcugt" — mand^mal Dem bccibigtcn ;)Cugcn A gar uid)tö. 472 Sanbric^ter 2)t^cn. bem unbceibigten S^i^O^i^ ^ ^^^^ glauben^ er mürbe jidber^ lueim er üor Grftauuen ober Gntrüftung baö äi'ort fänbe, fragen: 2öaö ift baö für ein Seroetörcdjt, roenn ed bem 31ii* geKagten gcflattet ift, alleö ju beroeifen, bann aber bcr 3tid)ter ba§ Seroiefene nid)t 5U glauben. Das UnbeiDiefcnc }u glauben befugt ift, n)ie e« iljm beliebt'^'' I^cr S?orn)urf roürbc, rocnn bort, fo l)ier gelten; in gleicher äBeife aber aud^ mein (Sinioanb: ed beliebt nidbt! S'aö Bx)\wn ber freien löeroeiöiüürbignng ift ja eben audi nicit ba§ ^beat. Tenn bie Sd)ranfc äw>ifc^f" pflid&tnmfiigem Grmeijen unb äiUUtür, üon ber id) oben fprad), ift jioar ba, aber ju äcigen ift fie nid)t, audö nid^t im einjelnen ^aQe; ja bcr :Kid)ter, bcr iu peinlidbfter Xreue 5U entfdieiben bcftrebt ift, mirb oft empfin^ell, bap baö @efc6 il)m eine fdjioere ifaft aufgebürbct f|at, inbciii c4 i^n üon tiZM gefefclidjen Stegein „befreite", inbem es ihm bicScge na^m unD ii)\\ jroang. Die SSemeife nunmeljr gleid)fam in Der ^anD nad) feinem 0efüf)l 5U loägen. 3tber man Ijattc nun einmal eingefebcu, Mfa jebe äi'agc bidlier unjulänglid^ unD fatfd) war. 3)arum roarf man fie jur 3eitc uiiD gab bie t)ergeblid)e 3lrbeit beö Sud^enö auf. "Slan nahm l^ad Seffere an Stelle beö unerreid)baren Seften. ä^nlid^ fd)eint cd mir um bie 33en)eiöäulaffung 5U fteben. lad ^Dcal roäre gcioij} aud) bter ein Svftem üon feften Siegeln, welche cinerfeitö genügenbe .§anbf)abc gen)äl;ren müßten, alle gegen ftraffe 3)urd)füt)rung Deö Strafi)crfal)renö gcrid)tcten S3eftrcbun9en i» S^adb ä" l)altcn, anbrerfeitö aber bie bercdjtigten ^"t^reffen ^c^ SJerteibigung nid)t ücrtümmern bürften. 3lber aud) folcfie rHogc!« finö unfinDbar. 35arum ift mit il;ncn nid)t ju rechnen. Tann aber bleiben sioei ÜDJöglid)feiten : entioeöcr eö entfd)cit)ct bie "ijfüttei oDer cd entfd)eibct bcr 3Jid)ter. *') Tic crftc Sllternatioe bat )*on ") Cre fläb« roof)( ncd) einen trittcn, mittlem %i^: bie bereiten ^eirci«^ mittel miife ber 3lic^ter benii^en, bie nic^t bereiten, nur beantragten fann er iw* freiem (rrmeffen ablehnen. i^nfc^einenD meinte bie ^"f^^^^ommiffion, inöem «< ben 3lbi. 1 bee § 244 in bie Str.^.C. einfütjte, biefen SJJefl 511 geljen. SlieuiiifK"* iDirb bei bcn 5^cratunöen mct»rfac^ erörtert, wie ^a^ (^kric^t fid) vor einer .turl»* tt»^^tiun^••, bie burd) ben iMn^eflaöion in bie .H?auptuert)anblung gclaben fei, n?üt^ retten fönnen (',.0. .v>aljn, 9}taterialien 3. ctr.'^i.C. 3. S48). (rö rourbe m*^^ beacbtet, X>K\i bie turba te>tiani fc^on ba ift, n?enn bie 3^emc()mung aud) ^^ beantraiit ift. — tiefer 9)titteln)eg ift aber gar nid)t ;ur 3i?al)I ;,u ftellcu. ^0" mürbe ein l^riüifegium für "^m ictaateanmalt fc^affen, ber ftctö 3'ugen I»»^ fann, mäl^rcnb ber regelmäßig unbemittelte Slngeflagtc eö nic^t fann. flier 3aQ 3nteref|e beö 3lngeHagtcn ju furj )inmt. 2)aö ©efeft Ijat fid& für jeneö cntfd)ieben, unb id) glaube u einjelnen in meiner früt)ern Strbeit gejeigt ju l)aben, mie groß ie Unjuträglic^feiten finb, bie baburd^ üerurfad^t werben fönnten. Iber man möchte meinen, baß burd) baö Jeljlen einer :öerufungö= iftaiiä i*"b burd) bie freie SJemeiömürbigung ber 3lnge!lagte oon or^crein bcnad^teiligt rocrbe; ed fei baljcr nur geregt, wenn man im jum Gntgelt bafür bie fouoeräne 3)iad)t über ben Umfang ber leiücidaufna^me oer leibe, bamit er bicfe ^JÖJad^t glcic^fam aU :i(ierungdt)entil benüfcen fönne. Sicfe Grroagung bietet mir aud) neu ber Örünbe, meöfialb iä) nod) joßt ber 'äWeinung bin, baf3 eö « 3cit nod) beffer fei, an bcm bcftcbcnben 3"ftanl)c uid^tö ju nbcrn, '^) obwohl id) ergänscnb nod) einen UmftanD ermäl)ncn muB, siieii 33eDen!lid)feit jcber nur einigennaBeu Sad)funDige fül)lt, of;ne Iß er barum gerabe l)äufi9, jumal in bicfem .3"U^"""^*»l)^"9*^/ ir cprad)e gebrad^t wirb. 3)Jan roeife, mieoiel Giufluft ein oerftänbiger, loijaler SBer^ iDigcr auf tien ©ang bcö innfal^renö bat. ibio er wirft, fommen '-) od) habe nur cnipfot)lcii, ;u än^crn, lucnn einmal „t«ic immer ^)ie^er »ftau(t)ent)en 5kniüt)uni\en um äLUcl»ercinfül)ruuiT| ^er 'iU*rufunii irrfolj] haben »Uten" (S. 165 f.)- oUrtleicI) an^euten, Dafe id) weit entfernt »öon bin, biegen 33emühunrten t»en erftrebten (irfoUi Ut u»ünfd)en. .^err ttnjjlcin fc^int mid) hier mifioerftanDen ;u haben, in^em er iai^t, id) u^oUe ^^ üon mir verlangte CO 'Jieform in 'i^rrbinbun^ mit "llüeDereinfühnmij ber eines fd^led()ten 2lnwaltd aber, ic^ meine eine« 'iJertciDigertr für ben feine ^^Jrajiö in erfter Sinie, fein Älient in jweiter i'inie ftel)t, unb für ben baö ©treben, mit iHid)ter unb Staatöanroolt in gemeinfamer 3lrbeit baö 'iRtd)t ju finben, erft ganj julctft, oicUcicbt fogar nie in '^rage !ommt, in ber ^nuD eines foldben 'Jlnn)a(t6 wäre baö Ijeutige SJeweiörec^t eine furdtitbare ©c^ufcwaffe gegenüber Dem 3lngriffe ber ©trafüerfolgungsbel)öröcn. ^intert^üren für argliftige ^rojeBfüljrung ^at wo^l biölcng nod) jebes ©efefc geseigt; Ijier aber liegen fic gar su bequem unD DerlodEenb! 2)as fiuD bis i)ml)cx nur t^eoretifc^e ©rwägungen. Soiri praftifcben ©tanbpunfte aM \)abt id) geltenb gemacht (©. lä6),baB wir bei ben ©d()öffengerid()ten eine ganje -Heilje oon 3i^t)ren ^in* burd) mit ber äBirfung be« § 244 3lbf. 2 Str^^JJ.D. nur gute &- fat)rungen gemad()t l)aben. ^err Stenglein meint (©. 483), moit tonne t>a^ öegentcil nic^t beweifen. 2)aß aber meine 9lnfid)t im ■)tid()terftanbe bie weitaus t)orl)errfd()enbe ift. Dafür barf idlj mid) wol)l auf bie SJcr^anblungen Des 18. ;,'^uriftentages •^) berufen; ii fann mid^ aber audf) bafür nod; auf eine anbre X^atfadt)e bejie^en, bereu JHiditigfeit mir meine ÄoUegen aus bem 9iidf)terftauöe bfr ftätigen weröen, nämlid) auf Die, Dajs Das fog. freie ©rmeffen bei all feiner fc^einbarcn Jügfamteit bem Stic^tcr eine t)öl)ere Sdjranfe, Dem 3lngetlagten ein wirffamerer Sdj^uft ju fein pflegt, als Di* mel)r ober weniger ftarrc unb fpröDe gefe^lic^c Siegel, Da§ 5. 8- erfat;rungögemäB bei Gntfc^eiDungen, bie burd) :)ledbtsmittel imoiP greifbar fiuD '*), bie ©ad)untcrfud()ung unb 33egrünbung im ÖefüM* ber gefteigerten SBerantwortlic^teit eine gauj befonbers eiiigcöenbe 1-^) «fll. lUid) Z VII 2r)()ff. '*) Sliic^ folc^c aiiß Der crftcn Jn^T^'^"^ gcl)örcn Dajii: ^^^^I^'^^^i^^ nur ÜW Moftcn u. Dcrgl. — Jlamentlic^ ift mir Der im ^crt angeführte UmftanD ftübff in .Vrtimouer aufgefallen bei Den nac^ Der t)annouerfd)en bürgerlichen $rojrt* orDnung inianfeditbaren 3i^^(urtei(en bis }n lO^^alcr ijt^crt. ftier S^qtnb€ton9axitcäQt m 6trafoerfa^ren. 475 uitb fotflfaltigc ju fein pflegt, ß« ift nm^r, aud6 bie§ lägt ftd& nidit beroeifen. 35oit ^^Jj^os^öorbnung bicö üerlangt. 3clbft Wenn — roaö nidjt gef d()eben — feftäuftoUcn roäre, bap in jenen Sachen bie Urteile nad) Sh?ieberl)olung ber ^auptDcrluinblung erfter änftanj peränöcrt finD, fo loüröe Dieö bod) nid)t oljne rociteroö 9«9en bie materielle 3iid^tigfeit ber frül;ern fajfierten Urteile be- Jöeijcu. 7)mn fein Seroeiömittel t)erfd)lcd)tert fid; burd) S^i^'^'^^^wf • 10 fc^nell unö fidler roie ber 3c"9ß"I^^*^"\ix6) ben mät3igenben @iuflut3 bed Steoiilon^ geridöteä" (S. 483) ein beffereö rourbe. CSö freut mid^ aber bei allebem, bafe $err ©tenglcin ben ©riinb, roeö^alb § 244 abf. 2 St4^.C. bei beu etraffammern fd^ablid), bei beu ©djöffengeridjte» — oielleid&t? — uuidjäblidji |ei, nid^t boriu fud)t, bajj Ijier Üaieurid)ter mitroirfeu, bort nur gat^- jurifteu eutfdieiDeu. iSaruui fauu id) eö mir idoIjI erfpareu, auj bieten Unterfd)ieb Ijier einjugeljen. .^err Stenglein fiubet Den Örunb in ber SJefdjränfung bcr 3lun)cubung beö ^^Jriujivö fl»j bie minber iDid)tigen S(^öffengerid)tö|"Qd)en uub er beutet an. Die?« (Sachen lägen meift tl)at)äd)lic^ fo einfad^, „bafe man bem :Hid)tci md)t jumuten fönne, eine größere 3lnjül)l uon 3c"8^" ab5ul)örcn". (S. 488.) diun finb bie tt)atfäd)lid) einfad)en 3ad)en im mefentlid)eu Di^ Übertretungöfad^en. a^ (>3erid()t oon feiner ÜDfad^t^ befugniö folc^en Slnträgen gegenüber ©ebraud) nuid^en foU, wirC gar nid)t auftaud^en. bleiben bie ä>ergel)en5fad()en. ^eöer iwiB. ^(^% gerabe bie roidbtigften unter iljuen geborne £traf!ammerfüd)Ci' finb, iDeld()e auf 3lntrag bcd Staatöanroalteö bem ©c^öffeuijerid)t< ttberioiefen merben !önnen uub tl;atfäd)lid) immer übcrroicfer werben, roeun eben ber aintrag erfolgt. i5orauöfe6ung l)ierfür if aber \nd)t etroa ber geringere ober gröfeere Umfang ber ju er wartenDen ^etoeiöaufna^me, fonbern bie oon bem Staatoannmlt' nadj) hm 3lfton im Dorauö veranfd^lagte Strafe. $at nun, roie id üorauöfefte, txi^ '^Jrinjip beö § 244 3lbf. 2 Str.^^'.C fid) au(6 b^ biefen ber Straffammer entjogenen Sad^en beioäljrt, fo ift nic^t ab jufel)en, warum eö Sdjaben ftiften foUte bei X>t\\ übrigen ^c Straffammer oerbleibenben Sadien '*). §ier3U fommt, baß infolge ber i^eftimmung im § 23 3lbf. - Str.5)N.C. minbefteuö brei, alfo bie iDiebräa^l ber fünf Siiditer ^c crfennenDcn Straftammer bem ju beurteilenben ^alle unbefangen^ '■') (Tö ift ^oc^ aud) ein eignes 3JJiHi»erl)ältnie, tuelc^ed fe^t t).irin bcruH* t>a6 ^ie 5led)te ^cr eine« ^^artei (beö Änj^ef labten) l»al)urd) in einem !Cö ipefentlid^eu fünfte bcfct)ränft werten, baft X>'k anbtc ^^Jartei (ber ctaatsannMl* burc^ eine iinancireifbarc 3)laBWflel (Übern)eifun9Ä«antrafl) bie Sac^e an bas nicl'**' Ü^eric^t bringt. über 3^ugen((n)ei0dnträ(;c im 3trafucrfai)rcii. 477 geiicuübcrftebcii alö bcr i^orfitjeiiDe ^cö Scböffciigcridjtö, Der Die öauptücrbnnDlinifl oorbercitet. Der in Der rHe^el aud; Den Gröffnunflö^ bcic^IuB felbft crlnffen bat imb Dem roegeu feiner (^Jefe^cöfenntnio — }um uiinDcften bei allen prosefUeitenDen CSntfdjciDnngcn — Die 3d)öften lebiglid) beijnftiimnen vflei^en. lanüt fllaubc id) beriefen .^n Ijaben, Daß eine 3luQDebnunc\ Der iHorfdirift Deö S '^^^ iJlbf. 2 ctr.'iN.O. auf Die Straffaiuiner- iadien/^') wenn für Diefelben eine ikrufungöinftanj neu eingerichtet lüirD, red)t luobl enipfoblen werDen fann, unD Daf? Die uon .\jerrn Steuglein Dagegen erbobencn 25eDenten, forocit fid) Dergleid)en oon Dornljerein übcrfeben läfit, fid) aU binfäUig Darfteilen. UnD rocuii.öerr Stenglein fd)liefUid) meint, Daßnad) meinem 4>orfd)lage nid}t Die minDefte Garantie beftcben würbe, Dafj Der :^ln= geflagtc in jiDciter ."^nftans mehr Öeljör finDet alö in erfter ... (S. 484), io faim üon Oiarantie, D. \). von abfolnter 2id)erbeit Deö iSrfolgeö einer gcfetjlid)en ä>orfd)rift ii)ol;l nie gefprod)cn luerDen, Da Dao Oieict) üon irrenDen ^J)tenfd)en angeipenDet wirD. Tic neue ^^nftanj bringt aber Dem iHngeflagten unmeigerlid) im ä!orteile. (rr bat fein Urteil erfter A»ft«»3; ^^ J^^if> nunmebr, was er früber uiellcidit nid)t iDuftte, worauf eo antommt, unD er föun, mcnn eo ibm überbaupt Daran liegt, fad)lid) ju uerfabren, iadjlicl)e 'Einträge fiellen unD fie fad)lid) begriniDen. Xa\\i Dao ;Wte, 'ii>id)tigere. Tie 'l^rüfnng Deo xMntrageö wivD wieDerbolt, eo treteil neue 3(id)ter an ibn bcran. Die mm neuem auf '|>f(id)t unD ^^iemiffcu gefragt wcrDen unD nad) ^^iflid)t unD (>Jewiffen antworten UTOeii. ") Tay 3clmMiri^-iidir lanc uh auo ^cnl 2ricli*. 3olajuv* liiov feine "vulUuiiii hcrjicUi'Ut ift uuifclicn t»i'ii «"jcül-iuovnon imt» Den :)iiiluorn, l\'ftcl)cn t»ic p't bcfirodiciu'n Gefahren in ^cr :){id)n:nj; ünt, ^l^r, r»ic vciiiinii ^cv i^'tucivvuif: "J^imc unD Me lüiilircnb Derfclbcn nötiyi UH'i^cnt»cn ^i■nt<'(l^M^unv^Ml nur üon ^cnl •^>cl)tctiifd)c aiiöi^'lien, luäluvnD über ^lK■« trviu'luu'^ t^icicc ik'uH'i-Jauf nähme ;0l)ne Huinbc öle 0W*fcl)iüOienen urteilen. --- (^\et\ihren t»ie nur j^'fteiflcn luer^en '•■«t^'n, luenn mnn l»ie :){ecl)te t^er rUiclUerlMuf rermelirte. ,^nüM'ern ift nieuie ^'■'''iir (\';:äi!fivu- iH-merfuiiii .luf '3. UW*, \Mn\r.M De»? lotuen JUvar.cv ;u Ih*. ,;c;:»i.-j': i. 5. ,;.,', 2;iivic.'.'t V.'. \I .'>] 18. Bit Reform htt ^ttit^titsfttaft ttad| betttfd|tm IXtifit. $on 8trafanftaItöHreftor Stewart in Subtoigdbur«;). I. 93elänipfung bed ^^erbred^end gilt a(d älufgabe bed Staate« unb qU ba« ^icrju bicncnbc SReprcfiionöniittcl bic ©träfe, bie bicfcu il^ren 3"^^^ ""^ i" *^^^ S^'^^ ^otlt "^^^ 9^"i crffiQt, wenn fic ba§ pcrbred^crifd^c ^nbiDtbuiim an ber gortfefiung unb SBiebcrs i)olm\% feine« gefc^roibrigen 2^rcibenö ^inbcrt.') Ser ©rfolg einer 3^^*^^»t*t»»9/ lücld^e, wie bie Strafe, fiA aM einer 3We^r^eit üerfd^iebenartiger 2:f^ätigfciten jnfammenfeSt, ift biird^ bad eint)eitlid)e unb jielberougte 3^if^nimenrcirfeu unb ^ncinanbergreifen biefer 2^eil^anblungen ober einjclt^ätigfciten bebingt.-^) 1) Dr. aJUbcm (Z VII 154): „Unangcfodjtcn ftcl)t in aUcm 3trcit M 3trafrcc^tett)coti«cn für ^ic 'prarid unb bic öJefc^flcbung bcr Sa^: ^raftijd&fr äroccf aller Strafrcc^tSpflcöc ift, ;u bcroirfcn, t>ai bic gcftraftc Xi^at nid^t ©icbff bcj^angcn lüirb, unb jroar 3;unäd)ft üon bcni bcftraftcn Übcltl)ätcr nicht, unb möji- lic^ft (xud) nid)t oon anbcrn." 2)icK 2(nfc^auung oon bcr iMuf^abc bcr Strafe finbct bic !räftiflftc Stu^ in bcr üffcntlicben S}Jcinunj^. 3"bcni bicfc fid) länflft baran gcn)öl)nt bat, öu* jcbcm ^crbrcc^cnsrücffall einen i^orrourf für bie ftrafcnbe 2l)äti9feit beö Stoatc4 ab;ulcitcn, bchmbct fic, ha^ bic öefcUfcbaft criüartct, ^a% jene fo geübt vonK brtfj ein einmal bcftrafted 3"biinbuum nidjt roicbcrl)oltcn 9lnla6 ^ur Straffin* idircituniTi gebe, b. i. nid)t rücffäUig roerbe. Bonneville de Marsangy: nLa reeidive est la pierre de toucho tout a la fois des lois pönale* et du Systeme p6nitentiaire.'* '•*) ;"^n üollem (Megcnja^c m biefer uon unö gcforberten Übcrcinftimniun^ bcfinbet fid) bcr bcrmalige 3"ftrt"b bcr 3^inge. S?oltcnborff (^anbbud) ^'^ ^crVil'c». '^ö. I 3. .'J^<4; äuf>ert fid) l)ierübcr, lüie folgt: ,,^cr StriUgcfcW«*^ Sic 9tcform bcr (Jrei^ettefirafc nac^ bcutfc^cm Siebte. 479 2)ie flrafenbe ^^ätigteit bes Staate« beftel^t tu 3lnbrot)ung, rNer^äiujung unb in SSodiie^ung ber (Strafe. 3)ie jmedmägigfte ©efege üorgefeliene Strafe bleibt roertloö, roenn fie nic^t rid^tig teroeubet unb üoUjogen roirb. J)er befte Slic^tcr faiui leine ffamc Strafe aufifprec^en, xotnn ba« Strafgefefc il^m eine fotd^e )t QU bie ^aub gibt; ber befte Urteitefpruc^ faun in feiner rfuiig burc^ ungef^idte äSoUftreduug oerborbeu werben. aber auc^ ber rationellfte unb tabellofefte StrafüoIIsug wirb ücrgeblid^ bemül^en, einer uuüernünftigen ober gerabeju jrocdt- rigen Strafe, mag biefe il^re get)Ier^aftigfeit burd^ beu ©efefc:: er oöer burc^ ben SRid^ter oerfc^ulbct fein, einen guten ©rfolg üerfc^affen. Kit biefen roenigeu Säften bürfte ber öeroeid üon ber 9lot= iDigteit ber SJenoirflid^ung bed 3"'^d9^t>ö^^fcnö auf aüen @e= en bcö Strafred^td üoII unb ganj erbracht fein. Schürfte ber Saft, bafe M& ^rie i»ec('etur" 3^^' ""^ S^^^ Strafe fei, noc^ einer roeitern Seftätigung, fo läge eine fold)e 'cii;t au6 Icicbt crflärlicfccn Wrünl>cn über prin^picllc 'i^crfraßcn, iDcil er C6 t ale feine ^(uf^abe betrachtet, ^tfieorieen \u formulieren, (ibenfoioenii) braucht öer iHicöter Darüber ous.^ifpreAcn, ob er bei ^^eftimmun^ Der Strafart ober Strat'mafifö einen abftraftcn ^el)rfa^ befolc^en lüiU." „?l^aö aber für Den iter unD für Den öefe^^eber ein abftraftee 'J.^robleni, lüirD für bie (SJefänflnie; Dattunt] eine burd^auö fonfretc 'Jdifc^abe. i^^brc xfeiftnnt] muf; fic^ oöUig per- len i^eftalten, je nac^Dcni Die leitenbe 't>ou]on fidi auf ben ?5oDen be^ einen : Dc3 anbern Softem« fteUt." Ül'cnn ed mm aUerDin^e, luie u. >?oIt^enborff anführt, eine einl)eitlid)e, emcin anerfannte unioerfelle Straftheorie für alle Reiten unb ^L^ölter nid)t , fo ift Damit noc^ nidjt eriüiefen, ban nicl)t *,u einer beftimmten ä^^'it bei m beftimmten ^?olfe in ben n?eitcftcn Mreifen wolle ttbereinftimmun^ über bcn .•ftcn Straf uuect lierndjen fönne. 3oU bicfo» ^Uecl)teberou6tfein burd) bie aftccfats pflege bcfriebi^t luerben, fo mufj Dav^'elbe in ber Strafc^efe^flebunt^ irtcniuiurt i»^b Sluöbrud finDen; eö mufj beinuad) Der (^etelit^eber notioenbijT nnct bcftinnnten £traft()eorie oDcr :)lecl)tyaufd)auuni) über Die Strafe Sicllunc^ nicn. iCue Diefem (^ninbe balte idi e'3 nid)t nur nid)t für untl)unlid), fonbern löciu für eine unerläftlidie 'JiotiuenDijifeii, bafi vor ^Ibfaffun^ eines neuen affli'fc^budiee für ^eutfd)lanb Die 'iNertretcr unb Stunmfübrer ber ^JuUion bar: r bc»r»;(^t lüerben. ob Der vrntmurf eine'3 neuen Strafi^efcHbudie^^ auf ber ile: ticbungerocrfes bürfte fid) Die v)lcidi;eitijK Cfntmcrünu^ einei^ 3trafvoU;u(\y^ ft'CS, Dem ieneö \ux (^runDl.Me 'ii Dienen liiitte, emr»cl)lcn. 480 etc^art. in bcr 3)JÖ9Uci^fctt, biefcii bcr fogciianutcn retatiücii Strafrcitfts tl)coric }u ©runbc licgcnbcn ®ebau!en in allen Stabicn ber ftrafem beu Xf)ät\gltcit, in bcr ©cfe^gcbung wie in bcr 9ied)tfprcd)un9 unö im i?olIjiujc burd)5ufüt)rcn iinb siir ©ettung ju bringen.^ Sicfc ^^^robc auf i^rc iHid^tigtcit iinb Öraud^barfcit beftefteii bie abfolutcn ©traftt)coriccn nic^t; bcr äJcrfud), bic 3d)n)erc Der Strafe nad^ ber ©c^rocrc bed begangenen äJcrbrcc^enö ^ nad) Siaßs gäbe beö SJcrfd^ulbcnö beftiinmen ju rooUen, errocift fid) alö um burd)fü(jrbar foroo^t bei ber JJcr^ängung roie bei ber iNOÜnrecfunj ber Strafe.*) ^ie nac^fte^enbe älb^anblung ucrfo(gt bie roo^lmeineiiDc Slbfic^t, barjut^un, bajs bie in ber ftetigeu 3)Je^rung bcr i^er- brccftcnörüdfällc fid^ offcnbarenben ^J)}i6erfolge unferer Jrcibeitft* [trafen üorne^mlid^ auf iSerfünbigungcn gegen bie obigen '^Joftulote 5urüctjufü^rcn finb, unb baf^ eine grünblid^e 3ieform unfre« Sirafrcdbtö, insbefonbere unfrer greifieitöftrafen, nur non einer gleid^mäfeigen, ftrengen unb geroiffen^aften 3lnn)enönng beö ^ictd" gebanfenö in Strafgefetf, =Urteil unb -i^oUjug eviiuutct mxm\ barf. II. 3)Jan mad^t unferm niobcrnen StrafDoUsuge l)äufig unD mit iyortiebc ben ä?oriüurf, t>a^ er bcr nötigen Strenge entbcbre. „I^ic Öefangenen ^aben eö j" 9"t in \)zn Straf anftaltcn; ue werben im 03efängniö ücrioö^nt. Äcin älUmber baljcr, rocmi ne fidj nad) ber (Sntlaffung nad) bcm 3"d)tl)aufe juri'ictfcljncn uiiD n* burd^ neuer[id)c 3Jegel)ung gefe^mibriger ^oanblungen bie ffiicDeP aufnaljmc in baöfelbc ju uerbicnen bemüht finb." T^crartige 3ieDen fönnen mir jeben 2ag, unb smar faft in allen Greifen ber 0«?' fcUfc^aft Dcrncljmen; fic finb ber aiuöbrucf bcr öffentUdien 3)ieimms ^) Dr. V. >?oI^cnl>ocff im >?anMnict)c ^c§ (^cfäuijnieiücfcnö "^^. I 3. 'J?^- „(fö ift in mctliobologifchcr >?inrid)t l^aran ui erinnern, öafe nur ^ol^ 3triifU)eoricen cnicn unncnf*aftIiciKM\ "ü^ort haben, melche in t»en ^rei 3wl''*'" D^T ^iK^'*>'l!a»^l^^*n'rtK*n) ^irafiin^rohiiiui, ^er (rid)terlid)en > 3tran)erl)äni^unüi »:n? ^fö (nenintltnngerechtlicheni ctrafooUuii^ö fonfcnuent unt» einheitlicb t»urd)öC'üft'f^ n^•r^en fönnen." *» u. Vi»5U, Xer ,SiüecfyKl»anfe im 3trafred)t (Z IFI 27): ,/,Huy t»em metarln)fii(tien ^^rinür t^er 3irafe, unMcliev alle abfolutcn i-^^'- vieen ;u iMninDe le^jen, UiBt fid) ein fcftec« "J^rinüp ^e*^ 3tratniaf»e'5 nidjt aMciU'«-'' 35ie 5kform t>et grei^ciWflrafc nac^ bcutjc^cni 5lc(^tc. 481 imb ocrbtcuen bcöl^alb in l^o^cm a)taBc, auf i^rcn ©raub untcrfud)t HU roerDen. 34 nc^mc feinen Sttnftanb, biefe Älagc, ,suni 2^cilc luenigftenö, ote berechtigt anjuertcnnen , mu6 aber ben barin liegeuben ^ox- lourf, iofern er ni) gegen bic Crganc beö StrafüoUjugö rid^tet, ans ben nac&fte^enb cntroidtelten ©rünben auf ba« eutfc^iebenfte suriiiroeifen. 6§ ift nid)t ju leugnen, bafe fel)r piele 3inf äffen unfrer Sin- «alten, roelc^c jur äJerbüfeung üon längern grei^eitöftrafen vtx- urteilt unb, eine Diel ju ,,l)umane" öctjanblung erfaljren, bafe gegen fic 3iücffic^ten beobachtet roerben, bereu fie fid) burd) iljre fortgelegt feinbfelige »ö^ltung uuD burcö faft uuuntcrbrod^ene tofünbigungen gegen bic ©efellfc^aft längft uuroürbig gemacht iaben. Sic l)aben i^rc unocrbient günftige XJage beni Umftanbe ju öanteu, bafe ne iljre Strafen in ben gleidjen 3lnftalten erfteben, wie foldje ^;i>erfonen, meld)c erftnmlo Doni rechten äSJege abgeirrt finD, itire JJerge^en aud) aufrid)tig bereuen unb fcljnlid)ft iPünfd^en, qU braud^barc, tüd)tigc 3)Jitglieber ber bürgerlichen 03efellfcbaft in öiefe jurürfjufe^ren unb üon biefcr luieöer angenommen ^u werben. riefe lefttcrn bilben in unfern Strafljäiifern t>a^ befte unb roerlöoUfte Ü)Jaterial; cd mufi besbalb auf ibrc 'JtUebcrgeimnuung für bad ©emeinroefen beim StrafooHjugc ein ernfteö 3lugenmert gerichtet roerben, unb Daju ift ein iserfabren unb eine 'i)ef)anöluug notroenbig, weld^eö in n)eitgct)enber '^erücfficbtigung i^rcr '3ttbim= buolität befielt unb geraDc ^esl)alb ju einem geioiffen Örabe üon SlilDe füt)rt, roclcbe ben Uueingcmcibten auf t>c\i crften 'ölicf alö frtler^aft erfd&einen tonnte, wad) fad)DerftänDigem Urteile aber lUr (rrreicbung Der 33efferungöabfid}t uid)t entbehrt toeröen tann. Jaö gleid)c Ä?erfabreu auf uni)erbeffcrlid)e, uorftocftc rHed)t0- '•redjer, auf bic gefd)U)ornon ^"veinbe Der 0>cfcllfd)aft auuiiDenbcn, iH ein uiiDer.;eit)lid)er ^JJiifigriff, Der fid) uotiooiiDig burd) Daö aiuf= treteil pon jatilrcicben i5crbrecl)enorüdfälIen räd)en muft.M 1it)ei\ %e\)kv im Strafoolli^ugc tenut ber gefängniofuuDige '"Beamte, ift aber aufjcr ftaiiDc, benfelben .^u uermeiDcn. •» t>rin6 (Criniiiialitö rt K'iircs.-icm): „^ii'cnn i?cr Btaat einen uoUcn^ «Xtcu in'cbrcdjcr ',u tcffcrn ncrnidit, fo untcvninnnt er eine ciniplmearbcit, Me ^^ ilircr Unmöglicöfcit frf)eitert." 4&2 öic^art. ^w jeber Strafaiiftalt, mag fic jur ßrfte^img üon öefangniÄs ober 3"^^()^"öfti^<^t^ öieneu, fiiibcn ni) bie beibcn focben 9^- fd)ilbcrtcn grunöDerfd^icbeneu ftategoriccn ooii SJcrurteiltcn ju- famnien. ©in gen)ol)nf|eitöinä6igcr ober profcffioiieUer Ü?crbred)er k-- fd)ränft fid) einmal jnr älbn)ed)dlung auf einen Der^ältniömäßig leidsten 3tngriff auf bie ^Hcd^töorbnung, ober er (jat baö &M, üon einem milöen 3iid)ter abgeurteilt 5U roeröen, unb luanDert Deshalb in bad @efängnid, nad)bem er frü[;er fc^on längft mit bem 3»d)t^aufe öefanntfc^aft gemad)t unb feitl)er ju beffen gtamins gaften gejault Ijat. (Sin biöljer gauj unbefc^oltener, in weiten Äreifen angefeljener 9)lann lä§t fidf), üon l)eftiger SeibenfAaft in einem unben)ad)ten 9Iugenblicfe übermannt^ ober burd^ mijilidie '^^er^ältniffe unb unglüdlic^e Umftänbe auf ba^ äugerfte bebrangt« ju einem ,,fd)ioeren" i?erbred^en Ijinreij^en. 6r roirb beöbcilb in t>a^ 3*i^t'E)^"* geliefert. Cb jemanb }u ©efängniö ober 3i**t()^^i* oerurteilt roirD, entfd^eibet unfer Strafgefc^budj nac^ ber Scbroere ber eriüiefenen Straftljat, mit anbern äöorten nad) 9)iaBgabe bed äJerfdbulDeii^. Die 3^1)0)1^" ber gleid}en Stnftalt finb ber gleid^cn .v)aud- orbnung unb bamit ber g[eid)en 9el)anblungdroeife unterroorleu mit rHi'ictfid)t auf bie ©leic^artigfeit öer über fie oer^ängten Strafe (Oiefängniöftrafe ober 3»c^t^auö). 'JJun ^at allerbingS ber große, in bie fingen fpringenbe Unterfd)teb jiüifdjen (äelegen^eitös unD Oieioo^n^eitöoerbred^ern t>a unb bort i^ur Slnmenbung eines Älafn^ fifationöfi;ftemö geführt, baö jene 3>erfd^ieben^eit in ber äßeile berüctuc^tigt, bafe rHürffällige einem ftrengcrn Strafjmange, alö erftmals 23eftrafte unterioorfen meröen, ber oor.^ugömeifc in loiuv famerm ^itufrürfen in Ijöljere Sitten= ober I^iöjiplinarüaffeii, i" (iJeioä^rung oon niebererem SUrbeitSoerbienftanteil^ in öcfc^ränfun? ber fogcnannten ©rtragenüffe jnm ütuobrurf fouunt. aiUein ftrenge genommen, entbehrt eine foldje ©inric^tung Der gefe^lidjen Jkgrünbung \\nt> fann gegen biefelbe mit ÖrunD ein- geioenbet rocrben, baft baß Strafgefeg feine oerfd)iebenen ÖraDe unb atbftufungen im i^oUjnge ber einjelnen Strafarten, unö na- mentlid) nid)t nad; bem 'iDJatjftabe beö iJÜicffaUes, ber bei ber 3traf- ausmefiung ol;nel)in )d)on berüctfid)tigt loirD, anerfennt. Unb boc^ ift eö felbftoerftänblid), \>a^, roenn ber Strafsioerf erreicht, menn ber Söieberljolung oon l^erbrec^en feitend ber Se= Xk Jtcform Der ^ret^eitöftrafc nac^ Deutfc^ent Siechte. 483 Iraften burd^ bie Strafe entgegengearbeitet merben foQ^ biefe ge^ |c(li(^ uerfd^ieben geftaltet merben um^, je nad^ ber Haltung, Kield)e ber burd^ bie Strafgemalt beö Staated unterworfene ^einb D(i 3efeUfd)aft gegenüber feit^er beobadf)tet f)at. Sd bebarf loo^t feined befonbern Seroeifed, bafe ber Sefiegte, ber |id& toittig unterwirft unb feft entfd^loffen ift, in 3"'""ft fid^ jeter J^einbfeligfeit ju enti^alten, anberd in ber @efangenfd)aft ju ieljanDetn ift, al« ein anbrer, ber erfa^rungögemäS trofc roieber- (lotter ©efangennc^mung immer roieber ju neuen 2lngriffen übergebt. ihSir ^aben bedt)a[b foniequentermeife ju unterfc^eiben jiDifdl^en fok^cn ©efefteöübertretern, bie fid& beffern wollen unb fönnen, unö iol(^en, welche biefen SBiUen ober biefe Jyä^igfeit nidjt befiteen. Jie crftern werben wir im wo^loerftanbenen ^»tereffe ber Wcfells Mt für Stecht unb Drbnung ju gewinnen fucf)en, gegen bie lejtcrn fuc^en wir bie ©efellfd^aft ju fd^üfeen, inbem wir fie im- gefälrlid) unb unfcbäblid^ machen. auf fold^e äBeife ergibt |lc6 von felbft bie 3iotwenbig!eit einer Sroeiteilung ber grei^eitöftrafe. '0 ^nbem ic^ biefed Sebürfnid aner!enne, ^alte ic^ gleid^wo^l flud) beute nocb an ber oon mir an einer anbern Stelle (ogl. ZX:W2ff.) auögefprod^enen 2tnfid)t feft, t)ai bie im ©efefee ge= \ 45aMbcrfl (>?ol^Dorff, ioanDb. bce GJcf.^-li^cf. I S. IM): S^üx X>'\i jllaififilation unX> (S[)arartcroIOi]ic l)ce äkrbrcc^ertumö iint» für ^w Darauf tcrccbnctc mittlere ^Jaft ber 3cUuIt>- unb 3trafftufen ift bie prinü- rwHc Unter'djeibung ;ivifd)en (^clertcnlieite: unb 9lffeftüerl>red)en eineriette unb häufig n)iebert)oIten ^tücffaUöJ ober C^en)ol)nl)eit6t)erbred)en von rtrunbleitenber ^Mituni^ unb rcc^tfcrtiflt bie (rinführun^ eineö bunliftift^en (ctrafjpftemö mit ^^(ntlid) uni)Ieic^en 3trafvoU*^u()«art(n für bie beiben un(\Iei(^en, aud) anthro^ pologüd) flcfonberten Atluffcn bei^ 'i^erbredjertume." i^infl (Criminjilit«'' rt r^jirossion): „Tic Unterjc^eibun^ ber WeleQent)eit^j unö (HUcn, roäre t^eroeid einer ftrafbaren '.U»iiuitiit. ^ian niuft ben 3Jiut l)aben, fie wn|d)abli(^ ^u machen. Zb in 3«l^«"y^*^^"^5^'"^^»>*" o^'^r »" rtemeinjamer .>?aft, ift "«ötn'äcblidi.'' \>. .Hirc^ent)eim: „^'er ftratertifdje ^lusgany^einnift im Mampfe ^i^in ^a^ ^frbrcdjertum ift bie 3d)eibun^ von (^eipolmheite- unb (^elegenheitöperbre(t)ern utiD bie ücrjdjiebene Öet)anblung beifelbcn, eine ^orbcrunfl, bie ;. 5^. in (rnglanb ^^'^ (abitually unb rasually nttVnihrrs) 'öefriebigun^] gefunben l)at. 484 ei(^art. troffene Uiiterfd^etbitng 3iDifd)cu (äefanfiniö uiib 3^i?anDlunj^ DerDient mit r^c»üncinio. rocirfie mit 3"**^^^"^ beftraft ^u roerDenV" enriDert man: „C^efäniiniö vi ^ic Strafe für 'i\*ri^ehen, 3"*thüiiö Die Strafe für '^[^erbredjen/ Aorfcfaen roirDiinn weiter: ^Ü'aö ift unter i8erflel)en, wad nnter JiU'rbrecften ;u oerftchenr ''e cp lialten wir Die 9(ntwort; „^öcrj^eben ift eine ftrafbare S?anDIuniv Die mii ^'^'^ fünflnie, i^erbrecben eine folclie. Die mit 3"*JhöU6 beftraft wicD." 3'^''***" 'lier3Ct)en unD ^^terbredicn vermag ein facblidier Unterid)ieD nicfat »eftiKUellt w werDen, — beiDe unten'cbeibcn fid) nidit Der i}(rt, fonDern nur Dem C^niJc naö von cinanDer. Tie (.Hren;en üwifdien "i^crgefien unD 3.U*rbred)en finD rein iriU fürlid) gc;oiien; Darauf folgt, Dafe „Die Sdjwere Der ftrafbaren x^anDIunacii" ^'^ oiel \u un'^uuerläifigee 5Werfmal ift, um Daran eine llnterfdjeibung Der 3tr.i'-' art \\i fnüpfen. Xie ftrafreditlidie Unterfd)eiDung .^wifdjen "i^'rgclien unD 'i>erbred)cn, vs'.i^ Der (Einteilung Der Aueilieiteftrafen in (.^efängnie unD 3"rf)tl)aud ;u (^iniuK «i*' legt ift, wiDerftreitet Dem i»on xmi uerteiDigten Sa^ie, Da^ Der r^evKiiftaiif 1**^ Strafe Der 5Wrbred)er, unD nitbi Das "iNerbredjen fei. 3(uö Diefem SaVe folgt, Daf> Die Strafe in it)rcr 3(rt wie in ^er t."'»' nur Durd) ^^erfdiieDenbeiten beftimmt wevDen !ann, weldie in Den ;u fira'cnN*« %lerionen, nidit in Den von ihnen begangenen ftrafbaren Jbaten bogrünbet linJ. Xie *l\TteiDiger De-? 3"d)tliaufe^^ im Sinne unircr Dermaligen Doutf*^'" C^eK^gct-ung wenDen gegen If rweiierung Der (^e»ängni$ftra»e ein, Da-j "i^olf ira?' nidit begreifen, wenn fd)wcre 'i^erbredien wie geringe *-JU*rgeben mit (^c'ünijni* beftraft unD am gleidien Crte gefülnU werDcn. '?lllein le^itereo ift DernwlciP'*on oielfad) Der a^U. obne Daft Darüber in *iiolf':>frei)en Älage geführt wiirDc. ferner müfete e^^ mit Dem 'i^*griffier Der '^nn-gcltun gelehre unter C^kreditigfeit verftehen, ift nidit* anDt** al9 vernein er te rliad-e. ^ic Äcfonn bcr ?fr^n ikwciö erbrad^t Ijat, Dafe an il)m bie gcipö^nlidie rafc ibrc :!lbfic^t — '^efferung burd) ülbfdiredung — nidit .^i eidjcn oerniöge. Über ^io1c ^rrlctirc foU t)a<5 T^olf aufftcflärt uh'vKmi, un^ cö lüirb fiel) bcs fn liiffcn, wenn ihm flc;cii]t \x>'\xX>, t>afj luir unfrc int;äl)lii^cn 3JiiftcrfoIflc im ö^en vorsuj^ÄiüciK' Dem UmftanDc ui baiifen hoben, baf> loic iino cinbilDetcn, treten Durcö i^errtelnm-ii tilc^en ;u lönnen, ftatt Dofe luir miö bcinüi)tcn, mit II Gräften Deren ^2i>ieDcrl)olim(^ ui uerhinDcrn Mird) ;iütfcfmiif?ijU'ö, üelbciuiifete* jjcbcu flevKn Daö Uir mollen Dod) nicbt, wenn lüir flii>i finD* n :Had)etrici^ ohne (^nDe führen, ionDern lieber einen .Hamvf fämpfen, >cr ;u '^nctcn *^iiftänDcn, :>iim I^rieDen führt, fei e»? Durcl) 'iU'r^öh"ii"rt* hm e» Durcl) ^crl)aliuni] Dc-J bcfiei^ten ^einDeö. ') tö ift ein entfdneDener Aehler iinfrer 3trafiieKt!ti^ebunrt, Dafi fie mit Dem i) bie AlriminalbiolOi^ie unD Durd) Die ctutiftif nuf;er ;-|iueifel jU'ftellten iviiftum »mfoiriivbilitttt nid)t redjnet, auf Dieie bei '^\M"tiinniun}i Der 3triife feine rHücf; '■ nimmt. ^ic i^efiiflniö De* rUiditer^j, einen xHnnefliiiton auf öirunD kiner frimineUen sV'iuienheit für unoerbefferlidi ui erfcniicn. iinD nn Diefen 'iluoirrud) ftrnf* ^licfcc AOirteu \u fnüpfen, ift u. ii. in vi: 3t.t*'»/.i*. für :iieui;\')oif i»on 1 auÄf^cfprodien. I^r. '3lfd)rott, 3tra»en: unD (^ic'äni^nivJiKün •.'lOrDvinicnfuo: „Tie AOiDe: !^. imoerbefferlicbe 'i\'rbredier nu» vcben^>;eit ein;,uid)Iief;en unD DaDurdi für ^'Kmemiöefen unfrfiiiDlid) ui nuidien, iü in Dc;n 3tar excellence geftempelt; fie würbe jugleid) awd) bie oon anörcr £eite für htn n)ieber()otten Stücffall laut uuD oft oerlaugte Sc^ärfung ent()alten. 2)ie 3lrt, luie id^ bie Jrage, ob bie biöfierige 3n'^tteilung ber Strafe in ®efangniö unb 3^i^^()^"ö beijube^alten fei, ju löfeu fuc^e, führte awd) ju ber )Öern)irtlid)ung bed oon Der interna^ tionalen friminaliftifcben 'Bereinigung aufgeftetiten oaßed, Daf; bie Unterfd)eiDung ber Öelegen^eitö= \{n\> ber @cn)o^n^eitöoerbrecl}cr alö förunblage für bie Seftimmungen ber Strafgefeßgebung .ui bienen babe. ai>eiter würbe baburd) einem oon ber 'i5erfammlung bcutfdiiT Strafanftaltöbeaniten ju Stuttgart 1877 auögebrücftcn äöunfdic cntfvroc^en werben, baljin geljcnb, Slücffällige, oornc^nUid) rüd= fällige CJigentuniöoerbred^er, in befonbern Slnftalten unterjubringcn unb fie einer ftrengeren 33e^anblung, als anbre ©efangene, ^i unterwerfen. III. 6in weiterer gar oft gel)örtcr SBorwurf, welcher beui Strafe ooUjuge gemacht wirb, lautet: llnfre Straf anftalten erfüllen ihre 3lufgabe nic^it; fie entlaffen tiiglid) ieute, wcld)e cbenjo fd)limm ober nod) fc^limnier, alö fie baö Öefängnid betreten l^aben, in Dio freie ÖefeUfd)aft 5urüctteljren unb Diefe alöbalb wieber mit neuen (Äiefaljren bebroljen unb burc^i neue Jy^^eoel fc^iäbigen. ■') ü. ^^'ilicnthal (3)litrcil. Der intern. !rim. Jikrcin. II. S^^Drii. 3. «►Itf.i über ijefe^Iicfae :i^eftnnmunö beö S3eöriff5 ber UnoerbefferUrfifeir. Xer St. i^eteröbiirjier intern. 6efängntsfongre6 bat in fein ^iroj^ramni bi» Araflc aufgenommen: l*eut-on adniettre quc oertains rrimintls ou «Irliu- qiiants st)ient considt'*n''jj comnie incorriji^iblfs. et. daiis los cas de Tattir- mative. quels niuyens pourraient etre employes ponr protegcr la suiieie cuntre cettf oategorie de eoiidamuesV Chitaditen hierüber »urDen aufgearbeitet uon Stlonjji, Slmi^böU, ftrenal ^örodroat), 'J^uboiö, Hmmantieri, iMti)f(t;eiP, 3pnforoic;, 'ii>ahoiütid). 8 i (^ a r t. 3)obei ToirD iiid^t btMd)t, n)ct(i[)' ein f^roicrißcö 2lNert bic Scjte- Tung überhaupt ift bag biefetbe in üieleti fällen gerabeju utunöglid) ift,*") bofe fic mcift cincö jicmli^ langen 3^^^^^""^* 5^* ^^^^^ '°) 3Öic (^oct^c — ein llcnncr bcö 3Rcnicicnl)cr^cne, wie fein ä"'**^^^ "- über ^efferung ge^ac^t f^at, beroeifen bie nad)ftef)en^en 'ikxW: „Xn bift am Gnbe, road bu bift. @e^' btr $erücfen auf t)on SRiQionen Poeten, 8e^' beinen (vuft auf eOen^o()e Sotten, ^u bUibft bO(^ immer, roa? bu bift." (Sauft.) ^-reunb, roer ein £ump ift, bleibt ein ^umy, 3u SÖa.^en, "^fetb unb S"6«; ^rum glaub' an feinen i^umpen je, ^n feinet IHimpen ^u^e. (^itbmc .\'enien V.) ^3Jian fiel)t, eö teffert aud) nidjt Cricnb, 3leu nod) 3«it: Ginmaf ein ^'umvenl)unb, er bleibt'^ in (S"n)ifl(eir. (Xk 9)iiticl)ul^ii)cn.; "i)?ad) bem (^efe^/iuonad) bu aui^ietreten, So ntuf{t bu fein, bir fannft bu nid)t entfliel)n. (^ämon.) cc^open flauere ^^(nfiditen über MQ (^leidje 2()ema finr^ aui5 fol^onben BtcUen ;u entnel)men: „SGßeiter als auf bie i^erid^tigun^ ber (rrfenntniö erftrccft fid^ feine niora: liiere Ginioirfung, unb bas Unternehmen, bie CSf)arafterfel)Ier eine» 9)lenfd)en ^u^dJ Sieben unb Woralifieren aufheben uub feinen (Sharafter felbft feine ei^ent* Iid)e ^{oralitöt umfc^affen ;^u wollen, ift gan^ gicid) bem 'l^orhaben, $Iei burd) äußere (rinwtrfun^ in (^olb \u rerwanbeln ober eine (5'id)e burd) iorgfältivic tJflcgc babin 3iu bringen, Mi fie 9(prifofen trüge." „Xer (£f)ara!ter beö 3)ienfc^en ift fonftant; er bleibt bevfclbe bas gan;c xebcn binburd) .... t^Iofe in ber ^Hid^tung unb in bem Stoff erfährt fein tharofter bie fdif inbaren 5)lobififationen, meld)e folgen ber 55erfd)icbenheit Der Lebensalter unb ihrer ^^e:)ürfniffe finb. Xer !3)ienfd) änbert ficb nie; wie er in einem ^alle ge^anbelt hat, fo wirb er unter völlig gleidien Umflänben ftctc» UMel>cr hanbeln." ,"vcan ^aul meint: „Xer SWenfc^ beffert fid), wenn er gut ift", b. h. wenn ba^ä 25fbürfni* nad> ^effcrm in ihm lebt. 3trttfanftalt6bireftor Mühne, ein '5)la\m uon reidiem 35)iffen uub oon QcoBcr (Irfahrung, fd)reibt: „'i^on bem JöcfferungS'iwerf in ber 3trafanftalt '"flttit man ficb in gewiffen .Hreifen wunberlid)e '^Norftellungen ; mau Dcnft ^*d) K'lbe ale 3lppret ober bod) alö eine fabrifmiif^ige 'i^clianblung .... Xem 'tt nidit fo. Crntweber ift bie "^efferung in Der ,'OiUiiitiad)e nollenbet beim (rin^ triu, nwß etwo bei ÄinbßmiJrDerinnen, ^ot)d)Iägern, .Hörperiier ledern iwrfommi, oöer ^ann ein höcbft müheooUeö ^'erf, weld)ei5 erft bie äufjere ^Jlngewöhnung an 488 ex^axt SJoUcnbutig bcbarf, unb bafe bic Sauer bcr Strafe, iitneröalb welcher jeuer CSrfolg nad) ber 3lufid&t beö grofeeu ^i|iublifum6 erhielt roerbeu fott, nidjt oou ber ftrafüoUsiebeubcn SJe^öröc, fonbern oom aburteileuöeu ®erid)te beftimmt roirö. Die 2:t)at)ad)e, baß täglid) Xieutc aM beu ©efaugeuen^aiifeni Ijerauöfommen, iüeld)e bie wicber geroouueue ^frei^eit uur Dq>» beuufteu, i\)x früt)ereö üerbrec^erifd)eö Xreibeu alöbalb tüiebcr auf: 5uuel)meu, läfet fid) leiber uic^t iu Slbreöe }iet)eu. 2)iefe XJeute roerbeu aber auc^ uom Strafric^ter uidjt mit Der 3lbfid)t iu baß ©efäuguiö gefdjiclt, um bort gebelfert ju werDcn, Die 3lbnci^t, n)etd)e beu 9Ud)ter bei ber Urteilöfälluug leitet, gel)t baliin, t^ab burd) bie auögefprod)cue Strafe au il^ueu ciue gefe^roiDrioie Jl^at gefüf)ut werDe. 3Jad)beui ber ^Verurteilte burc^ läuger bauerubeu Jreibcit^- uerluft, roelc^eu ber 3lid)ter über it)u üerl)äugt l^at, ber ©eredjn^fcit ©euüge getljau ^at, fauu x\n\> barf il)m bie 5rcil)eit ulAt läniicr üoreutl^alteu tüerbeu, uiag feiue ^HücKebr iu bie C8efeUfd)aft nod) fo bebeutlic^ fein unti biefe mit hen gröfeteu \\n\> augeufdiciulicbnou Wcfabreu bebrol)eu. Fiat justitia, pcreat mundusl i?eiu tiräugteu fic^ uii^t bei einer fo grüublid)eu 2?erleuguuug ^eö ^toid-- gebaufeuö, wie fie iu ber uufre ©efefgebuug uub Jtedjtfpredjunj bel)errfd)eubeu ©eredjtigleitö- uub '^ergeltuugötl;eorie eut^altcii ift. Die äisorte beö großeu äSeltroeifeu auf: ^Nemo pnulens puiüt. (luia peccatuiii est, sed iie [»eccetur; revocari eiiim juaett*- lita nou possunt, futura proliibentur iicc unquinu lul pnu»terituiii, sed ad futurum poena refertur.'' Soroeuig, alö fid; bie Sd)roere bc§ iNerbred)eu§ ober N»^ Wröfee beö S?erfd;ulbeuö ba5u eiguet, l>ic Strafe öauad) ju a^'- ein gcorDiictcö Vcbcn (^'crtülität) unb heriiad) bic Crripccfung unb .Hrnfii;^""'^ innerer ÜberKuc^unt^ vom ^^tIc bee (^uten CBioralität) erlieücbt .... '^ei öcioiffcn .HIaffcn üon ^?crbrecl)ern, ;. 'V. bei (^^eniolmbeitobielen »"^ ^2iiftlini^cn, barf man fic^ überliauvr mir bcfcöeibene S^offnnn^ auf 'J^efkn"'? marfien . . . ." Crin anbrer Scfariftfteller über Straf roUer= n, u)ie and) bie Strafe nnr an biefen üoUi^ogen werben fann. itigcrweife tann man nnr üon SJeftrafnng von a?erbred)ern nnb uneigentlid) von Seftrafnng üon 4^erbred)en rebcn. Xfeßterc len wobi gerädit nnb gefnbnt luerbcn an einer '^.*erfon; beftraft i nur eine "i^ierfon werben wegen eineö iserbredienö. 3lnö Qngefiibrten (^Jrünben ift für bie StrafDrobnng maftgebenb bie ttiue (5)efäbrlid)feit (bie Wefäbrlid)Ieit ber .^anblnng). 3)er etgeber ftnft bie Strafen ab nad) bem Sl^ertc, weld)er ben üer= fbcncn :!lrten von ^Hoditögntern jntommt. ^c größer jener :t, befto gröBcr bie Wefabr nnb ber Sd)aben, weldier bcni We- nipcfen anö ber 3wi)rnng ober i^e)d)äbignng bcS Wnteö jngebt; ) gröficr mnfe aber and) ber ftaatlidie Sd)ntj fein, womit elbe nmgeben wirb. So fonnnt eo, Daf? Der 'üJiorD mit l)öberer afc als ber iüanb, biefer mit böhorer Strafe alö ber Tiebftabl 'ol}t ift, nnb biefer regelmafng fdiwerer, alö ikUeibignng be^ t iinrD. Zw Straf.uimeffnng bat fid) nad) Der Wefäl)rlid)feit bcs Straf- erö (fnbjeftiücn (^5efal)rlid)teit) nnb nid)t nad) feiner lU'oralität :id)ten. irin ^Ncrfud) bcö ('•iefetgebcrö wie beö rHid)tcrö, bie a?e nad) ber Sd)were beö 'iierfdiulDeno .^n beftinnnen, nnb erfi Mibö red)t ber 'i^crfud), bie Strafe nad) biefcin (^)efid)töpunfte JoUftrecfen, wirb nnb muf^ fteto an ber menfd)lid)on Uni>oU= inenbeit idieitern. ' ' ) ''I ,\ntctcfüini ift öiiij Urteil ;u hbrcn. ^ay J>r. ^H^. "hl^ad) i Tic :Hcfonii wil).-3iraTc 3. U über Die lichtorlidic ^trafunncmiuy^ ^or C'WjU-niiMvt »alli: „Ci'5 ift UMhr. tu* virt)tcr!ute iiiatutiMcminyi ift xuv.x ^\uu\\ 2oil "iimifür, «. ^wyall. TiiC' ift bücutlidicv (^)ohci:mr.v, icocm üUmcrUiclv; iSrMUnnuvji tcr in ^v'l■ 3trafrodu^>ln■.u•i*^ i[mu\ jUMiunccn ift. üo fiinn aud) nidu anCcr» 490 @i«art. @in fotd^ed Untertie^nten überfd^reitet aber aud^ bie ben ^naU liefen Organen sniommenben Siedete unb ^^^flid^ten. ^1)xe Sufgabe befte^t im 3d^u(e ber Sted^tdorbnnng, nict)t in ^nfrec^ter^altung unb ^eförberung ber 9)lora(. Sediere älufgabe liegt auf einem ganj anbern @ebiete. "Der Stic^ter t|at nic^t, gleic^fam aU Stella Vertreter @otted^ eine ^anblung als unnttlid^ }u beftrafen. Sin fotdjed SJorge^en oerbiente nid^t ben 9iamen ,,©trafe", eine folc^e .^anblung roäre ,,3" Wefangen^altung Der i^erurteiiten. 3lber aud) Die .^anb^abung bicfeö Ü)lafeftabcd wirb bem rHid^tcr Daburd) crfc^roert, Dafe er bie Strafe awQ eigner Slnfdjauung nic^t fennt, namentlid) teinc Grfaljrungen über Deren Sßirfung benjt, mie Diefeö ^4>rof. Dr. löennedc bei ber '>l>crfammlung Der inter- nationalen triminaliftifd)cn ÜNereinigung ju .^allo 1800 mit folgen- Den )liNorten jur Uluöfprac^e gebrad^t Ijat: '-) „lyoUen wir Die Strafe '"ein. 'l'oiiö bcyvnncii lüir mit iimfinal :;•;,') 3tr.iT\'inl>citcn. loic jic uuv l**»* ^cutid)e Zicbftablejjcfcti Darbietet r Cb Der i^lniieflagtc \u (J ot>er 5 o^er 4 iK'Ofien o^er 2 'ölonaten Öefänönis üerurteilt 1ui^^, Dad ballet mehr ooii öer ;iifdUi?«R ;;^ip"annuen»e^uiu^ ^eö MoÜe^v"'"'?/ t)eu iiibieftiiuMi 3(nfdiainin}^en lln^ ^nrei^in^'^*'^ rcy :^id)terc\ ieineni 6ebliit imD feiner "iH'rDaiiunji nl* von l)cr Sd)irerc w^ *i'Jff. V. N>DlttenDortr i.vanbb. f. (^^cf.^il>ei. 1 1*2): „Xer 3trafri*ter niuf;, irenn ^ie 3trafred)törflerte (^el»cil)en foU, fi* "'" ren ;^unan^ l^cr (^3e»üniinine fünnnern. ^in-rüditet er Daraut, ^en realen ^l'»^^^ ^e SUfotm bet Sfrei^eitöficafe uad^ btutfc^m Steckte. 491 dbieulid^ unb ^ielbemugt üer^ängt miffen, batm muffen miv ) bttfür forgcit, bafe bcr ©trafric^tcr, in bcffcn §anb bic 3"- jung liegt, oon beffen Sprnd) bie 3trt unb ^ö\)t ber ©träfe jängt, in ber Sage ift, berart ju üerfa^ren. 2)aö aber oermag nur, wenn er bie greil^citdftrafe praftifd) fennt, wenn er fid^ c ift über bie Ärdfte, n)eld;e in berfetben liegen." ßx)t fi'irslid^ roieber ^at ein ^^Jraftüer baranf fiingeroiefen, I bie Segrünöung unfrer ©trafurteile, foroic eö an bie ©traf^ tteffung ge^t, regelmäßig leere Slebenöarten an ©teile leitenber fid^töpunfte enthält. 2)er ®runb t)ierfi'ir liegt barin, bafe bie f^tja^l unfrer ©trafrid)ter niemals ein größeres ©efängniö ober c^t^aus in feinem ganjen Setriebe gefe^en ^aben, baß fie bie fängnisbisjiplin unb =3lrbeit, bie 33eföftigung ufro., alfo bie ein= leu 5|iunfte, welche ber ©träfe i^ren '^ni)alt geben, nid)t aus tier älnfc^auung fennen unb bal^er nid)t loiffen, n)aS ben äJer- eilten tl;atfäcblid) erroartet." älngefic^ts biefes unDertennbaren ^JDtißftanbeS erfc^eint es in lern Örabe erfreulich, baß bie J'^age: „(Smpfteljlt es fic^, bie ttifcöen 3»i^i|ten für ben ©trafüoUjug praftifd; unb t^eoretifd) jubereitenV" in ber bereits criüäljnten SJerfammlung ju ^alie einftimmig bejaljt morben ift. Slbcr felbft ein geroiffes 3)taß üon Oefängnistunbe, wenn ber minalrid^ter über ein folc^es ju verfügen ^ätte, mürbe il^n nod) It einer anbern Sd^mierigteit überl)eben, meiere Darin befteljt, jeöem einjelnen J^aUe Die älUrtung ber Strafe auf ben 3lnge= )ten uorauS ju ermeffen unb Mnad) bic ©trafDauer rid)tig ,^u immcn. Siefe ©djiüierigteit mvt) fic^ bcfonöers im Jalle erft= liger ä?erurteilung eines ^nbiüiöuums geltenb mad)en, mäljrenö, in ccJ fid) um 3lburtctlunci oiiioo rKürffälligcn t)anDclt, jur iV'- eilung jener ?yrage 'Jln^altopunfte burd) ^lkrnel)mung Der ©c- gnisbet)örbe, namentlid^ barüber, ob ber älngetlagte als unoer- erlid) äu betrad)ten fei, geioonncn mcroen tonnen. ;][ener Ungemißt^eit bejüglid; ber tünftigen ©trafiüirtung xi\\l> baburd) bcmirfien llnfid)ert)eit Der ©trafauSmeffung üerDanten : üoräugömeife bas ^nftitut ber iiorläufigen (Sntlaffung. äi^ic StrafuoUjUg^artcn fcnncn \u lernen, )o ift fein 'Jüiöiprud) über ein befUuimte* afinaH eine ^inion o^er eine 3(rt von xHUieL»rii, eine blof>e '43ucl)ftabenred)mmi^ nur ^eIll :Wecfaenfünft!cr, niiht aber Dem :i>ülfC'OerftanDe beiireiflid) ipirt»." »c. and) öennerfc in Der Z X .i*2ti. 492 Stewart bic täglicfic (Srfal)ruug Icljrt, ift jcboc^ bie ©cfal^r, bic Strafe }u tiirj }u beftiniTiien^ iüd)t roeuigcr groß uub tritt t)ielleicl(|t no4 l)äufifler auf, als bic ®efat)r, biefelbe }u lang auöjufprcc^en. 2er bcr bcbingten gr^ilaffung ju ©raube liegeube ©cbante, ciu auf um fieserer äJoraudfe^ung berul^eubes Straferfeuutnid nac^ ^J)2aBgabe beo ä}cr^altcus bcö äkrurtciltcii am ©trafplafte nnb uacb "BJaB^ gäbe ber in i^m fid) r)otl5iet)cubeu Sinucöäuberung ju forriflicren, foUte toufequenteriüeife ju eiuer äJcrläugeruug bcr urtciUmäBiflen Strafe für ben ^all füörcu, baß burd) fd)liuiuicö SBer^alten hti l^u^aftiertcu ober burd) aubrc 9lu.^oid)cu bcr 3iid^tciutritt Der oon bcr Strafe iuuerljalb beftiuiuiter J^ift criüartctcu äöirfung nfy geiüicfeu lücröcu foUte. Uub in bcr Xf)at l)at es uou 'ilufaug nic^t an Stimmen 9^ tcl)lt, meiere als Äorrclat bcr üorläufigeu Gutlaffung bie äJcrlaiiges ruug ber urtciUmäBigeu Jvreil)citöftrafe bei übler Jfüftrung W* iNcrurtcilteu für biefeu ücrlaugteu. 3)ad "ilJrogramm bcö iutcruatioualcu ih>oI)ltl)ätigfeitöfou3rene4, lücldjcr 1857 in J^autfurt a.M. abgeljaltcu uniröe, enthielt in SJcjug auf nad)trä9lid)e Strafuerläugcrung (detentions supple- ineutaires) bie uac^ftcljcnbeu Üluöf üljrungeu '*) : ^S'il y a de inotifs d'abre^er la duree des peiues eu cas de reiKMitir et de honno conduite soutenue des eondanuie?. il doit etre perinis egaleinent, sous IViiipiie de certaiues regles, de la prolouger lorsqu'il est prouve (jue la libmtion juesenterait des daiigers poui* la societe et (^«>iiduirait iu- evitablenieiit a la recidive. Eii (M)iise<|ueiice, les coiidaranes ilont la cüiiduite en prison a ete iiiauvaise, ipii se sont fait reinanpier par leur iiidiscipline et leur eiidurcissement doiveiit pouvoir etre souinis, a rexpiratioii de leur coudani- iKition, a une detentioii supjdenientaire. Ce snpplemeiit de iletention doit etre proi)orti()nne a la natuie et a la duree intoniariniiul «Ic l)ifiitaisiuire . ^^ Srs^'iKjw «Ir ls:>7. Tome I p. *Jl». .mS. X\t Sieform bcr grcif)cit§ftrafc na(i^ bcutfcf)cin 9lc(^tc. 493 Selber rourbc bicfcs 2;^cma auf 3lntrai^ ber III. Scition (Über letdiic^uiferetorm) auö bem ^^Jrograium jinücfaejogen. Seitbcin ift ie ivrage bei uuö in 2)eut)d)lanb, obiüol^l fie nad) meiner llber^ mgung grünölidjer (Srmäguni^ wert wäre, nid)t mel)r jnm Öegen^ :ani) eingef)enber ioi)|enfd^aftlid)er 3[}er^anb(ungcn gemad;t luorDen. Um )o bebentfamer bleibt, loaö 3töber in feiner 3d;rift -Merungöftrafe unb ^efierungöftrafanftalten" über biefen G)egen= tanö ucröffentlid)t t)at. 3cö ftimme biefem 3tntor üoUtommen bei, wenn er fd)reibt: M\iitt man bem 3Ud)ter ein 3lb^ unb 3iit{)nn in öinfidjt ber ge= e^lidjeit Strafe geftatten (}. 33. wegen circonstances atteiiuaiites), a il)m oft faft ganj freie $anb in 33eftimmnng ber Strafe geben, 0 muß man and) bei foIgerid)tigem Scnfen einlegen, baß es fanm niiiber üerfeljrt märe, wenn eö fd)led)terbingd bei ber einmal im Irteil aiiögefprodjenen Strafe bleiben müfete, anc^ wenn fie auf Boraiiöfeiumgen l)in üom 3iid)ter beftimmt morbcn fein foUte, bie ic| iuäter alö ungegrünbet ermiefen l;aben, fo bafe fie fid) banad) um entiueöer alö un,yireid)ent) ot»cr alö übermäßig berauöfteUt unb Jbcnfo gewiß eine jwerfmäf>ig nad)beffernbc JibänDerung ober JJäljcr- Jefiimmung forbcrt, wie bie anfänglid)c 'i?orfd)rift beö Slrsteö, je laci i^crlauf ber Ärant^eit." :Hööer tommt auf Örunb feiner iHuöfübrungen ju bem i^or- ic^loge, DaB alle Strafertenntniffe nur proüiforifd)e 03eltung l)aben unb ftetö ben i>orbel)alt fünftigcr 'JJtilDcrung oöer CSrljöljung Der ttuöciefprod)enen Strafe in fid; tragen follten, bafe fomit ftetö naö) Serbüfeung cineö 2^eileö ber Strafe jeöc Straffad)e noch einmal tturgenommen unb geprüft weröcn folltc. '*) 'h Unbcftiinmto iBcnirtciIuiu^ imt> Ict'ini^tc Cintlaffinirt fül)rcn ;u einer uiU iwticn ^cK'itiginu^ Der Kitt)er beftant^eneu imnatürlidien 'Jrenmmc^ von 3traf: r«^t5iif!e.^c lm^ 3triUncUuiyi, eine AOlae, tu ii»eld)cr bie lirfüUuni^ einco ber uon fct inicnmtionaten friminalifiifci)en '^\'reiniiv*n\i^ aiu^M"trel-teu ,^iele (Otrr. 11 ,Snf. '"> ^cr rat'Ungen; ;u erblirfen ift. Über iinbeftimuite '^Nerurteiliüh^ f. aucl) :Höber, 2tt cirafüoUuic; im (>kiftc be« :){ed)tc\ S. lo7. .Hrävelin. Tie 3liifliebuni] ^'ö 3tramiiiBe*3, 3. •21» unb (51. ^^oner, ,^n ber beutid). 3t.:H.-Scit., Isi'rJ, ^•*-i7, 2^Al C^öttinii, 3trafreilil*3pfU\^' uuD Nefduj^nivioe'en in IfiijU^nD unb ^^to^: ^Xie unrerftiinöic^o mafiloK* iL'ieberhoIun}^ fur;er (^eiiini^ni'jftrafen ift ^nc OirauMnifeit ge^ien bie '^U'rbredier unD ein Unredit \\i\\in bie 3teuer:.al)ler "nö ijCvKn bie (^5eieUid)att iiberhaurt." ^•rsiiins: li^s iK'in«*< inrÜL^t^rs imui- nn trinji^ tix«'* «Viivanc«^ r r'Miilivi^t»"i et in«'Uvt' rii^noranr-.- dan> la- 'lUelle on persi^tf siir la oau>«' «k' la x'w niniiii» lle." i^eufi^rift f. b. flef. ctrafrcc^toii'. XI. •^- 494 Stewart. ajJir fd^cint cö cmpfcl^tcnöiücrt, im Slufd^Iuffc an bie §§ bcd 9l.©t.®.8. bic gcfcfeUc^c SJeftimmung ju treffen, bafe ! I^eitöftrafen von beflimmter Sauer eine ^Verlängerung berfe ju einem SJierteile eintreten tonne, wenn ber (Sefangene ber (Sr|iel)ung feiner urteilömäfeigen Strafe fid^ tabel^aft ^at, unb bie Überjeugung begrünbet ift, bafe Derfelbc feir roibrige ©efinnung nic^t geänbert ^at, fo bafe il;m in ö* fein lünftige« S8erl)atten fein SJertrauen gefc^enft werben t Sic üortäufige ©ntlaffung, bereu bereits (Srmä^nung l^at fic^ bei i\m ald eine bem StrafuoUjuge in ^o^em Ü)2ag lid^e @inrid^tung bemäl^rt. Um fo me^r ^aben loir ju w bag biefe n)ol^(tl^ätige i^^^ftitution in allen beutfd)en (rinj in möglid)ft gtei^em iDtage 3lnioenbung ftnben möge. 3m 3ntereffe ber 3ie^tögleid)^eit follte bem § 23 beö iR. eine 5^ffung gegeben werben, meiere bie gefejjlic^e i>erpflici) oberften 3"ftijöuffict)töbef)örbe, oon ber oorlänfigen Gntlaffii SBor^anbenfein i^rer gefefelicfien i^orauöfegungen (Sebn mad^en, jum prägnanten StuSbrud bröd)te. Sa bie feitljerigen ßrfa^rungen geleiert ^aben, baß \ folge mittels ber bebingtcn greilaffung nur Dann erjielt lönnen, roenn neben ber guten >vül)rung beö befangenen a\ plafte aud^ beffen SBorleben loie bie i>erl)ättni)fe, xod(i)c i Sßerlaffen beo ©efängniffeö erioarten, forgfältig in (Srioäc jogen werben, fo foUten biefe beiöen leftern UmftäuDc j lid^en SJebingungen für bie (>}eioäl)rung bes llrlaubcö werben. SBegen beö günftigen Ginfluffeö, weld&en bie ^tn^ro^I SBiberrufeö ber oorläufigen (Sntlaffung auf baö iscrl;altcn urlaubten ju äußern oermag, follte Die /frift, innerbalb wc ©ntlaffung wegen nidt)t guter Jüljruug öeö ^öeftrafteu ; nommen werben tann, nid;t ju turj bemeffen fein uuö f alle ejälle auf wenigftenö jwei ial)X\: fefigefeft werDeu. 3öegen ber mit öer 33eaufndf)tiguug beö ^Jeurlaubi bunbenen @efal)reu unb öiuberniffe für beffen eljrlidjcö Aor c cnMirf) eine ^ilu^crung iion ^^rof. Arancie "li} ai) l a n t» in :) über inilefinit«^ ol>cv imlotermiiiatt? seiiteiices bei l)r. ^Ifdiroit, 3t Wcfiüij^nienjcKMi 5torl>amerifao 3.: »(»ff. Dr. 31. "iiMicti. Xitf :>icform t>cr IvrcihcitÄftiMfc 3 "i*^ ff. Xk Slcform bct grctf)cttö|trafc naiS) t^cutfd^em 9ie(^tc. 495 [oDte biefelbe tue baö 9)iag be« ^iotmenbigeu überfd)TCtten, unb (oüte ba^cr i^rc 3)aucr, wie it)r Umfang bcm Crmcffcn ber jiu ftanbigcn ©tcüc auöcinigcgebcu locrbcn. ^•"*) Gine fc^r jcitgcmäfec unb cmpfc^tcnsroertc ^ottbilbung ber bebingten ^teilatfung erblicfe id^ in ber Sinrid^tung beö llrlaubd auf äßo^luerl^alten. bejügüc^ beffen ber mir belannt gemorbene OttudorbnungdentiDurf eined beutfc^en (rinselftaates bie folgenbcn Mimmungen entt|ält : ,;8ci ©efängnidftrafcn über 4 3Jlonate, jebo^ unter 1 {i^af)x unb 4 S)IonQten fann bei bem SSorf)anben)ein ber für bie üor- läufige entlaffung geforberten fonftigen SJorauöfefeungen mit 3"= ftimmung be« (befangenen ein Urlaub auf SBo^ber^alten nad^ l^erbüßung oon brei Vierteilen ber auferlegten ©trafjeit mit ber SSirtuiig eintreten, bafe ber bei ber Gntlaffung oerbleibenbe Strafreft mit äblauf ber fünfjährigen 3^'^ '^^^ SJerjälirung ber StrafDoU^ nrcdung getilgt ifl, xotnn md)t juüor roegen fc^le^ter 5"^rung bie Unterbrcdjung ber äSerjä^rung, mit 3lufl^ebung beö Urlaubs, ^erbei= m\\\)xi wirb." Diefe 3trt ber Straffürjung ift üorsugöroeife auf foldt)e "jj^er- fönen bcred^net, iüeld)e erftmalö ober wegen einer awQ galirläffigleit ''«gongonen Jöanblung beftraft unb nidit als gefäl)rlic^ ju bc^ trachten finb. Jaö Urteil, auch wenn ed ben i>orbe^alt fünftiger Äürjung Ober i>erlängerung ber Strafe in fid) trägt, mtnn eö bemnac^ aud& nur aU proüiforifcber Strafauöfprud) 5U gelten Ijat, ift unb bleibt oon ^ertjorragenber öebeutung, unt> ift barum üor allem 3i>ert i^^rauf JU legen, bafe burd) baöfelbe bie Strafe gauj im Weifte beö Ößfeggeberö j^ugemeffcn loerbe. „2qx i)Uc^tcr l)at innerhalb ber gefefclidien Strafral)men bie Strafe für baö einjelne tontrete i>erbrcd)en ,^u bemeffen; im CSinseU föUe bie Slufgabe ju löfcn, bie ber Öefefgeber im allgemeinen ju 'Öfen ^atte. Tiefer ftet)t bem Tiebftal)le, jener biefem 35icbftal)le S^S^nüber. (Jben barum l)at er innerl;alb beö iljm gelaffenen SpieU Raumes Diefelben Wefid)tdpuntte .^u boobadjten, bie ben Öefe^gobor '"'} (^utactitni über l>ic rom t>oiitfcl)cn »\iinncntnj) Ichiin^cltc ?:vac\i: -^mpfictilt fid) nad) tni biöhf rieben irrfalmmyicn eine "jin^cnml) Ter 53cftiin: •^""rten über ^lte 'i^curKuilniiuv^uincm im 3iiMÜipUuuior" von ^^oivth in ^cn ^^^tXixn für C'WninyiniÄfimN' ^, von 3idiavt rud. :i^?. XX 496 Sic^art. bei bcr aufftcHung feiner gtrafrafjinen geleitet Ijaben" (ü. Siöjt ^e^rb. S. 264). 35a6 bcr :)iic^ter in fold)er SBeife üerfa^re. Dafür finb im Se^ fe^e geiüiffe ©arantieen ju fd)affen. ^n biefeni ^mcdt biente junaiit bic gefetlid)e ülufftellung üou Straf junieffungögrünben, bereu Öe? rücffi^tigung bcm :Nid)ter jur 5ßflic^t gemacht unirbe. 2)aö St.@.)ö. f. b. X: dkid), in xoMjem baö Sijftem Der relatio beftimniten Strafbro^ungen bie Siegel, unb abfolute Straf Drohungen nur eine üerfc^winbenbe 9luönaljme bilben, ^anbelt in feinem TV. 3tbfd;nittc nur üou ben ©rünben, weldbe bie Strafe milDern ober gans auöfc^lieBen. ^ie niilbernben UniftäuDc finb im Öefefe fo roenig fpejiaüfiert, wie anbre allgemeine StrafjunieffungögrünDe. 3n biefer Untcrtaffung fc^eint mir teiueöroegö ein gorlfdiritt ober ein iBorjug gegen bie altern beutfcben ^^Jartitular^Strafgefcß^ gebungen, loeli^e in il^rer ■})iel)rjat)l bie Strafjumeffungögrimbe einsein aufjäljlten, ju liegen. 3d) bin überjeugt, bai eine, menn aud) nur eremplifi.^icrenDe Singabc bcr allgemeinen 3i""C)T""9ö9^i"it^ß bie Ginl;eit, SiAerlKit unb Äorreftlieit unfrer 3ted)tfpred)ung mefentlic^ förbern luürDe.'") Sie 2lrtifel üO— 96 beö ikijcr. St.dJ.^Ü. o. 1813, bie imit iljrem 3»()ß'^c fämtlid; auf ben Zaii jurürfjufü^ren finö: „y^^ gröficr bie ©efä^rlic^feit ber .panölung in 33ejug auf Den recbilicboii 3uftanb ift, befto größer ift bic bürgerliche Strafbarteit" — roürDcn. Tücnn fie in unferm Ijeutigen gemeinen beutfd;eu Strafredit üln^'- ualjmc gefunbcn l)ätten, \>a^ entfteljcn ber ifllage über alljumilce 9{ed;tfpred)ung unfrer Strafgeridjte fid)er üert)ütet Ijabcn.'*) *^) Dr. "ii-'aci), Tk ^Üiioxm Der AtcilKiteftrafc 3. 4o: „^*ir finb mit mifcrn ui iinbcftimmten 3traft>iol)iiniicn iint> Dein 3hÜ'>"'^ bcr nrilbcrnbcii Uniftänbe auf 3lbwcijc geraten, if 0 finb "IJornuüftramihnu'n i« fiid)cn, iucld)c nad) oben unb narf) unten fid) criucitcrn, unter iileidj^eitiiicr crcii*- püfiücrenber, bcm iHict)ter bic nötii^Mi ,"ytnöer',eii]e bietenber 5Cnijiibe oon inü- bcmbcn unb id)ätfenbcn f^^rünbcn." »•) :nad) ^trtifcl IH) bcö baiier. 3t.(^.:i3. von isi:^, foU ber :V.id)ter bei ,S:- meffunij ber 3 träfe teils auf bie 'äefdiaffcnbeit ber ui ftrafenbcn >:»anMuna '^^ unb für fid}, teilö auf bie C^^röv.e ber ("^c'etiuibric^feit bec^ 'IL'illenÄ iHürffid)t neim^'"- "3lrt. \^1 führt fünf, 3(rt. JK5 fed)v? (.^künbe auf, iveldie bie 3trafe crhöln"' beui\ minbern foUen .,iücffiri)tlid) ber (Mcmütc-: unb "iLiillen'^ei^enfdjaft bee i*'^''^- bied)er»3". :)lri. 1>1 benimmt: :)iürffiditlid) ber '^efduiffenheit ber >:.mblunii an unb ^'-^^ fidi fieitit ober fallr bie 3 traf barfeit 1. nadi ^Inn-fduebenheit ber ('•irbüe bcr <^*i^'' ^ic Slcform bcr 5w»^fit§ftrafc nac§ t>«utf(^cm 5lcc^tc. 497 SBie bcrcd^tigt Mcfe Älage \]i, ^eigt iinö ein SUcf in uiifrc i(^§:ßrimiitalfttttiftit mit iljren auffälligeii 3^tf^^^^ ^^^ -ItüdfaHds trafung. 3n ben ^a^ren 1882-1887 wnrbc in je 100 JäUen • loeniger aU 1 ^al)v Strafe ertannt: bei einfadjem 2)iebftat)l in 'i)erf)oltcnt ^Hncffall, gemäfe § 244 mit 3"d)t{)anä bi§ jn 10 v^aljren beftrafen, 54 — 5!)ma(; bei 33etrug in n)ieberl^oltem iHücffall, wai) § -21)4 mit 3"cl)t^aud .311 10 3<^^i^^» bebroljt, 80'/3 — 83'2mat 'mal im 'S^urdiic^nitt ronröe fogar anf weniger alö 3 ^JJionatc fängniö ertannt); bei .oe^Ierei, mit ©efängniö biö jn 5 3al)ren nnb im iHüdfall 3ud;tl)anö bid jn 10 ^al^ren ju ftrafen (?i 250, § 2G1), 00— J)4mal; 3ct)n)erer Tiebfta^l im 3iücffaU, wofür ein Strafralimen üon 15 3ci^ren 3"c1)^()ö"ö anfgeftellt ift (§ 244) wnrbe mit weniger jweijäljrigem ^reiljeitöentjnge geal)nt)et, 82 — 48V2i"at. 3n 3lnbetrad)t biefer an^gefprod^enen 9leigung nnfrer öerid^te, Strafe bem -öfinbeftmaö nalje jn (jalten, \)abe 16) mid) in einer >cncn ot>cr ui bcfürclucn^cn JHcd)teucrIctniiui ober 5)cfct)ä^i}lun(^; II. nad) t>cr >cn ))cfc^(ic^cti > tc9 :l^crbrcct)cnd. in antiorn füllen untcrfct)ci^ct fic^ t)ana(^ ttae vollbrachte rechen vom Uu'rüid^c. Xae .sub II an(^cfül)rtc 'i'Jionicnt „'ilu<>t»cbming bcr )öcfd)äl>ii]ung ober ijr" hat, ivie auö bcn 3(nincrfinu^Mi hervorgeht um beöivillen Ginfluft auf ctrafbarfcit, ivcil Daraus, bau ber ^häter burd) bie (^köfee bcö vorauöfid)ts X Sdjabend ober ber offenfid)tlid)en ('•iefahr fid) von Übcrtretuui^ beß (^e« * ni(^t abhalten liefe, fein im hiJhern (^irabe böfer SiUlle hctüorl*^"c^tet. 3trenc( c^encmnien ift baher ber snb II an(]eführte (^irunb ciflcntlid) ein 'ftincr 3traferhi)hun(;5i^runb, unb faft iämtlid)e in :iJlrt. 1)1—1)4 angeführten nbc laffcn fidj unter ben ^i\\\ fubiumieren: „Xie 3trafbarfeit ober bie >?öhe ctrafe innerl)alb ber t^urd) ba'3 (^Wk{\ (nad) bem l^fafifiab ber objeftiven Cii-. lidjfcit- ßCiO^enen 6ren;en (Strafrahmen» riditet fid) im liiii;elfalle nad) ber ^rlid)feit bcx« Xhäters, iveldie fid) teilö auö Der 'Jlrt unb ii'eife ber 3lu9füh- < K'« 'iscrbred)en6, teils auo ber "isor.Mny^cnheit, a\i^ t^cm 'l^orleben bcö Xhäters ?t." 498 öidiart. Sb^anblung über „Xk 39eftrafunc) bed dtüdfaDed itad^ beutfAem 9lc(^tc" (|. Z X 401 ff.) für eine gefcfilid^c öcfc^ränfung bcö ricbter lid^cn Grmeffcn« bei Seftrafung beö SRüdEfallö aiiögcfproc^en uni ju biefem ^roedt eine Stbänberung unfrcö 3lgt.@.S. in folgcnbei fünften (S. 408) empfohlen: „©ö fofftc jcbcr aiücffall im engem Sinne, b. i. jebeö Sei ge^en ober ä}erbred)cn, bem bereits eine StrafoerbüBung roeoie; Säerge^enö ober äJcrbredjenS (innerhalb eine« beftinunten 3eitraiime* üoraudgegangcn ift, ber erftc roic ber n)ieberI)oIte, ber gleicbortig roie ber ungleid^artige, als Straf me^rnngd- ober Strafer^ö^untic grunb O^i^t als @traffc^ärfung$grnnb) angefe^en intb auöbrücflic im St.ö.ö. alö folc^er bcjeid)net nnb beftimmt roeröen." ,,(£in jweiter unb jeDer weitere Siücffatt foUte, wenn nid milbernbe Umftdnbe uortiegen, bie gefefelidie golge ^aben, t>ai D< Stid^ter in 3^i»"^)fii»9 ber Strafe nid^t nnter bie .ijälftc öeö .^öd^f betrage« ber anf ba<3i nenbegangene Jüerbrec^en ober ä?ergebcu 3 festen Strafe Ijerabge^cn barf." ,/ii>irb ber Slngeflagte alö unoerbeffcrlic^er (aU gcroobiilicit ober geroerbmäfeiger) ä>erbred^er ertannt, fo ift unter 3luöid)U milbernber Umftänbe, auf bie ^öd)fte juläffige Strafe ju ertcnne* üon welcher t^a^ legtbcgangene ä}erbrec^en im ©efe^c bebrol)t vi ataö) meinem neu E)injugetommenen, oben begrünbeten '^'O fcblage, bie Strafe an Unüerbcfferlic^en ftetd im 3"^^^^")^ * üoUjiel^en, n)ürbe jn Dem Strafmajrimum aUerbingo and) nod) eii in ber Strafart liegenbe Sdjärfung fid) gefeiten. 3n @emä6f)eit ber üorftet)enben anöfüljrungen lonrbe Deroi fad)e 3)iebftal)l, üon einem intorrigibeln ^"bioibuum ücrnbt, m fünfjät)riger g'^eiljcitöftrafe, in einem 3"^)^')^")« 5» üoU}iel)en, ci troffen roeröen. Siefe Strafe bürfte, inöbefonbere menn Der i*Je beö CSefto^lenen ein geringer ift, in ben meiften 'i^äüm als uiel ■ f)od) gegriffen erfc^einen; eine fold)e Strafauömcffnng miir namentlid) ber (>3epflogcnljeit, bem Wefüble mie Den 3lnfd)anuiig* ber meiften nnfrer Strafricbter n)iDevfpred)en. 3)iefe meine 3lii'"u ftüßt fid) auf nnfre 3teid)ö=ftriminalftatiftit, auöroeiölid) Deren c 3al)l Der wegen einfad)en S^iebftaljlö ju 1 ^ai)x unD Darüber i^« urteilten nur l/^>%. Der ju 2 Rainen unD Darüber i^ernrteilt nur (),i\% beträgt. Sdjon angefid)tö Diefcr nieDcrn ^im^n roüx irf; fein i^ebenten tragen, bie Jeftieljung öeö "JÖfarimumö Der S 242 für Den einfadien 2^iebnal)l angcDrot)ten Strafe auf ^ie 9{cfonit ber ({rei^eitdflrafc naö) bcutfc^cin Steckte. 499 ^oc^jlen« 2 3a^rc, ju empfehlen. 2)icfcr mein iBorfc^tdg bürftc au4 wod) in ben fo(gcnben (SriDägungen feine llnter|lüt;nng ftnben: 35ie 2)auer ber Jrci^eitöftrafe ift, roie id) oben nä^er bargetfian (ia6e, üon ber (Sefa^rlid^feit be§ SBerbrec^erd, nic^t üon beffen florrigibilitttt ober S5erbrec^enS-2:enajität abfiängig. Üefetere Gigcn^ fc^afteii bebingen bie 3lrt, nid)t bie S)aner ber Strafe. 3lIIerbingö betunbet bie Unoerbefferlidjieit and) flets einen \)o\)^n @rab üon ©efd^rlic^feit infofern, aU berjenige Jeinb, tt)eld)er nac^ roieber^olter S3efiegnng immer mieber jn nenen angriffen übergeljt, nte^r ju fürchten ift, ald ein anbrer, ber, na^bem er i'ibenonnben ill einen ef|rlicl)en g^ieben ju \)alUn entfdjloffen ift. fflir ^aben aber andb an anbrer Stelle betont, baß ber ©efefe^ geber bie objeftioe ©efü^rlid^feit einer ^anblnng, ben 2Bert beö 3led)töguteö, M^ bnrd^ fie gefät)rbct lüirb, bei Jyi^i^rung ber Strafe ober beö Straf ra()mend ins ^uge jn f äffen l)at, nnb baf; ber Jiic^ter nnr innerf)alb beö üom GJefefegeber nai) jenem @efid)tö= punfte aufgefieQten SRafimenS nad) 3}Ia6gabe ber fnbjeftioen @efäljr= lid)teit be« 3[}erbred^erö bie Strafe auösnmejfen f)at. T^er einfädle 2)iebftaf)l unb betrug üerbient nad) feiner objef- tiocu @efä^rlid)feit bie ^olje im St.Ö.S. porgefeliene Strafe nid)t; ^ genügt jnm Sc^nfee gegen bie fogenannten tleinen !Siebe nnb öctrüger and^ ein nieberereö a)lafe oon Strafe, dagegen ift eö üon ä^öfeter 2ßictitigteit, bafe biefe gegen Unüerbcfferlid^e jeberjeit in il)rem ^öd^ftmafee nnb in ücrfc^ärftcr 3lrt jnr älnmenbnng fomme. ©ejen bie Stnfic^t berjenigen, mdä)^ ^"forrigible, oljnc Unter:: f Reibung in 33ejng anf it)rc Wefäl;rlid)fcit, anf Xiebeitöbaner ober ^^if unbeftimmte ^eii in S^id^U ober in 3trbeito()änfern aufgel^oben 'OMleii rooUen, ^abe id^ in einem für ben St. "petcröbnrger intcr- JiQtionalen öefängniötongrefe beftimmten Ointac^ten über i^ot)anblung Wnöerbefferlid^er mid) in folgenoer iiJeife auögefprod;en: „(Ss beftef)t ein großer, in bie 3lngen fpringenber llnterfd}ieb JiDifdjen bem fogenannten tleinen T^ieb nnD iktrüger cinevfcitö nnb ^^m Ginbredjer, ^dnber, .s^odjftapler ufu). anDerfeitö. 3)ic crfterc ^Qtegorie üon 3?erbred)ern begnügt fid) mit red)tön)it)rtger Aneignung flcringnjertiger Oegenftiiube; ein '^.'aav Sdjnl)c ober Stiefel, ein iWtageneö Äteibnngöftürf, eine alte iJ'afdjcnuljr ufiu. befriobigt itjre •^iebögelüfte, anbre l;aben eö nnr öaranf abgcfeben, Waftmirte nin y^ 3^4^ 5" prellen, Tienftboten fudienben ,oerrfd}üften fogenanntc '^^^ftgelber ab3unet)men, ol)ne fid), inie ncrfprodjen, in ber JvoK^c 500 3i(f)art. jiim 3Moiifteöautrittc ein^ufteUen. ^n gröfecrn Untcrnefimungen fetilt e§ ibueii an ^hit unb ßefdjidflicöteit; it)r tüidjtigfter Simbc^: gcnoffe bei 3luöfül;riinfl it;rer 2t)aten ift bic Unüorfiditigfeit \mi X-^eid^tgläubigfeit il)rer Cpfer. 2^ie ttiibre Älaffe — 511 \l)x jäljlcn norjugöweifc bie ({mcxH- mäfeigeii S?erbred)er — l;at nid)t feiten eine gninblidje Sd)iile m 4scrbred)enö burdjgemadjt, üerfügt für iljre 3"^^^^ über alle yilfö- mittel ber .Üiiiift wie ber 2:ed)nif unb weife ud) inßbefonberc Der ä>orteile uiifrer üeroolltoinnineten S?erfe^röniittel mit wahrer ^km- fcbaft ^11 bebieiien. i>or iljren 3lufd)lägen fid) ju waliren, i^re Stngriffe ab3iifd)tagen, baju gehört ein grofeeö ü)Zafe üon i^ornc^t, 9)lenfd)entenntni§ unb inöbefonbere von (Srfaljrungcn, wie eö nur einer üerljältniömäßig geringen 3ln}al)l von '^ierfonen eigen ift. Siefen oerfd^iebenen Kraben von @efdl)rlid)feit mufe beim ftampie gegen baö i^erbred^ertum in gebüljrenber 2Beife SRcc^nung getragen werben. Sie Äampfedmittel t)aben fic^ nad^ bem ©egner j» rid^ten, wiber weld)cn fie in 2tnwenbuitg 5n bringen finb. 2iUr rooUen nid;t mit Jlanonen auf Sperlinge 3^3^^ mad)cn, fo wenig aU ^ un^ einfällt, eine Jeftung mit ^anbfeuerwaffen erobern ju rooaen. i^inen ^anbwerlöburfc^en, weld)er auf ber Steife wegen iDJangeW an ben nötigflen Hleibung^ftüden ein ^emb ober ein 'ipaar Sc^ufe^ mitgeljen läßt, bie er in einer unperfd^loffenen, menfcbenleer«^^ 3i^oI)nung üorfmbet, barum, weil er fd)on früher einige 3)Iale weiTj*^^ 2)iebftal)lö beftraft würbe, auf unbeftimmte ober gar auf :L'ebenöj ^^ in 5üerwal)rung ju ne^meit, entfprid;t weber ber (Serec^tigfeit nC^^ ber Älugl)cit unb S?ernunft. ^n einem fold)en ^Norgefien liegt off^^ ^^l fic^tlic^ eine llberfd)reitung ber 'JJotwe^r üon feiten ber ®e|eQ)d)«-^^ gegen ein einjelneö il)rer 3)Mtglieber. 3^/ ^* erfc^eint gerabc-- ''^^ wiberfinnig, r>ai bie Öefettfd^aft burc^ bie Strafe in erwäbn*^*^^ 3ludbe^nung fic^i felbft einen ungleid) großem Schaben unb iJia ^' teil 5ufügt, alö ber 'iJerurteilte burd) oftmalige äiMeberljolung feii^*^^ geringfügigen Straft^aten it)r jufügen würbe. 3^ W^^ uu^^^^ ftrafgefeulid)en 3lüctfallöbeftimmungen gegen üerljältniömäfeig i^^"' gefd^rlid)e, wenngleid; unoerbefferlic^e öiefcßesübertreter für v- ^^* 5u ftreng un\) erad)te es für nüßlic^ier unb wirffamer, ^»biüibiK- ^'' ber bcäeidjueten Kategorie für jebe neue i^erfünbigung einen empfir "K^' lid)en Sentjettel burd) i>er^ängung einer furjen, aber gef c^drf *: ^'' Jyreibeitöftrafe auöjuftellen, als biefelben jaljrelang mit groö^w Cpfern an 63elb alö Staatöpenfionäre in unfern 3»4tfjö"K^" f" Xk Kcfomt bet grci^eiteftrafe nac^ bcutfc^em ^cc^tc. 501 pflegen, ^an folltc nie üergeffen, bafe bie Strafe ein Übel \t nur für bie SBcrurteilten , fonbcrn anä) ein foId)ed fi'ir bic 'ettfd^aft ift, in bcren 'Jianien fie üoUjogcn wirb. S)arnm füHcn 3iele unb 3"^^*'^/ weld^e luir mit ber ©träfe erreidben wollen, } Der Opfer wert fein, welche in i^erfotgnng jener gebrad^t Den. 2)ic ^»ternicrung cineö 2?crbred|erd auf unbcftimmte 3cit r auf Scbenöbaucr ift eine fo ein)d;neibenbe, folgcnreid^e unb ipielige ^})ia§nal)me, ba§ man fid) ju H)x nur int äugerften ^alle ciließen folltc, b. i). wenn ed fid^ um 2lbwe^r großer ©efa^r, 3Jer^ütung uncrfefelid^en ober boc^ fe^r bebeutenben Sd^abenö Äeben, ©efunb^eit, Floxal ufw.) I^anbclt, unb bie 2lbwcnbung ^er DJaditeile mit minber grofeen Opfern fid^ nid^t crrcid;cn läfet. " *'^) itro^ ber üon mir empfohlenen ^erabfe^ung bcö (Strafe :imumd für cinfad^en Siebftal^l unb für betrug würbe bei fon= leuter Surd^fü^rung be§ ©runbfa^eß, \)a\] gegen llnuerbefferlid^e, ild) ja gerabe unter bcn (£igentumöt)erbredj)ern in ber t)erl)ältniö- jig größten 2tnja^l üorfinben, ftetö bie im ©efetje für genannte ite uorgefc^enc ^öd^ftc Strafe in t)crfd)ärfter 2lrt auöjufprcd^cn bie Jted^tfpred^ung im Surd^fdbnitte uorauöfid^tlid^ ftrengcr fid; ilten, alö biefelbc bisher geübt worben ift. (5ö bürfte fid^ biefeö GoiDenj a\i^ ber Statiftif ergeben, ber jufolgc 1887 unter ^Hbimbuen wegen einfadien 2)iebftal)U 04,:» mit Öefängniö unter 3 3al^ren, barunter SS,m mit (^efängniö unter :^ a)Jonaten; 'W einfad)en Tiebftal^lö im wieberljolten Stüdtfall 84,01 mit /vr^il)citöftrafen unter 2 ^i^ljren; 'n öetrugö ()4,s:j mit Wefängniö uon weniger alö 3 'J)Jonaten, *'') Dr. »K'bcm (Z VlI 1^7;: ^Xic SlbiDäflung Der Ointcrcffcn Dcö Übclthätc« iiuD Der Öcfamtl)cit faim \vix lrntlafnin(^ balD \x\x 9iictjicntlafnin(^ führen. 3inD Die ui lieforneiiDen ^sfricDensftönmgeii nur von gcrin^^T 'ilrt, ift Der Übeltluitcr etroa nur ein ^Micrlicöer 5^ettler, t'anDMreidjer, AorfiDieb ufir., fo uürD man ge^en i()n etroa Die lebenslängliche (rinfpeming rerl)änj]en rooUen, fonDcrn man roirD i^ itjn ficj^ mit Der SlnroenDung Der ctrat'ha't iinD anDrer ^ilbfdirerfmtg^ftraf: begnügen. 502 Stuart. 32,30 mit (Scfängniö t)on 3 ü)Ionatcu bi« 1 3a^r cjM. getroffen roorbeii finb. (£d roürbe in 3"'""?^ ^i" Ö^^J namhafter 5ßrojcntfa6 mit 3nci&t^au§ Don 1 ober 2 3^^^^»^ beftraft werben, roelcbe Strafe im SJergleic^ ju einer 3"4t^önßftrafe oon gleid^er 3)auer, in ber bift^ ^erigen SKeife oofljogcn, ben SJorjng größerer Sntenfität getiiefeen roürbe. ©ne erroünfd^te golge ber 2lnnal)me meines SSorfd^lagö märe auä) bie Srjietung einer Übereinftimmung jroifd^eit @efe(gebung nnb -Ked&tfpred^nng, woran eö, roie aM ben angeführten 3^^'^ er^eQt, (eiber bisher in ^o^em 3Rage gefel)(t l^at. 3)ie oon mir bejügtid^ ber StüdfaHöbeflrafnng geftetiten ^ox^ rnngen fottten aud^ anf bie in § 361 Sir. 3—8 beö 3i.ct.@.8. anfgejä^lten Übertretungen in analoger 2Beife um beöroiüen än^ roenbung finbcn, roeil bicfelben fid^ cbenfaUß als gemeingefa^rli(fte $anb(ungen bejw. Unterlaffungen barfteUen, infofern bnrdf) fie - roie baö 9lero=3)orfer 3t.@.S. ben ©emeinfd^aben befiniert — „eine beträd^tlid^e Slnjaljt üon ^^erfonen in il^rer ©emäd^Iidb'eit, ^wU, ©efunb^eit ober Sid^er^eit beläftigt, »erlebt ober gefä^rbet roirD**; roeit ferner in ben erroä^nten ^ßanblnngen ufro. ein fo \)o^ a)ia§ red^tös unb orbnungöroibrigcr ®efinnung fic^ tunbgibt, mie fie in ^ö^erm ©rabe aud) jum J^atbeftanbe eine« SJerge^enS iw engern Sinne nid^t oerlangt roirb. IV. 3ludb ber Straf ooüjug leibet aw gestern nnb 'DJangeln, i"^ roeld^e er allein bie SBerantwortnng jn tragen ^at. ^n moncbe« Strafanftalten befielt ber äJoUsng ber grei^eitöftrafc in einem plnn- nnb gebanfenlofen 3")ö""»enfperren ber äJernrteilten, ol)ne iew llnterfc^eibnng nad) 3Jta6gabe Der üon it)nen verübten Straftljaten ober ber moralifc^en Sefd^affen^eit ber inhaftierten; in oiiDern 2lnftalten roirb aU oberfter nnb einziger Strafjroed SJefferunj «"^ illad^erjieljnng angeftrebt unb erftere auc^ an notorifc^ UnoerbeileP liefen t)erfudj)t, nnb lefttere in gällen geübt, roo ein Grfolg HßoIftcnl»orff (>>ant)bud) bcö (^cfängniöiOiMcn^J 5il). 1 Z.'-\X7): pcrtönlidjcu 33crfcl)r mit (yofängniöDircftorcn fant> ic^ bei il)iicn faft cn Strafrcc^tdti)Coriccn ücrtrctcn." r. Jöhrin»^, X'k 'Ucform unt> l»cr hcutic^c 3tan^ tcö (^icuini^iüö« oamburg. 3. 70 fdiilDcrt Mc '^HThanMuniiicn ;inn ,SiDCcf t^cr S^crbci= ;cd 3trafüoUui(?6öCKtii*^ für Xcuti(t)Ian^. ausführliche 3(blianMinu^ iibcr ^i'n t»CHtichcn 3irafüoUui(^ertcü't;cntiiuirf är; 1S7U finDct fid) mit Ciitfllcuanjiabc im .\:anbbiid) ^cö ('^^cfäiuiniss >?ol^cnt)orff un^ .Vic^cmann ^^^D. 1 3. ir><»ff. gcfc^Iic^c ^Kciicliin(^ t^w 3trafi'pUuuicv fichc ferner Zx\\an l»e5 nor^lü.s er. f. (!ief.=5*oekii >>cft I 3. 7 ff. Lr Conirivs luhiiteiitiairi' de Tome I 1». U)\K .Vj.'» Kam», j». ]. .nrohne, ^er (^ej^emoärtiflc Wefüngnisiuiffcnidjaft. (Z I 7off.) 504 0id)art. llngebiilD entgegcngefcljeii inirö, l)ätte nad) meiner Jlnfidit Die ae^ famte ä^eftauDliing ber Strafgefangenen in geiftiger wie leiblicher iHueljung jn regeln nnb ber bi«jfretionären ßeiralt ber r^Jefangm«: oerioaltungen bie jnr Jy^rntjaltung jeber aßillti'ir notiüenDi(\en ©renjen ^\i ^ieljen. Gö Ijätte über bie .öaftroeife, bie 2>erpfteiiiin3, Äleibnng, ikfc^äftignng, Öeftrafnng, ik'lol)nnng, Unterridjt, Sech forgc nfro. allgemein gültige 'Jiormen anfjnftellen, beögloidien barüber i^eftimmnngen jn treffen, weldic gälte Jtuönalimen von biefen allgemeinen Siegeln begrünben, unb mic weit ans befonbem Urfadben t)on biefen abgegangen werben bürfe. (Sine ber widjtigften Stnfgaben be« fünftigen OJefängniö; oDer Strofüoüjngögefe^ed märe eine fc^arfe nnb pröjife UnterfcfteiMing jiüifdben ben beibcn üerfc^icbenen Strien üon Jrei^eitöftrafe. Ter 'i>erfcl^icbenl^eit ber beiöen Don nnö beseid&neten ii^e, meldje Den einjigen Strafjwedf ^ne iieccetur^ üerfolgen — i^efterung burd) iHbfd)rednng nnb Sid)ernng bnrd) Unfd)äblirf)mad)unii — mnf; burd) bie Öefei^gebnng praftifd^c Jvolge gegeben werDen. 3>orfd)lägen in biefer 3{id)tnng bürften einige ikmerfniijueii über '-Beffernng nnb 3tbfd)recfung üoranöjnfdiiden fein. Unter ,,i*ef|ernng" iü bürgerlid;e Skffernng (Legalität), nid)t moratifd;e iJeffernng ,ui uerftefien; jene gilt ald erreid)t, wenn Der 23eftrafte baljin gebrad)t ift, anö '^uxiit t)or ber Strafe gleid) Der Ü)fel)r5al)l ber i^irger bie Strafgefetje ad)tcn jn wolten.*-') Jie Strafe tjat alöbann gegenüber bem i^erbred^enSreije ein Wegen- motii) in ber 5nrd)t üor weiterer Strafe erjengt, geeignet, bie l'iift am Unred^ten in Sd)ranfen jn Italien. 2lUr f)aben iSeffernng burdi 3tbfd)recfnng crjiett. "SMjx, ciH Öeljorfam am 5nrd)t vor Strafe, wirD üon feinem 'iMirger be§ Staateö uerlangt, nnb he\x ;3ntereifen ber Öefeltfdiaft ift mit Diefem aJiittelmafj bürgerlidjer ^ngenD bim rcid)enb gebient. ■-') X 3d)ovcnl)aucr: „ITurd) 5JiotiüC liifU fid) Vcivilttät cr;uMn(tcn, ind)t iiioriilttät; man fann Diiö S>ant)cln umcjcftattcn, nid)t aber t»iV5 ciiK»tl!d>c "li^oUcn, wcldicm dUcin mo- tiUi)d)cr ^*crt uiftcht. '5)Um fann nid)t Kiö j^ki rcränt»cm, ^iMU ^tfr i»oiUc \\x- ftrcbt, fon^c^^ nur ^cn ^'i\]. ^cn er ^ahin cinfd)lrtiit. ^)Um fann ^cm (rc^omcn ;cuu'", t»aB er Mird) ^^Uifi^cbcn ficincr '^iortcilc luölicrc erlangen wirl», t»cm 'iioi- bafiiMi, Dafj t^ic Ü^TUriadiunji fremder VoiDcn yKOÜcrc auf ihn Klbü brinctcn uhtN. '*Hbcr Den IfiiDiemuc- felbft, Me '-ÜOöIieit felbü ivivt» man feinem aiiereDe«. 'p wenirt wie l»er Ma^e ihre 'JJeiiU"U^ '*"»" a)iaufen." ^te Sleform ber ^tci^citöfirafc nad) bcutfc^cm 9lec^tc. 505 9Koralif<ä^e Setlcrung würbe bebeutcn, bafe ber SScrbre^cr fo lüeit in feiner ©efimniug gcförbert roürbe, bafe er Sted^t imb Crömiiig um i^rer felbft lüiHen liebte imb bariim bie ©efefte ^eilig ^ieltc. ©ittlic^e äJefierimg ifl, roie geuerbad) iiä) auöbrüdt, Srcecf ber 3"4ti9un9, nid|t 3^^^^ ber Strafe. äöätireub ber ^erfud) ber Sejfcrung an foldjen äJerurteilten oorgenomnien werben foU, roeldbe üorauöfid^tlic^ fid^ für ein gefe^- wäBigeö ä>ert)alten in 3"f""tt gewinnen laffen, ift gegen .^nbiüis öuen, welche für bie Grfolglofigfeit eineö folc^en 33erfud|eö an il)rer %rloii Durcö roieberfiolte lUerbrec^endrüdfälle unwiberleglid^e Se^ mijc geliefert l^aben, ein SSerfal^ren in 3tnwenbung ju bringen, oU beren 3"^^^ „Sid^erfteHung ber ©efedfd^aft burd^ llnfd)äbiid)- wacbung iljrer Jyeinbe" bejeic^net werben fann.-^*-) Jie auf ©efferung abjielenbe ©trofe wäre unter beni -Jiamen «Scfiiiigni^ftrafe" gegen jeben in 3lnwenbung ju bringen, gegen ben md) unferm jeßt geltenben ®t.@.S). eine ©efängniö^ ober eine pige 3"d)tl)ausftrafe au§jufpred;en wäre, folange berfelbe nid)t T)om :Hid)ter für unoerbefierlid) erftärt wäre. 3ft le^tereö ber galt, fo griffe bie Sid^erungöftrafe unter ber ^e^eic^nung „^nä)t\)an^'' 5|ila§, mag bie für ha^ abjuurteilenbc %brec^en angebrot)te Strafe feit^er in öefängniö ober 3ud)tl^auö beftauben ^aben. £ie im St.®.93. üorgefe^ene Icbenö[änglid;e 3^1^^'^o^i^ft^^f»-' löäre alö Sc^u^= ober Sic^erungSftrafc ansufeljen unD barum aud) fenierijin im 3i»^t^^ufe 5U oollftrcdcn, weil biefe, wie auö it)rer Jauer Ijeruorge^t, von ber ÜBiebergewinnung ber ^Verurteilten für bie Sefellfdbaft üon oorn^erein abfiet)t, eö üielmel)r auf bauernben 31uöf(^luj5 berfelben üon ber Wcfeflfd^aft unb auf eine Sid)erftelluniil öiefor abgefeljen tjat. 2)ie SJefferungö^ (ober fünftige @efängniö=) Strafe wäre fd;on i^rem 3wede nac^ ftetö eine jeitige, wäl^renb bie Sic^erungö^ (ober föiu'tige 3"d)tl)au$0 Strafe nid)t notwcnbig eine lebeuölänglidic ieiii miifj. teö fann unter Umftänben, wie wir an andrer Stelle unä fd)on überjeugt Ijaben, beut ftaatlidjcn ^'^intereffe audj bamit 9«tiient fein. Die Sid)erung nur auf türjere ^dt eintreten ju laffen. -') ^ic :3(nn)cnt»una t^cr Sdmti^ o^cr ^idiorunjV^ftrafc bcrulit auf ^cv biircf) ^w%' 3lücffüUc bcj;rünt)ctcn "lUTiiiutuiu^ ^cr Unpcibcffcrlidifcit. ^'cm '^Ncrur: tnltcn ioU ict>oc^ ^K 3)iüiilid)fcit vorbchattcn blcibon, ^llrd) ioinc AÜMnmti am ^ttafpia^ l»cii Wcgcnbcwv'i«; rtct^cn ionc iu-rimituni^ ;u führen. 50() eid^art. 2)cr Untcrfc^icb, rocld^cr barin bcftel)t, bafe man in bem 0e- fängniöfträfßng ein iwax gefallenem, aber für Siecht unb Crbnunj roicber jn geroinnenbeö ©lieb ber bürgerlidien ©efcttfci^aft, in bem 3ud^t^andgefangenen bagegen eine beftänbige @efa^r ober llberlaji für baö ©emeinroefen erblicft, mn^ auf bie StrafbeljanDlung bciDer Äategotieen oon SJerurteilten einen roefentlid^en unb tief eingrci^ fenben ©influfe ausüben. 2^) 5Bon biefen ©efic^töpunften auö betrad^tet, eignen neb Die {5§ 15 unb Iß unfreö gt.®.S3., beren praftifd^e SJurc^ifübrung bisher bic atlergröfeten Sd)n)ierigfeiten uerurfad^t l)at, 5ur unüer- änberten 9tufnal)me in M^ von uns angeftrebte ©efängnidgefej, wenn ©efängniß unb 3"4t^auö in 3"f""f^ biejenige SJeftiinmnnj erljalten foUten, roeldbe roir il)nen beigelegt wiffen rooUen. :3ene beiöen ^^Naragrapl)en paffen entfernt nic^t auf bie ^e^s jeitigc SJeoölferung unfrer Strafanftalten, wcld^e aM bem unter II. nät)er beleud^teten ©runbe im :L'aufe ber ^dt eine ganj oiiDre 3ufammenfct}ung erfaljren \)at, als ber ©efe^geber uorausiab. Sagegen fönnte bem § 1^ feine beffere gaffung alö bie aegeii- wärtige gegeben werben, luenn bie 3^i^tt)au§ftrafc, roie wir beab^ fid^tigen, in ber JJ^'ö^ ""^ 9^9^" Unüerbefferlid^e unD aufl^ebeuö= seit 5Berurteilte uer^ängt wirb. Seögleid^cn ift S 16 ganj geeignet i^ur 3lnn)cnbung auf t'eute, roelcfte als gebcffcrt in bie freie Sepöl= terung jurüdfte^ren follen, roeö^alb in i^rem eignen mie im allge- meinen 3"^«^^*ifc Ijinfic^tlidö itjrer 33efc^äftigung am Strafort aui i^re i^ergangent)eit mie auf ifire 3"f""TX auf \l)xt Äenntnifie unD 5ät)igfeiten, auf Grl^altung iljrer 9lrbeitötraft unb auf bie 3u«' bilbung iljrer Grrocrbßfäljigfeit gröRtmöglidie 3tüdffid)t ju nehmen iit. Segen M^ eigentlidje ©aunertum, ba§ in 3"f""ft Die Se- üölferung unfrer 3ii4tl)äufer bilben würbe, Ijättc ber Staat loDifl- lid) bad Olntereffe ber ©eiellfdiaft 5U maleren unb taum weite« ■)iücfrid;ten, alö foldjc auf CSrl)ültung von Üeben xu\\) ©ejunDbeit, walten su laffen. Tie ^L'age beö 3"^^l)^"^9^U^"9e"e" bcftänw baljer in einem 3"ftanbe Don nabeju uölligor Äned)tfd)aft. '•) 'iiii&i Mc 55eiKrung«ftrafc bc^arf t»o*j vollen irrnftcv unl) t»cr 3irw«ifi un^ iiKun mit l>cr vcd)iiß- ot»cr iBidjcruujvr'firaK aud) nidu :i3cncrunii aiijjcü^*^' mxX>, fo imiB ^od) auc^ bei ihrer i^oUftrecfuni^ alleo fernöel)altcn luerDcn, i?J* bie IKoralität t»e5 (i)cfaiu^enen nad)teilic^ beeiiifluikn lonnte. Cliiue "^letri von 3d}wel»en hat unter Me ^lieyU'ln für l»ie :Hiditvr ^ X!el)ria^ auMenonimen, bafe Me 3trafe, fo rief al-j niöcjlic^, fcrari icm i-^''**' l»a)j fie denjenigen, l^er fie erleidet, nidit binbert, fid) ;u lenern. ^ic 9ieform b€r ^t^citdftrafe nac^ Dcutfc^ein ^c4)tc. 507 i5)ad iii bcr 3"^^^öw^ftrafe licgcnbc 3)lomcnt ücrfc^ärfteu Strafjiüanged l(|ätte im ©egeiifatje }ii ber milberii Strafform be$ lefängniffed Dor}ugdn)eife in beu nadifte^eub be^aitbelten fünften im Sluöbrud }u tommen: JJic grci^eitöftrafc in i^rcr allerftrciigfteu Jo^m mürbe cigcnt^ (^ jeben 'I^erfe^r ber @efangeneu nad) augcn gänjtid^ Qudfd)lie§en. ine älbfd^roädiimg fo rocitge^enbcr Jreil^eitöeujic^ung liegt beö= olb für bcu Öefangeneu in ber, roeiin auä) befd^räntteu unb über^ lat^teu 3"^^ff""9 öon Sefudben unb im f(^riftlic^eu 3JerIet)r beö- ilbcn. (Sin SJJe^r ober SBenigcr fold^er )8crgünftigung üermag bie Strafe mefentlid^ 5u erleid)teru ober ju erfdbmeren. iTarauö folgt, bafi ein üerfd^iebeneö 3)ia6, meld^eö in Öe-- Jdlining jener öefugniffe eingeljalten wirb, feljr mo^I jur ä>er^ cjung Deö Unterfc^iebed jmif^en leichterer unb fd^roererer Strafe icnen fann unb fi^ ju biefem ^rotdt in ^o^em GJrabe empfiehlt. 5n biefem Sinne ift ber münblid^e SJcrle^r ber 3iiÄ)^^o"ö= mb bcr CSefängniöfträflinge in S 2() bed ßntrourfeö eines öefegeö ber bie ä?oUftredfung ber grei^eitdftrafen für baö Seutfc^e Sleid) on 1870 geregelt. Jagegen läfet § 37, ber oom brieflid)en i?ertet;r Ijanbelt, eine Interfc^eibung nac^ ÜDJaßgabe ber Strafarten, roie überhaupt eine 3eflimmung barüber üermiffen, wie oiele Briefe innerfialb eines bc- immten 3^4^^^""^^^ abjufenben bem öefangencn geftattet fei. Sc^roierigfeiten t)erurfad)t eö, bejüglid^ bcr äktöftignng bcr Sträflinge eine Xifferenjierung nac^ a)?afigabe ber Strafart burc^= ufü^rcn. Sie a)Junbüerpflegung foll für 0cfängniö= mic für !ud^tl)aucgefangene niöglid)ft einfach unb billig fein. Siefelbe l)ai '^ aud) mit l)Jaturnotn)enbigfcit nad) ber bem befangenen ^n-- croiefenen ikfdjäftigung ju rid)ten. Xa bie 'ilrbeit im <3"tcrcffe es ctrafernftes bie ganje und üoUe Äraft bes (befangenen, mag t ftc^ im ÜJefängniS ober im 3w'^l^ö"ö befmben, in lUnfprud) ;e§meii foU, unb ba aud) uon 3i^4)ll)ttitsgcfangenen eine auf bie ^ttuer nid^t auS5ut)altcnbe Überanftrengung nidu gefordert merben ttrf, fo mirb fid) beim äJoUjugc beiöer Strafarten baö glcid)e Hrungsbebürfnis gcltcnb madicii, bem aud) an^ (i^rünbcn ber Humanität mie ber Älug^eit im OicfäugniG une im 3"ic foU bie Äleibung, roie t>a^ ^^a\\tx Der Strafgefangenen befdiaffen fein?" finbet im meljrangejogonen (rnt^ murfe feine :^^öfung. ;^d) möd)te bicfelbe Dabin im ^^ntercffe ber 3{ed)tßgleici)hfit auöörücflid; beantwortet fel;en, baf3 bie Sträflingöfleibung allen bpgienifdjen iHnforDe-- rungen entfpred)en, unD Dafe an \l)v aUecutfc^cm ^(d^U. 509 ibualität Cällter, GJefunb^cit ufit).), an^ bic ^aljrcöjeit unb bie irfdliebencu 33e)c^äftic\inui§n)eifcu ftatuiercn. ßnblid) fotttc bem ©cfäiuiniöuorftc^er bie öcfiiflniö ^eiüalirt jtikn, auf CSrunb ^aiiöärstlic^eii ©utad^teuö an rcfoitüatcdcento, 11 fränflidie, fcöioäc^Uc^e, au alte Wefaui^eue uteljr uub bcffere taitüde üerabreid^eu 5U latleu, aU im Stec^ulatiüe nortieieljcu ift. ülrbeitöbcto^uuuiieu uuD Grtrageuufemittel föuueu alö 3lufs :iinterunrtGnütteI im 3"^tl)aufe fo lüeuig roie im ©efänguiffe eut:: *^rt TPerbeu. 3)urd) ^erabfeguug beö ^ödbftmafeeö bcr erftern iiti burd) Sefc^räufuug ber Sluöiua^l unter ben tcgtern für ©^ miene beö 3"4)^^ß"K^ üermaii ebenfalls lüicbcr biefe Strafe im erjleic^e ju ber Wefäuivüöftrafc ernftcr unD ftreiu^er i^ftaltet 3U erDcn. Ter flleid^e ^roed lüirb ferner erreid}t burd^ lauiifamered orrücfen ber 3ii4)tliiuT(e in ^öljere Sittenflaffeu, roie burd) 3"= ifuiu) ftrengerer 3)i§5iplinarftrafen jeiieu biefelben. J^ejiirtlid^ faft aller biefer "ilNuntte trifft ber ©ntiüurf beö trofDoUsui^öi^efefeeö leinerlei Unterfd)eibuniien nad^ 3)?afeiiabe ber trofart. iiebifllid^ In'jüfllid) beö Strafmittelö bcr törpcrlicöen ic^tunnui ift bie auöbrüdlidje i^eftimmun^ getroffen, M\^ biefelbc ir liegen mannlidjc 3»d^t(jöuörträflinge, u)eld)e fid) nid^t im 33efit5 r bürgerlid)en (Sl;reured{)te befinben, uerfügt merDen bürfe. i^ou ber 3lnna^mc auögel)cnb, bafj bie Jnfaffeu unfrcö 3»' nftö=3»d&tl)^"l«ö "lit üevfd)U)inbenb fleinen Sluönatjmen für bic efellicftaft mel)r ober lueniger verloren fint), loirD Der äJorfi^lag ue SHBbilligung finbcn, üon Erteilung bcfonbern Sd)ulunterrid^teö t 3üd)tlingc übert;aupt ab5ufct)cn. riefelbcn foUen, bie ^^^aufen r "Jiiiijt unb Grljolung abgcrcd)nct, it)rc ooUe i\eit ber 3lrbeit Dmen, um fid) menigftenö cinigcrnmftcn bor (>3e|eU)"d;aft nü^lid) inad)en. 3)ie :!lrt Der Slrbcit ift, luie fdjon angebeutet, Dor= flsroeifc nad) bem Wcfid)töpunttc ber :){entabitität ,^u loäblen, tue Dabei bie rKücffic^t auf bie (^icjunbl^eit Der Smiflinge beifcite fetjen. @en)erblid)er Unterrid)t im .Vitereffc beö 3üd)tlingö Ibit ift nid)t geboten, Dielmebr aui^ Dem eben erft angcDeuteten niiiDe in Der rHegel auogefd)loffen. (rnblid) mirb im ,v>inblicf auf Die notorifd>* llutauglid)feit Der in{tigeii 3"dE)t^auGinfaffen jur AÖrbcvuug Dco öffeutlid)en ii>ot)leö ie Der C>3efeUfd)aftö3U)cde überljaupt, foiiiie im .x^iublid auf Die Hi«u antiaftenbe 0efäl)rlid)feit uud ihre anti)\niate Haltung uuD ^^ba^rung nic^tö gegen ^^'nn von auDrer Seite genmd)ten i>or= 510 eic^art. fd^Iag ciujinücnben fein, an bic aJerbüfeuug ber Sii^t^öu^fttofe qU regclmäfeigc golgc bcn JBerluft bcr burgcrlid^cu G^rcnrcite wie Stellung unter ■ipolijeiauffici&t ju fnüpfcu. Xk ^aftroeife anlangenb, fo foHte in biefeni 5punftc alle« ©i)fteniati|"ieren oermieben werben. (£ö gibt nur jroei ^anptfornien ber ^aft: einfamc imö o/t'- nieinfamc §aft. 2)ie andern fogenannten ^aftfijftemc finb Icbiglid) Kombinationen an^ jenen beiben. äöelcbe §aftart anjuroenben fei, ift üon Jall 5U gall 311 ent^ fd)ciben. ^thtx ju SJeftrafenbe foU berjenigen ^aftrocife unter.- roorfen werben, welche bic fic^erfte ©ewä^r bafür bietet, boB an it)m ber einjigc, oberfte Strafjwed — i^erljütung weiterer l^er: fcljlungen gegen baö (Strofgefe(j — erfüllt werbe. 2\5ie jebeö ©efefc gleid^fam ber ÜWiebcrfd^lag praftifcbcr &-- fa^rungen fein fotl, fo foBte \>a^ fünftige ßJefängniögefefc cbciifüW auf @runb ber bidl)er angefteüten 33eobad)tungen unb gewonnenen (Srfaljrungen Jlornien bejüglid) ber ^aftweife aufftellen, 511 ^cren gewiffentiafter 33cobad^tung ber uerantwortUd^e öefängniöoorftanD gefe(}tic^ üerpflid^tet wäre. Die Durd) bie ^rajriö unö über ben in 3tebe ftel^enben ßegen- ftanb erteilten fiefireu möd^te id^ in bie folgenben Sä^e jufaminen: f äff en : 3)er ^auptoorjug ber ^folierljaft gegenüber ber ÄoüeftiDbaft unb jugleid^ ber ^auptswedf, weld)er mit i^rer Slnwcnbuug per- folgt wirb, beftel^t in gern^attung uon Ginftüffen, welche aiir öie SBefferung beö (befangenen in nactiteiliger äiJeife wirten fönnteu.-*) !3)arauö folgt für mid^ 9luöfdj)lie§ung ber (Sinjel^aft im fünftigen : 3uc^t^aufe, wel(^e§ 3idt)erung, \nd)t 33efferung, anjuftrcben ^at. 1 (Srfai^ruugdgemäfe fann bie greil)eitöftrafe, ol^nc in i^rem (rr- ' folge gefä^rbet ju werben, an jat)lreid)en ajerurteilten in Öemein- ; fi^afts^aft üoUsogcn werben, wenn biefe nidjt mit Slnftedfungögift , behaftet find. Siefes ift uorjugöweifc nur bcn ßigentumöDer' | i -*) 't-Uine, Criminalite et reprossioii V. Cap.: „Tic ^»^cUc bat alliT^m:;* ] K*n '^Nortcil, fcbä^Iict)c (rinflüfic fcrnuilialtcn; fic ift aber unfäbict, bcn ©cfanvionfn j .^i bcffcvn, t». I). il)n luicK'c ju einem tau9lici)on ÖIict>c bcr (JkicUfdKifi '" ' nuicftcn 3llIcrC>in^^5 ift bic iJlMonbcrunyi nid)t Das cinücjc 5)cficrunöömittcl, nH*l£Öf* ; bae .,Scücnn)ftcm bieten foU; :ilrbeit, Untcrrict)t unb bie i^cfucfic von ieiicn ^ 35eanuen treten l)in;u. 9(ber aiic^ biefe Büttel cnivifen ficb alö unroirfwjn. . • • •' ^it Sicform bcr 3r««t)«it6ftrafc nad) bcutfc^cm Sdcd^t. 511 «^erii (3>icbcii imb Sctrügcru) eigen, weshalb cö genügt biefc ben ©cfängniffen in ber 3eUe }ii i)cnDal)reii, um jebe öerü()riiug iD jebe 3luftecfung innert)alb biefer äJerbrec^ertlaffe , wie anbern efaugeneii gegenüber, audjuf daliegen. 3lbcr and) nuter ben lefitern lommen leibeufd^aftlid^e, reijbare, ifittlic^e Snbiüibuen ^ereinjett vor, lueld^e ju i^rem eigenen aJor- k, tüic jnm Sd^u(je i^rer 9Iebengefangenen, in CinjeI^aft(o!alen ifgefioben roerben uiüf|en. 3/iefe loenigen Grfatirung§iä(je bürften genügen, um bie %xac\c r,,^aftn)ci|e" in einem fünftigen ÖefängniSgefefee jroecfentiprecöenb ib mit günftigem Grfolge ju regeln. 2^er melireriüä^nte (Sntrourf eineö StrafooUjugSgefefteö f)at, Dem er \\ä) für obligatorifclje (Sinffll)rung ber foftfpieligen 3eüen= ift (roenigftenö für ben 2tnfang ber ^\\ä)tl)axi^i roie ber ©efängniö- ofe) entfc^ieb, bQ9 n)id)tigfte ^inberniö feiner 3lnnal)me fid^ felbft l*(l)Qffen. Xem gerabeju erfd^redfenb t)ol)tn äJcbürfniffe an 3eUen genüber, ba§ fic^ bei annähme ber §§ 14—16 beö Gntrourjfö be^ Collen würbe, erfd)eint ba§ (Srforberniö an Ginjel^aftlofalen, baö I) bei 3tnna^me ber üon mir aufgcftellten ©äfte ergeben würbe, iBerorbentUd) niebrig. 3)aöfelbe würbe fid) in ber ^auptfadie if bic 3iolierung ber ju ©efängniö verurteilten Siebe unb öe^ ügcr unD auf einen S^eil ber Sittlid^feitöuerbrec^er befc^rünfen, 1, tüie \i) gezeigt ^abe, bie Slninenbung ber gleid)en ^JJIaferegel if bie übrigen Jtategorieen von ©efängniöfträflingen, wtnn bie it 3lnftecfungögefaljr broljenben ^nöiüibuen burd) J^rennung ifd^äDlid) gemad^t finb, iid) alö unnötig, ferner bie Slnwenbung if unüerbefferlid^e 3»^^^^^^^l<^^ ^l^ uergeblid^ unb gänjlic^ cr= I9I00 erroeifen würbe. Um ben ©ebanfen be§ graDuierten Straf jwangeö, ber eigent= ii im Örunbc nid|t§ anbreä ift, als baö ^nbiüibualifierungo: injip in feiner 3lnwenbung auf bie gtrafjud^t nad) ■iDiapgabe r Doii (iJefangenen am ©traforte bewicfenen :i^egalität, .^ur Sluö^ ^tung ju bringen, erfc^eint cö mir burdjauö nid)t notwenbig, öe Jreiljeitöftrafe pou längerer Stauer mit (rinjeltjaft beginnen laffen, ofjne 9{ürffidjt barauf, ob Örünbc ber 2'rennung üor= fften oDer nicf;t. 3ener WeDante beö abgemifteu Straf^waugeö tann unb foU in injclljaft wie in gemeinfamer .sjaft, im (^efängniö wie im {]u6)U ^ufc Slnwenbung fin^en \\nt> wirD in ^^ojug auf .ücbuug ber 512 6ic^art. Siöjiplin iiub Scförbenmg bcr Ücgalilät bic bcftcn Sicnjic leiften unb in oiclcn gdUcu bic Übcrfii^rimg aii^ bcm 3"^^"*^^ ^^ Unfreil)cit in beu ber grcit)cit roefeiitli^ erleichtern. 3llö Softem, lüie biefc 3bee in ^rlanb auögebilbet würbe mh waö) biefem SJorgange in ücrfd^iebenen anbern :i^änbern Slufnajiine gefunben ^at, oemmg \6) bemfelben fo wenig wie irgenbeinem anbern ^aftfijfteuie^ roelc^cö bie 3lIIeinl)errfci^aft für fi^ in än^ fprud^ nehmen lüottte, bad 2Bort jn reben.-*) Scr 3)fen)d^ ift nun einmal fein Softem, fonbcrn ein Crgani*; muä, ein Unifat, mit benfelben ©igenfc^aften nur einmal voxi Rauben, barum fann auc^ folgerid^tig feine 3eE)anblung auc^ {einem fpröben Sijfteme unterroorfen merben. Sie ©infülirung eines für alle gültigen $aftfi;fteins bebeutet eine SBcrleugnung beö midjtigften ^^rinjipö bcö Strafoottjuged — beö ^^rinsipö ber 3nbimbualifierung, bas unter Jycft^altung M oberften Strafsmecfeö bie ju beffen (Srreidiung erforberlidien üon ber ©igenart bcd ju Strafenben abt)ängig mad;t. 2fi) 5l5iic Dem Stieltet in 2luämctfunrt Der Strafe ein uemlic^ rociter 3iu'*' räum öelaffen roerben miift, um allen Die Strafbarfeit beeinfluffenDen SKomcntcn Die n)eiteftgef)enDc 55erücfficl^ti};unrt juroenDen 5U !Önnen, ebenfo Darf au(& ^"^1 (StrafnoUi^ugöbeamte Durcö beengenDe 35orfd)riften, Durcö Sijftemc u. Den]I. nidJi bet)inDert roerDen, Die Strafe Der SnDioiDualität beö löenirteilten, inebcfonM« feiner 3BiUen4oerfaffung in einer 3Beife an',upaffen, roeld)« Die crrreidnmg N'* Straf uroecfee (ne peccetur) 0en)ät)rIeiftet. ^a§ jjröBtc £»inDemi3 in Dieser S<- ',ieinin(j bilDen Die fogen. öaftfpftone. Deren ^dlt^emeinjjültigfeit auf Dem ^utuvM benU)t, Daf; Die Werediti^feit in Der ('^fei(^[)eit befte()e, lOiitirenD Diefelbe Dod» nur oerbüröt wirD Durcft 3(nftreben Ded g[eid)en S^ikQ bei allen, jeDod) unter 3it\rocn* Dun^j oerfc^ieDener ^Jittel nad) ?)iaftj^abe Der inDiuiDuellen S^erfdjieDenljeit l«cr ^u StrafenDen. 3Cber aucö Diefeä inDiuiDueUe (^rmeffen, Dad für Den Straf oolliiua** beamten in 3(nfpru(^ genommen roirD, fann unD Darf Der gefe^geberifc^en 3cbri'.rie»^ nic^t entbel)ren, fo luenig mie Die :Hed)tfprec^unfl. Dr. 23af)Iberö (iöanDb. Dee (^ef.:3Bef. I S. 131): ^ c'snnerfirf) uerfnüpft unD Dod) ^runDucrfc^ieDen, lS'in5eU)aft unD C|icmcx«= fdjaftshaft in ori^anifdier 3JerbinDunj] ineinanDer j^reifenDer StrafDoU',uc^«ftuferfd)ieDcnartic^teit iu ber StrafDoUftredung trot^ iwr= euer (>Ueid)l)cit beo Strafgeiet';cö jur Aotge. «2ic aercditc 'iH'n^itinu^ fann fein lucdianitdKr oöer inatlicmatiid) bcrcd)iMi: '}tft KMii, fchlicfit ah'o t»ic ^Bcriictmlitiiimui K'r ^?eriönlict)fcit nid)t auö, ioiu K\>'i\\at fu'. Xcu (^)rutl^^^t; t^cv ,\nt>iiHMiiliücrunv^ ftcht nidit im 2l*tDcr= ;ur ("^W'rcdniiifoit, 1on^crn tu cvft ^o^cn lualirc irrfüUunq." 514 6tc^att. Sa bic ©ercd^tigfcitö^ ober aScrgcttungöt^coric m bcr Straf* jumcffung roic in bcr ©trafooUftrecfung auf unübcrroinblic^e ©d^roicrigfcitcn in bcr Sluroenbung flöfet, jebe ©träfe aber erfolglos bleibt, über bereu S^^^ ""^^ SBcfeu uic^t doUc Übcreinitimmuug jiüifd^eu beu brei gaftoreu ber ftrafcuben S^^ätigteit beö Staate« beftefit, fo erübrigt uid^tö anbereö, alö bie Stuua^me «nb 3?urc^ fü^ruug bcö 3w'ßdgct>öuleuö im ©trafred^te,^^), um bie Strafe ju bem ju ma6)tn, load fte nad) ber gemeiufamen Überjeugung unl> bem übereiuftimmeubeu )s!BilIen aller äSernüufti^eu unb dteblicben im ^olfe fein foU unb werben mufe, nämlid^ ein roirifameö, unfc^t bareö 3)iittel im Äampfe gegen bie ftaatß^ unb gefettfc^aftöfeinö* lidien ©[emente, gegen bad a?erbred^ertum. -') X'xc Strafe ^nrf fernerhin nic^t mct)r blo^c 2nc6f)an^Iunrt kin. Xd* ift ftc aber, roenn njtr (trafen, blofe weil gefehlt rourbe; fie muft ;ur 3"^^'tfhün^» lung jTicftaltet it»evl>en; t)ieicn Gf)arn!ter erhält fie, fobalb fic bie Äbficbt ocrfolijt, ber Sl'iieberbolunj; oon $erbreci)en ooruibeugcn. 14. (Einigt (ErstbttilTt irr tttuerttt üriminalltatiftik. 3Jon U.^^rof. Dr. ». Sölt^cd, »ubapcft. I. Saö triminalftatiftifdic SBatcrial. 5>oraii«fc^iing jebcr ftatifti)c^cu ^oH^inig ift bie genaue Äcnutniö bcö Unteriud^ungöfclbcö. hierin liegt eine ber großen Sd)n)ieriglciten ber ©tatiftif, benn jebe ftatiftifc^e Stubie mufe uon ber 2urd)fud)ung unb genauen 6rforfd)ung beö Xerrainö außs geben. (So nni§ alfo jeber ©tatiftiler fid^ erft ein grünt)lid)ed 33il^ üon ber 3lrt jener ©rfd)einung fd^affen, bie feinen Wegenftanb bildet. Sie hiermit üerbunbenc Sc^iuierigfeit jeigt fic^ namentlich in jenem Gebiete ber Statiftif, bereu Cbjelt Daö Staatöleben in feinen oerfdiiebenen 3wJ^i9^J^ bildet. Sold^en Sd^roierigleiten be- gegnen wir auf bem (Gebiete ber ^yerroaltungöftatiftit, auf bcm (>k= biete ber ginanjftatiftif, auf bem (Gebiete ber 3"fti}ftatiftit. )h?er feinen genauen Ginbllcf in 'oa^ betriebe biefer Staatötljätigteiten f)at, lüer ben metoerjujeigten 3tpparat ber betrcffenben .^l;nftitutioncn, bie gefeftlid^en (Sinrid)tungen unb 'Jiormen inib bie eigentümlidien ÖeDingungen ifirer @eltcnbmad)ung nidjt tennt, barf an baö 3tu= bium berfelben nidjt l)erantrcten. Tabei wirb oft M^^ eingebcnbftc Stubium biefer ^"»t^ionen ^u bem :){efultate führen, bafe eine matt)ematifc^=genaue ßrfaffung ber (Srfdjeinuugen, eine i>ergleid)una üerid)iebener 3^iträume, uerfd^iebener (£rfd)ciimngögebietc fafi jw t)en llmuöglid)feiten ge{)ört. I^aö Öefagte gilt ganj befonöerö iio\> Der 3"Ui}ftatiftif unb bereu ^od)roid)tigem 3"^^i9^ ber AUintiiu\i ftatiftit. äöä^rcnb unfrc 3i5iffenfd)art mit äiemiid)er (^jenauicx^^x^' t)ie ücrfc^iebenen iiänber nad) iljrer 3terblid;feit, ii^ver i^oi^"^^ t^tcijtigfeit ufro. ju uergleidjen uermag, ift bieö in iH\;iug auf bex- ^' !ritninelleö i^erljalten beute uod) faft unmöglid). :jMe i^erfd;ieh ^ ^^ ^«it Der pofitiüen ©efe^e unb ber 3lrt it)rer 3tnn>enbnng bilbet i^^ ^^' 51G ^- ?öl^c^^. eine imüberfteigUd^e Sd^mierigfeit unb a\i6) fonft vermag D(k. 4 Stubium bcr frimina[ftatifti)d)cn Säten nur bann ju einige»-»! SMefultat ju fülircn, lücnn lüir unö beren eigentümlid^c 33ef djaffet -« - f)eit ftreng üor 3tugen l^altcn. ©inige SJemerfnngen werben L »i biefer Stiftung nic^t überflüffig fein. Sic erftc Jyrage, bie ^ier entfielet, betrifft ba§ Softem ö^r Satenfaninilung. 3cI)on l^ierbei ergeben fid) mannigfacbe Sd^roieri ^;= leiten, obwohl fic^ bie Statiftif in biefem 3^^'9^ ^" fa^hmbitTT*« Crgane roenbet. 3)o(i) lüirb von biefen oft bie ftatiftifd^e 2)ate».i' faminlung qIö überflüffige, jebcnfallö aber unangeneljme Seläftigurm^S betradjtet unb barum mit jiemlid^er Unluft beforgt. Ser Sii^^ für Statiftif unb baö Ginbringen in ben GJeift Der Jonnnlare S— 5^ ^icr üon großer äi>id)tigfcit. 2Bir TOollen nur ein Öeifpiel aw^^- führen. 2öirb j. 33. an baö Dbergerid;t bie J^^agc geftellt, ob bejfr"*^^ Urteil beftätigenb ober umftofeenb roar, fo begießen manche Dbe ^'' gerid&te biefe grage auf baö Urteil ber unmittelbar üor^crgeljenbe^^*^' anbre auf baö ber unterften Snftanj. 2)ic S)aten finb infolg -^' beffen unbraud)bar. 6in iüid)tigeö 9)loment ift ber 3^itP""ft bö^^^^'^ Satenfammlung. 3lm jroecfmäjsigften ift jebenfaüö jenes 35orge^ei ^^^' bei bem fid) bie girierung ber iSaten mbglic^ft an bie Slmtfi^* ^'' ^anblung anfdjliefet. Sarum ift baö Sijftem ber ^ö^ltarte ^ics^^ Don großem Grfolg. Sie Si^lj^^^rte geftattet bie 2lufna^me Dc^ä"^^^ Säten jebeemal im SJJoment ber iU^rljanblung, mit iNermeibun:^" ^9 großen 3^itö"froö"i^^^; i>öbei laffen fid) ade nur irgenb roidjtior^ÄÖ^ Umftänbe firieren. Sie 3äl)Itöi^te begleitet bie Sitten bis ^ -^^" bereu 2lbfd)lu6 unb manbert bann in§ ftatiftifd)e Sureau, roo Di^ ^'^ aufgejeidjueten Säten biö in bie üerfd)iebenften Kombinationen au^ -^' gebeutet merben fönnen. (Sine weitere £d)roierig!eit ber Äriminalftatiftit ergibt fidi air bereu befd^ränftem Umfang. I^ox allem erftredt ficfe bie Statift nid)t auf baS ganje ©ebiet ber roiberredjtlic^en ^anblungen, fonbei nur auf jene, meldie bem @trafred)t angehören, ©ine ^Hei^e wibe red6tlid)er öanblungen, oft an 'Biangel beö moralifd^en Sinni fd)lcd;ter aH bie ftrenggenommen frimineUen, gef)örcn bem @ebi( beö ^iJJriuatredjtö an, mieber anbre bem 03ebiete beö äJerroaltunj red)td. Sie Äiriminalftatiftif bcö Seutfd)en ^leid^eö entl)äU 5. nur 23,Hi '^^^ro3ent (1888) be§ gefamten friminellen 3)iateriaU. ^u JU fommen jene n)iberrect)tlid)en i^anblnngen, roeld&e bem ilreife Selbftüerwaltung angeljören unb gegen Statuten ber Selbftoeni^ ^/- Gtnige (rrgcbmffc bcr neueren jtriminalftatiftif. 517 tun t^^törpcr ücrfioßcu. ©nblid^ muß au bic ejccptioneHen ©ebictc bed 3)lilitärftrafrccl^tö, an bad ^^riüilegium bcö jugenblidicn älltcrö er- inticrt Tücrbcn. Sem gegenüber ift aud) ber Umftanb lüd&t außer flc^t ju laffeu, baß bie n)iberrecf)tlid)eu .öaubhnu^eu uid)t nur aud) ei^ifd^ tabel^afte aßiUcnöäufeeruugeu eiu|d)lieben, fonberu and) fotd^e, bie eben nur im Sinne be« pofitioen 9ied)tö }u ftrafen finb. @ef)cn wir nun auf bie einjelncu ^sj^afen beö Äriminalücr- fa^rcns ein, fo ergeben fid^ neue Sd)n)ierigfeiten. Sie Einleitung t>eö itriminalüerfa^rend bilbet bie ©trafanjcige. Sc^on f)ier ftofeen «>ir auf befonbere Sd^iuierigfeiten. ÜJiele ftrafbare .öanblungen werben nid}t jur Äenntnid bed ©erid^tS gebrad)t, ja üiele gelangen "ic^t einmal jur Äenntniö beß 8efd)äbigten (Siebfta^l, G^ren= beleibigungen ufro.); namentlich bleibt gewiß ein großer 2:^eil ber leidster roiegenben SSerbred^en unentbedt ober wirb teils üerjielien, i^*ilö auögeglid^en. ,,2i}a§ von bem maffen^aften i?erbredberftoff jur geric^tlid&en Unterfud^ung gebradbt loirb — fagt 3)littelftäbt ') — ift außerorbentlid^ gering." 3tud[) Cttingen-) mac^t bie folgeuöe Semerlung: „Xit abfolute ^\\icx mirttid^ abgeftrafter ^^crbrec^en ift ein burd^auö nid)t fo fd|)limmeö Symptom ber öffent= Ud)eii aiJoral als j. 3J. bie Summe nid)t erfolgter, baö ä?olt auö= ftiiigciiDer, aber üor bem rid)terlid^en Jo^^ii^" \W »i^^t gefidfterter ^^^efe^ioiDrigfeiten." 3tuf bie ^al)l ber 'ilnjeigcn finb mannigfache ^Iniftänbe von nacfebrüdlictiem (Sinfluß: bie größere ober geringere Htagefuct)t ber Öeoölterung, baö ä5ertrauen in bie 9ied)töpflcge, ^ie :)Jeigung, iid) felbft 9ied)t ju üerfdjaffen. 3lud) baö Si)ftem ^'^ Strafüerfaljrend ift natürlid) üon (Sinfluß. Sie 3^()l ^^^ ^^^Qfanjeigen mirb im allgemeinen bort größer fein, luo bie 3^()t ^^*^ 3lnflager)erbrecl)en geringer unb wo jebeö iscrbrecijen üon aimtö ^^^^Qm ni verfolgen ift. So maren in ^^Sreußen friil)er Diel locniger "^'^flageoerbredjien als na^ bem neuern Strafgefefcbud). 3Iud) ber 'l^iftanD ift äu bcrüdfid)tigcn, baß ^ie >^al)l ber lUntlagen bei rcr= '^iebenen )8erbred)en üerfd)ieben ift. ^i^ci geiuiffeu $yerbred;en ift ^^ .^^a^l ber Stuflagen fel)r groß, j. i^. falfdbe ilriDa. Üki anbcrn ^^it geringer. 3lucl) auf bie 3^1)1 ^^^ eingeleiteten Unterfud)ungen y^^ben uiele Umftänöe Ginfluß, ^ie bei Der ä^emertung Der '^^^tifti)"cf)cu Säten in 3^etrad)t gcjogou werDen miiffen. 'V^on ') z IV 4o:J. -' I Z 1 410. 518 ?>^of. Dr. 3^. SöIbcS. großer aSicßtigfcit ift Ijier bie ©efcöidtlidjfeit, 3luöbauer, 3^^' ber^ jenigen Crgane, n)elrf)c mit ber 'JJad)forfd)ung, ber 2?oriintcr|"udm i Tg betraut finb. 3>aruni fann eine günftige Drganifation ber ^poli^eis Organe unb nad) Sebarf beren ä>erme^rung, eine Steigerung in ber ^ai}l ber a?erbred^en jnr Jyotge f)aben, ot)ne bafe tf)atfäd)Li4> me^r äJerbredjen begangen toorben wären, llberbieö bietet bie Statiftif ber Unter) n^nngen fein genaues Silb über 3^^I ^^"^ 9lrt ber ä>erbred;cn, ba eine Unterfudiung gegen ntel^rere ^^crfouen gerid^tet fein fann, t)inii)icber ein ^nbimönum ipegen mebrerer 3?erbred)en in llnterfud)ung ftef)en fann. ©o erroä^nt -ttfc^rolt einen %a\i an§ ben SSer^anblungen beö Serliner S*n)urgericfat«/ in roeld)em eine 3Ingelegenf)eit gegen üier SKngeflagte wegen '22 fal|dj)cr (Sibe geführt rourbe. 9iac^ Star de ift in ^^reufeeu bie 3al)l ber 3lngcflagten um 30 ^^rojent gröfier al§ bie ^a\)l ber ci«- geleiteten Unterfud^ungen. @el)en ipir einen Sd^ritt weiter im^ unterfud)en wir baß 3)ionient ber 3"= Stnflagejuftanb-i^erfetung, lö begegnen wir wieber einer dkx\)t fd)wanfenber, baö Grgebniö iini> bie 3?ergleid^nng trübenber "iDioniente. ^a\)l, Strenge, Gifer rcr amtiercnben Organe wirb l;ier üon großem Ginflufe fein. 3liid) fonft feljlt cö nid)t an ftörenben Umftänben. So erfolgt oft t»i« äJerurteiInng wegen eines anbern i>erbredöend, als welkes r^r 3tntlage ju ©runbe liegt. So lefen wir bei Starde/*) bafe von •202 wegen 3)JorbeSin Ülnflageftanb JJcrfeßten 171 üerurteilt würben^ üon biefen jcbod) nur 90 wegen ü)iorb, 81 wegen anbrer i^or- bredien; üon Ü2 wegen 2^otfd)lag 9lngef tagten würben 75 üerurteilt/ bodj oou biefen wieber nur 84 wegen 2'otfd)lages, 41 wegen anM^er 3Jerbred)en. 3lud) wenn wir bie 3^^I ber ä>erurteilungen in ^'^^ txad)t jie^en, werben wir ju bem iHefultate gelangen, bafe biefelb^n nid)t immer ganj oerläfelid) finb, um alö objettioer 3)faBftab ?" bienen; bie i?erfc^iebenl)eit ber Strenge, beö iHedjtfinneS unD Dcr ^ec^töfenntnis t)aben iljren atnteil an ben 3>eränberungen in t>cv 3at)l ber ä5erurteilungen. Sie 3^^^ ^^^ ^Verurteilungen ö*^'^ and) beö^atb fein genaues 3Mlt) ber Äriminalität, weil in berfelb^" jene Jälle fel)len, in weld)en wol)l ber objeftioe 2^l)atbeftanD teö '^erbred)ens entbedt würbe, aber nid)t auc^ ber fubjeftioe. X>^^^'' Ijer geboren jene Jälle, in welc^ien ber Iliäter burd^ ^^lucbt. Mircii Selbftmort) ober natürlid)en Xo\> Dem ftrafenöen 3lrm Der öJe- '» i\TbrccI:cn mit» '^crbrcc^cr, 3. lOi^. (einige (^rgcbniffc bcr neueren Ücimmalftatiftif. 519 red^tigfcit ciitging. 3n bcr Qa})l ber S^crurtciluugen fcfjlen aud^ bie ocrjä^rtcn, wie an^ üWangcl an Scrocifcn uubcftrafteu äJer^ brechen. 3)tand^c Sd^roicrigfcilcn ücrurfadjt ferner ber Umftanb, baß nä) bie ftatiftifd^eu »eiüeife balb auf bie Saljl ber aSerbred^en, balb Quf bie ber SJerbrec^er bejie^t. Sei ber i^erroertung ber auf bie i^erurteilung bejüglid^en 3^^)'^" ^ft ferner üor 2lugeu ju galten, bafe bad SSer^ältni« ber SJeriirteilungeu uitb g^eifpre^iingen bei oerfc^iebeueu aSerbrec^eu fel^r oerfc^ieben ift. 3)abei ge^en roir 9ör nic^t auf ben Umftanb ein, bafe ba« ^^ro.^efeüerfal^ren mn ßinfluB ift. ^06) fei barau erinnert, bafe bad SRefultat Derfd)iebeu fein wirb, je nac^bem ber Slic^ter an ein ftrenge« 23en)ei«üerfal)ren gebmiDcn ift ober gänjlid) unter bem ßinbrucf ber münblicl)eu %()Qnb[ung ftef)t. 3luc^ bie 3«^' '^^^ 'Jlicbter ift von 23ebeutung, ob biefelben mit abfoluter ober 3iw^iöi^ittelniaiorität abftimnten, ob «üb in weldjem 'J)laBc bie 3lppe[Iation geftattet ift ufio. 2)iefe flpdorifiifc^en Semerfungen beraeifen, wie fd^unerig bie Beurteilung ber auf ben Strafproseft bejüglict)en "iSattn ift, n)eld)e ä>orfid)t unb @rihiblidf)feit Diefelbc oorauöfet^t. Xied oor 3tugen f)a[tenb, be* 9i^eifeu wir and) bie ®d)iüierigfeit ber 5^age, weld^eö 3)loment ^igeiitlid) als baö d)arafteriftifd)e für bie Atrintinalität eineö Xianbed 3^ betrad^ten iftV 3)a6 bieö roeber bie Straf anjeigen nod) Die Uuterfuc^ungen fein fönnen, ift beinal;e oon allen neuern Sd)rift- ftelleni, bie fid) mit biefer J^agc befd;äftigt ^aben, anerfannt rooröen. ajlittelftäbt^) roill and) bie 3abl ber ^Verurteilten md)t ^^^ fold^e Kriterien annel)men ; er betrad)tet bie 3. ■') Gli omiciernrteilnngen üor, mie bieö in mand^en ©egenben 5öclgien§ unD 5^^"f^^i^ö fonftatiert mnrbe, roo and) fd^on ^nftismorDe biefem Umftanb jngefd&rieben mnrben. GS foU Ijier an^ Deö -Ikv- fahrend ber Äorreftionalifation gebadet werben, meldte« bie Taten ber Äriminalftatiftif grünblid^ jn üeränbern üermag'*) unb melcbc foUoffale iNeränbernni^ wirb bie Ginfnt)rnng beö Si)ftemö ber be- bingten Strafe nac^ fid) ^ielien! 3^er internationale ©tatiftifc^e Äongrefe bat fid^ in mehreren feiner 3?erfammlnngen mit ber Äriminalftatiftil nnb beren Wrnnt»s *') Panni les infraotions que la loi defere a la cour d'assises, il cii t?st qui nc soiit justiciables de la cour d'assises qne si certaines cin'f'ii- staiice4S a^gravantes transforment la nature de riulractiüii. Depuis um* trentaiiie d'annees l'habitude scst introduite de ue paä relever dans nn certain nombre de cas les circoiistaiices ag^ravantes qui auraieiit traiis- fo nu6 le delit en crime et de traduire devaut la poIice correctionelU* le^ autenrs de vol on de coup et blessures qui si toutes les circonstauces ilu fait etaient relev^es. seraient justiciables de la cour d'assises. Ce-'^t lt qu'nu appelle daiis la practice la correctionalisatiun. Cette pratique a jx'ur but d'abreger les Instructions, la proc^dure etaiit beaucoup plus ra- pide devant les tribunaux corn^ctionaux. dassurer la repression. le jury 6tant sujet ä des acces d'indulgeiice intempestive. lorsque la ])eine qui resulterait de son verdict et qu'il soup^onne saus la coniiaitre lui parait disproportionelle avec la gravite du fait (Revue d. deux Mondes. IS-^T. 1 avril p. 50(3). — Jn n)cld)cm SDuifrc Mce "iHTfahrcn Die ^a[)l r)cr inTbrcdwu pcnninUcrt, bat ncucrtin^e J)Dcrneö nacb^ciDiiMcn (La justice eii Fraut^e 1». IX}. — 3tud) in ;'\talicn rocift ^ic MIagcbcl)örbc infolge ilircs IKifetraucn© rtCv^cn bic oWH) üiclc aIüIc an bic Äorrcttionötribunafc, bamit Kr 'iHTbtccbi:r t»tfr Strafe nidjt cnti^cbo (l^arofalo, Criminologia S. 3G()). @tnige (Srgcbniffc tcr neueren Äriminalftatiftif. 521 lagen im attgemcincii iinb im cinjclncn bcfd^üftigt fo in örüffel, 100 2»ittcrmax)cr bcn iöorfife bcr betrcffcnbeii Seftion fttf)rtc, in ioiiDon, lüo SJrougl^am bcn 23orfi6 fiil)rte, ferner in ^ari«, äsJien, ;^ol^c\\X>ovü''^s(i^ini a n n , ^.'»an^bud) ^co (^jefäniiniviucicnö I 3. Tid bi** 7'»: Xic Äriminalftatiftif ül6 (frftfnntniöoucUc. - - Xcrfclbc: ^^ur Crv^animticn unö ^JJcthoftif ^cr .Uriminalftatiftif (3tatiftifd)c 'JJJonatefdirift isiHi). ") ,^ur (rinfülinin^ in ^ii• Mriniinalftatifti! (:J(lIi}cnu'ince ftaiift. '^(rd)ii\ IMK», I. .'öalbbanD). ^-) Gli «'niicidii in ulrnni stati d"Knr«»]ia (Unlletin d«» Tlnstitut Iiittrn. tonu* IVj. '■•; Snr ^or^^ani.sati^»n dti hi statistiqne priiale en Italic. Konie IM«) iu\t> Atti della Comniissiom- par la sraristira ijiudiziaria. 5*2 2 $rof. Dr. «. ;^■ÖI^C6. anjuftcUcn, fo bietet bie ftriminalftatiftif noä) immer reic^lid^c 3 le^riing ii\v Den Statiftüer, bcii ^»ftijpolitifer, beu So5tolo0en uub ^ii)d)oIo9eii. (Siuioe biefer Xief)ren wollen wir in folgeiiDcm jufammenfnifen. 3nbem iinr ba^er einige ßrgebniffe ber ncneren ilrimiitol- ftatiftif barsnftellen üerfnd)en, fei eö geftattet, folgenbe 33emerfuni3«?n üoranjnfcljirfen. 3:^ie ^i)Jaffen[)aftigteit Dcö ftatiftifd)en 3)laterialö einerfeitö, bie ^lotioenbigfeit ber äJerbreitung ber ftatiftiid)en r^Ie- fnltate anberjeitö laffen eö ipi'infc^enöiüert nnb gered^tfertigt er- fd;einen, bafe in ber SJerarbeitung beö ftatifti)d;cn 3)iaterialö eiiif geiüiffe 3trbeitöteilung )\ilaii greife, giir bie rein ftatiftifd)C i^^- arbeitnng biefeö 3)JateriaIö wirb eö natürlid) immer notroenDig ci^' fd)einen, Dafj bie betreffenben 3lrbeiten biefe« -Dlatcrial möglidEj^ H crfct)bpfeiib mitteilen. Jki ber fosiologifd^cn ä>ern)ertung bief^^ 3){aterialö aber glanben mir es alß nnnmgangtidj notroenbig t* ^' jeic^nen jn fönnen, ha^ von bem Urmateriale nur t>a^ roidjtigr''^'^ mitgeteilt roerbe. 'Jiamentlid) mag bieö bort gelten, mo von ftrci'«' ^ matl)ematifd)en äöerten olineljin !anm bie Siebe fein fann, fonbctr^ *^^ blofe üon ber ßntbccfnng, Üonftatiernng üon 2enben5en. ^ier g '^^S nügt eö, biefe Xenbenjen jn beseid^nen, bie ftatiftifd;e 3^^)' * ' üon befc^eibenerm äöert nnb fann ]iiQlii) bnrd) bie begrifflic (Srpofition crfc^t werben, ^d; \)ahe inid) ba^er in ber folgenbe- SJearbeitnng ber nenern Äriminalftatiftif anf bie Stnfgabe b* fd^ränft, geioiffe prägnante 3"9^ ber äJolföfeelc Ijerüorju^ebei ot)ne immer ben jeweiligen ftatiftifd^en 3lnöbrndt l)in3njnfügen. ^r Sarftellnng wirb Ijierbnrd) eine fliefeenbere, für Den gebilbete X'aien nnb ben i)iid)tftatiftifer Dcrbanlidjere, maö mir umfomet^ geftattet erfd)eint, al§ äljnlid^e Slrbeiten für ben Spejialftatiflifer i^rem 3^1)Ic>""*^tcriale leiDer nnr jn rafd^ üeratten. 3tndj foU e roä^nt werben, baji id) bei ber folgenben I'arfteUnng in Der :)lej bie ad;tjiger y^ai)vc vor 3lngen (jielt, ftetö aber banad) trad^tel Xnrc^ifc^nittc für längere ^citränme jn ©rnnbe jn legen. Scbi bie 2trt ber i^erarbeitnng beö 3)Jaterialö bnrd) bie amtliche Statif l;at ed nntl)nnlid; crfdt)einen laffen, \m6) an einen beftimmten 3'^L_>"> "*"' gang'*) Sn l;alten. Da id; bann leidjt leljrreidie (irgebniffe, wcl «^i:^** '*j 3cit Dem 5lbfct)luffc t»icfcv :?lrbcit ift Da unD Dort ein neuer äaüri^ *J » '.*? Der Hriminalftatiftif erjdjiencn; nad) ^hunlidifeit lüurDe ron felben (ikbraut^ •►"«*-' niac^t, X>oA) rer;id)te id) Doraiif, l»!!* \^cin:c QabUnmaUnai iinuuarteiten. (rinigc (Srgcbniffc J)cr neueren üriiuinalftatiftif. 5"23 in einem ober bem anberu ber äafjrgänge cingcljeiib bclciid^tet iDurben^ ju übergeben gejroungcu wäre, aycnii bcr iiefcr im alls gemeinen beu ©inbrud geroiiint, baß bic Äriminalftotiftif and) in i^rem heutigen ©tabium fd^on oiele l;öd)ft iiitereffante SJejie^iingen bed Sojiaüebenö aufbcdtt, fo bctrad^te id) meine 9lutgabe ald II. Sie Statiftif ber äJerbrcdjen. Gine 9iei^e intereffanter SKuffc^lfljfc geiüäljrt bem ÄrimiuaU ftatiftifer bie ©eftaltiing ber SBerbrcc^en uaä) 2lrt ber gefäf)rbetcu Öüter. 3)er G^arafter eiued 3^i^^'^^^^ geiüinnt eine prägnante 35arftellung in ber Siic^tung, n)eld)e bem friminellen ^ong eigen ift. Gin Spiegel ber ^tit unb ber SJJenfcfeen. i^tt>z^ ^dialUr unb jebe GJeieUfc^aft wie (SefeHfc^aftöorbnung })at i^re c^aral- ^^tiftifc^e IrimineHe ^^ifjpfignomie. Gine ber banfbarften Slufgabcn ^er Statiftif ift ed, jn biefer G^arafteriftif ber CSefellfd^aft 2)atcn 5^1 liefern, wenn es andj aufeer S^^^if'^' i|% ^^fe fi^ ^"* tli^'^ Stoßen Se^roierigfeiten begegnet unb i^re 3lufgabe nidbt mit P^öantifd^er GJenauigleit ju löfen imftanbe ift. Cb eine ^anblung ein i?erbred)en ift ober nid)t, ift jam 9f o^en 2^ei(e roieber nur ber 2Iuöbrud beö jeweiligen 3^itgeifteö. '^erurteilten famen (1888): auf 3{eate gegen Staat, öffentl. Crbnung unb Sieligion 17/5?'/ = bie ^:^?erfon 38,* -' '''.' = = = baö 3>ermögen 4V' -' i^on 100 abgeurteilten .panblungen (1888): gegen Staat, öffentl. CrDnung unb Steligion \\\,\m% gegen bie '^jerfon 33,34 - gegen baö i>ennögen 51,<5r. -- >■■) Xarmucr rUcaic ijcgcn ^ic 3ittlu1i!cit 1,;") •« , ^cki^il)»nö 12,:^ ••/ ^'^"^^ (rintjc (rr^cbniffc Der neueren Üriminalftatiftif. r)25 !?ad 9<>faI;rDetftc Wut ift öemuad) baö i^crmöaen, auf bie ewU cbcnbeu .'ijaublungeu eutfällt ctiuaö mel;r a(§ bic .öälfte. 3" ter :){cil)e ftc^eu bie i?crbreci^cu \[\\\> iNer9el)en gegen üeben ©efuuDlKit Der ^^^erfou, etnm 1')^.. 9luffalle»b groß ift bie t Der SUteutate gegen U\\ 3taat unb bie öffentlid)c Drbnung, Die nou iMömarcf einmal üorgebrad)tc >Uagc t)ou ber iiäd)ung ber öffentlicl;en :!lutorität j^u bcftätigen iijQint. ^n t geringer ;-{abl toniinen bie iserbred^en unb i>ergel)en gegen Gbre lun*. (Sin rüergleid) mit anbern Staaten ift l)ier nid)t möglidi, wegen ber äNerfd)iebenf)eit ber illaffifitation. 3lm :cn bietet nod) Die ungari|d)e .Uriminalftatiftit eine i^afiö 5ur i3leid)ung, iine fid) ja baö ungarifd^c 3trafgefe^ an baö bentfc^c ^nt. Tic Xioergen.^en in ber ^"^ntenfität ber ücrbrec^erifdjeii Ölungen iü d)aratterifti|d). ^w Ungarn entfällt üon ben ge= ten i;orbrod)on uud ÜHngel^en nur ein I^rittel auf bie Syer= [OUGDolifte, Dagegen gleid)faUo ein drittel auf bie Eingriffe gegen X'eben unD .sUirperocrleiumg; Deögleidien ift bie ^-^aljl Der 4^*= igungen lucit grööer alo in 2'eutfd)lanD, etiua :>u %. i^n roeit iigerm (^Jrabe fommen binmieber vor i^erbred^en, äJergefjen Ml Den Staat uuD Die öffontlidje Drbnung, faum 2 %, gegen :Weligion uud gegen bie 3ittlid)feit. :!lin biiufigften begegnen nur, mie crfid)tlid}, \^z\\ i^erbred)en 11 Das iHTmögen. ^\\\ Der Siibüre Deö n)irtfd)afttic^en iiebenö eben Dal}er bie bäufigften Monflitte. ll'xt C?rbaltnng beö Seinö Die 'i^efriebigung Der iikDürfniffe ift ^\^t\\ ber allgemeinfte Der be: alle aiiDern fiuD a\\ Filter, Wefd^ledU, Staub, iMAäftigung gebuuDen. 3^ie grofu^ ;{abl Der isermögenöDelitte Ijiingt ^Kno and) mit Dem Umuanbe .^ufammen, Dan mit Den rieilcn (>Mitern fai't alle aiiDern eriuerblid) fiuD. ( )iiiiiia vc- 11. Tarf eo un« unter fold)en UinftänDen lüunbern, Dan uiele Der :'luf[)ebung Deö '|>riüati)ermi)gen'5 eine .s^ebung De*J fitt: u Jiiueauo ermartenV Tod) Darf Dabei nid)t uergeffen werDen, nidit nur Der 'JJiangel Die Urfad}e ber 'iiermögenöDelifte ift, crn Die ^ik\^4)rlid)feit, bao iHU-langen nad) mel)r. Unter ben ii;e:j ^iHn-miigonoDelitten iü am haufiiirtcn Der T^iebftabl, Der *ug. Die ^iUM'duiDigung freniDen liigentumo uuD Die .v)el)lerei. Aabre l-S^T lamon in ToutfdilanD auf KMmm» ftrafbare .\>anD len \\VM\ uH^gon rubfialUo iinD Untortdileifo, uiiD auf Hhmmm) uiüuDiae Ciiimis^bner 17.') ^inTbredien uuD inTaeben De^ Tieb^ 52ß ^rof. Dr. 5^. 5ÖI&CS. tM}Iö uub Untcrfd)Ieifeö. 3d)on Cuetolct bemcvft, bafe bi bredjcu beö Tiebftalilö ^ell iDJcnfcf)cu fein ciamoö ^^^bcii l begleitet, ^n Der ,^ugeiib jumeift begünftigt öurcl) t>a^ -in^) tritt baö i>erge(jcn Dcö ^äuölicben Ticbftat)(ö auf, uield)ei bas 3>erl;ältiii6 ber 3)ienftboten im .yaufe u)efent(id) S'ies bcftätigt ber Umftanb, bafe in 3^eHtfd)(an^ baö ber jugenDlid)en i>ernrtei(ten bei bem iserbredien Deö 3)i am ftärtften ift. So famen (1887) von je 100 isernrteiltci 18 3ot)ren 19,4 ^^ti auf Tiebfta()I unb Unterfdjieif. Üb trägt .^ur großen .päufigteit ber Tiebftäble Die Welegenboir, ringe iNorbcreitung, Die beffen Sluöübung erforbert, bei; fei nad}fid)tigere Seljanblung beöfelben ufw. ii>eit feltcner i» baö ißerbred)en beö Sctrugeö (1.S87: 78(; auf 10 0(>0 fi .^anblungen); eö erfordert grönern 3d)arffinn, grönore Sii nod) fettener ift ^)iaub (famt CS*rpreffung 1SS7: iM/. auf ftrafbare .C^anb(ungen\ ber eine lueit intenfioerc 'i^er^erbth CSntfd)loffenf)cit üorauöfe^t; ikanöftiftung unb :iH*fd)iiDiguug i (Sigentumö fommen niel feltener uor, ein 'i^eineiö, dan bie jatjl ber JPermögenöbelitte auf bem £tad)el beo Cfgoion rufjcn. llbrigcuö ^eigt fid) in ber iU^rteilung ber ^Nermöacr grofse iNerfd)ieöenl;eit; fo fiuD j. ii in Cftcrreid) bie ^in'i beö "iktrugö unb J^iebftablö, in Ungarn Die bes rliauboö [y iilad) ben i>ergleid)en, uield)e ba§ italienifAe ftatiftifdio aufftedtc, famen auf lOOOoo (finmobner Tiobfidble: in '. lauD 2'20—2m, in irnglauD ir.O 170, in Arantrcid) 1H in 3^i^li<^'i loO-lijO, Ungarn 77, Spanien :)0--(;() ufiu. •'• ben neuem Taten iU^bioö fommen auf looooi) iriniuofi .Italien 78,i7 Tiebftäble, in Aranfreid) IM,?», in Teutfdllau^ in (rnglanb i:K)/»7. C5in intereffanteö ü)ioment in ber Statifiit Der ^i\Ti öelitte bilDet bie Sdiilöerung ber :U\Uur \i\\D .oolie Deö 3i UnfrevJ 2i>iffenö geljt hierauf nur bie italionifdie Statin 3>anad) finö bie 'Jtngriffe auf baö ^inu-mögen ^unddiü goge gerid)tet, in .^lueiter rXeibe gegen .sUeiöungoftücfe unD :^uil mittel, Mwn gegen ^inoelen, (^)olD uuD Silber unv. Ter ^ betragt im Turd)fd)nitt lOu— -.Vio vire; unter lo ^^'ire i '") Aiiiiali «li Stmistio.i. !Iit;u. ^iiidiziariii [• »»'J. Cfinic^c Crrgc6niffc bcr neueren Änminarftatiftü. 5*27 leltcuen fallen. 3hid) ein anbre§ iWomcitt ber iNermötjenöüeu^ brechen fiiibet nur in bcr italiciüfdbcu Statiftif Se(eud6tung, Das "Sfornent öcö mit 2otfd)la9 gcparteu :)iaubcö. 3)anacf) ift baö i^orbrcd)eii Dcö 3taubeö im J^urd)|d)nitt in 25 % aßcr gälle mit ?ot)d)lag iicrbunbeu, 2b ^ bcr Jycille jcigen beu 3>er|ud) bcö 2oU idUageö. UntcrfiKfecn roir nun beö geiiaueni bie S?crbrec^eu gegen bie t^^rjon. Xiefe J?erbred}en seigcn in i^rer 3){otiüation eine nicl i^röncre üJtannigfaltigfcit q(ö bie i?erbred)en gegen baä ÜBermögen. l-e6tere finD mit 3tußnal)me eines geiDiffen ^^Jrosenteö anf Gigennn^ iuriicfäiifnf)ren, ipä^renb bie gegen bie "ilierfon geridjteten 'i5er= bredien eine Wx\)t ber t)erfd)iebenftcn Urfad)en erfennen laffen: irigemuiO, ^Jladje, l'eiöenfdbaft, ^m]t, CSitelfeit, Sdjam nfiu. li?emivtenö gilt öieö von bem Dorbebad)ten l^Jorb unb bcr abficfit^- licbeii förpcrlidjcn 3?crle5nng. Übrigenö jeigt bie Örnppe bcr ijegen Me ^V^^)^^^ gcrid)tetcn )!l?erbrcd)cn große i^er)d)iebenl;citcn. to l)öd)Hen fteigt öic 3^1)1 biefcr ä?crbrcd)cn in 3^^Iic"/'') uio 'ie fid) jäf)rlid) auf -iOoG— 30(H) belauft! '')lad) ben Dcrgleid)cnbcn -ateii Dcö italienifd}en i^ureauö entfielen auf 100 000 (rinroo^ner i^cg^n MQ iieben be§ a)icnfd)cn gcricbtete a5erbrcd)en in ;^talicn 8 '^is 11, in Spanien s, iu Ungarn (;, in Cftcrreid) 2,r. in Jvrant- ^^ii\ 1,:., in Tcutfc^lanb \,\, in Crnglanö 0,.-,— o,r. %. mir Die letzen ,^al)re teilt ÖoDio in feiner jüngften £d)rift''') ^olgenöc Taten mit: ;,Vfilien auf 100 000 tinmofiner 8,05, Spanien '^-1, Cftcrreid) '2,i5, /frantrcid; 1,hj, rcutfd)lanb 0,.s<), G'ugtanb '^l"^v.'■') 'Jiad) äioöcü gcftaltct fid) Die 3^')' ber ä>crbred)cn Jl^rt^n Daö ^s^ebcn \im folgt: OJiorD, Totfd)lag unö 3iaubmorö ent- ^^Ucn auf 100000 (riniuobncr in .Valien 11/is, Cftcrreid) -i/.».-, 'V^antreid) 1,^7, Irnglanb 0,7«; :'^ ; fliovD in Oltalien 7,\ii, Ungarn •*'^% Cftcrreid) l,.vi, Jranfrcid) l,«!j, Tcutfd)lanb 1,:;.-. <^/.. ,^1 Jcutfd)lanb ift im allgemeinen bcr lUnteil Der iHn-brcAen ^^^Qeu Die 'liSerfon gering. Tagegen fiuDcn mir Dafelbft in biefcr '') >:icrbci ift nodi ror ^JluvU'n ;u luUton, ^ll^1 in ^^^^Iicn eine uiclit jicriiuK .»UU t-ici\'r *iicrbtv'vi)cn aii5 Homiiöcn> inicntöoclt Mvili. ivovau! «nid) (>3avofiiIö ^ *"i»i.iii..l,,^ia Z. :J1».'») »uinucrffiui madit. '') I/iiriraiiiri<|ii' tnuM- IV). 5M *rof. Dr. 93. aöIöcö. Wriippe eine jrofec 9(näaf)l von Üi^xbxcdjm ^cgen baö Äiui Jlinbeömorb, 9luöfe§inu3 inib grud^tabtrcibiiiu^ 3liid) in C foinincn bie SWerbred^en gec^en baö Äinbeöalter Iiäiifig vor 9)torbe. Uni^arn I)iniuiebcr jeiiit eine grofie ^al)l uon 2:ot' lüaö iüo{)l mit bem feurit^ern Gbarafter öer 33eüöl!ennui ^uj IjäiuU. (Sine intereffante J^eobad)tumi l)at neuerbini^ö "ijin bejüglid; ber (Gruppe ber i^e^en ha^ Äinbeöalter iu'rid)tct bred)cn i^cnmcbt. C?r fanb namlidfe, bafe baö 4^erbred)cn dcö morbes jnmeift oon Ü)Jäbd)en ber länDlid&en äküölfevuiu) b wirb nnb bafe baö porwiegenbe 3)iotii) bei biefem Ä>crln*o Jyiird)t Dor Sd)anbe ift. iki ben bemoralifierten ü)iärjc ftäblifd)en äJeüölteruni^ fommt biefeö ä>crbrecf)en feltener lu" iV\^en ift eö bie 3*rud)tabtreibuniv ber wir ^ier biiufiiier b Siefe 3kobad)tinu^ luirb and) Don iialentini'-') unö St bcftätigt. äkfanntlid) baben in nenerer ^tit nielircre Sdn (I^eöpine, Slononü, g^^^i/ SOlorfeUi) einen 3")^^"^^ jiuifdjen ber (iJeftaltnng ber J^elitte c[cc\cn Daö X.'cbtMi n Selbftmorb beobad)ten wollen. 3LUr feben ganj Mvon i in ber jeitlicben SJeroegnng beiber Grfdjeinnngen niand^e gen.u'n erfid)tlid) finb, nnb wollen mit 33ejng anf bie e 2^l)eorie nnr bemerfen, bafi l;ier ron einem innern 3»^"" natürlich feine Siebe fein fann. Ta\^ in nenerer ^dt D ber Selbftmorbe fteigt, wäljrenb öie ^ahi ber 'i>erbrecben g 'j^erfon abnimmt, wirb woljl niemauD bainit erflüron, Stelle beö einen baö anbre getreten ift. -Dfotiue nnö Snb Telifte finb ja ganj anbre alö bie Deö Selbinnoröeö. beibe nnr üerfdjieöene ^rfc^einnngen ber gefamten .Unltnrbc S^ie moberne Änltnr webrt non blntigen -iJerbredien ab, wieber biefetbe Snltnr I}änfig .Honflitte l)eranfbe|d)w5vt, bem SelbftmorD il;ren tragifcben xHbfcbUife finöen. 3^ie Äultnr ()at ben ,^^a\\c\ jnm Selbftmorb befanntlid) anfun'o gefteigert, wäl;renb bie bamit uerbunöene ^Jtfiilt^ernng Der i^om 9)Jorb abwebrt, ber wieber tiofoni Mnltnrnnfen ei - ) Lt'S iijtaiiti(.i«U's soni principabinfiit ('«•miiiis «li\ii> K-s e;' (7.'. % ) ft \i< avcrtoiiimts daiis hs \\\h-^ iiii) •-. ). t La jucrbrcd)en unb iNergef)en ber förverlidjen Öefd)ä= i)iginuv Gö finb bieö jumeift iJclitte, wd(bt in 9Jlomentcu leiDen= idiaftlidier 9(ufregung begangen loerben. '^i)x pfi)d)ologiid)e§ i^k- tt.ncl)t ift fdiroer i%u beftinnnen, nad)Deni t)ier ein Unterfd)ieb gcmadit aieröeu muß äiüifd)en leidster unb fd)inerer törperlid)er i^efd)ä- ^iolung. 3^ie Statiftif bcr leicbten törperlidjen 23efd)äDigung ift ict»cufaU§ weit unvoUftänbiger aU bic ber fcbiueren, weil jene ^ueit feltener üor ben r)licbter gebrad;t lueröen; in ber \Zl)at ietjen wir, bafi im allgemeinen Die 3^IH ber fdjiueren törperlidien öofcl)äDigung bei weitem überiuiegt. iy^rner ift Daran ju erinnern, ^erbred)eu uon Ginfluß fiuD, foll Ijier nod) Die 9«^^inge iUlbung, Die leid)tc Grregbarfeit, Die Streite unD ^{aufluft iWannt roerben unb — Inst. in>t Usist — Der lUlfoI)oIi§muö, roa§ mä) in bem ^|>ara[Ieliömu^ Diefeö iNerbred;enö mit Den Gl)rcn- ^^tloiMjTumgcn jum 3(u§Drucf tommt, worauf aud) 3tarcfc binge^ •öiefcii !;at. :)Jad) 'iUiDio beträgt Die ^([l)[ ber loegen Xörperoev- l'^tinu^ iierurteilten auf in(iO(M) Ginauiliuer in .Wien *J*2<)/m, Aranfreid) 71,«5j, TeutfdilauD ir»l,7o, Cfterreid) 'JiS'),!;». iuin außerorDentlid)er ik*Deutung für bie 'ikurteilung Der '^^nid)ou Honftitution eiue*3 i^olfcö fi)iD Die gegen Die 3ittlidiFeit "^^ 'trcHgen 3inne auGgeübteu 'iNerbrcd)en. :ii5ir föniicn im allge^ '"^'iiHMi anneljuien, Dan Deren ^^al)l in "JJiitteleuropa auf ctma ein '^^^*^\UMit Der geiamten 'iHTbred)en unD ^iicrgeben uuD auf dwa ^\vd 'l'rouMit Der ^i^erbred)cn fid) beläuft. liiugebeuDere Tetailö über Diej.; ^^^er brechen bietet Die Dcutfd)0 3tatiinf. 3lm l;äufigfteu ift Diu 53U X^xol Dr. U AÖlDc^. ä5erbred)en ber Unjud}! mit Öenuilt, an ^l^eiüiiBtlofeii iifiu., ai ÄiuDcrn, :}iot5udf)t (17()— 178 bcö Strafgefetjbucbeö) G7y8, etil? 5ü % bcr i^eiauitcii i>crbred)eu nub ä>crfle^en gegen Die SittlidL feit; Äuppelei trieben 2087 (1887) etiua 17 % Der i'erbrcdi^ bicfer Älaffe; in einzelnen Rubren erbob ]iä) beren Moefnuent cl\ .*^0 %. '^w groj^er ^al)l luieberljolen fid) Die ^\i\ic iion i^lrgerix bnrd) unjüditige .V)anblungen uiib ^Verbreitung nnjüc^tiger 3i)riftc : Si?ibernatürlid)e lln5nd)t beträgt etwa r> % Der 3ittlicbfeitöom:?' bredjen, ebenfouiel Daö iNerbred)en Der S)[utfd)rtnDe, Tovpclebe ii i tbcbnid) betrugen 2 % biefer Öruppe ufiü. Jie S^ihi Derfelt^ « ift in Qnfebnlid)em Steigen begriffen. 'JJid)t cinbered)net in fcriT bie 3ö()l j<^"^r 5'älle, in iüeld;en unbefdboltenc d^üDdien un r IG 3ö()ren ücrfübrt werben unb nod) anfebnlid)er bie lln5ud)tGfi'i l unter 3)li6braud) eineö iNertrauenöüerbältniffeö. ^'üx Axanlxci tonftatiert ^ol^^ f^it (i'infül;rung be§ SdiciDungögefetieö/ Duh ^^ 3al)l ber 6l)ebrüd)C bebeuteuD geftiegen, lueil inele Die Dieö frübei üerfd^roiegen, je^t. Da eine Sd)eiDung möglid) ift, lUn.^eige erftatten. -; '^M italienifdje ftatiflifdie i^urean l)at feinen i^erfud) einer t)erglcid)enben Äriniinalftatiftif and) auf bie SittlidjIeit^uerbreAen auögebebnt. J^od; geraDe mit 'ik.^ug auf Diefe !i§erbred)en muf) be: tont werDen, t>a\i beim Ijeutigen 3tanDe beö 3trafred)tä, unD in- folgebcffen ax\6) Der itriminalftatiftit, eine isergleid)ung bbdiftone mit :ikjug auf einjclnc genau umfdjriebene Äserbredien möglid) untre. 3iUe liefee fid^ and) Daö ^{cfultat acceptieren, wonad» dqg [ittlid)e iserbalten ber äkuölterung fid) in !?eutfd)lanD am uu- flünftigften, in Spanien am günftigften geftaltete. 2ßir wollen unö nod) einen iKoment bei ben iöiotiiien Der 3>erbred)en auf()altcn. (?ö bebarf feines i^eweifeö, Daft eö für Die ©trafred^töpolitit ebcnfo, wie für bie Sosiologie von auf^erorDeni li(f)cm :li>ert fein müfete, wenn wir genauen 9tuffd)lnn ge winncn tonnten, welche 3)Jotioe im allgemeinen unD fpejiell be* cinjelnen ä?erbred)en if)re Ü)ladjt ausüben, (rs wären Dieö Dii wi^tigften Traten für eine '|?fi)c^ologie Deo iNerbred;erö, Deö «u.>ni*. di»lin(juentt^^. Gö läfet fid) nid)t bebaupten, Dafe eine Statiüil ber 'JJtotioe gerabeju 5U ben Unmbglid)feiten geborte. .Voenfall-: Ijat Dicfelbe aber ibre großen Sd)wierigteiten. ÜHir allem fann nd biefc Statiftit nur auf Die beabfid)ligten i-erletumgen Der :>icdjiö '■^) La FriiiK«' criiuinelle. p. UK (riniöc (rröi'&niffc tocr neueren .Htinünalftatiftif. 581 orDiiimg bcjie^en, ind)t auf t)iejeni(\cn, bie aiiö lluüorfirfitigfeit ober, b«n 2?illeu aiiöfdjlicfjcnöcn Aaftorcn, bcfftMi Mraft minberiiben geiftigcn 3«Utäiibcn, cntfpriugcii. ^ii uictcn J-äUeii luivb and) ein 3»)^"i"^^»= freffeii r)crfd)icöencr yjJotiuc 511 fonftaticroii fein, ^w eine befonbere -Hategorie flc^bren enblid) bie (>ien)ol)nt)eitö; iinb lU'iüorböinäBigtMi i^erbred)cr. Üi^aö mm bie übrigen Jvälle betrifft, fo gibt eö na- tiirlii) ]old)c, lüo über baö 3DJotiü fein 3^"^iKl f)errfd)cii fann, inDem bas i^crbred)cn fd)Oii bao ^JDJotiu j^uiii Äuöbrud bringt: eö rinb Dieö jene iNcrbred)en, itiefd)C in geiüiffc ^"^ntereffenipbären ge= f)örcii, in bie :5"tere))en|p()ärc ber iuirt)d)Qftlidicn, Der geiftigen, ber moratifdjen unb ber religiöfen (i)üter, obmobl and) Ijier M^ 'DJotio mit üoUer 3ieftimmtt)eit nid)t angegeben lüerDen fann, M basfelbe fträf(id)e Segebren anf üerfdjiebene äi^eife bcfriebigt uierben laun, nad) iH'rfd)ieDent)eit ber Umftänöe, ber ;^age nnb ^nbiuiDna- lität Deö S>erbred)er6 nfn). Ü([fo nnr jene i}erbred)en, roeldie nid)t flogen eine beftimnitc ,");ntere)fenfpt)äre, fonbern gegen baS Wanje entroober beö ^'^nbiüibnnniö ober ber ?Hed)tö'. unb Staatöorbnnng flm(^tet finb, bebürfen einer näl)ern :i^elend)tnng bnrd) eine 3ta= ti'iif ber i^crbredjenömotiüe. Sin inerindjen ju einer foldben Sta= tiüif feblt eo nid;t giinslid). 2o finden loir bei .ijain einige in= tcrei)Q!ite iHnfdnge. tr fnf)rt im T^nrd))d)nitt uier fünftel ber ^H'rbrcd)en auf (^en)innfnd)t Mixüd, etwa Kl ^^, auf bie auö bef- all \,'eiben)d)aften entfprnngenen i^erbred)en, beren i^erf^ältniö^aljl ^'* aber in niand)en Xfanbeöteilen, v i^ T^almatien, bebentcnb er= *^0t. iHud) iialentini-*) fonimt ju bem :)iefultate, bafj etiva ^•* ?'o ber iNerbred)en auf (?igennni^, 15 ^^ auf Veibenfd)aften .^u= ^'^^cUifiiljren finb. l'ombrofo-') bat t>cn 3")ctmmcnbaug jiinfd)en ^Mct)ied)t6trieb unb äJerbredjen j^uni (>Jegenftünbe einer fpejiellen **"^eTfud)ung gemadjt. :9iad) ;J)üernrö-'') geftaltet fic^ bei ^JÜJorb ^'"*^ Jotftblag M^ iH'rl)äItniö ber Urfadien folgenDennafjen: (Sigennutj 14",, i?ü " „ eiKbrudj -J •' „ :> "/. Aamilien.vüift . . . . iM "/,, '2-2" diadH u\\\> .Öafe . . . -jo "o *22 " ,. 3nrnrfgemie)ene t'iebe . -J " ,. 4'.' -*} Xiiö 'iierbredKvtuin ic. •_»:!). -'■) OJoIDiimmcro "iHnbiu t. 3tiafic.M, II 3. 740. -'*') La jU'itid* in Kranu' 3. XVII. 1 1 I > 532 ¥>^«>'. Dr. iB. 50IDC«. 3(uöfd)wcifuiig . . . 7% 10",., Sd)lä9crd 22% \ .^m Sonftigc 12 '^0 I - '' 9jQcf)C unb .yaf?, 5*Q""'*^"J^^ift ^^^^^ ßeniinnfudit fi^^ (löufigflcn i>erfül)rer .su '3)Jorb unb 2'infd)lag. i)luö beii Ufdjen Satcii ergibt fid) aiid) baö interejTante :Hcfultat, ^ntenfitttt ber einjcinen 9)JotiüC fid) in i>er)d)iebencn iierio änbcrt. 3" ^^» legten fünfjig Satiren foinmt (^K'iiünniii Jyamilieujroift nicl häufiger alö 'JDJotin uor, imilirenb Dagcg« :)tad)e, x^af^ fcltener fid) gclteub niad)en. Xod) ift Mcj ^i auf projcffualifd)C 'ßcränöcruiigeu junicfAufiibron, iiiDoi; anbcrm feit bem ^ahxc 1871 bei törpcrlid)eu '^oidiäDiann \>en 2'ob suv ?yoIge haben, baö ^iDiotiu nid)t niel)v nuuu' lüirb, infolgcbeffen Dnö -l^erjentuate ber 3treitigfeiten iibger and) M^ ^^>er5entuale ber Weiuinnfud)! ift geftiegen, iiuül f bad ^Miotiü nur bei jenen i^erbredien nerjeidinet unrD, Die teitung jur Jvolge baben unö gerabe Die auen Deren aufäeid)net, tonnnen etiiui jinci Strittet auf :)iadn\ .\Saf;, ^'eir lid)feit, 5—10 ^'/^ auf (S'igennut;, ebenfoinel auf viebe, 2 :)Jonrel)r, etiüaö niebr auf inTteiDigung be§ Crigentuntcv ;>' Xruntenbeit unD 3luGfd;u)eifung ufiü. (Sinen crnften A^inweiö auf Die testen 'JDJotine beo i>er entljält Xarbe'ö-') ä^nnertung über Den gefäbriidien tinfluf; bie iserbreitung Der Vügenljaftigfeit auöübt. Die namentlicli .^ialc unb öffentlid)e l'eben immer mehr ;u beberrfd^en uui giften Droljt. J-reilid) Uifjt fid) Dieö ftatiftifd) nidit erfan\ Dan bie öemobnbeit. Die 2i?abrbeit meg^iueöfamotievcn, n)iil)renb unter Der iKaöfe Der vüge feinen ll^iitmenfdien gegnen, aud) Die ^lieiguiuj futrft, auDre (>)üter meiunfifdie nid)t be5iüeifelt uierben. Crine allgemeine 5Uaififitation Der "fliotiiie Dürfte ui k beiläufigen :)iefultat fübren: ^Tie :Viebr^abl Der i^nbredioi (>}euünufud)t, ein groner Jeil auf ^'eiDenfdiafilid)teit ^urüd^i -■i (.'riiiiiiüilit''* «•'•iiiiJirt'M' 3. 11*<5. (Sinigc (frijcOniffc l>cr neueren iCrnninalftatiftif. 533 «icn folgt ÜJügad^timg gegen bie öffentüd^eii Sliitoritäten, W\\]- itiiug liegen feine 3)!itbürger. Xie eblcrn a)Jotiüe, it»ie S($nnu ,eiiU)l, ^>:iebe, politifd)er, rctigiöfer 'Janatiömnö fommen nur in lanj geringer .3^f)l ^o^- Wc()en wir enblidj auf bie ^üioniente über, weldje mit ber !Iu5iül)rnng ber 3>erbred)en }ufannnenf)ängen, fo muffen mir mieber )CDaiieriii) bemerten, baft biefer I^eit ber Äriminalftatiftif ganj ^rad) liegt, ^n beritalienifd;en unb beutfd)en©tatiftitfmben mir einige Taten. Sic belel)rt nnö, baf3 bie übermiegenbc ■iöJel)rjal;l ber i^^r^ 'redien burd) ein 3"i>i^ibuum ausgeübt mirb; etma ein Jyünftel »er i^erbred^en jeigt bie 2:eilnat)me uon smei unb meljr 3?cr- •redieni. Tod) jeigt fid} l)ier eine nid)t geringe iJerfdiicbenbeit nad) en einzelnen ^Jlrten bor i^erbred)en. iHm Ijiiufigften finben mir ie Jeilna^me mef)rerer a?erbred)er bei bcn isermögenöbeliften. iad) ber bcutfdjen Statiftif ergibt fid), baö bie ^cil)l ber ä?erbred)en nb ä>crgel)en, an meldjcn mcljrere beteiligt maron, 7,7 pj beträgt, iad) Den einjetncn i>erbred)en geigen fid) and) bier grof^e Unter= :^iebe. ;Hni grcifuen ifi bie i>erl)ältniö^al)l -- von ^\mtam\)\, iJnievlid)er i^erlet3ung abgefetjen, mo eö in ber 'JJatur Der Bache 09t — bei "JJiünjücrbrcdien, bei 'liaub unb CS'rpreffung, ftrafbareni ■igemui^; am geringften bei 3lmtoüerbred;en unD --isergcben, J)ieb= ^i)l, 'i^etrug, 'Deleibigung, 'ycrbred)en gegen bie perfönlid)e ?]frei- ^it ufm. Jll. Tic geogrrtpl)ifd)e i>erteilung ber iU»rbred)en. i)Uö -Onnibolbt jum crfteniual bie Arage aufmarf, meld)e Wc- ^e lüobl bie i^erteihing ber '^^flan5en auf ber (5"rDoberfläd)e regeln, V I)iermit nidjt nur bie 'i^afio 5n einer neuen 2i>iffenfd)aft gc- t, fonbern aud) bie i^otanit mit einem frud)tbringenben Wc- ^fen bereidöert. T'an aud) auf Die (^ieftaltung beo menfd)lid)en •H^iio bie geograpl)ifd)en 'JJiomente einen bebeuteuben li'iuftuü •^01, mcr moUte Das nad) :)titter, >).nM*diel unb anbern ^nirf dient r Diefem intereffanten (^Jebieie nod) leugnen!? Tavum biirfen -' fübn bel)anpten, baf? bie llnterfud)ung Der geograpl^ifdien 'inn-^ •iiiu) Der 'i5erbred)en uuämeifelbaft \n einem liefern Ci'iublicf in ^ i^ebeiinniöüolle (^)efüge Der rlHnbved)erfee[e fiiljven muf;. ^JiH'un ^lulie moDerne MuUurliiftoriter Daö iNerbred)en einfad) alö 'i'"'bufte betraditen, mie etuui 3dnoefe[fäure oDer (ii)anfati, fo ^1 mit gemifj uiel gibfu^vm :)iecl)te bebauptet merDen, baf? Dao U?,-2 *"!. Dr. B gölbc«. •HiDvP. 2ctirtii,i,i. 3(ii6)"ii)Uidfima . . . 7 "■„ 10"/,, 3ct)Iiitimi -Ji "/□ \ j., „ Souflige l'J " „ f ' " Siadjt iiiib ^0^, ^aniilieiijiuirt riib C>ieunii[tfiiiiit ftiiD aliu si; I)öiifigi"ieii iterftil)rer jii a)forb iiiib 2'cil(d)la(i. :Jliiä bcii irmiM' fifdjeii 3^nteii ergibt fid) oiiii) öa3 iutereifnnte :)fi'(ii[tat, tiaii Pif ^Htcitfitiit bft ciiijedteii 9JJotiuc fic& in uericfiiebeiitfii 'i-eriaPfn rn; nnbcrl. ^u bm leßleii t*''"fii9 Olf'l)r(ii lommt (»ii'iuiiiufiidit iniD Jnmiiiciijioift mcl häufiger al6 'äJiotiu uor, roüljreiib bngcgoii i'id'f, :)tfld)e, .'ÖOR feltener Tidt getlenti madjcii- Sod) ifl öics jimi M aiif proief)iinIifd)e 'ßcriiiiöcrimgFii suriirfjuffifireii, iiiDfiii mUT aitbetm feit bem Ol''')" 1871 bn türvnlidjen '-Bfidiäoiiimigffl, t\t bell iToö jiir f^oiflc haben, bas HJoiio iiidjt mcljr fliitiK'noi'iii'i'" lüirb, iiifolgebcifeii Mä -ipetjcmiiale Der 3tre!ligtfiten n[igi.'iipiiiiiii;ii; lUid) bass ^lierjentiialc ber (^icreiimfndit ift gcfticgvii, un'il iVit l^N bnö :DiOtiu mir bei jenen iievliredien nerjeirfjiict itiirn, nie 'FmiC: teiUiitg jnr Jyotne fjottcit uiib gcraöe bie aiiö Öeuntuifiirin («l- ipringcnbeii ■J.icrt'redjeii um Iiiiiifigrten tiicju führen, midiBfiit tit i^uri) i)ier Oie gftiiigfle iJindifidjt luntien läßt. üJiad] ber itiilieittid-w 3tntifttf, mclcf)C audj nur bei einscliien iVidredjen bereu l'luiiM üiifäcid)iiel, toiitiiu'ii etimi ä«'ei drittel auf iHqAo, .'öofi, Veibeniäm''- liditcit, 5 — 10 .*>, niif @igi'iiiiu]j, ebenfoBiei auf i.'icbe, -J \ ou' ■JfoiiDeltr, etiurtö lueljr auf l'erteibigung be« Gigeiitiimö, ;»',; K niii £rnntenl}e)t unb 9Iuäfd)itieittiiir| ufir. leinen cvufteii ,\|iinniciä auf bie legten üJiotioe bes Hi'rhndKu» enlljält 2'atbe'a^') älcmertung iiber beii gcfiüjrlidjcii Ginfluf;, [wl*"' bie Hcrlireituiig bcr irfigen^afltgEeit auöiibt, Oie iiameiUlidi in« i* .Üflie iinb pffeutlidie ücbcu immer meljt ;u beljerrfctien nnBjiiW (liftcn Oro^t. 5"''^i[id) Idfet fid) bifä ftaliflifdj liiert crfaffen, ab« Mii bie (>(eiiiii[)ul)eit, bie '■h.'a!)rlicit megjueSfaiitDtiereii, ja luiilireiib itiiicr bcr "JJJaöfe ber liiige fciueu Sflitmeiif^cn gegneu, audi bie ''idgiing ftiirft, anoic ®iittt nidit be.^iueifelt luerben. li'itte aUgenieiiiitenfdiait ge- '. jonöeru midi bie iiolantt iiiii einem fvnd)t(^ringell^en We; ■fen bereichert. Tat; andj niif bte (^iei'taltnng beä iiien)dilid)en «n» bie geograpljifi^en ^JJiuincnte einen beDenlentien trinffitB wi, loet loottte ba« nad) 3tittf r, i^efdieE unb anbetn ^orfdiern intercfianleu («ietucu- irnJ) l.'iigtieii? T^nrnni Diivrni cer geoiirnpliifdieii 'i^t■^ :iiu'in liei'erii ü'iiiblid in 'Ji'eiiii 534 ^Uof. Dr. 33. gölbcö. ä>erbrcd}en ein ^^>robuft aiid) ürtlid)er ?fa!toreu ift unb in bem^ fclbcn fidj Der 6l)arafter ber Crtlid)teit cbeiifo abfpici^elt, wie in ber gauna unb %loxa. „Si les (It'partcim'iits difleraieut entiv oux par les produits du sol, ils ifottVent i>as plus dt» ressein- l»laiice (Ml rü^ard a la nature et surtout au nombn* d*^s (Ti- mes et delits qui s y conundtent.'*-^) Tic äHTtciluiu^ ^e^ ä?erbrcd)cn und) ber Crtlidjfeit ift ber erfte )L'ic^tftral;l, mWx baä uer)d)luiu^ene Öefiuic ber Mrimiimlität bcleud}tet, in^cm c« neben ben natürlid)en aud) bic foäiaten, iüirt)d)aft[td)en, fittlidien 'J-aftoren ber einjelnen Territorien finb, roeldje fidj in ber terri^ torialen .Slrinünalititt lüieberjpiei^etn. 9lber and) bei biefer Unterfudjunii Ijat Die 3tatiüit mit einer 9{eit)C von Sdjiuieriiiteiten :^n tmnpfen. 3^ie an einem Crte doU^ brQd}ten i>erbred)en finb nidjt innner i>erbred)en ber .Crtsbeüölfcriinji; fie merben Ijäufiii von fo[d)en auögeübt, meld)e bem Crte jromD finb nnt) benfelben nur megen i?lnSnbunii bes i^crbredienö am'' fud)en. Jie Drtsbeoölferung ift atfo bierfür nidit oerantmortli*. äi-äre bic ^a\)l biefer ortöfremben i^erbredjer grofj, fo iiuirDe eine Untcrfud)unii ber territorialen 2>erteilunji ber ä>erbred)en i\m\ nnmöiUid) fein, ^n ber Xljat ift aber ber ftörcnbe (rinfluf? öieieo "JDiomentö iicriuiv Überall refrutiert fid) Die übermiei^enbc iK'chr jabl Der 'in^rbredier auö ben (rinl)eimifd)en oDer meniiifteno au« Denen, Die fid) an bem Drte feit läniierer :^c\i anfbalten. So er- feben mir auö Der franji)fifci)en 3tatiftit, bafe oon t>en 3?erbred)ern etma brei iUertel in bem 3Jcpartement flcbürtiiu wo Die oor bredjcrifdie 2\)at anöiicfübrt murDe, ein meitereö fünftel Don mol)nte, trenn and) nidjt Dal)in nebnrtiii, unb etma nur ein AÜnftel ortöfremb ift. Taßfelbc i^ilt annäljernD aud) oon anDern Staaten. Sd)mierigcr geftaltet fid) Die J-rai^e fd)on in ben Stcibten. :Hber and) l)'xev verlieren Die 2)aten nid)t ooUftänbiii ibrc SeDeutunii, mie bieö eben an^ Der Deutfd)cn Statiftif crfid)tlid) ift. Gö gehört 5u ben iNcrDienften Der 5ieid)öfriminalftatiftit, Die geograpljifdje Öeftaltung ber kriminalität mit Ülufmcrtfamteit ui üerfolgcn. aSaö fid) hierüber auö \>tn ftatiftifd)en Säten erailu, läfet fid) in folgenbem jufammenfaffen. lUm bbcfifien ift im ali: gemeinen bic kriminalität im Cftcn, an Der ruffifd)en Wrenje, am niebrigfien gegen iWeftcn unb :9JorDcn. So betrug Die 3al)l Der -") La justii-o Uli Fraiioc p. XCI. (rinigc (rrgcbnifjc l>cr neueren Äriminalftatiftü. 535 ipcgcu SScrbred^CH unb SJergelieu ä>erurtcilteii auf 100 000 [traf- uumbigc ©inroo^ncr (1882/6) ©umbinncii 1794, ilöuiflöbcnj 1517, Jünjig 1537, a)iaricnn)crber 1527, 23rombcr9 1851, i>o)eu u;23, Cppclii 1651, bagegcn a)JüTiftcr 4()1, ^J)iinben 425, Sdjaumbiirg^ :^ippc 415, Üippc 533, 'ila6)tn 537, Oönabrüct 542 ufiu. ;l;m all= gemeinen ^od) ift bie Äriminalität in ^^kijcrn, luo fic uiriicnbö unter 1000 fmft, felbft in bcr Jlfieinpfalj iücl)t, obrooljl bie 3if)cin= proüiiij fonft flünftigc S3crf)ältiiiffe Ijal Selbft in ©ad)[eii ift bie kriminalität geringer, gür bie einjeliieii Öebictöteilc beö ^HciAö crj^ibt fid)- folgcnbeö: 9luf 100 000 ftrafinünbigc (SiniDoljuer fonimcn S-^erurteilte: 1S8l>/(): ä3raunfd)iüeig .... 1)08 Sad)feiuiD?einiiigeu . . 1003 Sad)fcn=3lltcnbuvg . . . 8G5 ©ad^feiuMoburg^öot^a . 891 3lnl)att 1047 Sd)H)arjb.'3oubcrö{)aufeii 1381 Sd)H)arjb.^^Hubo[ftabt . . 1 50(; ÜhJatDedt 524 (Slfa6=iiotl)ringen . . . 722 in'iu. 1882/1): $reuBeu 1010 Sapern 1090 Sac^jeii 973 Sürttcmbcrg .... 889 iöaben 831 ieijcn 724 ledlenbiirg^Sc^iDcriu G20 ca4fen--3Beimar ... 831 9Jiedlenbiirg=£treli6 . . ()4(> ClDenburg ()2() Jie Uuterfctiiebe, bie \xd) jiuifc^en beii einzelnen Staaten refp. Öcbietöteilen jeigcn, find aufeerorbcnttid) groft unb fie madjfen, wenn luir bie äkjirfe iuö 9(uge faffen. So beträgt baö -iKorinium für ben ®ejirt 347,o, M^ ^})Jininium 12,:j %. Über bie cinjelnen i?erbred)en ift folgen^eö ,^u bemerfen: iTaö ferbrcc^en bcr fd)n)eren törpertidben '^efd)äbigung ift am ^äufigften i» Satiern unb im Cften; febr günftig fint) bie iserbältniffe im '^iorbeii unb in Sad)fen. ^");ntereffant ift ^er 3Hfo"i"^^"b^»^9 t)iQ]t^:t i^erbred)enö mit bem 3l[fo{)oliömuö. i>o\\ jenen brei (>kbieten "ämli^, in n)eld)en biefeö ä>erbred)en am l)äufigften uovtommt, ^^t cind burd) ftarfen iMerfonfum, eins burd) ftarten äßeintonfum "»b eins burd^ äJranntraeintonfum beroor. Die 3lrt beö gciftigen (^^etränfed macbt baljer mit ^üdtficbt auf biefeö a?erbred}cn gar '^incn Untcrfdbieb. S)ie i^crteilung ber i^ermi)genöbelitte .^eigt ^'"e loeit gröfeere 3iegelmäf3igfeit ; bie 3^')' berfelben ift am B'^öBten im Often, am geringften im äi>eften. 3)ie l)öd)fteu 3^^^^^^ fi"ben tüir im öftlid)en ^^]rcuBen, in 3ad;fen unb SJaijern. Gö 536 l^rof. Dr. ^. AÖl^c^. weift bieö and) auf bie uerfd)icbeneii llrfad)eii bor tse: belittc \)i\\: 3lrmut, 3llfol)oli6nui§ unD Sosialiämiiö. i i^crbrcdficu Qec\tn bie öffentlici^e Crönuiu^ fiiibeu mir baö ü) im Cften, bann 5nd))en; baö 3)Zininunn im allgemeinen im 3)Jai*imnm unD ÜJtinimnm verteilen fid) im iv^"5en f maßen : 4NCrbred)en n. j^ergeficn überljanpt ä^rombeni, 3d)auir 3}erbred)en nnö ä>errtet)en i\ei^en 6taat, öffentlidje Crbnunoi unD ^eliiiion Jan^ig, 3diami i?erbred)en nnb iVnieljen gegen bie ^crfon "^iciii, ^'i iscrbredjen nnb 3?erget)en gegen baö ä5crmi)gen C^Sumbinnen, 3d)auni ^ntereffantc 3lnfid)lüffe fmben mir and) über bie 'i* ber jugenblidien ^Nerbredier. :^\\ mand)en Wegenben ift Di teil ]cl)X gering nnb alo d)aratteriftifd) mag Dabei berno uierben, bafe bieö in fold)en T^iftritten uorFommt, luo im aUi bie Äriminalität fetjr grof? ift, Dagegen gibt e: Steiermarl nnb Talmatien. Tie i^ermbgenöbelifte erre 3)farimnm im 3!orDen, Die i>erbred)en c[Ck}i'\\ bie ^).H^rfon in ■Uiit 3i'"öf)"^»-* beö beii)eglid;en iNermögenö neigt Dao '1^ Der ^iHTmögensbelifte; etwa brei '^Uertel Der geiamten ^i^ entfällt auf ^yermögenöbelifte in 'Böhmen, 3d)lefien, aud) * öfterreid); in iJirol fteigert Die ^ahl Der ^yermögeuöDei Ijäufigc iNortommen Deer^ breieu anfroeifen, finben mir in nid)t i^rini^cr ^cil)l foldie, bie bie tieffte ©ilbnni^öftnfc einnel)mcn; mieber anbre 3?epartementö jeigen bei flcrini^er ÜMlbnncj, rterinc^em materiellen ÜiNOljlftanb, i^eriniie Äriminalitütöjiffer. I^a^eflen jeiiU fid) i^rof^e ilon^rnen.^ in bcr i>erbrcitnn9 ber Äriminalität eincrfcitö, tc^ 3Utot)oliömnö anber^ friiö; bie bnnlelften 'ijinnftc finDen mir bei b:iben (S'rfd)cinniu^en im :^Jorben; aber and) im 3üben nno ii'cften ift bie Jtriminalität ^^5 gerinc^em 3tlfol;oliömnö bebcntenb. ,V" alli^emeinen ift bie Äriminalität am l|öct)ften in ilorfita nnb im Seinebepartement, am B^nngften in ber 3)Jitte nnb im Süben; Daneben jeiiU cind; bie ^öftc nnb ber 5Jorben eine anfel)nlid}e kriminalität. Übrigens i%^n iid) l;infid)tlid) bcr einsclnen iNcrbred)en bcmcrtenömerte Untere td)ictic. a^aö }. äi Die gegen Daö hieben gerid)teten Ü^erbrcdien l'^trifft, fo finDen mir Deren 'J){ai*imnm im 3 üben {22 'fo bcr We-- '^»u^Ql)l ber l)ierl)er gel)örigcn Jyällci, in ber '})Jitte beö X^anDcö ^^Q 3)iimmnm (D). Sind) menn mir Die 3^1)1 ber iNerbred)en anf ^'^ Giniüol)ner5at)l be5ie^en, änbcrt fid) Daö 'Jiefnitat nid)t. Tic "reiften J^^älle fommen in .Uorfita nnb im Seinebcpartement üor. 3" .Viorfifa ^aben fid) aber in Der nencrn ^z\\ bie iNcrljättniffc ^^M'entlid^ gebeffert. ii'äl)renD vor ;K) ,Vüjrcn anf 100 ()U() Crm- 538 ¥rof. Dr. 93. gölDc«. rootincr ()5 3}erbrerf)cu gegen baö Sebeu begangen würben, ift Die i?erl)ältni§jal)l gegenwärtig anf 18 gefnnfen. 3?ie i^enbetta ift ift im 9lbnel)nien begriffen, bie 3ßaf)len nef)inen einen ruhigem 3?crlQuf. 3lber in politifd) unrn^iger ^tit jeigt fid; wieöer ein 9lnf treten biefer i>erbred)en, luaö nanicntlid) 1870/71 ^u bcob- ad)ten luar. 3}ad 3)}inimnm bcr gegen baö SJermögen gerid)telen iscrbred^en fällt anf ben SüDen nnb einige arme, gebirgige Jc^ partementö. Sind) bie iNerteiInng ber i^erbred)en gegen bie 3itt: lid)teit uerbient 33ead)tnng. älUr finden ijkx, M^ beren 'i^erliältiii-j am Ijödjften im 'JJorben, am geringften im 3nben unD in Der mite m yanbeö. Gine liebeooH eingef)enbe, Ie(;rreid)e CSrörternng ber geograpt)!- fd)en Öeftaltnng ber Äriminalität Ijat nenerbingö ^oU) nntcr- nommcn. 3" t^^^i Mapiteln 1. lo crinn* a travers los departe- nieiits, 2. les etraiigtMS, los Fraii(,*ais liors de cliez enx. les Parisioiis, 3. visites et entiuetes dans (juehiues reii^ions crinii- uelles, analifiert er bie ü'aten. i>iel ^"t^t'efianteö teilt Ololi)'"'"» i^»rfi i'iber ben (Sinftufs ber Ji^anbernngen mit. 4?iele nebmon ibre ilriminalität mit, mand;e beffern fidj, wenn fie vom .vjanfe wciv gelten, fo bie Äorfen, anbre werben fd)led;ter (Cotes du KIhhum. 3i!)nlid)C 3)etrad)tnngen and; bei CSolajanni. 'Jlnd) bie italienifdie Statiftif^^') bietet intereffante ülnbaltö- punfte jnr )öenrteilnng beö geograpl)i)d)en G^aratterö ber .Mrinii-- nalität. ^m allgemeinen am f)öd)ften ift bie kriminalität im 3nben, am geringften geftaltet fie fid) in iToöfana. Tic i^T: teilnng ber 'lu^rbredien beftätigt M^ bereite erwäljnte WofeD; gegen Silben wäd)ft bie 3^iljl Der iJerbrcdien gegen M^ ^'eben, c[K\\\^n :}iorben bie ^^abl ber inTbred^en gegen baö "isermi)gen. ?ie italienifd)e Statiftif geftattet nnö and) eine genane Unterfud)nng beö enDemi)d)en Gbaratterö beö i>erbred}enö. Soldje enbomifd^e 'i^erbrec^en entüel)en in gewiffen ("»iegenben, verbreiten fid) unter bem Ginflnf? uorl)err)d)enber fosialer nnD wirtfdiaftlidier ^-^nftänre nnb 0>ebränd)e nnb faffen 3i>nrjel in ('^nDiuiDnen, bie für bio 3(nf nähme biefeo fo.^ialen 03ifteö befonDerö präbiöponiert nui:^. JraDitionelle xHnfiditen, "äJiangel ber gel)örigen ^nfti.unlege, geringere SiUDerftanbofäbigteit ber :)iaf|e. Der :)Jad)al)miingotrieb finb ebenio -'■') La Fraiuf rriiiiiuelle. Taris InH». ■ ■) riclK hierüber aiidi 'i^o^io ii. '-bo'jco. einige ergebniffe bcr neuere» Äriminalftatiftif. 539 oietc ?f^ftoreii, bic bic .^artnädigfeit folc^cr ciibcmifd^er Übel ücr^ ftärfeii. 3" "iaud)en öJegeubcii 3talicnö ift bcr i:otfd)la9 ein folc^cö cnbcmifc^cö Übel; in 3lcapet unb Sijilicu bic jiir S8c= flcbung üou i>erbre(i)cn gebilDcteii öeno))cn)d)afteu, lüic Gamorra, Maffia ufn). 3^ i^' mandien ©cgcnben icigt fid) aud^ in ber 3luö= füt)rinu^ bev 8L^crbved)eu ein beftinimter geograptiiic^er (S^arattcr. iJtacöbem lüiv unö fo einige 3liifflärung über beii gcograpl^i- fd)eu 2^i)pii$ ber itriniiualität üer|d)afft Ijaben, rooHeii wir iiod^ Den Unter)d)ieb betrad)ten. iDefdber fid) in öer iierteilnng ber $ßcr= bredjcn na6) 3tabt unb )iianb .^eigt. ßö ift adtjemein anertannt^'), Dajs bie ftriminalität in ben Stabten einen eigenen Iritifd)cn Gfjaraltcr annimmt. Sie Slnfammlnng gefäf)rlid&cr Elemente, bie \id) in Den Sd)lupfn)infeln bcr ßrogftäbte bem 3lnge ber ^^olisei leid)ter entjieljen fönnen, baö gröfiere 9Jaffinemcnt ber ftäbtifdE)cn öcüölferung, bie uielfad) oft ljöd)ft DoUenbeten ajfittct snr 3lnö^ füljrung, jur l^ert)eimlid;nng, bic größere yeid)tigfeit ber 5I"d;t oanf ber üollfommenern Äommunitationömittel — alle b'iefe "iDcomente [äffen üoransfetjen, bafe bie Äriminalitdt ber öroöftäDte einen ab- lueic^enDen Ciljarntter anfroeift. 33ebenfen roir nun bie eigentüm= lieben unb gefteigerten 5}ebürfniife ber groi5ftäDti)d)en iHcDölferung, Dem gegenüber bic 3)cenge Der proletarifierten ^^uDimDuen, \)en »egenfiH? üou :)ieid) unb 3lrm, taufenDfdItige 0elegenl;eit unb Heij, fo geioinnen luir bic Überjcugung, Dafj bie .siriminatität in Den ©robftäDten ein befonberö günftigeö ^WeDiurn oorfinDct. •'-) Tarum geigen Die Wrof^ftäbte neben blenbcuDem (iilauj and) finfterc 3d)atten. „^n 9Jorbamcrita — jagt (^ieorge — ift eö tiar une Der Xag, baf; 3d)muC unb (Slenb, fomie bie t)ierauö Ijeroor- ^^chcnben SünDcn unD i'erbrodien, überall ^uncljmen, foivic bas Sorf jur StüDt uürD." Sies nnrD aud) üon ber etatiftif be- tätigt, ^n ikrlin beträgt \>k ^al)l ber ä?erurteilten awj 100 000 trafmünDige Criniuol^ner (188*2 (1) 1-J(;4, Dagegen in ganj J)eutfd)- an:> nur W4, in ''|>reut3en lOlG. :i3etrad)ten wir Die einjelnen yerbredjen, fo jeigt fid), Dafj in 33erlin Die ^i^erbrec^en gegen bie 'N iKciuftcuö iricK'r >?anicn, Tic bvci 'ikuölfcrimc^eftiifcn, 3. 11)7. ■-) L«s villes iront (pie !<•« ' m cl(* In inniulation totali; vt jjn's do la uoitir^ des accusrs vo. «pii nv<\ {nx-^ a\u'\i\*'\u\\\t, los i^ciis dr'classrj.s. los 'spiitr? imiiiicts et avt-nUinux s«' iHivtcnt d«* pn'Mrronrjt vers les vill<>s. «m lailleurs (rrtaiiis criiiuv-; i'tMiveiit -Je-ui rrmiYrr un «•liami» propico. (Ülork, Craite p. 4<>4.J h40 'Vrof. Dr. ö. gölöcs. Sittlid)feit, bie i>evbredöcii gegen bie Siciigion, gegen bie öffert-- Ud)e 3lutorität, gegen baö iNerniögen bie 2)nrcl^i^nitt<5ja^I ir»eit überfteigen. 2)aö ä5ert)ältniö geftaltet fid) niic folgt: auf 100 000 firüf^ münöigc Giniüot)ner entfallen ä>ernrteilte : SBcrlin : :Kcid) : i^erbred)en unb ^Nergeöcn übertjanpt . 1213 dW inTbredien gegen bcn Staat .... (18 3^> Wefä^vlid)e Äörperücrle^ung .... 78 1.33 ^iebftabl .'.... DU) 282 i^etrng 57 41 ihm ben gefannntcn gegen bie Sitt(id)teit ncrübten äJerbred)eii unb 'i^ergeljen entfällt auf ikrlin mehr alö ein drittel. :9iel)iiieii wir Die gefainten beutfd)cn Örofeftäbte, fo jeigt ]\(i), \)a\] üoii lOOiHK) ftvafniüuDigen CSiniüotjnern ucrnrteilt iiuirbcn (18^>5) 13*J3, bagegen im ganjcn Staat nur 1008. '^lad) t)t\\ einzelnen 3>erbrcd)enöanon geigen fid) bie gröfuen UnterfdiieDe bei folgenden Ä'lategoricen: :Huf lOüOOO ftrafmünbige (S'inuiol;uer tauten i-^cr- urteilte: in (^hoiV iin ülru^cii flauten : iHcid) : Wemalttbätigfeit u. Troliung gegen Seauitc 83 33 Äuvpelei 31 20 Unfittlidjeö 'i^etragen 12 3J) I^efraubation lnü 37 iU»trug (;2 32 llrfunbcnfälfd)ung 2r» l,i Tagegen finb am )l'anbe luiufiger förperlidie äV^djäbigii^'^i^' 33ranblegung ufm. v^su Cfterreid) entfällt (ISSU) üon ben gefamten wegen i^«^^' brod}en '^HTurteilten ein 3(ntcil uou 7,n %' auf 3i?ien, u>aö bcn ^^ ^^' teil nad) ber :i^cüblferung bei weitem üborfteigt. Sind) '^aii iL^ *^^'' I)ältniö Der einzelnen -i^erbreAen ift ein abmeidienbeö: fo eutfi"^ ^^ iwn ben gefamten Tefraubationcn auf äiMen etuni ein a>iertel l'^ "'*■' ein Triitol, uon Ä^etrug unb llujudit je ein ^'■'Ij'i^^'l/ »^'i» anfcl^ ^' Itdier Teil ber iNerbred)en gegen bie öffentlid)e 3lutüriiät nf» *• 9lud) 'ij.'rag jeigt eine beöeutenbe .kriminalität. ^n J-rantreid) geigen Die Stäbte eine boppelte .kriminalität i^ ^^ äNergleid) jum \.'anbe. ^n Den Stäbten finb aber im allgemeine ^^ Ginige Grgebniffc bcr neueren ÄriminalftatiftÜ. 541 e Serbrcd)eu gegen bie ^^ierfon fcltner — mit 3luöna()me ber rnd)tabtreibiing — bie iserbrec^ea gegen baö äJcrmöyjeu Ijüufiöer. aä} iioiiboii, ;Hom ufir. .^eigcii eine Ijötiere Ärinünalität. ?er fläDtiidjC Gbarattcr prägt fid; nidjt bloß in ber ^al)l iiub X ^Jlrt ber i^erbred)en, fonbcru aud) in aubern 3)iomentea auä, in bcr 9lrt ber 3lii^fü()riing, in ber 3)Jotii)ation beö ä>ers recbciiÄ Sdjon frül)er wnrbc hierauf von einjelnen gorfd)crn ifmcrtfam gemacht. So l;ebt ÜNatentini l)en)or, baß baö JSer^ ced)cn oeö 2)iebfta{)lö im iianbc jnmeift auf 3Jotlagc jurüd^ ifii^rcn ift, in ftteinftabten auf 3trbeitö)d)en, in PJrofeftäbtcn auf ^emiBfud)t. ?Yü)[en mir nun lurj jujammen all baß, ma« fid& über bie ^ographifd^c iNerteilung bcr ä>crbred)en ergeben l)at. 3luö ben "geführten 3iaten ergibt fid; in unleugbarer SBeife, bafe ein '^n-^ immenbang jroijdjen gcograpljifdjer :^age unö Äriminalität befielt. ^0(§ ift Diefer 3iM*^»"J»i^"^^"il natürlid) nidjt in ber ÜiSeife ju cr= areii, alö ob eö fid) ^ier auc^ nur oormiegcnb um rein nalür= d)e, iU)ijfifalifd)e unb anbrc CJinpüffe (janbcln mürbe, fonbern eö t eben ^unäcbft bcr fojiate, mirtfd)aftlid)e (Sbarafter ber cinjetnen cgenDen, meld^er l)ier .^um Sluöbrurf fommt. ÜiJenn mir j. ii ()en, bafe in unfern Ziagen in ^^alien bie ^al)l ber ä>erbrecben gen Daö iiebtn bebeutcnb, in !?eutfd)tanb bagegen gering ift, fo bicö fein 3{efultat ber natür(id)en, fonbern ber tulturellen 3"= unienl;ängc; jur i^nt Xacituö' mar M^ iNcrljältniö mafirfc^einlid^ i lungeteljrteö. 2)er geograpt)ifd)e (it)arattcr mirtt mit, namentlid) ofern, als er eine ber llrfad^en ber Äulturgcftaltung beö bc= ffenben Xerritoriumö bilbet, er gibt aber nid)t allein bie Jyiu'bung • Jeu (Sinflufi beö geograpt)ifd)en 3)Jomenteö gänjlid) leugnen wollen, mie bieö 5. 33. Xarbc, (Solajanni tljun, ift baljer ein- tig. 3d)on bie betannte, nod) j;u berübrenbe iJljatfad^e, bafe t Den 2emperaturüerfd)icbenl)eiten eine äJerfcbiebenljcit ber iininalität parallel gcljt, fprid)t Dafür, baft aud) Die gcograpljifd)e Qe eineö Crteö ein 3)Jomcnt ber kriminalität bilbet. 3iebmen r 5. 53. bie orograpl)ifd)cn ikTbältniffe. 3d)on (^)uern) unb uetelet baben Darauf aufmeitfam gemad)t, bafe gemiffe Separ- ncntö trol^ großer Slrmut eine geringe kriminalität aufmeifcn, fern fie burd) (Gebirge ifoliort, bei einfad^er X.'ebenömeife unb x:9ebrad)ten Sitten perbleiben; OiegeuDen, meld)e menigcr ifoliert ^t ober gerabeju bem ik^rfclir mit fromben Elementen auögejeftt ^erbc befonberö günftig geftatten, fann bereu Äriminalitdt nudi geringer fein als bie beö JMunenlanbeö. !Ser (rinflufe bcö geoc fd)en (SIementcö fommt eben nur unter geiriffen Uniftänöt ©eltnng, ha ja ber 3)?eufc!) ben natürlidien Jyaftorcn nic^t unl unterworfen ift. 3ttö ein 3){omcnt ber geogrQpl)ifdben Sage fei t)ier aud) m 3ufammenl)angeö jtDifdjcn i^crbredjen unb 2^emperatur g G§ ift unjTüeifeU^aft, bafe bie 2^emperatur auf baö focti|d)e be§ ■öienfd)en einen tiefgreifcuDen Ginflufe t;at. (rö j^eigt fic in einer 3tei^e non (Srfdieinungcn, welche bie Statiftit beo l)at. .Qierlier gef)ört bie Steigerung, loelAe fid) in ber ^al iVninnöfäUe, in ber ^ai)l ber Sclbftniorbe in X>cn Sonuncrnu manifeftiert. Tie SSärme fd)eint bie äiMberftanböfäbigtci ü)ienfd)en ju fd^iüädien, roäl^renD bie .Stalte einen fiiil)[enDen (5 ausübt, '^n neuerer 3^*it l;at befonberö Jyerri^'*) Dem 3"fai l)ang jiüifdjen 2^emperatur unb kriminalität feine 'Jlufmortf :^ugcioenbet. T'aö Jiefultat, j^u bem er gelangt, läfU fid) in j bem jufammenfaffen: Tie iserbred^en gegen bie '|?erfon fc namentlid) im Sommer, bie gegen baö isermögen im iC^iww infolge öcrfelben J^ttoren fteigt aud) bic ^^^bl ber ä>erm öeliltc in ;3^bren mit geringerer !rurd;fd)nittotempcratur, mi bic Telifte gegen bie 'ISerfon in ^abren mit bober 25urd)fd temperatur fteigen. Tic llrfad)e Diefer @rfd)einung foU Dar fud)en fein, ha\^ infolge Des geringern 4>eDarfeö an Stoffe Crrbaltung ber >Un-peruuirme ein .Mrafteüberflun eintritt, D i^erbinbung mit Der grbfjcrn :Keijbart*eit, in illegalen ,vanDl ^ ) Tay *i'orl«rc(Iicn in ump.cv 'Jü'bänaivifcit iion ^. iolivl. TcmrciiUiir (Z U 11;. (Einige i^gcbntffc bcr neueren 5trimtnalftattftif. 543 üum 3[udbru(f fonimt (V). 35ic Söirlimg bcd äßintcrö roirb weniger Deifeii p^gfiologifci^cm 6I)arattcr, als bem iDirtfd^aftlici^en (S^aralter lUgcfdjrieben. 3"^Monbcrc bei beu in bic Spl)ärc ber @itt[id)= teitöücrbrec^cu fallenben ^aiiblimgen laßt [ic^ ber 3")^J"'"cn^an9 mit t)cr J^empcratur narfirücifen; boö a)lajinmm berfelbeii fällt auf Deiifelbeii 3)Jonat, ber aurf) baS 9)faEimum ber Monjeptioueu ift. tieö Die Siefultate, ju benen gerri gelangt. 3lud^ x^ttingen unterfuc^t ben Ginflufe ber Temperatur unb gelangt ju bein 6r= i^biiiö, büfe ber Sommer baß 3)ta£imum ber äJerbrec^en gegen öic "^-JSerfon, ber äBinter baö 3)Jajimum ber i^ermögenöoerbred^cn repräfcntiert. 3m Sommer erreid^en jugleic^ bie Sittlid)Ieitöüer= brechen i^rc äufeerfte ^ö^e. ^n ben (Sinjetljeiten jeigen fid^ übrigend manche ^Ibroeic^ungen. Xic rollern Xtlittt jeigen überhaupt wenig •Hegelmäfeigteit. 9luc^ beim 3)iebftal)l ift bei bem «öauöbiebfta^l öcr GinfluB bed älUnterelenbö oft üerroifc^t, road roo^l mit bem UntnaiiDc .^ufammen^ängt, Dafe berfetbc weniger mit einer :)iotlage, iite mit ber gebotenen töelegentieit in iscrbinbung fte^t. 3u bemfelben 'Jiefultat tamen aud^ anbre 3orfd)er, wie C>Ja= i^ofalo, ^ombrofo ufn)/'*), \a ber lefetere gibt fogar ber 3)feinung «äuQDrucf, bafe man ebenfo einen Äülenber ber 45erbred)en sufam^ "leufteUen fönnte, wie auf Wrunö ber Slütejeit bie iüotanitcr einen öic jöionate djarafterifiercnbcn 5lalenbcr i^ufammenjufteUen ücr= fteben. dagegen leugnet (Solajanni ben (i'influJ3 ber J^emperatur *^ntfd)icDen. Statiftifd) gcl;en bie italicnifdjen '|>ublitationen am ^i^e^iellften auf biefe CSrfd)einung ein. Jvür 1»88 Ijaben wir foU l^^^^e Taten: "il'intcr ^rülilin^ comincr >>crbft imbcftimnit 0 • •-- .9 .0 ,• 'i^crbred)en gegen bie '^ierfon \\),\n *27/ni -JT/w» '25,17 O/h „ gegen ba§ iSigentum 2*2/,!) -jI/jj lS,r.<5 20,^7 Uv^j „ gegen bie Sittlid)toit l.S/h» u;/}j i>u,4n ir.,ij :5*j,s7 4kn ben i^ermögeuöbelitton ift bio iicrtcilung nidit fo d)arat- ^*;^'iuifd), waö wot)l mit ben geringen :ikbürfni)fcn Der füblid^en ■^niiter jufammenbäugt; Dagegen fcl)cn wir, baft .;. 53. Daö '|>ro}ent ^^^ 3ittlid)feitöDerbredHMi im Sommer uicl böljev ift, alö im ^*) Üicuei^iiirtO Die JvViUK u'io^c^ ciiu^'lK'u^ci' unter uriit von iSorro: L»' ,/'^*t et Ui -^uicidt; rt«-.. »T Itiir i'M .irtitii.'ii sui^Mimirn- (Arrliivi'> «!'■ ""^ **tlirui)ol(iifie rriiiiiiirlU'. ISM». y[\\\'>. 1.')). 542 ?rof. Dr. ö. 50IDCS. fiiib, roic bic Äüftcnlänbcr, ©rcnsjjcbictc, jeigcn — natürlid> imtYiei caeteris paribus — eine gröfecrc kriminalität, rocil bic Setaniit: iDcrbiing mit frcmbcu Sitten, fittlid^cn ätnic^auungcn, i?cbciiö- rocifen ein Sd)tüanfen unb Untergraben trabitioneller i^er^ältii i ffc ^erorrufen nnb in bem Sd&roanfen ber 3lnficf)ten unb ^^rinäipien fd^on eine grojge ©efa^r »erborgen ift. 3lid)t umfonft ^aben in alter 3cit bie ©efe^geber bie jungen 2?ölfer üor ber Serü^rmifl mit fremben Elementen möglidöft ju fd^üfeen gefud)t. greilid) fönnen audf) roieber 9tuönal)men Dortommen. ©ofern fid) in Äiifteii:^ lanbern ober ©renjgebieten bie tulturellen unb 2Bot)lftanbSi)erl)aItiii?T^ befonberä günftig geftalten, tann bereu kriminalität audj noctp geringer fein ald bie be§ Siunenlanbeö. 2)er Ginflufe bcö geograp^i- fd)en ßlementeö fommt tben nur unter geroiffen UmftäuDen jaf ©eltung, ba ja ber 9Wenfcf) ben natürlid)en g^ftoren nid^t unbebiiijl^ unterroorfen ift. 21U ein 3Koment ber geograpf)ifdf)en Sage fei ^ier aucö nod^ be'5 3ufammen^ange§ jroifdt)en 3?erbre^eu unb 2^cmperatur geöacftt. ©« ift un5n)eifelt)aft, bafe bie 2:emperatur auf baö fcelifd&e lieben beö Ü)Jenfd^en einen tiefgreifenden ©nflufe ^at. Gö 5eigt udft bie^ in einer 3ieif)e üon Grfdbeinungen, roelc^e bie Statiftif beobad)tct \)at ,^ierl)er ge{)ört bie Steigerung, roeldfie fid^ in ber ^a\^[ r>cx 3rrunn§fäIIe, in ber 3öf)l ber Selbftmorbe in ben Sommermonaten manifeftiert. 3)ie äl^ärme fd^eint bie 2i>iberftanböfäl)igfeit beö ü)Jenfd)en ju fdf)n)ädt)en, roä^reuD bie .ttälte einen ftäl)lenben ©influfe ausübt. 3» neuerer Q^\t l)at befonberö J^^^^^i^') bem 3"i*^"»ni^»= l)ang jroif^en S^emperatur unb kriminalität feine 2lufmerffamfeit j^ugeirenbet. Xa^ 3lefultat, ju bem er gelangt, läftt fid) in folgeii-- bem jufammenf äffen: 2)ie ä>erbred)en gegen Die '^^erfon fonuncn namentlid) im Sommer, bie gegen baö i^ermögen im 3i>inter vor. infolge bcrfelben 'Jaftoren fteigt audf) bie ^a^l ber i^ermögenö: belifte in 3lal)ren mit geringerer 3^urd|jfd)nittötemperatur, n)äl)renD bie Jelifte gegen bie ^^^erfon in 3öt)ren mit ()ol;er 2)urc^fd)nittö.' temperatur fteigen. 3)ie Urfacbe biefer 6rfd)einung fott barin 5U fud)en fein, ha^ infolge beö geringern S3ebarfeö an Stoffen jur Grlialtung ber Äörpenoärme ein Äräfteüberfluft eintritt, ber in i^erbinbung mit ber größern :)ieijbarteit, in illegalen ^anblungen ^ ) Xa»3 'Iserbrccficn in icincr i}lbluin(jiflfeit von t>. \äUxl. Jcuivcratimpcdivl (Z II 11). (rinigc (^gebniffc bcr neueren j^rimtnalftatiftif. 543 5nni 3lu«bni(f fommt (?). Xie 2Sirfung bc« 2ßiutcrö wirb weniger öeileii p^ijfiologifdiem G^araftcr, alö bem roirttd^aftlic^cn (S^araftcr iiigefcöriebcn. 3"öl>c|oubere bei beii in bie Spt)ärc ber Sittlid)^ feitönerbrec^cn falleiiben ijaublungeu läfet fid^ ber ^Sii|ainmcnI)Qng mit ber I:emperatiir uad^roeifen; baö a)faEimum berfclben fällt auf ^ciifclbeit ü)Jonat, bcr aiid) bad a)Jarimum ber itoujeptiouen ift. Jicö bie ^HefuUate, ju benen gerri gelangt. 3lucf) x!)ttingen unteT|ud)t bcii ßinfhife ber Temperatur unb gelangt j^u beiu gr^ B^t)niö, baß ber Sommer bad -iDiajimum ber i^erbrec^en gegen Die 'ii^^erfon, ber SiSintcr baß a)Jarimum ber i^ermögenöt)erbre(^cn r<^i>rofcntiert. '^m Sommer erreid)en sugleidj bie Sittlid^feitöoer^ l?tecl)cn i{)re äufeerfte .^bl)e. ^n ben (Sinjelfieiten jeigen fic^ übrigend inaucfte Sübmeici^ungen. Tic rol)crn 2)elifte jeigen überhaupt wenig ■H^gclmäfeigfeit. 3tud) beim 3)iebftal)l ift bei bem $auöbiebftat)l i>er GinfluB beö äiJinterelenbö oft t)erwifd)t, was wol)I mit bem Uu^ftaube jufammenbüngt, Mf^ berfelbe weniger mit einer 'Jiotlage, cilo mit ber gebotenen Gelegenheit in iJerbinbung ftel^t. 3u bemfelben i)iefuttat famcn aud^ anbrc Jorfdjcr, wie Öa= rofalo, :^ombrofo ufw/**), ja ber [entere gibt fogar ber ÜJieinung ^usbrucf, bafe man ebenfo einen Äalcnber ber i?erbred)en }ufam= meiiftellen fönntc, wie auf (>5runb ber äUütcjcit bie JJotaniter einen Die iDJonate djarafterifiercnben Äalenber i^ufammeujuftellon ner= fiebcn. Tagegen leugnet ISolajanni ben (rinflufj ber Temperatur onncf)icDen. Statiftifd) gcljen bie italienifcl;en '^^ublifationen am fDejiellften auf biefc CSrfd)einuug ein. ^yür 188« t)aben wir foU i^enbe Taten: ii'intcr ^rül)Iinc^ 3oinnicr >?crbft imOcftimmt •« •« •/» *L *L .• -• .■» /• /• i'crbrec^en gegen bie 'j?erfon [\)/.n *27,,i7 O/m gegen Das iJigentum -J-i,.-)!! 21/A.i 18,.v; 20,^7 \{},m gegen bie Sittlidjteit 13/«) KIaj 20,4«» l(;,ii> H'2,si 4}ei ben i^ermögenobeliften ift bie iNcrtcilung nicbt fo d)araf= teriftifd), was wol)l mit Den geringen iücbürfuiffen bcr füblid)en l^ölter jufammenbängt; Dagci^en feigen wir, baf^ 3. 'ii. Dao '|>rojent Der Sittlidifeitöuerbredicn im Sommer oiel Ijöljcr ift, alö im ■*) '3lcuerl»ini]ö ^ic AtiijU' luic^cr ciiuu'ii^'^i^^'^' untoriucht roii iiovro: J.«* tU:Ui et k* suiciilf ••t«-.. »r l«iir i«'-|iartiti«in «»;ii^'"imi»''n- (Arthivr> «l»- rAntliropulnirjo erimiiiell«-. 1>*1h». 3Iars 1.'»). ff :Jö' 544 *rof. Dr. ö. 5ÖIDC6. SBintcr; aud^ boö ^rojcntimlc ber ä>erbrcd^cn gegen bie 5ßerfou ^^ im ©ommer am ^öd^ftcn. 3lud) bie beiitfcl^e .Siriminalftatiftif roeift beu (rinflufe i>ct Sal^reöjeiten tmd^. Sarauö erfel)eu wir, bafe bie JJcrteilung itcidi 3a^re§jeiteu ganj dfiarofteriftifd) fid) geftoltet. ©ö beträgt t>o.^ SCagcömittel fiir tiaö 3a^r 1888 3Bmter: 5rüt)jat)r: ©ommcr: S^crt^'l*- bei äJerbred^en gegen bie ^erfon . 73 88 117 i^O „ ,, „ baöSBermögen 117 103 104 IL "-i Sie beutfc^e Stotiftif ennöglid^t eine einge^enbere SJerfolgim: 1x9 biefer ©rfcbeinung, bod^ begnügen roir nnd, biedbejüglic^ anf t>ciö Dnedcnnierf jn üerroeifen. 9lucf) in anbern ©taaten rourben äl^nüd)e öeobad^tnngen ^rxii^ gcftellt, fo in Gnglanb üon ifeone iJet)i nfro. 2)a6 e§ an SB-Xt-- roeidt)ungen nid^t fe^lt, ift natürlid). So fd^eint eö mir interejj«- "i^t, l^eroorju^eben, bafe nad^ ben 25aten beö ftatiftifdben önrcau« i" ^4?Qriö bad a)}a^imum ber 3)iebftä^Ie anf ben Sommer cntfci tLl xooA t)ielleidl)t mit bem SSerlaffen ber SBBo^nungen jnfammen^äi^ i;>^ roobnrd^ biefe i^erbredfien roejentlidt) beförbert werben. iTageö^*^" finben roir aud^ in ^^oriö bad 3Wajimum ber Sittlid^feitöoerbredt? ^n im Sommer.^'*) IV. 2/er Ginfluft ber materiellen i>erl^ältniffc auf t> ^<^ Äriminalität. ■iDJelfung be6 triminellen i^er^oltenö Der üerfc^iebenen äBc» tjl- flanböllaffen gel)ört ju ben )d)n)ierigften 9lnfgaben ber Statiftif. S2-? *^ allem läfet fid^ biefeö 5Dfoment nic^t leid[)t fonftatieren; es feö t *'» oft bie genaueren 2lnl)altöpunfte. 2)oc^ mürben non biefer ^ *=^ *^ l^er bie Sdjmierigfeiten eben nid)t unübenoinblid^ fein. 2j^ ^" größerer 2Bid)tigteit ift ber Umftanb, bafe fid) baö 3Jloment 'ac^'Jr 3Bol)ll)abenl)cit nid^t leidet ifoUeren läßt; ba mm biefer Ja^^^^ nid^t ifolicrt wirft, fo fann e§ gefd)ef)en, baß CSrfd^einungcn, wer 4^ **^' anbern mit ber äi}ol^ll)abenI)cit gleid^jeitig roirfenben Urfad^en 3"-' jufd^reiben, bem Ü)Joment ber SfiJol^l^aben^eit angered^net roert?^"- So ift }. 33. in ben moljl^abenben Älaffen baö gamitienlebcn, '^^^ Seruf, bie 'iMlbung, ber ©influß ein anbrer, unb alle t>i^^^ 3Komente mobifiäieren bie kriminalität. ■•^) Aiumaire Statist, de In ville de Paris. Paris IS87. p. 754. (Sinigc (Srgcbniffc bcr neueren jlriminalftatij^t!. 545 \ & barf UM ba()er nid^t iDuubern^ roeuu bas allgemeine äRoment &^r 3ßo^I^abenI)eit nur in roenigen üäubcrn ftatiftifd^ erfaßt roirb. So }. 8. in xifterreic^ unb Ungarn. 3Baö auß biefeu Säten refiiltiert, läfet fic^ bal^in jufanunenfaffen, bafe in Cfterreid^ etroa 88 — 89, in Ungarn etwa 92 /o ber ä5erbred)en auf ^^'erfonen ol^ne i^erinögen entfallen, ©inen mat^emati)(^ ftrengen Sd)lufe auö biefen S^ljlen fönnten roir freiließ nur bann jie^en, roenn wir genau bie i^erteilung ber 33et)ölferung nad) 2Bot)lf)abenl)eitdtIaf|en fennen roürDen. Xod) trofe beö a)tangelö ber cntfpred)enben 3)aten wirb ^ö lüo^l aU beftinunt anjune^men fein, hai in ben betreffenben Staoten me^r aU 12 refp. 8 ^ ber SetJölferung ju ben günftiger fitiiicrten Älaffen jäl)len unb benmad^ bie äS5ol)I^abenl)eit refp. ber öefi§ bie 3?cranlaffung ju üerbred)erifd)en 2;t)aten nünbert. JJür Ungarn finb wir übrigens mit :^\l)t einer umftänblid)en ik= ired)nung, bie freilid^ aud) nur annäl^ernben SiJertI) befißt, ju bem 3lef ultate gelangt, bafe etwa 15 % ber Söeüölferung ber wot|U ^abenbern Älaffe angel^ört, wä^renb beren 2lnteil am ä?erbre(^en ^^ur 8 % beträgt. 3"teref|ant ift bie 03eftaltung ber einseinen 'Gelitte. 3)ie wM üorliegenben Säten jeigen, ha^ bie \vo\)U l)abciiben Klaffen an htn i5erbred;en gegen ha^ ä>ermögen weit fcf)n)äd)er beteiligt finb, wie bie übrige äkuötferung, bagegen an öUeu übrigen i^erbrec^en in l)öl)erm 3)Ja6e. Saö günftigerc äJer- l)alteu ber wo^l^abenben Älaffe ift bat)er nur bem Umftaube .^ujus fc^reiben, baß bei benfetben jener ^^attor weit fd)wä(^er wirtt, welcber bie 3)le^rja^l ber ä5erbred)en beruorruft. .pieroon abgefel^en, ift ^M*o bie ©eftaltung ber Äriminatität bei ben beffer fituierteu ^'öffeu eigentlid) eine ungünftigere. 3ln t>t\\ l>erbrcd)cu gegen ^ttö SJeben ift bie wol^t^abenbe Älaffc in bem gleid)en '^^rojcut be^ f^iligt, wie bie übrige Seuölferung, an ben förperlidicn iSe^ ld)äbigungen in etwaö ftärterm 2)iaJ5e, am meiftcn bei ben "ikv- ^^^chcn gegen bie öffentlid)e 3lutorität unb ben übrigen iscrbrecbeu. SBenn wir im oorfteljenben jene wenigen (Srgebniffe er)d)i)pft ^^^ben, weld)e unö auö ben ftatiftifd)en :)iad)weifen sugänglid; ^^^^b, fo muffen wir bod) nod) einiger 'JJJomente gebenfcn, wold)e 9'^icJ)fallö geeignet finb, und über ben ^^ufammenliang 5wifd)en bcr ^^i^ninalität unb ber materiellen ^age ju beleljreu. ^n biefen "^^oiiienten gef)ören alle jene (Srfd;einungen, weld)C baö Honfumtionö= ^^^^\\ ber iieuölterung beeinfluffeii. ^n erftcr :)Jeil;e gebcu!en wir 9ier beö Sd)wantenö ber CJrnteerträge. Sic tjierübcr angeftelltcn 546 ^rof. Dr U 5>ölbc«. Untcriud&ungcn Ijobcn ergeben, bafj gute Grntejaljrc bic 3^^ bc äJerbrec^en im ganje« ^erabDrüdeii, fd)le^te ©nitejafire bagegei ftcigern. Cuctclct, ;^joerneö, a)fai)r, Starde, gulbufro. Ijabc fidb hierüber iii gleid^em Sinne geäußert. 3tnd) imr f)aben Ijierfür a anbrcr ©teile ^®) eine Steige oon bcftätigenben Saaten beigebracb IDiapr fagt: ,,5ffienn ber ©etreibepreiö um einen Silbergrofcbe fteigt, fteigt bic ^a\)l ber 3)iebftät)le um einen auf je UX)O0 Ginn)ol)ner. Sef)r fc^ön brüdt Duetelet^*) bie ©rfal^ruug au« bafe jede (Jrfdbütterung ber materiellen !tiage tiefe Spuren in Di kriminalität jurücfläßt. 3)er C?influJ3 ber günftigen unö ungünftigc Grntejabre ift aber fein einfacher, fonbern ein fomplisierter, iuDe er aud) baö relative i?erf)ältniö ber einjelnen ä5erbred^en iiuDei (£ö ergibt firf) nämlich, roie barauf ja aud^ Cttingen aufmerffa mac^t, baJ3 in günftigen 3ttl)ren bie ^al)l ber )Berbre^en gegen bc SBermögen abnimmt, bagegen bie ^a\)l ber gegen bie ^^Jerfon g rid)teten junimmt, n)ät)renb umgefel)rt in ungünftigen Ji^ö^^mt d S>ermögenöbelitte junel^men, bie 3)elifte gegen bie ^4>crfon abneljme; 2)ad Steigen ber i>erbred)en gegen bie '4>^i^fon in guten ;'^al)re ift auf bie grofee :^a\)l oon förperlid)en Scfd^äbigungen jurücfji fütiren, roelc^e oft bie traurige Jyolgc ftürmifd)er i^uftbarteiten ur toller 3Birtöb^"öfccnen ift, Die fid) natürlid) in 2!öl)ren, wo \ bem Sauern gut get)t, l)äufiger mieöerljolen. Sagegen ncrurfad)e f(^Ied)te ;3a^re attc jene (Srfd^einungen, bereu Urfadje auf ungünftii fojiale ifagc jurüdsufü^ren ift. So ift benn and) in biefcn ^atix^ bie 3^^l ^^^ ÄinDedmorbe eine größere. 'iTafe Diefe ^afire aui burd) eine ^ö^ere Selbftmorbjiffer (ftarafterifiert finb, wie Di^ and) Starde ermahnt, foH bi^i^ ^^»i^ nebenbei berüljrt uuTDei So seigt fic^ benn ein geroiffer 3"fßJnmenl)ang jroifdjen üerfd^icDenc Ärantt)eitöerfd)einungen beö fojialen Äörperö. ^''') ^\al)rb. f. Ülat.sCfonomic u. 3tatiftif, ^\ina, ISSI. "•') Lii i)auvret<> ."«e fait ressentir «lans les provinct's <>ü simt aiu.»»- de irrandes rioliesses .... vt surtout «laus le.s jjays inanufartiirirr^. . par la nioiiidre r'oniin(»tion jiMlitique. la moiiidn.> obstriu'ti««n daii^ \t dt''boiiclu?s \umr les marchandises. dt^s milliers d'individus pa^scnt >iihit mont de Irtat de bien-etro a «trlui de misL-re. ('♦• soiit crs }»ni.siiui> aIx*- iiatives dun etat ä lautre (pü douueut iiaissanoi* au trime. >urt"ur oeiix «|ui eu soultreut sont entouivs d«; suji't-^ dt^ trutatiou ot sr m-uvri irriti'^s jmr rasi»ert r'ontimiel du luxe et dun«' iuri;:alit«^ de lortuiir q' les desespere. I Pliys. sue. II p. 'iTlO Ginigc Grgcbniffc bcr neueren Äriminalftatiftif. 547 Sud^ bic (Srnäl^rungöroeifc bcd iNolfeö übt einen geroijien ©n- Rufe ouf baö SSerbred^en. 2Benn roir unö axiö) nid)t ber ntaterialiftU fc^eii St^ule anfc^Iiefeen, für bie baö ganje geiftigo'ütliclje Üeben MX eine „aKagenfragc", 2:u9enb unD i^after nur ^^irobufte, roic äurfer unb Stl^abarber, fo läfjt fid) bod) nid)t leugnen, ba§ bie Gr= "ä^riiiigöiüeiie ber Seoölferung auf baö geiftig=rittlid)e hieben einen ©infliiB ausübt. 2)er auöfc^liefelid^e ©cnufe geroiffer 'Jial^rungS- niiüel (ftartoffcl, 9)laiß) fül)rt ju förpcrlic^er unb fpdter j^n öeiftiger Starpation. Spencer bef)auptet, bafe bie beffere Gr- nä^rungöroeife ben fiiuUidjen Trieb fteigert unb infolgcbeffen and) bie 3a^I ber Sittlic^feitöDerbred)en — caeteris i)aribiis — üermcljrt. ^inmieDer lann aud^ bie ßrfdjroerung ber Äinberl)altung burd& junc^menbe 2:()euerung beö iiebenß bic ^al)l ber lln5ud)tSüerbred)en ftfigcrii. Sie äiUrtung nmd^t fid) alfo nad) oerfc^icbenen 9iid)tungen ^iii geltenb. äin roenigften bejweifelt wirb rool)t ber f(^äölid)e ßinflufe, ben ber ailtol^otiömuö auf ba§ fittlid)e X>er^alten ber 33eüölferung auö= ^|bt. iärjte nnt Sojialpolitifer ^aben Ijierüber fc^on ^äufig il)re Übcrjeugung außgefprodjen, fo baß ()eute als 3li*iom betrautet iüert)en fann, ha^ bie iOk\)Xiai}l ber iSerbrec^en in bem Übel beö Jllto^otiömu^ rourjelt. £(^on t)or 2b 3al)ren l)at S^ucprtiaur, ^em eö alö Strafbireftor an biretten Grfabrungen nid)t mangelte, (^ie anfidjt auögefprocben, bafe t)ier fünftel ber i>erbred)en auf ^tuntfud)t jurüdjufü^ren finb. 'JJamentlidö'oon ben i^erbredjcn ber förperlid)en 3)efd)äbigung fagt )öär, M^ biefelben jumeift aufö 2i>irtö^auö }urürf}ufül)ren finb. 3luf ber im !^al)xt IS^{\ abge= !>«Uenen äJerfammlung ber beutfd)en ©efängniöbeamten rouroc öu$geiprod)en, baft bie ^JJicl^rja^l ber i?crbred)en unb ^i^ergeben ^fn\ übermäßigen Ojenuß geiftigcr öetränte jujufdjrciben ift. ^Jfad) vcxertel*'^) finb 41,7 ^/^ ^t*r in beutfd)en Strafanftalten Tcte^ "*^Tten Cpfer geiftiger ©etrdnfe. 3lud) Sid)art^''), (£orrc*''j führen ^^^^^ige intereffante Säten an, loeldjc ben biretten unD erblidjen ^^^'tflufe Der Sruntfud)t beioeifcn. _ 3» 'JJorDamerita bat nac^ CS'oereft bie Xrunffud)t in 10 3i^l;ren ^■*-^<)0üO a)ienfc^en inö (SefitngniQ geführt; in ^Ufaffadjuffetö loerDcn '■) 3"*^ Strafe, 'Arbeit. !i'cip;ii^ l-s><. **") Über inl>ioit>ueUc Auftorcn t»cy "^^crbrcdicnö iZ X .'>0j. *") Corre. Le «l«'*lit etc. (Anhivo dunthrupuluy^ie criminellt* lylM).) Ö48 ?wf. Dr. 33. gölbc«. 85 % bcr SBcriirteilungen ber S^runffud^t jugcfd^ricbcn. 3» Dianes mar! waren üou 1000 burd^ bic ^oUjci bctcnicrtcn ^'crfonen 740—750 in trunfencm 3"ftanbe. 3)iefe 3)atcn berocifcu 511: Se- nngc, roeld^c fittlicbc äJcrljecrung bcr 3ttfol)oliönind sur golge bat unb roeld^cn gortfc^ritt e§ jn beDeuten l)ätU, wenn biefcm Übel tl)atfräftig ju begegnen roäre. i?on ben mit ber i^ebenöroeifc ju|'aninien^ängenDen galtoren finb and) bie SBo^nungöüerJ^ältniffe in bie Steige jener .^u 5äl)len, roelcbe ein Glenient ber kriminalität bilben. 2)aö JIomaDeiüeben ber GJroßftäbte, baö bamit üerbunbene älbftumpfen ber gegenfcitigen Äontrode, bic Wöglid)leit, fidi leidster unb länger t>t\\ 3lugeu Der ^^otisci ju entjieljcn, fül)ven jebenfaHö ju einer Steigerung Der kriminalität. (Sine Jolgc beö engen 'Seiiammenmobnenö ift be? fanntlid) bie ^^'romiötuation ber ®efd6ledf)ter, bic iL'octerung Her gamilienbanbe, waö näcl;tlid^e Slrbeit in ben gabrifen unb Daö üiUrtfts l)au§Ieben nod) befördert. T^er Sc^mu^ bcr SBol^nung überträgt fidt) auf bie Seele ber Sewoljner, roie ja aud^ Spencer befiaiiptet, bafe ein großer I^eil ber i^erbrec^cr auö 3nbiüibuen beftebt, öi« auf Sleinlic^teit nic^t üiel hielten. Gin tiefer Sinn liegt in bein 3luöfprurf) iJcptapß, baß bie ©runblage jeber äjcrbejierung lie'C untern Älaffcn in ber 3)ioraliiation ber Jöäudtidjfeit beftebt. ^\{ t>m ber matenoUen Sphäre angeljörigcn ü)Jomenten tc''^ Strinünalität gebort außer bcr Scbcnönieiic ha^ Öanjc Der materiellf ^ Äonftitution ber ©efettfd^aft. ^icr ücrbient namcntlid) Der tinflu ber iNcrmögcnö^ unD Gintommenöfd)n)anfungen, bie Ungleid)()eit bei felben. Die ganje Öeftaltung Deö ^^NroDuttionöproseffeö große Ä a^tung. isalcntini fübrt febr intereffante Xatcn a\\, welche De "^^ günftigen CJinfluß beweifen. Den Die iNcrbreitung Deö bäucrlicbe— ^^ 3Jefit;eo auöübt. So ift Denn gewiß. Daß Die junebmenDe Ungleid)bc — '^ bcö Gintommcns*') aud) ibr Xcil beiträgt jur Steigerung D^^^ kriminalität in unferer 3^i^- ^^^^ tieferer ütbgrunD fAeiDet beit — ^^ bie fojialcn Jllaffen unb mit Den größern Ungleid&bciten wäd)ft — *« geometrifd)er 'j>rogrefuon 3ieiD unD ikgcbrUd)feit. 3lud& bie ^a ^^^ imd) Sefifc, ber 3Jiammonidnnid, bie öenufefudfet, weld^c l)ti\tt d7»/> beinaljc auöfdiließlidjcn XriebfcDcrn ber großen ^tebrbeit Der yo^ **) Colajaiini. II. p. 4<>4: Passer piii importante la distriliiizione <.'be la qnantita absoluta della ridiezza; la stabilita e siciirezza dei iiiezzi erbred)en gegen baö 3Scnnögen geriiij, loeil ja bcr Seftanb an bciüeglicl)eni 3Serniögen gering ift unD Daöfelbe nnbebeutenbcn äi^ert t)at. 3tel)ten roitrc t)ier fofts ipicligcr alö fanfen unb bei ber Sifligfeit bcr ih?ol)nnng wäre ba« Öefängiüö eine teuere llntcrfunft (3fiel)l). 35ie 3lrmut loirtt träfrigeiiD, n)o fic bad Stefnltat ber ben 3)Jenfd)en umgebenben iHatnr ift, nur bie tiurd) nienfc^lid)e .^^nftitutionen unb ungered)tc ^'rin.;ipien üerurfac^tc 'ilrnuit luirtt benioralifierenb. 3)cr mobernc n)irtjcl)aftlid)e 3-ortfd)ritt bepoffeDiert in feiner rWürffidjtölofigfcit tagtäglid) .önnberte von ©riften^en, bie frnl)er in gefAnßter Üagc waren. Ser CSrrocrb loirb infolge ber raftlofen 'Jteucrungen, ber ftoiifiirrenj, ber bäufig wiebertol^renöen Hrifen fd)iüautenb unb eine llttjahl oon 3nDioiDuen ift ftetig in susjkmiso, beflaffiert, ohne 'icfiere 3lu$fid)t für bie .3"l""ftr ber Üage \\nx> Stimmung nad^ /9i'fal)rlid)e CSriftenjen" ; bie größere 9ieruofiiät beö mobernen ;^eben§ trägt bann baö 3l)rige baju bei, um Diefe CS'tcmente auf '^n"d)iebene 23al)nen, aber faft immer baljin ju leiten, mo fid) bie ioralifd)en 2^rümmer ber (^Jcfellfd)aft in fd)rccfcnerregenDer äiJeifc ufljänfen. a)iit bcm ftetcn ^Aluftuieren ber äk»Dölferung unb bereu 'rang in bie Oiroßftabt merben Die Aamilienbanbe gelodert \mX> ^niit bie ÄontroUe gefd)iüäd)l, n)eld)e ber 'iseritJanöte auf ben "ikv- «nbtcn, ber 9{ad)bar auf ben :Kad)bar auöübte; gröf^erc Unab= ingigfeit part fic^ mit gcringcrm 3d)amgefü()l, Der 2ro|3 beö ibiüiDuumö ftellt nd) ungcl;ennnt ben frcmben ^J^t^'i^^'ffen gcgen^ Cr, Die feine (Sntmicflung binöern unD uertcbrte Sbeorieen tbun ^ ^ftrige, um mit ber i^eriinrrung boö Urteilo ben in ein freniDeö ebium gebannten unt) in feiner ^if'^liertljeit .^altlofen auf bie ^fy\ beö icld)cö bie Aamilic auflöft, unb ^auöl)alt Die iiUrt- afterin. Den MinDern Die (STjieberin raubt, uürD eö 5U einer Der ^upturfad;en ber mobernen "iH^ninlDerung. *-) *•) ^'olajanni. II. j». ."i(»7: «La ifro^^titiizionc n«m v clie il «Mtmple- ^«Jtü di salario pt-r nnu uinrir»* di fanu'.** 550 ¥rof. Dr. ö. gölbcd. 2^cr (Sinfhife ber nmtcrieUcn Übel ift faum 5U leugnen. Jyrcilic^ lüirftMi aiicf) bicfc nid^t einfad^, wie pl)i)Ufc^er ^mni, fonberii wie überl^aiipt ade etl)ifd)cn g^Itoren. !?arum ift es (lit-- löifj iüd)t me^r alö wafjrtdjeiulid), bafe bic äJerbefferung Der materietteii SSerljältuiffc — caeteris j>aribus — and) bie fittliicn ju l;cbeu oermag. ^reilid) tawn and) nid^t geleugnet lüeröeu. Daß bic Sefferimg ber materielleu i>erl)ältiuife mit fold)eu UmftänDen Sufanimentreffen fann, \r)dd)t bie füiibigeu 3ieigungen mir noc^ ui fiärten üermögcn, ja auä) ber gall ift beufbar, t>ai bie ibebimji ber materielleu üage auf bie Sitten gerabeju loderuD roirtt. föne fid)ere Oeiüäljr für bic Sefferuug ber SDtoralität ift bieriu fdion barum uicfit ju fiubeu, roeil bic (£ntbel;rung euMid) nur eine, roenn üudf) bie ftärffte Cluette ber ©ünbe ift. dliit iufofern l)at öoro- falo red)t*^), ber bie materiellen Unterfd&iebe nur alö mobifisierenDe gattoren auerfeuut, roeli^e lüoljl bic Qualität ber SJerbreAeii m- änbern uub ber gleid^jcitig bie Überseugung auöfprid;t, bnß felbft im foäialiftifd)en Staat 5i>erbred)cu begangen lücrbeu werben. Seiner 3lnfid)t gemäfj ift nid)t ber a)Jangel, fonbern bie Öegeljrlidjtcit bic Cluellc ber äJerbredjcn, biefe aber wirb nid)t fd)winben, folanjc 21 weniger l;at alö ä). 2)ie materiellen Sorgen unb ber ftampf gegen bicfelben bringen nur baö S3erbred)en in einen beftimmten ^'•^) Garofalo. Criminologia: Lo circostance, che rendono facilf u difii- cile la vita nun fanno che detenuinare in un dato momeuto, in nna data forma, in un moda si)cdale lestrinsecazione di qnella moralita che prcsti» o tardi. sarebbesi sempre manifestata crimiuosamcntc (3. 179). — L't»rdiDt ecoiiomico prosente, cioe il modo in cui la richezza si trova distributa. uon tj una della cause della criminalita generioa (S. ISl). — 9icucr^in}^ö cnt= brannte jroifc^cn Jurati (II delitto e la questione sociale) iint» Jvcrri (S<»- cialismo e criminalita) eine lebhafte ^olenüf über ^en (^influfe ber niatcncUcn l'aflc unb ber 5.cl^ 35erbrcd)en*' Problem einfad) ein fo^ialed '}>roblem. ^em ge^^enüber leugnet ^erri bic i^^i^' fanifeit bee 6o*^iaIienmd, nac^bem bie Urfac^en bed 'Verbrechend nid)t bloB io;iaIc, fonbern aud) inbioibuelle unb natürlit^e. (5r beruft fic^ auf bie ^baiuidjc, ^'^^ mit ber 3""*^^)"^^ bee 3Eöol)Iftanbeö bie SL^erbredien gegen l>ie '^erfon unD ^^^ 3ittUd)feit ;unel)men. — S. aud) iiMeu* ^ie 3ieicbofrtminalftatiftif, Z VI •5<<^- (rine^ fdjeint mir fic^er: 2^er innige, alle anbern gaftoren an (rinfluB ipcit iiter^ ragenbe 3»)oinntenl)ang 5;imfc^en ^kriminalität unb ÜJJaffenannut; ferner ^oii^- janni: Soriologia crimiuale. Catania. Tropea. ^soln, La Frame oriifli- of)nung, toeldie ^zn 9tuöbrud) Der l^erebitären iroinbfucbt bc|d)lennigt. ßorofalo bat geioifj jum 2^eil rcd^t. lö materiette 2ßobIergct)cn ift fein ^Nallabiuni gegen baö a>er' edicii, nid)t einmol gegen bad 3}crinögenQoerbred)cn, lieft man ja : genug Don Sefranbationen, iDeldje retd)üd) Ijonoriertc 23ant rcftürcn begeben. 3)ic (3ier nad) äJermögen ift oft nnerfättlicft ib Darin lourjelt bie sacra aiiri faiiies, oon alten \in^ neuern iditeru oft beflagt. Sie äJe^auptung aber, bafe bie materiellen :rl)ältniffe feinen (Siiifluß ^aben, ift ebenfo übertrieben, toie bie tgcgengefefete, bie jeDe Sc^ulb auf materielles (Slenb surildfüljrt b mit einer neuen Ä>ermögenöorbnung auö hm 3)ienfd)en ßngel xm läpt. Zcx (rinflufe ber materiellen äJerljältnifie auf bie ©eftaltung : ftriminalität ift fd^on beö^alb ein bnrd)fd)lagent)er, weil ber ^altimgötri^b ben 3)fenfc^en Durd)ö ganje iJeben begleitet, drcnt) anDre Triebe auf t)erfd)ieDenen 3llteröftufen Ijödjft ungleid) rten. 3lud^ barf nid)t überleben werben, baß bie 45erteilung Der tcricUen Öüter mit Den fojialen ^^iftitutionen äuiammenljängt ö mit ber fosialen SoliDarität in 'Ji>iDerfprud) ftel;t, loorauo 9t, baf5 jeber Eingriff gegen bie .^Mtitution beö iiele eriüanm tJon Diefeni ^^unftc auö bie Unifeljr sum beffern; il^r Sdüaiwtt [autet: bilDet fie \\n\) iljr beffert fie. Slnbrc l^ingegeu fdirciben ber fortfdireiteuben iMtbung feinen (Sinfluß 3U, ja nidit rocnine hulbigcn fogar ber 3tufid)t, baß bie fortfd)rcitcnbe Öilbung Den frimineüen ,^anQ nod) ftcigert. 2^er Sd}öpfer ber ilriminalftotiitif, OJuerri) war felbft Der erfte, ber bawor lüarnte, t>aii man von M 'öilDung jn uiel eriuarte. ^L'instnictioii est un iustrinneiit doiit 011 peut faire boii ou mauvais iisap;e./' fagt er. 3cin 'Jiad)fo(ger auf bein (>Jebiete ber nioralftatiftitd)en i^oriAiiiiiicn, Cuetelet, gelangt gleid)faUö ju bem 'Hefnltat, Daf? bic i^ilDiniji bei weitem feinen fo gnnftigen Ginflnfe auöübt, roie Dicö nmiidje glauben. 65eiüö()nlid) Dermedifctt man ßrsieljung mit llntcrriit ijaö X.'e|en unD £d)reiben bietet feine Öeii)äl;r gegen bie SdnilD, ja in geroiffen fallen finb fie nur ein neneö ^nftrument jur ite friebigung ber frinünellen 'JiVigungen. 3lnd) Cttingen nähert fid) biefer iHuffaffung; er l)ält bie ?>*rage nid)t für entfd)ieDeu imö glaubt, Daf? ber äiilDung nur infofern ein Ginflnfe äugefdirielH'n werben fann, aU fie bic 3a- gegen bie ber unblutigen vermeljrt unö namentlid) in Der %\\^ Übung Deö Jiaffinementö ftcigert. Serfelben x>lnfid)t ift ncucrDinA« aud) iNatcntini. ^Jtid)t güftiger ift Die 3tnfid)t einiger neuerer Statiftiter, bereu üJJcinung wir furj anführen wollen. Star de: „Sic geiftige 23ilDung auf bem :!i>ege Dco SöhI- unterrid)tö ift nid)t oi}\\c weiterem mit fittlid)er unD rcliiiioJ'jr iMlDung jn t^erwec^feln" (i>. u. J>. S. 159). Jjuerneö: ^L« plus souvent des imssiuiis et «r la criminalite, ni rinstruetion snr la nioi'alite. II laut re- in>nct»r a cett(» explieation et a eette esprrain-e .... Li"" struetiuii eest uiie arme. Elle vaut ce (pie vaut le erbred)en mobifijiert, nid)t bcn 3raD ber ftriminalität 9lber in Dem ersieberifd^eu CSinfluft ber Schule fieljt er ein roidjtigeö 3)Joment, bnfe Daö nioralifd)e 'Jiiiieau ,u crl)öt)en Dennag. !Der regelmäßige Sdiulbefud) erjiebt jur ^rbiiung, jum Oieborfom gegen bie lUutoritätcn, jur Diöjiplin uuD llriiilid)!eit. 3iamentlid) betont er Den woljltbätigen (Sinflufe Deö Religionöunterricötö unD ber Dernünftigen (rrjieljung jum mobernen otaotöbürgertum, \)aQ nid)t nur ^Hed)te unb Aorberungen, fonbern trciioie ^j>flid^ten involmert. i^nöbefonDere muf5 bie aJJaffe Der iöe- 'ölfening geljörig über bie ©renken Denen anfgeüürt werDen, uhiö m biird)fd)nittlid)en ißanfe bes Vebeno ber (5in.^elne ju erreid)en «rmng, bomit er fid) nid)t 'jjljantaueroien unb gefäbrlid;en Umfturä'- cftrebungen bingebe. (Sin foldjer CSiufluft Der Sd)ule muf5 günftige 'Olgen Ijaben; jeber anbre, ber auf bie uttlid)en Wefül;lo nidit •irft, muß Dagegen fdiöDigen.*^) („Lue ecole saus reli|i:ion n"t»st üun pei'il de plus!**) 'i^a'iitn mir biefe 3){einungöäußerungen jufannnen, fo ergibt ^, ha\] jebenfallö Die 'JDiebrbeit Der 3-or)d)er Davon überjeugt ifi, iB Der Unterrid)t an )id), bie änbäufung xm\ gröf3erm 21Ui)'enö= off, Das, waö mir mit bem liiJorte „xHuftlärung" bejeid)uen, Durd)= ^»S nicht genügt, um and) Dao fittlid}e 'Jiiueau :^u erhöben, ja eo ^ fogar Der J-all nidit au»>7. 554 ¥rof. Dr. ». ^öIDc«. folgcubcö üor aiugc. 3)ic fteujeubc SBübimg fül^rt ju einer njcitetr Tiffercnsieruug bcr ^ubiüiDuen, alö bereu Jyolge Die Grft^einuiH eintreten fann, öaB bie niinber Webitbeten nod) fc^roerer forttoramei unb burd) 3Jot, ^afe, innern S^^iciP^lt »öd) uniüiberfte()lid)cr au bcn äßeg beö Softerö gebröngt rocrDen. Sic Silbung niebrt fcmf ben SBorrat an äöerfscugen 3ur 3luöfü{)rung illegaler gtrebuugw Xcx 5DJen|d) roirb gef^idter in 3tu6fül)rung triniincUer ate raffinierter in Sered)nnng ber begünftigenben Umftänbe, fd)(fluf in bcr Sefcitigung ber Spuren, bie sur Gntöecfung ^e9 25« bredjenö fiU;ren tonnen. 2)ie Sluftlärnng untergräbt bie Sleligion/^ lodert bie Aaniilienbanbe, bie 3iäd)ftcnbe}iel)ungen \mt> fd)roä4t ji baö Okfüljl ber 3"1tt^""^c"Ö^')örigfeit unb a>erantn)ortlid)fcit. Uni Dod) würbe ja gcrabe bie fteigenbe iMlDung eigcntlidi l»aö 9)Iai ber $?erantn)ortlid)feit erhöben, luie fdion 2l)omaö a Äcmpif fi^flt: „Quanto tu plura nielioracine didiceris, tmito graviore! poenns licet, iiisi eo sanctins vixeris." ,"\e größer bie Ülbnalira in ber SKaffe ber ibocUen Wüter, befto größer natürlid) ^aö 9« gel)ren nad) materiellen ©ütern. atlö lüidjtigeö 'SJoniont fonim l)ier aud) bie fteigcn^e Irritabilität, 'JlerDofität, Senfibilität in 8< trad)t, bie alö eine Jyolgc ^er 'Jtuftlärung erfd)eint; eö tommoiiüie meljr anormale 3"ft^"bc t)or, bie 5um Seit mit i'crbrcd)cu al fdilieften. ülwd) mufj t>avan erinnert loerDen, baJ5 eö bei geipiife i>erbred)cn'(}. 33. Öetrug) geraDc 'iNorauöfegung ju bereu 2urd fübrung ift, bafe ein 2eil ber Seuölterung auf böbercr, ein anm auf nicDrigerer 2)ilbuugöftufe ftehe; aud) Dicfcm Umftan^e müiie lüir einen CS'influf} auf Die 3»"^bme ^er Alriminalität beilcgei Gnblid) fei nod) baran erinnert, \)ab mit fteigeuDem 3i'ol)lftQnD Da gefd)icften Xefraubanten ufio. ein höherer ^L'ohn luinft/^) ^af> b; uollfommenern iloiunuinifationömittel aud) Den S>erbred)ern ^u gut tommen, baft in ben gcbilDetern Staaten baö .'Qunmnitätogefiilil 5U Slninenl^ung milDerer Strafen führt. So racrDen roir Denn Df *■•) 3 Hing: „^ür l>ic 'J?oIfjfIafKn, aus Irenen iinirc 3triUanMalrcn f; rcfvuticrcu, t^ccft t^cr moriUifdjc 3inu fid) rDUftäntiiji mit Dem rcIic^ioKn." \c\<* ^'•) Tar«lf: ^Lcs prolits s»; ^cmt arrnis H k-s risqiios mit iliiiiinO' :ni pfint qiie ilaiis iios pavs civils la profcs^iou «U* vol«Mir a la tire, « vairalM.inl. dl' faiissain*. rN «-t drs plus fnK'tmu?>f's qu nii pan"«*«^ l't ut ajlt-pttr- ill»:-vuf ihil.. jaiiv. issi). ©nige Grgebninc ber neueren j^riminolftatiftü. 555 SeroBgcmcincrung bcd UutciTid)tö an \\^, bcr aiicißiuing cincö größcrii äiSiffcnöftoffcö nur geringen Ginfluft auf bie Sefferung ber Äriminolität beilegen. 3)aö läßt nä) nur burd^ eine weife Gr- jie^ung unb gonnung beö (S^arattcrö erreid)en. DJiemanb l)ai ben 3»fflntmenl)ang ber 53ilbung mit bem (Sl)arofter beffer ge- jeirfinet oU (i)oetl)e, inbem er fagt: ,,3llleö, road unfern ©eift be= freit, of)ne um bie ^errfdjaft über unö fetbft ju geben, ift tjer:: bcrblicö" (2Banbcrjal)re). (gö ift bieö ein äöort, M^ eroig rool^r bleiben roirb. 35ic roir bereitö gefel)en, finb bod) nad6 einer 3iid)tung l;in geroiiie ^offnwnflC" bered&tigt. 3)Jit ber 3i"^^()"*''' ^^^' 'iMtbung nehmen nämlid) bie rohen, blutigen gönnen beö iserbredienö ab. ^La civilisatinn — fagt ©tenbbal — fait desiier k \m lioniine des c'hoses nioins iniisibles aux autres.'' 3lud) i^oöco roeift ■ bie ülbnabme Der i>erbred)en gegen t>a^ kicbcn mit junebnienDer SilDung nad).**) 'JOJit ber Xiilöung nimmt aud^ ber Ungeftüm beö 61)arafterQ — im (^5uten unb ä^öfen — ab unö fo änbert fid) bie iiatur Der lNerbred)en.**') Xroßbem muß bemorft roerDen, baf? aiid) Dicfeö JHefultat in neuerer 3«it nidjt gan.^ gcfid)ert erfAeint. im priuaten unb i)ffcnttid)en i?eben, auf Der Strafjc unb im £a[on, in ^^Jarlanient unb in bcr ^ournaliftü, auf ber 33ül)ne unb in Der ^itteratur neljmen roir tagtäglid) 3^'^^'^ ^^^ iNcrroilDcrung roabr, roeldje gerabc.^u erfd)redenD fiuD. 2)ie gröHcre Jüilbung, bie 3d)ulc Dermocbten oaö nidit 3U Dcrbinbern. lUadiDcm Die :'(d)tuug uor t)cn ^HbiüiDuon, uor Den 3lutoritäten unD uor ben .Viftitutionen gc- it^rounbcn, fcblt es an (^iaranticen für Den ülDel Der Sitten. .\jier= m^n läfU fid) nur auf eine '^Ihmio anfämpfen: Durd) Die ^^er- breitung einer eblern, böbern xrebenoauffaffung. iUele fdireiben bell tliiififdion StuDien einen ucrcDclnDcn CS'influf? 3U unb geroifj % in Der 05efcbid)tc unD ;L'ittcratur Des tlaffifd)en :Hltertumö ein teicher päDagogifAer £d)at vergraben. X\c '|>flegc Diefer .Uultur *■) „eil»' se l"artr(mi«'nt(» la <'oiirt.niitaiiz:\ dri du«» t'atti, ddla inaL''iJriur C"ltura »• didla minor tn-qutiiza di «lUfsfu natu <«'initidii»)~ (iiulh'tin d«' llnstit. Inirni. Tonn- IV. j.. -J.;»;!. *") Tartl«;: -l.a rivili>iifion t«iid ä lair»* pivvalnir l»'s t^riiuvs ip^n ^''^ötuinaires du crinur ((.'riminalirr \t. 17: Ji. 55() 'l>rcf. Dr. SB. ^örtocs. QCWÜQt an fidö allein ni^t. Uiifrcr 3^4^ ift ed mm eiumot nid gegönnt, beut Stubiuni ber alten Älaffifer fo grünblic^ ud) l)i"5>: geben. 'Jliid^ halten luir bie 3lnncf)t für übertrieben, roelcöe nu htw tlaffifc^en Stnbieu einen I)ol)en päbagogifAen 3i>ert äufcbreibl 3)ie niobernen iritteratnren fönnen nnö öcnfelben 3)ienft iciften oI)ne M^ gleidie -iDiaft t^on Slnftrengnng jn bean|prnd)en unD o^n uns fo Dielen ;irrtüniern anöäufeben, roelcbe mit beni .^ineinlcbc! in bereite längft nerfAiunnbene ^^^nftitntionen unbebingt verbuuDo finb. (So fomntt übrigenö unfrer 3tnficl)t m\ä) nid}t anf ben Sioj an; nid^t bie fcböne Vitteratnr allein mag eine CSrljebung beö 0e müteö ju beiüirten. 2)aö 3?ertiefen in bie großartigen i^rojeij beö 'JJaturlebenö tann unö ebenfo läntern, wie t>a^ fdwnit 0ebid)t. (So !oinnit eben anf ben (^)eift an, in bem bie i^ilDu«! Derbreitet wirb. S'iefer (äeift mnf? fid) änbern, roenn wir güuftiger Slefnltate erjielen lüoflen, er mnft sn einer anbern unb hoben iiebenöanffaffnng führen, aU wir fic inegemein bente antreffen • 3iid)t bad Sefen unb Sd)reiben tann einen 3d)nßbamm gegen öi kriminalität bieten; barin Ijabcn bie erinälmten 3lntoren, bariu ^o J^erbert Spencer gemiß unbebingt red)t. Xic 35ilbung muß :.i einer i^creblung beö (Sljaratterö führen, unb Mnn mirb fic aud bie 3aljlen ber kriminalität berabbrücten. 2er äl^ert ber gciiti^ei unb fittlid)en (>5üter muj? böljer gefd)äöt werben unb in bereu i^i mel)rung nuif? bie 9lnfgabe beö (Sinselnen unb ber "J)fcnfd)I)eit gcfeC werben. *'•*) onbeni wir nun auf bie Sarftellung ber ftatiftifdien (rrijcbniii übcrgel^en, muffen wir iwr allem bemerfen, M\i and) bier \>iA 9)iouiente inö Üluge ju f äffen finb, weld)e eine i)ewertuuö ^i' SDaten erfd)weren. (So ift aud) bier ba§ 3")önune!Ureffeu »er fc^iebener gaftoren, bie nid}t ^u ifolieren finb, worauö ber ftatif» fd)en 3lnali;fc grofje Sd^wierigfeiten entfteljen. iJJie iNerfdiieDenlKi ber iMlbung tann j. a\. and) mit einer iserfdjiebenbeit Der Möiper traft äufammenfallen, bie gewifferinaf^en bie iu^rauöfetunia eimn 9ieil)e uon S^eliftöarten ift. Cber wenn wir uns baran eriuiicni. baf5 günftigere 'iUlbungöoerbältniffe oft aud) mit günfiiaerei materieller :t^uje 5ufanunentreffen. 3elbft auf ben iNerlauf feo *") Tanle: (^uaiid daiis les cn-iirs decliain^s lien iie ivtiiiulw V^^^ sur leur pente raiii))ition. raimmr. l'eiivie. la liaim; la ciipiilitö. il "^ devra pa.s sVtonner de vuir fhaijue aimee inont»'r le tlot dv la criiuin«!'^«' debordaiite" (Criiuiiialiti* p. l*2ü). Ginige (rrgebuif)« t)er neueren 5inminalftatifti!. 557 Ärintinalprojcifcö tamx bicfcr Ulnftan^ inobifiäicrent) (Siiiffiift ucömen, fofem Der ÖebilDctc fid) bef)er, nad)brücflid^cr 511 üerteiDigeii luirD roijien, and) feiner iserteiDigimg größere Cpfer ju bringen ücrmag. Jer üntiftifd)e 3lu§Dvncf mirD alfo nidbt cbaraftcriftifd^ gcnng fein. Sttbei müfien luir ja aud) öeffen eingebent fein, baft bic Statiftit t)ie ÖilDungögraDc eigentlid^ nnr fcl)r fd)n)cr ju crfoffen üermng. JBo iiberbanpt 35aten bejüglid^ beö öilbungögrabeö gefaininclt m\itn, bort fonftatiert mau bie beö ßebcnö nnD (Sdjreibenö Mun-- )i9eii iinD bodb bejeid)net baö Siefen nnD Sdjreiben nnr ein SJJittel, )od ebenfo jnm Wüten alö jnm iföfen üerroenbet rocrDen fann. £er tieö ifefenö Hnnbige wirb nid)t immer an6) mirtlid^ ein ^licfenö- )cfli)tener fein nnb roenn er lieft, fo fragt e§ fid) ferner, roaö er icft. 23er an :)tänbergefc^id)ten oDer pornograpbifd^er Sitteratnr eine ^i|>bantafic erlji^t, wirb Dnrd) bie :ii^eftüre nid)t nnr nid)t ge- H^lcrt, fonbcrn nur cerDorben. 'iDteljr ikDeutnng geminnt Diefer ImitanD infofern, alö Der £d}ulbefud} an unD für fidb ein günftigeö Dioment bilDet nnb t)orauöfe|jen läfU, M^ Der beö Vefenö nnD Bcfcrcibenö Ännbige überl)aupt bon erjieljerifd^en, biöjiplierenDen Jinflup ber Sdiulc genoß. ^OJit ä)erüdtfid)tignng biefer :Weferüen )e§cn tüir nun auf Die ftatiftifd)c Sarfteilung über. 3^aö 3)}oment ber JMlbnng finDet nnr in einigen iiänDern in )cr Äriminalftatiftif S3erücffid)tignng. IDie bentfdje Statiftif über= )e|t DQöfelbe. 3" Cfterreicl) beträgt ba§ ^Nrojentuale ber beö Sefend inb cAreibenö Jlunbigen unter ben mcgen 2Nerbred;cn üJerurtcilten HV^., (1«8()). Td bie ainjal)! ber Deö Üefenö nnb 3d)reibenö luiiDigen bei ber über 7 .."sabve alten Jküölfernng beim männlid;en ^efc^ledjt 69/^5, beim mciblidien Öefd)led)t ()5,er()ältniffc unter ben r^erbrediern üortonnnen, alö 5 ticm allgemeinen iküölferungöoertjältniffe entfpräd^e. 33cmerfcn ^ix md), 'bai fid) Daö i>erf)ältniö unboDingt für jene 9Uteröf(affen, Jcldie in ftrafmünbigem 3Uter ftel;en, nod) bebeutenD crl)öl)t, fo % bierauö jeDenfattö, Daf, bie Dcö :^efenö nnb 3d)reibenQ Hun^ • ^9cn günftigere. Die 'Jlnalpbabeten ungünftigere äUTl;ältniffe bar- icten. I'ao ä5erl)ältniö geftaltet fid) ferner nod) beffer, loenn mir ^beuten, Dan Die ,Uriminalitätö5iffer Der Slnalpbabetcn fid) nod) ^9iinftiger geftalten nnif? bei tUminierung Deo meiblid)en i^k- &Icd)to, t>a^ ein bobeo '|?rouMit Der 'Jtnalpljabeten liefert. Dagegen ^^c geringere Hriminalirätöjiffer aufineift. Die aber mit aiiDcrn ,ititfa\)iixi}, boB imt 3)^- jug auf bie ganjc SeDöltcrung bic SBefd)äftigung nur aus äiilaß ber ä?oIf^5äl)tuiuj louftaticrt wirD, bofe biefc Äonftotiening ichr fd^njicrig ift, bafj bic Scid^äftigung oft ücränbcrt voixb, oft in sus- penso ift, oft mit 3tcbcnl)cfd^äftigiiiigeu üerbimben ift iifiD. Tic 2)aten ber Statiftif fönuen Ijm alfo mir annäf)crnben Üert bcfi^en. S}etrad}tcn wir nun bie ©cftaltung ber ftrimiualität nad^ Den ^auptjroeigen beö äJerufö, fo fin^eu roir vor Qllem in ITeutidilaiiD folgenöeö: 3luf 100 000 Der ftrafmünbigen SeDöIferung öeiiclbcii ÄQtegoric tonimen 25erurteilte (1888) Sanbioirt^fdjaft . . . 725^ ^nbuftrie 1207,i ^Qnbel unb ä>erfe^r . 1367/< ^äuölid)e Sicnftboten . 30()/2 ä}on ben brei ^auptlategorieen beö Serufö jeigt nI)o täc i5anbn)irtfd)aft bic günftigften, §aubcl unb ä>erfel)r bie ungünftigften a}erl)ältnifjc. ^nöbefonbere Die 3(rbcitcr finb cd, bic wai) M früf)ern Slusioeifcn einen fiof^en Äriminalitätölocffiäienten aufroicieii. S3etrad^ten loir bie ä5er|d)ieDent)eiten, bic fid) nad) ben einselnen ®e(iftögruppen jcigcn, fo finDcn wir, bafe bie lanbtüirtfc^afllidc ScDölfcrung namentlid^ beim 2)iebftal)t, gefä^rlid)cr ÄörpcrocrltWa unb SQranbftiftung feljr ftort beteiligt ift, bagcgcn in geringem 3)fa§e bei Unjud^töocrbredien, (JbrenbcIeiDigungen (inobl aucb ge- ringere Gmpfinblidifcit), Unlerfd^logung, CJrpreffung, .^eljlerci, Se^ trug, Urlunbenfälfd^ung ufn). ©erabc bie Äorruptionöoerbrecben treten alfo l)ier feiten auf. 3n nmgefel)rter äßeife jxnb 3"öuftric unb ^anbel an biefem a>erbred&en beteiligt. Sefonberd boc^ treten in ber ii^nbuftrie auf: gcfät)rlid()c Äörperocrleftung, Siebftäbff/ §älfd)ung, ferner Weioalt unb 3)rol)ungen gegen 'öeamtc, S)a)ii'' friebenöbrud), Unjud^t ufm. .panbet unb 3Jertel;r finb namcntliÄ ftarf beteiligt an (Sl^rcnbcleiDigung, Unterfd)lagung, Sctrua. Äuppelei ufiü. 3n Jrantreidb geftattet fid& baö 3>crl)ältniö folgenbennaBe»- 2[5on je 10 000 uim betrcffeuDen '^cruf Webörigen maren loegcn i^erbrcd}en angeflngt: ;^anDn)irtfcbaft 8 ^uDuftrie U §anDcl IS @intgc (ftgcbniffc Ux neueren Krimtnalftattftif. 561 3Jicnftboten 29 Siberatc SScrufc unb •Hentierö . . 8 üDer auf 100 000 bcrfclbcn Älatcgoric: ifanbroirtfc^aft: ©igcntümer (imb ^tciUicrö) . (> „ XJaubiüirte 16 „ lanbiüirtfcftaftl. 3trbcitcr . . "24 >>n ^snöuitne 2o ijaiiDcl 38 .päuölicbc 3?icnftbotcn 49 liberale Öcrufc 2S .öier tücifen bic 25ienftbotcn bic l)öd)fte kriminal itätöjiff er nif. Xa^o i^cr^ältniö dou ÜniiDwirtf^aft, ,)iiibuftrie imb ^mibcl it Dnöfclbe lüic in 35cutfd)lanl), aiid) bicr finbeit i'id) bei ber Äaub« i)inid)aft bic güiiftigfteii, beim ,üö»bcl bie ungünftigftcii i^er^: 'dlnüife. ••^') ülud) in Ungarn finb bie i?erljältnif|c am günftigftcn bei ber runbbcfiftenben Älaffe, am fcfclinnnften bei Den 2^age(ö()nern. -iUi^ ier tommt in ber lanbroirt)d)aftlid)en ÖeDölIcrnng namcntlid) baö >crbrccöen ber itörperoerlebung vox, bei ^"^nbuftric unb ^anbel )etrug, bei Den liberalen 3}erufen unD Beamten Crt)renbeleibignng, fälfd)ungen, 3Jernntreunng nfro. 25icnftboten verfallen am f)äufigftcn em iSerbrec^en be§ 3)icbftaf)lö. Slnfeerbem entfällt auf biefelbcn in großer 2eil ber Äinbeömorbe, /J^^^J^^f^^^^i^^^Ö "'^b Äinbcö* usfegung. äußer bem ftationären Glementc Der 33eruföfrei|e t;at geiüiß u4 baö mobile ber 33eruföoeränberungen großen (Einfluß auf bie oralifcöen 3"ftänbe. i)Jamentlid) bic im Öcfolgc grofjer tcd()nifd)er ttb roirtfdjaftlicöer Ummäläungcn auftretcnbe S^cplajicrnng ber 'eruföftaffen fommt Ijier in iktradjt, mie mir bieranf fcöon furj i anörer Stelle bingcmic|en Ijaben. So l;at ber ungeftüme Drang -X länDlid)en Öenölferung nad; Den Stiibten niel Übel in feinem efolgc. (£^ ift neuerDingö Darauf biugemiefen morDen, mic günftig i) in Der :Hegel Die iNcrI)ältniife Dort goftaltcn, mo Der lanDioirti )afttid)e unb gemcrblidje Söeruf nid)t fd)arf gc)d)ieDen ift unb Die piioltcrung beiben obliegt. 'Jtatürtid) ift Dieö nid)t innner unD ■'") Cfingchcnlicrc 'i^cincrfunc^cn über Die friiiiiiuilcn 2cn^cn:.cn einzelner "^a c nct)c y\o[\). Jiaincntlid) lilcr t>ic ^'an^unrtfd)aft, iibcr l>i'u einflufe vcr^ ;ct»cner Multurartcn, t^v'^ ö^c'V'»''» "»^ ficincn i^efi^jcü ufiv. üicl ^'cf)rreic^e6. 5G2 ?tof. Dr. 5^. 35H>c§. Überall mö(jlid&.'^') ^oh) nennt biefe SBercinigung fleroDcju eine ^alliance proservative". 3ßir (jeden nnn jnm Stnbunn bcr Steligion imb bereu gin- flnfe über. 2)er (Sinflnfe fonfeffioneller Unterfcbiebe auf Die kriminalität fann tein bebentenber fein, t>a bie l)err)d)enbeu fton- feffionen im großen ©anjen benfelbcn fittlidien (Soöer babeu. co- fern alfo borf) ein Unterfcbieb fid) offenbart, tann berfelbe alieufallj bamit äniammenljängen, \)a]\ bic Slrt nnb :3»tenfität beö religiöieii llnterri(f)tö eine üerfcf)iebene ift. :>Ufo nid)t nm bie 3?er|d)ieöenbeit ber Äonfeifionalität banbelt eö fid), fonbern barnm, ob iHeligiofuät ober ^rreligiofität Jyaltoren ber kriminalität bilben. 2^ie 3(uucl)tcn , Ijierüber finb and) fel;r oerfdjieben. üombrofo fagt, eö gefcbebc ben c^erren 33öfeioid)tern jn oiel CSl)re, roznn man i^r iNerbalten mit bcr Jicligion ober ber greigeifterei in i?erbinbnng feW. Jlud) Golajanni bebanptet: „Non ^ rapporto di causalitii tra la re- ligioue e la iiioralita **"»-). Serfelben 3tnfid)t ift SSalcntini. da- gegen ift lüieber Warofalo an.^ifüljren, ber feine 3lnfid)t iu Den SÖorten andfprid)t: „Fra le forze educative la relip^ione e jseuza dubbio uiia delle maggiori".") 3lnd^ xioli) jähli Die ^{eligion jn ben ftärfften äöaffen gegen bic kriminalität. Xiejelbc 2lnfid)t oertritt ;^cone hi^vx: „Wliat iniglit bü called a eoiniivm- seuse religion liad niore to do in inaking peoide virnums tlian school-learniDg".*^*) Xk Slnfid)ten finb alfo bioeröicreuD. 3i5aö bie 3tatifti! jn leljren oermag, bätte jebenfaUö bobe 2}c- bentnng für bie (Jntfdjeibnng beö '|Nroblemö. 3tnn ift ober Die ^teligiofität ein .^mponberabile, bem man mit aWeffen nnb ^S.'14. ''*) (■riiniiioloiria p. ir>i). ■'*} Jiuinial Ol" Stat. s(»e. lt?S<). irintdc Gröcbniffc Der neueren Mriminalftatifti!. 563 (antiiicntrifft unö fid^ burd)!reu5t. 3lud) iniif3 baran erinnert rDen, bafe nmnentlid) in bcn untern SUaffen bie Steligion üielfac^ t Jlbcrijliuiben, mit allerlei WebräuAcn üerquicft ift unb hai^ iigcnmfe bie i>erbred)er ihre böfcn .^anblnngen gans gut mit em Wciiüficn unb il)rer 3icligion auojufölinen miffen. 3)er 5Ber- :d)er .^äl)lt ebenfo auf feinen Öott unb bie Sleligion, mie fein ifer uuD im ^Jotfallc |ud)t er iljuen burd) Welübbc unb Dptcr ;ufommen; rieben nid)t and) bie abgefeimteften S)öfeiüid)te, iiuiiiD Wlofter, Xiabi) ajfacbetl), 3iid)arb III. um ben 33eiftanb beö nmclö^^'^) Ter 4>erbred)er l)ält fid) in ber 3\>eltorbnung für nfo iüid)tig alö bie Tugeub. „Noi sisuno necessari — fagt Sü)eipid)t — Dio ei iiivio iiella teri'a j)«!* puiiire gli ari i' i tristi ricchi; noi siamo uiia speciedi fla^i*ll(> divier". :lc 'iNerbredier haben tiefeö religiöfeö Öetübl, ganj abgefeljen von n\, bereu iNerbred)en gerabe ha^ iHefultat beö retigiöfen latiömuö ift. fiadj aliebem werben luir dou t^cn iNerljältniQsaljlen ber Mrimi^ ität nadi ^onfeffionen wenig 3luft(ärung erwarten. Xk cnu ;d)enben ^aljlen finb für 3)eutfd)lanb folgenbe: 3iuf 100 000 •Qfmünbige g(eid)er Mategorie fommen ^Nerurteilte: (S'üangetifdie . . . 9(js,:i Matbülifd)e. . . . IKw,«« ,VJben «OV üiad) biefen 3^')^^" [teilen fid) bie i^erljältniffe für bie gilben beften, für bie ilatbolifen am wenigften gut. .^ier ^ängt aber es Don ber i>erteilung nad) 'ii>ol)nfi(5, 33eruf, 3tationalität, von l)lftanbö= unb ^iUlbungöDerbältniffen ab, bieö jeigen j. 33. bie Idjiebenbeiten 5wifd)en ber :)Ü)einprüi)in} unb '|>ofen, wie über= pt 5wifd)en Winbern gleid)er .Monfeffion. Xie günftigen tkx- niffe ber :3"ben, bier iine in anbern 3taaten, l)ängen geiüift ) mit bem Umflanbe jufammen, \>a\] unter benfelben Die nfiud)t weniger Derbreitet ift. I^ie ^");uben finb ftarf beteiligt folgenben iNerbredien: ^Hetrug, (rrpreffnng, ik»leibigung, Urfun= rälfduing, Sluppelei. ßering seigt fid) ber 3(nteil bei S^ieb* ^en, bei gefäl)rlid)cr Mörperuerleisung. 3)Jorb unb 2^otfd)lag, )eömorb fallen il)nen faum uir ^'aft. (Sbenfo finb fie bei fol- gen Sittlid)feitQuerbred)en minim Dertreten: ü^oppelelje, )lMnt' ■•'•) l'car, l. ;Huf;iiji, 2. 3ccno; l'iiicbcrh, I. :}luf;ii(^. T). 3ccnc; :Kict)art» IH. 564 ^wf- I>r. a. gölbe«. fc^anbe^ roibernatürlidEie Unsiid^t Unjud^t mit SRi^brau^ eined $(► traucnöücr^ättuiffcö. 3n Cftcrrci^'Ungaru finb bic einjelncn Äonfeffioncn an Her Ärimiiialität faft genau in bemfclbcu S^cr^ältnid beteiligt, ber i^rem aSortommen in ber Seoötterung entfpric^t. äSie bemerft, bieten bie auf bie Äonfeffion bejüglidjen Sateu toenig Stüftpunfte jur Unterfud^ung beö 3"Iö"^"^^"^^"8^ jroii'dxn Jletigiofität unb Äriminalität. Sdjon me^r be« itel;rreidöen ergibt fid) jebenfaHö auä jenen Säten, roeld^e )\d) auf bie religiöfen Scnnts niffe ber i^erbred^er bejief)en. iieiöer flel)en bie betreffenben Säten nur in befcbeiDeneni aWafic jur 3?erfügung. So finDen toir iii Der öfterreic^ildjen unb ungarifdben Statifttf 3tuf5eid)nungen mit Sejug auf bie QefängniöbeDölferung. .^ierauö er)et)en roir, Daft bie 3Kelir« jaf)t ber in ©cfängniö Untergebracbten nur mangell)afte religiöje Äenntniffc befi^t. 'Jioc^ großem ihSert als öicfe Säten t)abcu Die fpesietlen Grfaf)rungen, raelc^e in biefer SJic^tung gemad^t toiiröen. So füt)rt ^lli^ifl ^i"^ '^^i^^ ()öcöft d;arafterifti|d^er 3:^atfa4en an, weli^c auf t>e\\ religiöfen Gbarafter Der ©cfängniöbeoölferuug ein fef)r fd)limmeö ^\ä)t werfen, /vrioolität in iHeligiondfad)en ift ein Ijeroorfted^enber 3«9/ ber jugleid; oon einem ljof)en Srab moralifdjer Sepraoation jeigt. SBenn eö fid) babei aud() nic^t nac^ineifeu laut/ t>ai bie SHeligiofität einen bireften Ginflufe auf bic Äiriminalität im allgemeinen ^at, (Sineö ift geioit3, baß bie i>erfommenneit inib Die @efat)r bort größer ift, roo bie SRoligion ©egenftanb öes 3potted ift. (Sin Sträfling, ber bie (£rmal)nungen bed ©efängniöfeelforger« mit \>e\\ SJemerfungen surücfioeift, er möge i^n mit foliem Sd)n)inbel oom ^alfe bleiben, öaoon fönne man nic^t leben iifnJv in beffen ikuft mirb feine beffere Biegung mel^r 3Burüel faffen. ^law tann Den iJel^ren ber Sieligion gegenüber fic^ tnbiffcrcnt t»er: Ijalten, bic i>crl)öl)nung berjelben ift jeöenfallö ein gemeiner m- iiJir unterfudjen nun ben 3tifi^"i»ncnl)ang smifdjen ber fiatio- nalität unb Kriminalität. Sie 3lnfid;ten find and) ^icr fet)r Diocr- gierenb. Cuetelet l)at bem gattor t)er 3Jationalität einen bf- bcuteuDcn (5'influt3 }ugcfd)rieben. '^'\) 3"bemfelben SWefultate fotnmt neuerDingö SJeurle.*') ^ölajanni'*') fommt nac^ einer eingebenden ■'*') 11 me seiuble quime des preuiieres distiuctioiis k faire dans letu^le (ini nous occiipe et celle des diÖV-rentes races** (Pbysique sociale II p. -*^'- •■) Cirjjcbniifc t»cr Hnminalftatifti! (Z VIII :)4r). ■') Sociulogia crimiiiak* II cap. V. &niQC (Srgebntffc t)cr neueren Knminalftatiftif. 565 rterfiidbung ju bem 3lc|ultQtc, bajä ber 9Jationalität als fold)cr fi einfluB jugcfcöriebcu njcrben fann imb roiberlegt überhaupt e Mei^c gcroagtcr Se^aiiptimgcn, bic fid^ auf bic ct^ifd^c Sic- itmig ber Siaifcn bc}icl)t. ülud^ i^olt) befd^reibt bcn (Sinfliife bcr jie al§ gering. 3)ie ftatiftifc^c Unterfuddimg ftöfet awd) I;ier auf ße Sdbraierigfeiten imb überhaupt fte^eii Die 2^atcn nur für ige Sänber jur äJerfügung. Sicfe Satcn jcigen, bafe fid) in m fiänbern, roeld^c Derfd)iebcne :i)iationalitäten bemofincn, ein :erfdbieb in bcr allgemeinen Ärinünatität jeigt, wie bieö bie iftif^en Säten für Cfterreidb unb Ungarn bejeugen. Slufeerbeni r jeigt fic^ eine oft auffallenbc I^iüergenj nad) ben einjelnen fjen. 2)iefe iNerfd)icbeul)eit fann 5um grofeen 2eil auf fojialcn, iUeftucUen Urfad()cn berufen; eä roirb aber fauni 5U leugnen I, t)aB aiidi t>a^ Xeniperauient feine Atolle Ijat. äJölfer mit leidet irallonDem 33Iut werben in ber Äriminalftatifti! mit einer grofeen )l t)on Hörperüerle^ungen Dertrcten fein^ n)äf)renb bei fold)en faltem Ölute Diefe 3Jerbred)en in geringerer ^a\)l oorfommen Den. So finben mir j. ö., baft in Ungarn bie ungarifd)c tionalitat in größerer Qa\)l an ben 2>cliften gegen bie ^erfon liligt ift, n)äl)renb bie SloDa!en bei ben 2)iebftäl)len mit bem iftcn 5|Jrosent üertreten finb. äiJerfen mir enblid; nod) einen )iBIicf auf ben (Sinftufe ber itifd)en 3iM'tänbe. Xai axid) biefe in melfad()er ^ejieljung i^riminalität fielen unb namentlid) jum frimineQen .^ange ber Folterung, ift für und eine unbcjmeifelbare 7S)at)ad)c. 3er IcnftanD ift biö in bie neuefte 3cit nur wenig oerfolgt morben. ige Semerfungen finb alleö, maö unö bie Üitteratur Ijierüber weift. ^■') !Sie neuern Sd)riftfteller befaffen fid^ fd)on etmaö ein^ enöer mit biefer I;od)mic^tigen grage. ,pier ift üorerft i^om? )|o JU nennen, ber ]iä) in einer felbftdnbigen ilrbeit ,,I.cs mes politiques") unb in feiner „Anthropologie criminelle'' je^enb mit einjelnen (rrfdtjeinungcn beö politifd)en ;i^ebend iäftigt. (Sola Jan ni'*^) unter) ud;t eingcbenb ben (rinflufe H|)cr politifd)er ^"ftitutionen, wie beö Äriegee, beö fteljcnben ^^) Montesqnieu, Esprit «los lois (livro VI, cap. IX u. XV). Tocque- ^e, la <16mocratie eii Aiiu'rique (II p. 87j. Fustel de Cou langes, ite antique (p. 40*2). '■''j La Sociolojria criiiiiiutlc II. lap. XIII. 566 l^rof. Dr. 5J. göiöcö. ^ecreö, bcr Sfloocrei unb lüeift beren GinfluB auf bic Äriimimlitöt nacö. Über baö 3?erl)äUiüö bcr mobernen poIitijd)eu 3"^^"^ 5ur Älriminalität äußert er fid) jeöocf) uid)t. S^agcgeu nnöen wir bei ;3olp^') biefe Seite ber Jyrnge uäber beteucbtet. ßr untcrnidjt nnmeutli(i& beii (rinftuft beö reüolulionäreu ©eifleö \\\\t> ber fort- toäörenben politifd^en Äämpfe. So meiert fid^ beun baö 3)taterial, löclc^eö mit ber 3<^it eine genauere Unter|ud)ung biefer Seite Her ftriniinalität geftatteu wirD. Jreilid) für Die 3^^I^»ftati|üt, für bic Ü)Jaffenbeobad()tung wirb f)ier wenig 3(rbeit ju leiften fein, iwil fid) bic Grfdjcinung in ibren n)id)tigften a)Jomenten ber ftatiftüien Seobad^tung entjiel;t. 9tufnal)men, wie fic unter anbenn Cola- janni^^) jitiert, wonad) bic 2)eliquenten nad) ibrcm ;3nterefie für Düö politifc^e Scben unterfud)t rouröen mit) roelc^e bad iHefultat lieferten, baß fid) unter jenen Diel weniger .ftriminclle finben, bic fid) für M^ politifc^e treiben intercffieren, fönncn fauni crnften Slnfprud) auf 2icrüdEfid)tigung mad)en. 3ßir werben baf)er andi) barauf ücrsid^ten, und auf baö (Sebict ber Statifti! jn begeben, bei einer -(Srfd)einung, bic ficb gegen eine ftatiftifd)e (Jrfaffung fträubt unb nur fürs t>t\\ ©inbrud anbciiten, bcn auf uns bie (£rfd)einungen ber ©egcnroart machen. Unleugbar liegen in bcn l)errfd;enbcn politifcben 3"ftänDen ber Öegenroan große nioralifd^e ©efabren. 3n bcr Drganifation bc§ parlamen- tarifc^cn :^cbenö, loie es fic^ bort entwictelt, roo 'oa^ parlamentarific Sieginte fid^ üott entfaltet f)at, ftedt oiel nioralifc^eö ®ift; basfri^f \)at iid} gerabeju als torrumpierenb befunbct xin'b bie oon Dem- felben ausgel)enbc Korruption greift um fo weiter, je größere greife in beffen Sannfreis gesogen finb. 2Jeäeid)ncn mir nur mit einigen £d)lagroorten bie Übel, bie baöfelbe notmenbigcrmcife erjeugt. 3^er aipparat, mit bem beute bie 'ijjolitif arbeitet ift folgcnbcr: 33ei t)en 3öa()lcn wirb Sügc, Sietrug, öefted^ung unb Öerooü- tbätigteit nngemenbet. 3)ic @croä{)tten finb jum nidt)t geringen Seite 3»^iüibucn, bie bei weitem nid)t ju bcn öcficn ibres 3?olteö geboren. Sagte mir ja ein 3lmerifaner, baß man in 2tmerifa einem soi-disaDt Serufspolitifer nidbt gerne bic ^anb reicht, ^m ^fartei- gctricbc wirb bie Älorruption fortgefe^jt unb felbft baö öefcß f^f^ biefem feine Sdjranfen. S)er 3lbgeorbnete unb feine Älientel ficW über bem GJefcß: „Tonte partie poiitique a uue ciientele Ji '■'*) La Franco criminelle cap. XV. ^-) Socidlogisi criiuinale II. p. 020. (fintgc (rrgcbniffc bcr neueren Äriminalftatiftif. 5G7 soivre; nou seulement il la flatte et par cela ineme la eor- rompt, mais eu maiiite circonstance il Taide a se sous- raiifi ä la loi . . . Si la haute police est souvent affaiblie )ar une dualite d'attributions, si les agents inferieurs sout ?üuveiit battus eii bredie et empecbes d'accomi)lir lern* de- roir (lans toute soii etendiie, si la iiia^istrature meine lesite paiibis devant certainos poursiütes, k qiioi faut-il attribuer encore, sinon k ce qu' on appelle „les tristes exi* :eüces de la politique?"''^^) 2)ie|cr Ginflufj l)cö ^^arteilebcnö t oon bereiten ACt)erii gefcbitbcrt roorbeit. 3)ic l)err|d)enbe ^Nartci ctra(6tet 'om Staat alö \l)v ^|>atnnioiüum, \)aQ unter bcn Öetreucn erteilt lüirb, Smter, )h>ürben, ^^if^^ünbcn, atleä. ^eDc neue 2lb= liniftration in 3lmerifa fiiljrt ju einer neuen aSerteilung \mt> fo 'urbe bie efelljafte erfd;cinung beö „Lobbyisme" großgejogen.*^*) The gieat city of New-yoik — fd^rcibt bic Fortnightly leview (Juni 1888) — \vas tor years bold and jdundered to lie extent of inillion dollais by a gan<< of thieves. At tbe lesent tinie three fourtlis (»f tlie late aldennen of that city le in piison or in biding for coniplicity in an inq>udent theme to rob tbe city/' ^n ben folgen biefeö poUtifdien 'reibeiiö geijört bann Das Untergraben jeber 3lutorität, roeld)e in ner Steigerung ber iserbred^en gegen tcn Staat frübor ober 'öter jum 2luöörucf !onnnen niuf?. 3luber)eitQ bat tia^ OJebabren 'it beu ämtern unbeDingt bie ©r)d)ütterung beö ^4>f(id)tbemuRtfeiuö ' tien 33eanitcn jur %olc(C, luaö ju StintSuergeljeu, Scfraubationen • IH). fül)rt. 3^cr politi|d;e ilauipf fteigert bie 3^^' ^^^ (S'bren- 'Icibigungen unb ber barauö folgenben S^uelle i\n\) '^Nrenprojeffe. "D biefe ''Vergiftung ber öffentlid;en ^äOforat inuft unbebingt rüd= Weil ouf ^ie ^4>rit)atinoral unb bereu :)tiüeau brüdeu. So bürfen i^ beim fagcn, baft bie neuere (Jutioidlung beö politifd)eu Sreibenö 't bie Ariminalität ent|d)ieben ungünftigeu Crinfluft [jabm nniH. 'JJod; ein 3l*ort über bic fojalpolitifd^en (i:rfd)einungen unferer ff 'It. Xcx Äanipf, ber gegeniüärtig in ben nieiften Weiueiuioefen itet unD ber fid) 3unäd)ft alo ein Mampf ber unteren iUaffeu 1 eine günftigere Weftaltung ibrcr materiellen !l'age barftellt, bat ^) ber .Uriminalität feinen Stempel aufgebrürft. Tieö beioeifen *"') .loly. La France rriinim'llc j). 41.">. ^*,) 3ict)c BuriH'tf Tlir«»iiu:h on«? A. 568 '?rof. Dr. ». 5ölt)c«. bic irifd)cii 3lgrarüerbred)cn (1881: 4439); bie« jcigt fo mancter Streif, roic j. 8. bcr bcr amcrifQuifc^cn (Jifcnbabnarbcitcr im ^ai)vc 1877, wo Stäbtc in Öranb gcftcctt rourbcu, 9)Jorb uiiD )^anba(tdmiid ausgeübt iDiirbe, uom atlautifd^en biö jum tüOen 2)?ccre. Sic Sojialiftenprojcfic in Deuifd^lanb, bic Sübiliftenprojefie unb älttentate in r){u6lanb bejeugcn gUic^faUd, boB bcr jtampf um bic iiöfung beä fosialcn '^roblcmö imfrcr Xagc aud^ foldber Sarren )iä) bcbicut, bereu 3lmoenbimg baö Jicdötöprinjip nid&t geftattet. 2Öir fd()licBcn biefc Sctracötiuigcn mit einigen 2)ateu über Die iscrgcficn gegen baö @efe§ gegen bic gcmeingefä^rlid^en öeftrebungeii bcr Sojialbcmolratie, bic nanicntlici^ mit 3luf^ebung biefeö iätH^ befonbereö 3"tere)7e ücrbienen. äßie uns bic Säten Der le&ien jroci ^at)vc (1887/8) scigen, betrug bic 3^^l ^^^\^^ SSergebcn 2:^7. (£tn)a fünfunbjmansig ^^^rojeut ber gefamten %'a]ic tarnen auf Scrliii Ser Scfdjäftigung nacft ift bic ^"buftrie am ftärffteu uertrcteii, bod) feljtt Ijier eine einge^enberc Detaillierung uamcntlid) bcr Jlr- beiter. 3lber aud6 bei titn anbern ^eruföartcn lommen einzelne Jvälle Dor. 3)ie ^JÖJet)r}al)l ber ^Jeftraften roar unoeröeiratct. ?cr Sllteröflafic uad) fällt uabcju ein Drittel auf bic ^al)xe Don 10 biö 30. Der ^eimat wad) maren bic i>erurteilten nur in ^aii} wenigen fällen 3luöläuber. VII. Die Jtccibiüität. Daö Stubium ber 2?er{)ältniffe ber 3{ecibioitüt sielet in neuerer 3eit immermcl)r bic 3lufnier!|amfeit ber Äriminaliften unö 3ta' tiftifer auf fid). ©ö ift beinahe jur allgemeinen Überjcuguna «3''" morben, M^ in ben Jiüctfälligcn ein befonberö gefäljrlid)eö Glcmeiit ücrborgeu liegt, bic inateria peccans, bereu 3Iul)äufung Staat iiub ©cfellfdiaft in Ijol^cm Örabc gefäbrlidj loerDcn tann. Sd)ou Tue- petiaui* bat ben ©cbanten auögcfprodjcn, bafe Daerbrc($er gut beleunnmbet ]u\X>, roäbrenb 75 % 5"^ „Criniinal Ciass'' gehören: befanntc Diebe, iHigabunben, X^^^' fiituierte, Trunfenbolbc ufm. 3iud) weift er uad;, baß ucuerDing* (Einige (rrgcbniffe bcr neueren ^riminalftatiftü. 509 Die 3ö^l ^^^ bcr „Criniinal Class" nngefiöriijcii ä?crbrcd)er ftcigt 'Survey, J. of stat. soc. 1880). 0lcid),0tifi roirö Die 3""^()'"C riefer 9efeUf(i&aftöfciiiMid)cn Äilaffc qIö trauriger iiciücis bafür an- lefe^en, Du^ feine Strafe, fein Unterrid&t, feiiierlei ^efierungdocrs uijt Den (Srfolg l)aben, öle uerftocfteu 'i}crbred()ernatureu jur lijiwwQ öoö jHeditd iinD ber 9e)ett)d)aftlid)en Drbmiug ^iirüdsui fi^ren. Unb gcroif): ift eö einmal bcroiefen, bafi bie 3^^^ ber liWfälliijeu üon ^a^r ju 'i^atjv fteigt, und Da^ gegen biefetben ein Straffijfteni Sd^nft geiüäbrt, bann ift eö nur folgeridjtig, roenn iir Grflärung biefer, ber nienfd)lid)en 9iatur fdjeinbar roiber- Drcdbcnben Grfd^cinnng nad) neuen Stü^punften gefud)t roirb, leld^jcitig aber and} nad& neuen Sßaffen 3um ®d)u6c ber ®e|eU= ioft. ^n dem großen 3Jerid)tc/*"^) in weldjem bie fransöfifcfte Iriminalftatiftif ber legten fünfzig lia\)xt jufanunengefaßt mirb, :nbet in ber St{;at bie Grfd)einung bcr Stccibioität bcfonberc Se^ c^tung; ber ^^nftijminifter betradjtct biefe J^^fl^ ^'^ bie roicötigfte, )eil fie bie Ungenügcnbl;eit ber Strafen (uoni fittlic^en Staub- 'unfte) jeigt unb in ergreifenber äßeife bie Sluöbreitung jener ojiülen Jöunbe beleudjtet, gegen n)cld)e in ber (>iegenn)art M^ Der? inte iöeftreben ber ^J}loraliftcn gerid^tet ift. Jyrantreid) I}at aud) in •er Ibat nid()t gejögert, gegen biefeö Übel energifd)ere ^Jiafercgeln u treffen '''•) unb baffelbe werben aud) bie anbern Staaten tl)un, iJenn cö einmal anerfannt fein wirb, baft in unfern 2:agen ein an^ e^nlidjcr Xeil ber 3Serbrcd)er uid)t aH uom "^Nfabe bcö r)ied)t§ unb '•^r guten Sitte abgeruidienc ^"biinbuen, fonbcrn ale fold)e ;^n- iöiDiien ju betrad^ten finb, bie auö bom riNcrbred^en teilö einen Ü3e' "f madjen, teiU axici^ crfte. 3et)cnfallö liegt eö im i^ntereffe ber genauen Unterfud;ung bor CrfAeinung, bap unö beibe 2lrtcn ber 'JieciDioität belannt feien, ©nbliift ift audi Darauf anfmerffam ju madben, bafe al« SHeciDiuität l;aufig nur Der galt betradjtet wirb, wenn bie wieberbolte Segeljnng cineö :i>erbroc6en* innerl;alb einer gcwiffen 3^itfrift nad) 3lbbnf3nng beö erften enoljt. H}o\\ allen biefen Sdjwicrigteitcn abgcfc^cn, ift and) nocl& Der Um* ftauD 5U beflagen, bafe wir in ben meiften "^äüm bejüglid) Der Siecibioität außer ber :^]al)l berfclbcn feine fpejiellen Xatm befi^en unD |o faft jcDcr 3ln[)altöpunft feblt, \)a^ pfi)d)ologifd)c (ücroebe bicfcr (vrid;einung weiter jn oerfolgen. äi?ir geben nun auf M^ Stuöium einiger bic Sicciöioitäi bc- treffenbcn Traten über. älMr beginnen mit '^cutfd^lanb. 3iad) Der 9Jeid)öfriminalftatiftif für M^ ^ain 1888 wirb ber "^Jro.^MUfa} Der- jenigen ÜNcrurteiltcn, wcld;c oor ber neuen Straftljat bcreitö Ji* Strafe Dcrurteilt worben waren, mit '2\)/.i % angegeben. 3^er '|!ro- jentfatj ift feit 1882 in rcgelmäfjigem 3»"el)men begriffen. Ül>^^ Diefc 3""^^^)*"^ bemer!t Daö offisiefle ^Tofument (:Heid)öfrimiua*'' ftatiftif 188G S. I 2i) \\\\^ 30), ^(x\\ bicfclbc jum STcil audi ro^i^^ mit folgenbcn UmftänDen äiMtmnnenl;angt: 1. ftrafproscffnale Ut'"*' ftünDc; 2. infolge (rinfül;rung ber Straf regifter feit 1882 gröBf^,^ (Genauigkeit; 3. cDcntucU größere 'l^räjifion bei Der ftatifti|d)en :Hl » ^ arbeitung Dco 3)Jatcrialeö. (Sine befonberö ftarfc 3""t^bme t» *:i 'JieciDioität wirD bei Den iNcrbredien gegen Die Sittlid)teit bcroc»''^ gehoben. 3)ie iHTfd;linmierung ber iNcrhältniffe läfU fid» auch a xis Dom UinftanDe folgern. Daß wäbreuD Da^ "iHTlidltniö Der mcbrft^'* iHnbeftraftcn ju ben einmal 'i>orbefiraften 1882 nod) 13,j»:11 nivir. ^nige (Srgebniffc bcc neueren üriminalftatifticf. 571 1 bem ^In^rc 1888 auf 17,2: 12,i gcfticgcn. 3liid) ift gcrabc lt berjcnigcn, lucld^c fd&on eine größere 2lnjaf|t oou SBeriir^ n erlitten I)atten, werljältniömäfng am meiftcu im Steigen V raaö gleidbfatlä bafür fpric^t, bafe in geroiffen 9Jaturen cl unanörottbare Üßurj^et faßt unb bie 3^^l biefcr fonflant igen begriffen ift. äiNerben biejenigen iBerurteitten, bie oor* löeftcnö fd)on breimal verurteilt rourben, als ,,Unoerbef)er5 )ctxa(i)itt, )o TDürDe bcr änteil biefer iJerbred&erfloffe im 1888 auf 11 % geftiegen fcin.^') iJad) ber franjöfifdjen l max bie3cil)l ber 9{ecibimften, bie innert)alb eineö ^^^^^d bcftraft würben, 1876—80:7220, bie breimal 1578, oier- 7, fünfmal 107, fed)ömal 35, fiebcnmat 12, ad^tmal 3^ l 1, .^ebnmal 1.^^) 35aö ä5erbred)en fonjentriert fid) alfo ffen Greifen, unb bieö um fo mel)r, je mefjr baö SBerbred^en idfel)r in bcn SdjOH Der Öefellfdjaft erfd)H)ert. 2)arum ift iöiüitüt intenfiuer bei t)t\\ fd^rocrcn i?erbred^en, mie bieö :;arbe mit Den äöorten bemerft: „La proportion des istes eil inatieie criminelle est plus graude qu'en 3 correctionnelle, saus doute parce que la force de ide eiigendree par Tarte niauvais est d'autaiit plus , ([u'etant plus mauvais, il rev^ile plus de liardiesse, 'S son accoinplisseinent, viole davantage soii auteur lociete huniaine." Cfterrcicb beträgt ber ''l^^rojcntfati berjenigen, bie roegen )en fd)ün ein ober mcfjrere 9)Jale ucrurteilt worben, 23,5 % bcr ein ober mehrere 'JJJale megen i^ergcljen ober Über- n bereits i>crurteilten 28,i fh. 2Jei ber erftern 3abl ift in :en 3^^^!^^'" ^*i"^ geringe ilbnabme fonftatiert morben, bei en eine geringe 3i"^^b"^^*- ^'^ llrfad)e leßterer Gr|d;einung )er äum nid^t geringen iTeilc barin, bafi in ben legtern mandöerlei .V)anölungcn unb Unterlaffungen alö ftrafbar er- irDeu, iDeldje oorbem nid;t ftrafgerid;tlid) oerfolgt roorben in Ungarn beträgt baö l>erl)ättmö ber ^{ürffäUigcn unter ien i>erbred)en oöer i>ergef)en Don Den Werid)ten erfter ^n- jrurteilten etroa 2.") %. ^n Den leöten ^aljrcn ift eine ge= bnabmc su bcmcrfcn: im i^ergleid)e 311 frül)crn '3al;rjel;nten :Hcid)5fnmiiuiinvUiftif, lss>. >. 1 -j,"). La justic«' en Franst ■ fiXXXIX. 572 ^rof. Dr. 5J. 5 öl De«. — foioeit ein ä>criilcid^ möglid) — eine entf^ieocnc 3"»ßbme. &m feljr ftarfc 3ii»flb"i^ öer Stücffälligeu ift in granfrcid) ton- ftaticrt moröcn. isou Den üon bcn Sd)n)ur9erid)teii ä>cruneiIton roaxcn 1851—60: 34/» ;'r; rfidEfättig, 1881—85: 5*2,*%. ^Tie Suhl bcr :)iüctf^lli9en bat alfo bcbeutonb sugenomineu („son scaiuialHiix develoi)i>eineDt*', faiU ber offiäiellc 3Jerid)t). Unb bicfc 3""«^''"^^' ift eingetreten, tro^bem feit 1871 nur jene als rftctfällig bc: traditet loerben, lüoldie baö £d)unirgcrid)t luirflidj verurteilt bot. aindj) inijtalicii wirb eine an|el)nlid)e Steigerung tonftatiert; 187«!: 10 Va %, 1888: :i'2/.\ %, alfo in sroölf ,Vbren auf mehr nlö tiao 3)reifad)e. 3" cinjelnen ßJegenben wirb namentlid) bie Moinei!- tricrung beö 3>erbrcd)enö in einigen ^nbiinouen beobad)tet. 3i^ iDcift ©arofalo auf ^z\\ Solognaer ^Tiftrift Ijin, wo bie ^^ibl Der SUictfdUigen auf 50 % geftiegen ift. 3lud) in anbern Staaton, Gnglaub ufro. wirD eine Steigerung ber iltecibiüität fonftaticri uiiD fann biefelbe im allgemeinen alö rMcgel betrad)tet werben. Irin iDid;tigeö :Wioment 5ur 'Beurteilung ber rliecioitiitiit \\\\^ ibrcö (Sljarafterö würbe bie 3luf5eid)nung beffen liefern, ob Die rHücf- fälligen in ber 3{egel wieber Daöfelbe iNerbred)en begeben, rocaen beffen fie bereits abgcftraft würben ober nid)t. ^\\\ erfterii Aailc würbe bies jebenfallö bie 4icl;auptung befräftigen, ^m bie rHcciDiocu bnrd) eine fonftante Urfac^e (ßewobntjeit, 'Jiaturanlage nfw.i l^f l;errfd)t werben. l'eiDer finben wir nur in wenigen Statiftifeu Mc betreffenbcn Späten. 'Jiad) ber fran5öfifd)en 3tatiftif wirb etioa ;iiun Jyünftet ber ^Hecibiuen wegen beöfclben 'lNerbred)eno i^nr i^eraut- wortung gejogen, alfo bie 5!)finorität. S^arum fagt o'-'^l^l *"'')• j-^*""'' la inajorite dVntre eux, la rediute iiVtait evidemnuiit pas le resultat dun i»enchaat |)aitirulier ni d'une pivt'eiviue instinctive .... Elle etait la consefjueiice dune situati'-n murale et (l'une Situation sociale.** Tie ungarifd)e otatinif liefert aber ein abwcidienbeö Crrgebniö, iTort waren i. i^. im o^^bri* 1887 unter \s'i\\ von \>^\\ Werid)ten I. 3»ftan5 nerurteilten -JTt'T 9Iecibii)e, Die beöfelben ober eines äbnlid)en ä>crbred)enö rei>. i^ov^ gebenö fidi fd)ulDig nmd)ten unb 2184, W'^ wegen eines i^erbrocbiT.o anbrer 3lrt verurteilt würben, i^on ikbcutung für ras Theiiin rfr ^Hecibioität ift ^\\6) öie Jvrage, ob bie Aälle ber :Hecibiuität Iniimacr bei Den inTbred^en als bei ben 'iHTgeben iwrfoiumcn, inbeiii nidir- '^') La Frame frimiiielK*. p. 174. irinige Grgc6niftc bcr neueren Hriminalftatiftü. 573 Die 3lnnd)t aiiftaudjt, bnf3 bic iiiilbc SJeftrafung bcr ^ccibiocn en i^crgcfieu eine .öauptnr|ad)e Der 3^1"^^^"^ ber ^HecibiDität, iberbaiipt ber Mriminnlität ift. ooroeit wir bie Statifti! ju ijejogeu l)abcn, ^aben wir !eine entfdiicbene Slittroort erlangt, luegcu ber aufterorDe!itlid;eii fcbiuereu Souberung von ä?er- m uub isergebeii. ^n bem unifaffenbeii Serid)t Der franjö^ II ;5iifti5t)ermaltung für bie 3abre 1826-80 finbeu wir nüd)^ fcn, bafe fid) bie Siecibioität für 1876—80 bei beii 3>erbred}en 18, bei ben IJergeljen auf 41 % ftellt. aßeim aber and) bie r bei bcii ä5erget)eii eine geringere ift, fo läftt fid) bod) nid^t leii, M]\ bie 3""^()"iß l^ci ben i^ergefjen eine größere ift. auf 3iifannnen()ang biefer Grfd)einung mit bem Straffpftem werben Liii aubrcr Stelle eingetjen. Weben wir nun auf bie nä()crn 3!>etai[ö ber 'Hecibiüitat '") über, t eö 5unäd)ft M^ Jluftreten berfelben iiad) ben üerfdjiebenen ftöarten, weld)e uufer ^ntereffe in 3(nfprud) nimmt, "ülai) ben ucifen ber beutfd)en Mriminalftatiftif jeigt fid) bie (5rfd)einung Mürffiilligtcit befonberö Ijäufig bei :Maub unb räuberifd)er 6r- inig, 'J)iaieftätöbeleibigung, 3)lünäi)erbred)en, Kuppelei, 33etrug Xiebftabl. 3o war üon ben wegen Ätuppelei, wegen !Waub (Jrpreffung iNerurteilten im .V^bre 1888 über bie §älfte, uon pegen i}Jajeftätobeleibigung, 'iiMberftanb gegen bie Staatögewatt, iSPerbred)en unb 'JJfüuäDergeben, falfd)er 3lnfd;ulbigung, 3ieli= 3perbred)cn, iHTbrod)en unb iNergeben gegen bie Sittlic^teit, b, fdiwcrerMörperoerlc^ung^üBetrug, Urtunbenfälfd^ung ufw. mebr ein T'rittel bereits früher wegen 'iHerbred)en ober i^ergeben iier= It worben. Tie 3tatiftif jeigt ferner, t^afi biejenigen J'eliftö^ 1, bie im allgemeinen eine bolje ^Hecibiuitätösiffer aufweifen. Die bödifte ^iji\!x ber oben alö „Unoerbeffertid^e" iU*3eid}neten :t, mit :Jluönabme uon fd-werer Hörperncrletjung nnt> Urfunben= mnc\. 3o bilben bie „UHwct-beiferlicben" bei Äuppelei 2/),^!) %, ib unb Grprefjung 25^., SiUberftanb gegen bie Staatogewalt %, ^MiajeftätöbeteiDigung 2(),i % :c. \\m allgemeinen betraditet beträgt bie 'Hecibioität bei ben mit beitoftrafen iüelegten boi Ä>orbrcd)cn unD iscrgeben gegen 3taat, ulidbe CrDnung unD rKeligion li^^i %, bei i>crbrcd)en gegen Die on 22,7 ;'/„ ''iNcrbredien gegen Dao 'i'ermöiUMi 3:^,7 ^. ütm '") '-^'xdi mtorvM'i.uitc 'i^onicifimu-n iilcv Mo rl{cci^ilntät in ^noId^ Franc- cri- 11»'. rhai». V. ftärfftcu ift r^aljer Die 9ieciDiüität bei )!Berbrccl)en flegeu bad Ser- mögen. 2)ie fraiijöfifdic ©tatiftir') liefert beiü9lici& bcr 31ccil)ü)itüt foUjeube intereffante Säten. ShJaö uorerft Die SJerbrcAeu beiriift, fo mar unter bcn Slngetlagten baö "Jl^rojcnt bcr Steciöiintät bei fd)ioerem 3)iebftal;l 71, Äörperuerlctuincj gegen 2lfcenbentcn 53, I)äuölid;cn Siebuät)len 41), S3ranöftiftung 47, 2^otfd)tag 42. 2xt 3"- na^ine ift befonöcrö ftarl bei ©iebftäljlen; unter \)m ä>erincl)en Ih> trägt bie ^ieciöimtät bei 2runfen()eit 78 ^, 'i>agabonba0e 73 %, :üettelei ßG %, Siebftaljl 4G %, S^iefe Xaten jeigen in faft vlafti^ fd)er Störte, wo bie Örutftätten ber Jiecibiüität ju fiuDcn fmD. 'iludE) jeigt fid) t)ier eine erceffiüe Steigerung in neuerer ;^eit. (Sin n)id)tigeö ^Biontcnt beim Stubiuni ber rMecibiüität bibct Deren l^Tteilung wOii) Stabt unb :^anb. 3ft bie Jöeobaditunj rid^tig, bau bie Mriminalität \\\ ben Stäbten \\\\\i natnentlid) bcn Örof^ftäbteu einen gefä^rlid)ern (£I)arafter annimmt, fo roirD aucfc bie 3fiecibiintät bort jebenfallö eine intenfiüere ©eftalt haben. Ter Slecibioe, bcr uor ben 3lHid)tern bcr Crbnung ftetö furcötfam ni ücrbirgt, anberfeitö aber nad) 3)Iöglid)feit 33crül)rung mit feineö- gteid)en fud)t, wirb fid) in ber Stabt in ber Sieget am beften fühlen.'-» 3)ie Stabt 5ict)t ihn an unb hier bilben fid) bcjirföroeifc roabre friminelle Wenoffenfd)aften. 3öenn I)ierin einige ben iJroft finDen, baf? baö 3>erbred)en immermchr tolalifiert wirb, bai5 bicö eine nid)t nad)teilige 3luöbehnung beö '^Uinjipö ber 9frbcitöteilumi ilt, fo glauben loir bod), ^oS& biefe (Srfd;einung üiel mehr beö JJeDenf- lid)en, alö bes 2:röftlid)en bietet. CJö ift bie iHcrüoUfommnung im )ööfen, bie biefcö ')>häuomen bebeutet \\\\\i bie ©roßftäbte finD eö, bie biefelbc jum hödiftcn 3luöbrucf bringen. 'Jiad)3joernoö benäht bie ^]aht ber tRecibiocn in ben 3(gglomerationen mit mehr al6 30(X)0 (Siniüohnern breimal fo mel, alö in '^tw übrigen.") $üriä allein liefert ein Jü^f^^'l ber gefamten Slecibiücnjahl. Cn» S^e^ii*' lanb fteht bie 3ieciDioen3ahl ©erlinö über bem 3^urchfchnitt. Xie öfterrcid)ifd)e unb ungariidie Statiftit jeigt, baß uon ben in tu'" Wefängniffen betenierten Siecibipcn eine größere ^a^l oor iSu^- ■») La justice ou France. 3. LXXXVI lm^ 3. LXXXVIII. '-) '."est ä la villo qu'il teud tt «lu'il abontit imand il i»eut (.^'b- Frainr miniiitflle. j». 17:5). ''. Les recMives PMlierdienr lc< gramlt-s centres de iHnmlation «^^ It Urs eiiviroii». (Einige (Srgcbntffc bcr neueren jCriminalftatiftif. 575 ig bed äierbrcc^end in ber Stabt lebte, aU DOti ben übrigen. : lct)rreid) ift and) baö au6 l^cr öftcrreid^ifd&cn Statiftif erfid^t« Jvuftuni, Daß Die ^'erfoncn ol)nc feften 3öof;nfi6 unter ben )iüen üiel ftärfer üertretcn finb. äiid) ber 3"fo"i'"^"öön9 ber SHeciDiuität mit ben fonftigen, tntlid) fojiülen Jy^tt^^^"/ würbe geroift üiel ife^rrcidbeä bieten. r ift Das tjierauf bejüglid^e ^JJJoteriol f)öd)ft lücfenl;aft: eine be^ irte i)iad)iDeifun9 aller roid^tigern aSerl)ältnif)e mit SJesug auf bie )iueu, roenigftenö einen 2cil berfelben — Ijabe id) nur in ber :eid)i|d)en unb nngarifd)en ©tatifti! gefunben. SiJir wollen furj 'icfultate jufanimenfaffen, roeld^e fid) mit mel;r ober weniger ifion fonftütieren laffen. Unterfudjen wir oor allem 'ba^ Ja^ iiüert)dltniö. 3)ie Ätriminatftatifti! leljrt uM im allgemeinen, Jiejenigen, bie ben S(b\i^ beö />'amitienüert)ältniffeö geniefjen, günftiger fid^ oerl)aUen. 5iamentlid) ift baö Ü}or^anbcnfein äinDern oon wobltljätigem CJinfluß, wie bieö aud) ^ertillon llgemcinen, namentlidj aber für bie Jyrauen behauptet. 3luö Daten Der ungarif d)en Statiftif erfeljen wir folgenöeö: Gd i elternlos fin^erloö f;tatten(od l^cn (^)efangenen im allgemeinen 52,« 62/» 55,« „ ;, bie rebicio würben CA/) ()(;,r, 5(),o Sie ^{ebicioen waren baber in geringerm a){a6e jener wo^U len inoralifdien (Sinflüffe teilljaftig geworben, wcld^e berSSater, lUttcr, bas Äinb, ber Watte, bie öattin ausübt. 9lm geringften id) ber günftige (Sinflufj ber el)clid)cn iH\5iel;ungen. Übdgenö imerft, lia]] bie ent)pred;enben Xaicn nur erft für wenige ;3al;re Verfügung ftel)en. ©eljen wir auf ba4 iserljalten beö Si'eibco fo finben wir im allgemeinen bie traurige (rrfdjeinung, \>a\i k eine f)ol)e JiccibioitiitÄjiffer .^eigt. Tic beutfd;e otatiftiE tct unö leiber ein CS'ingcben auf biofcö iNcrl)ältniö nidjt. Xk i Der frauäöfifdjen Statiftit gewäl;ren aber einen Ginblict. enb niimlidö in Jranfreid) auf lOOOOO Cinwobner männlid)en led)tö 20, auf ebcnfo oiele weiblid)en Wefd)led)tö blof5 4 xUnge- entfallen, ift baö i^crbältniö ber Jiecibioität wie folgt: auf )crurtcilte 3)Jänncr 5:^, auf 100 oerurteilte Üi'eiber 21 Stecis *) 3^ie Tifferenj jwifdicu ben bciben (>iefd)led)tcrn ift alfo )iel geringer, alö bei boii iierbred)en im allgemeinen, -ülud) *) La justice en Franr»». p. LXXXV. 87* 576 ¥rof. Dr. ^. 5völDcö. in Ungarn ifi baö ^^rojcntualc ber roeiblid^cn Dtecibbitot ttmA l^öficr qU ba§ bcr allgcnieincn Jiccibiüitüt. Übrigens ift bicfe (rr- fd^cinung fd)on Don früf)crn ©eobad}tern, fo Söcnoifton bc 6()Q= tcauncuf, i^alentini unb anbcrn fonftaticrt toorben; unter Den Jüngern gorfd^crn bat axid) Jarbe barauf ^ingeroiefcn mit Der rid)tigen Äonflnfion: „Les femmes se d^placent et se ressem- blent moins". Sen ,3itf«ntmen^ang jroifcöen 9llter unt^ SieciDi- üität 5u fonftatiercn, unterliegt manchen ScfiiDierigfeiten, namciulidi ba bic jflngern Sllteröflaffen auö in ber SJatur ber Sad^e gelegenen ©rflnbeu ein geringered ^Nrojentuale aufroeifen nni)|en. 3lud) über ben (Sinfluft üon Silbung, ^Religion ufro. ift nur äufeerft f^roer ein S3ilt) ju geroinnen. 2)ie 3^1)1 ber 3lnalpl)abeten fc^eint mi unferen 2)aten unter ben Siecibiuen iebenfallö größer }u jein. (Sinen gewagten Sd^ritt t^ut fiombrofo, loenn er gerabeju it- l)auptet^ bafe ber in ben Öefängniffcn erteilte Unterri^t bic ^0 bcr Siecibiuen fteigert. ^olp") fagt: „Les recidives sont ton- jours plus freqnentes chez les condamnes qui savont lire ft ecrire ((ue chez ceux qui sont illettres.*^ 3lud) füf)rt er hierfür einige Säten an. Gnblid) fei nod) eriüäljnt, baß Die fransöfifdie Statiftif einen nähern 3t*föi""icJilj^tig sroifd^ien JtecibiDitöt unö 3lIfo[;oli§muö verrät, lüie bie§ namentli^ uon 3)üerneö beroor- gel)oben würbe. JJür bie 33eurteilung ber 9lccibimtät unb baniit im 3"ffl'""'^"' I)ange ber 23irf)am!eit ber ©traf|i)ftemc finb jene \^aUn m\ t»e- fonberm '^ntcreffe, n)cld()e fid; auf bic 5^iften bcjiebcn, binnen n)eldf)er bic bereits 'öcftraften 5ur 3luöfül&rung einer neuen Straf- t\)at fd)reiten. ^ier ift inöbefonbere auf bie iDieDer!ebrenbe (rr- fd)einung aufmerffam ,ui mad)en, baft bie g^ift bei ben Seliftcn gegen t>a^ ä?ermögen auftcrorbentlid) furj ift. STie fürjeften jjriftcn liegen bei 9iaub unb räuberifdjer ©rpreffung (20^ ^'. (,), Sctrug unö Untreue (17,4), l^ergeben gegen bic iHeligion (15,5), Urfunben^ fälfdning (14,4) ufiü. Sehr lange Jyriften finb bei ^oAverrat n"^ San^cöt)crrat, 3w^ifamvf, 3lnitöüerbrcd)en ufiu. 3tud) bie framöin'*^' Statiftit betücift, baft ein grof3er ;Ecil bcr SlccibiintätöfäUe furje 3^'*^ nadj ^er ikfreiuug eintritt.''") '■■') J.a Fraihc criminelle, p. 175. '•'') La justice ni France j). XC: Pres de la nioitie des coiulamn»^* Sortis des niaisons centrales ont donc eoniniis de nouveaux m^faits u^^ peu de tenips apres l'cxpiation d'iine faute anterienre. (sintgc (Srgcbntffc bcr neueren idnnünalftatiftif. 577 3}o!i je 100 mit greiljcitöftrafc üorbcftrafteii iNcrurteiltcn bc= iiigen ^ic neue Straftljat biimeu einer Jrift üon S uiib roeiiigcr 9Konateu . . . 11,9% mcbr alö 3—6 - . . . 8,s s = 6—12 = ... 14,2 . = -' 1 :;^al)r 61,« -- üiad; be¥ öftcrrcid&ifd)cn Statiftif üerflicfeeu bei einem gflnftel II reciöiüen ©efängniöbeüölfcnnuj faum 6 3)?ouate bi§ jur Sc- ifiung einer neuen Straftfiat. Unjweifelljaft ift für jeben Sträfling bie erfte 3^'^ "^^) ^Ibs ißinifl feiner ©träfe bie perbängniöüoUfte. (So ^äugt eben alled mn ab, ob ed ibm gelingt, fid^ eine Stelle in ber @efellfc^aft ju jpäbcn ober nicf)t. Gelingt es ibm nicbt fic^ ju f laf fieren, ") fo ; bamit bie SWüdfeljr jnm 23erbred)en fdjon entfd)ieben. ^'•) iDarum : CS oon fo großer SBidjtigfeit, baß bie (Einreibung biefer in ben (feoB ber (äefellfc^aft jnrüctfef;renben (Elemente burdb orgonifd&e inriditungen geförbert roeröe. (Sineö ber n)id)tigften SÖiittel jur rrreicbung biefeö ^itk^ ift jebenfallö bie ^atronage. ") i)iamcntlid) i] Dem äüege ber 3[}ereinötf)ätig!eit fann l;ier üiel (Srfpriefelidjeö ileiftct TuerDen unb bamit bie SWecibioität menigftenö fo roeit bc:: mpft loerben, alö fie eben golge fojialer Umftänbe ift unb imentlicb Deö abftofeenben i^erljaltenö, t>a^ bie (>Jefellfd)aft Den auö '» Ainfierniffen beö Öefängniffes 3l^ieberfel)renl)en gegenüber be^ ^ac^tet. (ÄJcrabe bicfcö abflofeenbe ä>crl)alten ift mit aU ein (>3runb i bejeicbnen, bafj bie Stecibiüitäi fteigt unb toir fönnen ben äi>orten olajanniö nur beiftimmen, wenn er bie G3efellfd;aft ernmbnt: Essa deve viucere ogni ri|)ugnanza, com« l'ha vinta iiell' froutare le i)iii grave nialattie iisiche contagiose ])er |ue- rvaseiie incglio, e iion constringere inesurabilnientt? i ca- iti (li una volta, a ricadere jk?!* tutta la loru vita.- (Soitio- ?ia criniinale 11, p. 671.) (3cl)lufe foh^t.) ■") 3tarctc, 'Is. u. '11 S. TM. ■'» La «liftirnltt'' du rctlassement des liljero?* dans la socirtc vat iiiie s caiiseilic^en im ysai^xc 1157. IUmi biefer ^eit an üert^inc^ei beinahe anbertf)alb :5a^rl^unberte, biö bie Groberung >vinnlant ooüftänbic^ burc^(^efül}rt eradjtet loerben tonnte. Grft vom 5(nfa; 14. 3öWimt)erto mürbe bie )c^mebi)d)e öerrfc^aft in '^Jinnlünb begrünbet baburdj, ba^ bie Sdjroeben mit (properer Äraft ihre ( fdjaftöorbnuui^ unb i^re ©efe^e in J^nnlanb ein5ufül)ren bcc^i S3iof)er l;atten bie JJinnen ^iemlic^ unc^eftört nadb il)ren l)c\w ^Kec§to(^eroolinf)eiten leben tonnen. Sie fd)met)i)c^e .'oerr)d)aft, ber erften öülfte beö 13. :i>a()rl)unbertö eine 3^*^*^^"f< ^^^ '^" bem S3ifcf)of ^u IHbo ton^entrierten fird)Iid)en Suprematie beinül)c lid) uerbränüit morben, mar ^^u fc^mad), ^a^ fie fid) in bie :^ed fjältniffe ber a'""»-'" ""^ GrfoU^ bätte einmifc^en tonnen. 6r mäftlic^ fing bie fcbmebi|d)e ^Kedjtoorbnung an, in A'innlant) 33oben ju geminnen, inbem fie bie finnifd)en !*)^ed)tö(\emobnI)eite brannte. Sie alte fd^mebifclje ©efcüfduift mar auf bemotrai ©runb erbaut. Saö in bem größten Teile beo übrigen G berrfdienbe Avubalmefen mar \l)X fremb. Xieo iVrI)ältnio mai a\i6) »erftänblid;, baf^ bie fd)mcbifd)e ^)led)toorbnung oljne erl)< •) 'lienil. Z VII -JU. , 2)a6 finnijc^c Straföcfc^ Dom 19. ^cjcmbcr 1J^9. 57i) St^wicrigfcitcn in §innlanb Söurjcl faffcn formte. 3!)a nämlid^ bic Wroebifd^e Sec^tsorbnung fiauptfäc^Ud^ auf bcm urfprünqlic^en bcmo!ra= tifdjcn Sobcn ftanb, tonnte fie an bie bei bcn Rinnen beftef)enben ooHs« tümlic^en SWec^töoer^ältniffe oi)nc Sd^roieric^fcit anfnüpfen. ßinc /^olgc »on allem biefeni war, baft bao fc^roebifc^c Stecht unb bic fc^iocbifc^e 6cfcU)(^aft6orbnun(5 ftc^ bei bem finnifc^cn "Holt, obgleid) bicö feine ^Nationalität unb Sprad)c nebft feinen ^eimifci)en Sitten, roenic^ftenS in bcn nieberen Sc^ic^ten ber SeoöKerung, bcibe!)ielt, im i'aufe ber 3ttl)r^unberte cinbürc^erten. 3)a^ biefe 3tccIimatifation beö fc^roebifd^en Äecftteö in Jyinnlanb pon ben fd^roebifc^en ^nftebelungcn an l>en Säften beö iianl^eö in nid^t unerheblichem ®rabe geförbert rourbe, mag nebenbei ern)äl)nt werben. "iSic finnijc^e Station rourbe in politifc^er ^inftc^t mit ber fd^roebifc^en gleic^bered)tigt. Seitbem bad fd^mebifc^c Seic^ eine attgemeinc Soltsoertretunq, bie auf ben Sleic^otagen oer* fammelten JHeidjeftänbe, erJ)alten \)atte, fanbte ami^ ^nnlanb !iüertreter ju ben gemeinfamen Sleic^ötagen. Xie Don biefen Serfammlungen a\u genommenen @efe|e roarcn ba^er aud^ }um leil ein 5öerl ber finni= Wen Vertreter. ^ie SÖuri^eln beö pofitioen finnifc^en Sled^tö fmb fomit in ben ölten fdiroebifc^en Sled^töquellen j^u fuc^en. ^iefe berufien in betreff bes Scrbred^cno unb ber Strafe auf benfelben ®runbanfd)auungen, bie ben übrigen germanifc^en SSöIfern unb — man barf fo ipol^l fttgcn — überhaupt alten Isölfem in i^rem erften Sntroidlungöftabium gfweinfam finb. 2öelc^e ÜRoIIe in biefen urfprünglid^en 3}erf)ältniffen We Sac^e alö Surrogat ber Strafe unb bie Sippfd)aft alö Stü^c ber wangclbaften gefeUfd^aftlic^en Drbnung fpielten, ift ^n befannt, alo bafe roir barüber ein 3Öort ju ocrlieren brauchten, '^n bcn alten ft^roebifc^en ©efe^en, ben fogcnannten iianbfd^aftogefc^cn, ben Stabt= wiijten unb ben beiben gemeinen I^anbred)tcn, bie, aufter bcm fpätcrn gemeinen fianbredjt, fämtlid) in iljrer uno überlieferten ©eftalt üuq bem 13. ober 14. ^a^r^unberte ^erftammcn, mirb bie ^Berechtigung ber ^^^c im ®runbfa§ anerfannt, obgleid) bic 'Ausübung bcrfelben er= ^eblidicn Öefci^ränfungen unb .^loar einer .Vtontroüe oon feiten ber iNcr^ *ri.'ter ber JKec^töorbnung unterlag, ^ic 'Huöübung ber 3tacf)c war %tfäcl)licf) pon bem ,Hompofitionofi)ftem nerbrängt morben unb bamit ^i»-' ©nmblage einer reci)tlid)en Crbnung im eigentlichen Sinne gelogt. <^^ nie^r aber bie gefcllfcf^aftlicf)c Drbnung an "^eftigfeit unb Starte 9<^*^ann, um fo mel)r muftte ber Staat feine n)icf)tigften 3"tereffen mit ^^f Unterbrücfung ber ©efc^lofigfeit unb ber Verfolgung beo üBerbrec^eno ^^rtnupft finbcn. T^ie .?>anbl)abung ber Strafjufti,^ mufete immermel)r ^"<^n öffentlich = recf)tlicf)en 6l)arafter erf}alten. Sdpn in bcn 2anb= ™ft§gcfe^en mürbe bie Suj^e, bic urfprünglid) bcm burd) bic -y^iffc^ t^Qt 5Jerle^ten allein uifam, bei bcn crljcblicfteren 'ycrbrccf)cn in ber j^%l in brei leilc geteilt, fo baf{ ein Trittcl bem Mönig, ein I^rittcl ^ Öunberifd)aft CH>ärab) unb ein Trittel bcm in^rlc^tcu anl^cimficl. pcfonbers in bicfer Dreiteilung tarn ber öffcntlicftc (Sliarafter jum 'i?or= %in, ben man fdion ber bic 'l'iiffct^at fül)ncnbcn 'öufte beizulegen anfing. 580 I^r- 3aaIfo SorSman. Sie Strafmad^t beä Staates a5er max in nod^ ^ö^etm Stabe ald bie 'SRadi)c beö Sinjelnen graufam unb blutbürftig. 9(l9 bor Staat anfing, bas SSerbrec^cn ju befämpfen, fic^ babei feiner Strafmoc^t alt SSJaffen bcbienenb, war fein ^auptfäd^Iic^es 9tugenmerf, bofe biete SSBaffc tobbro!)enb fein unb jcrfc^mctternb roirfen foUte. Sie Strafe foUtc Sc^recf unb 6ntfe$en erroerfen, benn nur baburc^ glaubte man ben jügeilofen Raufen ber 9)liffetl)äter bänbigen ju fönnen. 3(Ueo bieö fommt fd&on in ben Sanbfd^aftögefe^en jum SJorfctcin. ■Jloc^ niel;r aber tritt bie fragliche 3luffaffung in ben gemeinrec^tliien ©efe^büd^eru; nämlidj bem genteinen Sanbrec^t, beffen fpäterc Se» baftion unter bem Äönige firiftoffer im ^ai)xe 1442 erfc^ien, unb bem gemeinen Stabtredjt, !)erüor. Sie S^obeöftiafe in ben mannigfac^jten unb groar entfe^Ii^ften formen [^. 93. bem altgermanifc^en 2ebcn% begraben) finbet fi^ in biefen ®efe^en oor. ä>erftümmelnbe Strafen, moburc^ ber 3)iiffetf^äter eincö ©liebee beraubt rourbe, famen in mel)reren ^föÜen jur Stnmenbung. Cbgleic^ man nic^t beljauptcn fann, es märe bie lalion, meiere 2tuge um 2luge, 3^^^ ^^ S<^h^ 5" 9^^»^ gebietet, ein leitenbcr ©runbfa^ beö fdjroebifd^en Slec^ts — glcid^ roenig roie biefe Se^auptung in betreff bes gennanifc^en Stec^tö übcr= ^aupt bürftc aufrecht gef}alten werben fönnen — , fo barf e^ babei nid)t abgeleugnet werben, ba^ ber lalionsgebanfe in ben Strafe beftimmungen, roo ber r»on ber aUmäI)Ii(i^ ermac^fenen Staatsibec ^cr? Dorgerufenc ßroed ber Strafe j^um Surcbbrud) gelangte, nicht feiten jum 3?orf(^ein fam. Sieo mupte audj feinerfeitö baju beitragen, ben Straffa^ungen einen rof)cn, graufamen CS^arafter ju geben. 5luf biefem Stanbpunft ftanb bas Strafrec^t in Sd^meben unb Jvinnlanb nod^ in ber erften Hälfte bes 16. Sal^rl)unbertö, ju rocltbcr 3eit in ben norbif(l)en I^'ünbern roie in ber äi?elt überljaupt ein ncuco Zeitalter anfing. 3" biefer 3*^'* fingen in Schweben unb 5yinnlaiil> bie üerroorrenen fo^ialcn unb ftaatlidjen ^erl^ältniffe an fic^ ju flärc*n unb bie .C^anb beö ©efefees griff überall lenfenb unb orbnenb ein, ob- rüoi)l in ginnlanb feiner entfernten Sage megen ©efeftloftgfeit mx'O ©emalt nod^ lange 3<^it .^iemlid) freien Spielraum Ratten. Sie 3luf- faffung üon ber 9lotroenbigteit graufamer Strafen für bie Aufredet- l^altung ber 9led)t6orbnung blieb jebod^ nod^ jafir^unbettelang tii Sd)meben unb vyinnlanb wie im übrigen 6uropa befreien. Ci^ fd)it)et)ifc^e ©efe^gebung roä^renb beö IG. unb 17. :3^l)rl)unbcrt« liefert bafür 3al)lreid)e 33elege. So — um ein Seifpiel anjufüljren - — lüurbe unter ber -liegierung bes milben ©uftar II. iHbolf eine 3Jcr- orbnung im 3al)re 16*20 erlaffon, meldte bao unerlaubte ßrlegen eine« (rlentiereö mit lobeöftrafe belegte, unb ebenfo im ^af)xc 1621 eiin* i>erfaffung, meld)e für baö löten eineo Sdimano lobeöftrafc oti^ brol)te. "Kidjt nur ber ber Strafe beigelegte ^^med ber Slbfc^redung toax eö, ber bie ©raufamfeit beö Straf fi)ftemo aufrecht l)ielt. Mdi^ff i^orftcKungen famen nod) ba^u. ^))um glaubte, bafe bie unerbittliA« Strenge ber Strafen notiuenbig roaren, um ben 3orn unb bie flßdK Sad ftnntf^c @trafge{ct oom 19. ^cjcmber 1889. 58 1 @ottc9 a6jun)cnbcn^ bic baö ^an^e Sanb unb 3iolt ber un()cfü{)nten SRiJiet^atcn roegcn bcbro^ten. 9Man backte fic^ Sott als ein SSßcfcn, bos jid| rote ein fd^ioac^er SKenfd^ bem ^om unb anbcrn 2eiben= fc^aftcn Eingäbe. 3!)urd) ftrenge unb graufame Strafen, oorjüglic^ bur(i ben qualüotten unb blutigen Tob beo 3Jerbrec^erö, foilte nidjt nur bic äbfd^recfung fjerbeigefü^rt, fonbern auöi) bic evj^ürntc ®ott!)cit m burc^ ein Dpfer ocrföl^nt roerben. 6o tann nidjt abgeleugnet werben, ba^ biefe Stuffaffung bie trimineUc ©cfe^gebung beö 16., 17. unb fogar beä 18. i^a^rljunbertö beeinflußt \)abe, Sie fommt in mehreren SSerorbnungen jum SJorfc^ein. 'ilad) ben Gbiften betreffenb bcn Äinbcsmorb üom 3aJ)re 1681 unb com ^aljxc 1684 voax bic Siutter beä unefietid^en Äinbe© of)ne SHücffic^t auf \\)x Seugnen jum Jobc ju oerurteilen, roenn nur gegen bic 3tngeflagte geroiffe, in bem ßbiftc bcftimmte I^atfadien (öeimlidjfeit bei ber ©cburt unb bas i^er= bergen ber Seibeöfruc^t) üorlagen. 'JJur falto bie Seibcöfruc^t fogleic^ oon ber 3)iutter oorgcbrad^t würbe, )o baj an ben ©liebem biefer un^roeibeutig crfic^tlic^ würbe, baß bie Seibeofrud^t totgeboren ober frü^s zeitig roar, tonnte bie 5Diutter ber lobeeftrafe entgegen. 3^ie Urfad^c biefer bao 9ted)tögefü!)l fränfenbeu ©raufumfeit roar offenbar ber 3roecf, CS 5U t)erf)inbern, bap eine etioa Sd)ull)ige ber lobesftrafe ent^ f^^Iüpfcn möchte, „roeö^alb eo — wirb in ber 3?erorbnung gefagt — "n|eru Siebtem obliegt, fid) nac^ biefer Sorfc^rift .^u rid^ten unb folc^c leichtfertige unb lieberlid)e 3iirnen ,:^um Jobe unb Sc^eitcrl)aufen ju ^rurteilen, fo baß bao immermeljr Cberljanb nel^menbe i^after ge- hörig bcftraft unb nac^ ^J){ögHd)feit gel)entmt unb ©ottec B^m, ber lolc^er groben Ü)liffet^at roegen Sanb unb Seidj treffen !ann, ücrjöljnt «nb bcfanftigt werben fönnte". C^o läßt fid^ faum ableugnen, bafj biefen Siuofü^rungen ber ©e= Jflnfc ,^u ©runbc lag, eo wäre bao i^erurteilen auc^ einer Unfd)ulbigen ^^ vctraflofigteit ber fraglidjen ^JJiffetljat unb bem barauo ftd; l)er= ^^^nbcn 3otn ©otteo t)or^uj^ieI}en. 3u bemerfen ift jebod), baß in ber 'l^rario von ber llnüerföl)n= ^^cit unb ber JHad^gier beo ©efe^eo fe^r l)äufig lHbroeid)ungen ge^ '^^t würben. Gine Öefugnio, ben Umftänben gemä^ bie Strafe ab- 'Paffen, war wenigfteno ben Cbergerid)ten teilweife eingeräumt worben, ^^^cfe^en baüon, baß ber Äönig bie GJewalt l^atte, bie Strafe ^u er^ ^ncn unb -^u ermäßigen. ]^s\\ ber 2l)at I}ätte aud) ,^u jener ?tC\t bie ^^fid)tölofe SoUftrerfung ber blutigen, in t»em ©efetje angebrol)ten ^tüfcn ^äufig gegen bao allgemeine ^Ked)togefüt)l rerftoßen. Gö ^itbc aber alo bringenb geboten erad)tet, baß wenigfteno bie Straf= "o()ungen brafonifd) waren, weungleid) bie Strafe nid)t .^ur 'l^oUs •^^"cfmig gelangte. Xer blutige Strafbefeljl Deo ©efetjeo wäre i;um fiDcden üon Sd)rect angetban -— womit man baö l)auptfäd)lid^ftc '^cl t)er Strafe erreid)t ui haben glaubte. Sv^ie weit man in biefer ^C5iiel)ung ging, läßt fid) auo folgeubem iion Clinecrona in feiner «^tbicnftoollen 'ilrbeit über bie Sobeoftrafe (Cm böboftraffet, Upfala ^66) er^äl)lten Jvall erfeljen. 582 l^r. oa^J^o gor Oman. ffiä^renb bco S^l^tmarftcö in Upfala im ^af)xc 1667 Ratten cinic^c Stubontcn auf bcn Strafen Unorl>nun^cn oerurfacftt un^ mit ^äxm unb Sd^impfroorton fricblic^c So^nnarftöbefuc^cr unb ©ciüoinet bcr Stabt überfallen. 3^^ einem an ben SHeftor ber Unioerfuät (|c= richteten Sd^reibeu murbc bem Äonfiftorium (bem afabemifc^en Senat» ber 93efel)l erteilt, ,,bie Sc^ulbigften am Seben unb bie in Öejuj ouf il)re ©d)ulb am 'Jläc^fM^^'^^^"^^^^ ?tir perpetueHen Stelec^ation unD bic legten, benen bie minbefte Sc^ulb beic^emeffen werben fonmc, ;ur ^Relegation auf beftimmte S^xi ^u oerurteilcn". 3" einem an l)cn i'anböljauptmann ber uplänt)i|c^en 3tattl}alterfd)aft geftellten Jtöni^I. 33rief rourbe bie ^Jlotroenbigfeit ber ßjefution ber Strafe an ^en tumultuarifd)en Stubenten unb jioar folgenbermapen bcroorge^obcn: ,,So ba)5 fon)ol)l biefe als anbre fic^ merfen fönnen, eö fei fein Spai bap fie unfrer erroiefenen ©nabe gerabe ^uroiber fo häufig fit^ m- gangen unD gefünbigt Ijaben." ^n einem anbem Örief rourbc bem Cbergeric^t (Soea Joofrätt) anbefohlen, baö com ftonfiftorium gefällte Urteil 5u beftätigen, „fo bap burc^ ein folc^eö fc^arfes Urteil bei ter ftubierenben ;'\uf<»^J^b ein ju ber Sefferung berfelben bienlicfaer Sired ermecft ir»erben fönnte". 3^^^^^^!) aber rourbe in bem Äönigl. Briefe bem Cbergerid)t bie 3Jorf(^rift mitgeteilt, „bem Sanbsl^auptmann Me 3?ollftrectung ber ©refution in secreto ^u »erbieten" . l^llfo lüurben einige ^^ünglinge bem Weje^c ^umiber ^um loDt' tjerurtcilt, unb fomoljl biefen alo ben Se^örben bie ?$orftellung bei= gebrüd)t, baß baö Urteil, beffen 35ollftrecfung von oornljerein nicht beabfid)tigt mar, mürbe ooll^ogen werben — unb bieö ber ÜÖürDc boo dicd^t^i unangemeffene 'l>offenfpiel mürbe nur ber Slbfci^recfung m\icti aufgefüi)rt. '^ladi langen 3?orbereitungöarbeiten mürbe im tjierten ija^r^elintc beo LS. 3o^rl)"nberto ein neueo ©efefebud), baö fogenannte ©eft:^ oom Sal)re 1734, j;uroege gebrad^t. Tie frimineUen Seftimmuna»ri' beofelben finb l^auptfäc^lid^ in ben öefe^titeln (fc^roebifc^ balk, finnif ch kaari) über 3Jiiffetl;aten unb Strafen entbalten. ©rofeee Sob ift DieiVi* ©efefebuc^ mit i)icd)t gefpenöet morben. !3n betreff ber i^erbrecben uix"^ Strafen blieb aber bao ©efefe l)auptfäc^lid) auf bem obenerroäbntfcr it Stanbpunft ftef)en. 2^ao ©efefe ron 1734 ftellt in tiarer unb Durcto- fid)tiger Aorm Die triminaliftifcbe 3(uffaf)ung bar, bie fid^ in ber i^rar i- ^ t)er näd)ftr»orgel)enben S^^^ ^^^'^ '" ber öefe^gebung befonberö >^ smeiten .\^älfte Deo 17. ^al^rljunberts tunl>gegebeu batte. -JKan b«^ alfo baran uicbt munber nel)men, bap audj im ©efeftbuc^ pon 17:i -*/ mao t)ie Strafen anbelangt, bie xUbfd^recfuntj bie ,\^auptroUe fpiel^- xHuci) bie IHuffaffung uon ber "JfotroenDigfeit, burc^ ftrenge unb bluttv>'' Strafen ben i^anb unb 'l^olf bebrobenben S«^tn ©ottee ab^umcnbiriX/ mar X>cn ©efe^gebern von 1734 nid)t fremb. Gö fann unter biefen Umftänben nicbt befremben, bap bie öJete$ geber üom ;^al)re 1734 mit ber lobeoftrafe fel)r verfd)roenl»eriid) vor- gingen. Sie mirb in 6S i)erfd)iebenen Ballon im ©efet\bud)c por» ge)d)rieben unb nidit nur in einfad)er, fonDern büufig in r>erfd)ärftiT 2)a4 ftnnifc^c ©trafgcfctj rom 19. Xcjcmber 1889. 583 Sorm angcbro^t. Sfu^cr bcr cinfad^cn ßnt^auptung unb bcm 2!ob burd| bcn Strang ijaX bao Wcfe^ ocrfd)ärftc iobcöftrafen : 'Habbrcc^cn mit barauf folgcnbcm J^*^^**^" bcö iJeic^namcö auf bao iWab (roar an rincr cteüc bcö ©cfe^co anflcbro()t), (Sntljauptxing nad^ vorI}er= gegonqcnem Sfb^aucn bcr rechten »^anb, ober Gntljauptung mit barauf folgcitbom Siechten bcö i'cid^namcö auf baö JWab ober Serbrennen beö= felbcn auf bcm Sd^eiter^aufen, ober 6nt[)auptunfl, perbunben mit ben bcil)cn fc^on em)äf)nten 'JJebenftrafen, bem lUb[)auen ber rechten §anb unl) bem glecfeten beö Seic^nameö auf baö ?Hab. 3uc^ im übric^cn träfet baö Strafenfpftemo beo ©efeftbuc^es ben G^arafter feiner .3<^it- i?eibeöftrafen fommen in ber "gorm oon Stuten* ftrci(im (spö och ris) unb üom Süttcl ^u^uteilenben Staupenfd^Iägen H'udstrykniiijr af bödel; t)or. 9luc^ Sdjanbftrafen üon mand)erlei 9(rt fmb Qnc^ebrol)t: Stehen am *15ran(^er ober Sdjanbpfal^l mit einem §alöcifen, fd)impfiid)eo 'Bcfträbnio, inTbrennen ber 3.(l)mäl)fd^rift burc^ bcn Öüttef, Stehen an ber T^ür ber Wcvic^toftube mit einem 3RiIc^= dcfäß in ber öanb (roeflcn unerlaubten ^JJelfeno einer auf bem 2ßeibe= fanb befinblic^en Äulj ober ;iiec^e) u. bc^I. Unter ben Ateiljeitöftrafen ift 'Jfrbeiten im .njaloeifen l)ernor5uI}eben. 'über nid^t nur in ben Strafarten fommt l>ie 3(bfd}recfunc^etent)en^ \m 'i^orfc^ein. Sie ift aiid) in anbern 'i^erfü^unf^cn beo Öefe^eo er: fitfttlic^. 3o ift eö uerorbnet, baf;, fallo eine "iienid^enmencie fic^ per= fammelt unb fid) flecken bie Gebote ber Cbric^feit ergebt, ber fläbelc»= öftrer mit bem i>erluft öeo Vebcno unb beo C*iiu*ntumö unb pon ben "^n^cn jebcr \ci^ntc Wann nadi bem Vofe mit bem lobe unb jeber ^on t>cn übricien mit 40 "lüaar ^)hltenftreid)e oDer mit Wcfän^nio beim -^üffer unD Srot einen "flionat lawo, beftraft merben foUte. xUlfo ^^ nid)t ber WraD bcr Sd)ulb, fonbern bao i'oo ,^u entfd)eiben, mer ^^ lobcöftrafe crleiDen follte. C()nc Übertreibunji (äf>t eö fid) faiUMi, baj? man in ben erften ^f)t;chnten nad) bem (Trfdieinen beo (^Jefc^co r>on 1734 nod) meitcr t)cr xUbfd)redun(\otenl»en^ iior(^ino{. lWel)rere üBororbnunf^en , burdj *^^c^c bie ^a[)l ber mit ^er Tobeoftrafe ab^ubüf>en^en ':D{iffetI)aten •^■^tncljrt mürbe, föunten alo '^V*IeiU' t^afür I)ier anc^e,;oyen merben. -""U- muffen jet)od) Don bcr 'J(ufvil)hnu^ bcr fra(^Iid)cn i^crorDnuni^n ^"'ftanl» ncftmen. Soiv^r neue Aovmcn ^cr 'InTfcbärfuni^en bcr 2obco^ ^Qfc uuirben crfun^cn. Un(^cad)tct bcr crunibntcn, t»ao ©cfctjbud) oon 17:U unb bie bcm^ Ifccn näc^ftfoh^mDc Wcict3cicbuni^ tc^n;cid)ncn^cu >>ärtc, fann co öod) -^l)auptct iDcrbcn, t)av> Die fd)mct)i|d):fimu)d)c (^Jcjc^iKbuni^ Der fraiv- cl;cn ,^eit im 'i^'ri^cid) v ^l^- mit bcr i^lcid)^Mtiiu*n frimincllcn OJcfe?- ^^bunc; unb Wcrid)toprario in TcutfdilanD fo(^ar bumau iVMuiunt 'erben fann. Sold)c i^crfd) avf uniH^n Der ^oDcoftrafc mie \. t^. rHcifKn lit i^lübcubcn rfant^cn unD ,^uniuMiab)d)ncit>cn, t)ic nod) im Is. ^sabr- LinDcrt in Tcut)d)lanD für uilaffii^ crtannt uuircn. Klaren bcr i^Icid)-- itic^cn fd)n)et>ifd)cn (^5cfcr>i;cbuiu^ unbcfannt -- i^efd)mci(nc bcnn bie .*ö J^euertoDco unb t>cr i»(.k'ii!i culoi (prcuftifcbeö Gt)ift oon 1720). 58-4 I^r- O'Jc^^'o goröman. 3(ber roä^rcnb bcr Sicgicrunc^öjicit ©uftacö III. (177-2 — 179*2) t eine bebeutungöooÜc äi^cnbung bcr ftimincUen (Sefc^gcbung 3(^ioctyi unb 3'^^^'^"^ö ein. 3?oItaircö unb Scccarias 3^i*oItcr ipar ein brocken. Xex mäd)ticic, burd^ bie 3(uf!Iäruit(^ bcs is. Sö^^^w'^^* (gegebene Sinftop ju einer Siefoim bcr frimineUen ©efeftgcbuna öeifte ber Humanität unb ©ercd)tigfeit ging nic^t an ben norbiii Sänbcrn fpurloo üorüber. ©uftau III., felbft Sln^ängcr ber ßni fä^e ber ^ufflärung, liefe fic^ eine SReform ber Strafgefe^gcbunji gelegen fein. £ic "gruc^t feiner 53eftrebungen roar bie Straf red nooelle oon 1779, burc^ roelc^e bie Xobeöftrafen in mel)reren %d aufgeljoben unb baö Straff^ftem überljaupt gemilbert lourbc. i? aud^ \)\cx iDurbe bie ^bfd)rec!ung ah ber tiauptfäd^lid^e ^rvcd Strafe erachtet. Selbft in ber Äöniglic^en ^^ropofirion jur fra(\li ^looelle würbe bieö auöbrücflic^ auegefprod^en unb jroar in foltici SKorten: „2^ic Übertretung bee ©efeftes ift eö nicbt, roeeljalb eine 5)1 t^at beftraft werben fott, ber ipaupti^iüec! ber Strafe ift, 3i?arnun(i Schreien bei einem oerbrec^erifd^ gefinnten 3)ienf(^cn ju errocden. Sn biefem ä^U^nbe loar bie friminelle ©cfe^gebung Scbrooi unb §innlanbö, als ginnlanb üon Sdjroeben loögeriffen unb mit ruffifc^en iHeid) tjereinigt rourbe. 3ni ^a^re 180S rourbe nach 6 tüpfern 35Jiberftanbe bao tlcine, j^uni größten 2eil üuo finnii Iruppen befte^enbc f(^roebifc^=finnifd)e Jocer beftegt unb im 'ilnf« be© 3al)re6 1Ö09 mürben bie Stänbe 'Jinnlanbö no.c^ "^orgo (« fleinen Stabt an ber Sübfüfte beo Sanbeo) ^u einem JL'an^tal^c fammenberufen, mo bem fiaifer 2l[eranbor alo ©rofefürfteu giunh gcl)ulbigt mürbe, nad)bem ber iiaifer, ber felbft anmefcnb mar einer ben oerfammelten Stäuben in ber Jomfircbe ron ^öorgo gelefenen fd)riftlic^en i^erfidjerung bie ©efc^c unb bie äJerfaffung ilanbeö oorljcr feierlich bcftätigt unb belräftigt ftatte. Seitbem aber trat eine längere Stagnation in ber Gntmid ber friminellen mie ber übrigen ©efe^gebung ein. 3iad)bem bie St Jvinnlanbö ju SJorgo, mo bie gegenmärtigcn politifdjen ^Hedjtoocr niffe beo £anbeö begrünbet mürben, üerfammclt gemofen maren, gingen mel}r alo 50 ^^^ve, cl)e ein neuer H'anbtag i^ufammcnbci mürbe. 6ine natürliche ^olo^c baoon mar, bafj jebe gefe^gebc* Jljätigfeit, ^u meld)er ber iserfaffung beo l'anbeo gcmäp öao mirten ber i^olfeoertretung nötig mar, ftoden blieb. So ging es i üud) ber ßntmirflung ber friminellen ©efe^gebung, bie jabr^clinti üon ber loftrin unb ©efe^gebung ber übrigen "iiWlt faft unbci blieb. '2llo fc^liefelid) Äaifer älleranbcr IL, beffen ^iame beim finni 'l>oUe in gefegnetem 3lnbenfen lebt, bie Äonftitution ginnlanbo neuen l'eben unb 3U neuer GntmidUmg ermcdte, inbem er im 0 l.s(;.S bie Stäube bcö i^anbeö mieber ^um ^'anbtage ^ufammenbi mar bie :Kcform ber peralteteu Strafgcfc^gcbung eine uon bon 1 gcnbcn Aragen, bie bie xHufmerffamfeit fomobl bcr :){cgierung alö 4>olför)ci tretung in crfter Jl'inie auf fid; \oq,c\\. 2)aS finnif(^c 8trafgcfc| oom 19. 5^c;,c;riDcr 1889. 585 Sc^on auf bcm genannten Sanbtagc, bcr vom 15. September 1863 bis .^um 15. ^tpril 1864 bauertc, (^elanc^te ^ur Beratung ber Stänbc eine Äaiferlic^e ^^Jropofttion roegen ber allgemeinen '^IJrin^ipien, nac^ ^cncn ein \\cnca^ 2anb ausgearbeitet merben follte. 2-ie ^Regierung unb bic otänbe waren bamit einperftanben, bttp eine burd^greifenbe Reform ber gan^'n Strafgefeftgebung oorju^ nehmen märe, unb ,^roar nad) ben für bie neuere 3)oftrin unb bie mobcmen Strafgefe^e mafegebenben ©runbfä^en. Die ßntftefiungss !;cf(^i(^te bee neuen finnif^en Strafgefc^es ift in ifjren öaupt^ügen [(^on oor^er in biefer 3<^itf(^rift (VII 214) berichtet roorben. Slcferent nlaubi fic^ ben intereffierten Sefer auf ben ermähnten 'Bericht l)in;^u= roeifcn. ^i(n baö, maö in biefem gefagt rourbe, anfnüpfenb, fann SRe^ fcrent fid) barauf befc^ränfen, ju ermäl)nen, baft ber Gntrourf auf bem üanMage 1888 in ber öauptfad^e ber ■'Hegierungöporlage gemäp von )cn ^tänDen gene()migt unb von bem Alaifer unb ©roftfürften bc- [tätic^t rourbe. 3)ao fo entftanbene neue (9e)e^ com 19. 2!ie5ember 1880 foUte am 1. Januar 1891 in Äraft treten. 6ö fonnte rooJ)I unter foId}en Umftänben feinem in ben Sinn lominen, bap neue .?>inberniffe gegen bao fo lange erwartete Strafe Wt> erroac^fen mürben. 2)ennod) ift es gefc^efjen. I^urc^ einen Äaijcrlic^en ßrlaft vom 13. Se.^ember 1890 rourbe „jum (Entfernen bcr butc^ bie am 1. 3^""^^^ ^^-^^^ erfolgenbe ©infübrung beo neuen StrafgcK^es erroad^fenben Ungelegen()eiten unb Sd)mierigfeiten" bao Snlrafttreten beö Wefc^eo fiftiert fo lange, bis ber 'Jtusfprucb ber am ;0. ;3anuür 1891 ;^ufammentretenben Stäube, betreffenb bie in i^or* fc^Iag gebrachten, „t)on ber 9iotmenbigfeit gebotenen" 'i>eränberungen ^^5 (öcfe^es, Don bem Maifer unb Wrof,fürften genehmigt unb beftätigt 'öcröcn tonnte. Jie T^arftelTung ber Stimmung, bie burd) bas Siftierungsbefret 'i bem gan.^en ianbc IjerDorgerufen rourbe unb ebenfo bie ftritif bes-- '^ben liegen aufter bem 33ereic^c biefes lUuffatjes. 2cx ^efer rourbe jcboc^ i>on ber bisherigen finnifc^en Strafjufti^ ^*"* unrid)tige i^orftellung erbalten, wenn er bädjte, es roären bas ^fc^ oon 1734 unb bie büsfelbe ergänumben ^3toüeüen vom 1>>. 'o^br= ^nbert unoerrüdt in 'l^raris ^ur iHnroenbung gcfommen. Die alten •^fe^c, roelcbe einerfeits iron J^obes- unb .Hörperftrafen unb baneben ^^ oon entebrenben unb befd)impfenbcn Strafen ftro^ten, anberfeits J>^ Diele 9Jiiffetl)aten nur unbol»cutenbc, meiftens abfolut beftimmte ^trafen anbrobten, oerftie^eu bod) u» oicl gegen bas allgemeine 'Hedjts- ^fül)I, als bap bies möglid) gcroofen nnire. 3d)on auf bem ii'anbtagc 863 — 64 rourbe eine teilrocife, bie ,S^yi)d)en;eit bio .;um ,Suftanbe- o^mcn eines neuen gemeinen Strafgefet5bud)s be^roectenbe ^Keform ber \^ltcnben friminellen 0efet3gebuug in 'Eingriff genommen, (rntroürfe *tni(;cr Oboellen rour^en ebenfo auf biefem l'anbtage ben Stäuben vor= ^^Icgt unb t)on biefen angenommen. 'inMi biefen "iJlooeUen, bie fämt- 586 I^i'* 'äctaffo $ori$man. lic^ naö^^cx üon bcm Äaifcr unb ©rofefürftcn bcftätigt, in Sraft p treten waren, finb bcfonbciö 5U nennen ein ®cfe^ bcfreffenb bic Sei' brechen gegen bic Qt)xc, ein anbreö bctreffenb unoorfö^Uc^e 2om^ unb Äörperuerlcöung, ein britteö bctreffenb ben Äinbcömorb unD ein oicrteo bctreffenb bic SSottftrcctung ber Jrei^eitöftrafcn. 1a bie Srage in SRebe ftcl}t, roie bic veraltete finnifc^e ®tifjj= (^ebung roä(}renb ber legten Sal^rjelintc in ber Slec^töprariö \\ix an- rocnbung gefonimen ift, mup ein roic^ticier, in biefer 3<^M4rift (VII 218) Dörfer nngebeuteter Umftanb beachtet werben. 2?ic iobeöinafe ift feit mel)r ald fed^.^ig 3 ein 6bi!t, loo er erflärte, er iDürbe traft bco it)m 5uftcl)enbcn Sc- gnabigungered^teö fein 'Jobcöurteil , and} wenn baofelbe ben OJe)c^Ti bcö ^anbcö gemä^ würbe gefällt werben, fanftionieren unb beftotigcn, eö fei benn, ba^ bae SJerbrec^cn ben Umfturj bcö '3taat6wefenö ob« bcö '2'I)roneö be5wcrfe ober bic Sid)crl)cit beö Staates ober bic Um ocrlc$lic^!eit ber 3Kaieftät bebroI}c. Sic Srage wegen ber gcfc^Wcn 3lufl)cbung ber lobeöftrafe fonnte nämlic^ ben ©runbgcfc^jcn Kfl l'anbeo gemäß nidjt oljne 3iO'ti"^"^ung ber Stäube erlebigt weibcn — wie bicö in bcm (Jbifte auöbrüctlid) anerfannt würbe. 3^a aber W 3citt)erl)ältniffe bie ^ufammenberufung ber Stäube nici^t geftattetcn — wie eö in bcm 6bittc crflärt würbe — , bcl)iclt bic loDeoftrafc foit- wä^reub in bcm 65efe^ il}reu "^ial^ in bcm Straffi)ftcm. bei. lic Jvülge baoon war, baji bie ®eric^te allcrbingö üorfommenbeu ^^^lle* bcm OJefe^e gemä^ auf lobeöftrafe mit ober oI;ne 'iJerfc^ärfungen er- faunten, wä^renb bod) fowoljl ben ©erlebten alo bcm iNcrurtciltcn üöUig befannt war, bafe baä blutige unb fc^aucrlid^e Urteil ni(bt fo gefäl}rlid) war, als ee lautete. Go ift faum abjulcugnen, baB ein folc^eo 3>erl)ältnio nid)t geeignet ift, t>aQ Ülnfeljen beo ^Ked)teö in fcn 3tugcn beö iNolto .ui erl}öl)en. 2)en 'lU^rteil aber brachte es mit fid)/ bafi bie Strafjufti.^, oljue allju arg gegen bao allgemeine JHccfatögi'füM ^u uerftoßen, fungieren fonnte. Übrigcnö bat man in Jvinnlanb bicfelbe (?rfaf)rung gemacftt als überall, wo bao Strafgefe^ mit bcm 3t'itgeift in ÜlUberfprud) geraten ift: bie c^Särtc bee ©efe^es würbe burd^ bie "^Srajio cinigcrmaBcn uni= gangen. :?in biefer S)e,^iel)ung bot baö ben Cbergeric^tcn in gcimiJfH örenAcn j^ufte^enbc iieuterationorec^t (bie 33efugnio, bic Strafe nad) ben llmftänben ,^u accomobieren) ein wid^tigeö .^'>ilfömittel bar. 3o finb l>ic iJeibeöftrafen fd)on längft außer iHnwenbung gebracht xooxM- Üluo bcm Wefagten ift ,^u erfcljen, baß bas 3nfrafttrcten ^** neuen Strafgefefteo eine burc^greifenbe Umformung ber finniidK|* Strafgefeögebung in fid) birgt. Über bie bringenbe "JlotwenbiflW vieler Umformung l)errfd)t in bcm ii'anbe oöUige Ubereinftimmung, 0^' gleidj man ]xä) nid)t oerljcljlen fann, baß ber Übergang von bem 'Alict^ a)ad finnif(^c Strafgcjcft »om 19. ^^cjcmbcr 1889. 587 )em auf ganj anbcrn 5prin;^ipien gebauten ^)Jeucn im 3ltifang un- feÜiaft irgcnb eine Ungleid^fönnigfeit in ber Slec^tfprec^ung nad^ ^ie^en roerbc. ler im SJcrglcic^ mit ber alten ©efeögebung oerfc^icbene (Efia* !r beö neuen Strafgefe^es tritt — beö Straffpftemö ju c^c- eigen — ^auptfäc^lic^ in jroei Umftänben ^erüor. S)aö ©efe§ 1734 unD bie ältere ®efe$gebung überijaupt ift in l^oI}em ®rabe :ftifd|. Tie ctrafgebote bejiefien fic^ auf me^r ober minber cn%c ppcn Don fällen beöfelben SJerbred^enö. 2)en Straffa^ungen ge^t allf^emeine Raffung ab, bie ben gan.^en Umfang beS betreffcnbcn ued^ens in jic^ fd^Iöffc. SDer ©efcögebcr l^at bei ber 3ibfaffung Strafgeboteö bie im aUtäglic^eu icben IjerDorragenbften gättc beö »rcc^eno ine 3(ugc gefaxt unb biejelben (jerausgegriffen unb unter Strafgefe^ fubfumiert. ßbenfo finb bie oerfc^iebenen 2ierbrec^enö= )c|tünbe nic^t begriffsmäßig unb fc^arf üoneinanber abgegrenjt. enthält baö ßefe^ üon 1734 ^. 33. feine allgemeine Scftimmung ben 33etrug, fonbern nur jerftreute, auf befonbere 33etrugöfäUe bci^iebenöe Strafgebote, ßbenfo ift bie ©renje ,^iDifd)cn bem 2)ieb- unb ber Unterfc^lagung gan3 uerfc^roommen. Ge ift einleuc^tenb^ baß bieo iserliältnio, befonbero bie fafuiftifd^e ing ber ©efe^gebote^ aud; ber >Hec^tfpreci)ung ein gegen baö 9tecitö= .}l oerftoßenbeo ©epräge geben mußte. S)a nämlid^ bem 3traf= te eine foldje allgemeine gaffung abgel)t, baß bie betreffenbe SJer- lensart in i^ren fämtlic^en 6r)cf)einungöformen unter baöfelbe fub= t*tt werben !önnte, fo ift ber ^Kid;ter besüglid) ber außerhalb beö ifgcboteö gebliebenen ^'väße, über meldte ber ©efetjgeber fic^ alfo auogefproc^en l)at, ge?in)ungen, bie ^(bl)ilfe in einer meit auo= i}nten 5Hecf)tö= unb ©efe^eeanalogie ^u fuc^en. ^te SBittfür beö tcto mußte l'omit feljr oft bie ^ndcn beo ©efefteö auofüUen. ;^n jold^en l'age befanb fic^ überljaupt bie finnifc^e ÜRed^tfpred^ung. angedeutete 35erfal)ren I}atte eine träftige Stü^e in bem oben er= itcn, ben Cbergend)ten jufte()enben Vcuterationored)t. 3n ber biö Jufrafttreten beö neuen ©efe^eo geltenben Jt'euterationöoerorbnung iso.s lüurbe ben Cbt'rgend)ten, t»encn felbft, roie oben gefagt, ein auogebel)ntea ?Hec^t, bie Strafe nad) ben Umftänben ^^u aecomo= n, eingeräumt roorben n?ar, anbefol)len, fomo^l in benjenigen 'n, roo 'Jtnlaß jum i^erfd)ärfen ber Strafe über baö im ©efe^e nmte 5)iaß oorl)anben mar, alö aud) in foId)en, luo eö an ge= ebenem ©efe^e feljlte, über ben bctreffenben ?f^II an ben .Wönig iberic^ten unb beffen iUuofpruc^ ab.^umarten. 3n ber Ginfül)rungör»erorbnung beö neuen ©efefeeo ift mit allem fcftgefetjt roorben, baß bie obenerroäljntc Serorbnung üon 1803 anbern cSbiften^ iüe(d)e ben c^ofgcridjten (gemeinen Cbergeric^ten) bem ^ufti^bepartement beö Senatö (bem oberften ©eridjt) baö 1/ bie Strafe ?;u milbern unb bie 3}er)d)ärfung ber Strafe ;^u tragen, aufgeljoben unrb, inbem bie Strafmilberung ben ®runb= cn gemäß nur ber ©nabe l)eo ^JDtonard^en ^ufäme. 588 I^J- 5«'^^5f«> Aor^mnu. 6ö läfet fid) nid^t ablcuc^ncn, bap burd) baö neue ©efeft bcr l\6)cn 'ü'iütnx bcr rid)terlid)en ©cioalt ein 9(ie(^e( rorgefc^obcn roc ift. 9lnberfeitö aber ift bic 4*cfürd)tunc^ laut geroorbcn, Das @efe^ werbe in anbret 33e5ic()un9 borfelben 3ÖiÜ!ür 3^I)ür unb offen laffen, fo bap fic^ ^ier ber alte i^erc^ilianifcbe Sprud): „Iiicidit in Scyllani, qni vult vitare Charybilim'" DöQici bemöbre. 9)lan l)ai babei, roic Ieid)t Derftänblid^ ift, bie weiten < rahmen beo ©efefeeo ober iiberl)aupt bao 5i)fteni ber rclatii ftimmten Strafen in Setrac^t c^e^^ooien g,cl)abi. Sap jebod^ ber fin ©efe^geber bei Jveftfe^ung ber Strafrahmen mit grofeer Sebutic unb Umfid^t vorgegangen ift, ift nid)t abzuleugnen. Gin SSerglcic finnifc^en G3efe^eo mit bem beutfc^en unb anbem mobernen ( büc^ern in biefer Se^iebung roirb bieö beftätigen. Go mup ab« bad;t werben, bap nod) im ©efe^ r»on 1734 bie abfolut beim ©trafen übermiegenb finb, obgleid) relatiü beftimmte Strafen felben feincöwegö fremb finb. 51ud) in Den auf bem i'anbtagc bio 1864 angenommenen Strafred)tönoueUen finb bie StrafDrof) relatio beftimmt, fo bap infolgebeffen bie finnifd)en 3{id)ter fid) c 3(nmenbung foId)er Strafbeftimmungen fÄon längft gewohnt I Unter biefen Umftänben fd)eint bie 3iefürd)tung , bap bie rHicbt ber 3w"^*^)f"»^(\ ber Strafe nad) bem neuen ©efetjbud) \l)xcx 31i nicht gered)t j^u werben oermbc^ten, ziemlich grunbloo ^\x fein, man cö aud^ .^ugeben woüte, es fei in fraglid}er i3e,^iel)ung übei ein fdjroffer GJegenfa^ jwifchen bem 9(Iten unb 'Dteuen ba. 2c rid^tige 9lnwenbung ber relatit) beftimmten Strafgefepe überbaup f)c\tlc Sad)e ift, ift überall anerfannt. 5Kan fann baber nid)t ir baran nehmen, wenn bie xHnwenbung beo neuen ©efepeo weni im Slnfang einige UngleichfiJrmigfeit in ber -Wechtfpred^ung l)cxvo würbe. 2*ap bao neue ©efep in ?3e.;\ug auf feine gan^e Struftur vi „^))Jipgicrningöbalfen" unb „Straffbalfen" beö ©efepeo non ITiU abweicht, braud)t faum hervorgehoben ju werben, "^febenbei m wühnt werben, ^a\\ etlid)e iserbrechen in bem ©efet> von 17.S neuen ©efepe eine anbre '^ebeutung erhalten haben, obgleid) Der unoeränbert geblieben ift. iTao neue ©efep ift be;üglid) Der beftänbe ber 'iNerbrecben natürlid) in ber ."oauptfache Der Tottrii ben moDernen (^Jefepgebungeu gefolgt. So ift fliorD nad) Dem iH^n 17:U eine in hi^terliftigci 9Üeife unb in .oeimlid)teit volii Üötung. 5^" neuen ©efep Dagegen beu'id)net ber l^iorD eine v Iid)e, mit 'iUnbebacht aufgeführte Rötung. i^orfäplid)er "Jotidjldi be;^eid)net nach ber alten ©efepgebung eine mit xUbficfat, einen c inno l'eben ^u bringen, aufgeführte Jötung, im neuen ©efep \)i\ eine Dergleid;e Rötung hi^ftigen Mut^, ufw. ^6 finnifc^c etrafgcic^ oom 19. Xcscmbcr 1889. 5g9 Über baö Straffpftem bcä neuen ©efc^cs f)at Sleferent fc^on in m porigen, in biefer 3citfc§rift (VII 2Ö4) aufgenommenen 2lufs i berichtet. Ginige äUorte über bie lobesftrafc mögen I|ier noc^ |U(^cfügt merben. Cben ift ^en)orge{|oben morben, ba^ bem 6bifte beö fiaiferä pIüuö I. gemäj in mehreren 3lö^'^5^^^^^" ^^ ginnlanb fein 3^obeö= il ,;ur 'i^oUftrecfung gelangt ift. 2^ic Überzeugung oon ber Gnt= :lic|ifcit biefer Strafe fc^ien bei uns tiefe SSurjeln gefc^Iagen ju m. So fprad^en fic^ bie Stänbc auf bem Sanbtage 18G3 — 64 ber oben ermähnten Beratung über bie allgemeinen ©rünbe eined m Strafgefe^es für bie oöBige 2tbfcl|affung ber 2^obcöftrafc auö. rourbe jeboc^ fpäter ben Stänben funbgegcben, ba^ bie ^Hegierung öcibe^altung berfelben für bie fcliroerften iserbrec^cn politifd^er 2lrt nötig erachtete. 3(uö biefem ®runbc fanb bie 2!obeöftrafe für c bcö .f^oc^oerratö unb fc^roerer Wajeftätaoerbrec^en 3(ufna^me im n Gntrourf bes Strafgefe^eö, bemjenigen r»on 1875. ^nbeffen ^te t>a^ Äomitee, bem bie Sleoifion bes Gntrourfö oon 1875 auf= agen mar, in fraglid^er Se,:\iel)ung einen Sd^ritt meiter* 3)aö Äo= c beantragte nämlic^ bie Ginfüf)rung ber lobeöftrafe als Strafe für Ü)iorb alternatio mit lebenslänglichem 3w^tt)auö. 2)a9 Äo= c bcgrünbet feinen 3tntrag furjroeg bamit, ba^ feinem Grachten I ,,bie 6rfal)rung beroiefen ijabc, bie S^obeaftrafe fei jur Sid^cr- ung ber Oiefellfc^aft für etlid)e gälle oon ?lKorb bei un^ notmenbig, icntlic^ fobalb tJiefeo SSerbrec^en unter befonbera erfd)roerenben Um^ ben begangen morbcn, ober rocnn jemanb mel)rere ^Korbtl)aten vex- ober fie ioieberl)olt unb fomit bie allgemeine Sic^cr(|eit in ^ol)em ibc bcbvol)t ^at". 3^om i^orfd^lage bco ^Tlcpifiouofomiteeö gcmäp mürbe nac^^cr in I t»on ber ^Regierung ben Stänben vorgelegten Gntmurf ^xxm Strafe % bie Jobeöftrafe alo altcrnatioe Strafe für Worb aufgenommen. ällö ber Gntmurf auf bem ii^aubtage 1^^88 bei ben Stänben t^ux atung aufgenommen mürbe, entftanb über bie lobesftrafe ein leb- tet Streit/ber fic^ jebodj auf bie 5*^age be|d)ränfte, ob bie Jobec-^ fe für 5Rorb beizubehalten nuire, benn be^üglic^ ber übrigen iUn-- Jen, für meiere bicfclbe bcftimmt mar, mar ea offenhinbig, ba^ 3lbfd)affung bie Wenel}migung ber l^^egicrung nid)t geminnen Ute. ^"^n betreff ber !)iotn)cnbigfeit ber Xobeöftrafe gingen bie 'Jtn= :cn ^iemlic^ auseinanber. Xic alten förünbc für unb gegen bie )cöftrafe mürben mieDer ino ^Treffen gefül)rt. XUlo Grgebnio ber laftcn ^'ebatten in ben Stänben ging l}cn)or, baf; .^mei Htünbe, 'liricftcrr unb ber Sauovnftanb, ]\d) für me 4kibel)altung ber )C5ftrafe für "JJiorD, bie ;mei übrigen, ber 'JlDelo^ unb ber 'Bürger- ib, fid) gegen biefelbe auofprad;en. '-) Ta alfo in ber Arage ,^mei inbc gegen bie .^mei übrigen ftanben, mar Diefelbe uncntfd)ieben, )o *) iiUc bcfaunt, bcftclu Die ■l-olföucrtrctutui üuö uicr 3tänDcn (bem 'JlDcls-, itcr«, l^ürgor« unb i^aucrnftanbe). bie als oerfd)iebcnc Mammern togen. 3«tf(^r. f. b. ßef. Strafr€(;^t*w. XI. :]S 590 Dr. 3««^fo 5ot*»"an» ba^ infolgebcffcn fic unb mit i^r bao gan^c @cfc$ nad) bcr 1' orbnung l^ätte ocrfaltcn muffen. S^x i^*rmctbung bicfer fl griff man ju bem in fold^cn ^äßcn geroö^nlic^cn Sfuörocg: bcrcitcnbc 9{uöfc^u^ legte ben Stänben einen ,,3luögIeic^ooi cor. 35iefer i^orfd^Iag enthält eine 3lufforberung an ben 9lb ben Sürgerftanb, Dem Öefc^Iu^ ber J^mei übrigen 3tänbe bei^u X'xe 3lufforberung mar I)Quptfäc^lic^ bamit begrünbet, ba^ ) fd^lu^ beä -JJriefters unb ^Bauemftanbeö als mit bem ßntipurf gicrung unb bem ®utac^ten bcä üorbereitenben äusfc^uffee ftimmenb, ber SSorjug einjuräumen fei. 2)ie 2lufforberung l] geroünfc^ten Grfolg, infolgebeffen bie lobeoftrafc alfo alö a\ ©träfe für "ilKorb feftgefe^t mürbe. 6ö mag beiläufig bemerft merben^ ba^ bie bei ben Stänt gcfunbene SDebatte über bie S^obesftrafe oon felir geringer p 3^ragroeite mar. 2)er Streit mar melir prinjipietter 3(rt. jcbem auf ber §anb, ba^ ber Säefc^Iufe ber Stäube, bie Ic beijubelialten, bie Sefugniö bcö Äaiferö unb ©rofefürften^ gnabigungörec^t in beliebigem 3Ra^c auejuüben, nic^t beeint fonnte. 3)er Sefc^Iu^ ber Stäube fonnte nämlic^ in feiner 3j obenerroäf)nte (Sbift von 1826 bcrül)ven. 2)ie praftifcfte Ö bcö fraglichen Stänbebefcliluffes würbe and) baburc^ bcträc^ minbert, bafe in bem Wefc^e bie lobesftrafe für 3Rorb nur c angebro^t rourbc. 3)lancl|em Serteibiger ber Jobeöftrafe fcl|ien tätlich j^u fein, be.^üglic^ grober 9)lorbt()aten fxä) ber in ber %i ^nx Sic^erftellung ber ©efettfc^aft liegcnben fd^arfen Söaffe gä begeben. 9(uc^ bürfte bei mand^em ber Umftanb in Srmät fommen fein, ba^ bie ^Deportation nad) Sibirien, bie bem Q 1826 gemä^ menigftens in ben fc^merern %ixUcn ein Surroga: 2^obcöftrafe abgegeben l)atte, au^er ^Inroenbung gebrad^t mori 2)ie in bem neuen ©efe^buc^ mit 3^obeöftrafe bebro^i bred^en fmb alfo: a) ÜRorb ober üorfä^Iic^er 2otfci)Iag an bem Äaifcr ur fürftcn fproie SJcrfud) folc^er Rötungen; b) eine 3^^ätlid)feit gegen ben Äaifer unb ©roftfürfter natio mit lebenölänglid)em ober .zeitigem 3"Atl)^ii^) c) 3Jlorb ober oorfät^Iic^er iotfc^Iag an ber Äaiferin, beii folger ober einem anbern 3)iitglieb beo ÄaiferHd)en d) "üOiorb an bem Oberhaupt eines befreundeten Staate e) gemöljnlic^er ^BJorb (alternativ mit IebenoIänglid;a [)am). t (ßrfftngntsfcfigrn in htn Urrtintgtrn ötiifitett« (^erfammlung bcr ^National Prisoii Association** ^i Gincinnati.) i^ou Dr. rKoIiinr» % Aalfncr in "^^Jhilabclpina. 3eit t)er 8eit, ba r»on ^ilmerifa auo 3^ccn über Ginjcr^aft utib mnanbte ^ta^en ficf) über Giiropa verbreiteten unb ben 3lnftofe litn \\i ben großen Reformen im ©efängnioroefen, lue^e uufer oWiinbcrt erlebt f)ai, ift bie Sac^e ber öefängnioreform in ben ereini^ten Staaten leineeroegfi eingefcblafen. 3öo^( ^at eo eine eit gec^eben, alo bie ©emüter urc^eroaltfam mitc^enommen loaren mit in innem Mampfen ber 9iation gec^en bie Sflüüerei, meiere im Öürger» ieg gipfelten. 3)amal9 fonnten, angefic^to ber großen t'ebenöfrage t 5lation, anbre S^tereffen, rviinn nocl) fo wichtig, baö öffentliclie f^ör nid)t erlangen. *3Jlit ber Söeenbigung beö 33ürgerfrieg9 rourbe e Batbt mit großem ßifer mieberaufgenommen, namentlich burcl) bie lermüblid^c 2^ätigleit beo Dr. (J. (5. äßine^, beffen roo^Ibefannte^ ertienft e9 ift, bie internationalen Wefängni^tongreffe ino iitbm rufen ,ui ^aben. 3Uo oorbereitenben Schritt ^at er mit menigen ibem eine nationale SJereinigung oon ©efängniöbeamtcn unb •efänc^niefrcunben begrünbet, loeldje im 3ol)re 1870 in ber Stabt incinnati alö bie National Prison Association .^ufammentrat. a^ ^roan^g .o>«l)ten i)at bie bieojäl)rige 2?erfammlung berfelben creinigung mieberum in ber nämlid)en Stabt getagt. 2luö ben er^onblungen geroinnt man ben beften Überblict oon bem Stanbe t Öe^ängniefrage. Cbroo&l ber ©egenmart gemei&t, maren bie er^anblungen natürlic^erroeife noll Grinncrungen an bie Wänner unb eftrcbungen ber 3?ergangenl)eit. .sMerburd) gewannen fie ein unge* ö^nlicbe^ l)iftorifcbeö I.'^ntereffe. Gö barf bat}er angebracht erfcfjeinen, u)en ;^ug ber iNer&anblungen nor allem \u berücfficbtigen. Aiiglid) loenben mir unfre 3tufmer!famfeit .^^unäc^ft auf ben geift= c6en isortrag beo .oerrn Jreb. .ö. 2iUneo, beo begabten So^neo beö rbtenftüoUen 33egrünbero ber 3[5ereinigung unbSd)riftfül)rero berfelben. : beljanbelte bie Gntmicfelung ber ©efängniorefonn in ben oer= ifenen i^it»an3ig ^o^ren. XHU 1870 bie ©efellfrf)aft begrünbet lourbe, irbe bie Strafanftalt Icbiglid) tjom Staubpunfte bcr Sloutine auf= fafet. Tie noUfte 5(uobeutung ber ^Irbcitoträfte, bie Gr^ielung einco ö^tmöglid)en Grtrageo bei ber n?irtfd)aftlic^cn l>cnoenbung bcr efangenen roaren faft auofd)lieplid) bie leitcnbcn ©ebanten ber efängniooeriüaltung. '?3Jit ber lltöglid)feit ber ^Mfcrung ber ©c= ngenen befcf)äftigte man fid) nid)t. xHn eine perfönlid)c Ginmirfung f biefelben n)urt>e faft nirgenbo gcbad)t. ^lllerbingo muft man I)ier \t 'Jluonal)mc fonftatiercn i^u guniten beo ,^eUengefängniffe<5 ,^u [)ilabelpl)ta, roo feit ihrem 33cftel)cn eine inbioibuelle ^^el)anblung ; ^lane ber 'Jlnftalt ftebt. ^sn ber '^luffaffung bcö ©efängniffeo ib feinen .^n^ecfen bat fid) inbefjen binnen ^iroan^ig 5«^^^" ^i"*^ ope iänbenmg ooll^ogen. Überall ift man beftrebt, bie 3(nftalten fo 592 I^r- SHoIant) $. ^alfucr. ju feiten, ba^ für bie Sefjerunc^ ber Snfaffen baa -JKöciKc^fte cie roirb. freilief) tnu^ .^uo^ec^eben roerben, bap nicftt alle (Scfäm bireftoren oileidjmäpioi von ber ^iöc^(td)!eit ber roirflicben Seij« Der befangenen burci)brunc;en finb, unb weiter nnij? bcmerft roe ba^ üiele nic^t bie notroenbigen ^Jtittel erhalten, um if)re xlibec üerroirflic^en. Zod) im großen unb ganzen ift bie Jenbenj bie bemcrhe, eine "Üenben^, luelc^e tjon ^ahx ju 3af)r mcf)r unb beutlidfe fid) offenbart in ben iserbanblungen ber öcfängniögefellj Diefe tjeränberte 3luffaffung hat manche 3tnberungen in ber loaftung unb Wefe^gebung jur ^^Igc gehabt. Setrac^ten mir .^u: bie iseriüaltung ber öeföngniffe unb mir finben unter ben i ber 3lnftalten einen ^öl)ern 2t)puQ als oor ,;man,;ig '^sa^rcn. J\ oerlangtc man von bem ©efäugniäbireltor nur, ba^ er feine in Drbnung I)alten unb einen guten (Jrtrag von &r Slrbeit erlc foUtc, alfo im roefentlid)cn nur äußere ^iojiplin unb gute Wefd füftrung. Sie Wegenroart bagcgen maci)t ^öf)ere 3ln)prud)c. nur foU ber "Sireftor alles bieo (eiften, ba^u fott er nod) j ©efangenen perfön(id) nä^er treten, er fott jcbcn einzelnen fennen, er foll auf fie cinmirfen, i()nen ;^um Sieffem helfen. Mu feine ^^ätigfeit mu^ fic^ uiel met)r a(ö frü!)er nad) innen ri Demgemäß muß ber ©cfängniöbireftor ein "^Jiann r»oII Gntfcftiebc aber auc^ üoller (>)üte unb üon groftem 2:aft fein. 3 ein )dim 2tmt fann nur ncrmaltet merbcn von einem 'Spanne t)on gutei gabung. Seit von 5^^^ .Ui 5al|r bie lUnforberungen an bie (^kfar oermaltung I)öt)er gefteüt unb biefe '^nforberungen erfüllt ro» crfennt man me^r unb me^r, bap ber ©efängniobireftor in l Wrab ein Spe,^ialift fein mup. 2Jieö bat jinr Jyolge, baf; bie (Sc niffe, me(d)e frül)cr eine .Hauptrolle in ber erbärmlid)en ^Dluobei ber 3tmter für politifd)e ^wcdi' fpieften, melir unb mebr poi t^eutepolitit unangetaftct gelaffen merben. 'Sie überall tonnen r ameritanifd)en äJerroaltung feine enbgültigcn ^Meformen burd)(^^ werben, bio enblid) einmal mit biefem miberfinnigen 3pftem grü aufgeräumt roirb. Sl^ie in ber (^5efängniöleitung, fo traben and) in ber iNenraltui ^a^re 'iNerbeffenmgen mit fid) gebrad)t. Über 30 iHnüaltcn mäljrenb ber leisten .j^mei "iSecennicn gebaut morben. on faft ift für bie ikl)ürfniffe beö mobernen (^)efängniffeo grüuMid) g roorbcn. (rinige fönnen alo 'Biufteranftalten be^eidinet roer^en, na lid) bie neue 3trafanftalt für bie meftlidien Xiftrilte von X^c\ üanien ju !iUUegl)eni). iTicfc rein tcd)ni)d)en Aortfd)rittc finD allein Don i^ebeutung uom 3tan^^nln!te ber "i^autod)nif. 0)efär männer nimmen barin überein, ban ;n)ecfmänige i^aulid)feitei (^)runblage einer rationellen 'iWenoaltuitg finb. Xk Ti^^J^iplin ber xHnftalten ift milber unb humaner geioc OJJan ift uir Crinfid)t gefommcn, bar> in ben Jiö^iplinarbeürafi nid)t bie 3d)aiere ber 3trafe, fonbern il)re CnniuHbeit bie CrU aufred)t erbiilt. Semnadi finb bie pl)9fi)d)en -JDUttel, n)eld)c vi ©cfängniöf ragen in l^cn SSercinigten Staaten. 593 ffttft in bcn größten unb bcftc^elcitcten 3(nftalten ju finbcn iDorcn, n^t unb melir au^er ©ebrauc^ gefommcn. Statt SSeftrafunc^en für liertretungen tjat man oiel mc^r als früher Serc^ünftiguncien für bic ütfrcAtcr^altung bcr x^ausorbimnt^. Übertretungen finb mit SJerluft iefcr i^ergünftigungen bebro^t. 3luf biefem 2öege tann bic Crbnung tf^aiun werben o^ne ouflud^t ju pl)vfi)cf)en ^JÖlitteln, unb von ^al)x i 3a^r merben fic immer weniger benu^t. So ftar! ift ber 3)rang aci Areifteit, baft bie „Good-time Laws", meiere für gute ^ü^rung ne i^ertüri^ung ber Straf ;^eit geftatten, bie mirffamften -Büttel j^ur icnneibung üon 2*iö;^iplinarbeftrafungen unb i^ur 5Uifred)ter()aItung ber rbnung gcmorben finb. 5(ud) finbet man in einigen Staaten eine crteilung ber ('•iefangenen in .Ülaffen, roeld)e bie nämliche Jßirfung lt. 3" einigen Staaten befte()t bie unbeftimmte Strafjeit, monac^ T Serurteilte auo t>em Öefängniö entlaffen roirb, wenn nacb bem Gr« ejfen ber Leitung, nac^ beftanbenen ^iJJroben, er mutmafeüc^ fid^ in X öefeüfcftaft erhalten fann, o^ne mieber inö iserbrec^en ^n fallen, nter einem folcben Softem erhält fid) bie Crbnung me^r ober enij^er Don felbft. ^^benfaUo gibt eo fo üiele 28ege, roorin bem nbdnbigen bic Slcfultatc feiner .öanb hingen flar gcmad)t werben nnen, ba^ bie pi)i)fifd)en 3ieftrafungcn feiten nötig werben unb nen fc^r milben CS^arafter tragen. ""Man ^brt nicbt me^r üon bcn aufomen 'öeftrafungen, weld^e früt)cr bae amerifanifd)c Cv^efängniö* e)en )d)änbeten. Tic Glemente, wefc()e jur Sleform be^ Sträflinge beitragen, finb e 2(rbcit, bie Schule unb bie 'Religion. Jn 5Je,^ug auf alle ift in ■n Wcfängniffen ein .>ortfd)ritt ,^u ücrj^eic^nen. ^unäd^ft wao bie 3trbeit anbelangt, waltet nic^t unbebingt, wie über, bie Gr^^ielung eineo (^kwinneo aU Icitcnber ©cfic^topunft üor. er 5)etricb ber Wefängniffe ift Diclfad) geftört worben in bcn legten al)ten burcö bie ^(gitation ber ^Arbeiterparteien unb beren ^egünftiger. ielfarf) finb ©efcfte erlaffen worben, welche bao Unternebmerfijftcm 13 bell Wefängniffen Dcrbannen, unb in einem Staate, C^l^i^ioie, ift flar ein iNcrfaffungsamenbement, weld)e9 bao Unternebmerfpftem in n Wcfängniifen »erbietet, Dom 'isolfe beftätigt worben. 2)em:^ufolge it bcr 'i^etrieb auf Staatored)nung '^Nerbreitung gewonnen, unb in nnc^erm (^3rabe aud) bao Si)ftem beo 2tüdlol)no. T^ies mu^ alo IC 'öeffening angefe^en werben, bcnn bat)urd) wirb eö nunmebr ^fllitt), t)ie *>lnftalten auo anbern alo ('»iefc^äftömotiocu %\x leiten, olttnt^c t)er Untemel)mer in ben öefängniobetricb eingreift, ift ein embeo Glement Dorljanben, weld)eo, fei eo in ber xHnftalt felbft, fei in ber i^olfouertretung, ^er natürlid)cn Gntwidelung beo öefäng» STOefeno bemmenb entgegenwirtt. Somit mufi bie 3lgitation, wie- •^l in l)o()em Wrabe bemagogifd), bie bem Unternel)mer bie 2;l)iir ^cij^t bat, alo ein ('«)ewinu betrad)tet werl)en. Übrigenö barf bier ^ftefchaltet werben, "t^ai^ t>ietc 3lgitation ein ^elleo ^ic^t auf bao ^föngniowefen im allgemeineu geworfen bat, unb t)amit axxd) anbrc •iormen möglid) gemad)t. iiUe jctjt eingerid^tet, ift bie Slrbcit me^r 55)4 I>r- Äolanb % ^arincr. ab früher unter ber Seitung bed ^ireftord unb fann ba^er ba ^rocden bcr Strafe beffer bienftbar c^cmac^t werben. Xie Jbee rinet geroerbüd^en Schulung greift melir unb me^r um fic^. ^n ocrfcbieDen« Staaten roirb bieö a(ö hieben* ober gar ^»auptgroecf ber Slrbeit angc« fef)en. ^m Staate 'Jten)='J)crf beftimmt baö neue ©efeft übet bie ©efängniffe, baft gemiffe Kategorieen oon öefangcuen bejdbäirigt werben fönnen, o^ne ^Hücfficftt auf bic ^robuftioität ber irbei So roeit fortgefd^ritten ift man anbcrroärtd freiließ nicl|t, boc^ benfiii bie 3^enben,v 'Jkmentlid) ici^^ man biee fe^en in ben Süb-Staatcn, it»o baö i>erpad)tungQf9ftem noc^ oorroaltet. Seitens ber öefäncims« bireftoren werben ernfte Mnftrengungen gemadfet, SJefferungen cinw* füf)ren, eoentueU bas Softem ju übenoinben. Tie Z(i)uk roirb ah notroenbiger Seftanbtcil beö mobetnm ©efängniffeo angefe^en. ^n faft jeber Stnftalt pnbet man je^t eine mel)r ober weniger umfaffenbe Scf)u(e. ^^n ben meiften bleibt jic freilief) nur für ben gän.^lid) Ungebilbeten, ben 2Cnalpl)abeten bejtinnnt^ boc^ gibt es einige, roo bie Sd)u(e fic^ auf alle ^nfaffen erftrrft. SJorbem roäre bie© unerl|ört, bod) ift man lieutc ber Slnfidjt, Ui geiftige forool)l roie förperlic^e Siefc^äftigung ben Wefangenen not ttut. ^ie Xl)ätigfeit be«i 3lnftaltögeiftlid)en l)at ficb bebeutenb erroritett. Arül)cr tl)at er feine ^i>flid)t, wenn er für bie Sonntagoprebigt gejorgt 6at -oeute roirb il)m oielfadb bie Überroad)ung über bie MorrefponDen;. bie Sorge für Zdixüe unb 'Bibliot^ef anvertraut, roäbrenb oon ihm häufiger Sefud) ber (>3efangenen in i^ren gellen erroartet m\f- SBenngleid) j^u niel geforbert roirb, namentlich im i>cr^ältni6 ^u ben roinjigen Wc^ältern, fo muf> man bod) anerfennen, baft bie ©eiftlidjen üon bcm Grüfte il)reö Jl>erteö mel)r unb mehr burd)brungen 1in^- 2i>ie unter ben GJefängnioleitern, fo mertt and} unter ben Wciftlidier» ber aufmerffame 3)eobac^ter einen bebeutenben $ortfd)ritt. So roeit ber iNortrag beo >>errn Üi^ineö. 'BJand)e (rin^cfteiten l)aben roir unberüdficfttigt laffen muffen, (rs !am uns barauf fli**-- bie allgemeine Xenben,^ feiner 5luöfül)rungen ^u fenn5ieid)nen. tiefer gefd)id)tlid)e Überblid )d)ien uno eine angemeffene örunblage für bi^ '!8etrad)tung ber anbern iNcrl)anblungen ber iserfammlung, roeld)e eint* Crinfidjt geroäl)ren in bie 'i^robleme, bie ,^ur ,^eit bao 3ntereije öcr (^iefängniomänner in xHnfpruc^ nel)men. •Oerr 51. iH. 33rufl) ') befprad) t>i^n Wefängniobireftor unb feine !:Mufgabe in einem fel}r lelirreid)en Sieferat. Turd) langjäbrii^e Cr* fal)ning in ber ^'eitung einer ber gröf,tcn Slnftalten XHmerifaö ift ^^^ .s>crr ^Hcfcrent \i{ einer fold)en 5lufgabe befonberö befähigt. Tit Sdiroicrigfeiten beo 5lmtco rourben aufge^äl)lt, um ui seigen, roic bo* bic xHnforbcrungen fein muffen. 3lMe oorauo.^ufe^en , gab fein 4*w* trag 'iinla^*^ \\i einer intereffanten Tebatte über bie praftifd)eii Is^m^tn, bie er berul)rte. 'JJiit biefem i^ovtrag fann man ben oon >:cmi '» Tireftor t^co :'icii'-:i)orfcr ctoatr.cicfmuiniftcs u» 3infl-3infl. ^efängnidflrafcn in bcn $crcmigtcn Staaten. 595 ?ajior &. Jp. Öicfor^) über bie Strafanftaltö^eiftlidjcn unb feine ^flic^ten oerc^Ieidjen. "äÖtit grofeem Saft befintert er bie SteUunc^ biefes Öeamten unb feinen 2luöfü^run(\en rourbe mit t^rofjem ^ntereffe gefolgt. 6ine intereffante SDebatte folgte, lie 3!?ireftoren waren im ti^mtn einoerftanben, bap ein guter ©ciftlic^er bie red)te Ä>anb beö lirettoro fein fönnte. Ginige l)atten aber üble Grfa^rungen gemacht unb ^aben in iftren 3lnftalten regelmäßige Wotteöbienfte, aber feine Qnc(enettten Öeiftüc^en. (Jo rourbe aucft aKgemein anerfannt, baß bie geroö^nlic^en ©e^älter ber 0eift(id)en in feinem i^er^ältnio i^u ben geftcütcn Jorberungen ftef)en. 2ie allgemeinen öefidfetspunfte ber Wefängnioleitung mürben in interefjanter 3i^eife burd) >>errn 1. ;?. (5f)arlton=') befproc^cn. Sein Iftcma mar bie 3il)nlid)feit in ben ^hifgaben ber C^kföngniffc unb ber Äcform)d)ulen. ^aft alle J^ortfd)ritte in ber 33el)anblung von er« roaciienen (befangenen finb erreicht roorben burd) bie 3(ufnal)mc uon Äetbobcn, meldte mit Grfolg in ben ^fnftalten für jugenblic^e 6eje?C9übertreter angemanbt morben finb. Gö ift bieö in ber "iRatur ber ca(be begrünbet. ^^n ben ^Heformfd)ulen rourbe von 2(nfang an öon ber begangenen li)at mel}r ober weniger abgefefien unb me^r ouf bie Sebürfniffe ber -Jnfaffcn gead)tet. Xer Icitenbe Webanfe fo((Jer 9lnftalten ift oon jel)er geroefen, bie o>nfaffen für bao hieben in ber Wefellfdiaft oorsuberciten, unb barin finb fie burd) feine ifteoric ber Strafe be&inbert roorben. Go l)at lange gebauert, bio in >fn Giefängniffen biefelben ©efid)t9punfte ;\ur (Geltung gefommen finb. ^od) ift bie heutige "Jenben.^ fel}r ftarf, ben öcfel^eoübertreter, o^ne ^ücffid)t auf bao 3llter, nad) feinem inbioibuelleu Gl)arafter, ftatt ttei) ber begangenen Straftl)at :^u bel)anbcln. ^ie %^roblemc finb für ^n unbänbigen Mnabcn unb ben altem iserbred)er faft bie näm* errn i)i. i\l\ 'IKc. lau gl}ri)*). !Eie l)iftorifc^c Gnttoicfclung berfelben in l>em englifd)en ■ trafred)t umrbe furj fti.^.^icrt unb über bie iNerbreitung berfelben in uropa i^erid)t crftattet. 'JieuerbingQ l)at bie -JtJee in ^Hmerifa günftige •ufnabme gefunl)en unb ift nunmehr gefelUid) geftattet in t>cn Staaten: •iaffad)U)etto, :^iero ?)orf, 'l>cnnfi)lüania, Cl)io, lKid)igan, fliinueoota nb Hanfao. Xer >>auptfel)lcv l)er bel)ingten Gntlaffung, roie fie bio= er angeroan^t roorben ift, liegt in bcm ^^3iangel einer angemeffeneu \eftrafung für biejcnigcn, rocld)e t>ic '4^el)ingungen ^er Gntlafjung id)t inne l)alten. y>ux\i\ ift ciufad) bie (^Jefangenbaltung bio ^um -I (^idftli(()or in Nmu 3taat«3(U'fii»rtiurf \\\ .^ncffon, i'iict)iivin. I vcitiT öcr Btiiato-Kcformiclnilc für .Hiuibon \u '^Uainficlö, ^Miöiana. *> ^'citcr ber flcipcrblidicn '■i^cfi'ciunfloanftalt ^u .VMmtingbon, 'l.^ennji)lDaina. 5D6 Dr. Stolanb % Solfncr. 2lb(auf ber urfprüno(Iirf)cn Strafzeit iurf)t auercid^cnb. 3)iw ^at n ßnglanb boju geführt ^ ba^ nod; ein i^al^x 5U ber uriprängli^oi Strafzeit l)in.;^iigefügt wirb. i^oUfotnmener wirft bie bebingte 6rt» laffung in "iJerbinbung mit ber unbestimmten Strafzeit, .^ier jtdrt ber .Siinicfö^bradjte in ber nämlidjen Stellung, als rocnn er in ^ ^(nftalt eintritt, unb mup roieber ct,an^ oon neuem anfauchen, ^öebingtc (5*ntlaf)ung unb unbestimmte Strafj\eit cr)d)ienen bem SJortragenöen ba()er ale notroenbicje ^i^cftanbteile beöfelben S^ftemö. lEie i^erfammlunc^ manbte iljre 3tufmerffamfcit aud) ben SJlitteta 5ur iHTt)ütunc^ bee -i^crbrecfteno ^u. öerr ^Ked^toanroatt (5. äJ. SWeepe*) be^anbelte bie Sieformen, loeldje in ber Straf rec^tögefe^gebung wn nöten finb. Seiner ^Mnfid^t nad) ift vox allen Singen eine 5>errin* fad}ung beö Strafpro.uifeo ein 33ebürfnie t)er S^i^- "^^^ ©efe^t^ebung foUte ferner alle Webanfen an eine bie Strafe auomeffenbe ^ufti^ auf« %tbcn. Tie Übertretung ber Wefe^c foUte ben i^erluft ber Jyteibeit mit fic^ bringen, jebod) nid)t in ber Jl^eife, ba^ für jebe gefe^roiDrije .anb fein muffen, unb biefer 4^el)örbc follte i^ollmad)t gegeben merben, alle nötigen 'Diepofitionen ju treffen. 2yeld)e iHnberungen baö Öefängniomefen Slmerifas burd) bie ^ilnna^me berartiger i^orf erläge erfahren lüür^e, lä^t fic^ nid^t rool)l oorfteUen. SebenfaUo märe Ijierburd} uiel gewonnen unb eine 5(bnal)me bcö Sei* bredjeno märe yorauo^iufeljen. >>err (Sfiarleo (£'. Aelton*') pläbierte für eine 3(eform im ^polijei* mefen. l'eit>er ift bao ''\^oli5eimefen im ftarten Grabe Don politifÄen ^Hüdfid)ten beeinflußt. ^^c\>^ Stabt orbnet iljre eigne ^^JoliH'i un^ 5^ beftebt bemnad) feine einl)eitlid}e iWegulienmg berfelben. aber pid fd)limmer ift eo, baf; in ben meiften Stät)ten 3w9^^i>rigfcit ^u einer politi|d)en -IJartei bie unerläplid)e 'öebingung 5ur XHufnabmc in Jic '3)Jannfd)aft ift. Sogar uielerortQ ift nod) feine är^tlic^e 'V^ufung ber XHfpiranten für l>ie Stellen crfort)erlid). 3iUe berartige ,S"ftänOO eine ^medmäfiige ^V^oli,^eieinrid)tung gerabe;u unmöglid) ma^en, lourDe in ernften "il^orten pon bem i^ortragenben au9gefül)rt. ü)iit einer fäljigen '33iannfd;aft tonnte fid) l>ie 2l)ätigfeit ber '^Soli.^eiorgane n»e^^ erfolgreicher geftalten. '3tamentlid) fönnte oiel mel)r gefd^eben, um M^' duclien bco i>erbred;eno ,ui perftopfen; eine aufmerffamere Seroacbung ber Spielhöllen unb anbrer Sd)lupfiüinfel märe im ^"^^^fil'^ ^^^ 3lügemeinl)eit. CS'o t)arf mol)l in CJrroägung gebogen werben, ob ni*^ bie befovgniocrregenbc ;-?unal)me l)eo 'oerbred)eno in ben i>ereiniaten ".) (rl)omalii^T Tircftor bcö ^Irbcitsbauieö ^u Clncaiio. Qkfängmdfragcn in l>cii ^bereinigten Staaten. 597 itttQten nic^t $um Seil roenigflend burct) eine fö^ic^e unb Qefd)ulte olijei 5u oer^inbem luäre. 6« fonn nicftt unfre iMbfid^t fein, bie i^cr^anblunc^en in aüm in^el^citen roieberjugcben. Xod) fc^ien ee unö angebracht, bcn att= meinen (S^ralter ber SJerfammlung lieber burc^ bie Eingabe ber fproc^enen I^emata, als burcl) aUgetneine 23etd)reibung ju fenn- icjnen. JiMr fommcn über bie anbem l^orträge fur,^ ^inioeg. Go II nur ermähnt werben, bafi 6err "Sl % 2^. SHounb^ bie j^roecf* äBi(arrio'^') über bie ^^tuffaffung ber Strafe unb blieb oon bem Sd^reiber über Mriminalftatiftif. 5(u9 bem ä?or^erge^enben erfiel)t man, bafi bie 'Scrfammlung, ilc^c eine Il>oc^e getagt ^at, fid) mit einem weiten Aelb von ^ro« fmen bcfc^äftigt ^at, meiere für bao gefamte Webiet ber frimino» W<^en Unterfudjungen von ^öc^ftem ^ntereffe maren. Gin ernfter, ^cner Weift bel)crrfc^te bie i^erl)anb(ungen unb bao ^s^tereffe erlahmte c^t. 2)er f)0(^gefc^äftte J^orfiftenbe, ber et)emalige SJunbeopräfibent utlierforb ^. .v^apee, ^at in feiner Öegrüftungorebe ben GI}arafter r %rfammlung mo&I gefenn^eic^net, ba er auöfü^rtc, mie feit i^ren ba^ 2i?erf fortgefe^t lüorben märe o()nc äußere Xeilnal)mc t 'äeuölterung, bod) im ftoI;^en SJeiuufttfein, bap eo ein ^obeo 2l^erf für boQ 3\>o{)( ber "flJenfdjbeit. Tiefer rui)ige, ernfte Ton war für * i>erfümmlung unb feine 2^erl)anbUmgen d)araftcriftifd). Tie leiU Ner waren faft auefd)(ief)(id) "JJfänner ber 'l^rario, bie an lang* iriger Grfal)rung fprac^en. Sie brad^ten ,^u ben "i^erlianblungen ein feo iJerftänbnio unb eine flare Ginficftt in bie ^^Jrobleme. Xie mn- Jfn ."vortfcftritte ber Wefeftgebung in 3(merifa finb gröfetcnteilo t)or= •citet worben burd) bie i^erl)anblungen ber 2>ereinigung unb man 'n md)t bezweifeln, bap aud) bie ,^u!unft reid)e Arüd)te .^eitigen wirb. :^mti funbamentale 3^*J^"nd)tungen famen in ben 2^er(}anblungen ^eftänbiger ffegenüberftellung. Xie eine fal) in bem iU^brec^cr nur ^n wiUenofc^wad)en 5}Jenfd)en, ber im ooUen 25ewufttfein fcinec» ^uo bem (^efe^ ^juwiberbanbelt. Xie anbre ^Mid)tung erblirfte im fbred)cr einen 5}ienfd)en voll geiftiger unb plii)fifd)er fowobl, wie falifd)cr Sd)wäd)e, ber bem Trange feiner unfi)mmetrifd)en '3iatur ^enb in Monflift mit ben Wefe^en gerät, eine ')üd)tung, weld)e in größerer ober geringerer tHnnäl)erung an ben Stanbpunft ber •ienifd)en Sd)ule offenbarte. Go bebarf ber Grläutening gewif^ •) 3cfrctär bor ^Kcius?)orfor (^icfäniU"5:(ScfcU|'c()aft, :Kcius?)orf. ^) ,\nfpi*ftoi" t>cr (^-^cfanc^cncn, 'iUvonoboroo, "idalnima. ^) '^InftaltsarU in ber '^kffcruni^rmnftalt \\i Crlmira, lKc!U5"'J)orf. ^^') Commi-^sionor of Kdiiration. Dopartnient of tho Intorior. Wasliinsj- D. ('. 598 Dr. Slolanb ?. gallncr. nid^t, bafe je nad) bcr ©rutibanfc^auung bic SWeinungen über ricic praftifc^e, foroie t^eoretifc^e pyrogen fic^ teilen mußten, ^n bcn i^er« fammlungen l)at eö tiicftt an roürbic^cn i^etfcc^tcm beiber Muffatlun*^^" gefehlt. 3^ie beftänbigc Sleibung ber 9)leinungen f)at ben SPcrbanö* Inneren, namentlich bcn 2^ebatten, roelcbc in biefem Serid^t nidbt ndbcr cftarafterifiert werben fonnten, ein felir intereffantee öepräc^c pedtebcn. Gö fte^t au^er Sw^i^l, ba^ bie iNer^anblunöien, roelcbe bie i^er« einigung bemnäd^ft in gcbrudter J^orm bcr Üffentlid)fcit übergeben wirb, einen roertooUen Seitrag .^u ber JtJitteratur ber Ärimmplogie bilben werben. 16. rmrraturberidit. A. Striifreri)t AUgrmrtitrr vtciK *iöcrid)tcrftattcr: ^rofcffoc Dr. 3lcinl)arl) ^tan! in (^icfecn. !♦ Alarms, Scc^riff, Jyormcn unb ©runblegunc; ber ^Kecf)topI)i(ofoj)^ic. 3luo bem l)anbfc^rif Hieben "310(1)101^ bcö iser» faifer<5 i)erauö9Cgc6en oon Dr. .^eiuric^ SiUefe, cd. ^^farrer in ^riebufc^. i'eipjig. 11). öriebcno i^crlaij (!'. Aemau). 1889. 1.^1 2. 8''. ^i>farrer Sßicfe, ber bereits eine ■Weil)e von Schriften auo bem Diad)Iaflc üon ^riebrid) öarmö l^erauoc^egeben, ijat fid) burd) bic i^eröffentlid^ung ber üorficgenben ein SSerbienft enoorben, für baä il)m bie roenic^en ^eunbe red)töp^iIofop6ifc^er Stubien nid)t banfbar %€nviq, fein fönnen. 3)en 9Bert beö Öuc^eö finbe id) lüenic^er in ben eignen 3luofü^run(\en über bao äöefen beö 3ted)tö alö in ber '^e^eid)nung ber 9lufc\aben ber ^-Mecötöp^ifofopliie überf)aupt unb in ber flaren Überfid)t über il}re I)iftorifd)e Gntroicflung. 3Ba<5 bem SJucbe t)ieUeid)t an mobemer CSleganj ber Sprache abc^e^t, erfe^t eä rcid)lid) burc^ bao, roao uns ^Jkuern fel)lt: burd) bie gröfjte ,SUar()eit unb 3Jerftanb(id)feit ber Diftion, unb fcfton auö biefem C^runbe fann bao 9ud) namentlich in feinen erften Zeilen gerabe ben £tubierent»en |el)r ongelegentlid) empfo()lcn werben. .^armo flef)t baoon am, baf; e<5 jwei Slrten ber 3lnf)en|d)aft Hebeneinanber gebe, bie empirifd)e unb bie p[)iIofopf)ifd)e. o»ene mll ninäd)ft baö Gin;^elne erfennen unb oon ba auo ,^um 'iilllgemeinen empor= ftcigen. 3ie mu^ aber babei geroiffe 3)ec^riffc alo geiu'ben yorauo= Te^en, o^ne etwao (Srflärenbeo über fie auofagen ui tonnen, -oier rxreift bie %^l)i(ofop^ie ein, inbem fie Derfud)t, bie ^innauofetunuKn ber CTnpirifd)en !ih5iffcnfd)aft ju begrünben. Xie 'l>l)ilofopI)ie ift fomit Die 5öiffenfc^aft oon ben (^3ninb begriffen Der empirifdien (Srfcnntnio. Tic ^>ted)toempirie nimmt bao '){ed)t alo etroao tl)atfäd)lid) ©egebeneo an, >^ie iKed)top()ilofopf)ie miU eo felbft erflären, auf allgemeinere ik» c^riffe jurücffü^ren. JiUmn bic i^crtreter beo Crmpiriomuo bie "DJiög* iid)feit einer 9ted)topl)ilofopI)ie leugnen, fo leugnen fie bamit glcid).;eitig ■^ie '3)Jöglid)feit einer empirifdien 9(cd)touüffenfd)aft. Go ift ja an (JÜO i'ittcratur&cricöt. « fic^ möc^Hd), oerfd^icbenc Sledftte oeröleic^cnb nebcneinanber ^u ftcUcn, aber eine 3i3t))en)d)aft ent)tel)t baraus erft bann, loenn eine qII» gemeine Siovrn 0(0 "iDtaftftab jur Beurteilung jener üerfdjiebenen i^tiu angenommen roirb. ^Mermit ift bie :Xed^töp^ilofop^ic c^araherifiert als bie 3iJi))enfc^aft von ber äNorauofeftung unb ben 0runb» begriffen ber empiri|d)en 3{ed)toertenntnie. S^ill fie bie io be.^eidjneten 9[ufgaben löfen, fo fann bieö nur gefd)ef)en oon bem {)ö()ern Stanbpunft einer allgemeinen 3BeItanfd)auung auö. 3)ie r^efc^id)te ber ^Hecötopöilofopf)ie teih .v>armö in mer ^^criol)«!: bie griec^ifd)e, bie mittelalter(id)e, bie neuere onr unb bie neuere feit Üant. 3^er grierf)ifd)en ift bie Sejie^ung auf ben Staat gemein, ber mittelalterlid^en bie auf bao ÜHeid) Wotteo. I^ie neuere rlie^ts* p^irofopI)ie gel)t von bem 3nbit)ibuum auarmö baö 5hJefen bes ^lec^tö in ber SittliAfeit, benn nur bicfer 3tanbpunft mad)e feine C^efd)i(^te erf(ärlid). ^\nnei* l^alb ber Jvormen, in meieren fid) bao Sitt(id)e barfteUt, mein er 5em 3ied)t bie Stelle ?;iüifd)en ben "Jugenben unb Gkfmnungen eincrfeit?. unb ben Wütern anberfeitö an; es foU in ber "SJitte ftel)en ^iroücbcn Cfonomie unb "93JoraI. 3)er Gntftel)ungöformen bes 9led)to !ennt iserf. t)ier: Oierooftnljeit, isertrag, ©efeftgebung unb 33iffenfd)aft. ^Non biefen bat nur öiv erftere primäre 3)ebeutung. ^5fl(e Aormen — Wemo^n^eit, CJefeij, 3>ertrag, 3i>iffenfd)aft — finb aber gerabe nur normen ber SilDunu beo rHcc^to, rooburc^ mirtlid^ mirb, maö ber xHnlage nach im (^etit ift. 3)iefe fetten fie inogefamt fc^on üorauo. 5" einem gemiffen 3inne fann man bai)cr and) fagen, ba^ eö gar feine Gntftef)ung bes :Ked)t5 giebt. 3^enn bao ^Ked)t wax immer, foroie eine ©emeinfd^afi, eine (9efamtl)eit frei ^anbelnber 33efen gefeftt ift. Saö rMcd)t gehört ;ur eroigen 2öal)r()eit. Gö ift felbft eine eiuige 3\}at)rl)eit unD baber unentftanben. äl^Min in Wott ober au^er Wott ein Äoomoo ift, fo üt barin and) baö :')ied)t mitgefe^t. ^Uber ^nx tl)atfäd^lt(lbcn Griftem ^^ langt eö nur burd) bao -v^anbeln felbft. Unb bie erfte Jyorm ift Wenjoürn l)eit, rooran fid) bie anbem anfd)lieBen." 2» 'Sierfel, "iJJliilofopbifdje Ginleitung in bie 'Hc(tt9^ roiffenfc^aft. (3)ei Xunrfer S: .oumblot in ^eipjig.) Ser uorliegenbe^eil ber >>oltjenborfffd)en Gnci)flopäbie bat Wefd)id)te ber :Hed)tö= unb 3taatopl)ilofopl)ie, enblid) eine fpftcma tifdjc Überfielt über biefelbe. 3ollte nad) öeperö Jobe mehr ae* leiftet roerben alö eine blofie 2^urd)fid)t feiner XarfteUung, fo muRtc bie 3"biinbualität "J3{erf elo, bem bie ^leuarbeitung ^ufiel, jur öeltung Strafrct^t. SCUgcmcincr 3:cil. 601 fommen unb fc^on öu^erlid^ in einer abroeic^enben (^ruppierunc) beo Stoffft ^xi Xage treten. 2(uö ben frühem Sluflac^en ift bal)er nur ber ge)4ic^tlid)e 2eil übernommen unb bicfem ein 3(b)d^nitt über bie Elemente ber aUoiemeinen iHed)töIeE)re üoraufgefanbt roorben. 3ft biefer erfte Icil burc^auö baö JÜerf Wertele, fo l)at er fid^ bei bem ^roeiten im roefentlic^en auf Crrqünjunc^en befc^ränft. Söcreito oor fiebje^n 3a^ren ^at ^3JlerfeI in bem erften Sanbc Don Girün^ut^ S^^tfc^i^^ft feine 3ii[nfid^t über bie 9luf(^aben ber Se(6töp[|iIofop^ie nieberc^elecit; bem bamalö oertretenen Stanbpunft Jleibt er auc^ je^t nod) treu. Cr fie^t in ber iHcd^top^irofopljic nic^t ine 5i?iftcnfc^aft beo feinfoUenben ^Kec^tö, fonbern weift il)r bie auf* iöbe ]u, ,,einc Grc^än.^unt^ ber juriftif d)en leiliüiffenfcbaften ^infid^tli(^ fr Öeroinnunt^ be^ i^erftänbnijieo unb ber (^eiftit^en 33e^errfd)unc^ be^ ^B- pofitiüen :Hecf)t& j^u bieten unb jiüar eine Grc^änjung bur^ bie rforfd^unc^ unb foc^ifc^c 33carbeituncj beffen, mao ben Derfd)iebenen ei(en beo 'Mecf)tö c^emeinfam ift, foroie ber aüc^emeincn (^)efe^e il)rer ntroicfhinc^". 2omit roirb bie 9(ecf)töpI)i(ofop{)ie mit ber allgemeinen ec^to[eI}re ibentifi.^iert, unb in biefem Sinne ift ber erftc leil ber )irofop^ifd)en CSinlcitung in bie -Hccfttoroiffenfcbaft gcfd^rieben. Derfelbe rfäUt in .^roei Älapitel, von iDe(d)en bao erfte ba^ objeftioe 9ied)t, ba^ Jeite bao fubjeftire ;Hed)t unb bie 9ted}töDerf)ä(tniffe bel)unbelt. 9(u biefer Stelle möge eine ^J3iittcilung ber 3tnfd)auungen beö crf. über bae SBefcn be^ objeftiuen 'l(ed)tö genügen. Seine I^efinition utet: „9(id)tfd)nur, ioeld;e tin^ öemeinfd)aft in be.^ug auf bao 2}er= Iten il)rer 3lnge^örigen anbern unb i^r felbft gegenüber foiuie in 5ug auf bie Aorm i()rer eignen SiJirffamfeit .^ir (^ieltung bringt,'' 3 ent{)ält .^unäd)ft einen ^)ied)t9gebanfen, b. (). eine 'lk\^eid)nung beffen, X5 ben üerfc^iebenen Subjeften im iscrbältnio ;^u cinanber jufommt ;b roao fie in biefen 'i^crl)äItnifien einerfcito t^un unb lafjen, forbeni t) erhalten bürfen, anberfeito Iciften, bu(t>en unb unterlaffen foUcn. i n)irf(id}cm ^tecftt aber luirb ber :){ed)togcbanfe erft bann, wenn er :) ah ilfillenoäuperung barftellt. Ter "Il^iUe loieberum fommt ,^n:>ar erall in ber Aonn eineo ^^^efel}lo uim '^(uobrud, aber baö imperative erneut erfd)bpft feinen ,^n()alt nid)t, inelmef)r tritt neben if;m bie Heilung unt> Sdm^üerbeifumg auf. "ilidji allein an bie ftaatlicben rgane loenbet fid) bie .)U'd)tonorm, fonbern gleid;.^citig an alle bie= ligcn, UH*ld;e il)re '^efel)le üoll.vel;en ) ollen, ober roeldien etmao er= .ibt unb geioäl)rleiftet loirb. Xie verpflid)tenbe .Üvaft ber :){ed)tönorm tfpringt auo einem 'l^ünbnio mit ben im isolfe lebenbigen moralifcben räften, oermöge beffen üon ben le^tern eine Jtötigung §ur (5'rfüUung r 3led)togebote auoge^t. Xer ;^n)ecf beo :)ied)to liegt loeber in il)m bft, nod) in ber etl)ifd)en ^k'fricbigung, melcbe feine xHuöübung ge= il)rt, fonbern lebiglid} in ben ^"^ntereffeii ber menfd)lid)en ©e)ellfd)aft. ie (entern finl) gleid),^eitig Die luefentlidiftcn fjebod) leineomego au^;>= ilicfUiAen) Aaftoren für bie lHnfd)auungcu über bao (ft^ifdje, Werec^te, ib roie bie gefcll)d)aftlid)cu ^"sutereffen Dem 2^3ed;|el untermorfen finb, ift eo aud) bie ^^bee beo (Mered)ten. (J0*2 :L'ittcratiirt)crid)t. 3» 9lffo(tcr, Untcrfud^ungcn über baä SSefcn Des Sec^U. Solot^um. ^Sud^^anblung Jent et (So. 1889. 77 3. 8'^ T'ie Stubie verfällt in adjt 'ilbteifunc^en, oon iDe(d)en inebefonbm bie brei crften imb bie fed^ftc !riminaIiftifcf)eo Oi"t^teife bieten. 5" '^^ erften Stbteilungen befämpft ber iscrfaffcr üorjugöroeifc bie {)CTrid)fnbe 3tnfid)t, ba^ bie GIcmentc be^ ::lkd)to ©ebote unb ^Nerbote fein, "öeit« fmb nad) ^Iffolter nur bie Grt^ebniffe einer ütnfc^auung, ebenfo rok ic^ awd) bas 2)ürfen auo einer 3lnfd)auun(^ ableitet. Saö ^Hec^t bc' te()t auö 9tn)c^auun(;en, ift bie Summe ber 3lnfd)auun(nen über bo? mcn)d)(ic^e SScr^alten. „Der S'npt'i^ati^* bu foüft nid)t töten finbet feinen öninb in ber 3lnfc^auung: eö ift rec^t, baft ber flicnfcft bcn 9)lenfci|en refpeftiert.'' Soßen unb bürfen erfc^einen lebic^Iicb ah Jvolc^erunt^en auQ einem Stec^tofa^e. 3lber nid)t biefcr felbft perlanat ba6 Sollen, fonbern bie >)ted)t fe^enbe "^IJerfon. Sein cic^entümlite, cd r»on ber 'JJloral unterfc^eibenbeo öepräcje erhält baö Sted^t baöurdi, bap eo fid) mit ber Söfung bcrjenigen Äonflifte befd)äftigt, roeldje in bem Semufitfein burd) ein oon ber 3(nfc^auung über baö ricbti^c ntenfd)(id)e ^i?erl)alten abn)eid)enbeö 3>crbalten entfte^t. ^n bem fec^ften 3(bfd^nitt („Xk Sd^ulb ah Äau^aivcxhcLitm^") be^anbelt ber i^erfaffer eine iHeilie ftrafred)t(id)cr Arac^en. Jie Maufalität ber UnterTaffunt^ finbet er barin, bafe bie ©ennnung beö Unterlaffenben ben i\>illen jum .t>anbeln unb ,uir (Sntroidluna einer Äiaufalreif)e nid)t auffommen lieft. „T)ic Äraftäufterunc^ bei öefmnung" (b. \). bie Unterbrüdung ber ,^ur >>anb(ung antreibenDcn 5!)lotiDe) ,,Demid)tet ben ,Üeim einer 33eränberungoreil)e , loelcbe, wenn fie fid) entroidelt f}ätte, fä^ig roar, in eine Dor ficfi ge^enbe i^' änberungörei^e einuigreifen.'' — Sie Sd)ulb erfd^eint bem iNerfafier alo „^erle^ung einer objcitiü (im rKec^t) tjor^anbenen unb fubjeto (tjom Scrleftenben) cmpfunbenen ^tnfc^auung, burd) wefdje i^crle^una bao in ber Slnfc^auung 53iiftbiHigte t»erurfad^t mürbe". — 3Jei Der Unterfd^eibung jmifd^en 5?orfaft unb 3al)rläffigfeit gebt 9Cffolter, freiUd^ o^ne il)n ju nennen, auf "J^werbac^ ,^urürf, infofern er ;um erftern forbert, bafj bie öanblung mit ^ürffidjt auf ben begehrten Grfolg gefcbal), bafi m. a. 3Ö. bie .'oerbetfüI)rung beo Grfolgo Der ^Smerf ber .?>anblung mar. — Die Strafe ^at ben ^wcd, bem per- leftten :Hed)tögefüf)f (^kniigt()uung ^u t)crfd)affen. „Tic Strafe ift aber alo ,^med uigleid) roiebcr 5JJittcl, 9lnftoft .^ur .v>erbeifüf)rung einco anbern, .^unädbft nid)t geroollten 3kfuttatö: Öegünftigung beo M'- fammenlebeno ber I^Jfenfcben." 4* .'Ougo *i)3iei)er, Die 2\>illenöfreil)eit im Strafrcdii. Gin i^ortrag. Grlangen unb ^'eipjig. lUnbr. Xeid)ertfd)e iHTlair:»* bud)l)anblung :i)iad)f. (©eorg 3Jö^me). 1»90. -29 S. 8". Der iserfaffer be^anbelt baö 'Vtoblem in burcbauo populärer Sl^eife unb ftellt fid) babei auf bie Seite beo Jnbeterminiomuo, freilid) nid)t beo abfohlten, fonDern beo relativen. ^3iur vom im beterminiftifd^en Stanbpunfte auo ift nad; 3)ici)cr bao Sirafrec^t enftar. Xk Strafe mu^ in erfter Sinic naö^ bcr 25crfd)ulbung bc» eficn roerDcn. 3^t (S^araftcr alo Sü^nc ift inöbcfonbere auc^ für !n SJoU^ug bcr ^reU)cttö|trafc ma^gcbcnb. 'i>om entgegengefe^ten tonbpunfte am roürbe man ju ber SJerIc^rtf)ctt Qclangcn fönnen, tn JBer6rcd)er im ©cfängnifie ein üppigeö, mit allem Sujuo an^o,^' ittetes Seben Derbringen j^u lafien. iUtterbingö fönnen für bie 2luö« ftaltung bcr 5trafmittc( auc^ anbre öcfid)topunfte aU bie bcr ü§ne Ijerangc^ogcn merben, aber nur in untergeorbnetem 3)la^e. 1 bieier rHid^tung empfiehlt ber i^erfaffer bie 9lufna^me jugenblic^er .'rbrcc^er in Seiferung^anftalten, bie i^crroeifung bcr StürffäUigen in :6cit9l)äu)cr unb betrad)tet bie ^yrage nad) ber bebingten 58enirtcilung j näherer Grmägung roürbig. 5. Dr. Submig l^icffenbad), Xxc Jöillenofrci^eit unb e beutfc^e 5Kec^ton)i))enfd)aft, inöbcfonbere bie Straf* i)t9(el}rc. i'ic^. 1889. Serb]toerlag bco XJerfaffcro. 42. S. 8^ Ter i^erfaffer (Äreiörat in l'icli im Wroft^erjogtum .Reffen) bc* mt fic^ a(ö entfd)iebenen öegner bcr Sßiüenofrei^cit in jeber Sorm. löbeionberc {)ält er eo für unmöglich, ben inbctcrminiftifcben Stanb* n!t burd) bcn .s^inrocio barauf ju begrünben, baft ber 3)len)d) bie aft [\ab^, bie auf i^n einroirfcnben Sleijc in 5)iotiüe umj^ufe^en ober n.^Iid) abuiroeifen. 3)enn ber G^arafter alo bie Duelle jener .Hraft üöllig Mird) von aufjen fommenbe 'JJJomcnte beeinflußt, alfo felbft terminiert. Gbcnforocnig !5nne au^ bem öefül)l ber :)knt ober £d)am i "öeleg entnommen merben, ba ber 'Menfd) fid) aud; feiner ©cburt b feiner 'ilrmut fd)äme. — 33ei feiner 'i^olemif gegen bie iWrtreter 5 onbeterminiomuo berücffid)tigt iU'rfaffer üor^ugomeife bie Suriften b jroar ^eitlicö t)on Mleinfc^rob bio ,^u Öirtmepcr, fic^ babei am »c(el}ent)ften gegen ^iJinbing menl)enb. — "JJiit bem 'iDetennini^muö bie Strafbarfeit ber -öanblung burd)auo ücreinbar. ^]wcd ber itafe ift 3)iotiüierung, Se^ung cineo JOtotioö, it»cld)eö ^inreic^enb 'itraftierenb ju mirfen oermag. .v>icrmit ift .^iglcid) bao 'üJiaßprin.vp r bie Strafe gegeben: biefelbe foU nid)t mebr unb nid)t minbcr f)art n qIo erforberlid) ift, um in ber ^i>orftellung ein üon bem iWrbred)en ^altenbeo 53iotit» m fd)affen. 2)ie Strafe foU !ur^ unb onergifd; ti. „iiang bauernt)e /"yreil)eitoftrafen loirfen meift nad;teilig ober : nic^t''. Seine önmbanfd)auungcn teilt 'i^crfaffer mit Acuerbad). STÖie f'er verlangt aud) er ^ur '^k'ftrafung bao 'Bemujitfcin ber iHec^to^^ )rigteit ^er A>anblung, oi)m bamit bie ^i^^berung einer eigentlid)en fe^fenntniö aufftellen ?;u roollcn. <>♦ .y>ugo ifliünftorbcrg, Xer Urfprung ber SittHd)feit. liburg i. iö. is.s!). ^Htabcmitd)C i>erlagobuc^l)anblung r»on '^. iS. "iS, ){)x (iWl Siebecf}. I'IO S. «". Tic ebenfo anregenbe unc le()n*eid)c Sd)rift fd)liefet fid) in uielen iicbungen eng an 4i>unbto Crtl)it an, untcriüirft aber beren miffen» ()04 !^ittcratur6enc^t. fc^aftlic^c ^Borauöfe^unoien einer einc[e^enben Üxitit, um [(^lielliA w burd)auö abioeic^cnbcn Grgebniffen ju gclanc^cn. 5BSunbt unb feine 3.Norgänger frac^en nur: wie ^aben fw^ bic* jenic^en Aanblun^en entraicfelt, roeld^e wir beute alö fittlicbe fdiä^? i)la6) DJfünfterberß aber mufe roeiter gefrac^t werben : roic bat fidj bie fittlicbe Si^ertfcbät^ung entroicfclt? 3)icfe Jvrac^c ift bie cigemlidj auofcblagoiebenbe. S^ie ^errfc^enbe 3(uffaf]unc( erfennt alle biejenicien .?>anblungen als fittlic^e an, roeldfje ber Grljaltung ber ©attungi bienen, o^ne ficb barum 5U fümmem, n)eld)en SJiotioen fie i^r JTafcin wr» banten. 'Ter 'i^erfaffer fucbt nun ben SJacbroeiö ju erbringen, U% baö cbarafteriftifc^e SRerhnal bce Sittlicben burcbauö nid)t in b(t .sSanblung an fid), fonbem nur in ben 3)iotii)en ,^ur ^anblunc^ g<» funben werben fann. Seine ibcorie läfet fic^ mithin als eine lufc« jeftioe bejeid)nen unb ber ^errfdjenbcn Sluffaflung alö ber objcftiocn gcgenüberftctten. 3unäcbft roeift 3Jlünfterberg barauf bin, baft eine ^Wenge ron ^»anblungen uniüerfalnü^licber ^iJatur lebig(id) axi^ Jurd^t oot Strafe ober rairtfcbaftlicbem 9lüdgang üorgenommen roirb unb bafe bod) fein "äienfcb foId)en .t^anblungen baö ^^räbifat einer fittüc^en I^at beilei^en roirb. 3lu(^ bann tommen roir über baö Crrforbeniio eine« fittliAw ^otiüo nid)t I)inn)eg, wenn wir annehmen, bas ber Crfolg beo 3iit* Iid)en ber allgemeinen Jv>o^Ifaf)rt, nidf^t aber bem .f^anbelnbcn feI6it nü^Iicb fei. 5^iefer 3(nnaf)me fte^t fog(eid) bie am bem öebiete bct Biologie entnommene Cirroägung entgegen, baf; }it bie Slusbreitung ber Sittlicbfeit unoerftänblicb mac^t. 3)enn nadf> ben i'ebrcn Der Biologie fönnen fid) nur foId)e Iriebc erf)alten unb entroicfeln, roeWe ber 'iirterfjaltung bienlid) fmb. ^ene 5(uffaffung aber muB in ber fittlidien >>anb{ung einen ber 9lrterf)a(tung unbienliAen unb laum fd)äb(id)en .Hraftoerbraucb finben. 2)ie biöberigen 'iJerfud)e, bao fubjeftioe "JJioment ^u berüctfidjti^en, geben nic^t minber febl, infofern fie bae SScfen ber 3ittlid)teit barin fucben, ba^ jemanb an frember ^'uft ftibft ^'uft un^ an frembem Veib felbft Ü!eib empfinbe. Xenn toenn jemanb nur biefen !)Jeiguni^cn entfpred)enb banbelt, fo üerbient er um beoroiücn boc^ nidit bao tob einer fittlidien 'Jbat. „Süer t)en >>unger feiner geliebten Minber uillt, ^anbelt etbifd) ebcnfo inbiffercnt mie ber, melc^cr fid) f eiber fatt iit, bcibc folgen (ebig(id) bemjenigen 'fltotioe, bao ihnen am meinen ArtHibc ocrljeifit." l'dfjt man aber biefen G3efid)t6punlt fallen, fo entftebt bie A-raae. ob benn überf)aupt eine fittlidie .?^anb(ung möglid) feiV ^su eo nicht ein Unbing, von jemanbem eine .iUenoalt oor fid) gef)cn, menn er nid)t bem ,H^an^eI^ben felbft !l'uft verficifu'^ — Tiefem oft erhobenen Irin* umnb gegenüber hält iWünftevbcrg junädift 00m pfi)d)o*pbt)fitAen 3tant>punfte axi^y bie "iBebauptung, bao ä^^mienöl)anblungen fteto t)urdi eine Vuftnornelliing bebingt merbcn, für unricbtig, bemerlt aber weiter, baji bod; jebenfallo unterfc^ie^en werben muffe i^mifdjen l>er l'uft an Strafrcc^t. ^llTöcmcincr 2ei(. 605 t ßrfolg bct öanblunt^ unb ber äuft am "iDlotiüe. 5^3et fittlic^ ibelt, braucht an bcm drfol^ ber 4»anb(ung butd)auö feine ^uft empfinben. ^6« ij't bie iuft an ber $anblung felbft, bie trtfc^ä^ung ber .'Qanblung, unabl^änöig üon i^remGrfoIg, t bloßer 9lücffid)t auf bie in ber .öanblung ^umStuöbrucf anßenbe 'iDlarime, mit blofjer JHücffic^t barauf, ob fie em Gebote cntfprcc^c ober nic^t", raa« i^r bae d^araftcriftifc^c Anal ber Sittlic^feit oerlcitjt. Der 3nl)alt ber Gebote tritt ba* :n gan,^ jurücf. Diefer war ein anbrer im Stitertum als im telalter^ ift ()eut mefentlic^ üon beiben üerfc^iebcn, unb boc^ gibt f^ab es .^u allen Reiten fittlic^c Aanblungen. %\ii biefer ©runblage fü()rt ber SJerfafler am, baf; ber unfulti* e 9Jien|clb feine Sittlid^feit fcnnt unb bafe baö, roaö 2öunbt ah m ber Sittlic^fcit betrad)tet, insbefonbere baö G^rfurc^tägcfü^I ah iNorftufe berfelben in Setrac^t fommen fann. ^m unfulti* en ^uftanb wirb jebe .f^anblung nur ausgeübt mit Stücffic^t auf i Dorgeftellten ijrfolg. iJuft unb Unluft am Grfolg fmb eö, bie Äuofüf)rung ober )\um Unterlaffen ber ©anblung 9lnfto^ geben, bcibe l)aben mit ber Sittlid)!eit nichts ju tl^un. — '3)iefed ßr* iö jeigt, bafe bie t)on il5unbt oertretenc SJöHcrpfpc^ologie mcl* auf falfcfier J^äf|rte ift. 3Bol)er aber fommen bie Webote^ 'Bie ift cö ju erflären, ba^ fie mment) loirfen of)ne 3lücffid)t auf bie J^olgen ber Übertretung? — ^ 05ebot roirb mit ber 9Inbro^ung oon DJac^teilen für ben ^all ber iretung auegcftattet fein. Sas Äinb lügt nic^t, roeil eo bie oiel fürd)tet, roelc^e bie fiüge nac^ fid) jie^t. SlUmä^Iid) aber oer* fid) bie ^iNorfteUung ber folgen, ^cr ßrroac^fene affo.^iiert mit i>orftellung ber i'üge nic^t mel)r bie ber ^IJrügel; er unterläßt roeil er i^r 5}erbot an fic^ ah rid)tig erfannt ^at. 3)iefem Gnt* ungegang beo Jnbiüibuumo entfprid)t ber Gntioicflungögang ber er, unb i)ier fd)eincn es bie religiöfen Gebote unb i^erbote ge» n ju fein, bei meieren ,^uerft bie Grmägung ber Aolgen gegenüber oeö öeboto an \\d) ;jurücfgetreten ift. 'JJaburc^^ bap eine gereinigte iöfe JJorftellung ben Gintritt üon io!)n unb Strafe in bie 3eit bem 2obe oeriegt, „roirb ber 53(icf immer me()r oon ben Jolgen, •erenioiüen urfprüng(id) bie .s^ßn^lwng gefc^af), allmäf)lid) abgelenft; 'iluobleiben berfelben erfdjüttert nid)t, loie bei ben foj\iaIen, ben iben an bao ©ebot, ba ber Grfolg ja fpäter nod) immer eintreten ; jebeo Greignio bagegen, bao jufällig im Sinne beo erioarteten id)cn Aludjo fid) bemegt, permag bao ."oingeben an bao ©ebot ju irfen, unb fo loirD fc^üepUd) ©ebot unD iÜerbot befolgt, of)ne auf ernliegenben iöirfungen l)inüberuifdjielen; eo loirb befolgt, loeil .»boten ift". 3Senn nad) ben früliern 'Jluofübrungen nur bie .vSanblung ax\flic^tgefül)l itfcbrift f. b. flcf. StrafrccbUiu. XI. 39 (306 äittccaturbcrid)t. ju fe^cn. i^nbcffcn loäre biefc Äonfcqucng nur bann rid^tig, rocnn ber fittHc^cn .^anblung in ber %\)ai ein befonberö ^ofjer Sert i^ugefptoc^cn werben müßte. 3)a6 aber ift nac^ Slnfxc^t bcö 5?erfaficra feincärocge ber %aü. Unfre fultureUe Gntroicflung muft (^eroDf barauf c^eric^tet fein, 2uft an frember Suft unb 2cib an frembem l^eiD ^u erroecfen. 3)ie aixü folc^cm ©cfüf)Ie ^erDorgc^cnbe .^anblunci in jroar feine fittlic^e, aber fie ift bie befte, roeil ben menfc^Iic^en ^w^dtn bienlicftfte. ,,2)aä Unfittlic^e ift in jcbcm ^alle fcftlcc^ter als baö fitt* lic^ ^nbiffcrentc, baö Sittliche ift aber burd)auö nidf^t immer beffer qI« baö fittlic^ ©leirfigültigc." — 3(uc^ biefe Sluffaffung uerfennt ^ie 3Jebeutung bes Sittlichen feineorocgö. 2)ie Sefolgung bcis öebote um beQ ©ebotö roillen, biefeo eigentümlidie -Werfmal ber fitt(id)en .öanl»« (ung, erfd)eint nunmehr als ein notn^enbigec^ 2)urc^ganc[9ftabium jum ^öd)ften ^itk ber Multur: ber Slufna^mc frember 3roecfe alö eignet ^roecfe. 3um Sc^Iuffe präjifiert ^Künfterbero; feinen Stanbpunft in fot genber SiSeife : ,,9i5enn roir fef)en, roie ftatt einer Prüfung ber fittlidjcn Wotioe gemeinhin b . angeprüften 2lnnaf)mc fte^en geblieben wirb, bie Sittlic^feit beftunbe in ber ^croorbringung beftimmter äußerer 2öirfungen, gleidfjoicl^j auö roelrfien "iKotioen, wenn nur ber ßffeh unfern Geboten entfpridfjt, bann brängt fid) allcrbingö ber ©unjcfc auf, eö möge auc^ in unfrer 3^*^/ ^^^^ i^i^ Äantifc^c 6t^if oeraltet erfc^eint, neben feiner ftetö jugeubfrifc^cn Grfenntniöt^eorie, bennoi in biefem raid)tigften fünfte ber praftifd^en ^^ilofop^ic ein ^uxiid^ gef)en auf Äant baö fiofungsroort beö lageö werben, nic^t i^ur Sc« fämpfung, fonbern jur Grgänjung ber mobemften Gt()if." 7^ '^mmanml Alants Sorlefungen über ^fpc^ologie. ■BHt einer Ginleitung: ^Äants mpftifd^e SBeltanfc^auung." .ySerauogegeben non Dr. Gar ( bu "ilSrel. Seipjig. Gmft ©ünt^cro «erlag. 1889. 96 S. S^, ilantö i^orlefungen über ^fpd^ologic fmb in bem oon bcm l'eipjiger 3taatörec^tö(e^rer Ä. ö. Subroig ^^öli^ herausgegebenen 'öucfje ,,3ni»nflnue( Äants 3>or(efungen über ^Dletapbpfif (Grfurt 18'2l) ent()a{ten, l)aben jebod) in bcn ©efamtausgaben non Äanto 2l>er!cn feine XHufna^me gcfunben. 2)iefer 5!)iange( oeranlafet Garl bu 'l?rcl, bao faft üerfcboUcnc 2Bert oon ^>ö(i^ in feinem über %M*Dcf)oIogic banbeinben leilc aufo neue ^erauö.^ugeben. ^wriftifd^e Stuobeute bieten bie i>or(efungcn f)öc^fteno ganj inbireft. S'a^er möge l)ier bie ^c- merfung genügen, ba^ bu X^xd in ber Gnnleitung ben 3{ad)it)eio er* bringt, ba^ Äant ein tranfcenbenta(e<5 Subjeft annahm, beffen Griften^ von bem Selbftberouptfein nicbt umfaßt wirb, unb bafe er ferner bie GrifteuA ber menfd)(id)en Seele oor ber ©eburt unb ihre J^ortbauer nad) bem l^obe beljauptete. ,v)ierburcb njirb bie Öcbeutung ber vielbefprod)enen „Xräume eineo (^kifterfelierö^ in ein mefentUi anbreo Vid)t geftcUt. 2)er .Herausgeber lüeift in ber Ginleitung mit :Hcd)t auf bie faft luunberbare Übereinftimmung ^in, welche jroifdbcn feiner eignen unb Äantö 3tuffaffung beftel}t. 8* I>r. 31. !Dicrfc(, iel)rbud) bcö beutfc^en Strafrecfttö. utti^art. i>crla9 t)on 5*^rbinanb Gnte. 1889. ^reiö 8 3Kart. 7 3. 8•^ 2ic 9lcif)e bct Strafrcdf)tö(cf|r6üd)cr ift burd) bas oorlicgenbc t ein lütTtüoUeö Üi>ert bcreid)ert roorbcn. 'Sd)on ber ^iamc bed irfafiere ücrbüroit ben ftren(\ n)iffenfd)aft(ic^cn (S^aratter, unb I^coric e ^^rario iDcrbcn reiche Strbeit aufi^urocnbcn f)abtn, um feinen Stuö* 6runc(cn überalt c^ered)t .^u werben, ^n erftcr !^inie freiließ ift baä idi für ben i'emenben gefd^rieben. 2^ementfpred)enb fmb bie 3luf» ben beo VeF)Tbud)9 fd)arf ino äuc^e flefa^t unb beinal)e überall er* ;d)t lüorben. 2^ieo c^ilt inöbcfonbere für bic Sprad)c, loeldfje faft rd)auö Hat unb verftänblid) c^ei)a(ten ift. 9(n ntand^en Steffen affer* ttc^ö fann cö i^roeifell^aft fein, ob an bas Jfaffunj^eoennöf^en bcö tubierenben nid)t affjuliofie Slnfprüc^e geftefft loorben finb, unb in efer ^Kid)iunc( errcerfen beifpielöroeife bie Sluöfü^rungen über ben aufa(,^ufanimenf)an(^ (ebl)afte Sebenfen*. •j'.i. n ^ier wirb eö fdjiücr n, einen einzelnen 2ai f)crauoj\u(^reifen unb voit i^nt j^u fachen, bafe nid)t rcd)t verftänblid) fei. 5i>ao id) abet uroeilen ucmtiffe, baö bie fd)arfe fid) bent Webäd)tnio einpräc^enbe Formulierung. 9(n ;bern Stellen bageqen erl^ebt fid) bie 2)i!tion ,^u (^erabej;u flaffifd)er !arl)eit unb Sd)önl)eit, fo inobefonbere bei ber 'äe^anblun(\ beS roblemo ber SßiUenofreiheit. 2er (Sljarafter beo a3ud)o ift ein burd)auö mobemer. ^^ofitio flt fid) berfelbe in ber einc^ebenben 33erücffid)tii^ung aller neuern ireitfrac^cn, beren äkl)anb(unc^ fid) f)ier unb ba nad^ 3lrt einer onoc^rapöie auefpinnt, nec^atio fommt er in bem ßurücftreten beo fd)id)tlid)en Stoffe unb in bem c^äni^(id)en 'Siangel ber befannten ftorifd)en Ginleitunc^ ,^um 3luobnirf. ein näl)ere9 Ginc^cften auf ben ^.'snf^alt beo Jl^crfo mirb an biefer teile burd) feinen Umfano; oerboten. ^ur Cricntieninp[ möc^e ein bcrblirf über bie iUnorbnunc^ beo Stoffo genüc^en. Xie Si)ftematit beo allc^emeinen Teilo fd) liefet fic^ eng an bie ö 5^ernorfd)en ^ef)rbud)o an. XHn Stelle ber ^roeiteitung, n)eld)e :ter t)en ^Jieuern Weper, .ySui^o ^})Jeper, i). i^ioj^t unb 33inbing iefer allerbingo in völlig abipeid)enbcm Sinne) oertreten, roirb mit erner bie Dreiteilung gefegt. Ciine C^iegcnüberftellung beriUrner* en unb ber flierfelfd)en Si;ftematif läj^t bie innere 3Jern)anbtfd)aft ir ertennen. 4Jerner: Xao i>erbred)en -bie Strafe - bao Strafgefe^, ber id)tcr, 5i>egfall ber Strafe. :^Jiertel: Strafbare .Staublungen Strafe — bie i>erbinDung n ftrafbaren .N>ant)lungen unb Strafen unt) bao A>errfd)aftogebiet r Strafgefetje. Cro finb aud) burdiauo bie gleid)en ^)3iaterien, melcbc won beiben i^riftftellern unter ben gleid) ober äl)nlid) lautenben Überfd)riften 39* (508 Siittcraturbcric^t. bcr cinjelnen ätbteilungen be^anbclt rocrbcn, roenn anö) felbftoerjtänWiA bie 2(uöfülhniü; bes Stabmcno, bie Unterabteilung in 2itel ober ftapitcl üicle 2Ibn)eid)ungen aufioeift. Sefanntlic^ ift eine 2i)ftcmatif Ieid)tcr ju tabeln alö beijer ;u macben. Tod) möge eö mir geftattet fein, auf einiges, maö mir ü(o '}}iangcl erfdieint, fjin^uroeifen. .'^unäc^ft mutet bie 'öebonDlunoi bei Duellen an .J^mei meit auoeinanber liegenben Crtcn - in bcr (rim leitung unb ,^um Scblu^ bes allgemeinen 2eil*> - eigentümlich an. Malier umfaßt audf bie Überfd)rift ber britten 9lbteilung („bie 'i^cr* binbung oon ftrafbarcn cS^anblungen unb Strafen unb bao >?err- fcbaftögebiet ber Strafgefe^e'') ©cgenftänbe, beren .^ufammcm gel)örig!eit fd)mer ^u erfennen ift. Slud) bie 5öel)auptung ber :^^bealfonfurrenj^ im britten Äapitd ber britten 9lbteilung („Seftimmüng ber Strafe im einzelnen AaU") unterliegt gerabe com 3tanbpun!te bee i^erfafferö auö fd^roeren Ä'- bcnfen. Tfaf^t man nämlidf^ bie obealfonfurrcn.^ nid)t mit d. Vi«'*^ nur alö ©efefteetontunen.^ auf, fonbern fiel)t man in iljr mit 'Blerfel xmb ber ^errfd)enben Seigre eine JVorm bcr SSerbrec^enofonhirmUr fo ift bie .H^^erüorbringung mehrerer t)erbrec^erifd)er "i^atbeftänbc burcb eine -Oanblung aucb eine befonbere 6rfd)einungöform bee i^erbrcdien^'. unb biefer X^atfacbe roirb burc^ bie Se^ant)lung ber v^bealfontunen; nur unter bem 03efid)tQpunfte ber Strafenabforption nid)t gemiaimp 3(ed)nung getragen. 3)urd)auo folgerid)tig ift ba^er bie Spftcmarii Sinbingö, melcfter in feinem C^irunbrip (2. i>(ufl.) bie Csbealfonfurren; j^unäcftfi unter ber iJe^re vom 5ßcrbred)en be^anbelt ($ 61) unb foDann bei ber Ve^re oon ber Strafe (§ 105) nod)malö berüf)rt. 3ln biefer Stelle möge nod) ein Weficbtopunft oon aUerbini^^ oorroiegenb praftifd)er ober, roenn man lieber mill , päbagogifd)er "Sc- beutung ^eroorgeboben werben. C^ö fragt fid) nämlid), ob miffcnfAafi' lidf^e Spftematif unb 3:enninologie nid)t ;^uioeilen auf Moftcn bee i^cr- ftänbniffeo beö geltenben Stecftto ui ftreng burcbgefübrt werben. Jc^f^ l'ernenbe mirb beim Stubium ber St.'i>.C. ein Strafgefe^bud) un? regelmäßig aud) ein Mompenbium bcö materiellen Straf rec^to ^ur .v»an^ nciimen. Atnbet er in § 2(>2 St."i^.C ben Zai^ auogefprod)en, baj; bie Sdbulbfrage aud) biejenigen Umftänbe umfaßt, roelcbe bie 3traf* barfeit auofcbliefien , m. a. 3\?. bie Strafauofd)liepungögriinl»c. fo mirb er fid) aii^ bem .Hompenbium beo Strafred)tfs :Kat barüber ^olen, roao unter einem Strafauofdiließungogrunb ^u oerfleben id Seiber aber roirb biefer i^egriff in ben neuern iiel)rbüd)ern nur nocb auönaljmöiocife in bem Sinne oenoertet, toie il)n ber öefc^gebcr ocr^ ftanben bat. u. Sio.u tennt im C'irunDe nur nodj bie „fubieftircn* Strafauofd)liefuingogninbe unb be.u*id)net bie objeftioen ab Aällc i)c: „mangelnden rHed)tQunDrig!eit''. 33ei 'BJerfcl !ommt ber 9luö^^:d „ Straf auofd)lief)Ungogrunb'' nur nod) gan.^ gelegcntlidf) oor unb findet fic^ im rMcgifter überl^auiU nid^t. Tie ''Jiotioebr gebort bei ibm ui t)cn „befonbern i^crhältniffen, roelcbe für bie '>{ed)toroit)rig!eit einer .oanD= lung beftimmenb fein Jönncn". 3i5iffcnfd)aftlid) betrad)tct mog öicie etrafrcc^t. Slttgcmcincr Xcil. 609 SBenbunci immerljin cinroanbfrci fein, in praftifc^cr 83c?;icf|ung aber erftftcint bie älbmeid^unc^ oon bcr gefeftlidien ^erminoloinic fc^r be* bcnf(id). 3^er 3nftematit beö bcfonbern IM^s ftef)t "JJierfel mit einem geroijfen ^^effimiömuS (negenüber. Gö wirb, )aa,t er, „in ber Crbnnng ^w befonbcrn leilö ftetö eine c^emiffe SKiÜfür l)ert>ortreten. Xk komplizierte Dlatur i;al)(reid)er ^elittoarten unb bie i}erfd)iebenf|cit ber 6cü(f)t9punfte, naö) meieren fie Doneinanber ab^eciren.^t merben, [^Ucfit bie 'Ü)iöi^(id)feit, jene Crbnunc^ nad} einem (ociifd) c^eglieberten Spftem Mi c^eftalten, aw^, 5Iud) tommt nid)t all.^uüiel barauf <^n. Tie öaiiptfacbe ift, baft bie einj^elne X'eliftoart eine ridbtic^c f^^ara!teririenin(\ erfährt." "JJiit biefer XHuffaftunc^ tritt ber 'i^erfaffer l^ einen icbarfen Oiec^cnfafc ^n v. Vio.u, ber alo ein iu'rtreter ber Krcnci n)iffenfd)aft(i(i)en Spftematif anc^efe^en tüerben muß. lie 3lnfid)t beö Seric^terftattero ift in biefem '^Junfte etwaö ^^^erifc^er 'Statur. — 2ßenn bie ÜNerfic^erunc^ ber ftrenc^en Spftematifer ^utreffenb ift, bafe ein Xeüft erft burd} feine Stellunc^ im 3i)ftem ^jc ric^tic^e 33eleu(^tunfl erf)ä(t, wenn eo auf 3[yaf)r()cit berul)t, baji ^e Unterbringung eineo DeliftQ an einem beftimmten Crte beö ^^ftemö einen beftimmten öebanfen .^um 3luobructe brinc^t: fo be* beutet jcbe roefentlic^e 2lbn)eid)un(^ von ber i'ec^alorbnung eine Trübung beo gefeftgcbcrifcben (^kbanfeno. 34 f*^(\€* n)efent(id)e 3lb* ^tJeid)univ Unbebenflid) roirb eine abrocidjenbe önippierung ber ein- zelnen 3(bfd)nitte fein, unbebcntlic^ luirb aud) bie Ginfü^runc^ einer U)iffenfc^aftlid)en Spftcmatif ba fein, roo ber (^5efefcgeber aufge()brt ^at \n fpftematifiercn (5. 93. bei ben Übertretungen), aber bie i'oo» löfung eineo T*elift9 an<ö bem 3wf'^nimen(}ange, u)eld)en il)m ber Okfo^= C(eber t)erne()en I)at, fd)eint prinzipiell roeniger .uiläffig, ah man regeis inä^ig annimmt. III. ftriminalautl^ropolosie unb ülrtminalpfqf^ologie. 9* xSur Unterftü^ung feiner befannten antf)ropo(ogifd)en Xl)eorieen j^ie^t ^ombrofo') eine ^Heil)e von Il)atfad)en Ijeran, wddit bisher no^ nic^t ober roenigfteno nicftt genügenb berücffid)tigt luorben finb. 2o ermälint er inobefonberc bie 'Jlnalgefie ber 'i>erbred)er, il)re 3ud)t, fic^ ;u tätomieren unb il)re -jfeigung, offen unb in ,zi)nifd)er "üi'eife il)r i>erbrec^en ju belennen. 'i^emerfenoioert erfdjeint nod) bie ^Viit* tcilung, baft in 3übbeutfd)(anb fid) bie Xiebe, „meiere oft n)irflid)e 'itffociationen bilben, untereinanber burd) bie ,S*?id)en 2, unb ^'., loaö ,II)aI unb ^'anb' bebeutet, ertennen, n»e(d)e Vofung fie fid) mit l)a(b= (auter Stimme .uirufen muffen, menn fie einanber begegnen, anbern* faüo fie üon i^ren Mameraben bei ber ^i>oli,zei angegeben loerben." 10* Jyorel'*^) teilt ^loei intereffante friminaIpfi)d)ologifd)e /yi^Ke ') iie neuen (5'utborfuniKn auf bem ("Gebiete ber friminalon 5?lnt(}ropoloiue im ,Vl)rc 1887. "ilrd) f. 3trafrcd)t Mr^r>. 3. .Hl -4:7. -) rfroci fnminaIpn)cljoloi^ifc^c 5i^^I*^- ^i» '-Beitrag jur Äenntniö ber ÜIktj 610 i'ittcraturbcri(^)t. mit, von tocldjcn bcr crflc alö bie 2\)ai eineo Sc^raadf^finnic^cn mitts leren örabes, ber jioeite ah bie eines originär Üßa^nfinnic^en mit lonträren 3erua(entpfinbungen unb J^pfterifcfien 'Anfällen cönratterifiCTt roirb. 'JDort erfolgte i^enirteilung, ^ier nid^t. 3>or ber 2^arftellunc^ imb pfi)c^iatrifd)en Seurteilungi ber '2:l)aten unb ber l^äter legt l^erf. feine 5(nfic^ten über bao SSefen ber Strafe im Sinne beo ftrengitcn mebij\inifc^en 'I)eterminismuo bar. 11* 3)erfelbe Sanb ber 8eitfd)r. f. Sc^roci.^er StrafreAt entbült (S. 409 -415) ein Wutac^ten über einen Jyall enoorbener 35errücftl)cit, erftattet von St. Sc^ärer, Sireftor ber Jin-enanftalt Söalbau bei 'Bcni unb 0. Spepr, Sefunbararjt bafelbft. IV. Jlriminal^atiltif. 158, Xic Crrgebniffe berneueften ftatiftifc^en ^eröffent = Iid)ungen be.^üailid) ber Strafrec^tspflege befprid)t CberlanDes-- geric^törat 'iJier^auo in Äaffel.-*) iVrfaffer teilt bie roic^tigftcn Xatcn aus ber 3"fri,^* unb ber Mriminalftatifti! mit, weift auf einige Der Grflärung bebürftige ai^iberfprüd)e .^iiuifc^en beiben ftin unt» ^ebt I)en>or, ba^ bie Statiftif für alle mit ber ^Hed)topflege in 5öerüf)ninoi tommcn= ben Äreifen ein grofeeö ^sntereffc, ber eraften fo^iologifc^en Aorfdmng aber nid^t nur ein portrefflic^eo 'SJtaterial biete, fonbern and) fd)mieric\e ^lufgaben ftetle. V. ^etftmpfuns bcd iBerbrec^ettd. 13« Unter 'JJiitteilung eineo .vemlicft auo(iiebel)nten ftatiftifd)en 3)}aterialo roeift M lein feller*) auf bie 'JJJängel ber beftel)ent)cn Strafrec^tepflege l)in unb üerfuc^t ben 3iad)n?ei9 ,^u führen, bafe Die C^ered)tig!cit ber Strafe burd) il)re äA^irfungen bebingt merbe, bie SBirfung ber Strafe aber in t)er rHepreffion beftebe. Xcv 'i^erfaffer tjerlangt, bafe biefer Giefid)t9punft in ben 'l>orbergrunb trete, unb forbert bemgemäft eine ^Keform ber Strafmittel. Xie von anbrer Seite por- gefc^laciene ^^lbfd)affung beo Strafmaßes finbet feine 'Billigung nid)!, bagegen möd)te er bem ^)üc^ter bie iWöglic^feit einer nad)träglid)on ÜNerlängenmg ber /'yreilieitoftrafe auf örunb ungünftiger Grciebniffe beo StrafuolUugo geroä&rt roiffen. Tie hir.;^citige Areil)eitf>ftrafe foU gegenüber ^Rüdfälligen gan,^ auoge|d)loffen fein unb aud) fonft nur mit großer 4Norfid)t angeroonbet roerDen. '^llo Grfa^mittel tonnen ipeber Weibs nod) -^^rügelftrafe in Setrad)t fommen, fonbern neben ber xHr= beitsftrafe im n)efentlid)en bie bebingte 'i>erurteilung, mie fie bas bcl= gi)d)e C^kfe^ oom 31.')3Jai 1888 cinfül)rt. ^nx Grgänumg empfiehlt es ber 3?erfafler, mit biefem .^nftitute bao be'> 'i>ermeifeo nalie ui üer= ganflö^uftänbe 3H)ifcf)en 'iNerbrod)cn imb ^rrfinn. 8t)cl)r. f. Bchiüeiscr 3 traf r. il Ob. 3. l:?-r^). •'*) ?lrci)iu f. 3trafred)t. :}S. il^b 3. 1:kS_17i5. *) Tic ^45cfämpfung bcf 93erbrec^eno. %verbrcc^enö ,^u unterftü^en (namentlich and) burc^ gcgenfcitige 3Jiittei(unc; ber nad) einem einf^eitlic^en Spftem 511 führen* bcn Strafrec^ifter), unb burc^53elämpfung ber 3lrmut, ber l'anbftreid)erei, ber 2run!en()eit foroie burd) Unterftü^unc^ entlaffener Sträflint^e muft bie ''^räoention (^epflet^t werben. 4^1. and) ben Seric^t unter 4. VI. (Sefangmgtoefen. 14^ SSagner, Über ®efüno;niön)efen unb ^ürforge für ent* (offene Straf (\efanc^ene. Stuttc^art. 1888. (i^erlag ber öuc^f)anblung ber (Soang. öefeUfd)aft.) 46 3. H. 8". Xao Sd)riftc^en gibt einen 9Jortrag roieber, ben ber SJerfaffer (enangelifc^er .öauögeiftlic^er an ber mürttembergifc^en Strafanftalt 0otteö.ull) im Stuttgarter Arauencerein gehalten ^at. 6r fd)ilbert 5unäd)ft bic Ginrid^tungen in ©ottcejell, [teilt barauf bie öefc^id^te beä O^cfängniöroefeno überfic^tüc^ in einer für Saicn bercd)netcn anfdiaulic^cn SÖeife unter ^Betonung ber i^orjüge unb ^JJJängel ber einzelnen Spftemc bar, feiert barauf .uir Strafanftalt öottesjcK ^urücf, um baö i'eben ber bortigen befangenen ;^u betrad^ten, unb gibt fcblicfelid^ praftifd)c ^Watfd)(äge über bie Aürforgc für entlaffene Strafgefangene. (^otteejeU ift feit 1874 lebiglid) für n)eiblid)e befangene bc« ftimmt. Go bient jur 5?olIftredung aller bie 2)auer üon 30 lagen überfd)reitenben Jvreii^eitöftrafen. Xie f)öd)ftc ^a\)l ber ^nfaff^" murbc im ysai)xt 1880/81 mit 518 befangenen erreicht. Son 3(pri( 1882 an finft bic rfaf)! unb gelangt im ^sa\)xz 1888 auf 410 an. 50 % ber Sträflinge finb rücffäUig. Tic Strafe roirb au9fd)(ieftlici^ in Äolfeftit)* ^aft üoUftrcdt. 'Srei ^Abteilungen: eine für jugenblid^c 3?erbrec^er, eine für (^efängnio- unb eine für 3u^^^)QWofträflinge. lieber Saal ift mit 10 --20 (^iefangenen belegt, me(d)e tagö jur Arbeit, nac^t^ j\um Sd)Iafen oercinigt roerben. l!)anebcn gibt eo einen großen Saal mit 70 ^snfaffen. ,,^iefer Saal ift gleid)fam bie grofte ^^fü^e, in meldicr Xirncn, Muppicrinnen unb babitueUe iNcrbrec^erinnen, fur,^ ber eigent* Iid)e tUuörourf beo 2anbe<^ uifammengebrängt finb.'' Tic 33efd)äftigung umfaßt alle 3(rtcn n)eiblid)er .^anbarbeiten üon bcn fd)n)ierigften Stid* arbeiten bio berab uim ^eberlefen. Tic ^(rbeitöjeit beträgt im 3Binter 10, im Sommer 11 Stunben. .Üoft, ^ett unb .vlleibung ge^en faum über bao "^Jiaft beo unbebingt ^3iotu)enbigen l)inauo, unb ber '-l>erfaffer f)ält bie bäufigen Lamentationen, bap eo bie (^Jefangencn ^u gut l^ätten, l)ier für un^itreffenb. '3)iit aller Gntfdiicbenbeit forbert "Jl^agner eine ftrengere 53cftrafung ber rHücf fälligen. ,/i>erfd)ärfung ber orbentlid)en Jvreibeitöftrafen mit förperlid) empfint)lidien Strafen: Tunfelarreft, .Hoftent^iel)ung, iager= cnt.^icbung unb Sd)liefien an bie Mette, unb .^loar teilo gegen bie i>crbred)er, bie burd) '^eftialität unb flo^eit befonbere Gntrüftung f;i2 Sittcratur&cric^t. ^eraueforbem, fobann aber unb regelmäßig für bic Südffälligen, refo. bie 6emo^n^eit9t)erbred)er unb ^voax fo, baß biefen n^bcn ber orbent« Iirf)cn Jrei^eitöftrafe i^erfd^ärfungen 1., 2. ©rabeö ufw. i\weriannt locrbcu bürfcn." $^ei ber Jvürforge für entlaffene Sträflinge iDiU ber i^erfailcr in<5be)onbere folgcnbes beadjtet miffen: 1) biefelbe muß fid) fd)on n)äl)renb ber Strafj^eit auf bie Angehörigen erftreden; -2) tcine öclD* unterftütumgen, fonbern ^ebenomittel, Mleiber, .v>auof)a(tungögegenftänbe; 3) lebige "i^erfonen finb, toenn irgenb möglid) alo 2^ienftboten unicr- j^ubringcn, jebod) nur bei foldöen .\Seir)d)aften, über lueldjc man uip?r f orgfähige Grfunbigungen cinge.^ogen Ijat; 4) für jeben einzelnen ^^Jflegling foU ?iur Unter()altung perfönlid)en l^erfel)r<5 ein %^ctron ober eine Patronin beftellt merben; 5) bie ein,u*Inen 'lk*reine feilen 5u einanber, ferner \\\ ben ?lrmenoerbänben, üor allem aber mit Dem geiftlid)en iHmt in ^l^e^ie()ungen treten. 15« cSSürbin, ^ireftor ber Strafanftalt ien.^burg, Sl^elAe ^Büttel ber 9lufmunterung fönncn ben befangenen im ,\n« tereffe einer guten Tio.^iplin ui teil merbenV o"*>befonöcre, in iDeld)em 'JJlaße fann ber Wefangene frei über fein ^^.^e!u(ium iuts fügen '-^ — ^Heferat für ben internationalen Oiefängniofongreft in 3t. %H^teroburg im oa^re 1890"^) 'i>erfaffer gelangt ^u folgenben ^^efen: 1) .'sm ^sntereffe ber 3lufred)terl)altung unb uit Gr;ie(ung eineo günftigen 3^rbeitotefu(tat<^ finb in 3trafanftalten Wxttd .;ur xHuf- munterung für bie Sträflinge nid)t nur .^uläffig, fonbern fogar mum fdienoiüert unb notmenbig. 2) Tie OKMoäljrung fo(d)er '^lufmunterungomittel ift auf (^ininD feiner ^|>erfonaIfenntnific auofd)IicfUid) 2ad)e beo Tireftoro ber xHnftalt. o) "Jiur foldie Sträflinge, meldic in eine l)bl)ere ^*önitentiar!lane Dorgerüdt finb unb fid) gut t>erl)alten I)aben, iönnen $3egünftigunaen erhalten. 4) Wan.^ unjuläffig finb foId)e xHufmunterungomittel, meldte t>im (rrnfte Deo .s>aufeo, bcm geiüöl}nlid)en Wange ber >>auoorbnung un^ ber Sid)err)eit Sd)aben bringen ober ^u Übeln öen)ol)nI)eitcn führen fönnten. /)) lH(o uiläffige nnpfehlenciverte 'Jlufmuntcnmgomittel, meld)e ^ie XHnftalt geit)äf)rt, fönnen be^eidinet werben: Gine hinlänglid) nahr= ()afte, eratt, reiniid) unb appetitlid) i^ubereitete .^oü, bie (^Jemäbrung eineo i>erbienftco (i)Irbeitogefd)enfeö), bie ^^^romotion in eine höhere .Hlaffe, verbunben mit tleinen SJegunftigungen, bie Unterhaltung Der "in'rbinbung mit ben XHngehörigen burd) .^torrefpobcn^cn unb Sefudie, let5tere rerbunben mit fleinen Waben, Speife^ulagen für heruorragenben Aleifv bao fragen eineo turu'n i^arteo ohne befonbern ;Md)nitt. H) "Inou feinem ^^>etulium fei ber Wefangene bered)tigt, mit "Pe- unlligung unb unter .vtontroUe beo Xireitoro t)ie .N>ä(fte rermenben I iHbai'brucft i. ^. ,Sticl)r. t. 3cl}iiici;ci 3trafrc(l)t ll.i^ö. 3. ."J")?- :{7m. 8trafrcc^t. 2lllgcmcmcr 2cxl. iWi ?^n bürfcn unb jroar für Untcrftü^ung notleibenbcr Slnücrwanbtcr, a(ö Scftübencrfafe für fein ^Cefift, für 3lnfd)affunc^ t)on Mlcibcrn unb 5öerfj^eu(jen, von luarmen Unterfleibern, nü^(id)en 33üd;ern unb (B6)\xU matcrialicn, auperbcm für Sd^nupf* unb Mautabat, wenn er oor feinem Gintritt in bie Strafanftalt fd)on baran c^ewöt^nt war, enblid) am- narimoroeife axii) für Crrroerbunf; von ßrtrafpeifcn unb Wetränten in AäÜen oon Wefunb^eit^ftönm^^en ober ui befonbern ;^eiten ober bei befonbem 2ln(äffen. VII. ^^ebingte iBeturteUuiig. 16. Scfanntlirfi l)at fic^ bie erfte l^erfammlunci ber internationalen friminaliftifcben jNcreinigunc^ mit überroiegenber *i)3iel)rl)eit (\ninbfä^Iid) für bie bebint^te i^erurteilung auoc^efprod)en. 3)a inbeffen ein c\roBer leil ber Hnftimmenben c^eroiffe nid)t jur l^fbftimmunc; (^elani^tc i>orbe[)aUe (^emad)t \)at, fo ift in ber ^I)at nur „ein Stal^men (\efd)affen roorben, bcffc« ^luofüUum^ fpätern Serfammluni^en oorbeI)alten bleiben muB**. CSinc 'i>orarbeit in biefer 'Hid)tun(\ übernimmt :)(eid)öc^erid)t9s rat äöbelPj. Seine 3lnfd)auun(\en (\ipfeln barin, baf? bie bebinc^tc iNcrurteilunö nur bei beftimmten Gelitten, feine^ioego aber bei allen Ui^ulaffen fei. J;n einer Tabelle merben bie ein.u'lnen AäUe ber be» binc^ten 'i^erurteilunc^ unter fur^er 'öeiuünbunt^ js.ufammenc^cftellt. (Tö foU bemnad) bei jebem l)ierl)cr c^el}öric(en Telift in Dem C»)e)e^ ber ^^afi'uo aufcienommen loerben „bebinc^te i\*nirteilunoi ift suläffiiV'. v'sm alloiemeinen 2eil erad)tet 'Werfaffer bie (rinfd)altun(\ folgenber '^V^ara* grapöen für erforberlid). § 26a. ,,Sei benjeni(^en ftrafbaren .'oanblunf^en, mec^en n)eld)er bcbin(^tc i^erurteilunc^ Milüffifl ifl/ tann baö erlennenbe 63erid)t in ben büi^u bcfonbcro cueeic^neten TsäiUn beftimmen, baft bie i^oUftrerfunc^ ber biö ,:^ur Tauer oon brei !3)ionaten erfannten .v>aft= ober (^iefänc^nio* ftrafc auf brei Cs^^re auoi^leöt loerbe, fallo ber iNerutteilte innerl)a(b ber legten \d)n ^aijxe im \\nlanbe eine Areibeitoftrafe meber verbüftt bat nodf) red)tolräfti9 ^u einer fold)en oerurtcilt ift. 3(uf ^reibeitöftrafcn, bie an Steile einer nid^t bei.^utreibenben Welbftrafe treten, finbct biefe 'i^e* ftimmunc\ feine SlnioenDuniv 26 b. Se(^el)t ber iNerurteilte innerhalb brei Jal^ren vom lac^e ber rKed)t9fraft ber bebinj^ten i^erurteilunc^ eine .sSanblunc^, loelAe mit ^reif)eitoftrafe bebrol}t ift, )o ift Die bcbini^t erfannte Strafe neben ber neu permirften ,^u DoUftrecfen; bieo ift im jpätern Strafurteil auoijujprecben. lUnbernfalh c^ilt mit iHblauf ber breijäbri^en 'i>robc.u'it Die Strafe alo verbüfu. 26 f. ilMrb nor 'Jlblauf ber Dreijälmc^cn 'l?robe.^eit Dem (^ierid^t betannt, baf? bor 'iNenirleilte oor feiner bebini^teii 'i^erurtcilunc^ eine anbre Straftl}at be^anc^en bat, )o finben bei ber 'iNerurtcihnu^ mecjen ber lefttern bie §§ 74— 7n 'Jlnmenbuni^ unb ift anDerioeit Darüber Mi crfcnnen, ob bie erfannte C»)e)amt= ober Sonberftrafe auo,;ufet)cn. ^^ 5(rd)iD f. atrafrerfu :;><. ^iVinb 3.-2<»-l(). 614 Sittcraturbcric^t. § 26 d. Sei 3traftf)aten, beren "Bcrfolf^ung nur auf änttag ein» tritt, barf bebincitc 35erurtei(ung, fallä ^wtücfna^me beö antraf ju-- läffig ift, nur nad) erlKrter 3wfri»nn^w«9 ^C6 9(ntra<^ftettero erfolgen.* Gnb(id) würbe bent § 266 ^itbf. 3 3t.^^.D. folgenber Sa* l)im jujufügen fein: ,,Dicfe i^or)d)rift finbet fmngemäpe Slnmenbung, wenn bao ©trafgefeft bcbingte 3?enirtei(un9 für juläffic^ erflärt." 3e(6ft rocnn man grunbfä^lid) ben 3tanbpunft beö "Serfaficw teirt unb bat)on auögef|t, baft bie bebingte iNcrurteilung nic^t bei aßen 'Ecliften angei^eigt ift, fo roirb man bod^ gegen üiele Ginjel^citen 9<» benfen nid)t unterbrücfen fönnen. Scifpieloroeife erfc^eint bie eij^en* tümlic^e 33e^anblung eines Teils ber 3(ntragobelitte fe^r anfeitbar. ^ucb infofcm forbert ber Serfaffer ben SiJiberfpruc^ fjeraus, ale er ben SSoU^ug ber bebingt erfannten Strafe bei gan^ ungleichartigem Stücffall roä^renb ber ^robe^eit J^ufäfjt. SiJenig glücMic^ bürfte aud) bie ^ßffung bes § 26c fein, .^umal fie es ba^ingeftellt fein last, mit melc^er Strafe bie Dor ber äJerurteilung begangene .^anblung bcbroit fein mufi. Sdjliefelid) würbe im «oinblict auf § 26b bei § ''^ eine "Öeftimmung barüber auf.;iunef)men fein, tjon roeldjem ber beiben Urteile an ber beginn ber i^oUftrecfung9t)eriäI)rung ju rechnen ijt. i^g(. and) bie i^crid)te unter 4 unb 13. YIII. ^Iiaterfdjaft unb leilnolime. 17. 5n ber fritifd^en ^^iertelja^rsfcftrift ift SJrudo 51bF)anbIun(\ f/^nx ^'e()re üon ber >val)rläffig!eit im beutigen beutfcften Strafredjt" (Z VI 302) Don :öir!mei)er einer jiemlid) abfälligen Äriti! unter- worfen. A>ierauf antwortet 3^ rud'), inbem er einerfeito feine 'öegriff'>' beftimmung beö Url)ebero nerteibigt, anberfeito bie 33irfmei)erfd)e Vef)re oom .Siaufal.^ufammen^ang fdiarf angreift. I^ie „wirffamfte S^c^ bingung", in weld)er 93irfmei;er bie friminaliftifcfee allein in 35ctrad)t fommenbe Urfad)e beo Grfolgö fiel)t, laffe fid) nid)t beftimmen. ^rif>att er eö bem freien riditerlic^en Grmeffen anheimgibt, bie Urfadienqualität eineo Greigniffeo feftuiftellen, ertennc er bie Unbraud)barfeit feiner 'itfteorie felbft an. 'Jiad) Snirf barf bie Arage nac^ bem .Haufal;u- fammenl)ang nid)t von ber nad) ber Sdnilb getrennt werben. Urheber eine?^ Grfolgo ift nad) bem i^erfaffer baojjenige Subjeit, weId)Co burd) fein fd)ulbl)afteo 3>er^alten eine berartige ^euebung von 'DJlittel unb Cbjeft herbeigeführt f)at, bafe ber eingc= tretene verbred)erifd)e Grfolg nad) ben Öefefeen ber Grfab = rung entftel)en muftte. 'iln biefer bereits in ber erwähnten ^Jlb^ fianblung gegebenen Öegrifföbeftimmung l)ält er aud) je^t nod) feit. Cr verfennt babei nidit, bau er fid) mit benjenigen :ilkftimmungen bc* Straf gefet5bud)o in ^ii>iber)prud) feljt, weld)e ben Gintritt eines be^ ftimmten Grfolgs ^ur ^i^ebingung einer l)öl)em 3trafbar!eit madien ol)ne ^Hücfnd)t auf eine i>erfd)ulbung be^iglid) biefes Grfolgs, meint ") 'i^om Urheber be>> i)erbred)eri)d>en Crrfolc^v^. 5lr(tj. f. 3trafr. *i<^ -Vy. Strafrcc^t. Slttgcmcmcr ^cil. 615 baft biefe SJeftiinmungen mit bcn Wrunbfäften beö £trafrcd}tö nnonieren unb ba^er x>on einer n)iffen)d)aft(icl^en "ilieorie unbe= eibcn muffen. (i>gl. and) ben 33erirf)t unter }).) IX. ^aitbluug. ♦ Si. V. Vitient^al, '2)er Drt ber beivinc^enen .^Sanblunc; afrecöt. (S.91. a. ben ^^ftc^aben ber juriftifdjen Aahiltät j>iu \ jur fünf5\ic(iä^ri(^en ^Vibelfeicr ber Xoftorpromotion pon iUI()eIm SÖe^ell. "BJarburf^. 5i. W. GliDertfdje i^erlagobud)* 3[ 1800. 32 S. 8'».) ;r bie G*rgebni|ie ber üorlie^enben 3tbl)anblun(^ ift bereits im effualen leile fur^ bericbtet roorben, ba aber bao 2:l)ema oon 'i)ebeutiing für baö materiette 3trafred)t ift unb ber 3?erfaffer \ aiio bem Öec^riffe ber .ySanblung l)ebusiert, fo fc^eint eine icbe v>"l)rtftQanc^abc (\erabe an biefcr Stelle ange^eicjt. - Um ?^riffe ber .C^anblung ^u gelangen, gibt eo nac^ o. Silient^al :i :)Jiög(irf)feiten: entioeber faj^t man bie -öanblung nur alo noeiumg auf unt) trennt bapon ben Grfolg — ober man be» sibrpenüegung n\\\> CSrfolg alo eine Gin^eit unb nennt biefe g. Xao 2trafgefe^bud) nimmt gan,^ allgemein ben lefetern nft ein (§ 1), unt) nur auonalimotveife befcftränft eö ben gobegriff auf bie förpcriidie Iftätigteit (§ (>7 'Jlbf. 4). 'Die 'ieinung, ipclcbe bie ,Sivifcl)^"iiHrfungen mit .^iur ,v>anl>lung nb t)emgemäf; annimmt, bap fo lange gel)anbelt merbc, bio ber intritt, ift nid)t fonfequent. Tonn eo ift gar nid^t ab;;ufeben, l)er ftrafred)tlid) rclcüante Grfolg ber ein.Mgc fein unb gerabc •m Gintritt Die >>anblung aufl)ören foll. 5 bem Sd)n)anfen in Der '^lbgrcn;iiung beo .'oanblungobegriffe fid) bie vcrfcbieDenen '^(nfid)ten über ben Crt beö begangenen ?no. Jie gegenwärtig vertretenen iHnfd^axumgen ^^erfalten in ffen. Xie erfte nimmt an, t»af^ eine >>anblung nur an einem angen lucrben fönne, Die auDere gebt Daoon awb, baft, luenn iH'rbred)en beu^idmcte 'i^organg fid) an mehreren Crten abge= be, ba^i ganu* '^H*rbred)en eben an feinem biefer Crte begangen ban e*!» beüigemdv. ftrafred)tlid) entu^eber alo nirgenbo ober »egangen angefeben luerDen muffe, mo fid) ein leil beö immer alo (^)anu'^5 ,ui unirDigenDen (^k*ld)el)niffeo begab. isertreter Der erften 'J(nfid)t beftimmen ben Ort ber began- anDlung mit ^Kürfiid)t entmeDer auf Die !örperlid)e Xl)ätigteit ben Gintritt beftimmter uiciterer Aolgen berfelben. ^axc be* il)re XHnüd)t inncriid) mit Dom .^^i^lüci'^ Darauf, Daf; Die 1l)ätigs Urafred)tlid) einzig ^cDeutung^^nolle fei. Tabei mirD aber Der inter)d)ätu. Tcnii luenn audi nur Der 'll>ille gefäbrlid) ift unD >urd) 3trafmittel beeinflui^,t uunDen tann, fo hat er Dod) Diefe ig nur De^^balb, mcil er red)t<>uMDrige Grfolge uerurfad)t. Unb i rid)tig ift, Daf; nur an Dem Crte ber 2l)ätigfeit fxd) ber (11(5 ^ittcraturbcnd^t. a\?tUe gegen baö ©efefc aufgelcf)nt i)at, fo ift e^ bod) nitfit mint)« richtig, ba^ er nur au bcm Crte beo (rrfolgö rcc^töocrleftenb fteroirii ()at. 'Jtuperbem finb bie prattifd)en Monfequen.^cn biefer 'Jlnnit ved^t bebcnflid). Sie ivürbeu ben unbehelligten iUufembalt einw Jvranjofen, ber über bie (^^renje einen 2)cut)ci)cn getötet hat, im o"* lanbc rul)ig geftatien. — "S^ie anbre 3(nfid)t, roeld^e ben Crt beä Gt folgo alo entfd)eibenb betrad)tet, wirb in ber 9lrt begrünbet, DaK man lagt, bie .v>anblung baure fort, n?enn auö) bie törperlicfte 2l)ätiiitcit bereite abgefd)lo)ien fei, bas 3i>irfen ber vom H)äter in ^Jcwcauna gefefeten Mräfte fei nod) .s^anblung. it>ie bereite bemerft, iü WH 3)teinung inncrlid) unl)altbar, aiiperbem aber lä^t fic prattiidi ins* befonbere bann im 3ticl^, luenn bie >>anb(ung im i^erjud)<^fta^ium fteden geblieben ift. Somit bleibt nid)to übrig, alo bie -V^anblung fomoM ^<^ »Jt«' ^^' gangen anjufel)en, wo bie förperlidje ^l)ätig!eit vorgenommen w\:iK toie audj M, lüo ber Grfolg eintrat. 3llo jold)er fommt aber nur ein CSreignio in 'J3etrad)t, roeld)eo i^um J^atbeftanbe bee Xelihef:» ^cbbn. Cl)ne i^ebeiiiung finb bal)er bie 'i^orbereitungobanölungen, ^w ;^n)ifd)enn)irtungen unb bie 'fi>irfungen über ben ftrafred)tlid) rclcpantcn (5*rfolg l)inauo. X. «erfuift. 19. .v^aüenflein, 3" 1>tof. ^^tiderö 'Jluffa^ „'3?od) ein 3i'ort .Uir ^iiüijxc üom untauglidjen iserfud)" (3lrd). f. Strafred)t :t7. '^anl> 2. 130— 18 „Smerf" fd)ult)ig, unD feine eigne ( ,^urfero) 2l)eorie fei Dc^^ialb unbraud)bar, meil bie Aeftftellungen, ioeld)e fie in tl)atfäd)lid)er iU'^icluuii^ fordert, in t'oro nid)t getroffen werben fönnen. ;-5urfer fcincrieito lueiit bie bel^auptete iHTioed^felung .^urürf unb loenbet gegen .öaveniicin ein, öaB aud) eine pollenbete A>anblung fid) juriftifd) alo 'iHT'ud) barfteUen tonnen, unb bafi er tro^ ber Sd)n)ierig{eiten, bie fid) feiner 1l)eorie in j)raxi entgegenftellen möd)ten, bod) prinzipiell an berfclben feftbalten muffe. ?er 'iU»rid)terftatter fann f)ier nid)t imiljin, bie ^Holle beo u-viiw^ iiMuloiis ui fpielen. i\>ao ifl .^merf'-^ äi>ao ift i)lbfid)tV S^eoor wir bicfo Aragen nid)t grünblidj unterfucbt Ijabox, ift eo unmöglid), über eine ganu* 'Heibe uud)tiger Aragen 5U einwandfreien Gvgebniffen ;u gelangen. (%l. Z X lGi)ff. iilobef. 11)2. 2ls.) Straf rec^t. SlUöcmcincr Jcil. G17 ao» 2)ic SteUunt^ bco ^Jlnftiftcrä \x\ § 46 bco ^K.ct.ö.'ö. anDelt "JDteoeö.**) Xix -iJerfafler uutcrfud^t junäc^ft l)ic ^racje, ob Der dtritt öom i^crfud) einen obje!tit>en ober nur einen fubjet^ cn 3trafauofc^liefeungort(aut beo (^kfefteo burc^auo t fo iDenif^ ino 03en)id)t falle, raie mand)e annetimen, meint aber, cierabc bie Jvaffunc^ beo § 46 feinen beftimmten 'Jln^alt für bic ! ober bie anbre ^)}ieinung abc^ebe. ©cciienüber Clo Raufen unb r.5io(^, welche ben Sy ortlaut urc^ieren, roirb bemerh, bap, roenn llid) ber ('»iefe^c^eber einen objeftiocn Strafauofc^Iie^ungsflrunb [tclien rooUte, es nid)t erfid)tlic^ fei, rocobalb er nic^t bie /Raffung §§ 51 ff. gewählt l)abe. Gibt man aud) infofem einen Unterfd)icb alo in ben fällen ber §ule^t -zitierten "^Naragrapljen pon ooml|erein Strafbarfeit bes 'il)äter9 nic^t in Jvrage fommt, u)äl)renb beim ftritt oom i^erfuc^ bicfe .^^unäc^ft worliec^t unb erft nadf^träglid^ )er befeitigt loirb, fo roirb bod) bie eigentümlid)e SÖenbung „bleibt floö" baburc^ nidf^t oerftänblid^er. iUud) bie von beibcn Seiten inGiej^oc;ene (Sntftebungogefd^icbtc beö (^5cfc5eö geioä^rt feinen be« mten :Knl)alt, unb wenn ^er.^^og biefelbe ()cran;\iel)t, um ben ^Hürf» vom i^erfud) alo objeftioen Strafauofd)Iiejiungogrunb },u fon* leren, fo fommt er mit feiner eignen 3(nfic^t über bie 33ebcutung C<)efe^eomaterialien in iöiberfpruc^. Go fönnen fomit lebiglid) ere ('»künbe entfc^eibenb fein, unb biefe fül)ren ,^u bem Grgebnio, § 46 lebiglic^ einen fubjeftioen Strafauöfd|(iej?ungogrunb liert. Xenn ber i^nlte beo Wefe^gebero unb bie ienbenj feiner rbnung ge^en ba()in, bafe er ben Gintritt ber Sinneoänbenmg in lNerbred)er begünftigen unb beförbern loiK, baf^ alfo bie ^IJrämie Straf lofigfeit nid)t allgemein ber ^l)at, fonbern nur berjenigen l'on ;u teil wirb, bei n)eld)er fid) jene Sinneeänberung roirflic^ ooU= n i)rtt. Tc9 weitem loenbet fic^ 'i>erfaffer ber Arage ju, ob fic^ ber tifter beo im S 46 'JJr. 1 gciuäbrten 'IJrioilegiumo burd) eigne itigfeit tein)aftig mad)en fönne. 'üam and) bic Wefe^eoftelle auo» flid^ nur non bem „l:l)äter" fpridit, fo f^errfc^t bod) in ber ?ratur Ginftimmigteit barüber, baft fie aud^ auf ben *Hnftifter ^(n= bung finbe. Tie 'l^egrünbungen freilid) gel)en loeit au^einanber laffen oielco ui n)ünfd)en übrig. — "^Jieoeo unterfcbeibet voifd^en Aall, ba ber ^Hnftifter burd) pfi)d)ifd)e Ginnnrfung auf ben tcr biefen felbft \nni ^Hürftritt bewegt, unb bem anbern, ba ber tifter burd) eigne pl)i)fifd)e ^bätigfeit ben i^oUjug ber XHue- iingol)anblung verbinbert. ä^Jao ben erften Aall betrifft, fo gel)t ber 'J^erfaffer von ber efforifd^en '3Jatur ber 'Jtnftiftung an. 3. :{i»7— 410. 018 Sittcraturbcric^t. Qeftiftete entit)tcfc(t ^at. ^OUeic^ roie er für bie ^(udfü^rung&^anbüing bed 3(ngeftifteten verantTPortlic^ gemacht unb i^m biefe(6e ab jetne eigne zugerechnet mirb, ntu^ er aud^ befugt fein, bie oon Hfm l^mou gerufene Unterlaffungs^anblung beö 3lngeftifteten alo feine eigne geltenb ^lu machen." Sei ber 33el)anblung beö jioeiten JvöKö ^^bt ber !l?crfaffer ^ewor, bafj bao öefe^ ben Sluobrudf „Zf)äUx^ nx6)t burd^auo int ted)mf(^en Sinne gebrauche, fonbern juroeilen bamit anä) ben Xeilnef^mer bc« ?;eicf)ne. 2)aö bebeutet aber für unfre ^^age, ba^ auc^ ber änftift« pd) auf § 46 berufen fann, fofem er burd^ eigne pfipfifd^e ^bätic^feit bie Unterlafiung ber 31uöfül)rung6^anblung berbcifü^rt. Stiftet alfo A ben B gur Rötung bes X an, entringt aber bao fc^on angefd^Iaciene öeroel^r feiner .^^anb, fo ift feine Straf lofigfcit auf ©runb beö § 4i) \u behaupten. 2)ie bisherigen 3luöfüf|rungen betreffen nur bie erftc ^Jummcr bes § 46. 3)er j^roeiten, b. 1^. bent Jyalle ber t^ätigen Seue wibmct i^erfafjer eine ebenfo einge^enbe Unterfucf^ung. 3luf Wrunb ber g(eid)en ^iDkt^obe fontntt er l)ier ,^u burd^aus analogen ^Hefultaten. Xa älngeftiftete ift bemnad^ ftrafloö forool)! bann, roenn er ben Gin» tritt beö Grfolgö burc^ eigne p^pfifcbe 3:()ätigfeit abgerocnbet ^ot, wie auc^ in bem anbcrn ivalte, ba er burc^ pfp^ifc^e Ginroirfung auf ben Slngeftifteten biefen felbft jur äuofü^rung ber .^anblung üeranlafet, nje((^e ben Grfolg abmenbet. Äl. 33ei ber ie^re t)om tauglichen unb untauglid&en 'i?eT« fuc^e ift nad) .^ut^er*') niet()obifc^ bat)on auöjugefien, bafe junäcftft bie Grforbemiffe beo voUenbeten SSerbrecbenö unterfucftt roerben muffen, ehe man ,:^u benjenigen beo oerfud^ten übergeben fönne. ^Tao uoUenbete iserbred^en erforberc aber: 1) ben GntfAlufe, einen 0ebanfeninl)ah :^u üerroirüic^cn, 2) bie 9luofü^rung biefeo Gntfcl)(uffeö, 3) 3?or^anbenfein unb roefentlidfte ßigenfcl)aften eines Slecbtögutö als Wegenflanl>o bes verbotenen Eingriffs, 4) baö iNor^anbenfein geroifjer Gigenfcbaften beö ^^ätero ,^ur ^di feiner Ajanblung, 5) bao li>or^anbenfein ber ^"Hecfitoioibrigfeit beö 3tngriffo unb einzelner üBetoeggrünbe, 6) bie 2>rr* fiellung beö I^ätero von bem iNorl)anbcnfein aller übrigen ^batbeftanbe« merfmale, 7) bie befonbern 'Jl)atumftänbe beö ein.^elncn iNcrbrecbeno ober i^ergebenö. — 2tUe biefe einzelnen ü)bmente werben mit größerer ober geringerer tHuofü^rlicbfeit bejubelt. 3^ao Scbroergeroicbt liegt babei in ben Grörterungen beo .^weiten ^unfteo. J^nbem bier ^cr i^crfaffer bie 9lnficl)t auof priest, ba^ man von einem Slnfange ^c^ XHuofüf)ning nicljt fprecben fönne, roenn nicl)t bie 5)lög(id)!eit oorlicat, mit ber begonnenen 3(uöfül)ning ;\um ^i^^^ .^w fommen, beutet er bao Sdilufu'vgebnio feiner XUuöfübrungen , bie 'i^ertcibigung ber objefs tiocn ^beorie fcbon an. ^3JJögcn aud) bie Wotioe bie 5*mge nad) ber Strafbarfeit beo untauglid)en 2?erfud)o offen laffcn, fo ergebe bod) ^ao ■') Iaualid)cr un^ untaiu]lirf)cr 'i'crfucft. 3lrd)iD f. 3trafrod)t t^t». .*U1. 3. 4;)*2-4:>0. Strüfrc(^t. SlUöcmcmcr Zeil, 619 ®efe{, ba^ fic unb jroar in Dcrneincnbcm Sinuc cntfc^icben fei. i^erfaffer beutet bobei inäbcfonberc auf ben ©egenfa^ .^roifc^en ben §§ 82 unb 83 St.®.®. ^in unb weift auf bie oom Stanbpunft ber fubjeftioen 3^^eoric am baburd) entftc^enbe Sc^roierigfeiten ^in, bafe eö bem ^anbelnben unmöglich bleibt, burc^ t^ätige iHcuc Straflofigfeit Mi erlangen'. XI. «nttafiSbeime* 22» (?ine rec^tsDetgleid^enbe Stubie über bie 3(ntragöbelifte ^er fc^roeij^erifc^en Äontonalgefe^e gibt Srobbecf. '") 3luf ben on^alt fann ^ier nic^t nä^er eingegangen werben, nur baö fei ^ert)or* (^eftoben, ba^ auc^ nac^ fc^weii^erifd^em Strafrec^t bie 3SerfoIgung pon Jlmtsroegcn bie Siegel, bie auf Stntrag bie Sluöna^me bilbet. XII. ä^eriolitung* 23* Über bie 3>erjä^rung f priest © a u t i e r. ") Seine Mb^anblung, bas jroeitc Stücf einer Steige Don Stubien über baö Strafrec^t ber romonifc^en Sc^roeij (t)gl. Z IX S. 632), befaßt fic^ teils mit bem SBefen, insbefonbere bem Wrunb beö 3>erjä^rungöinftitutö, teilö mit ber Sergleic^ung ber einfc^Iagenben Seftimmungen ber tantonalen öefeft« büc^er. 5" ^tftcr Sejie^ung teilt ©autier DöUig ben Stanbpunft Sin« bingö, inbem er ben ©runb ber 3Serjä^rung in ber Seroeiöoergänglid^s feit fie^t unb bemgemäfe bie SJoUftrecfungäüerjä^rung Derroirft. Sefriebi» genb roirb man biefe 3tuffaffung um fo weniger nennen fönnen, als ber 3?erfaffer einer 5HeiF)e anbrer Grüärungsperfuc^e ben i^orrourf mac^t, ba6 fte ben gcitenben gefe^Iid^en Seftimmungen nic^t gerecht werben. 5)Ut befonberer (Sntfc^iebenFieit wenbet fid^ ©autier gegen bie oon $ein?ie aufgeftellte unb von o. Siöjt'^) aboptierte Äonftruftion, nac^ weld)er bas "Mtd^t bie feit^er nur t^atfäc^Iic^ t)or^anbene Straflofigleit jur Sefeitigung beo Äonfliftö j^wifd^en ius unb factum i^ur rechtlichen erf)ebt. ^Us nous parait," fagt ©autier, ^dilficile «riniajriner rieii de plus frajrile «lue co Systeme en vertu ducjuel ce «lui jus(iu*i\ present s'appelait fait, et fait illicite, doit desonnais s'ajipeler droit. Hien de plus eontestable tout d'abord (jue le re- sultat ainsi obtenu; on pretend assurer le trioniphe du droit, et rotte soit-disaut \ictoire eoiisiste k laisser peiietrer sans conditioii reiinenii daiis la place*. XUI. Selbfttiilfe. 24» £'auterburg, 2)ic unerlaubte 5e(bftf)ilfe mit be = fonberer Seuefjung auf bao Strafrec^t ber Sd)weij.^^) »") citfc^r. f. Sc^rocijcr 3trafrecl)t I 3. 474—504. ") De la Prescriptioii. ;^t{d)r. f. 3d)n)ci3er 3trafrec^t I 3. 442—474. ^■- ) on ^«r brüten i?luflagc feinee X'cl)rbucf)6 — bie ricrtc n)cid)t nicftt umuefcnt: Vidi ab. '^) 3tfc^r. f. 3cf)iüei3er 3trafred)t ^b. I 3. 1)7—111, II 3. 153—213. 0*20 üiittcraturbcric^t. Sie 53Iel)rjaf)( bcr fc^roei.^erifcben Straffucfct^bücfter operiert mit bem SJegriff ber 3e(bftl)ilfe, lä^t aber vielfod) bie etforberlicfte Älor» r)eil über fein J^^efen uermiffen. 3Diefer Umftanb üeranlaftt ben $crf. ifiu einer einc^e^enben -IJrüfunf^. Unter 2elbftf)ilfe Derftel)t er bie eic^enmäc^tige xUnroenbunp üon 'iJJriDat.^roanc^ feiteno einer 'ilirioatperion gegenüber ber 'l{ed)tofpI)äre beo Staates ober einer -^Jerfon im Staate jioecfo 2öai)rung rec^toroibrig bebroI}ter ober »erlebter pri: uater :'Ked)tögüter. 3)ic äöürbigiiug ber Selbftljilfe ift im meientüd^en eine breifacbe: 1) cö tann eine .t^anblung fomo^l alo Selbft^ilfe roie wegen i^w materiellen Sted^temibrigteit ©erboten iinb [traf bar fein; *2) eö tann eine .s^anblung .^roar nic^t an unb für fic^, n>obI aber beoI)aIb verboten unb (traf bar fein, meil fie jiim ^"Jecfe ber Selbn» ^ilfe üorgenommen roirb; 3j eo tann eine .v>anb(ung an fid) »erboten unb ftrafbar {ein, aber biefe ßigenfdjaften verlieren, fobalb fie jum ^xotd^ ber 3elbiu l)ilfe erfolgt. 5iad)bem ber 3>erfaffer bie einj\elnen Seftanbteile ber oben mit» geteilten Definition eingebenb erörtert ^at, roenbet er fic^ ber gcfchicbt; lid)en 2)arftellung ju. 3ll9 leitenben ('«iefid)t6punft ocrirertet er babei bie Unterfc^eibung ber befenfioen unb ber aggreffioen 'Selbft[)ilie. SlegelmäBig fafet man biefen ©egenfaft in ber Sßeife auf, ban man fagt, bie befenfive Selbft^ilfe biene ber !}{ed)töguten)ertcibigung, ^i« aggreffioe bagegen ber liKed^tooerfolgung. ^'auterburg mobifi;^ien tie ©egenüberfteUung in ber SSJeife, baß er bie befenftoe Selbftljilfe bc* trad)tet alö 3(bmel}r ber ©efal)r brol)enber 3(ed)tögütcrpcrle^ung, ba» bagegen bie aggreffive alö '^Jaralijfierung, Unfd)äblid)müdjung M ©efai^r ber bro^enben ober erfolgten ^Ked)togüten)crIeftung. Tie tc» fenfioe foU aufl)ören mit bem 3luf^ören ber ©efa^r, bcjnj. bea ^tngrijf^ fie bleibt ^Eefenfiwe, and) roenn fie fic^ in einer i^erle^ung beo 9lngrcifcw äußert. 'Die 5Iggreffnje ift bemgegenüber „cntmeber bie ©efabr fom* penfierenber präoentioer Singriff ober bie äi?ieberl)erfteUung beo geftörten ^Kec^to^uftanbeo refpettioe .Uompenfation be^ioecfenber nad)träglicber ©egenangriff". 3ie erfc^eint entroeber ah privater Strafe oDcr Sc^abenöerfatJjioang. onnerl)alb bcr gefd)ic^tlicf)en (Tntividlung unterfdbeibet ber ikxi fünf 3tabien. Dao erfte ift bao beo nod) unvolltommenen organifiertcn ©emeinroefeno. .>>icr roirö bie 3clbftl)ilfe aii^ 3d)iüäd)c uigelaficn. 3ie ift bie ^Kcdjtöfolge jebeo ungered)tfertigten XHngriffo auf pricatc rHcd)tögüter. OkU bem ^loeiten 3tabium beo erftartcnben, feine Crganitation ertämpfenben ©emeinroefenö tritt bie Untcrfd^eibung ;n?ifd)cn erlaubter unb unerlaubter 3elbftl)ilfe l)en»or. Grlaubt ift im groj^en unl> gan;cn bie befenfioe, unerlaubt bie aggreffivc 3elbftl)ilfe. 6trafre(^i. ^ÜQmnntt ^eil. G21 auf bcr brittcn Stufe bcr Gntroicflunj^ bat bcr Staat gcf^en bic hcbcnbcn ßinj^cl(^croalten ju lämpfcn. Xk '^oio^c bicfeo pfed ift baä ptinüiipielle 3?erlJot jebct Selbft{)ilfc. 3)iefc crfd)eint rin fclbftänbigcö (^ec^cn ben Staat (ncrid)tctco Dclift; alo eine ung bc9 5ffentlid)en /"vricbeno. ^ie uiertc Stufe beö '^Joli^eiftaateö l)^bt )i(i) von bcr üor^er^ tben baburc^ ab, ba^ bie Selbit^Ufe^anblunc^ gan,^ ab(^efel)en ber tHcc^tögütetüerleftuuf^, roeld^e )ic im öefolge ^at, ald nmac^t unter Strafe ^eftellt lüirb. 3n bem heutigen jled|t cnblic^ gilt bcr ('»irunbfa^, ba^ eine rieU unerlaubte unD ftrafbare dtec^toverle^ung auc^ bann uner* 't unb ftrafbar bleibt, wenn )ic alö 3lft bcr Selbft()ilfe be* en lüirb, ercpfrcil)cit cinfad) bcfagt, bic burd; Die ^l'^rcffc ^*) (rinc 'öcmcrfung über t^rcf.freifioit. ^tfAr. f. 3rf)iüct5cr Strnfrcdit II. 3. 4i:)-411). JHcfcrcnbare. 1 .^cft. Sricbric^ bcr C^rofic ib Die ^roscjie bed aJJüIlcrö Slrnolt). SWarburjj. CSliucrt 1891. h VC. ^cr bcac^tiMie: unb biUirtcnsiucrtc iJ^octf bcr Schrift ift i^, t)cn riftcn, unb iuöbcfonbcrc l>cn l)crann)aci)Knbcn '^raftifcr, Ijinjuiücifcn auf ftttltd)c Seite t)cd dUc^t^, tl)n bauot ju wanicn, ba^ er in falter l^er- nbeöiirbeit bcn oberften Wnmbfn^ ucvi^effe: Jus est ar8 aequi et boui. — efeu öcbanfen füftrt bcr SSerfaffer 3unäci)ft in fcffeinber, wenn aud) biö^ ilen rool)I allju erregter %i\\c, an ber S)«i"^ einer üftenmäftiöcn ^ar^ lunjj unb l)iftorifc^en iBcIeuc^tunrt ber befannten ^^rojeffc t>cS 9KüUcrS nolb burc^. i^v \\iö:^t bar^ul^un, bafe ber 9)Jac^tfprud) ÄiJniö griebrid)ö, [ii)ix brei J!annnergeri(^törätc lüe^jen bee beut !J)2üUcr ungünftioen Urteilö fierte, ;^u 3c^aben9erfa^ unb ^eftun}i0l)aft verurteilte, fein ^Ift venverflid^er binetsjuftij, ba^ er üic(niel)r eine rettenbe 21}at fo3irtler (Serec^tiöfcit ße^ fen fei. iKuc^ unfre l)eutiflen Siecbtöuiftänbe ^if)^n bcni 3.?erfaffer bann .^u iften Mlatjen über bie ^urücffe^ung beö SiUigfeiteöefül)!« 2(nlaf;, unb jiell in ber Strafrec^tepflec^e finbet er ebenfaUd „eine jvm^e 3(nvU)I 1 UnbeiTireifli(^feiten". ^}{l>i fold)e l)ebt er an ber >?anb ocn SJeifpielen bie ftimmunflen ber §S 5«», r>l 3tr.(^>.iB., einiv^e 2^iebftal)IöfäUe, femer bie ju möc 5^eftrafuni^ »on iHol)eitöbelifton unb i^eiüerbsnuifiiöer "ilUlbbieberei, mani^clnbe ^Jlniocnbun^ be»3 Ji '27u auf iHcc^töaniuälte, welche beiuufjt )ulbi(^e ^ur J^rei)pred)unj} brinj^Mi. bie üBeeibinung verbäc^tiger ^'fugen, ? enblid) bte ^iHnwenbung beö i^ lU.» 3tr.(^.'43. aud) auf ^älic ber 2>eri mbunii^ berivo. Crin (rinc^ehen auf bie übrigen liin',clauöfül)rungen ber jrift, u)eld)e fic^ aud) mit ber juriftifdjen '^'orbilbung befd)äfti(\t, würbe iju it füfjren. 624 SibliograpQtfc^c 92ott}en. Älarl iSccfcIb: .^ux "BcrDrcitung bcr 5icc^tdtcnntntd.'*') ^ccfc(l) betrachtet ben S^ftanb Iraffefter 9ie(!^tdunimffenl)eit, wie et ^eute felbft in ben fjebilbeten @tänben bei und I^errfd^t, ald ein Übel für ben (rin^elnen roie für t)in Staat, ber auf bie S^litroirfuns bed Saienelemen» in ber Stecf|t$pf(ege angeroiefen fei. ®Iei(i)5eiti9 erhofft er von einer bcfiem ^udbilbung in biefer dtic^tung auc^ eine ^erme^rung bed @inned für ß^t^- lic^Ieit überf)aupt unb crblicft in berfelben fo einen beac^tendrocrten Beitrag ^ur Söfung ber fo5ia(en ^rage. X'w 9le(i)td!enntntd tfl barum «ein aOge: meinet 'Bilbungdelement, weld^eö in bem Stubiengange feinet Ckbilbeten, ja überi)auvt feined Staatsbürger^ fehlen foUte, unb von biefcm (9efi(^t9punltc axiii erfc^eint it)re Verbreitung a(d ^flic^t ber Staatdoenoartung nie bei öefeUfc^aft". 2)iefer '^flic^t foU ber Staat cor allen 3)ingen burcft Grteilung eined elementaren iMec^t^untcrric^td in ben Schulen erfiter und j^roeiter Crb: nung nad)fontmen, augcrbem aber womögüc^ t>em wahlberechtigten Särger feine neu erfc^einenben (^efe^e foftenfrei 5uge^en laffen. SDurc^ populäre 'Vorträge unb geineinuerftänblici)e Schriften femer fönnen Sereine unb (rins •;elne fcgensreict) roirlen, roä^renb überbied iebcrmann ftc^ felbft burd^ 9ln> luefcn^eit bei (9eric^tduert)anbUmgen unb Kenntnisnahme oon ben Staat«: gefe^en ttiunlic^ft bi(ben foUte. ' 2^er 2'enben.^ beö frifcl) gefcl)riebenen Jtuffa^ed ift entfd^icben beiui: ftintntiuen, roenn man aucf| ben Slnfic^ten bed Serfafferd im einzelnen nic^t überall folgen mag. ^rof. Dr. 'itnton 3}2enger: 7)a^ bürgerliche Siecht unb bte befi^Iofen 'IJoÜöt laffen. Tübingen. £aupp. 15(3 S. 2>ad getftreid) gefcf|riebene Buc^, auf beffen 3nt)alt ^ier nitbt näht*r eingegangen roerben !ann, [teilt ftct) a($ eine Streitschrift gegen ben (rntrourf eines bürgerlichen Ci^efe^buc^ö für bad Xeutfcfie 9leic^ bar, toeld^er ^bie be^ fi^ienben Mlaffen fo einfeitig begünftigt unb biefe Begünftiguug fo ununu lüunben '^u erfennen gibt", roie „fc^roerlic^ ein öefe^e^roerl in olter ober neuer S^it", Tic fac^lic^ fcf|arfe ilritif beö Serfafferd roiU babei an ben (^runblagen bee t)eutigen dkc^t$ft)ftemd, ben ^rinjipien bed ^rioateigentums, ber Sertragöfreit)eit unb be§ (rrbrec^tö nicf|t rütteln. Sie fuc^t aber bar- 5utt)un, t>ai ber Crntwurf felbft von jener örunblage auö bie Jutereffcn ber befi^lofen SSoUöflaffen verlebt ober )um minbeften nici)t genügenb förbert. Tafe biefer 5lacl)n)ei§ mel)rfacf) gelungen ift, wirb fid> nic^t leugnen laffen. Dr. Siegfrieb >yranf: ^Ter Jiec^tflc^arafter ber burc^i bie beutic^e Soüalgefetjgebung gefcl)affenen Unterftü^ungdanfprüc^e. .^jalber^ ftabt. 5)iei)er. IsOl. 4S S. 3ur 23cftimmung be^S ^iJefenS ber genannten 3(nfprüc^e ftedt ber ^ht^ f äff er, — entgegen ben bisher vertretenen 9lnfcf)auungen, — einen befon^ bereu :1ie(f)t6begriff ber 3^erforgung auf unb befiniert bie le^tere „als ^ie entgoltlidje lifeiftung eine« im voraus^ beftimmten ^^ennögeneroerte* ;ur 3ici?erung bes V'ebensunterl)alt5 für ben Jal^ be« (Jintritts wahrfc^einlidKr, ) Teutfcl)e rfcits u. Streitfragen. 3leuc S^lge. 5""ftfr 3al)rgang, 180<>. S:eft 71; 2. 1—27. S. 93tbnogtap^tf(^c 9lotticn. 625 bU (Snoerb^fö^igfeit 6cf(^rän!cnbci; ober bcfeittgcnbcr (Sreigniffc''. tiefer, ^te berettd (^ 9. in bcr fogcnannten Scbendoerrtc^crung ) Y)orf)ant>€nc, bids ^n abcz noc^ nt(^t ald felbftänbig ancrfanntc begriff luirb in feinen wefents (td^n Wetimalen burc^gefü^rt unb oon bemienigen ber SJecfu^etung ge- f<(P^05^6* @9ffcematif(^ bearbeitet für bie orbentlid^en ©eric^te bed $reu{;ifc^en Staate^ unb für baS dleic^dgerid^t auf ©runb ber Steic^ds unb ber $reu^if(^en Sanbedgefe^gebung, fowie ber 91$orf(^riften ber ^reugifc^en ^anbedjufligoerroaUung. SSerlin. Stebmann. 046 @. 22 mt 2)ad 98erf nimmt eine SRittelfteUung gwifc^n ben f)mtc üblichen ^ors men bed £e^rbud^ unb bcd Jlommentard ein. ^em !ii^e^rbuc^ nähert ed [i^ bun^ feine eigenartige f^ftematifc^e Anlage; bem jlommentar cntfpric^t ed, infofem ber Serfaffer feine .Hauptaufgabe in ber DoQftänbigen 3ufammens fteUung unb bad Serftänbnid er(ci(i)temben Gruppierung bed oor^anbenen (Stoffed, nic^t aber in beffen felbftönbiger ^Verarbeitung erblitft ^at. @o foQ bad Sud^ „bem Stic^ter unb 9ie(i)tdann)a[t a(d &anbbu(^, bem in bie $rari8 eintretenben jungen Sw'^ftf" ^bcr ald iüefirbuc^" bienen. iBir zweifeln nic^t, baf; baSfelbe biefen oon bem Serfaffer angeftrebten iiroed erfüllen wirb. Seine n)et)lbfgrünbete Cjiflenjberet^tigung neben ben t)eute por^anbenen, treff(i(i)en Jiommentaren ^ur Sii^i^PtojegsDrbnung, welcj^e ed an roiffenf(i)aft(id)er Sebeutung nid)t errei(i)t, finbet bad SBerf barin, baf; ed fi(^ inebefonbere an ben preu^ifc^en $rafti!er roenbet. S^m fü^rt cd aUc nichtigen, bad $ro}e^rcc^t mittelbar ober unmittelbar berül^renben $orf(i^riften bed prcu^tfc^en, gemeinen unb r^einifdien 9ie(^td — 3. 93. über bie 3u(äfrid'^^*^^ ^^^ dtec^tdroegcd, bie 92otn)cnbig!cit ber Streitgenoffcm fd^aft ufio. bequem unb auefüf)rlic^ uor. (^ortlaufcnb bringt ed babei au(^ bie einfd^lögige 9ie(^tiprec^ung bed dfleid)($geri(^td, roelc^e in einem Dlad^trag bid )u ben jüngften (rntfd)eibungen ergänzt ift, jur iX^arftcUung, roä^reub von einer Serücfft^tigung ber roiffcnfd)aftlid)cn Sittcratur Äbftanb genommen ift. ^urc^ ein genaue^ ^n^altö: unb CueDenoer^eic^nid foroie inöbefonbere au(^ burc^ ein audfüf)rltc^ed, alpf)abcttfd)e($ @a(^regiftcr wirb bie prafttfc^ Senu^ung bcd Suc^eö erleichtert. ki"Sf""5 5Jaf)lcn (33crlin) ift in t)anbli(^cr Xafdienauögabe (10. ^ormat. .36®.) eine 3ufammcnftcUung ber „^orfd^riften über bie 9(uSbiIbung ber Sw^iftcn in ^rcuften" mit furscn, crläutcmöcn Slnmcrfungcn cr- fd^icnen. ^ad Sc^riftc^en, wüö^cQ aud) bie neucftcn Verfügungen bed o^fti^« niinifterd entt)ä(t, bürftc gcrabe im gegenwärtigen SCugenblicfe ein luills lommeneö Crientierungsinittcl, inebcfonbere für Stubierenbe unb 3leferens bare, bilbcn. Jefe^e über t>aQ llrf)ebcrrcc^t im 0»= ""^ 3luölanb ncbft ben inter« nationalen iLMtteraturucrträgen unb ben Seftimmungen über bad SBerlagörec^t. (5rfte 2lbtcilung. löcrl.ig pon 0. .^ebeler (iJeip.^ig). Xie Sammlung umfaßt auf 1)2 'leiten bie (^fe^gebungen oon Xeutfc^s lanb, ibfterreic^, ber Sdiroeiii, Jranlreic^, S^^^i^i^r Gnglanb, ben Vereinigten 626 Sibliograp^ifc^c 9{oti5en. Staaten poti ^Jtorbamcrifa imb Spanten, (^inc Abteilung II foU ttmnäd^ folgen. 2)ic ©cfc^c fmt> im pottcn JÜJortlaut (ofjnc 3lnmcrfunfltnj »icNtJ ctcgcbcn. ^ag bicd bei bein freinbfprac^Iic^en SRatenal nid^t au4 im Urtcrt, fonbem (ebiflUc^ in beutfc^ec Übcrfe^ung gefc^l^en i% wirb bec Swutunj be{( ^uc^cd swecfö obcrflöcf|Iic^i; Information feinen (Eintrag t^un; im Sntereffc feinet roiffenfc^aftlit^en örau(^bar!eit aber ift ed entfdj^icNn 5U bebauem. Dr. 9luguft Sloller, iJanbgeric^tgrat. 2)ie Sleic^dflrafgefetc. Safir, e(^auenburö 1S90. 10. 284 S.). ^a0 Dorliegenbe Sänbc^rn, n)e((i)em ein t^metted folgen foU, cntl}ält eine 2:ejtauSgabe bed Sl.Str.®.^., welchem unter anbcrn baö (Jinfütjrung*« gefef, bie 9looette »on 1876, fowie bie bie 3wPä"^i9^^* ^«^ Strafgerid)tc betreffenben Paragraphen beö (9.$.(9. beigefügt fmb. ^ie (Srläutcrungoi 5um 8tr.(9.$. felbft bef)anbeln indbefonbre bie ^lec^tfprec^ung ttü 9lei(^: gerieft«. 8e3ügri(^ bcr 2(u5flattung mu6 ber fc^Ie^te 2)ru(l biefcr Semct» !ungen gerügt werben. 2t nb. So erben. iJoro af 28. 3uni 1890. Ärifliania, aRaUing. 1890. 16. 74 6. ^aö ((eine ^uc^, lorlc^ed ftc^ ald 92ac^trag 3U einer oom $crfaücr ueranftalteten Ausgabe bce ^Jtorroegifc^en Strafgefe^bu^e oon 184*2 ncbft ^JloDcUc üom 29. Suni 1889 barftcUt, entl)ält bie eirafgefetnoDcHc oom 28. 3uni 181K). 5^em 2:ejt bcö Wefcftee fmb Angaben über feine ^nu fte^ungdgefc^ic^te unb erläutcrnbe ^emerfungen beigefügt. ^eric^terftatter: uon Silientljal: 3- 'Jieumann, 3)ie Siegelung ber ^roftitution oom iuribifdjcn un^ mebi3inifci)cn Stanbpunfte. "iiMIljelm JüraumüUcr. 3ßien \^^^^- litlinifc^e ^cxU unb Streitfragen, t)erau6gegcben oon ^rof. Dr. 3oh. cc^nilfl'^'r- »b. IV, J&eft :{, 6. 07— 1()5.) 2)er erftc 2'eil (S. 07— 9.>) ftammt oon ber 5«ber eineS bcm $c^*- befrcunbeten fünften Dr. % ^Jloroacf. (r^ wirb barin baS geltenbe intcp nationale 3led)t befproc^en unb mit ben Seftimmungen be!$ je^t ^ur ^ratima ftcl)enben (5ntn)urfed cineS 3trafgefe^bu(^eö oergüdien. Jerner roerben ft^ poli^ieilic^en iWafercgcIn befprodjcn, rodele crforbcriicö fmb, um bie ^roftitution in 3cf|ranten *)U ()altcn unb bie Verbreitung ber 3t)pbili$ 5U t)inbern. ^sv^ uoeiten Xeil befprid)t 'Jlcumann bie mebijinifc^e Seite ber 'S^%c, inftbcfonKre bie Crganifation bcs Unterfud)ungebienfte6 unb bie Öel)anblung ber fnpbili- tifc^ Crrfranften. 3oidoI)( oon iuriftifc^cm mie mcbi.^inifc^em 3tanbpun!tc an^ luirb bie "iNtoftitution alö ein notiocnbigee Übel be^eic^net, bem gci^cn: über ein (>Je()cnIaffen be« Staate« Ieicf|t bebenflit^ fein loürbe. Jiotn)cn^iil fei :KegIeincntierung unb ftrenge Übcrtuact)ung, baneben auc^ i^eftrafung aller berjenigen, nid)t blo^ ber ^roftituierten, meiere beiou^t bie f^p^ilitifc^e "^In- ftecfung loeiteroerbreiten. »iBHograp^tfd^c ^lotigen. 627 Scrid^te bed freien beutfd^en ^oc^ftiftd ju (^rantfurt a. 9R. ^crauds gegeben vom afabemifc^en ©eneralaudfc^ug. 92eue t^o(ge. VII. ^b. 3af)rg. 1891. ^eft 1. graitifuct a. 3K. ©cbrüber Knauer. Gnt^ölt ni6)t^ von befonterd iuriftifc^ ^ntercffantcm. ^ie f(^n)et)ertfc^c @ertc^tdpra]rid über bad litterarifc^e, fünft-- (crifd^e unb inbuftcieHe Gigentum. 3"f^^"^^"d^P^M^ ^^^ I^''» g. 3WeUi, orbentli^em ^rofcffor an ber Unioerfität ä^nc^. 3"^i^ 18*«^1- Crett Süfeli. ob. I VII u. 184 S. !Die oorltegenbe Sammlung ift, rote ber um bte Sl^aterie be$ geiftigen (Sigentumd ^od^t>erbiente Herausgeber ^eroor^ebt, ba^u beftimnit, bte 9i^d)U fprecftung auf btefem (Gebiete aUen beteiligten streifen jugänglid) ^u mac^eti. ^^nlic^ roie in ben Annales de la propri6t6 industrielle, artistiqne et litt^raire fei bie 3lufna^nie neuer ©efefte unb öefe^entroürfe, foroie boftri- neUer Erörterungen ni(i)t audgefd)(offen. 3m uorliegenben SanbcL finb nur &ttfd^eibungen Deröffent(i(i)t, roelc^e fic^ bejiefien auf baS muftfalifc^ unb t>a^ fünftlerifc^e (rigentum, auf baö SRarfenrec^t unb t>a^ Patentrecht, ^ie 5^enntni6naf)me ber $um ^ei( ungemein intereffanten Entfärbungen ift auc^ ben beutfc^en Suriften bringenb )u empfehlen. af( lein Staat berechtigt fei, ^^rembe ganj von feinem (Gebiete audjufc^Iie^en (§ 1), "oa^ er aber bie ^ufnaf)me an beftimmte Sebtngungen htüpfen unb biefclbe Derroeigem lönne, roenn fie i^m im gegebenen ^aUt aud befonbem (^rünben gefö^rltc^ erfc^eine (§ 2). 9lnDerfeitd fönne ber Staat Dun ber (rifüUung ber 9heber(affunv3dbebtngungen abfegen unb ein ^f^I auc^ politifd^en Flüchtlingen geroä^ren, benen übrigend auc^ in ber ©c^roei) leinedroegd ein ^nfpruci) auf 9lufnal)mc juftänbe (§ 3). ^ei biefer (Gelegenheit befpricf|t Sang^arb auc^ ben neuen beutfcfi^fc^roeijerifc^en 92ieber(affung$oertrag, foroie bie ^kinungdoerfc^iebenlieiten , loelc^e ^ur ^ünbigung bed früher beftel)enben füt)rtcn. — ^m jroeiten Steile: bie 2luöroetfung grember fc^ilbert Sangt)arb junäc^ft bie gef(i)icf)tlic^e Entioicflung unb bie gegen« roärtige ÖJeftaltung ber politifcf|en grcmbenpolijei in ber ©c^roeij (§§ 4 — 0) unb ^ebt fobiinn ^crüor, bafe bie abniiniftratioe politifcf^e ^olijei ficf) auf Sc^roeijerbürgcr nicf|t erftrccfe (§ 7). iSr betont bann roeiter, baft bie abminiftratiue SCusrocifung nic^t tote bie gerichtliche ald eine ©träfe, fonbem lebiglici) ald eine ^räuetttioma^regcl an^^ufe^en fei (§ 8). ^iefelbe fei ein ftaatüc^ed &of)eitdrec^t, X)(\^ jeboc^ nic^t rotU!ürIicf| unb iebenfallö nur nac^ SKa^gabc ber 5liebcr(affungöücrträgc uuSgei"ibt iperben bürfe (§ D). ä^^^fftg fei fie nur, roenn ftttatlicl)e Sntercjfcn fie forbcrten, ujorüber allerbingö ber audroeifenbe ©taat allein ju urteilen t)abe, ber fic^ aber im galle ber äßiUs lür Sieprefialien ausfege (§ 10). ixix uölferrcc^tlic^en ^flic^t rourbe fie gegenüber ben ^n^ioibuen, roelc^e iliren ^ufentt)alt baju benu^ten, gegen frembe Staaten feinbfelige £)anb[ungen unb reoolutionöre Eingriffe ^u richten (§ 11). Cbjeft ber 5(u0roctfung feien bie fremben, b. l). bie nic^t lanbeSs 628 »ibltograp^ifdie ^lottgen. ange^örigcu ^erfoncn of)ne Siücfftc^t auf bic Stcgermöftigleit i^rcc lütgiti: mationöpapicrc unb tl)re amtlic^n Stellung im 9(udlanbe (§ 12). ^ic 9(u^n)cifung Sanbcöanöc^örigcr !ommc in t>cr bieget nic^t nicht oor, empfehle fic^ au(^ wcnifl. 3" ^^t St^roeij fei ftc jroor juläffig, rocrbe aber, al§ Um aUgenteinen 9.blf9berou6tfctn roiDcrfprec^nD, faum mehr angeroenbet. Itn 9$crluft t)er Staatean^ehörigfeit mit ber Sludioeifung fiu oerbinben, fei jcDen: faUd unftatt^aft (§ 18). ^ic ©rünbc bed 9(udn)eifunddrec^tcd ($(; Uu. 15 liegen fich ni(i)t genau vorher angeben, maggcbenb fei bad (Staat^intcrcjic, bie innere ober äußere Sicherheit ber Qibgenoffenfchaft. Suftänbifl fei für bie politifche Studmeifung aud bem ^unbcdgebiete nur ber Sunb, ba l>ie Hantone eine über bie ©renjen hinauf^roirlenbc ^udweifungduerfügung nidit treffen lönnten. 3" § lö werben bie ^uSrocifungcn befproch^n, mlift Um 1848 bi« 1890 in ber ©thw^ij ftattgefunben haben. 2)er § 17 bchanNlt bad ^udroeifungdoerfahren in ber @(^n)et), bie Einleitung ber Unterfud^una burch ben Sunbedanroalt, bad Stu^weifungdbelret bed Sunbedrate« unt ^i SCudfühnmg ber SRagregel burch bie Hantone, ^ic SCudweifung habe >ur ({olge, bag ber Hudgeroiefene t)a^ Sunbedgebiet oerlaffen muffe unb ti obnc (rrlaubnid nicht roieber betreten bürfe, wenn er ftch nicht einer ftrafgerichtltdjf" Verfolgung auefe^en rooUe. ^ie ^aucr ber Sludroeifung fei regelmäBifl ^' befchrönft, becnbet toerbe biefelbe burch einen neuen ^fchluB be^ Sunbc«' rate« (§ 18). ^erfelbe fei in 3(udroeifung«fachen allein juflänbig, ein 3la6 ^unbe^gericht fei unjuläffig, eine Interpellation über bie gefchehene ^udioeifung natürlich nicht (§ 19). Z^ feinem (^alle lönne bie 9(u$n)eifung @ac^e ber (Berichte fein, eine IUkt- tragung an bie lefftern fei in ber Schweif roieberholt angeregt, aber ftctd abgelehnt loorben (J^ '20). ^er Sluögeroiefenc h^be bad Stecht, ben Diplo; matifc^en Schutz feiner ^Regierung an5urufen. 3^boch Yönne bie HRalrcgcl nientalö ald eine Stechtöuerle^ung crfchetnen, t>a über allen burch ^^<'^^- laffungdoertröge geroöhrten fechten bad 9iecht ber ^u^roeifung fiehe (§ '21\ (Garantie gegen n)iU!ürlic^e 9(uöu)cifungen liege in ben oölferrechtlichen ^*= jiehungen ber Staaten 3U einanber unb in ber 35erantroortlichfeit Nc Jlegienmgen gegenüber ber SJolf^oertretung, baneben fei eS überflüffig. bi< ^ludroeifung von einem 9lichterfpruch abhängig ju machen. — i^m britten Teile befpricht ber Serfaffer bie politifchc Slu^weifung in ben dct^ fchiebenen Staaten unb ^roar in Belgien (§ 28), :Bodnien und JC»er3egon)ina (§ 24), 2)änemarf (§25), iDeutfchlnnb (g 2t{), granf= reich (§27), ©riechenlanb (S 2S), ©rofebritannien (§29), Italien (§30), i'uremburg (§81), 9Heberlanbe (S 82), fcfterreii^Ungam (§:i8), Portugal (§84), Stumönien (§85), SHuftlanb (§ 3«j, gchroei', (§ 87), Spanien (§ 38), )iUrcinigte Staaten »on ■Morbnmerifa (§ .-Js»). 18. (Einige (Ersebttiffe Iier ntutrttt järimittiilflfitillik* 55on U.s^rof. Dr. 5^. ^yblbcö, »ubapeft. (Scfilufe.) VIII. einflufe be§ ©efd^lec^ts auf bic Äriminalität. ©ö ift eine iiid^t m\)ex ju bcgrüubcnbc 2:^atfac^c, bafj ©e^ 'd)led^t unb @e)d)lcditölebcu auf bie ©cftaltung ber Hrimiualität timn ticfrcid)cnbeu (?inf(uft ausüben. (5§ l;aben fid^ l)icrüber aud) Dereitö eine 3leil)C von 5^orfd}ern geäußert, freilid^ uid)t in über^ ?inftimmenbeni Sinne. Cuetelet cor allem bef)auptet, bafe bie fitt- ,ii)t 2)i§pofition beiber ®efd&lec^ter geringe Unterfdjiebe aufroeift. Safe To^bem t>a^ äl^eib in weit geringcrni 3JJa6e fic^ an ben 33erbreci^en beteiligt, ift befonbern Umftänben jujufd^reiben: bem gröfeern ®c^am= jefiU)le, ber gröftern 3lbl)ängigfeit, bem jurüdtgejogenen, auf ben jäuölid)en Äreiö befd)ränften X^eben, infolge beffen fettenere 3?er' mlaffung nnb ©elegen^eit, enblid) ber geringern Äörperfraft, welche )ie 2lu§füt)rung gemiffer i^erbved)en fi'ir M^ aüeib erfc^roert. ') Snt)d)iebener nod) alö Duetelet bejmeifelt Cttingen^) bie „fittli* )öl;erc (Sntiüicfetung unD 9teint)eit beö ujeiblid&en 0efc^led)tö", in= )em er namentlidb M^ tiäufigere üüorfommen bei geipiffen fdjmeren öerbred)en unb bie 3äl)igfeit beöfelben bemeift, bie fid) in ber ^ai)l )er :)lecibiüen auöbrüdft. 3tud) Golajanni^) ift ber Überjeugung, )af3 bie geringere Äriniinalität beö 5h>eibeö nur ein Siefultat fojialer yerbältniffe ift; mürbe baö Süeib unter gleid)cn 3>er^ältniffen leben, t)ie ber Wiann, fo luürbc bie 3^')l ^^^ 35erbrecöer unter benfelben ') Pbysique socialts 11, e. LMHJ u. 293. -) 3)ioralftatifti! III. :>lufl. 3. .V2<). ^) Sociologia criininale. II. 55^ 3. 00. ^eitfc^rift f. b. pcf. 3trafrccfat4ro. XI. 41 630 ¥wf' r>r. 53. gölDc«. cbcnfo 9ro|3 fein, luic Die ber 3Jiäimcr. eine [tariere Giitroicfeluiig ber uttlid)e!i S^riebe leugnet er. 3)er gleidieu 2lnficl)t liulbigeii aiid) anbre Statiftücr, Die Die 3)iffereiiä in ber männlid;eu unö roeiblic^eu Äriminalität daiipt: fäc^tid) foäialen Umftäubeu 5ufd)reibeii. SJur lücnige rootlen ans Der geringem roeiblidien Äriniinalität auf eine beffere moralifd&e 3lnlQi;e f(i)liefeen, ju biefen gef)ört SSalentini. S)iefen fdbliefet nd) Der ■ijifpc^otoge 23ignoti in feiner intereffanten 2trbeit ^Ps^vcIkh logia sessuale" an. ®r behauptet gerabeju folgenbeö: „In ugiii modo, la societä conv e al preseute, in specie uelle i-azze superiori, si deve in gi'an parte agli iuflussi, e all* ispi- razione della donna".*) 3)er alttuiftifd^e Xrieb ift im 2i>eibe befonberö ftarf entiuidfelt, infolge i()reö pf)t)Uologifd;en irebcnö uiiD mütterlidjen SJerufcö. SJeüor wir auf bie äJeantiuortung ber Hauptfrage eingeben fönnen, muffen mx unterfud)en, ob bie Statiftif überljaupt einen genauen, nießbaren 2tudbrudt für bie Äriminalität beö äi'eibeö ^u geben üermag. Hub ba muß benn oor allem baran erinnert wer; t>tn, bat^ baö 23eib an einer 3teil;e üon 33erbred;en überljaiipt nicbt beteiligt fein fann, ober f)üd)ftenö in geringem @rabe. Ta^ '-h?eib ift nic^t beteiligt an einer -Reitje üon fittlid)en ä5erbred;en, Dann an Den 3lmtöoergel;en, an SBergeljen gegen bie 2Bet)rpflid)t, am 3)üiDd)eii'- raub — jumeift in füblidjen ©egenben nod) Ijeimifd) — , am 3)ueU ufiü.; eö ift jebenfallö in ganj geringem ©rabc beteiligt an ben 31ttentaten gegen bie Cbrigfeit unb überbaupi an politifdieu 35erbred)en, ^4>^^6"<^i^fl^'^c" ^M"io- 3)aö ÜiSeib ift weniger auögefctjt Den i>eranlaffungen 5U ilörperüerle^ung, roeldje gelegentlid) üerfcbieDener 3ufammenfünfte (2i5irtöt)au6, äSabberfammlungen ufiD.) erfolgen. Gö ift alfo faft nur bie ©ruppe ber i>ermögenöi)erbrcd)cn, in roeldier bie Ginftüffe auf bcibe @efd)led;ter fid) gleid)mäJ3igcv ge- ftalten, freilidj aud^ bier nid;t ganj gleid). 3lbgefet;en Daoon aber, \>a\^ bie ä>eranlaffung ju ä?erbred)en nid)t bei beiben G>efd)led)tern gleid) ift, fonnnen nod) anbre ^SJomente in 33etrad)t. SiJaö uor allem bie 'Verfolgung ber üon 'ij.krfoncn roeiblidjen Öefd^lediteö be^ gangcnen iserbredien betrifft, fo ift eö gemin, baf5 üon ^enfclbeu loenigcr ^ur gerid;tlid)en inTfolgung fonnnen, teils meil Diefelben im engen Mreife ber Jamilie begangen merbcn, unb enentuell in M 3.47. einige ©tgcbniffc t>cx neueren Kriminalftatiftif. 631 ber ^amilic beftraft roerben, ober lucil fie nacbfid^tigcr beurteilt roerben, enbti(^ tocil bereu SSerfolguu^ oft and) bic 33efc^äbiijteu mit £d)aube bebrof)t. ßiu weiterer Uutftaub ift ber, bat3 t>a^ äßeib feine förpertic^e ScbmäAe bei 3tuöfiU)ruug üou i>erbred)eu mit aröBerm Siaffiuemeut erfefeeu uiuf3 \\\\\) bal)er bic beanugeueu 3}er= brcc^eu fcbroerer ju eutbecfen feiu toerbeu. 2)nö 2i5eib, für t)a^ be^ roicfenemtafeeu of)nef)iu baö @ef)eimuiöüolIe eiueu befouberu pft)cl&o- logifdieu Sleij befifet, roirb ju foId)eu 'iDJittetu greif eu (®ift!), bie leidster 5u i)erf)eimlic^eu fiub: ha^ ^^erjentuale ber eutbedtteu äJcr^ brecfteu loirb fid) t)ier alfo ungüuftiger geftatteu. 2tber auö) in ber Saffuug beö rid^terlid)en Urteilöfprud^eö wirb ficb eiu Uuterfc^ieb jetgeii. Sern fd^roädjeru @efd)Iec^t gegenüber roerbeu üerfiältuiö- ^ofeig ^läufiger milberubc Umftaube iu 3Jetrad)t gejogeu werben '). viu ber Xl)at ift feine 3"^^^)"W"9öfäf)igfeit fd)ou wegen ber ge^^ fingen Äenntniö ber Sicbenö, ber großen Unbef)olfenl|eit, ber ge^ tingen gäl)ig!eit fid) ju erhalten unb überl;aupt auf legalem ä^Jege H*ine S^clt ju erreichen, geringer. 2)anu wieberl)olen fid^ beim äiJeibc IjQufig pft)d)ologifci^e 3"ftänbe, bie beffen 3ii^^^^""»9^fäl;igfeit niinbern; bieö gilt namentlid) üon Dem l)i)fterif d)en 3wftanbe ber ^c^wangerfd^aft. ii>ir fönnteu bie älufjäl)lung biefer a)Jomente nod) üermcbren. So \)at gewifj bie 33emerfung ;ioli)ö )öebcutuug, baf> im allgemeinen MQ weibliche @efd)lecöt baö @efüf)l ^abe, bafi gegenüber bem 3}Janne il)m alieö erlaubt fei unb eö im fc^limmften ^alit burdt) ©efäUigteit jeben ©djaben gut madljen fann. 3e^r richtig fe^t 3oli; Ijinju, bajs bicfe Sluffaffung burd; baö Seneljmen l)er 3)länner im allgemeinen beftärft wirb. golgt auö bem i5orl;erge()enben, t^a^^ bic geringere Beteiligung beö älNcibeö an ber 3^1)1 ^^^' i^erbrcdjcn nod) feinen SAluB auf beffen beffere moralifd)e ainlage geftattct, fo fiub anberfeitö jene aHomente nidjt ganj ju überfel)en, weld)e nur beöljalb bie fittlid)e :^ebenöfüt)rung beö Sßeibeö gefäbrben, weil bei bemfelben jcber un= günftige (iinflufe fid) ftärfer geltenb mad)t. ^ebe ungünftige ilom-- pliäierung beö ;i5ebenögangcö ift für ta^j 2Beib gefäl)rlid)er, weil eö weniger für ben Äampf mit bem rauljcn ;iiebcn gefd)affcn unb er= jogen ift. ^m 3iM'önnnenftotie mit ^cn graufamen (S'lementcn beö ■*0 'Jiad) t^cin trnn;öfiict)en iBcricfite für t^as ,^alir 1}SS() nJllr^cn üon KMJ männlicöcn 'ilngeflacjtcn 25 frcij^cÜTOdjcn, von ICH) weiblichen 3tngeflagten öu (3. Xlll). 41* 632 ?^^öf. Dr. 33. gölt>cg. iJebeuö hx\d)t e§ rafd^er jufamtncu. Sortiie baö 2Scib feinem 9e- ruf in ber gomitie entjogcu ift, tritt für Da^felfae Die @efal)r m inoralifcf;cn galleö ein. ^ierju fommt, ta^ baö 3öeib eimiiol gc* fallen, fid) Diel fd)n)erev erl)olt. „Les femmes se deplacent et se rassemblent moins", fagt Xarbe. 3)er 9)Iann finbet in äiiofibung cineö :i8ernfö, in nü^lic^er Setljäticiung leidit baö 9)iittel, ficft in ben 2lugen feiner aJJitbüger 5U ret;abilitieren ; für ba§ Si>eib, öüo gefünDigt, ift bieä faft nnmöglid). ©nblid) fei bier nod^ beifeu p iai)t, ba6 ba§ n)eibtid)e @efd)lecl&t uiel nad)brücflid)er ben GinfluB ungünftiger gamilien- nnb ljändlid)er a>erf)ältniffe fül)lt. (rin illegitimem Ü)Jäbd^en wirb feiten nioralifd^ ju retten fein; chenfo roirb ber ©inflnB einer fd)led)ten (Srjieljnng ober ber 3)iQnijel je^er 6rjiel)ung, fdbled)teö SJeifpiel ber ßltern üiel nad)baltiger roirtcii, qIö bei Änaben.*^) @el)en wir auf bie pofitiüe ©eftaltnng ber roeiblidien krimi- nalität über, fo finben roir, bafe biefelbe weit geringer ift, als ^ic ber Siänner. So famen auf 100 000 ber ftrafmünDigen ^mllt- rung beöfelbcn Öefd^leditö männlid)c SJerurteilte 1821,7, roeibliie ÜNerurteilte 358,o; ax[\ 100 männliche i^ernrteilte famen 111,7 rocib- lid^e 33erurteilte. 2)ie loeiblid^en SBerurteilten betrugen 17,7% Der Wefamtäaljl. 33ei 3ieurteilung biefer 3^1)1 ift nebenbei nod) inSe^ trad)t 5u jiel;en, baft in ber 33eüölferung bie S^U beö loeibliAcn ®cfd)led)teQ überwiegt, ^cbenfatlö ift bie weibliche Äriminaliiät eine l;öd}ft geringe. 3^^ Üfterreid) famen üon 100 wegen i>erbrcAen inTurteilten (1887) U/< % auf weiblid&c '4>erfonen; in Ungiuii unter ben üon t>m ®erid;ten I. ^^ftanj ^verurteilten (188'^' U,(io%; in grantreid; \(j % (auf 100 000 weibtid)er ikoölfe-' rung 4, auf 100 000 männlid)cr ^eoölterung 20), GnglanD 20, in ;3talien unter ben üon \>en 3d)wurgericbl^" ^verurteilten (188?^) iVi % ufw. 3?iefe ^^^bl^J^ )^^^^ natürlid) untercinanDcr nidn ucr- gleid)bar, M fie auf ücrfd^iebener :üafiö berul;en; fie seigcu aber jeDenfaÜö, baf3 ber 3lnteil bes weiblid)en feJefd)led)tö an Der krimi- nalität gering ift; baJ5 in t)cn t)erfd)iebenen Staaten t)a^ 5>crliali' niö ein oerfdjiebeneö ift, läßt fid) nidftt bejweifeln. "ii^o taö i?cib mel)r auö bem l)äuölid)en Mreiö tierauötritt unD ber xrebenoipcüc beö a)(anneö fid^ näl;ert, bort wirb eö and) unter Den iverurteiltcu '•) 5oU), La Fmuce oriiniuollf. 3. :iül. (rinidc Gracbniffc t)cr neueren Ütinünalftatiftif. (533 er üortomnien.O 3"i 2)urd^fd^intt ift baö liBerljältiüö ber er etiua 4— 5 mal größer, alö baö ber Jyrauen. (So ift in- nt jii bemerfcit, bafj bieö beiläufig bem SSerf)ältin^ entfprid^t, ld)em Die '^van aud) unter t>tn eelbftmörbern üortomiut, nb fid) öaö ä?crf)ältni§ bei hen ^rrfinnigen lüefentlid) ert)öf)t. lad) Ductetet lüürbc bie grau etroaö fpäter in ben Sanus beö äSerbredienö eintreten unö benfelben etroaS früf)er öer= a)Jir fdjeint biefe 3tnnaf)nte feör jroeifetf^nft. Jlefimen wir utfd&e Statiftif ju ^ilfe, fo finben roir, bafl baö ajerljältniö eruilcilten im 3Uter von unter 18 5öt)reu bei ben mann- i>erurtcilten (1888) 9^ bei ben meiblid^en 12,4 J^ beträgt; ^aö a>erl;ältniö ber über flO ^^^re 3llten beim männli(^en :d)t 2a beim roeiblid^en 3,s ^'. ^m allgemeinen jeigt fid& , öafe eben in biefen SJllteröflüifen Die Sifferenj gering ift, eitern geringer, aU eo ber allgemeinen iserfiältniöjalil ent* . 3iod) aber muffen mir nad; biefen Säten annehmen, ba^ ieiblid)e Wefdjledjt fid) nid)t fpäter, fonbern früljer unter ben ?d)crn einftellt, unb nidjt früljer, fonbern fpäter auö Deren uerid)iDinDet. :äl)nlid;eö läfU fid; and) auö Den 2)aten ber ijdjen Statiftit folgern. (Sinen ganj genauen ÜluäDrucf er^ lüir erft Dann, loenn loir Die ^a\)l ber ber betreffenben flaffe 3lngel)örigcn in ijetradjt sieben; er roirD an bem ge= en SJefultat nur menig änbern. Übrigens entfprid)t baöfelbe n ber 2i5al)rfd)einlid)teit. 3)a bei bem äiseibe Die lörperlidEie eiftige 3{cife früber eintritt, fo loirD eö and) früljer ben (äe- Deö ^L'ebeuö begegnen, unD Da eö im Ijotjen 9llter meit oer^ r ift, alö Der 'JJiann, loirD eö gleid)faüö in biefer SUterötlaffe t nnDerved)tlid)en :JJiittetn Die iJot äu befämpfen fud)en. 3tm ten fd)eint M^j äiJeib Den Wcfat)ren auögefeßt ^n fein im Don 21— :50 ^abren, in jenem iHlter, in n)eld)em eö am ten fein iiebenöäicl ^n crreid;en unD Darum ben Kampf beö > am lücnigften ju empfiuDen pflegt, loäbrenb beim 9){anne I .,In (iiiiiiaiiia o in Aufttriji Iji vita esteriurc ileUa ilonna ♦> raag- (lie da noi c quiiidi ö piu frfqutnt»' anthe per esse Toccasione «11 lenze" (Annali. Atti «Irlla ('onnn. 3. 70;. -- .,In Francia le donne pano alla vita troninnica nmltn piu clie in Italia** (Statistica gin- 1 pei:;ile. lN:^4. 3. XLVII). — iZ^ieö aud) l>cr 6runD Der l)ü()ern lueibs .runinalitiit u\ 3acl)fcn (fichc Karl '45ül)nicrt, l>ic fäd)f. ÄriminaUtäi, ^. f. fiicli». ft.iiifnfcl)on ^^uvcauö issy, .-öcft ■] u. 4 3. ir)5;. 634 ?5wf. I>r- ® Sölbc«. gcrabc in bicfcm 2llter baö Jobeu bcr Scibeufd^aft l^äufia ju Ser- brcd^eu fü^rt. äBenigcr nad^briidlid^ alö bcr Untcrfd^icb bcd 3llter§ ntait fid» bcr bcö g=amilicnftanbc§ beim 3öeibc gclteub, mcldftcr übrigens au* jum 2:cil eine guuftioii bcö Slltcrö ift. 35o(ft ift e§ imjipcifclhaft, bafe fid& baö uttlid)e a3erl)ältniö bcö 2ßeibed am bcftcii in Der ßbe gcftaltct. 3>« allgemeinen jcigt ficb, bafe bic SBerebelidbten baö ge^ ringfte- ^^Jerjent bcr ^iNcrbred^er liefern; nm nngünftigftcn gcftaltct iid) iaö aJerbähniö bei ben UnDcrelielid^ten unö Gefdrieöeneu. Übrigens ift l)ier natürlid^ awä) bie 2i>irlnng beö 9Uterö im Spiel. So finben mir, bafe bcr Untcrfd^ieb jmifc^en S5erl)eiratctcn iinö Unuerfjciratcten namcntlid) in ben jungem 3tlterdflaffen bcbciiteiiD ift/ fid) fpäter aber Dern)ifd)t unb in ben böt)crn aiteröflaffen fogar eine gröficre kriminalität Der i^erebelid^tcn jn beobad)ten ift. 60- rabe in t>tn ^^brcn bcr erften Steife ift bemnad^ bic (S^e für Wj fittlid^e ä5crl)altcn Deö äBcibeö x>o\\ l^of;er aSidjtigteit; fie ift jeDen- fatlö ein t^^aflabinm bcr Sittlid)feit. 2)ic Statiftit bietet aiid) ^ic intercffantc iielirc, bafj Ijinmieber uon ben Deret)elid)ten grauen jene im allgemeinen ein günftigereö JBerbalten nadimcifen, Die ^öhlner finb.*^) 3m allgemeinen ift für baö ih>eib alleö DerljängniöooQ, tpas feine ^foliertbeit, feine i^erlaffent)eit fteigert. 2)arnm feljcn rair, m namcntlid; in ©rofeftäbtcn bie mciblidie Äriminalität bod) ift. So finben mir, bafe in Scrlin anf 100 männlidbe ä>erurtcilte 26,o (l^SS) meiblid)e fommen, im ganjen üieiä) nnr 19,7. greilid) ift Mejc CSrfd)einung eine ?yotgc jeneö llmftanbC'5, baß bie @roJ3ftäDte eine bcfonbere 9lttraftion gcrabc anf bic gcfäl)rlid)cn Glemcnte bcr Öefell: fdiaft anöüben, bod) änbert bicö an bcr J^ebentnng bcr obigen 3^^^' nid)tö, t>a bicö in glcidjcm Tla\\t aud) für bic ^J)Jänner gilt. :9iur ber llmftanb fiele bicv inö (>3emid)t, menn nad)jnmcifen mävc, bafj jene Ülttrattion bei bem meiblid)en (i5efd^led)t gröftcr fei, nuiö nidit niiö- gcfdiloffcn ift, ba gcrabc bic gröftere i^crborgenbcit in bcr OJronfiaM bei bem angebornen Sd)amgefübl bcö mciblidien Wcfd)lcd)tö bcficn Kriminalität bcgünftigt. ©cmife ift, bafe aüeö, maö ifoliert, beim ^i^cibe inct gcfäbrlid)cr mivtt, alö beim 'J)Jannc. !?a6 jeigt audi \) 3(iid) ilU'vtillon weift auf ^icK 5icobacI)tiing hin: «La preseii«e •l'> t-ntauts intliie boaucoui» sur la iiiuralite des epoucses. Celles qui ont de* enfaiits sunt Jnsttment denx tois moins expos^es au crhne qne les antrt-" (Statistique bumaiue S. 47). Ginige Grgcbniffc bcr neueren Äriminalftatiftif. 635 f Statiftit bcr SiecibiDität. Unter bcn riidfälligen SBerbrcAcru Dao äi^eib, wie mir fa()en, ftärler Dcrtrctcn. 6inc gcfdjüfctc iatje Der 5«inilic, ein ficbcrcö älnfdjnücgeii an 3)iann unb Minb nwD beftc Sd)utn)el)r für bic fittlid^e Integrität bed a^eibeö. 35eni Mc pon mebrercn SdjriftftcÜern '') gemaditc 33al)rnebmnng ju- direiben, bafj an bcr iDeiblid)en HriniinaUtät jumeift nur bic erfte i^olfstlaffc beteiligt ift. ^n bcn untern Stlaficn ift baö \b Dem Äiiimpfc umö Üebcn bärtcr auögefefet aU Der 3)Jann, ^bcnöiücife unb Aufgabe berfelbcn Ijabcn große Sbnlid)feit unb um aud) bie bciben bebroI)enbcn ©efal)ren. 3» bcn l)öl)ern tffen gcftaltet fid) bic kriminalität bcr ^rau ml günftiger. 5)icd \t aud) ber 3"f*ii»"i'Jnl)ang ber iDciblid)cn kriminalität mit ber Dung, ülad) bcn t)on ;^oli) (S. 394) citierten Säten bilben er \>cn i?erbred)ern jene ^'yrauen, bie eine höbe Silbung befitjen, '/.jß bic lefen unb fd)rcibcn fönncn, V,2 bie nur unüoUtommcn lelcn unb fd)rcibcn. Vi bic nid;t lejcn unb fd)reiben tonnen, . . . * 3. :auo folgt benn aud) bic und)tigc ßcljrc, M^] gerabe bic fo- anntc Gmauäipation in iljrcv Ilbcrtrcibung baö fittlid)c 2i>ol)l ber u 5u gcfäljrbcn oermag. T^ic Jvrau bcbarf einer gefid}erten, gc^ eten Stellung in bcr Jyaniilic, ha^ ift M^ l)öd)\ic Gut, MQ bic cUid)aft berfelbcn unb fid) fclbft 3U bieten oermag, benn in bcr iD Ticö ii>cibeö liegt M^j £oö bcr 5utünftigen Öeneration. :um tonnen loir bem fd;önen 2i^ortc 3icnan*Q nur bcipflid;ten: i riclu'ssL» iVxuw natioii, c'i'St la |)iideur de ces feinines"^. Unterfud)en loir nun bic 'Beteiligung beö mciblidicn C'»kfd)lcd)tö bot cin.^elnen Gelitten. Tanad; tommen in Seutfd)lanb auf 000 bcr ftvafniünbigcn äkuiölfcrung bcö UHnblid)cn (i)efd)led}t3 urteilte (188S) oegen iNcrbredjcn unb iNcrgelicn gegen Staat, öffent- lid)e Crbnuug unb ')ieiigion 31,o oegen i\n*brcd)en unb i>crgeben gegen bic 'l^crfon . 117/. oegcn iHTbrcd^cn unb i^ergcljen gegen M^ "ikx- mögen '208,7 ") darunter Cu ctcict (II 2. \1[^7), 3tarcfc (5. lH4i, Valentin i 1-2 :. 636 ?Jrof. Dr. ö. ^ölbcd. Sic ^ntcnfität ber Seteiligung jcigcn und nod^ bcjfcr folgcnlie 3ablcn: 3tuf 100 männlid^c SBcrurteilte fomnieu weiblid^c im allgcnicincn 19,? luegeii aScrbrcd&en uiib SBcrgc^eu gegen bcn Staat ufiu. . 8,7 „ bie i^erfoii . . \%;s „ baö aJermögeu . 28,4 3tm ftärfften ift alfo bie Beteiligung bei SBerbredbcn gegen Das iNermögcn. Sei ben einjelncn $8erbred&en unb a?erget)en ergeben fid^ übrigens grofte Unterfd)iebe. 3n ber erften Öruppe nbcrftciiit bie 3?erf)ältniöäal;l bei S!lrrenbrud& (34,0 %\ unb ^J)ieineib (31,6 ^.) ben S'urd^fdinitt um ein bebeutenbeö. Bei ^t\\ i^erbrec^en unD 3?ergef)en gegen bie 'ijjierfon ift ^(x^ roeiblid^e @efd)ledbt am ftärfften beteiligt bei Kuppelei (118/,%) \\\(^ öelcibigung (35,o %). 3^ei ^J)JorD erreid)t bie Beteiligung beinafie ben 2)urd)ld^nitt (17,7?«), bei S^otfdblag überfteigt fie fogar benfelben. Sei ben 3?erbred)en unD Berge^ien gegen t^o^^ Vermögen ift \^(x^ 3öcib am ftärfften be- teiligt bei^e^lerei (60,s %), einfad)em 2)iebftal)l (38,« %), BranD- ftiftung (28,5 %) \\\xo. BefonDerö cbarafteriftifd) für baö weiblicfce @efd)led)t ift bie ^ol)C Beteiligung an ben Berbreci)en gegen Duo ifeben. So famen t)on Berbred)en unD Bergeben gegen baö l'eben (1888) auf männlid^e Berbred&er 618 gälte, auf meiblicbe 614; Der Untcrfdiieb äH)ifd)en \^m beiben (3efcbled)tern ift alfo gänjlid) ücr- fd}ii)unDen. Bered)nen wir gar bie Berl)ältni§5al)len für bcibe (^e- fdjlec^ter, fo finben mir, batl pon 1000 männlid)en Berurtcilten beteiligt waren (x\\ Berbrec^en gegen baö Seben 2/j, von KXH) meiblid)en 9,o! — (Serabe bie l;oIje Beteiligung an Den allerfd)U)erften Berbred)en gegen \ik\^:> Minbeöaltor. >") „%\\ AÜt)Uofiiifcit tci t»cr 9(uÄfül)runrt Des ^)lOr^c$, an f.iltblütijicr ^c: ^lUb!n^nlfcit tci ^iHTiuifc^inij; tcr 3imrcn, an i'ouflncn lln^ >:cud)clci niid) tcr 3" hat übertrifft t»aö "iiVib bei UHMtoni ^cn a)innn. 2ic aVotiuc ^cr 9)?änncr fir.? llllcr^inJV^ nicl)t fo öämonifcficr :}lrt, rmc ^ic Kt ^'cibcr" (^alontini». Ginij.]c (Srgcbniffc t»cr neueren Äriniinalftatiftif. 637 t oben angefüfirtcu 614 aSerbredieu gegen ha^ &tbm tnU if Äinbeöniorb 172, Ülbtreibnng 171, ätuöfefeung 37. SSon 1 äöeibern, rotidje 1882—1886 in öfterreid^ jnm Xo\>t t würben, raaren 85 ilinbeömörberinnen. Überl;aupt ift eö ö beö fei'nellcn nnb ganiilicnlebenö, luetc^er bic mciften i\\ einfdjtiefet, an benen öie gran beteiligt ift. je JJefnttate betätigen aud) bic (Srfa^rnngen anbrer Sänber. itreic^ fonnnen etraa 75 ^ ber gegen öaö Äinbeöaltcr an^^ i5erbred)cn anf baö 2i5eib, 70 % ber 'iJergiftnngen. 3n entfallen ineljr benn ein ä>iertel ber gegen ©^egenoffen aM- •üfiorbe anf M^o 2Beib. onDere Sead)tnng ücrbienen öie jngenblid)en granenjimmer. id) l)ier treten bie 4>crbred)en gegen ^aö ÄinDedalter ^äufig i§ 33eftreben, bie nnenT)nnfd)te grnd)t üerbotener Siebe ju I, finDet {jierin feinen 3tnö^rncf. ^m jngenblid)en 3l[ter ift i ^^^erjentnale ber 3)iebftat)le l)od). Jen iDir baö Slefnltat biefer 2)aten jnfannncn, fo finben 3 eö l)anptfäd}lidö bie fernellen nnb materiellen ^"l^^^cfl^" [d)c M^j äi^eib änni iscrbredjer mad)en. 2)ie J^eilnal^me an bred)en gegen baö (S'igentnm (nanientlid) T*iebftat)l), ift üiet alö an ben i^erbred)en gegen Die '^l^erfon. ^inroieber ift ib nnter ben in bie letzte ©rnppe geljörigen ä5erbred)en n ben fd)iücrften beteiligt. Wattenmorb, Äinbeömorb fe^ren in grofjer S^l^^ mieDer. Sel)r l)änfig ift baö äßeib and) reifer fremder (i'bre, ein grofser Xcil ber 33eleibignng rü^rt fei ben l)er; eö erfe^t eben bnrd) bie 3^^"9^/ ^^^ fonft bnrd& )t bcö lUrmeö gefübnt roirb. 3lnd) bie Süge füf)rt eö oft Slntlagebant; falfd)e 3^*"9^'Jii^ii^fö9^/ fölfd)er Gib, falfd)e nnt) gcrabe nnter ten loeiblidjen ^erbred)ern fet)r l)änfig. •^ fiart beteiligt ift Mroftitnierten ber Stäbte, fon= '-Iserfübrten beö Dorfes finb bie Sünber. :3ene d)aratterifiert lö 3.HTbred)en Der jYrud)tabtreibung. G^ seigen bieö in r :Ji>eife Die 3u7^^*'^ H^r bie Dentf^e :Keid)öl)anptftabt. 638 ?rof. Dr. ». gölbc«. aSöbrciib im Sabrc 1888 von bcn gefamtcn im 2^cutfd^en Mi ücrübten 172 ÄiuDeömorDeii auf 33crliii bloß 1 %aU fommt waren üou beu gefamteii 216 iDegeit grud^tabtreibung ^>erurtciltcn 23 iyällc in Sicrlin üorgcfommeu. 3h ber ici*uellcn 3pt)ärc liegt jebenfallö bie ftärifte iNerfucftung für öaö lüciblicbc Weid)led)t. Gin bcutfc^ier 3Jeobad)tcr fagt liier^ über folgenbcö: „S3ei ben grauenjimmern ift eö biö auf einen wr« fdjiüinDenb flcinen 2:eil bie Unjud)t, iüeld)e fie iuö a>cröerben ftüi^. 3Jamentlid) bie grauen unb ajJäbc&en ber nieDern Stäube fallen, iDenn ]k iijre (S(;re üerloren l)aben, von ©tufe ju Stufe, biö fie ju ä>erbred)erinnen werben, ^n ber aSeibcrftrafanftall ju 2eli{fci waren nad) bem öerid)le beö Strafanftaltöarjteö unter ben feit bem 3)eftcl)en Der SInftalt neu eingelieferten 755 UuDereljeliditeu nur jroei jungfräulid)e, unD bei benen war ber fe^'uelle SJerfebr Durcb il)re 33efcbaffcnt)eit auögefcbloffen! :^n ber 3i>eiberauftalt ju Sagau lüirD eö alö eine Sluönabme angcfcl;en, wenn eine äJerurteiltc fid) biö[)er von UnjucbtöfünDen freigeljalten l;at. Sic Jvolgen, welche t>a^ Snian\meni\>txxcn foldjer '^serfonen bat, bebürfen feiner 3d)ii« berung. (Sin StrafanftaltöDirettor Ijat t>cn d)araftcriftifd)cn Slnöfprucb getijan: 2)rei fdjamlofe äSeiber in @emeinfd)aft, auc^ unter be-- ftänbiger 3luffic^t, l^eifet bie ©djamlofigfeit auf bcn Äubuö er- Ijeben." IX. (SinfluB beö Sllterö auf bie Äriminalität. I^ie nioralifdjc uub gciftige (Sntwicflnng beö *iDJenfd)en, feine äiebürfniffc, feine ifeibenfd)aften finb sum großen iTeile Junton beö :^ebenöalterö. C5q ift bemnad; nid}tö begreiflid)er, alö Daf> ^i«-' (Entfaltung unb SJotI)ätigung beö triminellen ^angeö mit tien 3Uteröftufen einen innigem 3Hf«"""^Hbang aufweifeu. 3^iefcn 3"' fannnenbang Ijält Cluetelct für fo intim,*') \>ai] er gcraDcju bc^ Ijauptet, eö fei bie Sllterötabellc ber i^erbrcdjcn cbenfo üerldBlid), wie Die iDJortalitätötabcUe. 3)er .3"f«"""cnl)ang beftcbt nid)t nur barin, bafj Die (Sntwicflnng, Steigerung unb ülbnaljme Deö frimi- neuen .sjangeö mit Dem 'JUter regelmäfjig fid) einftellt, fouDern anä barin, Dafe ben cinjclnen ülltcröftufen befouDcre i>erbred)en eigen* ^') ^raniii toutos los caiiscs «ini iiifliunt i>our dOvelopper «»u p^iir anvter le priichaiit au criuu'. la plus riierg'iJiue est s^aus toiitredit läire (l*L\si«iUe .-oeiale II. 3. 2lH>!. Ginigc Grfjcbmjfc bcr neueren Äriminalftatiftü. (539 Umlief finb. dlad) Duetclct fü[;rt ber triminclle $ang in bcr rü^eftcu Slltcröperiobc jum 3)icbftQ^lc; c§ erfolgt bic§ unter üJJifes xmi) beö 33ertrauenö, roeld&eö bem nod) iinbefd)oltenen Äinbe im aiislidjeii Äreife 9efd)enft roirb. 2(uf ber folgenbeu 3llterdftnfe oer^ teuren fid) mit bem Gnuadieii bcr Scibenfd;aften bie in bie ferucllc ^pl)äre fallenbcn a^crbrcd&en. dUd) bem jroanjigftcn ficbcnöaltcr, 'cim }u bem Srangc ber ^^eibenfc^nftcu bie cntroicfcltc Äörperfraft d) gefeilt, treten Die gcTr>alttl)ätigen äJerbred^cn auf, benen auc^ icnfdienleben jum Opfer fällt. (Srft auf bcr folgcnben 3llteröftufe ■ift Der 35erftanb unb jcfct mehren fid) jene ä>erbred^en, roeldjc rtBercö iWaffinement, Üift erforbern, lueldjc auf ber 2(uöbentung e§ ä5ertrauenö, ber Unten!itni§ unb Unüorfic^tigfcit anbrcr jurüd- iffibren finb. ^n biefem 3Uter gefeilt fid^ jur Äraft bie ifift. )eii i)erabfd)euendiüürbigften ainblicf aber gewährt bcr ajfcnfd) im Iter Deö l>erfaUeö. 2)er Öeij tritt mit gröfeerm ^mpetuö auf \t> M bie Äraft gering ift, fo lauert bcr SBcrbred^cr im 2)unlel T'Jiad)t auf fein Cpfer; ift bie ferncUe ÄieiDcnfdjaft nidS)t ganj er- freu, bann finb co unfd;ulbige Äinöer, Die jum Dpfer fallen.'-) 2)cr ftc uuD le^te Sd)ritt auf Dem ^l^faDe ber SiinDc fül^rt in biefelbe dixd): ng. äi-'a« aber bei Dem .Jüngling nod; entfd;ulDbar ift mit ber iDenfd)aft, ber llnerfal)rcnbeit Deö 3tltcrö unb ber 3llterögieid)l)eit tt Dem Cpfer, Dao ift beim ©reife Der Superlatio Der Sitten:^ rDerbtbeit unD XJertommenbeit. So loeit Onetelet. äöir fönnen :fem ^ilDe nod) Den oon ;l[oli) Ijeroorgebobenen SH l)iujufügen, B IjiniüieDcr oft ;3ü"9li"gc ölte äiJciber töten. Deren ÖelDeö fie fid) mäd)tigen rooUcn. Übrigenö beftätigt 3ioli; im ganäenduetclctö :obad)tungen. '-*) ^Ingefidjtö ber eminenten SieDeutung Des ^Uteromomenteö fi'ir : i\riminalität, ift cö natürlidj eine Der 2lufgabcn ber Statiftif, >fcö OJioment aufmertfam ju uerfolgen; frcilid) ftöfet fie and) l)ier f 3d)iüierigfeiien. 3luf menigen Gebieten gelingt eö Der Statiftif ^-) „J*res du la iiioitit* (4J).r) %) des atteiitats a la jiudeur »ur li-s tauts — iiiv^t ^er fran',ül*iicl)c iBcridit iüx ^aö o^^l)^ ^^^^'^ — ^^^^^ ^toiniuiö par B acriises ayant dOpassr la quaraiitaine.'* ^•^) «A in»'*.suif qn'il avaiuc dans la vie. la lurce eii lui t'ait plact' a ni>t\ l*reTions maiuUiiaiit los pliases qiii prerodent et ctdles qni iveiit. Lattcntit)!! ♦•st attiivo jiar d^iix faits baillants: la predumiuance vol dans rad(desc»n(0. la prödoniinani'o des atteutats a la pudeur sur fnnts dans la vioilltsse" (La Francf ciiniinelle. 3. 1.SS). r,40 l^^of. Dr. ^ö. 30IDC0. Q^aui genaue 3lngafcen über baö 3tlter ju crljalten. Sann fr( nd) Daö ätlter aud^ mit anbcru a)iomeuten. 9luc^ Daß i^cr^alten Di 9lidf)tertotIe()icn ift gegenüber ben üerfd^iebcnen Sllterögruppen ui gleid). '*) 3llle biefe gaftoren erfdjiueren bie Slnfgabc Der StatiftiliJ bie alfo and) auf biefem @ebiete mit approjimatioen äderten fidl begnügen mufe. öeben mir nun auf bie ^aien ber Äriminalftatiftif über, fi? finben mir für Seutf^lanb folgenbeö (1888): 3(nf 100 000 ein» mol)ner berfelben 3llterögruppc famen SBerurteilte unter 21 „ . . 1151,o im 2tlter t)on 21 biß 40 ^al)xz\\ . . 1411,7 „ „ „ 40 ,, m „ . . 803/j * „ „ „ 60 unb mcl)r . . . 252,^ 3lm l)öd)ften ift bie kriminalität im 9llter t)on 20 — 40 Jfl^r««- S^eilcn mir aber Diefe ällterögrnppe in Heinere Stufen, fo ergibt fid) folgeuDeö Stefultat. i>on Den ^Verurteilten ftanben im 3Uter 00« 21—25 o^bren .... 4G208 25^80 „ .... 55050 30-40 „ .... 74693. Semnad) errei($t bie kriminalität im Sllter t)on 20—30 ^^al)ren il;r ^JJfanmum, unb l)ier mieber in ber Öruppe Don 25—^^0 vial)ren. ^^n ber iNcrteilung ber ftriminalität yt\%tx\. fid) non SjaiiD ju Sanb bcbentenbcre i>crfd)ieben()eiten. äi'äbrenb in Seutfd)lanD nid)t gauä 30% ber i>erurteilten auf Die 3llterstlaffe pon 20—30 3ä^wu entfallen, beträgt bereu 2tnteil in Jranireicb 32, in Gnglanb gleidifalld etma ein drittel, in öfterreid) unb :^talien 38-39 %, in llmjam über 40 %. teilen mir Die 3llter§Ilaffe üon 21—30 ^Vb^^"/ ^^ finben mir ferner, bafj fid; in mehreren i^äuDern Die Hriininolitiit namentlid^ in Dem 9lltev üon 21—25 3abren tonsentriert, ''•) ums fid) aber für SeutfdjlanD nid)t beftätigt. Unterfud)en mir inöbefonDere Die Älaffe ber jugenDlid)en ") i^^r- brcdier (—21 ;^al)ren), fo fiuDen mir jeDenfallö mit ^Jetrübnio, ^af^ '*) Tae 3ct)iüurj;crid)t ;civ)t fid) milder j^c^enübcr ron i^icrbrcAcni, ^K ^'3 4<>. ^'cbcn^^iaf)r übcrictirittcn haben iCompte genic Taten für Uni^irn; ar.rii oofp üiö^- -CVst vers 2,'» an> quo riiomine violente le plus ses M-niblables** (La France (Tiniinrlle. 3. l^^^- ^'■) 9öir nc()nicn bicr t)cn ^^liieDrucf in ircitcrm 3innc, luäl)rcn^ er in TciitfdjlanD ^ic "itltcreflaffcn bi^ IS ;^l^l^rcn unifnnt. — o»t<^*T^'^*i*i"nc Unter: *nd)ini}^Mi über t>ic jui^cnMicticn 'in^rbrcdKr bietet ,^oli) in ^cm .Haritcl: La pr!- cucitr? du mal. (rinigc (Srgcbniffc t)cr neueren Äriminalftatiftif. 641 i fjünftcl bis ein 5Biertel bcr lNcrbred)cr im ju9cnbUd)cu 9lltcr, \ 21 S^^^i^ß"/ ft^öt. 9JttinentIid) auffallenb ift cö, bafe tu Seutfd)^ nb bcrcn äutcil auf 26 % (1888) fteigt. 3"i allg^neiueu beträgt :m äntcil uid^t über eiu güuftcl; ber liol^c 3tutcil ber ^[ugcub* icn an bcr beutfcbcu ftrimtualität bürftc jcbeufallö mit proseffuttU- len 9)Zomcutcu jufauimculjäugeu. (Siuc auffaüeub ^lo^e Setcitiguug c jüngcru 2Uter6flaffcu jcigt awA ©pauicu, wo 40,7o ^ ber äJcr^ ed)er im 9Utcr uou uuter 25 '3tt^rcu ftaub (1885). @ö läßt fidE) t ^eftiunutt)eit bef)Qupteu, bafe bcr 3wf<^>nmcul)aug 3!Difd)eu 2lltcr b Ärimiualität fid) uou Saub ju üawt^, von ^om ju 3oue ucr* bert, X>a bic CSulipicfluug beö 'JJfcuid)cu iu üerfdjiebeueu (Srbftric^eu glcid) ift. Sie Jücljnuptuug (Solajauuiö aber — le m- izioni suir etä sono assai iiicerte, varia iio da pereona a rsona — fialteu roir für ju weit gefjeub. ©eheu mir auf bic "f^xa^t über, meldte bie auf beu eiujelueu tcröftufeu üoruc()mlid) auögcübteu 3?erbrcd)eu fiub, fo gcmiuueu r folgeube iliefultate: !!h>aö üorerft bie 3ugeublid)eu betrifft iö 18 ^aljreu), fo fameu auf 100 000 berfelbeu Stlteröflaffc i>erbred)eu nnh SBergeljeu überhaupt .... 583,5 bauou „ „ „ gegeu bie 'il^erfou . . 118,4 „ „ „ gegeu baö ä?ermögeu . 446,3 'JJameutlid) liod) ift ber Slutcil bei ®iebftal^l uub gefäörlid)er irpcruerletuiiig. (riue beffero (riubeit gcroäl)rt übrigeuö folgeube Teduuiug: auf 10() ältere i^erurteitte fameu ^i^Ößiiblid^c iui allgcmeiueu . . 50,o Uu3ud)t 131,0 3d}rocrer Siobftalil • . . . . 183,4 (Siufadier Tiebftalil 127,2 :Haub uuD (Srpreffuug 116,7 Crrpreffuug 162,5 i^raubftiftuug 208,^ Dagcgeu iNcrbrcAeu \\\\\) 'iNcrgeljcu gegeu Staat ufm. 8,2 iUippclei 3/; äUnleiDiguug 8,(; ufm. aiud) an Älövporüevleiuiug fiu^ bie 3»9^»blict)cu iu uuterburd)= uittlid)em 3)iaf^e beteiligt. (£l)ara!teriftifd) für bie Mrimiualität Deö jugeublid)eu Slltcrö D auc^ bie Traten Der i)fiorrcid;ifd)eu Statiftif über bie 5U 2'obeö- afe ä>erurteilteu. üiNir orfebeu auö Deufelbeu, Dafj an beu attcr= 642 ¥rof. Dr. ». gölbcd. frf)n)erftcu iNerbrccfteu baö jugeiiblid^e 3llter in geringem ü)jQßc be: teiligt ift; bagegeu entfällt auf bie 9llteröfttffe von 21-25 3öbwn naf)e3u ein 2)rittel ber gefaniten gälte; auf bie 3lltcröflaijc m\ 21 — 30 3öl)ren beinaf;e bie ^älfte. Stellen roir biefen 2)aten Diejenigen ber übrigen Stlteröflaüe gegenüber, fo feljen luir folgenbes: ©ö würben üerurteilt uon 1U0Ö(»0 wegen i>erbred)en nnl^ SSerge^en: im gegen ben gegen bie gec^eu bae iHUgemcinen Btaat ^^erfon ^'ermöoien 21— 40jä(;rige ■ 1411,7 195,2 GOl,.^ 602^' 40—60 „ 803/) 114,7 34ü,o 834,o über 60 „ 252/< 34,2 110,4 105,> Gö jeigt fid) eine siemlid; verfiältniöniäfeige S3eteiligui]g auf ben üerfdjiebenen 3(lteröftufen. 2)ie 2llteröftufe uon 20— 4u sciät eine DerljültniöuiäBig l;ol)e Beteiligung bei folgenben iHcrbreien: ©eroalt \\nt> Srofjung gegen Sieanite, gefäl)rlid}e iiörperrcrlcßmiji/ Sad)bcfd)äbigung; bae 3llter (über 60 ^t^lJ^^en) ift uerbältniomäBij ftärter beteiligt an ■DJeineiD, Unjud)t, öeleiöigung ufro. Csnterefjant ift bie ikobad)tung, roie bie Kurue ber Mriiuinaiiiai nad) 3llteröftufen üerläuft. äJei t^cn meiften äJerbreAen fteiöt fie von Der erften 3llteröftufe ( — 21) jur sroeiten, um bann fonfequcm 5U fallen: bei sroei iNerbred)en fällt fie fonfequent, unD jiüar bei lln5ud)t mio Tiiebftaljt: llnjud^t einfttcf)cr 2^iebfta()l frf)n)erer iTiebfiahl —21 ,^al)re 12,7 301 1,.? 50,7 21-40 „ 10,2 275,7 32,n 40—60 „ 6,4 155,«> 10,» über 60 „ 4,r, 54,* \/\ JJamentlid) Der fdjiuere I'iebftaljl ^eigt im l)ol)en 3lltcr eine auffalleuDe 3lbnal;me. 3^ie l;ier gefd)ilDerten Saaten roerben burd) bie Taten auDrcr ÜäuDer im allgemeinen beftättgt. X. (Sinftufe beö 3i^ilft*^"^^* ^"f ^^^ kriminalität. :Uud) Der 3iöilftanb gel)ört ju jenen gaftoren, roeld)e auf Mo kriminalität einen roefentlidjen Ginflufe ausüben, ift Derfelbe ja eineo Der roidjtigften meufdjUdjen iNerljältniffe, in roeldiem h± natürlidie unb fittlid)e 3)Jomente begegnen. Irol>Dem bar rie Staiifiit Diefem iNerljältniffe nidjt bie nötige xHufmerffamfeit ;u= (^int))C (rrgebntffe t)cr neueren ^riminalftatiftif. ()43 rocnbct iinb fclbft bei duetclet, bcr bod^ bic ilriminalität cin^ ^enb erforfd^te, ift baöfelbc ücniacöläffigt. 2)ad ift äum 2^eil bem nftanbc 5Ujuid&reibcn, Dafe bic 6^e, obwohl ein fittlid^eö ^"ftitnt, d) nid)t audfd^lieBli(4 nuter t>en fittlid^eu @efid)tdpunft füQt; bie )e ift nic^t immer ein 53unb jwifdien moralifdö beffer Deranlaiiteii iDioibuen, aU roeld^e fid^ unter ben (S^etofeu fiuben. Sie Gr^ irung bcö 3wfön"n^n^au9eS jroifd&eu kriminalität \m\> ^ml\ia\\t> rurfad^t barnm größere Sd^roieric^feiten, alö bie ©rflärnnci jeuer ittoreu , raelcbe bireft mit 6ntn)idelunc(ömomenteu j^ufammeus ui^eu ober beftimmteu (Sinflnft auf ben [ittlid)en, geiftigen ^abitnö $ a}Jenfd)eu l^aben. ü^abei ftofeen mir and) f)ier auf einige it6)* fc^e Sdjmierigfeiten: ISergleid^en mir nur cinfad^ bie 2}erbred^er ic^ bem 3i»ilftanbe, fo ift eö fef)r leidf)t möglid), Daf3 bie ä>er= etid)teu t>a^ ^öcbfte ^rosentnale repräfentieren; bod^ ift M^ ein= i) bem Umftanbe jujufc^reibeu, bafe bic übermicgeube 3)Je^r5al}l r ä?erbred^er in einem 3tlter ftel;t, in meld)em ber gröfete 2^eil r i^eüölterung fd)ou Dere^eUcbt ift. 3"^^"i mandjc biefen Um- mb nid)t berücffid)tigten, rourbe bie Äriminalität ber i>eref)elid)teu nugünftig DargeftcUt. Slm beften wirb biefer Jyel^lcr uermieben, >nu überljaupt nur bie in ftrafmünbigem 3lltcr ftefienbe 33eDölIe- ng Den Jkred)nungen ju Örunbe gelegt mirb. Gin anbrcr »renber Umftaub bei 2)etrac^tnng ber Äriminalität im 3»iömmen- ug mit bem 3i^i'Uö»^ ift auf ben Ginflufe bcö 3tltcrö jurücf^ iül)ren, inbem beibe 9)!omcnte in Äonner ftef)en. T^iefeö ftörenöe !omcnt tann nur fo befeitigt merben, wenn ber 3i^ifft^"b nac^ läelneu 3tlterötlaffen in 33ctrad)t ge.^ogcn mirD. 3lud) ift 5U be= cffid)tigen, baß aud^ bie ülngaben be.^üglid) beö 3i^i'ftanbed nid)t imcr T)crläf)tidf) finö, inbem berielbc nmnd)mal oerleugnet mirb. lötid) jei nod) barauf bingemicfen, Daj^ Die Uuterfud)ung and; fofern auf Sc^micrigteiten fiöfjt, alö fdion Die Gl;eid)liefeung eine rt fo.^ialer 3luömal}l inooloicrt, inbem jeDenfallö biejenigen. Die le Gl)e eiugel)cn, in bcr 3)ieljrjat)l ber Jvälle materiell günftigere ertjältniffe aufmeifen uub aud) gemin mel)r orbnungöliebcnbe demente umfaffen. ^nbcm mir nun Die ftatifti|d)en 5?aten ino 3luge faffen, fiuben X folgeuDe 3^()'^»' ^V 3^eutfd)lanD '\) entfielen i^orurteilte auf )0 000 ber ftrafmünbigen 'i^coölferung berfelben Äategorie: '•) Sic i)UIatumU)lcn bc^iclicn fid} auf ^ie vViI)rc lh?5'J-lKsö, für u\*lcl)C 644 ?«f. I>r. 3). gölt)cg. Ücbige 1214 äJcr^eiratetc 9.*)2 i^crroitroete ober @eirf)icbcne 535. !?nö i>er^ältiud ift alfo für bic 33cr^eiratetcn tocit günfüjer als für bic Sebigcn. JJatürlid) äufecrii f)icr aiid) bie 2lltcröunter: fdjicbc einen ui^lt uiibcbeutenbcn ©inffiiB. gaffeu roir biefelben ins atuge, fo finbeu wir, bafe auf 100 000 ftrafmünbige Ginroo^ner berfelben Äategorie SBerurteittc lamen (1888): J -ur- ^ SJcrhciratctc ®cicpiet>cne Dou 21 ln§ unter 40 3af)ren 1724,3 11^0,3 „ 40 „ „ 60 „ 800,9 802,s über 60 „ 181/< 325/» hieraus entnehmen wir, bafe fid^ in jenen älteröllaffen, in lueld^en bie Äriminalität am ftärfften ift, bie SJcr^cirateten üicl beffer »ermatten, als bie ni^t ^Öer^eirateten. Qu ber ndcbf«" 3llterötlaffe jeigt fid) bei ben ^erf)eirateten fc^ou ein etroaö iiii- günftiijereö 3?erl)ältniö, am uugünftigften aber in ber ^ödbncii 3llteröflaf|e. Xit 2)etailnacftn)eifungen jeigen ferner, bafe nainent- lid^ bie in jungen ^a^ren äJeriüitToeten eine ^o^e kriminalität be^ fiften. 2)em ©efd^led^te nad) jcigt ]id), bafe, lüä^renb bie uuüer^ heirateten 9)Jänner ber jüngften 3tlteröflaffe günftigerc Äriminalität aufroeifeu al§ bie »erheirateten berfelben 3tltersllaf|e, bie leDiiU'n 3)Jäbd)en ber jüngften ällteröflaffe fcbon eine ^ö^ere Äriminalität ^aben al^ bie uerbeirateten grauen berfelben 2lltcröftaffc. 2^iefelben ä>er^ältniffe sroifd^cn i>er^eirateten unb Unoer- Ijeirateteu finben luir audj in anbern Staaten.'**) So jeigt bie franjöfifc^e Statiftit, bafe oon je 100 000 ber betrcffcnbeu ©ruppe luaren angesagte 3)fänner bei iJebigen 55, bei ^iJer^eirateten Ib, bei i^erroitroeten 23; bei grauen roaren bie cntfpred)enben fahlen d, 3, 1. ^aöfelbe bejeugen bie 2^aten für itftcrreid), Ungarn, ;3talien ufro. 2)er Ginflufe beö 3iüi'ftoubeö ift natürlid^ ein oerfcbicbeuer l»ickltcn lcrcrf)nct fin^ (j. t»cutic^c Ärimmalftatiftif 1885). 2>a ime ^ic (Mrunt»: ;iU)lcn für Mc öcoolfcninj^ m&jt jur SJcrfüginitj ftchcn, fo muffen wir eine 'ik: rect)ninu^ für ^ie le^iten ^at)re imterlaffen. '\) -II est (lelinitivement acqnis — faj^t ^>,o[\) — que le.s celibataires douncnt ., an ben ajcrbrec^en bed SJJeineibS, falfd^er 3tnflage unb 3^"9^"- auöfagc, Sßerleumbung unb ©^renbeleibigung, Urfunbenfälfc^ung. Si^ie erroä^nt, finb bie SBer^eirateten an ben SBerbred^en gegen bie @ittlicb!eit im allgemeinen fd^roäd^cr beteiligt, troftöem ift baö ^ro* jcntnale auffallenb \)oä), ba man bod^ fold^c SJerbred^en bei SJer« heirateten faum uorausfeften follte. SäJir wollen anä) ^ier ber 3)aten ber öfterrcid^ifd^cn Statiftif über Die ju 2:oDe SBerurteilten gebenfen. älUr erfahren au« bem felben, bafe ficb im Surcftfd^nitt bcr legten 3a^re bie allcrfd^roerften a?erbrec^cn folgenbcrmaften nad^ bem 3i^ilftönb Dcrtcilen: jlapitals SSerbrec^en «erbrechen im aUgeuteinen 49,0 0/,4 46,0 39,3 4,4 3,1 Sebige JBer^ciratetc aSermitmetc unb ©efc^iebene 2iefc S^'?)'^" meifen namentlid^ barauf \)xu, bafe bie äJercfics liebten unb bie oeretjelid^t ©emefenen oer^ältniömäfeig ftärfer an Den ftapitalücrbred^en beteiligt finb. 6« ift bieö bem Um^ ftanbe jujufdjreiben, M\i unter biefcn äJerbred^en bie gegen Äinber (auc^ e^elicbe) unb gegen (S^egenoffen fe^r häufig finb. 3)ie ©attenmörber repräfenticren etroa \2% ber gefamten }u S^obe ^Verurteilten ; Äinbeömorb 23 ^i^. (S§ ift eine ^öc^ft bead^tenöroerte S:^atfad)e, bafe überhaupt baö gamilienleben fo l)äufig SBlnlafe bietet ju bcn fludbroürbigften äJerbredien. dlad) unfern äJeredbnungcn waren von htn ä?erbred)e!i ber in ben legten i^^l^i^cn i" Cfterreid^ ^n Jobe SSerurteilten etwa 50 X gegen gamilienglieber gerichtet. 3^er eiternmorb repräfentiert nalieju li%. 2)er 3iüHftanb bilbet im Örunbe nur eine 3eite bco gamilieus lebend, llnjiüeifel^aft unirbe eine 9ieil)e anbrer, mit bem g^miliens ftanbe jufammenl)ängenbcr SJtomente t)iel :L'cl)rreic^eö bieten. 3" inand)en Staaten t)erjeid)net j. 23. bie Statiftif ben llmftanb, ob bie gamilie mit Äinbern gefegnet ift oDer ntd)t. ^m allgemeinen läßt ficb geiüife oorauöfe^en, baß baö S?orl;anöenfein oon Äinbern 3«itfd^rift f. b. gef. Strafrcit)teiü. XI. 42 646 $TOf. Dr. ^. 3 ö (bei». auf baö fittlid^e Sßcrl^alteu ber eitern öünftitj cinroirfen roirt. greilid) wirb mand^mal cjcrabc ber ä^^öug, für bie ÄiiiDer |iu forgen, jum $8erbred)en führen. ®ic ftatiftifc^e SKeffiing ift äußern fd^roierig, ba ja ber Umftanb lüd^t überall befannt ift, in roclcbem ^Ber^öltniffe bie befle^enben Qf)tn mit Äinbern gcfcgnct nun. So fönnen roir nur im grofeen ©anjen fagen, bafe Die Statiftif Dafür fprid^t, bafe bie e^en mit Äinbern ber kriminalität gegenüber nd) günftiger »erhalten, roas aiiä) anbre 23eobad^ter — fo S)ertillon — betont ^aben. 9)Jit bem gamilienfianbe jufammen^ängenb ift and) bie yjxao^i naä) ber fiegitimität. 2lud^ nad^ bicfer SJic^tung ^in felilt e« an auöreid)enbem aRaterial. ©id^art^^) roeift na^, t>a^ fidb unter ben t)on i^m beobarf)teten Sträflingen 27 % illegitimer Slbf unft be^ fanben, roaö jebenfallö einem ^ö^ern ^rojent entfpric^t, aU in roeld^em fidb in ber ©efamtbeoölferung ^ß^flitime befinDen. (rd wirb ^ier roo^l fein birefter Äaufaljufammen^ang angenommen werben fönnen, fonbern ein inDirefter, nämlid^ bie geringere Sorg- falt für bie erjie^ung. ©ic^art ^at feine Unterfu^ung auf Den Umftanb auögebel)nt, ob bie 33erbred^er non i^ren Gltern erjogen ronröen unb meldte« bie fittUd^e Sefd^affen^eit ber Gltern mar. 3n erfterer Öejie^ung fanb er, Dafe burd^f^nittlid^ 16% nic^t ber elterlid^en Grjiel)ung teill^aftig mürben; in leftterer öesiebung fanD er, bafe bei 43,?^ bie Rttlidie öefc^affen^eit ber ©Itern eine un^ günfiige mar, unter ben wegen Sittlic^feitöüerbrcd^en SJerurteilten bei bl,s%. ©d rourbe aud^ barauf ^ingeroiefen ~ fo oon Joauffon- üille, Stouffet ufm. — , bafe bie Illegitimität, bie fd^lecbte &- jie^ung, bie UuRttlid^feit ber eitern namentlid^ auf bie 9)JäDd)en fe^r fc^äblid^ einroirfen, me^r alö auf bie Änaben. Gnblid) ^oben bie Seobad^tungen Sic^artd einige intereffante iTaten binfidiili* ber J^ererbung ergeben, er fanb, bafe oon je 100 ju 3"*i?)'i"^ ^Verurteilten 16,2^^ üon trunffüdbtigen eitern abftammten, 6,: oon fold^en, in beren gamilien geiftige Störungen, 4,a, in Denen ©elbftmorb, 1,7, in benen epilepfic uorfamen. !|[l)nlid)e Taun gibt SBinter auf @runb ber erfal^rungen bcreimira Steformatori)'"' '^) über tnbioibucUc ^v^i^torcn bcd Itcrbrcc^cne (Z X). •^) Sßintcr: The Elmira Keformator}'. 3onncnf(^cm, l'on^ün l>i'l- 2Öir eitleren bie obigen Säten nac^ einer IBcfDredjunfl ber (tconomif iHcri*'^ 1R91. II. ob. 3. 308. CTö fei ^ier bemerft, baB Glmira ^efoniiatoni im ,\at)rc 187G gcgrünbet würbe. Ge werben baf)in folrfje 3jtenir teilte gefcbirft, ^'f Ginigc Grgcbnific bcr neueren ^riminalftatifti!. ()47 ?on ben ©efangcneu in ©Imira Sleformatorp ftammtcu 13,?^ von ;Iterii, bic roal^nrinnirt ober epileptifd) roaxew, 38,7 j^ doix ciit- i^icbencii 2::runfenbolben, ll,i^ Don folcftcn, bic eö TDa^rfd^einlid& jaren; 13,o^ ber ©cfaugencn fiattc flar feine (Srjiefiung genoffen. Über ben Ginflufe bes^ Jyamilienflanbeö finben roir im übrigen ucb bei Golajanni unb 3oIi; mand&e gnte 23emerfnng. 60 las anni-0 fommt jn folgenben Slefultaten: 3m allgemeinen übt bie ':f)t einen günftigcn ßinflnfe auö, namentlid; anf bie granen. }er Ginfinfe ber 6f)c ift nicftt gteid^mäfeig gegenüber jebem Säer? reAen; fie fd)ü^t tueniger gegen bie SBerbrec^ien ausgeübt an ber ierfon nnb — „contro o^iii logica supposizioiie" — anc^ )eniger gegen bie Sitttid)feitöüerbred)en. 2^ie ©rflärnng für le^s jreö finbet er in bem Umftanbc, baß üiete Gf)en o^ne Siebe ge« i)loffen werben, ülod^ einge^enber befallt fic^ Solp''*^) mit bem irobfent. 3luc^ er fonftatiert ben günftigen ©influfe beö gamilien^ eben§, betont aber, baft baöfelbe bnrc^auö nid)t als ^^anacee egen \>a^ i'erbred)en betradf)tet werben fonn. ,,6ö gibt eine älrt luffaffung ber 6^e, bie ber :^ibertinage nnb 3)eband)e fe^r na^e^ onnnt." 3)ie ©^e fefet ebenfooiel gnte (Sigenfd^aften ooranö, alö ic mitjuteiten im ftanbe ift. 2lnd^ über t>a^ $}erl)alten ben oer^ c^iebenen 3[}erbred&en gegenüber gibt er intereffante 3Jiitteilungen ; iud^ er meift baranf l)in, hab merfwürbigermeife bie 33ere^elid&ten :nter ben Sittlid)feitöüerbred&ern ftarf oertreten finb. 3tu^ unter en ju frü^ äJerl^eirateten finben fid) oiele 5Berbred^er. Ginge^enbe Jetrac^tnngen mibmct ber 3tutor ferner bem ©influfe ber 2lbnal)me er Öeburtöjiffer auf bie kriminalität, melden er üon oerfd^iebenen Seiten auf ©runb ber fran}öfifd)cn Xattn beleud^tet. XI. J)ie ^Jtepreffion.-») Xxe ^^t)ilofopt)ie beö Strafrec^td f)at grünblid^e Unterfud^ungen ber "Jiatur unD S^oecf ber Strafe angeftellt. Siäir werben ^ier atürlid^ auf bie Stefultate biefer llnterfud)ungen nid^t nä^er ein- el)cn. Gineö unterliegt ja feinem ^^oeifel. 3)fag man bie äk= od) nie beftraft lüaren. Xie Areihciteftrafc lautet auf unbeftimmte 3^it unb ixX> innerhalb bes minimalen fctvafnuiijeö üom Xireftor beftimmt. -') Criniinoloiriii U, 3. ll-j u. f. --) France criniiuelle 3. 227 u. f. ■-•V 3"^ Statiftit beö StrafooU*,uöeö fiehe inöbefonbcre Die cinfc^Iägigcn "ilrs fiten i). i.M5U'ö, '^ennecfeö unt) anderer in t»er Z. 10* 648 ^«^ Dr. SB. gölDcS. red&tigimg unb Seftimmung bcr äicprcffioii rote immer ertlärcn, bie ©efettfc^aft roirb ftetd baö rid^tenbe Scj^rocrt gegen bie reittfij roibrigen ^anblungen ergeben. 3>ie gefellfd^aftlid^e Drbmin^ roirb immer gegen Unorbnung gcfdiüftt werben muffen, ^k rid^terliie gunttion ift eine ber ISoraußfeftungen be§ gefettigen Seifammeii' lebenö. 3)ai& würbe benn aurf) ja aücn Reiten anerfannt. Sclbit bie mi}t^ologifd)e 2luffaffung ber alten SJölfer, welche ben a)icni(^cn ttlö SBoflftredfer ber Sefe^le eines unerbittlid)en gatumö betrachtete, läfet ber Sd^ulb bie Strafe folgen. 2)aö ßj^riftentam ift auf bem ©runbgeDanfen ber ©ntfü^nung bcr ©d^ulb aufgebaut. UnD bocb ift auc^ l)ier roie in ber jübifd^en Steligion bie Sünb^aftigfcit nur eine golge ber ®rbfnnbe, ein 3Bert5eug jur 3ludfü^rung beö gött^ liefen Statfd^luffeö: ©Ott braucht ^ic (2c^ul^, bcn crftcn Äeim, 3um ciüiöcn 5lui5glci(ft für bie Sünbc, Unb flicht bcr (ritcrn ©ünbc TKim 9Cm Minbc unb am ^inbc&ünbc. 3bfcn (Öranl'). Sie Dlepreffion l^at i^re wichtige 2lufgabe in ber 3)Jed^Qm{ beö fojialen ÖebenS, fic fü^rt jur 2Bieberl^erftettung ber geftörten Crbnung, ober jum minbeften jur 3lnerfennung i^rer SebenS^ fatjungen. Cb unb inwiefern btefeö ^kl eneid;t roirb, ob l»ie Strafe jur einbämmung beö ungefeftlic^en Sßittenö fü^rt, Daö ift eine ber fd)roierigften gragen auf bem ©ebiete ber ■Med^töpflege. Cft fd^on rourbe bie 2Birfung ber Strafe geleugnet unb namentlich unter bem (Jinfluffe geroiffer pl)ilofop^ifd&er Strömungen Um: geftaltung beS Straffijftemö gefordert. Unb au6) in neuener 3eit ift ba§ ^errfd^enöe Straffijftem roieber fd^arfer Äritif auö-- gefefet. iUetc unb unter biefen folctie, bie ©elegenljcit Ratten, bie SlUrtungen beö Straffi;ftemö 3«l}i^ic^»t^ l)inburct) ju ftuDieren, geben ber 3ln[id)t 3luöbrucf, bafj bie Strafe feinen ©influf^ bat auf bie 3al)l ber iNerbred)en. iSlan beruft fic^ l)ierbei auch auf geroiffe ftatiftifd^e 3)!omente, roeld)e eine äJerfc^limmerung ber ritt: lid;cn 3^^^^"^^ 5^*9^"/ wie baö i^ortomnuMi geroiffer fcblimmcr i^erbrcd;cn, t)a^ Steigen ber 3ieciDii)ität ufro. 3lnDre roieber forbern befanntlid) eine Umroanblung bed Straffi)ftems, roeil ne bie Urfad)en bcö i^erbred^enö weniger auf eine unfittUd^e :)iicbtung bcö äiUüenö äurücffüljren, alö auf erblid)e Stnlage, auf gefiörte öeiftcöfunitionen, auf fojiale 3uftänbe. S^ie Statiftit vermag bei CSinigc (JröcbniRc tcr neueren Äriminnlftatiftif. 649 bcm Stubium bicfer %vaQt manä)t QaniJjobt 5U rcid&en, namcnt* Ixä) rocnn firf) bereu Beobachtungen auf längere 3^iträume er^ ftreden-*). ^^benfallö erforbert biefe ^xa%t ein eingelieubed Stubium, TOeit fie ben iUngelpunft Der ftrafeuDeu 3ied)tßpf(ege bitbet. Seuor roir nun auf einige jener Xatzn eingeben, roeld^e einen Ginbticf in bie Statiftif ber Strafanroenbung geftatten, mufe I)ier noc^ eine öemerfung üorauögefc^icft werben. 2Bie wir bereitß oben bemerft l)aben, fo fü^rt nur ein 2^eit ber frimineHen SSer^ ^auDtungen ju 3?erurteitungen. ^n biefer ©rfd^einung finb jroei wefentlid^ üerfdiiebene Urfadien ju fonbern. (Sinmat ^ängt näm- lid) felbftüerftänblid^ baö äJerljäUni« ber i^erurteilungen ju ber SJafjo Der 3lnflagen baüon ab, ob ben tefetern roirflid^ eine frimi- neue .oanDlung ju Örunbe liegt. ®o bie§ nic^t ber ^aH ift, ba faiin natürlich aud) feine oerurteilenbe (Sntfd)eibung gefällt werben. Tann nimmt bie ^al)i ber i>er^anDtungen axiä) ab, rotnn ber fubjcftiüc 2^^atbeftanb einer triminellen .'Qanblung nic^t feflgefetjt uierDen tann. i?on biefen ÜDiomenten ganj oerfd^icDen finb aber Dann Die folgenDen Umftänbe. Slbgefelien uon ben jebenfalld feltenen 5^Uen, in loelcben ä5erurteilungen erfolgen, oI)ne bafe wirtlid) eine 2d)ulb vorliegt, ift unbebingt ber ^^Ei häufiger, bafe trot> beä JBorliegenö einer 3cf)ulD feine S?erurteilung erfolgt. 35ie ii>abrfd)einlid)feit einer äJerurteilung ift baö 9{efultat uon 3)J0' iiienten, roeld^e jum 2^eil fonftatiert loerDen fönnen, 5um Xeit aber freilidj jeDer Äonftatierung nd) entsie^en. 2iie äJerurteilung läfet fid) alö Das 'Hefultat einer fteigenben ober fallenbeu SBal^rfd^ein- lid)feitöffala auffaffcn. T^ie ii^al)rfd)einlid)feit ber ^Verurteilung nimmt ju mit ber :^al)l ber günftigcn 3)iomente, Die auf bie i^er- urteilung ßiuflufe baben, fie nimmt bagegen ab mit ber ^al)l ber ungüuftigen 9)Jomente. Xxe 2i?al)rfd)einlic^teit ber ^Verurteilung ift abljängig üon einer rHeibe uon UmftäuDen unb eö Ijat nid)t an i^erfud)en gefehlt, lueldie Diefe Umftänbe im ganjen ober im ein= 5elnen jum (>5egenftanb beö nmtbematifcben ilalfüU 5U nmrf}en uer^ fuditen. So Ijaben |d)ün in Den Dreißiger ^«^Ijren -^luei beDeutenbe ü)iatl)ematifer, (Souruot'-') unb ^|>oiffon"';) über bie i>erurteilungö= -h Ülcr Den ^Jiiiticn r»cr Hriniinnlftatiftif für Die 3tMfrecf)tevrari6, fiel)e Öennccf e: ^^emcrfungcn ;ur Hriniinalftatinif De« (^rüiJlKr;oiUin»6 .-öeffen ic. (Z.X.) -■') .H*''m«>ir.; .sur 1«.'^ sqiplu'ari'ms des Ju^^rmonts «mi inatit^e criminelle. ^Jariö 1.S.J7. G50 ^'fof. Dr. ». gölbc«. TDal^r)c^ciiiIid^teit abgcl^anbelt. 9liic^ Scrtranb-') betianbclt in feinem SBerte biefelbe %xaQt. SJanu (Logic of cliance) roenbet bie SBa^rfd^einUd^feitöred^mmg auf bie grage bcr 3c"9c»ö"*lö9e QU, eineu ©egeuftaub, bcr awä) bie Stufmerffamteit 33entl)Qmft auf fid^ geleuft ^at. 3lucl^ 2:arbe ge^t auf bie Unterfucbung beö ©egeuftanbeö nä^er ein. SBir werben unö ^ier mit Mejer grage nic^t nä^er befc^äftigen. 9hir einige ber 3)J(nnente rooUen mir furj ^erüor^eben, metd)e auf ben ®rab ber 35Ja^rfc^ein(i(bfeit ber SJerurteilungen ©influfe ^aben. 3^* biefen 3)tomenten geliört üor allem auf Seite ber frimineHen ^anblung bie Öröfee be« ajerbred&end unb bamit jufammen^ängenb bie ©röfee ber Strafe. 3e größer bad SJerbred^en unb bamit bie Strafe, befto größer roirb mo^t einerfeitö bie 2lnftrengung ber 5Hec^töorgane fein, ben 2^^atbeftanb aufjuflären, befto größer wirb aber aud) anberfeitö baö 33eftreben ber äJerbred&er fein, bie Älarftettung ju erfd&roeren, befto l)artnädiger merDen fie im iieugnen beharren, ^t geringer baö ä?erbred^en unb bamit bie Strafe, befto geringer roirD Die ans ftrenguug ber 9ied^töorgane fein, befto leid)ter mirb aber ber tor^ bred&er feine X^at eingeftel^en. 3tud) bie ^Beteiligung mehrerer an einem äJerbred^en mirb einen mobifijierenben ©influfe ausüben. ©d bebarf nid)t ber Grmäl^nung, bafe bie Äonftaticrung bcö i^er- bred^enß unb ber Srfjulb ücrfc^iebenen Scöroierigteiten begegnet, je imd^ ber 3trt bed aSerbred)enö. 3luc^ bie 'Jiebenumftänbe fuiD Don ©influfe: Drt unb ^nt beö SJerbredbend geftalten bie ii^abr- fd^einlidbfeit ber (Sntbecfung unb Sierurteilung oerfd)ieöen. Tann fommt bie gunttion beö ©eric^teö. i^or allem fann n)ot)l getagt werben, baß moljl l)ier mieber eine 3ieif)e uon Umftänben in ^t- trad)t fommt, bereu einige gerabeju j\u ben 3"ipo"öerabilien ge« I)ören. 2)er SHic^ter mirb t>tn älngeftagten ücrurteilen, roenn er in genügenber Sl^eife bauon überseugt ift, M\^ berfelbe Daö i^er^ brechen begangen l;at. älUe uiele UmftänDe neljmen aber Daran? (Sinfluß! „Rieii de plus variable — fagt mit 9ied)t 2:arbe — que le degre de foi d'oii depend la condamuabilite des geiis." Sfamentlid) jmei a)tomcnte tommen ^ier in ä^etradit: Übcrseugung unb (Sntfd^Iufe. äiUe perid)ieben geftalten fid) Diefo l'fi üerfdjiebenen :;^nbiüibuen. 3^ie relatiue ©eftattung beiber gattoren fül)rt nur bann ju annäljcrnb gteid;en 9lefuttaten, menn in Dem -') Calcul des prubabilites. isaris 18N9. (Sinigc Gröcbniffc bcr neueren SCriminalftatiftif. 651 einen ^aüt baö jur Übcrjcugung crforberlic^c &twid)t bcr Scrocifc mit einem rafc^crn refp. Iciditern (gntfc^iufe in bcm einen 3inbi' DiDuuni jufammentriftt, n)äl)renb bei einem anDern Snbiüibuum ber (Sntfc^lufe jc^roerer gefaxt wirb, aber an bie ^eroeiögrünbe ge^ ringcrc 2lnforbeningen geftetlt roerben. 3)ann ift natürtü bie Cualififation Der 9{id)ter ein fd^roerroiegenbeö 9)Joment. 3e ge^ ringet bie jQualififation Der Stid&ter, befto feltener barf eine SJer* urteilnng erfolgen, ba befto leidster Ungered^tigfeiten begangen roerben fönnen. 3e mt\)x bagegen bie Jlid^ter i^rer älnfgabe ges road))en finb, befto größer barf bie 3^1)1 ber äJerurteilungen fein, roeil :3rrtnm feltener üorfommt. 2ludö \)kx mad)t firf) bann nod^^ maU bie ©röfee ber Strafe geltenb. 3e fd^roerer bie ©träfe, befto feltener barf eine SSernrteilnng erfolgen, befto größer mnfe bie Si>a^rfd)einlic^feit fein, bamit ein 33erbift erfolge; je geringer ba^ gegen bie Strafe, befto geringer tann ber ®rab ber SBa^rfc^ein? lid)feit fein, roeil bie geringere ^af)l ber greifpred^nngen bnrd^ bie a){ilDe ber Strafe aufgewogen roirb. 2)ie SBernrteilungöroa^r- fc^cinlid^feit roirb aud^ nod^ oon ber ^äufigfeit eine« 33erbred^enö bceinfinfet. i^ei tjäufiger oorfommenben SJerbred&en ift fd)on ein gerinvU'rer Örab ber 2lsa^rfc^einlid)fcit genügenb, bei feltener üor^ fomnienben ift ein l^ö^erer örab notroenbig. äJerbred^en, bie einen epibemifc^en G^arafter annel)men, muffen ftrenger verfolgt roerben. 3^em ftel)t freilief) bie ßrroägung gegenüber, M^ allgemein üer^ breitete i^erbrecben ein 9{efultat fojialer Sd[)äben ju fein pflegen iinb barum bie i>erantroortlid)feit beö ^nbiüibnnmö abnimmt. Sind) roerben fold)e uom ^^nblifum nad)fid)tiger beurteilt, roedl^alb bie ^i5erfd)ulbung eine geringere ift. Xk Verurteilung ift, roie oben fc^on flüd^tig bemerft, aud) ein ätefultat ber 3"fö"i"iß"fc6ung beö (>Jerid)tö; bie 3^^)' ^^r Süc^ter, bad (Srforberniö ber relativen, abfoluten ober 3^^^ibrittelmajorität, M^ 33eroei§üerfa^ren ufro., alle biefe Umftänbe bceinfluffen biefelbe. ßnblid) fei nod) baran erinnert, M\] aud) bie öffentlidöen S^Mtänbe einen (Sinfluft aus- üben; je normaler fid) bicfelben geftatten, befto roeniger bebarf bie 3lufrcd)tl)altung Der öffentlid^en Orbnung ber häufigen Slnroenbung iron Strafen. 3iuö biefer ffijjenljaften Sarftellung jcigt fid), roie fomplisiert bie Jvrage non ber ii>a^rfd)einlid)feit ber i5erurteilung ift. Sie gel)ört jebenfallö ^n ben fdiroierigften, auf roeld)e bie S^ljeorie ber 4L^at)rfd)einlid)feit6rcd)^ung 'Jlnroenbung gefunben ^at. 652 ¥^0^. Dr. «. göIDc«. 35a« criic SKoment, ba« bejüglid^ ber SHcprefRon in Setroit fomtnt, ift Daß aScr^ältni« bcr auf SJcrurteihmg lautenben gnt-- fc^eibungen ju ben Gntfd^eibungeii überhaupt. @ö getDä^rt bied einen üielfadö«» ©nblicf in ben 3Ked^aniömuö bcr Strafüerfolgung. 3" 2^cutfc^tanb beträgt bcr ^rojcntfaß ber Söcrurteilungcn 511 Den (Sntf (Reibungen überhaupt 84,5^, roä^rcnb bic ^al)l bcr jvret fprcd^ungen 15,5 % beträgt. Qntcreffant finb bie großen SScrfd^ieDen: l)eitcn, bie firf) ^ier nad^ bcr 2lrt ber ftrafbaren ^anbhmgcn jeigen. 3lm I)ö4)flcn geftaltet fid^ baö SJer^ältnid ber 5Jerurteiluugeu bei fotgenben ^anbtungen: ©d^roerer 2)icbfta^t, einfacher Santermi, Sßiberftanb gegen bie ©taatögcroalt — über 90^;^ ber Gntfd^eibungen; am geringftcn ift ba« ^^ercent ber aSerurtcilungcn bei SBud^er (188'S: 45^, 1887: 26,6^), 3)leineib(lS88: 61,1^), fa^rläffigcr falfier ©ib (65,6^) ufu). 3m allgemeinen beträgt baö äJerbältnis Der $yerurtcitungcn (1888) bei SBcrbred^en unD 3Scrge^en gegen Staat, öffent= li(fte Drbnung unb Siciigion 88,7% gegen öa§ aSermögen 85,i „ im 3(mte 85,o„ gegen bie ^erfon 80,s,, %u6) nai) Cberlanbesgerid^töbcjirfen seigen nd) manche i^er- fd^iebent)citen, bic aber im ganjcn nid^t er^eblid^ finb. 2)aS ü)Jarinnim ber l^crurtl)eilungen repräfenticrt Dlbenbnrg (1888: 89,9?»), Dad SOJinimum S^amm (1888: 79,2^). 1)cutfd^lanb jcigt im aQgcmeinen ein ^o^eö ä>erl)ättnis Der ^Verurteilungen. Soweit ^icr äJcrglcid^c mit anbcrn Staaten üatt: I)aft finb, foU \)itx erwähnt lüerben, bafe in granfreic^ im Jurfr frf)nitt bas 5Bcrl)ältnid ber SJcrurtcilungcn 80% beträgt; bcr ofnjielie i^cric^t bemerft, bafe bie 3un; im allgemeinen geneigt ift, bei 4>eri bred)cn gegen bic ^>erfon häufiger freijufpredöen, alö bei i^erbredjen gegen Dad ^Vermögen: boc^i \)at bcr Untcrfdjiicb abgenommen. %m ^äufigften finb grcifprec^ungen bei 3Jerbrcd)en gegen bic öffontlidje Crbnung. 3» Cfterreid^ beträgt ba« S?cr^ältnid Der ^Berurieitungcn Si)% ber rcd)töfräftig 3lngctlagten; bei htn Sdjirourgcricbten ift jebod) Daö isert)ältniö um ttvoa \0% geringer. 3" Italien beträgt bie ^aW Der JBerurteilungcn bei öen oor \iz\\ Sc6n)urgerid)tcn ab= ge()anDelten Straffällen !{)% (1888: 71,71), bodj) unft Diefelbc in mand)cn "iJJrooinäen auf 60, früher fetbft 45! 3m aUgcmcineii uuir in ben legten 3a^rcn eine 3tbnal)mc bemerflic^. Über Die 'i^er= • Ginige ßröcbnifjc Der neueren Äriniinalftatiftif. 653 fd^iebenl^eit naä) einjelnen 3)e(ifteu fei folgenbed l^etDorgel^oben: 2lm I)5c^ftcn ift bic 3^^! bcr 3Scrurtcitungcn bei einem 2:eite ber SSer^ brechen gegen bie ^erfon, bei ©ittKcbfeitßüerbred^en unb bei Siebs fia^I ; gering bei 33erbred^en gegen bie öffenttid)e Drbnnng unb bei ^^Jrefeüerge^en. 3n Ungarn beträgt bie ^a^l ber 33erurteUungen 60 — 70 X t^^r in ainflageftanb aSerfefetcn. Überbtiden wir bie roic^tigften Slefultate, roeld^e bie ©tatiftit beö Straf oerfa^renö barbietet, fo gcroinnen wir ^iefür folgenbe Saaten. SBa« üorerft 2)eutfd^lanb betrifft, fo fanben bie einjelnen ©trafarten folgenbe änroenbung (1888): ^obeöftrafe 0,oi ^ 3ud)tt)au«ftrafe 3,oo ,, (Sefängniöftrafc 63,3i „ geflungö^aft 0,o3„ §aft 0,30,, ©elbftrafe 31,92,, 3>ern)eid 1,34 „ ^^^rojentfat} ber äJerurteiltcn, gegen welche er- fannt ift auf: 3Jerluft ber bürgert. ©l)renrecbte 4,7i „ 3uläffigfeit üon ^ßolijeiauffid^t 1,ki„ 3lu« ber üergleirf^enben ©tatiftit ber frühem ^a\)xt ergibt fic^ eine allmähliche 93erfd^iebung ber ^rojentfäge ju ©unften ber leidsten Strafarten; ber 3tnteit ber S^obeöftrafe unb ber ©efängniöftrafe finft, ber ber ©elbftrafe fteigt. ^'^) 3Iucb bie Slnwenbung ber Sieben^ ftrafen nimmt üon ^a^r ju 3al^r ab, (Sin befonberö auffoUenbed gattum ift bie äJerfc^ieben^eit in ber änroenbung üerfcbiebener ©trafarten in ben einjelnen Ober^ lanbeögericbtöbejirfen. So rourbc j. S. üon je 100 ikrurteilten JU 3ii^t^ouö verurteilt l,m% im Dberlanbeögerid^töbejirfe 3^üei- brfirfen, bagegen 4,92^ im Dberlanbeögerid^töbcjirfe ^Breslau, ferner waren (1888) üon je 100 ju 3"^t^öu« SBerurteilten im Dber= lanDeögericbtSbejirfe Äolmar 2\,m% ju 5 unb metjr l^atjren üer^ urteilt, bagegen im Cberlanbeögeriditöbejirfe 35armftabt nur ^^%, ^a$ finb jebenfalls auffallenbe XJerfcbiebenljeiten, bic fid) nod^ oer- me^ren ließen. 2)iefe SJerf (Rieben Reiten roerDen in erfter Steige auf -») Xadfelbe bemerft für Sac^fenÄarl ööt)mert: Xic fäc^fifd^e ilriminalität ufio. (Seitfd^rift Dee fäc^fifc^en ftatiftifdjen öureau«, lb89, III. unb IV.s^cft, @.2Ül.) 654 ?Jrof. Dr. ». gölbc«. bie SSerfd^icbcnl^cit ber begangenen SBerbre(j^cn jurüdjuftt()ren fein; e§ ift aber tauni ja bcjrocifeln, bafe aud^ bie Derfd^iebene 3lniDenDung be§ ©trafmafeeö ^ier mit im Spiele ift. Sejüglid^ ber einjelnen ©traffiufen jeigt fic^ folgenbeö: ^on je 100 }u 3»<ä[)^^ö"^ ^Berurteilten roaren oernrteilt (1888) ju 5 unb me^r ^a^ren 13,4?^ 2 bis weniger als 5 . . 43/2o „ „ weniger al« 2. . . 43,33 „ 3}on je 100 ju ©efängniö äJerurteilten waren oerarteilt ju 2 unb mel^r 3<^l)i^^» • • • ^A^% „ 1 bid unter 2 ^a^ren . . 3,38,, 3 bi§ unter 12 aKonaten . . 16,96,, weniger a[ö 3 a)Jonaten . . . 78,48,, gaffen wir bie uerfd^iebenen 9trten ber greil^eitöftrafe jufammen, fo gewinnen wir folgenbcö Slefultat: SSon je 100 überhaupt 5?ep urteilten warben üerarteilt ju 5 unb mel)r 3al)ren 3u^t^öiiö • • 0,4i % „ 2 bis unter 5 Sauren 3»^t^^uö . . 1,34 „ „ weniger alö 2 3a^ren 3"^^()ö"5 . . 1,34 „ ,f 2 unb met)r 3al)ren ©efängniö . . 0,74 „ „ 1 bis unter 2 ^al^ren ©efängniö . . 2,i4 „ „ 3 bis unter 12 9)lonaten ©efängnis . 10,74 „ „ weniger als 3 aWonaten ©efängnis . 49,09 „ „ geftungs^aft 0,03 „ ,/ «oft 0,3(> „ 2Bir fe^en hieraus, bafe bie l)öd^ften ©trafen in einer Der- fc^winbenb geringen 3^^' ^^"^ %^^^ jw^ änwenbang tommen, fo bafe t)on ber ©cfamtmaffe ber SJerarteilten taam ^% — Die 2:obeSftrafe l^injagererfinet — eine Srf^alb ja büfeen ^at, welche Die ftrengfte Stepreffion nad^ fid^ jie^t. a)tit SiüdEfid^t auf Die jeitlidie äJeränberang ber einjelnen Strafftufen jeigt fid^ im allgemeinen, baß bie l)öl)ern Strafftufen auf iloften ber nieDern junelimen.'-'^l „6s ift nid()t aaSgefd)loffen, bafe biefe 6rfd)einang mit ber bei Den abarteileuDen (äeric^ten 5)jla6 greifenben ftberjeagung üon Der SiUrfungStofigfeit allju furjer grei^eitsftrafen im 3"1ö"^"^^"^^"9 fte^t. 2öäre barin bcr@runb ju erblidfen, fo würbe bie oben fonftatierte aIlmäl)lidS)e 3lbna^me ber 5reil)citSftrafen ju ©unften inSbefonDere -•') 9luc^ für Sadjicn von 55öf)iricrt beobachtet. &n\Qc Grgcbniflc bcr neueren Äriminaipattftil. 655 >er ©clbflrafen t)amit roo^l in 3"f^"^"^^"^ö"9 gebracht iDcrbeu rönnen."^) Sie bur^fc^nittUrfic 3citöaiicr bcr grei^eitöftrafc betrug (1888) 3ei 3u4itt)au6 2 3a^re 7 3Wonate, bei ©efängni« 2 aWonate 5 SCage. 3)a« burc^fd^iüttlid^e ©trafmafe ift feit 1883 für 3u4)t^auö um etwa 1 3Konat, für ©efängni« um etwa 1 Söod&e geftiegen. 3luci^ ^ier ^eigt fid^ eine grofee JJerfc^iebeii^eit nad^ beu eiujelnen Dberlanbeös geric^töbejirfen. Äotmar, 9Jiünd[ien uub Äötn I)aben, wie faft immer. Die t)öd)}tt SDurdifd^uittöbauer ber 3w^t^«u«ftrafeii (gegen 3 3al)re), S^amm uub Äöln bie ^öd^ften ber ©efängniöftrafen (über 3 ÜKonat). Jie 3i»iö^"^^ ber 35urd)fc^nittöbauer ber ^i^ei^eitöftrafen madtit fid^ im allgemeinen bort bemertbar, roo fd^on bisher eine f)'^f)tx^ Strafe Dauer bemerflid^ war. 3)ie Öcfamtjeitbauer ber erfannten 3"^^' l)auö= uub Öefängniöftrafen betrug: 3ud)tt)au* Öcfängnid 3rt^rc 3af)rc 1885 .... 28940 37070 1886 .... 28788 37295 1887 .... 29394 30769 1888 ... . 27948 393G1'*') {^n bem legten 3a^re jeigt fid^ aber eine ftarfe 3lbna^me bei äuc^tljaud, roaö ber geringern ^a\)l ber ^Berurteilten jujufd^reiben ift. äJerfolgen loir ben Umfang Der ftrafred^tlid^en 'Jtepreffion, rocid&e bie einseinen 2)eliftöarten erfahren, fo jeigt fid) fotgenbeö: i^on Den int 3. 1888 erfannten 67 310 Satiren Jrei^eit^ftrafe fielen auf )ie ^Verurteilung wegen Xiebftat)lö 27 077 3al)re, Äörperüerle^ung !1730 3al)re, Derfd^iebene SittUc^teitSbelitte 5098 3a^re. Siefe Delitte nehmen alfo ben größten 2:eil ber auögemeffenen Strafen in Infvrud). Sie Speisenfolge ber Telitte ift in ben tetjten 3^^!^^" mücränbert geblieben. üKur bie Huppetei nimmt iäf)rlid& einen löbcrn ^j>la^ ein. Saö burd^fc^nittlid^e Strafmaß mar bei einseinen Dcliften folgenbes:^^) Saö gegen gefäljrlid^e Äörperüerletjung jur Üln^ •*") Mriminalftatiftif für l»aö M)r ISSS. I. :J7. •"•' ) 2(u6«tl)cin eine gerin^je S^{)[ üon gäUen, in rcelc^cn auf re5en6länrtlicl)cö }uditl)aud erfannt roirö. ^-) 2^iefe öerec^nunt; ift nic^t flan^ ftrenge, einmal, roeil t)ier aud) l»ie ugcnMidjcn Ül'erbrec^er niitfleuililt fint», bei l>enen ^a6 Strafinafe eine 9Jiirt>erung rlcit«et. Dann, weil aud) Die lucc^en 'iNerfudiö iWrurteilten unD nic^t nur 2;t)nter, onDem auc^ ^nftifter unl> 6et)ilfen mit(;e;üt)lt finD. 656 ¥rof. Dr. ö. 5ölbc8. rocnbung gebrad^te StrafmaS betrug (1888) 82 S^age. S)ic burd^ fd^nittlic^c Sauer ift ein loenig geftiegen. 35agegen würben liQunger ©elbftrafen angeroanbt. Sei einfachem 3)iebfta^t betrug bie bur(6^ fd^nittlic^e 35auer ber ©cfängnififtrafe 26 S^age. Sei Unterfcfilagung beträgt bic burd^fd^nitttid^e 3)auer ber ertannten ©efängniöftraf« 36 Xa^t; fie ift in ben legten Sauren geftiegen. Gbcnfo bei betrug: bie burc^fd^nittlid^e S)auer betrug 50 2^age. 5lac^ ben einjelnen @erid^tdbe}irfen laffen fic^ aud^ ^ier groge Unterfc^iebe beobachten, gür bie ©ittlid&teitöDerbred^en bieten uns bie 3)aten folgenDe In- ^altöpunfte: ©ö betrug (1888) bie burc^fc^nitttid^e 3^itöaucr Der erfannten 3ud)tt)audftrafc öefängnieftra»« bei Slutfd&anbe 2 3a^re 160 Sage 194 Jage Unjuc^t mit ©eroatt, an Äinbern, 3Zotjud)t ufro 2 „ 298 „ 305 „ SBibernatürlid^e Unjudjit ... — 137 ,, Kuppelei 1 „ 146 ,, 91) „ ä?on je 100 Verurteilten rourbeu üerurteitt ju zeitiger 3"d)tt)auSftrafc ©cfängniäftraff Slutfc^anbe 26,oo 73;>^ Unjurf^t 33,71 66a^ SBibernatürlic^e Unjuc^t. ... — 99,72 Äuppelei 5,43 94,57 33ei ben 2^obedüerbrec^en betrug baä Straf auömafe: a)Jorb 10 3al)re 238 Sage 3103 löge Sotfc^lag 7 ,, 299 „ 1066 „ Äinbeömorb 4 „ 122 ,, 982 „ äbtreibung 3 „ Ib „ 203 „ 3ntereffante 3lufflärungen bietet awi^ bie Unterfudjung fiber bie 2lnn)enbung ber Straf majima, roorüber wir aber in Den ftatiftifd^en SBerfen nur wenig 2lufflärung finben. ©inigc Sln^alt^ punftc bieten folgenbe 2)aten. SJon je 100 im 3a^re 1888 i'er- urleilten würben oerurteitt 5u 5 unb me^r 3al)ren 3wd^tl^au6: bei ^J)Jorb 50,53 % 2^ot|d)lag 43,5» „ Öranbftiftung .... 23,:i3 „ Unterfdilagung .... 17,i3 „ Sd^were Mörperüerlcljung 16,:w „ Ginige Gröcbniffc bcr neueren 5lriminalftatiftif. 657 a)icilicib 9,79 % Äiiibc^morb .... 8,72 ,, Unjud)t 5,18 ,, iifm. 6in uäl^crcö ©inge^en auf bic SJcfuUatc ber ©trafüofljügc in beu t)crfcl()icbcncn fiäiibcrn ift tocgcn bcr großen Sd^roicrigfcit ber S5crglci(^img pon geringem Selang. ©iuige Säten fotten ^ier iiic^töbeftoroeniger ber Grgäujung roegen ^laß finben. ©0 warben in Cfterreid^ üerurteilt (1887) roegen SBerbrerf^en: bis 3 a)lonate Äerterftrafe ... 47 5^ o 12 ff ff ... o7 ff Über 1 3^^^ »» . . . 16 ,, 3n Ungarn warben üerarteilt üon ben ©erid^ten I. Snftanj roegen 3Serbrecl()en anb SJerge^en (1888): Xobeöftrafe . . 0,04^ 3a($t^aaö . . 12,56 ,, ©efängnid . . 84,i7 ,, Qelbftrafe . . 3/2b „ äöerben aber (kwi^ bie üor ben Sejirtögerid^ten üer^anbetten gätle ^injugejogen, fo änbert fid^ baß äJert)ältniö roefentlic^. ^ier neigt ndmlic^ \i(3A ^^erjent ber ©elbftrafe aaf na^e 40, baö ber Qcfängniöftrafen beträgt 60 %, 9Kit ^injared^nung bicfer ^^äUe örüdt fid^ ^oA a>er^ältni§ ber 3"*t^<^»ßfti^öfen auf etroa 4 %, baö ber ©efängniöftrafe aaf ^l^^%Yo, roä^rcnb bie ©elbftrafen naf)e5a 30 % aaömacften. 3n granfreid) finb im allgemeinen fd()roerere Strafen in Sin« roenbang. 3Jadb bem 2)arc^fd^nitt ber 3a^re 1881 --85 roarben oon ben 8c^rourgerid)ten üerarteilt etroa D % ja Jy^ei^eitsftrafen unter einem S^ll^e, ber größere 2^eil alfo ja fc^roercrn Strafen, barunter 4^ ja lebenötänglid)er 3i^öngöarbeit, 3^ ja 3^^ö"9Ö' Qrbeit üon 20 anb me^r :3fl^i^^" iifi^- 3» 3^ö'i^" roarben üon ben Sc^roargerid^ten folgenbe Strafen üer^ängt (1888): 2^obeöftrafe 1/24 %, lebenölänglid&e greil)eitöftrafe 4,7i %, ja fonftiger ^reitieitö^ ftrttfe 85,3«^, ©elbftrafe 0,2s ^ ufro. Gine Searteilang ber Strafmaße ift natürlid) nar mit äkrädfid)tigang bcö (S[)ara!terö ber Hriminalität anb ber begangenen 9ied;tdroibrigfeiten in \it\\ einjelnen Säubern üon ©rfolg, roie roir bieß oben teilroeife für Seutfc^lanb üerfud)t ^aben. Gö foHen I)ier nod) einige Semcrtuugen über bie Xobeöftrafe beigefügt roerben. 3» älnroeuDuug ber ;£obesftrafe finben roir in 658 ¥^of. Dr. ö. gölbc«. bcn cinjctucn Sänbcrn große Unterfd^icbc. ©o werben im Surd^- fc^nitt iä^rlid^ 2:obeöurteile gefällt in: ^eutfd)lanb (1885^1888) . . . 57—58 Cfterreid) (1882—1886) . . . 91-92 Ungarn (1884—1888) . . . . 18—19 Italien (1884—1888) .... 74—75 ^ranfreid^ (1871—1880) . . . 27—28 Sie ^ier erfid^tlidien Unterfd^iebe finb jebenfaHö jum großen 3::eil aurf) anf bic üerfd)icbenc änroenbung ber Strafnüttel, juin 2^eil and) anf bie oerfc^icbene ^änfigteit ber fc^roerften iNerbrec^en }nrncfjnfnl)rcn. 3n i^fterreid^ \)at j. ö. feit 6infnl)rnng ber Sc^mnrgerid^te (1874) bie 3ö()l ber gefällten 2:obeSurteile bcbeiitcnD angenommen. 3)ieö mirb in ber $anptfad)e bem Umftanbc ^«9^- fd^rieben, bafe bie ©efc^toorenen nnr nad^ il)rer and gcraiffenbaiter ^^Jrüfnng aller Seroeiömittet gewonnenen Überjengnng cntjdieiben, mä^renö bie üor 6infül;rung ber ©efc^roorenengerid^te fnngicrenDcn 3JidS)terfolIegien bei i^ren ©ntfd^eibnngen an bie gefe^Hd^en 23en)eiö; mittet ber Strafprojefeorönnng gebnnben waren ^'^). ftbrigenö ift ,^u bemerfen, bafe bie 2'obe«nrteilc nur gan,^ feiten anögefnl^rt xoMtii Über bie ©eftaltung ber 2^obeöurteile im SBerlaufe eines langem 3eitranm« bietet bie franjöfifd^e Statiftif }al)lreid^e Säten, ^w^ gefamt ronrben in Jyrantreid^ oon 1833—1880 1775 ^^ierfonen ^um Xobe verurteilt unb jroar: 1833—1840 42« 1841-1850 485 1851—1860 499 1861—1870 193 1871—1880 272 3|m 3a^räel)nt 1871—1880 ift bemnac^ bie 3al)l ber xom- urteile geftiegen. aSon ben gefamten ä?ernrteilten ^aben ficb 6iy% beö 3)lorbö fd^nlbig gemad&t. i^on t>tn Urteilen mürben 60 ?i» t)oll5ogen. 3n neuerer Qüt wirb baß Segnabignngörec^t oiel häufiger angemanbt alö früljer. ©egen grauen mirb t>a^ iJoDee^ urteil überliaupt feiten üoUjogen. Slud^ in ßnglanb werben an- geblich ()0— 70^ ber 2^obednrteile ooUjogen. 3n Ungarn H- gegen mürben in ben legten 3^^ren etroa 20% ber xobeöurteile ooUäogen. 3n Italien mürbe ^a\)xt ^inburc^ i'iberl^aupt fein M\ iv ) GtgcbuifK l>cr atrnfrcc^tdpflcQC 2c. im 3a^r 1887. SBicn 18Ja, 3. XXIIi. @inigc (Srgebntffc Der neueren Kriminalftatiftif. G59 3:obcdurtcil üoUftrcdt. 3luc^ in Cftcrreid) wirb nur ein geringer 3^cil ber 2^obcöurtcile ejefutiert; fo im 3al^re 1887 üon 77 nur 5. ißon ben gcfamten im ß^it^^^i^^^ ^o" 1874 (ßinfü^rung ber Sc^rourgeric^tc) bis 1887 jum 2:obe SJeriirteilten 1343 3SerbredS)ern ^aben nur G6 bie 2:obcöftrafe erlitten. ©in intereffanted 3Koment jur Beurteilung biefer ©trafart bilbet aud) ber Ginbrud, ben bie ©i*efution beö 2:obeöurteilö auds öbt. So roeift ßuenoub^*) nacli, bafe in ®enf unter 177 jum 2:obc äiierurtciUen nur 3 waren, bie nic^t bei Joinric^lungen ju^ gegen geroefen. ©in englifd^er 33eid)tiger erjä^lt, ba§ üon 167 5perfonen, bie er jum ©algen gefftl^rt, IGl ^inrid^tungen bei- gemo^nt ^aben. 3n ben legten 3^^^^^» würbe namentlid^ bie Älage fiber bie JRilbe ber Strafanroenbung häufig erhoben. So Reifet cß im 33erid)tc bed franjöfifd^en ^^ftijininifterä (La justice en France S. LXXXIX) bejüglid) ber furjen greilieitöftrafen: „Les peines de courte duree ne sont pas favorablos a ramendemeiit des coupables". 3lo^ ungünftiger ift bie Stimmung im Serid^te für baö [^a^x 1885: „Les couii:es peines n'ont aucun caractere intinndant et iiuisent plutot (pielles ne servent a ramende- ment''. Sefonberö roicfttig ^ält ber franjöfifdie S3erid&t bie gr()f3ere Strenge mit Siüdfid^t auf bie Slecibioität: „Plus la detention est longue, nioins la recidive est freciuente" (©. XXXI). Sefannt ift bie äufeerung beö preuftifd)en ^in'ti.^ninifterö Xfeonl)arbt, ber gleid^follö bie übergrofte 9)Jilbe unb .'pumanität tabelte. 3n bcm= felben Sinne äußert ficb eine Steibe dou Sd)rif tiMern : Cttiugeu, fiiöjt, Sennede, 3Ili"9/ ©arofalo ufro. "Sloi^ fdftroerroiegenber unb in i^rer poRtiDcn Sered)tigung )urd) 5a^lreid)e 2^l)atfac^en beroicien, finb Me )i?orn)ürfc, meldte jegenfibcr bem ^errfc^enben ©efdngniölijftem^"^) erl)oben werben; es **) Stati.stiqne g<*nerale des crimes et 'i). •*■'') ^Ur wollen bier nur an cini(^e 5lutorcn erinnern, tic firf) in ben li^Un Sauren über bicfe luic^tii^c Sra^e auej^efproc^cn hab^n. 3Satentini dlt baS (gegenwärtige Öefängnief^ftem gerabe.^u für einen 5aftor bee ^cr« recöen« unb beroeift btee an ber i^anb bor (Erfahrung. Seui fagt: „As it 4. the prison is less a place for refonnation, than tor the contamination f character" (Jonmal of Stat. Soc. ISÖO 3ept. 3. 444.). ^auffonoillc 660 ¥wf. Dr. ö. görbce. unterliegt feinem S^^^U^l/ ^06 biefelben 5U einer Reform brängen, bie mit bem 3^^^^ ^^^ Strafe in entfpred^enbem Giuflang flehen lüirb. 2)aö ®traffi;ftem ift für jebe ©efeüfdiaft dou eminenter 9^ beutung; e§ ift ein wichtiges Wittd jur Grreic^ung ber fojialen 3n)ecfe, namentlid) jur 9tufrcc^ter()altung ber Siec^töorDnung. Jas I)errf4)enDe 6traffi)ftem weift man^e ajfängel auf, ja für Diele in ed eine ber Urfad)en ber begangenen Sled^tötüiörigfeiten.^) ^u rocld)« 9iid)tung ift Die -ülcform 5U fudjen? (Einige mürben ficb einiodj mit einer gröfeern Strenge in ber Seftrafung begnügen. Jod) beDarf eS feiner Seroeife, bafe mit ber Strenge allein nur wenig getl^an ift. 3>ie ©efc^id^te unb ßrfa^rung liefern ^iefür genug Seroeife, roiebies in jmeimid^tigen Sentenzen f(fton3)lonteöquieu"'^) ber in einer eingcl^enben 2)ionoörapfiie (Revue des deiix Mondes 1^ Zt- 5cmber unb 188H Januar) bae franjöfifc^e Öefänfiniöfpftem bebanbclt, ia^t: „Le rt'-gime de v.ea prisons peclie au puint de vue repressif par trois vice? primordiaux, il est mc(»li«'Tent, insuftisaut et iimuoral.- 3lu(§ o^^P crörten eingcfjcnb „rinüueuce quelquetois mortelle de la prison"; au(^ citicrt er einen 3(uefpru(b bcö (iJerid)tef)ofc^ von ^öpurge-s, roelcfter fagt: ,La ivcidive a bleu plus sa cause daus la prison qu'au dehors.** (3. 177 u. 17.S). ^u* (Solajanni erörtert ben fd^äblic^en Ginffuft ber Öefängniffe (11. SJb. 3. ü7*Jk ^) Bax, Etliics of SuciaUsm (.3. 50) äufecrt. fiÄ folgcnbermaBi^n übet bie älUrfung be? gegcmoärtigen 3traffi)fteme. «The failure of ^^riJ^al^i^ed brutality as a corrective to crime has beeu atter actually diminishe^l ou ilit npeal of bnital enaetments bearing on it. Yet. stranare to say. these verr paiieiryrists of modern civilisati(»n aro frcquently the first to cry out f^r detcrrent punishments and lonj^ sentences, and to dilate on the maintenau« (»f prison ^discipline" (the specious euphemism or the inhumanity practise«! in our goals). To convince themselves of the needlessness t»f Mf-i-aUe cantons (notably (reneva), where imprisdnment means little m«»re thaii simple reclusion, and welire they will find that even a bourireois xhietv holils togethor without any of the acts of bnuality and petty tyraiin} dignitietl in most countries by the name of «prison disciidine*. A brutal officialism and red tapeism which pay no attention tu individual rases must of itself breod crime." ^") .,J/oxp«'ricnce a fait remarijuer que, dans les pays. oü les peines »«nt d<»uces. l'esprit du citoyen en est fraiqjc. comme il est d'ailleurs inir It" ©iniöc Grgcbniffc t>cr neueren Kriminalftatiftif. 661 um Sludbrud gcbrad^t f)al 3lnbcrc, bic bic 25erbred^er alö eine int^ropologifdö befonbcre Siaffe betrad&ten, iebeufaHö aber in bcm Serbrec^cr ben „criminel iie"* erbliden, greifen ju ber a)Ja6regeI er JHelegation, um ber (Sefetl)c^aft bie fojiale 3»^tn)al)l unb B(i)i\1i uor 3lngriffen }u fid)crn. (Sine brittc Siid^tung roünfc^t iräuentioe 9)?a6regeln; ni(i^t gegen bie SBirfungen, fonbern gegen •ie Urfad^en muß angefämpft werben. 3^"^ g^ftoren, roeld^e bie Sünbe üerurfad^en, finb ju unterbrürfeu unb burd) fold^e ju er^ e^en, lüelc^ie bie gefe^lid^e ©ntfaltung beß ©efeUfdiaftslebenö ju örbern üermöd^ten. Unleugbar ift bad bie ^auptf ad)e, bie aber üe ülöid^tigfeit jener Seftrebungen nid)t ju minbern oermag, roeld^e )ic jroedmäfeigften 3)la6regeln fud^en, bie gegen ben äJerbrec^er mjuroeuben finb. „The treatinent of criiniuals — fagt mit Hed)t Syarb^"*) — ougbt to be made as iiiuch a scieuco as tlie reatmeiit of diseases. Criines are the diseases of Society. ** äiJir \)abm oben im allgemeinen ber 3)Jeinung 2luöbrud ge- jeben, bafe fid) ein matl)ematifd) genauer 3lußbrud für bie Ärimis lalität nicf)t finben läfet; fofern aber uon ber Statiftit ein fotd)er jeforbert roirb, fo ift berfelbe gemiß am allerbeften auf ©runb ber Berurteilungöjiffer ju geroinnen. So fprec^en mir benn gemife eneu 3}erf)ältni§}a^ten nid)t il;ren t)o^en SBcrt ab, meldte auö iner iJergleid^ung ber Saf)l ber ^Verurteilten }u geroiffen ©runb- ie5iet)ungen beö Staate«, fo ber Jüeoölferung, fic^ ergeben. Sic Jat)l ber '^Verurteilten im J5ergleid)e jur SeüöUerung, namentUd^ em ftrafmünbigen Xeile berfelben, mag einen jiemlic^ brauchbaren Majsftab für bie Äriminalität abgeben. So fommen nad) ber Irimiimtftatiftif Dc§ Xeutfc^en rHeic^ies auf 100 000 ftrafmünbige riumo^ner 105(),i ^Verurteilte (1888). ßbenfo glauben wir audj ener 3ol;l f"^ bie oergleidienbe Statiftil S3ebeutung beilegen ju »ürfen , roeldie bie ä}erbred)enön)al)rf c^einlid^leit jum ÜluöDrud )ringt. (So wäre bieö jene 3iff*-'^/ nicldje bem Clucteletfc^en, 5u DlifeDeutungen füt)reuben, etumö fataliftifd) tlingenben „penchant au :riine'' entfpräd)e; äi^appäuö-^^j glaubt bieö beffcr mit bem äluö= mid „3»gänglid)teit für iserbred)en" j^u bejeid)nen, mäljrenb 2)ro-' rrjunles" (livre VI. chai). Xll. — „lA-spcmes outives peuvent (;oiTomi)re Ic le^iu.ti^iine meme" (livo VI. rhai». Xlll). ■'") Innamiial ««»cioloi^y II. 3. .in,'). •'•') viinltfitunt; in ^il0 3tut)ium ?cr 3tatiftif, 3. 244. ^eitf^rift f. b. ^ef. 3twTu'(^teio. XI. ^J 662 ^^of. Dr. 23. gölbc«. bifd^*^) bcu aiuöbrucf „SJcrlcitbarfeit jum äJcrbrcd^en" beDorjugt jur Sejcicbnung jener S^ff^^/ roetd^e cigcutlid^ ben (3rab Der triminellen ©cfeßiuibrigfeit bcr Seüölterung angiebt. ®ir laffcii unentfd^ieben, ob bieö bie alleruerläfetid^fte 3ö^l iü; jebenfattö ift fie eine tljeoretifd^ unb pra!tifc^ üollfommcu braud^bare unö ftatiftifc^ am fic^crftcn fonftatierbar. ©o finben toir für SDeutfc^Ianö im 3al)rc 1888, bafe bie S^a^rfc^einlid^feit, im Saufe eine« 3^^ Toegen SJerbred^eii ober SBerge^en auf (3ruub dou Steid^ögeic^en üerurtcitt ju roerbcu, für bie ftrafmünöigc SJeüölferung Der 3iffer 0,0105 entfpric^t. XII. 2)ie ftriminatität in ber SBergangen^eit uiiD ©egentoart. 35ie Äriminalität üerfd&iebener S^itperioben ju üergleiAen, ge- I)ört geroife 5u ben allerfd^roierigften aufgaben. !3n ben feltenften gällen ift eö mögtid), für längere S^iträume ganj homogene Jäten ju geroinnen, hieben ben äJeränberungen bed materiellen unD for- mellen Sied^teö**) mac^it auä) bie Umgeftaltung bcr gefamten SebeiiS- oer^ältniffe fonflubcnte SBcrgleid^e unmöglid). S^roßDem wäre iinjre ©tubie uuüollftänbig, roürDen wir ]it abfc^liefeen, ol)ne auf bie in unfern 2^agen fo üielumftrittene %xaQt eine Slntroort ju fud^en, ob bie Äriminalität gegenioärtig in 3"= ober 2lbna^me fic^ befinbet. 3)en banfbarften unb oerrocnbbarften Stoff für eine ä^nli(je Dergleid^enbe Unternehmung bietet bie franjöfifd^e ©tatiftif, welche freilid^ barum feine Sd^lüffe auf anbrc Sauber geftattet. 2o(i wollen wir üorerft üerfud^cn, auf @runb bcr franjöfifc^en Statifiif unö }u orientieren, gür graufreid) l)aben roir ein a)faterial, bae fic^ auf fünfgig ^al)vt erftrectt unb ba bafelbft Die Äriminaljufti} Diel geringere ä>eränberungen erlitt, als in ben meiften großem ©taaten, fo Dürfen wir \i\x^ am allerc^eften biefen 'Jäten aiiüer- trauen. 3m 3al)reöburd)frf)nitt betrug bie 3öl)l ber oor ben Sibmix- gcrid)ten ücr^anbelten gälte: 1831—40 5480 1841-50 5l>25 1851— GO 471G *") Xic moralUcl)c Btatiftif, 3. ^^. 41) r^^^ irinflufe von 'iin^crlml)cn l»c§ Strafrcc^tcö un^ 3trafpro5cfic« an mehreren '-öeifpielen aud) Mird) '^ö liniert beleuchtet. (rinigc Grgebniffe ber neueren Slriminalftatiftil. 663 18(51—70 3546 1871—80 3649 Tie Sa\)l bcr gälle \)at bebcutcnb abgenommen, bod^ ift bie§ ^aupt)äd)(id) ber Slnmeubung bed fogenannten Jlorreftionalifationö^ cerfa^rend jujufd^reiben. Xa aber biefc« SJerfal^ren me^rmaU ge- ftattct roiirbe, jum erften 9)lalc im 3a^rc 1853, fo glauben wir, bag bieö nid^t bie alleinige Urfad^e ber 9lbnal^me fein fann. flbrtgenö seigt fid^ audf) feit bem ^a1)xt 1870 eine 3lbna^me: 1871—75 3853 1876—80 3446 1881—85 3342 2^er Seric^t über ba§ ^a^x 1885 fagt: „Ou ne peiit iiier cjue la grande crimiiialite teud ä döcroitre". ^"^b^fönbere nimmt bie ^at)l ber gegen bie ^^erfon gerid^teten aSerbrec^en (mit Sluös na^me ber ^iJerbredben gegen baö Äinbedalter) ab. ©egenroärtig fontmen weniger 9Rorbe oor, als oor 30 Sauren, obrool^l bie Se^ Dölternng um 2V2 3Kittionen 5ugenommen l)at. 1826 — 30 betrug bie 3a^l bcr 3Korbe 426, 1876—80: 340. 2luc^ bei ben SJer-- bre^en gegen bie öffentlid)e Drbnung jeigt ]ii) eine 3tbnal)me; 1831—35 im jä^rlidien J)urcöfc^niit 276, 1871—80: 17. 3inö- befonDerc ^at bie ^aljl ber politifd^en liJcrbrec^en, refp. a^ergetjen unD ^|>refeüerge^en abgenommen (1831—35: 406, 1876—80: 6). ßine :Ubna^me jeigt fic^ auc^ bei ben 3dlfd)ungdüerbred^en unb feit 1850 bei ben aSranbftiftungcn. dagegen jeigt fid^ eine anfet)nlid^e 3unat)me bei htn i>crbredjen gegen bie ©ittUd^feit, beren ^a^red^ burd^fc^nitt auf baß 2)rcif ad)C gcftiegen ift (1826—30: 305, 1876 bis 1880: 932). (Sine erfd^rerflid^e 3""erbred)en ber :Jiotjud;t a\\ Atinöern; im <3öl)reöburd)fc^nitt 1826—30 136 1871—80 758 3^iefe 3""o^me ift wo\)l jum ;Ceil bem Umftanbe äujufd^reiben, M\] projeffuate äJeränberungen eingetreten finb, roonac^ gegenwärtig l^orau§)e$ung ber Strafbartcit, M^ baö Cpfer 13 ^aljre alt fein muB (üormaU 1 1 3^l)^^0/'j ferner haf^ baö i^erbred^en aud) t)am\ üerfotgt wiro, wenn von 3lfcenöenten ausgeübt, felbft wenn baS Cpfer M^ 13. ^'ebenöjal)r bereitö überfdjritten l)at. dagegen t)at *-■) .Deux (.'au>es «^^(Mienilcs oiit coiitribue i\ la pn.»gi'eüsioii. C'est iVmu; part . relt'vati«»n de 011z»» a trcize ans tle laire que doit avoir la victiuK'- (La justice eu Franci* isjij— ^SO, 8. XI). 664 ?«f- Dr- 33. göIDcd. bie 3)urc^fd)uittöjiffer bcö Icfetcu 3a^rjef)utd bcr Urnftanb ein roeuig gebrüdft, bafe bic Strafücrfolgung im 3ö^tc 1870,71 eine läfUflcre roar. 6iue bcbcutciibe 3""^^'^^^ i^ißt fi^ ^^i^ ^'^i l>^" SBcrbreien gegen Da§ Sebeu beß Äinbeö; roä^renb 1831—35 im 3)urc!^fc^nitt 94 gällc üor bcii ©djrourgerid^ten ücrf)anbclt rourben, beträgt beren 3a^l 1871—80: 200. Siefega^l würbe fogar nod^ fteigen, roenn bei einem Steile baö Horreltionalifationöüerta^ren nic^t angeroeuDet roorben wäre, ©ine Steigerung jeigt ftd^ aud^ bei ber griidit: abtreibung; 1831-35 jä^rlic^ 8, 1876—80: 20. Ser ofRäieUe Seric^t bemerft, bafe biefes aSerbred^en in ben legten ^a^xtn mit fc^amlofer (Sefd^idtlid^Ieit betrieben roirb. Übrigen« gibt auc^ ^ier bie 3ti^l f^i"^ genaue Orientierung ; nid^t nur, rocil ein grofier Jcit ber %aüt nic^t jur Kenntnis ber ©erid^tc fommt, fonbern aud). roeil in üielen gätten, roo nämlid^ bie Slngeflagte bie ©cbnrU- ^elferin ift, ein gatt üiele einjelne SJerbredjcn in iid) fc^ließt. 2luc^ bie 3ö^l '^^^ ^ermögenSoerbred^en ift in 3""^^"^^ ^^'' griffen ; trofebcm \)at bie 3^^' ber üor ben Sd^rourgerid^teii m-- Baubeiten gälle üorbem 75^ ber ©efamtja^l betrogen, gegenroärtig hingegen nur 50^, weil ^auptfäd^Ud^ ^ier bic Äorreltionalifation Slnroenbung finbet. gaffen wir bie gefamten üor ben Sd^rourgerid^ten oerljaiiöelten Jälle jufammen, fo finben roir, bafe üon 100 000 ßinrool^nern 1826—30 22 unter Slnllage ftanbcn, 187()-80 12. S^od) bietet Diefe ^a\)l feinen genauen 3)ia6ftQb, ba, wie nur fef)en, auf Die aibna^mc ba§ Äorreltionalifieren einen großen ©influfe ^atte. 3iiS ben 3)etaild erfef)en roir, bafe einige SJerbrec^en abnahmen, fo gepen bie ^^erfon, gegen bie öffentlid^e Drbnung, bagegen aber eine (in- fe^nlic^e 3una^me eintrat bei ben 3Jerbrec^en gegen bie 3ittlicl)feit unb gegen baö Äinbeöalter. Unb \m\\n mir uns noc^ Der bei Den iKüdffättigen !onftatierten bebeutenben 3ii"ö^me erinnern, fo föniien wir !aum anberö folgern, als bafe bie nuiteria peccans zu- genommen ^at. ßin lel;rrei(^eö Symptom für bie kriminalität bieten befonöerö bie 3^^l^"/ roeld^e fic^ auf jene ©ruppen ber SeDölIerung be5iebeii, bie eine geroiffe frimineUe S^nmunität befifeen. So fal;en loir, dqb im allgemeinen \>a^ roeiblidje ©efd^led^t in meit geringerm iBlait unter ben Criminellen Dorfommt. 2Sie ^aben fid; nun bei Diefen bie i>erl)ältnif)e geftaltet? 3Jon je 100 i'erbrec^ern waren roeib^ ßinigc ©rgcbniffc brc neueren ÄriminaiPatiftif. 665 )cn ©cfd^Icd^tS 1826—30: 19, 1831-40: 17, 1841—50: 16,5, 51—60: 18, 1861—70: 16, 1871—80: 16,5. 2)ic n)eiblid)C imiimlität \)at ba^er ein menig abgenommen, "ilaö) ben SKterd- ffen betrad^tet, finb eö namentlid^ bie in jugenbUd)em 3tlter, bie gan5en günftige SJer^ältnifje jeigcn. ^^ieöbejüglid^ ftnben wir genDe S^\)kn für bie Seoölfernng unter 21 Sauren: 1826—30: . 1831-40: 17, 1841—50: 17, 1851—60: 15,5, 1861—70: . 1871-80: 18. ^ier ^eigt fid^ mit 2luSnal)mc ber ^ai)Xt 20 - 30 eine Meine Steigerung. 9Bie geftaltete fid^ bie kriminalität • gleich) am günftigern Klaffe ber Verheirateten? 3)arauf ant- rten bie folgenben 3al^len: 1836—40: 37, 1841—50: 40, 1851 1860: 41,5, 1861—70: 39,5, 1871—80: 38. $ier jeigt \xd) c geringe 3lbna^me, bie aber aud^ mit ber 2lbna^me ber 3^^'^ iJer^eirateten in Äonnei* fielen fanu. 3Ba« enblid^ bie eüigentere öeoölfernng betrifft, bie gleid^fall« günfligere Ärimi- lität aufroeift, fo j^eigt üc^ folgenbe ©eftaltung; ba« SBer^ältniö • a>erbred^er mit l^öl;erer aSilbung betrug 1826—30: 2, 1831 i 1840: 3, 1841—50: 3, 1851—60: 5, 1861—70: 4,5, 1871 i 80: :V>- <Öicr ift baljer eine geringe Steigerung eingetreten, er baö le^te ^a^rjel^nt jeigt günftigere i^er^ältniffe alö bie poleonifdie !Ära. Xk Daten fdjraanfen, loie rair fel)en, in ju ge^ igem "JOiafee, aU bafe fie einen !onHubenten Seeluft gematteten. ibiix werfen no6) einen Slicf auf bie SJerge^en. ^m 3)urd^5 nitt betrug bie jä^rlid^e 3ö^l ber üor ben Tribuiiaux cor- ctioniiux üerljanbelten JäUe: 1831-40 138839 1861—70 181473 1871—80 161 387 1881—85 180806 3m lefeten 3al)r5el)nt 1871-80 l)at bie 3a^l ber ä5erge^en genommen, bocf) ift fie üiel bebeutenber, aU üor fünfjig 3al)ren. od) bebürfen öiefe 3^^^^" "od^ näbercr CSrflärung. 33or allem ju bemerfen, t>afi in bicfer ^aljl bie %ox\U unb ginanjoergel)en begriffen finb. &>aö bie erften betrifft, fo famen fie am JInfang r '^^erioDe uiet häufiger t)or, namentlid^ in J^^lge ber Neuerung n 1830 unb 1831 (1831: 112 858 äl^alöfreoel!) i^ei ben ginanj^ rgeben flieg bie ^aU namentlid) in go'flc '^^^ Grljöl;ung ber ctränteftenern. I^agegeu t)aben bie gegen baö ^Noftregal aud= übten StempelT)ergel;en um S% abgenommen, i^on biefen \in\> 666 *^of- Dr. «. göID««. einigen auf fpcjtellen ©efeften beruldenben unb i^rer 9latur imd^ nid^t redbtöoerleftenben SSergeldcn abgcfe^cn, betrug Der jäl^rlic^ 3)urd^fd^nitt ber SSerge^en: 1831-40 53 503 1861—70 118 391 1871—80 139 323 1881—85 160567 3)ie S^\)l ber geroö^iilid^en 3Serge^en jeigt bemnac^ eine am fe^ulid^e Steigerung. SJon ben einjelnen 3}erge^en jeigen in^ befonbere Steigerung bie gegen ben Staat unb bie öffentliche CrD- nung, bie gegen bie Sittlid^feit, ferner, voenn a\\^ in geringerm ©rabe, bie gegen ba« 3Sermögen, roä^renb bie gegen bie ^^Jerjon unb baö Äinbeöalter 3lbna^me jeigen. Sie Steigerung ber 3Jer: gelten gegen Staat unb Dbrigleit ^ängt jebenfalls mit ber 3lbna^me ber 3lc^tung oor ber öffentlid^en 3lutorität ab („il est indeuiable que leur progression iiiiiiten-ompue acciise uii amindrissement de respect pour le principe d'autorite"). (Sine Steigerung jeigt jtc^ bei Bettelei unb SJagabonbage, roas ben Ärifenjuftänöen ju- gefd)rieben wirb; jum 2^eil aber refleltieren üä) in Diefen 3ö^1^" bie neuern ©efefee, fo gegen bie Slrunffuc^t, ferner SBirlung bet beffern -ipolijeiorganifation ufro; 1871 — 72 waren oiele i^erur^ teilungen wegen Ufurpation amtlid^er gunftion refp. S^ragoii von Uniformen. 3)ie Säerge^en gegen Die ^^erfon finb im allgemeinen in abnähme begriffen, aber bei ben Äörperoerlefeungen jeigt iid) eine 3i"^ö^^"ß- 2)ie 3Serge^en gegen baö ÄinbeSalter baben ab- genommen, namentlid) infolge jener aSerorbnungen, meld&e in Den legten Sauren jum Schüfe ber üerlaffenen unb illegitimen iiinöer erlaffen mürben. Sd^Uefelid^ fei nod^ bemerft. Daß auc^ Die Jäten für Da« ^a^rfünft 1881—85 im allgemeinen ju benfelben ^ieful- taten führen: 3""ö^J»iß bei Bettelei, äJagabonbage, ©eioalttbätigteit gegen bie Öel)örben, Äörperoerleftung, einige Slbna^me bei jenen gegen bie Sittlid^feit. 3luc^ bie Steigerung in ber 3^^' ^^^ 3}erge^en fpricbt alio fel^r für eine 3iiJ^ti()me Der Äriminalität. J^ffen mir euDlid) Die gefamten jur älngeige gebrachten StraffäUe jufammen, fo ergibt fid), ta^ ber jäljrlid^e S^urd^fdjnitt Der Strafanjeigen , mii 100 000 ©nroo^nern bered;net, auö Den ^a^ren 1831—35 601 mar, 187()— 80: 991. 3tucb biefe 3at)l beftätigt bie obige än^ nat)me, ber aud^ ber offijielle 33eric^t offen ätuöbrucf gibt. Ginige (rrgcbniffe t>cr neueren ÄriminatftatiftÜ. 667 3Kit bell 53atcn bcr franjöjtfc^cn Statiftif ^abcn wir unö beS- ijdb cingc^cnbcr bcfafet, um unö üon bcr ^Darftcdung bcr 3Ser- ^ältniffe anbrcr Staaten befreien ju bürfen, ba bicfelbe o^ne^in bei bem 3)Jangel an 2)atcn für bie retrofpeltiüc Unterfud^ung längerer 3citräume jn feinem befriebigenben Slefultat führen fönnte. llberaQ bejie()t fic^ bad 9)lateria[ auf eine ju furse ^eriobe unb ipiegelt fomplijierte SBeränberungen roieDer, roeld^e in bem potiti« jc^en, roirtfc^aftlid&cn, fojialen Ücben ber betreffenben Staaten, in Deren tenitorialer ®eftaltung, enblid^ in ber ©efefcgebung ftatt^ gefunben ^aben. SBir erfe^en ba« für 35eutfd^Ianb in ber mU feitigen ^olemif, roeld^e i^ren 3ludgangdpunft in ber oon Starte oertretenen Slnftc^t finbet, bafe in ^^Jreufeen in bem 3ßit^öwm, ben fein Öud^ be^anbelt, bie Äriminalität fic^ nid^t oerfci^limmert ^at, tüäfjrenb anbre Sd^riftfteHer, fo a)littelftäbt, SUing, Cttingen, Strufeberg ufro. abroeid^enber 3Jleinung finb. aSon offljietler Seite iDirD auc^ ^ier eine ^wna^me ber 3Serbred^en angenommen. 2)ie beutfdie Äriminalftatiftif für baö 3a^r 1888 (B. I 35) fagt bie«^ bejüglic^: „$alt man baö fonftante SBad^dtum ber ÄriminaUtät«^ Siffer im allgemeinen, bie 3""^^^"^^ '^^^ jugenblid^en unb ber i)or= beftraften äJerurteilten nebeneinanber, fo erfd()eint ber Sd^lu§ faft unüermeiblic^, bafe baö SSerbred^ertum roäd^ft unb bafe bie jugenbs lid)en Delinquenten bie 31e!ruten einer SJerbred^erarmee bilben, gegen rDtl6)t bie Strafmittel beß befte^enben 3led)tö fic^ alö mad^t^ lo$ }u ermeifen fd^einen." ^^n Italien üertreten '^exxi unb @aro- falo entfd^ieben bie 3Jleinung, bafe fid^ bie äJer^ältniffe Der- fd)limmert l^aben. gür (Snglanb roeift iieone iieüi bie 3lbna^me ber „fc^roärjeften i>erbred)en", ber gegen baö iieben gerichteten, nac^, gleid^jeitig aber baß Steigen anörcr aSerbrec^en. gür ^i^anf- reiü^ nebmen 9)Derneö, 2:arbe, :3ol\) (biefer quantitatiü iin\> qualitatiü), 5^^^^*^) ^^"^ ^"bre — roie fid() bieö aud) au§ unfern 3luQeinanberfeftungen ergibt — gleid)falld eine Steigerung ber Äri= minalität an. Sie 3)Jebr}al|l ber Sc^riftfteller neigt alfo jur un- günftigern 3tnnabme \)i\\. Sin Diefem Stefultate änbert vorläufig ber Umftanb nid)tö, haii fpejiell in ben] legten ;3^')^^»^ i" "i^^- reren Staaten — fo Cfterreid;, Italien, (Snglanb/*) Sad^fen, *~) .,11 est certain qiie la criniinalit»'j et la tblie augmentent parallele- meiit ä la civilisatioir (L)t*irt*nt';resceuerbrcd^cn eine unuiitcrbrod^cuc ©tcigcrung crfaldren. ^ür Sad)fcn fonftatiert Söljmert fpcsieH folgcnbcö: Slbua^mc bcr kriminalität im ah öcmcinen, 3lbnal^mc bcr rociblid^cu Ärimiualität, 3lbua^mc Der 3a^l bcr jugeublirficn SBerbred^cr, bagcßcn 3wna^me bcr 91eciDimtöt, 3una^mc bei 2)cliftcn gegen ben Staat, bie öffenttid^c Crbnung, bic ^Religion, gür ßnglanb fonftatiert ©roßoenor Steigerung bei aWorb unb Sittlic^feitöüerbrcd^en, jcbod^ jum 2::cil nur fc^einbar. 5)er neuefte 33anb bcr ©rgcbniffe ber Strafred^tSpflege für i^fter: reic^ ftellt einige oergleid^cnbe Säten für ben breifeigjä^rigen ^nh räum von 1858—1887 jufammen unb gelangt ju folgenbem ßr- gebniö: ®ö betrug bie ^at}l ber SSerurtcilten im Duinquennium: 1858-62 1888-07 1868-72 1873-77 1878-82 l*«3-57 wegen 3)icbftal)r 53 51)8 03 493 74322 87 487 01825 79374 ' fc^roerer förperlic^cr öe* fc^äbigung 7 576 11^37 189:^4 20 858 21100 23277 - öetcug / 6 953 7;i41 8 885 11595 13031 13471 '- äöiberfc^nc^fcit gegen amtr. ^cr fönen . . . 2111 3 263 5 721 6 796 6 984 fs-3 -- ^l^eruntrcimng . . . 7 873 2 251 2 5.38 3 968 4 789 3i)21 -' SZotjuc^t 5(^änbung 2C. 1261 1179 1268 2139 2 891 :n56:J '- gefäf)rl. S^ro^ung . . 1046 1362 2 222 3 0t4 3 705 4:09 « a)iajeftät§bereibigung . 738 829 1188 1576 1762 14{i:> ' 3:otfc^rag 679 1011 1516 1:^56 1198 1107 - CSrpreffung .... 659 1095 18^39 22:38 2158 '2^ '- Öranbrogung .... 594 687 752 1 ()56 1251 li:«.3 '- MinbcÄmorb .... 552 509 ()15 501 579 M .' »Jorb 5n6 655 689 917 947 767 -- ^rufftanb u. 9(ufruf)r . 170 250 456 127 2 10 5 3törung b. öffentlichen ^u^e 193 966 225 47 :U 40 - bo^Oafter ^efc^äbigung frembcn eigentum^ . 263 576 937 1420 1543 -J'^t«» '- ^Jteligioneftömng . . 218 215 181 a*« 509 :^^* ufiu. 9)iinber ^ciufig erfolgten SBerurteilungen in jüngfter 3»^it ""^ bei 3lufftanb unb Slufruljr, Störung bcr öffentlichen ^ube, l^üp- and Wales durintr tho twenty years ended 1887-88 (Journal of tlie Sta- tistical Society. 1890, Sept., p. 377). *^) Cuenoud: Statisticiue i^eu6raie des crimes et des d^Iits divers acconiidis a Cfeiieve depiiis 1817—1885 (3eitfd)nft f. fc^iucijerifdic ^tatinif. 1890, I. u. IV. CuartaU)cft). Ginigc Grgcbniffc t)cr neueren ÄriminalftotiftÜ. 669 xiid& bcr 3tmtögcn)alt, SBcrfälfd^uiiß öffcutUd^cr Ärcbitpapicrc (!) b bei bcm üon bcn @efrf)n)orucngcrid^ten ungcroö^nlid^ milbc irtciltcn Äinbeßmorb. Sei allen übrigen ä?erbred^en ^aben bic rurteiütngen jugenommen, aUerbing^^ nid)t bei allen in gleid^em iße. 23ci ber Sieurteilnng ber periobifd^en 3"= ""i> 3lbna^me bcr iminalität barf eine S^^eorie nid^t gänjlirf) übergangen werben, ld)e lüo^l bie Steigernng ber Jtriminalität nic^t leugnet, ber^ yen aber bic milDernbe 3tuölegung gibt, bafe biefelbc golgc ber •feern ^"tenfität unb fieb^aftigfeit beö mobernen iJcbenö, beö ifeern Slcid^tumö, bcö lebhaftem SJerfe^rö unb ber häufigem rü^rung ift, fo bafe eigentlid^ im aJer^ältni^ jur ©efamttljätigs ber ©efcllfc^aft bereu ücrbrcd^erifd^c ©luanationen nic^t nur l)t ja^lrcid^cr, fonbern feltener gerooröcn roären. 25ic öerüdffic^tis ig ber erroälinten gaftoren wirb \xä) n)ol)l manchen aufgebrängt ycn, bie fid^ mit ber üorliegenben grage bef djäftigtcn ; ent* ebenen äiuSbrud ^at i^r aber namentlid^ ein italienifc^er ^riftftetler gegeben, ^4-^oletti.*''') ßr ge^t von ber 3tuffa)fung S, ba^, wenn fid^ bie 2^ätig!eit ber ®efetlfd)aft unb beß ^\u libuumö fteigert, fo fann biefe Steigerung fic^ nic^t bloß auf legale Set^ätigung befd^ränfen, fonbern fie mufe unbebingt aud) . ber illegalen S)ett)ätigung fic^ manifeftieren. 3)ie 2:^ätig!eit : ©efellfc^aft })ai fic^ in ben legten ^a^rje^uten auf allen @e= \ten riefig gefteigert; 3»^i>"ftnß/ ^cinbel, bie üotltommenen i^er^ )rönuttel ^aben bie ifebenSäufecrungen ber 3)ieufd^^eit ücrmelfa4)t D fo ift benn nid)tö natürlicher, alö bafe mit ber 3"i^ölj"i^ beö jrrainö für bie rechtmäßige S^^ätigfeit ax\6) jeueö ber unred^t= ifeigen X^ätigfeit fid) erweitert liat. 2)ic Steigerung ber Äri- nalität ift bal^er nur eine fd)einbare; in a^irtlic^feit Ijat bie- be im i^ergleid)e ju ben oielfac^ üerme^rten (Sreigniffen öeö benö abgenommen. (Sr beruft fid) auf baö ikifpiel grantreid()ö, ) in t)en 3al)ren 182G— 78 Die ßinfut)r um ba§ ©icbenfad)e, r äöevt ber CSrbfc^aften um i»aö Sreifadje, bie Steuern um ta^ reifad)e ufro., bie kriminalität nur um ha^j Xoppelte geftiegcn ift. iefe l:l|eorie, obioo^l auf öen erften Süd plaufibel, ift in iljrem !rne bod) unbaltbar. Gö ift oor allem burd^auö nid)t logifd) not- MiDiii, bafe mit ber 3""ol)"^^ ber legalen 2:l)ätigfeit aucb bie *• j II sentiiueiito iiella sciciiza del diritto pcnale. Udine 18^2. 670 ?5rof. Dr. ö. gölbed. illegale junef)meu miife. Unjä^Ugc aSeifpiele liefecn itd^ l)ienür anführen. So ift eö eine unbcftreitbare X\)at)ai)t, bafe tro^ fcet riefigen 3i"^^()'"^ ^^^ Steuern bie 3^^l ^^^ SteuerDerroeigerungen geringer ift, lüie früher. 3Bie wir oben gefe^en, ift trog b« riefigen 3""ö^"i^ ^^^ ^^reffe bie 3^^' i>c^ ^^Jrefeüerge^en ^eute eine oiel geringere wie früher (^ier ift freilid) axiä^ bie größere ^^teB-- frei^eit in Setrad^t ju jie^en). S^roft ber riefigen äuöDe^iuiug beö ÖelDoerfc^rö fommen beute geroife weniger SWünjfälfAungen üor alö früher. Slnbre Seifpiele: troft ber riefigen atuöDe^nung öeö Sriefuerfe^rd ge^en ^eute weniger öriefe uerloren aU früher; troft ber riefigen 2ludbe^nung unb ber ©efd^roinbigfeit beö (rifen- ba^uüerfe^rö fommen weniger Unglüdtfäfle oor alö bei ben fnUern iNe^ifeln. 2^rofe ber riefigen 2luSbel(|nung beö ^anbelö ift in mandjen fiänbern bie 2a\)l ber ^anbelöprojeffe gefunfen; aucti Die 3aljl ber 3ioitprojef|e \)at in Jyranfreic^ troft ber Slluöbe^nung M roirtfd^aftlic^en Siebend nid^t jugenommcn. SEäre biefer ©ebanten: gang ridjtig, fo müfete foIgeri(ibtig auc^ jeber Äaf|cnbeamte gcliuber beurteilt werben, ber bei riefigem Äaffenoerfe^r ficft 5U einer 2t fraubation oerfü^ren läBt, unb jeber :L^e^rer müfete gelinber be- urteilt werben, ber in einer fe^r 5af)lreid^en Schule an ber lln-- fct)ulb eines Sd^ulmäbrf)enö fid^ oerfünbigt ufw. Sie inteufioere ©ntwicfelung beö Gebens fann fd^on auö bcm ©runbe feine öit- fc^ulbigung für bie 3i"iöl)^"^ ^^^ kriminalität bilben, weil mit ber Gntwidtelung beö fojialen :L'ebenö and) bie Sic^er^eitömaferecieln junebmen, weld^e bie 3lu«fü^rung bed äJerbrecbcnö erfdbwcren. äi>o ein großer 0elbüer!ef)r ift, ba werben bie 3Öerte in einbrucb; fiebern ftaffen oerfperrt, wo oiel SBertpapiere eriftieren, ba werten ju beren ^erftettung bie fomplijierteften unb foftfpieligfteu ^U- tljoben angewanbt unb fo ift htnn im ganjen bie ©elegenbcit uir 3tu<^übung Don 33erbrecben trot^ ber iUel^eit ber ©egenftänbc \m taum f)äufiger al§ früher. Übrigens ift ja felbftoerftänblid) bie obige Xf)toxk im beften %aüt nur auf einige fpejielle 'iverbrecbeu anwenbbar, 3. 93. auf Siebftäbte, infofern als beren 3öf)l '"it öet 3una^me bes beweglid()en ä?ermögens eoentuell junet)men maj, aber mit anbern i^erbred)en l)at biete CSoolution ni^ts ju tbun. älHiS bat bie 3""o^me bes Slufjentianbels mit ber Steigerung Der SittlicbfeitSoerbred)en ju tljun? 3i>enn wir Ml)cx beobad)ten. Daß nid)t nur bie Steigerung in ber 3^^^)^ ^^^ 'i>erbred)en eine i^ep fd)liunnerung ber 3"ftänbe bebeutet, fonbern bafe audj geroifie, (Jinigc (^rgcbniffc Der neueren itriniinalftatiftif. 671 lefonbcrö c|iaraftcrifti)d^c Symptome f)icrauf fd)Ue§en laffcii, bann Dcrben roir ücrflcblid^ in bcr ermähnten X^coric einen 2^roft u(^cn. 2)ie grofearttge ©ntroidtelung beö roirtfc^aftlid^en fiebenö )at baö ©ebiet fi'it bie nüfelid^e ^^^ätigfeit erroeitert; bie ©rroerbö^ juellen unb ßrroerbögelegen Reiten ^aben fid^ uerme^rt, bie aSer^ ücrtung bcr eljrlic^cn 3trbcit flnbet ^unbertfad^ nie^r ®elegcn^eit i[6 früficr. äBenn troftbem bie ©efellfdjaft ben üerbred^erifc^en angriffen in ^öt)erm ®rabe Quögefefet ift, fo fann ba« iinmöglid^ auö bentfelben 3)tottiente erflärt werben, roeld^eö eigentlid^ bie 3^^' )er illegalen 3lfte nünbern foUte. Äann alfo biefe 2:i|eorie feine genngenbe ßrflärung für eine Steigerung ber kriminalität bieten, fo finb bie ^ier mitgeteilten ?aten jebenfaUs ein 5i"9^i^}^iö/ ^^^6 '^^^ kriminalität im allgemeinen ine 3""^^"^^ aufmeift unb bafe fid) mit ber Umgeftaltung ber fos ialen 3Seri)ältni)fe unb bem Jortfdiritte ber 3iüilifötton nur bei letoiffen 3Serbrcd^en, freilid^ ben fd^roerften, bie nämlid^ gegen baö lebm gerid^tet finb, 9lbna^me jeigt. @eiDi§ ift bie Steigerung ler Äriminalität jum S^eil nur eine fd)einbare, fofern nämlid^ bie Ipparate ber fojialen 3{epreffion, ^^Jolijei unb ^wftij fid^ oerüoüs ommnet ijabtu. 2tbcr aud) anbre llmftänbe roerben Ijier noc^ in 3etrac^t }u jietien fein: f)ief)er jä^le xd) bie in unfern 2'agen mit er .^une^menöen Cffentlid^feit fid^ fteigernbe Unempfinblidjfeit — im nid)t ju fagen Sd^amlofigfeit — mit ber bie @d()ulbigen baö iriminalüerfa^ren über fid) ergelien laffen, roie bie jebenfaHö raurige ßrfd)einung, bafe bei innern Ronfliften in ^er ^amilie, •ei i^ermögenöjerrüttungen bie ^ilfe ber @erid)te in Slnfprudb ges lommen roirö (5. Ö. unerquidtlic^e äBud^crprojeffe, bie für ben Uäger tompromittierenber finb aU für ben 2lngeltagten). Sef)en Dir üou allen ftörenben gattoren ab, fo bleibt bodf) nod^ immer in 3lefibuum, baö faum anöerö }u erflären ift, alö burd) eine L^erfd)limmerung ber 3^M'tänbe. Unb roen foUte baö rounber leljmenV Si^er jmeifelt an ber iJermilöerung ber Sitten, bie baö ,lin du siecle^ d)arafterifiert? 3Ber ignoriert eö, bofe in unfern tagen ber SJilbung Deö (St)araftcrö menig tUufmerlfamfeit ge- c^enft toirb \\nt> bafe ber (S^aratter im öffentlichen üeben nur oenig Jlnertennung finbet'i^ 35ie politifc^e unb fojiale 3trena ift ler 2ummelpla§ ^öd)ft jmeifel^after oöer entfd)ieben unlauterer Sljaraftere. Unter folcfien i5er^ältniffen muß baö Sinlen beö ittlid)en 'Jiioeauö mit matt)emati|d)er 9iotn)enbigfeit eintreffen. ()72 ?rof. Dr. 93. göTbcS. 2Bie wirb fid) bie 3"^^^"f^ geftaltcii? üßand^c leben ber^otj^ innig, bafe mit bem 5ortfdf)rittc bcr 3i^ilifötion bie SJerbredjcn ob: nehmen roerbeu. ßiiiige rooHeu baö fogar bamit erllären, MB biirdS) bie Strafe — freilid^ wirft in biefer öejie^inig bie Zt- portation inib bie 2:!obe§ftrafe am fid^erfteu — bie $erbred)er aus- gerottet lueröen lnl^ bamit bie fojiale gii^troa^l (3)arit»in!) be^ förbert wirb. S)aö ift nameutlid^ ber Stanbpunft Üombrojos. 3tiibre erwarten eine Sefferung baburc^, bafe Dnrd^ t>e\\ großem 33ertc(;r bie ü)Jenfc^en einanbcr nä^er gebradjt unD gleid^er roerben. ©ineö ber !riminellen 3Kotioe ift nämlid) bie 3Jerfd^ieben^eit, ber ©egenfafe ber Snbiüibnen; je met)r biefe oerft^roinben, je mc^t bie aiuffaffnng firf) Derbreitet, bafe wir aud) biejenigen ad^ten muffen, bie einer anbem gamilie, einer anbern Älaffe, einer anbern 9Jaffe angetjören, befto feltener werben SRed^töoerleftnngen vor- fommen. Siefe 3liiffaffung beförbert nnn ba« g^ortfd^reiten Der 3ioilifation. 2Benn trofebem bie ^i^ilif^^ion oft eine Steigerung ber kriminalität ^eroorruft, fo ift bas bamit ju erllären, \>ai bei jeber Sßeiterentwidfelung neue unb alte Überjeugnngen, neue iniö alte 3ntereffen unb ©ebräuc^e aufeinanberftofeen, wie benn Die Grfa^nnig jeigt, bafe nid^ts fo fel^r bie Sitten ju gefäl^rben oer- mag, aU bie ©rfd&ütterung ber Ijergebrad^ten S^rabitionen. Unfer 3eitalter bilbet ein Übergangdftabium i\n\> eö ift unjweifelbaft, baß bie burd^ bie neuen ^been, bie neuen Strömungen fieroor gerufenen 3leibungen einen grofeen älnteil an ber (Seftaltung Der Mriminalität l)aben. 2)ie frühere ^iBeltanfdjauung ift erfd^üttert, eine neue, beii (S^arafter feftigenbe, ^at fic^ noc^ nic^t gcbilDet. Soüiel äiJaljrcö aud^ Diefe J^^eorie entbält, wir roerDen au* biefe faum alö enbgültige Seantroortung betrad^ten lönnen. Xie a)Jel)räal;l ber üBerbred;en ift auf Die iNerioorfenbeit Deö 6l)arattors uuD Die llnerfättlid^feit ber 33egicrben jurücf jufül^ren ; bie ii>irhnig Diefer Jaftoren fann bie 3i^'lM^lioJi bebeutcnb uerftärtcn. Ter Öebel ber moralifdE)en Stcform ift baber an Diefen ^^Nuntten an^ii- fet^en. 2)ann ift eine günftigere Qeftaltung ber Äriminalität ju gc- mürtigen. Sofern ber fittlid;e 5Jorifd)ritt bie l)öd;fte 3lufgabe bcr ü)icnfd): bcit bilDct, tann eö gcmifj feine widötigere Jfrage geben, alö Die, ob Der moralifdjc 3"ftfl"b ber töefellfdöaft in iniferm ^^abrliiniDerr fic^ vcrbeffert ober t)crfd)limmert Ijat, ob namentlid) Die Dielen Grrungcn- fdjaftcn Der moDernen Multur baö fittlidje 3iii)eau gel;obcn öaben*^ Ginige (rraebniflc ber neueren Äriminalftatiftif. 673 Um aber mit bicfer gragc inö reine 311 fommen, muffen mir \u\^ erft Darüber flar fein, mo unb roorin ber üerläfelid^e Stuöbrudf für ^ic SWoralität ju finben ift, meld^eö ber Spiegel ift, ber biefelbe treu uuD miüerjerrt roicbergibt. i>or allem: Atöuncn bie 3Q()l^"^^il)^Ji ber Statiftif aU üerläfelic^er a)ta6ftab l)ierfür betrad^tet merben? 3)ie Äriminalftatiftit gehört 5U ben intereffanteften ^^artieen ber Statiftif unb fcf)r frül) ^aben bebeutenbe ©elfter bie $)eob- acötungeu berfelben n)iffenfc^aftlici& ju üerroerteu getraditet. 9iaments lid) beö^alb, roeil biefe Seobad^tungen eine überrafd^enbe 2^^atfacl)e offenbarten, bie nämlid&, bafe fid^ in ben gefeferoibrigen öanblungen eine geroiffe 3legelmäfeigfeit tunbgiebt. S)aburd() berülirte biefer Teil Der Statiftif eine ber intereffanteften 5^agen, man fönnte fagen bie ^^rage ber J^^agen, nämlid() baö ^Nroblem ber 3iMllen§freil)eit. SBalb iDurDen bie 2)aten ber Statiftif äluögangöpunft für eine neue (£rforfd)ung biefer ^^^^9^- äö^ö bie Söebeutung ber Äriminal? ftatiftif für bie (£rforfd)ung ber fittlid;en 3"ftänbe betrifft, fo mürbe Der 3üert ber Säten nod) weniger bejmeifelt unb man mar über- jeiigt, an bem $in- unb Vermögen biefer 2)aten einen 3)Jai3ftab für bie Sc^roantungen ber Sittlid^feit geroonnen ju Ijaben. UnD Mc§ mar iimf omet)r ber J^U/ cilö es auf anbern Öebieten beö fittlid;en :L'ebenö Diel meuiger gelang, bie Sonbe ber Statiftif ansumenben. älMe man Dom 2:t)enuometer ben ©rab ber 3ßärme ablieft, fo glaubte man aM htn ftatiftifd^en Xabeücn ben ©rab ber a)Jora(ität be= ftimmen ju tonnen. 9)Jan üergafj biebei, ba^ bie ßrfdieinungen Dcö )ittlid)en Üebenö fo fomplijierter 9Jatur finb, Da^ mir biefelben unb beren Urfadien oft üergeblid) ju ertennen fud)en. c^ierju fommt, Daß bieö überf)aupt t)on Süorauöfetjungen abljnngt, bie bie ilriminaU ftatiftif feiten ju erfüllen üermag. 3)ie Sittlidbfeit, bie fojiale mie bie inbioibuelle, föunen mir ein^ fad) alö Xt)ai\a(i)e betradbten, bie um an fid) intereffiert , ober alä golgeerfdE^eiuung, bie mir in il)ren Urfadien erfeunen moUeu. Stellen mir unö auf lefetern Stanbpunft, bann ücrflüdjtigt fid; ber S^egriff Der Sittlic^feit biö jur Unfaf^barfeit. Sllö äi>irfung betrad)tet ift bie Sittlid^feit ein Siefultat von ßrblidjfcit, pt)i)fifd)en ßigenfd)aften, fojialeu iJerbältniffen unb ber 3)Ja{^ftab für biefelbe Ijäugt uon Dem ©rabc ber Senfibilität ber ©efellfd)aft, ber .^äufigfeit ber ©elegcn^ l)eit unb üielen anbern J^ftoren ab. ©eraDe bie Hriminalftatiftif, meiere U\\ ©rab ber unfittlid)en iiSillenöäuBerungen ber ©efcllfd)aft mißt, jeigt, bafe biefe CSrfdjeinungen M^ rHefultat fo mädjtiger 674 *rof. Dr. «. göIDc«. Äräftc bilbcn, bafe iiit Scrt)ältniö öierju bic 3"tc"Utät bcr iii: bioibucllcn Sittlid)ftnt bcbcutcnb abnimmt. 3Jad^öem wir aber uut feiten ein fo feines Sejierinftrnment beulen, roeldjeö geftatteu mxK bafe lüir bie einjelnen gäben ber (iJeroebc be§ fosialcn Sebene-- einjetn unter|nd}en, fo finb wir oft genötigt, nnfre Setraditunj baranf jn befdiränten, bafe loir bic einjelnen gafta eben alö Jbat: fad;en anffaffen, alö 2:tjatfad)en, n)eld)e fid) alö eine i^erle^unft Der fittlid;en Üöeltorbnnng barfteUen. 3»"ci^^«ll^ biefer engen 0rcu5eii wirb bie Äriminalftatifti! t)öd;ft ioid)tige 3tnffc^lüffe erteilen. ^»oei 3)inge finb aber jebenfalls flar. ßinmal, baß bie jclbii üon ber ootlfonunenftcn Äriminalftatiftit gebotene Sarftellniij Der öffentlid^en Sittlic^feit einfeitig nnb mangelhaft ift. (rinfeiiiii, weil oft biefelbcn ocbementen fittlid[)en Strafte, welche in ben fcbrocrfteii l^erbred^en jnm 3ln9brudE fonunen, and) bie Xriebfc^er .^u Den ebelften änf3eriingen bilben, loäl^renb oft bei fittlid^er Sanl)eit Dem geringem „1*ebet" and) ein geringeres ,,Ärebit" gegenüberfteht. 3i^io oft ronnbern wir nnö über jeneö Öemifd^ oon eblen nnö nicDricien 2^riebcn, ba§ wir felbft bei ocrfommenen i>erbred)ern finöca, im? gewiß ftet)t ber 9tid)ter feiten einem fold)en ©d)cnfale gegenüber, in bem jeber 3»ö beo Sittlichen feljlt. äBäl)renb aber Diefc -Rw^v- mcnte ber Sittlid;teit gewif3 nid)t in 33etradf)t gcjogcn loerDen tonnen, fann bieö Don ben tanfcnb nnb tanfenb eblen ÄnBermisen ber SittUd)feit nicbt beljanptet werben, nnr l^at bic Statiftif Mc biöl)er faum jnm ©cgenftanbc il;rer Stnbicn gemadjt; jobcufalla finö mand)C berfclben fd)wer in 3^1)1 5» f äffen nnö fo barjuftelleii. bafj fic jnm iNergleid)e mit t>c\\ unfittlid)en «Oanblnngcn gecianei wären. 3ßäl)renb ba^er bie 9)ioralftatiftif ans bem „fd)iininen ä^ndje" ber iscrbred^on reid}ed 2)Jaterial fd;i)pft, l)aben wir feine 3tatiftif nnb fein „golbeneö öud)", wetd)eö bie eblen .panDlmijcn gclänterter Sitttid)feit anfjeid)nen wnrDe. 3)Jangell)aft bejeid)neten wir ferner bie ilriminalftatiftif alö 'iDJafe ber 2ittlid)feit beobalb, weil bic Statiftif bic Sd;were ber Snnöe fanm ju beftimmen im ftanbe ift. äi>cld)er Unter|d)ieb jcigt iid) in ben ilJotioen bei Den i)erfd)iebenen a>orbred)en! So l)aben wir oben bei bem ÄinbeöinorD gcieben, bat, berfelbc gerabe bei fittlid) biöber fd)nlDlofon Jn- biinbnen bänfiger oorfonunt, bie bie 2(ngft, bic Sorge, Die Sd)am biö i^nr i>er5wciftnng treibt, bis fie in einem 5}!omente Der llmu- rcd)nungöfäl)igfeit mit einem Sd)rei beö Crntfetu'nö t>acrbred)en auöfübren iinD in bemfelben 'JDiomente t>a^ Cpfer Deöfelben mii Giniöc ©rgcbniffc ber neueren Äriminalftatiftif. 675 Icibcnfd^aftUdE^er Siebe an il)re SJruft brüdfeu. Sageoen jene, bie f^on fo tief gefalle», bafe roeber Sd^ani iiod^ Sorge ine^r auf fie eimoirfen, bie lücrDen ju Diefem S3erbrecf)en fid^ nid)t l)inreif3eu lafieu. Unb bod), wo ift ()ier bie größere 8Scr!ommenf)eit? (Sbenfo ift auä) bei bcn gleid^en ajerbrerf)en bie Sc^iilD eine ungleid^e, oljne bafe bie Statiftif bieö jum 2lu§brucf . bringen fann. SBeld^er Unter= fc^ieb ift oft jroifd^en aJlorb unb 2)lorb, 3?anb unb 'Jtaub, De^ fraubation unb !r>efraubation ufio.! S^ne Ungefieuer, roeld^e bcr ^^itaoal auf}ei(i)net, fallen mit bemfelbcn ©eroid^t in bie äöagfdjale ber Statiftif, wie SScrbred^er berfelben Äategorie, bie aber üiel locniger ;3"tereffen üerlefeen, einen üiel geringern ©rab ber ä}er= lüorfenbeit betunben. Unb bod^ fann ein SJcrbred^en ^unbert aubre an Sc^roere überroiegen, ein Swbaöfnß bie Sittlid)feit eine§ ganjen 3eitalterö aufroiegen! Unb bann nod) eines. Sei ber Beurteilung ber Sittlid^feit unb namentUd^ bei ber ä>ergleidf)ung üerfd^iebener iiänbcr ift aud^ berUmftanb in 3Jetrad()t ju jie^en, inroiefern burd) fosialc unb ftaatlid^e einrid^tungen bie ^nbiüibuen üor fittlid^en Aberrationen beljütet werben. 3ßo burd) J^^^^'^^äufer j. ä. namentlid^ für bie Unterbringung ber illegitimen ^roüenieuj geforgt ift, Durc^ 3lrbeitö^äufer für bie 3lrmut ufio., bort ift ta^ ^n- öioibuum weniger ber ä?erfud^ung ausgefegt, alö bort, roo ba^fclbe in Dem fd&roierigen Äampfe gegen baö aSerbred^en gar feinen legalen 33unDeögenoffen finbet. 2lud6 baö erfdjroert bie fidjcre SJerrocnbbarfeit ber Äriminal: ftatiftif 5ur Seftimmuug ber Sittlid)feit, ta\] ber ©taat in ber geft^ fe<}ung beö i>erbrcd)enö einen gemiffen iireio nidE)t überfd)reitet unn fomit nidbt jeöe nnfittlid^c ^anblung aucb ftrafbar erflärt. Slnber^ feitö erfordert öaö ftaatlid)e unö fojiale ^intercffe, bafe gemiffe ^anb- lungcn, bie eigentlid) mit ber SJJoral nid)tö ju t^un ^aben, ber nac^Drücflid^en 9iepreffion unb cnergifd)cn Sanftion loegon aud; ftrafred)tlid) verpönt feien. Unb bie (£ntfd)eibung ber grage, was an einem beftimmten Orte unb ju einer beftimmten 3<^it als iser- bred^en betradt)tet wirb, ift an unb für fid) ein SHefultat ber fitt^ lid)en unb iurifti)d)en 3luffaffung, babcr von relatiocr ikbeutung. 9Jid)t bie ©ittlid()fcit, fonbcrn t)or ältlem bie iiegalität bcr öanblungen fommt in ber Mriminalflatiftif jum 3luöbrud. 2)er ©taat ftraft nic^t bie ^^Jroftitution, nid)t bie illegalen gefd)lcd)tlid;en 33ejiel)ungen, er ftraft and) nid)t eine 31eil)e anbrer unfittlidier .^anblungen, fofern burc^ biefelben bie 'Jiedjte anbrer ^nbioibuen, t>a^j ^^^l^'^^ff^ öcr 676 ¥rof. Dr. 35. gölbc«. 0cfeIIfd6Qft, nid)t ücrlc^t roerbcu ober am anbern ©riinben, iDenn and) bic betreffcuben ^aiiblungcii üor bem SJid^tcrftuljlc bcr Sittlidi: feit fd^iücr roieijen. Sßcitn bic criüäljtUeii Uinftäiibe eä ücrbietcii, bafe lüir ^ic Äriiniualftatiftif alö fid^crn nnb enbgültigen 3tudDrucf für bie joviale a)Joral accepticrcn, fo laffcu au^ bic Gi9C!itüinIid)fcitcn, X'ücfeu, UnüoUfonnneuticitcu bcrfclbcn cö qI§ unmöglid^ crfd^einen, baß inir blofe mit if)ren garbcu Die ©cftaltung bcr fojialen 9)Joral barftclleii. ßr giebt ©tjmptome bcr öffeiitlid^cn 9)Joral, rocld^e, roeuu fic aud) für bell ftatiftifd)cn 2luäbrudf nid)t geeignet finb, trofebem üiel fichcrere 3lnl;altöpimfte bieten, aU bic S^\)l oQüonaroIa, Sioiiffeau u. aiibere Ijabcu roid^tige Sd)Iüf)c auf bic fittlidjcn 3in"tänbe ihrer 3eit gcjogjeii uuD fein bebeutenber Staatsmann, !ein fcöarfficbtigor ^iftorifer wirb f)icrin fe()lge()cn bürfen. ö'olgt aber auö bem iNorauögc)d)icften, bafe anf bic Sieniie ber Statifti! bei 33enrteilnng bcr fittlidben 3"ftänDe gänjlid) ocr^ äid)tet lücrben foU, wie bie§ mandic n)ünfd)en? 3lnf biefc ^vwiie antworten wir entfd^icDen mit: 'Jiein. 6§ wäre Dicö cbeniofebr eine Übertriebcnl)eit, eine CSinfeitigteit, wie baö cntgegcngefe^tc 2?or= gelten, monad^ anö jebem Sd)n)anfen ber 3^^'^» ^^^^ tatcgoriicfter Sd)lnB gejogcn wirb. 3>ie 2Ba()rt)eit liegt and^ t)icr in bcr 9)line. 2rad)ten wir nnr banad), \>ai bic Äriminalftatiftif möglic^ft ocr- beffert werbe, baf{ biefelbe \\)xc Seobac^tnngcn anf alle juriitiji niiD fittlid) wid)tige 9)Jomentc anöbefjne, fid)crn wir beren @kW förmigfeit, bafe wir !i>ergleid^e für üerfdjicbcnc -ißerioben nnb üer- fdjicbenc Staaten anftcUen !önnen nnb wir bürfen beffen geiüifi fein, baj3 wir in ber Äriminalftatiftif eine wid^tige Stü^c für Die ^c- nrtcilnng ber rittlid)en 3nftänbc finben werben. 3Sergc)fen wir nid)t, bafe bic ^enrteilnng fold)er tomplijierter GrfAcinnngen nie eine einfädle aritl^mctifd^c 3lnfgabe bilben wirb, beren iiöfnng auö t'en ftatiftifd^cn 2^abellen einfad^ I)crabgelcfen werben fann, wie enr»« bic Sd^wanfnngcn bcr Äbirfe anö bem Ünröblatt ; fic ift im 6eac"= teil ein fd)wierigeö 'i^Sroblem, beffen Scantwortnng oft bcr 3»tuinoH gelingt, wo fid) bic im Gl;aoö ber 3^^^^»^ ücrfnnfcnc ©rübclci er folgloö bemübt. 2)ie Äriminalflatiftif bietet fein einfad;cö SpieiVl- bilb, aber fic belend)tet M^ 35nnfel, t>aQ bic Grfd)einnngen nuD Dcioii Urlac^en nmtjüDlt. 19. 15 ^nslitfttnn^swtfa^ttn in flttugen^ iwhtfonbttt hit Ütttiüithttttg htt (ßendjtt bei iernftlbem 2:arvjcfteUt uon Dr. jur. ^cliud, @cri(^t«affcf|or in ÖicUfclb. 3)aö SludliefcrungöDcrfa^rcn ift im 35eiitfd)cn 3itx^ nid^t eiiu itlid^ flcorbnct. ^ztex Sunbcöftaat l(iat fein ciöcneö 83crfal(ircn. i allen biefcn Staaten beruht ba« 3Serfa^ren ber aiuöliefcrung ir jum geringften 2^eile auf CSefeßen ober auf adgeineinen 3Jer? bnungen, cö ift j^um überroiegenben 2^eile nur burc^ @en)ol(inl(ieit«5 ^t geregelt. 3n ^^reufeen finb bejüglid^ beiJ 3tuslieferung§oerfa^renö folgenbe iftimmungen erlaffen: Rriminalorbnung Xitet I abf^nitt §§ 96 bis 98: § 96. 3tlleö, roaö wegen beö @erid)töftanbeö in Äriminat l^en üerorbnet luorben, finöet nur aleöann 2lniDenbung, wenn bic i^rern bei einer Äriminalunterfuc^ung eintretenben ®erid^t«5 nbe fid) inSgefamt in ^iefigen ^^anben befinben. 3ft ober :cr ober ber anbre baoou ein auSlänbifd^eö (>kxi6)i, fo Ijat es gen Der Jjrage, inroiefern bie 3luSlieferung verlangt werben tne, bei ben öeftimmungen ber mit auswärtigen Staaten be^ ^enben üBerträge fein SJeroenben. 3ebod^ ift babei folgenbeß ju beobad)ten: l 2. Sei äluslieferung eines äJerbred^erS an ein auswärtiges (>3erid)t muft Darauf geDrungen werben, bafe bas lefetere oor Der Sluslieferung :)ieüerfalien ausftelle; es fei benn, bafe bas Departement ber auswärtigen ©efd^äfte foldje in ein= jelnen oorfommenbeu fallen für überflüffig erflärt. — 3?iefe 33eftimmung tann jetjt nur nod; gelten, wenn mit bem Heitfc^rift f. b. (jcf. 3trafrcc^t6nj. XI. 44 678 Dr. jur. Xcliu«. betreffenbcn ©taatc ein Stn^liefcrungöücrtrag nid^t ge^ fcf)lofjcn ift. — 3. Äcin 5Hid)ter barf einen 3)Jenfd^en aufeer Sanbcö ucrab- folgen laffen ober an ein auöroärtigcö ©eridjt ab liefern, beüor nic^t 5U biefer Sliiölieferung bic 3lutori)ation beö 3)epartemcntö Der auöioärtigen Slngelegen^eiten ciiu geljolt roorbcn. 4. Unterrid)ter miiffen Diefc älutorifotion bei bem i^nen üor^ gefegten Cbergerid^te nad^fud^en , roeld^e« legtere über Das 3?erlangen beö auöroärtigen Siic^teriJ an baö Äabinets-- 3Hinifterinm gutad^tlid) berichtet. 5. 3i5enn nid^t bnrdb SJerträge ein anbereö bcftimmt rooxm, fo mufe auf bie 9luölicferung beö SSerbred^erö angetragen werben, wenn berfelbe ein äu^Iänber unb bas i^erbrecbcn im 2tuölanbe üerübt roorben ift. — SJergl. jebod) jeft J 4 3ir. 1 beß 2)cutfdöen Strafgefefebnd^eö. — S)ie §§ 97, 98 finb üeraltet. (äJergl. jefit § 4 St.®.». unD §§ 7 ff. St:^^.D.) S)iefe ä5orfd)riften finb bnrd^ töniglic^e i^erorbnung pom 30. 3uni 1820 (O.S. ©. 129) in allen preu§ifcben ^^Jrooinjen cim geführt worben.') 6§ erfolgte alfo bamalö bie ^^rüfung beö auölieferuug^: bege^renö burd; bic ©erid^te, roeld^e foöann ein Öutacbten an Da« 3ufti5'3)Unifterium abgaben. 3>ie le^te Gntfd^eibung gebührte in SttuöliefernngSangelegen^eiten gemeinfam bent ■BUnifter Der au«: TOärtigcn 9lngelegen^eiten unb bem ^ufti^minifter (ogl. iHeffript uom 1. gebruar 1815 bei t). Äamp6, 3öf)rb. SD. 5, S. 23). Später gelangte man ju Der (^infid^t, bafe in uielen Jällen Die ßntfd)eiDung über bie SlußUeferung ben Cbergerid)ten über; laffen roerDen fönne. (93gl. äJerner, 2iUrIungö!reiö Deö Strafe gefe^eö S. 198). Gin Jieffript Deö 3»fti5»"iHifterö uom 9. "Hxio^m 1825 bringt baljer jroar bie 33eftimmung Der ÄriminalorDnuug in Erinnerung, aber mit Dem 3"1^6^r ^^6 ^'^ Gntfd)eiDung in Der= gleidf)en Jyällen unb bie erforDerlicbc Slnfrage beim 9)linifterium Dem Cbergeridhte überlaffen fei. 3^ie Untergeridfite fommen Demnad6 beim Cbergerid)t um Die Gntfd;eiDung ein, unb Das Cbcrgeridit befretiert nad) ^öefinDen entraeDer felbft oDer fud)t bie Gntfc^eiDuuii M .v^cficr, XciitfdK' Sdiölicfcnmgeportriigc 3. 27, l)ält ^icü' 23cftimnumjjcn nod) für (;cltcnt>cö dii6)t, a\id) foiDcit Div, S \u\X> 4 in Jragc fommen. ^udlicfcrungdocrfa^rcn in ^rcu^cn. g79 3 3)Jiniftcriuinö na(S): „bid jur erfolgten ©iitfd^eibung bleibt ber ^rbrcc^er bei bem Untergerid^t in ^eaft." (äJgl. Sern er a. a. O. . 198; 0. Äampß/ 3^^^bfid)er für prcuBifd)e ©efe^gebung nfiu D. 24 S. 104). 3" ^^^ ^om Äönige am 31. 3>Cjember 1825 Iljogenen (äcfdjäftöanroeifnng für bie Äöniglicöcn Slegicrungen iiDc foDann beftimmt, bafe bie JHegierungen in Dorfc^riftöniaftiger jrbinöung mit Den betreffenben Oberlanöeögerid^tcn frembe äJer^ cc^er, fobalb nur baß SJcrbred^en unb ber Süerbred^er ^intänglid^ iiftatiert finb, in ber ^egel o^ne 3lnfrage ausliefern bürfen. S)ie)e jftitnnunig rourbe burrf) ben ßrlafe ber SWinifter beö Slnöroärtigen ib ber ^uftij üom 10. aJJärj 1826 (ügl. v. Äampfc, a. a. D. ). 2ij 3. 218 ff.) Daljin interpretiert, bafe Mefeö Siedet ber Äöniglid[)en jgierungen „vereint mit ben betreffenben ^uftijbel^örben ben 3luöliefe: ngömiträiien freniDcr Se^örben o^ne weitere 2lnfrage ein ©ennge ju fieu" fid) auf bie be§ XotfdjlageS, beö 9)iorbeö, öeö SWanbeö ober r ßntmenbung 33e)d)ulbigten erftrecfe. 2)aS Sieffript üom 23. Jlo* mber 1827 (u. Äampß, q. q. D., $3b. 30, ©. 387) fügte nod^ Q i>erbred)en bor 23rQnbftiftung l^inju. ^infid^tlid^ beö iDJoröed iD 2^otfcbtagö murDe aber eine 3lu6nal)me gemacht, „wenn bcrfelbe i Öetegenbeit einer 3oU= ober fonftigen I^efraubation oerübt mar, roie aud) in ben gällen, roo frembe 2)uellanten fid) auf baö eufeiid;e Qebiet flüchten", bieöfallö fann bie Sluölieferung nur erft d) oorl;erigcr t)öf)ercr (Srmäd)tigung erfolgen. Xie allgemeine iserfügung beö ;3uftijminiftcrs üom 16. Sep-- nber 1844 (:,li.a)l.?3l. S. 207 ff.) oerorbnet foDann unter 9lr.I A8: ]ur 3luöliefcrung eineö inTbrcdjerö an auölänDtfc^e öe^örben iift ieberjeit bie ©euebmicjung beö 3"Üijnn"iftßrö eingeholt werben. ,itergerid)te ^aben fid) mit beöfaüfigen antragen an baß oor^ fefcte Dbergerid^t ju menöen. (Äriminalorbnung, § yfJ). 3n r ^deinproüinj erfolgt Der 3lntrag burd^ öen öeneralproturator Höin." .Qiernad) fc^cint ber ^lO'tisminiftcv Die üorftel)enD mitgeteilten, e Siriminalorbnung oon L^u.') abänbcruDcn äJeftimmungen für ifgel)oben ju erad)ten. Xurd) ben 2lllerböd[n'ten Crrlafe oom ;. Juli 1867 (®.S. 3. 1264j ift ferner für baö Öebiet ber burc^ e ©efe^e oom 2U. 3eptember nnt) 24. !?eäember 1866 (©.3. S. )5, 875, 876) Der prcufüfc^en ^J)Jonard)ie einoerlcibten :^anDeö' ile beftimmt morDen, Daß bei :Uuträgen auöläuDiidjer 33cl)örDen if :}luölieferung oerfolgtor '|>eriouen ljinfid)tlid) Deö ffirforDerniffeö 44* 680 Dr.jur. 2)cnu«. ber @eue^nügiing ber ^Mnifter ber auömärtigen älngelegen^eiteii iinb ber ^uftij jiir Sluöfü^rung t)eQ 3lnfud^cnd bic in beu altern äaubedtl^eüeii beftel^cnbeu SUorfc^rifteit }ur älntoenbung fommen follcn. Über baö Sliiölicferungöocrfal^rcn treffen abgefe^eii oou Den äJerträgen nodö Seftimmungeu: bie §§ 244, 245, 257, 034 Dii Äriminalorbnung oon 1805; bad 3lef!ript oom 29. üKai 1827 (t). Äampt, 3lnnalen Sb. 11 ©. 458); bie SSerfügungen be§ 3uni5= minifterö bejro. beö 3)linifterö bed 3nnem oom 28. gcbruar bejro. 20. gebruar 1877 C3.a».33I. ©.38 bejro.aJf.Sl. S. 94) — »elgieii-; üom 15. ^amax 1878 (^.SR.Sl. ©. 18 bejro. aW.SI. ®. 37) - Italien — ; Dorn 15. September 1889 bejro. 18. 3anuar 18M> QMM. 1889 S. 194 bejro. 3H.93I. 1880 ©. 70) — ^KeberlanDc - unb oom 17. 3Jooember 1881 ß.SR.SI. S. 277) betr. üJUttcilung üou vorläufigen geftnal^men^) — ; ferner bie SBerfügungen beö ü)iiiüuert bed 3i»"^^ii l^^tr. beu 2Irandport ber auöjuUefernben ä>erbredjer üom 6. DItober 1885 (3)1.331. ©. 210); oom 9. Oftober 188i; (9)l.»I. ©. 223) unb t)om 12. 3uli 1887 (3)1.«!. S. 205), foroie betr. bie ätudfü^rnng oon ^iluöUeferungen an Belgien unb 'JiieDer- lanbe oom 22. (September 1889 (3}IM. ©. 169); enbli* bic Sr^ laffe oom 1. September 1873 (3)181. S. 2()9), 25. 3iooember 1874 (2R.m 1875 S. 47), 18. ^uni 1875 (3}t.Öl. S. 269) unö 26. .3uni 1877 (!DIM. S. 165). ^eujutage ftel^t in Üßreufeen bie ^^Jrüfung ber Öered)tigung M ^2ludIieferungSoerIangend nic{)t me^r \)e\\ @eridbten, fonberu htw '^erioaltungdbe^örben im engern Sinne unb ber Staatöanroalt^ f^aft }u. (SBgl. bie 3)enf)d^rift beö Äöniglid^ ^^reufeifcben 'irny- minifteiiumö. Z 1 2669/84 bei fcammafd), 2luölieferungdpflid)t unb 3lfi)lre4lt. 1887 S. 604.) 3iid)t grunb)d(}Ii(^e erroägunöcu finb eß geroefen, roeld)e ^^preufeen beftimmt l^aben, bie ältere Jomt feines 'Iserfal^renö in 3luölieferungöfac^en aufjugeben, fonbern bieie 'jlnberung ift nur bie gar nic^t einmal beabfid^tigte ^olge einer au^ ganj a\it)tx\\ ©rünben burd^gefü^rten 3lbgren}ung ber 3lufgaben ber Öericbte geioefen. ®ie citierte 3)enffc^rift fagt nämlidj: „2a bie Obergericbte, benen bie Hriminalorbnung bie ^i^rüfung juioeift, nad) ber je^igen ^^Mtisorganifation eine oeränberte Stellung ein: ■-) 3(n bic ^oIucibct)örbcn l)at ber 3)imiftcr bcö ^^nncrii eine f^crfüiiunij cntY>rcct)cnDcn :«^nt)altd cr(tet)cn [af)cn. Sudliefenmg^ücrfa^ren in ^reuficn. (581 nehmen unb bic SSerfoIgung bcr ftrafbarcn ^anblungcn jc^t ber ^taatöaniüaltfdbnft oblieiU, fo wirb in bcr ^rafiö je^t biefcr 33e= f)övx>e, nid^t ber @erid)töbe^örbc, bie ^^irüfuiiö jugcroicfcn " hier- mit im ©inHang wirb axiä) in bcm obenerwähnten ©riaffe üom 26. 3uli 1867 (@.®. 3. 1264) beftimmt, bafe in Straffad^en bie ©rIeDigung ber Stcquifitionen auSlänbifd)er S3el^örbcn bnrd^ bie i^eamten ber Staatöanroaltfd^aft jn erfolgen ^abe. 3)ie ©erid^te lücrDen nur in benjenigen Jätten unb nur inforoeit beteiligt, alö eine Beteiligung audbrüdflic^ in ben betreffenben 3Sertrögen vor- gefe^en ift, 5. S. in bem SBertrage mit ©rofebritannien unb ben ^.bereinigten Staaten oon 3Jorbamerifa. 9Iud^ ber Ü)Unifter be§ 3nnern ift jegt bei ber Prüfung mit t^ätig. (33gt. bie obenerroä^nte 3^enf)d)rift.) Gö ift bieö n)a^rfdf)eintid^ gefdje^en infolge ber oben mitgeteilten, ooni Äönige ooUjogenen (Sefd^äftöanroeifung Doni 31. Sejember 1825, n»eld^e aud^ bie Äöniglid^en Siegierungen jur 'öMtroirtung beim SluölieferungSoerfa^ren berief. ®aö 3luölieferung^oerfal)ren geftaltet üä) benmad) in ^reufeen folgenbermaften: Ser gröfete 2:eil ber äluölieferungßoerträge ift feitenö beö !?eutfd)en 3leidf)eS mit ben betreffenben fremben (Staaten abgefd^I offen. ^|>reuBen für ftd[) f)at nur iBerträge mit g^^anfreid^, X^fterreid)^Ungarn cinfd)liefelicö Sodnien unb ^erjegoroina, ben ^Meberlanben , 9tu§. lanb unD ben äJereinigten Staaten oon JJorbamerifa. 3)ie @e- Währung ber 2luölieferung ift inbeö nid)t Sac^e bed SMeid^ö, fonbern ber (rinjelftaaten. 3ft bal)er ber Sluölieferungöantrag an baö ätuö^ roärtige 2lmt beö ^eutfd)en iHeidt)ö gerichtet, fo bilbct biefeö nur eine Surd^gangöftation, o^ne bafe bemfelben ein 3lnteil an ber meritorifc^en (Sntfc&eibung juftänbe. 35om Sluöroärtigen Ütmt mirt), fallö Der SJerbred^er in 'i^reufeen oermutet wirb, bcr 2lntrag an ben preuBifd^cn 3)Jinifter ber 3tuSn)ärtigen 3lngelcgenf)eiten ab^ gegeben. 3" ^^^ aJlcl;rja^l ber t)om Sieid) abgefdf)loffenen l^luö^ lieferungöücrträge finbet fid^ inbeö bic Beftimmung, bafe ber Sd)riften= iped)fel unb bie l^erl)anblungen je nad() ben Umftänben beö einjclnen Jvalleö unmittelbar jtoifdien ber bei ber atuölieferung beteiligten "Jfiegterung beö T)eutfd)en ^)leidf)eö unb bem betreffenben freniöen Staat ftattfinben fönncn. Tieö gilt gegenüber Belgien, ^tciüen, iLluremburg, Sd)roeöen-3iormegen, Spanien, Sdiiocij unb üörafilien. Ter 3lu$lieferungöantrag mirb üon bem ©cfanDten beö fremDen Staates, alfo im biplomatifd^enSh?ege, entroeber beimStuömärtigen G82 Dr.jur. 2)cliuö. 9lmt, ober beim ^^reufeifd^en SKinifterium ber Stusroärtigen än^ gelegcu^eiten gefteflt. 3Jur im äJertrage mit Uruguai) in bie foiifularifd^e Übermittelung be« 3lntraged auf Sluölieferung neben ber biplomatifd^en geftattct. Slufecr ber SRegierung unb ben ©efanWen bürfcu auö) bie juftänbigeu ©e^örbeu ber SJereinigten Staaten non Jlorbamerifa bireft Siequifttionen um 3lu6Ueferung an bie Die4: feitige Stegierung ftetteu. öfterreic^^ungarifc^e Se^örben fonncn 2tuSlieferung§anträge unmittelbar bei ben preufeifd^en Sebörben — ^olijei:: lüie Suftijbe^örben — anbringen, jebod^ ift ber biplomatijdje 3ßeg nidjt unjuläffig. 3)ieöfattö l^at bie angegangene 'Se^örbe als: balö bie ©ntfc^eibung ber ßentralinftanäen ^erbeijufül^ren. (rs in ba^er an ben 3"fti}"iiniftßt, in eiligen ^fällen an ben a)liuiner ^er Sluöroärtigen 3lngelegenl)eiten ju beridjten. 3)er 3){inifter ber 3luö: rodrtigen Slngelegen^eiten teilt ben Slntrag ber fremben Siei^ieninj \>e\\ preufjifc^en 3Jliniftern ber ^uftij unb beö 3n"cni mit. 5^0-- teiligt an ber Prüfung finb alfo bie 3)Jinifter ber Sluönjärtigeii 3lngelegenl)eiten, ber 3u|U} unb beö ^nncrn. ergeben fid) bei Der ^Nrüfung feitenß biefer brei üWinifter feine 'Sebenfen, liegen üiel^ mehr bie jur Segrünbung be§ 2lntraged erforberlic^en Urtuntien Dor unb ift an^ benfelben nid)t oon oorn^erein ju erfel)en, baf; Der 5lncl)tige roegen eine§ SJerbred)en§ »erfolgt mirb, megen beifen oer^ tragSmäöig bie Stuölieferung nid}t beanfprud^t werben taun, oDer baJ3 anbrc Umftänbe uorliegen, meiere bie äluölieferung benfelben unjuläffig mad^en, j. S. baß bie i^erfolgung ober Öeftrafung wegen beö beseic^neten i^erbredfienS oeriäljrt ift, ober bafe ber ^öcfdiiulDigte bejm. SJerurtcilte beutfd^er 3ieic^öangel)öriger ift, fo wirb mit Der Ermittelung bcö g-lüd)tigen bie ^^>roüinjialDern)altung§bebörbe (Re- gierung) beö 33c}irfö, in loelc^em Der (iJefucbte oermutct roiiD, betraut (vgl. SWegierungöinftruttion t)om 23. Cttober 1817, 63. S. 248, § 2 3Jr. 1 u. § 17), unb biefe, fotoie bie Staatöanniülu fAaft bei bem für hew Ort ber ©rgreifung juftänbigeu XfauDgcricbt mit ber meitern Prüfung ber 2lngelegenl)eit beauftragt. Crrgeben fid; bei biefer oorläufigen Unterfud^ung iuDeo iöe- öenfcn, nad) roeld)en bie äluölieferung abfolut unjuläffig ift, miD moröen biefelben oon |'ämtlid)en beteiligten ■J)liniftern geteilt, 'o loirD Der ^luölieferungöantrag fofort jurücfgeroiefen. 3iub jeDod) Die 'iJeDenfen .su l;eben, feljlt ,v i^. ber .»Qaftbefeljl, ift nidbt erfic^tlid), mögen mcld)er Jljat ber i^efdjulDigte oerfolgt mirD, ober ob Dieie ^Ijatein äluölieferungöDelitl fonftituiert, oDer ift Die für bie Arage 2(udlicfcrunfldücrfai)rcn in ^rcufecn. 683 r ^ycrjä^rung cntfd^cibenbc Sängabe bcr ^dt bcr aScrübung beä aglic^cn 3)eliftö nid)t angegeben, )o werben bie Ü)Unifter bered^tigt .n, jcDenScbritt bis jum ©intreffen ergänjenber nnb aufftärenber idjricbten abjule{)nen, aufeer wenn etwa nad) bem i?ertragc mit m betreffenben fremben Staate eine oorlänfige ^Jer^aftung ftatt= iben muft. 2)ieö ift ber Jall gegenüber Italien, Sc^roeben-^Ror^ »gen, Sd)rT)ei}, örafilien nnb Urngnai), inbcS nnr, wenn in bem Liöliefernngöantrag roenigftend mitgeteilt ift, bafe ein ^aftbefel|l jro. ein Strafurteil erlajfen ift. Tie ^^rüfung ber ^4>^o^i"äi^l^^()örben, an toeld^e baö oor^^ ufiti }\\x juläffig befnnbene Sluölieferungöbege^ren abjngeben ift, ftrecft fid^ an] baö JBorIjanbenfein ber befonbern äJorauö^ tjungen ber Sluölieferungpfli^t, alfo luefentüc^ barauf, ob bie jeid&nete in '^^reußen befinblid)e ^^erfönlid^feit mit bem in bem emben Staate ü5erfoIgten ibcntifd^ ift, ob berfelbe 3lnölänber ift iD ob fonft in ©emäfe^eit ber bcfte^enöen Überträge Sebenfen gen bie 'öeraillignng ber iHuöliefernng obwalten. 3n bie (Erörterung r erften unD allgemeinften üBebingung jeber 3tuölicferung, in bie :örterung ber ^rage, ob baö requirierte ^"biüibuum toirflic^ ber m jur Xfaft gelegten Xi)at oerbäc^tig fei, wirb nid^t eingetreten, ie Scfjulbfrage rairö nur bei ben feiten^ ber ^bereinigten Staaten m :)JorDamerifa nn^ oon örofebritannien gefteilten Anträgen in emäBljeit ber äJertrdge feitenö ber öerid)te geprüft. 2)ad bieö^ jüglidje '^erfa^ren foU weiter unten befonberö 5nr 3)arftellung brad)t werben. 4i>irD ber 'Verfolgte ernüttelt unb ift nidE)t ol)ne weiteres an- neljmen, M^ bie 3(u6lieferuug abäulet)nen ift, 3. 2}. weil berfelbe Uänöer ift, fo loirb Derfclbc feitenö ber 'ijiotiäeibeljörDe feft= noniuien. 3)ic i5erl;aftung beojenigeu, gegen weld;en ein ben ißern i>orfd^riften Deö iJertrageö entfpred^enbeö 9luölieferungö= gel;ren oorliegt, ift alfo obligatorifd). 3)ie ^»ftiäbeljörben ^aben i öiefer geftna()uie uid)t mitjuwirten, e§ fei benn, bafe ber l^er^ ig ctwaö anbrcö beftinmit. Xev geftgcnommene wirb nidjt in ö gerid)tlid)e (i^efangniö abgeliefert. Die c^aft ift bemnad) feine itcrfud)ungol)aft. :JJur bei :Uuölieferungen nad) Wrofebritannien iD Den i>ereinigteu Staaten oon 'JJoröamerifa wirD wegen beö ;rbei üorge|d)nebencu gerid)tlid)en i>erfal)renö in ber -Kegel ber •griffene jur gerid)tlid}eu >^aft gcbradjt incröen. i>or berjeuigen ikl)örDe, weldje neu iserfolgten feftgenommen G84 Dr.jur. 35cliufi. I^at, fann bcrfclbc feine ©inroeubungen ^infid^tlid^ feiner ^bentitot mit bem Slngcfd^ulbigten bejro. SSerurteilten, feiner Staatöangc^örig: feit, ber 9?atur ber i^m jur Safl gelegten ©traft^at ufro. geltcnD machen, unb ba bie 2lnölieferinig nid^t beanfprud^t werben tonn, fatld nicf)t bie DertragömäBig feftgeftetlten 93oraudfe(nngen oot: liegen, fo ^at bie ^rooinjialbe^örbe biefe ©inroenbnngen ju im ftruieren nnb i^ren Serid^t an bie oorgefe^ten 3Hinifterien aud) l)ierauf §n erftreden. S)ie ©taatßangel^örigfeit eincö gcftgenommenen wirb oon 2tmtö roegen geprüft, ba x\a6) § 9 @t.@.S. bie äuS- heferung eines ^"länberd an eine frembe Siegiernng unjnläffig ijt. 3)aö SJerfa^ren ift nid^t öffentlid^. 3)ad Siedet, fid^ eine« äJerteibigerS jn bebienen, toirb bem SSer^afteten nid^t eingeräumt, ©in 3»ftcin}enjug ift nid^t gegeben. 3ßie lange bie Slnöliefernngoi l^aft banern barf, ift nid^t beftimmt. (Sine jeitlid^e Sefd^ränfmij ent^ölt nnr ber aSertrag mit ©rofebritannien, Danad^ ift ber i^cr- l^aftete nad^ 3lblauf von 2 9)Jonatcn feit feiner ©rgreifnng am freien g=n6 jn feften (3trt. 12). 3lnf bie abminiftratioc aiis^ lieferungöl)aft finben bie SJeftimmungen ber Strafprojefeorbnuna über bie Unterfud^ungöl)aft feine Slnroenbnng. 3lnc^ bie grei- laffnng be§ äier^afteten gegen Äantion ift nnjuläffig, fie roiber^ fpriddt bem 3roedfe be$ 3lu6lieferung6üerfal)ren§; inöbefonöere nebt and^ bie poütioe SJeftimmnng beö 3lrt. 12 bcö S^ertrageö mit OJro^- britannien entgegen. S)ie fd^liefslid^e (Sntfc^eibung über bad 3luö: liefernngögefud), and^ im galle beö 3"f^^'^"^^^^^^^ff^*"^ ^^^ ^^^'' artigen 3lnträgen üerfd&iebener Qtaattn, flel;t ben (Sentralinftani^en jn. 6ö ift benfelben unbenommen, tuen erfuc^enDen Staat ju einer Grgänjung hex l^orlagen aufjuforbern, roenn bie urfprünglid) beigebrad)ten 3?ofumente nic^t genügen foUten. !?ie auöroärtige •)iegierung, roeld()c ben ainölieferungsantrag geftellt l)at, mirD x>m ber Gnt|d)eit)ung ber Drei 9)finifterien burd) baö 9luömärttgc ülmt beö 3?eutfd)en ^Hei4)ö benad)ri(4tigt, o\)nt bafe eine befonbere llr- funbe über biefe (Sntfd^eibung ausgeftellt roirb. ©ö feljlt an jeber S^eftimmung barüber, ob ju ber bie 3lii§- liefernng beroilligenbcn Gntfd^eibung Stimmeneinbeit ober nur Stimmenme^rl)eit erforberlid^ ift, unb ob ber Oi"Ui5»iiitifter über bie rHedbtöfragen beö galleö unb ber a)Iinifter beö ^nnern übor bie etioaige ftreitige ®taatöangef)5rigteit beö requirierten ^^nhxw buumö allein entfd;etbet. 2)aö Crforberniö ber Stimmeneinljcit fd)eint ha^ ^Jaturgemäisefie ^(u^IicfcrungöoeTfa^ren in ^^rcuficn. 685 ui fein. 3"^^ß wirb bei SJerfd^iebenl^eit ber SJoten TOa^rfd^eiiilid^ Die &ttfc^eibung bed jlönigd eingel^olt iDerben muffen. 9lud^ iDirb ieber 3)iinifter über alle g-ragen mitjuftimmen ^aben, ba bied ben preufeifdjen JBerroaUungögrunbfäßen burd^auö entfprid^t. 3n äJejng auf biejenigen Staaten, mit benen SKufilicferungö- Derträge nid)t befte^cn, eriftieren befonbere, von ben oorftel)enben lügemeinen @runbfä(en abn)eid)enbe 9iege(n nic^t. Die 9lud? [ieferung felbft roirb nur unter ^ufic^erung ber GJegenfeitigfeit unb nur loegen fold^er ftrafbaren .öanblungen erteilt, roeld^e in ben in neuerer ^^'^ feiten« beö 3)eutfc^en Sleic^e« mit auöioärtigen Staaten abgefd^Ioffenen i?erträgen aU bie 2lu«lieferung begrünbenbe aufgefaßt finb bejiD. unter bcnfelben in jenen JJerträgen feftgefcftten l^oraudfegungen. Ta bie ^crbeifd&affung öer jur Stellung eine« förmlichen äluölieferungöantrageö erforberlic^cn Sotumente einige ^üt bean= ipnidbt, fo pflegt in ber übertuiegcnben 3)te^rjü^l ber ?fölle junäd^ft ein Eintrag auf vorläufige Jveftnal)me bcö Jvlüd^tigen geftellt ju werDen. 3»liM"fi9 ift bie« l>erfa^ren inbe« nur in bringenben ^yäUeu, inöbefonbere, wenn @efaf)r ber Jlu^t üorl^anben ift. S)ad betr. (rrfud)en muft in ber Flegel and) im biplomatifd^cn 3i>ege übermittelt werben. 2er isertrag mit Uruguai) Idfet !onfularifd)e i^ermittelung }u. (5in unmittelbarer Öefc^äft^oerfe^r ift neben bem öipIonmtifd)en 3i?ege juläffig nac^ ben äserträgen mit '-Belgien, l'uremburg, Cfierrcidj-Ungarn, Sd)roeiä unb Spanien. Sänemnrf l)at für feine ikljörDen unmittelbaren i?erfel)r nur mit ben 3ufti>= bel)örDen beö Cberlanbeögeridjtöbe^irtö ju Hiel. ih?aö rHut5lanD anbetrifft, fo bürfen nur bie ;l;ufti.^bel)örben beö Öerid)töbe3ivtö iliarfd)au mit bem Hammergeridjt ju ä^erlin, ben Cberlanbe6= gerid)ten ju Jkeölau, Mönigöberg, 3)tarienuierber, 'ij.'ofen unt» Stettin, ben Cbcrftaatöaniüälten bei biefen (äeridjten, foiuie ben 3U i)orgeDad)tcii Cberlauöeögerid)t«bejirfen geljörigen :^anDgerid)ten uno Den CSrften Staatöaniuälten bei biefen 05erid;ten unmittelbar oerteljren. Tie i^orfdiriften ber Äriminalorbnuug, ivonad) bie Weridite einen von einem au6länbi|d)en :}Jid)ter ftedbrieflid) verfolgten 5lüd)tling üerl;aften f ollen (^ -243), ferner einen g-remDen — ab= gefeben von fremöen AÜruen, (^iofauDten u. f. m. — jeberjeit bei binreid)enber i^eranlaifung feünebmeu Dürfen (5^ 2j()), fallö jeDod) bie rHequifition von einer auöunirtigen iVbörbe au^ge^t, bereu 68() Dr. jur. 2:cliud. llntert^an bcr betreffenbe 3lii6länber nidjt ift, nur bann, lüenn bie Öanblung, rocö^alb berfelbe 5ur Strafe gcjogcn werben foH, nadj lliengcn ©cfe^en ein SPerbredjen ift (§ 257), ilnb, ^a bie cixal Derfotgung je^t nid)t met)r Sad^e ber ©eric^te ift, nur nod) für Me Staatöanroaltfd^aft niaf^gebenb, foroeit nid^t bie SKuöIieferungöüerträoie unb fonftige S^cftimmungen entgegenftel)en. Sie oorläufige geftnaljme ift obligatorifd;, wenn biefelbc feitend ^tülicnö, Scöweben^^Jorroegenß, ber Sd^ineij, örafiliend unb Uruguai)ö im biplomatifc^en Sßege beantragt n»irt). Jn beul ©efuc^ mufe jeboc^ erwät)nt fein, bafe ein .^aftbefebl crlafien bejn). ein Straf urteil ergangen ift; bcr obligatorifd)e Gborafter folgt auö ber 33eftimmung ber entfpred^cnben SBertrdge: „lann nie ä>erl)aftung beö 3lngeflagten ober ä5erurteilten beantragen unb er- wirf en ". 3)ad requirierte 3nbioibuum mufe ba^er in ^aft genommen werben, obtüol)l ein unter gteid)en Uinftänbeu ber SJerübung cine^j 5üerbrcd}enö im ^nlctnbe öefd;ulbigter auf freiem Jufe gelaffen irürbe. aiNenbet fic^ ferner bie }uftänt)ige fd)wei5erifd)e 33e^örbe unmittelbor an eine preufjifc^e 3uftiäbel)örbe mit bem ©rfud^en um Dorläufuie ^cü- ua^me unter ^Berufung auf ba§ i^or^anbenfein eineö Strafurteili ei]ieö Öefd^luffeö auf äJerfcfeung in ben 3lnflageftanb ober eine« Haftbefehls, fo foll nad) 3lrt. 8 ber gtüdjtige in iserl^aft genommen werben. 3tlfo aud) bieöfallö ift bie S?erl^aftung obligatorifd). 3" allen übrigen gäUen ift bie geftnaljme nur fafultatio. ^n Den iNerträgen mit Jiklgien, iiuremburg^) unb Spanien ift beftimmt, e§ „Darf" bie i^erljaftung erfolgen. 3?ie übrigen iserträge entbalteu feinerlei SJeftimmung über bie üorläufige geftnat)me. ®el)t ein Eintrag auf norläufige SJerbaftung beim 9}iinmcr öer auswärtigen 2lngelcgent)eiten ein, fo beauftragt berfelbe, mliö Die 5eftual)me obligatorifd) ift unb ha^ ©efud) ben pcrtragö- müBigen ^eftimmuugen entfprid;t, bireft Die ^uftäuDige ^|?oli;ci' beljöroe mit Der geftna^me Des glüd)tigen. 3ft bie 3>erbaftiimj nur fafultatiü ober baS Öefudj nid)t orbnungSmägig, fo bcfinM Der üJJinifter Der auswärtigen iHngelegeuljeiten Darüber, ob Der A"lüd)tige feftgenommeii werDen foll. (Sine i^erftäuDigung mit ben tytiniftcrn Der ^uftij nnh bes 3""^tn ift nid)t unbebingt eriorbcr lid). Das 3>erfal)ren würbe t)ierburd; in eiligen 5^Uen nid)t un- ') Xao ron i.'m\Mnluivi3 alKn]cl)cn^c C5r)ud)en um rorläun^c Jvcftiu'.li"'-o mufi t»ic 'iJiittciUnui cntl}altcu, ^aB »•'»» .vaftK'fcl)! bcuv. 3trafurtcU crjjansiini m. 3ludlicfcnmgöocrfa^rcu in 'iprcu^cn. 687 er^cblic^ ücrjögcrt tocrbcu. ejiftiert jebod^ fein SluSUcfcriiugös ücrtrag mit bem bctreffcnben (Staate ober eiitf)ält ber SJertrag feine auf bic oorläufige Jeftna^me bejüglidie Seftinnnung, fo roirb ber 3)linifter ber ai^Stüärtigen Slugelegenl^eiteu nid)t uml)in fönnen, felbft in eiligen fällen fid^ junäAft mit ben beiben anbern 3)li' niftern in SJerbinbung ju feften, ed fei benn, bafe ber jefet er^ fuc^cnbe otaat feinerfeitß auf Antrag 3)eutfc^lanb§ bie üorläufige ^eftna^me eines and 55eutfd)lanb @eflol)enen bereit« einmal t)ors genommen bejm. eintretenbenfallö jugefic^ert l^at. 2)ieö ift j. 33. ber gati bei granfreirfi, ©rofebritannien, Sfterreic^sUngarn, ben iJtieberlanben, Stufelanb nnb ben äJereinigten Staaten oon SJorD^ amerita. SBenbet fid^ bie auölänbifd^e öe^örbc, rotlä)tx bie Strafe üollftredung jufte^t, bircft an bie juftänbige Staatöanroattfd)aft unb ift unmittelbarer ©efd^äftöoerfe^r juläffig, aud; baß betr. &t)ii6) orbnungSmdBig/ fo ^at bie Untere felbftänbig barüber ju bcfd)lte6en, ob bie ä?erl)aftung üorgenommen werben foll. Cbli= gatorifc^ ift bie l}erl)aftung bieöfallö nur, roenn bad ©rfud^en oon einer fd^roeijerifc^en 33el)örl)e auögc^t. 3BolIte man annehmen, bafe Die @taatöantüaltfd)aft erft bie 2tnorbnung bed 9)Jinifter§ ber 3luQiüärtigen 2tngelegen^eiten einholen müßte, fo würbe ber uns mittelbare ©efd^äftöoerfe^r feinen Sinn Ijaben. il^aburd;, bafe ber leßtere auöbrüdlicf) für suläffig ertlärt morben, ift bie öefugniö bed Ü)Jinifterö auf ben Staatöanroalt übergegangen.*) iJetjterer ^at neben ben fonftigen äJorauöfefeungen aud) bie ^ringlicbfeit beö Jaileö ju prüfen, ^erfelbe erfuc^t fobann, roenn fein 3lnftanD ficö ergibt, bic juftdnbige 'ijiolijeibe^örbe um geftnaljme beö glüc^tigen. 3^aö @erid)t Darf auf 3tntrag ber Staatöanroaltfd)aft bie Dor^ läufige geftnalime nur anorbnen, roenn biefelbe gefe^lid) juläffig ift, D. f). alfo entroeber in Xazn 3lu§lieferungöüerträgen für ftattl;aft crflärt roorbeu oöer, roenn bie iJorauöfefeungen beö § 4 3{r. 1 3t.(>i.S3. oDer öeö ^ 12 öeö fog. 2)i)namitgefe^eö oorlicgen. 3luf förunt) eineö bireft übermittelten Cikfud;eö ber juftänbigen 5iel)ört)e barf bie oorliiufige J^ftna^me erfolgen nad) ben i^erträgen mit ber Sdjroeij unö mit Spanien, i^er 3Jid)ter \)at natürtid) aud) bie ii?orauöfe^ungen für bie g-eftna^me ju prüfen. Sollte *) iögi. 3.«t/in. issy 3. 8 ff. 688 Dr.jnr. 5)eHu«. bcrfelbc bic SSertiaftung üerrocigern, fo ftc^t bcr Staatdanroalti^aft bie Öcfd^rocrbc ju (§ 346 ©t.^^J.D.)- So bicfclbc inbcö längere 3eit in älnfpriici) nimmt, fo roirb es fid^ in bicfem JyaHc empfehlen, bic iJer^Qftung bnrd) bic ^^^olisei norne^mcn ju laffcn. 3lbcr anc^ menn nnmittelbarer 65cfd)äftdr)erfel^r nic^t .^ulaing ober baö (3efnd) bcr frcmbcn Sc^örbc nidjt orönnngönuimg in, roirb glcid^roo^I bie Slaatöanroaltfc^aft jur norläufigcn ^^ftnobme befugt fein. 3)ie§fa[Iö ift jebod^ eine forgfame "j^rürnng, infi^ befonberc bejnglic^ bcr ©d^tlieit beö betreffenben 2^elcgrammö, er- forbcrlid^, ba, rotnn ein Slngel^öriger einer britten Jlation in grimb: lofer 2Bcife feiner g-reil^eit beraubt roirb, fe^r mifelid^e internationale SJerroidelungen entfielen fönnen. ©ö empfiehlt fid^ auc^ in jroeifcl- ^aften Jyällen bid jum ©intreffen bc6 minifteriellen SefebU ftatt bcr 3?erf)aftung anberroeite geeignete S^^orfe^rungen gegen ba« &it» rocid^en bcö glüd)tigen ju treffen. 3Benn inbcö bcr 9(ntrog oon einer nieberlänbifcben 33e{)örbe audgcl^t, fo barf bie Staatöanroott: fd)aft bemfelben auöbrürflic^er SJorfd^rift gemäfe nid)t c^er aoLk geben, alö biö bie bieöbesüglidjc 3Inroeifung beö ^uftijminifterß ober in befonberö bringenben Jyällen eine foId)e oon feiten M 3(u§roärtigen 3lmtcd ergangen ift (t)gl. i?erfügung ü. 15. Sept. 18?<0 ^MM, S. 11)4). 5tad^ ben Sicflriptcn bed Suftijminiftcrö bcjro. bed ^J)iinifter4 beö 3nnern oom 6. Sej. 1875 bcjro. 27. 'Jiooember 1875 (abl)c^r. bei Jtönig, Staat6anroaltf4)aft S. 78) finb: 1. Einträge auf üorläufiiie Aeftnaf)mc flüd)tiger ruffifd^ier ä?crbred)er, rocldjc an inlänbiidie Staatöanroältc gelangen, ben ruffifd)cn Set)örbcn mit bem Slnbeim- geben jurürfjufcnbcn, bicfelben burd) l^ermittelung bcr faifcrl. niif. i^otfdjaft in üHerlin an bcr Gentralftellc ju ftcUen; 2. ferner haben bie inlänbifd)en Staatöanroälte, roenn ftüd;tige ruffifcbe iWrbredier auf frifc^er STljat oerfolgt unh betroffen werben, ruffifdbe Einträge obigen :3"^oltö bcr preufeifd)en suftänbigen ipolijcibeijörbe ^u üben geben. Tiefe i^erfügung ift (^n 1) inforoeit aufgeljoben, alo eö ficb um ülntriige ruffifcber 33el)örben auö bem Wonoernement 2i'arfd)au baubelt, ba mit biefen unmittelbarer G5cfd)äftöoerfcl)r (f. o.) jett ,Uiläfng ift (3in"t.='ä)iin.=Sl. 1879 3. 128 u. 474). 3i?aö bei ben vgtaatöanroaltfc^aften gilt, \aa^ gilt and; bei Den ^|?oli.seibe^örbcn. Gin unmittelbarer (>>efd)äftöüerleljr ift benjelbon iHU'tragömäfug nur mit tew öfterreid)ifd)'Ungarifd)en Jkljöröen ein: geräumt. -Md) bie '^olijcibeljörDcn finb jur vorläufigen Jeftnabme ^udlicfccungöuerfa^rcn in $rcu^cn. 689 \ad) i^rcm ermeifcn befuflt, nur gegenüber ben nieberlänbifdben Beworben finb fie in berfelben 3Betfc befd^ränft roie bic ^uftij= je^örbcn, an bie Stelle beö 3uftijminifterd tritt ^ier ber 3)linifter Dcd 3nnern (ÜR.SI. 1880 S. 70). SDqö Dieftript uom 29. ^lai 1827 [v. Äampft, Slnnalen Sb. 11 ©. 458) beftimmt, bafe bic ^^iolijeU be^örDen foroo^l befugt, ald oerpflid^tet finb, auf bie ^ab^aftioerDung Don äSerbrec^ern , bie t)om ^iluölanbe l^er in baö bieffeitige @ebiet jetomnien finl), unb oon außroärtigen Sel^örben oerfolgt werben, oon 3tmtdn)egen cinjuroirlen; naä) erfolgter iWr^aftung unb gefts ftedung ber ^bentitdt ber ^^erfon fid) inbe^ mit beni juftänbigen @eric^t, je^t Staatdanroalte, in '^erbinbung 5U fegen I)aben. ä?on jeber oorläufigen geftna^me, roelcbe ol^ne biplomatifd^e :}}ermitte[ung erfolgt, ^aben bie 3taatöanit)altfd)aften be}ni. bie ipolijeibeprDen unoerjüglid^ bcm Suftijminifter bejro. bem ü)linifter beö 3»»^rn 2ln,^eige §u machen. Ci>gl. i^erf. oom 17. ^iooember 1881 ^.^mM. o. 277.) Jyerner finb bie 3lufti,^bebört)en roie bie 'iJNOli.^eibeprben a\u geroicfen, oon jeber burd) biefelben beioirften 3>er^aftung einer nad) Italien auöjuliefernben 'jSerfon auf telegrapbMd)^"i äiJege bem auöroärtigen 2lmte bireft 3)JitteiIung ju macbcn. (i^gl. i^erf. oom 15. Januar 1878, 3.3)J.331.6. 18 unb 9)i.»I. ©. 37.) Öel)t ein äntrag auf uorläufige geftna{)me bei einem (iJerid^te ein, fo nuife, faltö berfelbe oon einer fd)toei,^cri|djen ikl^brbe ge= ftetlt ift, auc^ ein bringender JuU oorliegt unb baö Wefud) orbnung^i- gemäB ift, bie SJerljaftung befd;loffen loerben, ba biefelbe obligatorifd) ift. (3lrt. 8.) 1)ad Söeiterc roirb al^bann ber 3taat6anioaltfd)aft überlaffen. -3» ^l^^" anbern 5'ättcn, audj \\)enn \aa^ (yJefud) auo Belgien ober ^uremburg eingebt, ift bie £ad)e junüdjft an bie Staatdann)altfd)aft alo bie ,vir Cirlebigung ber rMequifitonen an^-^ länbifc^er )öet|örben berufene Stelle abjugcben. )Befonberö ift Morunterfu(^ung eingeleitet 690 Dr.jur. 3^cliu*. lüärc. ßiiic ^^rüfung bcö ©d[)ulbbcn)ei)c§ finbet tiiDcö nidbt ftott. £b ein §aftbefcl)I crlajf cu rocrben foll, ftcl)t Icbiglid^ im ßmtejien bed9tid)tcrö, bcr bic äJoraußfe^uiigcn bcr üorldiifigen geftna^mc ju prüfen l)at. Ü&ic ©ninblagc für Den ^aftbefc^l bilbet, rocnn eine belgifdic ik{)örbe in gragc fommt, lebiglic^ bie bejüglid^e amtliie 3)Jitteilnn9 berfelben. (Sine Injremburgifdie Sel)örbe mnfe außerDem nod^ angeben, bafe ein Strafnrteil, ein SSefd^lnfe auf ^^Jerfe^ung in ben ainflageftanb ober ein .§aftbefe{)l gegen ben SBerfolgten üor^anben ift. (Segen t>tn bie 15erl)aftnng abte^nenben Sef4)luf; De§ Slnitöricbterfi Ijat ber Staatöaniüalt bie Sefcöroerbe. (§ 34G St.^^J.C.) (Sine uor^ läufige geftnaljme bnrd) eine 3tbnüniftratiobel)örbe ift nid^t juläffig, (entere barf erft jur äJer^aftnng fdjreiten, roenn ein förmlidjeö 3tuS= lieferungSgefnd) auf biplomatifc^em S^ege eingegangen ift. 3^cr geftgenommene roirD in allen gälten, in benen baö ©eric^t bie ^aft anorönet, in geridjtlid^e ^aft genommen. Db auf biefe ^aft bie Seftimmungen ber Strafproseßorbnung über bie Unterfud^nngS^aft unb eoentueU xotldje entfpred^cuDe Sin- roenbung finben, barüber eriftieren befonbere ä>orfd)riften nidjt; es wirb in jebem einjetnen galle bad betreffenbe (Seri^t barüber ju entfc^eiben ^aben. 3{acb 3tnfid)t be« ^^^reußifc^en ^nftijminifteriumö lönnen bie SJeftimmungen ber ©trafprojefeorbnung, welche nur M% in ^luöübung ber inlänbifc^en (3erid)t§barfeit üor ben orbcntUdben 03erid;teu t»eö ^nlauDeö ju beobad)tenbe iJerfal^ren regeln, auf Daö im 3»^crefie ber auöroärtigen Strafred)töpf[ege ftattfinbenbe 3Ui9- lieferungöoerfal^ren ül§ Siegel feine atnioenbung finben, u\\t> l^uv fid)tlic^ be§ in cinjelnen äSerträgen oorgefd^riebencn geric^tlid)eu ä>erfaljrenö nur fo loeit, alö bieö mit Dem üßefen beö 3luölicferungö-- oerfal)ren§ wereinbar ift unb bie ä>erfd)ieDenürtigteit ber äJer^ältniffe bieö julät3t. UnanioenDbar auf bie SluSlieferung finb bemnad) Die i?orf(irif ten über Die ^aftfriften (ji 126 St.^^.D.). 3lud^ Die Jrei: laffung Deö äJcr^afteten gegen Äaution roiDerfprid^t Dem ^wtdt Deö Sluölieferungöoerfal^renß unb erfd)eint aud) burc^ bie äüorfdjrift Deö 3lrt. d 3lbf. 2 ber äJerträge mit S3elgien unb Xfuremburg auö gefcbloffcn. I'ie üorläufige geftna^me ift aufsu^eben, roenn Die für Den 3luolieferungöantrag erforDerlid;en UrhinDen nic^t binnen beftimmter grift beigebradjt loerben. iTiefe grift betrögt gegenüber Belgien unD Xiui'embunj 15 2'age, gegenüber Italien unD Der Sc^roeij 20 2age, gegenüber Sc^iueDen = Storioegen 6 3i>od)en, gegenüber 9(u4licffrunödDcrfa^rcn in ^rcuBcn. 691 panicn 2, bcffen auölänbifc^en Sciifcungcn 3 ■tDtonatc, gegenüber rafilicu imb Uruguai) HO 2^age. Xk übrigen iserträge enthalten ine cinfd^Idgigen Öeftinunnngcn. 9Jad; ber 3?erfügung beö 0"fti}' inifterö oom 15. September 1881) (3.a)l.in. S. 194) beträgt bie auer ber üorlänfigcn Jveftnaljme in ben 'JJieberlanben 20 Xage, efclbe Jyril't toirb baljer auä) '|?renften innehalten muffen. 9)Jit m Gintreffen be§ formellen 2luöliefcrnngögefnd)d üerroanbclt fid) t oorläufige geft^altnng in bie eigentliche 3ludUeferungS^aft, ren Sauer feinerlei 33efd^ränfung unterliegt, auögcuonunen ©rofes itannien gegenüber — 2 3)lonate — . ;3ft ber i^erfolgte in ge^ i)tlid)er §aft, fo mirb er in abminiftratiue ^aft'^) übergeführt, lögenommen bei einem engtifc^en ober norbamerifanifd^en 3luös iferungögefud^e; l^ier bleibt berfelbe aucö mä^reuD ber 3luötieferungö- ft im (iJeric^tögcfängniö, maö übrigens auö 3^^^^"^^Bi9^^i^^^"*' ^ten auc^ fonft gefd)en fann. älUrD ber vorläufig Jvcftgenommcne, loeil bie nötigen Urfunben c^t innerl)alb ber üblid)cn Jrift eintreffen, roieber freigelaffen, fo cibt Dad ^}luölieferungdDerfa^ren felbft tro^bem fii^ängig. ü&mn Ijer fpäter ein geljörig inftruierteö aiuölieferungögefucö eintrifft, mufe bie Sluölieferung gewährt loeröen, fallö man De« in 5i^eil)eit efe^jten nod)malö l)abl;aft loirt). Selbftoerftänblid) roirb bie oor^ ufigc 5^fnia^me and) aufget)oben, fobalD fid) ergibt, bafe ber L*rl)aftete mit bem oerfolgten ^nDiinbuum nid}t ibentifd^ ift. (i)lcid)seitig mit Dem i^efel;lc Der uorläufigen i^er^aftung finb id) alle llntcr)ud)ung9^anDlungcn gegen t)tn iU^folgten juläffig, öbefonDere .pauös unD '|>erfonoDurd)fud)ungen unD Die 35efc^lag= il)me Der 3}Jobilien beö iJcrfolgten, foioie Der an iljn gelangeuDen ac^ric^ten unb 3enDungen. 'ülad) ben meiften lUuölioferungöoerträgen ift nämlid) '^>reußen rpflid)tet, bie bei bem iHuö.^uliefernDen üorgefunDenen Sachen er (i>elDer, foioie Die ^nn :i^oii)eife Deö i>erbred)en6 Dienlid)en egenftäuDc mit auöjuliefern. Tiefer ^>flid)t muß nad)geIommen erDen, auc^ wenn ber rcquiriercnbe Ztaat nid)t auöDrüdlid) Darum fud)t haben follte. ^n Der iUujrenjung Dcö Umfangeö jener i^er= lic^tung meidjcn Die einjelnen i^erträge untoreinanDer erl)eblid) '; ^ic ctrafaiiDrolunuicu . ii)cld)c auf t>ic ibcfrciunc^ ufiv cincö in Unter? rf)iinj^*Jt)a»t iBcfinMid;cn ^ck'IU jinD ,§S l'jn un^ 1*21 3t.(''J.'i^.) fin^ aud) auf n jüU l»cr 5)cfrciunJi ocs ^u 3lu«Miofcrun9e;uicdcn '^H'vlwficicu anunücuDcn. Igl. über tcn 'i^Cyiriff t'C'i CScfaui^cncn rHcditii-r. Dcö :Hcid)iJöcr!d)tö ^l\l>. 4 3. 8"29.j 692 Dr.jiir. 2)caui*. ab. 3ia4 einigen^) ift bie ^^Nflid^t blofe auf bie jur Qtxt bcr Ser^ Ijaftuiig beö öefdjiilbigtcn tu feinem Seftfte befinblic^en Segen; ftänbe bef(^ränft, bagegen crjiredft fic fid^ naö) anbernO auf öH« üon bem 33efc^ulbigten entroenbeten ©egenftänbe, auf bie SSerfjeuge unb ©crätj^aften, bereu er fic^ jur 2ludübung feines I^eßfte« bebient ju {)aben fd^eint^ unb auf aQe ald ^eiDeidftücte für feine Sd^ulb bienenben @egenftänbe, mögen fie il^m ober einem aiibern gel^ören, mögen fie fi^ in feinem ober eines anbern Senje ht finben. 2)ie SJerträge mit Örafilien, ^^^li^» u«t> t>^r Sc^roeij beftimmen fogar, bafe bie Ueberlicferung oon ©egenftänben ber ge: bad)ten 3lrt erfolgen muffe, wenn bie SBludUeferung wegen bei 2:obeö ober ber ?flud^t be« Sd^utbigen nid^t foUte ftattfinDen fönuen, auc^ muffen nai) ben beiben lefetgenannten iJerträgcn Me erft nad^ ber Stuölieferung in ^reufeen aufgefunbenen ©egenftdnDe Der befc^riebcnen 3lrt mit überliefert werben. 3lus ber Iraft Dod ßJefefeeöfraft ^abenben SSertragcö übernommenen ijiflic^t jur lieber lieferung folgt baö ^e bie am gelieferten ©egenftänbe naä) bem Sc^luffe beö geric^ttidjen X^iv faljrenö foftenfrei jurücfgegeben. 3ln biefer Stelle tritt redjt beutlic^ bie Diotroenbigfeit ein« SluölieferungSgefefteö ^eroor. 3tuö ber in ben äJertrügen üben nommenen '|>flid^t, fid^ in ben äJefi^ beö glüc^tling«, ber Scroci«= ftücte ufiü JU feßen, mag ja bie ikfugniö jur ^orna^me oon Ihiux- fud)ungöl)anblungcn, burd^ loeldfje in bie :Hed^te einer pon Dem **) ^3Jiiinli(^ mit Belgien. Sranfrcicö/ Wrofebritannicn, Surcmbiirj, !KkNT laufe, Cftcrrcicb'Unnarn, S(brocbcn«3lonoC};cn, Spanien unb Unij^urtp. ■) b. i. mit Brafilicn, Italien, 'Sc^rocij^. ^nöliefcrungdoerfa^ren in ^rcu^en. 693 eqiiirirten ^nbioibuum ocrfd&icDencn ^perfon eingegriffen roirb, lergclcitet werben fönnen. Sßie fte^t e§ aber, roenn fein Sind- iefernngdoertrag eriftiert ober berfelbe leine einfd&lägige Seftimmnng MUf|ä(t, Die -^^reufeifd^e Stegiernng aber bie 9lndlieferung axiä) ber öeroeiöftürfe nfro. üerfpridjt. 3)ie§faIIö fönnen bie SJeI)örben nid^t für befngt erad)tet werben, in bie Siedete nnbeteiligter ^erfonen bei Sorna^me pon Unterfuc^ungdl)anb(nngen einjngreifen, ba 3öo()nnng mb Gigentnnt üerfaffungömäBig (9^^. 6 unb 9 ber prenfe. SBer^ Qffnng) nnoerleßlic^ finb, abgefe^en von ben gefegt idb jnläffig rfUirten Jyällen. (Sin fold^er aber würbe nur oorliegen, roenn für '0$ im Sluölanbe begangene SBerbrec^en ein inlänbifd^er ©eric^td^ :anD begrünbet roäre (i?gt. § 4 9fr. 1 et.@.». unb § 12 bed L^tJnamitge)e6e«.) jtuftert baö requirierte 3nbit)iDnum fofort bei feiner SJerl^aftung ber im yaufe beö in ^^reufeen fic^ abfpielenben SSerfa^renö ben iiJunfc^, fogleic^ bem erfud^enben Staate überliefert ju werben, 'bne Daß erft bie ^^rüfung beö 3Iuölieferungöbege^renö in ^^reufeen lad) ben für biefelbe in Übung fte^enben formen burd^gefüfirt oirD, fo wirb biefem SBunfd^e unbebenflid^ ftattgegeben werben önnen, sumal fein ®efe6 entgegenfte^t. 3)iefc fogenannte freis uillige äluslieferung ift jebod) gegenüber @rogbritannien unb ben bereinigten Staaten nic^t juläffig, ba baö Dieöbe}üglid)e äJerfa^ren n feinen ©runbjügen auf mit ©efefteöfraft auögeftatteten ^^er= :rägen beruht, (i^l. aud) iiammafd), a. C S. 721 ff.) Cntjie^t fid) ber iJerfoIgte bem gegen \l)\\ eingeleiteten SBer= 'a^ren, beoor nod) eine Gntfd^ciDung erfolgt ift, wirb aber fpäter ■Diebcr auf preuf3ifd)em Öebiete ergriffen, fo finbet eine iüSieberauf^ iia^me bed äJerfabrenö ftatt, o^ne Daß ed eineö neuen 3(ntrag§ bebarf. 3ft aber ein SluSlieferungogefud) bereits abfdjlägig befd()ieben, fo fann Daö ä>erfal)ren nur wieber aufgenommen werben, wenn ber oerfolgenöe Staat Umftänbe öartbut, weldje geeignet finb, bie ber iluölieferungsbewilligung entgegenftcl)enDen :üeDenfen ju fjeben. 6ine oorläufige J^erbaftung auf (vJruuD eineö bireften (Srfudienö ber auölänbifd&cn i^e^örbe ift DieöfaUö aber unbebingt auögef^loffen, ttnw burc^ bie (rntfd)eiDung Der oberften iJerwaltungöorgane, bafe bie :Uudlieferung nid)t ftattfinbe, finb bie untergeorbneten Jle^örDen gebunDen. ^itx ifi untäd)ft bie SlnorDnung beö SDJinifterö ein= jubolen. Jür bie 'jJrooinjialbeljörben wirb eö fc^wer galten, ftetß ,>)citf4nft f. b. flcl)örben, fallö bicfe mit ber 3luölieferung betraut werben, e i^erfügung t)om 28. ^ebruar 1877 nocb mafegebenb. Über bie 3tuölieferung nac^ Cfterreic^- Ungarn beftimmt ber B beö a)Hmfterö bed Innern uom 20. 3uni 1877 (^Dl-M, (»:>) r>a^ m\)ext. 3n bem 3lbfommen mit ber Sd^roeij nnh Italien üom )[uli 1878 (Gentralblatt für baö 2)eutfc^e iReid) S. 271 ff.) alö Übergabcorte ein für allemal feftgefeftt: 5Bafel, ®d^aff= en, ^Homanöl)orn \\nt> ^Horfdiarf). 3)ic Übergabe erfolgt bort •ie betreffenben fd)n)ei.^eri)d)en '^l'olijeibefiörben. 3tad) ben Grtaffen öeö ÜJinifterß beö Innern uom 1 Sep* er 1H7:^ (iälM. S. M\)) unb 25. ^JJouember 1874 (3)?.^«. 1875 7) baben bie italieni)d)cn 33el)örben jebeömal bie ©renjftation, )ic Übergabe erfolgen foU, ^u be,seicbnen; biö j^um Gintreffen Grtlärung ift ber i:ranöport auö^ufe^eu. Tie Äloften ber Aeftnabme, Deö Unterbaltö unb 2^ranöportö 3luo;uliefernDen fonne Der Deponierung unD beö Jranöportö gleid)fallö auouilieferuDen befdilagnabmten (^)egenftänbe biö vreuftifd)en (^Jrcn^e be.^m. jur Gin)d)iffung trägt ^|5reufeen. J entfprid)t ben iNorfd)riften Der meiften Ik^rtrage, ift aud^ >rred)tlid)cr WrunDfal^. JJad) § (;;U ber Mriminalorbnung foU :Kid)ter inegen Der ivoftciieinattung ficb rid^ten nad; ben 3lud' 696 Dr.jur. S^cliu«. Ucferungßücrträgcn, no^ bcm ©cri^tögcbraud^ unb bcn SJorfciriften. bcr gemeinen Siedete. 9Jac^ bem ©rlafe ber ü)Mnifter bed 3[u4n)är%n, Snnern unb ber ^uftij t)om 18. Sunt 1875 (3K.ai. ©. 269) werben Siufetanb gegenüber feine Äoften liquibiert. 3Btrb jebod^ nadi £fterreic^=Ungarn ober nai) ben SSereinigten Staaten ausgeliefert, fo l)aben biefe Staaten fänttlid^e burd^ bie 9ludlieferung entftanbenen Soften ju erftatten. S)ie le^teren werben nad^ ben §§ 19 u. 21 beö preuB. Sluöfül^rungSgefefte« gum ©erid&tdtoftengefefee (S.S. 1879 ©. 145) beredinet. Soll ein feiten^ eined fremben Staates an einen aubem 3luö}uliefernber burd^ preufeifc^e« @ebiet ober auf preufeifci^cn Sd^iffen transportiert loerben/-^) fo ift baju ebenfo roie bei einem Sluölieferungögefud^e bie ©ene^migung ber brei ü)iinifterien cr^ forberlid^. 2)er biesbejüglic^e 2lntrag tann nur im biplomatifdben ai>ege geftellt werben, unmittelbarer ©efd^äftsuerfe^r ift unjuläffifl. 3n ben SBerträgen mit Belgien, ^t^tien, i^ujemburg, Spanien, Sc^roei} unb Uruguay finb über bie 3)ur(^lieferung auöbnlrflic^e Scftimmungen getroffen. 3^^ übrigen gilt als ©runbfag, bajs bie ^urrf)lieferung nur geftattet roirb, wenn bie betreffenbe ^^Serfon Don ^4?reuJ3en felbft auf ©runb bes üon biefem mit bem um ben 3)ur(ft= transport crfucbenben Staate gefdjiloffenen Vertrages ausgeliefert werben würbe. 3ft f^i» 9luSlieferungSoertrag gef^loffen, fo ilnb nmBgebenb bie 9iormen ber neueften äluSlieferungSüerträge M Seutf^en iReiä)^, inSbefonbere besjenigen mit Belgien. 2)ie Äriminalorbnung beftimmte: § 244. grcmbe ©eriite, weld^e einen SJerbred^er burc^ bie bieffeitigen Staaten führen wollen, muffen baju üon ber Kriegs = unb 3)omainenfammer Der ^'romn? mit einem f^riftlid^en 5paffe üerfel^en fein, ^at bie ÄriegS= unö Somainentammer bei Erteilung bes ^^affes 9)ebenfen, ob über Den i^erbredljer nid^t im ßanbe gerid()tet werben muffe, weld^es^ jeberjeit eintritt, wenn berfelbe ein bieffeitiger Untertl)an ift, fo muft fie mit bem fianbesjuftijfollegio ätüdffprad^e t)alten, unb beibe mfiffen Da- rüber an bas Aabinettsminifterium }ur weiteren Verfügung berieten. S 245. Äann ein folc^er ^ßafe nid^t üorgejeigt werben, fo muffen biejenigen, welche ben J^ranSport beforgen, mit bem ©efangenen in ■') 3oU t>cr 2:raneport auf einem bcutfd^cn Mricööfc^iffc crfolijcn, So ift fi« C-icnchmif^imj:! bce Sicic^efaiulcre crforbcrlid). 5" Diff«»" 3aUc ift alfo auA M* :Kcic^ l)ctm :?(u9licfcrungeocrfai)rcn beteiligt. 9(ud(ieferuugdiKrfa^rcn in $reu^en. 697 :f)aft genommen, ber S?orfatt mufe f^leunig ber Äammer jur teren SBerfügimg cinberid()tet roerben, unb biefe baüoii bem )artement ber äudroärtigen Slngelegenl^etten golge leiften. 35ie 2)urcl^fü^rung gefd^ie^t burd) prcufeifd^e ^oüjeibeamte. ibelt eö ftd^ jebod^ um eine 2lusUeferung nai^ Stauen ober ber roeij, fo leiten ben S^randport bie auslänbifd^en Beamten, eö let inbeö eine Segleitung burc^ preufeifd^e 93eamte ftatt, eö D biedfaQd a\\6^ ber {ürjefte 933eg geroäl^It. 3;ic Äoften beö 3)ur^tran«ported trägt ber barum erfud^enbe tat. 9Kafegebenb ift roieberum § 19 beö Stuöfü^rungdgefefteö jum id&tdfoftengefcfte. 35a Gnglanb unb bie ^Bereinigten Staaten üon 3?orbameri!a ©eftattung einer Surd^lieferung burc^ i^r fianbeögebiet ein ooü^ ibigeö SluöUeferungdoerfa^ren einleiten, fo lann im 3ßege ber oruon bie preufeifc^e Dtegierung biefen Staaten gegenüber bads c tl^un. 6ö TOirb bann auc^ bie Prüfung be« ©d^ulbberoeifeö c^ bie ©erid^te erfolgen mi'iffen. äßir roeuDen \\m nunmel)r jur 3)ar|leUung beö Sluölieferungös fa^renö, roenn ßnglanb '^) ober bie ^Bereinigten Staaten oon rbamerifa ber erfurf)enbe Staat ift. 2Ba§ junäc^ft ©rofebritannien betrifft, fo finb, wenn eö fic^ bie 3Iudlieferung eines bereits nad^ fontrabiftorifd^em SBer^ ren ^.Verurteilten Ijanbelt, lebiglid; bie üBerioaltungSbe^örben tig. ©ine 9)Jitn)irfung ber @erid)te tritt nur ein, wenn ein \) nid)t ober nur in contumaciain ^Nerurteilter in J^age imt. SKuffätligerroeiie enthält ber 23ertrag mit ßnglanb feine 33e= tmung über bie oorläufigc geftnal)mc; ta biefelbe inbes in ofebritannien juläffig ift (ogl. iserfügung beö <3"ftijtninifterö 1 1(). 3lug. 1875 ^MM. S 194), fo gilt baSfelbe aucb in mfeen. SDlit bem förmlicben SluölieferungSantrage muffen naä) 3lrt. 8 äJertrages ein ^aftbefe^l unb fold)e 33en)ei)e beigebradjt roerben, dbe nacb preu6i)df)en ©efeßen bie iJerIjaftung beS g=lüdt)tigen itfertigcn loürDen, loenn Die ftrafbare ^anblung in ^^sreufeen übt wäre. Die (5nt)d)eibung barüber, ob bas ©efud; , nadb en 'Seftimmungen begrünbet ift, fte^t tebiglidt) \)e\\ brei •iDfiniftern '^') ©ae üon (rnglant» \]\[t. tiao (jilt aud) uon bcffen Äolontccn. Ö98 Pr.jur. 2)cHuö. }u. 2i5irb ber 3lntra9 in Drbnuug bcfunben, bann jottcn nac^ 2trt. 9 bic juftänbigen Scl^örbcn jur gcftno^mc bcd öcfc^ulDigten fdircitcn". 3)ic SBcr^aftung gefd^icl^t burd^ bic ^^?oU}cibc^ört)en. ,,S)cr ergriffene roirb fobann") vox ben gefe^lid^ bü5u berufenen rid)terlidE)en Beamten gebracht, roelc^er i^n ebenfo ju uer^ören unD ben Straffall ju unterfu(^en ^at, als roenn bie Grgreifung wegen einer im 3nlanbe begangenen ftrafbaren ^anblnng erfolgt rodrc* (äxt, 9 3lbf. 2.) ©ö fragt \i6) iunäd^ft, wer ift Der gefe^lic^ bt- rnfene 3iid^ter. Unjroeifel^aft bcrjenige am Crte ber Grgrcifung (sj 9 St/^^.D.)- ^at bie ©rgreifung auf einem beutfc^en cdböfe ftattgefunben, fo ift ber öeric^töftanb beö § 10 ©t.^^S.D. begrünDet 2:a nun bie rid)tertid)e Unterfud^ung ben S^^^ ^^t feftjuftcllen, ob bie ^eroeife genügen, um nad^ beutfc^en ©efefeen bie SBerrocifuna beö ergriffenen jur ^auptunterfuc^ung ju rechtfertigen, mit anDeni Sorten, um baö ^auptüerfa^ren gemäfe § 201 St.^^\C gegen bcnfelben 5u eröffnen unb ferner feineö t)on ben im beutfcb briti^ fd)en aiuölieferungöuertrage aufgesä^lten 2)elitten sur abfoluten 3uftän^igtcit ber Sd^öffengeric^te gel)ört, fo muB man bie be- fd)Iiefecnöe Straftammer (3 3Ud^ter) beö Üanbgerid)tö für Dae sU- ftäubige @erid)t Ijalten. ^aöfelbe ©eric^t loirb auc^ in öapern mit ber £ad)e betraut (ügl. i^ammafc^ a. a. D. S. 641). 3)iit ber "iprüfung ber befoubern i^orauöfefenngcn Der äuö^ lieferung, j. 3J. ber 5^'agc, ob ber glüc^tige etroa ^^reufee ift, ob ein Sluölieferungsbelitt vorliegt ufro., ^at fid^ baö Qerid^t mit JU befd^äftigen. 'Jiur bie Sd^ulbfrage fommt in Setradbt. Jaju gehört natürlid; aud) bic j"ycnfteUung ber :3bentität unD bie gragc, ob nad) bcutfc^em 3iec^t etioa i5crjäl)ruug eingetreten ift. i)li(i)t unbeftritten ift eö, ob ba§ @erid^t nur ben feiten^ (rng- lanbö üorgebrad)teu Selaftungöberaeiö feiner -ißrüfung ju unter jieljcn Ijat oDer auc^ ben feitenö beö inquirierten ^ubioiDuums angebotenen enttaftungöbeiueiö. Sa nai^ 3lrt. 9 ber "Stroffali ebenfo ju unterfud)en ift, alö loenn er in '^jreufjen erfolgt rodre, fo ift Die 5^age im 3inue ber le^tern Sllternatioe ^u beantroorten. 'Jfad) englifd)em died)t ift hk Jrage ebenfaHö ftreitig (ogl. ^am- mafd) a. a. C S. r)19). :iki 'ilJrüfuug Deö 33elafiung6beineifeö ift Die fonft Dem Deutfc^en '*) 3Ufo crft, nad)l>i'iii bae CWmd) für bc^rün^ct flcfunbcn, nit^t fAon nn crt)anblung erläßt bie Straftammer einen kfdjeiD, in lueldbem bie Semeife für genügend bejw. nid)t genügenb rflärt werben, um bie ©röffnung bed ^auptüerfal^rens gegen ben Tgriffenen ju befc^liefeen, falls bie betreffenbe Straft^at — meiere brigenö nac^ beutfc^em Jtecbt ftrafred)tlid^ ju qualifisieren ift — , t 'i^reufeen begangen wäre. iTer SÖeid)ciD wirb ber Staatöanroaltfd^aft übergeben, welche ic Übermittelung beöfelben an ben 3uftijminifter veranlaßt. I'ic Drei aJiinifter finb übrigenö an bie Gntfd&eibung beö ße= ic^tö nic^t gebunben. üeßtereö befdjäftigt fic^ aud) nur mit ber Jc^ulbfrage, mit ber ^4?rüfung ber übrigen SJebingungen ber 2luö= .eferung werben bie ä5crwaltungöbel)örben, wie fonft, betraut. Tu Ütuötieferung erfolgt nid^t oor 3lblauf oon 15 Sagen feit er (rrgreifung. aUerDcn bie jur 3luölieferung nötigen 33eweife id)t binnen 2 3)Jonateu oon bem 2^age ber Ergreifung an bei^ ebradit, fo ift ber Ergriffene auf freien 5"6 J" U^tn. Taofclbc i^crfaljren finbet nun im allgemeinen aud) 3tnwenbung ei einem Sluölieferungöantrage ber ^bereinigten Staaten. 3)er ^iJer- rag uon 1852 gebeult bes Jyalleö ber Sluölieferuug eineö bereits ä?er- irteilteu gar nid)t, fonbern fvrid)t nur oon ber Stuölieferung oon l)err^uiis chargcd with criiiujs''. Xa nun bie ^bereinigten Staaten ireuüen gegenüber aud) bei einem i>erurtcilten eine 9{eoifion bed 3eweifeö, e^e bie Sluölieferuug jugeftanben wirb, anoröncn, fo ;immt aud; *!|5reuf?en nad) bcm ^|>rin,^pc rejiprofer Slnwenbung eS ameritanifd;en i^erfal)rcnö bei einem in Jiorbamerifa ^Verurteilten ine Unter)ud)ung Deö it;m jur iiaft liegenben i>erbad)to oor (ogl. plU/iH. I88ü S. 8j, wie bei einem nod; nid)t ^Verurteilten. Sie infd)lägigen ikftimmuugen bes i^ertrageä lauten: 2^ie Sluötiefe- ung nuDet ftatt mit ber :i3e)d)räufung, hai bieö nur auf folc^e 3eioei)e für Die Strafbarteit gcid)et;en foU, weld^e nad) preuf5i|d)en »iefetjen Die :iserl)aftuug Deö 5'l"d;tigen unb Stellung üor (3erid)t ed^tfertigen würben, wenn Daö ;iNerbred)en oDer iNergeljen in .ireufsen begangen loärc; „uuD Die vefpeftioen 'Jiid;ter uuD anbern 3el;örDcn Der beiDen :)iegierungeu foUen 3)Jadjt, Siefugnis unb 700 Dr. jur. 2)cüuS. älutorität f)aitn, auf eiblid^ erhärtete Slngabe einen S3efebl ^ur 3Serl)aftung bed glüc^tlinfld ober fo befdbulbigten 3"*^i^i^"i""^ 5" erlaffen, bamit er uor bie gebadeten SRic^ter ober anbern Se^örben ju bem S^tdz geftettt roerbe, bafe ber Scroeid für bie Strafborfeü gehört iinb in ©riüägung gejogen roerbe, unb wenn bei öiejer SBerne^mung ber Seroeid für auörcic^enb jur 3lufred|ter^Qltinig ber Sefc^ulbigung erfannt lüirb, fo foU eö bie ^pflid^t beß prüfen ben 9iid^terd ober ber 8el)örbe fein, felbigen für bie betreffeiibe eEetutioe 5Be^örbe feftjufteHen, bamit ein Sefe^I jur 3lu§licfcruiij eine« folc^en glücbtlingö erlaffen werben fönne." 2luf Grfucbeu ber juftänbigen Seprben fann ein am 3lmerifa ©eflüc^teter oorläufig feftgenommen roerben. 3)ie 3iiläffigteit foljt baraud/ bag im gleid^en ^aüz ani) älmerüa oorläufige ^eftnabme geftattet (ogl. ^MM, 1872 ©. 141). Siegt ein formeUe« Jlue^ tieferungßgefud) t)or, fo befc^Iiefeen bie Gentralinftanjen über ^ie SBerl^aftung. jQi^niad^ roirb er oor ben juftänbigen Siicbter ge^ bracht. e§ ift bieö bie Straffammer am Orte ber ßrgrctfuug. Sei Prüfung ber ©d^ulbfrage ift ber preufeifc^e 9lid)ter in ber freien Seroeiöroürbigung nirf)t befc^ränft. Sonft gilt baöfelbe loie bei ßnglanb. 3lur finb bie gegenüber fönglanb in Äraft befinö: liefen griften üon 15 2^agen besro. 2 2Wonaten ^ier nicbt maB^ gebenb. Slo^ttOfi: a«it Unred)t - ogl. ob. ©. «87 Hbf. 3 — bält Me Straftammer ju Stuttgart bie oorldufige Jyeftna^me auf einf. fonm lofen 3lntrag englifdjer Se^örben burc^ baö ©eric^t fürjulafiig, weil biefelbc aud^ nac^ engl. 3lec^t ftattl)aft, burrf) ben beutfcb^engl. aJertrag nid^t außgefcbloffen fei, nadö § 21 St.'iJJ.O. Unterfucbuiig«^ ^anblungen bei ©efa^r i. SJerj. oon unjuftänDigen @erid)ten vor- genommen werben tonnten, enblid) 3lrt. 9 ein geriditl. ä?erfat)reu oorjd^reibe unb bie baßfelbe oorbereitenben 9)?aferegeln Den ©ericbten nid)t cntjogen feien. (Sigl. ©oltbammerö 3lrc^. ob. 37 £. 8.^) Sind) beim 5Borliegen eines formellen SluöL^äntrageö ©nglanöö fiuD bie (i3erid;te nicbt j^ur äJer^aftung befugt (onb. 2lnnd)t. D. C.X^.0. 5u Stuttgart in @oltb. 2trcb. Sb. 37 S. 86), weil in %he\m biefelbcn nid)t als ,,5uftänbige Seljörben" i. S. De« 3(rt. 9 3lbf. 1 gelten, (ivgl. oben S. 081 äbf. 1 u. S. 698 3(bf. 1.) 20. QfiSi (Pbjekt bet Sittufe. Son §. 3lio§ber0, 9(boofat in 3t. ^cter«6urg. 3Sou alte» juriftifd^eu i^i^jipUneit ift ba« Strafrcd^t baö mcift bel)anbcltc in ber ru|fifd)en Xiittevatur. 3tiif bicfcm ©ebietc fiub üon 3^1^ J" 3^i^ lüidjtigc ©rid^eimingeu jii fouftaticrcn. Sefonbcrö flünfüg ift bic ncucfte 3^^^- 55cm umfaffcnbcu 2öcrte Xaganseffö, Sorlcfungcn über t>a^ Strafrcd)t I biö III, 1887 biö 1890 ift goiiiijfpö ebenfo iimfaffenbcö roie reidjijaltigcö äßcrf „iDic Üeljrc üon ber Strafe in SBerbinDiing mit ber ®efängiuö!uube, ®t. ^pctcrö^ bürg 1889" gefolgt, imb nod) ganj unläiigft ift ^|^rof. Sergejeiuöf pö lifeljrbuc^ i» »euer iJenrbeitiing crfc^iencn. 4>on gan5 befonberem ^"tereffe ift goini^fgä crmäfintes '^ud). Gö ift baö einjige SüJerf, baö eine üoUftänbige roiffenfd)aft= H^ lidje 2)arfteUung beö äiJefcnö ber Strafe unb \\)xcx Sniüenbung gibt. XaQ ih>erf 2aganjeffö ,,Äurfud beö rnffifcben Strafred^tö" I — III, unb 1. u. 2.:iiief. feiner neneften oben erroäl)nten „ä>orIefungen" berübren bie iiel;re oon ber Strafe noc^ gar nid)t. 3f ur bie 3. iliieferung berfetben, bie aber nad; bem (Srfd)cinen oon goinifefpö 33ud)cd ba^ klidjt erblidt f)at, ift ber Setjre oon ber Strafe gcroibmet. Hompenbiarifd^ ift fie be^anbelt in bcn iJct)rbüd)ern oon .ftiftjatoit)ö!i; (1885) unb Sergejeroöfp (1890). ih>üö befonberä bie (iJefängniö^ tunbc betrifft, ift eö ein befonbereä ä5erbicnft ^^rof. goiniftfxjd biefetbe jum Dbjeft ber atabemifd)en ^^orlefungen gemacht }u Ijabcn, - feinem SJcifpiel ift niemanb gefolgt, unb aud; fein 33ud^ ift in Diefer ^inficbt baö einjige in 3Hufelanö. ^u ber i?el)re oon ber Strafe gebt goinifeft; einen eigenen äi>eg, unb bieä mad)t t>a^ i^ud) befonbcrö iüid)tig unb oerleibt il)m einen allgemeinen ih?crt. Xm Stanbpunft beö i>erfafferö barju^ 702 ^^?- SlioöbcTö. legen, ift taQ 3*^' ^'^f^'^ 3*^'^'*^"- '^l^^^' ^orcrft glauben rair einige 23cmerfnngen uorauö)d)i(fen 5u bürfen, lueldie bie Sebeutimg Der barsuftctlenben Gvörterung Joinifefijs betreffen. Soüiet and) für bie Erörterung beö 33egriffeö ber Sirafc lüic beöjenigen beö ä>erbrec^enö getban lüorben xmt) nod) jet^t geiban wirb, lüirb bo^l, unferö G;rad)tenö, nid)t allcö berücffid)tigt, \m% um einen feften 33obcn für bie 2^oftrin 5U gewinnen, ju berüdfiditigen nötig wäre, — unb gtunr wirb ju wenig bie Jöejieliung äiuificn Strafe unb ÜBerbred^en betrad^tet. ätJcnn man @runb, ^lozd unD ih>efen ber Strafe erörtert, läßt man gewö^nlid) baö äßeieii Dcö iNerbred)enö außer 9iüdtfid)t; fomnit man einmal jum 'iöcjeii öcö ^erbred)enö, fo bleiben alle (S'rgebniffe auö ber (Srörtcrung Deö Strafbegriffeö für fid) bcfteben. Unb fo ift eö gefd^eljen, baf? öiefe jwei fid) einanber ergänsenben itel)ren, — t)on Strafe unb 2>erbrc4en, — il)rc eignen 3j?ege gelten; es gibt feine SJrüdte, weldjc m\ einer 5ur anbern fül)ren fönnic. 2)ie weite Äluft, weld)e jroificn ber fogenannten f laffifd^en ^ic^tung im 3trafrec!)te unb bor pontiuen beftel)t, orflärt fid; nur baburd^, bafe bie erftere M^ iscrbrecbcn infoweit objeftiüicrt l)at, baj3 eö ganj loögcfd)ieben uon ber ^]?orion beö )8erbred)erö betrad)tet wirb, wäljrenb man bod) nid)t umbin tonnte, bie Strafe alö eine -Heaftion tbm gegen bie ^^erfon Des i>erbrec^erö im erfennen. Sprid^t man üom iserbred)en aU einem Sojialübel, al« einer fo5ialen Sebenöftörung, unb bemgemäB ü^^" ber Strafe alö einer fosialen Jyun!tion, fo ge|d)iel;t eö nur bei &- örterung beö SJegriffeö unb 'ii>efenö ber Strafe: bei ber Äon- , firuierung beö ä>erbred)enöbegriffeö wirb bie fojiale 'Jiatur bc9 'l^er^ bredjenö wieber aufgegeben, man betradjtet bie ^anblung, nid)t m .yanDelnben. Taö i^erbred)en wirb alö iserle^ung eineö fubjeftioen :)icd)tC9 (Aeuerbad), neuerbingö iiöning), alö eine 3Jormübertvetunj (i^nbing), alö eine äJerle^ung eineö rHecbtöguteö, cincö rednlid) r- fd)üt>ten ontereffeö (p. i^iöst), — aufgefafet. 3hm ift eö aber flar, M)] bie i^erleßung, bie 9iürmübcrtretung - nur äU^bingunoicn, 'J)ierfmale ober euMid; 3i>irfungen beö ä>erbred)enö, ber perpöuteii Ajanblung finb; nid)t bie iserlebung wirb beftraft, fonocrn ticr Jbäter; weil feine ^anblung eine iNerleimng entbält, wirD er Der fuuulid)en (rinwirfnng, ber Strafe üerfallen. 3)aö iNerbrediea" in bie gefet3lid)e i^ebingung für biefe (rinwirfung. (rö in fomit giun uerfel)lt, tn\^ inu-bred^en alö Cbjett ber Strafe ju betrad^ten. i?aü 25aö Cbicft t)cr ©träfe. 703 cßtercö teinc bIof,c SHebcnöart ift, fonbern alö eine n)iffeii)cf)aftlid)e louftruftiou gcbraud)! roirb, bcroeifcii alle bicjemgcn Jolö^nimieii, lic aiiö bem Sajjc gcjogeu locrbcu, bafe nämlid; baö SJer- »red)en bie t)om Oiefefec mit Strafe bebrol)tc jöaublimg fei. 3)ie 09i|d)e Unbraud)barfeit bicfer 3)efinition cr[;e(lt fc^on barauö, baß 'iefelbe eine Öcbingung biird; ibre folgen beftinunen milt. baß fie in aintecebeud burd) fein Sequenö ju befiniercn fud)t. S^iefe Definition ift aber anßcrbem nod) in einer anberu öejieljung \i\u idjtig. :ii5erben hewn burd; bie Straf gefefee nur ^anblungen beftraft? )ft, unt nur ein Sieifpicl Ijerauöjugreifen, burc^ S 244 beä beut= d)cn Strafgefe^budjeö nur bie ,panblung, idcIc^c ben S^ljatbeftanb >eö I'iebftaljlö auöniacbt, beftraft, unb nid)t nod; tU\)a^, roaö außer- ittlb Der ^anblung liegt'^ ^^ft bcnn nur bie ^anblung com ®c- e^geber in (Snuägung gcjogen roorbcn, roenn er im § 243 9ir. 1 >en 3)iebftaI)I üon Sad^en auö einem ^um Qotteöbienfte bcftimmten ^ebäube mtl Ijärter beftraft alö ben 5)iebftal)l üon fremben bctueg' ic^cn Sadjen übcrIjauptV ü>alirlid) uidbt, -— e§ ift ein ^luö ha, oeld)cö au6erl;alb ber ^^anblung liegt, unb toeld&eö, roäre bie !Qant>' ung Cbjett ber Strafe, nie jur 33eftrafung fütjren !önntc. SJc^ traft Tüirb ber ^anbelnbe, luenn er biefe ober jene ^'panblung, auf uefe Ober jene 3lrt, mit biefen ober jenen folgen begeljt. 3>ie lierfon Deö .öanbeinben, — M^;^ ift bie tküdt jiuifd^en i^erbredben nib Strafe. iTaö i5erbred)en jcigt im Subjefte baöjenige an, loao )ic (rinioirfung bcö Staates auf ben Jbäter erl;eifd^t, — unb eben )iefeo ift bao Cbjeft Der Strafe, barauf loirb fie gerichtet. Dies ju .>c!ämpfen ift iljr ^^iet, unb Dies ju änDern ift ibr S\vtd. Tie Xiebre üom Objefte Der Strafe ift fel)r üernadbläffigt. ißtaw (uuf? aber über biefelbc inö flare fonunen, foUte man ju einer ge-- funDcn, mit Xiebonotraft anögerüfteten Monftruftion bcö JÖcgriffeQ Deo iNerbred)enö gelangen. Senn, luie gefagt, nid;t Daö 'i.serbred)en, jonDevu Daojenige im i>erbred)er, luaö burd; baö iNerbred;en mani- feftiert luirD, nmd;t bao Cbjett Der Strafe am. llnD maö ift t>a^y< iHuf Diefe Arage geantwortet ju Ijaben, ift m inu-Dienft "^irofeffor ?voinil>!i)ö. 3^cr 03eDanfeiujang ift folgenber: „Tic Strafe alo ein rcditlid)Co .Cs"Uitut bat ihren C^irunD in üerfdiieDcnen ik^Dürfniffen Deö :Uicn)d)cn; jur UJefrieDigung Diefer ÖeDiirfniffe uürD Die Strafe angemcuDet, um biefer 33efrieDigung 704 •?• Slioöbcrg. lüillcu Tourben bic cinjclucn 3)Jomentc gebraucht, roeldjc aUmäbUdi bcn Segriff ber ©träfe außgcbilbct Ijabcn. 3)icfc Scbfirfiufie fiabcn il)rcu Urfprung teil« in bcm ©injelnen, tcilö in bcm ©cmcinroefcn unb fönnen in brci Äategoriecn geteilt werben: 1. Sebilrfniffc ber materiellen ©jiftcnj beö a)fenfc^en nnb be« ©emeinroef enö ; 2, ioldie, roeld^e aM ber fenfualen 9iatur be« 9)Jenfd^en ^enjorge^en, unb ent^: lid) 3. fold&e, roeldje il^ren ©runb in ber inteüeftueüen Siatnr bcd a)Jcnfd)en ^aben. 3lIIe biefe Sebürfniffe ^aben bie Strafe beftinimt, i^re eigentüuilid^en ^üqz allmä^lig l)erauögebilbet." ^ie Stnnabnie bicfer ober jener Äategorie von Sebürfniffen ald GJrunb ber Strafe füljrte jur ^eranöbilbung t)er)d)iebener ©traft^eorieen, beren jeDe ein ilorn ber Söa^r^eit cntl)ält. 3luf ©runb ber materiellen Sebürfniffc entftanben bie alteren Sd)n^ unb 3lbn)et;rtl)eorieen, meldte in ber Strafe ein aJiittel jum ©d)ufte beö (Sinjelnen erblidten; ferner bic 2'beorieen, TOeldie in ber Strafe ein 3)littel jur Sid^erftellung ber Staatögeroalt fanben (^obbeö), enbli^ biejenigen, xoM)t bie Strafe für ein l>iittel 5um Sdju^e bed @emeinn)e)end lialten. ,,9tlle biefe Jt^eorieen be= ruljen auf einem üon bcn unäroeifelt)aften ©rünben ber Strafe: bie @efal)r, welche aus bem ^l^erbrec^cn ffir bcn (Sinselnen unö ^a5 ©emeinroefen entftel;t, ruft bie Steattion l;eroor, roeld)e jur Strafe wirb." S)ie genannten Xt)zovkm begcl)cn aber alle bcn geljler, biefe Öebürfniffe alö ben einjigen ©runb ber Strafe ju betradrten. (rinen cbcnfo n)id;tigen Oirunb liefern Die fenfualen Sebürfniife. 2^ie Strafe wirb auf ber erften Stufe ber Äultur jur 9lad)c; all- mät)lid) Toirb fie jum 3luöbrudEe ber moralifdjen, religiöfen Gm- pfinbungen. ^n biefen Jüebürfniffen crblirften ben einsigen ©runD ber Strafe bie X^coxmn ber unmittelbaren fenfualen SBergeltung, ') ber religiöfen iiergeltung, (Stal)l, 3 öd)), ber moralifd)en üloU wenDigteit (Örotiuö, üfisolff), enblid) bie 2t)eoricen, iDeld)e Die Strafe alö moralifd)e ä>erge(tung betradrten (Äant unb feine i)iad)fotger). :)teben biefen fenfualen SJebürfniffen aU ©runb ber Strafe fteben Die inte lief tuellen Öebürfniffe, bie jur Sluögleidbung Der (5r)d)einungen überall hcn 3)ienfd)en jwingen, roo er nur an ©egen? ^) *J?crtrctcn von Dr. cpaifowi^, cfjcmalö ^^rofcffor in 3t. ^ctcrebura, in kmcni i'clirbud) bc^ Strafrcdit Ib^'h^, I. 2)a8 Cbjch Der Strafe. 705 fäftc ftöfet. Siefc aiuögleid^ung madbt jur SSiuföabe bcr Strafe bic mat^ematifd)e 3(udgIetctiungdtf)eorie von £ittre^ t)ie bialettifdie S^beorie Don ^egel^ euDU(^ bie red)tlid)c unb öfononnfd)c SIuö- glcid^ungdt^eoric. CSö ift t)crfcl;tt, bcn ©runb bcr Strafe mir in einem biefer Se^ bflrfniffc ju fnc()en. Sie geiit aus allen ^eruor. „^k materiellen SJebürfniffe rufen bie SWeaftion, bie ©egenmirfung gegen baöjenige, maö für bie ©giften} bed 3"i>i^i^"umd unb beö ©emeinmefenfi ic^iäDlid^ ift, Ijeroor; bie fcnfualen Sebürfniffe leiten biefer 9ieattion ben at)axatttx ber moralifd)en Jlotiüenöigfeit, bie inteflettuellen enb^ lid) bewirten bie Sluömeffung ber iHepreffion nad) bem 3)laße beö jugefügten Scftabenö. 3lbcr alles bieö erftärt nod^ nid;t, warum biefe 9iepreffion ben (S^arafter ber (Sinroirhmg auf bie ^Nerfon bed ajerbred^erö trägt, roarum fie fid& in ber 3"f"ÖW"9 ^on irgenb weld^em Übel für ben ju Strafenben äußert. 3)ied !ann nur burd^ bie geftftellung beö eigentlichen Dbjefted Der Strafe erJlärt werben" (S. 24). 2)ad Cbjeft ber Strafe fud^t ^^irof. goinigfi) m(i)t im SJers brechen felbft. 35iefeö ift i^oraudfefeung ber Strafe. 3)aö 3>er= brechen ift aber erftenö eine ^anblung, meldje ein matericlleö, xedp lid) gcfdjüfeted ^edjtögut ücrlefct ober gefä^rbet; jweitenö ift cö aber eine ^anblung einer jurec^nungöfäljigen, üerantroortlid^en ^^erfön^ lidjfcit; eö beftel)t alfo auö jmet SDtomenten — fubjettiuem unb üb= jettiüem. 3)ie 33ebeutung beö lefetern befte^t barin, baß burd) biefeö „bie Sd^ranten ber Strafgewalt unb ber Straffunftion beö Staate«, n)eld)e nur jur Scmaljrung ber :Hed)töorbnung bienen, beftimmt werben; in üolier iöead)tung biefeö a)iomenteö werben im SHed()te nur gewiffe äußere ^anblungen üerpönt, — cogitationis poeuani nemo patitur; infolgebeffen wäre eö unmöglid), ber äufeerften goroerung ber antliropologifdjen SHid^tung jU folgen unb an bem uoino deliiujuente , ber jwar bie ooUc ©ewijgljcit beö lU^r^ bred^enötjangeö erregt, aber nod^ !eine .öanblung, wcld^e alö Ü^er- brecfeen qualifijiert werben fönnte, begangen ()at, bie Strafe ju üoU.^ieljen. S)urc^ ha^ obiettioe 3)Joment wirb au^ x^a^ rationale a)JaB bcr Strafe beftimmt — , cö wibcrftrebt unferem iRec^töbcwußt- fein, für fleinc a>erleljungen grofie Strafen jujufügen. 2lber baö objehioe 2)Joment reid)t nid)t au^, bic Strafe }u erflären, il)r Dbjcft auöjumad)en. 2aö Dbjcft liegt im fubjeftiuen 3Komente, in ber im bioibuellen Selbftbeftimmung beö 2:l)äterö. Saburd^ fommt ber Serfaffer jur Gri)rterung ber Jyrage über bie 9öillcnöfreif)eit. 706 ö- SlioSbcrj;. 9Jad& einer eingcljenben Äritif beö 3inbetermtniömuö unb beä 3Jecef)ariömu§ foimnt ^^rof. goiniftfi) jiim Grgebniö, baft ber eiujig riditige unb für baö ©Irafrecftt üermenbbare Stanbpunit berjcmgc bct ©cfe^mäfeigfcit ber mcnfcölid^en ^anblnngen ift. S)er 2ßiIIen«aft beftebt ai\^ jtüci SKomenten, aus beni 3)iotipe ober 3mpulfc unb au§ ber SBcrtfcbäJung beöfelben. 2)a^5 ßm= fd)eibenbe für bie ^anblung ift bie Untere. Sic SBertfcftäftung ber a)Jotit)e wirb burd& unfrc 5|ierfönlid^feit üoüjogcn; fic beftimnit fidj burd) ben (S^arafter, baö fieißt, burd) ben erblidben luib initteU (£rfaf)rung erworbenen 25orrat Don ©inbrttdten auf bie geiftiiie ^serfon in il;ren üietfältigftcn Kombinationen. 3mpulfe, 9)fotioe !oninien üon aufjen, bie 2ßertfd)äftung bcrfelben unb Die SelbtV beftimmung, aU SRefultat berfclben, fmb innere gaftoren. 3lbcr awii bie leßteren finb nidbt jufällig; unfer (Sljarafter ift nid)t etroaö ein- geborenes, üon Dorauö ©cgcbeneö, - - er wirb auögebilbet, er ift baö -Hefultat oielfdltiger ©inwirfungeu. ^febe menfdilidbc öanbhing ift fonüt eine S&ufterung beö 6l;aratter6, ber inbimöueilen ^4?erfön- lid)teit Der ^anbetnben, feiner inneren, nioralifd)en 3?atur. 5^ie iierbred)erifd)e ^anblung ift eine berartige äußerung. SDie ©träfe ^at jum ^roedt ben (Bö^n^ ber gefcUfd)aftlid)en Drbming gegen niöglid^e üerbred)erifcl^e 3lngriffe unb mufj fomit auf bie Urfad;en ber üerbredierifdjcn .^anblungcn geriditet weröon. S)icfe Urfad&en finb breifacber iHrt: 1. Urfad)en, roeldie in ben foömifd)en Grfdieinungen ifjren Urfvrung t)aben; 2. Urfad)en ^e4 gefeüfd)aftlid)en Üebenö, — unb 3. Urfacben perfönlid)-inbit)it>ueUer Ülatiix. Safe bie !oönufd)en Crfd^einungen auf bie menfd)üd)e Iliätia- feit einwirfen, ftcbt außer Zweifel. Gbenfo unjweifclbaft ift ^er ginflufe fo^ialcr (£rfd)cinungen (ötonomifdbe 'iHerI;tiltniffe, Ärieg uftu.). aSäre nun t)a^ 2?erbred)en baö 3iefultat biefer ©inroirtungen. Dann bättc bie Strafe feinen ^m^d. ibia^ vermag biefc gegen Die foö- miicben (Srfdjcinuugen! 9Jid)t Strafe, fonbern mannigfaltige X^xa- i)entiomaf3regeln fönnten bie 3ied)t§orbnung fid)ern, untre Me Störung berfelben nur baö Crrgebnis fojialer (SrfAeinungen. Sie menfd)lid)en .^panblungen werben aber aud; öurd) innere inDioiDucUe äkDingungen bcftimmt, fie finb M^ 9{efultat aud) ber SJefonberhciten ber äßillenotbätigteit be§ Subjefteö. Segen biefe inbiüiDueUen uhd perföulid;en gaftoren wirft bie Strafe; biefe Ijat fie ^mn Cbicftc. Sie Sotalität ber inöinibuellen Jaftoren bitbet bie perfönlicfic ^06 Cbjcft Ux Strafe. 707 Clualififation bcß Subjcfteö, feinen inmxn ^"ftrtnb. Sicjcnic^en ^afiorcn, roeldbe Die Derbrec^erifd^e ^anblnng beftimmcn, bilben Die üerbredberifdbc Cnaüfifation • beö Sl^äterö, feinen uerbredbcrifdien SuftanD. Scrjenige, bei* ein lNerbred)en bet^el;!, manifefticrt Diefen oerbred^erifcbcn 9Billen§jnftanb. Segen Mefcn bat bic Strafe 5n irirfen, ha^ ift baö ci9enttid)e Dbjett ber Strafe. 9llfo nid)t gegen Die .QanDlung, nid)t gegen bie angefügte iserte^nng, fonöern gegen nc i)erbred)erifd)c (Sigenfc^aft, gegen ben nioralifd^en ßiM'tanb, — n)eld)e 'iprof. goinitjfi; ben Ärinünalitätöjnftanö nennt — beö Jlläterö u)irD bie Strafe gerid&tet. T^iefeö Objett ber Strafe bejeicfinet bie 9Jatnr ber Strafe. Xit Strafe wirb an jcbe '^erfon angeioenbet, bic bnrdb bie Dcrbred^erifd)e .^panbtnng iljren inbiuibneUen KriminalitätäjuftanD Lictnnbet. Üe^terer ^at aber Örabe, er mobifisiert fic^ je naä^ ben ^attoren, wcidjt anf bie 3lnöbilbnng beö 6t)arafterd beö Xbäterö jeiinrtt baben, nnb tt)eld)e in einjelnen jiyällen bie (Sntftebung üon Diotioen beroorgernfen baben. iJiad^Dem bie italienifd)e, antbro^iolo^ ;ifd)c Sd)nlc sn geroiffen Slefultaten gefonnnen ift, ift cd faft nn- iweifelbaft, Daß fomatifd)e Slbnornütäten, iüeld)e auf Den Sitaüißtnnö ;)inDeutcn, mit Der .ftriminalität in 3iM"a""nt'»()öng fteljen. ä?ieU [eid^t ift eö aucb iüal)r, bafj eö deliiiquenti iiati gibt. 3)ic Jbiitigfeit foIa)er Subjefte ftebt aber gänjiid) unter bcni (Sinfluffc äuf^rer Urfacben, foöuiifd)en, fojialen Jyaftoren; Die Strafe bat hier fein Cbjeft, — Denn nur Die verfönlid)'inbiinDuellen innern iiyaftoren bebingen Die Strafe. UnD ido Diefe Jyattoren mirfen, fann Der HriminalitätöiuftanD üerfdjieDener 3lrt fein. ,V^ einem ?falle ift er jufäUiger 3lrt, cö ift fein d)rünifd)eö I^efctt Deö 3i>iIIen<5, fouDern ein momentanem ^^robutt uerfdiieDener tinmirtungen. 2)ieö ifi Der Jyall bei Dem jufitlligen iNerbrcAer. Cbronifd) ift Der ;5uftanD bei Dem i>k' mobnbeitöüerbredjer. 5^oiniV;fi) ift Der 3)ieinung, bafj eö feine ab^ folut unnerbefferlidien iNerbred)er gibt. Sollte Die Äriminalantbro= pologie Die (Jriften.s oon (loliii([u«'!iti iiati aufmeifen, fo l;ätte man eö mit unljeilbaren Mraufen .su tlnin; 2id)erung Der (^)efellfd)aft üor biefen ift nid)t iHufgabe beö Strafred)tö. ; Die Strafe je nad) Den öefonDerljeiten 708 §• SltoSbcrg. bcö 3"^^"^^^ ^^^ S>erbred^crö mobifijicrt rocrben. 2)af|cr bic SJoi- TOenbigfcit bcr ^nbiDibnalificrnng bcr Strafe. 6ö wäre aber fel;r gefäf^rli^ für bie g^rei^cit ber Sürgcr, tüäre bie Strafe immer anjurocitben, lüeim nur ®nmb für äi^ nal)me Deö Äriminalitätö5uftanbe§ eineö ©ubjefteß üori)anben wäre, m. a. SB., wären bie SBorauöfefeungen ber Strafe nur burd) bic fubjeftiüe ßigenfdjaft bes ©injelnen bebingt. Stecht, Slcd^tdorbnung finb objeftiüe Segriffe. 2)ie Strafe ift SRed^töfolge, unb atö folcbe muß fie einem objeltiüen 2:l)atbeftanbe folgen, nur ^anblungcn fönnen bie Strafe nad^ fid) jiel^en. Üiad) biefer (Erörterung bed Dbjefteö ber Strafe getjt ber 3?er= faffer jur Sarftellung beß 3nt)altö ber Strafe, ber 3Wittel, woburdi bie Strafe iljre 3'^^^^ erreid)t, über. 3ll§ Sluögangöpunft für Cr- gauifation ber Strafe ift bie 3w)C(Iniä6igfeit berfelben üom iVt; fafjer genonnnen worben. Sie 3w)ec!mä6igfeit beftimmte aud^ bie Strafe in einjelnen ^^unften in itirer gefcbic^tlid^en Gntwidlung. ^Nrofeffor goiniftfi; marfiert in biefer 5Bejiel)ung folgenbe 3Kümente, — äiefriebigung ber Maiic, ©rreid)ung öfonomifd^er S^^^c 5um 9Zuften beö äJerlefeten, bafjer baö Äompofitionenfpftcm unb cnblicb — 2lu§nuftung ber Jlräfte ber ä>erbred)er für allgemeinem 3i?obl, SHuferlegung üon ^^flid)ten für ben 33erbred^er; bie $erfon t>c^ i^er^ bred^erö wirb für ben Staat in Sefdjiag genommen. 3)iefe Jbce bel;errfd^t bie englifc^e 35eportation. SBefonberä wid^tig ift biefcd a)foment in ber ©efd^id&te ber Strafe in Slufelanb, wo e§ jur 3^ö 5peterö beö ©rofeen unb ftatljarina II. feine befonbere Gntwidlung erreid)t \)at unb bie 3>eportation nad; Sibirien faft baö ein5iije Strafmittel war. !riefeö SWoment — beä öfonomifdften 3lu6en3 für ben Staat — ift in neuefter 3^it i" t^tc ^htt beö fosialen 9Jut3cnö übergegangen. 3)ie Strafe wirb fobann 5ur fojialcn gun!tion unb ftrebt naä) fojialen 3^^cfen. 3^^"öd^ft wirb ^aS 2öül;l beö a5erbred{)erö felbft, alö eineö SKitgliebeö beö ©enieim wefenö jum 3^^^^ ^^^ Strafe, — Datier bie SeffcrungöiDce. SDie Strafe, weldt)e alö fojialeö Sd^uftmittel gegen ben Ärimi- nalitätöjuftanb beö ä^erbred^erö angewenbet wirb, m\i^ um H)x ^kl ju erreid}en, mufe oerfdöieben organifiert werben, je nad) ben Gigen: tünitid)feitcn biefeö 3"ftanbeö im einjelnen %aüe. Gö ift fc^on er^ wäbnt, baf3 biefer 3"ft^"^ J" ^^^^ ^auptfategorieen geteilt werDon laiui, — nad; biefcn nmfj aud& bie Straftl)ötigfeit beö Staates ein= gerid^tct werben. Xa^ Cb)c!t t)ct Strafe. 709 ^nfotocit bic golgcruugcu bcd aScrfajfcrd. äSir f)abm fc^ou oben erroäf)ut, bafe roir bcfonDcrcö ©croic^t bem 3tant)piiufte ^oiut^fpd beilegen. Utib xok auber«^ töitnte man Die Scgriffc Strafe iiub 35erbred)en in ßinflaug briugeit? S)ie ©ntroirfluiig ber Strafe getjt baf)in, alle Strafmittel auf 6utjief)im9 ber greif)cit jurüdjufüfircu; barauä folgt, bafe auc^ im aJerbred^en ctwaö ©iiideitlid^eö liegt, bafe bie SJege^iing eineö 3Serbrec^eu§, — rooriii lefcteres aiidf) immer befielt — baöiciüge aiijeigt, roaö bie- felbe 3lrt oon Sleaftion beroorruft. ^rofeffor ^oiiiifcli) f)atte nur mit bem Segriffc iinb 3Befen ber Strafe fpejieH ju t^uu, unb M^ Ijcr finben roir in feinem ih?erfe teine Äonftruttioii beö Sierbred^eu- begriffet. 3lber faiim ift e§ ju bejroeifeln, bafe feine 3ln)id^t, nac^ bem 0?Je)agten, bül)in ge^t, ha^ baö SJerbred^en, als eine menfd^lid^e ^anolung, ben 9lu§Drud ber ^nbiüibualität beö ijl^äterd barftellt, mxh jroar eine ^anDhing, bnrd^ bie ber Xi)ixttx feinen antifojialen ßf)ara!ter manifcftiert. 3)ic einjclnen äJcrbred^enäarten, roeld^e Dom Öefefee er- wähnt finb, finb nur legale 3tuöbrüdte Diefer 2lntifojialität. 3eöen 9)tenfd^en rid;tet man nad& feinen ^anblungen; ber fojiale Üßert beö ^iibiDibuumd fann nur burd^ feine 2:f)ätigfeit beftimmt werben. Sclbftüerftänblic^ mu^ bie ^anblung eine ^anDlung eines normalen, gefunbcn 9)Jenfc^en mit auögebilbetem 6l)arafter, fein, um alö 3Wafe biefcö fojialen 3Berteö ju erfd)einen. 6ntl)ält eine ^anblung alle SDterfmale, roeld^e im Strafgefefce üorgcfe^en finb, fo ift ber Xi)ätcT Dom Öefeße alö SBerbred&er bejeid^net, unb ba§ 3Ka6 ber Strafe, roelrfie ebenfo im ©efe^e Dorgefd^rieben ift, ift baö 3)la^ berjenigen 3ilcaftion, welcbes Der Öefe^geber für notroenbig erad^tet, um bicfen antifojialen (ginjelnen ber ^ted^töorbnung anjupaffen. (So ift nid^t 9tufgabe biefer 3^^^^»^ ^^^ ^i^ g^olgerungen ju beäcid()nen, roeldje auö biefem Stanbpunfte ju sieben fiuD. 3lber man roirb jugeben, M^ biefer Stanbpuntt für oiele Seljren beö allgemeinen 2cilö bcö Strafred^tö ausgiebig ausgebeutet loerDen fann. 3tft in ffiicn.») SRotto: Cum studio et sine ira. Um eine ©eifecl bcr ©cfcllfd^aft ju belämpfcn, ifl cd oor ädern notiDcnbig, fic Icnncn ju lernen. ®ie Sßagabonbage ^at aber fe^r ücrf^iebene gormen, bie pfpd^ologifc^, fojiologifd^ unb friminatiftif(i^ auöeinaubetfle^alten roerbcn muffen. ©ie ift entroeber unfomplijiert ober 1. mit ftriminalität unb 2. mit ©eiftedftörung innigft üerf lobten. ©ie ift lociter 1. erworben, 2. angeboren. 2lttS ber SWeil^e ber crioorbenen SBagabonbage ift oor allem eine ©ruppe aus jufd^eiben, bie n)ir a(d accib enteile bejeic^neu rooUen. 6ö ejiftiert unter jenen ^nbioibuen, loeld^e roegen il)rer Buh fiftenj= unb Dbbac^lofigfeit oom ©efefce unb Don ben Sel^örbcn qIö „33agabunben" be^anbett werben, junäd^ft eine ®ruppe, roeldje burc^ eine unuottftänbige ^lefonoaleöcenj nad^ fd^ioeren CSrfranfungen, burd^ d^ronifd^eö Sie^tum ober 2ltteröfc^n)äd^e arbeitsunfähig ge- roorben ift. ©ne jioeite ©ruppe oon oubfiftenj- unb Dbbad^lofen ge^t au$ allgemeinen ober inbioibueüen öfonomifd^en Ärifen ^croor unD oerfäüt l)eute ebenfo roie bie erfte ©ruppe bem ©trafgefeße, roelc^eä ©ubfifteuj^ unb Dbbad^lofigfeit an \iö) atö Kriterien ber i^aga- bonbage anfiel)t. G§ oerfte^t fid^ oon felbft, bafe biefer ,,legale" a?organg Der a)toral unb bem ibeaten Siedete einen berben gauftfc^lag ind ©enc^t ^) }süv l»cn Äongrcfe in SCntrocrpcn Cftobcr 1890 auöjjcarbcitct. ^ic ^gabonbagc unt> i^rc Se^anblung. 711 oerfcfct unb bafe in 3ulunft bicfc Unglüdlid^cn nid&t mc^r unter baö Strafgefcft ocrfallcn bürfcn. 2)ic ©efcttfc^aft ^at üiclme^r bie Äranfcn nnb Stcfonüalcöcentcn in ©pitälcrn ober Sefonüalcöcenten^äufcrn jurfidfsu^alten, bid fie üöHig arbeitsfäl^ig geroorben finb, fie f)at bie ©ied^en unb bie airbeitdinoaliben in Sicc^en^ unb 3}erforgungöl)äufern unterjubringen, fie f)at ferner jene, bie o^ne eigne ©Äulb arbeitslos geworben finb, ju unters ftüften unb iljnen ju Slrbeit ju oer^elfen. ©ie wirb baburd^ einen ftarfen ^^>rojentfa6 ber 9luSgef!o§enen materiell unb fogial retten unb i^r etljifd^es 2)eficit oerminbern.^) Sie fünftige gefeßlic^e 3)efinition Der SJagabonbage barf fic^ Da^er nidfit niel^r blofe auf bie ©ubuftenj^ unb Dbbad^lofigfeit ftütjen, fonbern muft aiii} bie 3lrbeitöfd^eu bei üor^anbener airbeits^ fä^igfeit J^injufügen. älud) aus beni ©prad&gebraudbe möge für bie genannten beiben ©nippen ber 3lusbrucf: JJagabunb oerfd)n)inben unb für bie erfte Bruppe oon Unglüdftidjen ber 3tuSbrucf Strbeitsunfa^ige unb für bie 5uieite ber 3luSbrucf Strbeitslofe, Obbad^« unD ©ubfiftenjiofe gebrandet werben. Unter ben übrigen 3"t>iüii^"cn, loeld^e mit erioorbener ÜBaga^ bonbage bel)aftet finb, muft man bie ©rroac^fenen oon ben ÄinDern ftrengc fd^eiben. 33eibe fönnen, ol)ne gebome 3?aga= bunben ju fein, burd) fc^led^te (Sr.^iel^ung, burdb fd)tec^te Öeifpiete unO burc^ Sc^icffalsfügung biefem Üafter oerfallen unb profeffioneQe @eroot)nl^eitSbettler unb (yeioot)n{)eitSoagabunben werben. J^ei htn (£rroad)fenen wirb biefe Öeroo^nl^cit leidet jur i^meiten 5Jatur unb i^rc Öefferung burd) (Srjie^ung in ben 3lrbeitQl)äufcrn ift l)äufig nur eine i)orübergef)enbe ober fie fc^lägt oöUig febl. ■Biefe unoerbcfferlid) geworbenen äJagabunben muffen fo bebanbelt werben wie bie geborenen. 7>a\)on fpäter. Tic finblid)en ÄNagabunDen refrutieren fid) ,vim großen Jeilc aus Den fogenannten „moralifd) iNertaffenen", a\\^ inTfül^rten unb in Der (Srjie^ung ooUftänDig iU^naAläffigten. Gö ift ^u bcbenten, Dafe ein großer 2eil Dieier .Uinber 3lbtömmlinge Depraoierter unD Degenerierter Gltern finb unb baft man aud) bei ibnen an bie ■-) Xicfc von mir aut t>oiirJ(muicnicnor .HoiuirciK lUiöviciprodicnc 5(nficf)t ^In^ um fo mehr nnr»cnvnirt)9loKe (intiKc^cnfoinmcn, ba bie frair,Öfiid)cn ^TcICiiicrten unt iihilantbrovcn mit licnklticn x»(nü-l)iuiunrtcn j^cfommcn waren, ^cr Moniircfe rfiid)tctc cinfttmmig l»cn 91nträiU'n bei. 4<>* 712 ?wf. SRoriJ 53cncbi!t. ©efal)r augcborner Degeneration unb ^erebitärer geiftiger, moralifc^cr unb p^i;fifd^er Setaftung bcnfeii muB- 3)lan roirb Die moralifcb Derlaffenen Äinber, folange fie im ©äugling«altcr unb in ber erften Rinö^eit fid^ befinben, roo^l in gamilien unb befoubert in bäuerlichen unterbringen fönnen unb muffen. •iDJan barf fic^ aber bei biefen iebenfaHs nod^ unt»erborbenen @efd)öpfen bcm SJerouBtfein ber SJerantwortung nid|t entgie^en^ bafe man bad Unglüd, roeldjed l)erebitäre Selaftung na^ )iä) jie^t, in gamilien l^ineintragen fann. 3)ian muß es ba^er ben gamüien freiftcUcn, fold^e Äinber ber öffentlid^en gfirforge roieber ju überantroorten, fobalb bie fatalen ©rfd^einungen ber ererbten S)epraoation jum aSorfc^ein fommen. 3Jlan möge überl)aupt nid^t üergeffen, öafe Die bäuerlid^en gamilien, benen man biefe Äinber anoertraut. Die legten finb, iDcId)e fid) auf eine fd^roierige ßrjie^ung oerfteöen. Äinber, roeld^e bereit« im üorgefd^rittenen älter finb uiiD n)eld}e bereits ber Bettelei unb ä?agabonbage oerfaHen finb, fönnen junäc^ft nur in öffentlidfien ©pejialerjiel^ungs^äufern untergebracht werben unb erft fpäter, wenn bie (Garantie bauernben JJormal- Der^altenö gegeben ift, in gamilien, 2l>erfftätten unb gabrifen oDer in geroö^nlid^en ©d^ulen weiter erjogen unb einem normalen &- werbe jugefü^rt werben. S^iefer bcprauierte unb mit bem ^tid^tn ber ^Degeneration behaftete berartige Äinber muffen non ben anbern fobalb aU möglid^ getrennt werben unb bie als unoerbefferlid^ ©rfannten bi« jur 3^i^ ^^^^^ flcfeßlicf) anerfannten moralifd&en ©roBjä^rigfeit jurürfge^alten werben, um bann in bie Sd^ar ber unoerbefferlidjen ©rwad)fenen eingereiht ju werben. GS ift bem Staate unb Den Sßereinen, weld^e fic^ mit ber ©rjie^ung unb 3>erforgung biefer Äinber befc^äftigen, nid^t genug ju empfehlen, fid^ bes 3tates üon Grperten gu oerfidE)ern. 3tls foldfie finb üor allem SKebifo-'tiNfpdiologcn, befonbers '^ifpdjiater ju nennen. 3""öc^ft wirb man bie öeibüfe guter ^^Jäbagogen benötigen xinh es finb befonbers bie Xaubftummen- unb 3ilinbenlef)rer, weld^e fid^ auf bie Beurteilung unb ailbung pn;d)o=p^i)fifalifd() abnormer 3"i>ii^iöuen üerfte^en. ^\)nen jur Seite mögen weiter ©efängnisbeamte unb ©efängniSgciftUcbe ratenb unb l)elfenb fielen. ^ ^) 2cit>cv ftabcn l»ic »lit^Iicbcr bcö ^ntrocrpcitcr Äongrcfic« fem tioUcd Ser» ftänt»niö für Dicfc Seite ber ^rn^c befeffen unt) Der 2ßi^ eine« WitgliebeS, ba? bie Uiiterfiic^uitö Der ^fpcbiater Die ÄinDer tDiotif(^ mac^, f\at ni(^t jene Gnt* rüftimg erzeugt, bie er Derbient. ^ic ^Ja^abonbagc unb if)rc ©e()ant)Iimg. 713 e« ifl eine unjiocifel^afte Sl^atfad^e, bie aßen unbefangenen ^raftilern rool^lbefannt ift, bafe e§ Snbbibuen gibt, bei benen Sßagabonbage unb ^Bettelei at§ angebornc ©igenfd^aften 5U betrad^ten ftnb. Sie treten fd^on bei ben Äinbern in 6rfrf)einung auä) o^ne baB eine äufeere SJeranlaffung oor^anben ift unb alle 2Jerfuc^e ber Sefferung fd^eitern. ®s fragt fic^, roie biefe beiben ©ruppen ber unoerbefferlid^en SBagabunben, nämlid) jene, bie eö bur^ lang- jährige @erool)n^eit geroorDen finb, unb jene, welchen bie SJatur biefen %l\xä) ins Seben mitgegeben ^at, be^anbelt werben f ollen, um bie ©efellfd^aft roenigftenö oor ber äJagabonbage ju fd^tiften, nac^bem ed unmöglid^ ift, fie oon ben SJagabunben ju befreien. 3)ie einzige SKöglid^leit, biefen 3"^^* i^^ erreid^en, ift, bie uom Slic^ter aU unoerbefferlic^ erflärten recibiüierenben SJa^ gabunben („®en)o^n^eitS'2?agabunben", „vagabonds qualifies") auf unbeftimmte ^tit, felbft anbauernb unter bie SBor^ munbfc^aft ber @efellfd^aft ju ftellen. ©s ift aber nic^t ju tjergeffen, bafe eine geroiffe ^periobijität in ber ^fpd^ologie ber SBagabunben l)errfcbt unb bafe man bat)er ben 33el)örben bie aJJöglic^feit einer „bebingten greilaffung" üorbef)aIten unb empfehlen mufe.*) 35a babei bie be^örblidf;e Seüormunbung nid^t aufgehoben wirb, fo fann ber Jtecibioift ot)ne roeittäufige Jörmlicftfeit wieber in Db^ut genommen roerben. 6r wirb fe^r I)äufig freiroillig jurüdf^ teuren, wenn er tjon bem ©efü^Ic feiner SBiberftanbdunfä^igfeit befallen roirb unb man mufe i^m bie ^rei^eit biefes SSorgel^end magren. @ben wegen Diefer ^eriobijität braucht bie eine ober anbre Stecibiüe oor erneuerten ^Jerfud^en nid^t abjufd^redfen. S^etont mufe werben, ta^ jeber äJerfucb einer freien, nüßlic^en Äolonifation oon unoerbefferlidben i^agabuuDen fdbeitern muß, weil er im Sßiberfprud^ mit ber ^|^f^d)oIogie ber ä>agabonDage fte^t. 3lld fol^e fonftituierenbe pfi)^ologif^e, erworbene ober angeborne ©lemente ber iUgabonbage finb folgenbe ju be= trad^ten. 3unäc^ft unb erftenS bie airbeitöfc^eu, welche auf pf)i;fifdber moralifc^ unb intelleftuell jur jweiten Statur geworbener ober angeborner 'JJeuraft^enie berul)t. 3" bemerfen ift, bafe bie 9ieu= *) 2)icfc !)icT aitiüic(«Itcn (^runbfä^c über t)ic öcfjanblun^ ber ®erool)nbcit6s ^dgabunbcn" rourbc auf meinen 5>oridjIag uoni 5lntnjerpencr ilongreffc aw- genommen. 714 *w>f. aRorife SBcncbilt. raftl^enie beö SBiQeuS babei bie größte Stolle fpielt^ fo bog ein ge= roiffer dufeerer moralifd^er 2)ru(f bie p^pfifci^e SKrbeitdfc^cu jit über- roinbeu üermag unb bie 3nbioibuen in Slrbeits^aufcrn ücriDcnös unb ücrroertbar mad^t, roäl^renb fie in ber grei^eit abfolut nicbt }um ©ntfd^liiffc fommen, burd^ 3trbeit ober roenigftenö burd^ regcU mäBige unb an^altenbe Slrbeit \t)xtn fiebcndunter^att ju oerbienen. ©d fei übrigens ^ier roieber bie ^ßeriobijität im ablaufe biefer pfpc^ologifd^en ©rfd^einungen betont.*) Gin ixotxM ©lement bilbet ber fieid^tfinn, oermöge beifen ^nbiüibuen für beu ©enufe einer Stunbe ha^ ®lüdE üon SDJonaten, Salären unb felbft beö ganjen fiebenö in bie Sd^anje fd^lagen. Sold^e 3nbimbuen belüften oft oiel S^emperament unb Dad, roas id& „^oefie beö Seid^tfinnd" ju nennen pflege, unb fie jie^en ed uor, unter ben ©rften i^reögleid^en alö unter ben fceftten unfreöglcidjen ju fein. !DaS SSorroalten beö fieic^tfinnö c^arafterifiert bie Spccieö: „Üunip" unb aM ber refrutieren fid^ mit äJorliebe bie üagabun-- bicrenben Öefd^äftigungen. ©in anbres (3.) pfpd^ologifc^eö ©lement ber 3?agabonbage !ann aU „Älauftropl^obie ober Gngenangft" beseid&net meröen unb biefeö fpielt in ber ^fpd^ologie meler nomabifierenber 2?ölfer.- ftämme eine grofee StoHe. 2)ie bamit bel)afteten ^nbioibuen galten eö in engen, gefd^loffenen Stdumen nid^t auö unb fönnen nid^t am eignem Gntfc^hiffe fefe^aft bleiben. Ob biefeö Symptom ein rein neroöfed ift ober in einer eigen-- tümlidjen Organifation ber ^efpirationö^ unb ßi^^^lö^i'^"^^^^^"^ feinen ©runb ^abe, ift nid^t auögemac^t. 2)ie Älauftropbobie ift ein woä) nid;t in 3tngriff genommenes pfijc^o - p^pu^alifc^eö 5)iroblem. (Sin weiteres (4.) fonftituierenbes pfijc^ologifc^eö 9)ioment Der ajagabonbagc ift eine gewiffepfijdjifd^e Unruhe, rocld^e bie ^^nw '') 3orc^c 3i>iircnöfc^roäc^c bis ;ur uüUigcn SCiUcitöIofigfcit (:JlbuIk) mit t^crn iHc(uItatc DÖUiQcr o^cr fpc*,icUcr Slrbcitsfdjcu beobachtet man l)äufi3 bei tprücbcii ä)ienfct)eii. Sie erreicht unter bcftimmten peinlic^n 9Jerl)äUniffcn einen oft verbäniiiiiöuoUen 0rab. SDian beobachtet fie v ^. bei «aufleuten, ^le Km i^anferotte zueilen, bei iNertrauenäperfonen, ^ie fremöe, anpertraute 6eI^er an gegriffen baben unb grabe biefe 9lbulie unb bie baburd^ bebingte Untljätigfeit fübrt fie bein SBerberben ^u, am bem fie fonft ju retten mären. Cine merf: mürbige Jorm biejer 3UuiIie beobactjtet man bei ^rüfungefanbibaien unb id) be;eicl)ne fie feit jeljer a(« Abulia rijrorüsautium. ^te S^agabonbagc unb t§re SBc^anblung. 715 üibucn ücr^inbcrt an einem Drte unb bei einer S^l^ätiflfeit aM-^ juljarren. Sie oerlieren baburd^ immer von neuem bie grüd^te i^rer früheren 2:^äti9feit, fie entfremben Tid^ immer me^r unb me^r ber georbneten ©efeüfdööft unb rauben fid^ bie ©elegen^eit, in Seiten ber 9teue unb ber 9lu^e in eine regelred&te 2lrbeit ein:: jutreten. 3lebeS biefer ©lemente lann bei gehöriger 3ntenfität unb me^r geeigneten Sutn^idFelungö-SSer^ältniffen bie ^agabonbage erjeugen. SBJeift finb mel^rere ©lemente üereint. 2Bir fommen nun ju ben iDid^tigen SBejiel^ungen ber ä^agabonbage }ur jlriminatität. ^ex '^agabunb {ann an unb für fid^ ein l^od^grabig ^onett peranlagtcö 3"i^iüibuum fein. 9)Jan fiubet unter biefen SKuds geftofeencn roal^re 2:ugenb^eroen, welche junger, ®urft, Äölte unb bie i)eräd)tUc^e Sel^anblung ber 9Wenfd^en mit 9tefignation ertragen unb lieber untergeljen aU eine unel)ren^afte ÖÄJil>lwn9 begeben. 3n beoorsugter fojialer Stellung, in metd^er bie äJagabonbage nid^t in äußere (Srfd^einung tritt, fe^en roir fold^e arbeitöfdt)eue uns beftänbigc 9)lenfd&en in ooller Sld^tung iljrer 9Witbürger, weil fie inoffenftD unb allen eblen @mpfinbungen jugänglidf) finb. Sie finD fiäufig t»on überfpannter religiöfer ©mpfinbung burd^brungen unD üerric^ten mec^anifd) religiöfe ^anblungen, roeld^e feine pofi^ tioen ©ntfc^lüffe unb 9lftionen üerlangen. SSagabunben finb nic^t feiten fpefulatio geiftreid^ und würben cS in i^rem 2tbtn weit bringen, luenn nid)t basu ftetige 3lrbeit nötig roäre. 2löletifer unb befd)aulid^e 9)Jönc^e ftel^en ben äJagabunben pfpd^ologifc^ merf- roürbig naf)c. ^ennod^ fel)en loir l^onett angelegte 33agabunben Xtüttt unb äSerbred^en begeben, bie wir aU 2^enbenj=3)elifte unb Xenbeuj^ ä5er brechen bejeid^nen lüollen. 3)aö "iDlotiü baju ift ber 2Bunfc^, interniert ju werben unD i^r dt)aralteriftifd^ed 9)Jerf}eicöen liegt barin. bafe fie mit 3lbfic^t üor ben 9lugcn ber '^>olijei unb beö 5)iublifiimd auögefüfirt werben. Sold^e ^nbiuibuen laffcn fid) aber auc^ öfterd au§ ^afe gegen bie Gicfellfd^aft, weld^e iljuen baö ai^cnige, bad fie begeliren, ocrweigert, ferner auö ÜJersweiflung unb ifebenöüberbrufe, alfo burd; ,,Spe}ial='J)totiüe", bie auf äkrt)ältniffen ber ä?agabonbage berul)en, felbft ju fc^meren JJerbred^en Ijinreifeen unb fie befd)önigen bann it^rc 2^l)aten nic^t; fie fd^ü^en üielmet)r l)äufig fd^werer belaftenDe Ü)Jotiüe i)or. Gö ift wol^l unjweifell^aft. 716 V^ol mox'xii »cncbilt. bag eine Derminftgenmge ^el^anblung uiiDerbefferlid^er SSagabunben, wie roir fie früher angegeben ^aben, bie Sd^äbigung ber @cjcll'. fd^aft burd^ bie jroei eben genannten ©ruppen von SJcrbrec^ern l^intan()alten tann. (Sin anbred ^erl^ältnid ber ä^agabonbage }ur jlriminalität in baburd^ gegeben, bafe äJagabnnben bur^ i^re (Sntroicflung ober am geborne Sigenfd^aften sugleid^ äJagabunben unb Sierbrecbet finb. Unter fold^en SBer^ältniffen mnfe ein fotd^ed ^nbiDibuum nad^ SSerbüfeung ber frimineflen ©träfe banernb nnter Cbl)ut De$ ©taateö genommen werben. Saöfelbe gilt üon 3Jerbred^ern, Die bnrd^ i^re ©efängniölaufbal^n in i^ren freien 3^^^^" J"^ SJaga-- bonbage genötigt fmb. SBenn man bebenft, ha^ bie große 2Ke^rja^l oon SBerbred)eu unb 35eUften oon recibioierenben SJerbred^ern unb aSagabun^en begangen roerben, toirb man fic^ von ber Ungeheuern SJeöcutung ber prät»entit»en SRepreffion eine richtige 3?orftelIung madE)en tonnen. 3)ie ©efellfd^aft ift burc^ i^re Unoernunft in ber Sel)anbhnu3 ber Unoerbefferlid^en bie ^auptfd^ulbige bei ber 3)Je^r5at)l Der aJerbred^en ! 3)ie Äomplifation ber SBagabonbage mit ^fi)cbo= pat^ieen ift eine fe^r mannigfad^e. 9JIan wirb and jeber Sdbar oon SBagabunben fet)r leidet eine beftimmte Slnjal^l geiftedfd)n)ad)er unb mit bem 3^^^^^^ antl^ropotogifd^er ^Degeneration bct)afteter 3nbiüibnen auölefen fönnen. S)iefe gel^ören, foroeit fie nicht weiter gefäl)rlid^ finb, eigenttid^ me^r in :^txtn' aU in ^}}'Ci([a'' bunben^Äolonieen. 2lufeerbem finbet man fd&on im tinblid^en lUltcr periobifd) mieberlef)renbe 6pod)en pfijc^o=epiteptifd^er JJatur, Die roefentlic^ in einem mel^r ober minber ptanlofen ^erumirven bc= [teilen. 2)iefe 3^^^^"^^ führen, wenn unb folange fie nidbt rid)tig erfannt merben, ju nufetofer 3ftd^^ig""9 ^^^ Äinbern, ju äuf;erü fd^roeren ©trafen bei ©olbaten, bie alö 3)ef erteure bebanDelt werben unb ju einer unrid^tigen biffamierenben SJe^anbtung oon fonftigen ©rmad^fenen. 3n fotdfien 3"ftänben werben aber aud^ jufammenbängenDo, unter bem ©d^eine oollen SBcmufetfeinö oor fic^ get)cnDc öanD- lungen — öfters mit merfwürbigen ©rinnerungöreften — verübt, weld)e alle Strten oon "Teliften unb SJerbred^en, felbft fd) werfter 2lrt barftellcn fönnen. 9luc^ bie anfd^einenb ungefäl^rlid)en JnDir üibuen foId;er 3lrt muffen unter bauernbe Cbfjut geftellt werben. 3)ic 2}agabont>agc unb i^w öcf)ant)Iimg. 717 S)ie Ocfal^rlic^cn unter il^nen gcl^örcn umfomcl^r unter bauerube Ob^ut be« ©taate§, unb bie Äranfcn fclbft unb bie ©efeüfd^aft lonnen am bcften gefd^üfet werben, roenn fie in fold^en ©pejiaU afpleii untergebrad^t werben, wie fie ber geniale belgifd^e Suftij^ minifter fie ^eune projeftiert f)at. 2)iefelben finb ndmli^ für irre SSerbred^er, für oerbred^erifd^e ^rre unb für gemeingefäl^rltd{)e, friminaliftifd^ nid^t lompromittiertc ©eifteßfranle beftimmt. Sag bei ben epileptifc^en formen eine jeitroeilig „bebingte Jreilaffung" unter beftimmten Sebingungen möglid^ unb ftattl^aft fei, möge l^ier neuerbing« betont werben. 3um ©d^luffe roiU xd) l^erDor^eben, bafe ber ^ßroftitution ganj d^nlic^e Urfad^en unb pfpd^ologifc^e ©igenfc^aften }u ©runbe liegen wie ber SSagabonbage. 2)ocf^ roill id^ ^ier barauf meiter nic^t eingel^en, ba ber heutigen ©efeUfd^aft ber fitttid^e ©ruft fe^lt, biefed fittlidEie SJefijit ju befeitigen. 22. £tttetattttberid)t ättaftt^t ^Ugentettter Ztil L ©crit^tcrflattcr: Dr. ü. ^tppcl. I. Mgetneine Stbl^anblungen. 1* 3" fcd^öjc^ntcr Sluflagc ift Serncrö Sc^rbud^ bcä 35cutfnfcriorität beo mirflic^ gcmäljlten 3)iittelö''. Xie gegen eine ^eftrafung bco untauglichen JJerfuc^ö erhobenen (riniuänbe, 1 . bafe bei Unmöglidjfeit bcr Äusfül^rung auc^ bcr 3(nfang einer folc^en nid)t gcmaci)t mcrbcn fbnne, unb 2. bafe Stürftritt com untauglichen 'iNcrfuci) nic^t bcnfbar fei, mcrbcn in fc^lagenber 3Beifc nnbcrlcgt unb meiter bao (ftraflofc) -^JutatiDbclift uom untauglicl)en i*erfuct) begrifflich abgcgrcn.^t. II. Unterlaffungöbcliftc (45-67): Tiixx bie Äaufalität ber Untcriaffung ift nid)t foiuoljl bcr 'Jtaturfaufaliomuo maftgcbcnb, als üiclmcljr bcrjcnigc bcr fojialcn DrDnung. 2^ic Untcriaffung ift baftcr faufal, fofern baö .^aubcln fojialc '^iflidjt mar. •iiJann Ic^tcrcö nac^ heutiger d^icc^töanfdjauung an3uncl)mcn, mirb bcö näljcrn untcrfuc^t. SIIq JörtuptfäUc mcrbcn babci neben bem AÜrforgcocr^ältnio 5mifcl)cn Gltcvn unb .Hinbern angcfii()rt: Staatlicl)e 'ilnftcüung, iscrtrag, Über= nähme einer Ginjclpflidjt, Crntlabung einer ol)nc xHuffid^t gcfä^rlicl) mirfcubcn Äraft, 2^clitt. 'iion bcr Untcriaffung getrennt mirb bie äiMcDcraufl^cbung einer eignen früljcrcn JI)ätigteit. 720 8ittcraturbcn(6t. III. isorfaft uub 9(bfid)t (67 — 83). 35cibc Scgriffe idciKti in bcr c^ciuö{)nlic^cn Söcifc (Serouptfcin bcs t)crlc^ent)cn (S^araftcrs bcr löat cinerfcitö, ©rftrcbcn bcö (Srfolgeö anbrerfcitö) gcf eckten unD betont, ba^ cö beim l^orfa^ gleichgültig ift, ob bcr üorgcftoUtc Grfolg bem 3:{)äter ein unliebfamcr ober ein angenehmer war ol)er ob enbli^ oöüige 2(pat^ie bemfelben gegenüber beftant). dagegen roirD ©erlangt, „ba§ bie ?foIgen entroeber alö fid&cr ober boc^ als johr roa^rfc^einlid^ oorausgefc^en werben", ©inb flc nur als mögli4 Dorgeftellt, fo ift nac^ Äo^Icr ber jur Strafbarfeit erforberlid^e dolus nic^t gegeben. Stnbers im %a\lc einfacher SBa^rfd^cinlic^feit; hier foU über ben 3Jorfa^ l)inauögef)enbe Slbfid^t crforberlid^ fein. Gine foId)e wirb im allgemeinen aud^ f^ur ©traf barfeit ber 3tnftiftun(| üerlangt. Serouptfein ber SRec^töroibrigfeit gehört jum dolus nid)t, c^j genügt oielmc^r ,,red)tli(^c 3lpatl)ie". dagegen ;,mufe als ©runöfa^ aufgeftcflt werben, ba^ Der 2)otuö fef)It, menn ber i^äter be.^üglii ber ^ntereffen, meiere uom Stecht gefc^ü^t roerben, fiä) in bona ti>le befinbct". IV. Äaufaliömuö unb Ur^eberfc^aft (83—92). Urfacbc unb Scbingung finb ooneinanber ^n trennen, — nicftt nac^ ber Un-- entbe^rlic^feit für ben Gintritt beö Grfolgeö ober na^ bem plus t>er 3i>irfungötraft, — roo^l aber nad) iljrer Scbeutung für „bie Dualität beö SBJerbenben''. ^ie i^erfd^ieben^eit beiber beru()t „auf bem Unterfc^ieb jroifc^en ber Iriebfraft unb j^mifc^en bcr 3ltmofpbäre, in melcfter bie Iriebfraft gur ©eltung fommt". — Unabhängig imn bcr Äaufalfrage aber ift bie Sc^ulbfrage. 2)enn pcrantroortlicb ift ber ^rationale Urheber" nid^t nur, roenn er Dorfä^lic^ ober faftrläifig bie Urfac^e, causa, felbft fe^t, fonbem aud^, menn er bie Sebingun= gen be^^ Grfolgcö berartig geftaltet, bap bie bereits uorlianbene wusa jur SBirffamfeit gelangt: dominus causae = causa causae. V. 3KittI)äterfc^aft unb Seifiilfe (02—105). Ter 05c= l)ilfc unterfdjieibet fid) oom 5Dliittf)äter überl)aupt nic^t begriff lici^, fou= bem nur nad) ber Sntenfität feiner Beteiligung. ®enn auc^ er fept bie auf bie causa einroirfenben S3ebingungen, ift alfo Urheber fo gut loie ber 3;f|äter. Sebiglid) nad) bem geringern ©rabe ber ä^irffamfcit im einjelnen %aU fann man bal)cr beibe trennen, ^ic beute bc= ftefienben Stnfid^ten über eine juriftifc^e SJerfdjiieben^cit, fei co nac^ bem Sizilien, fei cö nac^ ber Stellung gur 9(uöfü^rungcif)anblung, finb nur intereffante, aber mifeglüdte Serfud)e, ben richtigen ©ebanfen ber ab- meidjenben ^utenfität begrifflid^ gu formulieren. VI. ^Mnftiftung (lOG— 154). Tiaä) heutiger Äulturanfcbauung ift jebermann oerantroortlid) nur für feine eigne Sd^ulb, für Die von if)m felbft unterlaffene Steaftion gegen bie in feinem ©illen erregten ©trömungen. 3^ie äluffaffung beö ^nftifterö alö eine» leilncbmerö an frcmber 2d;ulD läuft biefcr Ä^ulturanfd^auung gerabenmegö ;u: luiDcr. Sie l^at baljer eine 'Berechtigung nur, locnn fic allein Die Strafbarfoit bcö 3(nftiftero logifd) erflären föunte ober xücxin fie pom geltenbcn 'Hedjt in gmeifcüofcr iöeife acceptiert märe. 33cibeö ift nic^)t <2trafrc(^t. 3lUgcmcmcr Xcil. 721 bcr %aii. Senn bcr älnftiftcr ift Url)c6cr bcr 2:f)at )cI6ft, ba er bie- felbe burd^ ein frembeo Webium nemiöge pfpc^ifc^er Äaufierunct t)oI(= jiefit. Unb wenn aud^ bas ©efeö in § 48 ät.Ö.^fl. Strafbarteit bee p^i)fifci^cn J^äterö oerlongt, fo l)at es boc^ anberfeitö in ben ^Sc- ftimmungen bes § 50 aneiiannt, bap bie Haftung bee 3(nftifterö feine abgeleitete, fonbern eine felbftänbige ift „unb barum abgeftuft nic^t nad) ben 3Jer^äItniffen, welche für eine frembe, fonbern naö) ben ^Ber- ^ältniffen, welche für bie eigne Xl)ai mo^gebenb finb". 3?on ber fogenannten mittelbaren Ifiäterfd^aft imtcrf^eibet fid) bonad^ bie Sln^ ftiftung juriftifc^ lebiglic^ nac^ ber ^erfon beä foftifd^en Jljäters, n?eld)er im erftern "^aUe „ein bes beliftuofen ^xdc^ unbemufeteo Söerfgeug'', im le^tern felbft ftrafred&tlic^ oerantmortlic^ ift. 3luä biefer „ifjäterfd^aftöqualitöt" bee 2tnftifterö jie^t Äot)ler für eine Steige von gälten, inebefonbere für benjenigen beä apent l)n)vocateur unb für ben roeitern, bop ber 3(nftifter felbft ber SJer^ le^te begiefiungsroeife ber f^u 33erle^enbc ift, bie praftifc^en Äonfequenjen unb befämpft fernerhin bie gegen feine 3^()eorie möglichen ©inroänbe: Gine Sd^eibung jroifd^en Slnftifter- unb J^^ätermitten fei oerfe^rt. 2^enn ber 5(nftifter rooUe bie i^at ebenfollö, xüenn aud) burd^ bas SJleDium bes faftifc^en 2^f)äterö. Unbegrünbet fei weiter bie ''Sef)aup'' tung, man fönne ju If)aten anftiftcn, meiere mon felbft nid^t begeben fönnc (bie 3lnftiftung fönne alfo besl^alb nic^t mittelbore Selbft- Begebung fein). "Xcmgegenüber unterfd)eibet Äo^Ier brei %äÜe: 1. „§onbeIt eä fid) um ein oon allen ju refpeftierenbee 3led)tsintereffe unb befte^t baö jpinbemiö ber 93egef)ung lebiglic^ m ber pfipfifd^en Dualität ober in ber rec^tlid^en Unfä^igfeit jur Solljiefjung eines SRec^tsafteä", fo ift nid)t nur Slnftiftung, fonDcrn auc^ mittelbare 3^^äterfd)aft möglid^ {%. 'ö. bei 5lot|\uc^t/ 3Keineib ufm.)- -• Stimmt bas SDelift, bcffen 3)egc^ung an fic^ jebermann möglid^ märe, lebiglid^ /,n)cgen ber per- fönlic^en Gigenfd^aft ober 95e3iel)ung einer ^^erfon einen anbern 6l)arafter an", fo begebt ber ^nftifter es als fein eignes mit ben aus feiner ^erfon (nid;t ber bes 2^^äterö) fid^ ergebenben Qualis fifationen (j^. i3. Äinbesmorb). 3. 9lid)tet fid) enblid; bie 3^^at gar nid)t gegen ein allgemeines JHec^tsgut, fonbern lebiglid) gegen eine perfönlic^e Sejie^ung bes (rinjelnen, fo ift fomoljl 3lnftiftung als auc^ (mittelbare) 2^l)äterfd)aft unmöglid^. 2^ies foll bei ben 2tmtsbeliften ber ijatt fein. Gin fleiner äbfc^nitt VII (S. 154— IGO) l^anbelt über &t)ac rafter unb ©renken ber Segünftigung. S^iefelbe mirb befiniert als inbirefte 2eilnal)me am 2)elift. infofern fie beffen jioiliftifc^e ober friminaliftifc^e Slebreffierung ju vereiteln ftrebt. Gs folgen einige fur^e Semerfungen über bie ^^Jerfonen^ unb Sad^begünftigung unb baen äusbe^nung. 4^ 3" »i«-'tter burc^gearbciteter Sluffage ift Sinbings örunb« 722 Sittcraturbcric^t. rife bcö gemeinen bcutfc^en Strafrcc^tö^) crfd^icnen. 2^cr SScr^ faffer ^at inöbefonbere für Übcreinftimmung be§ Sud^eö, roeld^c^ von 192 auf 208 ©eiten angeroad^fcn ift, mit bem injroifci^en pcröffents lichten 93anb I feines öonbbuc^s unb mit ber jmeiten 3(uflage Der 9Jormen geforgt. 2lu^er oiclfod^en ßrgänjungen im einzelnen, roelcbe beifpiclöroeife in ben Sitteraturangaben jur Slufna^mc furjer 9loti;en über ^oHänbifc^eS, ©c^roei^er unb bänifc^eö ©trafrec^t geführt ^abcn, fmb in{)altlic^ oöllig neu ^injugefommen bie §§ 25, 43, 44 unb 45. § 25 ^anbelt oon bem ,5|ucrft im §anbbuc^ unterfuc^ten SScr^ältnie ber ailternatioität unb ^ubfibiarität ber ©trafgcfe^e; § 43 bcfpriit geroiffe fubjeftiüe Grforbemiffe ber ©trafbarfeit (3lnge^örig!cit ju bc- ftimmten ©efeüfc^aftsfreifen, perfönlid^eö 33er^ältniö jum 3>erle^tcn ufro ). 3n btn §§ 44, 45 enblic^ wirb bie lauglic^feit bed älngriffoobichö unb bes Stngriffömittelö erörtert. 3tl§ pringipaied ätngrifföobjeh cr= fc^eint baö Ste^tsgut, b. f). ^alleö, roaä felbft fein Siecht, hoö) in Den 3lugen beö ©efe^geberö alö Sebingung gcfunben Sebcnö ber SHe(^tö= gemeinfc^aft für biefe t)on 2Bert ift, an bcffen unoeränberter unb ün: geftörter Gr^altung fie nadji feiner 3lnfic^t ein S^tereffe ^at, unb Daä er bcöf)alb burdji feine 9Jormen cor unerroünfd^ter 3JerIe^ung ober ©efäljrbung ju fidjern beftrebt ift". Siefes i^erbot ber i>crle^ung ober ©efä^rbung crftrccft fic^ babei, wie „fid^ ganj von fclbft ror- fte()t", lebiglid) auf tauglid)e 3KitteI unb enthält gleid^5eitig ein „-Jiidit^ ocrbot aller untauglichen 9)JitteI". Söcfentlic^c fr)ftematifd)e Slbroeic^ungcn gegenüber ber britto; 3(ut- läge meift ber ©runbrip im jroeiten Sudje, roelc^es „bas fubjcitioe Strafrcd)t unb bas ©trafrec^täüerfiältnis" bef)anbelt, auf. ^nöbefonbea fmb ^ier bie §§ 80—87 über „®runb unb S^^^ ^<^ Strafrec^ts" (Strafrec^tstljeoriecn ufiu.) au^ ber erften 2lbtcilung entfernt unD mieber, roie bereits in bor II. Sluflage, in SJerbinbung mit ber Tax- fteüung ber ©trafmittel gebrad^t. 33ud) II jerfäUt nunmefjr in fol^ genbe3(bfd;nitte: 3lbteilung I. ^ie ßntfte^ung bes ©trafrec^tö. "i^om ä>erbred^en insbefonbere. Unterabteilung 1 : 2)ie i>ürausfeftuugcn bcs S^elifts. Unterabteilung 2. Sie üerbred)erifc^e JpanDlung. Aap. 1. Sie Sd)ulbfcite bes ^Bcrbred)ens. HiaTfi. 2. Sie Ibcitfeite bes "in-rs bred)en6. ikap, 3. Sie 3uted)nung ber 'Xijat jur Sc^ulb. .siap. 4: 2Jerbrcd;cn6ein()eit unb 'iyerbred)en6me()r^eit. Unterabteilung 3. Sas mirtlidje ©ubjeft bes iNerbredjens. — Slbteilung II: Sie ©rünbe ber 5iid)tentfte^ung bes ©trafred)tevfud)o bio in bas ©ebiet ber reinen 'iputatiu: belifte" unb anbre an. „^5"' red)tlid;en wie im fittlidjen 3"^<^^*-1iy forbert er bemgegenüber ihmi ©efetjgebung unb -^Nrario, „baf^ bie (>3e- ♦) e»cn(öt*fanl ?^^. XLIII e. l-'2± 724 Sittcraturbcric^t. biete beö äJerbotenen unb bes Griaubten, bes ftrafbarcn unb bes nidjt ftrafbaren Unrec^to in feften unb flar crfennbarcn ©reni^marten pon^ cinanbcr getrennt liegen." III. 2:eUmi^me. X 53ir!mcpcr, Sie £ef)rc »on ber icilnaf^ine unb bic SRec^tfprec^ung bcö bcutfc^en Steic^ögeric^tö. Serlin^ l'icb; mann 1890. 305 3. 8. Sic fe()r auöfü^rlic^ angelegte Schrift bqroecft einen erneuten 3tnlauf gegen baö beutfc^e SReic^ögeric^t^ roelc^eö in fonftanter Sedjt: fpred)ung t)en 3Kitt^äter »om ©e^ilfen allein nac^ ber iNerfd^iebenbeit beö üerbrec^erifc^en Söillens, nic^t aber nac^ ber objef tioen Sebeu» tung feiner Xi^at für ben Grfolg ju trennen fuc^t. Sicfe Stedbts fprec^ung ^at nac^ SJirfmeper i^re einzige £tü^c in einer an ficft Derte^rten unb bem geltenben 3ted^te j^uiüiberlaufenben ^Ijcorie be« Aaufaljufammen^angö^ ber ©leidbfteUung oon Sebingung unb Urfadje. Sie ift überbieo auc^ t)om Stanbpunfte beö Sleic^ftgerici^tö fclbft in= fonfequent. Senn le^tereo fte^t in feiner fonftigen Subifatur über 3^eilnaf)me burc^aus auf bem Soben ber objettioen 3)^eorie. Sie Surc^fül)rung beö »orfte^enb ffijjierten ©ebanfengangs er^ folgt in 3 gefonberten 2tbf c^nitten : Ser crfte (S. 1—76) gibt eine genaue Sarftellung unb fritifcfic "öetradjtung ber fubjeftiüen ieil= na^met^eorie^ beren Segrünbung unb A'onfequeni^en ^auptfäd^lic^ an ber .^anb v. Suris t)orgcfüf)rt merben. '^m jroeiten 3lbf4initt (3. 77 bio 182) pertritt ber 4Jerfaffer feinen eignen objeftiüen Stanbpunh alö „bie pofitiorec^tlic^c (Seftaltung ber Sef)rc »on ber 3^eilna^mc". iTer britte 2^eil enblic^ (3. 183 — 285) bringt eine cinge^enbc Untere fud)ung ber Stec^tfprec^ung beo iReic^ögerid^tö. I. 3tbfc^nitt: Sie fubjeftiüe Sljeorie ibentifijiert Urfac^e unb SJebingung beö Grfolgeö. Url^eber ift i^r jeber^ welcher fc^ulbbafx eine Öebingung fe^t. Db jef t i we Unterfc^iebe innerhalb biefer IcUtem daben nur einen relativen 3§ert. Tenn in i(|rer ^lotmenbigfeit für ben Grfolg fte^en fic^ alte Sebingungen gleic^. Gine begriffliche Trennung bes 3}litt^äterö t)om ©e^ilfen ift bal)er nic^t nadj bem ©rabe iljrer objeftiwcn 3Sirffamfeit, fonbern allein nac^ ber Serfc^iebcn^ l)eit il;reö fubjeftiwen äJerfc^ulbenö möglich : Ser "iDlitt^äter miU bas i>er brechen alö eigne ö bege(|en^ ber ©e^ilfe basfelbe alö frembe» unterftü^en. Siefe Unterfc^eibung fann eine melirfac^e Sebeutung liaben. 33aH) mirb barunter eine 3Scrfd)ieben^eit bes SJorfa^eö, balb eine foId;e nad^ 3^wt*rf unb Sntereffe beö §anbelnben Derftanben, ber= art, ban ber 3)Jittl)äter im eignen, ber ©e^itfe im fremben ^n- tereffe t()ätig mirb, ober — fo ü. Suri — ba| baö ^ntereffe beo 2l)ätero ein felbftänbigeö, bao beö ©e^ilfen ein unfelb« ftdnbigeö, bemjenigen beo 2t)ätcrö fid) unterorbnenbeö ift. — hiergegen rid;tet 'i3irfme9er feine Äritif: Sie Trennung nad^ bem @trafrc(^t. ÄU^cmcincr 3:cir. 705 dolus fei toc^ifc^ unrichtig. 'Zenn rocr eine bas 3?er6rec^en »crur« fadftenbe Ifiätigfeit begeben mü unb bcn ßrfolg oorauofte^t, ber mü eben biefcn ßrfolc^ ah bao Stefultat feiner Üfjätigfeit, b. ^. aU einen cit^nen. 3)ie Irennunc^ nac^ 3^^^* ober .^ntereffe aber f)abe im (>5efeöc nic^t ben c^erinc^ften 9tnl)alt, mac^c eine loirflic^ fc^arfe Sc^eiDunc^ von 5Jlitt^äterfd)aft unb 33eil)ilfe unmöglid^ unb biete üborDieö feine ßrflärunfl für bie milberc Seftrafung beä ®el)ilfen. 11. "Jtbfc^nitt: ßntqegen ber fubjeftiwen Ül^eorie c^eljt, fo be- f)auptet 'öirfmeper, unfer c^eftenbeo 3trafrec^t t)ün ber 3^eilbarfeit beö Grfolc^eo aue; eö f (Reibet bie 53ebin(^ungen objeftiü nad) bcm ©riiDe il)rcr Söirffamfeit unb gelangt fo jur begrifflichen Trennung von 'Xf)äterfd)aft unb leilnaljme. I^ätcr ift nur berjenige, roeld^er bie ipirffamfte Sebingung, bie Urf ad)e bes Derbrec^crifc^en ßrfolgeö fe^t. :J(lo Urfac^e aber erfc^eint bio 9lu9füf)rungö^anbfung unb biefe loieberum ift ibentifc^ mit ber Il)atbeftanbö^anblung beö fonfreten 3>evbred)enö. „^k im gefc^Iic^en 3^{)atbeftanb beö einzelnen ^cx^ brec^eno genannte I^ätigfeit muji biejenige fein, meldte bad ©efeft alö ben Grfolg bes 'Bcrbrec^eno üerurfac^enbe betrachtet." oinb an biefer 3(uofül)rungö^anbfung meljvere ^erfonen in bemühtem 3"* fammenroirfen beteiligt, fo liegt Witt^äterfc^aft t)or. 3(nftiftung unb i^eil)ilfe befte^en in bem oeften „bloper Öebingungen für ben üerbrec^erifc^en Grfolg, unb jmar bei ber 3(nftiftung burc^ Öeein- fluffung beo ®itteno beo iNerbrec^ero vor 3<^)fwng beö Gntfc^luffeö jum '-Öerbrcc^en; bei ber intelleftuetten 33eif)ilfe burc^ )ol(i)c Öe- einfluffung nac^ S^ffung beö Gntfc^luffeö; bei ber p^i)fifc^en 'Beihilfe burd) eine ben Grfolg mitbebingenbe pl)9fi)cf;e Xfjätigfeit". Serurs fact)ung ift in biefen Jollen auögefci^Ioffen, roeil bie Ginmirfung auf einen anbeni 9)lenfc{)en erfolgt, n)eld)er fraft feineö freien Sßilleno bie äi5a()l ööt, ob er bie oon aufjen (ommenben 'äl^iUenoreije ,3|u "üJJotiwen erljeben (unb alobann felbft oerurfaci^en) roiff ot)er nic^t. iiefe „freie llUUcnobeftimmung" l)at ij 51 St.GJ.^ä. auöbrüdflicb anerfannt. ^cn objeftiuen Grforberniffen entfpric^t ein breifad^eö fubjeftioeö 9Jerfc^ulDcn beo Xeilne()merö. 1. Gr mu^ ben oerbrecl)erifc^en ®e= famterfolg »orauogefeben unb gemoUt Ijaben; 2. er mu§ gemupt unb gewollt haben, baji feine eigene Iljätigfeit ju jenem Grfolg etmaö bei= trage, unb 3. bafe ein anbrer mit ihm .^ur 6erbeifül)rung beöfelben ju» fammenmirfe. §ierauö folgert 'öirfmeper, ^a\^ fa^rläffige l^eilnabme unmöglich, Dorfä^lidje 'Beteiligung an fal)rläfiigem A^anbeln l)ingegen fel)r !üol)t benfbar fei unb finbet, ba^ bao pofitioe iWed^t in feinen 'Beftimmungen biefer 'Jlnficl^t entfpric^t. Jie accefforifc^e 'i)^ltur ber 2eilnal)me, mie fie bao geltenbe ^Hed)t anerfennt, ift nac^ 'JBirfmeyer logifd) bcgrünbet. Xcnn objeftio begebt ber Ieilnel)mcr leDiglid) 'i5 or b er ci tun gofj an b hingen unb fubjeftio Ijanbelt er mit bem "äi'iffen unb iöillen, bafj feine eigene Ihat ben Grfolg nid)t vcrur)ad;e. 2^col)alb ift bie ^eilnabme« banblung an fiel) ftrafloo. 3ie roirb ftrafbar erft, menn fie fic^ einer felbftänbig ftraf baren .yanblung l)i"3i»9efettt, fie entleljnt il)re 3€itfc^r. f. b. gef. ctrafric^idi». XI. 47 726 ^ittcraturbcrid^t. Strafbarfeit einem frcmben Derbred^erifd&cn 9?er^alten. 2lUcö, idqö ber 3^f)äterf)anblun(; bie juriftifc^e Gigenfd^aft eineö ftrafbarcn nimmt, „bewirft j^ucjleid^, ba^ bie 2^eilna^me^anblun(^ etroaö ©trafbarcs nid)t ift". — 3)ie Äonfequenj^en biefeö ©tanbpunftä werben S. 1G4— 182 im einjelnen bargelcc^t. III. Slbfc^nitt: 3!)aö Steid^ööerici^t ^at bie oon i^m angenomincnc fubjeftiüe 2:rennung von 9KittI)äterfc^aft unb 33eil|ilfe feineQroci^& fonfequent burc^gefü^rt. SBä^renb es junäd^ft baö ^Sluöfüljrcn" tos § 47 im ©inne ber 95ornaI|me irgenb einer auf baö 35erbrec^en 90= richteten I^ätic^feit fa^t, verlangt eö an anbrcr Stelle alo „not= roenbic^e^ 5DfJerfmaI ber 9)JittI)äterfci^aft eine materielle 3JJitn)irfui^" (im ©cgenfa^e jur intellcftueHen) unb räumt infofern bereito eine crftc objeftiwe 2$erfc^iebenf)eit jroifd^en 3Kitt^äterfc^aft unb ©eit)ilfe ein. 3n einer Steige weiterer Gntfd^eibungen werftest eö bann unter licm ;,2{uöfü^ren" nur eine 3Kitmirfung roäl^renb ber 3*^'* bco äuss füfirungöftabiumö im ©egenfa^e ^um SJorbereitungöftabium t)C5 Serbrec^ens. Unb unwermerft wirb enblic^ biefeö ebcnfaüö rein objeftiüe, i^unäc^ft aber aUerbings jeitlic^e unb formelle Unter- fc^eibungsmerfmal ju einem materiellen, inbem baö 9leid)ögerid)t anerfcnnt, ba^ audji 35orbereitungö^anbIungen noc^ im Stabium bor eigentlichen 3(uöfül)rung vorgenommen werben fonncn, ba^ co .v^anl»* tungen gibt, weldje fic^ fd;on rein äu^erlic^ alö 3luöfü^rung<:= otcr 9?orbereitungof)anblungen barftellen. 2)er l^erfuc^ beö 9{eid)ögeri(^tö, bie objeftiüc Unterfc^eibung pon 2)Jitt^äterfc^aft unb 33eil|ilfe ju leugnen, wetd^e bem SBortlaut r>e5 ©efe^eö entfpric^t, ift bamit nac^ Sirfmeperö 3lnftc^t gefdjeitert. Gr ift um fo unberechtigter, als baö ^eicl)ögeric^t bei ber Sebre vom 3Serfuc^ bie ted^nifc^e ä3ebeutung ber SWorte „Anfang ber äuo- füf)rung" mit aller Seftimmt^eit anerfannt l)at. 3Seiter aber ift — , wie Sirfmeper barlegt, — bie fubjeftiüe Unterfc^eibung beö Steic^geric^tö, auc^ wo fte wirllic^ burc^gefübrt, eine burd^auö fctjioanfenbe. Öalb fpric^t baö Steic^ögeric^t t)on einem oerfd;iebenen dolus ber leilneljmer, von einem r»erfd)iebeuem i^ovfat» ober einer oerfc^iebener 2lb fielet, balb t)on einem Ibätig werben im eignen ober fremben 3^fiann faufalcr SiSirfung für ftrafbar crtlärt'^ Unter Unterlaffung luiib bao ^menfc^lidjc 'i>erl)altcu, u)eld)em eine (beftimmte, äuf>cre) '^eioegung nidjt cntfprid)t, n)cld)eö (äuHcrc) Il^ätigteit nic^t ift", ohne irgenb iDcld)e weitere (rinfdjräntung per= ftanbeu. — iU*r urf ad) ung erforl)ert, — entgegen bem v. ^Hol)lanD = fc^cn 'begriffe Der i'licdjtotaufalitüt, n)cld)er lebl)aft befämpft roirb, — ftetö einen geiuiffen natürlidjen, als objcftii) üorljanben geöadjten 3"= fammen^ang ber 3lufjeniDelt; inucrljalb biefeö le^tern lüiro alo Urs fad;e mit v. *öuri jeDe öebingung beö (Jrfolgeo betrachtet. 47 728 l'ittcraturbcric^t. ©cftü^t auf bicfc Scgrifföbeftimmunc^ rocnbct fid) Öanböbcrci j^unäd)ft einer Äritif ber beftel)enbcn ^Infic^tcn ^u. "^lac^ für^crcr "ilSotemif gegen r». iMöi^t unb öaupt gibt er eine eingebonDe Tax- fteKung unb SBiberlegung ber (pon i^m fo genannten) 3"^<^Wcn;: t^eorieen, welche bie Äaufalität ber Unter(a)7ung in ber fie begleitcn-- ben, innern If)ätigfeit bes "iDJenfc^en fucben, ber eine jum oanöcln brängenbe 3BiHeneftrömung in fic^ befämpfe. ^iefe^ in mannigfacbcn Slbftufungen vertretene 2(uffaf)ung vermag nacb Sanböberg leöiglid) biejenigen %äüc ju er!lären, in roeld^en eö fic^ um Sefiegung eincö äußern S'^ö^Ö^^ ^"^^^ ^^"^^ ^Heflejrreijeö ober eine© fcbon ahuoÜ ge- worbenen SSJiUenö ^anbclt; benn nur ^ier ift wirflic^ eine aftivc Äraftentfaftung bes Unterlaffenben gegeben. Überall fonft aber, tuo blope .ypemmungsimpulfe ober =6nt|d^lüfte im ü)lenfc^en befteben, er^ fc^eint bie Unterlaffung aHein alö 3iicbtunterftü$ung, feineoroego aber alö ajemicbtung jener :3mpulfe, welche, [x6) felbft überlaffen, niemals j;ur i^at fübren würben. §ier »erjagt baffer bie ^nterfcrenubeorie ben Xienft. 3ur 93egrünbung feiner eignen 'Jfnfit^t loeift Öanboberg barauf bin, baB Äaufalität nid^t eine fubftan3;iel(e, fc^affenbe 3i>irtung er- l^eifd)e, baß Urfad^e nic^t eine 9(rt „^J)Jutterfac^e" bebeute. Xcx Sa? „auo 9lic^to wirb "DJic^to" fei allerbingö richtig, er gelte aber nur innerl)alb bes engern ©ebictö ber öeroorbringung von Mraft or>er 9Katerie. 2^er Saft „burcb 5?ic^to wirb 9lid)tö" hingegen, b. ^. burcb 9iicbtö fann feine Äaufalität begrünbet loerben, loürbe un.^utreffcnD fein. Surcb ben luftleeren SRaum, bas ^Jtic^tö, in einem £d)enfel Dcö Sarometerö 3. 33. werbe bie Äraftentfaltung ber t'uft auf ber anbern Seite unb bamit baö Steigen bes Cuecffilberö beroirft. — Tafe öie llnterlaffung ^fJegation einer SJcränberung ift, fc^rerft i'anboberg nid^t. Gr fteHt ben Ba^ auf: „'»JOJitwirfenbe Urfac^e ift jeöeo, auch unbewegt unb unt^ätig erfc^einenbc ©lieb in ber unenMicben Äctte ber Öebingungen.'' Unter biefe Öebingungni aber finb nur fold)o Umftänbe ^u rechnen, weldje nacb menfc^lic^er ßrfenntnio in bem fon» freten Äaufalnertauf wirtfam werben fonnten. ,,^ie llnterlaffung ift bemnad) faufal, fo oft unb foweit ber DJienfd) in ber äag^c war, auf bao (jreigniö ein^^uwirf en ; b. l), fie ift faufal für biejenigen "IJunfie beö Greigniffeö, welche ein 3)lenfdf> I)ätte burdj fein (Eingreifen anöerö gcftalten föunen." 'i'ermöge einer pbilofopbifcben Setrad)tung fucbt ber ^erfaffer biefen Stanbpunft nod) weiter ju feftigen, um ficb bann ber ^Beantwortung ber ^weiten, t»on il)m aufgeworfenen Jvrage ;u;u' wenben. Jntereffante, an ben 'Begriff beö Üi>illenö beim Äommifllvbelifte anfcblicj^enbe Unterfuc^ungen führen l)ier m bem Grgebniö, ^af; „^er 3lngelpunft beo nerantwortlicben iÖiUeno in ber Unwiberruflic^feit ^lT getroffenen Gntfcbeibung" liege, ^iefeö ©efül^l aber fei beim Unter: laffen möglid)en Jbuno ebenfo gegeben alo bei aftioem >>anbeln. 2i^illcnoaft ift baber ,,bie pfncbifcbe Urfac^e, burcb welche baö inT* l;alten motorifc^er ^lerven unmittelbar beftimmt wirb". 3üm Öerocife 3trafrccf)t. 3(UtT(cmcincr 2i\U 7'29 bicfcr Scfiauptung toirb weiter vorgebracht, ba^ jebeö beftimmt abge^ mciienc I^un fic^ am 9Jeiüegung unb ^^emmung }ufammcn|e$e, ba^ itlätigteit unb Unt[)ätigfeit fid) barin in einer 2Bei)c üerftricfen, welche eine fc^arfe ^^rennung von $anblung unb Unterlaffung un- möglich madje unt) eo beol)alb unträglic^ erfc^einen (äffe, ben begriff beö SBiüeno nur auf jene 5U be3;ie()en. 3(n einein Seifpiele fuc^t i'anböberg ferner .^u .^eigen, baB man fic^ von einem roillenlofen Öefjerrfc^tmerben t>c^ "iDlenfc^en etiua burc^ pl)i)fifc^e ®efe$c ol)nc \8u' tt)at eigner Äraft gar feine SJorftellung matten fönne. Xie ©runbfäöe über 'Borfa^ unb gal)rläffigfeit finben aucb auf bie Unterlaffung unb beren golgen uneingefc^ränfte 3tnn)enbung. Jm allgemeinen ift bal)er baö 3ög».*rn beöjenigen fd^ulbloö, „melcfier ol)ne >yal)rlä|Tigfeit meint, noc^ ;ieit ^ur iMettung ju l)aben". 2öer l)agegen „in böfer 3tb|ic^t bie Stettung unterläpf, belinquiert aud^ fcbon bann, „menn bie '^Köglicbfeit <\u i()r nod^ fpäter Dor^anben fein foUte, ja roenn er felbft fpäter nocb retten foHte; biefe fpätere H)iitigfeit fann Ijöcbftcno nad) ben örunbfäjen uon ber tf)ätigen SReue bie Strafbarfeit auöfd) liefen'', '^üx eine 3teif)e üerfcbiebener Äälle lüirD biefe iMnficibt genauer burd)gefül)rt unb meiter beren 55ebeutung aud) für Dao reine Dmiffiübelift fomie beffen Unterfd^ieb üom SLonu miffipbelifte burc^ Unterlaffung erörtert. Xie legten xUbfdjnitte t)eo l^ndjc^ (3. 182— -290) beljanbeln bie Jvrage, mann bie faufale unD gerooUte Unterlaffung nac^ l)eutiger :l{ecl)toauffaffung miberred)tlid) unb beöljalb ftrafbar fei. Xic ^UnU mort barauf lä^t fic^, — loie in fe^r auöfü^rlidjer Tarftellung ge* ^eigt mirb, — auo ben bie Unterlaffung befonberö erroäbnenben 'Vara- grapben unfreö St. 0). ^ö. nic^t geminnen. Sie ift bal)er bem (Seifte beofelben unb feiner i>ergangenl)eit .^u entneljmen. ianact) beruht baö St. P). 93., mie ber preufüfd)e (Sntmurf von 18.30 erfennen läfit, auf bem bamab allgemein gebilligten StanDpunfte ^euerbac^ö, bafe Unterlaffungen nur beim iüorljanbenfein einer befonbern >)(ed)topflic^t ^um ,'oanOeln ftrafbar fiuD, meiere fic^ auo Wefet^ (nidjt notmenbig t)em Strafgefe^) oDer i> ertrag ergibt. 2^a^ Dieo axid) ber t>ie beutige 'l>rario bel)errfd)enbe 'Kecljtö^uftanb ift, bemül)t fid) ber Hkv- f affer an ber .H5anb einer »tcibe üon Urteilen beö Cbertribunalo unb ^Heid)ogeric^tö ^u bemcifen. Xie beute x)ielfacb vertretene 'J(nfic()t, meldie Die '^Jflicbtroibrigfeit (unb Damit Strafbarfeit) ber Unterlaffung aud) auf anbre Aällc auoDebnt unD fid) etwa in Den Sat5 .^ufammen^ faffen läfU: „Xn foUft fdjlimmen AOlgen, meld)e auo Deiner 2()ätigleit \n entspringen Droben, vorbeugen", loirD alo eine 'itnleibe auo bem "Jtaturred)t befämpft unb iljr gegenüber Der eigne StanDpuntt Deo i*erfaffcro näl)er auogefüI)rt. Tie Sd)rift VanDobergö entl)ält eine treffenbe .Hritif vieler be= ftebeuDer iHnfcbauungen, eine intereffante 4^eleud)tung fo nianci)eö nnd)- tigen 'i^roblemo. Xa\\ aber Die Mautalität ber Unterlaffung etmao mel)r alo eine Slnnabme, alo eine bvaud)bare '^e3eicl)nung für bie il^irffamfeit Der neben Der Unterlaffung t bätigen Hräfte fei, Daf^ 730 Sittcraturbcric^t. burd^ -Jlici^tö roirflid^ ctroaö rocrben fönnc^ baö ^at au6) Sanbsbcrg, (glaube ic^, nic^t crroicfcn. 5^ic ßcrlcttung feiner 3(nfici^t über bic ©trafbartcit bcr Unterlaf|ung nac^ f)cuti(^em !Mec^te ferner fc^eint mir bebenffid^, bicfe 3(nfic^t felbft praftifc^ nic^t befriebic\enb 5U fein. 2)a^ bic angebogenen ©eric^tsentfci^eibungen für bicfelbe fprac^en, per« mag id) nic^t .^ujugeben. V. «orfatj. tK .?iammerer, Ctto, S^er ßinfhif; beß JRec^töirrtumö auf bie Seftrafung nac^ beutfc^em Sleid^öftrafred^t. 'Btünt^cn, airfennann. 1890. 8. 81 ©. Xcx 5}erfaffer ge^t grunbfäftlic^ baüon auQ, baft |ium "Borfa^ (ober, mie er fid^ regelmäßig auöbrüdt, jum dolus) bas SerouStfein ber SHec^töroibrigfeit als allgemeine SBorausfe^ung erforberlic^ fei. — Sc^on in ber ©efc^ic^te beö Straf rec^tö, meldte (S. 6 — 14) für; gc= treift mirb, finbet er ©tü^punfte für feine anficht. 3^rc Slic^tigfeit ilr bas geltenbe Siecht wirb fobann (S. 14—29) — unter :i?infd)luf; an 53inbingo "^lorment^eorie — auö bem 33egriff bcr Sd^ulb ge= folgert. „Cf)ne Sd^ulb feine Strafe. 2^er Segriff ber fc^ulb^aften, mie ber pflid)tmäpigcn «t^anblung gehört bem ®ebiete ber Sittenlef)re an . . . Sa, mo bie bona fides enbigt, fängt bie Scbulb au, mag nun Die ^^flidjtmibrigfeit erfannt ober nur geahnt, ja felbft nur bem ®erateiDoi)t überlaffen fein. S'iefe geftfteUungen, auf baö ©ebiet beö SJec^teö übertragen, ergeben Deutlich, baj, — foroeit S'oluö in 5^age fte^t, — bie unerIäSUd[)e SSorauöfe^ung ber Strafe, bie Scbulb, nur gegeben ift bei einem irgenbioie gearteten Sßiberfpruc^ beo vertretbaren menfd)Iid)en .^^anbelnö mit einer erfannten 9Jorm." ^Tiefer älUDer= fprud) braud)t fid) nid^t biö jur Grfenntnio ber Strafroürbigfeit ober Strafbar feit ,^u fteigern; riclmefir genügt bas Seroufetfein ber JHecbtömibrigfcit im allgemeinen. 3n längerer 3luöfü^rung bemüht fid) Joammerer nun. Dem Straf gefc^bud) greifbare 'ilnl^altopunftc für bic JHidjtigfeit feiner xHn-- ftd)t j^u entnehmen unb unterfuc^t ^u biefem S^cd inöbefouDere Die §§ 56—58, 59 St.®.4^. (S. 29—48) fomie bie «ebeutung berjenigen Stellen, an meieren bie „2Biberrec^tlid)feit" ber A>anblung in Den be- fonbern T^atbeftanb aufgenommen ift (S. 48 — 5.5). 2^aö Grgebnio biefer Prüfung aber ift (S. (50), bap bao ©efei felbft eine bc- ftimmte C'ntfc^eibung nid)t getroffen l)at, bie ^id^tigfeit eineo jeben n)iffenfd)aftlid}en Stanbpunfteo bal)er l)icr „lebiglid; nad) bem innem ©ehalte ber Dafür beigebrachten pl)ilofopf)ifd;en ©rünbe" beurteilt loerDen fann. 3^er "iNcrfaffer rerteibigt meiter feine Slnfic^t gegen bcn (ino^ befouDere von ^ucao) erljobenen Ginmanb, baft fie ju praftifdj ge- fä^rlid)en .Üonfequen:^en fül)re: 3)iit ber 3lnnal)me beö Öerouptfeinö ber ?) pofttiwem dlc(!^tc fei; er will ?;eigen, baf; insbefonbere bie entgegengcfe^tc 3(nfc^auung Sinbingö in treffen formaliftifc^er 3)2et^obe ifjren örunb i)ahe. ^u biefem ßroerfe werben ^unädjft bie ^Begriffe: äBille, 9Ser = brechen unb redjtowibriger 3SiIle einer furjen Betrachtung unter« jogen. Ü(uo berfclben fei nur ^yolgenbeö t^erworge^oben: 3öiHe ift ,,bao burc^ beftimmtc i^orftellungen unfreö Scwu^tfeinö hervorgerufene Segef)ren, beftimmte 3?eränberungen in ber unö umgebenben äupen^ weit ju bewirten''. ®ewo(It finb biefe iW*ränberungen ba^er nur, fos weit fie mit t^er "Corftcllung beo öanbeinben übereinftimmen. 2Senn Sinbing ^cn Saiden alö „bie ^luöübung ber 5ä()igteit, überf)aupt faufal .^u werben" un^ beö^alb jeben, auc^ ben unoor^ergefeljenften Grfolg alö „realifierten SöiUen" betradjtet, fo verftöpt er bamit gegen ben Spracf)gebraud) unl) üerwecf)|elt t)ie Segriffe „2üiHe" unb „Äaufalität"'. ^Hecf)towibrig ift ber 93i(Ie, fofern er fid^ auf bie burc^ "oa^ Strafgefe^ verbotene iiSirfung beö Xf)unö be.^og. 2)ie i^(nfic^t SiuDingo, welcher ben Ungel)orfam gegen bie erfannte ^Jlorm, bao Seuniptfein ber •)lormwi^rigteit 5um Segriffömerfmal beo red)töwibrigen S\?iUeno erfjebt, ift nad) >> eine mann üerfel)It. ^Tenn einmal ift „l)ie ■') *JU>Uanl)Iiinrtcn t)Cö triminaliftifcbcn ^cminarö ui ^Jiarlmr^;. fi»craiiög. DOn lirof. ü. ^'i«U. öant» I iöcft IV. aWolir, Arciburg i. '^. 147 5. 732 Sittcranirbcriti^t. Untcrfd^eibung ?iwifc^cn 'Jlorm unb Strafc^cfcft in »icicn ^äUen md)t jutrcffenb unb ba^cr eine cinfieitlic^e 3^ur^fü[)rung berfelben für Mö gefamte ©trafrec^t nic^t inöglic^". (Äonfequent roärc ba^er bas 9ci rouBtfcin von ber Straf gefe^wibrigfeit ber 4)anbiung ^\i forDcrn.1 äöeiter aber fc^afft bic Sinbinc^fc^c 5(nfc^auung einen befonücm ftraf rechtlichen SBJiUen, roä^rent) Sorfa^ unb ga^rläffigfeit in gleicher 21'cife auf bem ©ebict bes erlaubten §anbelnö roieberfebrcn. Unb enblic^ »erfnüpft Sinbing mit feiner 2)efinition: „Sc^ulb ijt ber ib^ilie als Urfad^c einer Stec^töroibrigfeit", ben 2Billen unt W Jlec^toroibrigfeit in unjuläffiger SBeife burc^ baö @efc$ ber Miaufalitdt ,,3^ao Äaufalgefe^ bej\ie^t fic^ lebiglic^ auf beu ^wf'^n^w'^^whaiig ber in Saum unb 3^^^ ^^r ficf; gel)enben 2>eränberungen." 2i>ir!ung beö 35Jitlenö als einer (Srfd;einung ber Sinnenroelt fann ba^er ftcts nur eine äuperlid^e 3Jeränberung biefer fein. Ter Segriff ber -Rccfite: n)ii)rig(eit bagegen „^at alö eine rein geiftige Schöpfung beo ©cte?- geberö überl)aupt feine Urfac^e, fonbern nur einen in ben geltenden Slec^töbeftimmungen ju finbenben Grfenntnisgrunt)". „^er Irugtc!)luB 53inbingö liegt atfo barin, ba^ er einen auö ben Grfd^einungcn t»er $Birtlic^feit mittels Slbftraftion abgeleiteten 33egriff mit biefen Qx- fcljeinungen felbft wermec^felt unb bie 3^enfform ber Maufalititt auf jenen ftatt auf biefe anmenbet." S^esfelben Jefjlero madjt fic^ 3itel= mann fc^ulbig, beffen 3(nfc^auungen ^Jeinemann auofül)rlid) bc= fämpft, um fc^ließlic^ auc^ auf biejenigeu feiner übrigen ©egner fur^ einjugeljen. 3!)ao Stefultat beö i^erfaffero ift, „bap bao "öemufetfcin ber 5iormn)ibrigfeit aus bem Segriff beö red^teroibrigen 35>iUeno nid^t fiergeleitet werben fann". Seine eigne 3tuffaffung entroidtelt öeinemann bann baliin, Dap bie i)lic^tberüctfic^tigung bes Slec^tsirrtumö im allgemeinen ein t)ringcns beö Grforberniö ber 3tec^töfid)erl)eit fei, bap bie unter Umftünr>cn gegenüber bem Ginjelnen barin gelegene «H^iärte burd^ bic 3lücffid)t auf baö ®of)l ber ©efamt^eit geboten crfc^eine. ^m näc^ften 3lbfc^nitt ber 3(rbeit mirb ber iWecbtöirrtum im römifct)en Stecht, — ebenfalls mit burd)auö felbftänbigen, von Den- jenigen SSinbingö abroeicljenben Crrgebniffen, — bel^anbelt unö mciter mittels einer furjen 2^ogmengefd^id;te bie Gntroidlung ber i^c\)X\: bis 5um ::K.St.©.S. in gropen 3iiß^'" oerfolgt. Xcx Iritifc^en S^arftellung beö gettenben 3led^ts ift ber letzte ^aragraplj (S. 108 — 147) gemiömet. Seac^tcnömerte, l)iftorifd) = öog' matifcfee Ünterfuc^ungen, in melcl)en inöbefonbere auf bie §ji ,'»»>, .'>7 unb y.) St.Ö.33. genau eingegangen mirb, fül)ren ben 5>erfaffer, — in r»öUigev Übereinftimmung mit bem 9teic^sgerici)t, entgegen Sinbing, — ^u ber 'ilnfic^t: Xaö 33emuBtfein ber 3fed)tsmibrigfeit ift and) nud) beutfc^em 3leid;sftrafrcd)t fein Segriffsmerfmal bes isorfa^es. Oicben bem iNorfa^ unrb basfolbe ^ur Strafbavfeit nur ba gefordert, mo Das ii>ürt „recl)tsmibrig" in bcu befonbcrn 3:l)atbeftanb bes 2elifts auf: genommen ift. Gnblid) ift jenes "öemu^tfein auc^ fein Sd)ultirtue' |d)liefumgsgrunb, bleibt mitljin rec^tlic^ uöUig beDeutungslos. 2u^ etrafrcc^t. SlUöcmcmcr Icir. 733 gilt, — toic entgegen Saüignp unb r>. Sisjt auegefül^rt roirb, — auc^ bann, wenn bcr 2I)äter wegen falfd^ier 2luölegung beö Strafgcfc^cö feine I^at unter baöfelbe nid^t fubfumierte. ©laubt ber I^äter aber irrtümlic^erroeife, ba^ feine ^anblung unter einen ber gefe^lic^en Sc^ulbausfc^liepungsgrünbe falle (5. 33. 'Jlotnjet)rF|anbIung fei), fo finb jroei %ä\ic j^u untcrfc^eiben. i3ft "^^^ 3ii^^*w"^ ^i" ^^^J^'' lieber (ä- 33. über bie 2i(uöbef)nung bee 9lotn)ef)rbegriffö), fo bleibt berfelbe of)ne 93elang. Gin faftif^er S^rtum bagegen (5. 95. irrige Slnna^me eines Stngriffs) „l^ebt ben dolus auf, jeboc^ !ann bie Ieid;t= fertige 3tnnü()me eines folc^en immerhin nod) jur 33eftrafung wegen SaFirläffxgfeit führen". U* „Seine aus frühem Strbeiten großenteils befannten 3ln» fiepten entroidfelt t).33uri neuerbings roicberum in 2 9(uffäöen im®e= rid^töfaal"; fo fc^rieben roir im oorigen 3^^^^<^-^0 3)er '2a^ trifft für unfern bieömaligen 33eric^t in gleid)er SBeife 5U. 3u ber erften, „3SorfteUung unbäßille"') betitelten 3tbl)anb5 lung Ijat bie gleichnamige Schrift g ran fs**) ben Stnftop gegeben: 2)ie Slnfxc^t, bap nur bie ir^anblung, nic^t aber beren üorgeftcHte SÖirtung gemoUt fei, wirb »on t). 33uri als 'unzulänglich angefochten, ^cnn biefelbe oermöge bie (Jfrage, ob dolus ober culpa im gatlc ber 3?ors ausfielt bes Grfolges als möglichen an5unel)men fei, nur einl)eitlic^ ju bejaljen ober i^u verneinen, ba es un.^uläffig erfc^einen muffe, wie granf, „aus einer 3Jorauöfic^t, meiere ber §anbelnbe nic^t befeffen ^attc unb nic^t l)atte befifeen fönnen, einen witflid; »or^anben ge= roefenen dolus abzuleiten". 9Jur bie SSißenst^eorie fübre l)ier uer^ möge ber 2tnnal;me eines bebingten 3i}oUens 5U befriebigenben Qn gebniffen. iCer pfpc^ologifc^c Streit über bas SSJefen bes 3i>illcnä fomme bagegen nid^t in 33etrac^t. Sienn für bas Strafrec^t genüge ber „üulgäre 33egriff", bas „.'nabenrooUen'', welches fic^ mit ben 5i>orten „Segel;ren, 3wfti"^"^<^"/ 33iHigen" (nid^t aber „3ulaffen") ausbrücfen laffe. — Xk fc^arfe Trennung von öanblung unb Grfolg erfc^eint v. 33uri überl)ie5 unrichtig, t)a beibe „nichts roeiter finb alä bie beginnenbe unb fortfd)reitenbe Söirfung bes SKillcns". — Otur mer bie 2i>iUensfreil;cit leugne, l)abe Einlaß, ber 35orftelIungst()eoric beizutreten unb ben iierbrcd^er ju ftrafen, „weil er bie 33orfteUuug bes Gvfolges befeffen l)atte, beren faufale %ol^c bie o^ne ein Slniüen bes Grfolges fic^ woBzieljenbe *3krt)enberoegung mar", ©egen ben Determinismus, unb insbefonbere gegen 3^"^^ ^"^ 93ünger als t»effen "i^crtreter, richten \xä) bie weiteren 'Jtusfü^rungen v. 33uris, in beren 3?erlaufe namentlich bie üöllige i5erwed)felung ber 33egriffe ,,Üi>iUensfreil)eit" unb ,,3iii^t*d)nungsfäl)igfeit" fowie bie 33el)auptung auffüllt, baß bie j^S frl unb 54 St. ©.33. gegen bie 3tnnaf)me ber 2\>illensunfreiljeit fpräd;en. ') Z X 744. *) Hcridjtömal '^K XLIII 3. l>41— 271. ") Z X i>i>cr Strafe als ein t^eilmittel für bie burc^ bie begangene 1l)at oerurfac^tc 3>crlet5ung ber Slec^tsorbnung". Seinen ©egnern wirft t). 33uri im, baf) fie jeben gefäl)rlic^en 3^^*nfc^en auc^ ol)ne Sege^ung eines in^r- bred)cns ftrafen müfjten unb ba§ fie (sie!) logifd; auc^ jur 5)cftrafuna von Heren unb 3"^e^"""9^wnfäl)igen fämenl 13* „ Straflofigfeit bes "^erfuc^s am untauglid)cn Cbjeft" ift eine xHrbeit Ärofc^els'") betitelt, meiere ficb als ©iebct' l^olung bcr von bem i^erfaffer bereits frül)er vertretenen unb im vor- jäl)vigen 'i3erid)t (Z X 748) befproci)enen iHnfc^auungen barftcUt. ") (y)crid)t^Jüial ^i^^. XLIV 3. ;^21— 3:>(». »"I (>kvicl)tejnal 43d. XLIII 3. 21(3— 'J.'W. (2traFrc(§t. SCttgcmcincr ^tcil. 735 3ntcrcffttnt an bcibcn Slb^anblungen ift, ba^ ber SScrfaffer, ein ^raf- tifer, loclc^cr auf bcm ©oben bcr fubjeftiüen X^coric ftel)t, fic^ boc^ mit bereu ejtrcmen Äonfcquenj\cu nic^t ju bcfrcunben ücrmag. (?6 bürfte bieö immerhin ein Symptom bafür fein, ba§ ber Stanbpunft beö SKeid^ößeric^tö Z)oc^ ni4t fo fidler „in ber SHec^töans fc^auunc^ be^ beutfc^en 3SoIfeö rourjelt" unb „bic 3)lora( unb bao JJerlangcn nad^ bem unbcbingten änfe^en bcö (Sefe^eö für ftd^ i)iUen unb in Dem 38orfa^ Des Slnftifters gelegen l)aben, nid)t nur jenem ^ugered)net, fonbcrn gleicbfam als eigne bes iilnftifters angefef)en roerDen muffen". CDcsljalb muji ber freiwillige ')iüdtritt bes 3inge= ftifteten ax\(i) bem ^Inftifter i^u gute fommeu. iiSirb aber ber 9lngc= jtiftcte 5um ^Hüdtritt Durd) Den XHnftifter ge^toungen — in meld^em Jalle fid) bie „Tbeorie ber 3Inred)uung ber A>anblungen bes xUnge= ftifteten" nidjt oermerten läf?t — fo fommt in Öctrac^t, bafi unter Der "^^c^eid^nung „Iljäter" nid)t nur bcr pl)i)fiid)e, fonbcrn auc^ Der »M ^:öd. :^7. e. :i97-410. 736 ^ittcratiirbcric^i. „inteücftucKc Url)c6cr'', unb bcel)a(b aud^ bcr „3(nftiftcr als intcüii tucUcr Ur()cbcr" mitüerftant)cn loerben mup, wcld^cr f)'\cx burt^ Den ©C^iDungcncn alö ,,SUttcl unb Üöcrt^cug" ^anbelt. — infolge biticr, ani) burd) frimina(politi|d)e ©cfid^töpunfte gercc^tfertic^tcn äluöbc^nunci bce ai^-ortcö ,,3^l)ätcr" auf bcn „3^eilnc^mer, Dorjüglic^ bcn mtefld' fuellcn Urheber", ift aui) § 46, 2 auf ben 3lnftiftcr ansuroenbcn. 6t tann ^icr entrocbcr pcrfönlic^ cincircifcn ober bcn ätngcftiftetcn \m 3?orna^mc einer f)inbernbcn I^ätigfeit beroegcn.' 3m Icfetcra 5^ tjat ber 2lnftiftcr „burc^ feine erfolgreiche ßinroirfung auf bic '£?iUen«: beftimmung bes 2lngeftifteten eine Äraft in Seroegung gefegt, roelic naö) feinem SBiKen bem ßrfolg ber 2(uöfüF|rungö^anbiungen entgeoicn- trcten follte unb roirtfam entgegengetreten ift". Xer 3tufia$ oon 3)teDeo läfet prinjipiette Älar^eit ber 8c(^rün: bung oermiffen. Salb wirb barin mit ber accefforifc^en 9latur Der Stnftiftung gearbeitet, balb le^tere mieberum als intcücftuenc Urheber: fc^aft betrautet. VII. StrafmttteL 16» „©elbftrafe unb Supe'' ift eine ätrbeit oon ßmil :Hcin- ^arbt betitelt '■•^). ^m ©egenfa^ jur ©elbftrafe, beren rein ftran rec^tlicber G^arafter betont mirb, erblidt ber SJerfaffer in ber 5Jubc eine ■4}riüatgenugtl)uung. 3ie erfd^eint ah ber red^tlid^e SInfprud) öcs 3?erlefeten gegen ben SSerbrec^er auf 2luögleic^ ber burc^ baö Unrecbt gefci^affenen Stec^tsoerlcöung. ^fjx S^cd ift bemuacb lebiglid) Qnu fc^äbigung, aber nic^t nur Gntfd)äDigung für pefuniäre, fonbern auch für förperlid^e ober pfpc^ifc^e 3iad)teile. Stuöge^enb uon biefer 33egn?f6' beftimmung unterfuc^t ber SSerfaffer bas Ü?(nmcnbungögebiet ber Subc in ber 3leid)9= unb i'anbeogefe^gebung, unb oergleic^t biefelbe bann im einzelnen mit ber ©elbftrafe. VIII. ^oliaeitedit. 17* ,,Über ben Öegriff ber '^oli.^ei unb insbeiouDorc bcr Sidjer^citöpolijei nad^ preu^ifc^em Sec^te'' I)anbeU eine 3lrbeit oon Dr. Dtto ©erlaub, Senator unb -^Joliiieibirigent in .{mI- DeoI)cim. '•') ^olijei ift nac^ bes '4?erfaf|erö 3tnfic^t „bic ^etbätigung ber autoritatioen 3^^^"BögemaIt beo Staates, mag biefelbe un- mittelbar ober mittelbar burc^ beauftragte Se^örben gel)ant>bdbt locrDen". 3l)r fteljt bie pflegenbe Jljätigteit bee Staate<> als 'Ih't- UHiltung im engern Sinne gegenüber. Sid)erl)eitopoli5ei inobefontcrc ift „bcrjcnige S^^^^% biefer 3^<^"9^9»-'^^rtl^/ nielc^er bie ^ernbaltuna erl)eblid)er ©efafjren für baö ©emeinmefen unb inöbefonbere bio *l^ mcljr bcr 2tngriffe, wcidjc ber jum Sd^u^ bcrfelben aufgefteüten flocbi^^ ovbnuug brol^cn, bic xUbftellung gemeinfc^äblic^er unb gemcingcfäbr: *-') >?aUc a.^. IsiKl ^rurfcrci tc6 'JiJaiicnliaufcd. S. 7:» 3. rlJ'"*' '•) 9lrct)iü für öffcntlic^cci :Kcct)t, :öt». V S. 1— 7*J. Strafrcc^t. 3lUöcmeincr 2cil. 737 lieber 3)iängcl in biefcm Sinne" jum ©cgcnftanbc ^at. 3Son bicfent >^r^ • *« i ^^ • ^ ^ 9 . .^ *■•• * mm ^^^ »■«.■ t .'^\ m mm unterfc^ciDen. Sagegen ift eö, roic ®crlanb an ber »^anb beö in ©Qc^fen beftc^enbcn ^uft^nbeö nad^ioeift, ,,im Scbcn unburc^füfirbar/' bie ^Jßo^lfa^rtepolijei ber 3}eTn)aItungö6ef)örbe ald folc^er j^u^umeifen unb fic fo t)on ber Sid^er^citspolijei praftifc^ ^u trennen, „ßö ift oielmc^r eine eigne ^liolijei für atteo, roaö mit poliseilic^em ^w^^^Ö^ burc^gefü()rt roerbcn mufe, crforberlid^." 18^ Slofin, Dr. ^cinrid^, 3)aö allgemeine ^olijeis ftrafrcd^t ("öef. ^bbr. aus u. Stengels SBörterbuc^ beö bcutfc^en Serroaltungörec^to.) ^reiburg i. 33. 1 890. ^J)lol)r. 16. 54 3. Sie Heine Schrift enthält eine fnappe, überfic^tlicfee Sarfteltung beö materiellen unD formellen '»^olijeiftrafredjitö in Seutfc^lanb. 3)lit bcm erftern Slusbrud mirb ber S'^O^It ^^^ polizeilichen Unrechts olo ein bejonberer bemjenigcn ber frimin eilen 9iormübertrctung gegenübergeftellt. 9iaci^ ßntroidelung ber über biefen Unterfc^ieb be= fte^enben 2^l)eorieen wirb feftgeftcUt, bap baö ®tr.®.S. eine grunb- fä^licbe Sc^eibung beiber Seliftoarten nic^t vorgenommen f)at; baran anfdjlie^enb wirb bie ^^Jartifulargefe^gcbung (inöbefonbere bie füb= beutfc^c) unb beren 2Jerl)ältniö ,^um 3tei(^orec^te befprod^en (S. 6 — 2'2). Ser jroeite unb britte :äbfc^nitt gelten bem formellen Siechte, melc^es in basjenige ber polizeilichen Strafoerorbnung (S. '23 — 39) unb ber poli^eilidf>en Strafnerfügung (S. 40 — 54) jerlegt mirb. SBeibe Sefugniffe merben nact) Siegriff, 3n^alt, red^tlic^en SSorauö^ fe^ungen unb SBirfungen näl^er gefd)ilbcrt unb inöbefonbere babei auf bie Äompetenj ber ocrfc^iebcnen 3Jermaltungobe^örben in ben einjelnen Sunbeöftaaten eingegangen. - Jiebom ber brei Mbfc^nitte ift eine fur^e Überficfit über Quellen unb Sitteratur beigegeben. IX. Straftoolljus. 19* Dr. 3ol)anneö ^Jlecfebrn: (rin 'i>orblict auf baö Ja^r 2000 ober Sin lag in einer Strafanftalt beö XXI. 3^1) r= l^unbertö. '*) iWrmöge eines mit präcf)tigem §umor entmorf enen 3xrfunftobilbeö geifu^t Der Serfaffer bas Streben nac^ übergroßer Humanität im StrafüoU^ugömefen, roie \\\v^ baofelbe l)eute namentlich in einer !JReif)c norbamerifanifc^er 6inricl)tungcn entgegentritt. X. ttuelteferung. 20» Über ^Sie 5(uölieferung eigener Untertl;anen'' l^anbelt eine Schrift ron Dtto 'iäKapr. ^'^i Scr "Berfaffer gibt Minäd)ft eine ;^ufammenftellung ber in ben verfcfeiebencn Äänbern geltenben »») ^^^rc*3laii, MDcbncr ls91. 10. (U 3. ^^) 9higöburrt, XMmpart isyi. ^. 9;> 3- (^(frlan^cr Siffcrtiition. j 738 Sittcraturbcric^t. 35cftimmun9en über ßrrocrb unb SBcrluft ber Staatöangebörigfeit (S. 3 — 30) unb ffijiiert weiter bie gcfc^ic^tlic^e entroirfelung unb gegenroärtigc ©eltung beö ©runbfa^eö ber 9Zic^tauöliefetung eigner Untertt)Qnen an ber §anb ber barüber beftefienben ©cfc^e unb $«: träge (S. 30—59). ^ad) tm^ex 33erürffxc^tigung ber einfc^Iägiucn Sitteratur (S. 59 — 64) cntroidfeft er feine eigne änftc^t ba^in, öoB baö ^i}rit)ifegium ber 9lic^tauöliefcrung eigner Untert^anen^ roelc^* im 3tuQlanbe belinquiert ^aben, ein unbered^tigteö unb beffen Sefeitigung ba^er (mit geroiffen 3(uönal)men) anjuftrcben fei (©. 64 — 93). £ic Segrünbung, rodele ber 3Jerf affer für feine 9lnfc^auung vorbringt, ift von Unflarfieiten nic^t frei. 35öUig unoerftänblid^ gegenüber § >s unferer Strafproje^orbnung ift inöbefonbere bie roieberljolt (S. ^ö, 73, 77) aufgefteHte 33ef)auptung, bap innerfialb bed einzelnen Staate« §eute bereits bas forum delicti commissi bem forum domicilii ftrte »orangc^e. 2L „35ie 3luöliefcrung t)on politifd^en 9}erbrccbcrn" ift nac^ ?fulb'^) grunbfätlic^ nur bei gemif(^t=politifc^en Iclifum ^ujulaffen. §ier trifft nac^ 2lnfxc^t ber SJerfafferö ber von Siüicr ausgearbeitete ßntmurf eines Sc^roeiiiier 3Iuslieferungsgefe^cs liaa Stic^tige, menn er, über bie unjureic^enbe bclgifc^e Slttentateflauicl ^inau6gel;enb, bie 2luslicfcrung auf 3Jcrfügung beö Sunbesgeri^iö gcftattet, falls in concreto ber (5f)arafter bes gemeinen IWrbrccbcnö ben politifdjen überwiegt. 33erroerflic^ ift bagegen bie in ben ^n^ lieferungsüerträgen ^reupens unb SJa^erns mit Slu^lanb uorgefeljcnc 3tuslieferung mögen 93eleibigung bes Sanbes^errn ober eines 3)JitgliclfC6 ber lanbes^errlid)en "S^milie. XI. «udlanbifdieS »tedft. SJÄ^ ,/5)ie JHec^t5üerf)äItniffe ber Gingeborenen in Den beutfc^en Sdjutjgcbieten" fd^ilbcrt Äarl griebrid)s in ber ,Sci^ fc^rift „Unfere 3^^^"- ") 3" feffeinber 3i?eife mirb babei insbefoiiKTc ber gegcnmärtigc Staub unb bie 3iotmenbigteit ber Sflaoerei, foiric bas einljeimifc^e Strafrec^t befproc^en. i'e^teres tennjeid^net fic^ burd) 2)lutrad)c unb ^ompofitionenfpftem. 3^ie .Hjöl^e bes ShJeljrgelDes unterliegt balb freier SJereinbarung, balD finb feftbcftimmte Suf^fä^e x)or^anben. Slls Sc^ü^er unb rHddjcr t>eö ©enoffen erfdjeint regelmäfiig ber !^orfoerbanb. Sämtlidje 3*JoifiC fmti in ben ^itugcn bes (ringeborenen ^ngel^örige einer ©emeinbc; ^ao i^erge^en jeDes ein,^elnen fü^rt baber ;^ur Slutrad^e gegen alle Quxc- päer, meldje in bie .^^änbe bes ^Häc^erborfes fallen. Semgemdf> empfieljlt -griebric^s ben '43efcl)lsl)abern ber ^Iriegsfc^iffe, roeldje ;ur 3üd)tigung feinblid)er Crtfd^aften fd^reiten — ein ben bortigen ^Hccfaiö- "•) Unirc ßcit, ISlU. >:cft I. 3. 7!»— 8:3. '•) ISJU. >:cft I, 3. i7-t)S. Strafrcc^t. 5lUöcmcincr 2:cil. 739 pcr^ältniffcn burc^auö anijcmcffcneö Serfa^rcn — bcn Äampf nid^t o^nc ^ricbcnöfd^Iu^ cin.^uftcllen, ba erft burc^ bicfcn ber ^^ortbaucr ber SJIutrac^c Dort^cbcugt rucrbc. Sm ^ntercffc ber Äolonialpolittf iDünfd^t ber Scrfaffcr eine möiv lic^ft (genaue Grforfd^uncj bcö ctnf)ctmif d^en JRcd^tö unfrer Sd^u^gcbictc auf ®runb einer aUgcmcincn, für bic bort bcjdfiäftigten Europäer oer- ftänblic^en 2lnleitung. ^m S^^tcreffe bor ocrglcid^cnben 3lcci^töiDificn= fc^aft treten wir biefem SCBunfd^e überzeugt bei. 3)ie Dorliegenbe Slrbeit oon griebric^ö entl^ält bereits fooiel beac^tenoroertes ÜJJaterial, ba^ t)on einer fpftentatifd^ an Crt unb Stelle burd^gefü^rten Seob- Qd>tun(^ bie roertooHften örgebniffe ju erroarten roären. 23* 6inc intereffante TarfteUung bes fran^^öfifc^en Spio = nagegefe^eö t)om 18. 3lprtl 1886 nad^ feinen allgemeinen ©runb^ fä^en unb etn.^elnen Seftimmungen gibt $anrfe im Slrd^it) für öffentlid^eö «ec^t (33b. IV 3. 457—494). — Xa^ ©efeft fc^üftt in feinen 2trt. 1 biß 4 bie Staategel^eimniffe (Sd^riftftüde, rocld^e für bas Staatöiool)l Don Sebeutung fmb, nebft beren 3nl)alt) unb ergänzt fo ben in biefer öeJiieljung fel|r lürfenl^aften codc pönal, ©egen bie Spionage im Jyrieben, unb sroar gegen bic Sluofunbfcbaftung beö Staatsgebiets unb feiner militärifc^en Slnlagen, richten fid) bann bie 3(rt. 5—7. Sie finb cö, welche einen biöl)er nod^ in feiner ©cfcögebung befanntcn Straffd^ufe gefc^affcn unb baburd) im 3lu6lanbe, inobefonbere in 3^eut|d)- lanD, 'Jluffei^en unb i^erftimmung erregt Ijaben. 5iac^ cV^ancfes 3ln= fic^t liegt ju einer folc^en 3(uffaf]ung fein G3runb oor. icnn ^gemiffc, befonbers militärifc^e Einrichtungen muffen üor 3wt^i** wnb fienntniö= naljmc burd) Stuölänbor gehütet loerben"; anbernfalls ,Jc^abet man fid) für ben gall eines Mriegeö". Hin ber fd)led)ten 33el)anblung 2)eutfd;er in granfrcidl) fei bas fran;;5fifd)e 'i^olf unb beffen 53el)ört)en, nid)t aber bas Spionagegefcfe fdljulb. „'iDiefes lefttere ift eine ^icU bemupte unb ma^ootle Gvgänjung bes code pönal unb fann in mandjen 33e5iel)ungen aud^ unfrer ©efei^gebung ^um ÜBorbilbe bienen. Gmpfcl)= lensmcrt erfc^eint für biefe insbefonbcre ein iHrtifel, meld)er bas Gin^: bringen in Jeftungsmcrft unD XHusfunt)fd;aften militärifd)er Ginrid}= tungen^ menn es beimlid) ober betrüglid) erfolgt^ als Spionage unter Strafe ftellt." Ginc Grmeiterung bes ifanbestjerrats auf bie Aällc fa^rläffiger Öege^ung l)ingegen, mie fie gelegentlid) bes 'Jl^roj^effes ©efffen ermogcn roorbcn fei, erfd;eint 4) an de nid)t angezeigt. :♦ i^on ©arraubs Traitr theoriquo et in'atiiiuo du Droit pönal Fraucjais M*ans, Larose vi Forcol, 1891), einem 3öerfe, auf beffen umfaffenbc 'ilnlage unb i)ol)e tüiffenfd)aftlid;e Öe= beutung bereits friUjcr in biefer 3eitfd)rift (jöb. IX S. 375) dingemiefen louvbe, ift ber oierto 'öanb (()92 S.) erfd;icnen. 2)erfelbe feftt bie bereits begonnene 'JkirfteUung ber crimos et dolits contre la diose publi'iuo in 4 Seftionen, — ÜUbeiftanb gegen bie Staatsgemalt, Settel^ unb Sanbftreidjerei, '^J^efebelifte, unerlaubte 'iJerbinbungen, — 740 Sittcraturbcric^t. fort unb weubct fid^ bann bcn S^cliften gegen bic ^^erfon %u. ^\cx werben neben ben 'Berbred^en gegen 2cib unb Seben bie Sittli(tfcite= belifte, bie unerlaubten "iBerfiaftungcn, bie Unterbrücfung bes ^^erfoncTt^ ftanbeö unb Äinbeöausfe^ung foroie bie iPerbrec^en an ©räbem un^ 2eid)en be()anbelt. 25^ Äarl Stoo^, 2)ie frf)n»ei§erifcl|en Strafgefe^büd^cr. ^ur 23erglcici^ung jufammengeftellt. 93afel unD ©enf. Qkox^, 1?>90. 867 ig. 2)aö üon bcm befanntcn ©ele^rten im Sluftrage bes fc^tpei;eri- fcben Sunbeöratö gefertigte unb {jerauögegebenc SSäerf ift in bcppeltcr 93ejief)ung mit (ebf)after greube 3U begrüben, ^raftifc^ fteöt ^\c Sammlung bcr geltenben ©efe^cßtcjte, roie mir fie i)\cx t)or uns l^aben, bie erfte gro^c iiorarbeit ju einer ein^eitlid)cn Scbroeiui Strafgefe^gebung bar unb roirb l)offcntlid) jur (Erreichung biefeo im nationalen ^nt^'^effc bringenb roünfd^enöroerten Si^U^ fül)ren. ©iflcn- fc^aftlic^ aber geljt bie 33ebeutung bes 3Öerfeö über bie ©renken feines a>atertanbeö ^inaue, inbem basfelbc aud^ bem auölänbifc^en Surften bie biöl)er faum ^u crlangenbe 3)iöglid^feit bietet, )\d} über baö gel« tenbe Sd^roeijer Strafred^t in ooUftänbiger unb juperläffigcr ©eife ;u orientieren; fo bilbet baö 93ud^ eine wichtige ©runblage für ben an Sebeutung immerme^r june^menben 3weig ber Dergleic^enben 9tec^t9= miffenfc^aft. 2)ie 3ufammenftellung gibt in fpftematifd^er SBeife ben baupt: fäc^lid)en 3nl)alt berjd)roeijerifcl|en Strafgefeibüc^er ~- (einf(^lief;lid) beö 9ieuenburger ßntrourfs, ausfc^liefelid^ jebod[) bes jum großen leilc nid)t fobifijierteii Sled^teö t)on Uri, Unterroalben nib bem 23alb unb 2lppenjen i. 9^^.) — unb ber -^Solijeiftrafgefe^büj^er, fomeit Je^tcre fid) auf l^ergel)en unb nid^t auf eigentliclie ^Polijeiübcrtretungen hc- jiel;en. 5Die 5al)lreid^en, ben 3"^<^It ber ©efeftbüc^er ergänjenben ober abänbernben (Srlaffe finb ebenfaltö berüdffic^tigt morben. Gnblid» bat aud) \)ai!> Sunbeögefe^ über baö Sunbeöftrafrec^t Slufna^mc gc= funben. ä(>. „Über bie nötigenbe ©emalt (mit befonberer SJerüd« fid)tigung bes beutfd&en 9l.3t.©,S3.)" l)anbelt eine 3"ric^er 2^o!tor= biffertation Don C. iSd^nabel. (3ürid), So^bauer 1889. 62 3.) 2er iJerfaffer beginnt mit einer grammatifd^en Sluslegung beö Söonco „©emalt" unb fprid^t feine 3(nfid)t fd)lieplid^ bal)in auo, ba^ bie Unterfc^eibung Don vis absoluta unb compulsiva gmar nic^t falfcb, mol)l aber oielbeutig unb beö^alb mißüerftänblid) fei. 3tn Stelle bcr: felben roünfd)t er eine Trennung jmifcbcn med^anifc^er unb feelifd)cr (pfDd)i)c^er) "i^crgemaltigung ^u fefeen. Gin näl)ereö Gingel)en auf fio Gin^elauöfüljrungen ber Arbeit erfd^eint nic^t geboten. 27* Saö lebhafte Sntereffe, roelc^eö man bem neuen italicni: fd)en Straf gefe^buc^ im 5Uiölanb entgegenbringt, j^eigt fid) nicht .^um menigftcn in ben me^rfacl)en Üb er fe jungen, meiere baofclbc wäljrenb bcr {urjen Sauer feineö 53efte^enä erfahren ^at. ©trafrcc^t. ^lUöcmciner Xcil. 741 3ür S^cutfd^Ianb Hegt außer ber x>on biefer 3<^iM'c^rift 9^^' bracl|ten lleic^mannfc^cn eine berartigc 2trbeit com Staatöauroalt Dr. '3tepl)an'') vor. 3)tefelbe bel^anbelt in einer Ginleitung bie Gntftef)uugögcfd^id)te unb 33ebeutung beö 3Öerfeö unb bringt ju bem Xert fclbft .^a()Ireic^e, jiemlid^ auöfüf)rlici^c 2tnmerfunflen. 3n S^anfreic^ finb brei Überfe^ungen Don Surret/'') 3ar= routc^'-'/ unb Üacointa"^") crfd^ienen, von roeld^en bie le^tere bc- fonDerö (jeroorjul^cben ift. Sie ift in ber Collection des principaux Codes etrangers oon bem Comite de lögislation etrangöre in SSerbin- bung mit ber Soci^tö de lögislation comparöe auf Staatofoften fier- ausgegeben unb üon Stlbert 2)e6jarbinö auf i^re SRid^tigfeit geprüft. Sacointa gibt junäc^ft eine ausfü^rliclie Ginleitung unb cerfiel^t bann bie eimclnen Mrtifel beö ©efe^eö f)äufig mit 5loten, roelc^e in grof,er Äur^e eine 3)K'nge wertüollen 3JlateriaIö, namentlid^ vielfad^e Öinioeife auf bie entfprec^enben isor|cl[|riften anbrer ©efe^gebungen, entl;alten. ötrnfrcdjt AUsrntrtncr Ztil II. 55on(l)tcrftattcr : 5Jcnnccfc unt> AUlir. I. itrtmtnalftatifttl. !♦ 3"^ 6infül;run(^ in bie >lriminalftatiftif, inobefonbere bie jenige Des Xeutfd)eu 'Heic^o ()at v. Sdjeel im allgemeinen ftatifti* \d)cn xUrdjio 'j einen XUuffaft erfd)cinen laffen, an Neffen allgemeine Grörterungen )\d) Spei^ialunterfuc^ungen an|d)liepeu füllen. I)ic 3(bs I)anblung mill an ber .^anb ber Grgebniffe ber beutfc^en ÄriminaU ftatiftif Grörterungen gebcn^ bie einerfeitö t)ie mand)erlei übertriebenen 3(nforDerungen, vocldjc an bie .Slriminalftatifiif gcftcUt tucrben, ein= fc^ränten, ant)erer)eit5 bao 5)raudj&are l}erüorl)eben. 2ie Äriminalftatiftif ift ein Zeil t)er Statiftit ber 3trafrec^tö= pflege, lueldjc nad) "in^rfaffer in uier leile .wfätlt. 3^ il)nen gel)ört junäd;ft bie ©cfc^äftoftatiftit ber Älriminalgeric^te, bereu 'An- gaben fid) auf 05crid)töi)erfaf|ung, :^a[)l unb 'Jlrt ber abgenuid;ten Sad^en be^ieljt. Xer ^lüeite leil ift Die 5 "fti^ ftatiftif; fie entljält '■i ot.C^).'Ö. f. ti. .Hönij^vcid) ^taliiMi iicb'"t ^. trinf.^f^cf. o. '2*2. ^JiootMubcr isss unt> Der Lnnf.:'i?crol•^J^ d. :J(). ouni Iks»). iBcrIin, Jlcimcr. KL u. 22o 3. 1') Code renal Italien. Paris. IVilune-Laiiriel. ISIN), i>:U 3. ^■') Code IVnal jMiur le rtjvauia«* d'Italie. Paris. Jjarose et Forcel. 1SIM>. IM) 3. ^"i Code IVnal d'lfalie. Paris. Inipriiuerie natitMuile 1890. 203 3. M ."J^crauej^c^Kbon i^on I.)r. (^cor»^ üon "^Jlanr, faijorl. Untcrftaaröfcfrctär ;. 2". xriUiinnclK* »i^udilninMunji in Xülünvjcn. 3citfJ)rift f b. (»ff. 3irafvi*t*iu. XI. 4H 742 Sitteroturbcrit^t. 2(n(\obcn über 33crurtcilungcn unb f^reifprcc^uncicn, 3^^rf<^""W"9 ^'•''^ Strafartcu unb Strafmaße nai) Xclütsartcn. ^cr britto Jcil um^ fapt bie ©cfängniöftatiftit, ber vierte bie Äriminalftatiftü, b. \), bie Statiftif ber kriminalität. Sie begießt fic^ auf bie i'cr- bred)er alö Seftanbteile ber Seoölferunc;. „Xxc ^uftiäftatiftif betrachtet bie aSerbred^er alö Cbjefte ber richterlichen 2^^ätigfeit, bie kriminal: ftatiftif roibmet i^nen 3(ufmerf|"am!eit als fojialen SBJefen, alö Slnj^c: porigen einer ©efeUfc^aft 3l)re S^^fll^i^ werben crft roertroU bur(^ i^re Sej;ief)un9 auf bie öeoölferungöjalilen." ,,2^ie Starte ber Äri= minalität fann nur gemeffen werben an ber 3^M '^c^ Ärimineüen ;ur 3af)l ber Äriminalfäl)tgen." 98erf affer roenbet ftc^ weiter inöbofon^ae ju ber §rage ,,auf wcld)c Mrt ber amtlid) ju liefernben ^ata bie "^c- rec^nungen ber ftriminalftatiftif am jroecfmäßigften fic^ grünbcn lafien". 6ö ergibt fic^ auä bem SBefen ber Sac^e, ba^ „eö Dorroiegenb auf bie ^erfonen anfommt; biefe werben aber boc^ i^rerfeito erft Cb- jefte ber Äriminalftatiftif burc^ il|re ipanblung ober ^panblungen". @ö werben bie Scl)wierigfeiten ber ftatiftifc^en 3ö^lung, bie fiel) ^ :B. bei Segeljung meljrerer I^aten burc^ eine ^erfon ergeben, erwäbnt ufro. Sei ber Sel)anblung ber ^^rage, in welchem Umfange bie Sta-- tiftif bie Straftl;aten berücfficl)tigen muffe, weift Serfaffer barauf bin, bafi eine -Dienge oon S^eliften, insbefonbere bie Übertretungen für tie geftftellung ber Äriminalität o()ne Sebeutung fmb. Slucl) 53ettvl unD Sanbftreic^erei werben haijin gerechnet. Sei ber 33efprec^ung ber 93ebeutung ber ftatiftifc^en XHngabcn jeigt Serf affer, ba^ ni(^t alle 3?erbrec^en unb Sergeben von io jialer Sebeutung finb, unb ba^ ber größte Teil fämtlid^er Xeliftc auf einige wenige 2)eliftöarten entfällt. 60 ftnb ber einfache ^iebftabl, gefäljrlid^e Mörperverle^ung, Setrug, Unterfc^lagung, ©ewalt u^^ ä^rof)ung gegen Seamte; fie umfaßten 1887 .^ufammcn 174 .')8(» ^scr^ urteilte, inufaffer fietjt in il)nen bie wicbtigfte Cperationobafio Der Äriminalftatiftif unb befpricf)t weiter, nacb welchen @eficl)topunften fid) bie 3»-*Y*^iicberung ber rorl^anbenen 3«^l<^n lol)nen wirb, weld)c Qx- tjebungen t)on äi^ert fint). Gr betont, bap 5U ben wertvollen Gx- Hebungen nidjt ol)ne weiteres alle biejenigen geljören, weld}e fogcn. ,,intereffante" 3^^)^*-'" 5^* ^^Q<^ bringen. 2^ie S^^agen nad) eftclidier ober unehelicher ©eburt, nacl) ber Silbungöftufe beö Serbredjero, nad) feinen 2öol)li)abenl;eitöoer^ältniffen l;ält Serfaffer für wertloo, tco= gleicl)en bie nac^ ber 9teligion ber Verurteilten ufw. 'Sicbtig bagegen fei bie 5*-Mtftt'Üung ber 'Beteiligung bes jugenblidjen Jllteio, OiefAlcditö, Serufö nacb bem Drt, ber 3^11/ ber Tl)at ufw. Sefonbero eingeben^ befprid)t er ben 93ert ber Äriminalgeograpljie. 3^re SeDattuna, fowie bie be^5 Filter© unb öefc^lecl)tö werben burcl) einzelne S:ifpiclc getcnu^ieidjnet. Ä^ 5ln t)er Spi^e ber amtlichen ftatiftifc^en Seröffentlicl)ung ncl)t bie :Heid)ofviminalftatiftif für bao '^ai)x ISs^.-; l^ic ^Irt Ha ") Öearbcitct int :Xcid)SJuni;amt unD im faifcrlic^cn ftatiftif dien 5lmt. Berlin 181K). ^^Juttfammct uuD ^)iülUbrod)t. 6trafrcrf>t. SlKgcniciner ^cil. 743 Scrarbcitung bcö Stoffcö ift in bcn ©runb.^ügcn bic gleiche geblieben wie in bcn früheren S^^^'^öö'^ö^^- 3nöbcfonberc erjlrecfen fic^ bic *Rac^n)cifungcn naä) wie vox nur auf bie 38erbrec^en unb "öergcEicn (nid|t Übertretungen) gegen Steid^ögefc^e, rodele x>ox ben orbent = ticken ©cric^tcn tjcr^anbelt werben, etwa 23 p6t. aller in 2)eutfc^' lanb abgeurteilten ©ad^cn. einige 3(ngaben aus bem 3>^^ölt ^^^ Öanbeö mögen folgen. 2)ie S^l)l bcr 1888 abgeurteilten fb. 1^. burd; SScrurteilung, ^rei^ fprec^ung ober einftetlung red^tsträftig erlebigtenj öanblungen betrug 538 635. 3um erften 3)lale jeigt fiJ^ eine fleine'^ilbnaljme (3841) gegenüber bem SSorja^re, roäljrenb bisljer oon ^al)x ju 3al)r eine Steigerung üon ctroa je 17 165 ju tonftatieren loar. 3)ie ä}ermin= berung fc^cint, wie bie ßrläuterungcn angeben, fic^ im ^a\)xe 1889 nid)t fortlegen ju wollen. 35ie 'inTteilung ber abgeurteilten ^anb* lungen auf bic einzelnen Slbfc^nitte bee otrafgefe^bud^ö ift bie gleiche wie in früljeren !3al)rcn ©eftiegen fmb bie 3^()l^w fw^ 5)iebftat)l unb Unterfd^lagung, foroie Segünftigung unb »'pel^lerei, etroaö gefallen bic für 93eleibigung unb Äörperoerle^uug. Sluö bem Slbfc^nitte, n)eld)er bic 33cteiligung ber ^^^^-'^blic^en be^anbelt, fei ^erpor^u^ebcn/ ba^ bic 'i(bnal)me ber Diebftä^le »on 1 882— 1888 bei ben 3i«9<^^li^^" '^i"^ geringere mar, alo bei ben Grwad(>fenen. I)ie Statiftif meint, cö liege t)ieUeid|t bie Grflärung bcr !J^atfad)e barin, baft bie 2)iebftäl)le aus "Jlot infolge ber iöcfferung ber wirtfc^aftlic^on Sage eine äJerminberung erfahren ^aben, nid)t aber bicjenigen auö £eid()tfinn ober ©mu^fudjit. 35ie 3ö^)l '^^^ wegen Äörperüerlc^jung ocrurteilten ^^^Ö'^'^^'*^^" 1^^'^ üon 3378 im 3al)re 1882 auf 4813 im -^af)xe 1888. ^ie Statiftif ertlärt bao 3)ilb, foweit eö bic ^^in'-'nblic^en angeljt, als uncrfreulid). „2er !jKntcil ber :3u9erurteilten ergibt fic^ 5unäd)ft bie wid)tige 21)atfad)e, M\\ ber 'l.ko.u^ntfa^ ber frül)er fc^on ^Verurteilten feit 18>s2 tonftant zugenommen l)at. (Sr betrug 1882 etwa 2-4,<» p(5t. unb flieg 18>s8 auf 2t>,M p(5t. CDie Sta-- tifti! fügt nod) biu^i: „Xie 8i^^)l evfd)eint l)od), befonbero wenn man erumgt, baf; uiele oon ben üvbeftraften weift wieber Muppelei, fowie ^Haub unb Grpreffung auf. Ter größere 5;eil ber SSorbeftraften l)at mel^rere Strafen erlitten. iUxid) l)ier weift bie ftriminalftatiftif 48* 744 äittcraturberic^t. auf bic unerfreuliche (SntiDtcfcIunf^ bcr gragc feit 1882 ^in. ,,Setrug baö 35erf)ältniö ber mel)rfac^ 35orbeftraftcn ju ben einmal 9>orbeftraftcn 1882 nod) 13,9:11, fo ift eö in bicfem ^al^xe auf 17/j:12,i ^e-- fliegen. ^Jlid^t minber unerfreulich ift bic ßrfcfieinung, bap bie ^aijl berjenigen, roeld^e fd^on eine größere 3(n,^af)l früF)erer Verurteilungen erlitten Ijaben, üer^ältnismä^ig am meiften im Steigen ift. 3Bcnn man biejenigen SJerurteilten, bie Dort)er minbeftenö fc^on breimal üer- urtcilt morben waren, alö Unüerbefferlid^e betrachten will, fo roürDc ber Slnteil biefer S8crbrec^erHaffe von 8,4 p6t. im ^al)xc 1 882 auf 11 p6t. im 3a§re 1888 geftiegcn fein. Sei Äuppelci betrugen biefc ,,Unt)erbefferlici^en'' 25,j< pdt., bei Staub unb Grpreffung 25 p(£t. Der SJerurteilten. Sei Betrachtung ber taxier ber vox ber neuen 'Bei^ urteilung le^toerbüpten ^rei^eitöftrafe ift mieber, roic fc^on früljer, Die Grfc^einung ju beobachten, ba^ ben SJerbred^en fc^roerfter :3lrt melfacl) langbaucrnbc ^rei^eitöftrafen »orausgingcn. £iebs fta^l unb Unterfd^lagung fc^einen bie 2)elifte ju fein, mit benen ^erfonen, bie eine langbauernbe ^Jrei^eitöftrafe ji^u oerbüpen l^atten, am leic^teften rüdfätlig roerben. ®ie JHücffaHöfrift fc^eint am fürjeften ju fein bei ben 2^eli{ten gegen baö Vermögen. 2)ie Statifti! fud^t bie Grflärung in ber road^fenben 5leigung bereits Seftrafter jur üi'ic: ber^olung üon Straftl)aten. 6ö erfd^eint i^r ber 3cf|lu^ ,,faft un- Dermeibli^": „bap bao Verbrechertum roäd^ft unb t>a\{ bie jugenblic^en ^Delinquenten bie Slefruten einer Verbrecf|er= armee bilben, gegen melcl)e bie Strafmittel beö befte^enöcn JRed^tö fiel) alö machtlos j\u erroeifen fe^einen". 2)ie öäufigfeit ber i^lmoenbung ber einjelnen Strafarten ift auc^ 1888 im roefentlie^en nid^t t)on ben Vorjahren »erfel^ieben. 3"^^bauo lourbe erfannt in 3,ii p6t. ber %äüc gegen 4,7 p(St. im 3a^re 1>>82. ©efängniö ift von 69,ia p6t. 1882 'auf 63,ui p(£t. 1888 gefaUen, ©elbftrafe üon 25,n:{ auf 31,i»L>p(St. geftiegen, Verroeiö t»on 0,07 auf 1,H4 p6t. TOerfmürbig gleid^ bleiben fiel) bie einjelnen DberlanDcö^ gerid^töbejirte. 3Die Statiftit bemerlt, bap a\xö) 18?>8 „bie bbberen Strafftufen auf Äoften ber nieberen juneljmen". ,,Gö ift nic^t aus- gefe^loffen, bap biefe Grfclieinung mit ber bei ben aburteilenben 0e- richten ^^.Ua^ greifenben Überzeugung »on ber Sßirlungölofigfeit aU;u: fur^er greil)eitöftrafen in 3wfö'""i*^>^()öng fte^t." „G0 lüirD ber 5ürt= gang ber Grfclieinung in fpäteren 3al)ren ab.^uroarten fein, che ;u einem abfd)liepenbcn Urteil gelangt werben fann." Gö betrugen Die 3udjtl)auöftrafen unter 2 ^^^l)'^'-'»^ 43,3:^ pGt. (gegen 44,07 pGt. IS.sTi aller 3ucl)tl)auöftrafen. GJefängnioftrafen unter 3 Wonateu mad^ten 7^i,^^< pGt. (gegen 78,75 pGt." I4J, ©elbftrafe pufiger (1887 21,:,4 p6t.. 3trafrcdöt. SlUöcmcincr ^^cU. 745 1888 23/)7 pßt.) pcr^ängt. 2^icbfta^l, Untcrfd^tagunf^, Sctrug tueifcn feine erfieblid^cn Anbetungen in biefer Sichtung auf. ^ie 3a^l ber i'erurteilten ift von 1882/ roo fie 329 968 ober 1043 auf 100 OUO gtrafmünbigc betrug, auf 350665, b. I;. 1056 auf 100 000 Strafmünbige im Sa^re 1888 geftiegen. ^ie f)öc6ften, abfoluten unb relativen 3^^^^'" ^^^^^ 1^87 mit 356 357 bc^ro. 1084 auf. lic ^al)l ber ftrafmünbigen öetjölferung ^at feit 1882 biö 18b« um 5/,}» p6t., bie ber 98erurteilten um 6/j7 p6t. jugenommcn. ^ie f)öd)fte abfolute unb relative S^¥ ')^**<^ ^«^^ ^al)x 1887; gegen 1887 unb aud) gegen 1886 ^eigt 1888 eine 2(bnofjme, meiere aber für 1H89 faum ^u etroarten fte^t, benn bie ^Q^l '^^"^ beim ftatiftifd^en 3(mt für 1889 eingegangenen S^^Harten überfteigt nid)t unbeträd^tUc^ bie beö ^"sar)reö 188S. 9luc^ für eine 3iei^e von Gelitten ftellen fic^ bie Grgebniffe für 1888 günftiger ^erauö, als für bie iBorja^re. Ser einfad)c 3!)iebfta(;l ^at roieber etivas abgenommen. 3)aö ununter= brocbene Steigen ber gefäbrlic^en Äbrperverlefeung ^at fic^ 18s 8 nid)t fortgefetft. ©eftiegen fmb bie S^ff^^^^" '^^^ Unterfd)Iagung, befonbero aber bie bec Setrugeö. ^"^^'^^^fföMt flnb bie Scmerfungen ber Statiftif über bie ^rage ber iorbeftrafungen wegen Übertretungen, and) mögen 35ettelö unb l'anbftreid[)erei, finb auper :Mnfat5 geblieben. Xk ik^rl)äItnionio,;a[)len für bie i>orbeftraften finb feit l>^b'2 ftetig geftiegen, im ;^al)re 1882 entfielen auf 100 000 Straf- münbige 201, 18^8 bagegen 310 i^orbeftrafte. '^)n ber SJeurteilung tiefer Jfjatfadje fdjeinen bie i^'tfaffer beo erften unb j^roeiten 3(b' fd)nitto ber (Stläutcvungen nid)t gan.^ gleidjer ^Infic^t ju fein. (i^l. 1 S. 44 unb II S. 9.) ^lad) bem öefd)led)t waren unter ben Ser= urteilten 288 481 männlid)e, 62 184 meiblid;e, bie einzige Teliftöart, bei nu^lc^er bie iveiblid;e Mriminalität bie männlid)e überragt, unb .^mar nid^t unbebeutenb, ift bie Muppelei. 2^ie ^sugenblidien finb verbältni6maf)ig am ftiirfften beteiligt beim cinfad)en Tiebftalji, fobann bei ber gefül)rlid)en Mörperverletjung unb beim fcl)meren Siebftabl. 'i>ergleid)t man ibre ,Vlriminalität mit berjenigen ber Crrmad)fenen, fo finö fie im gan.^en halb, bei ber ^^ranbftiftung aber boppelt, beim fcbmcren Jiebftabl annäl;ernb fo ftarf an ber Begebung von Strafe tbaten beteiligt wie biefe. Sie übertreffen biefelben aud) nod) bei Gr= preffung unb -Haub, Uuuid)t unb einfad)em Jiebftabl. 3)en ikfdiluft ber Grläuterungen bil^cu illngaben über Aamilienftant, Steligion unb i^eruf ber 'iHnurteilten. X'ln ^io Grläuterungen fdjlie^t fid) in mefentlid) gleid)er ^^tm wie fiül)cr t>aö XabeUenivert an. 746 Sittcraturbcric^t. 3* Sn gcroo^nter 2Bei]c lüirb über bic ÄriminaU unb ©cfäncimö: ftatiftif in Sägern in ben ,,Grgcbniffcn bcr 3i^t^= iinb 2trof = rcd)töpflegc ufro. im 3a^rc 1889''^) Scrid^t crftattct. 3lu6 bcm Sn^alt bcö ,p6t. ber JyäDe. i^on biefen "^äücn entfielen, um einzelne ber friminalftatiftifc^ bebeut« famften 'Selifte f)err»or5ul)eben, 3540 (2 604: 1882) auf bie Äorpcr^ tjcrle^ungen nad^ §223 3t.®.5)., 9604 (7430:1882) auf bie ge= f äljrlic^e Äörperwerle^ung, 3574 (3079:1 «82) auf Unterfc^laauna, 5661 (3840: 1882) auf «etrug. 33ei atten biefen SDeliften, bcfonbero bei Öetrug ,^eigt fic^ ein tonftantes 'Änfc^roetlen burc^ alle ^ai)xc feit 1882. föefatlen finb bagegen bie 'Siebftaljlßjiffern oon 14 144 im 3af)re 1882 auf 13 035 im 3al)re 1888, es ift jeboc^i ^u beachten, bafj gegenüber bem ^al)xc 1887 mit 12 765 eine fleine XHnfc^iüeÜunv^ ftattgefunben ^at. Sl^egen Übertretungen ift 1889 in 253 654 fallen auf iNcrur- tcilung erfannt. "^lad) ^ 360 3t.®.33. mürben 70 082 ^^Jerfonen iht^ urteilt gegen !)6 258 im Sollte 1881 unb 71 I>29 im S^lJ^c 188.^. 3)er Strafüollftrecfung bienen in 33apern bic Strafan: ftalten [^uc^t^äufer, ©cfangenenanftalten für 3wcl)tl)auö bc.^ieljungö^ rocife @ef unguis über 3, bei Augenblicken über l ^ionat] unb bic ©cricbtogefängniffe (®efängniö für-^erer Sauer unb öaft), roelcbc fämtlicl) bem Aiwfti.V""^^^*^^""* unterfte()en. i^n |ämtlicl)en ©cfängnifien befanben fid; im 3a()re 1889 j^ufammen 281 118 ©efangene, üon benen auf bie Strafanftalten 13 537 ober 4/< p(£t. entfielen. Sie 3G8 Setrugöfättc. 2)ie Summe ber 3Jerget)en unb Über= tretungen bed Strafgcfefecö betrug 25 603, barunter 1288 Äörper^ oerle^unj ~ "^ trugofäUi poltKi- bie i^agabonbage ift mit 2856, Settel mit 4137, ^^Jroftitution 'mit 1643 Aätten bejeic^net. Sie jmeite labeüc bel)anbelt bie perfönlid^en i8erf}ältniffe ber If)äter, ®efd)Iec^t, ällter, Stanb, Öefc^öfttgung, 9latioualität merben bcrürffid^tigt. J'cr XIX. Slbfc^nitt be^anbelt Saut ftreic^crei, ^^^"Ööarbeitös unb Öefferungsanftalten. Sejüglid^ ber iSbgabe in biefe ätnftalten ift i\x bemerfen, ba^ fie feiten» ber ©eric^te ftattfanb in 704 fallen 18«i) gegen 638 im ^a^re 1888. 3Son ben 704 ^erfoncn mürben 564 untergebrad^t. l>on ben übrigen 140 *iperfonen maren 63 p^pfifd^ nid)t ,^ur Unterbringung geeignet. Ser XX. Stbfc^nitt be()anl)eit bie Stbfd^affung (Sluömeifung) unb ^mani^oiüeife Entfernung, ber XXI. bie Öettler, Dbbad^elofen ufm. 3Son ben i88!> angehaltenen 4137 SJettlern maren 1224 in SBien bomis filiert, 2013 Jvrembe. 53iö 14 %^\)X alt maren 20i>, j\mifc^en 14 bis LS ^al)r 178, männlichen @efd)Iec^tö 2755, roeiblic^en 1380, ben gebilDeten Stäuben angef)örig 37. 3(uö Sö^men ftammten 1032 ber nid)t nad) JÜien gel)örigen Settier. 5* Sem Seric^terftatter ift ein >>eft jur Sefpred^ung jugegangen, betitelt: Ser Äampfeöruf beröallenfcr grünen §cfte. III. Sie fonfeffionelle .Uriminalftatiftif"^). Sao .^eft ift eine ©rroiberung oon fatl)olifd)er Seite auf einö ber (bem 'öerid)terftatter unbefanntcn) „.^allenfcr grünen ßefte", in benen bie il)atfaci^e, baß nad) unfern offiziellen ftaiiftifd)en SJeröffentlic^ungen bie 3<^()I ^'^'^ fat^olifc^en Selinquenten jene ber eüangelifdjen überwiegt, j\u mieber^olt als un^ Ün^üd^tigfeiten gegenüber ben .Hat^olifen eine fe^r ungünftige fei. Scr 'i}erid)terftatter I)at nic^t bie geringfte 9leigung, über biefen ») iL'icu 1«M). 5(lfrct» >?ülDcr. 17o 3. ■•) 3d)roäbijd) l^Jmünö 1K»1, t^lanb, Cefterrei(^ unb granfreicli ber %aü ift, nici|t nad^roeifcn, roao burc^ bic gcrini^c 9(uöbcl)nung ^talienö von Dften nac^ Söeften leicht ertlärlic^ ift (b. JRef.). 9iac^ ainfid^t bcö 9Scrfaf|erö errocifen fic^ in feinem Staate bie gefc^id^tlid^en i^er^ältniffc für bie Grflärung ber geograpl^ifd)cn 9?cr: breitung ber i^erbred^cn fo bcbeutungöüotl, roic in ^töHcn; oljnc i^re einge^enbe S3erücfficl|tigung fönntc eö nid^t in erfc^öpfcnbcr 'Kciie crflärt roerbtn, bag in einem ©taate, in roelc^em bic Siaffcn-- perfd)iebenl)eit fo gut roic feine -Wolle fpiclt, folc^e UntcrfcbicDc in ber Äriminalitätofrequen.i^ t)orf)anben fmb, roic sroifc^en ber i-om- barbci unb Äalabrien. II. fihrimtnaU)oltttt 7* 3^ einem ©utac^ten für ben XXI. ' ^uriftentag [;at fidj Seuffert') über bic bcbingtc ißcrurteilung auägefprocbcn. (fr ift ein ?freunb berfelbcn unb tritt roarm für il)rc Ginfü^rung ein. Taö ©utac^ten gibt .^unäc^ft eine Sfijje ber gefrf)ic^tlicl|en Gntroicfelum^ • ) (^Ut.^3. XLIII €. 1)2, 9a " ) 3. "}(. niiÄ tcn 35or(ianMun}^cn t^co XXI. Xcuti'd}on ^^uriftcntaao 3. 2"-'7 bis 27.'). Strafrc(^t. 3lUö«»"f«"«»^ 3:cir. 749 )er graßc unb g^dji \>ax>on am, bap bic furjcn ??m^eiteftrafen, idcIcI|c n ibrcr §äufi(;fcit bcn Strafi)oD[;^uct bc!)crrfd)cn, fd^äblid^ unb in l^or^cm 3rabc gefä^rlid^ feien. Überf)aupt fei in fielen %äÜ€n ©efänpiö gar uc^t am ^la^e, roo cö je^t »errängt roerbe. t'gvauptftreitobicft bei ber %xao^c nacl) ©infü^rung ber bebingten Berurteilung fei bie i^ergeItungötf)eoric. 5D}it i^rcn 'Sertretcrn ?^\x 'incr Ginigung jju fommen, ^ält 35erfaffcr für ausgcfc^Ioffen. 6r ift )cr 3(nfic^t, baj, wenn and) oielfac^ auö iljm l^croorgegangcn, unfcr 2trafcnfi)ftem feineöroegö auefc^liepli^ auf bcm SJergeltungögcbanfen ieru^c. Überhaupt fei es unmöglid^, bic genaue Äcnntniia ber (Srö^e Anb beö 9JJofteö ber Sc^ulb, bie jur geftftellung ber 3Sergeltungös 'träfe erforberlid; fei, ju erreichen. „2)aö SSerbrecften gibt ben 3lnftoJ5 'ür bie Strafe, eö gibt atn^alt für "ilrt unb 3Waft ber Strafe, eö ift iber nid)t ber einjige %ahox bei ber ffia^l unb Öemeffung ber Strafe." 2)ie bebingte Verurteilung barf nid)t bie einjige 3leuerung fein, )ic in Strafrec^t unb 9{ed)töpflege ein.jufül^ren wäre; in welcher 2Seifc m einzelnen tjorjuge^en fei, füljrt Serfaffer nicl|t nä^er am. Segen )ie 'iUoliseiauffic^t, welche ber State agcnt in 3)laffac^ufettö auö.^uüben jcrufen ift, fpreclien unfre 2(nfc^auungen. ©eitere Musbilbung ber Selbftrafe fei an^uftreben unb bie Steucroeranlagung ber Seftraften ,u G^runbc ,^u legen. 3ln Stelle uneinbringlicher ©elDftrafe befür= Dortet i\*rfaffer ^nJö^n^arbeit, aber nic^t 2agearbeit, fonbem Stücfs irbeit. "äud) ?Jriebenobürgfci^aft, .^ausancft, Crteoerbot, Verbannung cien nic^t von ber §anb .^u weifen. Verfaffer beftreitet, bap in ber bebingten Verurteilung eine 9(bs cftwäc^ung ber Strafeinric^tungen liege. 5i5o bie „erfte iijat fc^on Sleid^gültigfeit ober einen geroiffen Iro$ gegen bic ©efe^c »errät, lüo )ie angeflagte ^erfönlid)feit erwarten lä^t, baj^ nic^t 3ld)tung t)or )em C3efe^, fonbem J^urdit oor bemfelben roirfen werbe'', ba fei eben ein ®ebrauc6 oon ber bebingten Verurteilung ju maclien. Gbenfo ei \u beftreiten, bap in il)r ein Gingriff in baö Vegnabigungo= cd)t liege. 28ie unb inwieweit aber foll bie bebingte Verurteilung eingeführt oerbon, wie ift fie ;u geftalten? Verfaffer i)ält bie ©efe^gebung, lic^t freien Verwaltuugoaft ?;ur Ginfül;rung für erforberlid), aud) ift rr bagegen, fie juerft nur in ein.i^elnen leilen beö 9leid;eö an.^une^men. Eie Verbrechen will Verf., wenn er auc^ einige Vebenfen nidjt unter» )rücfen fann, üon ber bebingten Verurteilung auöfd)liepen, nic^t aber, uie eine ^Hoil)e anbrer 3d)riftfteller auc^ bie Aälle, in benen auf äelbftrafe erfannt ift. Vor allem müftte mit ben 3ugenblicf)en be^ \onnen werben. Selten wirD bebingte Verurteilung angezeigt fein. Denn ber Vefdjulbigte leugnet. Ve.^üglid) beö 'i)Jiaf5eo t)er S^'^-'i^j^^ilf^^^fo ^^^ bem bebingte Ver= irteilung nod) eintreten fönne, gel)en bie xHnfidjten weit auoeinanl>er. Serfaffev ift ber i?(nfid)t, baf; brei ^JJionate alo ^Dlarimalfaft ber Strafe "eftsufefeen feien. Ginige Xelilte, weld)e wie 5. V. § UU, 1^0, I.s7 :ine ^JlieDertrac^t unö ©emeinljeit ber ©efinnung verraten, würben 750 iittcraturbcricfat. auöbrüdlic^ auöjuncfimcn fein, ^m ®ccicn|a§ ju ©arofalo, bcr eine 9{uöna()mc mit 9lücffid)t auf bas ^Temperament beö Süblänbcrs für bie 3(ntraflöt)elitte ju machen roünfd^te, mill Seuffert auf ben 4>crs legten in biefer .t^infid^t feine 5Rür!fic^t neljmen. ^'\c bebingte i^cr= urteilung niuB oon einem (künftigen ^Norleben beö Stnc^etlaoiten ob^ Ijäno^io^ (\emad)t roerben. grünere ©elbftrafen foUen fein ^int)emifl i^rer 3lnn)enbuncn fein, rool)! aber g-rei()eitöftrafe mit Äuöna()me bcr ?feftunööl)aft. ,,bb bie neue unb bie früf)ere I^at fid) aljnlic^, ob beit>e auö gleid^er ober ä^nlic^er Sriebfeber entfprangen, ift für bie 9luöfd)Iie^ung ber bebingten Verurteilung oljne 33ebcutung." „"^rülicrc Jpaftftrafen fotttc man nic^t ignorieren." Sebenfen l^at iU'rfaf[er, jemanbem ein groeiteö ober gar weiteres 9)lal bie bebingtc *l>erurs teilung jujubilligen. 2)ie 33eiüäl)rung9frift foUe nic^t ber $Hid|teT, fonbern bas ®efe^ unb j^roar am beften burc^ SJerroeifung auf bie für bie 3Jerjäf;rung ber 'StrafooDlftrecfung geltenben Triften feftfe^en. £cr Sauf ber ^nft muffe mit i){ec^töfraft bes bie bebingte Verurteilung ou&= fprec^enben Ürteilö beginnen. 33eftef)t ber Verurteilte bie Arift, fo entfällt bie Vollftrecfuug ber Strafe, nic^t roirb bie Verurteilung loegfingiert. 'Diid^t erft neue Verurteilung, fonbern fd^on neuer Vcr^ bad)t unb neues ßinleitcn einer Verfolgung mü^te ben l'auf ber grift rul)en laffen. ßrfolgt Ginftetlung beö Verfafirens, greifpredjuni^, fo muji bie ;^eit ber A^emmung ber ?frift in biefe eingerechnet roerDen. Viö auf loeiteres foU bie Strafoerbüpung im "ituslanbe loenigftens nic^t oon 3{ed)tö wegen bie bebingte Verurteilung auofc^liepen. iTie bebingte Verurteilung fei niemals ben ©efd^mornen .^u übcrlaffen unD muffe im Urteil begrünbet werben. S)aö @efe$ fönne bie ©rünbe axi^i benen bebingte Verurteilung eintreten fönne, nic^t alle nennen, aber iiljnlic^ wie t)aQ englifc^e ©efeft 3tnl)altöpunfte für ben ;Kicbter (-isugenb, ©efinnung bes Vefc^ulbigten, ©eringfügigfeit beö Cbjefto) geben. Stuf bie t^ätige 9leue fei l)ier befonbereo ©eioic^t ^u legen. Saö ergel;enbe Urteil ift in allen Vejieliungen ein oerurteilenHeo 6r- fenntniö unb aud; bejüglic^ ber Stec^tsmittel nic^t übroeic^enD \u hc- l)anbeln. S)aö ©utadjten fdjliept mit einem bie Sefultate in 14 "ISara^ grapsen ^iufammenfaffenben ßntiourf. H» 2für bie bebingte Verurteilung t)at fic^ aud^ Simonfon auögefprod^en*'). X'xc Schrift beginnt mit einer allgemeinen Grönc- rung über Straf^wede, Vergeltungöt^eorie, furj.^eitige greif^eitoftrafcn, Vevweiö, Jriebenobürgfc^aft unb loenbet fic^ in einem II. 3Ibfd)nitt jur AUitif ber gegen bie bebingte Verurtl)eilung geltenb gemad^ten ©rünbe, befonberö gegen 9)leiueö, Äird)enl)eim, I^alberg unb lUppelius. iTie oon ben ©egnern geltenb gemad)ten ©rünbe faßt Verf. unter fecftö oerfd)iebenen ®efid()töpuntten äufammen. !Dian bel)aupte erftenö, bas bebingte Urteil oerlefte bie @run^prin3ipien beö ätrafrec^jto, es ") 53crlin IMK), g. iBal^Icu 71 3. ©trafrcc^t. SlUgcmcincu %i\L 751 rbc ^roeitcnö bic 3)}aferegcl 9tccl^töunglcic^{|eit unb 9)li6traucn c^cc^cn- cr bcr Sflcc^töpflcgc mit fic^ ^xci)tn, brittcnö bic 2öirtfamfcit bcr im raff^cfc^ enthaltenen 2)roI)ung tjcrminbern, es fei viertens pf^d^o« \i)äi unb päbac^o(^ifcl| anfechtbar, eä bereite fünften^ praftifd^e i^roicrigfeiten unb übertrage fed^ftens bem Slid^ter ein it)m nic^t ju- nmcnbcö Segnabigungörec^t. Serfaffer ^ält biefe ©inroänbe für ^t burc^fc^lagenb unb menbet ftc^ gegen bie einzelnen; bcfonberö gcftcnb roeift er bic 3tuffaffung, meiere in ber bebingten 33erurteilung c Öcgnabigung feitens ber 5Kic^ter fe^cn roiU, gurücf. Xcx britte äbfc^nitt bel^anbelt ?^unäcl|ft bic ?frage, bei roetd^en traft^aten, ©trafen unb I^ätern bie bebingte Verurteilung eintreten rfc. SJerfaffer befüriDortet biefelbc au^ bei bcn an SteCc n ©clbftrafcn eintretenben fubfibiären §reil)eitöftrafen, nid^t bagegen c^ bei ben ©clbftrafen felbft, roo^l aber bei ber §aft, ebenfo — ©cgenfa^ ju o. i^iß^t — bei ber Oefängniöftrafe, meldte in iroenbung bcö richterlichen Sölilberungörec^tö an ©teile von Bw^t- uö tritt, nic^t bei 3"irfung beilegen looUcn. Iroft Verbüpung einer frül)crcn %xd' itöftrafc foB bic bebingte Verurteilung auc^ nod^ eintreten fönncn, nn bcr 2^l)ätcr fic^ „lange 3eit ftraffrci gcl)altcn unb bamit gezeigt t, baB bic frül)ere Verbü^ung nic^t moralifc^ fc^äbigenb auf \\)n mirft ^at". Verfaffer Dcrfennt nid)t, ba^ fi^ einer I)urd^fü^rung •fco legten ©ebantcnö bcbcutenbc Scl^roierigfeitcn in ben 3Keg ftellen irbcn. I^icfc ftraffrcic ^'^if^en^eit mill er auf fünf '^a^^xQ feft= Jen. ©Ictc^gültig foU co fein, mo bic Verbü^ung ber Vorftrafe ttfanb, ob !3"lö"b ober XUuölanb.'') äi^Mtcr roirb bie Jrage aufgeroorfen, „welche Slnforbcrungcn muffen t bcn Verurteilten bcljufe ^3^id;tüolIftrccfung bcr Strafe gcftcUt •rbcn*^" 3>ie bebingte Verurteilung fd;icbt ben VoIl3ug bcr Strafe ^) JHcfcrciU möd)tc t)üraiif l)iiuvciicn, bafj t»rt6 infofcm in Mckr aU^cs rincn Raffung bcbcnflicli icin fönntc, alö cö .^^auMuuöC" geben lann, Die im lUnt» nicbt ftrafhir fiiit», iinihrcnt» fic t^aö 5(uölant» ftraft. Soll l»ic im 2lu6s iD iiH\Kn cincö toldicn Xclifti? vcrbüfjtc Strafe für Die Jvrage, ob im J^^^nD jinc^ie "^krurteilun^ eintreten t^ürre mit in 5.U*tra(^t fommenV (rö ift inßbe« i^ere Dabei \\\ bcad)ten, Daß ^criaffer molil aud) t»ie .^attftrafc als )^orftrafc t reil)net. 752 Sittcrotiirbcri(t)t. auf 6ci föo^bcr^altcn bcö Sc^ulbtgcn, lä^t bic Strafe eintreten bei 5lid)tn)of)(ver()alten. 35erfaffer roenbet fic^ qegen bie biö^er jur nä^'ni SeftimmunQ biefes Segriffe (^emad^ten SBorfc^lägc unb fommt mit 3()(^rott ^u bem Sefultat, ha^ eine in bie 35en)äf)run(^öfrift faUen^t neue Syerurteilung nic^t oI)ne roeitereö Mbbü^ung ber aufgcfc^obcnen Strafe nac^ fid^ gief)en foH, fonbern ba^ eö bem JRic^tcr übcrloficn fein foU, „ob er nac^ ber fonfreten Sarf)Iacic in ber fpäter begangenen ftrafbaren ^onblung einen %aü beö 5}ic^tn)0^ber^altenä fte^t ober nid)t". ^ie SDauer ber Seroäl^rungöfrift fottc nic^t ber Stifter, fonbern baö @efe§ feftfe^en. SSerfaffer befäntpft Sammafc^'ä ?vorberung, bie Seroä^rungefrift foUe für^er fein alö bie für bie !ßonftrecfungöoeriäl)rung (aufenbe unb fd^lägt für Übertretungen brei, für anbre i^aten fünf Safere oor. SDic §rift muffe beginnen mit ber JWec^töfraft beo oerurteilenben ßrfenntniffeö; für bie Unterbre(^unci bürfe aber nid^t fc^on ber 3^itpwnft ber neuen I^^at, fonbern a\A praftifc^en ©rünben erft ber ber neuen UrteilöfäHung in Arage fontmcn. 3?erfaffer miß enblid^ nur bem inlänbifd)en Urteil bie Äraft ber Unterbrerf)ung jubiUigen. Äurj werben noc^ bie folgen ber ^Hlxäu beroäl)rung unb Semä^rung unb fobann bie projeffualen Seiten ber ?frage beljanbelt, ^um Sd)Iu^ enblirf) wirb bie -iJerbinbung ber bebingten SJerurteilung mit anbern, allein für fic^ jum Grfa^ ber furj.^eitigen "grei^ieitöftrafen nid)t braud)baren 5Dlitteln befproclien. "Kac^ 33erfafferö Slnfid^t ift bie Serbinbung oon 5}erroeio unb bebingter Ihtj urteilung nic^t ,^u empfehlen, mäljrenb er für eine fafultatipe. Km rid^terli^en Grmeffen ju überlaffenbe Serbinbung mit ber (Vricbene^ bürgfrfiaft ift. 9» 91. ©autier,'^') ^rofeffor in ©enf, befpric^t bie gleite ^rage. 6r gibt nac^ einer bie Ginric^tung furj d^arafterifierenben Ginleitung eine Überfid^t über bie fxd} mit ber bebingten Verurteilung befaffenben ©efe^e unb Gntioürfe, beren mefentlic^e Gigentümlicbteiten er anfüljrt, unb bel^anbelt bann bie für bie Ginfüt)ning ber bebingten Verurteilung fprec^enben ©rünbe. ^wx 3lnfd^lup baran werben bie üon ben ©egnern gemacbten Ginroänbe einjeln befprod)en. 3tuo feinen 3luofül^rungen jie^t Verfaffer ben Sd)lu^ baftin, baß bie furzen Jyrei- l)eitöftrafen, beren fyunbamentalfe()Ier eben in il|rer Äür^c unb nid)t in ber fe()lcrl;aften 2lrt beö VoU^^ugö liege, abjufc^affen feien. Ginen Grfa^ biete bie bebingtc Verurteilung. SSaö i^re Ginfü^rung in ©enf angeljt, fo fommt Verfaffer ju bem refignierten Schluß, baß bie llm^ ftänbe nid)t günftig für bie 9ieuerung feien unb man ©ebult) Ijaben muffe. Übrigeno fprirf)t Verfaffer birett auö, baß er e^er auf bie praftifc^e Vermirflid^ung beo ©ebanlenö Verjid^t leiften mürbe, qIö ne in ben Jpänben ber Öenfer jury correctionel ju feigen. 10* Gine Sd^rift non 9lrnolbi entl)ält neben einigen Gitaten auö Miaffitern, bem 9lbbru(f beö Siebeo „3i'er nie fein S5rct mit ^l)räncn aß", eine Vemerfung über 3bfen unb eine fleibe rcn ^") A propos de la comlamnation coinlitionnelle. ^ern, Staempfli 1>^*^*- (5trafrc(^t. 2Cttgemciuer %äi. 753 it über SÖitlcnöfrct^cit, im i^rocitcn 3(bfci^nitt äufeerungcn über fcn unb Strafarten, hierbei be^anbclt 55erfaffer aufecr bcr jftrafc, ©elbftrafe, bcn 5rcit)eit9ftrafen aud) bie ^rügelftrafc, bie ^te SSerurteilunc^, „Don ber man feit längerer S^xt fprec^en ^örf, reften 3tnfc^Iu^ baran t)a§ 2)ueD[, oon bem er bie neue 33emer= müd^t, bafe burc^ Ginfd)ränfung beöfelben ,,mel 6lenb unb Un= oerI)inbert werben würbe, inele X^ränen oereinfamter 2Bitmen fitem . . .'\ weiter bie ^Deportation, für n)eld)e mir, „2)anf bem •glid^cn 3Sorge^en unferer ^Regierung" bie erforberlirfien ©ebiete , enblid) über Streifö unb xijxc 4)eftrafung, furj de omnibus et (luibusdam aliis. 2)er britte Slbfd^nitt be^anbett bie Strafe töbarfeit. SJerfaffer nerroirft bie Saiengeri^te. 2)er vierte belt bie Grj^ie^ung, ber fünfte bie Stuf gaben bc§ ooj^ialiömus! auf 51 Seiten unter bem für folc^en roiffenfc^aftlic^en Salat bcn Jitel: i^erbrec^en unb Strafe. 3^^^ 3leform ber Strafe pflege. ' ') (!♦ ^n feinem 3luffa^e ,,3tir §rage ber Umgeftaltung beö igen Strafenf^ftemö" fd)ilbert en l'agern l}en)orrufen werbe, war leicht o^ufel;cn. 4^cvufcne unb Unberufene, le^tere in nic^t geringer )l, i)ahcn ben Mampfplalj be)d)ritten, feineowegö immer mit bem djt }ad)V\d)cx Ghünbe, fonbern oft mit ben lcid)ter $u ^anb^abenben 'n perfönlid)er fpiljer unb bämifdjer Öemerfungen auögerüftet. fadjlic^ unb flar, ol)ne perfönlid^e Sittcrteit an bie ^rage l)er= reten ju fein, ift eine ber grof;en ^or.uige ber äi5ad)fd)en Schrift bie 'Reform ber Areibeitoftrafe.'^) Gr ift fein greunb ber :itöftrafe, wie fic I;eutc fid; gcftaltet. „^ie 5reil)eitöftrafe, weld;e ') iiVrlin ISIMI, ^^iutifiinimcr Ä IVüblbrcctu. -) '3. 5(. lUiy ^cv alli^cuiciucn oftcncicl)iicl)vMi Ck'rid)tö;citimö. äl'icn 1890. i)cr 'i\'rlaoi. I 754 2!ttcraturbcri(f>t. unfcr ©trafenft)ftcin bc\)cxx\6)t, erfüllt tl^ren 3"^^* ntc^t." „3^qö bcutfd^c Strafenfpftcm unb bei ©trafoolljug leiben an fc^rocren Mängeln. 3)aö grei^eitöftrafcnfpftcm unb mit il^m bcr gan^c 3(ufbau bet ^elifte xxad) i^rer Schwere ftnb eine groje offizielle Süge." 23a(Jb erfennt bie Sd^äblic^feit unb ©efa^ren bcö StrafooUsugß in ben flcincn ©efängniffen üoU an. „35aö üiel gehörte (Schlagwort oon ben ßlc^ mentarfd^ulen bes 3>erbrec^enä trifft bie SBa^r^eit." SSerfaffer befpric^t junäc^ft bie furjjeitigc ^^ei^eitsftrafe unter ootter ätnertennung i^rer 9tu^Ioftgfeit unb ©efä^rlic^feit in i^rcr heutigen ©eftalt. ätber er xüxÜ ftc nirf^t einfad^ abgefd^afft roiften. 3&a6) fxcijt in ber Äurjjeitigfeit an ftrf) feinen Ü)iangel, fonbern einen SJorjug, obwohl man burrf) fold^e ©trafen nic^t erjie^en ober beficm unb nur fd^mer ben Strbeitöjmang burc^füf)ren fönne. 3BoI)I aber fönnc ftc ein Strafübel fein, Äurjjeitigfeit bebinge nid;t ©traffc^roäcfee, bas bcroeifen bie militärifc^en 3(rreftftrafen, für bercn Sluöbe^nung auf bas ©cbict ber furjjeitigen greif)eitöftrafen 3Serfaffer fpric^t. Gingel^enb be()anbelt ^aö) bie bcbingte Verurteilung. Gs fei gleid^ oorroeg bcmerft, bafe er ju ben ©egnern ber Ginfü^rung biefa Ginrid^tung j^äljlt. 2^ie 9){otioierung, roeirfic fie gefunben f)abc, inbcm man auf bie Sdjäblid^feit unb §ärtc ber furjjcitigen §rei^citoftrafen, auf baö bringenbe SHeformbebürfniö l)inroeift, ift nad) Serfaffer unflar ur.t) ungenügenb. 31uö i^r folge ^roar eine ^Ünberung beö Strafgefe^cö, abor nic^t bcbingte ©traffrei^cit. '^lan roeife weiter auf bie fc^onenbc uuD bänbigcnbc, cr^ie^enbc Äraft ber oorgefrf|lagcnen 3Ka^rcgeI ^in, aber bie 9Ka^regel fc^e bod) immer eine SSerurtcilung oorauä unb brüctc baburrf) bem 3Serurteilten fd^on ein Sranbmal auf. 2^cr Giniüurf, ben man gegen eine 3luffc^iebung ber Urteilsfällung gemacht, baf; nämlid) eine fold^c ber beutfrfjen ?HedS)töanfd)auung n)iberfpred)c, tci boftrinär. 3)ic erjief)lid)c Kraft mirb oon iüiaö;) bcjrocifelt, ba in ber ,,fontinentaIen Sd^ablonc" im ©cgcnfa^ 5U ber amcrifaniid)on Ginri^tung bcr 'äOJaferegel gcfliffcntlidS) alle biö.^iplinaren Glcmentc ({c^ tilgt feien. 3lud^ fei baö ©eftc^cn ber ^robcjeit fein Scmciö bor Sinncöänberung bes ^Hüflinge. Gnblirf) ocrmögc bie neue Straft^ai nid^t o^nc loeitereö bie nad^träglid^c 3tbleiftung ber alten auogefe^ton Strafe ju red^tfertigen; bie alte unb neue ii)at fönncn o^nc jcbcn pfpc^ifc^en 3wfömmenl)ang fein. Unflar unb oerfdjmommcn fei auc^ bie Sd)eibung ber %a\lc, meldte ber bcbingten 'l^erurteilung unterliegen fotlen, oon ben anbcrn Jtjaten. Soll roirflic^ baö ^xcl fein, eine Umfeljr 5U erreichen, fo in bie 5)iaf,regel übcrflüffig, roo ein !:Kücffall gar nic^t ju befürd)ten in unb fein i^erbcrb burcb ben Strafvollzug oerurfac^t roerben mirb. S^emirndj merben gerabe bie Unbefc^oltencn, bie SHeuigen um. bor 5i'o()ltl)at unteilljaftig bleiben. ^Sei it;nen märe bie bcbingte 'IVurtei: lung gleid;mertig mit bem Sa^e: einmal ift feinmal. 3^er Strafauf- fd)ub foU nad) ber 'Jluöfagc feiner ^^rcunbe oor fojialem ^Ncrberb, b:r 'öranbmarfung, bem 5}erluft ber Serufftctlung ufro. fc^üfeen, and) biio fdjlicfst eine Steige oon fällen oon ber SiSo^Uljat auö. Ünanroenbbar Strafrcd)t. 3lttggebenb.. :^m übrigen wolle aud) s. 33. v. Siö.;\t, ber baö „S^^^t^-'^ii^i^fl^^^" Softem befürwortet, eo teineöwegö in amerifanifd)er ©eftalt. 3mmer^in fprädjen aud) gegen feine, t^en i'efern ber Z ^u= gänglic^en üMu^fü^rungen gewidjtige ©rünbe. ib}>ad) glaubt, baf, bie 3Bol)ltl;aten ber Ginrid)tung befonberö ben Siüdfälligen, evfal)rungö= gemäfi oft ben fid) in ber 3(nftalt am beften gü^renben ju gute fommen werbe, ba^ .eld)e Strafmittel tonnen an bie Stelle ber fur^^eitigen ^reil^eitöftrafe gefegt werben" ift 756 l'ittcraturbcric^t. eine uon bcr SDJarburoicr Suriftenfafultät gcfröntc ^rciefd^rift tnrfc^icncn, bereu 3}erfa|fer 9to|enfeIl) ift;'*) fie Ijat f\6) baö ^\c\ gefegt oor aflem ein ^ü^rer burd) baö fc^on je^t riefen^afte, ju jener ?yrage »orliegenDc 3)Jatenül ju fein. 3!)er erftc Seil befd^äftigt jtrf) mit bcr 3tatifti! ber Straf^umeffunoi, roeld^e ben 5?ad)n)eiö erbringt, bafe bie furje Jrei^eitöftrafe bie -l^raris befjerrfc^t. Gs roerben junäc^ft bie Stngaben ber 3teid)öfriminalftatifrif, weiter bie ©tatiftif einer Sieii^e beutfc^er Gin^elftaaten, von frembcn Staaten J^^"^^*^'^/ Belgien, Gnglanb unb öfterreic^ f)erange;ogcn, welche atte ben 33eroeiö für bie 9li(|tigfeit jener 33c^auptuug erbrin(^en. 2^er /^roeite Jeil giebt bie Äritif ber furj^eitigen /yrei^ieitöftrafc. SJerf. giebt bie Stimmen aus X(}eorie unb -^Jrafie roieber, meiere bcr furj^eitigen greifjeitoftrafe baö Urteil fprec^en unb fd^ilbert i^re ^Rängcl im einzelnen in einge^enber 2)arfteHung. ^er britte Jeil be()anbelt bie ßrfa^mittcl ber fur^^eitigen Jvrci^ f)eitöftrafe. ^^^"öc^ft ben SSorfd^lag, ber in ^ranfrcic^ is^o von 9Jiid)auf gemad)t ift unb ber in bem nod; nid^t üeröffentlid^ten fram 5Öfifd)eu Gntrourf eines ®t.@.33. t)on 1890 9(ufnal)mc gefunben I)at, nämlid) bem ber leichten H)at Übermiefenen einfad^ '^arbon .^u erteilen. Sn (Vrtßcn, in benen auf öelbftrafe :^u erfennen märe, foU ber "Kicfttcr bie Öefugniö tjaben, feine ^Verurteilung auo,^ufprec^en. SSerf. ertlärt fid) gegen bieö iDiittel, ebenfo mie gegen bie bem englifd^^amcrifanifc^cn dic6)i entftammenbe Siod^arge. ^m Stnfd^Iup baran mirb ber iserrocis befprod)en. 35erf. gibt eine JRei^e l)iftorifc^er unb, befonbcrö im 3ln: fd)lufe an 2Himena, eine grofee 3(n,^aI)I rec^tsoergleid^enber Saaten an, befjanbelt b»e ^u ©unften jeneö, bie gegen iljn geltenb gemacbtcn ©rünbe; lefttern f erließt fic^ aud^ 3ierf. an. S)er folgenbe ätbfcbnin be()anbclt bie bebingte 'iBerurteilung, juerft „bie Stellung auf ^^Jrobc". 3Serf. fc^ilbert bie Ginrid)tungen im Staate ^Äaffac^ufctts, Siftoria unb -JJeufeelanb , be|on^ero genau bie (entern, in Gnglanb — iVrf. gibt eine Überfe^ung beo betreffenben ©efe^es — beffcn Slegclunfli ber /vrage nid)t feinen 'Beifall f)at. 3ln jmeiter Stelle befpric^t tWrf. bie ,/i(uofe<5ung beö Straf uoUjugö", ben sursis ä Toxöcution, la eoiidamnatioii conditioiifllc, sosi»ensione della pcna, bebingte iVr urtcilung unb mie bie Ginrid)tung meiter genannt mirb. 'Berf. erfidrt felbft mit ^Ked)t, bafe eo unmöglid) fei bie ungeheuer umfangreich' l'itteratur voUftänbig ju benu^en. S^erft mirb granfreic^ befproc^en, bie Gntmürfe 'i^orenger, 'DJJidjaur ufiu. merben in^altlid[^ angegeben, fobann bie belgi)d)en Ginricbtungen gefc^ilbcrt, unb ifjre C9runb;üiK !}erüorge()oben, fomie bcr mid)tigfte ^nf)alt ber über baö belgücbc ©e)e§ r>eröffentlid)ten iiitteratur tur^ mitgeteilt, beogleic^en bie in ben i)fterreid)ifd;cn Gntunirf aufgenommenen Sä^e, meldte leetcm genau bc|prod)en merbcn, unter ftetem .oinmeio inöbefonbere auf l>ic Sdjüfte'fdien ^uofübrungen über bie bebingte iVrurteilung. iserf. gclji ibcrlin, C^uticntayj lSi»u. Strafrcd^t. ^(Ugcmemcr 2c\l. 757 fobann auf bie in S^cutfd^Ianb gemad;tcn Icfiißlatorifc^cn SSorfd^Iägc ^u ©unftcn bcr Ginfüfjrung bcr bcbingtcn i^crurtcilung näftcr ein, .^u« näcbft auf bcn Gntiourf »on 28irtl) aus Dem ^al)xe 188« (Z IX 760), fobann auf Den oon o. Sisj^t (Z X), enblic^ auf bcn von 3(fd)rott (IIK >>eft bco "i)lorbroeftbcutfc^cn ©cfängniöocrcinöj, i^cigt i^rc ^(()ns lic^fcitcn unb Öcfonbcrf)citcn unb fritifiert bic oorgcfc^Iagcnen Säjc im einzelnen. Xcn Schluß bco .Slapitclo bilbct bic ^Üinfü^rung bcö öcfdjiuffco bcr §attcnfcr iJcrfammlung bcr internationalen friminai liftifd^en 3}ercinigung, bcr abroartcnbcn Stellung bcö ^^Sctcröburgcr Äongrcffee. ^cr folgcnbe 3lbfd)nitt bcl^anbelt bie (Jriebenobürgfrfiaft, b. t). cnttücbcr bic Öürgfd^aft, felbft unter gcroiffcn Umftänbcn unb in einer bcftimmten 3<^i^/ insbefonberc gegen geroiffe '^Jcrfoncn, baö Sted)togut \>c^ öffentlichen ^riebenö nid^t ftören ju rooUen, ober bie l^nbürgung für einen anbern, bap bcrfclbe fic^ in bcr eben be.^eic^neten 2&?cifc üerl)alten roerbc. Öeibeo fommt altcrnatio unb fumulatio oor, jugleid) enthält bic Sürgfd)aft bao 'ücrfprcc^cn, für bcn T^aü bes "Kid^t^ füUcnö eine 3<^^Jwng Iciftcn ju loollen, ücrftärft eoentucU burc^ a(uös fteUung eines bebingten 3d)ulbfd)einö ober burc^ «Hinterlegung einer 3icf)cr^eit. 2^ie gricbenöbürgfc^aft tann ']}räT)cntio= ober ^epreffios maBregcI fein. Grftcre be^anbelt allein baö bctanntc Öud^ von ©d)ierlinger (1877), gegen beffen Grgebniffe fic^ iJammafd^ (Z IX 441*) geroenbet Ijat, beffen biftorifc^en 3)arftellungen 'ücrf. fid) an- f erliefet. Ser Sdirocrpunft liegt im englifc^cn 'Hec^t, beffen Ginric^- tungcn an bcr .'g^anb von 'Jlfd^rott burc^ bcn 25erf. fur^ in ibren ©runbjügen bargeftcUt locrbcn. S^abei wirD beö 3Serfud)o ber Sunbcö* ratöoorlage jum Gntiuurf einer Straf gcfeö=*i)loDeUc (1875), bie ^ricDcnöbürgfd^aft bei uno ein^ufübren, gcDac^t. ffleiter loirb Die tepreffitJc Jricbenöbürgfd^aft, auogel)enb ebenfaUo uoiu englifd^cn 'Xec^t, roclci^eö auc^ auf bao ^Hec^t ber englifd^en .s^oloniecn Ginflufj ge= lüonnen l)at, befprod^eu. ^ilud) in Jcutfd)lanb ift fie t)orgcfd}lagcn oon pcrfc^iebcncn @efid)topunften auo burd; v. .OoUcnDorff, 'Jtfc^rott, l'ammafc^. '8erf. I;alt auo nerfd)iebeneii (^künDen il^ro GinfUljrung alo felbftänbigeo Strafmittcl unD Grfa^mittcl für bie fur^on 5rei= l)eitoftrafen nidjt für loüufdjcnoircrt. 'iluc^ Die Scnu^ung Der >5rieDcnobürgfc^aft in iWrbinDung mit anberu 'Mtteln, loic fie 5. "ö. im italienifd)en St.W.i^. cingefübrt ift, ftcbt 'iJerf. nid^t oljne 3)c- benfen gegenüber. 'iJon meitcrn i^orfd)Iägen sum Grfa^j Der furzen ^reibeit^iftrafen bebanbclt 3}erf. ben >>auöarreft, bao ÜJirtol)auo= unb Drtooerbot, Die Houfination ufm. Gr ift gegen ben Öauöarrcft, mürbe aber mit einer Mlaufel im ©efe^, melcbe Den 'Hid^ter ermäd)tigte, neben Dem Straf = auffci^ub bem '^Ncrurtcilten gemiffe Derartige 'äcDingungen aufzuerlegen, einoerftanben fein, "äui) gegen bie -^jrügelftrafe, u?enigfteno „bei ^^iobeitoDcliften Der b^lbioüAugen Jugenb" {)at er nic^to einuimeuDcn. 5(uöfübrlid) lüirD bebauDelt bie ÖelDftrafe unD ibr Grfa§. ^öerf. ^ält mit 'ilfd^rott, v. Xiio^t ufm. Die ©elDftrafe auogeDel;nter 'iicr- ;^eitfct>vift f. b. flcf. 3traticd>t-3tü. XI. 49 758 Sittcraturberit^t. rocnbung unb praftifrficr Suäbilbung für fällig. SKafegcbcnb für tic Sumcffung muffe fein bcr Steuerfa^. SRatenja^Iung, 3o^lw^^9^friflcn feien ju bewilligen, älö @rfa^ nirf^t beitreibbarer ©elbftrafen nennt Scrf. junäd^ft bie Strafarbeit o^ne Sinfpcrrung. ^E'a.^u werben eine SRei^e intereff anter gefrf|id)tlid;er 3lngaben gemarf|t, bie seigen, DüB aui) bas, roaö unfre heutige Seroegung auf bem ©ebietc beo Strafe roefenö vorbringt, faft attes frf|on bagcroefen ift. Sein Urteil faßt SSerf. bal)in jufammen, ba^ bie ®infü^rung oon Straf arbeit oljnc ßinfperrung, o^ne Sonberung ber Strafarbeiter oon anbem Arbeitern, o^ne 2o^n, roä^rcnb ber Slrbeitöertrag bem Staate ju gute fommc, ein fe^r brauchbarem ßrfa^mittcl ber ©elbftrafc fein rocrbc. 14. 2lud^ 2tpp e Hu ö**) gehört nic^t ju ben Jreunben ber bebingtcn 3Serurtcitung. 3la6^ einer Einleitung, in roeld^cr er bie Stellung unfrcr Strafgefe^gebung ju Sefferung, älbfd^redung, Vergeltung burc^ Hie Strafe befprid^t, roenbet ftrf) 25erf. ju ber t^'^age, ob roirflid; ein Sc-- bürfniä jur ßinfü^rung ber bebingten Verurteilung befte^e, unb 06 oon i^r eine fo vorteilhafte SBirfung ju erwarten fei, bap babutd) gegen fie fpre^enbe Sebcnfen aufgehoben werben. Slppclius, bcr feine 2luöfü^rungen an ben üon Sisjtf^en ©efe^entwurf anfnüpft, ge^t baoon an^, ba^ ber SBoffjug ber S'^ei^eitsftrafe nic^t ben Sträf- ling üerf^Ie^tern bürfe unb gefte^t ein, ba^ leiber bem unfer Sttaf- üoUjug befonbers in ben fleinen ©efängniffen nirf^t entfpred;e. aber bie Srage fei borf), ob biefe unjweifel^aften 3)li^ftänbe gerabc |iur ®infü()rung ber bebingten Verurteilung führen muffen. „Qf^c man eine fold^e Vref^e in bas bisherige ^rinjip . . legt", fei bie %xa%i 3U erlebigen, ob bie Sd;äben nid;t auf anberm SBege abfteUbar feien. aiUe biefe Übelftänbc laffen ft^ nad; ätnftd^t beS Verfaffers, wenn auc^ nid^t fogleic^, bod; nac^ unb nad^ befeitigen. ^ie Heinern Slmtö^ gefängniffe muffen als Strafgefängniffe gefc^Ioffen werben unb bürfen nur Unterfud^ungsgefängniffe bleiben. „Unb wenn bann junäd^jt nur fo üiel 2lnftaltcn gefc^affen werben, ba^ eö möglich wirö, bie Strafgefangenen o^ne ober mit nur geringen Vorfirafen »on ben oiel Vorbeftraften, bie man fd^on e^er in ©emeinfd^aft bringen fann, JU ifolieren, alle ©efangenen regelmäßig ju bef^äftigen unb bie jugenb- tid;cn Verbrecher ... in befonbern Slnftalten, bie webcr ©efängniö- abteilungen für Srwa^fene, no^ gar 3u^t§eutent> mit einem vollen örud) mit l>eni OJcgcniüärtigcn. äl^enn er l)in/^ufügt: ^Xer Staat mu6 ^^^ feine 3irafanftartcn fo einrichten, t>a% in bcnfelben Die Jnfaffen nic^t i>crfd|Ietbtcri n)ert)en, fo \mxt> ber Staat n)at)rfc^einlic^ replizieren: Xcx Staat mui niemdid ©trafrcc^t. 'äUßcmcmGr Jcir. 759 krfaffcr bcftrcitet rocitcr, ba^ für btc Ginfü^rung ber bcbingten Verurteilung geltcnb gemalt werben bürfc, unfer St.O.S. fei 3U >art. 69 gewährt nac^ feiner 2tnfic^t bem SRid^tcr bie 9RogIic^fcit, ttcö, roaö ^u (Sunften bes l^äterö fpric^t, auörci^enb ^u berücf= ici^tigen. '^) SSenn man weiter fagc, ba^ bie bebingte 35erurteilung >em Später bie 9tarf|teile, roelc^e bie oottjogenc ©träfe für il^n unb ein ^örtfommen f)abe, erfparen roerbe, fo roenbet 35erfaffer bagegen in, bafe bieö feiner anficht nad) oft gerabc bem ^Verurteilten roegen er über i^m fci^roebenben ^'^'^i^^iiöftrafe paffieren rocrbe. '*•) Mu^crbem ft aui) SSerfaffer wie oiele ber gegen bie bebingte Verurteilung auf* retenben Sd^riftfteHer ber Stuftest, ba^ bie 3)la^regel ;\um Verbrechen ntreibcn mürbe, fomie bafe fie bem SJoHsbemu^tfein roiberfprec^e unb icb aud^ mit bem Wrunbfa^ in 9Bibcrfpruc^ fteßc, ba^ Xf)ai unb Strafe möglic^ft unmittelbar fid) folgen muffen. „Gö ift feine redete ergeltenbe Strafe me^r, bie erft fpät nac^gel^inft !ommt." 2tuc^ ine Seoorjugung beö mo^I^abenben Delinquenten gegenüber bem weniger reiben befürchtet Verf affer, roenn Sia.^tö SSorfc^lag, ba^ bie cbingte Verurteilung oon Sid^er^eitöleiftung abhängig gemad^t werben önne, praftifc^e ©eftalt befomme. '^) Vei ben oerfc^iebenartigen Sin« c^auungen ber ^^ßraftifer für ober roiber bie 6inricl|tung roerbe bie Knioenbung je nad^bem greunbe ober geinbe berfelben im ÄoUeg fä^en, ine »erfc^iebenartige unb ungleichmäßige fein.^^) ®aö roerbe, roic lüffcn, rocnn er ni(^t qar fngt, non possunnis; er toirb nac^roeifeu, Dafe X>a& i^unäc^ft nur" otele 9)2iUtonen Der{c^Iint)cn n)ürt)e. Unb nic^t nur bie Höften, onbeni aud) bie ^^it, roelc^e eine berartige ^efonn Derlangen würbe, itt in ^e« rac^t t;u .^ie^en. 9{eferent fiei)t rooi^I nic^t ju fc^warv roenn er )nef)rere 3}{enf(bens Iter bafür anje^t. Xa^ jcbed 3)2enf(^enaltec, roetc^ee ungenu^t Dorüberge^t, »iele (^riftenjen foftct, welche bie ftaatlic^ organifierten ^öhem 55erbrcc^erf(^ulen, ic ficinern (^efängniffe beni 3Serberbcn ausliefern, wirb ^erfafier felbft ni(I)t nignen. ^') lieferen! möchte audj l)ier bemerfen, t^a^ iftui perfönlic^ biefer Snt^ in 10 lUgeni einer Raffung Dorgetragen bebenflic^ erid)eint. jvür eine 3ieii)e uon alls äglic^cn Straff allen, bie t)ier nic^t auft)ei;ät)It werben fönnen, mug ber iHic^ter leutc nad) unferin ^t.(SJ.5). S3etrufl ober ^iebftatjl annehmen unb auf Wcfängnie rfcnnen, roo es fid) um reine Vappalien brel)t unt jcber 5Uöeftel)en roirb, Mi 'ic Xliat unb bae SSerjc^uIben jur Strafe, bie X>i\\ Xl)äter nat^ bem (^cfe^ treffen [tu6, i»" fd)reienben 'i)iifnicrl)ältni6 fiet)en. *'*) ^aö ift geroife richtig. i)iur nuift bead)tet werben, t>ai bio einmal rer* üfetc i\rcil)eit6ftrate ben 93eftraftcn für baö gan.^e i'eben fctiäbi^t, er t)at eben flefeffen", nml)renb bie bebingte 'iU»rurteiIunj^ t)ö(öftend wäl)renb ber ^^robe;eit, dum aber nod) nac^ orbnuntionuif^ig bcftanbener ^^robefrift ^Jiadjteile bringen wirb. ^^) JRcferent n!Öd)te bemgej^enüber nodjmals t)eruorl)eben, baft bad feine volge ber SDiafereßct felbft, jonbern t)öc^ften9 eine >voIge iDrer formaliftifd)en ')[ns oenbunji in ber "Vraviö fein nnirbe. 2)er 3iid)ter fann nad) ^'i^M >Sid)erl)eit «erfani^en, er fann aber aud) ol)ne 3id}erl)eit bie bebingte ÜJenirteilung aud* pred)cn. -"; Sleferent mi)d)te audj l)icr betonen, X>cii X>a^ nic^t gej;cn bie 9)la6refle( m fic^ fvrid)t. Seiner ^nfid)t nat^ loürbe ber 9lid)ter, ber lebiglic^ oud >vcmb0 49* 7()0 Sittcraturbcrit^t. Sßcrfaffcr aUcrbingS ntc^t mit Unrcd^t bcmcrtt, c^crabc oor bcn 2cböffcn- cicrid)ten eintreten. Gnblic^ l)abe man nod^ feinen Ü){afeftab an aus-- iänbifrfien Grfaliningen, ob fid) bie bebini^te SkruTteilunc^ ircienbroic beroä^irt l)ahc. ^er @eban!e, ber ben Säiöjtic^cn i^orf erlägen \a ©runbe liege, (äffe fic^ aber uieUeidjt in ber ^'eife t»erroerten, baB ^loar unbebingt verurteilt merbe, aber „ein längerer Stuffdjub ber i^oÜ- ftrecfung im ©nabenroeg" getüä^rt roerbe, roo ber %a\l unb bie l^erfon beö Verurteilten banac^ anget^an fei. 3tuf biefe SBeife werbe man aud) an ben Grfolgen fe^en fönnen ob bie bebingte iNcrurteilung in 3Serbinbung mit anbcrn »leformen eingeführt roerbcn fönne. 5lac^ allbem muft man bcn Serfaffer i^u ben gcinben ber bebingtcn ^Verurteilung j^ä()Ien. 2)erfe(bc fommt jebod^, nac^bem er bie $Iäne, \>'\t ©elbftrafe narf) bem Steuerfa^ ju bemeffen, an Stelle ber nic^t ge,^ablten ©elbftrafe Bw^ö^^Ö^fl^^beit o^ne ßinfpcrrung j^u fe^en, bie Ginfü^rung ber ^riebenebürgfc^aft mefentlic^ abfällig befprocben ^at, nocftmalö auf bie bebingte ^Verurteilung ^u fprec^en. Gr bcljianbelt ben Wegenfa^ .^roifd^en relatioen 2:l)eoriecn unb ber 2?erge(tungöt^eorie unb fritifiert inobefonbere bie tl)eoretifd;e Segrünbung ber Siö^tfc&en „Scftut^ftrafc". Gr erflärt fid^ gegen fie, erfennt aber an, bafe fie „für bie cxmic^ braud)bare in ^^"^""ft ^u erachten'' fei, atterbings auö anbem ah ben üon i'iojt entmicfelten ©rünben. 3n einem Scf)ufefi)ftem, roic CO i'erfaffer fic^ benft, ift nac^ feiner 3Inftrf|t auc^ Slaum bafür, mancben Grftt)enirteilten oon Strafe einftmeilen 5U erlaffen. ^ie J^oUe ber bebingten S?erurteilung, für loeldje alfo SJerf affer unter beftimmtcn 9?orauöfe^ungen l^ier rcbet feien gefe^lic^, ju befcftränfen, auch eignen fid^ nur Straftl)atcn üon geringer ©efa^r für bie '"Kec^töorbnimg ;u biefer immerl^in aupergemöljnlidben 5Diaf;regeI. "iDlit ber Ginfübrung aller Änberungen bes Strafenfpftems l)abc eine SJerbcfferung ber We- fängniffe .^>anb in §anb .^u gel)en. %ixx geroiffe $anblungen fei bie bebingte Verurteilung auöi^ufc^lieften (robe Wefferaffairen ufro.); un- anmenbbar folle fie fein, menn ber 33efd)ulbigte wecken g-lucbtüerbacbts ober tbatfäd^lid; gefd)el)cner Aotlufionen rerbaftct fei. bei 3(ntrago- beliftcn mirb jum Gintritt ber bebingten Verurteilung 3iM*timmung beo ^IntragfteKero verlangt. Von Mautionoleiftung roiÜ Verfaffer t»ic 3)fa6regel nid)t abl}ängig mad)en. 3^ie ©arantiefrift bürfe nic^t ;u fur^ bemeffen loerben. „9lur in bem Spftem, in roeldjem fie cm-- ftcbeu tonnte, nur in ber Umgebung, in melc^er ic^ \xc gefd)il^ert ^abc, tann bie bebingte Verurteilung ein brauchbares ^"ftitut unirer $Red)töpflege loerben; für bie I)eutigen Verbältniffe fann fie nur als eine fernere Sd)äbigung be^^eic^net roerben." 3^ie Steformen roaben nid)t r»on beute ui morgen fommen. „^(nberfeito l)alte id) mic^ über= jeugt, baft fie in ben ©runb^ügen \nv .s^errfc^aft gelangen mer^en.*' Ve.uiglid) eineo 'i^unfteo möd^te Verfaffer jeboc^ mbglic^ft fc^nell fdiaft ^^ii\in ^itf bcöiiujtc !i\TurtciIim^, ilirc Crinfühnmg rorauegcfctit, trotJ ^^oi- ücy^Mtv? ^cr liiomcntc. nn H)clrt)c ^a5 Wcfc^ fie fnüpfcn will, nicbt tcDingt vcnir teilt, ^ic (>ircn;cn feiner xMmtepflictjt weit überfdjreitcn. 3trafrG(^t. 5lllö"««i"«i^ ^«i^- 761 reformieren, bcjüt^lic^ ber Scfjanblung ber jugeubli^en 2)clin= quenten. Gr ge^t baüon aus, Da^ ben 5u9cnbK(|cn ni^t bie Strafe bcö Gntjac^fcncn treffen bürfc, fonbern ba^ „Stufte für bic uncnt^ roicfelten 6i)araftcre, 9iac^{)oIun9 ber mangelnbcn Gr.^ie^ung bie S^^^- unb Strafmittel für bic 3"Ö*'*"Wirf)en'' finb. Tic ©efängniffc feien überl)aupt nic^t bie Drtc roo berartige Delinquenten ^inge^ören. 6r= ^icfjung beö feelifrf) noc^ nirf^t cntmidciten ^ugenblic^eit unb Seffc^ rung burd) Strafe für bcn Gntroicfciten, baö ftnb bie örunbfäfee, üon bencn SSerf affer auögel^t. 2 ex Unf^äblic^mac^ung fomme nur ein geringer Saum ^u. Ge mirb empfohlen, ba^ fd^on bie Sc* ^anblung ber Äinber — oon H — 12 ija^ren — rcicf^ögefe^Iid^ in ben Wrunbjügen fcftgcftcUt unb in baert. I)ao, toaö SJerfaffer oorträgt, bürfte tppifrf) für bic 3(nfc^auungcn einer großen Sal^l t»on ^rahifcm ber öegcnroart fein. 3luf ber einen Seite bie faft cf)rfurci^töooßc 2lnl)änglid)feit an bie alte ftarre l^ergcltungötl}coric, auf ber anbcrn bas ®cfü!)l, bafe fic ben !)eutigcn i^erf)ältniffen nid^t cntfprid)t unb bic S^vcd- t^eoriccn ben SJorjug oerbienen. 3^ie !!?lb^anblung beö i^erfafferö jcigt, baß ein 5^ruc!) mit bcm 3(ltl)crgebrac^ten, burc^ \icic ®cmo()nf)cit iieb- gcmorbencn in einem locitcn Äreife ber '15ra!tifcr fobalb nid^t ^u er« roarten ift, ba^ er aber für bic ^»^ufunft and) \\xä)i auogefc^loffen er^ fd^eint. 15» ^u bcn ©cgncrn ber bebingten ^Verurteilung gehört cnblic^ aud) 0. Äird^enl)cim.^') Seine Stellung ju ber ^xac^c, feine $aupt= grünbc gegen bie Ginfü^rung ber ÜKaprcgcl in unfrc ©cfcftgcbung finbcn bie £cfcr ber Z in bcm .sjcft ber ^JJittcilungen ber 3ntcr= nationalen friminaliftifc^cn '&rcinigung, u>eld)ee bcn ^cric^t über bic crftc .^"^allcnfcr ianbcöocrfammlung cntl)ält (S. 38 — 40) niebcrgelegt. ©cfcntlid; '3Jeueo ^at er injioifc^cn nid)t oorgebrad^t. "üJJan mü^te bcnu bic grunbfnlfd)c 33cl;auptung bal)in rechnen, cö Ijabc bae englifd)c ©cfcft oon 1887 bic 'Jrage äl;nlid) geregelt loic ber öftcrrcid^ifd)C Gntiourfl Öcfonbcrcö ©eioid)t fd^cint iserf. troft ber ßurüdioeifung, iDcld)c bicfer Ginioanb fd)on feiner .'^^nt in .V?allc crfuljv, auf bcn ©c- banten ,^u legen, ban unfrc bcutfd;cn 'Hid)tcr bic neue Ginrid}tung -») öcric^töfaal ^^D. A;i 3. 51 ff. 762 Stttcraturbcrtc^t. äur fd)Ieumgcu Ginfüljtuncj bc§ Bal^cS^: „^xc f leinen ^iebc l)ängt man, bic großen ücturteilt man bebingt" in bie Sleci^töpflcge benu^Ti mürben, iserf. formuliert bieö in feinem oorliegenben äuffa^c: ,,3ßenn ^crr Saron Sounbfo ober öerr SJanüer N. N. ober irgcnD einer ber Honoratioren j^um erftenmal oor ®erid)t erfc^eint", fo mürbe er nur bebingt, „fämc aber nac^^ier ein Proletarier, fo mürbe bider ernft()aft oerurteilt" rocrben. ©ott fei 3)anf benft man in S^eutfc^- lanb über bie e^ren^aftigfeit ber SHic^ter anbers, als bap biefcr Ginmanb bes SSerf. irgenbmic ^2(uöfid)t auf (Srfolg ^aben fönnte. 3:ro$ biefer ©egnerfc^aft geben mir bie .'Qoffnung nic^t ganj auf, ben l^erf. aud^ einmal roieber in ben 9lei()en ber ebenfo mannen 3?cr: teibiger ber bebingten 'i^erurteilung, ober roie man bie 3ac^e nun nennen mag, },\x fe^en. 2)ie ^ätte, in benen ein rapiber Umfrf|Iag bct Stnfid^ten gerabe bejügli^ biefer üielbefproc^enen 3)iaferegel eingetreten ift, finb ja, mic SJerf. felbft ausführt, nic^t feiten. 3)ie ^lorbbeutfcfec 2t(tgemeinc S^tung ^at junäc^ft für, menige ^lummern fpäter gegen bie beb. 3Ser. gefproc^en. Sie mürbe nad^ einer Äußerung be<5 §ranf furter S^wruals, bejfen 2(uöfüljrungen fi^ mit benen beö Serf. üoHfommen becfen, „einer fo fd^arfen 3Jerurteilung geroip nic^t i^rc Spalten geöffnet l^aben, menn biefe äJerurteilung nic^t oon „maB= gebenber Stelle" ausging". Gs foll fogar bie Strömung für Die beb. 3}er. „auc^ einige maßgebenbe ^|5erfönlici^!eiten ber ^ufti;-- oermaltung" oorüberge^enb ergriffen l^aben. ^a felbft 'Berf affer. Der je^t energifc^ gegen bie beb. 3?er. fprid^t unb f einreibt, ift, roie er in Halle im ÜRäx}, 1890 erflärte, ,,oor \\ ^ai)xcn noä) ein JyreunD ber bebingten 93er. gemefen". CJr ift an^ einem Sauluo ein ^Naulus geroorben. 'Bielleic^t mirb er in gleid^er ^rift auö bem ^jjauluo mieber ein Saulue. 35iellei^t tJoll5\iel)t fid) and) in ber 'Jlorbbeutfc^en SlUgeineinen unb bei ben „maßgebenben '^ierfönlic^fciten" einmal ein äl)nlid; fd^neller Umfc^mung. 'Berf. fd^reibt fd^on je§t: „{^6) ^abc nid^to bagegen, bafe man in bie Straf gefe^büc^er — etma mie bie SJeftimmungen über vorläufige Gntlaffung — ober in Die Straf; jro^eftorbnungen ober am beften in Das „StrafooHjugögefeft" Öe- timmungen beo ^"^nlialtö aufnimmt, baß bie 3}ollj\ie^ung erft: maliger geringer ^reil^eitöftrafen aufgefd^oben, ber Straf- auffct)ub an Sebingungen gefnüpft unb nad^ einem gemiffen ^Seitraume bei guter Jül^rung ber ^Verurteilten oöllige i&c- gnabigung eintreten fann. Sie Gntfc^eibung über ben Strafauffcbub barf jeboc^ feinenfallö ber recf)tfprcc^enben, fouDern nur ber ftrafoollftrerfenben Sel)örbe jufte^en." 3i^irb nac^ Mnfic^t beo i^erf. burd) eine folc^e Ginric^tung ctroaö baran geänbert merben, ba^ „ber §err Saron Sounbfo" milDer bel^anbelt mirb, alö ber „"ilSroletarier", unb roeö|)alb fc^enft ber 'Berf. geraDc ber „ftrafüollftredtenben 33el)örbe" bao Vertrauen, melc^eo er Dem 3s:^. -') (?Jcr..3. XLIll e. 444— 4GU. 764 ßittcraturbcrid^t. t)cr ^anb ,^um 9)?unbc lebt, über Kapitalien nic^t t)erfü(^t; jebcnfalia gehören ^ierf^er bicjenigen, njeld/c bie ©elbftrafc nic^t aufbringen fönnen, jur öffcntltrficn arbeit fommen. 93on n?aö ben!t ficb Der SJerfaffer, bafe ber Verurteilte roä^renb ber 150 biö 200 logc leben \oüi SBenn er arbeitöfä^i(]ie ^amilicnglieber ^at, fo würbe icb an unb für fic^ nirfito bagegen einjuroenben ^aben, wenn biefe burd) nie SSerurteilung unb Strofoerbüßung i^reä So^neö, SJaters ober Srubaä tnforoeit in 3)iitletbcnfc^aft gqogen würben, ba§ fie burc^ erhöhte 2lr6eitoIeiftung ben JJerbienftauöfatt erfefcen müfiten. SSic feiten aha wirb Dieö möglich fein'f gerner, wo finben bie arbeiten ftatt? ©laubt 5krfaffer, u% xxxncxl)aib eineö jeben ©cric^töbejirfö bauernb berartige ätrbeitögclcgeii: Reiten ju befc^affen fein werben, um jeberjett bcn i^oHj^ug unö tcm Verurteilten 3Ser!öftigung unb !)lärf|tigung oon feinem ä^of^nort aus bc^xo. in bemfclben in feiner gamilie ju emtöglid^en? 2iJir balten es für unmöglicf) unb glauben, bao bie öffentlid&en arbeiten in bem vom Verfaffer geplanten Umfange nic^t alö Grfa^mittel ber ©elbftrafc in grage fommen fönnen. (Sbcnf owenig !önncn wir unö oon ber Ginfü^rung ber Crtopa-- weifung unb bem 3w^<^ngöaufent^alt, bem esilio locale unD contino beo italienifd^en Strafgefe^bud^s für unfre beutfc^en Verl)ältniffc pct- fprecben. icr esilio locale ift für benjenigcn, welcher webcr burc^ gamilie, noc^ Sefi^ an einen Drt gefeffelt ift, unb unfre Verbrecher gcl)ören ja jum größten 2^cil ber fluftuierenben SJeoöIferung an, eine Strafe t)on fel^r geringer Gmpfinblic^feit, bem burd) gamilicn^ j^ugef)örigfeit ober Sefift Seßhaften wirb burc^ baöfelbe, wie Verfaficr ja ebenfallö anerfennt, unter Umftänben ber Ic^te ^ait genommen, welchen er no6) befap. äiSenn außer ben genannten Verfaffer aU Grfafemittel ber Arei= ^eitöftrafen noc^ bie bebingte Verurteilung, geeignet bemeffcne ©clD= ftrafen, bie ^^{rügelftrafe unb bie griebensbürgfc^aft in Vorfdjlag bringt, eine auögebe^ntere Verwenbung beö Verweifeö bagcgcn ron ber §anb weift, fo fönnen wir unö mit i^m eiuüerftanben crfldrcn, ebenfo wenn er für bie jugenblid^en Verbred)er neben ber '^Jrügclfirafc bie englifd^en Industrial unb Reformator}- Schools empfieblt. 18* 0. 3agemann, 3^ie internationale friminalinifdje Vereinigung.'-*) 2er um bie t()eoretifd)e unb praftifcbc J\>citer= entwicflung beo ©efängniöwefeuö fo (;oc^t)erbiente Verfaffer begrübt in bem Ütuffa^c bie ©rünbung ber internationalen Vereinigung, nimmt Stellung ^u beren Sa^ungen unb legt felbft fein friminalpolitifdioo ©laubonobcfenntnio ab. 3»^bem Verfaffer bie Saftungen '^>unft für 'Jsuntt befprid)t, gibt er gleichzeitig eine 3)totiüierung berfelbcn, bo= grünbet feine abweic^enben iMnficijten unb mad)t feine Vorbelialte für feinen Veitritt ^ur Vereinigung. '*) m. f. C^cvil. SÖD. 24 3. Iff. @trofrcd)t. SUlQcmeincr ^cil. 765 3ln Ic^tcrcr 9ltrf|tunö bcfennt er ftrf) alö ©oötner bcr ^^Jrügclftrafc, „ab^e^ci)cn ron i^rcr 3(nn)cnt)ung in 2lrt einer Sc^ul- ober c^auöjjuc^t bei ^wötntblirfien", alö @ec\ner ber italicnif^en pofitioen Sd^ule, welcher er im übrigen bas Serbienft jugcfte^t, auf eine ftrofrec^tlic^c 3^ifferen,^ierun(\ beö 9?erbrec^ertumö nac^ feinen innern 6ic^enfd)aften am ftärfften l)ingebrängt ju ^aben, enbli^ n)ünfd)t er in ber S^\i^^ ^ beö 9trt. II ber Sa^ungen eine Ginfc^ränfung. Seiner änfid^t nac^ fann baö 3.^erbred)en nic^t allein als foi^iale ßrfc^einunc^ betrad^tet roerben, roeil eö Serbrec^en gibt, bie fd)on roegen i^rer Seltenheit nic^t alö fo^iale Grfc^einungen ju betrad^ten feien, er roiU bie juriftifd^e Seite beö 3Serbred)cnö nic^t üoUenbö burd^ bie fosiologifc^e ücrbrängt roiffen — wie eo ja burc^ bie i^ereinigung auc^ nic^t beabfid)tigt wirb. iüerfaffer entroicfelt alobann in furjen 3^^*^*^ einige i^m befonberö roic^tig erfd^einenbc 2lngrifföobiehc für bie reformatorifd^e 2^l;ätigfeit ber iWinigung. Gö fmb ^"'öngöerjie^ung, Sel)anblung ber S^rinlcr unb @cifteo!ran!en, Ginfül)rung beö ^rbeitöjraangeö für Unterfud)ungös gefangene, 3!)urrf|fü^rung ber 3folierung berfelben mit Ginjelj^ellen; 3luöbel)nung ber Il)ätig!cit öffentlid^er Crgane auf bem (Sebiete ber 'IJreüention: Äulturaluerpflegungofi)ftem, 9trbeitöoermittlungöftetlen, Sd)u^Dereinömelen, ^ufammenfaffung beö SJereinöroefenö, enblid; bie 'Meform ber 5Tcil)eitoftrafen. 1* entere bafiert SSerf affer ^auptfäd^lic^ auf: Xurc^fü(;rung bcr 3ellenl)aft mit Slrbeit, Seelforge, Sd)u^fürforge; 'Berfd^ärfung bcr gan^ furjen 5reil)citoftrafen burd) ^ungerfoft unb I^unfelarrcft, nic^t aber bei längern Strafen; ^rocitcilung beö Arei^eitöftraffpftems, da- neben aber S}eibel)altung bcr polizeilichen älrbeitöl)äufer unb Jluös be^nung i(;rer ü&>irffamfeit; Grfa^ furjer greifteitöftrafen burd^: ©clbs ftrafc unb i{evn?ciö, öffcntli^c 'iirbcit, SBirtö^auöoerbot, Crtöücrbot, Gingren.5;ung, 4ierbot beö äi^affcntragenö, namentlid} bcbingtc l>er= urtcilung; Straff ür^ung burd) fogcn. Selbftfürjung, bagegcn feine indoterniinate stnitcnccs; georbnctce ^Hel)abilitationöüerfal)rcn bei 9lbs erfennung bcr bürgcrlid^en G^rcnrec^te. Syir fönnen uno .^um Sd^luffc bem 3üunfd)e beö i^erfaffero nur anfd)liepen, ba^ fein i^cifpiel aud) anbre jum offenen freien 3(uö= fprud)e unb 5ur SteUungnaljme gegenüber bcn Sa^ungcn bcr ^iNereini= gung anregen unb ücranlaffen möge. 19* V. «oippel, 3^ie i^orfc^läge jur Ginfü^rung bcr bcbingten iU^rurteilung in ^eutfc^lanb.'-^-^) 'Scrfaffcr ijat fi<^ bie fel)r Danfcnsiucrte 9lufgabc geftcUt, bie bio()er in Teutfc^lanb auf- getauchten 3}orfd)lägc ^ur ■'Mcgelung bcr bcbingten 'Jicrurteilung von 5i>irt^, D. iL'ioM, 9lfd;rott, iammafd^ unb Söhnte unter glcidj= zeitiger 33erüdfidt)tigung bcr auoioärtigen ©efe^jc unb Gntmürfe einer eingc()cnben fritifc^cn 'ielcud)tung \u unter.Mel)en. Jn bogmati|d)er WlieDcrung mcrbcn ^ic ^^ior)d)lage unb @efcl5c befprod^en, .uiniid)ft in 33e5ug auf bie 'iUnauofe^jungen, an meldte fie bie bcbingtc 3}cr= **'^; Wcr.sS. XLIIl 8. IK> ln§ l:U; audj in ScraratabDrucf crfc^tcncn. 7G6 Sittcraturbcridjt. urteilunc^ fnüpfen, bic Slnforbcrungen, wcl^e an bcn SJcrurtdltcn ju ftcUcn fxnb unb bie "golgcn ber ^JJlafercc^cl, unb es fcftlicpt fic^ alöbann eine Grörterung über bic 3"^^^"^ä$igfeit einer ikrbinbung beö 3(uffd^ub5 ber ßinfperrung mit ber S^^^-'^^-^^öbürgfciböft, über bie bebingte ©elbftrafe, foroie über bie cinfc^lägigen pro- geffualcn 'g^^Ö»-''^ ^"• Seber einzelnen grage gegenüber präjiftert Serfaffer feinen Stanbs punft unb fommt am ©d^Iuffe ju folgenben eignen 95orfd)(agen in Umgeftaltung beö SJorfd^Iageä d. Siöjt: § 1. 35ei jeber Serurteitung ju einer greil^citöftrafe biö ^u 6 5Öod)en fann baö ©erid^t, wenn ber SJerurteilte bisher ^ei^eits: ftrafe im ^nlanbe roeber ganj, noc^ teiliüeife Derbü^t ^at ober wenn eine etwa üerbü^te ^ei^eitöftrafe ^ilfsroeife an Stelle oon ©clDftrafe getreten luar, im entfd^eibenben 3!eil beö Urteifä auöfprecf)en, bap bie SoUftredung ber erfannten Strafe ausgufe^en fei. § 2. 2>ie ätuöfe^ung erfolgt bei Serbrerf^cn ober 35erge^en auf bic ^auer von 5 Qa^rcn, bei Übertretungen auf bie ^auer oon einem 3al;r üon JHed^töfraft bes (Srtenntniifeö an gerechnet, (^^robe^eit.) Sie 3SoIIftrecfung ber ettoa neben ber grei^eitöftrafe erfannten ©elbftrafe roirb burd^ bic 2(uöfe$ung nid^t berül^rt. § 3. 2Jie SoIIftrerfung ber erfannten Strafe entfällt, roenn ber S>erurteiltc nid)t roegen einer neuen, inner()alb ber ^robejcit begangenen ftrafbaren ^anblung im ^nlanbe ju Jyreifieitöftrafe ücrurteilt roirb. § 4. 2Öirb ber i^erurteilte roegen einer neuen, innerhalb ber ^robe.3;eit begangenen, ftrafbaren ^anblung im ^nlanbe ju einer greis l^eitöftrafe üerurtcilt, fo \)at baö über feine §anblung erfennenbe ®erid)t im entfd)eibenben leile bes Urteilö auöj^ufprec^en, baß bic früher ausgefegte Strafe ju ooUftrerfen fei. 2^icfe Strafe fommt alobann neben ber für bie neue ^^anblung pcrroirften greif)eitsftrafe unoerfürjt jum SoU.^ug. § 5. 2)ie 33cftimmungen beö § 4 finben feine Sfnmenbung, wenn bie 'Berurteilung gu grei^eitöftrafe ^ilfomeife an SteUe oon @elDftrafe erfolgte. § 6. äBenn innerl;alb ber ^robejeit bie Älage wegen einer ftrafbaren .^^anblung erfjobcn roirb, meldte »or i^tec^töfraft bea in § 1 ermä|)nten (Jrfenntniffeö begangen mar, fo finben Die §§ 74 biö 78 JH.St.G3.55. 'Jtnmenbung iLnt> bas bie Strafe nac^ biefen '^Paragraphen boftimmenbc ©eric^t Ijat barüber m ertennen, ob bie Muofe^ung ber StrafooHftredung aufredet ,^u erhalten ober aufzuheben fei. 5Uo "ilnhang teilt iserfaffer ben 23ortlaut ber inlänbifcf^en unD auöldnbifchen ßntipürfe unb ©efc^e mit, fo eine ooUftänbigc Crientie- rung über bic grage ber bcbingten i^erurteilung in fc^arfcm, engem Stahmen ermöglid)enb. ©trafrct^t. Sltlöcmeincr Zeil. 767 III. @efängntö)oefen. 20* ßtncn intcrcffantcn Beitrag jur ©cfd^ic^tc bcö (Scfängniös roefcnö f)ai Streng in feiner ®cfd)i^tc ber ®cfängniöT)er = roaltung in Hamburg üon 1622 biö 1872 gegeben.'**^) 3)ie Sc^il= bcrungcn berul^en auf auegcbcöntem arc^iüalifc^en 3KateriaI unb geben einen Haren ßinblicf in ben Gntroirfelungögang ber ?5^eif)eitöftrafe, in bie ^nfc^auungen ber üerfd^iebenen 3^i*öbfd^nitte über fxe. 5Rand^eö x>on bem, roaö SJerfaffer für Hamburg fd^ilbert, roirb tppifc^ für jene 3eiten überf^aupt fein unb Ijat beö()alb gefc^id^tlic^e Sebeutung über Hamburg ()inauö, tüenn wir auc^ bem äJerfaffer jugefte^en bürfen, baß bie Sc^attenfeiten bcö StrafüoIIjugö gerabe in Hamburg im 17. :3^^i^^unbert nic^t in ber abfto^enben SBeife roie in 3Kittel= unb £übbeutfrf)Ianb ^erDortreten. .^amburg gebüf)rt nac^ SSerfaffer ber 9{ul)m, „lange »or ber 3<^it in welcher bie SHeform ber ©efängniffe alö unauf^altfame 9leaftion gegen ber "iDlenfc^^eit unroürbige 3wftä»^bc j\um Turc^brud^ fam, ©efägnisanftalten befeffen ju ^aben, roel^e nai) if)rer baulichen 6inrid)tung unb bem ©eifte i^rer SSeriüaltung ben Ütn^ forberungen ber Humanität entfpred)en unb niemalö bie üerrotteten 3uftänbe aufjuroeifen Ratten, beren 3^efeitigung ben Äem jener ge- feierten :Keformbcftrebungen bilbet." 3!)aö ift n)o()I 5um 2^eil barauf j^urücf^ufüljren^ baß bie Söirren beö :^Ojäf)rigen Äriegeö »Hamburg rer* fd)onten, ba^ eö [xö) loeiterl^in fräftig gegen alljuftar!en Bwjug ber nad) jenem Sriegc 35eutfci^Ianb unfid)er mad^enben gefä|)rlic^en GIe= mente ju fidlem fuc^te. i^erfaffer fc^ilbert jucrft bie Grrirf|tung unb 'Uerroaltung bes 2Öerf= unb 3"c^t()aufeö. 2)aöfelbe würbe 1619 biö 1622 a^chaut 3^ao ^^iam bot t)erfd)iebenen .ttlaffen Unterfunft, feineeiüegs ipar eö lebiglid) Straf anftalt. Gö n?ar vielmehr auc^ 'ilrmeu^auö, unb für bie, welche ,,n)egen i^reo faulen Tfleifc^eö unb ber guten 3^age roillen", ifjre Soft, obroo^I fie eo fonntcn, nic^t rerbicnten, fonbern bettelten ufn?., Strafarbeitöljauo. ^(uperbem roar eö Äorreftionos Ijauö für bie, roeld^e man in bie 3lnftalt fe^te, um fie einem Ieic^t= finnigen unb üerfc^ roenberif d^en Sebcn ju entjie()en, bamit fie nic^t an ben i^ettelftab ober bao iNcrbrcd^en gerieten. 2!ao 3wci^*f)öW9 n?ar ein el)rUd}eö .spau^. "ijierfonen, bie an i^rer Gljre anrüchig waren, fanben in iljm feine 3(ufna^me. ^ie 33er' feiuui^ inö 3"^^*()i^"ö ^<^^ ^^^^ -trt 3"^rtn9öer,^ief)ung. 93tit ^öeginn beo 1>>. 3öl)rl)unberto erft würbe bao 3wc^t()auo Strafanftalt .^um 3>o(l5ug von frimineUen J^rei()eitoftrafen. Gnbe beo 17. :3fl^i^f)wnberto 5äl)Ite })a'2, S^6)t\)am an XHrmen unb 3iid)*li"9»-'" burdj^fdinittlic^ 300 bis 400 '^Jerfonen. 3lud) eine Slnjal;! Minbcr im G5cfolge i()rer Gltern — if)re 3fl^)i f^i^'9 1725 fogar auf 100 fiöpfc — fomie Mranfe, be= fonbcrö ©eifteöfrantc unb Siedle in großer 'iln^ia^l befanbcn fid^ im ^aufc. ^'w 9UifnaI)mc ber Firmen erfolgte, fei es auf il)r eignes 3lnfud)en, fei co gegen if)ren "iiUKcn, burd; ben 3«'}teöpermalter. 3^ie -'•) iöambur^ ISiH), '^icrlageanftalt 'J:JU ^. 768 Sittcraturbcnc^t. ^nfaffcn folltcn fid) ;^roor nad) bcftcm l^crmööcn bcö ßin= unb 3lue; laufcuö cnijalten, tonnten aber Urlaub erhalten. £ic ßntlafiunc^ Her inö 3"^*^öUö gefegten Scttler erfolgte nac^ freiem ßrmejfen bcä !3a^reöoerroalterö. 6inc ganjc -Hci^e üon gätlen, in bcnen bie auf« na^me auf Sitten ber 2(nge^örigen üon bem 2^run!e ergebenen %^X' fönen ufro. erfolgte, werben nac^ ben 2(ften mitgeteilt. 3^ie ^tie^iplin mar ftreng, förperlic^e 3wci^tigung i^uläffig unb oft nötig. 3^er 'äv beitöbetrieb in üerfd^iebenen 2lrten roar ein fe^r reger, gür bie nö: tigen Wxtiel rourbc burcf) eine gro^e Siei^e t»on Segaten unb Scbcn-- fungen, roelc^c bas rege !3"^^cffe ber 33ürgerfc^aft an bem öaujc berocifen, geforgt. (rine anbre Stellung na^m baß Spinn^auö ein. ^m ^ahxc 165-2 mürben feitens ber ©erid)töt»erroaltcr WxtUl geforbert ..ad per- petuos carceres, roeti bie je^igen ©efangenen nic^t me^r ail mortem fonbcmniert werben fönnten. ^ie Äämmerei roieö ben 9(ntrag ab". 3lber §err $eter SRen^el, beiber 5Herf|te Sicentiatus ufro., mar auf ben ci^riftlid)en ©ebanfen geraten, auf feine eignen Äoften ein Spinn= ^auö ju bauen unb basfelbe mit 10 000 Warf ju begeben, ^m 12. "üKai 16G9 erlief ber Slat bie Spinn^ausorbnung, nac^ roclc^cr „Stiebe unb §uren, fo l)iebct)or ausgeftric^en ober nid^t, roiebcr ^mx gefänglid)en ^aft unb am oranger geftric^en roorben roaren", anftatt ber l^ermeifung ju Spinn^auo verurteilt unb bafelbft „aiur @ottc5= furd)t unb 3lrbeit'' angehalten werben foüten. ^m ©egenfa^ ^um 3uc^t^auö war baö 3pinn()auö für in if^ren G^ren anrüchige *i|>cr= fönen beftimmt, eö fottte bem SHücffaH frimineU beftrafter 'ijJerfoncn oorbeugen. SJerwa^rung im ©pinn^uö war eine %ol%c ber frimi^ nellen Seftrafung, eine forreftioneüe 5?acl^^aft. 3(ber neben Stieben unb .sauren fanben anbre ^erfonen gegen Äoftgelb correctionis causa 3(ufna^me, auc^ freiwilliger Gintritt war juläffig. ^ie Ginfe^ung erfolgte auf beftimmte ober unbeftimmte 3^'^/ ^i*^ Gntlaffung auc^ probeweife gegen ©elöbnio beö 9Bol)lüerl)altenö, gegen 33ürgfc^aft ober auc^, wenn ftd) bem Gntlaffenen paffenbe iMrbeitögelegen^cit bot. Gine eigcntümli^e, aber nur oereinjelt t)or!ommenbe i^eranlaffung ^nx Gnt- laffung bilbete bie im Spinn^aus erfolgte 3}ere^elid)ung oon ^nfaffcn. 'Jieben ber 2tufgabe beö Kaufes, eine Äorreftionöanftalt ju fein, cnt-- wicfelte fid) ber weitere ©ebante, eö auc^ als iMnftalt jum 35oll;uge geric^tlid) erfannter Sreil)eiteftrafen t^h benu^en, biefer @eban!e murt)c fogar mit ber 3*''^^ ^^'^ ^"^ meiften in ben 'Borbergrunb tretenbc. "Slan nal)m fogar au^er^alb »'pamburgö Verurteilte gegen Äoftgelb in bao 2pinn|)auo auf. Gine ftartc Serminberung be© ©efangenen- ftanbco wieo 1752 auf, in welchem 3al)rc 54 ©efangene beiDerlri 0e|d)led)tö na6) 5?eufd)ottIanb unb Sübfarolina transportiert wuröcn, in ben beiben folgenben 3al)ren gingen 14 ©efangene nac^ ^i>bila^ bclpl)ia unb '3leuenglanb. >^päter tnig man Sebenfen, bie 2rane^ portaticn ftattfinben ^u laffcn, lieferte aber in ben 70 er ^sabren b«.*^ 18. v>a()r()unberto 3. 33. fec^o ©efangene mit il)rcr ^wftimmung an preufnfd;e ufw. 9ik^rber ab. aiußcrbcm biente aber auc^ bae Spinn» eirafrcc^t. Stagcmcincr 3:cil. 769 l^auS jugleic^ alä polii^citic^e ßntbinbunc^danftalt^ waQ, loie 'iHTfaffcr fc^ilbcrt, ^VL oiclcn Übelftänbcn 3tnlap gab. 5^te !Ciö,^ipIin war ftrcng, aber nid^t uumcnfc^lici^, bic Drbnung im öaufc mcift eine gute, wenn awö) me^rfad) lumultc ent»äl)nt roerbcn. 3!)ie ©peifung, ^n bcr aud) Sicr gegeben würbe, war an feierlid^en Sagen burc^ Stiftungen unb ©cfc^enfe eine befonbcrö gute. 2^ie *efd)äftigung beftanb ^auptfäc^lid) in SiJoüfpinnen. 2^er Über^ perbienft gehörte ben ©efangenen. 3^ie ßinna^men aus 3(rbeit, iXa- pitalöjinfen unb ©efc^enfcn war fo ftarf, bafe bas ©pinnljauö feinen 3u)c^uß brauchte. on einem roeitern 9lbfc^nitte merben bie ©efängniöanftalten unter franjöfifc^er SJerwaltung feit 1811 gefd)ilbcrt. (Sine ^Hei^e non ^Inorbnungcn unb tiefgreifenben 3(nberungen, bie fo fc^nell aufeins anberfolgen, ba| fie nid^t orbnungömäpig burc^gefü^rt werben fönnen, ©elbmangel in ben 3(nfta(ten ufw. waren bie Sc^attenfeiten jener ^eriobe, in bcr aber auf ber anbern Seite auc^ eine ganje iRcil)c oon gortfd)ritten, befonberö aud), waQ bie Älaffifijierung ber ©efangenen, gefunbl}eitlic^e SÖJa^regeln, ©efangenenfoft ufw. angeljt. !Cie 33eamten- orbnung würbe neu geregelt, neue ^ienftinftruhionen gegeben, eine cHei()e üon ©utad)ten bebeutfamen Jn^alto würben Derfa^t, aber bie ,Suftänbe in ben ©efängniffen ftanben mit allen jenen '^Jlänen ufw. in traurigem ©egenfaft. 3iur mit 3)lül)e fonnte üoUftänbiger ä^f^'*^- menbruc^ ber iJinftalten üerljütet werben. ^m ^al)re 182:^ würbe \>(i^ ,/15erwaltungöfol(egium ber 2i5oöltl;ätig= feitöv Strafe unb Xeteutionoanftalten", baö turj fogen. ©efängniö^ foUegium gebildet unb il;m \>afi 3i5erf* unb 2lrmenl)auo, baö ;iuc^t= unb SpinnI;auo unD bie übrigen S^etentionogefängniffe unterftellt. 2)urd; 9>äufern t)er= wifc^t, namentlid) feit bie ljol)en Avei()eitoftrafen von 10 biö 2.') v5al)ven immer feltener würben unb bie frül)er mit Spinnl^auoftrafe oft oer= bunbene Straf fc^ärfung beö^luöftretd)eno am "iJJranger unb bie Braut)-- marfung t)erfd)wanben. Überijaupt war fd)arfe Begren.^ung ber Strafart, beo Strafiul)alto unb ber Strafbauer in jener ^'^eit nid)t Dor^anben. S^x Befdjäftigung ber ju turjer Strafe, inobcfonbere wegen Bettels unb i^anbftreid;erei 'Verurteilten würbe 1825 im 3^4^= 770 Sittcraturbcric^t. ^aufc bic 6infü^rung bcr 3^rctinü()lc befc^loffcn, bic in Serbinbung mit einer Söalfmü^Ic ftanb. 3^r Setrieb wirb oom 2?erfaffer genau gefd)ilbcrt. 5Da bic Släumc beä Spinne bc^vo, 3wc^t^aufeö unb bic übvii^en S^etentionslofalitäten unj^ureic^enb roaren, würbe 1827 bie Grbauung einer neuen ©efangenenanftalt befc^loffen unb nac^ il^rer iJottcnbung 1831 bie eine Stnftalt, bie fogen. SRoggenfifte aufgefjoben. Gin SranD im 3i*^t^öU9 1831 legte bic §ragc r\ad) meitern ?Reubautcn na^c, ba SBieberaufbau unjroecfmä^ig erfc^ien. 2)ie S^age jog fic^ ^in; in^mifcbcn waren üble Ser^ältniffc im 3u^^^oi*ö eingetreten, Dcrurfad)t ino= befonberc mit bur^ SaufäHigfeit beö öaufcs. @in neuer Öranb 1^39 jerftörte mcitere Seile bcöfclbcn. 6nblid) ^attc bie für ben "JZeubau bcr ©efängniffe cingefe^te Jtommiffton i^re aSorarbeiten beenbct. Xcx ^auptgrunb ber JJerjögerung lag in bcr Sc^micrigfeit bcr fc^on ^u jener ^^\i oft bcmegten S^^^Ö^^ ^^^ ^<^" 35orjügen unb !Ra(^tci(cn bcr (Sinjcl^aft. 5Kan lie^ (burc^ Dr. 3wliuö) 1834 bie norbamcrifani- fc^en ©efängniffe bereifen; eine Steige oon Sluffä^cn rourben über bie grage ocröffentlie^t, in benen fid) manche auc^ in bcr ©cgcnmart micbcr aufgcfteHtc gorberungen unb 3(nfc^auungcn finbcn. S)cr crforberlic^e ?Reubau foHte ein 3Berf= unb 3lrmen^aue, 3traf= arbeitö^auö unb ©trafgefängniö, 2öof|nungcn ber Dber= unb llntcr= auffe^er unb Äird^c enthalten. 3)ie 3tufna^mefä^igfeit foHtc 1000 '"^cx-- fönen umfaffen. 3^ bcmerfcn ift, baj man fc^on bamalö mit Siecht betonte, ba^ cö unangemeffen fei, bas Sf^licrungäfpftem auf aüc 3trüf= linge an^uroenbcn. 9luc^ ben Augenblicken mibmete man in cin= ge^cnbcr SÜBcife Slufmerffamfcit, o^ne fc^on 5U abfc^lieftenbcn (rrgcb= nijfen für i^re Se^anblung ju gelangen. t)\e äJorfc^lägc bcr Äom= miffion mürben im ^a^xe 1841 bem Senate oorgelegt. 2)crfelbc ^iclt für bie mid^tigfte Srage, melc^eö Softem für bic 5U erric^tcnbcn An- ftalten anjuncl^mcn fei. Gr erflärte fid^ bamit cinoerftanbcn, ba^ in bem neuen für Settlcr ufm. 5U erric^tenben Strafarbcitö^aufc l'aö 2luburnfc^e Softem mit gemeinfamer Slrbeit, Sd^roeiggebot unb näcbt^ lid)er Trennung, in bem neu $a erbauenben S^c^t^öud für alle Au- genblicken, Grftbeftraftcn unb bie, oon benen Sefferung j^u erwarten, menn bie Strafe 6 SBod^cn überfteige, bas p^ilabclp^ifc^e St)ftcm ;ur 3(nroenbung fomme. 3)ic 3wc^t^auoftrafe folle bie f^roerftc grci^citö- ftrafe fein unb ftetö in Ginjel^aft ooUjogcn roerbcn, ausgenommen Strafen Don länger alö i^e^njä^riger Stauer ufm. 9luc^ für bie ^u- genbliclien foHe im neuen äßerf- unb älrmcn^aufc eine Strafflaffc mieber, wie fct^on früher, crrici^tet werben, ber ^olijeil|crr aber er= mädfitigt werben, bie iMufnal|me Don Äinbem erforbcrlic^cn gallco im Staunen .§<^ufc ^erbeijufü^ren. 5Dcr gro^e Sranb t)om 4. 9)Jai 184*2, bem a\i6) Spinn^auö, 3"4?^^ouö, SBcrf^ unb Slrmcn^auö jum Cpfcr fielen, brängte ^ur enbgültigen Söfung ber ©efängniöbaufragc un^ 1853 würbe ein neuer ©cfängnisbau bem ©efängniöfoUegium übergeben, wcld^cr jur 3lufna^me ber in3wifc^en prot»iforifd^ untergebrachten älVrf- unb Slnncn^auögcfangcnen bientc. ^m übrigen aber blieben bcr prcri- ©trafrcc^t. SlUöcmcincr %c\U 771 forifc^c 3wftanb unb bic ungcnügcnbcn ßinric^tungcn noc^ eine Steige Don ^ö^^^^^n befielen. Durc^ ®efe§ von 1863 würbe bie ©efänt^niebeputatiou gebilbet, in beten ^anb bie Serroaltung, bas ©efängnisiüefen unb bie ßrle^ bigung ber Saufragen überging. 3Wan laufte ein ©runbftüd in §u^Iö= büttel. 3la6) längeren SSer^anblungen rourbe befc^Ioffen, um fd^on bei bem Sau ber 2lnftalten eine ted^nifc^ geübte §ilfe ju ^aben, einen ©efängniöbireftor ju ernennen unb fo fonnte man enblid^ 1879 ba§ ßentralgefängniö in gu^lsbüttel eröffnen, ^eroorju^eben ift noc^, baj5 1866 Don Cremen auß bie S^age angeregt rourbe, ob nic^t eine gemeinfc^aftlid^e Slnftalt für fämtlic^e brei ^anfeftäbte ^u erricfiten fei. Gin 2ln^ang, ent^altenb eine Slei^e für bie ©efd^ic^te beö §am= burger ©efängnismefens mid^tiger Urfunben, foroie unter anberm 3lbs bilbungen unb ©runbriffe bes S^^^' wnb Spinn^aufes fc^Iie^t baö »uc^. SJl* Ginen intereffanten 33eitrag jur ©efd^ic^te bes ©traf= oottjugö bietet 5Kaaöburg in feiner 3lb^anblung über bie Strafe bes Sd^iffjie^cnö in Öfterreic^-'-^O ^^^^ einem Slücfblicfe auf bie traurigen 3uftönbe ber öfterreid^ife^en ©cfangenen^äufer im Dorigen Sa^r^unbert, bie ÜberfüUung, SSerma^rlofung unb ©efunb^eitöfc^äb= licfifeit ber Dor^anbenen, gänjlid^ unjureic^enben Stäumlid^feiten fd^ilbcrt er bie Gntmicfelung beö von ^oUpi) H. aus eigner Gntfc^Iie^ung im Sa^re 1783 eingeführten eigentümlichen ©trafmittelö. 35ie iseran^ laffung j\u jener Gntfd^Iie^ung mar folgenbc. 3)ie lln}u(änglid)feit ber 2lrrcft(ofaIitäten führte fc^on unter 3Dtaria I^erefia immer häufiger bagu, 3Serbrec^cr in bie geftungen jur Sc^anjarbeit ju übermeifen. I^aß na^m fo über^anb, ba^ enblic^ ber ^offriegörat bie Übernahme folc^er ^Delinquenten entfcfiieben ablehnte unb bie 3Kiütärbef)örben oon biefcr StrafDoUjugsart ju entlaften fuc^te. 2tlö bie SJerljanblungen barüber im ©ange maren, erfc^ien unenoartet bic Serfügung S^fep^s IL/ in welcher bic Serroenbung ber Sträflinge ,^um Sd^iffs^ieljcn ange= orbnet mirb. I)er Äaifer moDte burc^ bie Ginfü^rung biefer Strafe einmal bie 2(rrefte entlaften, anberfeits aber, inöbefonberc ba er bie Xobeöftrafe nicf|t me^r angeorbnct miffen moUtc, eine Straffcfiärfung eintreten laffen, um bem Sbfcbrecfungögebanfen me^r Äraft ju geben. SSerfaffer fc^itbert nä^cr, mie tro^ ber gegen bic Ginfü^rung gcltenb gemad^ten Sebenfen Sofcp^ auf bem ©ebanfcn be^arrte unb bie Strafe mirflid^ eingeführt rourbe. 33cl)anblung, Seföftigung, 2trbeit ufio. mad^ten bie Strafe ju einer l)ö6)\i fc^mercn, gu einer Strafe, an ber bie meiften fdf|on nac^ furjcr 3^'i^/ ^^^ bie oom Serfaffcr angegebenen 3a^len ergeben, ju ©runbc gingen. Xxoi} rerfc^iebener 3SorftelIuugen ^at 5öfep^ bie Strafe nidf|t aufgel)obcn, roo^l aber ^at bie§ Seopolb II. fofort nac^ feinem 1700 erfolgten liHcgicrungöantritt get^an. ain ben legt fc^liepcn fid^ in gorm üon 3tnmcrfungen 9)Jits 2-) ffiien 1890. SDUrrV «crla^, 9i> 6. 21 S. Z^t. 772 2 ittcratur berieft. tcilunc^cn aus bcm reichen DucHcnmatcrial, roeld^cä iBcrfaffcr ^lu ©e^ böte ftanb. JKJ* Ginc ^tb^anblung über 3"^ongöarbett unb ^^»«»i^^^ avbeitsanftalten ift oon .ßürbin oeröffcntlic^t. 2**) Jicfclbc be^ie^t fid) im iDcfentlic^cn auf S(^n)ei,;;er SJer^ältniffe. ''^laö) einigen fur^icn gefc^ic^tlic^en ^iotijen unb ber 'Eingabe oon gefeftlid^en 5)eftimmungcn auo Jeutf erlaub, bfterreic^, SSclgieu, Schweben, 5liet)erlant)e, >yranf= teic^, S^olien, JRu^lanb, "iRorbamerifa werben bie 14 Sc^ioeiser 3w>iJn(^5= arbeitöanftalten nad) Seftanb unb Drganifation eine jebe einjeln für fic^ gefd^ilbcrt. Gin bie gemeinfamen ©runb.^üge jufammenfafienbcr ^aragrapf) ergibt im mcfcntlic^en ^olgenbeö. Sie Überroeifung erfolgt regelmäßig burd^ bie Serroaltungöbefjörben (abmeic^enb oier änftaltcnl SJerfaffer bemerft, bap man faft burc^meg barüber Hage, ba§ bei Gin-- roeifung besie^ungomeife SSerurteilung förperlie^e unb geiftige ©efunH* ^eit ^u menig in Öetrad^t gebogen merbe. Jvür Slücffäüige folgt burcft- weg Strafocrfc^ärfung refp. SJerlängerung. X'xc S^etentionöjcit Dariiert jioi) d)en 2 unb 36 "iDionaten, bae ^JJlinimum beträgt meift 6, bie 5^urd))d)nittöftrafe 12 "SJonate. ^U-oüiforifd^e ^reilaffung auf SSo^l- Der^alten naö) teilmeifer Strafüerbüüung ift noc^ nid^t überall einge- fül)rt, cnocift fic^ aber, mo man fie fennt, ab fe^r jroecfmä^ig. Soften^ berfung erfolgt auö bcm 'Vermögen ber 2)etinierten, eDentueH pon ben ©emeinben, fomic burd^ Staatsbeiträge. Sorjugömeife mirD l'anb- nnrtfc^aft betrieben. Se^üglic^ Dla^ning, Äleibung unD Sctten ber 3mangöarbeiter Ijerrfc^t \)öi)\tc Sparfamfeit, an einzelnen Crten n)of)l nac^ 'Jtnfic^t beö ^^erfafferö \vi mcl. 2)ie Slrbeitö^eit beträgt im Sommer ber SHegel nad) 11—12, im hinter 10 3tunben. 3(d)t 3(nftalten gemä()ren feinen, fec^o in Derfc^iebener .§ö^e Scrbicnftanteil. GinjeUjaft beö iJiad^tö fei ber ©emeinfc^aftö^aft üor^u^ie^en. Jie morafijc^en Grgebuiffe feien nic^t er()eblid) grofee; ber 3Jorjug ber .^aft liege in ber Sid)erung ber ©efellfc^aft t)or 'öeläftigung. Ser 3c^luB= abfc^nitt be^anbelt bie S^age ber Serbinbung ber 3"'öngöarbeitöan* ftalten mit ber Strafanftalt. iWrfaffer betont, bap gegen eine folc^e befonbero bie i5olföanfd;auung fpred^e, immerhin fei fie noc^ nid^t fo fd)limm, a(o meiin au<:> §inberniffen finan.^ieUer 9latur gar feine 3"5an!^^= arbeitoanftalt beftänben. Sie 3i^tt»i^öarbeiter feien oft fc^Ummer als bie Sträflinge; auf bie erftern entfatien t)urd)fd^nittli(^ nod^ einmal fo inel Sio,^iplinarftvafen alo auf bie letjtern. Sie iWrbinbung »on 3(r- beitos unt> 3trafauftalt biete befont)ero finan.^ieUe '-Borteile, fie ^abe and) ben 'Bor^ug, t>a]^ ber .v^anbmerter, ber 3">ttngoarbeiter roirb, in ber Strafanftalt feinem 'Berufe obliegen tömxc. Ser Ginflup ber fleißigen Sträflinge auf t)ie perfommeaen ^^i'^J^iHöarbeiter fei ein guter ju nennen. Sie Grgebuiffe fiub uim Schluß in Xl^efen ^ufammen: gcfant. -^ 'i>ortrai3 i^cdaltcn in ^cr "i^'rfammlunt; ^C'5 fd)iüci;onid)cn 'inTcinö »ür Straf: un^ Hcfäjuiniöiucfcn in ^JlltDorf am 17. 3cptcnilicr 1S81). ^^axau 1890. S?. :U. 3aucrlänK'r. 42 3. Strüfrcc^t. Slttöcmcincr S^cil. 773 23* 9luö bcr $rari§ cntftanbcu unb für bcn praftifc^cn ©cbrauc^ bcftimmt ift baä §anbbud^ oon SBufff: 2)ic Ocfängniffc bcr SufttjocrTualtung in ^reu^en, i^rc ©tnrid^tung unb SBcr^ Tualtun^.^^) 3)qö Sue§ enthält in fi)ftcniatifc^cr änorbnung Dor allein bas gefnmtc auf ®cfc| bejie^ungöweife SScrfügung bcru^enbc, auf bic ®cfänc^nif)i% ©cfängniöbctjörbcn, baä S3camtcnperfonaI, bcn StrafooUjut; bc-^üglic^c SJJatcrial biö in äße ©injcl^ettcn I)incin. (Sine Steige t)on Formularen finb in ben üEejt eingefügt. (Sin eingel^cnbeS 2ad)rcgi)ter ermöglicht es, ftc^ fc^neU über einzelne Fragen ju unter= rid)tcn. 6ö ift nic^t ju bej^meifeln, ba^ ber SBunfc^ beö Sßerfafferö, CS möge fein 3Jud) fid) als ein proftifd^ brouc^bares ^ilfömittel für bie ®eric^tQ= unb StrafDoIIjugöbe^örben erroeifen, in (Erfüllung ge^t. 5luc^ für bcn 3^^eoretifer bietet eö mand^erlci 3intereffonteö. 24* Strofanftaltslc^rcr SBic^ncrsSicI^tcnburg ^at auf ber ©eneralDcrfammlung ber ©cfängniogefeUfcfiaft für bie ^rorinj ©ac^fen unb ba§ .ßersogtum 2(n()alt Sieferat über bie Unter f)altungälittes ratur für ©efangene crftattet.^^') Seine 3tnfic^ten ^at er in S^cfen .^ufammengefafet, auö bencn folgcnbeö I;ert»orgu^eben märe. 3^^* ^^^ JiJeftürc ift (Entfernung ber iiangenmeile in arbeitöfreien ©tunben ^unb SJertreibung ber böfen ©ebon!cn, meiere bie ßinfamfeit förbert", gör- berung beö Unterridito unb SKifjeuö. 2^ie 3tuöma^I ber Sudler he^ forgt ©ei)tlid)er unb Üef)rcr ber 3(nftalt. ©efangenen in gemeinfamer §aft, meiere nic^t Icfcn fönnen mirb üorgelefen. ^aö t^lorreferat erftattete 'ISaftor C'^einjelmann^Cranicnbaum/') berfelbe madfite ftatiftifc^e Angaben über bie Stärfe ber einzelnen Strafanftaltöbibliot^eten. (Sr l)ob f;eroor, ba^ befonberö in bcn £anb* gcric^tögefängniffen augenblidflid; redjt fd)mad^ für bas Scfcbebürfniö geforgt fei unb bie 3^^^ '^^^ üorljonbencn Sucher meift ()intcr ber^ jenigen beö ©efangenenbeftanbcö jurüdbliebe. 5loc^ bürftiger fe^c cd in bcn 2lmtogeri(^togefüngnif)en auö. (Sinige 33emerfungen über Sonntagsblätter ufm. fc^licpen ben Seric^t. {J5^ Strafanftaltöbircftor Stegi^''-) be^anbelt im 3lnfc^Iu^ an bcn im ^^a^re 1H8S auf ber ©eneralücrfammlung bcr ©efäng- niögefeUfd)aft für bic ^rouinj 3ad)fen unb baö ,t>cr;^ogtum äln^alt gc^ ^altencn Vortrag über bic 3)i9j;iplin in ben Strafanftaltcn unb i^rc .6anbl)abung, auf bcr S^()^"^'öiierfammlung 1889 baö gleiche If^cma mcijx auf ein,-^clnc ^^unftc eingc()cnb. '^n einer 2^abcIIc ^at er feine i^orfc^Iäge bc.^üglic^ t)cr 3)iö^^iplinarftrafen an ^^6)1- (jauögcfangcnen, Äorvigcnbcn unb ©cfängniöfträflingcn gefonbert bc^ 2-') Gin lörtiiMnid) für ^cn praftifd^cii (Mcbraudi. .v^antburg, 5l?crIagÖauftalt unb ^rudcrci, 3lfticn(^cicUid)rtft, 18iK). XX EH ii. 712 ö. ■"^) Sünftcö Sviiirbud) bcr C^kfänöniögcfcUfc^aft, SoaVic a. 6., 31. Äcgcl in Äomm. IHM), e. 1H-:U. •■»i) 3. :35- ;;s. •*-) Jvünftc* ofl^rbiid) bcr OWfängni^gcfcUfc^aft für btc ^roöin,; ©ac^fcn unb baö .'öcr.^orttum ::}lnl)alt. .^:allc a. 3., in .Uommiffion bei 31. itc^cL Ib'SO. S. 39 ff. 3citf4rift f. b. flcf. 3 trnf rectum. XI. TjO 774 Sittcraturberic^i. ^anbclt. ©cruorju^cbcn ift, bnfe er bic Äorrigcnbcn bot gleichen S)i05iplin unterroerfcn roill wie bie 3wci^t^öuSler. SJon fc^Tucrcm !EtS-- jiplinarmitteln cxrväf)nt i>ctfaffcr Äoftfc^tnälerunt^en, Gntjic^ung b» aScttlagerä, ftrcnc^en 2(rreft mit SScrbunfdung hex S^"^^ ""i> ^rtcm fiagcr foroic bei SBaffcr unb Srot Sattenarreft, förperlic^c ^üc^tigung, leitete juläffig bei 3uc^t^auö[träflin9cn bis ju 30 Rieben, bei jugenb: Iid)en ©efängniöftröflingen biö ju 25 Rieben. SlliS Slnrebc fd^Iägt 9lcgi$ für 3wd)t^auöfträf(inge unb Äorrigenben „bu" t)or. ÜJJit 3luöuaf)iiie beö oorgefd^Iagencn SattcnarrefteS na^tn bie SSerfammlunn bie SJorfc^läge, aiid:) bie auf bie ^rügelftrafe bejjüglic^cn an. 2>crr f affer bemerh bejüglic^ ber lUnrebe ber ^wgcnblid^en mit Siecht: „Q^ wibcrftrebt jebem ©efü^I, einen jungen t)on 12 — 13 S^^ren mit „©ie" anreben ju muffen, meif er ein arger laugenid^to ift. SBärc er bies nic^t unb nid^t im (Sefangnis, fonbern ein Sd^ulfnabc ober !^ef)rburfc^e, fo mürbe i^m nur bie 3lnrebe „bu" ju teil merbcn." 26* Über beu Slücffall unb bcn mieberJ^often Sflüdffall in ben ©eftimmungcn beö StrafooIIijugeö ^at uon Süloro'^) auf ber ©eneralüerfammlung ber ©efängniögefeUfc^aft für bie ^^Jromni; Sad)fen unb baö ^erjogtum 2(n()alt (1889) bas Äorreferat crftattet. 3)er erfte 5Heferent Srunnenmeifter mar infolge feiner Berufung nac^ SBien au^erftanbe gemefen, bas 5Kanufiript feines Sleferates brucffertig ju fteHen. 3Serfaffer fommt jum Sd^lu^ ju ber ^orberung eineo einheitlichen StrafooBjugögefe^eö unb möchte in bemfelben feft= geftellt fel}en ben Segriff Slüdfall, bie ^Trennung ber JHücffäUigen unb ^licl^trüdfälligcn, bie fonfequente 3Durc^fül|rung ber ßinjel^aft in ben ©eridjtögcfängniffen unb bie möglic^fte Verallgemeinerung bcrfelben in ben 3iic|t^öufern, bic beftimmte Regelung ber S^ißjiplinargeroalt. als Siögiplinarmittel roerben ermähnt, bie Gnt5ief|ung ber Slrbeitsprämie, 9iic^tanrcd^nung bcö 2)iö5iplinarrefte5i auf bie 2traf,j;eit bei aßen '3träf= lingen, 'l>rügelftrafe für SJJänner in Äorreftionö^äufern unb in bc- fd^ränftom ^la^c bei jugenblic^cn ©efängnisgefangenen, altmä^lid^cr Übergang ber ^olijeiauffidit auf ©efängniooeretne, ©efängniögefcll- fc^aftcn unb beren Organe. 27^ Gin Suc^ oon 3?. Seitmaier^*) be^anbelt bie öfter-- reic^ifd)c ©efangniöfunbe mit Scrücfftc^tigung beö auslänbifc^cn ©efängniörocfenö. Gö foU nad^ feinem meitern Xitel fein ein Seit^ faben für ©efängniöbeamte unb Äanbibaten bes Strafanftaltöbienftco, ift alfo roie bao eben ermähnte Sue§ oon SBulff l^auptfäc^lic^ bic 33ebürfniffe ber ^rafiö ju erfüllen berufen, ^mmer^in ^ott baft Seitmaierfc^e 93ue§ weiter auö als bas SBulff'fc^e. ^erfaffcr gel|t t)on bem ©ebanfen auö, ba^ eö nie^t voll genüge, wenn bet ©efong- •"■*) 5ü"ftfö o«i^rbud) ber ©cfängniögcfcttfcl^aft «fro. ^aDc a. S. 3" Momm. bei 2(. Ücijcr 1889, 6. 4'^ff. •''») Www, Xni(f unb 35crrag ber f. f. S?ofr imb 8töatdbnicfcrci. 1890. XXXIV imb 9U) S. 2m. Strafrcd^t. 2lUöcmciner Zi'xl. 775 niöbcamte mit bcm ©cfc|cöftoff bcfannt fei, fonbcrn baft er and) baö SBcfcntlic^fte auö ber ©efängniöfunbc unb bem ©efängnisroefen anbrcr Staaten lenncn muffe, ^"^mer^in brängen ftd^ bic aUflemeineu ßr- örtetungen nie t)or; baö Sc^roergemic^t liegt in ber Sc^ilberung ber öftcrrei^ifd^en Ginrid^tungen. Se^üglic^ alles 9lä6ern oermeift SJer^ faffcr befonberö aue^ auf baö §anbbuc^ t)on §ol|enbotff unb ^agemaan. 3)aö Suc^ jerfäHt in brci gro^c 'itbfc^nitte. 3)er I. Seil hcljan- belt baö ©efängniöioefcn im allgemeinen. 2)ie ©runbbegriffe, Slrten ber ©efängniffe, ^aftfpftemc unb iljre gefd^ic^tlie^e Gntroicfelung mcrben u. Q. befprod^en, wenn auc^ ijum ieil nur fe^r furj. S)er II. 3^cil gibt eine Überfielet über baö ©efähgniömcfen einer ganj^en Mnja^l dou europäifd)eu Staaten ; uon au^ereuropäifc^en roirb nur 5torbamerifa er^ n)äl)nt. Ungarn, itroatien, Soönien unb ^erjegomina merben ge= fonbert befproclien. 2)er III. unb ^^auptteil (S. 151 biö ju Gnbe) be^anbelt baö öfterreid^ifd^e ©efängniöwefen in fel)r eingel^euDer SBeife. iyieleö l)at Sebeutung unb 333ert aue§ für ben 2)eutfc^en, ber ftc^i für ©efängniöroefen intcreffiert. {88* Über ben in St. Petersburg abgel^altcnen 4. inter= nationalen ©efängniöfongreft unb baö ©efängniöroefen in 'Wu^- lanb ^at ©räber an bic 62. ©eneralDcrfammlung ber r^einifc^^roefts fälifc^en ©efängnisgefellfc^aft Seric^t erftattet. ^^) i^erf affer, welcher von ber ©efellfd^aft nac^ ^^Seteröburg entfenbet mar, fd^ilbert 3"f^»"= menfc^ung, Crganifation unb 3lrbeitöplan beö Äongreffeö, bie 3luf= na^me ber ^remben in Su^lanb, bie Äongre^cröffnung, bie intern nationale ©efängniöausftellung, bie öffentlidfien Vorträge. 3luö ben Sd^ilberungeu über bie Beratungen ift folgcnbeö ^eroorju^eben. Man beriet über bie ^Jrage, roie bie 3^runffu^t ftrafrec^tlic^ auf j^uf äffen fei. 3Dlan befdfilop, ba^ bie 3^run{en^eit nur ba ju beftrafen fei, mo ftc ftc^ öffentlich in einer bie Sic^cr^eit gefä^rbenben ober aber ffan= balöfen unb orbnungöftörenben SlSeife offenbart, uerftänbigte fic^ über Sroangöma^regcln gegen ©emolin^eitötrinfer, über bie ^rage, inmie= weit irunfen()eit bie ftrafrec^tli(|c SSerantroortlic^feit auöjufc^liejien ge^ eignet fei ufm. §eipen Äampf rief bie ^age ber bebingten ^^er= urteilung l)en)or. !Caö "ipienum bcfd^lo^/ bie ^^rage nad) ber bc= bingten Verurteilung fie§ ^n referoieren. 33erfaffer glaubt aber, ba^ ber näc^fte Äongre^ \xd) gegen bie bebingte Verurteilung erflären mirb. ^eöglei^en rourbe bic §ragc nad) ber Se^anblung ber Miubcr in ftraf^ rec^tlid^er Sejicljung bem näd^ftcu Äongre^ oorbcljalten. 9tuc^ über bie ©cfängnisarbeit rourbe beraten unb ber SRcgiearbeit ror ber in ßntreprife ber Vori^ug gegeben, oljuc ba^ man bafür mar, bic •ilSriüatunterne^mer o^nc roeitercö an<ü ben Mnftaltcn ju »erbannen. Vcjüglic^ beo VoDjugö ber lebeuölänglid)en unb ber langjäl} = jährigen, b. f). ber mel;r alo fünfjährigen Strafen, über bie 3*) ^üffclborf im), eclbftücrlag ber rl)cinifc^.n)cftfäl. ©cfcttfc^aft. 3n Äonim. bei S. 55o6 & (5o. 50* 776 Sitteraturbcric^t. Slcfruticrung bcö ©cfängniöpcrfonalö, über bic gragc bot Un- Dcrbcffcrltc^cn unb bcr gct^cn ftc ju trcffcnbcn Sc^u^majsrcgcln ufro. würben in Seftionen bejro. im ^Icnum Beratungen geppogcn. ©enau berichtet SJerfaffer über bie Beratungen ber britten Seftion, roelc^e bie grage ber 2ci^u^üereine, 3"ft«''"^"i^'^,M<'^f)i*«9/ Aürforge üba Jvamilien 3"l)«fticrter, 5)litiüirfung ber Sd)u$oereinc bei Sluffic^t über bie enbgültig ober tJorlaufig (Sntlaf)enen ufio. betrafen. 3(n biefe Berichte über bie ^ongre^arbeiten fc^liept ^Jerfaffer futüc ©d^ilberungen beö ruffifd)en Swfti.^roefenö unb beö ruffifc^en (Scfönci: niöroefenö, foioie feiner i^erroaltung. Gr befpric^t bie ©efängmo: bauten, ©efängniöDerioaltung unb^ Öfonomie, Crganifation ber C*ic- fängnisarbeit, bie 3)eportation mxi 3^wongöarbeit, beo ©efangencn; traneportroefenö, baö ^wtforge^ unb Sc^u^ioefen. Gr fc^ilbert enblic^ bie Äongre^rtUöflüge na6) ginnlanb unb ^JOlosfau. 29* Stuf bie Ginrid^tungen ber "JZeio-^Qorfer ftaat liefen Öeffc^ rungsanftalt ju GImira l)ai bereits 9lfd)rott in einer bcn Scfern ber Z befannten Sd^rift (ogl. Z X S. 7:U) ^ingewiefen. o^'?t liegt eine au9fü()rlid)e 3d)ilt)erung ber änftalt felbft, beö Betriebe in if|r uftD. Dor, berer ^Nerfaffer 51. SlMnter ift.^'') 2)ie X^nftalt va- banft ben Seftrebungen bes um bie ©efängniöreform in Ämerifa ^ocfc Derbienten Srocfmai; il}re Gntftef}ung. Sie ^at fid) auo befd^eit^enon Slnfängen — fic begann ifjre Xljätigfeit mit 1?<4 Sträflingen — ;u einer ^Mnftalt entmicfelt, melcfie über 1000 'l>fleglinge bel)erbergt. 3ic ift bao 3)iufter für äf}nlic^e 'ilnftalten in ben 5?ereinigten Staaten c^c- tDorbcn, man benft in '9Jem=^J)ürf an bie Grric^tung einer jmeiten gleichen 3(nftalt. Gö finb biöl)er für GImira auogegeben 1 885 M4 Xoiiax, GImira nimmt nur männlid^e Sträflinge im 3Uter t)on 10 — 30 ^sabren auf unb nur Grftbeftrafte, alfo ^^Serfonen, Don beucn man Sefferunct erwartet. 3)er bie Strafe oer^ängenbe @erici^tö()of meift ben 4>crur. teilten einfad^ ber 31nftalt ju, wo er o^nc üHücffic^t auf bie Xaua ber im Urteile auögefprod^enen Strafe biö jur Befferung behalten loirb. „3)aö 3<^i^"^ö6 ber (Sefangenfc^aft . . . . foU nad) bem betr. ©efe$ von ben 2)ireftoren ber 3(nftalt entfc^iebcn werben. 5el)o4 foH . . . . fie bie längfte Strafbauer, welche im öefefe für baö Sa- geljen, wofür ber ©efangene verurteilt worben, feftgefe^t ift, nid)t über- fd^reiten." 3)er Strafüoüjug, wenn man von Strafe nod) reben faun, wirb genau gefd)ilbert, 2(ufna^me beö ^öglingö, bie Serteilung berfelben in ©rabe bc^w. Älaffen, il;re Gntlaffung auf ^^arole, 2ageoorbnunii, Äoft, Unterrid^t, weldjer 5. 33. iiolfowirt)d}aft, l)öl}ere -öiatbematil, ^^r)fiologie, alte unb mittelalterlidje ®efc^id)te, fowie „pra!ii)dK Gt^if'' ufw. umfafjt, 5ioI;en an bcm 3(ugc ber ftauneuDen Bewohner ber alten SSJelt vorüber. Sl'ir lernen bie »on Sträflingen verfaßte ^Inftaltö^eitung, bie militärifd^en Grerjitien ber Sträflinge fennen, ^*) ^ic 9KMD-J)orfer ftmitlic^c SBcffcviingeanftalt 311 (Slmira von iKlcranDcr 2Bintcr, :?lutor von „Problems of live** um, ©crlin, ^Kcimcr ISW, XVI u. ©ttafrcc^t. Slttgcmcmcc %^xU 777 welche infolge bcr (^cgcn bic ®cfän(^nioarbcit inö 2cbcn oicrufcncn Agitation an beten ©teile getreten finb unb bei benen jur Grmuu= tcrung ber (Semeinen, fowie ber auö Sträflingen beförbcrtcn Unter- offijierc unb Offiziere eine ebenfaHö auö Sträflingen gebilbete 5:Hegi= mentöfapeUe if;re 3Beifen ertönen lä^t unb anbre Sachen, lüeld^e bem gleich fte^en unb unterfc^reiben baö Söort Ärofjneö in feinem 2ei)xb\x6)c (S. 348 3lnm.), ba^ boö Unfug, nic^t StrafooHjug fei, mögen fic^ a\x6) eine Steige oerftänbiger ^Wnfte in ber ganjen Ginric^tung üorfinben. 30* Xie erfte SJerfammlung oon Vertretern ber beutfc^en Sc^u^s oereine für entlaffene (befangene unb oon 3Jereinen mit oer« roonbten Seftrebungen tagte ^u ^reiburg i.S3r. am 5. unb (J.Sptbr. 1889, gleid^i^eitig mit berjenigen beö Üiereinö beutfc^er Straf anftaltäbeamten^") ; fic war jufammengetreten auf Slnregung beö um bic Sc^u^fürforgc ^od^oerbienten ©e^. ^finangrato ?Vud^ö in Karlöru^e unb besmecfte bie «Herbeiführung eineö engeren 3(neinanberfd)Iuf}eö ber Se§u|ocreine unb ber SJereine mit oermanbten 5^eftrebungen (Slrbeiterfolonieen, Verbergen jur §eimat u. bgl.) ^um S^vedc gemeinsamer 3lrbeit auf bem ©ebiete ber ÜBerbrec^enoprop^pIaje. 2)emgemä^ mar auf bie lagcöorbnung ah erfte S^^age geftellt: a) Über bie 3)ebeutung unb ben praftifd)en SKert beö 93eftcf)enö einer GentralfteUe für bie Sc^u^oereinot^ätigfcit eineö Sanbcö, einer "iProoin.ii, eineö •'Hegierungöbe.^irfö ufm. b) ^\i bao 33ebürfni9 nad) Sd^affung eineö i^erbanbcö bcr ber beutfc^en Sd)u^ücreine unter einf;eitlid;cr Leitung fdjon ju Xage getreten'!^ äöeld^e 9luf gaben fönnten bemfclben jugemiefen werben V SiJe[d)c Drganifition wäre ju ©runbe ju legen '^ Daö iKeferat über bie[e S^age ^atte §uc^ö felbft übernommen unb einen oollftäubigen Drganifationöcntmurf auögearbeitct, rocld)en er in einem gebrudten ©utad^ten auöfüf)rlie§ begrünbet ()atte unb in ber SBerfammlung oerfd^icbencn 3lugriffen unb ßinmenbungen gegen- über uerteibigte. 2tn ber I^ebatte beteiligten fid) oorjüglic^ ^faner Se§neeroeiö = "SJünc^en alö Äorreferent, ^aftor ©räbcr^'Süffelborf unb ber ^^iräfu bent ber !i>eifammluug 65e(). Dberjuftijrat Dr. Starfe. 2)urd) bie gefc^idte iNcrmittcIung beö le^tern famen jum Sd;(u^ folgcubc Xfjcfcn jur allgemeinen 3tnnaf}me: 1. !Eie iserfamlung befcfilicjjt, baö Sebürfniö ber Schaffung eines 3Serbanbeö beutfcfier Sdju^oereinc ift oorfianben. 2. I)ie i^erfammlung bcfd^Iicfit, bei ber näd;ften 'Serfamlung beö 2?creinö beutfc^er Strafanftaltöbeamten micber .^ufammenjutrctcn, für bic 3'^if^<^".^*it ober eine .Uommiffion mit bem -Jicdite ber Kooptation 5U roä^Ien unb bicfelbe mit bcr 3i*a()rung bcr gemeinfamcn 5(ngelcgen' Reiten ber beutfc^en Sdju^oercine 5U beauftragen. 37 ) 331. f. ®cf.*H. 25 !öt». 2. 6ont)crt)cft, (53 8. 778 £ittcraturbcri(§t. 3. Jas S3cftcf;cn einer GentralfteUc für bie |(l^u|ocrcinlid>c 2^^tigfeit cineö Snnbcö, einer '^^irowinj, eincö Slegicrungbcäirfö, ijt für bercn rid^tic^c Drganifation unb bcrcn bauernben SJeftanb Don bct (jrö^ten Öebcutung. 3^i^ praftifd^er Sücrt bcfte(}t in bor möi^lit^ft weiten 'J(uöbef)nung ber SJereinöaufgaben unb ber S3ereit()altun9 aller 5u i()rer ölücf(icf|en Söfung erforberlic^en 3)iittel. ^ic ber (Sentral= leitung jufallenben 3(ufgaben finb im iSn^^^^^^^ff*-* ^tT ßr^altung einer niöglic^ft großen Selbftänbigfeit ber einzelnen 5Bcreine genau §u be: [tinimen. 3)ie centralifierte 3Screinö[eitung foH in i^rent Ser^ältniffe $u ber betreffenben Sanbeoregierung auf ein freunblic^eö 3wfönimcn= arbeiten mit le^terer j\ur ^örberung ber gcmeinfc^aftlid^cn S^dc be= bac^t fein, fünft aber i^rc oollc Unab^ängigfeit bcroa^ren. 5^ie sab 2 berührte Äommiffion ift gufammcngefe^t aus bcn §erm gue^ö, t). S^^ßcmann unb ©tabler (SHegicrungsrat, Strasburg); möge i^r balb eine bauernbc fefte Drganifation folgen, unb ftd^ bic eblen Seftrebungen ber Seranftaltcr rerwirflicl^en. hiermit I;attc bie 3?erfammlung bic 3^*^* i^^^^ 3^agung, nic^t aber i^re Jageöorbnung erfd^öpft. 5}ie beiben anbern Aragcn, über loeldjc gebrucfte ®utacf|ten ber Ferren t?. 9)laffon)^^) unb ©räbcr^'O oorliegen, auf meldje wir unfrc Scfer üerroeifcn, mußten für bie näc^ftc SSerfammlung Dertagt werben, fic lauteten: 1. Sft eö empfef)lenon)ert unb burd^fü^rbar, ber S^^^P^i^^^^^^ung beo 3Sereinolebenö gegenüber eine engere Serbinbung unter ben oerfc^iebenen oerioanbten Öeftrebungen ber JJerbrecbcr* prop^^laje (Sd^u^roefcn, S'üangöerjic^ng, 3lrbeitcr!olonieen ufiü.) [}er5ufteUen, namentlid) in Heineren DrtcnV 2. aÖarum gehört aud; bie gürforge für bic Scbürfniffc ber §amilien ^"^of^it*'^^'^ J^i '^^^^ Slufgaben bcö Sc^u^roefcnä^ ou weld^em Umfange unb üon wem foH bicfclbc auo- geübt werben V •äöeld^er Stuteil baran trifft fpe.yelt bic „S4)u^ocreinc für entlaffene ©ef angcne" '-? gür (entere 'grage lag ein ©utad)ten t)on bem Strafanftaltögeift^ lid;en Mrauf^-gi^eiburg*") üor, weld)er ein gleicbcö auc^ für bcn 4. internationalen ©efängniö-Äongref; ju St. ^^etcroburg ucrfa^t Ijattc. 31. ,Mrau{5, G3efängniogeiftlid;er in Jreiburg t. 35., ^ic ©c- fangenen unb bie i^crbredjer unter bem Ginflup be& (S(;riftentumö.") ^er bie erften 17 ^al)rl;unberte umfaffenbe gefc^id;tlic^e Über= blid ift eine /y«-'ftgi^be jur geier bcö 25jäi)rigen 33eftcl)cnö be<5 tH*r= einö beutfc^er 3trafanitalt9beamten unb bem ©rünber unb 2Jorfi$enbcn bcö i>ereino, Gfert, gcwibmet. ^•^) »(. f. (Skl-SL 25. öt». e. 1*>1 ff. ^^) 2Jaf. 3. 97 ff. ^") 3. ^^I. f. 0c*f.c5l. 33^. 24, 3. 11:^ ff. *^) »l. f. öcf.^Ä. ÖD. 25. 1. S^i']t, 3. 1-95. Strafrec^t. 9(IIgeinetner %nU 779 SScrfaffcr ToiH nur eine überjxc^tHd}e 3ufammenfaffun(^ beö Gin* fiuffed geben, welchen bic d)riftltei^c Äirc^c im Saufe ber Sexten auf bad Sooö ber ©efangenen, foroie auf bie ©ntroicflung unb 38crbc))c= rung bed ©cfängniärocfens ausgeübt f)at ^n le^tercr Slid^tung ge^ langt 93erfaffer ju einem im mefentlic^en negatioen JHefuItat. 2)ie Äir^e ^at [x6) bem ©efängniömefen affimiliert, mie fie eö in ben einjclnen Staaten jerocilig t)orfanb, nur bem ^iSapft Glemenö XI ift bas SSerbienft ^ugumeffen, ber (Srfinber ber 3^^^' wnb bes Sd)n)eig= gebotö unb bes bamit ^ufammenfjängenben ©traft)oII§ugfi)ftemö ^n fein, inbem berfelbe im 3a^re 1703 baä ©efängniö 3U San 9Ric^e(e in 3lom grünbete unb na6) jenem Softem einrichtete. SSieleö unb lehrreiches fann SJcrfaffer bagegen t)on ber firc^Iicfien unb QUO c^riftlic^em Sinne fieroorgegangenen prioaten SiebeSt^ätigfeit gegen (Sefangene aller Strt berichten. 3Bon S^^c^^-ll^J ift insbefönbere bie 35arftellung ber Befreiung ber SBerbrec^er von ber Strafe feitens ber Rxx6)c burc§ bie idulgentia paschalis, baß fircfilic^e Slf^Itedf^t unb baö bi)c^öflicf)c gürfprac^ercc^t, foroie bie freimiDige Üiebest^ätigfeit ber religiöfen ©enoffenfd^aften. 3m übrigen Dermeifen mir unfre Sefer auf bie Schrift felbft, meldte mit 5Hecf)t für fi(^ in 3tnfprucf) nehmen fann, ein \\o6) uncr^ fc^loffeneä ©ebiet juerft betretet^ ju {;aben. 3{8* 2)ie 95erl)anb[ungen ber 3?erfammhing beo S3er= einö ber beutfc^en Strafanftaltobcamtcn, meiere Dom 3. Bio 6. September 1889 in greiburg i. 'S. tagte, finb als Sonber^eft bcö 25. Sanbö ber Slättcr für ©efängniofunbe t»on Gfcrt erfc^ienen. Sefanntlid^ mar mit ber ÜJerfammlung bic ?^eier bcö 2r)jä^rigen 3ubiläumö bes Vereins oerbunben. 3Öir ocrmeiicn unfre Scfer auf bie von ^^Jrofeffor Äirn = 5J^ciburg gehaltene J^^ftrebe, in welcher er bie ©cfcf^id^tc, 3icle unb Grfolgc beo 55crcin9 barlegte. Unter ben j\ur SScr^anblung gcftcUten fragen ncf)men einen weiteren 9laum ein: biejenige über .^cran^icljung ber Untcrfuc^ungös gefangenen ju ben in ber Strafanftalt eingeführten 'iirbciten ^infic^tlid; ber Semeffung ber 3(rbeitöaufgabe unb ber an bie ^Jüd^tlciftung gc= fnüpften S^lgcn (!Ciö^iplinarftrafen), ferner über bas .^aft[i)ftcm, welches fic^ für jene befonbcrn 2lnftalten ober Säume empfiehlt, bie nac^ § 57 bcö bcutfcl)en ?R.St.©.33. jur 'iJerbüfumg üon Strafen jugenblic^er "ipcrfonen beftimt finb, unb bie S^age: „wie märe ber iJolljug ber 'Jrei^citöftrafen ju gcftalten, um ben Untcrfd;ieb 5roifd;eu ber 3wc^t^au9- unb ©efängnioftrafe entfprecl)cnb bem S^^^ W^cx Strafabftufung merfbarer l}en)ortreten ju laffen, alö bieö biö je^t ber %aü ift, unb empficl)lt fxd) ju biefem Gnbe bie Ginfü^rung befonberö fc^merer, menn auc^ unprobultiuer SlrbeitV Cber empfiehlt ftc^ eine weitere gefe|lic^e 3lbftufung ber grei^eitöftrafen als bie inuerft ge^ gebeneif'' Sefonberö in ber erften unb Icfttcn 3^agc ftanben fic^ bie 2ln= ficliten fc^roff gegenüber, mäfjrenb alö beffereö ^aftfpftem für bie Augenblicken allgemein bie ^folier^aft, für bie noc^ Sc^ulpflicl)tigen 780 Sittcraturbcric^t. rocnigftcns Sf^Herung roä^rcnb bcr 3laä)i anerfannt unb empfohlen lourbc. ^n einem gcbrurftcn ©utad^tcn ijatte fid> SDircftor 3JJöbius (Sad^fenburg)*^) gegen bie ßinjcl^aft unb im 3j^tergcl)en erfannten Strafen auf bie ?5rcil)eitoftrafeu entfielen, 62,^4 p6t. ^rei^citöftrafen oon fürjerer als einjäf}riger Sauer waren, nur 2,(>o pCSt. bie 5Cauer uon einem Ja^rc übcrfcl)ritten. 2)iefeö Grgebniö unfrer Strafred)t9pf(ege als ©runblacic cincö Straffpftcmo Dcrwertet, fü^rt ^u einer von Streng oorgc- fd()Iagcnen 3»^<^it^'ii^""ft "^^^ greiljeitöftraf en : 1 . Sd)were "Srei^eitöftrafe mit bem 3)?intmalbetrage t)on 1 ^aljx mit lUrbeitöjwang unb ä?crpflid^tung ,^um 3lnlegen ber Sträflinge^ ficibung alo gefeftlic^eö ÜWolIjugömerfmal. 2. i'cidj)tc Srei^citoftrafe biö ju bem 3JJafimaIbetrage t)on einem 3a^r, ikfc^äftigungo.^iwang juläffig, aber bem JMid^ter, nic^t bem SoH- .^ugöbcamtcn bie "üefugniö eingeräumt, biefen 3">ö"9 aufju^eben je nad) bcn näheren Umftänbcn beö 3Serbred;enö ober ben perfönli(^cn 3?erl;ältniffcn beö SSerbrcd^erö. «) 5.M. f. (5Jcf..5i'. SD. 24, 6. :M1 ff. ■»•^j Trtf. SD. 28, s. au ff. »») Xaf. SD. 2:J, e. ;usff. *■') Sl. f. Wcf.--K. SD. 24, e. ISl ff. Strafrc(i^t. 2lll9cmcincr 2üU 781 gür eine 3weitet(ung unfcrer grci^eitöftrafcn fprac^en ftc^ weiter aus Ärofjnc, bagcgcn ipalliüac^ö (2)armftabt), ^arburger (3Rünc^en;, ßfert, Slfd^rott, unb bie 93erfammlun9 war in i^rer ÜKe^rl^eit ebenfaHö nid^t ber 3lnft(^t, ba^ baö grci^eitös ftrafcnfpftem unfrcä 5l.St.©.93. burc^ Sefeitigung beä Unterf^tebä i^roifd^en äu^^^öuä^ unb ©efängnisftrafe <^u oereinfac^cn fei; in Uebereinftimmung mit bem ^Referenten fprad(i biefelbe fic^ in i^ren Ifjefen oielme^r bafür auS, ba^ burc^ 3Serbü^ung in getrennten Stn= ftalten, burc^ üerfd^ärfte ^ausorbnung, Verlängerung ber täglid^en ärbeitöjeit, §erabfe$ung bcä 2lrbeitöoerbienftanteiIö, 6infcl^ränfung beö ic^riftli^en unb münblic^en 33erlef)rd mit ber Slu^enroeft, ÜJerfc^ärfung ber 5DiöjipIinarftrafen — nid^t aber burc^ 6infü^rung fe^roerer, un= probuftiüer 2lrbeiten für 3wci^t^<^wöfträflinge ber Unterfc^ieb jroifc^en 3uc^t^auös unb ©cfängnisftrafe fe^r merfbar geftaltet werben fönne unb möglic^ft geftaltet werben muffe. Eine weitere §rage fe^r wid^tiger 3trt befd^äftigte nod^ bie SSerfamm^ lung, nämlid^ bie Sorbilbung ber f) öderen unb nieberen Oefäng^ niäbeamten. SBenn au^ nic^t in bem ^ai)men beä heutigen StrofDott^ ^ugof^ftemö, auf beffen 93oben bie Serfammlung im großen unb ganjen fid; ftettte, fo boc^ für bie ßrmöglic^ung einer auf bie ^n^i^ibualität, bie fojiale 93ebeutung beö SSerbrcc^ers aufgebauten Strafrcc^töpflege ift t)on wefentlic^fter Sebeutung baö ^ö^ere Seamtenmatcrial, baö jur aSoIIftredtung ber Strafen berufen ift. Unb gerabe in Stücffic^t auf biefe Sleform unferes Strafe unb StrafDoIIjugöfiiftemö wäre eö f)öd>ft wünfc^enswert, ba^ bie üon ber SSerfammlung auf äntrag Gfcrte angenommenen liefen unb bie von ßfert in feinem ge^ brurften ©utac^ten*'^) auögefprod^enen JBünfd^e üerwirflid^t werben möchten, ^ic liefen befd^ränfen fie§ auf baö Segef)ren nac^ Gin= ric^tungen jum wiffenfe^aftlic^cn Stubium bcö ©efängniöwefenö unb bie ßmpfe^Iung eineö me^rwöd^entlic^en t^eoretifc^spraftifc^en Äurfuö nad^ 3lrt ber in Saben getroffenen Ginridfitungen für bie SJorftänbe fleinerer Oefängniffe. Gnblid) war noc^ bie §erftellung eineö für !Eeutfc^lanb gemein= fam ju empfefjlenben SJlufterformularö für ßinlieferungöbogen unb bie 9lrt ber "5^^^^ ^^^ Sonntags im ©efängnio ©egcnftanb ber Erörterung unb 53efdf|Iufefaffung ; bie ^rage, ob ftd^ bie 5.>erwenbung Don •^aftfträflingen jur äupenarbeit empfiefjlt, würbe oon ber lageöorbnung abgefeftt. 33* Gfertö ©lätter für ©efängniöfunbe f)aben in ifjrem 24. 33anbe (188!»), eine gan^e ?Heif)e intereffanter 3tuffä$e unb einen Seil ber uorbereitenbeu ©utad^ten für bie 'Berfammlung beö 9?ereinö ^«) ^U. f. (Mcf.:M. a^t». i>4, 3. :m ff. 782 Sittcraturbcric^t. @ö finb abgcbrucft bic ©utad^tcn Don ben Pfarrern ÜKö^n unD ©d^crr über ben Sonntag im ©cfängniö S. 136 — 159, t)on flöftlin (S. 149 ff.) unb Ü)t5btu9 (S. 341 ff.) über bas ^aftfpftetn für Sugcnblid^e; über bie J^iffcrenjierung üon 3u(^t^auö= unb ©cfängmö-- ftrafe t)on Streng (S. 181 ff.), über bie iNorbilbung für ben böseren ©efängniobicnft pon ßfcrt (S. 326 ff.) unb von bemfelbcn über m ^Dlufterfomtular eines ßinlieferungöbogenö (S. 352 ff.). 3(u^er ben unter 34 u. 35 befonberd befprod^enen Muffä^en Don ^^g^^nianne unb Sid^artö finben unfre Sefer noc^ einen 3tuf|a§ t>on d. Äird^en^cim ^6ine japamf^e ©efängniöorbnung auö bem uorigen S^^i^Ö^nbert" (o. 317 ff.), bie 5KttteiIung eines Sriefroec^felo jroifc^en 3)littcrs maier unb Seffenberg von fileinfd^mibt (3. 313 ff.) unD einen Dtetrolog für r. t^ol^enborff oon t). 3<^9^*"<^""/ (S. 194). 34* Tcx 25. Sanb bor Slätter enthält 2 ßefto, foroie 2 Sonber: beftc, bie SJer^anblungen ber ^reiburger SSerfammfung bes SSereinö beutfd^er Strafanftaltöbeamton unb von 9?ertretem beutfc^er Sd^u^oereine. Jer 3"^^'^^ ^cs 1. Jp^fteö unb ber bciben Sonba= ^eftc ift befonberei befproc^en unter 9Jr. 24. Tas 2. Ajeft enthält einen furjen SRüdtblicf auf bie erften 25 '^al)xc bes 38ereinö ber beutfd^en Strafanftaltöbeamten, bas Äorrefcrat jur Srage 2 ber lage^orbnung ber SSer^anblung beutjc^er Sd^u^oercinobeligierter Don v. ?!Kafforo (f. S. 778), einen Seric^t über ben "^Jeteröburger Äongrefe von Dr. ®utf e§, foroic einen fole^en über bie SJerljanblungen ber 3. Seftion biefeö ÄongrcffeS von guc^ö. D. S^Ö^w^önnö 93erid^t über bie Gntroicflung unb ben 3uftanb bes ©efängnisroefenö im Orop^erjogtum 33aben pon 1885 — 1888 einfc^lie^Iic^, erftattet für ben ^eröburger internationalen ©efängniöfongre^*'), enthält eine gortfe^ung feinet Serid^tes für ben römifd^en Äongre^ — abgebrucft in Sb. 20 3. 1 ff. ber Sl. f. ©ef.^Ä. 35* Sid^art, 95eric^t über bie Sterblic^feit unter ben ©efangenen bes roürttembergifd^en 3w^*^öufeö Subroigo^ bürg in ben Sauren 1872/73 bis 1886 87 influfiDe unb über 3i?ä^ gungen beö Äörpergeroic^tö ber ©efangenen in ben Sauren 1884 85 biö 1886/87. ^•^) Sic^art teilt bie ftattftifc^en 3a^ren über Sterblid^leit unb ©eroic^t ber ©efangenen für bie uorfte^enb angegebenen Jal^rc mit unb liefert in erftem insbefonbere einen trefflichen Öeroeio für bie gortfc^ritte, meiere bie öpgtene in ben Straf anftalten gemad^t ^at; ftarben in ben Sauren 1872/73 biö 1874/75 unter 3"9ninbeleguna ber jäfirlid^en ^OJittelgal^l ber ©efangenen 34 auf 1000 Äöpfe, fo fanf biefe 3iffer für 1884/85 biö 1886/87 auf 13 ^/^ unb bies bei einer täglid[)en 2)urd)fdf|nitt§beoölferung Don 706 Äöpfen im ^a^re 1886 87«"). *•) SBl. f. Öcf.^H. 5^^. 24, 3. 23-,'i8. n ^U f. 0«f..Ü. e. 293-312. *^) Xic Scricötc unter 6, 16, 17, 18, 19, Si), 31, 32, 33, :J4, :}5 fm^ pon Dr. ?vut)r. itud Den VtcrhcitD 23 24 25 26 Verbrechen gegen den Personenstand 26 Verbrechen wider die Ehre 27 Beischlaf und andere Unzucht 28 Mord, Totschlag und sonstige Mifshandlung 30 Kindesmord 33 Zweikampf 34 Friedensbrueh 35 Verbrechen wider die Freiheit 36 Falsche und unbewiesene Anschuldigung 38 S«ite 27. Kapitel. Ebrverletznng ^Ä 28. - Diebstahl und Manserei 41 29. Unterschlagung 4S 20. Entwendunfif von gemeinschaftlichem Gut 43 31. Raub und Erpressung 44 32. Hehlerei und sonstige Befassung mit auf verbrecherische Weise erlangtem Gut 4r> 33. Rechtswidrige Benutzung fremden Bodens und rechts- widriges Jagen und Fischen 40 34. Gemeingefährliche Verbrechen 49 35. * Sachbeschädigung 'v^ 36. Betrug und Fälschung 53 37. Münzverbrechen 56 38. Untreue und strafbarer EUgennutz 58 39. ^ Bankrott 6(» 40. 5 Amtsverbrechen 02 41. s Strafbare Handlungen gegen kirchliche Vorschriften . ik\ 42. : Strafbare Handlungen wider Vorschriften in Bezug auf die Sicherheit des Staates und die öffentliche Ordnung 07 43. ; Strafbare Handlungen wider Vorschriften in Bezug auf die Sittlichkeit 08 44. j Strafbare Handlungen wider Vorschriften in Bezug auf den Schutz von Leben. Gesundheit oder Eigentum . . 09 II. Yerordnang ttber die Strafvollstreckniig ... 74 1. ' Todesstrafe 74 2. Allgemeine Vorschril^u in betreff der Freiheitsstrafen . 75 3. - Zuchthausstrafe 79 4. Gefilngnisstrafe 82 5. < Geldstrafe und verwirktes Gut 83 0. Erziehungsanstalten fttr jugendliche Verbrecher ... 85 Strafgesetz für das Grofsfürstentum Finnland vom 19. Dezember 1889. 1. Kapitel. Von denjenigen, die finnischem Strafgesetz unter- worfen sind. § 1. Nach finnischem Gesetz wird ein Finnländer für ein Verbrechen, ila» er in Finnland oder auf finnischem Fahrzeug, oder aufserhalb des Landes gegen Finnland oder gegen einen Finnländer begangen hat, ge- richtet; ebenso für jedes andere aufserhalb des Landes begangene Ver- brechen, wenn der Kaiser und Grofsfürst verordnet, dafs das Verbrechen in Finnland verfolgt werden soll. § 2. Wer, ohne finnischer Bürger zu sein, sich hier im Lande befindet, wird für ein Verbrechen, das er in Finnland oder aufserhalb des Landes auf finnischem Fahrzeug begangen , von finnischem Gericht und nach finnischem Gesetz gerichtet. Das Gleiche gilt, wenn eine solche Person aufserhalb Finnlands ein Verbrechen gegen Finnland oder einen Finnländer begangen, und der Kaiser und Grofsfürst verordnet, dafs das Verbrechen hier im Lande verfolgt werden soll. Wenn eine solche Person ein Verbrechen aufserhalb Finnlands be- gangen, aber nachher finnisches Hürgerrecht erlangt hat. so kommt gleich- falls finnisches Gesetz zur Anwendung, wenn der Kaiser und Grofsfürst verordnet, dafs das Verbrechen hier verfolgt werden soll. § 3. Eine im Dienst des Landes angestellte Person, die ein Ver- brechen im Amte begangen hat. wird, mag das Verbrechen im Lande oder aufserhalb desselben geschehen sein, von finnischem Gericht und nach finnischem Gesetz gerichtet. § 4. Ist eines der im 41., 4*2.. 43. oder 44. Kapitel genannten, oder ein anderes ihnen ähnliches Verbrechen aufserhalb des Landes begangen worden, so wird es nur dann bestraft, wenn solches durch Gesetz oder Vertrag besonders augeordnet ist. FinnUchei Strafgeaetxboch (tteUage 1, Zeitachr. Xlj. 1 (; 5. Hat der eines Verbrechens Angeschuldigte die ihm aufserhalb des Landes dafür zuerkannte Strafe teilweise oder ganz yerbüfst so ist die vollzogene Strafe nach Umständen auf die ihm in Finnland für da» Verbrechen zuzuerkennende Strafe in Anrechnung zu bringen oder ab Strafe für das Verbrechen zu betrachten. Doch soll auf Amtsentsetzong, Unföhigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter. Entfernung von Auaübmig des Dienstes oder Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte hier erkannt werden, wenn solches nach finnischem Gesetz eine Folge des Ve^ brechens ist. Ein aufserhalb des Landes erkanntes Urteil in Strafsachen darf in Finnland nicht vollstreckt werden. § 6. Wird derjenige, welcher in Finnland im Dienste eines anderen Landes steht, eines gegen das allgemeine Gesetz verstofsenden . aber in jenem Amte begangenen Verbrechens hier angeschuldigt, so ist er ffir das Verbrechen nur insoweit zu verurteilen, als es gegen das allgemeine Gesetz verstöfst. Auf einen infolge eines Vergehens in solchem Amt erwachsenden Schadenersatz ist finnisches Gesetz in Anwendung zu bringen. § 7. In Bezug auf Verbrechen, die von Gesandtschaften fremder Mächte begangen werden, soll was allgemein gebräuchlich oder durch Verträge augeordnet ist, Anwendung finden. 2. Kapitel. Strafen. § 1. Allgemeine Strafarten sind: 1. Todesstrafe. 2. Zuchthaus. 3. Gefängnis. 4. Geldstrafe. Besondere Strafen für Beamte sind: 1. Amtsentsetzung. 2. Entfernung von Ausübung des Dienstes. § 2. Die Zuchthausstrafe ist entweder eine lebenslängliche oder eine zeitige; der Mindestbetrag der letzteren ist sechs 3ronat«. ihr Höchst- betrag zwölf Jahre, ausgenommen wenn auf eine Gesamtstrafe erkannt werden soll. Die Strafe wird nach vollen Monaten oder Jahren, oder vollen Jahren und Monaten bemessen. Wenn im Fall einer Gesamtstrafe Gefängnis in Zuchthaus umgewandelt werden soll, so kann auch die Zuchthausstrafe nach vollen Tagen bemessen werden. § 3. Die unbedingte Gefängnisstrafe ist eine zeitige; ihr Mindest- betrag ist vierzehn Tage, ihr Höchstbetrag vier Jahre, im Fall nicht eine längere GefÜngniszeit besonders vorgeschrieben oder auf eine Gesamt- strafe zu erkennen ist. Die Strafe wird nach vollen Tairen, oder Monaten, oder Jahren, vollen Monaten und Tagen, oder vollen Jahren und 3Ionaten. und bei einer Ge samtstrafe nach vollen Jaliren, Monaten und Tagen bemessen. § 4. Die Geldstrafe wird nach vollen Mark bemessen. Der Mindest- betra^ der Geldstrafe ist drei Mark, der Höchstbetrag eintausend Mark, wenn nicht ein höherer Betrag besonders vorgeschrieben oder auf eine Gesamtstrafe zu erkennen ist. § 5. Wer zur Geldstrafe verurteilt ist und dieselbe nicht voll zu erlegen vermag, soll statt dessen fttr den vollen Straf betrag im Gefängnis gehalten werden ; und hat das Gericht, wenn auf (Jeldstrafe erkannt wird, zugleich die Dauer der entsprechenden Gefängnisstrafe zu bestimmen. Bei Umwandlung von Geldstrafe in Gefängnis ist eine viertägige Gefängnisstrafe dem Betrage bis zu zwanzig Mark gleichzuachten. Über- steigt die Geldstrafe diesen Betrag bis zu einhundert Mark, so wird die Gefängnisstrafe um ein«'n Tag für jeden vollen Betrag von fünf Mark erhöht. Stpigt die Geldstrafe über einhundert Mark, so wird die Ge- fängnisstrafe um einen Tag für jeden, einhundert Mark übersteigenden, vollen B',*trai^ von zehn Mark erhöht, doch darf die Gefängni^zeit in keinem Fall länger als neunzig Tage bemessen werden. § (i. Hängt die Strafe von dem Wert eines bestimmten Vermögens- gutes ab. so entscheidet der Wert, den das Vermögensgut zur Zeit, als das Verbrechen begangen wurde, besafs. § 7. Die Amtsentsetzung unifalst den Verlust desjenigen Amtes, in welchem das Verbrechen begangen wurde, oder welches der Schuldige an Stelle desselben erhalten hat. In dem im § lU genannten Kall und wenn auf Unfähigkeit zur Be- kleidung Öffentlicher Ämter oder auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte neben Amtsentsetzung erkannt wird, umfafst die Amtsentsetzung Ver- lust desjenigen oder derjenigen Ämter, die der Schuldige bekleidet. Betreffend das Recht auf Pension und andere ähnliche Vorteile ist besonders verordnet. S S. Auf Entfenmng von Ausübung des Dienstes wird auf gewisse Zeit und nicht über zwei Jahre erkannt. Die Strafe hat den Verlust des Diensteiiikommens, welches mit dem Amt verbunden ist. von dessen Ausübung der Schuldige entfernt wurde, während der Strafzeit zur Folge. § 7. Ist der, welcher durch ein Verbrechen im Amte Amtsentsetzung oder Entfernung von Ausübung dts Dienstes verwirkt hat, verabs^chiedet oder nur in vorläntigem Besitz des Amtes, so wird der Schuldige an Stelle der Amtsentsetzung zu Geldstrafe bis zu viertausend Mark oder Gefängnis bis zu einem Jahr, und an Stelle der Entfernung von Aus- übung des Dienstes, zu Gehistrafe bis zu zweitausend Mark verurteilt. § lU. Hat ein Beamter die Todesstrafe oder lebenslängliche Zucht- hausstrafe verwirkt, so ist er zngleich des Amtes verlustig zu erklären. Wenn ein Beamter ein Verbrechen begangen, durch welches er eine zeitige Zuchthausstrafe verwirkt hat und wenn nicht besonders mildernde l'mstände vorhanden sind, so ist zugleich auf Amtsentsetzung zu er- kennen, trotzdem das Verbrechen anfser dem Amte geschah. Ein Beamter, der ein<.> unhedingte oder an Stelle einer Geldstrafe erkannte Freiheitsstrafe ahbül'st. soll, im Fall er im Dienst behalten 1» wurde, während der Strafdauer demjenigen Verlast von Vorteilen, welchen die Entfernung von Ausühung des Dienstes mitführt, unter- worfen sein. § 11. Wenn das Gesetz hesonders vorschreibt, dafs ein Beamter für ein im Amte begangenes Verbrechen, welches Amtsentsetzung zur Folge hat. zugleich zur Bekleidung öffentlicher Ämter unfähig erklärt werden soll, so ist auf diese Strafe als eine zeitige nicht unter einem Jahre und rieht über fünfzehn Jahre zu erkennen. Wenn neben der Amtsent- setzung auf eine zeitige Freiheitsstrafe erkannt ist, so soll die oben- erwähnte Unfähigkeit sofort eintreten und über die Dauer der Freiheits- strafe hinaus während der im Urteil für die Unfähigkeit festgesetzen Zeit in Kraft bleiben. Die Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter umfafst zugleich die Unfähigkeit zur Verrichtung öffentlicher Creschäfte und öffentlicher Aufträge. § 12. Unter Beamten im Sinne dieses Gesetzes sind zu verstehen die Amtspersonen des Staates sowie diejenigen, welche veronlnet sind, die Angelegenheiten der Städte, Flecken, Landkommunen. Sprengel oder anderer Gemeinden oder von der Obrigkeit bestätigten allgemeinen Ein- richtungen oder Stiftungen zu verwalten, imgleichen die Beamten und Bediensteten, welche solchen Amts- oder Verwaltungsbehörden unter- geordnet sind, sowie alle anderen, die öffentliche Geschäfte oder Aufträge zu verrichten verordnet oder gewählt sind. § 13. Begeht ein Gefangener in der Strafanstalt ein Verbrechen, das mit Geldstrafe gebüfst werden kann, so soll er daselbst auf die im Gesetz besonders vorgeschriebene Weise gezüchtigt werden. I)as Gleicht gilt für diejenigen (jfefangenen , die wegen Landstreichens in einem Ar- beitshause untergebracht sind. Wird das Verbrechen als nicht durch Geldstrafe sühnbar betrachtet, dann ist die Angelegenheit dem Gericht zu übergeben und das gemeine Gesetz in Anwendung zu bringen. Doch ist in diesem Fall derjeni^rc. der früher zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden, lur das neue Verbrechen, wenn er durch dasselbe nicht die T(»desstrafe verwirkt hat. zu Einzelhaft in heller Zelle bis zu sechs Jahren zu verurteilen. Ist Jas Verbrechen ein schweres, oder sind erschwerende Umstände vorhandrii. so tritt Strafschärfung ein, entweder durch : 1. hartes Kuhelager bis zu dreifsig Tagen, oder 2. Einschränkung der Kost auf Wasser und Brot bis zu zwanzig Tagen, oder 3. Einzelhaft in dunkler Zelle bis zu acht Tagen, ^der 4. zwei der genannten Strafschärfungen, oder alle zusanunen. Begeht ein Getangener aufserhalb des Straf- oder Arbeitshauses lin N'erbrechen. so hat er sich vor Gericht zu verantworten und zwar dt r lebenslänglich Verurteilte gemäfs dem zweiten Abschnitt dieses P:ira- grapheu und ein anderer Gefangener gemäl's den im 7. Xa|>itel enthal- tenen Bestimmungen. § 14. Wenn ein A' erbrechen nach dem Gesetz den Verlust der bür- gerlichen Ehrenrechte zur Folge hat, so ist der Schuldige während der Dauer einer solchen Folge von denjenigen Rechten und Vorteilen anszn- iichliefsen. deren Genufs mit dem Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte verbunden ist. Ist er im Amt oder im Besitz eines anderen öifcntlichen Dienstes, so ist er dieses Amten verlustig zu erklären. Der Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte ist ein lebenslänglicher, wenn das Verbrechen zugleich mit Todesstrafe oder lebenslänglichem Zuchthaus bedroht ist; in anderen Fällen jedoch ein zeitiger und zwar mit einem Mindestbetrag von einem Jahr und einem Höchstbetrage von fünfzehn Jahren. Wenn neben dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf eine zeitige Freihar. Wer durch Erregung von Lärm oder andres Ärgernis vorsätzlich solchen Gottesdienst, kirchliche Handlung oder Religionsübung stört, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis zu drei- hundert Mark bestraft. § 4. Wer in der im § 3 genannten Weise zu privater Andachts- übung versammelte Mitglieder einer in Finnland anerkannten, ge- statteten oder geduldeten Religionsgesellschaft in ihrer Andacht hindert oder stört, wird, imfall er die Andacht verhinderte, mit Gefängnis bis zu acht Monaten, und wenn er sie störte, mit Geldstrafe bis zu dreihundert Mark bestraft. § 5. Wer durch Zwang, List, Geschenke oder Vorspiegelung zeit- licher Vorteile ein 3[itglied einer in Finnland anerkannten, gestatteten oder geduldeten Religionsgescllschaft verleitet, zu einer andern Glaubens- lehre überzutreten, oder durch Taufe oder eine andre Mafsregel den- jenigen, der das oinundzwanzigsto Lebensjahr nicht vollendet hat, zur Anfnahme in eine andre Lehre, als diejenige, in der er erzogen werden soll, befördert, wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe von fünfzig bis zn viertausend Mark bestraft. Der Versuch ist strafbar. Ist der Schuldige nicht ünnisdier Unterthan, so ist er zugleich nach verbüfster Strafe zur Ausweisung zu verurteilen, wenn das Verbrechen solches fordert. 16 § 6. Wer seinen Diener oder einen andern seines Hansgesindes daran verhindert, den Gottesdienst zu besuchen, so dafs er selten oder niemals demselben beiwohnen darf, wird mit Geldstrafe bis zu drei- hundert Mark bestraft. Das in diesem § genannte Verbrechen ist vom öffentlichen Ankläger nicht zu verfolgen, imfall der Klagsinhaber keinen Antrag darauf stellt. k 11. Kapitel. Hochverrat. § 1. Wer in der Absicht, den Kaiser und GrofsfUrsten zu töten, ihn um das Leben bringt, oder einen Versuch dazu macht, wird wegen Hoch- verrats mit dem Tode bestraft. S 2. Wer in der Absicht: 1. den Kaiser und Grofsfürsten gefangen zu nehmen, in Feindes Gewalt zu liefern, der Kegierungsgewalt zu berauben oder zur Regierung unfähig zu machen. 2. Finnland oder einen Teil desselben oder russisches Gebiet einem fremden Staate einzuverleiben, oder einen Teil Finnlands vom Kaiserreich Russland loszureifsen, oder 3. auf ungesetzliche Weise die Staatsordnung Finnlands oder finni- sches Grundgesetz oder die Staatsordnung Russlands aufzu- heben oder zu ändern, oder die Vereinigung Finnlands mit dem Kaiserreich aufzuheben oder die für die Thronfolge festgestellte Ordnung zu ändern, eine Handlung begebt, die die Austührung des Vorsatzes oder den Ver- such dazu enthält, wird wegen Hochverrats mit Zuchthaus auf Lebens- zeit oder von acht bis zu zwölf Jahren bestraft. § 3. Haben zwei oder mehrere die Ausfühning eines hochverräte- rischen Unterneinnens vorabredet, so werden sie wegen solchen Ad- schlages mit Znchtliau:; oder Gefängnis von einem bis zu acht Jahren bestraft. § 4. Wer in der Absiclit, Hochverrat zu begehen, sich mit einer fremden Regierung cinläfst, oder die ihm anvertraute Amtsgewalt mifs- braucht, oder WaflVn anschafft oder Mannschaften anwirbt, oder eine andre ähnliche Vorbereitungsliandhmg vornimmt, wird mit Zuchthaus oder Ue fängnis von einem bis zu acht Jahren bestraft Wer sich in gleicher Absicht zu solcher Mannschaft gesellt, wird mit Zuchthaus oder Ge- fängnis bis zu zwei .Jahren bestraft. § 5. Die im 2. § des 4. Kap. enthaltenen Bestimmungen Ober den Versuch sind auch auf den Versuch des Hochverrats oder der Vor- bereitung zu demselben in Anwendung zu bringen. § tt. Wer eine der in diesem Kapitel angedrohten Strafen verwirkt hat, ist, wenn das Vorbrechen solches fordert, auch der bürgerlichen Ehrenrechte verlustig zu erklären. 17 12. Kapitel. Landesverrat und andere Verbrechen gegen die Sicherheit Finnlands oder Rufslands. § 1. Ein Finnländer, der im Dienste eines fremden Landes in Kriegs- zeit gegen Finnland, Rufsland oder einen Bundesgenossen im Kriege, die Waffen trägt, wird wegen Landesverrats mit Zuchtbaus auf Lebenszeit Oller von acht bis zu zwölf Jahren bestraft. Sind best)nders mildernde Umstände vorhanden, so ist auf Zuchthaus von vier bis zu acht Jahren zu erkennen. § 2. Ein Finnländer, der nach Erklärung oder Ausbruch eines Krieges zum Vorteile des Fi'indes vorsätzlich: 1. 3Iannscliaften, Städtcs Häfen, Festungen. Schanzen. Pässe oder andere Vettt'idigungswerke, Kriegsfahrzeuge. Kriegskassen. Vor- rats- oder Zeughäuser, Vorräte von Waffen oder anderen Kriegs- bedürfnisson oder von Lebensmitteln in feindliche Gewalt bringt, zerstört oder verdirbt, oder Dämme. Telegraphen, Telephone, Eisenbahnen. Brücken oder Ähnliches beschädigt. 2. die Verwendung der Mannschaften gegen den Feind verhindert, oder dieselben zum Feinde überzugehen oder zum Aufruhr oder anderer Untreue verleitet, oder für den Feind Mannschaften an- wirbt oder anschafft. .'5. dem Feinde die Stellung und die Bewegungen der Kriegsmacht oder Katscliläge offenbart, oder demselben Karten, Risse oder Beschreibungen von Verteidigungs werken. Häfen, Wasserstrafsen oder Wegen mitteilt, oder 4. sich vom Feinde als Wegweiser oder Späher gebrauchen läfst, oder ihm Wegweiser otler Spalier verschafft, oder den Spähern des Feindes beisteht, ouch (Beilage 1, Zeittchr. XI). 2 16 § 6. Wer seinen Diener oder einen andern seines Hausgesindes daran verhindert, den Gottesdienst zu besuchen , so dafs er selten oder niemals demselben beiwohnen darf, wird mit Geldstrafe bis zu drei- hundert Mark bestraft. Das in diesem § genannte Verbrechen ist vom öffentlichen Ankläger nicht zu verfolgen, imfall der Klagsinhaber keinen Antrag darauf stellt. 11. Kapitel. Hochverrat. § 1. Wer in der Absicht, den Kaiser und GrofsfQrsten zu töten, ihn um das Leben bringt, oder einen Versuch dazu macht, wird wegen Hoch- verrats mit dem Tode bestraft. g 2. Wer in der Absicht: 1. den Kaiser und Grofsfürsten gefangen zu nehmen, in Feindes Gewalt zu liefern, der Regierungsgewalt zu berauben oder zur Regierung unfähig zu machen, 2. Finnland oder einen Teil desselben oder russisches Gebiet einem fremden Staate einzuverleiben, oder einen Teil Finnlands vi>m Kaiserreich Russland loszureifsen, oder 3. auf ungesetzliche Weise die Staatsordnung Finnlands oder finni- sches Grundgesetz oder die Staatsordnung Russlands aufzu- heben oder zu ändern, oder die Vereinigung Finnlands mit dem Kaiserreich aufzuheben oder die für die Thronfolge festgestellte Ordnung zu ändern. eine Handlung begeht , die die Ausführung des Vorsatzes oder den Ver- such dazu enthält, wird wegen Hochverrats mit Zuchthaus auf Lebens- zeit oder von atlit bis zu zwölf Jahrm bestraft. § H. Haben zwei oder mehrere die Ausführung eines hochverräte- rischen Unternehmens vorahredet. so werden sie wegen solchen An- schlages mit Zuchthaus oder Gefängnis von einem bis zu acht Jahren bestraft. § 4. Wer in der Absicht, Hochverrat zu begehen, sich mit einer fremden Regierung einläfst. oder die ihm anvertraute Amtsgewalt mifs- braucht. oder Waffen ansch.ifft oder Mannschaften anwirbt, oder eine andre ähnliche Vorbereitungshandluug vornimmt, wird mit Zuchthaus oder lie- fängnis von einem bis zu acht Jaliren bestraft. Wer sich in gleicher Absicht zu solcher Mannschaft gesellt, wird mit Zuchthans oder G*^ fängnis bis zu zwei .Jahren bestraft. § 5. Die im 2. § des 4. Kap. enthaltenen Bestimmungen über den Versuch sind auch auf den Versuch des Hochverrats oder der Vor- bereitung zu demselben in Anwendung zu bringen. § (i. Wer eine der in diesem Kapitel angedrohten Strafen vorwirkt hat, ist, wenn das Verbrechen solches fordert, auch der bürgerlichen Ehrenrechte verlustig zu erklären. 'e» 17 12. Kapitel. Landesverrat und andere Verbrechen gegen die Sicherheit Finnlands oder Rufslands. § 1. Ein Finnländer, der im Dienste eines fremden Landes in Kriegs- zeit gegen Finnland. Rufsland oder einen Bundesgenossen im Kriege, die Waffen trägt, wird wegen Landesverrats mit Zuchthaus auf Lebenszeit oder von acht bis zu zwölf Jahren bestraft. Sind besonders mildernde Umstände vorhanden, so ist auf Zuchthaus von vier bis zu acht Jahren zu erkennen. § 2. Ein Finnländer, der nach Erklärung oder Ausbruch eines Krieges zum Vorteile des Feindes vorsätzlich: 1. 3Iannschaften, Städte, Häfen, Festungen, Schanzen, Pässe oder andere Verteidigungswerke, Kriegsfahrzeuge, Kriegskassen, Vor- rats- oder Zeugliäuser, Vorräte von Waffen oder anderen Kriegs- bediirfnissen oder von Lebensmitteln in feindliche Gewalt bringt, zerstört oder verdirbt, oder Dämme, Telegraphen, Telephone, Eisenbahnen. Brücken oder Ähnliches beschädigt, 2. die Verwendung der Mannschaften gegen den Feind verhindert, oder dieselben zum Feinde überzugehen oder zum Aufruhr oder anderer Untreue verleitet, oder für den Feind 3Iannschaften an- wirbt oder anschafft, li. dem Feinde die Stellung und die Bewegungen der Kriegsmacht oder Rjitschläge offenbart, oder demselben Karten, Risse oder Beschreibungen von Verteidigungs werken. Häfen, Wasserstrafsen oder Wegen mitteilt, oder 4. sich vom Feinde als Wegweiser oder Späher gebrauchen läfst, oder ihm Wegweiser oder Späher verschafft, oder den Spähern des Feindes beisteht, oder dieselben beherbergt oder verbirgt, wird wegen Landesverrats mit Zuchthaus auf Lebenszeit oder von vier bis zu zwölf Jahren bestraft. Der Versuch ist strafbar. S 3. Ein Finnländer, der auf andere als obengenannte Weise vor- sätzlich dem Feinde Vorschub leistet, oder zum V^orteile des Feindes Finnland, Rufsland oder einem Bundesgenossen im Kriege, schadet, wird wegen solchen Landesverrats mit Zuchthaus von einem bis zu acht Jahren bestraft. Der Versuch ist strafbar. § 4. Wird ein im 1., 2. oder 3. Paragraph genanntes Verbrechen von demjenigen, der nicht finnischer Bürger ist, aber sich in Finnland auf- hält oder in tinnischem Dienste steht, begangen, so ist er dafür gleich einem Finnländer zn bestrafen. § 5. Fordert ein Finnlilnder oder ein in Finnland sich aufhaltender Russe eine fn;mde Macht auf. das Reich anzugreifen, so wird er wegen eines solchen Anschlages mit Zuchthaus von zwei bis zu acht Jahren und, wenn infolgedessen ein Krieg ausbricht, wegen Landesverrats mit Zucht- haus von sechs bis zu zwölf .Jahren bestraft. Finnische« Strafge&etzbuvh (Beilage 1, Zeitschr. XI j. 2 18 § 6. Wer von einer fremden Macht Geschenke entgegennimmt, um deren Vorteil gegen Finnland oder Rufsland zn fördern« wird mit Zncht- haus bis zn sechs Jahren bestraft.* Die Geschenke oder deren Wert sind als verwirkt zn erklären. § 7. Wenn derjenige, dem die Kenntnis einer heimlichen Unterhand- lung oder eines heimlichen Ratschlages oder Beschlusses in einer Ange- legenheit, auf der das Wohl oder die Sicherheit Finnlands oder Rnfslandä bernht, anvertraut ist, die Unterhandlung, den Ratschlag oder den Be- schlufs offenbart, oder ohne Erlaubnis eine Urkunde in einer solchen An- gelegenheit herausgiebt oder veröffentlicht, so wird er mit Znchthans von zwei bis zu zehn Jahren bestraft. Sind besonders mildernde Umstände vorhanden, so ist auf Zuchthaus bis zu zwei Jahren zu erkennen. Der Versuch ist strafbar. Ist die Unterhandlung, der Ratschlag, der Beschlufs oder die Urknnde zur Kenntnis eines anderen gelangt, oder ist die Urkunde in die Hände desselben geraten, so wird dieser, im Fall er etwas davon offenbart, herausgiebt oder veröffentlicht, trotzdem er weifs, dafs die Angelegenheit geheim gehalten werden soll, mit Gefängnis nicht unter einem Jahr oder mit Geldstrafe nicht unter zweihundert Mark bestraft. § 8. Wer eine Urkunde, die einen Beleg für die Rechte und die Sicherheit Finnlands oder Rufslands enthält, vorsätzlich und mit Kenntnis von der Bedeutung derselben fälscht, vernichtet, beschädigt, unterdrückt oder verheimlicht, wird mit Zuchthaus von zwei bis zu zehn Jahren bestraft. Der Versuch ist strafbar. § 9. Wer eine Strafe nach diesem Kapitel verwirkt hat, soll, wenn das Verbrechen dazu Anlafs giebt, auch der bürgerlichen Ehrenrechte ver- lustig erklärt werden. 13. Kapitel. Majestätsverbrechen sowie Thätlichkeit und Beleidigung gegen Mitglieder des Kaiserlichen Hauses. § 1. Wer in einem andern, als in den im 11. Kapitel genannten Fällen, sich einer vorsätzlichen Mifshandlung oder einer andern vorsätz- lichen Thätlichkeit gegen den Kaiser und Grofsfürsten schuldig macht, wird wegen Majestät» Verbrechens mit dem Tode oder lebenslänglichem Zuchthaus, oder mit Zuchthaus von acht bis zu zwölf Jahren bestraft. Der Versuch ist strafbar. § 2. Wer einer Ehrverletzung gegen den Kaiser und Grofsfürsten sich schuldig macht, wird wegen Majestätsverbrechens mit Zuchthaus bis zu vier Jahren oder mindestens sechsmonatlichem Gefängnis bestraft. § 3. Wer an der Kaiserin, dem Thronfolger, der Kaiserin -Wittwe oder einem andern Mitgliede des Kaiserlichen Hauses einen Mord oder vorsätzlichen Totschlag verübt, wird mit dem Tode bestraft. Wer einer andern vorsätzlichen Mifshandlung oder Thätlichkeit gegen die Kaiserin, den Thronfolger oder die Kaiserin-Wittwe sich schuldig macht, wird mit Zuchthaus von vier bis zu zwölf Jahren oder auf Lebenszeit, oder in 19 leichtem Fällen mit mindestens einjährigem Gefängnis bestraft. Wurde das Verbrechen gegen ein andres Mitglied des Kaiserlichen Hauses ver- übt, so ist der Verbrecher mit Zuchthaus bis zu zwölf Jahren oder min- destens sechsmonatlichem Geföngnis zu bestrafen. Der Versuch der in diesem Paragraph genannten Verbrechen ist strafbar. § 4. Wer einer Ehrverletzung gegen die Kaiserin, den Thronfolger, die Kaiserin -Wittwe oder ein anderes Mitglied des Kaiserlichen Hauses sich schuldig macht, wird mit Zuchthaus oder Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft. Auf gleiche Strafe ist zu erkennen, wenn die Ehrverletzung gegen einen yerstorbeneu Kaiser, eine verstorbene Kaiserin oder einen ver- storbenen Thronfolger innerhalb zwanzig Jahren nach deren Tode erfolgt. § 5. Die Strafverfolgung wegen einer in diesem Kapitel genannten Ehrverletzung ist ohne Genehmigung des Kaisers und GrofsfQrsten von- seiten des öffentlichen Anklägers nicht zulässig. 14. Kapitel. Verbrechen gegen befreundete Staaten. § 1. Wer an dem Oberhaupte eines befreundeten Staates einen Mord oder einen vorsätzlichen oder anderen Totschlag verübt, wird wegen Mordes mit dem Tode, wegen vorsätzlichen Totschlages mit lehensläng- lichem Zuchthaus und wegen andern Totschlages mit Zuchthaus von vier bis zu zwölf Jahren bestraft. Der Versuch eines solchen Mordes oder vorsätzlichen Totschlages ist strafbar. Wegen einer andern Thätlichkeit gegen das Oberhaupt eines be- freundeten Staates oder wegen eines Versuches dazu ist, nach Beschaffen- heit des Verbrechens, auf diejenige Strafe zu erkennen, die für Thätlich- keit gegen Personen in diesem Gesetz angedroht ist; der Umstand, dafs das Verbrechen an dem Oberhaupt eines fremden Staates begangen ward ist aber als ein besonders erschwerender zu betrachten. § 2. Wer sich einer Ehrverletzung gegen das Oberhaupt eines be- freundeten Staates schuldig macht, wird mit Gefängnis von zwei Monaten bis zu drei Jahren oder Geldstrafe von mindestens dreihundert Mark bestraft. § 3. Wer sieb einer verbrecherischen Handlung gegen einen be- freundeten Staat schuldig macht, die, wenn sie gegen Finnland begangen worden wäre. Hochverrat oder einen strafbaren Versuch oder eine straf- bare Vorbereitung dieses Verbrechens enthalten hätte, wird, mit Hück- sichtnahme auf die im 11. Kapitel darüber enthaltenen Bestimmungen, mit Zuchthaus bis zu zwölf Jahren oder Gefängnis bestraft. § 4. Wird eine Mifshandlung oder andre Tütlichkeit oder eine Ehrverletzung an einem beim Kaiser und Grofsfürsten angestellten Ge- sandten eines fremden Staates verübt, so ist wegen Mifshandlung oder Thätlichkeit, wenn das Verbrechen nicht durch ein andres Gesetz mit 2* 20 einer schwereren Strafe bedroht ist, auf GefHngnis nicht unter vier Mo- naten und wegen Ehrverletzun«;; auf Gefängnis von zwei Monaten bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe von mindestens einhundert 3Iark zu er- kennen. § 0. Eine Strafverfolgung eines in diesem Kapitel genannten Ver- brechens ist vonseiten des öffentlichen Anklägers unzulässig, wenn eine solche nicht von der Regierung des fremden Staates gefordert oder vom Kaiser und Grofsftirsten angeordnet wird. 15. Kapitel. Verbrechen gegen die Stände Finnlands und in Bezug auf fremde Wahl- und Stimmrechte. § 1. Wer im Landtage durch Gewalt oder durch Bedrohung mit Gewalt die Rede- oder Beschlufsfreiheit der Landesstände, der Ausschüsse derselben oder eines einzelnen Standes stört, oder die Versammlung der- selben verhindert, oder einen Versuch dazu macht, wird mit Znchthaos von zwei bis zu zwölf .Fahren bestraft. Die Strafe für denjenigen, der sonst ein Mitglied des Landtages oder einen bei den Ständen oder den Ausschüssen Angestellten durch Wort oder That verletzt, ist in der Landtagsordnung vorgeschrieben.*) § 2. Wer bei Wahlen zu öffentlichen Verrichtungen oder Ämtern oder bei Behandlung andrer öffentlichen Angelegenheiten durch Gewalt oder durch Bedrohung mit Gewalt vorsätzlich einen andern in der Aus- übung seines Wahl- oder Stimmrechtes stört oder hindert, wird mit Ge- fängnis bis zu einem Jahre bestraft. Der Versuch ist strafbar. Die Strafe wegen Störung der Wahlfreiheit bei Wahlen von I^nd- tagsabgeordneten ist in der Landtagsordnung vorgeschrieben.**) § 3. Wer in einer öffentlichen Angelegenheit, wie bei Wahl von Landtagsabgeordneten oder zu andern öffentlichen Aufträgen oder Ämtern eine Stimme, oder eine Vollmacht zu einem Sitz im Ritterhause kauft *) Der betreffende §9 der Landtagsordnung lautet: »Wird ein I^and- tagsroanii während des Landtages oder auf der Reise zum oder vom Landtage durch Wort oder That verletzt, nachdem er mitgeteilt, dafs t. Wer sonst ohne gesetzliche Befugnis eine Handlung vorgenumuivn. die nur vom zuständigen Beamten ausgeführt werden darf, wird mit G^ fängnis bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis zu dreihundert Mark bestraft. Geschah es in betrügerischer Absicht, so ist auf Gefängnis bis zu zwei Jahren zu erkennen. § 15. Wer eine öffentliche Urkunde, ein Protokoll. Gerich tsaktfu oder sonst ein Dokument oder Schriftstück, das in öft'entlichem Archiv oder bei einer Behörde oder einem Beamten sich in Verwahr befindet, oder welches einer Behörde oder einem Beamten amtlich übergeben worden ist, vorsätzlich vernichtet, beschädigt, unterdrückt oder sich aneignet, wird, wenn das Verbrechen nicht unter die Bestimmungsn des 1± Kap. fällt, mit Gefängnis bestraft. § 16. Wer öffentlich angeschlagene Bekanntmachungen von Behörde» oder Beamten unbefugterweise wegnimmt oder vorsätzlich beschädigt odt-r verunstaltet, wird mit Geldstrafe bis zu dreihundert Mark bestraft. 8 17. Wer unbefugt ein Siegel, das von einer Behörde oder einem Beamten angelegt ist, um Sachen oder Schriftstücke zu versiegeln, vor- sätzlich erbricht, wird mit einer Geldstrafe oder mit Gefängnis bis zn sechs Monaten bestraft. Gleiche Strafe trifft denjenigen, der Sachen, die gepfändet oder iu Sequestration genommen worden, vorsätzlich der Verstrickung «Mitzieht. § 18. Wer dem gesetzlichen Verbote, bewegliches oder unbewegliches Gut zu veräufsem oder fremdes Eigentum herauszugeben, zuwidcrhamlelt. wird mit Geldstrafe oder mit Gefängnis bis zu drei 3Ionaten bestraft. § 19. Wer von dem Vorhaben eines Hocli Verrats , Landesvermt*«. Mordes, Raubes oder eines andern im g 1 des 25. Kapitels oder im 1.. 2. oder 4. Parairraph des iM, Kapitels oder im -U. Kapitel genannten das Leben und die Gesundheit gefährdenden Verbrechens Kenntnis besitzt und es unterläfst, während das Verbrechen noch verhütet werden kann hiervon der Behörde oder der durch das Verbrechen bedrohten Person rechtzeitig Anzeige zu machen, ist, wenn das Verbrechen oder ein stral- barer Versuch desselben begangen worden ist, einer Gefängnisstrafe bis zu sechs 3Ionaten oder einer Geldstrafe verfallen. 25 Doch ist wegen einer solchen Unterlassung derjenige nicht zu ver- urteilen, der zur Verhütung des Verbrechens gezwungen gewesen wäre, eine der im 2. Abschnitt des § 10 genannten Personen zu offenbaren. § 20. Wer nach erhaltener Kenntnis von einem geschehenen Ver- brechen den Verbrecher verbirgt oder zu verbergen hilft, oder seine Flucht fördert oder ihm bei der Verheimlichung der That oder bei dem Wegräumen der Beweise behilflich ist, wird mit Geldstrafe bis zu fünf- hundert Mark oder Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Geschah es ans Eigennutz, so ist auf Gefängnis bis zu zwei Jahren oder auf Geld- strafe zu erkennen. Doch soll auf eine schwerere, als die für Beihilfe am Verbrechen angedrohte Strafe nicht erkannt werden. Auch soll nach den Bestimmungen dieses Paragraphen keine der im *i. Abschnitt des § 10 genannten Personen verurteilt, noch eines der im 41., 42.. 43. und 44. Kapitel genannten oder ein diesen ähnliches Ver- brechen bestraft werden. § :fl. Wer eine in finnischem oder russischem Militärdienst stehende Person vorsätzlich zum Desertieren verleitet oder die Desertion des- selben vorsätzlich fördert, oder den Deserteur verbirgt, wird mit Ge- tangnis bis zu sechs 3[onaten oder Geldstrafe bis zu fünfhundert Mark bestraft. § 22. Wer einen Finnländer oder Russen zum Militärdienst einer ausländischen Macht anwirbt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark bestraft. Die Strafe für denjenigen, der dem Feinde 3Iannschaften zuführt, ist im 12. Kapitel vorgesehen. § 23. Wer durch falsche Angaben oder andre betrügerische Mittel einen Finnländer zur Auswanderung verleitet, wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark bestraft. Der Versuch ist strafbar. 17. Kapitel. Meineid. § 1. Wer vorsStzlich wider besseres Wissen vor Gericht oder vor einer andern Behörde auf Grund eines geschwornen Eides eine unwalire Aussage abgiebt oder eine solche mit einem Eide erhärtet oder als ver- eidigter Zeuge oder Sacliverständiger vorsätzlich etwas in der Haupt- sache, was, wie er weifs, zur Aufklärung in der Angelegenheit gedient hätte, verschweigt, wird wegen Meineides mit Zuchthaus bis zu sechs Jahren oder, wenn besonders mildernde Umstände vorhanden sind, mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft. Trug die Aussage oder das Verschweigen dazu bei, dafs ein Un- schuldiger zu Zuchthaus oder zum Tode verurteilt wurde, so ist der Mein- eidige mit Zuchthaus von zwei bis zu zwölf Jahren oder oder auf Lebens- zeit zu bestrafen. In allen diesen Fällen ist der Meineidige zugleich der bürgerlichen Ehrenrechte verlustig zu erklären. 26 Widerrufe der Meineidige eine unwahre Aussage oder offenbart er das Verschwiegene aus eignem Antrieb, bevor ein Urteil in der Sache gefallen oder ein andrer dadurch geschädigt worden, so ist er zu Geld- strafe zu verurteilen. § 2. Wer aus Unbedachtsamkeit oder Fahrlässigkeit auf Grund eines geschwomen Eides eine unwahre Aussage abgiebt oder eine solche mit einem Eide erhärtet oder als vereidigter Zeuge oder Sachverständiger etwas verschweigt, was zur Aufklärung in der Angelegenheit hätte dienen können, wird mit Geldstrafe bis zu dreihundert Mark oder Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. Berichtigt er seine Aussage oder offenbart er das Verschwiegne aas eignem Antrieb, bevor ein Urteil in der Sache gefallen oder ein andrer dadurch geschädigt worden, so ist er zu Geldstrafe bis zu einhundert Mark zu verurteilen, im Fall nicht der Richter es der Gerechtigkeit ge- mäfs findet, ihm die Strafe zu erlassen. § 3. Wer als vereidigter Zeuge oder Sachverständiger etwas ve^ schweigt, dessen Offenbarung zur Strafverfolgung gegen eine mit ihm in auf- oder absteigender Linie verwandte oder verschwägerte Person, oder seine Gattin, Pflegeeltern, Pflegekinder, Geschwister oder deren Gatteu. oder gegen seine Verlobte führen kann, wird mit Geldstrafe bis zu zwei- hundert Mark bestraft, oder bleibt, wenn besonders mildernde Umstände vorhanden sind, straflos. Wenn ein derartiges Verschweigen dazu bei- getragen hat, dafs ein Unschuldiger zu Zuchthaus oder zum Tode ver- urteilt wurde, so ist auf Gefängnis bis zu zwei Jahren oder auf Geld- strafe zu erkennen. Wenn die Offenbarung eines Umstandes. den der Zeuge oder Sachverständige verschwiegen hat, zur Strafverfolgung gegen ihn selbst führen kann, so ist er wegen solchen Verschweigens nicht zu verurteilen. § 4. Ein Sachverständiger, der sich auf einen ein für allemal ge- schwomen Eid berufend, ein falsches oder irreführendes Zeugnis oder Gut- achten abgiebt, ist als Meineidiger zu bestrafen. § 5. Wenn derjenige, dem es gestattet worden, an Eides Statt eine andre Versicherung gemäfs seinem Glaubensbekenntnis abzugeben, auf Grund einer solchen Versicherung eine unwahre oder unvollständige Aus- sage abgiebt oder eine solche Aussage mit der Versicherung erhärtet, oder wenn derjenige, dem der Eid erlassen worden, ein falsches Zeugnis ab- legt, so sind beide so zu behandeln, als hätten sie einen Eid geschworen. § 6. Wer einen andern zum Meineid zu verleiten sucht, liat Gefängnis bis zu einem Jahre oder Geldstrafe verwirkt. 18. Kapitel. Verbrechen gegen den Personenstand. § 1. Wer dadurch, dafs er sich an Namen und Stand für einen andern ausgiebt. als er ist, oder durch Verchweigen eines gesetzlichen Ehehin demisses oder eines Umstandes, der die Auflösung der Ehe herbei- 27 ftlhren kann, einen andern zu einem Ehevertrag verleitet, wird zu Ge- fängnis bis zn einem Jahr oder Geldstrafe verurteilt. Ist die Trauung vollzogen oder ist die zum Ehevertrage verleitete Frau vom Betrüger geschwängert worden, so ist auf Zuchthaus bis zu zwei Jahren oder auf Gefängnis von sechs Monaten bis zu zwei Jahren oder bei besonders erschwerenden Umständen auf Zuchthaus bis zu vier Jahren zu erkennen. Ein hier genanntes Verbrechen ist vom öffentlichen Ankläger nicht zu verfolgen, wenn nicht der Klagsinhaber auf Strafverfolgung anträgt oder vor Gericht um Auflösung des Ehevertrages oder der Ehe nachsucht. § 2. Wer ein Kind vorsätzlich unterschiebt oder verwechselt, oder wer auf andre Weise den Personenstand eines andern vorsätzlich ver- ändert oder unterdrückt, wird mit Gefängpais bestraft. Wird die Handlung in der Absicht begangen, sich oder einem Dritten einen Vorteil zu verschaffen oder einem andern einen Schaden zuzufügen, so ist auf Zuchthaus bis zu fünf Jahren und auf Verlust der bürger- lichen Ehrenrechte zu erkennen. Der Versuch ist strafbar. § 3. Wer durch Annahme eines falschen Namens oder durch ein andres betrügerisches Verfahren sich ein Erbe oder andre Familiengerecht- same verschafft, wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, oder, wenn besonders mildernde Umstände vor- handen sind, mit Gefängnis nicht unter sechs 3Iouaten bestraft. Der Versuch ist strafbar. lU. Kapitel. Verbrechen wider die Ehe. § 1. Wenn eine verheiratete Person mit einer unverheirateten Bei- schlaf übt, so wird die verheiratete Person mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe nicht unter einhundert Mark, und die unver- heiratete mit Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark bestraft. § 2. Wenn zwei verheiratete Personen miteinander Beischlaf üben, so wird eine jede mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. § 3. Eine Strafverfolgnujr wegen des im 1. und 2. Paragraphen er- wähnten Beischlafs ist von selten des öffentlichen Anklägers nicht zu- lässig, wenn der Klagsinhaber keinen Antrag darauf stellt oder eine Ehe- scheidung wegen des Verbrechens beim Gericht nicht nachgesucht oder die Erlegung von Unterhaltskosten für in solchem Beischlaf gezeugte Kinder gerichtlich nicht festgestellt worden ist. § 4. Eine verheiratete Person, die mit einer unverheirateten die Ehe eingeht, wird wegen Doppelehe mit Zuchthaus bis zu vier Jahren be- straft. Wenn besonders mildernde Umstände vorhanden sind, so ist auf Gefängnis von zwei Monaten bis zu zwei Jahren zu erkennen. Hatte die unverheiratete Person Kenntnis von der Ehe der andern, so ist sie mit Zuchthaus oder Gefängnis bis zu zwei Jahren zu bestrafen. 28 § 5. Wenn zwei verheiratete Personen miteinander eine Doppelehe eingehen, so wird eine jede mit Zuchthans bis zn sechs Jahren bestraft. Wenn besonders mildernde Umstände vorhanden sind, so ist auf Gefängpus nicht unter sechs Monaten zu erkennen. § 6. Eine verheiratete Person, die sich mit einer andern verlobt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark bestraft. Hatte die unverheiratete Person Kenntnis von der Ehe der andern. 80 ist sie, im Fall »sie bereits früher verlobt war, mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis zu fünfhundert Mark, sonst aber mit Gefängnis bis zn drei Monaten oder Geldstrafe his zu dreihundert Mark zn bestrafen. Eine in solcher Verlobung geschehene Schwängerung fällt unter die Bestimmungen des 4. und 5. Paragraphen. 20. Kapitel. Beischlaf und andre Unzucht § 1. Wer mit seinem eignen Kinde oder andern Abkömmlingen Bei- schlaf übt. wird mit Zuchthaus von zwei bis zu acht Jahren bestrat^. Das Kind oder der Abkömmling ist mit Zuchthaus bis zu vier .Fahren oder Gefängnis nicht unter sechs Monaten zu bestrafen. § 2. Wenn jemand mit der Ehefrau oder Wittwe seines Kindes oder eines andern seiner Abkömmlinge oder mit seinem Stiefkinde oder dessen Abkömmlingen Beischlaf übt, so wird jeder mit Znchthaus bis zu vier Jahren oder Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft. § 3. Der Beischlaf zwischen Geschwistern oder Halbgeschwisteni wird mit Zuchthans bis zu vier Jahren oder Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft. § 4. Wenn jemand mit seinen Geschwister- oder Halbgeschwister- kindem oder deren Abkömmlingen Beischlaf übt, so wird jeder mit Ge- fängnis bis zu einem Jahr bestraft. § 5. Wenn jemand mit dem verwittweten Gatten oder der verwittweten Gattin seines Bruders oder seiner Schwester oder mit den Gatten der Abkommen des Bruders oder der Schwester, oder mit den Abkommen von dem Bruder oder der Schwester seines eignen Ehegatten Beischlaf übt, so ist ein jeder Teilnehmer am Beischlafe zu Geldstrafe von vierzig bis zn zweihundert Mark zu verurteilen. Wenn sie miteinander die Ehe ein- gehen, so ist auf keine Strafe zu erkennen. § (i. Wer mit seinem Pflegekinde, Mündel oder demjenigen, dessen Erziehung und Unterweisung ihm anvertraut ist, Beischlaf übt. wird mit Zuchthaus bis zu drei Jahren oder Gefängnis von drei Monaten bis zq drei Jahren bestraft. Gleiche Strafe trifft Beamte öffentlicher Anstalten, welche mit Pe^ sonen Beischlaf üben, die sich dort in Pflege oder Gewahrsam befinden. § 7. Wer mit einem Mädchen, welches das zwölfte Lebensjahr nicLt vollendet hat. Beischlaf übt oder andre unzüchtige Handlungen vornimmt, 29 wird mit Zuchthans von zwei bis zn acht Jahren oder Gefängnis nicht unter sechs Monaten bestraft. Geschielit es mit einem Mädchen, welclies das zwölfte, aber nicht das fünfzehnte Lebensjahr vollendet hat und welchem früher nicht beigeschlafen worden, so ist auf Zuchthans bis zu zwei Jahren oder Gefängnis von drei Monaten bis zu zwei Jahren zu erkennen. Hatte das Mädchen das fünfzehnte, aber nicht das siebzehnte Lebens- jahr vollendet und war ihm früher nicht beigeschlafen worden, so ist auf Gefängnis bis zu drei Monaten oder Geldstrafe bis zu dreihundert Mark zu erkennen. Ein im !?. oder 3. Abschnitt dieses Paragraphen genanntes Verbrechen ist vom öffentlichen Ankläger nicht zu verfolgen, wenn der Klagsinhaber keinen Antrag darauf stellt. § S. Der Beischlaf mit einer unzurechnungsfähigen Frau wird mit Znchthaus bis zu vier Jahren oder Gefängnis bestraft. § 9. Wenn in andern als den obengenannten Fällen unverheiratete Personen miteinander Beischlaf üben, so wird wegen anfserehelichen Beilagers der 3Iann zu Geldstrafe bis zu vierzig Mark und die Frau zu Geldstrafe bis zu zwanzig Mark verurteilt. Ein Hausherr, der seiner Dienstmagd beischläft, wird wegen anfser- ehelichen Beilagers mit Geldstrafe von vierzig bis zu zweihundert Mark bestraft. Wenn diejenigen , die aufsereheliches ßeilager miteinander gehabt haben, die Ehe miteinander eingehen, so bleiben sie straflos. § 10. Wer ein Haus unterhält, um daselbst Unzucht zu treiben oder wer eine Frau zur gewerbsraiifsigen Unzucht verleitet, wird wegen Kuppelei mit Zuchtliaus bis zu drei Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte bestraft. Der Versuch einer solchen Verleitung ist strafbar. Eine Frau, die sich in einem solchen Hause oder sonst öffentlich zur gewerbsmäfsigen Unzucht brauchen läfst, wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft. § 11. Wer seine Tochter zum Beischlaf mit einem andern verleitet oder bestimmt, wird mit Zuchthaus von einem bis zu fünf Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft. Wer seine Pflegetochter oder weibliches Mündel oder ein Mädchen, dessen Erziehung oder Unter- weisung ihm anvertraut ist, zu solchem Beischlaf bestimmt, wird mit Zuchthaus bis zn drei Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte «ler Gefän«rnis von drei Monaten bis zu drei Jahren bestraft. Der Versuch ist strafbar. § 12. Wenn Personen desselben (reschlechts Unzucht miteinander treiben, so wird jeder mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft. W^er sich der Unzucht mit Tieren oder eines Versuchs dazu schuldig macht, wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft. § \X Wer eine an ihm haftende venerische Krankheit durch Bei- schlaf wissentlich auf einen andern überträgt, wird mit Zuchthaus oder Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft. 30 § 14. Wer öffentlich unzüchtige Handlungen yornimmt und dadnich Ärgernis gieht, wird mit Geldstrafe oder Gefängnis his zu sechs Monaten bestraft. Gleiche Strafe trifft den, der Druck- oder andre Schriften oder bild- liche Darstellungen, die Zucht und Sitte verletzen, verbreitet oder an allgemein zugänglichen Stellen anschlägt oder ausstellt. § 15. Die Strafe für Unzucht in gewissen Fällen ist im 25. Kapitel angegeben. 21. Kapitel. Mord, Totschlag und sonstige Mifshandlung. § 1. Wer vorsätzlich und mit Vorbedacht einen andern tötet, wird wegen Mordes mit dem Tode oder mit lebenslänglichem Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft. Der Versuch ist strafbar. § 2. Wer vorsätzlich, jedoch ohne Vorbedacht einen andern tötet, wird wegen Totschlages mit Zuchthaus von acht bis zu zwölf Jahren oder auf Lebenszeit bestraft. War der Totschläger ohne eigne Schuld durch eine schwere Beleidi- gung oder besondere Gewaltsamkeit des Getöteten zum Zorne gereizt, oder sind sonst besonders mildernde Umstände vorhanden, so ist aof Zuchthaus von vier bis zu acht Jahren, oder, wenn in solchem Fall der Totschlag an einem Verwandten in aufsteigender Linie oder an einem Gatten verübt wurde, auf Zuchthaus von sechs bis zu zwölf Jahren zu erkennen. Der Versuch ist strafbar. § 3. Ist jemand dnrch das eigne ernstliche Verlangen des Getöteten zur Tötung bestimmt worden, so ist auf Gefängnis nicht unter sechs Monaten oder auf Zuchthaus bis zu vier Jahren zu erkennen. § 4. Wer, ohne die Absicht zu töten, vorsätzlich einen andern körper- lich mifshandelt, so dafs dieser infolgedessen stirbt, wird mit Zuchtham von zwei bis zu zwölf Jahren bestraft. War der Thäter ohne eigne Schuld durch eine schwere Beleidigung oder durch besondere Gewaltsamkeit des Getöteten zum Zorne gereizt, oder war die Mifshandlung derartig, dafs der Tod oder eine schwerere Körperverletzung als wahrscheinliche Wirkung derselben nicht erwartet werden konnte, oder sind sonst besonders mildernde Umstände vorhanden, so ist auf Zuchthaus bis zu vier Jahren oder Gefängnis nicht unter sechs Monaten zu erkennen. § 5. Wer vorsätzlich einen andern körperlich so mifshandelt, dafs dieser infolgedessen eine schwere Körperverletzung erleidet, wird, wenn die schwere Körperverletzung beabsichtigt war, mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren bestraft. Der Versuch ist strafbar. War eine schwere Körperverletzung nicht beabsichtigt, so ist auf Zuchthaus bis zu sechs Jahren oder Gefängnis nicht unter drei Monaten zu erkennen. 31 Unter schwerer Körperverletzung ist zu yersteheii: Verlust der Sprache, des Gesichtes oder des Gehörs, eine schwere Yerkrttppelung oder ein andrer schwerer körperlicher Fehler, eine dauenide schwere Schädi- gung der Gesundheit oder lehensgefährliche Krankheit. § 6. Wenn jemand ohne Mifshandlung und ohne die Absicht zu töten, durch vorsätzliche Ausführung eines Verbrechens, welches das Leben oder die Gesundheit eines andern mit offenbarer Gefahr bedroht, wie Fruchtabtreibung ohne Einwilligung der Mutter, Versetzen eines andern in eine hilflose Lage, Herbeiführen einer Überschwemmung oder eines Schiffbruchs, Brandstiftung oder eine andre ähnliche Unthat den Tod oder die schwere Körperverletzung eines andern verursacht, oder ist bei Aufruhr, Auflauf, Notzucht, Raub oder einem andern ähnlichen mit Mifshandlung verknüpften vorsätzlichen Verbrechen der Tod oder eine schwere Körperverletzung die Folge der Mifshandlung gewesen, so wird der Schuldige wie für ein Verbrechen, wenn der Tod erfolgte, mit Zucht- haus von sechs bis zu zwölf Jahren oder auf Lebenszeit, und wenn eine schwere Körperverletzung die Folge war, mit Zuchthaus von vier bis zu zwölf Jahren bestraft. § 7. Wer, ohne die Absicht zu töten, einem andern, um ihm zu schaden, Gift oder ähnliche geföhrliche Stoffe beibringt, wird, wenn der Tod infolgedessen eintrat, mit Zuchthaus von acht bis zu zwölf Jahren oder auf Lebenszeit, wenn eine schwere Körperverletzung die Folge war, mit Zuchthaus von sechs bis zu zwölf Jahren, und wenn ein geringer oder gar kein Schaden darauf folgte, mit Zuchthaus von zwei bis zu acht Jahren bestraft und ist in allen genannten Fällen der bürgerlichen Ehren- rechte verlustig zu erklären. Der Versuch ist strafbar. Wer in der Absicht, einem andern zu schaden. Gift oder ähnliche gefährliche Stoffe bereitet oder sich anschafft, aber keinen Versuch zur Ausfühning seines Vorsatzes macht, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. § 8. Wenn zwei oder mehrere bei einem Überfall oder einer Schlägerei einen andern vorsätzlich mifshandeln, so dafs dieser infolgedessen den Tod erleidet, so wird jeder, der ihm eine tötliche Verletzung beigebracht, als Totschläger bestraft. Sind dem Mifshandelten Verletzungen beigebracht worden, welche im Verein, aber nicht einzeln für sich, den Tod zur Folge gehabt, so ist gleichfalls jeder, der eine dieser Verletzungen herbeigeführt, als Totschläger zu betrachten; doch ist in diesem Falle, wenn besonders mildernde Umstände vorhanden sind, derjenige, der nicht den Vorsatz hatte, zu töten, mit Zuchthaus bis zu sechs Jahren uder Gefängnis nicht unter sechs Monaten zu bestrafen. Sind dem Mifshandelten Verletzungen zugefügt worden, welche ent- weder jede für .««ich oder im Verein eine schwere Körperverletzung zur Folge haben, so wird ein jeder, der zur Verletzung beigetragen, so als hätte er selbst dieselbe bewirkt, (»der im letztem Fall, bei besonders mildernden Umständen mit Gefängnis von drei Monaten bis zu drei Jahren bestraft,. 32 Wer bei einem solchen Überfall oder solcher Schlägerei anderweitig sich am Mifshandelten thätlich vergreift, wird, wenn der Tod erfolgte, mit Zuchthaus oder Oefängnis bis zu drei Jahren oder Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark, und wenn eine schwere Körperverletzung die Folge war. mit Zuchthaus oder Crefängnis bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe bis zu fünfhundert 3Iark bestraft. Die übrigen, welche an der Schlägerei beteiligt waren, sind, wenn der Tod erfolgte, mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder Geldstrafe bis zu fünfhundert Mark, und, wenn eine schwere Körperverletzung die Folge war, mit einer Geldstrafe bis zu dreihundert Mark zu bestrafen. § 9. Wenn bei einem Überfall oder einer Schlägerei, woran zwei oder mehrere teilgenommen, ein andrer den Tod oder eine schwere Körperverletzung erleidet, und nicht ermittelt werden kann, wer von denselben de« Tod oder die Körperverletzung verursachte, so wird ein jeder, der sich an dem Mifsliandelten thätlich vergriffen, wegen Raut- handels, wenn der Tod erfolgte, mit Zuchthaus bis zu vier Jahren oder Gefängnis nicht unter drei 3Ionaten und, wenn eine schwere Köri)er- verletzung die Folge war, mit Zuchthaus bis zu drei Jahren oder Ge fängnis von einem Monat bis zu drei Jahren, und die übrigen, die sich au dem Ranfhandel beteiligt, gemäfs der im letzten Abschnitt des § ^< enthaltenen Bestimmung bestraft. § U). Wer durch Fahrlässigkeit oder Unachtsamkeit den Tod udor die schwere Köri^erverletzung eines andern verschuldet, wird, wenn der Tod erfolgte, mit Gefängnis bis zu drei Jahren oder Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark und. wenn eine schwere Körperverletzung die Folge war, mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bis zu fünfhundert Mark bestraft. v:; 11. Wer einen andern vorsätzlich mifshandelt, so dafs dieser in- folgedessen eine gelindere als die im § 5 genannte Beschädigung, körper- lichen Felller oder Krankheit erleidet, wird zu Gefängnis bis zu zwei Jahren oder (Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark verurteilt. Wenn besonders erschwerende Umstände vorhanden sind, ist auf Zuchthaus bis zu drei Jahren zu erkennen. Für eine durch Fahrlässigkeit verschuldete, in diesem Paragraph ge- nannte geringere Körperverletzung ist auf Geldstrafe bis zu zweihundert Mark zu erkennen. § 12. Wer vorsätzlich einen andern mifshandelt, so dafs nur ein i,'^^- ringer oder gar kein Schaden die Folge ist, wird mit Geldstrafe bis zn zweihundert Mark oder Gefängnis bis zu vier Monaten bestraft. Wer bei Ausübung seines Züchtigungsrechtes dem Gezüchtigten einen in diesem Paragraph genannten geringen Schaden zufügt, ist dafür nicht zu bestrafen. § 13. Wenn jemand in der Absicht, eine Mifshandlung zu begehen, ein Messer oder Schwert zieht, ein Gewehr spannt oder sonst eine Waffe udor ein lebensgefährliches Werkzeug gegen einen andern kehrt, so ist solches, wenn ein Schaden dadurch entsteht, als erschwerender Umstan*! zu betrachten, und kann für eine im § 1*2 genannte geringe Beschädigun:: auf Getilugnis bis zu sechs Monaten erkannt werden. 33 Entsteht infolgedessen kein Schaden, oder wird sonst eine Waffe oder ein lebensgefährliches Werkzeug im Zorn gegen einen andern erhoben, so ist auf Geldstrafe bis zu zweihundert Mark zu erkennen. § 14. Eine im 11. oder 12. Paragraph genannte Mifshandlung und das im § 13 genannte Vergehen sind vom öffentlichen Ankläger nicht zu verfolgen, wenn der Klagsinhaber keinen Antrag darauf stellt, oder wenn das Vergehen nicht auf öffentlicher Strafse oder öffentlichem Platze oder bei öffentlicher Verrichtung oder Versammlung oder vor einer Behörde oder von einem in einer Straf- oder Arbeitsanstalt Befindlichen verübt wurde. Eine durch Fahrlässigkeit verursachte Körperverletzung ist gleichfalls vom öffentlichen Ankläger nicht zu verfolgen, wenn der Klagsinhaber keinen Antrag darauf stellt. 22. Kapitel. Kindesmord. § 1. Eine in unehelichem Beischlafe schwanger gewordene Frau, die ilir Kind in oder gleich nach der Geburt vorsätzlich durch Tötung, Aus- setzung oder Aufserachtlassnng solcher Umstände, die notwendig waren, um das Kind am Leben zu erhalten, ums Leben bringt, wird wegen Kindesmordes mit Zuchthaus von zwei bis zu zehn Jahren bestraft. Der Versuch ist strafbar. Ein Teilnehmer an diesem Verbrechen wird wie ein Teilnehmer am 3[orde oder vorsätzlichem Totschlage bestraft. § 2. Eine Frau, die den Tod ihrer Leibesfrucht durch Fahrlässigkeit oder dadurch, dafs sie bei der Niederkunft die Einsamkeit aufsucht und infolgedessen sich in eine hilfslose Lage versetzt, oder durch eine andre Unachtsamkeit verschuldet, wird nach den Bestimmungen des 21. Kapitels über fahrlässig verschuldeten Tod bestraft. § 3. Wenn ein Vater, eine Mutter, ein Hausherr oder eine Hausfrau, welche Kenntnis davon haben, dafs eine Frau, die bei ihnen wohnt und unter ihrem Gehorsam steht, infolge unehelichen Beischlafs schwanger geworden ist, es unterlassen, ihr bei der Niederkunft die Pflege ange- deihen zu lassen, die ihr Zustand erfordert, und dadurch den Tod des Kindes verschulden, so werden sie mit Geldstrafe bis zu dreihundert 31ark oder Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. Gleiche Strafe trifft den Beischläfer, wenn er mit Kenntnis von der Schwangerschaft und Notlage der Frau dieselbe ohne Unterstützung oder nötige Pflege läfst. so dafs das Kind infolgedessen stirbt oder ausge- setzt wird. § 4. Wenn eine in unehelichem Beischlafe schwangor gewordene Frau ihre Leibesfrucht venüchtet oder verheimlicht und es nicht be- wiesen werden kann, ob sie oder ein andrer den Tod derselben verursacht hat. so ist si(.' mit G(ftangnis bis zu sechs Monat<;n oder Geldstrafe bis zu fünfhundert Mark zu bustrafen. Wer einer Frau zur Ausführung des Verbrechens anrät oder ihr dabei hilft, wird als Teilnehmer bestraft. FinnUches Strat'((e»etBbucli (Beilage 1, Zeitschr. XI). 3 34 § 5. Eine Frau, welche ihre Fracht vorsätzlich abtreiht oder im Mutterleibe tötet oder töten läfst, wird mit Zuchthans bis zu vier Jahren oder Gefängnis nicht unter sechs Monaten bestraft. Gleiche Strafe trifft denjenigen, der mit Einwilligung der Frau ihre Fracht vorsätzlich abtreibt oder im Mutterleibe tötet. That er es gegen Vergütung, so ist auf Zuchthaus bis zu sechs Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zu erkennen. Der Versuch der in diesem Paragraph genannten Verbrechen ist strafbar. § 6. Wer ohne Einwilligung der Frau ihre Frucht vorsätzlich ab- treibt oder im Mutterleibe tötet, wird mit Zuchthaus von zwei bis zu acht Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft. Der Versuch ist strafbar. § 7. Wer, ohne die Absicht das Kind zu töten, durch vorsätzliche ^lifshandlung der Frau, die er schwanger wufste, den Tod des Kindes verschuldet, wird mit Zuchtbaus bis zu drei Jahren oder Gefängnis nicht unter drei 31onaten bestraft. § 8. Eine in unehelichem Beischlafe schwanger gewordene Fran. welche, um sich von ihren Mutterpflichten zu befreien, ihr Kind aussetzt oder sonstwie aufgiebt und in hilfloser Lage läl'st, wird mit Gefänirni* von zwei Monaten bis zu zwei Jahren bestraft. Erlitt das Kind infolge dessen den Tod oder eine schwere Körperverletzung, so wird die Fran. wenn der Tod erfolgte, mit Zuchthaus von einem bis zu sechs Jahren, und wenn eine schwere Körperverletzung die Folge war, mit Zuchthaus bis zu vier Jahren oder Gefängnis nicht unter sechs Monaten bestraft. Wurde die Handlung an einem solchen Ort oder unter solchen Um- ständen bedangen, dafs nur geringe Gefahr für das Leben oder die ire- suudbeit des Kindes vorhanden war, so ist auf Gefängnis bis zu drei Monaten oder Geldstrafe bis zu fünfhundert Mark zu erkennen. Erlitt das Kind den Tod oder eine schwere Körperverletzung, so wird die 3Iutter nach der im J^ 10 des 21. Kapitels enthaltenen Bestimmuni;: 1»*^ straft. § 9. Die besondera Bestimmungen dieses Kapitels in Bezuir am' solche, die durch unehelichen Beischlaf geschwängert worden, finden keine Anwendung auf diejenigen, welche durch gerichtlichen Urteilsspruch al« Ehefrau des Beischläfers erklärt oder mit ihm ehelich verbunden wurdto. 23. Kapitel. Zweikampf. § 1. Wenn zwei Personen nach Übereinkunft sich in einen Zweikampf miteinander einlassen, so wird derjenige, der dabei seinen Gegner der- artig verletzte, dafs dieser infolgedessen den Tod erlitt, mit CrefäuLnii* von zwei bis zu acht Jahren, oder, wenn die Verabredung enthielt, daf^ einer von beiden Teibn das Leben verlieren solle, mit Gefängnis toh sechs bis zu zwölf .Jahren bestraft. Erhielt beim Zweikampf der eine Teil eine schwere Körper\*erletziinir. so wird der Thäter mit Gefän^rnis nicht unter sechs 3Ionaten bestraft. 35 War die Verletzung eine geringere, so ist auf Gefängnis bis zu zwei Jahren zu erkennen. Der Teil, der seinem Gegner keine Körperverletzung zugefügt bat, wird mit Geföngnis bis zu einem Jahr bestraft. Ist eine Tötung oder Körperverlftzung mittels vorsätzlicher Über- tretung der vereinbarten oder hergebrachten Kegeln des Zweikampfes be- wirkt worden, oder hat der Zweikampf ohne Sekundanten stattgefunden, so ist der, welcher seinen Gegner tötete oder verletzte, gemäfs den für Mord, Totschlag oder ^lifshandlung gegebenen Bestimmungen zu be- strafen. S^ 2. Wer sich dazu brauchen läfst, eine Herausforderung zum Zwei- kampf zu überbringen, wird, falls der Zweikampf stattfindet, mit Ge- fängnis bis zu sechs Monaten bestraft. Wenn er ernstlich bemüht gewesen ist, den Zweikampf zu verhindern, so bleibt er straflos. § 3. Sekundanten. Zeugen und Ärzte, die zum Zweikampf zugezogen werden, sind straflos. 24. Kapitel. Friedensbruch. § 1. Wer rechtswidrig gegen den Willen eines andern in dessen Heim eindringt, sei es Zimmer, Hans, Hof oder Fahrzeug, und mag er es besitzen oder geliehen oder gemietet haben, oder wer es rechtswidrig unterläfst, trotz einer dahin gerichteten Aniforderung sieh von dort zu entfernen, oder wer sich ohne triftigen Grund dorthin schleicht oder sich daselbst verbirgt, wird wegen Hausfriedensbruches mit Geldstrafe bis zu fünfhundert 3Iark oder Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. Wer auf oben angegebene Weise in einem Hause, Hof oder Fahr- zeuge, wo sich der Kaiser und Grofsfürst aufhält, oder in einem Hause, wo die Landstände oder ein Stand oder Ausschufs des Landtages ver- sammelt sind, oder in einem Amtszimmer oder einem Räume, wo ein Amt verrichtet wird, den Frieden bricht, wird mit Geldstrafe oder Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Wird ein in diesem Paragraph genanntes Verbrechen in der Absicht, einer Person Gewalt anzuthun oder Eigentum zu beschädigen, oder von einem, der mit Waffen oder lebensgefährlichen Werkzeugen oder andern iteschädigungsmittelu versehen ist, oder von zwei oder mehreren Personen gemeinsam begangen, so ist auf Gefängnis bis zu zwei Jahren zu er- kennen. § 2. Wird eine Haussuchung von einer unbefugten Person oder von einer befugten Person in rechtswidriger Weise angestellt, so ist auf Geldstrafe oder Gefängnis bis zu einem Jahr zu erkennen. § 3. Wer vorsätzlich bei einem andern die Fenster einschlägt, oder Steine oder andres in dessen Zimmer, Haus, Hof oder Fahrzeug hineinwirft, oder dorthin mit Waffen hineinschiefst, wird mit Geldstrafe bis zu fünf- hundert Mark oder Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. Wer auf die oben angegebene Weise in einem Hause, Hof oder Fahr- zeuge, wo sich der Kaiser und Grofsfürst aufhält, oder in einem Hause, a* 36 wo die Landstände oder ein Stand oder AusschuTs des Landtages ver- sammelt sind, oder in einem Amtszimmer oder einem Räume, wo ein Amt verrichtet wird, den Frieden bricht, wird mit Geldstrafe oder Gefängnis bis ZQ einem Jahr bestraft. § 4. Wer unbefugt aus einem Grabe eine Leiche oder einen Teil derselben herausnimmt, oder desgleichen eine unbeerdigte Leiche ver- nichtet, wegschafft oder zerstttckt oder mit einer Leiche Unfug treibt, oder uubefngt ein Grab zerstört oder beschädigt oder damit Unfug treibt, wird zu Gefängnis bis zu einem Jahr oder Geldstrafe verurteilt. § 5. Der im 1., 2. oder 3. Paragraph genannte Friedensbruch ist vom öffentlichen Ankläger nicht zu verfolgen, wenn der Klagsinhaber keinen Antrag darauf stellt oder das Verbrechen nicht an einem im 2. Abschnitt des § 1 genannten Orte verübt wurde. 25. K.apitel. Verbrechen wider die Freiheit. § 1. Wer durch Gewalt, Drohungen oder List sich der Person eines andern bemächtigt, um ihn in den Kriegs- oder Seedienst eines andern Landes, oder in Sklaverei oder Leibeigenschaft oder einen andern Zwangs- zustand aufserhalb des Landes, oder in eine hilflose Lage an einem Ort. wo Gefahr für sein Leben vorhanden ist, zu bringen, wird mit Zuehthau!> von vier bis zu zwölf Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft. Wer sich des Sklavenhandels oder Sklaventransports schuldig macht, ist derselben Strafe verfallen; zugleich ist das Fahrzeug, das zu obigem Zwecke gebraucht wurde, als verwirkt zu erkläreTi. Der Versuch eines in diesem Paragraph genannten Verbrechens ist strafbar. § 2. Wer in andern, als den im § 1 genannten Fällen, rechtswidrig^ sich eines Kindes, welches das fünfzehnte Lebensjahr nicht vollendet bat bemächtigt und dasselbe entführt, oder ein Kind vom Vater, von der Mutter oder von demjenigen, in dessen Obhut und Gehorsam dasselbe steht, trennt, wird mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten oder Zucht- haus bis zu vier Jahren bestraft. Geschieht es, um das Kind zu Bettelei oder einem andern eigennützigen oder unsittlichen Zwecke oder Gewerbe zu gebrauchen, so ist auf Zuchthaus von zwei bis zu acht Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zu erkennen. Der Versuch ist strafbar. § 3. W^er ein Kind, das sich selbst nicht helfen kann, oder eine andre hilflose Person vorsätzlich aussetzt, oder sonst einen andern, den fortzuschaffen, zu begleiten oder zu hüten er verpflichtet ist oder über- nonmien hat. in eine liilflose Lage versetzt, aufgiebt oder in einer solchen Lage verläfst. wird mit Zuchthaus bis zu vier Jahren oder Gefängni:' nicht unter sechs Monaten bestraft. Wurde die Handlung an einem solchen Ort oder unter solchen Um- ständen begangen, dafs für Leben und Gesundheit des in die hilfloser 37 Lage Versetzten oder in derselben Verlassenen eine geringe Gefahr vor- handen war, so ist anf Gefängnis oder Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark zu erkennen. Die Strafe für eine Fran, die ihr nach unehelichem Beischlaf ge- borenes Kind aussetzt, ist im § 8 des 22. Kapitels bestimmt. § 4. Wer eine Frau durch Gewalt oder durch Bedrohung mit gegen- wärtiger Gefahr zum Beischlaf zwingt, oder wer mit einer Frau Bei- schlaf übt, die er zu diesem Zweck in einen Zustand versetzt, in dem sie ihrer selbst nicht bewufst ist oder sich nicht zu wehren vermag, wird wegen Notzucht mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren, oder, bei besonders mildernden Umständen, mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten bestraft. Der Versuch ist strafbar. § B. Wer mit einer Frau Beischlaf übt, welche sich sonstwie in einem solchen Zustande befindet, dafs sie ihrer nicht bewufst ist oder sich nicht wehren kann, wird mit Zuchtbaus bis zu vier Jahren oder Ge- fängnis bestraft. § 6. Wer durch Gewalt oder durch Bedrohung mit gegenwärtiger Gefahr eine Frau zwingt, eine andre unzüchtige Handlung als Beischlaf zu dulden, oder eine derartige Handlung mit einer Frau vornimmt, die er zu diesem Zweck in einen Zustand versetzt hat, in welchem sie ihrer nicht bewufst ist oder sich nicht wehren kann, wird zu Gefängnis- oder Geldstrafe verurteilt. § 7. Wer durch Gewalt oder Drohung oder sonstwie sich einer Frauensperson bemächtigt, die das fünfzehnte Lebensjahr vollendet hat, und dieselbe wider ihren Willen entführt oder in seiner Gewalt behält, um mit ihr unzüchtige Handlungen vorzunehmen oder die Ehe einzugehen, wird mit Zuchthaus bis zu acht Jahren oder Gefängnis nicht unter sechs Monaten bestraft. Der Versuch ist strafbar. ^ 8. Wer eine Frauensperson, die das fünfzehnte Lebensjahr vollendet hat, mit ihrer Einwilligung, jedoch ohne Einwilligung des Verlobers oder eines andern gesetzlichen Vertreters entführt, um mit ihr die Ehe einzu- gehen, wird zu Gefängnis bis zu einem Jahr oder Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark verurteilt. Geschieht es, um Unzucht zu treiben, so ist auf Zuchthaus oder Gefängnis bis zu zwei Jahren zu erkennen. § 9. Wer vorsätzlich, ohne gesetzliche Befugnis, durch Gefangen- nehmen, Einsperren oder sonstwie einen andern der Freiheit beraubt, wird mit Zuchthaus bis zu vier Jahren oder Gefängnis bestraft. Hat der Verlust der Freiheit über dreifsig Tage gedauert, oder sind sonst be- sonders erschwerende Umstände vorhanden, so ist auf Zuchthaus bis zu sechs Jahren zu erkennen. § 10. Wer ohne gesetzlichen Gnind, aber nicht aus böswilliger Ab- sicht, mit vermeintlichem Recht einen andern ergreift und mit ihm gemäfs den die gesetzliche Verhaftung betreffenden Bestimmungen verfährt, ist zu Gefängnis bis zu sechs 3Lonaten oder Geldstrafe nicht unter einhundert Mark zu verurteilen. Verfuhr er nicht gemäfs den die gesetzliche Ver- 38 haftnng betreffenden Bestimmungen, so ist auf die im § 9 genannte Strafe zu erkennen. Wer mit gesetzlichem Grund einen andern ergreift, jedoch mit ihm nicht gemäfs den die gesetzliche Verhaftung betreffenden Bestimmungen verfährt, wird mit Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark, oder, bei besonders erschwerenden Umständen, nach den Bestimmungen des § 9 bestraft. § 11. Wer einen andern peinigt, um ihn zu einem Bekenntnis in irgend einer Sache zu zwingen, wird mit Zuchthaus bis zu vier Jahren oder Gefängnis bestraft. § 12. Wer ohne gesetzliche Befugnis durch Gewalt oder Drohungen einen andern zwingt, etwas zu thun, zu dulden oder zu unterlassen, wird, wenn die Handlung durch das Gesetz nicht mit einer schwerem Strafe bedroht ist, zu Gefängnis bis zu einem Jahr oder Geldstrafe ver- urteilt. § 13, Wer einen andern unter solchen Umständen mit einem Ver- brechen bedroht, dafs die Erfüllung der Drohung wahrscheinlich erschemt. wird zu Gefängnis bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis zu fünf- hundert Mark bestraft. § 14. Die in den S§ 4, 5, 6, 7 und 8 genannten Verbrechen sind vom öffentlichen Ankläger nur in dem Fall zu verfolgen, wenn der Kliiiiss- inhaber einen Antrag darauf stellt, oder, im Fall der Schuldige mit der betreffenden Frau die Ebe eingegangen, rin Rückgang der Ehe nach- gesucht wird. Wenn der Rückgang einer solchen Ehe nicht nachgesucht wird, so ündet eine Strafverfolgung nicht statt. Die im 12. und 1:». Paragraph erwähnten Verbrechen sind gleichfalls vom öffentlichen Ankläger nicht zu verfolgen, wenn der Klagsinhaber keinen Antrag darauf stellt. 2G. Kapitel. Falsche und unbewiesene Anschuldigung. § 1. Wer wider besseres Wissen vor (iericht oder einer andeni Be- hörde jemanden eines Verbrechens beschuldigt, welches dieser nicht be- gangen, oder fälschliclierweise ein Verbrechen angiebt und dadurch eine Strafverfolgung gegen einen andern veranlafst, wird mit Zuchthaus M* zu vier Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte oder (Tefänirnis nicht unter vier Monaten oder, bei besonders mildernden Umständen, mit Gefängnis von zwei Monaten bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe nicht unter zweihund(?rt Mark bestraft. Wurde der Angeschuldigte zu Zuchthaus- oder Todesstrafe verurteilt, und ist die Strafe ganz (»der teilweise vollstreckt worden, so ist der Au- geber njit Zuclithans von zwei bis zu zwölf Jahren oder auf Lebenszeit und mit Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zu bestrafen. g 2. AVer, um einem andern eine Strafe zuzuziehen, wider besseres Wissen gegen ihn einen unwahren und belastenden Umstand anführt der eine Strafverfolsrnnu: zur Folge hat. oder Beweise für seine Unschuld weg- schafft oder auch, naclidem eine Strafverfolgung eingeleitet worden. Be- weise für die Un.>chuld des Augeschuldigten wegschafft, oder gegen den- 39 selben einen unwahren und belastenden Umstand anführt, wird gemäfs den Bestimmungen des § 1 bestraft. § 3. Wer wider besseres Wissen fälschlich ein Verbrechen bei dem- jenigen antriebt, dem es obliegt, das Verbrechen zu verfolgen, wird, auch -wenn eine Verfolgung nicht eintrat, mit Gefängnis von einem Monat bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark bestraft. § 4. Wer nicht wider besseres Wissen gegen einen andern eine Strafverfolgung ausführt oder veranlafst, aber seine Anzeige nicht be- legen kann, wird mit Geldstrafe oder Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Wer für die Anzeige Wahrscheinlichkeitsgründe anführt, bleibt straflos. § 5. Wer nach diesem Kapitel zur Strafe verurteilt wird, ist zu- gleich zu verpflichten , dem Klagsinhaber , wenn dieser es fordert , die Kosten für den Abdruck des Urteils in einer allgemeinen oder örtlichen Zeitung zu erstatten. 27. Kapitel. Ehrverletzung. § 1. Wer wider besseres Wissen wahrheitswidrig einem andern ein bestimmtes Verbrechen oder eine gewisse Art Verbrechen oder eine andre derartige Handlung aufbürdet, die diesen verächtlich zu macheu oder in seinem Gewerbe oder Fortkommen zu schaden geeignet ist, oder auch über ihn erdichtete oder unwahre Gerüchte verbreitet, wird wegen Verleumdung mit GefängnJH von einem Monat bis zu einem Jahr oder Geldstrafe nicht unter einhundert Mark bestraft. Geschieht die Verleumdung öifentlich oder durch eine Druck- oder andre Schrift oder bildliche Darstellung, die der Schuldige verbreitet oder verbreiten läfst. so ist auf Gefängnis von zwei Monaten bis zu zwei Jahreu oder Geldstrafe nicht unter zweihundert Mark zu erkennen. § 2. Wer vorsätzlich, jedoch nicht wider besseres Wissen einem andern ein bestimmtes Verbrechen oder eine gewisse Art Verbrechen oder eine audre derartige Handlung aufbürdet, die diesen verächtlich zu machen oder in seinem (iewerbe oder Fortkommen zu schaden geeignet ist, oder aujh über ihn Gerüchte verbreitet, wird, wenn wahrscheinliche Gründe für die Beschuldigun«!: oder das Gerücht nicht vorgebracht werden können, mit Geldstrafe von fünfzig bis zu fünfhundert Mark oder Ge- fängnis bis zu sechs ^lonaten bestraft. (ieschieht eine solche Verleumdung öffentlich oder durch eine Druck- oder andre Schrift oder bildliche Darstellung, die der Schuldige verbreitet oder verbreiten läfst. so ist auf Geldstrafe nicht unter einhundert Mark oder Gefängnis bis zu einem Jahr zu erkennen. § 3. Wer sonstwie auf andre als obengenannte Weise einen andern durch schimpfliche Ausdrücke, Drohungen oder andre beleidigende Hand- lungen kränkt, wird wegen Beleidigung mit Geldstrafe bis zu zweihundert Mark oder Gefiinirnis bis zu drei Monaten bestraft. 40 Geschieht die Beleidigung öffentlich oder durch eine Druck- oder andre Schrift oder bildliche Darstellung, die der Schuldige verbreitet oder verbreiten läfst, so ist auf Geldstrafe bis zu fünfhundert Mark oder Geföngnis bis zu vier Monaten zu erkennen. § 4. Wer das Andenken eines Toten dadurch beschimpft, dafs er demselben wider besseres Wissen wahrheitswidrig ein bestimmtes Ver- brechen oder eine gewisse Art Verbrechen, oder eine andre derartige Handlung aufbürdet, die denselben bei seinen Lebzeiten verächtlich zu machen geeignet gewesen wäre, oder auch über ihn erdichtete oder un- wahre Gerüchte verbreitet, wird zu Gefängnis bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe verurteilt. Wenn derjenige, gegen den die Beleidigung gerichtet ist, seit zwanzig Jahren oder längere Zeit tot ist, so ist das Strafverfolgungsrecht wegen Ehrverletzung verfallen. § 5. Wer der in diesem Kapitel erwähnten Ehrverletzung angt- schuldigt wird, hat das Recht, die Wahrheit der von ihm gethanen Be- schuldigung zu beweisen, im Fall er sich vorbehält, eine bestimmte Hand- lung zu belegen; diesen Beweis hat er in dem Ehrverletzungsprozofs zu führen. Doch kann ein Zeuge gemäfs den im § 4 des 17. Kapitels der Prozefsordnung enthaltenen Bestimmungen au'rh von einem andern Ge- richt verhört werden, als dem, wo die Sache anhängig gemacht worden. Enthält die ehrverletzende Aussage eine Beschuldigung wegen eines Verbrechens, worüber ein rechtskräftiges Urteil gefällt ist, so ist die Ans- sage als bewiesen anzusehen, im Fall derjenige, gegen den sie geschalt, des Verbrechens schuldig befunden wurde, jedoch als unbewiesen, im Fall er freigesprochen wurde. Ist eine Strafverfolgung wegen des Verbrecheiiä eingeleitet, aber ein Urteil noch nicht gefällt oder ist dasselbe noch nicht rechtskräftig geworden, so ist, bis solches geschehen, von einer weitem Behandlung der Ebrverletzungssache Abstand zu nehmen. Will der- jenige, der die Beschuldigung gethan, das Verbrechen verfolgen oder die Strafverfolgung beantragen und ist er Klagsinhaber, oder unterliegt das Verbrechen öffentlicher Strafverfolgung, so gilt das Obengesagte, im Fall er beweist, dafs die Sache innerhalb der vom Gericht vorgelegten Fri^t anhängig gemacht worden. Ist das Strafverfolgungsrecht gemäfs den Bestimmungen des 8. Kap. verfallen, so bildet solches kein Hindernis gegen die Erbringung des Be- weises für die Wahrheit einer gemachten Beschuldigung. § 6. Wenn der der Ehrverletznng Angeschuldigte die Wahrheit der von ihm gethanen Beschuldigung beweist, aber zugleich aus der Form der Beschuldigung oder den Umständen, unter denen sie geschah, hervorgeht, dafs er die Absicht hatte zu kränken, so ist er trotzdem wegen Beleidi- gung zu bestrafen. Wer in der Absicht, einen andern zu kränken, denselben eines Ver- brechens beschuldigt, wegen dessen dieser bestraft worden, ist gleichfalls wegen Beleidigung zu bestrafen. § 7. Wer wegen Ehrverletzung zur Strafe verurteilt wird, ist nach Umständen zugleich zu verpflichten, dem Klagsinhaber, falls dieser es 41 fordert, die Kosten für den Abdruck des Urteils in einer allgemeinen oder örtlichen Zeitung zu erstatten. § 8. Verleumdung oder Beleidigung sind vom öfifentlichen Ankläger nicht zu verfolgen, im Fall nicht der Klagsinhaber oder die gekränkte Behörde einen Antrag darauf stellt. Ist das Andenken eines Toten be- schimpft worden, so sind dessen Gattin, Eltern, Kinder oder Geschwister berechtigt, das Verbrechen zu verfolgen oder die Verfolgung desselben zu beantragen. 28. Kapitel. Diebstahl und Mauserei. '^) § 1. Wer Sachen oder Geld stiehlt, wird, wenn der Wert des Ge- stohlenen zwanzig Mark übersteigt, wegen Diebstahls mit Gefängnis bis zu einem Jahr, oder bei besonders erschwerenden Umständen mit Zucht- haus bis zu zwei Jahren bestraft. Übersteigt der Wert nicht zwanzig Mark, so ist wegen Mauserei auf Geldstrafe bis zu zweihundert Mark, oder bei besonders erschwerenden Umständen auf Gefängnis bis zu drei Monaten zu erkennen. Der Versuch eines in diesem Paragraph genannten Verbrechens ist strafbar. § 2. Wer, ohne Rücksicht darauf, ob der Wert zwanzig Mark über- steigt oder nicht, einen Diebstahl begeht: 1. in der Kirche an Sachen, die derselben gehören oder daselbst in Gewahrsam sich befinden; 2. an Sachen, die der öfifentlichen Post oder einer andern öfifent- lichen Einrichtung zur Weiterbeförderung anvertraut sind; 3. an Sachen, die in öffentlichen Bücher- oder Handschriftensamm- lungen oder in öffentlichen Sammlungen von wissenschaftlichen Gegenständen oder Kunst- oder Gewerbeerzeugnissen verwahrt werden ; 4. an verschlossenen Briefen oder Umschlägen; ö. in Verbindung mit Einbiiich; 6. nächtlicher Zeit in einem Hause oder Fahrzeuge, das von einem andern bewohnt wird, und in welchem der Thäter, um einen Diebstahl oder Raub zu begehen, sich verborgen, oder in das er unbefugterweise hineingekommen ; 7. an demjenigen, der wegen Aufruhrs, Andrangs des Feindes, Feuersbrunst, Wassersnot, Schiffbruchs, allgemeiner Seuche oder aus einer andern ähnlichen Ursache sein Eigentum nicht schützen kann; 5. auf einem Fahrzeuge, welches gestrandet oder sonstwie ver- nnirlückt ist; *) „Snatteri** — ein Begriff, für den es einen entsprechenden Aus- druck im Deutschen nicht giebt. Was daninter zu verstehen, ergiebt sich ans dem 2. Abschn. des § 1. Um die mehr oder weniger ungeschickten Umschreibungen durch „lyreringer Diebstahl'', „kleiner Diebstahl** u. a. zu vermeiden, wurde obiger Ausdruck gewählt. 42 9. an Sachen, die zu einem Leuchtturm oder Seezeichen gehören; 10. von Pferden, Kühen, Renntieren oder anderm Vieh, welches draufsen weidet; 11. an Personen, die sich im Bad befinden oder draufsen schlafen oder solchen, die in schwerer Krankheit damiederliegen oder ihrer nicht bewufst sind, oder Kindern unter zwölf Jahren oder Geisteskranken oder Toten; oder in einem Leicheiihause oder Grabe; oder 12. aus Kleidern, die ein andrer an sich trägt, wird wegen schweren Diebstahls mit Zuchthaus bis zu vier Jahren oder bei besonders mildernden Umständen mit Gefängnis nicht unter zwei Monaten bestraft. Auf gleiche Strafe ist zu erkennen, wenn sich der Dieb zur Ver- übnng des Verbrechens mit Waffen oder lebensgefährlichem Werkzeug: versehen, oder wenn der Diebstahl von zwei oder mehreren verübt wird, die sich vereinigt haben, um zu stehlen oder zu rauben oder ein andres ähnliches Verbrechen zu begehen. Der Versuch der in diesem Paragraph genannten Verbrechen ist strafbar. § 3. Wer in der Absicht, wenig oder viel zu stehlen, mit Gewalt in einen Hof, ein Haus, Fahrzeug oder in verschlossenen Gewahrsam einbricht oder durch Dietriche, Nachschlüssel oder andre List sich dorthin Einganj; oder Öffnung verschafft oder auch durch Gewalt oder List Schränke, Kisten. Schreine oder andre Behältnisse, die mit einem Schlofs, Siegel oder ähn- lichem Versclilufs versehen sind, öffnet, ohne dieselben wegzubringen, wird wegen Einbruchs mit Zuchthaus bis zu einem Jahr oder bei be- sonders mildernden Umständen mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. Der Versuch ist strafbar. § 4. Wenn der wegen Mauserei Bestraft« sich desselben Vergehens noch einmal schuldig macht, so ist er wie für erstmaligen Diebstahl zu bestrafen. Wenn der wegen Diebstahls. Einbruchs, Raubes oder Erpressung Be- strafte sich der Mauserei schuldig macht, so ist er wie für wiederholten Diebstahl zu bestrafen. § 0. Wer zum zweitenmal einen Diebstahl begeht, wird mit Zucht- haus bis zu vier Jahren oder, wenn der Diebstahl dem § 2 zufolge ein schwerer ist. mit Zuchthaus von einem bis zu sechs Jahren bestraft. Wer zum drittenmal einen Diebstahl begeht, wird mit Zuchthaus von einem bis zu sechs Jahren oder, wenn der Diebstahl ein schwerer ist. mit Zuchthaus von zwei bis zu zehn Jahren bestraft. Wer zum viertenmal oder öfter einen Diebstahl begeht, wird mit Zuchthaus von zwei bis zu zwölf Jahren oder bei besonders erschwerenden Umständen mit lebenslänglichem Zuchthaus bestraft. Wer wegen Einbruchs. Raubes oder Erpressung eine Strafe verbüfst hat, ist wegen eines später begangenen Diebstahls wie für Rückfall in Diebstahl zu bestrafen. 43 § 6. Wenn der wegen Einbruchs, Diebstahls, Raubes oder Erpressung: Bestrafte nachher einen Einbruch begeht, ohne dafs ein Diebstahl oder ein Versucli dazu geschieht, so wird er wegen Rückfalls in Einbruch mit Zuchthaus bis zu drei Jahren oder, wenn er früher für Rückfall in eines der genannten Verbrechen bestraft worden, wegen erneuten Rückfalls mit Zuchthaus von einem bis zu sechs Jahren bestraft. § 7. Wenn jemand an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten 3Iauserei, Diebstahl oder Einbruch begeht, oder Teilnehmer an den- selben ist, oder einen Versuch dazu macht und für dieselben gleichzeitig zur Verantwortung gezogen wird, so finden die im 2. oder 3. Paragraph des 7. Kapitels enthaltenen Bestimmungen Anwendung. g 8. Wer wegen Diebstahls oder Einbruchs eine Strafe verwirkt hat, ist zugleich der bürgerlichen Ehrenrechte verlustig zu erklären. *20. Kapitel. Unterschlagung. Wer eine fremde bewegliche Sache, die er in Besitz oder Gewahrsam hat. sich rechtswidrig zueignet, wird wegen Unterschlagung mit Geld- strafe oder Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. War das Eigentum dem Verbrecher unter Schlofs, Siegel oder anderm Verschlufs anvertraut, oder vor Aufruhr, Feindesgefahr, Feuers- oder Wassersnot, Schiff bnich oder einer andern ähnlichen Gefahr in Sicherheit gebracht, oder sind sonstwie besonder» erschwerende Umstände vorhanden, so ist auf Gefängnis von zwei Monaten bis zu drei Jahren oder Zucht- haus bis zu drei Jahren zu erkennen. § 2. Wer etwas findet oder antrifft oder durch einen andern ähn- lichen Zufall in den Besitz einer b(^weglichen Sache gelangt und solches nicht in der im Gesetz vorgeschriebenen Weise bekannt macht, wird mit Geldstrafe bis zu zweihund(;rt Mark bestraft. Verschweigt er den Fund, wenn der Eigentümer oder eine andre dazu berechtij^te Person sich kundgiebt, oder eignet er sich denselben sonstwie rechtswidri«^ zu, so ist auf Geldstrafe oder Gefängnis bis zu t'inem Jahr zu erkennen. In allen diesen Fällen hat der Schuldige den Finderlohn und den gesetzlichen Anteil am Fundgut verwirkt. Über den Fund vun Altertümern ist besonders verordnet. :J0. Kapitel. Entwendung von gemeinschaftlichem Gut (bodrägt). § 1. Wenn Ehegatten voneinander oder Kinder von Eltern oder l*flegekinder von rflcgecltern oder Teilhaber einer Erbmasse oder andre, die an einer ^gemeinsamen Masse oder Gesellschaft teilnehmen, aus der Masse oder dem Vereinsgut etwas entwenden, so wird der Schuldige wegen Entwendung von gemeinschaftlichem Gut zu Geldstrafe verurteilt. Sind besonders erschwerendo Umstände vorhanden, so ist auf (fefängnis bis zu einem Jahr zu erkennen. 44 § 2. Eine Entwendung von gemeinschaftlichem Gut ist vom öffent- lichen Ankläger nicht zu verfolgen, wenn der Klagsinhaber keinen An- trag darauf stellt. 31. Kapitel Kaub und Erpressung. § 1. Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr fQr Leben oder Gesundheit einem andern Gut oder Geld in der Absicht wegnimmt, dasselbe sich oder einem andern rechtswidrig zuzueignen, wird wegen Raubes mit Zuchthaus bii^ zu sechs Jahren bestraft. Der Versuch ist strafbar. § 2. Wer einen Haub begeht: 1. an der öffentlichen Post; 2. an Reisenden zu Lande oder zu Wasser; 3. an demjenigen, der wegen Aufruhrs, Feindesgefahr. Feuers- bmnst, Wassersnot, Schiffbruchs, allgemeiner Seuche oder einer andern ähnlichen Gefahr sein Eigentum nicht schützen kann; oder 4. nächtlicher Zeit in einem Hause oder Fahrzeuge, das von einem andern bewohnt wird, und in welchem der Räuber, in der Ab- sicht zu rauben oder zu stehlen, sich verborgen, oder in welches er unbefugt erweise hineingekommen, wird wegen schweren Raubes mit Zuchthaus von zwei bis zu zehn Jahren bestraft. Auf gleiche Strafe- ist zu erkennen, wenn der Raub von zwei oder mehreren Personen begangen wird, die sich vereinigt haben, um zu rauben oder zu stehlen. Der Versuch eines in diesem Paragraph genannten Verbrechens ist strafbar. § 3. Wer bei einer Mauserei, einem Diebstahl oder Einbruch oder dem Versuche dazu auf frischer That betroffen, gegen eine Person Ge- walt braucht oder Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leben oder Gesundheit anwendet, um sich im Besitze des entwendeten Gutes zu f^ halten oder das Verbrechen zu vollenden, wird, nach Beschaffenheit de* Verbrechens, wie für Raub oder Versuch desselben gemäfs dem 1. oder 2. Paragraphen bestraft. § 4. Wer, um sich oder einem Dritten einen Vorteil zu verschaffen, durch Drohungen einem andern Geld oder Gut, Erlafs einer Schuldforde- rung oder die Ausstellung einer Schuldverschreibung oder einer Bürg- schaftsverpflichtung oder andre Vermögensvorteile, zu denen er nicht be- rechtigt ist, abzwingt, wird wegen Erpressung mit Zuchthaus bis zu vier Jahren oder Gefängnis nicht unter zwei Monaten bestraft. Der Versuch ist strafbar. Enthält die Drohung eine gegenwärtige Gefahr für Leben oder Cie- sundlieit, oder wird einer Person Gewalt angethan, so ist auf die im 1. und 2. Paragraphen erwähnte Strafe zu erkennen. 45 § 5. Wer einen Kanb begeht, nachdem er früher wegen Raubes oder Erpressung eine Strafe abgebüfst, wird wegen Rückfalls in Raub mit Zuchthaus von drei bis zu zwölf Jahren oder auf Lebenszeit bestraft. Auf gleiche Strafe ist wegen Rückfalls in Erpressung zu erkennen, wenn derjenige, der wegen Raubes oder Erpressung eine Strafe abge- büfst, nachher desselben Verbrechens überführt wird. § 6. Wenn derjenige, der sich des Raubes oder der Erpressung schuldig macht, vordem wegen schweren oder erstmalig wiederholten Diebstahls oder gleicherweise wiederholten Einbruchs bestraft worden, so darf die Strafe für den Raub oder die Erpressung nicht niedriger sein, als der Mindestbetrag der Strafe, auf die hätte erkannt werden können, falls der Rückfall sich auf Diebstahl oder Einbruch bezogen hätte. § 7. Wer wegen Raubes oder Erpressung verurteilt wird, ist zu- gleich der bürgerlichen Ehrenrechte verlustig zu erklären. 82. Kapitel. Hehlerei und sonstige Befassung mit auf verbrecherische Weise erlangtem Gut. § 1. Wer Sachen, von denen er weifs, dafs sie durch Mauserei, Diebstahl, Raub oder Erpressung erlangt sind, ohne dafs er selber am Verbrechen teilnahm, verhehlt, ankauft, eintauscht, zum Pfände oder als Geschenk annimmt, vcräuTsert, verändert oder umarbeitet, wird wegen Hehlerei mit Geldstrafe oder Gefängnis bis zu zwei Jahren, oder bei be- sonders erschwerenden Umständen mit Zuchthaus bis zu drei Jahren bestraft. Doch soll die Strafe nicht höher bemessen werden, als für Bei- hilfe an demjenigen Verbrechen, durch welches die Sache erlangt wurde. § 2. Wer zum zweitenmal oder öfter sich der Hehlerei schuldig macht, wird mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten, oder bei besonders erschwerenden Umständen mit Zuchthaus bis zu sechs Jahren und Ver- lust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft. Wenn derjenige, der der Hehlerei überführt wird, früher wegen Mauserei, Diebstahls, Einbruchs, Raubes oder Erpressung bestraft worden, so ist er wie für Rückfall in Hehlerei zu bestrafen. § 3. Wer die Hehlerei sich zum Gewerbe oder zur Gewohnheit macht, wird mit Zuchthaus von zwei bis zu zehn Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft. § 4. Wer auf die im § 1 genannte Weise sich mit Sachen befafst, die durch eine andre als dort ^^enannte verlirecherische Handlung erlangt sind und deren gesetzwidriger Erwerb ihm bekannt war, ohne dafs er jedoch am Verbrechen teilgenommen, wird mit Geldstrafe oder Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Doch ist die Strafe nicht höher zu bemessen, als für Beihilfe an dem Verbrechen, durch welches die Sachen erlangt wurden. § 5. Wer Sachen, die von einem andern durch verbrecherische Hand- lungen erlangt sind, und deren rechtswidrigen Erwerb anzunehmen er Anlafs hat. ankauft, eintauscht, zum Pfände oder als Geschenk annimmt, 46 veräufsert, verändert oder umarbeitet, wird mit Geldstrafe bis zu zwei- hundert Mark bestraft. Gleiche Strafe trifft denjenigen, der von einem Militär der Krone gehöriges Gut entgegenninmit, dessen Erlangung ihm verdächtig e^ scheinen mufs. § 6. Wenn derjenige, der in gutem Glauben in den Besitz fremden Gutes gelangt ist, dasselbe verheimlicht, nachdem er in Erfahrung ge- bracht, dafs dasselbe durch eine verbrecherische Handlung erlangt worden, so ist er zu Geldstrafe bis zu einhundert Mark zu verurteilen. 3:3. Kapitel. Rechtswidrige Benutzung fremden Bodens und rechts- widriges Jagen und Fischen. § 1. Wer auf fremdem Grund und Boden rechtswidrig und in der Absicht, es ganz oder teilweise sich oder einem andern anzueignen, vo^ sätzlich wachsende Bäume fällt oder beschädigt, oder trockene Bäume oder Windbruch oder von wachsenden Bäumen Heisholz, Äste, Wurzeln. Rinde, Borke, Laub, Bast, Harz. Eicheln, Zapfen oder Nüsse weguimnit. oder Gras mäht, oder Moos, Torf, Erdreich, Lehm. Sand, Schutt oder Steine nimmt, wird, ohne Rücksicht darauf, ob er es wegbringt oder nicht, wegen rechtswidriger Bodenbenutzung mit Geldstrafe bis zu zwei- hundert Mark bestraft. Übersteigt die Höhe des durch die rechtswidrige Bodenbenutzung er- littenen Schadens zwanzig Mark, oder betrifft die rechtswidrige Boden- benutzung angepilanzte oder eingesetzte Bäume oder Büsche oder eiue besonders gepflegte Stelle, oder sind sonstwie besonders erschwerende Umstände vorhanden, oder liegt ein Rückfall in rechtswidrige Boden- benutzung vor, so ist, mag der Wert zwanzig Mark übersteigen oder nicht, auf Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark oder Gefängnis bis zu einem Jahr zu erkennen. Wer einen obengenannten Gegenstand ohne den im 1. Abschnitt er- wähnten Vorsatz beschädigt, wird mit Geldstrafe bis zu fünfzig Mark oder, wenn die Höhe des Schadens zwanzig Mark übersteigt oder sonstwie besonders erschwerende Umstände vorhanden sind, mit Geldstrafe bis zu fünlli lindert Mark oder Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. Wenn der durch eine in diesem Paragraphen genannte Handlung ver- übte Schaden sehr unbedeutend ist, so ist es dem Ermessen des Richters anheimgestellt, ob auf mehr als Schadensersatz zu erkennen sei. § 2. Wird jemand, dem während einer Reise das Reisezeug zer- bricht oder ein andrer Unfall zustöfst, infolgedessen gezwungen, aus dem Walde oder Geliege eines andern das zur Ausbesserung des Schaden* Nötige zu nehmen, so bleibt er straflos, doch hat er den Schaden zu er- setzen, im Fall der Eigentümer solches fordert. § 3. Wer unbefugt Fruchtbäume oder fruchttragende Büsche oder etwas von denselben aus einem fremden Garten. Gemüsegarten, Felde oder Gehege, oder Erdfrüchte, Saat, Gras oder andres, das an einem 47 solchen Ort oder auf einer Wiese oder einem andern Anbau gesät oder gepflanzt ist, wegnimmt, wird, je nach Beschaffenheit der Handlung, wie för Diebstahl oder Mauserei bestraft. Gleiche Strafe trifft denjenigen, der unbefugt von fremdem Grund und Boden geschlagenes Holz, Bau- oder Zaunholz, behauene Steine oder andres, das zum Gebrauch bereitet oder gesanmielt ist, wegnimmt. § 4. Wer auf fremdem Grund und Boden unbefugt schwendet,'^ wird mit Geldstrafe von fünfzig bis zu fünfhundert Mark bestraft. Wurde etwas auf dem Boden gesät, so fällt der Saatwuchs oder dessen Wert dem Grundbesitzer zu, wenn nicht durch besondere Be- stimmungen anders verordnet ist. § 5. Wer auf fremdem Grund und Boden unbefugt baut, gräbt, pflügt, sät oder pflanzt, oder einen Teil desselben einnimmt, wird mit Geldstrafe bis zu zweihundert Mark bestraft. Der Saatwnehs oder das Gepflanzte fällt dem gesetzlichen Grund- besitzer zn. § 6. Wenn derjenige, der fremden Grund und Boden bebaut oder besitzt, von demselben unbefngt einen der im § 1 genannten Gegenstände verkauft oder sonstwie veräufsert, oder sonst durch eine in demselben Paragraphen genannte Mafsregel sein Benutzungsrecht an Grund und Boden überschreitet, so ist er gemäfs den in demselben Paragraphen enthaltenen Bestimmungen zu bestrafen. Wenn er auf solchem Grund und Boden unbefugt schwendet, so ist er gemäfs den Bestimmungen des § 4 zu behandeln. § 7. Wenn ein Teilhaber an gemeinschaftlichem Wald oder Boden von dort die im § 1 genannten Gegenstände unbefugt verkauft oder sonstwie veräufsert, oder daselbst unbefngt schwendet, oder sonst durch eine in demselben Paragraph genannte Mafsregel sein Recht am gemein- schaftlichen Gut überschreitet, so wird er mit Geldstrafe bis zu fünf- hundert Mark bestraft. Das in dieser Weise Angeeignete oder der Saatwuchs oder das Ge- pflanzte oder der Wert desselben fällt den übrigen Teilhabern am gemein- schaftlichen Gut zu. § 8. Wer Baurogruppen, Bäume oder Ähnliches, das seit altersher als Erkennungszeichen oder Wegweiser in der Schiflahrt gedient, oder einen waldbewachsenen Strand, der einem andeni beim Fischfang von Nutzen war, abrodet, wird, wenn er auch sonst ül»er den Wald verfügen durfte, mit Geldstrafe bis zu fünfhundert Mark bestraft. Sind die be- schädigten Gegenstände infolgedessen für ihren Zweck nutzlos geworden, oder sind sonst besonders erschwerende Umstände vorhanden, so ist auf Geldstrafe oder Gefänc^iis bis zu einem Jahr zu erkennen. § 9. Wer vorsätzlich unbefugt Vieh auf fremdes Weideland läfst, wird mit Geldstrafe bis zn zweihundert Mark bestraft. Wer durch Nachlässigkeit in der ihm obliegenden Aufsicht über eignes *) schwenden: durch Verbrennen des Holzes oder Grases artbar (urbar) machen. 48 oder fremdes Vieh oder sonstwie verschuldet, dafs dasselbe unbefugt auf fremdem Boden zur Weide gelangt, wird mit Geldstrafe bis zu fünfzig Mark bestraft. § 10. Die Übertretung des Weiderechts an gemeinschaftlichem Boden wird mit Geldstrafe bis zu fünfzig Mark bestraft. § 11. Wer unbefugt einen Weg oder Fufspfad über fremde Bau- stellen, Äcker, Wiesen oder Bepflanzuugen legt, die dadurch Schaden er- leiden können, wird mit Geldstrafe bis zu fünfzig Mark bestraft. § 12. Wer unbefugt auf solchem Grund und Boden jagt, wo er kein Jagdrecht besitzt, wird mit Geldstrafe bis zu einhundert Mark bestraft. Das hierbei gefangene oder getötete Wild oder dessen Wert fällt dem gesetzlichen Inhaber des Jagdrecbts zu. Ist die Jagd auf solches Wild für das ganze Jahr verboten, so fällt dasselbe oder dessen Wert der Krone zu. Die Strafe für denjenigen, der auf Wild, welches für unverletzlich erklärt worden, oder auf unerlaubte Weise jagt, ist besonders vor- geschrieben. § 13. Wer unbefugt in solchem Wasser fischt oder krebst, an dem er keinen Teil oder kein Recht zu solchem Fange hat, wird mit Geld- strafe bis zu zweihundert Mark bestraft, und der Fang oder dessen Wert fällt dem gesetzlichen Inhaber des Fisch- oder Krebsrechtes zu. Ein Teilhaber an gemeinschaftlichem Fischwasser oder Fischrecht, der sein Hecht an demselben überschreitet, wird mit Geldstrafe bis zu einhundert Mark bestraft, und der Fang oder dessen Wert fällt den tlbrigen Teilhabern am Fischwasser oder Fischrecht zu. Die Strafe für denjenigen, der zu verbotener Zeit oder auf verbotene Weise fischt oder krebst, ist besonders bestimmt. § 14. Wer aus fremdem Jagdgerät oder Jagdpark Wild, oder ans fremdem Fischgerät. Fischkasten oder Fischteich Fische sich aneignet, wird wegen Diebstahls oder Mauserei bestraft. § 15. Wer durch Graben oder sonstwie fremdes Fisch wasser zu sich leitet oder zu leiten versucht oder durch Absperren oder andre Mittel Fische von einem Fisch wasser abhält oder abzuhalten sucht, welches er nicht allein zu benutzen berechtigt ist, wird mit Geldstrafe bis zu drei- hundert Mark bestraft. § 10. Wenn durch eine in diesem Kapitel erwähnte verbrecherische Handlung nur ein Privatrecht gekränkt wurde, so ist dieselbe, wenn sie nicht Diebstahl oder Mauserei enthielt, vom öffentlichen Ankläger nicht zu verfolgen, im Fall nicht der Klagsinhaber einen Antrag darauf stellt. § 17. Wer. bei Ausführung einer der in diesem Kapitel genannten verbrecherischen Handlungen auf frischer That betroffen, gegen den Eigentümer, Besitzer oder Aufseher des Bodens oder Fisch wassers oder dessen Leute sich zur Wehr setzt, wenn einer derselben den Verbrecher in seinem Vorhaben hindern oder ihm das, was er sich unbefugt ange- eignet oder was geraäl's besondern Vorschriften als Beleg des Verbrechens zurück^a^halten werden darf, abnehmen will, wird, wenn die Gegenwehr nicht nach den Bestimmungen des 31. Kapitels als Raub anzusehen ist. 49 mit Geldstrafe bis zii fünfhundert Mark oder Gefängnis bis zu einem Jalir bestraft. 31. Kapitel. Cremeingefährliche Verbrechen. § 1. Wer vorsätzlich ein Haus, Gebäude, Fahrzeug!; oder andres, das Menschen als Wohnung dient, oder wo zur Zeit, da das Verbrechen aus- geführt wird, Menschen sich aufzuhalten pflegen, oder wo, wie er weifs, sich jemand befindet, in Brand setzt, wird wegen Brandstiftung mit Zucht- haas von zwei bis zu zehn Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte bestraft. Der Versuch ist strafbar. Gehört das angezündete Eigentum dem Thäter selbst und bedrohte die Inbrandsetzung nicht Leben, (i^esundheit oder Eigentum eines andern, so finden die Bestimmungen dieses Paragraphen keine Anwendung. § 2. Wer vorsätzlich eine Kirche, eine Festung, einen Vorratsraum oder ein Zeughaus der Krone, ein öffentliches Archiv oder ein Gebäude, in dem sich Amtszimmer befinden oder in dem öffentliche Sammlungen von Büchern. Handschriften, wissenschaftlichen Gegenständen oder Kunst- oder Gewerbeerzeugnissen verwahrt werden, in Brand setzt, wird mit Zucht- haus von vier bis zu zwölf Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte bestraft. Der Versuch ist strafbar. § 3. Wenn in den im 1. und 2. Paragraphen genannt<;n Fällen der Verbrecher Löschgerätschaften wegschaffte, um das Löschen des Feuers zu verhindern oder zu er.schweren, oder wenn das V'erbrechen verübt wurde, während Aufruhr. Feindesandrang, allgemeine Seuche oder eine andre ähnliche Gefahr vorhanden war. so wird der Schuldige mit Zucht- haus von sechs bis zu zwölf Jahren oder auf Lebenszeit und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft. § 4. Wer vorsätzlidi in andern als den im 1. und 2. Paragraphen genannten Fällen ein Haus, Gebäude oder Fahrzeug oder wachsende, ge- schnittene oder eingebrachte Saat, Heu oder Strohfeime, Wald oder Torf- moos, Lager von Gerätscliaf ten , Holz. Kohlen, Bauholz, Brettern oder andern Vorräten oder von Waren oder anderm Ähnlichen in Brand setzt, wird wegen Brandstiftung mit Zuchthaus bis zu acht Jahren und Ver- lust der bürgerlichen Ehrenrechte oder bei besonders mildernden Um- ständen mit Gefängnis nicht unter vier Monaten bestraft. Der Versuch ist strafbar. Gehörte das angezündete Eigentum dem Thäter selbst und bedrohte die Inbrandsetzung nicht auf offenbare Weise Leben oder Gesundheit eines andern oder im 1. oder 2. Paragraphen genannte Gegenstände oder fremdes Eigentum, wie der 1. Abschnitt dieses Paragraphen besagt, so finden die Bestimmungen dieses Paragraphen keine Anwendung. § 5. Wer vorsätzlicli mit l^ilver oder andern Sprengstoffen im 1., 2. oder 4. Paragraphen genanntes Eigentum beschädigt oder zu beschädigen sacht, ist wie ein Brandstifter zu bestrafen. Finniaehea Stnfgetetxbuch (BeiUgo 1, Zeitschr. XI). 4 50 § 6. Wer in der Absicht, eine Brandstiftung: oder Sprengung vor zunehmen, wie § 5 besagt, Entzündungs- oder Sprengstoffe zusammen- trägt, wird wegen solcher Vorbereitung mit Zuchthaus bis zu vier Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte oder mit Gefängnis bestraft § 7. Wer durch Fahrlässigkeit oder Unachtsamkeit den Brand oder die Sprengung des im 1.. 2. oder 4. Paragraphen genannten Eigentums verschuldet, wird mit Geldstrafe nicht unter zwanzig Mark oder Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. § 8. Wer vorsätzlich eine Überschwenmiung herbeiführt, wird, wenn dieselbe Menschenleben geföhrdet, mit Zuchthaus von vier bis zu zwölf Jahren, und wenn sie gemeine Gefahr nur in Bezug auf Eigentum ver- ursacht, mit Zuchthaus von zwei bis zu acht Jahren bestraft. Der Versuch ist strafbar. Die fahrlässige Verschuldung einer Überschwemmung wird mit Geld- strafe nicht unter fünfzig Mark oder Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. § 9. Wer in der Absicht, die Benutzung der Eisenbahn zu gefähr- den, eine solche Gefahr dadurch, dafs er vorsätzlich die Eisenbahn oder zu ihr gehörige Fortschaffungsmittel oder andres Zubehör beschädigt, oder etwas auf die Bahn legt oder ein falsches Zeichen giebt, oder auf andre ähnliche Weise hervorruft, wird mit Zuchthaus von zwei bU zu acht Jahren bestraft Geschah die That ohne eine solche Absicht, so ist auf Zuchthaus bis zu vier Jahren oder Gefängnis nicht unter sechs Mo- naten zu erkennen. Der Versuch ist strafbar. Die fahrlässige Hervorrufung von Gefahr bei Benutzung der Eisen- bahn wird mit Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark oder Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft § 10. Wer in der Absicht, Gefahr für Leben oder Gesundheit eines andern hervorzurufen. Dampfkessel, Dampfmaschinen, Einrichtungen zur Bereitung von Leuchtgas, Pulver oder ähnlichen Stoffen, Gruben oder dazu gehörige Werke, Gas- oder Wasserleitungen, Schleusen, Dämme oder andre ähnliche Wasserwerke, Wasserstrafsen, Häfen, Schiffsbrücken. Brücken, Fähren, Wege oder Strafsen oder solche Gehege oder Zeichen, die zur Verhütung oder zur Warnung vor Gefahr zu Lande angebracht sind, vorsätzlich zerstört oder beschädigt, wird mit Gefängnis nicht unter zwei Monaten oder Zuchthaus bis; zu vier Jahren bestraft. Geschah die That ohne eine solche Absicht, so ist auf Gefängnis bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe nicht unter einhundert Mark zu erkennen. Der Versuch ist strafbar. Die fahrlässiy:e Verschuldung eines hier oben genannten Schadens Aviid mit Geldstrafe nicht unter dreilsig Mark oder Gefängnis bis lu .sechs Monaten bestraft. Sil. Wer an einer Eisenbahn oder an zu ihr gehörigen Fort- schaft'uugsmittelu oder Zubehör oder an Kanälen oder Schleusen oder was zu ihnen gehört, vorsätzlich eine Handlung begeht, die nur ein 51 Hindernis oder einen Aufenthalt in der Benutzung der Einrichtung ver- ursacht, wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft. Die fahrlässige Verschuldung eines solchen Hindernisses oder Aufent- haltes wird mit Geldstrafe bis zu fünfhundert 3[ark oder Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. S 12. Wer an einer öffentlichen Telegraphen- oder Telephonanstalt oder deren Zubehör vorsätzlich eine Handlung begeht, durch welche die Benutzung der Anstalt gehindert oder gestört wird, wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft. Die fahrlässige Verschuldung eines solchen Hindernisses wird mit Geldstrafe bis zu fUnflmudert Mark oder Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. § 13. Wer in der Absicht, für Leben oder Gesundheit eines andern Gefahr hervorzurufen, vorsätzlich das Sinken, Stranden oder Scheitern eines Schiffes verursacht, wird mit Zuchthaus von zwei bis zu acht Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft. Lag es nicht in seiner Absicht, eine solche Gefahr hervorzurufen, so ist auf Zuchthaus bis zu vier Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zu erkennen. Der Versuch ist strafbar. Wer das Sinken, Stranden oder Scheitern eines Schifl'es durch Fahr- lässigkeit verschuldet, wird mit Cieldstrafc nicht unter fünfzig Mark oder Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. § 14. Wer in der Absicht, für Seefahrer Gefahr hervorzurufen, Leucht- türme oder Seezeichen, Leuchtschiffe, jjeuchtsignale, Baken, Wegweiser oder andre für die Schiffahrt aufgestiillte Zeichen vori?ätzlich zerstört, ver- dirbt oder wegschafft, cuhr ein Feuer, welches zur Leitung der See- fahrenden angezündet sein soll, auslöscht, oder ein Feuer, welches er zu demselben Zweck unterhalten soll, anzuzünden unterläfst, oder ein falsches Feuer anmacht, oder sonstwie falsche Zeichen aufstellt, wird mit Zucht- haus von zwei bis zu acht Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte bestraft. Geschah es ohne eine solche Absicht, so ist auf Zucht- haus bis zu vier Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zu erkennen. Der Versuch ist strafbar. Wer eine der oben genannten Handlungen aus Fahrlässigkeit begeht, wird mit Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark oder Get^ängnis bis zu einem Jahr bestraft. § 15. Wer vorsätzlich Wasserlc'itun«;en. Brunnen oder andre ähnliche Wasserbehälter oder wer Speisen. Getränke oder andre Dinge, die zum Gebrauch andrer dienen oder zum Verkauf bestimmt sind, vergiftet, oder mit solchen Diiiixen Stoffe verbindet, die, wie er weils, geeignet sind, die Gesundhnt zu zerstören, oder Dinge, von denen er weifs, dafs sie mit Gift t)der ähnlichen gefährlichen Stoffen vermengt oder verbunden sind, feilhält, verlvauft oder sonstwie verbreitet und die gefährliche Eigenschaft derselben verschweigt, wird mit Zuchthaus von zwei bis zu acht Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft. Der Versuch ist strafbar. 4* 52 Wer durch Fahrlässiifkeit verschuldet, dafs auf obenangejjehene Weise für Leben und Gosundlieit von Menschen Gefahr entsteht, wird mit Geldstrafe nicht unter fünfzig Mark oder Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Die Speisen. Getränke oder j 3. Ueehtsan walte oder andre Bevollmächtigte. Ärzte. Wundärzte, Hebammen oder Apotlieker, sowie die Gehilfen dieser Personen werden, wenn sie unbefugt J*rivatgeheimnisse offenbaren, von denen sie kraft ihres 59 Bernfes Kenntnis erhalten, mit Geldstrafe oder Gefän^^is bis zu sechs 3Ionatcn bestraft. § 4. AVer in der Absicht, einen andern zu benachteiligen, eine Ur- kunde zerstört, beschädigt, unteniriickt oder vorenthält, die einen Beweis über ein Recht, ein Rechtsverhältnis oder die Entbindung von einer Ver- pflichtung abgeben kann und nicht ausschliefslich dem Verbrecher gehört, wird zu Gctängnis bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe verurteilt. Die Strafe für Zerstörung, Beschädigung oder rjnterdrückung einer in öffentlichem Gewahrsam belindlichen Urkunde ist im 16. Kapitel be- stimmt. § 5. Wer rechtswidrig eigene Sachen, die ein andrer als Pfand oder Sicherheit besitzt oder die dieser zurückzuhalten oder zu benutzen be- rechtigt ist, wegnimmt oder wegschafft, wird mit Geldstrafe oder Ge- fängnis bis zu einem .Jahr bestraft, im Fall nicht die Handlung durch ein andres Gesetz mit einer schwerem Strafe bedroht ist. § tt. Wer rechtswidrig fremde Sachen gebraucht oder gebrauchen läfst. wird mit Geldstrafe bis zu zweihundert Mark bestraft. Gleiche Strafe triift denjenigen, der ein Pfand, eine Anleihe oder eine anvertraute Sache zurückzugeben sich weigert, nachdem sein Recht, die Sache zu behalten, erloschen ist. s< 7. Wer wider besseres Wissen seine Unterschrift oder Schuld- verschreibung verleugnet, oder für eine zurückerstattete Schuld Bezalilung fordert, oder verpfändetes, verliehenes oder anvertrautes (lUt, welches be- reits zurückgegeben ist, wiederfordert, wird mit Geldstrafe oder Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. § H. Wer vorsätzlich fremde verschlossene Briefe oder Schriftstücke unbefugt eröffnet, oder Briefe oder Schriftstücke, die, wie er weifs, an andre als Empfänger gerichtet sind, zerstört, unterdrückt oder vorenthält. wird mit Geldstrafe bis zu vierhundert Mark oder Gefängnis bis zu vier Monaten bestraft. § 9. Die in diesem Kapitel oben erwähnten strafbaren Handlungen sind vom öffentlichen Ankläger nicht zu verfolgen, im Fall niitht der Klaginhaber einen Antrag darauf stellt, oder die Handlung von einem Vormund oder Verwalter einer öffentlichen Stiftung oder in dem im S 2 genannten Fall von einem Rechtsanwalt begangen wurde. § 10. Wer für ein Darlehn, für welches nur bestimmte jährliche Zinsen genommen wenden dürfen, als Vergütung oder sonstwie einen höhern Zinsfufs, als ihn das Gesetz gestattet, nimmt oder sich versprechen läfst. oder bei einem andern Darlehn oder im Falle der Stundung einer Geldforderuug unter Ausbeutung der Notlage, der Unerfahrenheit oder des Leichtsinns eines andern über den üblichen Zinsfufs sich Vennögens- vorteile versprechen oder gewähren läfst, die in auffälligem Mifsverhältnis zu der Leistung stehen, wird wegen Wuchers mit Geldstrafe oder Ge- fängnis bis zu sechs Monaten bestraft. AVenn jtmand den Wucher gewerbs- oder gewohnheitsmäfsig oder unter dem falschen Schein von gesetzlichem Vertrage oder wechselmäfsig betreibt, oder wenn sonst brsimders erschwerende Umstände vorhanden (>0 sind, so ist anf Geldstrafe bis zu zweitAusend 3Iark oder Gefanjniis bis zu einem Jahr zu erkennen. Das durch AVucher Erlangte soll zurückerstattet werden. AVer mit Kenntnis des wucherlichen Ursprunges einer Forderung die- selbe erwirbt und von ihr Gebrauch macht oder sie weiter überträgt, wir} 15. PMn Telegraphenbeamter, welcher Depeschen oder der Tele- graphenanstalt behufs telegraphischer Beförderung anvertraute Schrift- stücke fälscht oder unbefugt eröffnet, vernichtet, unterdrückt oder vor- enthält oder von ihrem Inhalte Dritte rechtswidrig benachrichtigt oder einem andeni eine solche Handlung zu begehen hilft oder vorsätzlich ge- stattet, wird mit (Tcfängnis bis zu zwei .Fahren oder Geldstrafe und. wenn das Verbrechen solches fordert, zugleich mit Amtsentsetzung be- straft. § Mi. Wenn Beamte, die an Eisenbahnen. Kanälen, Schleusen, öffent- lichen Tdegrapheneinrichtungen oder Leuchttttnnen angestellt sind oder di(! Aufsicht über diese Einrichtungen oder über Seezeichen haben, aus Vorsatz oder Fahrlässigkeit eine der im 9., 10., 11.. 12. oder 14. Para- graphen des lU. Kapitels genannten strafbaren Handlungen begehen, mag solches auf die in jenen Paragraphen genannte Weise oder durch l-nter- lassung der ihnen oldiegenden Amtsverpflichtungen geschehen, so werden dieselben, je nach Be sei i äffen hei t des Verbrechens, gemäfs den in jenen Paragraphen »nthaltenen Bestimmungen bestraft, und sind zugleich, im Fall auf Zuchthaus- oder Gefängnisstrafe erkannt wird, des Amtes zu entsetzen und für unfähig zu erklären, fernerhin an der Einrichtung, au der sie angestellt waren, oder an einer ähnlichen Einrichtung augestellt zu werden. § 17. Vorsteher von Eisenbahnen, Kanälen. Schleusen, öffentlichen Teleiiraidienanstaltcn. l.otsenstationen oder Leuchttürmen, welche, nach L-rhiiltener Kenntnis von einem endgültigen Urteil, wodurch jemand ge- mäfs dem S 1'» zur Amtsentsetzung verurteilt worden, es unterlassen, diesen vom Amt zu entfernen, werden mit Geldstrafe bis zu fünfhundert Mark (»der Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. Gleiche Strafe trifft denjenigen, der mit Kenntnis von einem Urteil, wodurch ein andrer gemäfs dem § IG für unfähig erklärt worden, an einer Finnischea i^tratge^etzbucU (BeUage 1, Zeitschr. Xlj. 5 66 bestimmten Einrichtung im Dienst angewandt zu werden, den Verurteilten an einer solchen Einrichtung anstellt. § 18. Ein Vorgesetzter, der einen ihm unterstellten Beamten vor- sätzlich zu einem Amtsverbrechen verleitet, wird, wenn das Verbrechen zur Ausführung gelangt, als Anstifter bestraft. Weifs er, dafs von einem Untergebenen ein Verbrechen beabsichtigt wird, ohne dafs er die Ausführung desselben zu verhindern sucht, so wird er mit Geldstrafe oder Entfernung von Ausübung des Dienstes oder bei besonders erschwerenden Umständen mit Amtsentsetzung bestraft. § 19. Ein Vorgesetzter, der von einem Untergebenen Geldsummen leiht, von denen er weifs, dafs sie diesem von Amts wegen 'anvertraut sind, wird mit Amtsentsetzung oder Entfernung von Ausübung des Dienstes bestraft. Ein Vorgesetzter, der von einem untergebenen Steuereinnehmer oder Rechnungsführer Geldsummen leiht, die dieser nicht von Amts wegen innehat, wird zu Geldstrafe verurteilt. § 20. Ein Beamter, der in der Absicht, sich oder einem Dritten einen Vorteil zu verschaffen oder einem andern einen Schaden zuzufügen, sich eines andern, als eines in diesem Gesetz genannten Amtsverbrechens vorsätzlich schuldig macht, wird des Amtes entsetzt und bei besonders erschwerenden Umständen aufserdem zur Bekleidung öffentlicher Ämter unfähig erklärt. Wurde die Handlung ohne die oben genannte Absicht begangen, so ist auf Geldstrafe oder Entfernung von Ausiibung des Dienstes oder bei besonders erschwerenden Umständen auf Amtsentsetzung zu erkennen. § 21. Ein Beamter, der aus Fahrlässigkeit, Versäumnis oder Un- achtsamkeit eine strafbare Handlung im Amte begeht, wird, wenn für die Handlang eine besondere Strafe nicht angedroht ist und im Fall das Ver- gehen nicht so gering war, dafs eine Warnung genügte, mit Geldstrafe oder Entfernung von Ausübung des Dienstes oder bei besonders er- schwerenden Umständen mit Amtsentsetzung bestraft. Gleiche Strafe trifft einen Beamten, der aus Unerfahrenheit oder Un- gescbicktheit eine strafbare Handlung im Amte begeht. Ein Beamter, der ohne Erlaubnis oder ohne angegebenen Gnind über zwei Monate von der Ausübung seines Dienstes sich fernhält, ist des Amtes zu entsetzen. § 22. Wenn ein Beamter in der Ansübnng seines Amtes eine andre als eines in diesem Kapitel genannte, gegen das gemeine Gesetz ver- stofsende strafbare Handlung begeht, die kein Amtsverbrechen bildet, so ist der Umstand, dafs sie im Amte begangen wurde, als besondtrs erschwerend zu betrachten. 41. Kapitel. Strafbare Handlungen gegen kirchliche Vorschriften. Jj 1. Ein Mitglied einer evanij^elisch-lutherischen Gemeinde, welches ohne Krlanbnis dus Pfarrers zu einer Zeit, wo öffentlicher Gottesdienst verrichtet \vir; lo. \Vt herechtiut. im Kinverständnis mit dem genannten Mitj^liede oder der Vertranensperson nach rmständen den Schuldiiren zu züchtigen: 1. wenn der C4efan^ene hereits sich in Kiuzelhaft betindet. mit hartem Knhelager hi.s zu acht Taj;en oder Schmalerunii: der Kost bis zu acht Ta^en oder mit Wasser- und Hrotkost bis zu acht Taic<*n oder Kinsperrunu: in dunkler Zelle bis zu vier Tasten odrr zwei dieser Straten zusammen: und '2. wenn dtt"enbaren. die auf andre Weise ni'ht gezügelt werd«'n kann; über diese Mafsreirel sowie über ihre Aufhebung hat die Direktion zu beschliefsen. In eiliireu Fallen kann der V«»rsteher darülur bestimmen, doch ist er verpHiehtet. unverzüglich darüber der Direktion M'-Munir zu erstatten. 78 Die Belegung von Gefangenen mit Fesseln sowie der Anlafs dazu sind schriftlich zu verzeichnen. § 12. Kann ein Gefangener, dessen Strafzeit sich dem Ende nähert, auf kein sicheres Auskommen nach seiner Freilassung rechnen, so soll die Direktion der Strafanstalt rechtzeitig ihm einen Dienst bei einem rechtschaffenen Hausherrn oder einen andern Ausweg zu ehrlichem Ver- dienst zu schaffen suchen. § 13. Wenn ein Gefangener, der zu dreijähriger oder läng^erer Frei- heitsstrafe verurteilt worden, drei Viertel derselben oder, wenn er zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden, mindestens zwölf Jahre von der Strafzeit abgebiifst hat und sich während derselben so verhalten hat. dafs ein gerechter Lebenswandel von ihm niit Wahrscheinlichkeit erwartet werden kann, und wenn Gewifsheit darüber vorhanden ist, dafs er iiach der Freilassung eine ehrliche Versorgung findet, so kann er mit eigner Einwilligung von der Direktion der Stratanstalt dem Kaiser und Grofs- fiirsten zur bedingten Freilassung vorgeschlagen werden. Ihrer difc*- bezüglichen Anbeimstellung hat die Direktion die nötige Erläntemng iu Bezug auf den Gefangenen beizufügen und dieselbe an die Hauptverwal- tung der Gefangnisse einzusenden, welcher es obliegt, die Angelegenheit mitsamt ihrem eignen Gutachten dem Senat zu übergeben, dessen Justiz- Departement in der Sache die endgültige Verfügung trifft. § 14. Bewilligt der Senat einem Gefangenen die bedingte Frei- lassung, so hat der Vorsteher der Strafanstalt denselben für den Rest der Strafzeit mit einem Freipafs zu versehen, in welchem dem Gefangeneu aufgelegt werden soll: 1. sich mit dem Pafs sofort nach dem vorgeschriebenen Versorgung^- ort zu begehen; 2. innerhalb zwei Tagen nach der Ankunft daselbt und danach einmal monatlich den Pafs auf dem Lande dem Lehnsmann und in der Stadt dem Bürgermeister oder, wo eine PoHzeikammer vorhanden ist, dem Polizeimeister behufs Eintragung vorzu- weisf'u: .S. wälirend seiner übrigen Strafzeit, die im Freipafs anzugeben i^t, einen stillen und rechtschafi'enen Lebenswandel zu führen und die Gesellschaft von übel berüchtigten Personen, die nicht seine nahen Angehörigen sind, zu meiden; sowie 4. wenn er den Aufenthaltsort wechselt, was ohne wichtigen Ais- lafs nicht geschehen darf, den Pafs der oben genannten BehOrJe an dem Ort. wo er sich aufgehalten und darauf an dem Ort. wollin er sich begiebt. sowohl bei der Ankimft als auch nachhir oinnial monatlieh behufs Anzeichnung vorzuweisen; alles mit dem Vorliehitlt einer Aufhebung der b'^dingten Freiheit im Fall der Aurseraehtlassung einer der genannten Forderungen. S lö. Wenn ein bedingungsweise Freigelassener nach Ermessen der l*olizt'ibeliörd(! anders als durch ein neues Verbrechen die bedingte Freiheit verwirkt, so hat di<'si'lbe über die Angelegenheit mit allen ^-e- gltitenden L'ni>tiiuden an den Kaiser und Grolsfürsten zu berieht-it. 79 worauf es dem Justiz-Departement des Senats oblieget, zu entscheiden, ob der Freigelassene die bedingte Freiheit verwirkt hat oder nicht. Unter- dessen kann die Polizeibehörde den Freigelassenen gefänglich einziehen, wenn besondere Gründe dazu vorhanden sind. Hat er ein neues Ver- brechen begangen, so obliegt, es dem Gericht, welches darüber aburteilt, zu bestimmen, ob er infolgedessen die bedingte Freiheit verwirkte oder nicht. § 10. Wenn derjenige, der bedingte Freiheit genossen, dieselbe ver- wirkt, so ist er wieder in der Strafanstalt unterzubringen, damit er den Teil der Strafe abbüfse, der bei seiner Freilassung übrig war. § 17. Wenn ein Gefangener bedingungsweise freigelassen worden ist, und die bedingte Freiheit nicht verwirkt hat, so soll nach Ablauf der ihm zuerkannten Freilieitsstrafe dieselbe als voll verbtifst betrachtet werden, § 18. Wenn ein Gefangener aus einer Strafanstalt bedingungsweise freigelassen wird, so sollen ihm zugleich mit dem Freipafs sein Geld und seine übrigen Habseligkeiten übergeben werden. Übersteigt die Geld- summe den Betratr, der für die Bestreitung der Reise zum Heimats- od istrat übersandt werden, um ihm dort nach und nach ver- abfolgt zu werden. § 19. Wenn ein Gefangener bedingungslos aus einer Strafanstalt entlassen wird, so hat der Vorsteher ihm ein Zeugnis darüber auszu- fertigen und ihm zugh^ich sein Geld und seine übrigen Habseligkeiten zu übergeben. § 20. An Härads-. Stadt- oder (jerichtsbezirksgefängnissen. an denen eine Direktion nicht vorhanden ist, hat die vom Senat dazu ausersehene Behörde die Obliegenheiten zu erfüllen, die gemäfs dieser Verordnung sonst der Direktion zukommen. § 21. Was die Freiheitsstrafen näher, als in dieser Verordnung an- gegeben ist. betrifft, soll in Übereinstimmung mit derselben in besondern Reglementen und Instruktionen v«)rges4elirit?)H.'n werden. :>. Kapitel. Zuchthausstrafe. § 1. Die Zuchtliausstnife ist in dazu eingerichteten und im Lande belind lir.hen Strafanstalten zu vollstrecken. 3liinner und Frauen dürfen nicht in demselben Zuehthause gehalten werdfii. sf 2. Znehthausirefangenc; sind zu Zwangsarbeit für die Krone an- zuhalten. Diest^ Arbeit ist. nach Möglichkeit, den Anlagen der Gefangenen und deren wahrsihrinlichem Broterwerb nacli der Freilassung anzupassen. Jj 3. Männliche Zuchthausgefangene, di<^ sich in tler Strafanstalt gut 80 führen und iiiolit in Einzelhaft gehalten werden, können unter der nutij^n Bewachung zur Zwanjrsarheit im Freien auch aufserhalb der Anstalt ver- wandt werden, doch ohne mit freien Arbeitern zusammengebracht zu wt^rdeii. § 4. Die Zuchthausgefangenen sind bestimmten Klassen in der An- stalt zuzuzahl(;n. Die Klassen sollen aus einer Zwangs-, einer Lehr- und einer Prilfungsklasse bestehen. In Zuchthäusern, wo längere Strafzeiten verbüfst werden oder die Umstände sonst solches erfordern . können mehrere Lehrklassen eingerichtet werden. § 5. Im Beginn der Strafzeit ist jeder Zuchthausgefangene der Zwangsklasse zuzuzählen. Die VeTsetzung aus derselben in die Lehr- und nachher in eine höhere Klasse soll auf (rrund der Zeugnisse ge- schehen, die ihm gemäfs seiner Führung zuerteilt werden. i^ (). Zut'lithausgefangene, die zur Zwangsklasse gehören, sollen Tag und Xaclit nach Ermessen der Zuchthausdirektion, doch mindestens vier Moniite lang in Einzelhaft gebalten werden. Ein zur Zwangsklasse ge- hörender Gefangener, der (unen beständigen Aufenthalt in Einzelhaft ohne Nachtheil für seine Gesundheit nicht verträgt oder aus andern Gründen nicht in einer Zelle gehalten werden kann, soll unter beständiger Auf- sicht in Gemeinschaft mit andern Gefangenen arbeiten, jedoch, soweit möglich, die Nächte und längere Freistunden in der Zelle zubringen. Gehört ein Gefanironer, der das acrhtzehnte Lebensjahr vollendet hat. zur Zwangsklasse, so obliegt es der Direktion, die Dauer seiner Einzelhaft zu bestimmen. Ein solcher Gefangener darf nicht in Gemeinschaft mit altern Gefangenen aus der Zwangs klasse gehalten werden. § 7. Die zur Lehrklasse zählenden Zuchthausgofangenen sollen unter beständiger Aufsicht in Gemeinschaft mit den übrigen Gefangenen Zwanir:>- arbeit verrichten, jedoch, soweit möglich, die Nächte und längere Frei- stunden in der Zelle zubringen. Sind wichtige Gründe vorhanden, einin Gefangenen von den übrigen zu trennen, so ist er, soweit möglich, hi Einzelhaft zu halten. § 8. Die zur Prüfungsklasse zählenden Gefangenen sollen in Gemein- siliaft mit andern Gefangenen unter Aufsicht ihre Arbeit verrichten niid während der Nächte nach Ermessen des Vorstehers in gemeiusam(!n Schlal- rilumen oder etwa freien Naclitzellen gehalten werden. Ihre Freistunden Süll«'!! diese Gefangenen nach Umständen und gemäfs den Vorschritteii des Vorstehers in den Räumlichkeiten der Anstalt oder in deren Hofraum zubringen. $ 1). Wenn ein Zuchthausgefangener, der in (remeinschaft mit andern (;»*f:niiren»'U gehalten werden .«»oll. den Wun.^ch ausdrückt, den Tng über in ( imr Zelle gehalten zu werden, so kann der Vorsteher sulchij l«- willim'H. wrnn eine frei(? Tageszelle vorhanden ist. Der Gefangene n»I1 aber doch seinem Verhalten gemäfs zu einer bestimmten Klasse ireziihli werden und nicht auf seinen Wunsch in Gemeinschaft mit andern eres Abzeichen ein Unterschied zwischen den Klassen gemacht werden. In der Trüfungsklasse soll den Gefangenen nach und nach gestattet werden, im Zuchthause oder bei den im S :> genannten Arbeiten aufser- lialli der Anstalt solche Verrichtungen auszuführen, die Vertrauen voraus- setz(^n und, ohne die Ordnung und Sicherheit zu gefährden, denselben häuhi,^rr Gcl(?«,^enheit bieten, ihre Besserung an den Tag zu legen. 3Iit Einwilligung des V(»rstehers können auch Gefangene der Prüfungsklasse die Kenntnisse besitzen, von andrer Zwangsarbeit befreit werden, um statt dessen als (iehilfen beim Arbeitsunterricht der Gefangenen, die sich nielit in Einzelhaft betinden. verwandt zu werden. sj 12. Wenn ein Zuchthausgefangener vom Gericht zur Strafe ver- urteilt wird, oder, im Fall er bedingte Freiheit genofs, dieselbe verwirkt, so ist die Direktion berechtigt zu 1»estimmen, ob er in Einzelhaft oler in Gemeinschaft mit andern (iefangenen gehalten und welcher Kla.ssc er zu- irozählt werden soll. Solche Gefangene dürfen nicht sofort in die Prü- fungsk lasse versetzt werden. S 115. Wenn ein zu lebenslänglichem Zuchthaus Verurteilter nachher vom Gerieht zu Hinsperrung in h(>ller Zelle und aufserdem zu Straf- schärfung vi'rurteilt wird, so ist die Strafschärfung sofort zu vollstrecken, wenn er aueii weyen einer andern Ursache sich bereits in Einzelhaft be- finden sollte. FiDuiflchcif Strati^cscubuch (B«iUgc 1, ZoiUichr. Xlj. 0 82 4. Kapitel. Gefängnisstrafe. § 1. Eine uubedin^rt oder au Stelle von Geldstrafe zuerkannte (le fängnisstrafe ist innerhalb des Landes in den Gelangnisseu der Lande>- hauptmannschafteu oder einem andern hierzu eingerichteten (lefängnis zu vollstrecken. Wenn die Strafzeit weniger als vierzehn Tage beträgt, so kann ilie Gefängnisstrafe in einem Stadt- oder Gerichtssprengelgefängnis, das zn diesem Zweck gntgeheifsen worden, vollstreckt werden. Eine unbediuj::! zuerkannte Gefängnisstrafe kann auch in [einem Znchthause vollstreckt werden, wenn die Umstände solches erfordern. Die zur GefängnisstratV Yernrteilteu dürfen jedoch nicht mit den Zuchthansgetangenen zusammen- gebracht werden. Werden 3Iäuner und Frauen in derselben Strafanstalt untergebracht, so sind die beiden Geschlechter voneinander gesondert zu halten. § 2. Wer eine Gefängnisstrafe abhilfst, ist verpflichtet zu arbeiten, doch kann er nach eigner Wahl eine für eigne llechnung auszuführende Arbeit angeben, die mit der Anstalt vereinbar ist und mit seinen oder den Werkzeugen der Anstalt ausgeführt werden kann. Kann er eine solche Arbeit oder die Werkzeuge dazu nicht anweisen, so ist er verpflichtet, für die Rechnung der Krone oder, wenn er in einem Stadt- oder Gerichts- sprengelgefängnis gehalten wird, für die Keclinimg der Stadt, des Crerichts- sprengeis oder der Krone, ein Handwerk oder eine andre geeignete Hand- arbeit zu verrichten. § 3. Die zu unbedingter Gefängnisstrafe Verurteilten sind einer be- stimmten Abteilung in der Anstalt zuzuzählen. In den Gefangnissen der Landeshauptmannschaften mufs die Anzahl der Gefangenenabteilungeu wenigstens zwei sein. In Bezug auf die Versetzung aus einer niedrigeren Abteilung in eine höhere gelten die im 3. Kapitel enthaltenen Be- st imnmngen über Versetzung aus einer niedrigeren Klasse in eine höhere. § 4. Die zu unbedingter Gefängnisstrafe Verurteilten sind zu Be- ginn der Strafzeit der niedrigsten Abteilung zuzuzählen und, wenn mög- licli. in Einzelhaft zu halten. Im Verhältnis zur Strafzeit des Gefangenen kann derselbe nach Ermessen der Gefängnisdirektion bis zu zwölf Monaten und, wenn wichtige Gründe dafür reden, noch länger in Einzelhaft ge- halten werden, wenn nicht die Gesundheit des Gefangenen darunter leidet. Gefangene, die nicht in Einzelhaft gehalten werden, sollen unter Auf- sicht in Gemeinschaft mit andern Gefangenen arbeiten und, wenn keine Zellen vorhanden sind, audi die Nächte und Freistunden gemeinsam mit einander zubringen. Gefangene, die das achtzehnte Lebensjahr nicht vollendet haben und zur niedrigsten Abteilung gehören, dürfen nicht mit altern Gefangenen derselben Abteilimg zusammengebracht werden. § 5. Gefangene, die an Stelle von Geldstrafe Gefängnisstrafe ab- büfsou. sind getrennt von andern (befangenen zu halten. Kann solches nicht geschehen, so sind sie. soweit möglich, mit solchen Gefangenen zu- sammenzuhalten, die unbedingte Gefängnisstrafe in einer höhern Abteilun^r abbüfsen. 83 § 6. Sind jfewichti^e Gründe vorhanden, einen Gefangenen, der in Genieiiischalt mit andern Gefanj^enen gebalten werden müfste, von den- selben zu trennen, so soll er, soweit möglich, in Einzelhaft gehalten werden. § 7. Wenn ein Gefangener, der in Gemeinschaft mit andern Ge- fangenen gehalten werden soll, den Wunsch ausdrückt, den Tag über in der Zelle zuzubringen, so sollen nach Umständen auf ihn die im § 0 des X Kapitels über Zuchthausgefangene enthaltenen Bestimmungen ange- wandt werden. ij X. Wenn ein Gefangener für eigne Rechnung gearbeitet hat, so Süllen zwei Drittel des Preises, der durch den Verkauf des Verfertigten erzielt wird, nach Abzug des Wertes der Zuthaten, der Krone, der Stadt oder dem Gerichtssprengel zufallen. S 9. Gefangenen, die für Rechnung der Krone arbeiten und sich während eines ganzen Monats gut geführt haben, kann für diesen Monat ein Sparpfennig gut geschrieben werden, dessen Höhe der Senat zu be- stimmen hat. § 10. Über die Einnahmen, die Gefangene durch ihre für eigne Rech- nung ausg(;führte Arbeit haben und über den Sparpfennig gelten die im X Kapitel enthaltenen Bestimmungen über den Sparpfeunig der in der Trüfungsklase befindlichen Zuchthausgefangenen. Von den Einnahmen durch Arbeit und vom Sparpfennig können auch fli(; an Stelle von Geldstrafe (Jefängnisstrafe abbüfsenden oder zu einer hühern Abteilung gehörenden Gefauffenen durch Vermittlung des Vor- stehers bis zur Hälfte zu irgend welchen Bequemlichkeiten oder Ver- zierungen in ihrem Gefän^nisraum oder zu irgend welcher Verbesserung in der Kost oder einer andern unschuldigen Verpflegung verwenden. Sil. Mit Leitung der Grundsätze, die im 3. Kapitel für Zuchthäuser angegeben sind, sollen auch die Abteilungen in den Gefängnissen auf eine Weise unterschieden werden, dafs die Gefangenen darin eine Ermunterung liruh'n können, sich der Versetzung in eine höhere Abteilung verdient zu niaclien. § 12. Gefangenen, die Gefängnisstrafe abbüfsen. soll nicht benommen srin. eigne Kleidung zu gebrauchen, im Fall sie dieselbe in Ordnung zu halten vermögen und die Sicherheit in Bezug auf die Bewachung dadurch nicht gefährdet wird. 8 \'S. Wenn ein zu unbedingter Gefängnisstrafe verurteilter Ge- fangener wieder vom Gericht zur Strafe verurteilt wird, oder wenn ein (iefangener, der bedingte Freiheit geniefst, dieselbe verwirkt, so sind auch auf ihn nach Umständen die im 8. Kap. für solche Fälle vorgeschriebenen Bestimmungen in Anwendung zu bringen. T). Kapitel. Geldstrafe und verwirktes Gut. § 1. Dem Kronvogt auf dem Lande und dem Magistrat oder Ord- nungsgericht in der Stadt obliegt es, darüber zu wachen, dafs Geldstrafen 84 erlegt oder geiimfs Urteil utlcr St rafi^elderrejjf ister einsret rieben, oder dalV die zur Geldstrafe Verurteilten bei Zahlmigsuufähij^keit ins üetaniniis ge:<(rtzt werden. § 2. Giebt der Verurteilte, wenn eine Geldstrafe eingetrieben wcrdtii Süll, an. dufs er das Urteil angefochten hat, ohne jedoch üsolches belcnen zu können, so soll ihm der Zwangsvollstrccker vorsclireibcn . iiin rhalli sechs Wochen das l^rttil einer höhern Instanz oder einen TJeleg für «lic Anfechtung vorzuweisen. Thut er es nicht oder ist er. im Fall das Urteil der höhern Instanz gefallen, von der Geldstrafe nicht hofreit worden, .sii soll der Zwangsvollstrecker, wenn nicht sonst gesetzliche Hindernis^' vorliegen, dieselben eintreiben oder den Verurteilten zur Abbüfsung d» r Gefängnisstrafe befördern. Weist der Verurteilte einen Beleg für die Anfechtung vor, so ist von der Zwangsvollstreckung Abstand zu nehmen, bis das Urteil der hölurn Instanz gefallen, doch nicht länger als ein Jahr V(m dem Tage, wo dii untere Instanz auf die Geldstrafe erkannte, im Fall nicht der Venirteilt«» einen neuen Beleg dafür vorweist, dafs die Sache von der höhern Instanz noch nicht entschieden ist. t; 3. Vermag der Verurteilte die Geldstrafe zu erlegen, ohne jedo»ch dürfen wegen (it-M- strafe nicht gepfilndet werden: (legenstände. die der Verurteilte ziim l'nterhalt für sich oder di(j Seinigen während eines Monats oder zur eignen oder deren Bekleidung braucht, seine einzigen Erwerbsmittel oder notwendige Wohnstatt oder unbewegliches Eigentum, aus dem er seinf.n n«)t wendigen Unterhalt bezieht, oder was zur Bebauung des Bodens » r- forderlidi ist. Kann er die Geldstrafe nicht voll erlegen, so ist er gemälV den im Strafgesetz enthaltenen Bestimnmngen für den vollen Betrag im (Jefängnis zu halten. Wer an Stelle von Geldstrafe (Jefängnisstrate abbüfst. ist berechtiirt. während der (iefängniszeit dieselbe voll zu erlegen. Wenn er Soh-he-: thut. so ist er sofort freizugeben. vi} 4. Wenn der Verurteilte eine Zwangsvollstreckung nicht abwarten will, so kann er. sobald das Urteil rechtskräftig «rewonlen. die (rt?ldstratV ujitsaint dem Urteil oder einem Beleih über den Betrag der GeMstratV dem Zwanir>vollstrocker üheri^eben. sj i). Wenn ein zu Geldstrafe Verurteilter siih aus dem Gericht>- bezirk oder d«r Stadt rntfernt. ohne ein dem Betrag der Geldstrafe ent* sprecJHMides Kiirentum zurückzulassen, so hat der Zwangsvollstrecker den Hefrhlslialxr des Kaisers und GrolVfürsten darum zu ersurhen. die zur Einrn'ibung d^-r (nddstrafe oder zum Unterbringen des Venirteilten in* Gefängnis m.tigen Malsn-geln zu eru:reiten. Ist der Aufenthaltsort de- Verurteilrrn unbekannt, so hat, der Befehlshaber des Kaisers und Gr»d>- fürsten i'tlt«'ntli book ii luidar DO oirouaiituioei to be fr.». 1